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Liste der geseBlschaftlichen Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben im Jahreslauf

Bereich Bezeichnung BundesJand Beschreibung

Gesellsch

aftliche

Praktiken,

Rituale

und Feste

VogeHhochzeit - ptaci

kwas (os.) - ptaskowa

swajzba fins.)

Sachsen/Brandenburg

Die Vogelhochzeit (25.01.) ist ein Kinderbescherbrauch. Als Dank für

das Füttern im Winter legen die Vögel den Kindern eine „Sroka", dt.

„Elster" - ein Gebildebrot aus Milchbrötchenteig in Form eines

nistenden Vogels Nester oder Vögel aus Buttercreme mit

Schokoladenüberzug, Schaumvögel aus Baisermasse und bunte

Zuckereier auf die bereitgestellten Teller. Das traditionelle

Verbreitungsgebiet der Vogelhochzeit liegt im obersorbischen

Sprachraum, von wo aus er sich durch die Vermittlung von

Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen auch in der Niederlausitz

verbreitete.

Seit den 1960er Jahren ist die Vogelhochzeit fester Programmpunkt in

vielen Kindergärten und Grundschulen. Die Kinder verkleiden sich als

Vögel, ziehen durch das Dorf und führen kleine Programme auf. In den

sorbischen Kindergärten tragen sie die regionalspezifischen

Hochzeitstrachten und stellen eine traditionelle Hochzeitsgesellschaft

nach.

Ende des 19. Jahrhunderts entstand die Tradition einer

Abendveranstaltung für Erwachsene, die in der Regel ein

Hochzeitsbitter moderierte. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts gestaltet

das Staatliche Ensemble für sorbische Volkskultur (heute Sorbisches

Nationalensemble) die Programme mit einer Mischung aus Estrade mit

folkloristischen Elementen und Revue. Diese Veranstaltung wird jährlich

an verschiedenen Orten der Oberlausitz angeboten. In der

Niederlausitz wird das Programm anlässlich des „Zapust" (Fastnacht)

aufgeführt. Für Kinder läuft in der gesamten Lausitz ein eigenes

Gesellsch

aftliche

Praktiken,

Rituale

und Feste

Fastnacht - pöstnicy

(os.) -zapust (ns.)

Sachsen/Brandenburg

Programm.

i


Liste der geseOschaftüchen Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben im Jahreslauf

Gesellsch

aftliche

Praktiken,

Rituale

und Feste

Zampern - camprowanje

(os./ns.)

Festumzug der Jugend -

zapust (ns.)

Osterbräuche - Jutrowne

rsatozks (os.| - Jatsowne

natogi (inis.)i

Brandenburg/Sachsen

Brandenburg

Sachsen/Brandenburg

Umzug Verkleideter mit Heischen in verschiedenen Gruppen

([unverheiratete] Jugendliche, verheiratete Männer und verheiratete

Frauen, heute auch gemischte Gruppen und Kinder) in Begleitung von

Musikanten von Haus zu Haus. Die ältere Literatur belegt spezifische

Kostüme der Zamperer: der Erbsstrohbär, der Storch, der

Schimmelreiter, in der Schleifer Region auch der Doppelmensch und

die Eierfrau. Heute kommen Clowns-, Tier- und andere Kostüme hinzu.

Nach einem Tanz mit der Hausfrau und einem Glas Schnaps erhalten

die Zamperer Eier und Wurst, heute auch Geld, für das „Eieressen",

das ist der Tanzabend der jeweiligen Zampergesellschaft. Die

Männerfastnacht mit dem Tanzabend der verheirateten Paare beendet

in vielen Dörfern das Zampern. In einigen Dörfern um Hoyerswerda,

z.B. in Zeißig, erscheinen die jungen Frauen zum Tanz in sorbischer

T rächt.

Seit Ende 19. Jahrhunderts stattfindender, von Musikanten begleiteter

Festumzug der Jugend in der Niederlausitz, der an einem Sonnabend

oder Sonntag nach dem Zampern stattfindet Die Mädchen tragen

Tanztrachten, die Burschen schwarze Anzüge und Hut. Ein aus

Papierblumen gefertigter Zapuststrauß ziert Hut oder Revers. Nach

einem ersten Tanz im Saal besucht der Festumzug Honoratioren wie

Bürgermeister, Pfarrer und andere verdienstvolle Einwohner, mit denen

gegen eine Gabe in die Fastnachtskasse und einen Imbiss, eine

Ehrenrunde getanzt und ein Zapuststräußchen überreicht wird. Der

Umzug endet am Abend mit dem Fastnachtstanz, zu dem alle

Einwohner eingeladen sind. Viele Frauen tragen ihre Tanztracht.

Viele Osterbräuche gehen auf vorchristliche Frühlingsriten zurück (z.B.

Palmweihe, Quellen- und Feuerweihe, Umritte). Heute werden einige

überregional (z.B. Ostersingen, Osterwasserholen, Ostereierverzieren),

andere regional ausgeübt (in der Niederlausitz Osterfeuer, in der

Oberlausitz Osterschießen, Waleien, in der katholischen Region

Kreuzsingen, Klappern, Osterreiten).

Ostereier

Ostereier - jutrowne Jejja

fos.) - jatsowne jaja (ns.)

Sachsen/Brandenburg

Traditionelles, reich verziertes Ostergeschenk (zusätzlich zu Pfeffer¬

kuchen oder Ostersemmeln) für Kinder, vor allem Patenkinder, früher

auch für das Gesinde bzw. den Pfarrer, Küster und Lehrer. Noch heute

ist es in einigen Regionen der Lausitz üblich, dass Kinder sich bei ihren

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Liste der gesellschaftlicheo Bräuche ynd Feste der Lausitzer Sorben am Jahreslauf

Waieien - walkowanje

(osJns.)

KSappern -klepotaraje

(os.)

Osterschießer! -

Jutrowrte tfeleraje |os.|

Ostersingen -Jutrowne

spewanje (os.) -

Sachsen/Brandenburg

Sachsen

Sachsen

Sachsen/Brandenburg

Paten ihren „Gründonnerstag" holen. Die Färbung und das Verzieren

erhöht die Wertigkeit des Eies. Weit verbreitet ist die Wachsbatiktech¬

nik, bei der auf die gekochten oder ausgeblasenen Eier mit heißem

Wachs dort Muster aufgetragen werden, wo das Ei beim anschließen¬

den Färben die Farbe nicht annehmen soll. Bei der Kratztechnik ritzt

man auf das bereits gefärbte Ei das Muster mit einem spitzen Gegen¬

stand ein; bei der Ätztechnik geschieht dies unter Verwendung von

Säure. Bei der Wachsbossiertechnik wird farbiges Wachs auf ein

weißes oder hell gefärbtes Ei aufgetragen und verbleibt auf der Schale.

Beliebtes Spiel, heute vor allem von Kindern in der Niederlausitz und im

Gebiet um Schleife praktiziert, bei dem in Gärten oder auf dem Dorf¬

anger gekochte, meist gefärbte Eier über eine künstlich angelegte Bahn

(„walka") hinabgerollt wurden. Als geschlagen galt das Ei, das von

einem anderen getroffen wurde. In Bautzen ging aus dem Waieien das

Eierschieben hervor, das Vereine Ende des 19. Jahrhunderts zu einem

überregionalen Volksfest mit Jahrmarktsstimmung entwickelten.

Bautzener Bürger „schoben" gekochte Eier, Apfelsinen oder Gebäck

den Abhang am Protschenberg zu den unten stehenden Kindern hinab.

In der DDR galt der Brauch als diskriminierend und wurde 1960

unterbunden. Seit 2001 erfreut sich das „Bautzener Eierschieben" mit

vielfältigem, auch sorbischem kulturellem Begleitprogramm erneut

großer Beliebtheit.

Nach der Heiligen Stunde am Gründonnerstagabend schweigen in der

katholischen Lausitz die Glocken. In einigen Dörfern ziehen am

Karfreitag und Ostersamstag Jungen, und neuerdings auch Mädchen,

früh, mittags und abends mit Holzklappern durch das Dorf und bleiben

vor Bildstöcken und Kreuzen stehen, um zu beten. Auf dem Weg

klappern sie laut, um alle Gläubigen zur Andacht und zum Gebet

einzuladen.

Lärmen in der Osternacht zur Vertreibung böser Geister, vor allem im

19. Jahrhundert sehr verbreitet. Heute konzentriert es sich auf die

südliche Oberlausitz, wo mit Zündplättchen, Knallkorken oder

Karbid(kanonen) geschossen wird.

Singen von Passionsliedern in der Passionszeit und Auferstehungs¬

liedern in der Osternacht; bis in die 1950/60er unter den evangelischen

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Liste der gesellschaftlichen Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben im Jahreslauf

Osterwas

ser

Jatsowne spiwanje (ns.)

Osterfeuer - jutrowny

wohesi (os.) -jatsowruy

wogen (ns.)

Osterwasser - jutrowna

woda (os.) -Jatsowna

wöda (ms.)

Osterreiten - kfizerjo

(os.) - Jatsowne rejtarje

(ns.)

Sachsen/Brandenburg

Sachsen/Brandenburg

Sachsen/Brandenburg

Sorben weit verbreitet. Ursprünglicher Träger ist die aus den Spinn¬

stuben hervorgegangene Singegemeinschaft der Mädchen, die vier

Wochen vor Ostern durch das Dorf und um die Fluren ging und

Passionslieder sang. Das Ostersingen hatte seinen Höhepunkt am

Karfreitag und endete bei Sonnenaufgang am Ostersonntag mit

Auferstehungsliedern. Im Kirchspiel Schleife singen seit 1993 in der

Osternacht einige Frauen in Tracht, die "Kantorki"; in der Kirche zu

Dissen in der Niederlausitz seit 2001 am Karfreitag der Chor "Luzyca"

und seit 2011 in Jänschwalde junge Frauen in der Osternacht. In den

katholischen Dörfern um Wittichenau pflegen Mädchen bis heute in der

Fastenzeit und am Gründonnerstag das Kreuzsingen, am Karfreitag

das Grab- und in der Osternacht das Auferstehungssingen.

In der Nacht zum Ostersonntag werden in mehr als 120 Dörfern der

Niederlausitz und einigen Orten der mittleren Lausitz um Mitternacht

Osterfeuer entzündet. In der Nacht wird von den Dorfburschen allerlei

Schabernack getrieben.

In den katholischen Gemeinden wird die Osterkerze am Osterfeuer vor

der Kirche angezündet.

Brauch, der an den Glauben an die besondere Kraft des im Frühling

erneuerten Wassers knüpft. Mädchen holen am Ostersonntag vor

Sonnenaufgang schweigend frisches Quellwasser, mit dem man sich

wusch, andere und das Vieh besprengte. Bei Nichteinhalten des

Schweigeverbots verliert es seine besondere Wirkung.

Prozessionen zum Uberbringen der Osterbotschaft zur Nachbarge¬

meinde; in Ostro auch Flurumritt. An den neun Prozessionen in der

katholischen Region beteiligen sich ausschließlich Männer, die mit nur

wenigen Ausnahmen Sorbisch als Muttersprache sprechen. Lediglich in

der Wittichenauer Prozession gibt es seit Anfang des 20. Jahrhunderts

einen deutschsprachigen Teil. Die Osterreiter singen und beten und

verkünden so die Auferstehung auch außerhalb der Ortschaften. In den

Orten umreiten sie die Kirche und den Friedhof. Sie führen in ihrer

Prozession das Kreuz, Kirchenfahnen und die Statue des

Auferstandenen mit. Die Reiter sind in Gehrock und Zylinder gekleidet;

die Pferde werden mit einem reich verzierten Geschirr sowie einer bunt

bestickte Schleife am Schweif geschmückt. Ist diese schwarz oder

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liste der geseBlschaiFtlichen Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben im Jahreslauf

Gesellsch

aftliche

Praktiken,

Rituale

und Feste

Gesellsch

aftliche

Praktiken,

Rituale

und Feste

Hexembrennien -

chodojtypalerjje fos.) -

pa8en|e chödotow fns.)

Sachsen/Brandenburg

weiß, deutet sie auf Trauer in der Familie hin. Wer zum ersten Mal

teilnimmt, trägt ein grünes Myrtenkränzchen; ein silbernes symbolisiert

das 25jährige Jubiläum, ein goldenes das 50jährige.

In der Niederlausitz wird seit 1998 im alten wendischen Kirchsprengel

Zerkwitz bei Lübbenau das Osterreiten gepflegt.

Frühlingsbrauch in der Walpurgisnacht (30.04.), bei dem ein hohes,

weithin sichtbares Feuer entfacht wird; in der Oberlausitz weit

verbreitet, in der Niederlausitz in den Gemeinden, die kein Osterfeuer

errichten. Dafür wird an einer geeigneten Stelle ein „Hexenhaufen" aus

trockenem Holz und anderem brennbarem Altmaterial errichtet, der bis

zum Hexenbrennen bewacht wird, um zu verhindern, dass die Jugend

der Nachbarorte ihn vorzeitig anzündet In einigen Dörfern wird obenauf

eine aus Stroh und alten Kleidungsstücken gefertigte „Hexe" gesetzt.

Seit 1995 veranstaltet die Gemeinde Göda in Sachsen das Gödaer

Hexenbrennen als Volksfest, in dessen Mittelpunkt die

Gerichtsverhandlung, eine vom Deutsch-Sorbischen Volkstheater

jährlich neu bearbeitete, satirische Anklageschrift und die Entzündung

des großen Hexenhaufens stehen.

Maibaum - meja (os./ns.| Sachsen/Brandenburg Frühlingsbrauch; am Vorabend des 1. Mai stellt die Jugend den

Maibaum auf-einen langen, entrindeten Baumstamm, an dessen

höchstem Punkt eine Birke mit bunten Bändern, mitunter auch eine

sorbischen Fahne, befestigt ist, den Girlanden umwinden und ein

Tannenkranz mit Bändern unterm Wipfel schmückt. In einigen Dörfern

der katholischen Region werden nach dem Aufstellen Marienlieder

gesungen, in den folgenden Wochen bis zum Werfen wird der Maibaum

von den Jugendlichen bewacht, um das vorzeitige Absägen durch die

Jugend der Nachbardörfer zu verhindern.

In der Oberlausitz ist der traditionelle Tag für das Maibaumwerfen ein

Sonntag. Im Mittelpunkt steht der Wettkampf, bei dem der Maikönig

ermittelt wird. Zuvor tanzt die Jugend unter dem Maibaum. In vielen

Orten tragen die Mädchen Trachten. Sobald der Baum ausgegraben ist

und fällt, rennen die Burschen nach dem Wipfel. Der Erste ist Maikönig

und wählt sich aus dem Kreis der Mädchen seine Maikönigin. Das Paar

führt den Zug der Jugend durchs Dorf zum Festplatz oder Gasthaus, wo

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Liste der geseilschaftüchen Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben im JahresHauff

es den Tanz eröffnet. In der Niederlausitz steht der Maibaum oft bis

Johanni, wird dann gefällt und versteigert.

Gesellsch

aftliche

Praktiken,

Rituale

und Feste

Johannisreiten - Janske

rejtowanje (ns.|

Brandenburg

Sommerlicher Brauch mit Reiterspiel zum Johannistag (24.06.), der

Mitte des 19. Jahrhunderts in mehreren Dörfern der Niederlausitz

gefeiert wurde und heute nur noch in Casel bei Drebkau gepflegt wird.

Träger ist heute nicht mehr die Dorfjugend, sondern ein eigens dafür

gegründeter Traditionsverein, im Mittelpunkt steht die Figur des

„Johann", ns. „Jan", eine Maskengestalt, die den Wachstumsgeist

verkörpern soll. Ein Bursche wird von einigen Mädchen mit

Kornblumenranken benäht, Arme und Beine werden mit Wicke

umwunden. Für den Kopf wird eine einer Krone ähnliche Maske

angefertigt. Sie ist ein Gerüst aus Schilfrohr und wird mit Gartenblumen

und Seerosen umwunden. Ist der Johann vollständig geschmückt, reitet

er gemeinsam mit Burschen des Dorfes vom Gasthof aus zum

Festplatz, begleitet von einer Blaskapelle. Vor den Reitern gehen die

Mädchen in weißen, mit blauen und roten Streifen besetzten Kleidern.

Sie tragen eine zweite Krone, die der Johann am Abend beim

Ehrentanz überreicht bekommt. Auf dem Festplatz angekommen, reitet

der Johann zunächst einige Male mit seinem gesamten Gefolge durch

die Menge der Zuschauer. Nach einigen Ritten scheiden die Begleiter

aus. Nun versuchen die Zuschauer, den Johann anzuhalten und seine

Blumen zu erhaschen, da sie als Glücksbringer gelten.

Gesellsch

aftliche

Praktiken,

Rituale

und Feste

Erntebräuche - injenske

natozki (os.) - znowne

nalogj (ns.|

Brandenburg/Sachsen

Bräuche anlässlich des Einbringens der Getreideernte mit traditionellen

Reiterspielen. Der Hahn, sorbisch „Kokot", tritt dabei in verschiedenen

Sinnzusammenhängen auf; so als Bezeichnung für die letzte Garbe, die

von den Schnittern mit bunten Blumen und Bändern geschmückt wurde.

Dabei riefen sie: „zins jo kokot - heut ist kokot", das heißt, die letzte

Garbe, der Hahn, ist vom Feld. Die Männer bekamen Sträuße aus

Ähren angesteckt. Die Mädchen banden Erntekränze und eine große

Erntekrone, womit sie auf dem Gutshof das Ende der Getreideernte

bekannt gaben. Danach wurde gefeiert und es fanden verschiedene

Wettspiele statt, bei denen „der alte Hahn" symbolisch oder auch reell

getötet wurde.

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Liste der gesellschaftlichen Bräuche und Feste der Lausteer Sorben im Jahreslauf

Kokot

" Hahnschlagen -

zabtjanje kokota (ms.)

Kokot

° Hahnrupfen - tapanje

kokota (ms.)

Stollenreiteini -

rejtowanje wo kotec (ns.)

Brandenburg

Brandenburg

Brandenburg

Altere Form der Spiele. Einst in der gesamten Lausitz verbreitet, wird es

heute in wenigen Dörfern der Niederlausitz gepflegt. Das Hahnschlagen

geschieht nicht mehr in seiner ursprünglichen Form, bei der der Hahn

mit Dreschflegeln erschlagen wurde, sondern nur noch symbolisch. In

Schmogrow bei Burg/Spreewald suchen die Burschen mit verbundenen

Augen mit einem Dreschflegel nach einem umgestürzten Topf, unter

dem der Hahn sitzt. Wer bei drei Versuchen den Topf als erster trifft,

wird König und hascht aus den sich im Kreise um ihn herum drehenden

Mädchen in Tanztracht nach einer Königin. Anschließend lassen die

Jungen den Hahn frei, um ihn dann wieder einzufangen und zu

versteigern.

Am weitesten verbreitete Form der Spiele. An den Querbalken einer

eigens dazu errichteten, mit Laub umwundenen Pforte wird kopfüber

ein toter Hahn angebunden. Die Burschen galoppieren nacheinander

durch die Pforte und versuchen dem toten Hahn den Kopf abzureißen.

Wem das gelingt, der wird erster König („kral"): die Burschen, die die

Flügel erhaschen, werden zweiter bzw. dritter König. Sie erhalten große

Siegerkränze aus Eichenlaub. Die Erntekönige wählen sich aus dem

Kreis der Mädchen, die die Tanztracht angelegt haben, mit

verbundenen Augen ihre Partnerinnen aus, um mit ihnen die

Ehrenrunde zu tanzen. Die Mädchen ermitteln aus ihrer Mitte bei

Geschicklichkeitsspielen wie dem Froschkarren, Junggesellenkarren

oder Eierlaufen die Erntekönigin. Sie bekommt ebenfalls als Preis einen

Eichenlaubkranz umgehängt. Zum Abschluss der Wettspiele geht es im

festlichen Zug zum Tanz ins Gasthaus. In diesem Festzug wird auch

die mit bunten Bändern geschmückte Erntekrone getragen.

Ehemaliger Pfingstbrauch, auch Teil des Hochzeitszeremoniells, bei

dem die unverheirateten Gäste um einen großen Kuchen oder Stollen

ritten; heute noch in Neu Zauche am Nordrand des Spreewaldes als

Erntebrauch im August gepflegt. Das Fest beginnt am Vormittag mit

einem Gottesdienst der Dorfjugend. Die Mädchen tragen die

Kirchgangstracht. Bevor es am Nachmittag zum Wettreiten und den

Wettspielen der Mädchen auf das abgeerntete Feld geht, werden die

Preise für die Sieger präsentiert; jeweils drei unterschiedlich große mit

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Liste der gesellschaftlichen Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben im Jahreslauf

Blumen und Spargelkraut geschmückte Stollen. Die Burschen reiten in

weißen Leinenhosen und Hemden auf ungesattelten Pferden um die

Wette und ermitteln so den schnellsten Reiter. Die Mädchen ermitteln

bei Geschicklichkeitsspielen ihre Besten.

Ringreiteo - kolo

rajtowanje (os./ Schleifer

dialekt)

Sachsen

Wettreiten zur Ermittlung des Erntekönigs im Kirchspiel Schleife, bei

dem eine Stange durch einen unter einer Girlande hängenden kleinen

Kranz gestochen werden musste. Der König erwählte sich seine

Königin oder bekam sie nach Mädchenwettkämpfen zugewiesen. Heute

versuchen in Halbendorf bei Schleife Reiterinnen und Reiter im Galopp

in mehreren Durchgängen einen Speer durch einen Ring aus

Eichenlaub zu werfen. Der bzw. die Beste bekommt von den Mädchen

des Dorfes den Pokal überreicht. Die Jugend führt einen Reigentanz

auf, bei dem die Jungen festlich gekleidet sind und die Mädchen die

Schleifer Tanztracht tragen.

Gesellsch

aftliche

Praktiken,

Rituale

und Feste

Kirmes - kermusa (os.) -

kjarmusa fns.)

Sachsen/Brandenburg

Jährliches Fest zur Erinnerung an die Kirchweihe; wichtigstes, in der

bäuerlichen Gesellschaft dreitägiges Fest im Dorf, das die Möglichkeit

zum Sattessen, zum Verwandtenbesuch und zum Tanz bot. In der

literarischen Erinnerung lebt sie vom Gegensatz zwischen dem kargen

bäuerlichen Alltag und einer rauschhaften Festtagsstimmung, die von

Großzügigkeit und Geselligkeit geprägt war.

In evangelischen wie katholischen Pfarrgemeinden wird sie bis heute

an Sonntagen zwischen dem Bartholomäustag (24.08.) und

St. Katharina (25.11.) gefeiert. Im Mittelpunkt stehen der Besuch der

Familie und das reichhaltige Essen. Vielerorts sind Festtagswiesen mit

Karussells und Buden aufgebaut.

Gesellsch

aftliche

Praktiken,

Rituale

und Feste

Spinte - praza (os.) -

pseza (ms.)

Sachsen/Brandenburg

Die „Spinte" (Spinnstube) war die wichtigste, aus kollektiver Arbeit

hervorgegangene Gemeinschaft im Dorf. Nach Abschluss der Ernte im

Herbst versammelten sich abends die unverheirateten „ehrbaren"

Mädchen, um das nötige Pensum an Garn zu spinnen, aus dem die im

Haushalt benötigte Leinwand gearbeitet wurde. Während der Arbeit

wurden - unter anderem — unter Anleitung der „Kantorka" Lieder

eingeübt, die zu Hochzeiten oder Beerdigungen vorgetragen werden

konnten. Die Gesellschaft der Spinnstube, zu der nach getaner Arbeit

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Liste der gesellschaftlScheni Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben sm JahresSauf

auch die ledigen Burschen Zutritt hatten, plante und gestaltete die

Feste der Jugend im kommenden Jahr („Zapust", Ostersingen,

Maibaum, „Kokot") und gilt daher bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts

als Träger vieler sorbischer/wendischer Bräuche. Im Kirchspiel Schleife

fungiert die Spinnstube heute als Treff für Frauen und Männer aller

Altersklassen, wobei es besonders um die Pflege der Gemeinschaft

und der sorbischen Sprache geht In der Niederlausitz widmen sich

Heimatvereine und Domowinagruppen unter der Bezeichnung „Spinte"

traditionellen Handwerkstechniken und dem regionalen Liedgut.

Gesellsch

aftliche

Praktiken,

Rituale

und Feste

Advents- und

Weihnachtsbräiuche -

hodowne oalozki (os.| -

gödowe nalogi (rts.)

Martinssingen -

Swfateho Mercina

spewanje (os.)

HL Barbara - Borborka

(OS.)

HL Nikolaus - Swjaty

Miktaws (os.)

HL Maria auf

Herbergssuche - Swjata

Marija hospodu pyta

Sachsen

Sachsen

Sachsen

Sachsen

Heischegang der Kinder am St. Martinstag (11.11.) in den katholischen

Dörfern (außer im Kirchspiel in Radibor). Die Kinder gehen in kleinen

Gruppen von Haus zu Haus und bitten unter Abgesang traditioneller

Heischeverse um Naschereien.

Bescherbrauch am Vorabend des Barbaratages (04.12.) in einigen

Dörfern des Kirchspiels Wittichenau. Die Hl. Barbara geht in Begleitung

von zwei düsteren Ruprechten von Haus zu Haus. Sie trägt ein weißes

Brautkleid und einen Schleier vor dem Gesicht. Den Kindern beschert

sie Äpfel, Nüsse und Süßigkeiten.

Bescherbrauch am Vorabend des Nikolaustages (06.12.) in einigen

Dörfern der Kirchgemeinde Wittichenau. Der Hl. Nikolaus geht als

Bischof gekleidet von Haus zu Haus und überreicht den Kindern

Süßigkeiten.

Heischegang der Kinder am Nikolaustag im Kirchspiel in Radibor

In einigen katholischen Orten der Oberlausitz ist es in der Adventszeit

üblich, eine Marienfigur von Haus zu Haus zu tragen. Symbolisch wird

die biblische Szene der Herbergssuche nachgestellt. In jedem Haus

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Liste der gesellschaftlscheni Bräuche iind Feste der Lausitzer Sorben im Jahreslauff

(os.)

bleibt die Marienfigur eine Nacht, um dann weitergereicht zu werden.

Die Reihenfolge der meist zehn beteiligten Haushalte wird ausgelost.

Während der Beherbergung werden Gebete gesprochen. Der letzte

Haushalt darf die Figur bis zum nächsten Advent „beherbergen".

Christkind - Boze

dzecetko (os.) -

Jarnsojski Bog (ns.)

Sachsen/Brandenburg

Bescherbrauch in der Schleifer Region („Dzecetko), dem

Hoyerswerdaer Land („Dzecatko") und der Niederlausitz („Jansojski

bog"). Das „Christkind" besucht in der Vorweihnachtszeit mit zwei

Begleiterinnen die Familien, heute auch Kindergärten, Schulen und

Seniorenheime. Es trägt eine mit Elementen der Brauttracht

geschmückte Festtracht, weiße Handschuhe und vor dem Gesicht eine

Tüllspitze. In den Händen hält es ein Glöckchen und die mit bunten

Schleifen besteckte, Segen spendende Lebensrute.

Gesellsch

aftliche

Praktiken,

Rituale

und Feste

Neujährcherj -

nowoletka fos./ns.)

Sachsen/Brandenburg

Zu Neujahr und zum Dreikönigstag wurden Gebildebrote in Tiergestalt,

sogenannte Neujährchen, und um Wittichenau „Dreizacken" („tfodraki")

gebacken, die dem Vieh unter das Futter gemischt wurden, damit es

gesund bleibe. Sie galten auch als traditionelle Gaben der Kinder für

ihre Paten. Aus dem Brauch, der sich vereinzelt bis in die 1920er Jahre

erhalten hat, entwickelte sich eine neue Tradition, welche vor allem in

Schulen und Kindergärten gepflegt wird. Hier formen und backen

Kinder verschiedene Tierfiguren, um sie zu verschenken. Das Museum

„Alte Pfefferküchlerei" in Weißenberg hat sich ebenfalls diesem Brauch

verschrieben. Zusammen mit den Besuchern werden dort in der

Winterzeit solche Gebildebrote gefertigt.

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Rituale

und Feste

WokSapnica (ns.) -

Woklabnica (os.)

Brandenburg/Sachsen

Öffentliche Gemeindeversammlung zum „Abklopfen" des vergangenen

Jahres in derZeit um den Dreikönigstag (06.01.). Nach dem Bericht des

Ortsvorstehers bzw. Bürgermeisters werden Gemeindeangelegenheiten

öffentlich diskutiert; die neu Zugezogenen „kaufen sich ein" mit einer

Saalrunde Schnaps. In den 1950er Jahren fand die Woklapnica nur

noch in Burg-Kauper statt. Seit den 1990er Jahren erfährt sie in der

Niederlausitz wieder wachsenden Zuspruch, im Kirchspiel Schleife wird

sie auf dem Nepila-Hof Rohne e.V. durchgeführt.

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