Berlin! - der Fahrgast

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Berlin! - der Fahrgast

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Wie gesagt, war der neue Bahnhof in

Spandau schon seit 1997 in Betrieb. Er

dient heute als Fernzughalt der meisten

Züge in Richtung Hamburg, Ruhrgebiet,

Amsterdam, Frankfurt (Main) und weiter

nach Süddeutschland und der Schweiz.

Verkehrlich ist er mit rund 50 000 tägli-

Am Bahnhof Zoologischer Garten halten

heute nur noch Regionalzüge.

Einen traurigen Geburtstag gibt es

leider in Berlin auch: Am 1. Mai

2009, vor zwei Jahren, brach bei einem

S-Bahn-Zug der BR 481 im Bahnhof

Kaulsdorf ein Rad. Darauf folgende

Kontrollen des Eisenbahn-Bundesamtes

(EBA) führten ab 1. Juli 2009 zum

Abstellen eines Großteils der Fahrzeugflotte

und damit zu den größten Einschnitten

in den Berliner S-Bahn-Betrieb

seit dem Zweiten Weltkrieg.

Von dieser Katastrophe hat sich die

S-Bahn bis heute nicht erholt. Zwei

Sommer und zwei Winter nacheinander

kam es zu Beinahe-Totalausfällen.

Versprechungen der S-Bahn- und der

DB AG-Führung wechselten sich ab mit

Halbdrohungen der Landes- und Bundespolitik,

die letztlich ohne Wirkung

blieben. Allein die Aussagen innerhalb

der Monate Januar bis März widersprechen

sich: Kündigte die DB AG im

Januar noch die Beschaffung neuer

Fahrzeuge an, die ab 2015 ausgeliefert

werden könnten, zog Vorstandschef

Grube diese Aussage Mitte März zurück

und behauptete gar, die DB AG

„dürfe“ keine Neufahrzeuge ordern.

Die Berliner Landespolitik zeigt sich uneins,

schon in der rot-roten Koalition:

Von der SPD und ihrer Senatorin Ingeborg

Junge-Reyer wird die Ausschreibung

von Teilnetzen ab 2017 ange-

chen Fahrgästen der kleinste unter Berlins

Fernbahnhöfen. Die Anbindung an Stadt

und Umland ist mit S- und U-Bahn, mehreren

RE- und RB-Linien sowie etlichen Buslinien

als sehr gut einzuschätzen. Die Umsteigewege

sind kurz.

Gestalterisch fällt das Urteil zweigeteilt

aus. Einerseits gefällt die Architektur der

Bahnhofshallen, nachdem in Deutschland

über Jahrzehnte keine Hallenneubauten

errichtet worden sind. Andererseits sind

Lage und Größe der Zu- und Abgänge nur

suboptimal und den örtlichen Gegebenheiten

geschuldet. Die Aufgänge wirken

eng, die unter den Gleisen befindliche

Empfangshalle hat zwar alle üblichen Service-

und Kaufeinrichtungen, wirkt aber

alles andere als hell und freundlich.

Am Ostbahnhof werden die meisten

Fernzüge in Richtung Westen eingesetzt,

nachdem sie ihre Behandlung im DB-Werk

Rummelsburg erhalten haben. Für Reisen-

S-Bahn Berlin GmbH

„Die S-Bahn schafft es nicht“

strebt. Die Linke will, dass das Land Berlin

die S-Bahn komplett übernimmt oder zumindest

die BVG mit dem Betrieb beauftragt.

Jüngst brachte Wirtschaftssenator

Harald Wolf (Linke) den Kauf neuer S-

Bahn-Züge durch das Land ins Spiel, was

aufgrund der Vorlaufzeiten aber schnell

geschehen müsste. Bündnis 90 / Die Grünen

wollen flächendeckend ausschreiben.

derFahrgast hat in der Ausgabe 4-2009 im

Beitrag „Der Absturz“ mehrere Forderungen

veröffentlicht, was kurz-, mittel- und

langfristig getan werden muss, um wieder

zu einem einer europäischen Hauptstadt

angemessenen Schnellbahnverkehr zu

kommen: „Ganz ohne Zweifel sind … die

Renditevorgaben der Deutschen Bahn AG

für die S-Bahn zurückzunehmen, und

zwar ersatzlos.“

Das wurde nicht erfüllt. Die S-Bahn soll

weiterhin Millionenbeträge als Gewinn

an den DB-Konzern abführen: Laut „Tagesspiegel“

im Jahre 2013 60 Millionen,

2014 54 Millionen, 2015 61 Millionen Euro.

Andererseits beziffern Schätzungen

die Kosten der Krise bis 2014 auf etwa 700

Millionen Euro.

„Wie in anderen DB AG-Bereichen, ist

gerade für den S-Bahn-Betrieb die Kostenwahrheit

herzustellen. Das betrifft insbesondere

die Trassen- und Bahnhofsnutzungskosten.“

14 derFahrgast 2/2011

Titel

de aus Richtung Osten ist er die erste großstädtische

Begrüßung. Da er mitten im

Berliner Kultbezirk Friedrichshain-Kreuzberg

liegt, wissen aber auch viele Reisende

aus Richtung Westen den Bahnhof zu

schätzen. Rund 90 000 Reisende nutzen

ihn täglich, unter ihnen viele so genannte

Backpacker-Touristen. Für sie sind in den

letzten Jahren zahlreiche preiswerte Motels

und Hostels entstanden.

Der Ostbahnhof ist an mehrere S-Bahn-

Linien angeschlossen, von denen fast alle

über die Stadtbahn fahren. Wenn die Baumaßnahmen

am Ostkreuz abgeschlossen

sind (siehe Kasten auf Seite 13), wird es

(wieder) eine durchgehende S-Bahn-Verbindung

zum neuen Flughafen Berlin-

Brandenburg International (BBI) geben.

Straßenbahnen und U-Bahnen gibt es am

Ostbahnhof nicht, einige Buslinien sichern

die innerstädtische Anbindung. Das große

Problem am Ostbahnhof ist sein Umfeld:

Das wurde nicht erfüllt. Noch immer

werden diese Zahlen gehütet wie ein

Staatsgeheimnis, auch die Abgeordneten

des Bundestages – der Bund ist immerhin

100 Prozent Eigentümer der S-

Bahn Berlin GmbH – und des Berliner

Abgeordnetenhauses erhalten keinen

Einblick in die DB-interne Rechnung.

„Das Land Berlin muss mit dem VBB

eine Lösung finden, die spätestens ab

2017, dem Zeitpunkt neuer Vergaben,

im Fall der Direktvergabe von Leistungen

deutlich formulierte und drastische

Sanktionen vorsieht, notfalls

einen Ausstieg des Landes und die Beauftragung

eines neuen Betreibers.

Aus allen Unterlassungen und Fehlern

des Verkehrsvertrages von 2004 sind

die strengsten Lehren zu ziehen.“

Das wurde zum Teil erfüllt. Im Juni

2010 einigten sich das Land Berlin und

die DB AG auf Änderungen im laufenden

Vertrag, der konkrete Zugzahlen,

Aussagen zur Pünktlichkeit und Strafgelder

vorsieht. 2010 behielt der Senat

einen zweistelligen Millionenbetrag

wegen Fehlleistungen ein. Was aber ab

2017 geschehen wird, ist noch im Dunklen.

Hier muss ein Weckruf an die Politik

erfolgen, und zwar an a l l e Seiten:

Es ist eine gesamtberliner Lösung gefragt,

die S-Bahn darf nicht Opfer von

Parteipolitik werden!

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