3R IFAT Special (Vorschau)
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04-05 | 2014<br />
ISSN 2191-9798<br />
<strong>IFAT</strong>, München<br />
05.-09. Mai 2014<br />
Besuchen Sie uns<br />
in Halle B5 an Stand 515<br />
Fachzeitschrift für sichere und<br />
effiziente Rohrleitungssysteme<br />
LESEN SIE IN DIESER AUSGABE:<br />
<strong>IFAT</strong> <strong>Special</strong><br />
Energieversorgungssysteme im Wandel<br />
Wasserversorgung<br />
Abwasserentsorgung<br />
Hausanschlusstechnik<br />
ErwartEn siE<br />
LösungEn,<br />
nicht nur produktE<br />
Halle A4 Stand Nr. 241/340<br />
www.avkmittelmann.com
4. Praxistag am 05. November 2014 in Rheine<br />
Wasserversorgungsnetze<br />
NEU<br />
Begleitende<br />
Ausstellung und<br />
Vorführungen<br />
Programm<br />
Moderation: Prof. Th. Wegener,<br />
iro Institut für Rohrleitungsbau, Oldenburg<br />
Wann und Wo?<br />
Block 1: Netzbetrieb - Analysieren und Optimieren<br />
Optimale fahrweise von Pumpen und Turbinen<br />
Dr. Gebhardt, aquatune, Aarbergen; Dr. Wolters, 3S Consult, München<br />
Rahmenbedingungen einer Zielnetzplanung<br />
Dr. Esad Osmancevic, RBS Wave GmbH, Stuttgart<br />
ISO 55 000 – Der Standard für das Asset Management<br />
Mike Beck, Fichtner Water & Transportation GmbH, Berlin<br />
Block 2: Strategien zur Netzspülung<br />
Reinigung einer Rohwasserleitung mit dem Impulsspülverfahren<br />
Carsten Utke, Berliner Wasserbetriebe, Berlin<br />
Auswahlkriterien für Spül- und Reinigungsverfahren<br />
Dominik Nottarp-Heim, Hessenwasser, Groß-Gerau;<br />
Dr. Christian Sorge, IWW, Biebesheim am Rhein<br />
Block 3: Armaturenwechsel und -instandhaltung<br />
Wechsel von Anbohrarmaturen bei Betriebsdruck<br />
N. N., Flintab GmbH, Brüsewitz<br />
Im Fokus: Armatureninstandhaltung<br />
Axel Sacharowitz, 3S Antriebe, Berlin<br />
Block 4: Druckprüfung von Rohrleitungen<br />
Fehlerhafte Druckprüfungen bei Wasserleitungen<br />
René Stangl, Hamm<br />
DVGW-Arbeitsblatt W 400-2 Druckprüfung von neu verlegten<br />
Rohrleitungen - Grundlagen, Verfahren, Anforderungen<br />
Jürgen Kurz, Esders GmbH, Haselünne<br />
Veranstalter:<br />
Veranstalter<br />
<strong>3R</strong>, iro<br />
Termin: Mittwoch, 05.11.2014,<br />
9:00 Uhr – 16:45 Uhr<br />
Ort:<br />
Zielgruppe:<br />
Rheine<br />
Mitarbeiter von Stadtwerken<br />
und Wasserversorgungsunternehmen,<br />
Dienstleister im Bereich<br />
Netzplanung, -inspektion und<br />
-wartung<br />
Teilnahmegebühr*:<br />
<strong>3R</strong>-Abonnenten<br />
und iro-Mitglieder: 410,- €<br />
Nichtabonnenten: 450,- €<br />
Bei weiteren Anmeldungen aus einem Unternehmen<br />
wird ein Rabatt von 10 % auf den jeweiligen<br />
Preis gewährt.<br />
Im Preis enthalten sind die Tagungsunterlagen<br />
sowie das Catering (2 x Kaffee, 1 x Mittagessen).<br />
* Nach Eingang Ihrer schriftlichen Anmeldung (auch per Internet<br />
möglich) sind Sie als Teilnehmer registriert und erhalten eine<br />
schriftliche Bestätigung sowie die Rechnung, die vor Veranstaltungsbeginn<br />
zu begleichen ist. Bei Absagen nach dem 24.<br />
Oktober 2014 oder Nichterscheinen wird ein Betrag von 100,- €<br />
für den Verwaltungsaufwand in Rechnung gestellt. Die Preise<br />
verstehen sich zzgl. MwSt.<br />
Block 5: Netzbetrieb - Überwachung<br />
Schallgeschwindigkeit im Rohrnetz<br />
Dirk Becker, Hermann Sewerin GmbH, Gütersloh<br />
Online Netzüberwachungssysteme zur Versorgungssicherheit<br />
Stefan Neuhorn, Hinni AG, Biel-Benken (CH)<br />
Erhöhte Rohrleitungsschwingungen in einem Wasserwerk<br />
Dr. Christian Jansen, KÖTTER Consulting Engineers GmbH & Co. KG<br />
Mehr Information und Online-Anmeldung unter<br />
www.praxistag-wasserversorgungsnetze.de<br />
Fax-Anmeldung: 0201-82002-40 oder Online-Anmeldung: www.praxistag-wasserversorgungsnetze.de<br />
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Vorname, Name des Empfängers<br />
Telefon<br />
Telefax<br />
Firma/Institution<br />
E-Mail<br />
Straße/Postfach<br />
Land, PLZ, Ort<br />
Nummer<br />
✘<br />
Ort, Datum, Unterschrift
<strong>IFAT</strong> 2014 sprengt die<br />
Bestmarken<br />
Für fünf Tage dreht sich die Welt in München um die Themen Wasser-, Abwasser-,<br />
Abfall- und Rohstoffwirtschaft. Vom 5. bis zum 9. Mai öffnen sich die Tore der Messe<br />
München zur weltweit größten Umwelttechnologiemesse. Rund 3.000 Aussteller<br />
aus dem In- und Ausland präsentieren auf über 230.000 m 2 neueste Produkte und<br />
Verfahren, seit Anfang Januar ist die Messe ausgebucht. Vor zwei Jahren besuchten<br />
über 125.000 Fachbesucher die Weltleitmesse, davon 50.000 Teilnehmer aus dem<br />
Ausland.<br />
Die Länder-Foren sind seit vielen Jahren fester Bestandteil des Rahmenprogramms der<br />
<strong>IFAT</strong>. In Kooperation mit dem Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz<br />
(StMUV) organisiert die Messe München in diesem Jahr u.a. Foren zu Indien, China<br />
und Mexiko/Mittelamerika. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau<br />
und Reaktorsicherheit (BMUB) nimmt sich in Zusammenarbeit mit German Water<br />
Partnership (GWP) der Besonderheiten des türkischen Marktes an. GWP organisiert<br />
zudem das zweite Länder-Forum Indien. Zum Rahmenprogramm gehören auch<br />
die Themen-<strong>Special</strong>s. In diesem Jahr werden Themen wie „Phosphor-Recycling“,<br />
„Ressourcenschutz durch Kreislaufwirtschaft“, „Nachhaltiges Wassermanagement“,<br />
„Wasser und Energie“ und „intelligent urbanization“ behandelt. Im Freigelände<br />
finden erstmalig auch fünf Live-Demonstrationen statt.<br />
<strong>3R</strong> wieder dabei<br />
Die aktuelle <strong>3R</strong>-Ausgabe widmet sich mit ihrer <strong>IFAT</strong>-Produkt-<strong>Vorschau</strong> und den<br />
weiteren Schwerpunkten intensiv und umfassend den Themen der Messe. Einige<br />
Produktneuheiten, die auf der <strong>IFAT</strong> präsentiert werden, finden Sie ab Seite 30.<br />
Einem Thema, das immer mehr Interesse findet, ist der Schwerpunkt „Energiesysteme<br />
im Wandel“ gewidmet. Dabei handelt es sich um die energetische Nutzung<br />
von Abwasserwärme. Eine stetig wachsende Zahl von ausgeführten Anlagen zeigt<br />
die Wirtschaftlichkeit dieser Technologie – eine intensive und fachlich korrekte<br />
Planung vorausgesetzt. Einen Überblick über die am Markt befindlichen Systeme<br />
gibt der Beitrag von Wolfram Stodtmeister ab Seite 78. Zentral ist das T h e m a<br />
„Sanierung“: Dr. René Thiele beschreibt z. B. die „Betrachtung<br />
der Statik bei Schachtsanierung“ nach dem RSV-Merkblatt<br />
6.2, Roland Wacker wirft einen Blick auf den „Umgang<br />
mit Qualität bei Kanalsanierungsmaßnahmen - Anspruch<br />
und Wirklichkeit“ und Dr. Jörg Sebastian berichtet über<br />
„Schlauchlinerprüfungen - Statistische Auswertung von<br />
über 28.000 Linerproben“.<br />
Ich wünsche allen Teilnehmern der <strong>IFAT</strong> 2014 eine<br />
interessante und lebendige Messe, viele konstruktive<br />
Gespräche und neue Anregungen und Ideen für den<br />
Berufsalltag. Besuchen Sie uns auf unserem Stand in<br />
Halle B5, Stand 515, Sie sind herzlich eingeladen.<br />
Nico Hülsdau<br />
Chefredakteur <strong>3R</strong><br />
04-05 | 2014 1
INHALT<br />
NACHRICHTEN<br />
10<br />
Fallbeispiele diskutieren und analysieren - Erfahrungsaustausch<br />
der RAL-Gütegemeinschaft Kanalbau in neuem Format<br />
32<br />
Eine Vielzahl an Neuerungen stellt die AVK Mittelmann Armaturen<br />
GmbH auf der diesjährigen <strong>IFAT</strong> aus<br />
INDUSTRIE & WIRTSCHAFT<br />
6 Hauptversammlung der VNG stimmt Übertragung der Aktien an die EWE zu<br />
6 Netzentwicklungsplan Gas 2014 legt Schwerpunkt auf die Umstellung von<br />
L-Gas auf H-Gas<br />
7 RelineEurope baut ersten GFK-UV-Liner in Israel ein<br />
8 Studie zum europäischen Markt für Kunststoff-Rohre<br />
8 AUMA im App Store<br />
9 NORMA Group erwartet solides Umsatzwachstum für 2014<br />
EDITORIAL<br />
1 „<strong>IFAT</strong> 2014 sprengt die<br />
Bestmarken“<br />
Nico Hülsdau<br />
VERBÄNDE<br />
10 RAL-Gütegemeinschaft Kanalbau: Erfahrungsaustausche in neuem Format<br />
12 RSV-Arbeitskreis Grundstücksentwässerungsanlagen stellt neues Poster vor<br />
12 SKZ übernimmt Kunststoffprüflabor des TÜV SÜD in Frankfurt<br />
13 Zuverlässige Grundstücks entwässerung schützt Werte<br />
14 Haftungsfalle Hauseinführung<br />
PERSONALIEN<br />
14 Neue Beiratsmitglieder und Schriftleiter bei <strong>3R</strong><br />
16 Hans G. Huber verstorben<br />
16 Karl-Heinz Flick feiert 60. Geburtstag<br />
16 Dr. Fritz Holzwarth ist neuer Geschäftsführer des Vereins WASSER BERLIN e.V.<br />
17 Richtigstellung: EUROPIPE bestellt neue Geschäftsführer<br />
17 Reifenhäuser bleibt Vorsitzender des Ausstellerbeirates K 2016<br />
VERANSTALTUNGEN<br />
18 Erste <strong>IFAT</strong> Eurasia findet 2015 in Ankara statt<br />
18 7. Workshop Gasmengenmessung 2014<br />
19 WASSER BERLIN INTERNATIONAL optimiert Konzept<br />
20 Seminar zu grabenloser Sanierung im Mai<br />
20 Seminar zu Druckstößen in Rohrleitungen<br />
21 Normen und Regelwerke im Fokus des 3. Reparaturtags<br />
22 12. Schlauchlinertag: Etablierte Veranstaltung in neuem Gewand<br />
24 ptc als Treffpunkt der Pipelinebranche<br />
2 04-05 | 2014
46<br />
GFK ist ein vielseitig einsetzbarer Werkstoff, ob für den Rohrvortrieb, die<br />
Regenwasserbehandlung, die Abwasserentsorgung oder die Sanierung<br />
<strong>IFAT</strong>-PRODUKT-SPECIAL<br />
28 <strong>IFAT</strong> 2014 - Wachsen mit dem Trend<br />
30 Elektrische Stellantriebe in der Wasserwirtschaft<br />
32 Technische Weiterentwicklungen und Neuerungen bei<br />
Hydranten, Armaturen und Ventilen<br />
36 Moderne Unterflurhydranten für die Trinkwasserversorgung<br />
38 Spezielle Armaturen für die Abwasserindustrie<br />
40 Vielfältiges Produktportfolio mit zahlreichen<br />
Sortimentserweiterungen<br />
42 Neue Schutzmantelrohre ermöglichen Stumpfschweißen<br />
ohne abzumanteln<br />
44 Multi-Druckanbohrventil für PE-Druckrohrleitungen<br />
44 Druckvortriebsrohr DA 3270<br />
45 Doppelrohrsystem für Wasserschutzgebiete mit<br />
DiBt-Zulassung<br />
46 Neue Lösungen aus GFK für die Rohrleitungsbranche<br />
48 PU-Speziallösungen für den Korrosionsschutz<br />
50 Integrationsplattform zur Einbindung dezentraler<br />
Feldgeräte<br />
von Henrik Friedemann M.A.<br />
54 Leitungen präzise orten<br />
55 Neues Präzisions-Markierungssuchsystem und<br />
Bodenradarsystem<br />
56 Leckfrüherkennung mittels mit Hydrophon<br />
ausgerüsteter Hydranten<br />
58 Automatisierte Geräuschpegelüberwachung für die<br />
Trinkwasserversorgung<br />
60 Neues System für Schacht-in-Schacht-Sanierung<br />
61 Technologien für grabenlose Leitungssanierungen<br />
62 Erstmalig Heizwendel- und Stumpfschweißen mit nur<br />
einem Gerät<br />
62 Bereit für den Fels: Bohranlage mit Doppelrohrgestänge<br />
63 Neue WI-CNC-Steuereinheit an Stumpfschweißmaschine<br />
Mehr Schutz, mehr Sicherheit.<br />
Schutzmantelrohre<br />
mit Mantel stumpf<br />
verschweißen<br />
Ihre Vorteile:<br />
Y schnelleres Verarbeiten<br />
Y keine zusätzlichen Schweißnaht - Schutzsysteme notwendig<br />
Y durchgängiger Schutz der Oberfläche vor Kerben und Riefen<br />
Y uneingeschränkt zertifiziert nach PAS 1075 Typ 3<br />
Y Langzeit-Sicherheit von mindestens 100a bei<br />
sandbettloser und grabenloser Verlegung<br />
STUMPFSCHWEISSEN<br />
OHNE MANTELRÜCKSCHNITT<br />
EINZIGARTIGER VERARBEITUNGS-<br />
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04-05 | 2014 3
INHALT<br />
FACHBERICHTE<br />
78<br />
120<br />
Die Nutzung von Abwasserwärme etabliert sich als ein Baustein bei der<br />
Gestaltung der Energieversorgung von morgen<br />
Wie soll man vorgehen, um die Mängel bei Kanalsanierungsmaßnahmen<br />
zu minimieren? Antworten gibt der folgende Beitrag<br />
RECHT & REGELWERK<br />
64 DWA-Regelwerk<br />
65 DVGW-Regelwerk<br />
SERVICES<br />
20 Messen | Tagungen<br />
163 Buchbesprechung<br />
166 Seminare<br />
169 Marktübersicht<br />
176 Inserentenverzeichnis<br />
177 Impressum<br />
ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL<br />
68 Hybridnetze in urbanen Modellquartieren der D-A-CH-Region<br />
von DI Robert Hinterberger<br />
76 Grabenlose Dükerung von 110-kV-Hochspannungskabeln in polymeren Schutzrohrsystemen<br />
78 Energiewende auch im Wärmemarkt umsetzbar - Praxisbeispiele<br />
von Wolfram Stodtmeister<br />
82 Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen für Immobilienakteure zum Einsatz der Energierückgewinnung<br />
aus Kanälen<br />
von Dipl.-Ing. M.Sc. M.Sc. Achim Hamann<br />
86 Abwasserwärmenutzung in Straubing: eine energieeffiziente Technologie setzt sich durch<br />
von Prof. Dr.-Ing. Oliver Christ, Dr.-Ing. Ralf Mitsdoerffer, Dipl.-Ing. Univ. Cristina Pop<br />
90 Wärme aus Abwasser und dem umgebenden erwärmten Erdreich nutzen<br />
von Bernhard Läufle<br />
WASSERVERSORGUNG<br />
93 Wasserleitung von der Türkei nach Zypern<br />
ABWASSERENTSORGUNG<br />
96 Das GompitZ-Modell für die Zustandsmodellierung von Abwassernetzen<br />
von Dipl.-Ing. Ingo Kropp, Prof. Dr.-Ing. Torsten Schmidt<br />
100 Druckklassengerechte Abzweige an PE-Leitungen ohne Unter brechung des Betriebs herstellen<br />
von Dipl.-Ing. Robert Eckert<br />
105 Die Grundstücksentwässerungsanlagen der Deutschen Bahn AG<br />
von Dipl.-Ing. Andreas Schreiber<br />
108 Im Schatten der Schwebebahn – Sanierung durch Erneuerung<br />
110 Neues Verbundrohrsystem bewährt sich bei ersten Praxiseinsätzen<br />
112 Kurvenvortrieb mit GFK-Rohren DN 2000 in Ivry-sur-Seine<br />
114 Bei der DB in Kassel sorgt INNOLET für sauberes Oberflächenwasser<br />
4 04-05 | 2014
80 jahre rohrschutz<br />
Korrosionsschutzsysteme<br />
für den Rohrleitungsbau<br />
147<br />
GFK-<br />
Beschichtungen<br />
Petrolatum-<br />
Bänder<br />
Klein aber effektiv: Mit Kleinbohranlagen lassen sich Leitungen auf engstem<br />
Raum sehr präzise verlegen, wie der Anwendungsbericht zeigt<br />
116 Betrachtung der Statik bei Schachtsanierung<br />
von Dr.-Ing. René Thiele<br />
120 Umgang mit Qualität bei Kanal sanierungsmaßnahmen – Anspruch<br />
und Wirklichkeit<br />
von Dipl.-Ing. Roland Wacker<br />
124 Schlauchlinerprüfungen Teil 4: Statistische Auswertung von über<br />
28.000 Linerproben<br />
von Dr. rer. nat. Jörg Sebastian<br />
130 DN 300 in einem Stück mit UV-Technik auf 354 m erfolgreich saniert<br />
132 Neue Anwendungsfelder für Quick-Lock-Montagesystem<br />
von Dipl.-Ing. Klaus W. König<br />
138 Rohrverbinder schützen Terminal neubau am Flughafen München<br />
HAUSANSCHLUSSTECHNIK<br />
140 Abwasser-Hausanschlüsse in PE: Problemlösungen für die Variablen<br />
Werkstoff, Dimensionen und Verbindungstechnik<br />
Dipl.-Ing. (FH) Kai Büßecker<br />
144 Praxiserfahrungen beim Breitband-Hausanschluss unter Nutzung<br />
vorhandener Infrastruktur<br />
von Dipl. - Ing. (FH) Ralf Schröder<br />
147 Flachbohrungen für den Glasfaserausbau<br />
148 Experten diskutieren Fragen zur Instandhaltung von GEA<br />
KORROSIONSSCHUTZ<br />
150 Werkstoffbezogene Begriffe der Instandhaltung und ihre Bedeutung<br />
für die Planung von Rohrleitungen<br />
von Hans Gaugler, Dipl.-Phys. Rainer Deiss, Dr. Hans-Jürgen Kocks<br />
158 Streustrombeeinflussung von Stahlrohrleitungen durch Gleichstrom-<br />
Nahverkehrsbahnen<br />
von Dipl.-Ing. Ulrich Bette, Dr. Manfred Menge<br />
resources. innovations. solutions.<br />
Messe München<br />
5.-9. Mai 2014<br />
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04-05 | 2014
NACHRICHTEN INDUSTRIE & WIRTSCHAFT<br />
Hauptversammlung der VNG stimmt Übertragung der<br />
Aktien an die EWE zu<br />
Die Hauptversammlung der VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft<br />
(VNG AG) hat am 8. April einstimmig der Übertragung<br />
der Aktienanteile der Wintershall Holding GmbH in Höhe<br />
von 15,79 % auf den Mitgesellschafter EWE AG zugestimmt.<br />
In diesem Zusammenhang hat der Vorsitzende des Aufsichtsrats,<br />
Dr. Rainer Seele, mit Wirkung zum 8. April 2014 den<br />
Vorsitz im Aufsichtsrat der VNG AG niedergelegt.<br />
Den Vorsitz im Aufsichtsrat hat seit dem 8. April 2014<br />
interimsweise der 1. stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende,<br />
Holger Hanson, Geschäftsführer der Stadtwerke<br />
Neubrandenburg.<br />
Die Mitglieder des Aufsichtsrats haben Dr. Seele und der<br />
Wintershall als demnächst ausscheidende Aktionärin für<br />
ihr Engagement gedankt. „Dr. Seele hat mit seinem Engagement<br />
dazu beigetragen, dass die VNG AG ihre Strategie<br />
als Erdgasspezialist entlang der Wertschöpfungskette in<br />
den letzten Jahren konsequent fortführen konnte. Dafür<br />
gebührt ihm unser Dank“, betonte Hanson.<br />
Netzentwicklungsplan Gas 2014 legt Schwerpunkt auf<br />
die Umstellung von L-Gas auf H-Gas<br />
Quelle: Fernleitungsnetzbetreiber<br />
Ein Schwerpunkt im Netzentwicklungsplan (NEP) 2014 ist die<br />
sukzessive Umstellung von L-Gas-versorgten Gebieten auf<br />
H-Gas. Diese Fokussierung wird angesichts der abnehmenden<br />
Produktion von L-Gas in Deutschland und der ab 2020<br />
sinkenden L-Gas Exporte aus den Niederlanden notwendig.<br />
„Mit konkreten Aktivitäten zur praktischen Durchführung<br />
der Umstellung bleibt das Thema Versorgungssicherheit für<br />
die deutschen Fernleitungsnetzbetreiber auch im neuen NEP<br />
ganz oben auf der Agenda“, so Inga Posch, Geschäftsführerin<br />
der Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber Gas e. V.<br />
(FNB Gas). Größere Ausbaumaßnahmen sind insbesondere<br />
im Südosten und Nordwesten Deutschlands geplant (siehe<br />
rote Markierungen im Bild). Konkrete Beschreibungen aller<br />
Projekte können den veröffentlichten Projektsteckbriefen<br />
entnommen werden, die eine wichtige Neuerung des NEP<br />
2014 darstellen. Die BNetzA konsultiert nun nochmals alle<br />
Marktteilnehmer und veröffentlicht dann das Ergebnis.<br />
Eventuelle Ergänzungen und Änderungen werden danach<br />
von den FNB in den NEP 2014 eingearbeitet.<br />
Netzausbauvorschlag der FNB für den NEP 2014<br />
Zum Konsultationsverfahren<br />
Das Konsultationsdokument zum NEP 2014 war am 17.<br />
Februar 2014 auf der Internetseite „www.fnb.gas.de/netzentwicklungsplan“<br />
veröffentlicht worden. Im Rahmen einer<br />
dreiwöchigen Konsultation wurde den Marktteilnehmern<br />
Gelegenheit zur Äußerung gegeben. Zusätzlich zur Veröffentlichung<br />
im Internet fand auf Einladung der FNB am 24.<br />
Februar ein öffentlicher Workshop statt, bei dem der NEP<br />
erläutert und diskutiert wurde.<br />
Für die „insgesamt 49 schriftlichen Stellungnahmen, die<br />
eingegangen sind, und deren Anregungen im Entwurf des<br />
NEP 2014 berücksichtigt worden sind, bedankt sich Posch<br />
bei „allen Konsultationsteilnehmern für die außerordentlich<br />
offene und konstruktive Mitwirkung“ und ist zuversichtlich,<br />
dass damit ein valider Prozess in Gang gesetzt werden kann.<br />
KONTAKT: Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber Gas e. V. (FNB Gas),<br />
Berlin, Tel. +49 30 92102350, E-Mail: info@fnb-gas.de<br />
6 04-05 | 2014
INDUSTRIE & WIRTSCHAFT NACHRICHTEN<br />
RelineEurope baut ersten GFK-UV-Liner in Israel ein<br />
RelineEurope lieferte erstmals Alphaliner nach Israel. In Tel<br />
Aviv hat der neue Anwender und Partner des Liner-Herstellers<br />
im Dezember 2013 die ersten 400 m Alphaliner DN 180 bis<br />
DN 300 innerhalb einer Woche erfolgreich eingebaut. Dieses<br />
Projekt war auch die Premiere für den Einsatz von UV-lichthärtenden<br />
Schlauchlinern in Israel.<br />
Das Unternehmen aus Tel Aviv hatte im Sommer eine neue<br />
UV-Anlage REE2000-Mobile erworben und sein Team in<br />
Deutschland bei RelineEurope mit der Basisschulung für den<br />
Umgang mit dem UV-Equipment und Einbau des ALPHALI-<br />
NERs ausgebildet. Unter Beratung und mit Unterstützung von<br />
RelineEurope wurde diese Aushärteanlage in Israel mit dem<br />
zugehörigen Equipment ergänzt und in einen dafür vorbereiteten<br />
Lkw eingebaut.<br />
Der neue RelineEurope-Partner war bisher in den Bereichen<br />
Kanalreinigung, TV-Untersuchung sowie Tief- und Straßenbau<br />
tätig. Mit dem Alphaliner-System wurde die Sanierung mit<br />
UV-lichthärtenden GFK-Schlauchlinern neu in das Portfolio<br />
aufgenommen. Im November beauftragte die Stadt Tel Aviv<br />
die ersten zu sanierenden Haltungen.<br />
Der Auftrag wurde in der ersten Dezemberwoche ausgeführt.<br />
Innerhalb von fünf Arbeitstagen erneuerte die Kolonne insgesamt<br />
sechs Haltungen in drei Stadtteilen der israelischen<br />
Metropole. Zur Unterstützung und Beratung war bei diesem<br />
ersten Projekt ein Anwendungstechniker aus Deutschland<br />
vor Ort. Die intensive Schulung in der Alphaliner-Technologie<br />
zahlte sich aus. Schon am ersten Einbautag konnten die Mitarbeiter<br />
des neuen Anwendungspartners je einen Alphaliner<br />
in zwei Haltungen selbständig einbauen.<br />
Das erste Sanierungsprojekt in Israel mit UV-lichthärtenden<br />
Schlauchlinern stieß auf großes Interesse beim Bauherrn bzw.<br />
Kanalnetzbetreiber. Die Bauleiter und Inspektoren des Wasserund<br />
Abwassernetzes von Tel Aviv nutzen die Gelegenheit, um<br />
sich über die Technologie des für sie neuen Kanalsanierungssystems<br />
zu informieren. Auch der Direktor und Geschäftsführer<br />
des Netzbetreibers war vor Ort, um die Installationsarbeiten<br />
zu besichtigen. In den Gesprächen auf den Baustellen wurden<br />
vor allem der geringe Platzbedarf der Baustelleneinrichtung,<br />
die Flexibilität und Mobilität des gesamten UV-Equipments,<br />
vor allem aber die schnelle Einbauzeit positiv erwähnt. Auch<br />
die geringe Umweltbelastung und der schonende Umgang<br />
mit der Ressource Wasser beeindruckte.<br />
Das Alphaliner-System wird damit weltweit in 34 Ländern<br />
erfolgreich eingesetzt.<br />
<strong>IFAT</strong> 2014, München<br />
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04-05 | 2014 7
NACHRICHTEN INDUSTRIE & WIRTSCHAFT<br />
Studie zum europäischen Markt für Kunststoff-Rohre<br />
Rohre aus Kunststoff werden in allen Bereichen immer beliebter.<br />
Das Marktforschungsinstitut Ceresana erwartet, dass der<br />
Umsatz in Europa von Kunststoffrohren im Jahr 2020 rund<br />
12,7 Milliarden Euro erreichen wird, da die Vorzüge für ihre<br />
Nutzung erheblich sind. Kunststoffrohre besitzen gegenüber<br />
anderen Materialien, etwa Aluminium, Beton, Gusseisen,<br />
Kupfer oder Stahl, deutliche Vorteile. Wegen ihres geringen<br />
Gewichts, der Beständigkeit gegen Korrosion und Chemikalien<br />
sowie der einfachen Handhabung, u. a. durch grabenlose Verlegetechniken,<br />
steigt ihre Bedeutung in allen Anwendungen.<br />
Vielseitige Einsetzbarkeit als Wettbewerbsvorteil<br />
Die Bedeutung der Anwendungsgebiete für die einzelnen<br />
Rohrtypen unterscheidet sich dabei deutlich. So sind Rohre aus<br />
Polyvinylchlorid (PVC) vergleichsweise günstig und kommen<br />
besonders für Abwasser, Trinkwasser und Kabelschutz zum<br />
Einsatz. Rohre auf Basis von Polypropylen (PP) und Polyethylen<br />
(PE) machen bei der Trinkwasserversorgung den PVC-Rohren<br />
zunehmend Konkurrenz; bei Anwendungen im Bereich der<br />
Gasversorgung und Industrie haben sie bereits eine wichtige<br />
Rolle eingenommen. Der Einsatz von Rohren aus anderen<br />
Kunststoffen, wie z. B. Polybutylen, Polyamid und Acrylnitril-<br />
Butadien-Styrol, wird in den nächsten Jahren ebenfalls deutlich<br />
zulegen. Durch den Einsatz von Verbundrohren aus mehreren<br />
Materialien, z. B. PE-X und Aluminium, können Eigenschaften<br />
von Rohren gezielt optimiert werden.<br />
Wichtigster europäischer Absatzmarkt für Kunststoffrohre<br />
im Jahr 2012 war Deutschland mit einem Anteil von rund<br />
13,5 % am Verbrauch. Danach folgten Russland, die Türkei,<br />
Frankreich und Italien. In der Vergangenheit profitierten viele<br />
osteuropäische Länder von der rasanten Entwicklung wichtiger<br />
Absatzmärkte für Kunststoffrohre. Aktuell befindet sich die<br />
Bauwirtschaft in vielen Staaten Europas allerdings in einer<br />
schwierigen Situation. Dennoch profitieren Kunststoffrohre<br />
von Substitutionseffekten auf Kosten anderer Materialien:<br />
Metall oder Beton werden weiterhin durch Kunststoffe ersetzt,<br />
die bessere Verarbeitungsmöglichkeiten bieten. Außerdem<br />
spielt der Preis für Rohmaterialien, z. B. Stahl oder Kupfer,<br />
eine entscheidende Rolle.<br />
Regionale Unterschiede innerhalb Europas<br />
Auf dem vergleichsweise gesättigten Markt in Westeuropa<br />
werden höherwertige Rohrtypen aus PE und PP verstärkt<br />
nachgefragt, während der Verbrauch von PVC-Rohren kaum<br />
noch wachsen wird. Insgesamt wird in den Ländern Westeuropas<br />
der Kunststoffrohr-Markt nicht mehr die Wachstumsraten<br />
erreichen, die vor der Wirtschaftskrise noch möglich<br />
waren. Jedoch stellt sich die Situation in den einzelnen<br />
Ländern Europas zum Teil sehr unterschiedlich dar. Während<br />
in Dänemark, Deutschland und der Schweiz mit einer vergleichsweise<br />
positiven Entwicklung zu rechnen ist, steht für<br />
einige südeuropäische Länder, wie z. B. Griechenland oder<br />
Spanien, kurzfristig keine wesentliche Erholung in Aussicht.<br />
In Osteuropa werden PVC-Rohre im Vergleich zum Westen<br />
auf absehbare Zeit höhere Zuwächse verzeichnen. Vor allem<br />
wegen des weiterhin hohen Nachholbedarfs beim Ausbau<br />
der Wasserver- und -entsorgungsnetze erwarten die Marktforscher<br />
für den Osten in Zukunft höhere Wachstumsraten<br />
des Kunststoffrohrverbrauchs, insbesondere in Russland und<br />
der Türkei.<br />
AUMA im App Store<br />
Bei AUMA gibt es die Gerätedokumentation<br />
per Smartphone<br />
Mit der neuen<br />
AUMA Support App<br />
lässt sich die Gerätedokumentation<br />
zu einem AUMA-<br />
Stellantrieb schnell<br />
und einfach beziehen.<br />
Nach Abscannen<br />
des DataMatrix-Codes<br />
auf dem<br />
Typenschild per<br />
Smartphone werden<br />
über die App<br />
die Betriebsanleitung,<br />
der Schaltplan,<br />
das technische<br />
Datenblatt und das<br />
Abnahmeprüfzeugnis<br />
des Antriebs beim AUMA-Server<br />
angefordert und auf das Smartphone<br />
heruntergeladen.<br />
AUMA-Stellantriebe werden zur<br />
Automatisierung von Industriearmaturen<br />
eingesetzt. Jedes Gerät wird<br />
auf Bestellung produziert, angepasst<br />
für die speziellen Anforderungen des<br />
Einsatzfalls. Dementsprechend individuell ist auch die zugehörige<br />
Gerätedokumentation. Unter Angabe der auf dem<br />
Typenschild abgedruckten Auftragsnummer können unter<br />
www.auma.com die zum Gerät gehörenden Unterlagen<br />
bezogen werden. Mit der neuen App geht das nun noch<br />
einfacher.<br />
Die AUMA Support App ist kostenlos und läuft auf dem<br />
Apple iPhone, iPad oder iPod Touch ab der Version iOS<br />
6.1. Der abgedruckte QR-Code führt direkt zu der App im<br />
Apple App Store.<br />
8 04-05 | 2014
NORMA Group erwartet<br />
solides Umsatzwachstum<br />
für 2014<br />
INDUSTRIE & WIRTSCHAFT NACHRICHTEN<br />
Besuchen Sie uns:<br />
<strong>IFAT</strong> 2014<br />
München, Deutschland<br />
5. – 9. Mai 2014<br />
Halle A4 Stand 437<br />
Die NORMA Group SE, ein internationaler Markt- und<br />
Technologieführer für hochentwickelte Verbindungstechnik,<br />
erzielte im Geschäftsjahr 2013 Höchstwerte bei<br />
Umsatz und Ergebnis. Der Umsatz des MDAX-Konzerns<br />
stieg in der Berichtsperiode um 5,1 % auf 635,5 Mio.<br />
Euro (2012: 604,6 Mio. Euro). Dazu haben die Akquisitionen<br />
aus den Jahren 2012 und 2013 mit 26,7 Mio. Euro<br />
beigetragen. Das um Akquisitionen bereinigte organische<br />
Wachstum lag bei 2,5 %. Das bereinigte betriebliche<br />
Ergebnis (bereinigtes EBITA) konnte 2013 trotz der<br />
schwierigen Rahmenbedingungen im europäischen Raum<br />
auf 112,6 Mio. Euro gesteigert werden (2012: 105,4 Mio.<br />
Euro), ein Zuwachs von 6,9 %. Die NORMA Group erzielte<br />
somit im Geschäftsjahr 2013 eine nachhaltig hohe operative<br />
EBITA-Marge auf Rekordniveau von 17,7 %. Das<br />
bereinigte Ergebnis je Aktie auf Basis der ausstehenden<br />
Aktien zum 31. Dezember 2013 hat das Unternehmen<br />
2013 gegenüber dem Vorjahr auf 1,95 Euro gesteigert<br />
(2012: 1,94 Euro).<br />
„2013 war ein weiteres erfolgreiches Jahr für die NORMA<br />
Group. Den konjunkturell bedingten schwachen Jahresstart<br />
konnten wir bis zum Jahresende wettmachen“,<br />
sagt Werner Deggim, Vorstandsvorsitzender der NORMA<br />
Group. „Die NORMA Group ist zukunftsfähig aufgestellt.<br />
Daher erwarten wir für das laufende Geschäftsjahr 2014<br />
ein solides Wachstum.“ So wird erwartet, dass der Konzernumsatz<br />
im Jahr 2014 solide organisch rund 4 bis 7 %<br />
gegenüber 2013 wachsen wird. Zusätzliche Umsätze von<br />
rund 5 Mio. Euro ergeben sich aus den Akquisitionen<br />
des polnischen Unternehmens Variant S.A. und des australischen<br />
Unternehmens Guyco Pty. Ltd. im Jahr 2013.<br />
Solides Umsatzwachstum für 2014 erwartet<br />
Die NORMA Group rechnet aus heutiger Sicht damit, dass<br />
die Weltwirtschaft im Jahr 2014 mit einer höheren Rate<br />
als 2013 wachsen wird. Treiber sind hierbei vor allem die<br />
fortgeschrittenen Wirtschaftsregionen, von denen auch<br />
der Euroraum 2014 wieder auf einen moderaten Wachstumskurs<br />
zurückkehrt. Wachstumsimpulse werden auch<br />
aus den Entwicklungs-und Schwellenländern erwartet. Es<br />
wird mit wieder wachsenden Produktionsvolumina in den<br />
einzelnen Industrien gerechnet. Die NORMA Group geht<br />
von einer höheren Anzahl an Verbindungselementen und<br />
einer höheren Wertigkeit dieser Elemente aus. Insgesamt<br />
erwartet die NORMA Group, dass der Konzernumsatz im<br />
Jahr 2014 solide organisch rund 4 bis 7 % gegenüber<br />
dem Vorjahr wachsen wird.<br />
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04-05 | 2014 9<br />
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NACHRICHTEN VERBÄNDE<br />
RAL-Gütegemeinschaft Kanalbau: Erfahrungsaustausche<br />
in neuem Format<br />
Am 11. und am 19. Februar 2014 fanden in Werder (Berlin/<br />
Brandenburg) und in Erding (Bayern) die ersten Erfahrungsaustausche<br />
von Auftraggebern und Auftragnehmern zum Thema<br />
Kanalbau statt, und das mit einem neuen Konzept. Erstmals<br />
wurde eine Diskussion über ausgewählte praxisnahe Fallbeispiele<br />
aus der Sicht von Auftraggeber und Auftragnehmer im<br />
Dialog geführt. „Wie würden Sie entscheiden?“ lautete die<br />
Frage, mit der mögliche Schwachstellen im Baustellenalltag<br />
besprochen wurden. Als Beispiele hierfür dienten Themen<br />
wie fehlerhafte Planung und Ausschreibung, Mängel in der<br />
Bauausführung und mangelhafte Qualitätssicherung. Sie<br />
wurden vor dem Hintergrund der bestehenden technischen<br />
Regelwerke und der aktuellen Vergabe- und Vertragsordnung<br />
für Bauleistungen (VOB) exemplarisch aufgezeigt.<br />
Die Teilnehmer haben diese Art der Gesprächsführung durchweg<br />
positiv bewertet: Das neue inhaltliche Konzept gibt der<br />
Diskussion zwischen Auftraggebern, Planern und Auftragnehmern<br />
zum Thema Qualität und Qualifikation im Kanalbau<br />
neue Impulse – so der Tenor. Umfangreiche Unterlagen zu den<br />
Fallbeispielen, in denen die wichtigsten Fragen der Veranstaltung<br />
zusammengestellt wurden, dienen zur weiteren Vertiefung<br />
der Sachverhalte. Lösungsansätze zur Fehlervermeidung<br />
und der Umgang mit Nachtragsforderungen unter Bezug auf<br />
das Merkblatt DWA-M 806 zu zwei aktuellen Fallbeispielen<br />
wurden ebenfalls vorgestellt.<br />
Diskussion im Dialog<br />
Die fachliche Kompetenz der Prüfingenieure und ihre aus der<br />
täglichen Baustellenpraxis gewonnenen Erfahrungen stellen<br />
die Grundlage für das neue Format der Veranstaltungsreihe<br />
dar. Unterstützung kam zudem von Regierungsbaumeister<br />
Dipl.-Ing. Rüdiger Prestinari, Pforzheim, der beim Frage- und<br />
Antwortspiel die Sichtweise des Auftraggebers beleuchtet.<br />
Während in Werder bei Potsdam Kanalbau in offener Bauweise<br />
und Vortrieb die Schwerpunkte waren, stand im bayerischen<br />
Erding neben dem Kanalbau in offener Bauweise die grabenlose<br />
Sanierung im Fokus.<br />
Mit einem Vortrag über „Gütesicherung im Kanalbau: Sicherstellung<br />
der Qualität bei Ausschreibung, Bauüberwachung und<br />
Bauausführung“ eröffnete Dipl.-Ing. Hans-Christian Möser,<br />
ein vom Güteausschuss der Gütegemeinschaft beauftragter<br />
Prüfingenieur, die eintägige Veranstaltung. Hierbei wurden<br />
insbesondere die Eigenüberwachung als integraler Bestandteil<br />
von Fehlervermeidungssystemen beschrieben und die grundlegenden<br />
Anforderungen an die Beurteilungsgruppen ABAK,<br />
ABV und ABS (Ausschreibung und Bauüberwachung) erläutert.<br />
Daran schlossen sich typische Fallbeispiele aus dem Bereich<br />
Kanalbau in offener Bauweise an.<br />
Anforderungen nehmen zu<br />
Innerstädtische Tiefbaumaßnahmen stellen für den Auftraggeber<br />
anspruchsvolle Bauaufgaben dar. Komplexe Bauabläufe,<br />
ständig neue Anforderungen aus Regelwerken und Vorschriften<br />
müssen ebenso berücksichtigt werden wie der finanzielle<br />
und zeitliche Rahmen für Planung und Bauausführung. Ähnlich<br />
ist die Situation auf Seiten der Ingenieurbüros, die meist unter<br />
hohem Zeitdruck Planungen erstellen müssen. Mangelnde<br />
Erfahrung in der Bautechnik oder fehlende Systeme zur Qualitätssicherung<br />
bzw. Fehlervermeidung in Ausschreibung und<br />
Bauüberwachung können dabei zu erheblichen Konsequenzen<br />
für alle Beteiligten führen. Hinzu kommt noch eine unvollständige<br />
Datenermittlung für die Planung – etwa in Form<br />
von fehlenden Bodengutachten, optischer Inspektion oder<br />
Beweissicherungsmaßnahmen – die aus Kostengründen vom<br />
Quelle: Gütegemeinschaft Kanalbau<br />
Bild 1: Haftungsrisiken drohen: Eine mangelfreie Werkleistung<br />
kann von den beteiligten Baupartnern nur dann erbracht werden,<br />
wenn sie auf detaillierte Planungs- und Ausschreibungsunterlagen<br />
zurückgreifen können<br />
Bild 2: Umfangreiche Unterlagen zu den Fallbeispielen,<br />
in denen die wichtigsten Fragen der Veranstaltung<br />
zusammengestellt wurden, dienen zur weiteren Vertiefung der<br />
Sachverhalte<br />
10 04-05 | 2014
Auftraggeber nicht zusätzlich beauftragt werden. Folgerichtig stellt sich die Frage: Kann das mit<br />
der Ausführung der Arbeiten beauftragte qualifizierte Unternehmen die bis dahin gemachten<br />
Fehler auffangen? Eine mangelfreie Werkleistung kann von den beteiligten Baupartnern nur<br />
erbracht werden, wenn sie auf detaillierte Planungs- und Ausschreibungsunterlagen zurückgreifen<br />
können. Ihre Erstellung erfordert Kompetenz und Erfahrung. Systeme zur Qualitätssicherung<br />
tragen an dieser Stelle dazu bei, eine Baumaßnahme zum Erfolg zu führen. Letztlich fehlt es auf<br />
allen Seiten oft an qualifizierten Fachkräften, die über langjährige Erfahrung verfügen, so das<br />
Fazit von Prüfingenieur Walter und seinen Kollegen.<br />
Steckfittings Serie 19<br />
Die<br />
Produktvielfalt<br />
Triangulum Auftraggeber - Planer - Firma<br />
Vor diesem Hintergrund wurden die Inhalte der Erfahrungsaustausche neu zusammengestellt und<br />
allgemeine Ziele auf Grundlage der DIN EN 752:2008-04 definiert. In der Norm sind die Zielsetzungen<br />
für Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden festgelegt. Sie enthält desweiteren<br />
Leistungsanforderungen zum Erreichen dieser Zielsetzungen und Grundsätze für strategische<br />
und politische Aktivitäten zu Planung, Bemessung, Einbau, Betrieb, Wartung und Renovierung.<br />
Zu den Zielen für Auftraggeber, Planer und ausführende Unternehmen gehört es, das System so<br />
zu planen, zu bauen, zu betreiben, zu unterhalten und zu sanieren, dass die mit der Ableitung<br />
von Abwasser verbundenen Gesundheits- und Sicherheitsrisiken ebenso minimiert werden wie<br />
Auswirkungen auf die Umwelt und die Funktionssicherheit. Gleiches gilt mit Blick auf die mit Bau,<br />
Betrieb, Unterhalt und Sanierung beschäftigten Personen. Darüber hinaus sind auch Nachhaltigkeitsaspekte<br />
zu berücksichtigen.<br />
Diese Ziele betreffen alle Phasen einer Baumaßnahme, von der Planung und Ausschreibung über<br />
die Wertung und Vergabe, die Ausführung und Bauüberwachung bis hin zur Abnahme und<br />
Gewährleistung. „Zu diesen Themenkomplexen hat jeder seine eigenen Erfahrungen und Sichtweisen“,<br />
weiß Prüfingenieur Dipl.-Ing. Sven Fandrich. „Auch mit der Abschätzung der Risiken.<br />
Deshalb wollen wir mit der Auswahl unserer Themen auf den Erfahrungsaustauschen auch die<br />
Bewusstseinsbildung für Risiken schärfen.“ Etwa mit Blick auf Ausführungsmängel und deren<br />
Ursachen. In der Diskussion zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern wurden bei den Erfahrungsaustauschen<br />
in Werder und Erding Lösungsansätze zur Fehlervermeidung beim Kanalbau<br />
in offener Bauweise, unterirdischem Vortrieb und bei der grabenlosen Sanierung aufgezeigt.<br />
Beim Kanalbau in offener Bauweise betraf dies u. a. die Wahl des Verbauverfahrens, die Kontrolle<br />
der Lastannahme, die Herstellung von Rohrbettung und Leitungszone, die Verfüllung und<br />
Verdichtung sowie die Feststellung von Rohrschäden bei der optischen Inspektion. Im fachlichen<br />
Frage- und Antwortspiel brachten Prestinari und Walter die Sichtweisen von Auftraggebern und<br />
Auftragnehmern stellvertretend auf den Punkt. Jeder Themenblock endete konsequent mit der<br />
Zusammenfassung der Ergebnisse. Im weiteren Verlauf wurde dann in gleicher Weise über die<br />
Erfahrung bei der Umsetzung von grabenlosen Sanierungsmaßnahmen diskutiert.<br />
Souveräner Umgang mit Nachträgen<br />
Mit Hinweisen zum Umgang mit Nachtragsforderungen auf der Basis der VOB/B und des Merkblattes<br />
DWA-M 806 greifen die Erfahrungsaustausche ein weiteres durchaus sensibles Thema<br />
auf. „Im Verlauf der praktischen Umsetzung eines Bauvorhabens kommt es häufig vor, dass<br />
zusätzliche oder geänderte Leistungen erbracht werden müssen“, erklärt Prestinari. Aus der<br />
hieraus erforderlichen Anpassung der Bauverträge können sich Vergütungsänderungen ergeben.<br />
Mit der Schilderung von Erfahrungen werden Lösungsansätze erörtert, wie Vergütungen für<br />
Nachtragsleistungen auf der Basis der VOB/B zwischen Bauherr und Unternehmer vereinbart<br />
werden können. Ziel des Themenblocks ist es, die Systematik der VOB/B mit den unterschiedlichen<br />
Nachtragsanlässen zu erläutern und insbesondere die Anforderungen an Vergütungsansprüche,<br />
ein Nachtragsangebot und eine Nachtragsprüfung zu definieren, um die Kommunikation zwischen<br />
den Vertragspartnern bis zum Abschluss einer Vergütungsvereinbarung zu verbessern.<br />
Das ist nicht nur hierbei gelungen, so die einvernehmliche Resonanz vieler Teilnehmer an den<br />
Erfahrungsaustauschen in Erding und Werder. Weitere Veranstaltungen sind in der Region Hannover<br />
(15. Mai), in Mülheim an der Ruhr (21. Mai) sowie im Herbst in Hessen und Thüringen geplant.<br />
Die sinnvolle Ergänzung zu unseren<br />
bewährten Klemmfittings Serie 18<br />
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Halle B5, Stand 330<br />
04-05 | 2014 11
NACHRICHTEN VERBÄNDE<br />
RSV-Arbeitskreis Grundstücksentwässerungsanlagen<br />
stellt neues Poster vor<br />
v.l.n.r. Mario Brenner (Obmann des AK GEA), Thorsten Lingnau<br />
(Abwasser-Service-Volkner, Mitglied des AK), Horst Zech<br />
(Geschäftsführer RSV e.V.), Thorsten Stamm (Swietelsky Faber,<br />
Mitglied des AK)<br />
Der Arbeitskreis Grundstücksentwässerungsanlagen (AK<br />
GEA) des RSV-Rohrleitungssanierungsverband e.V. stellte<br />
im Rahmen eines Baustellenbesuches sein neues Poster<br />
vor. Der AK GEA, ein Zusammenschluss von Experten aus<br />
den Bereichen Ausführender Firmen der Kanalsanierung,<br />
Vertreter von Kommunen und Netzbetreibern sowie Planern<br />
beschäftigt sich seit Jahren mit dem Themenfeld der<br />
Grundstücksentwässerungsanlagen. Ziel hierbei ist die<br />
Bewusstseinsbildung und fachliche Beratung für private<br />
Grundstückseigentümer genauso wie die Unterstützung<br />
der kommunalen Vertreter. Das nun aktuell vorgestellte<br />
Poster soll das Kernthema „Werterhalt von Immobilien“<br />
in den Fokus der Wahrnehmung bringen, denn hier liegt<br />
ein Hauptinteresse des Eigentümers. In den letzten Jahren<br />
wurden primär die gesetzlichen Fristen diskutiert, ohne den<br />
Substanzerhalt oder die durchaus alltäglichen Gefahren, die<br />
von Schäden im Abwassernetz ausgehen, hinreichend zu<br />
berücksichtigen. Mit Hilfe des grafisch plakativ gestalteten<br />
Posters können kommunale Vertreter genauso wie andere<br />
Fachleute aus dem Themenfeld der Entwässerungstechnik<br />
die Problematik schnell und einfach auch Nichtfachleuten<br />
vermitteln. Gerade auch im Hinblick auf die noch verstärkte<br />
Beratungsverpflichtung der Kommunen in der neuen<br />
Selbstüberwachungsverordnung Abwasser (Süw VO Abw)<br />
in NRW, kann das Poster eine gute und einfache Hilfestellung<br />
bieten.<br />
Das in den letzten Jahren von DIN CERTCO aufgebaute,<br />
unabhängige Zertifizierungsverfahren für die Grundstückentwässerung,<br />
bildet einen Grundstein für die Gewährleistung<br />
qualitativ hochwertiger und wirtschaftlich sinnvoller<br />
Projektbearbeitungen durch zertifizierte Fachfirmen. Die<br />
Zertifizierung schützt den Eigentümer vor technisch fragwürdigen<br />
und unwirtschaftlichen Sanierungen.<br />
Das Poster „Wissen Sie wie es unter Ihrem Haus aussieht?“<br />
kann über die RSV-Geschäftsstelle bezogen werden.<br />
KONTAKT: RSV - Rohrleitungssanierungsverband e. V., Lingen (Ems),<br />
Dipl.-Volkswirt Horst Zech, Tel. +49 5963-9810877,<br />
E-Mail: rsv-ev@t-online.de<br />
Halle B5, Stand 421/526<br />
SKZ übernimmt Kunststoffprüflabor des<br />
TÜV SÜD in Frankfurt<br />
Zum Jahresbeginn 2014 hat<br />
das SKZ – das Kunststoff-<br />
Zentrum die Ausstattung des<br />
Kunststoffprüflabors der TÜV<br />
SÜD Chemie Service GmbH<br />
im Industriepark Frankfurt<br />
Höchst übernommen. Damit<br />
baut das SKZ seine Kapazitäten<br />
im Bereich der Rohrprüfung<br />
und mechanischen Prüfung<br />
weiter aus. Neben Prüfbecken<br />
und Druckstationen<br />
für Zeitstand-Innendruckprüfungen<br />
von Rohren konnten auch Geräte zur Prüfung der<br />
Spannungsrissbeständigkeit (Full Notch Creep Test) von<br />
Rohrwerkstoffen in das Prüflabor des SKZ integriert werden.<br />
Zu den weiteren Geräten zählen eine 250 kN-Zugprüfmaschine,<br />
Schlagpendel sowie diverse Werkzeugschränke und<br />
Laborwerkzeuge.<br />
Mit dem Kauf der Prüfgeräte konnte auch ein neues Arbeitsgebiet<br />
hinzugewonnen werden: In großen Umluftwärmeschränken<br />
werden zukünftig Berstdruck- und Zeitstand-<br />
Innendruckprüfungen an PTFE-Kompensatoren durchgeführt.<br />
Derartige Kompensatoren finden in der chemischen<br />
Industrie u. a. zum Ausgleich der thermischen Ausdehnung<br />
und zur Dämpfung von Schwingungs- und Vibrationsüber-<br />
12 04-05 | 2014
tragung in Industrierohrleitungen Anwendung. Als zukünftig einzige Prüfstelle<br />
für Kompensatoren kann das SKZ diese neuen Dienstleistungen ab sofort seinen<br />
Kunden anbieten.<br />
Ein echtes Unikat und eine Sehenswürdigkeit stellt der Historienprüfstand (Bild) dar,<br />
mit Rohren und Formteilen aus den Werkstoffen PTFE, POM, PP, PVC und PE, die<br />
zum Teil schon über 50 Jahre unter Innendruck geprüft werden. Diese Prüflinge<br />
verkörpern sozusagen den „lebenden“ Beweis der Gültigkeit des Arrheniusgesetzes<br />
bei der Extrapolation von Zeitstandkurven auf mindestens 50 Jahre. Das SKZ<br />
führt gerne den vom TÜV SÜD übernommenen und ursprünglich von der Firma<br />
Hoechst stammenden Historienprüfstand fort und trägt somit einen Teil dazu bei,<br />
die Kunststoffrohrindustrie zu unterstützen und die positive Entwicklung ihrer<br />
qualitativ hochwertigen Produkte am Markt zu begleiten.<br />
Anbohrarmaturen<br />
Modell 2013<br />
Das<br />
Programm<br />
KONTAKT: SKZ – Das Kunststoff-Zentrum, Würzburg, Dr. Jürgen Wüst<br />
Tel. +49 931 4104 238, E-Mail: j.wüst@skz.de<br />
Zuverlässige Grundstücksentwässerung<br />
schützt Werte<br />
Undichte Abwassersysteme können Boden und Grundwasser verunreinigen und im<br />
schlimmsten Fall die Trinkwassergewinnung gefährden. Normative Grundlagen und<br />
das Wasserhaushaltsgesetz verpflichten aus diesem Grund Hauseigentümer dazu,<br />
in einem bestimmten Zeitraum die Dichtigkeit ihrer Grundstücksentwässerungsanlagen<br />
überprüfen zu lassen. Bei dieser Überprüfung ist vor allem Zuverlässigkeit<br />
und Sachkunde gefragt.<br />
Hauseigentümer, die sich bei der Suche nach einem Dienstleister am RAL Gütezeichen<br />
Grundstücksentwässerung orientieren, können sicher sein, dass die Arbeiten<br />
von kompetentem Personal und mit hochwertiger Technik ausgeführt werden. Der<br />
Geltungsbereich der RAL Gütesicherung wurde jetzt auf die Generalinspektion von<br />
Abscheideanlagen und die Sanierung von Abwasserbehandlungsanlagen erweitert.<br />
Fachfirmen, die berechtigt sind, für ihre Leistungen das RAL Gütezeichen Grundstücksentwässerung<br />
zu benutzen, haben sich verpflichtet, die Umweltverträglichkeit<br />
von Grundstücksentwässerungsanlagen zu verbessern und damit Verunreinigungen<br />
von Grundwasser, Gewässer und Boden entgegenzuwirken. Sie wollen damit einen<br />
Beitrag zum Umweltschutz leisten und zugleich Hauseigentümern dabei helfen,<br />
den Vermögenswert ihrer Immobilie zu erhalten und zu schützen. Voraussetzung<br />
für die Verleihung des RAL Gütezeichens ist die Einhaltung strenger Güte- und<br />
Prüfbestimmungen. Sie gelten insbesondere für die Erfahrung und Zuverlässigkeit<br />
des Personals, die Ausstattung der Betriebseinrichtungen und den technischen<br />
Stand der Geräte aber auch für eine stetig neutral durchgeführte Kontrolle der<br />
Leistungen auf der Baustelle.<br />
Höchste Qualität vom Neubau bis zur Sanierung<br />
Das RAL Gütezeichen Grundstücksentwässerung wird für die Herstellung, den baulichen<br />
Unterhalt, die Sanierung und die Prüfung von Grundstücksentwässerungsanlagen<br />
verliehen. Es umfasst Kleinkläranlagen ebenso wie Abwassersammelgruben,<br />
Abwasserleitungen und -kanäle, Fettabscheideanlagen, Leichtflüssigkeitsabscheideanlagen<br />
und nunmehr auch Abscheideanlagen und Abwasserbehandlungsanlagen.<br />
Betriebe, die das RAL Gütezeichen benutzen, stellen sicher, dass Schmutz<br />
und Regenwasser in diesen Bereichen zuverlässig entsorgt werden.<br />
PE-Körper mit PE-Spitzende<br />
frei drehbar (360°)<br />
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Kein stagnierendes Wasser<br />
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mit Mediumkontakt<br />
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PLASSON GmbH<br />
KONTAKT: Gütegemeinschaft Grundstücksentwässerung e. V., Hennef,<br />
Krudenburger Weg 29 • 46485 Wesel<br />
Dirk Bellinghausen, Tel. +49 2242 872-0, E-Mail: bellinghausen@gs-ge.de<br />
Telefon: (0281) 9 52 72-0<br />
Telefax: (02 81) 9 52 72-27<br />
E-Mail: info@plasson.de<br />
04-05 | 2014<br />
Internet: www.plasson.de 13
NACHRICHTEN PERSONALIEN<br />
Haftungsfalle Hauseinführung<br />
Alle Öffnungen in Kellerwand oder Bodenplatte für die<br />
Hausversorgung müssen wasser-, gas- und luftdicht verschlossen<br />
sein. Das verlangen die gültigen Normen und<br />
Richtlinien. Im Schadensfall müssen Planer und Versorgungsunternehmen<br />
nachweisen, dass die Hauseinführung fachgerecht<br />
nach den gültigen Standards geplant und ausgeführt<br />
wurde. Prüfergebnisse und praktische Erfahrungen zeigen,<br />
dass Baustellenlösungen häufig die hohen Anforderungen<br />
nur unzureichend erfüllen. Eine rechtssichere Lösung sind<br />
geprüfte Hauseinführungssysteme. Sie gelten heute als<br />
Stand der Technik.<br />
Aufgegebener Bergbau, Flussbegradigungen und Tiefbauten,<br />
wie z. B. für U-Bahnen, verändern den Grundwasserstand.<br />
Hinzu kommen sintflutartige Regenfälle und<br />
steigende Hochwasserpegel. Das stellt an die Dichtheit<br />
von Hauseinführungen immer höhere Ansprüche. Ebenso<br />
wichtig ist die Gasdichtheit. Tritt über die Durchdringungen<br />
Schleichgas in das Gebäude, besteht die Gefahr einer Gasexplosion.<br />
Bei undichten Durchdringungen besteht zusätzlich<br />
die Gefahr unzulässiger Radongasanreicherung. Experten<br />
gehen davon aus, dass ca. 10 % der Lungenkrebsfälle auf<br />
Radongas aus dem Erdreich zurückzuführen sind. Eine weitere<br />
kritische Anforderung an Hauseinführungen ist die<br />
Scher- und Auszugsfestigkeit der Rohre und Kabel, denn<br />
Setzungen von Gebäude und Erdreich, aber auch Baggerarbeiten<br />
belasten die Versorgungsleitungen. Alle die oben<br />
genannten Anforderungen können improvisierte Lösungen<br />
häufig nicht erfüllen.<br />
Für geprüfte Hauseinführungssysteme sprechen auch wirtschaftliche<br />
Vorteile. So vereinfachen und verkürzen sie die<br />
Bauabwicklung und lassen – bei Verwendung von Leerrohren<br />
– jederzeit eine Nachbelegung oder einen Austausch<br />
zu, wenn neue technische Lösungen dieses erfordern.<br />
Der Einbau fachgerechter Hauseinführungen lässt sich<br />
jedoch nur realisieren, wenn sie rechtzeitig geplant und<br />
vorbereitet wurden. Leider zeigt die Praxis, dass dies häufig<br />
versäumt wird. Versorgungsunternehmen erfahren oft<br />
erst von dem geplanten Hausanschluss, wenn der Rohbau<br />
bereits steht. Um sich vor Haftungsansprüchen zu schützen,<br />
sollten ausführende Firmen in diesem Fall in geeigneter Form<br />
Bedenken anmelden.<br />
Mehr Informationen zu Hauseinführungssystemen finden<br />
sich auf der Homepage des FHRK unter www.fhrk.de.<br />
KONTAKT: Fachverband Hauseinführungen für Rohre und Kabel e.V.,<br />
Schwerin, Tel. +49 385 2088-8959<br />
E-Mail: info@fhrk.eu<br />
Neue Beiratsmitglieder und Schriftleiter bei <strong>3R</strong><br />
Die Fachzeitschrift <strong>3R</strong> gibt folgende personelle Veränderungen<br />
in ihrem Beirat und Schriftleiterkreis bekannt: Neu im Beirat<br />
der <strong>3R</strong> vertreten sind Inga Posch (Geschäftsführerin der Vereinigung<br />
der Fernleitungsnetzbetreiber Gas e.V FNB Gas), sowie<br />
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Karsten Körkemeyer. Die <strong>3R</strong>-Schriftleitung<br />
verstärkt nun außerdem Helmut Roloff (Pressesprecher der<br />
Open Grid Europe GmbH) und Dr. Jörg Sebastian, Geschäftsführer<br />
der SBKS GmbH & Co. KG. Ausgeschieden aus dem<br />
Beirat sind dagegen Dietmar Bückemeyer, Stadtwerke Essen<br />
AG, sowie Dr. Wulf Lindner vom Erftverband. Für ihre langjährige<br />
Mitarbeit und ihr Engagement im Gremium der <strong>3R</strong><br />
bedankt sich der Verlag sehr herzlich.<br />
Helmut Roloff: Im Anschluss an sein<br />
Studium der Geographie und des Bauingenieurswesen<br />
(Straßenbau) an der<br />
Ruhr-Universität Bochum folgte eine<br />
Planungstätigkeit bei einer Kommune.<br />
Danach arbeitete er zehn Jahre im<br />
Umweltschutz und ist seit 15 Jahren<br />
in der Gaswirtschaft im Kommunikationsbereich<br />
tätig. Bei Open Grid<br />
Europe liegt der Schwerpunkt von Roloffs Tätigkeiten bei<br />
der kommunikativen Begleitung von technischen Projekten<br />
(Leitungs- und Verdichterbau) sei es bei der Erstellung<br />
von Informationsbroschüren, Fachtexten, Pressemitteilungen<br />
oder der Durchführung und Organisation von<br />
Informationsveranstaltungen im Rahmen von Genehmigungsverfahren.<br />
Dazu kommt die Ausübung der Funktion<br />
des Pressesprechers für Open Grid Europe und deren<br />
Beteiligungsgesellschaften.<br />
Inga Posch war nach ihrem Studienabschluss<br />
der Wirtschaftsgeographie<br />
mit Schwerpunkt internationaler,<br />
technischer und wirtschaftlicher<br />
Zusammenarbeit an der RWTH<br />
Aachen mehrere Jahre in Brüssel im<br />
Bereich der Europäischen Energiepolitik<br />
tätig. Nach der Begleitung<br />
verschiedener Europäischer Gesetzgebungsverfahren<br />
im Energiebereich hat Inga Posch durch<br />
anschließende Tätigkeiten in verschiedenen Positionen der<br />
deutschen und europäischen Energiewirtschaft Erfahrungen<br />
im operativen Geschäft gesammelt. Zu ihren Schwerpunkten<br />
gehörten dabei Regulierungsfragen und auch die<br />
Umsetzung rechtlicher Vorgaben innerhalb der Energieunternehmen.<br />
Posch ist seit April 2013 bei der Vereinigung der<br />
14 04-05 | 2014
Fernleitungsnetzbetreiber Gas e. V. tätig und leitet heute als Geschäftsführerin<br />
die Geschäftsstelle des FNB Gas in Berlin. Mit ihrem Team ist sie Ansprechpartnerin<br />
für Politik, Medien und Öffentlichkeit hinsichtlich aller Fragen des überregionalen<br />
Gastransports und bildet damit die Schnittstelle zu den deutschen<br />
Fernleitungsnetzbetreibern.<br />
Die Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber Gas e. V. (FNB Gas) ist der Zusammenschluss<br />
der Fernleitungsnetzbetreiber, also der großen überregionalen und<br />
grenzüberschreitenden Gastransportunternehmen, in Deutschland. Die zentrale<br />
Aufgabe von FNB Gas besteht darin, den fachlichen Austausch der Fernleitungsnetzbetreiber<br />
zu bündeln und zu koordinieren.<br />
Univ.-Prof. Dr. Karsten Körkemeyer: Über die wissenschaftlichen<br />
Stationen des Ingenieurstudiums in Bochum<br />
(Ruhr-Universität Bochum) und Aachen (RWTH Aachen), wo<br />
Körkemeyer seine Promotion am Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft<br />
abschloss und eines zusätzlichen Studiengangs<br />
der Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure, war er in<br />
den 1990ern als Geschäftsführer mit an der Begründung<br />
des Ingenieurbüros Stein & Partner beteiligt. Große Erfahrungen<br />
und fachliche Kompetenz weist er im Bereich der<br />
Praxis rund um das Thema Rohrleitungstechnik und Leitungsbau vor, die er u. a.<br />
bei den ZÜBLIN Rohrwerken in Schermbeck und bei der BERDING Beton GmbH<br />
sammelte, wo er drei Jahre als Leiter für Technik und Entwicklung sämtlicher<br />
Werke in NRW tätig war.<br />
Anschließend lehrte Körkemeyer an der Hochschule Bochum. Ebenfalls am Standort<br />
Bochum ist Körkemeyer seit 2007 Handlungsbevollmächtigter der ZERNA<br />
Planen und Prüfen GmbH und Ansprechpartner für die cpc consultants, bevor<br />
er im Oktober 2009 als Lehrstuhlinhaber für Baubetrieb und Bauwirtschaft im<br />
Fachbereich ARUBI an die TU Kaiserslautern ging.<br />
Widerstandsfähig.<br />
Sicher.<br />
Wirtschaftlich.<br />
Wir freuen uns auf Sie:<br />
Halle B6, Stand 312<br />
Dr. rer. nat. Jörg Sebastian ist Gründer und Leiter der<br />
SBKS GmbH & Co. KG in St. Wendel und kann auf mehr als<br />
15 Jahre Erfahrung zurückblicken. Nach seiner Ausbildung<br />
zum Chemielaboranten und einem anschließenden Studium<br />
der Chemie an der Universität Gesamthochschule Kassel<br />
hat er dort im Jahr 1995 zunächst sein Diplom in Chemie<br />
und 1997 den Grad Dr. rer. nat. erlangt. Er besitzt neben<br />
seinen Qualifikationen als Prüfer für Verbundstoffe auch die<br />
Bestellung der IHK als öffentlich bestellter und vereidigter<br />
Sachverständiger. Dadurch kann er hinzugezogen werden,<br />
wenn es um Begutachtungen bei Schadensfällen oder Rechtsverfahren geht.<br />
Seit 2009 ist Dr. Sebastian Leiter der Überwachungs- und Zertifizierungsstelle im<br />
Auftrag des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt), seit 2012 ausgebildeter<br />
NACE Inspector Level I.<br />
Verschiedene Lehrtätigkeiten im Bereich Werkstoffkunde/Materialprüfung –<br />
Kunststoffe, Harze, Gele und Verbundwerkstoffe an technischen Akademien<br />
und Fachhochschulen in ganz Deutschland gehören seit vielen Jahren zu seinen<br />
Aufgaben, genau wie Gremientätigkeiten, z. B. im GAEB Ausschuss 310,<br />
GEFTA, VSB, RSV AG Qualitätssicherung, DWA AG, im DIN NA 119-05-37 AA,<br />
ISO TC 138 SC8, CEN TC 155 WG 14.<br />
Dr. Sebastian betreibt auch wissenschaftliche Forschungsprojekte, wie z. B. das<br />
Projekt zu vergleichenden Messungen von Restmonomeren und mechanischen<br />
Kenndaten an duroplastischen Verbundwerkstoffen oder zur Aushärtekontrolle<br />
duroplastischer Matrizes durch Kopplung von DEA und Rheometern (noch in<br />
Arbeit), Langzeitstudien an verformten polymeren Rohrleitungsteilen, mechanische<br />
Untersuchungen und chemische Analysen (HS-GC, FTIR, HPLC) an gefüllten und<br />
ungefüllten Duroplasten und viele mehr.<br />
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04-05 | 2014 15
NACHRICHTEN PERSONALIEN<br />
Hans G. Huber verstorben<br />
Plötzlich und unerwartet ist in<br />
der Nacht zum 15. März 2014 in<br />
Berching Dr.-Ing. E. h. Hans G.<br />
Huber, Aufsichtsratsvorsitzender<br />
und Seniorchef der Huber SE im<br />
Alter von 71 Jahren gestorben.<br />
Hans Huber hat seit seinem Eintritt<br />
in den elterlichen Betrieb 1967 das<br />
Unternehmen und den Aufbau der<br />
Huber-Gruppe maßgeblich geprägt<br />
und seine Entwicklung zu einem<br />
weltweit führenden Umwelttechnikunternehmen<br />
und zum Lösungsanbieter<br />
für die Wasser- und Abwasseraufbereitung<br />
vorangetrieben.<br />
Bei der DWA war Huber besonders<br />
Hans G. Huber ist verstorben engagiert im Fachausschuss „Internationale<br />
Zusammenarbeit“ und<br />
beim Thema Abwasserwiederverwendung, seit 2005 als<br />
Sprecher der entsprechenden Arbeitsgruppe. Von 2007 bis<br />
2010 war er Mitglied des DWA-Vorstands. Huber hat von<br />
1961 bis 1967 an der TU München Verfahrenstechnik studiert.<br />
Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit engagierte<br />
er sich ehrenamtlich und war aktives Mitglied in vielen<br />
nationalen und internationalen Verbänden. Er wurde mit<br />
zahlreichen Auszeichnungen geehrt, die er stets auch als<br />
Anerkennung für das Unternehmen und seine Mitarbeiter<br />
verstand, u.a. erhielt er den deutschen Umweltpreis, die<br />
Umweltmedaille des Freistaates Bayern und das Bundesverdienstkreuz<br />
sowie den Bayerischen Verdienstorden. Seit der<br />
Gründung des Umweltclusters Bayern im Jahr wirkte er bis<br />
2013 als Clustersprecher und wurde zuletzt zum Ehrenclustersprecher<br />
ernannt. Im Oktober 2007 wurde Hans Huber<br />
für seine außergewöhnlichen Leistungen auf dem Gebiet<br />
des technischen Umweltschutzes die Ehrendoktorwürde<br />
der TU München verliehen. Er war 2006 Initiator für die<br />
Gründung der „Huber Technology Stiftung“, deren Ziel<br />
es ist, das Bewusstsein um „das Element Wasser“ in der<br />
Öffentlichkeit zu erhöhen sowie den Nachhaltigkeitsgedanken<br />
zu symbolisieren.<br />
Karl-Heinz Flick feiert 60. Geburtstag<br />
Am 9. April 2014 wurde der Vorsitzende<br />
des Beirats und Mitglied des<br />
Vorstands der DWA, Bauass. Dipl.-Ing.<br />
Karl-Heinz Flick 60 Jahre alt - Grund<br />
genug, das „Gesicht von Steinzeug“<br />
kurz vorzustellen. Seine berufliche<br />
Laufbahn begann Flick in den 1980ern<br />
in der Steinzeug-Industrie, wo er als<br />
Leiter der Anwendungstechnik bei<br />
der Steinzeug GmbH und Steinzeug<br />
Abwassersysteme GmbH begann und<br />
später als Leiter Strategisches Marketing<br />
arbeitete. Zum 1. Januar 2001<br />
wurde Flick zum Geschäftsführer<br />
des Fachverbands Steinzeugindustrie<br />
bestellt. Hier umfasste seine Tätigkeit<br />
u. a. die Mitarbeit in den Normungsgremien. 2005 wurde<br />
ihm die Gesamt-Prokura für die Steinzeug Abwassersysteme<br />
GmbH erteilt. In der heutigen Steinzeug-Keramo GmbH ist er<br />
gleichzeitig Leiter des Competence Center, was ihn zum „Ersten<br />
Anwendungsingenieur“ des Hauses Steinzeug macht. Flick<br />
engagiert sich stark in der DWA, so ist er Mitglied des Vorstands<br />
seit 2006, des Beirats seit 2002, Mitglied und Sprecher<br />
in zahlreichen Fachgremien. Für sein langjähriges Engagement<br />
und seine Verdienste innerhalb der DWA-Fachgremien, der<br />
deutschen und europäischen Normung – z. B. als Leiter der<br />
deutschen Delegation beim CEN TC 165 Abwassertechnik oder<br />
als Leiter des Fachbereichs Abwassertechnik im DIN, sowie<br />
in Vorstand und Beirat der DWA, dessen Vorsitzender er ist,<br />
wurde er 2012 mit der DWA-Ehrennadel ausgezeichnet. Darüber<br />
hinaus ist Flick seit 2012 Vorsitzender der neugegründeten<br />
Gütegemeinschaft Grundstücksentwässerung.<br />
Dr. Fritz Holzwarth ist neuer Geschäftsführer des<br />
Vereins WASSER BERLIN e.V.<br />
Dr. Fritz Holzwarth ist seit dem 1. März 2014 neuer Geschäftsführer<br />
des Vereins WASSER BERLIN e.V. Er hat das Amt vom<br />
langjährigen Geschäftsführer Arnd Böhme übernommen.<br />
Holzwarth war seit 1991 beim Bundesministerium für<br />
Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU, seit<br />
Dezember 2013 BMUB) tätig und leitete seit 1996 die<br />
Unterabteilung Wasserwirtschaft. Er war an führender<br />
Stelle in zahlreichen wasserwirtschaftlichen Ämtern auf<br />
Bundesebene sowie europäischer und globaler Ebene für<br />
die Binnengewässer und den Meeresschutz zuständig.<br />
16 04-05 | 2014
FBS-Betonbauteile.<br />
Richtigstellung: EUROPIPE<br />
bestellt neue Geschäftsführer<br />
Bedauerlicherweise ist der Redaktion in Ausgabe <strong>3R</strong>-3/2014 ein Fehler<br />
unterlaufen. In der Personalnachricht „EUROPIPE bestellt zwei<br />
neue Geschäftsführer“ ist die mittlere Bildunterschrift nicht korrekt.<br />
Das mittlere Bild zeigt<br />
einen der beiden neuen<br />
Geschäftsführer, Dr. Andreas<br />
Liessem, und nicht wie in<br />
der Bildunterschrift vermerkt<br />
Dirk Czarnetzi. Wir bitten um<br />
Entschuldigung.<br />
Neben Dr. Michael Gräf, dem<br />
Vorsitzenden der Geschäftsführung,<br />
wurden mit Wirkung<br />
zum 1. Januar 2014<br />
zwei neue Geschäftsführer<br />
bestellt: Dr. Andreas Liessem<br />
(Bild) und Alexander Soboll.<br />
Dr. Liessem verantwortet die<br />
Ressorts Technik, IT, Investitionen<br />
und Produktentwicklung;<br />
Soboll übernimmt<br />
die Ressorts Vertrieb und<br />
Dr. Andreas Liessem<br />
Tochtergesellschaften.<br />
Reifenhäuser bleibt Vorsitzender<br />
des Ausstellerbeirates K 2016<br />
Die erste Sitzung des Ausstellerbeirates bildet schon jetzt den Auftakt<br />
zur K 2016, die vom 19. bis 26. Oktober 2016 in Düsseldorf stattfinden<br />
wird. Das Expertengremium kam zusammen, um mit der Planung für die<br />
weltweit bedeutende Fachmesse der Kunststoff- und Kautschukindustrie<br />
zu beginnen. Der Ausstellerbeirat unterstützt die Messe Düsseldorf bei<br />
den Vorbereitungen zur K 2016 und berät sie in konzeptionellen und<br />
organisatorischen Grundsatzfragen. Er setzt sich zusammen aus Vertretern<br />
der ausstellenden Industrie sowie der führenden Branchenverbände<br />
und repräsentiert das gesamte Angebotsspektrum der K 2016 – Maschinen-<br />
und Anlagenbau, Roh- und Hilfsstoffproduktion sowie Herstellung<br />
von Halbzeugen und Technischen Teilen aus Kunststoff und Kautschuk.<br />
Den Vorsitz des Ausstellerbeirates hat weiterhin Ulrich Reifenhäuser,<br />
Geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Maschinenbau-<br />
Unternehmens und Vorsitzender des Fachverbandes Kunststoff- und<br />
Gummimaschinen im VDMA, inne.<br />
Sein Stellvertreter bleibt Dr. Rainer Büschl, Innovation & Knowledge<br />
Management Performance Materials, BASF SE; er steht gleichzeitig an<br />
der Spitze des Konzeptionsausschusses. Den Organisationsausschuss<br />
leitet erneut Thorsten Kühmann, Geschäftsführer des Fachverbandes<br />
Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA.<br />
Hinterlassen Sie nachhaltig<br />
einen guten Eindruck.<br />
Bis zu 75 %<br />
weniger Energieaufwand*<br />
FBS-Betonteile werden energiesparend,<br />
umweltfreundlich und nachhaltig aus<br />
natürlichen Materialien hergestellt und<br />
sind langlebig sowie recycelbar. In ihrer<br />
Energiebilanz überzeugen sie bei der<br />
Herstellung mit einem vergleichsweise<br />
kleinen CO 2<br />
-Fußabdruck und erfüllen<br />
heute schon den „Buying Green“-Standard<br />
der EU-Kommission.<br />
* für die Herstellung eines Betonrohres gegenüber einem<br />
vergleichbaren Kunststoffrohr.<br />
Wir freuen uns auf Sie<br />
in Halle B5 331/430.
NACHRICHTEN VERANSTALTUNGEN<br />
Erste <strong>IFAT</strong> Eurasia findet 2015 in Ankara statt<br />
Die erste Ausgabe der <strong>IFAT</strong> Eurasia findet vom 16. bis 18.<br />
April 2015 auf dem Gelände des Congresium International<br />
Convention & Exhibition Centre (CICEC) in Ankara<br />
statt. Durchgeführt wird die Veranstaltung von der neuen<br />
türkischen Tochtergesellschaft der Messe München, MMI<br />
Eurasia.<br />
Gerhard Gerritzen, stellvertretender Geschäftsführer der<br />
Messe München, erklärt: „Wir haben uns wegen der zentralen<br />
Lage und der Verzahnung mit der Politik bewusst<br />
für Ankara als Standort der <strong>IFAT</strong> Eurasia entschieden.<br />
Umweltmärkte sind allgemein stark an die jeweilige Regierung<br />
gekoppelt. Als Hauptstadt und politisches Zentrum<br />
der Türkei liegen in Ankara vor allem die Steuerung und<br />
Implementierung von modernen Umweltthemen – und<br />
aus neuen Gesetzesentwürfen resultiert anschließend der<br />
technologische Bedarf.“ Neben der Regierung haben in<br />
Ankara auch zahlreiche Verbände, Bildungseinrichtungen<br />
und Nichtregierungsorganisationen ihren Sitz.<br />
Die <strong>IFAT</strong> Eurasia ist die jüngste <strong>IFAT</strong>-Tochter und eine neue<br />
Umwelttechnologiemesse für den eurasischen Markt.<br />
Gerritzen erläutert: „Die Türkei hat eine ausgezeichnete<br />
geographische Lage und bildet das wirtschaftliche Einzugsgebiet<br />
in einem bisher wenig erschlossenen Markt.<br />
Ankara ist infrastrukturell hervorragend angebunden und<br />
macht die Messe für verschiedenen Industrien aus dem<br />
gesamten türkischen, aber auch vorderasiatischen Raum<br />
leicht zugänglich.“<br />
<strong>IFAT</strong> Eurasia als Erweiterung der <strong>IFAT</strong><br />
Die Messe München baut mit der neuen Veranstaltung<br />
in der Türkei ihr internationales Netzwerk im Umwelttechnologiesektor<br />
weiter aus: Für die Premierenausgabe<br />
der Veranstaltung rechnen die Organisatoren – die Messe<br />
München und deren Tochtergesellschaft MMI Eurasia – mit<br />
200 Ausstellern, 12.000 m2 Ausstellungsfläche und 7.000<br />
Besuchern.<br />
KONTAKT: www.ifat-eurasia.com<br />
7. Workshop Gasmengenmessung 2014<br />
Der „7. KÖTTER-Workshop Gasmengenmessung 2014“,<br />
der am 26. und 27. März in der KCE-Akademie in Rheine<br />
stattfand, bot zahlreichen Teilnehmern Gelegenheit, sich zu<br />
den Themen Gasmengenmessung, Gasanlagen, Gastechnik<br />
zu informieren und auszutauschen.<br />
Der von KÖTTER Consulting Engineers zusammen mit der<br />
TU Dortmund ausgerichtete Branchentreff richtet sein<br />
Programm aus Expertenvorträgen, begleitender Fachausstellung<br />
und praktischen Versuchen an Fachleute aus der<br />
Chemie-, Öl- und Gasindustrie, der Energieversorgung<br />
und der Anlagenplanung sowie an Verbände, Hersteller<br />
von Gasmengenmessgeräten, Serviceunternehmen und<br />
Genehmigungsbehörden.<br />
Bei der Auswahl der Referenten für das Vortragsprogramm<br />
wurde wieder viel Wert auf eine Mischung aus<br />
Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft gelegt. So präsentierte<br />
beispielsweise Herr Dr. Ulrich Wernekinck, RWE<br />
Metering GmbH, seine Erfahrungen zum Thema Biogas-<br />
Einspeiseprojekten. Außerdem berichtete Herr Dr. Rainer<br />
Kramer, Physikalisch Technische Bundesanstalt, über die<br />
Anforderungen von Smart Meter Gateways. Aus der Praxis<br />
referierte Herr Burkhard Alisch, Storengy Deutschland<br />
GmbH, über Anforderungen und Einsatz von Messtechnik<br />
bei Erdgasspeichern.<br />
Neben der begleitenden Fachausstellung, auf der Firmen<br />
ihre Produkte und Dienstleistungen dem Fachpublikum<br />
präsentieren konnten, sorgten auch die Versuchsvorführungen<br />
aus dem Hause KÖTTER zum Thema Schall-,<br />
Schwingungs- und Strömungstechnik für Abwechslung.<br />
Auf besonderes Interesse stieß dabei der Versuchsstand<br />
Gasmengenmessung. An diesem speziell für Schulungszwecke<br />
ausgelegten Aufbau kann an aktuellen Messgeräten<br />
demonstriert werden, wie deren Funktion z. B. durch<br />
Pulsationen oder Ultraschalllärm beeinträchtigt wird.<br />
Die etablierte Veranstaltungsreihe wird auch in Zukunft<br />
im gewohnten zweijährigen Rhythmus fortgeführt. Der<br />
„8. Workshop Gasmengenmessung“ ist für das Frühjahr<br />
2016 geplant.<br />
KONTAKT: KÖTTER Consulting Engineers, Rheine, Heike Nyhuis,<br />
Tel. +49 5971 9710-65<br />
E-Mail: heike.nyhuis@koetter-consulting.com<br />
18 04-05 | 2014
WASSER BERLIN INTERNATIONAL optimiert Konzept<br />
Vom 24. bis 27. März 2015 wird sich WASSER BERLIN INTER-<br />
NATIONAL in einem noch kompakteren Format präsentieren:<br />
Die Hallengliederung der Fachmesse orientiert sich<br />
künftig am Wasserkreislauf, der durch seinen 360°- Ansatz<br />
einerseits das Gesetz der Nachhaltigkeit symbolisiert und<br />
andererseits verdeutlicht, dass Wasser Berlin International<br />
Produkte, Dienstleistungen und Lösungen für alle Bereiche<br />
der Wasserwirtschaft anbietet. Fachbesuchern erleichtert<br />
er die Orientierung auf der Fachmesse.<br />
Der Wasser Berlin International-Kongress wird 2015<br />
erstmals in Form eines Hallenforums in die Fachmesse<br />
integriert und damit direkt in das Ausstellungsgeschehen<br />
eingebunden. Eine separate Kongressgebühr entfällt.<br />
Die konzeptionelle Ausrichtung des Kongresses wird<br />
gestrafft. Am 24. und 27. März 2015 werden in jeweils<br />
einer Session und am 25. und 26. März 2015 in jeweils<br />
zwei Sessions konzentriert aktuelle Themen aus Wasserwirtschaft,<br />
-industrie und -politik sowohl regional<br />
als auch international behandelt. Daneben werden die<br />
Fachsymposien, die die einzelnen Ausstellungsthemen<br />
inhaltlich vertiefen, in direkter Anbindung an das Messegeschehen<br />
stattfinden.<br />
Neben „No dig Berlin“, dem Fachmessesegment mit begleitendem<br />
Symposium zum „Grabenlosen Leitungsbau“, wird<br />
„Flood Management Berlin“ als weiteres eigenständiges<br />
Fachmessesegment aufgebaut. „Flood Management Berlin“<br />
beschäftigt sich im Schwerpunkt mit Hochwasserschutz,<br />
Wasserbau und Katastrophenmanagement.<br />
Neu ist außerdem eine „Board Meeting Area“, die in naher<br />
Anbindung an Wasser Berlin International im Palais am<br />
Funkturm eingerichtet wird. Sie ermöglicht den Mitgliedern<br />
des Vereins Wasser Berlin, in ihrer Eigenschaft als Träger und<br />
Förderer der Veranstaltung, ihre Mitgliederversammlungen,<br />
Jahrestagungen und andere vereinsbezogene, interne Veranstaltungen<br />
durchzuführen und Wasser Berlin International<br />
dabei als fachlichen Rahmen zu nutzen.<br />
KONTAKT: www.wasser-berlin.de<br />
Innovativ & grabenlos - seit 1962<br />
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GRUNDORAM<br />
Stahlrohrrammen<br />
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Statisches Berstlining<br />
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Tel.: +49 2723 8080 · Email: marketing@tracto-technik.de · www.tracto-technik.de<br />
Wir stellen aus: <strong>IFAT</strong> München 5.-9. Mai 2014, Stand B5.135<br />
04-05 | 2014 19
NACHRICHTEN VERANSTALTUNGEN<br />
Messen und Tagungen<br />
<strong>IFAT</strong> 2014<br />
05.-09.05.2013 in München;<br />
info@ifat.de, www.ifat.de<br />
21. Fachmesse „Energieffizienz 2014“<br />
06.-08.05.2014 in Köln;<br />
t.limoni@agfw.de,<br />
www.agfw.de<br />
9th Pipeline Technology Conference<br />
12.-14.05.2014 in Berlin, Germany;<br />
www.pipeline-conference.com/<br />
forum fkks<br />
19.-22.05.2014 in Weimar;<br />
geschaeftsstelle@fkks.de,<br />
www.fkks.de<br />
Pipes in Infrastructure 2014<br />
20.-22.05.2014 in Düsseldorf, Germany;<br />
www.amiplastics.com/events<br />
9. Forum Industriearmaturen<br />
26.06.2014 in Essen;<br />
b.pflamm@vulkan-verlag.de,<br />
www.forum-industriearmaturen.de<br />
8. Praxistag Korrosionsschutz<br />
02.07.2014 in Gelsenkirchen;<br />
b.pflamm@vulkan-verlag.de,<br />
www.praxistag-korrosionsschutz.de<br />
wat 2014<br />
29.-30.09.2014 in Karlsruhe, www.wat-dvgw.de<br />
gat 2014<br />
30.09.-01.10.2014 in Karlsruhe, www.gat-dvgw.de<br />
4. Praxistag Wasserversorgungsnetze<br />
05.11.2014 in Essen;<br />
b.pflamm@vulkan-verlag.de,<br />
www.praxistagwasserversorgungsnetze.de<br />
Seminar zu grabenloser<br />
Sanierung im Mai<br />
In Deutschland gewährleisten mehr als 6.000 Wasserversorgungsunternehmen<br />
mit mehr als 400.000 km Druckrohrleitungen<br />
eine sichere Trinkwasserversorgung. Fast alle Abwasserentsorgungsunternehmen<br />
betreiben neben der Freispiegelkanalisation<br />
auch Abwasserdruckleitungen. So transportieren<br />
in Deutschland ca. 15.000 km Druckleitungen das Abwasser<br />
sicher zur Abwasserreinigung. Damit dies so bleibt, steht in<br />
einer zustandsorientierten Instandhaltung die grabenlose<br />
Sanierung von Druckleitungen im Vordergrund. Grabenlose<br />
Verfahren können entscheidend zu einer wirtschaftlichen,<br />
zeitsparenden und oftmals umweltschonenden Rehabilitation,<br />
Auswechslung und Neulegung von Rohrleitungen beitragen.<br />
In den letzten Jahren wurden für die Sanierung von Druckleitungen<br />
viele leistungsfähige Renovierungs- und Erneuerungsverfahren<br />
für die geschlossene Bauweise entwickelt und in<br />
die Praxis eingeführt. Mit diesen Techniken können Aufgrabungsarbeiten<br />
im öffentlichen Straßenraum auf ein Minimum<br />
begrenzt werden.<br />
Da die Grundlage jeder Sanierungs- bzw. Rehabilitationsplanung<br />
die technische Zustandsbewertung ist, sollen in diesem<br />
Seminar, das am 20. Mai 2014 in Gelsenkirchen stattfindet,<br />
Einblicke in die Schadensanalytik verschiedener Altrohrmaterialien<br />
von Wasserdruckleitungen gegeben werden. Weiter<br />
werden die Zulassungsbedingungen im Trinkwasserbereich<br />
vorgestellt. Ein besonderes Augenmerk wird auf die hygienischen<br />
Aspekte der Sanierung gelegt, z. B. bei der Reinigung vor<br />
und nach der Sanierung. Überlegungen zur statischen Berechnung<br />
von verklebten und nichtverklebten, den sogenannten<br />
„Stand alone“-Linern werden vorgestellt sowie Berstversuche<br />
an verschiedenen Schlauchlinern aufgezeigt. Alle gängigen<br />
Sanierungsverfahren sollen nicht nur vorgestellt, sondern auch<br />
hinterfragt werden. Zielgruppe für dieses Seminar sind Netzbetreiber,<br />
Tiefbaufirmen und Planungsbüros.<br />
KONTAKT: TAH - Technische Akademie Hannover e. V., Dr.-Ing. Igor Borovsky,<br />
E-Mail: borovsky@ta-hannover.de, www.ta-hannover.de<br />
Seminar zu Druckstößen in Rohrleitungen<br />
Transportenergiekosten sind ein großer Teil der Betriebskosten<br />
einer Produktionsanlage. Bei zu konservativer Auslegung<br />
von Rohrleitungssystemen und zu vielen veralteten Anlagenteilen<br />
ergeben sich sehr hohe Druckverluste und dadurch<br />
unnötig verbrauchte Energiemengen. Durch Optimierung<br />
der Prozesse kann ein Rohrleitungssystem bei einem tieferen<br />
Verständnis der Phänomene energie- und kosteneffizienter<br />
betrieben werden.<br />
Meist werden Druckstöße, Dampfschläge und Pulsationen<br />
in Rohrleitungen durch zu schnelles Schließen von Armaturen<br />
bei steigenden Durchsätzen verursacht. Leckagen<br />
in Rohrleitungssystemen verursachen Produktionsausfälle<br />
und werden oft durch Druckstöße in flüssigkeitsfördernden<br />
Leitungen wie auch Dampfschläge und Pulsationen in<br />
Dampf- und Gasnetzen ausgelöst. Auch hier hilft das tiefere<br />
Verständnis der Phänomene, Rohrleitungsnetze sicherer und<br />
bei größerer Verfügbarkeit wirtschaftlicher zu betreiben.<br />
Das zweitägige Intensiv-Seminar „Druckstöße, Dampfschläge<br />
und Pulsationen in Rohrleitungen“, das am am 30. Juni<br />
bis 1. Juli 2014 in Berlin stattfindet, zeigt Rohrleitungspla-<br />
20 04-05 | 2014
VERANSTALTUNGEN NACHRICHTEN<br />
nern, Instandhaltern und Betriebsingenieuren die in Rohrleitungen<br />
und Rohrleitungssystemen auftretenden Prozesse praxisgerecht<br />
und an konkreten Schadensfällen auf. Unterstützt von Videos<br />
werden Methoden zur Abschätzung von Gefahren und Risiken<br />
vermittelt, und vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung von<br />
Schadensfällen werden erarbeitet.<br />
Die Vortragenden Dr.-Ing. Andreas Dudlik, Hydraulische Systeme<br />
- Beratung, Berechnung & Fortbildung, Mülheim, Prof. Dr. rer.<br />
nat. habil. Olaf Bleibaum, Fakultät Maschinenbau/Umwelttechnik,<br />
Hochschule Amberg-Weiden und Dipl.-Ing. Anatole von<br />
Lilienfeld-Toal, Technip Germany GmbH, Düsseldorf gestalten<br />
das Intensiv-Seminar in den Abschnitten: Grundlagen I - Druckstöße<br />
und Kavitationsschläge, Grundlagen II - Pulsationen: Druckpulsationen<br />
in Rohrleitungssystemen, Teil III: Versuchsplanung,<br />
Messtechnik, Vermeidungsmethoden, Teil IV: Computergestützte<br />
Berechnung für Betriebsstörungen und Schadensfälle - Anwendung<br />
und Grenzen.<br />
Die Veranstaltung richtet sich an Planungs- und Betriebsingenieure<br />
aus den Bereichen Kraftwerksbau, Chemie, Gas- und<br />
Wasserversorgung<br />
KONTAKT: Haus der Technik e.V., Essen , Dipl.-Ing. Brigitte Doleschel<br />
E-Mail: b.doleschel@hdt-essen.de, www.hdt-essen.de/rohrleitungen<br />
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Normen und Regelwerke im Fokus des 3. Reparaturtags<br />
Am 23. September 2014 wird in der Niedersachsenhalle<br />
des Hannover Congress Centrums (HCC) der 3. Deutsche<br />
Reparaturtag stattfinden. Beim diesjährigen Reparaturtag<br />
werden u. a. die Anforderungen aus den sich rasant ändernden<br />
Normen und Regelwerken im Vordergrund stehen:<br />
Was müssen Planer wissen, was muss bei der Planung von<br />
Sanierungen mit Reparaturverfahren beachtet werden?<br />
Der Deutsche Reparaturtag bietet kommunalen Netzbetreibern<br />
und Planern aus Ingenieurbüros ein Forum, sich<br />
über diese und andere Fragen intensiv auszutauschen. Die<br />
Technik hat natürlich auch im Veranstaltungsprogramm des<br />
Dritten Reparaturtags ihren festen Platz – zu den Punkten,<br />
die diskutiert werden sollen, zählen u. a. der Einsatz von<br />
Kunstharzen, die Einbindung von Zuläufen und Reparaturen<br />
von Großprofilen, Schächten und Sonderbauwerken. Die<br />
Auswahl des richtigen Verfahrens unter Risikogesichtspunkten<br />
steht ebenso auf der Hannoveraner Agenda wie der<br />
Umgang mit Mängeln: Was ist ein Mangel, wie beseitige ich<br />
ihn und wie kann ich bereits sanierte Bereiche reparieren?<br />
Des Weiteren soll es beim Dritten Deutschen Reparaturtag<br />
außerdem um die heikle Frage nach der angemessenen<br />
Honorierung der bei Reparaturverfahren erbrachten Ingenieurleistung<br />
gehen.<br />
KONTAKT: Verband zertifizierter Sanierungs-Berater e.V. (VSB), Hannover<br />
Dr.-Ing. Dipl.-Math. Igor Borovsky, Tel. +49 511 84869955,<br />
E-Mail: borovsky@sanierungs-berater.de, www.reparaturtag.de<br />
<strong>IFAT</strong> Stand-Nr. B5.411/510, 5. bis 9. Mai 2014<br />
04-05 | 2014 21
NACHRICHTEN VERANSTALTUNGEN<br />
12. Schlauchlinertag: Etablierte Veranstaltung in<br />
neuem Gewand<br />
Der Deutsche Schlauchlinertag hat sich als feste Größe in<br />
der Tiefbaubranche etabliert. Am 27. März 2014 fand das<br />
Fachforum bereits zum 12. Mal statt. Die diesjährige Tagung<br />
in Düsseldorf bot den rund 550 Teilnehmern nicht nur Bewährtes,<br />
sondern wartete mit einer Neuerung auf: Parallel zum<br />
Hauptprogramm mit angeschlossener Fachausstellung fand<br />
zum ersten Mal ein in zwei Themenblöcke aufgeteiltes Forum<br />
statt. Während der Vormittag ganz im Zeichen von Vorträgen<br />
zu Grundlagen der Schlauchlinertechnologie stand, bot das<br />
nachmittägliche Firmenforum den teilnehmenden Unternehmen<br />
Gelegenheit, ihre Neuentwicklungen vorzustellen. Zu den<br />
Schwerpunkten des Hauptprogramms gehörten Vorträge, die<br />
sich mit Fragen zu Recht und Ausschreibung auseinandersetzten.<br />
Auch die Themen Mängelbehandlung, Qualitätssicherung<br />
und ganzheitliche Sanierung spielten eine wichtige Rolle und<br />
gaben Impulse für eine offene und kritische Diskussion.<br />
Das Schlauchlining hat sich als wirtschaftlich und ökologisch<br />
sinnvolles Standardverfahren zur Kanalsanierung durchgesetzt,<br />
doch auch nach mehr als 40 Jahren in der praktischen Anwendung<br />
gibt es weiterhin Raum für Verbesserungen.<br />
Doch es gilt, nicht nur technische, planerische oder rechtliche<br />
Fragestellungen zu lösen, trotz Regelsetzung und VOB, die<br />
mittlerweile feste Rahmenbedingungen für das meistgenutzte<br />
Renovierungsverfahren geschaffen haben. Warum aber findet<br />
eines unserer größten volkswirtschaftlichen Anlagevermögen<br />
weiterhin nicht den Stellenwert, der ihm gebührt?<br />
Baustelle Öffentlichkeitsarbeit?<br />
Nach Düsseldorf kamen rund 550 angemeldete Teilnehmer.<br />
Für den Initiator des Schlauchlinertages, Dipl.-Ing. Franz<br />
Hoppe, und den Vorsitzenden der Technischen Akademie<br />
Hannover, Igor Borovsky, die für Programm und Inhalte des<br />
Forums verantwortlich sind, ein deutliches Zeichen für das<br />
ungebrochene Interesse, dessen sich die Veranstaltung im 12.<br />
Jahr ihres Bestehens erfreut. Gleichzeitig aber legte Hoppe den<br />
Finger in eine alte Wunde: „Nach wie vor gibt es technische<br />
Punkte, die nicht gelöst sind, und auch die mangelnde Bereitschaft<br />
zur Investition in den wichtigen Vermögensgegenstand<br />
Kanalisation stellt nach wie vor eine Herausforderung dar.“<br />
Dies sei aber ein gesamtgesellschaftliches Phänomen und nicht<br />
nur auf das Objekt der Kanalisation beschränkt.<br />
Schwerpunkt Recht und Ausschreibung<br />
In einem Experten-Vortrag nahmen sich Dipl.-Ing. (FH) Markus<br />
Vogel von Vogel Ingenieure in Kappelrodeck und Rechtsanwalt<br />
Carsten Schmidt, LL.M. von der Düsseldorfer Kanzlei<br />
CLP Rechtsanwälte des Themenkomplexes „Der Bauvertrag:<br />
Planerische und rechtliche Gesichtspunkte zur Erreichung eines<br />
qualitativ hochwertigen Bauwerks“ an. Die Referenten zeigten<br />
auf, was es zu beachten gilt. Zunächst erläuterte Vogel den<br />
Stellenwert der Einbindung des Technischen Regelwerks. Er<br />
verwies in diesem Zusammenhang auf ein vom Oberlandesgericht<br />
Dresden bereits im Jahr 2010 gefälltes Urteil, in dem<br />
das Gericht als Ursache für einen Planungsfehler eine zum<br />
Zeitpunkt ihrer Abnahme dem aktuellen Stand der anerkannten<br />
Regeln der Technik nicht entsprechende Planung feststellt.<br />
„Genau die schuldet der Ingenieur aber grundsätzlich“, so<br />
Vogel. Außerdem hat er sich auf dem Laufenden zu halten<br />
und sein Werk auf die Übereinstimmung mit den neuesten<br />
Regeln der Technik zu überprüfen – unabhängig davon, ob<br />
die gesamten Planungs- und Leistungsphasen nach der Honorarordnung<br />
für Architekten und Ingenieure (HOAI) beauftragt<br />
worden sind oder nicht. Macht der Auftraggeber eine verbindliche<br />
Planungsvorgabe, muss der Ingenieur – falls nötig<br />
– unmissverständlich aufzeigen, dass das geplante Bauwerk<br />
schon im Moment seiner Errichtung nicht mehr den allgemein<br />
anerkannten Regeln der Technik entsprechen wird. Mit Blick<br />
auf die Sicherstellung der Planungsqualität merkte Vogel an:<br />
„Glasklare Regeln gibt es nicht, sie lassen sich aber ableiten<br />
aus den Forderungen der Vergabe- und Vertragsordnung<br />
für Bauleistungen.“ Woran es in der Praxis oft mangele, sei<br />
ausreichende Kompetenz in Vergabefragen. „In der Realität<br />
stoßen wir häufig auf völliges Unverständnis der formalen<br />
Voraussetzungen“, so Vogel.<br />
Fotos: TAH<br />
Bild 1: Rund 550 Teilnehmer, Referenten und Sponsoren<br />
nahmen am 12. Schlauchlinertag in Düsseldorf teil<br />
Bild 2: Die forumsbegleitende Ausstellung bot ausreichend<br />
Gelegenheit zum fachlichen Austausch<br />
22 04-05 | 2014
VERANSTALTUNGEN NACHRICHTEN<br />
Vorgaben ernst nehmen<br />
Von Erfahrungen aus der Praxis berichtete Rechtsanwalt Christian<br />
Schmidt in seinen Ausführungen zu rechtlichen Aspekten<br />
des Bauvertrags und dessen Bewertung: „Bitte nehmen Sie<br />
die Vorgaben der VOB ernst“, so sein Appell an Auftraggeber<br />
wie Auftragnehmer. Als Kardinalfehler bezeichnete der Rechtsexperte<br />
die Vermischung von Zuschlags- und Eignungskriterien:<br />
Schmidts Fazit: „Die Tage der ‚Nur-Preis’-Ausschreibungen<br />
sind gezählt.“ Zum Abschluss des Themenblocks widmete<br />
Dr.-Ing. Heinz Doll von der TÜV Rheinland LGA Bautechnik<br />
GmbH sich der Frage, welche Bedeutung dem Schlauchliner<br />
als einem statisch tragenden Element zukommt, und präsentierte<br />
Messergebnisse aus entsprechenden Versuchen.<br />
Außerdem informierte Doll über die neue DWA-A 143-2, die,<br />
so der Vortragende, aller Voraussicht aber keinen normativen<br />
Charakter haben werde.<br />
Gute Produktqualität<br />
Themenblock III stand ganz im Zeichen der Mängelbehandlung<br />
und Qualitätssicherung – sicher auch das ein Novum, dass<br />
eher unbequemen Sachverhalten ausreichend Platz eingeräumt<br />
wurde.<br />
„Die Qualität heutiger Liner ist insgesamt gut und die Prüfung<br />
der Dichtheit steht nicht mehr im Fokus“, sagt Dipl.-Ing.<br />
Andreas Haacker, Geschäftsführer des in Oststeinbek ansässigen<br />
Materialprüfungsinstitutes Siebert+Knipschild. Trotzdem<br />
sind Fehler in der Anwendung nicht auszuschließen. Zu den<br />
häufigsten Fehlern zählt die Faltenbildung, aber auch Härtungsdefizite<br />
und schlechte mechanische Eigenschaften als<br />
Resultat von Verdichtungs- und Tränkungsproblemen sind<br />
zu beobachten. Möglichkeiten zur Abhilfe gibt es viele, eine<br />
pauschale Empfehlung zugunsten einer bestimmten Vorgehensweise<br />
kann aber nicht abgegeben werden: „Entschieden<br />
werden muss stets mit Blick auf den Einzelfall“, so Haacker<br />
keineswegs pessimistisch.<br />
Fazit<br />
Allen Vorträgen gemein war die Feststellung, dass sich eine<br />
qualitativ hochwertige Ausführung mit guten Produkten in<br />
Form von einwandfreiem Betrieb und langer Lebensdauer<br />
auf jeden Fall rechnet.<br />
In diesem Sinne gibt es aber noch viel Gesprächsstoff –<br />
die Branche darf also gespannt sein, mit welchen Themen<br />
und Neuerungen das Informations- und Diskussionsforum<br />
Schlauchlinertag im nächsten Jahr aufwarten wird.<br />
KONTAKT: www.schlauchlinertag.de<br />
Europe’s Leading Conference and<br />
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9th Pipeline Technology<br />
Conference<br />
Pipeline Technology<br />
Conference 2010<br />
12-14 May 2014, Estrel Convention Center, Berlin, Germany<br />
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Euro Institute for Information<br />
and Technology Transfer<br />
04-05 | 2014 23
NACHRICHTEN VERANSTALTUNGEN<br />
ptc als Treffpunkt der Pipelinebranche<br />
Vom 12. bis 14. Mai 2014 findet die bereits neunte Pipeline Technology Conference (ptc) statt. Veranstaltungsort ist erstmalig<br />
Berlin nachdem der Standort Hannover für über 3000 Besucher zu klein geworden ist - ein Indiz für die starke Entwicklung<br />
der ptc. Die großen Themen für 2014 sind: Inline Inspection, Integrity Management, Corrosion/Coating Materials und<br />
Leak Detection. Neben großen Marktchancen für Baufirmen, Rohrhersteller sowie Technologie- und Serviceanbieter<br />
der Pipelinewirtschaft auf internationalen Märkten wird es natürlich auch Gelegenheit geben, sich auszutauschen,<br />
Projekte voranzubringen und spannende Vorträgen aus der Praxis zu hören.<br />
Über die Herausforderungen, Chancen und Möglichkeiten der Pipelineindustrie, die gerade auf dem europäischen<br />
Binnenmarkt vor großen Veränderungen steht, führte <strong>3R</strong> ein Fachgespräch mit dem Chef des Euro Institute for Information<br />
and Technology Transfer, EITEP, Dr. Klaus Ritter.<br />
Dr. Ritter: Das Institut war durch die Fusion zwischen DVGW<br />
und DELIWA Tochterunternehmen des DVGW geworden. Es<br />
lagen Seminar- und Trainingsaufträge für China und andere<br />
Brennpunkte der wirtschaftlichen Entwicklung weltweit vor.<br />
Der Ansatz war, auf diesem Wege Erfahrungen und Technologien<br />
aus dem international hoch geschätzten Deutschland<br />
unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten an Schwellen- und<br />
Entwicklungsländer zu vermitteln.<br />
Nach anfänglich guten Erfolgen stellten sich zunehmend<br />
Schwierigkeiten ein, weil die finanzierenden Länder- und<br />
Bundesministerien eigene Strukturen aufbauten und weil die<br />
deutschen Unternehmen der Wasser- und Energiebranche<br />
zunehmend unter Druck gerieten (Unbundling) und ihre<br />
Mitarbeiter nicht mehr frei stellten.<br />
Gemeinsam mit der Messe Nürnberg (Water Middle East)<br />
und der Hannover Messe (Pipeline Technology Conference)<br />
wurden dann internationale Konferenzen mit Fachausstellungen<br />
entwickelt, die heute als eigenständige EITEP Events<br />
geführt werden und der EITEP eine gesunde wirtschaftliche<br />
Basis verschaffen. Wichtigstes Instrument dabei ist<br />
eine annähernd 30.000 Experten zählende internationale<br />
Datenbasis.<br />
<strong>3R</strong>: Die Pipeline Technology Conference ptc ist heute die<br />
wichtigste Veranstaltung der EITEP. Sie wird in Deutschland<br />
durchgeführt. Inwieweit erfüllt das Ihren anfänglichen Ansatz?<br />
Dr. Klaus Ritter, Chef des Euro Institute for Information and<br />
Technology Transfer, EITEP, hier bei seiner Eröffnungsrede der<br />
ptc 2013<br />
<strong>3R</strong>: Herr Dr. Ritter, die EITEP ist seit vielen Jahren als<br />
Berater und Anbieter von Seminaren für Schwellen- und<br />
Entwicklungsländer erfolgreich tätig. Heute liegen die<br />
Schwerpunkte bei der Durchführung von internationalen<br />
Konferenzen und Ausstellungen. Was war Ihre Motivation,<br />
als Sie 2002 dieses Institut vom DVGW übernahmen und<br />
warum spielen heute Konferenzen und Fachausstellungen<br />
im Portfolio der EITEP eine so wichtige Rolle?<br />
Dr. Ritter: In keinem anderen Land der Erde hat man so früh<br />
damit begonnen, ein besonderes Augenmerk auf die Instandhaltung<br />
und den Schutz der Netze für den Transport und die<br />
Verteilung von Wasser und Gas zu legen wie in Deutschland.<br />
Entsprechend niedrig sind die Verluste und die netzbedingten<br />
Unfälle.<br />
Bei den seit Jahren weltweit rasant wachsenden Rohrnetzen<br />
wird nicht nur die Vermeidung von Verlusten, sondern auch<br />
die Verlängerung von Standzeiten zunehmend bedeutungsvoll.<br />
Betreiber weltweit kommen deshalb gerne nach Deutschland,<br />
um hier zu erfahren, wie der Rohrnetzbetrieb zu optimieren<br />
ist, wie fehlerhafte Bereiche frühzeitig erkannt werden können<br />
und wie aufkommende Schäden optimal repariert werden<br />
können.<br />
Diese Fragestellungen stehen deshalb im Mittelpunkt der<br />
technischen Sessions, die mit jeweils etwa 40 Vorträgen den<br />
Schwerpunkt der ptc bilden.<br />
Beide Entwicklungen – Wachstum des internationalen Marktes<br />
und die guten Beispiele – haben dazu geführt, dass die<br />
ptc innerhalb weniger Jahre zu einem weltweit anerkannten<br />
Umschlagplatz für Know How und Technologie im Pipelinebereich<br />
wurde.<br />
Davon profitieren in hohem Maße die Anbieter von Technologie<br />
und Dienstleistungen. Die ptc macht es ihnen leicht, neue,<br />
internationale Märkte zu erschließen. Diese revanchieren sich,<br />
indem sie als Sponsor oder Aussteller zur Finanzierung der<br />
Konferenz beitragen.<br />
<strong>3R</strong>: Im Zuge des Unbundlings sind Betreiber in Deutschland<br />
unter Druck geraten. Welche Rolle spielen sie bei der ptc?<br />
Dr. Ritter: Betreiber von Hochdrucknetzen in Deutschland<br />
engagieren sich in hohem Maße bei der ptc. Sie stellen vier<br />
24 04-05 | 2014
Mitglieder im Advisory Committee. Einer von diesen Vertretern ist jeweils Co-Chair des Komitees.<br />
Für die 7. und 8. Konferenz war dies Heinz Watzka, Open Grid Europe; ab der 9. Konferenz ist es<br />
Uwe Ringel, ONTRAS. Sie entscheiden damit in hohem Maße über die Inhalte der kommenden<br />
Konferenz.<br />
Eigentümer von Transportnetzen erwarten von ihrem Management, dass dieses die Pipelines sicher,<br />
effizient und konkurrenzfähig betreibt. Dazu ist es erforderlich, dass u.a. ein gut ausgebildetes und<br />
informiertes Personal zur Verfügung steht und die Chancen der Optimierung durch Berücksichtigung<br />
der technologischen und administrativen Entwicklung genutzt werden.<br />
Beides ist durch Erfahrungsaustausch mit anderen Betreibern, Anlagenproduzenten und mit Dienstleistern<br />
zu erreichen. Die optimale Plattform für diesen Erfahrungsaustausch stellen Konferenzen mit<br />
begleitenden Fachausstellungen dar. Vor allem unter Kostengesichtspunkten ist eine Konferenz in<br />
Deutschland sinnvoll, wenn deren Inhalte von deutschen Betreibern beeinflusst werden kann und<br />
zu der Betreiber sowie Technologie- und Dienstleistungsanbieter aus der ganzen Welt kommen.<br />
<strong>3R</strong>: Herr Dr. Ritter, bei Ihrer internationalen Arbeit stehen Ihnen Informationen weltweit zur<br />
Verfügung. Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation in der Pipelineindustrie?<br />
Dr. Ritter: Derzeit werden rund 25.000 km Pipelines jährlich weltweit verlegt. Immer geht es darum,<br />
den Bedarf von Industrie und Haushalten in den Regionen zu decken, die keine ausreichenden<br />
Ressourcen haben. Dies wird noch eine ganze Weile so weitergehen, weil der Energiehunger noch<br />
lange nicht gestillt ist. In den sich schnell entwickelnden Regionen der Erde wie Indien, China und<br />
Südamerika ist der Bedarf an Energie und damit an Pipelines ungebrochen. In Nordamerika, Europa,<br />
Russland usw. geht es um die interne Weitervernetzung. Es stehen also große Veränderungen für<br />
alle Regionen der Welt an:<br />
Für Erdgas zeichnet sich zumindest in Europa allerdings eine Umkehrung der Vorzeichen ab.<br />
Der nordamerikanische Markt wiederum ist aufgrund der Nutzung von shale gas derart übersättigt,<br />
dass die Preise extrem gesunken sind – es bleibt abzuwarten, bis amerikanische Produzenten<br />
in Form von LNG den europäischen Markt erreichen. Aber auch für Europa kann eine stärkere<br />
Produktion von shale gas erwartet werden.<br />
Für den Nahen Osten und Nordafrika gilt: Damit der Arabische Frühling Bestand haben soll, muss<br />
er wirtschaftliche Erfolge aufweisen. Dies kann aber nur geschehen, wenn man die eigenen<br />
Ressourcen, die vor der Küste von Ägypten und im Süden von Tunesien und Libyen liegen, nach<br />
Europa verkauft.<br />
Die mächtigen, bestehenden Gasströme aus Russland fließen bereits nach Mittel- und Westeuropa<br />
und werden ergänzt durch Nord Stream und demnächst durch South Stream.<br />
Trotz des Ausbaus der Erneuerbaren Energien, die den Bedarf an fossilen Energieträgern verringert,<br />
wird der europäische Gasmarkt zum Käufermarkt - mit allen Vorteilen bei den Gasverbrauchern.<br />
Die Erweiterung der Netze wird aber eher gefördert. Daher kann man generell sagen, dass der<br />
Pipelinemarkt weltweit weiter boomen wird.<br />
Hintergrund: Entwicklung der ptc<br />
Die Pipeline Technology Conference ist vor acht Jahren als begleitende Konferenz aus der Industriemesse<br />
Hannover Messe hervorgegangen und deckt alle Aspekte der Öl-, Gas- und Produkt-<br />
SICHERHEIT<br />
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04-05 | 2014 25
Impression vom der ptc 2013: Vortrag von Botas International<br />
pipeline-Industrie ab. Mittlerweile ist die ptc Europas größte<br />
internationale Pipelinekonferenz mit Messe und wird jährlich<br />
von über 3.000 Teilnehmern besucht. Vor allem die Zahl der<br />
teilnehmenden Pipelinebetreibergesellschaften ist in den letzten<br />
Jahren stark gestiegen. Für 2014 werden Delegationen<br />
von 50 verschiedenen Betreibergesellschaften erwartet. Der<br />
Anteil an internationalen Teilnehmern liegt hierbei wie auch bei<br />
den Ausstellern und Rednern traditionell bei weit über 50 %.<br />
Neben der reinen Veranstaltung im Frühjahr ist die ptc mittlerweile<br />
zu einer ganzjährigen Informationsplattform für die<br />
Pipelinewirtschaft gewachsen. So gibt es mittlerweile z. B. eine<br />
ptc-Seminarreihe mit Veranstaltungen in Hannover, Hamburg,<br />
Dubai und Tunis.<br />
Programmübersicht der 9. ptc<br />
Die 9. Pipeline Technology Conference wird unter der Leitung<br />
der Co-Chair Dr. Klaus Ritter und Uwe Ringel mit einem Meeting<br />
des mittlerweile 31 Personen aus acht Ländern umfassenden<br />
Advisory Committee (AdCo) eingeleitet. Das AdCo<br />
gestaltet die Inhalte der Konferenz und beschäftigt sich mit<br />
den dringenden Fragestellungen, die aus dem raschen Ausbau<br />
der Pipelineinfrastruktur weltweit entstehen.<br />
Außerdem berichten die Mitglieder über bevorstehende größere<br />
Pipelineprojekte in ihren Regionen.<br />
Mit dem Start der Ausstellung und „Opening“ am 12. Mai wird<br />
die ptc 2014 offiziell eröffnet. Ein Highlight am Eröffnungstag<br />
ist ein aktueller Statusbericht zu den besonderen Herausforderungen<br />
des South Stream Offshore Projektes, bevor es<br />
anschließend in neun „Technical Sessions“ geht.<br />
Die Konferenz beschließt eine Diskussionsrunde unter Leitung<br />
von Heinz Watzka zu den aktuellen Herausforderungen der<br />
Pipelineindustrie, die z.B. aus der Verpflichtung zum europäischen<br />
Binnenmarkt Gas entsteht und der “World Pipeline<br />
Outlook” mit Beiträgen internationaler Pipelinebetreibern.<br />
Nach der ptc schließen sich direkt mehrere Workshops und<br />
Seminare bis zum 16. Mai an.<br />
KONTAKT: EITEP - Euro Institute for Information and Technology Transfer in<br />
Environmental Protection, Hannover, Dennis Fandrich,<br />
Tel. +49 511 90992-22, E-Mail: fandrich@eitep.de<br />
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Pipeline Technology Conference 2014<br />
Sunday, 11 May Monday, 12 May Tuesday, 13 May Wednesday, 14 May Thursday, 15 May Friday, 16 May<br />
9<br />
10<br />
11<br />
12<br />
13<br />
14<br />
15<br />
16<br />
17<br />
Registration<br />
Opening<br />
Plenary Session<br />
"European Pipeline Market"<br />
Lunch Break within the exhibition<br />
S 1:<br />
Inline<br />
Inspection<br />
S 2:<br />
Materials<br />
S 3:<br />
Compressor<br />
and<br />
Pump<br />
Stations<br />
Exhibition<br />
S 4:<br />
Integrity<br />
Management<br />
S 7:<br />
Corrosion /<br />
Coating<br />
S 5:<br />
Leak<br />
Detection<br />
S 8:<br />
Monitoring<br />
S 6:<br />
Planning<br />
and Construction<br />
Lunch Break within the exhibition<br />
S: 9:<br />
Offshore<br />
Technologies<br />
Exhibition<br />
Plenary Discussion<br />
"Pipelines in a rapidly changing world"<br />
Chair: Watzka<br />
Topics: Entsog, Shale Gas, LNG<br />
Plenary Session<br />
"World Pipeline Outlook: New<br />
Technologies in Operation"<br />
Lunch Break within the exhibition<br />
Post-Conference Workshops<br />
(free for ptc delegates)<br />
1) Sustainable Rehabilitation of<br />
Supply Pipelines applying Trenchless<br />
Replacement or Close-fit Lining<br />
method (Tracto Technik)<br />
2) Pipeline Leak Detection (Krohne)<br />
3) …<br />
Exhibition<br />
Seminars<br />
(registration required)<br />
1) In-Line Inspection of<br />
Transmission Pipelines<br />
(Part I)<br />
2) Geohazards and<br />
Geotechnics<br />
in Pipeline Engineering<br />
(Part I)<br />
3) …<br />
Seminars<br />
(registration required)<br />
1) In-Line Inspection of<br />
Transmission Pipelines<br />
(Part II)<br />
2) Geohazards and<br />
Geotechnics<br />
in Pipeline Engineering<br />
(Part II)<br />
3) ...<br />
18<br />
19<br />
Advisory Committee<br />
Meeting<br />
Get-together within the exhibition<br />
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26 04-05 | 2014
8. Praxistag<br />
Korrosionsschutz<br />
am 2. Juli 2014 in Gelsenkirchen<br />
PROGRAMM<br />
Moderation: U. Bette, Technische Akademie Wuppertal<br />
1. Über die physikalisch-chemische Bedeutung des IR-freien<br />
Potentials und alternative Verfahren zum Nachweis der<br />
Wirksamkeit des kathodischen Korrosionsschutzes<br />
Dr. M. Büchler, SGK Schweizerische Gesellschaft für Korrosionsschutz, Zürich<br />
2. Betrachtung zum Risiko von Wasserstoffversprödung an<br />
Rohrleitungsstählen auf Grund von Kathodischem Überschutz<br />
Dr. H.-G- Schöneich, Open Grid Europe GmbH, Essen<br />
3. Smart KKS: Intelligente KKS-Schutzstromeinspeisung zum<br />
Schutz wechselspannungsbeeinflusster Rohrleitungen<br />
gegen Wechselstromkorrosion<br />
M. Wendling, M. Müller, RBS Wave GmbH, Stuttgart<br />
4. Neue Technologien für die Überwachung, Steuerung und<br />
Wartung von Schutzanlagen und Messstellen beim KKS<br />
Th. Weilekes, Weilekes Elektronik GmbH, Gelsenkirchen<br />
5. Wechselstrombeeinflussung und deren Auswirkung auf die<br />
Planung und Ausführung von KKS-Anlagen am Beispiel der<br />
Südschiene Steiermark<br />
F. Mayrhofer, V&C Kathodischer Korrosionsschutz Ges.m.b.H., Pressbaum (A)<br />
6. IFO-Messung vs. Intensivmessung<br />
T. Basten, Evonik Industries AG, Marl<br />
7. Qualitätssicherung im passiven Korrosionsschutz -<br />
der Coating Inspector<br />
A. Graßmann, Open Grid Europe GmbH, Essen; Dr. Th. Löffler,<br />
Kebulin-Gesellschaft Kettler GmbH & Co. KG, Herten-Westerholt<br />
8. Langzeitpraxiserfahrungen beim passiven Korrosionsschutz<br />
G. Friedel, Denso GmbH, Leverkusen<br />
9. Ein neues Umhüllungskonzept für Mehrschichtumhüllungen<br />
von Stahlrohren<br />
Dr. H.-J. Kocks, Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH, Siegen<br />
10. Streustrombeeinflussung von Stahlrohrleitungen durch<br />
Gleichstrom-Nahverkehrsbahnen<br />
U. Bette, TAW Technische Akademie Wuppertal, Wuppertal<br />
Wann WANN und UND Wo? WO?<br />
Veranstalter:<br />
<strong>3R</strong>, fkks<br />
Termin: Mittwoch, 2. Juli 2014,<br />
9:00 Uhr – 17:15 Uhr<br />
Ort:<br />
Zielgruppe:<br />
Veranstalter VERANSTALTER<br />
Veltinsarena, Gelsenkirchen,<br />
www.veltins-arena.de<br />
Mitarbeiter von Stadtwerken,<br />
Energieversorgungs- und<br />
Korrosionsschutzfachunternehmen<br />
Teilnahmegebühr * :<br />
<strong>3R</strong>-Abonnenten<br />
und fkks-Mitglieder: 410,- €<br />
Nichtabonnenten: 440,- €<br />
Bei weiteren Anmeldungen aus einem Unternehmen wird<br />
ein Rabatt von 10 % auf den jeweiligen Preis gewährt.<br />
Kombirabate sind nicht möglich.<br />
Im Preis enthalten sind die Tagungsunterlagen sowie<br />
das Catering (2 x Kaffee, 1 x Mittagessen).<br />
* Nach Eingang Ihrer schriftlichen Anmeldung (auch per Internet möglich) sind<br />
Sie als Teilnehmer registriert und erhalten eine schriftliche Bestätigung sowie<br />
die Rechnung, die vor Veranstaltungsbeginn zu begleichen ist. Bei Absagen<br />
nach dem 23. Juni 2014 oder Nichterscheinen wird ein Betrag von 100,- €<br />
für den Verwaltungsaufwand in Rechnung gestellt. Die Preise verstehen sich<br />
zzgl. MwSt.<br />
Mehr Information und Online-Anmeldung unter<br />
www.praxistag-korrosionsschutz.de<br />
Fax-Anmeldung: +49 201 82002-40 oder Online-Anmeldung: www.praxistag-korrosionsschutz.de<br />
Ich bin <strong>3R</strong>-Abonnent<br />
Ich bin fkks-Mitglied<br />
Ich bin Nichtabonnent/kein fkks-Mitglied<br />
Vorname, Name des Empfängers<br />
Telefon<br />
Telefax<br />
Firma/Institution<br />
E-Mail<br />
Straße/Postfach<br />
Land, PLZ, Ort<br />
Nummer<br />
✘<br />
Ort, Datum, Unterschrift<br />
04-05 | 2014 27
SPECIAL<br />
<strong>IFAT</strong> 2014 - Wachsen mit dem Trend<br />
Die diesjährige <strong>IFAT</strong>, die vom 5. bis 9. Mai in München<br />
stattfinden wird, bricht ihre eigenen Rekorde: Auf über<br />
230.000 m 2 stellen rund 3.000 Unternehmen aus 50 Ländern<br />
ihre Produkte und Dienstleistungen den erwarteten<br />
125.000 Besuchern aus aller Welt vor.<br />
Damit bestätigt die <strong>IFAT</strong> als weltweit wichtigste Fachmesse,<br />
dass sie eine feste Größe in den Bereichen Wasser-, Abfallund<br />
Rohstoffwirtschaft ist, und wichtiger Impulsgeber für<br />
Lösungen bleibt. Außerdem steht die <strong>IFAT</strong> mit einer Wiederbeteiligungsquote<br />
der Aussteller von über 90 % für<br />
Kontinuität bei gleichzeitigem Wachstum, betrachtet man<br />
z. B. die hohe Flächennachfrage.<br />
Aufgrund der positiven Resonanz der letzten Jahre hat die<br />
<strong>IFAT</strong> nochmals an Attraktivität gewonnen, so dass sich auch<br />
zahlreiche neue Unternehmen auf der <strong>IFAT</strong> 2014 präsentieren<br />
wollen. Dabei reicht die Bandbreite der Aussteller<br />
von großen Fachverbänden bis hin zu hoch spezialisierten<br />
Technologie-Unternehmen und -Herstellern. Neben altbewährten<br />
Messeständen und Workshops wird es dieses<br />
Jahr auch auf dem neuen 8.000 m 2 großen Freigelände<br />
zahlreiche Aktions- und Demonstrationsflächen geben.<br />
Schonender Umgang mit Ressourcen spart Kosten<br />
Obwohl die Messe selbst stetig wächst, wird aber auf der<br />
<strong>IFAT</strong> 2014 auch die Frage gestellt, ob Wachstum bei immer<br />
knapper werdenden Rohstoffen überhaupt möglich ist. Bei<br />
der Diskussion dieser und ähnlicher Fragestellungen und<br />
dem Suchen nach neuen Ansätzen und Lösungen möchte<br />
die <strong>IFAT</strong> ihrer Verantwortung als Leitmesse für die gesamte<br />
Umwelttechnologiebranche gerecht werden. Daher bezieht<br />
sich ein großer Teil der Aussteller, Workshops und Seminare<br />
auf die sinnvolle Nutzung von Ressourcen, die z. B.<br />
in intelligenten Kreisläufen geschont werden können, und<br />
gleichzeitig langfristige und kosteneffiziente Planungen<br />
ermöglichen.<br />
Mit den GreenTec Awards, die in diesem Jahr erstmalig im<br />
Rahmen der Auftaktgala zur <strong>IFAT</strong> vergeben werden, sollen<br />
Unternehmen ausgezeichnet werden, deren Technologien,<br />
Produkte und Dienstleistungen einen Beitrag dazu leisten,<br />
die Umwelt und Ressourcen im Sinne ökologischer Nachhaltigkeit<br />
zu schonen und Schadstoffe zu vermeiden und<br />
zu reduzieren. Dabei steht der Technologiefokus in enger<br />
Verbindung mit dem Effizienzbegriff, also der ökonomisch<br />
sinnvollen Umsetzung. Doch um das Ziel umzusetzen, Wohlstand<br />
mit Umweltverträglichkeit zu vereinbaren, sind in der<br />
modernen Industriegesellschaft neue Wege zu gehen und<br />
Lösungen zu finden.<br />
Wasser, Abwasser und Messtechnik<br />
In dem weiten Bereich der Wasser- und Abwasserbranche<br />
präsentieren sich die Aussteller als zukunftsfähig und innovationsfreudig:<br />
So werden z. B. auf dem Markt der Messtechnik<br />
verschiedene Verfahren der Leckage-Ortung vorgestellt,<br />
optimiert und benutzerfreundlich umgesetzt. Dabei<br />
steht vor allem eine einfache Auswertung von Messdaten<br />
per Webmodul, App oder das Definieren von Zustandserfassungen<br />
und -Alarmen per Interface im Vordergrund der<br />
Entwicklungen.<br />
Die Integration anderer Technologien, wie Smartphone<br />
oder Tablet, sollen die Anwendungen, wie z. B. Wasseranalyse<br />
oder Leckageortung, noch einfacher machen, um die<br />
Netze kosteneffizient instand zu halten und auf mögliche<br />
Ereignisse (Druckabfall, Stagnation o. ä.) schnell und sicher<br />
zu reagieren.<br />
Für den Bereich der Sanierungstechnik zeichnet sich auch<br />
eine Entwicklung ab: Aufgrund der bereits bestehenden<br />
hohen Effizienz finden die Weiterentwicklungen hier hauptsächlich<br />
in Details statt.<br />
Ähnliches gilt für die Kanalinspektion, wobei aber vor<br />
allem die Automatisierung im Bereich der Messtechnik<br />
zu erwähnen ist, die es z. B. ermöglicht,<br />
Bestandspläne automatisch zu erstellen,<br />
relevante Daten während der Inspektion<br />
zu erfassen und auszuwerten, so dass<br />
Ausfallzeiten verkürzt werden können<br />
und Sanierungen planbar und kostengünstiger<br />
durchzuführen sind.<br />
Einen Überblick über neue Produkte und<br />
Verfahren der <strong>IFAT</strong> 2014 haben wir für Sie<br />
im Folgenden zusammengestellt. Besuchen<br />
Sie uns doch auf der <strong>IFAT</strong> 2014.<br />
Wir freuen uns auf Sie!<br />
KONTAKT: <strong>3R</strong>-Redaktion<br />
Vulkan Verlag, Essen<br />
Halle B5, Stand 515<br />
28 04-05 | 2014
PRODUKT-SPECIAL<br />
Weltleitmesse für<br />
Wasser-, Abwasser-, Abfallund<br />
Rohstoffwirtschaft<br />
5. - 9. Mai 2014, München<br />
für Sie auf der<br />
Das <strong>3R</strong>-Team freut sich auf<br />
ihren Besuch!<br />
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04-05 | 2014 29
PRODUKT-SPECIAL<br />
Elektrische Stellantriebe in der Wasserwirtschaft<br />
In den meisten prozesstechnischen Anlagen werden die<br />
Signale zwischen Aktoren und dem Leitsystem über Elektrokabel<br />
übertragen. Diese Methode erlaubt den schnellen<br />
Datenaustausch, ist sicher, kostengünstig, wartungsfrei<br />
und hat sich über die letzten 120 Jahre bewährt. Das alles<br />
gilt auch, wenn die Energieversorgung von Aktoren per<br />
Kabel erfolgt. Unter diesem Gesichtspunkt haben elektrische<br />
Stellantriebe eindeutige Vorteile gegenüber ihren<br />
pneumatischen und hydraulischen Pendants.<br />
Alles in einem Gehäuse<br />
Elektrische Stellantriebe sind in ihrer Funktionalität skalierbar.<br />
Die Bandbreite reicht vom einfachen Auf-/ Zu-Antrieb<br />
bis hin zum Antrieb, der selbständig eine Prozessregelung<br />
übernimmt und rechtzeitig und bedarfsgerecht Wartungsmaßnahmen<br />
beim Leitsystem anmahnt. Unabhängig<br />
von ihrer Ausstattung sind bei elektrischen Stellantrieben<br />
sämtliche Funktionalitäten in das Gerätegehäuse integriert.<br />
Dieses ist in der höchsten Schutzart IP 68 ausgeführt<br />
und bietet somit optimalen Schutz gegen das Eindringen<br />
von Staub und Feuchtigkeit.<br />
Wirksamer Korrosionsschutz<br />
Das in sich geschlossene Gehäuse bietet gute Voraussetzungen<br />
für einen wirksamen Korrosionsschutz. Da<br />
elektrische Stellantriebe unter allen klimatischen Bedingungen<br />
eingesetzt werden, haben die Hersteller in den<br />
vergangenen Jahren auf diesem Feld große Anstrengungen<br />
unternommen und Fortschritte erzielt. Maßgeblich<br />
waren hier die hohen Standards der Öl- und Gasindustrie.<br />
Dies kommt nun allen anderen Anwendungsbereichen<br />
zu Gute.<br />
Als besonders geeignet haben sich zweilagige Pulverbeschichtungen<br />
erwiesen. Sie sind nicht nur witterungsbeständig,<br />
sondern zeigen sich auch gegen mechanische<br />
Einflüsse widerstandsfähig. Im Gegensatz zur klassischen<br />
Nasslackierung, bei der das fertig montierte Gerät<br />
gespritzt wird, werden bei der Pulverlackierung die ein-<br />
Handbetätigung von elektrischen Stellantrieben bei speziellen Einbausituationen: Die Handbetätigung eines Stellantriebs bei<br />
Spannungsausfall ist nur dann vernünftig möglich, wenn das Notbetätigungselement gut zugänglich ist. Nicht immer sind AUMA-<br />
Stellantriebe so montiert, dass dies mit dem Standard-Handrad gewährleistet wird. AUMA hat für solche Situationen eine Reihe<br />
von Betätigungselementen im Angebot. Dazu zählen eine Handradverlängerung (Bild links), eine Kettenradlösung (Bild rechts) und<br />
verschiedene Adapter für Schraubernotbetrieb. Der Stellantriebshersteller zeigt diese Lösungen auf der <strong>IFAT</strong><br />
30 04-05 | 2014
®<br />
zelnen Gehäuseteile vor der Montage beschichtet.<br />
Muss dann bei der Installation vor Ort oder für Wartungsmaßnahmen<br />
das Stellantriebsgehäuse geöffnet<br />
werden, bleibt die Beschichtung unverletzt. Damit<br />
werden Ansatzpunkte für Korrosion vermieden. Da<br />
die Verbindungflächen zwischen den Gehäusedeckeln<br />
und dem Gehäuse mit beschichtet werden,<br />
sind auch diese optimal gegen Korrosion geschützt.<br />
DER BESTE<br />
SCHUTZ FÜR<br />
EIN GANZES<br />
LEBEN<br />
Zugegeben, wir haben von der Natur abgeschaut …<br />
Durchgängiges Stellantriebskonzept für alle<br />
Armaturen<br />
Das Spektrum unterschiedlicher Armaturenbauformen<br />
und Größen in der Wasserwirtschaft ist weit<br />
- von der kleinen Klappe im Wasserwerk bis hin<br />
zum Doppelkettenschütz in einem Wehr. Zumindest<br />
innerhalb einer Anlage ist es wünschenswert,<br />
hinsichtlich der Anbindung an das Leitsystem, der<br />
Installation, Inbetriebnahme und Bedienung bei<br />
den Stellantrieben Einheitlichkeit zu wahren. Neben<br />
dem einfacheren Umgang im Anlagenalltag bietet<br />
dies auch wirtschaftliche Vorteile, z. B. bei der<br />
Ersatzteilbevorratung.<br />
Modulare Stellantriebskonzepte bieten diese Einheitlichkeit<br />
über ein Drehmomentspektrum von 10 Nm<br />
bis zu nahezu 700.000 Nm. Erreicht wird dies durch<br />
klare Schnittstellen zwischen Elektronik und Mechanik,<br />
zwischen Motor und Getriebe sowie Sensorik<br />
und Getriebe. Durch die anwendungsspezifische<br />
Kombination dieser Grundbausteine entsteht im<br />
Werk der Antrieb, den der Kunde braucht.<br />
… um für Sie den besten Schutz zu schaffen!<br />
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Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-,<br />
Abfall- & Rohstoffwirtschaft<br />
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Blitzschutz<br />
In der Nähe von großen Wasserflächen, z. B. Becken<br />
in Kläranlagen, besteht eine erhöhte Gefahr für Blitzeinschläge.<br />
Auch wenn der Blitz nicht direkt einschlägt,<br />
können durch das elektrische Feld in den<br />
Signalleitungen Spannungen induziert werden, die<br />
die Elektronik von Feldgeräten und somit auch von<br />
Stellantrieben beschädigen. Eine Maßnahme um dies<br />
zu verhindern, sind Überspannungsschutzmodule,<br />
die Überspannungen bis zu 4 KV von der internen<br />
Elektronik fernhalten.<br />
Ganz verhindert werden Überspannungen, wenn zur<br />
Datenübertragung Lichtwellenleiter (LWL) verwendet<br />
werden. Lichtwellenleiter setzen den Einsatz eines<br />
Feldbussystems voraus und erfordern eine entsprechende<br />
Schnittstelle im Antrieb, die die Lichtsignale<br />
in die antriebsintern notwendigen elektrischen Signale<br />
umwandelt und umgekehrt.<br />
KONTAKT: AUMA Riester GmbH & Co. KG, Müllheim<br />
Tel. +49 7631 8090<br />
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DENSO ist seit 1922 als Erfinder und Pionier in den Bereichen passiver<br />
Korrosionsschutz für Rohrleitungen sowie innovativer Dichtmittel für den<br />
Straßen-, Gleis-, Ingenieur- und Kanalbau führend. DENSO steht für<br />
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04-05 | 2014 31
PRODUKT-SPECIAL<br />
Technische Weiterentwicklungen und Neuerungen bei<br />
Hydranten, Armaturen und Ventilen<br />
Zur <strong>IFAT</strong> hat der Armaturenhersteller AVK Mittelmann neben<br />
der Überarbeitung der Hydrantenserien 3 (Unterflurhydranten)<br />
auch die Überarbeitung der Hydrantenserien 5 und 6<br />
(Überflurhydranten) abgeschlossen. Hieraus resultiert der<br />
neue Serienname 7.<br />
Bei dieser Überarbeitung wurde darauf geachtet, bewährte<br />
Produktfeatures, wie z. B. die Umfahrtrennstelle am<br />
Überflurhydranten mit Titanbuchsen, beizubehalten, und<br />
weiterhin die Hydranten an die Anforderungen des europäischen<br />
Markts anzupassen. Alle Hydranten entsprechen der<br />
DIN EN 14399 für Unterflurhydranten bzw. DIN EN 14384<br />
für Überflurhydranten. Ab Sommer 2014 werden sämtliche<br />
neue Überflurhydranten der Serie 7 lieferbar sein und die<br />
alten Serien 5 und 6 ersetzen. Weiterhin erhältlich bleibt<br />
das Modell P5 in seiner Standardausführung.<br />
Technische Weiterentwicklungen, Baukastenprinzip<br />
und kompatible Ersatzteile<br />
Die neuen Überflurhydranten der Serie 7 verfügen über<br />
einige technische Verbesserungen im Vergleich zu ihren<br />
Vorgängermodellen. Wie beim doppelt abgesperrten<br />
Unterflurhydranten verfügen nun auch die Überflurhydranten<br />
über eine vollgummierte Kugelabdichtung. Auch<br />
die Gewindesacklöcher wurden bei den Kugelgehäusen<br />
ergänzt. Beides trägt zu einem verbesserten Korrosionsschutz<br />
bei. Dieser wurde ebenfalls an den inneren<br />
Übergängen zu den verschiedenen Abgängen optimiert.<br />
Letztere Verbesserung trägt zudem zu verbesserten Strömungseigenschaften<br />
bei.<br />
Die komplette Hydranten-Produktpalette ist weiterhin im<br />
Baukastenprinzip aufgebaut, Teile sind auch mit der Vorgängerserie<br />
kompatibel. So ist es möglich, die neuen Oberteile<br />
der Serie P7 auch auf den Unterteilen der Serie P5 zu<br />
montieren, und umgekehrt. Auch die unteren Gestänge<br />
mit dem Polyurethan beschichtetem Ventilkegel können<br />
in beiden Serien verbaut werden. Dies gilt ebenso wie<br />
auch bei der Serie L7 für die neuen Kugelgehäuse mit<br />
dem vollgummiertem Kugelabsperrring. Hier lassen sich<br />
sowohl die Mantelrohre der neuen Serie 7 auf die „alten“<br />
Kugelgehäuse Serie 3 (5) montieren als auch bei Bedarf die<br />
„neuen“ Kugelgehäuse der Serie 7 für die Hydranten der<br />
Vorgängerserie 3 (5) verwenden. Dies gibt den Kunden ein<br />
hohes Maß an Sicherheit bezüglich der Ersatzteilbeschaffung<br />
und Flexibilität bei benötigten Umbauten.<br />
So profitieren auch langjährige Kunden ohne Austausch<br />
des kompletten Hydranten von der Überarbeitung auf<br />
den jetzigen Stand. Wo dies aus konstruktiver Sicht nicht<br />
möglich war, kann man für die Kunden aber weiterhin<br />
für zumindest die nächsten 25 Jahre die Beschaffung von<br />
Ersatzteilen gewährleisten.<br />
Sämtliche Hydranten der 7er Serie sind nach wie vor auch<br />
mit Vollemaillierung (innen und außen Emaille) erhältlich.<br />
Das trägt gerade bei den Überflurhydranten zu einem<br />
noch höheren Korrosionsschutz bei. Zudem ist Emaille als<br />
Beschichtung besonders säureresistent, so dass auch lange<br />
Streuperioden im Winter mit aggressivem Streusalz der<br />
Farbe des Hydranten nichts anhaben können. Außenemaille<br />
ist außerdem auch besonders UV-resistent. Diese beiden<br />
Eigenschaften tragen zu einer höheren Farbechtheit bei<br />
als bei herkömmlichen Außenbeschichtungen. Gerade bei<br />
Überflurhydranten ist die Signalwirkung der Außenfarbe<br />
von zentraler Bedeutung.<br />
Die gesamte 7er Serie Über- und Unterflurhydranten erfüllt<br />
selbstverständlich alle Normforderungen bezüglich der<br />
Konstruktion, der mechanischen Eigenschaften, der Trinkwasserhygiene<br />
und den geforderten Mindestdurchflüssen,<br />
die - wie schon bei den<br />
Serien 3 und 5 - über den<br />
geforderten Mindeststandards<br />
liegen.<br />
Bild 1: F7 Schnittmodell Entwässerung geöffnet<br />
Hydranten nach<br />
allen europäischen<br />
Standards<br />
Als Tochterunternehmen<br />
der weltweit tätigen<br />
AVK Group mit Sitz<br />
in Dänemark ist es nun<br />
umso bedeutender, nicht<br />
lediglich mit länderspezifischen<br />
Einzellösungen<br />
aufzuwarten, sondern<br />
einen „Europäischen“<br />
Hydranten auf dem<br />
Markt zu haben, der alle<br />
32 04-05 | 2014
PRODUKT-SPECIAL<br />
unterschiedlichen nationalen Standards erfüllt.<br />
Die Überarbeitung des Hydrantenprogrammes<br />
wurde zudem dafür genutzt, weitere Verbesserungen<br />
sowie Kundenwünsche in die Konstruktion<br />
einfließen zu lassen und die Hydranten<br />
nach aktuellem Stand der Technik herzustellen.<br />
Dies beginnt bei der Auswahl der Gießverfahren<br />
und endet bei der Optimierung von Fertigungsprozessen<br />
zur Erhöhung der Qualität und der<br />
Verringerung von durch Fehler im Fertigungsprozess<br />
verursachten Kosten.<br />
Neuer Freistromhydrant „F7“ mit großem<br />
Entwässer ungsquerschnitt und enormen<br />
Durchflussleistungen<br />
Eine Neuerung im Hydrantenprogramm von AVK<br />
Mittelmann Armaturen ist der Freistromhydrant<br />
F7 (Bild 1). Durch den freien Durchfluss des Mediums<br />
erreicht er eine enorme Durchflussleistung<br />
Kv=216 m 3 /h. Der Betätigungsmechanismus liegt<br />
dabei außerhalb des Mediums. Deshalb ist der<br />
Hydrant auch für Wartungs- und Inspektionswerkzeuge<br />
frei zugänglich. Er ist besonders robust und<br />
gegenüber Fremdkörpern im Inneren unempfindlich.<br />
Er entleert selbsttätig und ist so konstruiert,<br />
dass er einen besonders großen Entwässerungsquerschnitt<br />
aufweist. Selbstverständlich ist der<br />
F7 nach GSK-Richtlinien mit Epoxidharzpulver<br />
beschichtet und neben einem senkrechten Flanschanschluss<br />
auch mit glattem Spitzende sowie<br />
Spitzende für BAIO erhältlich.<br />
TimeSaver-Kunststoffarmaturen aus PE 100<br />
Sämtliche AVK PE-Armaturen der „TimeSaver Valves“-<br />
Reihe (mit Ausnahme der Wafer Absperrklappe) sind für<br />
schnelles und direktes Stumpf- oder Elektroschweißverfahren<br />
in PE 100-Rohrsysteme konstruiert. Die Wellen<br />
und Scheiben der Absperrklappen sind aus Edelstahl<br />
A4 (AISI 316). Die Betätigung erfolgt über Handhebel<br />
<strong>3R</strong>_4-4_KGS-TK_182-62_Layout 1 04.03.14 19:47 Seite 1<br />
Bild 2: Absperrklappe mit<br />
Einschweißende<br />
Bild 4: Absperrklappe Wafertype<br />
Bild 3: Absperrklappe mit<br />
doppelwandigem Gehäuse<br />
Bild 5: Rückschlagklappe<br />
in da 63-160 sowie Schneckengetriebe ab da 200. Die<br />
Absperrklappen verfügen zudem über eine NBR Auskleidung,<br />
kombiniert mit einem Dichtring aus Epoxidharz. Sie<br />
sind standardmäßig für Rohraußendurchmesser von da<br />
63 bis da 315 mit einer Wanddicke von SDR 11 erhältlich<br />
(andere Wanddicken auf Anfrage).<br />
Die einschweißbaren Absperrklappen (Bild 2) verfügen<br />
über ein Gehäuse aus PE 100, das für viele flüssige und<br />
gasförmige Medien sowie unter anderem für chemische<br />
04-05 | 2014 33
PRODUKT-SPECIAL<br />
Anwendungen einsetzbar ist. Sie sind für schnelles und<br />
direktes Stumpf- oder Elektroschweißverfahren in PE 100<br />
Rohrsysteme konstruiert und bieten ein leckagefreies System,<br />
das keinen zusätzlichen Einsatz von Flanschadaptern<br />
oder sonstigen Abstandsstücken und damit verbundene<br />
Arbeitszeit erfordert.<br />
Die Absperrklappe mit doppelwandigem Gehäuse (Bild 3)<br />
verfügt über eine zweite Gehäusewand. Diese Gesamteinheit<br />
kann direkt in neue oder bereits existierende<br />
doppelwandige PE 100-Rohrsysteme eingeschweißt werden,<br />
so dass keine weiteren Schächte benötigt werden.<br />
Deshalb bieten diese speziellen Absperrklappen eine<br />
kosteneffektive Lösung mit einer einwandfreien Technik<br />
für zuverlässigen Schutz der Umwelt, z. B. durch wassergefährdende<br />
Flüssigkeiten.<br />
Die Absperrklappe Typ Wafer (Bild 4) ist konstruiert für<br />
den Einbau mit Flansch in geflanschte Rohrleitungssysteme,<br />
bestehend aus PE 100 oder metallischen<br />
Werkstoffen. Die Wafer Type Absperrklappe<br />
kann an die vorhandenen Flansche montiert<br />
werden. Die Absperrklappe Typ Wafer wird vor<br />
allem in den Anwendungen eingebaut, wo die<br />
chemische Resistenz von PE 100 zum Tragen<br />
kommt und ein schneller und einfacher Zugang<br />
zur Rohrleitung benötigt wird.<br />
Die Rückschlagklappen (Bild 5) sind für schnelles<br />
und direktes Stumpf- oder Elektroschweißverfahren<br />
in PE 100 Rohrsysteme konstruiert.<br />
Diese Produktreihe bietet eine vollständige<br />
Rückflussverhinderung. Die Klappen sind mit<br />
einem Gehäuse komplett aus PE 100 für eine<br />
besonders langjährige Funktion und Einsatzbereitschaft<br />
konstruiert.<br />
Bild 6: Bermad Air Valves-Produktfamilie<br />
Neue Be- und Entlüftungsventile<br />
Die seit vielen Jahren bestehende Kooperation<br />
zwischen AVK Mittelmann Armaturen und<br />
BERMAD wird in Kürze um eine umfassende<br />
Auswahl an Be- und Entlüftungsventilen (Bild 6)<br />
erweitert. Die neu entwickelten Be- und Entlüftungsventile<br />
ergänzen das bestehende Produktprogramm<br />
von Eigenmedium gesteuerten<br />
Regelventilen und sind neben dem Einsatz in Trinkwassernetzen<br />
ebenfalls im Abwasserbereich anwendbar. Beratende<br />
Ingenieure und Anwender haben somit die Möglichkeit, auf<br />
die technischen Anforderungen zugeschnittene Systeme<br />
und optimierte Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.<br />
Die neue Produktlinie deckt Be- und Entlüftungsventile aus<br />
Guss von DN 50 bis DN 200, sowie Ventile aus Kunststoff in<br />
den Nennweiten DN 20-50 ab. Besondere Merkmale sind<br />
höhere Durchflusskennwerte, Reduzierung von Leckagen,<br />
minimierte Sprüh-Effekte, vorinstallierter Schutz vor Druckstößen,<br />
wandlungsfähiges Design zum einfachen Einbau,<br />
eine robuste Konstruktion sowie DVGW-Zulassung.<br />
KONTAKT: AVK Mittelmann Armaturen GmbH, Wülfrath<br />
Tel. +49 2058 90101<br />
E-Mail: info@avkmittelmann.com<br />
Halle A4, Stand 241/340<br />
INFO<br />
Der Newsletter für<br />
die Rohrleitungsbranche<br />
Anmelden unter www.<strong>3R</strong>-Rohre.de<br />
GAS | WASSER | ABWASSER | PIPELINEBAU | SANIERUNG | KORROSIONSSCHUTZ | FERNWÄRME | ANLAGENBAU<br />
34 04-05 | 2014
PRODUKT-SPECIAL<br />
04-05 | 2014 35
PRODUKT-SPECIAL<br />
Moderne Unterflurhydranten für die<br />
Trinkwasserversorgung<br />
An Hydranten werden heutzutage vielfältige Anforderungen<br />
gestellt. Die Bereitstellung von Löschwasser im<br />
Brandfall ist das wichtigste Kriterium. Es lassen sich jedoch<br />
auch weitere Nutzungsmöglichkeiten durch besondere<br />
Konstruktionsmerkmale sinnvoll integrieren.<br />
Kriterien wie Langlebigkeit, Betriebssicherheit, geringer<br />
Wartungsaufwand und eine hohe Funktionalität<br />
waren für die nachfolgend näher dargestellten Varianten<br />
maßgebend.<br />
Freistrom-Unterflurhydrant<br />
Bei herkömmlichen Unterflurhydranten erfolgt die Wasserentnahme<br />
und Absperrung in einem Gussgehäuse. Die<br />
Absperrung wird hierbei vertikal über Spindelgestänge<br />
und Ventilkegel hergestellt. Beim Freistrom-Unterflurhydrant<br />
erfolgt die Absperrung über eine Steckscheibe<br />
aus nichtrostendem Stahl. Die Steckscheibe wird über<br />
Exzentermechanismus und Getriebe in einem Gehäuse,<br />
verschleißarm horizontal gegen feste metallische Anschläge,<br />
bewegt. Durch die Trennung von Betätigungs- und<br />
Mediumrohr ergeben sich in Offenstellung deutlich günstigere<br />
hydraulische Verhältnisse als bei Hydranten mit<br />
Ventilkegelabsperrung.<br />
Gemäß DIN EN 14339 sind 60 m 3 /h für einen Unterflurhydranten<br />
DN 80 bei 1 bar Druckverlust gefordert. Der<br />
a) b) c)<br />
a) Freistrom-Unterflurhydrant mit BAIO-Spitzende<br />
b) Unterflurhydrant höhenverstellbar mit BAIO-Spitzende<br />
c) Tele-Hydrant mit BAIO-Spitzende<br />
Freistrom-Unterflurhydrant leistet bei gleichen Prüfbedingungen<br />
153 m 3 /h, also mehr als das Doppelte der<br />
geforderten Durchflussmenge.<br />
Neben den Standardbaulängen für Rohrdeckungen von<br />
1,0 m bis 1,5 m ermöglicht die Bauweise durch die Trennung<br />
von Betätigungs- und Mediumrohr zudem die Herstellung<br />
von Sonderlängen. Ausführungsvarianten bis zu<br />
4,50 m wurden bereits umgesetzt.<br />
Um eine hohe Betriebssicherheit und zugleich eine lange<br />
Nutzungsdauer sicherzustellen, wird bei der Werkstoffauswahl<br />
besonders Wert auf den Korrosionsschutz<br />
gelegt. Mediumrohr und Schließelement sind aus nichtrostendem<br />
Stahl gefertigt. Die Gussbauteile sowie das<br />
Mediumrohr werden nach den Anforderungen der GSK<br />
Epoxid-pulverbeschichtet.<br />
Den Freistrom-Unterflurhydranten gibt es mit den etablierten<br />
Anschlussformen BAIO ® -Spitzende, Flansch und<br />
PE-Anschweißende. Seit diesem Jahr gibt es zusätzlich<br />
die innovative Anschlussvariante mit angegossenem<br />
Fußkrümmer. Die kompakte Bauweise dieser neuen<br />
Anschlussvariante reduziert die Totwassermenge auf ein<br />
Minimum und ermöglicht durch Einsparung eines Formstücks<br />
eine noch einfachere und schnellere Montage.<br />
Der angegossene Fußkrümmer kann standardmäßig mit<br />
BAIO ® -Spitzende bzw. zugfestem Losflansch bezogen<br />
werden.<br />
Alle Hawle Unterflurhydranten<br />
sind in<br />
der Trinkwasserversorgung<br />
für einen<br />
Betriebsdruck bis<br />
16 bar ausgelegt.<br />
Durch die einzigartige<br />
Konstruktion ergeben<br />
sich zusätzliche Verwendungsmöglichkeiten.<br />
Dazu zählen z. B.<br />
das nachträgliche Einbinden<br />
des Freistrom-<br />
Unterflurhydranten<br />
auf Rohrleitungssysteme<br />
unter Betriebsdruck<br />
und Rohrnetzbeobachtung.<br />
An Endsträngen<br />
einer Leitung<br />
ermöglicht der freie<br />
Durchgang in Verbindung<br />
mit Fußkrümmern<br />
die Reinigung<br />
einer Rohrleitung mittels<br />
Schwammkugel<br />
(Molch).<br />
36 04-05 | 2014
Zudem gibt es die Möglichkeit, die Restentleerung von druckentlasteten<br />
Netzabschnitten über Sauglanzen durchzuführen, so dass<br />
das Wasser nicht ungenutzt ins Erdreich abgelassen wird.<br />
Höhenverstellbarer Freistrom-Unterflurhydrant<br />
Der höhenverstellbare Freistrom-Unterflurhydrant hat ein Mediumrohr<br />
aus nichtrostendem Stahl und eine Betätigungseinheit,<br />
die beide teleskopierbar sind. Die Verstellbarkeit liegt je nach<br />
Ausführung zwischen 300 bis 550 mm. Die Arretierung des<br />
Mediumrohres wird über einen Klemmmechanismus hergestellt.<br />
Das teleskopische Betätigungsrohr wird dabei sicher über die<br />
Kupplungsplatte gehalten.<br />
Der Absperrmechanismus, die fünf Anschlussformen und die<br />
zusätzlichen Nutzungsmöglichkeiten sind wie beim Standard-<br />
Freistrom-Unterflurhydranten auch beim höhenverstellbaren<br />
Unterflurhydranten gegeben.<br />
Tele-Hydrant ®<br />
Stehendes Wasser und Ablagerungen innerhalb von Straßenkappen<br />
bereiten seit jeher Probleme bei der Nutzung von Unterflurhydranten.<br />
Der sich bildende Schlamm verhindert das Versickern<br />
des Oberflächenwassers, kann im schlimmsten Fall in den Hydranten<br />
eindringen und damit die Betriebsfunktion stören. So<br />
können Standrohre oft erst nach Reinigung des Straßenkappen-<br />
Innenbereiches auf die Klauenkupplung aufgesetzt werden.<br />
Des Weiteren gibt es Bereiche, wo es sinnvoll erscheint, Überflurhydranten<br />
zu setzen, dies aber aufgrund der örtlichen Verhältnisse<br />
(Straßenbereich etc.) nicht möglich ist. Diese Herausforderungen<br />
waren ausschlaggebend für die Entwicklung eines Unterflurhydranten<br />
mit integriertem Standrohr, dem Tele-Hydranten ® .<br />
Für die Nutzung des Tele-Hydrant ® wird, nachdem der Straßenkappendeckel<br />
entfernt wurde, das integrierte Standrohr nach<br />
oben über das Niveau der Straßen- bzw. Geländeoberkante<br />
gezogen. Anschließend können die Abgänge am Standrohr in<br />
jede beliebige Stellung (360° drehbar) gebracht werden. Zum<br />
Öffnen und Schließen können, wie bei allen Unterflurhydranten,<br />
herkömmliche Schieberschlüssel nach DIN 3223 verwendet werden.<br />
Ein vorheriges Reinigen des Straßenkappen-Innenbereiches<br />
ist durch die Kapselung des Standrohres nicht erforderlich. Die<br />
Zugriffszeit ist entsprechend kurz.<br />
Nach der Wasserentnahme kann das Standrohr wieder in<br />
die Kappe abgesenkt werden. Der Hawle Tele-Hydrant ® ist<br />
somit in Bereichen mit erhöhtem Straßenverkehr und vor<br />
unbefugter Benutzung geschützt. Durch diese Bauweise ist<br />
der Hydrant auch bestens für Industrieanlagen geeignet.<br />
Ebenso wie bei den anderen beiden Unterflurhydranten kann<br />
auch der Tele-Hydrant ® mit den etablierten Anschlussformen<br />
BAIO ® -Spitzende, Flansch und PE-Anschweißende sowie mit<br />
der neuen Anschlussform angegossener Fußkrümmer mit BAIO ® -<br />
Spitzende bzw. zugfestem Losflansch angeschlossen werden.<br />
FRIAFIT ® -<br />
Abwassersystem:<br />
PRODUKT-SPECIAL<br />
Wirtschaftliche Erstellung<br />
von Hausanschlüssen und<br />
Straßenabläufen.<br />
FRIAFIT ® Abwassersattel<br />
ASA-VL<br />
Zur Anbindung von großvolumigen Anschlussleitungen<br />
d 225 mm an Hauptkanäle<br />
d 315 - d 710 mm aus PE-HD<br />
mit innovativer Vakuumspanntechnik<br />
FRIAFIT ® Anschluss-Stutzen<br />
ASA-MULTI<br />
Zum Anschluss von geschweißten,<br />
wurzelfesten PE-HD Anschlussleitungen<br />
d 160 mm an Hauptkanäle<br />
aus Steinzeug/Beton<br />
Herzlich Willkommen!<br />
Wir freuen uns auf<br />
Ihren Besuch zur<br />
Stand B6.127/226<br />
NEU!<br />
KONTAKT: HAWLE Armaturen GmbH, Freilassing<br />
Tel. + 49 8654 63030, E-Mail: info@hawle.de<br />
Halle A4, Stand 339/340<br />
04-05 | 2014 www.friafit.de · info-friafit@friatec.de 37
PRODUKT-SPECIAL<br />
Spezielle Armaturen für die Abwasserindustrie<br />
Abwässer aus Haushalten oder der Landwirtschaft enthalten<br />
andere Stoffe als Industrieabwässer. In der Lebensmittelindustrie<br />
hat Abwasser andere Zusammensetzungen als in der<br />
chemischen Industrie. Weil sich Abwässer jeglicher Norm<br />
oder Klassifizierung entziehen, sind Spezialarmaturen und<br />
Spezialwissen gefragt.<br />
Seit über 140 Jahren bietet VAG ein umfassendes, immer<br />
weiter ausgebautes Programm abwassergerechter Armaturen.<br />
Im Folgenden werden zwei Armaturen für die Abwasserindustrie<br />
näher beschrieben.<br />
Als Weiterentwicklung des VAG EROX ® -Spindelschiebers hat<br />
VAG nun den neuen VAG EROX ® plus-Spindelschieber im Programm.<br />
Er dient als Absperr- und Regulierarmatur mit offener<br />
oder geschlossener Rahmenkonstruktion aus Edelstahl zur<br />
Wandmontage. Seine besonders robuste Konstruktion mit<br />
neu entwickeltem, patentiertem Dichtsystem eignet sich<br />
bestens für Anwendungen mit höchsten Anforderungen an<br />
die Dichtigkeit im Abwasser, in kommunalen Kläranlagen, in<br />
Regenrückhaltebecken, im Hochwasser- und Havarieschutz<br />
sowie in Abwasseranlagen der Industrie und in Kraftwerken.<br />
Die Kompaktarmatur als selbsttragende Rahmenkonstruktion<br />
ist betriebsfertig vormontiert und ermöglicht daher eine<br />
schnelle Montage sowie Inbetriebnahme. Das neuentwickelte<br />
und patentierte Gleit-Keil-System sorgt nicht nur für<br />
niedrige Betätigungskräfte, sondern durch die Verpressung<br />
zwischen Schieberplatte und Profildichtung in der Endlage<br />
auch für eine verbesserte Dichtheit.<br />
Vorteile des VAG EROX ® plus-Spindelschiebers<br />
»»<br />
Druckstufen 6 mWS auf Vorder- und Rückseite<br />
»»<br />
Anwendungsgebiete: Wasser, Abwasser<br />
»»<br />
Robuste und steife Konstruktion des Rahmens<br />
und der Schieberplatte sorgen für eine hohe<br />
Betriebssicherheit.<br />
»»<br />
Standardausführung: Geschlossene Rahmenkonstruktion<br />
und Schieberplatte aus Edelstahl 1.4301, Spindel<br />
aus Edelstahl 1.4057, Spindelmutter aus zinkfreier,<br />
abwasserbeständiger Bronze<br />
»»<br />
Dichtungssystem: Abwasser und UV-beständiges EPDM<br />
»»<br />
Alle Edelstahlteile badgebeizt und passiviert<br />
»»<br />
verfügbar mit einem VAG REMO-Fernantriebssystem,<br />
mit Handrad, Elektroantrieb oder Pneumatikantrieb.<br />
Bild 1: VAG EROXplus-Spindelschieber in einer<br />
Abwasseranwendung<br />
Diese QR-Codes führen<br />
Sie direkt zu den<br />
Produktinformationen des<br />
Unternehmens<br />
Bild 2: VAG LIMU-STOP-Rückflussverhinderer in<br />
einer Abwasseranwendung<br />
38 04-05 | 2014
PRODUKT-SPECIAL<br />
VAG LIMU-STOP ® - Rückflussverhinderer<br />
Mit dem LIMU-STOP ® -Rückflussver hinderer ergänzt VAG<br />
sein umfangreiches Produktprogramm durch einen technisch<br />
hochwertigen, vielseitigen und anwenderfreundlichen<br />
Rückflussverhinderer im Nennweitenbereich von DN 50 bis<br />
DN 300 für das anspruchsvolle Premium-Marktsegment.<br />
Der LIMU-STOP ® -Rückflussverhinderer kann universell in der<br />
Abwassertechnik, der Wasseraufbereitung, in Industrie- und<br />
Kraftwerksanwendungen sowie in der Wasserverteilung eingesetzt<br />
werden. Bereits in der Standard-Ausführungsform<br />
mit innenliegender Welle, mit Hebel und Gewicht sowie<br />
einem zusätzlichen Edelstahlschutzkorb bietet er ein breites<br />
Anwendungsspektrum.<br />
Die Schrägsitzkonstruktion der Klappenscheibe mit einem<br />
Öffnungsgrad von mehr als 90 % garantiert einen äußerst<br />
geringen Widerstandsbeiwert und kurze Schließzeiten<br />
und ermöglicht den wirtschaftlichen Betrieb mit hoher<br />
Funktionssicherheit. Eine spezielle, flexible und gedämpfte<br />
Doppellagerung der Klappenscheibe schafft die technische<br />
Voraussetzung für eine zuverlässige Dichtwirkung.<br />
Die integrierte Anschlagdämpfung an der Klappenscheibe<br />
in Offenstellung sorgt für einen geräuscharmen Betrieb und<br />
schützt die Funktionskomponenten gegen Beschädigung.<br />
Die abgedichtete Wellenlagerung in speziell konstruierten<br />
Bronzelagern garantiert höchste Betriebssicherheit.<br />
Konstruktionsdetails wie Hängeösen an der Deckelverschraubung<br />
erleichtern die Montage in waagerechten und<br />
senkrechten Rohrleitungen bei individueller Hebelposition<br />
in Durchflussrichtung rechts oder links.<br />
Mit der großen Deckelkonstruktion und der schnell und vollständig<br />
herausklappbaren Scheibenaufhängung bietet der<br />
Rückflussverhinderer die Voraussetzung für einen vereinfachten,<br />
schnellen und minimalen Wartungsaufwand speziell<br />
im Abwassereinsatz. Durch die einfache und schnelle<br />
Demontage des Deckels auch bei eingebauter Armatur ist der<br />
problemlose Zugang zu allen innenliegenden Funktionsteilen<br />
zu Reparatur- oder Wartungszwecken sichergestellt. Der in<br />
einer speziellen Schwalbenschwanznut eingelegte einfache<br />
Dichtring ist leicht austauschbar und erlaubt bei Bedarf eine<br />
optimale und wirtschaftliche Instandhaltung der Armatur.<br />
Das Gehäuse wird in der werkseigenen Gießerei aus hochwertigem<br />
Gusseisen mit Kugelgrafit EN-JS 1030 (GGG-40)<br />
hergestellt. Die Ausführung aller Innenteile aus hochwertigem<br />
Edelstahl sowie die allseitige Epoxid-Beschichtung<br />
der Gehäuseteile in GSK-Qualität sorgen für Höchstmaß an<br />
Korrosionsschutz und eine lange Lebensdauer.<br />
KONTAKT: VAG-Armaturen GmbH, Mannheim<br />
Tel. +49 621 7490, E-Mail: info@vag-group.com<br />
Halle A4, Stand 141/240<br />
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Sicherer Schutz für alle Bedingungen<br />
MAPEC ®<br />
Polyethylen<br />
Epoxidharzprimer<br />
Zementmörtel<br />
Stahlrohr<br />
Haftvermittler<br />
MAPEC ® Mehrschichtsystem<br />
Polypropylen oder Polyamid<br />
MAPEC ® mit FZM-N<br />
Faserzementmörtel<br />
MAPEC ® mit T-Rippe und FZM-S<br />
T-Rippe<br />
Salzgitter Mannesmann Line Pipe, mit Werken in Siegen und Hamm, ist<br />
ein weltweit aktiver, technologisch führender Partner für HFI (hochfrequenz-induktiv)-längsnahtgeschweißte<br />
Stahlrohre. Dazu gehören zementmörtelausgekleidete<br />
Trink- und Abwasserleitungsrohre, Rohre für Gas- und<br />
Ölpipelines, Rohre für den Maschinen- und Anlagenbau sowie Ölfeldrohre,<br />
Fernwärmerohre und Konstruktionsrohre.<br />
Produktionsprogramm für Trink- und Abwasserleitungsrohre:<br />
• Außendurchmesser von 114,3 mm (4½") bis 610 mm (24")<br />
• Wanddicken von 3,2 mm (0,126") bis 25,4 mm (1")<br />
• Schweiß- und Klemmverbindungen, Einsteckschweißmuffen<br />
• Zementmörtel-Auskleidung<br />
• MAPEC ® Kunststoffumhüllung<br />
– Polyethylen (PE)- oder Polypropylen (PP)-Umhüllung, ggf. mit<br />
Faserzementmörtel-Ummantelung (FZM-S) oder GFK-Ummantelung<br />
– Weitere Kunststoffmehrschichtsysteme mit Kombinationen von<br />
Polyethylen (PE) mit Polypropylen (PP) oder Polyethylen mit<br />
Polyamid (VESTAMID ® )-Decklagen<br />
• Abhängig von der Verlegung steht eine Bandbreite spezieller Umhüllungen<br />
zur Verfügung: Längsrippe, Rough Coating, T-Profil mit FZM-S etc.<br />
Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH<br />
In der Steinwiese 31 · 57074 Siegen, Germany<br />
Tel: +49 271 691-0 · Fax: +49 271 691-299<br />
info@smlp.eu · www.smlp.eu<br />
05. – 09. Mai 2014<br />
Besuchen Sie uns in<br />
Halle 6, Stand 349<br />
04-05 | 2014 39
PRODUKT-SPECIAL<br />
Vielfältiges Produktportfolio mit zahlreichen<br />
Sortimentserweiterungen<br />
Auf der <strong>IFAT</strong> 2014 präsentiert die PLASSON GmbH neben<br />
dem vielfältigen Produktprogramm auch zahlreiche<br />
Sortimentserweiterungen.<br />
Bild 1: Ventil-Anbohrarmaturen PLASS 360<br />
SmartFuse-Elektroschweißfittings<br />
Im Anwendungsfeld des Elektroschweißens verfügt PLAS-<br />
SON seit vielen Jahren über das SmartFuse-System, das die<br />
sichere und kostengünstige Verbindung von PE 80, PE 100,<br />
PE 100 RC und PE-Xa-Rohren ermöglicht. Neben dem<br />
umfangreichen Fittingprogramm finden Besucher modernste<br />
Schweißgeräte, die u. a. den hohen Anforderungen der<br />
Bauteilrückverfolgung gerecht werden. Durch Weiterentwicklungen<br />
wird das Sortiment fortlaufend um verschiedene<br />
Neuerungen erweitert, z. B. um die Dimensionsergänzung<br />
der Muffen bis d 800 mm. Die neuen Schweißsättel<br />
mit Anschlussstutzen für den Großrohrbereich aus PE 80<br />
und PE 100 sind sowohl in der Neuverlegung als auch für<br />
den nachträglichen Anschluss von Zu- und Abgangsleitungen<br />
geeignet. Als Innovation ist der neue Flex-Fixierblock<br />
(Bild 2) zu nennen, der das Zusammenziehen von PE-Rohren<br />
aufgrund von Temperaturschwankungen verhindert. Der<br />
Fixierblock kann axiale Zug- und Schubkräfte aufnehmen<br />
und ist für unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten geeignet.<br />
Er lässt sich beispielsweise als Auszugssicherung, zur Fixierung<br />
von Sinkgewichten oder für den Einsatz als Fixpunkt<br />
in gegossenen Betonwänden verwenden. Der Fixierblock<br />
ist für PE-Rohre von da 160-1600 mm und zur Aufnahme<br />
von Kräften bis 31 kN pro Fixierblock geeignet.<br />
Ventilanbohrarmaturen PLASS 360<br />
Das bereits auf dem Markt bewährte Programm der Ventil-<br />
Anbohrarmaturen PLASS 360 (Bild 1) mit oder ohne integrierte<br />
Hilfsabsperrung ist konstruktiv und konzeptionell<br />
auf ein hohes Maß an Betriebssicherheit ausgelegt. Die<br />
PLASSON GmbH bietet die Ventil-Anbohrarmaturen für die<br />
verschiedenen Rohrarten Duktilguss, Stahl, AZ, PVC sowie<br />
PE an. Abhängig von der Ausführung sind die Armaturen<br />
für den Gas- und Wasserbereich einsetzbar. Zusätzlich zu<br />
den bestehenden Abmessungen d 32 und d 40 mm wurde<br />
die Ausführung d 63 mm sowie weiteres Werkzeug neu in<br />
das Produktsortiment aufgenommen.<br />
Das Produkt kennzeichnet sich durch einen um 360°<br />
schwenkbaren PE-Stutzen aus, der sich entsprechend der<br />
Einbausituation ausrichten lässt. Sämtliche Einzelkomponenten<br />
der Armatur wurden dahingehend konzipiert, dass<br />
kein stagnierendes Wasser die Trinkwasserqualität belastet.<br />
Die teleskopierbare Einbaugarnitur bildet zusammen mit der<br />
Armatur eine fest verschraubte Einheit, die ohne Verstiftung<br />
an der Kuppelmuffe arbeitet. Durch den integrierten<br />
PE-Abgangsstutzen ist eine direkte Anbindung mit den<br />
bekannten PLASSON Klemm-, Steck- oder Elektroschweißfittings<br />
möglich. Korrosionsanfällige Gewindeübergänge<br />
entfallen. Die kompakte und universelle Anbohrarmatur<br />
wird den kontinuierlich wachsenden Anforderungen des<br />
Marktes gerecht.<br />
Bild 2: Flex-Fixierblock<br />
LightFit-Abwasserprogramm<br />
Die Zielsetzung des PLASSON LightFit-Abwasserprogrammes<br />
für drucklose Entsorgungsleitungen aus PE 80 und<br />
PE 100 ist das „vollverschweißte Abwassersystem“. In<br />
dem umfangreichen Programm<br />
findet der Anwender neben<br />
Muffen auch flexible Winkel<br />
und Anschlusssättel, die in<br />
der Praxis ein Höchstmaß<br />
an Arbeitserleichterung<br />
und Zeitersparnis bieten.<br />
Übergänge auf unterschiedliche<br />
Werkstoffe<br />
sowie passende Formteile<br />
und Bögen aus PE<br />
runden das Programm ab.<br />
Die neuen LightFit-Schweißwinkel<br />
in der Farbe Hellgrau<br />
ermöglichen den einfachen<br />
und platzsparenden Rich-<br />
Bild 3: LightFit Muffe<br />
d 800 mm<br />
40 04-05 | 2014
PRODUKT-SPECIAL<br />
tungswechsel bei Hausanschlussleitungen aus PE 80 und<br />
PE 100. Durch Dimensionserweiterungen im gesamten<br />
Programm sind u. a. die LightFit-Elektroschweißmuffen<br />
bereits bis zur Dimension von d 800 mm (Bild 3) und<br />
die LightFit-Schachtanschlüsse bis d 630 mm verfügbar.<br />
Zudem erweitern die neuen LightFit-Anschlusssättel d 560-<br />
710 mm x 160 mm die Anschlusslinie aus dem PLASSON<br />
LightFit-Programm. Mit nunmehr fünf Anschlusssätteln kann<br />
der Hauptleitungsdimensionsbereich von d 200-710 mm<br />
abgedeckt werden.<br />
Serie 19/Serie 18<br />
Als Verbindungsspezialist für PE-Rohre bietet PLASSON mit<br />
dem Steckfitting-Programm „Serie 19“ für die Verbindung<br />
von Trinkwasserrohren eine innovative Produktlinie an. Die<br />
Steckfittings der neuen Serie 19 (Bild 4) wurden speziell für<br />
den Einsatz in der Trinkwasserversorgung konzipiert. Basierend<br />
auf den Erfahrungen der PLASSON-Serie 18 Klemmfittings<br />
wurde in enger Zusammenarbeit mit den Anwendern<br />
Bild 4: Steckfittings-Serie 19<br />
ein praxisorientiertes Anwendungsprofil erstellt und umgesetzt.<br />
Zusammen mit den Klemmfittings der Serie 18 bietet<br />
PLASSON ein weiteres umfangreiches Bauteilprogramm<br />
für vielfältige Anwendungen in der Wasserversorgung an.<br />
KONTAKT: PLASSON GmbH, Wesel<br />
Tel. +49 281 95272-0<br />
E-Mail: info@plasson.de<br />
Halle B6, Stand 337/436<br />
MULTI Multisensorik - direkt in der Leitung<br />
PHYSIK<br />
Temperatur<br />
Durchfluss<br />
Druck<br />
Leitfähigkeit<br />
OPTIK<br />
Trübung<br />
Farbe<br />
CHEMIE<br />
Freies Chlor<br />
Mono Chloride<br />
Sauerstoff gelöst<br />
pH-Wert<br />
ORP (Redox)<br />
Ammonium oder<br />
Fluoride oder<br />
Nitrate<br />
Hinni<br />
Sie finden uns an der<br />
<strong>IFAT</strong> vom 5. - 9. Mai<br />
2014 in Halle A1, bei<br />
Düker am Stand<br />
221/320.<br />
Hinni AG<br />
Hydranten + Service<br />
Gewerbestrasse 18 Tel. +41 61 726 66 00 www.hinni.ch<br />
CH-4105 Biel-Benken Fax +41 61 726 66 11 info@hinni.ch<br />
Früherkennung von Wasserverlusten im Netz<br />
Frühwarnung vor Infrastrukturschäden<br />
Leckerkennung (24h x 365 Tage)<br />
Bringsystem - kein Auslesen vor Ort<br />
Erkennung von Wasserbezügen am Hydrant<br />
Füllstandskontrolle am Hydrant<br />
04-05 | 2014 41
PRODUKT-SPECIAL<br />
Neue Schutzmantelrohre ermöglichen<br />
Stumpfschweißen ohne abzumanteln<br />
Einfacher zu verarbeiten, einfacher zu verschweißen und<br />
erhöhte Sicherheit – das sind die drei wesentlichen Vorteile<br />
des neuen Schutzmantelrohres egeplast SLM ® 3.0. Basis<br />
ist ein modifizierter Schutzmantel aus einem speziellen<br />
PEplus, der das direkte Stumpfschweißen ohne Mantelrückschnitt<br />
erlaubt und noch abriebfester ist als der bisherige<br />
Schutzmantel aus mineralverstärktem Polypropylen.<br />
Die optimierte Mantelschicht macht das Rohrsystem flexibler<br />
und vereinfacht das Handling und die Verarbeitung.<br />
Darüber hinaus schmiegt sich der Mantel besser an<br />
das Kernrohr. Dies führt zu einer verbesserten Haft- und<br />
Scherfestigkeit bei gleichzeitig besserer Schälbarkeit bei<br />
Einbindungen, Hausanschlüssen etc. Das medienführende<br />
Druckrohr besteht aus PE 100-RC, dessen besondere<br />
Eigenschaft – die Resistenz gegenüber Spannungsrissen<br />
– an jeder verwendeten Rohstoffcharge geprüft<br />
und von unabhängiger Prüfstelle bestätigt wird (FNCT<br />
Wert > 8760 h). Das neue SLM ® 3.0 lässt sich sicher unter<br />
Einhaltung aller DVS-Parameter verschweißen, ohne den<br />
Schutzmantel entfernen zu müssen, denn das neu entwickelte<br />
Mantelmaterial PEplus ist nach gleichen Parametern<br />
gemäß DVS 2207-1 mit einem Fügedruck von<br />
0,15 N/mm 2 schweißbar. Somit gehören Mantelrückschnitt<br />
oder nachträgliches Aufbringen von Schutzsystemen beim<br />
Heizelement-Stumpfschweißen der Vergangenheit an.<br />
Gute Schutzeigenschaften: Das Plus an Sicherheit<br />
Bei grabenloser Verlegung besteht die Gefahr von Beschädigungen<br />
des Rohres durch Riefen und Kerben. Beim<br />
SLM ® 3.0 sorgt der additive Schutzmantel aus PEplus für<br />
Riefenfreiheit und somit für ein unbeschädigtes Kernrohr<br />
nach Transport, Handling und Verlegung, auch unter<br />
härtesten Bedingungen. Eine Beschädigung des medienführenden<br />
Druckrohres wird ausgeschlossen, da das<br />
SLM ® 3.0 eine extrem hohe, deutlich verbesserte Abriebfestigkeit<br />
und Beschädigungsresistenz besitzt.<br />
Aufbau<br />
PE-Rohre mit nur integrierten<br />
Schutzeigenschaften,<br />
PAS 1075 Typ 1 oder 2<br />
PE-Rohre mit zusätzlichem Schutzmantel aus PP,<br />
PAS 1075 Typ 3<br />
SLM® 3.0, PE-Rohre mit zusätzlichem Schutzmantel<br />
aus PEplus, PAS 1075 Typ 3<br />
Druckrohrwerkstoff<br />
(Normrohr)<br />
Werkstoff des<br />
zusätzlichen<br />
Schutzmantels<br />
Stumpfschweißen<br />
unter Einhaltung<br />
der DVS-Parameter<br />
Heizwendelschweißen<br />
Lebensdauer<br />
Recycling<br />
PE 100-RC* PE 100-RC PE 100-RC<br />
kein zusätzlicher Schutzmantel<br />
vorhanden<br />
Ja<br />
Riefen und Kratzer in der<br />
Oberfläche können eine<br />
sichere Verschweißung<br />
verhindern.<br />
Nein, das Druckrohr wird<br />
bereits während der Verlegung<br />
beschädigt!<br />
Polypropylen (PP)<br />
Nein, nur mit Mantelrückschnitt<br />
- Risiko der Verunreinigung der PE-Fügeebene durch PP<br />
- PE und PP erfordern gemäß DVS unterschiedliche<br />
Fügedrücke<br />
Da die Oberflächen im Schweißbereich durch den<br />
Schutzmantel vor Kratzern und Verunreinigungen<br />
geschützt waren, findet der Schweißer nach der Entfernung<br />
des Mantels optimale Schweißbedingungen vor.<br />
Ja, der Schutzmantel schützt vor Beschädigungen<br />
Polyethylen „PEplus“<br />
Ja, werkstoffhomogener Rohraufbau ermöglicht<br />
Schweißen ohne Mantelrückschnitt<br />
Da die Oberflächen im Schweißbereich durch den<br />
Schutzmantel vor Kratzern und Verunreinigungen<br />
geschützt waren, findet der Schweißer nach der Entfernung<br />
des Mantels optimale Schweißbedingungen<br />
vor.<br />
Ja, der Schutzmantel schützt vor Beschädigungen<br />
Schutzmantelrohre und Rohre mit integrierten Schutzeigenschaften können wie jedes andere PE-Rohr dem über den Kunststoffrohrverband<br />
organisierten Recyclingprozess wieder zugeführt werden.<br />
Tabelle: Vorteile des SLM ® 3.0 im Vergleich zur alten Schutzmantelrohrgeneration sowie zu Rohren mit nur integrierten<br />
Schutzeigenschaften<br />
*Die mechanischen Eigenschaften von ein-, zwei- und dreischichtigen Rohrkonstruktionen sind gleichwertig<br />
42 04-05 | 2014
PRODUKT-SPECIAL<br />
Freistrom-Unterflurhydrant<br />
mit angegossenem Fußkrümmer<br />
Die neue, direkt schweißbare<br />
Generation SLM ® 3.0 ist mit<br />
grünen Dreifachstreifen auf<br />
dem Schutzmantel gekennzeichnet.<br />
Das egeplast<br />
SLM ® 3.0 wird den Vorgänger<br />
SLM ® RCplus ersetzen.<br />
egeplast wird in Zukunft<br />
alle Schutzmantelrohrsysteme<br />
mit dieser Schutzschicht<br />
ausstatten. Das neue Schutzmantelrohr<br />
ist DVGW-zugelassen<br />
und erfüllt zusätzlich<br />
alle technischen Anforderungen<br />
der PAS 1075 an Rohre<br />
mit Schutzmantel (Typ 3),<br />
überwacht und zertifiziert<br />
vom TÜV SÜD.<br />
egeplast hat vor über 20<br />
Jahren mit der Entwicklung<br />
von Schutzmantelrohrsystemen<br />
begonnen. Ziel ist<br />
– damals wie heute – ein<br />
100%iger Schutz des Neurohres:<br />
Ein in der geschlossenen<br />
Bauweise eingezogenes Rohr muss genau so unbeschädigt in Betrieb<br />
gehen wie ein in offener Bauweise verlegtes Rohr. Die langfristige Betriebssicherheit<br />
für eine Nutzungsdauer von 100 Jahren muss gegeben sein.<br />
Merkmale:<br />
• kompakte Bauweise<br />
• geringe Totwassermenge<br />
• große Durchflussmenge und geringer<br />
Druckverlust durch freien Durchgang<br />
• Steckscheibenabsperrung mit festen<br />
Anschlägen in Auf-/Zu-Stellung<br />
• bewegliche Verbindung, dadurch Abbau<br />
von Spannungen<br />
• Anschlussvarianten:<br />
- zugfeste, bewegliche Tauschflansche<br />
- BAIO ® -Spitzende<br />
• zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten:<br />
- Rohrnetzbeobachtung<br />
- Rohrreinigung<br />
- Leitungsentleerung<br />
- Leitungsortung durch Einführmöglichkeit<br />
von Ortungskabeln<br />
• Medium: Trinkwasser<br />
• max. Betriebsdruck: 16 bar<br />
• Nennweite: DN 80<br />
KONTAKT: egeplast international GmbH, Greven, Dr.-Ing. Thorsten Späth<br />
Tel: +49 2575 9710-266, E-Mail: thorsten.spaeth@egeplast.de<br />
Hawle Armaturen GmbH<br />
Halle B6, Stand 437/536<br />
Liegnitzer Straße 6<br />
83395 Freilassing<br />
Deutschland<br />
Tel.: +49 8654 6303-0<br />
04-05 | 2014<br />
www.hawle.de<br />
43
PRODUKT-SPECIAL<br />
Multi-Druckanbohrventil für PE-Druckrohrleitungen<br />
In der PE-Rohrtechnik wird<br />
ein Hausanschluss immer<br />
häufiger mit aufgeschweißten<br />
Druckanbohrventilen realisiert.<br />
Die Firma EWE-Armaturen,<br />
einer der führenden<br />
Hersteller von Anbohrarmaturen,<br />
hat bereits seit 1994<br />
ein Druckanbohrventil für den<br />
Einsatz in PE-Druckrohrleitungen<br />
im Lieferprogramm. 2012<br />
wurde diese Armatur komplett<br />
überarbeitet und präsentiert<br />
sich noch kompakter<br />
und leistungsfähiger als das<br />
Vorgängermodell.<br />
Die Anbohrung erfolgt hier<br />
durch Drehen der Betriebsspindel<br />
mit einem Bohrschneider,<br />
bestehend aus<br />
A4-Duplex-Edelstahl für höchsten Korrosionsschutz. Durch<br />
den eigenentwickelten und langjährig bewährten EWE-<br />
Wellenschliff garantiert der Bohrschneider eine spanlose<br />
Anbohrung mit einem auffällig geringen Drehmoment.<br />
Um auch im Betrieb eine langfristige Funktionssicherheit<br />
zu gewährleisten, erfolgt der Antrieb über ein unempfindliches<br />
Rundgewinde. Der konische Ventilteller mit PTFE-<br />
Weichdichtung ist mit dem Bohrschneider rotierend, jedoch<br />
drehmomentfrei verbunden. Während des Schließens dreht<br />
sich die Dichtung nicht mit, sie wird nur in den Ventilsitz<br />
gepresst und zerreibt sich nicht durch Drehung auf dem Sitz.<br />
Durch die zahlreichen Optimierungen im Inneren des Ventils<br />
erreicht diese kleine Armatur heute Durchflusswerte, die<br />
früher größere Vorgängerversionen hatten.<br />
Um den hohen Ansprüchen in der Wasser- und Gasversorgung<br />
gerecht zu werden, kommen in der Armatur hochwertige<br />
und korrosionsfeste Werkstoffe wie bleifreies Silicium-<br />
Messing, Edelstahl und PE-100 zum Einsatz.<br />
Der Abgang hat einen langen PE-Stutzen in den Standardgrößen<br />
von d 32 oder d 40 mm. Eine Anpassung an andere<br />
Hausanschlussleitungsdimension wird durch PE-Schweißmuffen<br />
realisiert.<br />
Das EWE-Multi-Druckanbohrventil wird angeboten mit den<br />
Schweißschellen der gängigen Schweiß-Systeme FRIALEN<br />
und +GF+ ELGEF Plus.<br />
Neben dem Multi-Druckanbohrventil stehen dem Anwender<br />
noch eine Vielzahl weiterer PE-Anbohrarmaturen zur<br />
Verfügung. Hierzu zählen mechanische und schweißbare<br />
Verbindungssysteme sowie verschiedene Absperrarmaturen,<br />
wie Ventile, Schieber, Kugelhähne oder Keramikscheibenschieber,<br />
die im Baukastenprinzip kombiniert werden.<br />
KONTAKT: Wilhelm Ewe GmbH & Co.KG, Braunschweig<br />
Tel. +49 531 37005-0, E-Mail: info@ewe-armaturen.de<br />
Halle A4, Stand 237<br />
Druckvortriebsrohr DA 3270<br />
Als Hersteller von<br />
hochwertigen Rohrsystemen<br />
aus GFK<br />
(glasfaserverstärkter<br />
Kunststoff) für die<br />
Ver- und Entsorgung<br />
sowie die Industrie<br />
wartet HOBAS auf<br />
der <strong>IFAT</strong> mit einer<br />
Neuerung auf.<br />
Die originalen<br />
HOBAS GFK-Schleuderrohre<br />
werden seit<br />
Anfang der 1980er<br />
Jahre in Vortriebsprojekten<br />
für Druck- und<br />
Freispiegelleitungen eingesetzt. Im Fokus der diesjährigen<br />
<strong>IFAT</strong> steht ein HOBAS Druckrohr DA 3270, das für die Verlegung<br />
mittels Vortrieb geeignet ist. Dank des speziellen<br />
Rohrdesigns und der außenbündigen FWC-Kupplung kann<br />
HOBAS solche Druckleitungen anbieten. Sie halten zum<br />
einen hohen Presskräften beim Vortrieb stand und sind z. B.<br />
für einen Systeminnendruck von PN 6 ausgelegt – eine 2-in-<br />
1 Lösung. Ein Mantel oder Trägerrohr ist nicht notwendig.<br />
Ein weiteres Highlight auf dem Stand wird das Modell eines<br />
Entlastungssystems für Mischwasserkanäle (Combined<br />
Sewer Overflow, CSO) sein, das als modulares Kompaktbauwerk<br />
werksseitig hergestellt wird. Bei Trockenwetter stellt<br />
es einen herkömmlichen Abwasserkanal dar, bei starkem<br />
Regen verhindert es eine Überlastung des Systems, indem<br />
es grobstoffliche Verunreinigungen getrennt zur Kläranlage<br />
abführt und das grobstofffreie Abwasser in einen Stauraum<br />
oder in den Vorfluter leitet.<br />
Zudem werden auch die bewährten, nicht kreisrunden<br />
HOBAS Profile zur Sanierung von Altkanälen zu sehen sein.<br />
KONTAKT: HOBAS Rohre GmbH, Trollenhagen<br />
Wilfried Sieweke, Tel. +49 395 4528-0<br />
E-Mail: wilfried.sieweke@hobas.com<br />
Halle B6, Stand 245/340<br />
44 04-05 | 2014
PRODUKT-SPECIAL<br />
Doppelrohrsystem für Wasserschutzgebiete mit<br />
DiBt-Zulassung<br />
Bild 1: Rohrsystem Secutec<br />
Bild 2: Betonschutzplatte HydroClick<br />
Die Frank GmbH und AGRU Kunststofftechnik GmbH präsentieren<br />
auf ihrem Gemeinschaftsstand in München ihre neuen<br />
Produkte zum Thema Trinkwasserversorgung und Grundwasserschutz<br />
wie das Doppelrohrsystem PKS ® -Secutec für<br />
Wasserschutzgebiete mit DiBt-Zulassung.<br />
Das PKS ® -Secutec ist ein speziell für die Leckageüberwachung<br />
entwickeltes Rohrsystem in den Dimensionen DN 300 bis<br />
3.500. Es verfügt über einen Zwischenraum zwischen der<br />
medienführenden Innenschicht und der Außenschicht, der als<br />
Kontrollraum für gängige Überwachungsverfahren genutzt<br />
werden kann. PKS ® -Secutec eignet sich somit für überwachungspflichtige<br />
Anwendungen, wie z. B. beim Umgang mit<br />
grundwassergefährdenden Medien.<br />
Außerdem verfügt es als erstes Rohrsystem dieser Art über<br />
eine DiBt-Zulassung und ist eine kostensparende Alternative<br />
zu vergleichbaren Systemen wie z. B. Doppelrohre > DN 300.<br />
Speziell für die Sanierung: das HydroClick-System<br />
Mit dem HydroClick-System aus PE lassen sich sanierungsbedürftige<br />
Hochbehälter schnell und effizient instand setzen.<br />
Bereits vorhandene Auskleidungen wie z. B. mineralische<br />
Fliesen- oder Chlor-Kautschuk-Beschichtungen müssen nicht<br />
zwangsläufig entfernt werden. Allein ein statisch tragfähiger<br />
Untergrund genügt, um die HydroClick-Platte anzubringen.<br />
KONTAKT: FRANK GmbH, Mörfelden-Walldorf<br />
Tel. +49 6105-4085-0, E-Mail: info@frank-gmbh.de<br />
Halle B6, Stand 312<br />
GFK-Rohrsysteme für die grabenlose Verlegung<br />
Besuchen Sie uns auf der<br />
<strong>IFAT</strong> 5.-9.5.2014<br />
Stand 245/340 Halle B6<br />
Vortrieb I Relining I Sonderprofile<br />
HOBAS Rohre GmbH l Gewerbepark 1 l 17039 Trollenhagen l T +49.395.45 28 0 l F +49.395.45 28 100 l www.hobas.de<br />
04-05 | 2014 45
PRODUKT-SPECIAL<br />
Neue Lösungen aus GFK für die<br />
Rohrleitungsbranche<br />
AMIANTIT präsentiert sich als echter GFK-Rohr-<br />
Vollsortimenter mit wichtigen Innovationen<br />
Mit GFK-Großprofilrohren der Baureihe AMIREN dringt<br />
die AMIANTIT-Gruppe jetzt in neue Größenordnungen<br />
vor. Künftig sind unterschiedlichste Sonderprofile mit<br />
Spannweiten von bis zu 4500 mm herstellbar. Dass der<br />
konstruktiven Kreativität mit den Möglichkeiten des<br />
AMIREN-Systems keine Grenzen mehr gesetzt sind,<br />
illustriert auf dem AMIANTIT-Stand das Modell eines<br />
Haubenprofils mit integrierter Trockenwetterrinne. Auch<br />
begehbare Sonderprofile, die gleich mit Berme geliefert<br />
werden, sind ab sofort möglich. Grenzen gesetzt sind der<br />
AMIREN-Technologie künftig allenfalls durch die Logistik<br />
des Transports zur Baustelle.<br />
Innovation für den Rohrvortriebs-Markt:<br />
AMIJACK<br />
Mit der Präsentation der Vortriebsrohr-Produktserie<br />
AMIJACK schließt die AMIANTIT-Gruppe in München<br />
die letzte Lücke im Portfolio und ist jetzt weltweiter<br />
Vollsortimenter in Sachen GFK-Rohr. Aus der Optimierung<br />
der verfügbaren Produktionsverfahren für GFK-Rohre ist<br />
ein mehrschichtiges Verbundrohr hervor gegangen, das<br />
problemlos in der Lage ist, die beim gesteuerten Vortrieb<br />
auftretenden Kräfte aufzunehmen. AMIJACK zeichnet sich<br />
durch außergewöhnliche Ringsteifigkeiten (von SN 32.000<br />
bis zu SN 1.000.000!) und extrem glatte Innen- und<br />
Außenflächen aus, und ist auch deshalb für sehr große<br />
Vortriebswege geeignet. Das im Vergleich zu Stahlbeton-<br />
Rohren gleicher Kapazität geringere spezifische Gewicht<br />
des GFK-Rohrs hat den entscheidenden Vorteil, dass die<br />
zum Vortrieb des kontinuierlich wachsenden Rohrstranges<br />
notwendigen Kräfte reduziert werden. Es kann beim<br />
Einbau mit weniger Zwischenpress-Stationen gearbeitet<br />
werden, was den Bauablauf schneller und Projekte im<br />
Ganzen wirtschaftlicher macht.<br />
„Geistesblitz“ für die Regenwasserbehandlung:<br />
AMISCREEN<br />
Wirkungsvollen Systemen der Regenwasserbehandlung<br />
kommt angesichts häufigerer Starkniederschläge<br />
wachsende Bedeutung zu. Eine Schlüsselrolle kommt den<br />
Rechensystemen zu, die das bei Überstau abgeschlagene<br />
Niederschlagswasser nach den gesetzlichen Vorgaben<br />
von Grobstoffen reinigen. Das klassische Modell<br />
„Überlaufschwelle mit Kamm-, Sieb oder sonstigen<br />
Rechen“ benötigt viel Platz und neigt aufgrund hoher<br />
Abflussgeschwindigkeiten zur Verstopfung durch die<br />
ausgefilterten Grobstoffe. Daraus folgen Ausfälle und<br />
hoher Wartungsaufwand. Mechanisch selbstreinigende<br />
Rechensysteme wiederum sind verschleiß- und<br />
wartungsintensiv und verbrauchen Fremdenergie. Vor<br />
Foto: Amitech Germany GmbH<br />
Bild 1: Innenansicht eines AMISCREEN-Stauraumkanals<br />
46 04-05 | 2014
PRODUKT-SPECIAL<br />
diesem Hintergrund wurde das patentierte Stauraum-<br />
Kanalsystem AMISCREEN entwickelt, das den<br />
Regenüberlauf hoch wirkungsvoll und wirtschaftlich<br />
reinigt. Im AMISCREEN-Stauraumkanal werden axial<br />
installierte, vollflächig perforierte Rückhalterohre<br />
integriert, die durch die Stirnwand des Behälters in<br />
das Entlastungsbauwerk münden. Die rechnerischkonstruktive<br />
Abstimmung zwischen der Hydraulik des<br />
Stauraums im Betriebsfall und der Durchfluss- bzw.<br />
Filterkapazität der installierten Rückhalterohre hängt<br />
maßgeblich von der Durchgangsgeschwindigkeit des<br />
Wassers durch die Perforation des Rückhalterohrs ab.<br />
Nur bei geringen Geschwindigkeiten und ungestörter<br />
Sedimentation im Stauraum ist ausgeschlossen,<br />
dass sich in den Öffnungen Partikel verkeilen und<br />
den Rechen letztlich verstopfen. Zielgröße für die<br />
Auslegung des Stauraumkanals ist daher eine maximale<br />
Durchflussgeschwindigkeit von 0,03 m/s.<br />
Bei Füllung des Stauraums steigt der Wasserspiegel an<br />
und die Filterrohre werden langsam überflutet. Dabei<br />
fließt das Mischwasser durch die Perforation ein, wird<br />
in Abhängigkeit von der Struktur des Filters mechanisch<br />
gereinigt und verlässt das System durch das Rückhalterohr<br />
und über eine separate Kammer des Entlastungsbauwerks.<br />
Die am „Rückhalterohr“ abgeschöpfte Schmutzfracht<br />
schwimmt auf oder sedimentiert und sammelt sich bei<br />
fallendem Wasserstand in der Sohle des Stauraums. Im<br />
Trockenwetterbetrieb des Kanals läuft das Sediment zur<br />
Kläranlage ab. Das System ist verschleißfrei, wartungsarm<br />
und außerdem eine echte Null-Energie-Lösung.<br />
Neue Kupplung: FLOWTITE „kriegt die Kurve“ mit<br />
FPCA<br />
Das GFK-System FLOWTITE, der Rohr-Klassiker der<br />
AMIANTIT-Gruppe für Freigefälle und Druckleitungen,<br />
wartet zur <strong>IFAT</strong> mit einer wichtigen Erweiterung im Detail<br />
auf. Die neuartige FPCA-Steckkupplung, ermöglicht in<br />
Verbindung mit angeschrägten Enden der FLOWTITE-<br />
Rohre, eine Abwinkelung der Rohre von bis zu 3°, und<br />
Bild 2: Mit der neuen FPCA-Steckkupplung sind jetzt Abwinkelungen von<br />
bis zu 3° bei der Verlegung von GFK-FLOWTITE-Rohren realisierbar<br />
das völlig Nennweiten unabhängig bis zur aktuellen<br />
FLOWTITE-Maximalnennweite DN 4000. Mit FPCA-<br />
Kupplungen lassen sich GFK-Rohrtrassen beliebigen<br />
Durchmessers ab sofort auch „um die Kurve“ verlegen.<br />
Bedarf danach besteht vor allem bei Triebwasser-<br />
Druckleitungen von Wasserkraftwerken. Diese folgen<br />
aufgrund topografischer Zwänge meist stark kurvigen<br />
Verläufen. Mit dem neuen, kurvengängigen System kann<br />
nun auf Rohrbögen in der Trasse und ihre Sicherung<br />
durch bau- und kostenintensive Beton-Widerlager ohne<br />
Senkung des Sicherheitsstandards verzichtet werden – ein<br />
großer Schritt in Richtung eines wirtschaftlich optimierten<br />
Druckleitungsbaus.<br />
KONTAKT: Amitech Germany GmbH, Mochau, Sophie Schubert<br />
Tel. +49 3431 7182-10, E-Mail: presse@amitech-germany.de<br />
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Foto: Amitech Germany GmbH<br />
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PU-Speziallösungen für den Korrosionsschutz<br />
Die DENSO GmbH in Leverkusen ist führender Anbieter<br />
von Speziallösungen für den Korrosionsschutz, u. a. auch<br />
auf Polyurethanbasis. Bei der DENSOLID ® -Produktpalette<br />
handelt es sich um zweikomponentige Beschichtungslösungen,<br />
die optimalen Schutz bei herausragender<br />
Anwendungsfreundlichkeit und Verfahrenssicherheit<br />
bieten. Sie umfasst Heißspritzbeschichtungen, Streichbeschichtungen,<br />
Beschichtungen für die Nachumhüllung<br />
bei grabenloser Rohrverlegung, Rohrpressungen<br />
im Spülbohr- oder Ramm- und Pressverfahren sowie<br />
Sonderlösungen auf PU-Basis für Kunststoffrohre oder<br />
Boden-Luft-Übergänge. Neu im Produktportfolio befindet<br />
sich die DENSOLID ® -Isolierplatte.<br />
Eigenschaft Einheit Typischer<br />
Wert<br />
Prüfmethode<br />
Zugfestigkeit N/mm 2 >25 DIN EN ISO 527-3<br />
Bruchdehnung % >600 DIN EN ISO 527-3<br />
Härte Shore D 40 DIN ISO 7619-1<br />
Elektrische<br />
Durchschlagfestigkeit<br />
Spezifischer Durchgangswiderstand<br />
kV >35 -<br />
Ω m 3 x 10 11 DIN IEC 93<br />
Typische Produkteigenschaften der DENSOLID ® -Isolierplatte<br />
DENSOLID ® -Isolierplatte<br />
Die neue DENSOLID ® -Isolierplatte aus Polyurethan sorgt<br />
mit ihren elektrisch hochisolierenden Eigenschaften für<br />
eine zuverlässige elektrische Trennung zwischen kathodisch<br />
geschützten Rohrleitungen und Fundamenten aus<br />
Beton. Spannungstrichter werden durch diese Isolierung<br />
vermieden bzw. erheblich reduziert.<br />
Durch die vernetze Molekülstruktur des Polyurethans<br />
ergibt sich eine deutlich höhere mechanische Belastbarkeit<br />
sowie ein geringer Kriechfluss und damit eine<br />
höhere Dauerhaftigkeit als alternative Isolierplatten aus<br />
anderen Werkstoffen. Darüber hinaus zeichnet sich die<br />
DENSOLID ® -Isolierplatte durch eine sehr gute thermische<br />
und chemische Beständigkeit aus.<br />
Aufgrund der Flexibilität lässt sich die Isolierplatte sowohl<br />
für die Isolierung von Armaturen-Fundamenten (Schieberfüße)<br />
als auch für die Isolierung von Rohrleitungen<br />
an Kabelkreuzungen sowie als Wurzelschutzmatte<br />
verwenden.<br />
Verarbeitung<br />
Die Isolierplatte misst 1m x 1m x 5mm und wiegt 5 kg,<br />
weitere Dimensionen sind auf Anfrage erhältlich. Sie<br />
wird zwischen Betonfundament und Armaturenfuß eingefügt,<br />
wie beispielsweise in der Guideline GL 263-501<br />
der Open Grid Europe, RWE, Thyssengas und Verbundgas<br />
beschrieben.<br />
Eine gute Haftverbindung der DENSOLID ® -Isolierplatte<br />
zur Stahloberfläche wird mit dem Polyurethan-Beschichtungsmaterial<br />
DENSOLID ® -FK2-C erreicht.<br />
Dabei sollte die Isolierplatte leicht angeraut und von allen<br />
losen Bestandteilen gesäubert werden.<br />
Bewährt hat sich ferner der Verguss von Schieberfußfundamenten<br />
mit TOK ® -MELT, einer Vergussmasse aus<br />
polymervergütetem Bitumen, der für einen zusätzlichen<br />
Schutz und Isolierung des Fundamentes sorgt.<br />
Für den Korrosionsschutz von Hülsrohren empfiehlt das<br />
in der Korrosionsschutztechnologie führende Leverkusener<br />
Unternehmen den Verguss mit der dauerplastischen<br />
DENSO ® -KS-Masse.<br />
KONTAKT: DENSO GmbH, Leverkusen<br />
Tel. +49 214 2602-0<br />
E-Mail: info@denso.de<br />
Halle B5, Stand 420<br />
48 04-05 | 2014
PRODUKT-SPECIAL<br />
FBS-Gemeinschaftsstand auf der <strong>IFAT</strong> 2014<br />
„Mit FBS-Betonbauteilen hinterlassen<br />
Sie nachhaltig einen guten<br />
Eindruck“ heißt das übergeordnete<br />
Motto der Fachvereinigung<br />
Betonrohre und Stahlbetonrohre<br />
e.V. (FBS) und ihrer Mitgliedsfirmen<br />
auf der <strong>IFAT</strong> 2014. Auf einer<br />
rund 400 m 2 großen Ausstellungsfläche<br />
erhalten Besucher<br />
aktuelle Informationen rund um<br />
Nachhaltigkeit, Betone, moderne<br />
Anwendungs- und Fertigungstechnologien<br />
sowie Betonbauteile<br />
für die Kanalisation, die den<br />
veränderten Klimabedingungen<br />
und Umweltansprüchen genügen.<br />
Mit dabei: BERDING BETON GmbH, BFS Betonfertigteile<br />
Systeme GmbH, Betonwerk Müller GmbH &<br />
Co.KG, Finger Baustoffe GmbH, Josef Schnurrer GmbH<br />
& Co.KG, Hawkeye Pedershaab, Hans Rinninger & Sohn<br />
GmbH & Co.KG und die Schlosser-Pfeiffer GmbH.<br />
Geballte FBS-Qualität unter einem Dach<br />
Seit über 25 Jahren setzen sich die FBS und ihre Mitglieder<br />
für einen hohen Qualitätsstandard von Betonrohren und<br />
-schächten ein. Das FBS-Qualitätszeichen steht für ein<br />
Höchstmaß an Fertigungs- und Produktqualität bei der<br />
Herstellung von Betonbauteilen. Besondere Aufmerksamkeit<br />
gilt hierbei den Aspekten der Nachhaltigkeit. Hierzu<br />
zählt u. a. die Verwendung von ökologisch günstigen<br />
Werkstoffen für den Bau von Abwasserleitungen und<br />
-kanälen. Bei der Kanalinstandhaltung ist es in vielen<br />
Inserat mit Fußrohr Glocke/Muffe<br />
Fällen nachhaltiger, einen Kanal zu erneuern, anstatt<br />
ihn zu sanieren.<br />
Auch die FBS-Hochschuleninitiative ist wieder Thema in<br />
München. Studierende werden mit dem Vortragspaket<br />
„Planung, Bau und Betrieb von Abwasserleitungen und<br />
-kanälen“ nachhaltig gefördert. Auf dem Messestand finden<br />
eine Reihe von Fachvorträgen statt. Eingeladen sind<br />
Vertreter aus Kommunen und Tiefbauämtern, Ingenieurbüros,<br />
bauausführenden Unternehmen und Verbänden<br />
sowie Universitäten, Hoch- und Fachschulen.<br />
KONTAKT: FBS - Fachvereinigung Betonrohre und Stahlbetonrohre e.V., Bonn<br />
Tel. +49 228 95456-54, E-Mail: bettina.friedrichs@fbsrohre.de<br />
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Einfacher Einbau
PRODUKT-SPECIAL<br />
Integrationsplattform zur Einbindung<br />
dezentraler Feldgeräte<br />
Der Betrieb von Verteilungsnetzen unterliegt derzeit einem tiefgreifenden Wandel. Als Teil der kritischen Infrastruktur<br />
stehen hohe Sicherheitsanforderungen zunehmendem Kostendruck gegenüber. Die Aufgabe von SCADA-Systemen ist, eine<br />
effiziente Steuerung des Netzes zu gewährleisten. Zur Optimierung des Systems stehen Betreiber von Versorgungsnetzen<br />
vor drei wesentlichen Aufgaben: zum einen das Netz-Monitoring, also das Sammeln und Aufbereiten von Betriebsdaten,<br />
dann die Einbindung der Betriebsdaten in die zentrale Leitstandsoftware und schließlich die Automatisierung des Netzes<br />
auf Basis der Betriebsdaten. Die 3S-Integrationsplattform deckt alle diese Leistungsbereiche durch den Einsatz modernster<br />
Technologie ab. Dezentrale Feldgeräte können sicher, verlässlich und flexibel in SCADA-, ERP-, und GIS-Systeme integriert<br />
werden.<br />
Anforderungen an die Integrationsplattform<br />
Sensoren, Zähler, Pumpen und Armaturenstellantriebe sind<br />
seit langem Bestandteile des Anlagenbetriebs. Allerdings<br />
erforderten diese bisher eine sehr aufwändige Infrastruktur<br />
für die Stromversorgung und den Datentransfer. Seit einigen<br />
Jahren setzen sich verstärkt dezentrale Lösungen durch, bei<br />
denen die Daten über Funknetze übermittelt werden. Für die<br />
Leitstandintegration bleibt jedoch in den meisten Fällen ein<br />
Bild 1: 3S Erdeinbau: Auf Kabelanschlüsse und<br />
Schachtbauwerk kann verzichtet werden<br />
Stromnetzanschluss erforderlich, z. B. für den Betrieb einer<br />
SPS. Die 3S x-active Integrationsplattform ermöglicht die<br />
mobile, kabellose bidirektionale Integration von dezentralen<br />
Feldgeräten direkt in die existierende Leitstandsoftware des<br />
SCADA-Systems des Betreibers. Da gleichzeitig mit einer<br />
3S-Telemetric Unit 3S-TU ausgestattete Feldgeräte – inklusive<br />
der Stellantriebe für erdverlegte Armaturen – vollständig<br />
akkubasiert arbeiten, sind zukünftig keinerlei Kabel mehr<br />
erforderlich. Gleichzeitig wird eine den hohen Anforderungen<br />
entsprechende Sicherheitsarchitektur gewährleistet. Neben<br />
dem SCADA-System kann die x-active-Integrationsplattform<br />
auch Daten von Feldgeräten anderer Systeme wie ERP, GIS<br />
oder Work-Force-Management zur Verfügung stellen.<br />
Bausteine der Integrationsplattform<br />
Die Integrationsplattform ist modular aufgebaut und<br />
besteht aus mehreren Komponenten. Die zentrale Plattform<br />
zur Integration von dezentralen Feldgeräten in Kundensysteme<br />
ist der x-active Server. Über die Telemetric<br />
Units (TU) werden die Feldgeräte eingebunden. Die TUs<br />
sind Mobilfunk-Einheiten (RTU) inklusive x-active Client-<br />
Software und Mikrocontroller zur Übertragung, Speicherung<br />
und Auswertung der Daten zwischen dem Server<br />
und den Feldgeräten. Feldgeräte können mit Akkuenergie<br />
versorgte Armaturenstellantriebe, Sensoren, Zähler, Schalter<br />
oder Drittgeräte sein. Die dezentralen 3S-Stellantriebe<br />
kommen ohne Datenkabel und Stromnetzanschluss aus, da<br />
sie im normalen Stellbetrieb über ein Jahr ohne Aufladen<br />
des Akkus betrieben werden können. Dabei ist auch kein<br />
Bau eines aufwändigen Schachtbauwerks nötig, da die<br />
Antriebe direkt im Erdreich auf einer verdrehsicheren Trageplatte<br />
verbaut werden, und das auch bei nachträglicher<br />
Automatisierung ohne Versorgungsunterbrechung (Bild 1).<br />
Auf Seite der Kundensysteme können das SCADA-System<br />
inklusive Leitstandsoftware, ERP, GIS, Work-Force Management<br />
oder System-Management verbunden werden. Die<br />
Schnittstellen zu Kundensystemen werden Standardmäßig<br />
über SOAP und OPC-DA gelöst, OPC-Erweiterungen<br />
sowie kundenspezifische Schnittstellen sind auf Wunsch<br />
verfügbar.<br />
50 04-05 | 2014
PRODUKT-SPECIAL<br />
Bild 2: Der Funktionsumfang des x-active-Servers macht ihn zu einer leistungsfähigen Integrationsplattform<br />
x-active Server<br />
Das Herzstück der x-active-Integrationsplattform ist die<br />
x-active M2M-Technologie der ettex GmbH aus Berlin,<br />
bestehend aus Server- und Client-Software. Der Server<br />
ermöglicht die bidirektionale Einbindung von Mobilfunk-<br />
Einheiten, kurz RTUs, in Kundensysteme. Die Integration<br />
in Kundensysteme kann über die bewährten SOAP oder<br />
OPC DA-Schnittstellen erfolgen. Erweiterungen des OPC-<br />
Standards sowie kundenspezifische Schnittstellen sind auf<br />
Wunsch möglich. Auf Kunden-Hardware installiert und vom<br />
Kunden administriert, werden die Informationen der Feldgeräte<br />
und die Befehle aus dem System vom Server verwaltet<br />
und über das Mobilfunknetz ausgetauscht. Eine extrem<br />
leistungsfähige Sicherheitsarchitektur von End-to-End-Verschlüsselung<br />
bis hin zur vom Bundesamt für Sicherheit in der<br />
Informationstechnik zertifizierten Hardware-Verschlüsselung<br />
gewährleistet die Sicherheit. Die x-active-Technologie ist<br />
ein mächtiges Werkzeug, um effizient, sicher und flexibel<br />
Remote-Feldgeräte, Drittgeräte oder Drittsysteme in<br />
bestehende Kunden-Computersysteme zu integrieren, sie<br />
geeignet zu erweitern und so die Leistungserstellung zu<br />
optimieren.<br />
Telemetric Units<br />
Die 3S Telemetric Unit (3S TU) enthält ein Mobilfunkmodem<br />
sowie einen Microcontroller mit der x-active-Client Software.<br />
Durch den Mikrocontroller kann die TU mehr als sicher<br />
Daten auszutauschen. So können Sensordaten gespeichert,<br />
ausgewertet und transaktionssicher übertragen werden.<br />
Grenzwertüberschreitungen und Soll-Ist-Abweichungen<br />
werden erfasst und an das zentrale Computersystem übermittelt.<br />
Eine spezielles Feature der TU ist die Leitstandintegration<br />
von 3S-Armaturenstellantrieben. Stellbefehle sowie<br />
umfangreiche Statusrückmeldungen können bidirektional<br />
übermittelt werden.<br />
Feldgeräte<br />
Endgeräte im Feld können alle Sensoren, Zähler oder<br />
Messungen sein, die digitale Daten erzeugen. Dazu<br />
gehören Druckmessungen, Durchflussmessungen und<br />
Verbrauchsmessungen, Temperaturmessungen oder<br />
Füllstände. Zusätzlich können Armaturenstellantriebe<br />
Endgeräte sein, die durch den Energy Save Modus mit<br />
Akkus betrieben über ein Jahr ohne Nachladen Armaturen<br />
automatisieren können. Darüber hinaus können auch<br />
Feldgeräte von Drittanbietern oder sogar Drittsysteme<br />
integriert werden wie z. B. Smart Phones, Tough Books<br />
oder Leckage-Überwachungssysteme.<br />
Alle Feldgeräte können dank der 3S-Energy Save Technology<br />
ohne Stromnetzanschluss mit Akkus betrieben werden<br />
– und sind trotzdem jederzeit bidirektional in die Leitstandsoftware<br />
eingebunden. Ein innovatives Akkumanagement<br />
in Kombination mit extrem sparsamer Hardware sorgt für<br />
die drastische Reduzierung des Stand-by-Verbrauchs der<br />
Endgeräte und ermöglicht so extrem lange Standzeiten<br />
der Akkus. Darüber hinaus können die Akkus mit einem<br />
Energy Harvesting-System verbunden werden. Ein Photovoltaikmodul,<br />
eine kleine Windkraftanlage oder im Fernwärmebereich<br />
ein Thermogenerator sorgen dann dafür,<br />
dass die Akkus sukzessive nachgeladen werden.<br />
04-05 | 2014 51
PRODUKT-SPECIAL<br />
Bild 3: Skalierbarkeit und Flexibilität sind wichtige Systemeigenschaften des x-active-Servers<br />
Bild 4: Die Customer Template Engine<br />
Bild 5: Die Customer Rules Engine<br />
Effizienzsteigerung: Realtime Netz-<br />
Monitoring und Automatisierung<br />
Der x-active-Server wurde als leistungsfähige<br />
Integrationsplattform auf Basis<br />
vieler Jahre Erfahrung mit den Herausforderungen<br />
eines M2M-Systems entwickelt.<br />
Die in der Architektur des Systems<br />
verankerten Hauptmerkmale bilden die<br />
Grundlage für eine auf jeden Kunden<br />
zugeschnittene Lösung (Bild 2). Der<br />
x-active-Server ist ein ideales Instrument,<br />
vorhandene Kundensysteme flexibel und<br />
effizient zu erweitern, indem zusätzliche<br />
Daten aus dem Feld direkt im Kundensystem<br />
zur Verfügung stehen. Um dies zu<br />
realisieren, verfügt der Server u. a. über<br />
folgende Komponenten.<br />
Über die Client Connectoren können<br />
sämtliche Feldgeräte, die mit 3S-TUs und<br />
x-active-Client ausgestattet sind, aber<br />
auch Geräte mit Drittanbieter-Protokollen<br />
in das zentrale System des Netzanbieters<br />
integriert werden. Die Systemarchitektur<br />
ermöglicht die einfache Skalierbarkeit des<br />
Systems, so dass bis zu 5.000 und mehr<br />
unterschiedliche Clients integriert werden<br />
können (Bild 3). Zusätzlich können<br />
Drittsysteme integriert werden wie z. B.<br />
Leckage-Ortungssysteme, so dass die<br />
gesamte Netzsteuerung aus einem zentralen<br />
Computersystem heraus erfolgt.<br />
Die Customer Template-Engine interpretiert<br />
die empfangenen Daten und stellt<br />
sie dem Leitstand zur Verfügung (Bild 4).<br />
Die Customer Rules Engine transformiert<br />
regel- und schablonenbasierend Daten<br />
in kundenspezifische Formate. Sind<br />
Daten aus Feldgeräten im ERP-System<br />
erforderlich wie z. B. Verbrauchsdaten,<br />
dann kann der Server diese Daten selektieren,<br />
aufbereiten und die Daten ans<br />
ERP-System so übergeben, dass direkt<br />
Rechnungen generiert werden können<br />
(Bild 5).<br />
Die Protokoll-Konverter Unit realisiert die<br />
Anbindung verschiedener Kundensysteme<br />
mit Hilfe der notwendigen Protokolle.<br />
Offene und dokumentierte Schnittstellen<br />
garantieren Investitionsschutz für den<br />
Kunden.<br />
Der x-active-Server verfügt über weitere<br />
Eigenschaften, die entscheidende<br />
Vorteile gegenüber anderen Lösungen<br />
bieten. Die Kommunikation erfolgt über<br />
kostengünstiges, hocheffizientes Sendeprotokoll<br />
durch geringe Datenmengen,<br />
da das Protokoll für den Einsatz<br />
52 04-05 | 2014
im Mobilfunk optimiert wurde. Sowohl auf Seite der<br />
Kunden-IT als auch auf seitens der Geräte sind einfache<br />
Erweiterungsmöglichkeiten mit Hilfe eines Plug in-Systems<br />
möglich. Zugleich ist ein einfacher Aufbau von redundanten<br />
Systemen möglich. Ein Remote-Factory-Reset<br />
der Feldgeräte ist vorgesehen. Die Feldgeräte können<br />
remote-konfiguriert und inspiziert werden. Ebenso sind<br />
Softwareaktualisierungen aus der Ferne möglich. Dadurch<br />
entfallen aufwändige Inspektionen und Servicearbeiten<br />
im Feld. Alarmmeldungen via Leitstand, E-Mail oder sogar<br />
Notrufe bei Grenzwertüberschreitungen oder Soll-Ist-<br />
Abweichungen können implementiert werden.<br />
Zuverlässigkeit und Sicherheit des Systems<br />
Die x-active-Kommunikationsplattform ist für die Steuerung<br />
kritischer Infrastruktur der Wasser-, Gas- und Öl-<br />
Verteilung entwickelt worden und erfüllt damit hohe<br />
Anforderungen an seine Zuverlässigkeit. Die Eigenschaften<br />
des Systems sind zum einen ein transaktionssicheres<br />
Datenprotokoll zwischen dem x-active-Server und den<br />
x-active-Clients, zum anderen eine hohe Ausfallsicherheit<br />
durch die Möglichkeit der Implementierung von Systemredundanzen.<br />
Durch die Skalierbarkeit des Systems sind<br />
einfache Erweiterungen möglich. Auch das Gesamtsystem<br />
lässt sich leicht überwachen, wie z. B. durch Logfiles und<br />
Schwellwert-Überwachung. Ein Zwischenpuffer existiert<br />
sowohl für Daten als auch für Meldungen auf Serverund<br />
Client-Seite. Alarmmeldungen von Geräten können<br />
gegenüber normalen Statusmeldungen priorisiert werden.<br />
Auto Discovery und Auto Provisioning der Geräte<br />
steht ebenfalls zur Verfügung und zusätzliche Feldgeräte<br />
können ohne Integrationsaufwand im System implementiert<br />
werden.<br />
Schließlich ist neben der Verlässlichkeit insbesondere die<br />
Datensicherheit ein wichtiger Faktor beim Betrieb kritischer<br />
Infrastruktur. Die 3S-x-active-Integrationsplattform<br />
trägt diesen Anforderungen durch eine End-to-End-Verschlüsselung<br />
mit den Feldgeräten Rechnung. Mit einem<br />
privatem Zugangspunkt (APN) des Mobilfunk-Betreibers<br />
wird die direkte Integration von Feldgeräten in das Kundensystem<br />
gewährleistet. Zusätzlich ist eine vom Bundesamt<br />
für Sicherheit in der Informationstechnik zertifizierte<br />
Hardware-Verschlüsselung möglich.<br />
Die neue Generation<br />
der Mantelfehlerortung<br />
vLocDM2<br />
Präzise Ortung von Mantelfehlern<br />
an KKS-geschützten Rohrleitungen<br />
Für Fernleitungen als auch in Ortsnetzen<br />
Ortungsmessdaten mit GPS-Position<br />
Walk-Back-Funktion<br />
2.24m Log 999<br />
70.2 104m<br />
74dB<br />
Hauptdisplay<br />
Walk-Back-Funktion<br />
8kHz<br />
HENRIK FRIEDEMANN M.A.<br />
3S Antriebe GmbH, Berlin<br />
Tel. +49 30 7007764-0<br />
E-Mail: h.friedemann@3s-antriebe.de<br />
Halle A4, Stand 426<br />
AUTOR<br />
SebaKMT<br />
Dr.-Herbert-Iann-Str. 6<br />
96148 Baunach<br />
T +49 (0) 95 44 - 6 80<br />
F +49 (0) 95 44 - 22 73<br />
sales@sebakmt.com<br />
www.sebakmt.com<br />
04-05 | 2014 53
PRODUKT-SPECIAL<br />
Leitungen präzise orten<br />
Bei Betrieb und Instandhaltung von Rohr- und Kabelnetzen<br />
ist die Dokumentation der Leitungslagen häufig lückenhaft.<br />
Zudem verlaufen Leitungen nicht nur im urbanen<br />
Umfeld unter Straßen, Plätzen und Wegen, sondern auch<br />
in unbebautem Gebiet. Die genaue Kenntnis der jeweiligen<br />
Leitungslage reduziert den Instandhaltungsaufwand<br />
und vermeidet zuverlässig Fehl- oder Sondierungsgrabungen.<br />
Die Produkte zur Leitungsortung von SEWERIN<br />
bieten umfangreiche Lösungen für unterschiedliche<br />
Arbeitssituationen.<br />
Ortung leicht gemacht<br />
Das Aushängeschild im Bereich Rohr- und Kabelortung des<br />
Unternehmens ist das neue UT 9000. Seit kurzem ergänzt<br />
zusätzlich das UT 830 das Produktportfolio. Beide Geräte<br />
zeichnen sich durch ein neues, ergonomisches Design und<br />
zahlreiche technische Features aus, die dem Anwender die<br />
Arbeit deutlich erleichtern. Das „Raumwunder“ UtiliTrac mit<br />
dem zusammenfaltbaren Gehäuse und dem, in den Koffer<br />
integrierten Generator, stellt eine weitere, platzsparende<br />
Lösung dar.<br />
Glasfaser-Sonden-Systeme, die sowohl mit dem UT 9000<br />
als auch dem UtiliTrac zum Einsatz kommen, ermöglichen<br />
die Ortung von nicht-metallischen Leitungsverläufen in<br />
Gas- und Wasserrohrnetzen sowie im Abwassernetz. Dieses<br />
umfangreiche Geräteprogramm erfüllt die Anforderungen<br />
ganz verschiedener Anwender auf unterschiedlichen<br />
Märkten.<br />
Das UT 9000 besticht durch ausbalancierte Technik, ist<br />
leicht und dennoch robust. Zudem überzeugt es mit einem<br />
hochauflösenden und auch unter starker Sonneneinstrahlung<br />
hervorragend ablesbaren Display und einer gut strukturierten,<br />
schnell verständlichen Menüführung zur intuitiven<br />
Handhabung.<br />
Das UT 9000 ist mit seinen mehr als 70 Frequenzen eines<br />
der flexibelsten Leitungsortungsgeräte am Markt. Mit der<br />
Möglichkeit, vor der Besendung einer Leitung die vorhandenen<br />
Umgebungsfrequenzen zu scannen, bietet das<br />
UT 9000 Hilfestellung bei der Wahl der richtigen Frequenz.<br />
Unerwünschte Störfelder werden erfolgreich unterbunden,<br />
und das Orten von versehentlich mit besendeten Leitungen<br />
vermieden.<br />
Via Funkkommunikation zwischen Empfänger und Generator<br />
können Sendeleistung und Frequenzen zur optimalen<br />
Ortung angepasst werden. Mit einem der leistungsstärksten<br />
Generatoren überzeugt das UT 9000 gerade bei der Ortung<br />
sehr langer Leitungsabschnitte.<br />
Vielfältige Einsatzmöglichkeiten<br />
Auch Betreiber von Kabelnetzen und deren Wartungspersonal<br />
werden die Vorzüge des UT 9000 schnell zu schätzen<br />
wissen. Denn das Gerät eignet sich nicht nur zur Suche der<br />
Leitungen, sondern kann auch bei der Kabelfehlersuche<br />
effektiv eingesetzt werden.<br />
Das UT 830 ermöglicht mit der Ortungsfrequenz von<br />
83 kHz die punktgenaue Lokalisation einer Leitung über<br />
isolierte Anschlussstellen hinaus. Es ist daher besonders für<br />
die Ortung erdverlegter Gas- und Wasserleitungen geeignet.<br />
Die vollautomatische Tiefenmessung ermöglicht den<br />
genauen Überblick über die Leitungslage. Die Detektion von<br />
Haupt- und abgehenden Leitungen gelingt mit dem UT 830<br />
spielend einfach. Die Möglichkeit zur passiven Ortung von<br />
Strom- und KKS-Leitungen macht es auch im Baugewerbe<br />
zum idealen Begleiter.<br />
Die einfache Bedienung des UT 830 reduziert Trainingszeiten<br />
drastisch. Auch wenig erfahrenen Anwendern eröffnet<br />
sich das Bedienkonzept nahezu intuitiv. Die schnelle<br />
und zuverlässige optische Darstellung von Richtungspfeilen<br />
oberhalb der zu ortenden Leitung ist einzigartig. Die<br />
PEAK-Funktion ist eine zusätzliche Besonderheit. Mit dieser<br />
Funktion werden auf Knopfdruck alle umgebenden Leitungen<br />
ausgeblendet, die aufgrund der hohen Frequenz mit<br />
besendet werden.<br />
Bereits seit einigen Jahren setzt der UtiliTrac Maßstäbe in<br />
der Rohr- und Kabelortung. Das zusammenfaltbare Gerät<br />
zeigt dem Anwender die Lage der gesuchten Leitung dreidimensional<br />
an. Der Koffer beherbergt außerdem den Generator.<br />
Mit einem Gesamtgewicht von weniger als 7 kg ist der<br />
UtiliTrac absolut feldtauglich für jeden Anwender, der im<br />
Feld oder auf Baustellen Rohr- oder Kabelnetze zu orten hat.<br />
KONTAKT: Hermann Sewerin GmbH, Gütersloh<br />
Tel. +49 5241 9340, E-Mail: info@sewerin.com<br />
Halle A5, Stand 319/418<br />
54 04-05 | 2014
PRODUKT-SPECIAL<br />
Neues Präzisions-Markierungssuchsystem und<br />
Bodenradarsystem<br />
Radiodetection zeigt auf der <strong>IFAT</strong> eine Reihe neuer Produkte.<br />
Zum ersten Mal wird die neue Serie von Präzisions-Markierungssuchsystemen<br />
und das neue RD1000 TM +-Bodenradar-<br />
System präsentiert. Pearpoint demonstriert das aktualisierte<br />
P350 flexitrax TM -System und den zum Verkauf bereits voll<br />
ausgestatteten Inspektions-Van.<br />
Das aktualisierte P350 flexitrax bietet Inspektionsprofis ein<br />
portables und kostengünstiges Fahrwagensystem. Das System<br />
ist einfach zu bedienen und dank seiner intuitiven Benutzeroberfläche<br />
und der einfachen Ein-Tasten-Bedienung für Videound<br />
Fotoaufzeichnungen zu verwenden. Das P350 flexitrax<br />
ist so klein, dass es in den Kofferraum eines Autos passt. Das<br />
System kann in einem Transporter oder LKW montiert werden<br />
und vor Ort mit seinem transportablen Fahrwagendesign auch<br />
außerhalb der Reichweite des Fahrzeugs genutzt werden. Einmal<br />
vor Ort, ist das System schnell und einfach zu installieren<br />
und einzusetzen. Mit dieser Funktion in Kombination mit<br />
seinem ergonomischen Design und der Portabilität bedeutet<br />
das, dass Unternehmen die Kosten pro Einsatz mit wenig<br />
erforderlichem Training senken können und P350 flexitrax für<br />
einen Ein-Personen-Einsatz genutzt werden kann.<br />
Das System kann außerdem als Van-basierendes Inspektionssystem<br />
unter Nutzung der motorisierten Trommel und des<br />
zugehörigen Inspektionsequipments genutzt werden. Pearpoint<br />
bietet auch Van-Optionen für Mainline-Inspektionssysteme<br />
an, deren Innenausstattung vollständig nach Kundenwünschen<br />
gestaltet werden können. Schränke und Arbeitsplatten<br />
werden standardmäßig zusammen mit geräuschdämmenden<br />
Wänden, sicherem und bequemen „Durchgeh“-Design, einer<br />
Menge von On-Board-Power entweder mit Generator oder<br />
Gleichstrom-Wechselstrom-Konverter sowie Werkzeugen und<br />
Geräten für die mobile Speicherung ausgelegt.<br />
Für Techniker, die auf der Suche nach qualitativ hochwertigen<br />
und robusten Inspektionsprodukten sind, ist das P340 flexiprobe<br />
TM -Schubkabel-Kamera-Inspektionssystem das System,<br />
das USB-Flash-Laufwerk-Konnektivität sowie ultra-robuste<br />
25 mm- und 50 mm-Kameras mit hoher Auflösung bietet.<br />
Präzisions-Markersuchsysteme<br />
Die neue Reihe von Präzisionssuchsystemen basiert auf der<br />
Ergonomie der RD7000+ TM und RD8000 TM -Plattformen, und<br />
bietet die Möglichkeit zur RF-Marker-Erkennung, die auch als<br />
EMS oder Omnimarker bekannt sind. Mit einem automatischen<br />
Tiefenmesssystem, das einen 2-Schritt-Prozess unnötig macht,<br />
ausgerüstet, und der Kombination von Versorgungs- und<br />
Markerortungsmodus, ist der neue Markerempfänger schneller<br />
und dabei genauer in den Auswertungen. Die Anbindung an<br />
Karten und GIS-Systemen ist dank der integrierten GPS-Option<br />
und bequemen Bluetooth ® und USB-Konnektivität einfach.<br />
Die optionale interne GPS-Funktion der RD8000-Auswahl<br />
ermöglicht Profis die Lokalisierung von Positionsdaten und<br />
Messungen, ohne zusätzliche Ausrüstung.<br />
Erddurchdringendes Radarsystem<br />
Das neue RD1000+ wird erstmalig auf der Messe als leistungsstarke<br />
Ergänzung der Vermessungs-Dienstprogramme gezeigt.<br />
Es beinhaltet Radartechnik und bietet ein optisches Bild der<br />
unterirdischen Eigenschaften. Mit dem RD1000+ kann der<br />
Anwender ein Rohr oder Kabel in seinem topographischen<br />
Kontext sehen. Der Vorteil gegenüber einem herkömmlichen<br />
elektromagnetischen Empfänger ist, dass das RD1000+ auch<br />
nicht-leitende Materialien wie Kunststoffrohre erkennen kann.<br />
Neben den neuen Produkten wird eine bewährte Auswahl an<br />
Systemen zur Kabelschädenvermeidung gezeigt.<br />
KONTAKT: Radiodetection, Emmerich am Rhein<br />
Tel. +44 117 9767776, E-Mail: marion.giesbers@spx.com<br />
Halle B4, Stand 426<br />
Automatisierung von Armaturen ohne<br />
> Schachtbauwerk<br />
> Stromnetzanschluss<br />
> SPS oder Datenkabel<br />
> Versorgungsunterbrechung<br />
5.–9. Mai, 2014<br />
MESSE MÜNCHEN<br />
3s-antriebe.de - blog.3s-antriebe.com<br />
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04-05 | 2014 Halle A4, Stand 426 55<br />
info@3s-antriebe.de +49 (30) 7007764-0
PRODUKT-SPECIAL<br />
Leckfrüherkennung mittels mit Hydrophon<br />
ausgerüsteter Hydranten<br />
HINNI stellt auf der <strong>IFAT</strong> 2014 das automatisch meldende,<br />
permanent installierte akustische Überwachungssystem auf<br />
Hydrophon-Basis LORNO vor, das - installiert in Hydranten,<br />
mit Anbindung an Webapplikation - die Verantwortlichen<br />
in Bezug auf Früherkennung von Leckagen, Massnahmen<br />
und deren Dokumentation sinnvoll unterstützt. Besondere<br />
Vorteile dieser Technik bestehen darin, dass die Funktion<br />
unabhängig vom Rohrmaterial (z. B. PE), von Strom- oder<br />
Datenkabeln ist. Die Hydranten bleiben nach Einbau der<br />
Sensorik voll funktionsfähig.<br />
Zur Vermeidung von Infrastrukturschäden, zur Minimierung<br />
von Wasserverlusten und zur Kostenoptimierung durch koordinierte<br />
Baumaßnahmen bei Reparaturen hat die aktive Leckkontrolle,<br />
die Geschwindigkeit von Reparaturen, Infrastrukturmanagement,<br />
Anwendung von Wasserverlustanalysen<br />
und Druckwassermanagement, einen massgeblichen Einfluss.<br />
Bei der Entwicklung von LORNO war es vor allem wichtig,<br />
die vielfältigen Aufgaben der Verantwortlichen durch ein<br />
webbasiertes Managementsystem zu erleichtern. Das System<br />
besteht aus folgenden Komponenten: eine automatisch<br />
meldende Leckschwellenüberschreitung durch Analyse der<br />
Schallwellen, eine Dokumentation der verbauten Armaturen<br />
mit Verlinkung auf GIS, Aufgabenverwaltung, -kontrolle<br />
und deren Dokumentation, eine automatische Selbstüberwachung<br />
des Systems und ein bi-direktionales Funknetz.<br />
Das System wird in bestehende Trinkwasserleitungsnetze<br />
nachgerüstet, indem Hydranten mit den Komponenten<br />
Hydrophon, Elektronikeinheit und Funkmodul ausgerüstet<br />
werden. In der Schweiz ist das System bereits in über 70<br />
Städten und Gemeinden sowie am Flughafen in Zürich<br />
erfolgreich im Einsatz. In der Praxis hat es zu einer deutlichen<br />
Verbesserung in Bezug auf Infrastrukturschäden,<br />
Wasserverlust und Armaturenüberwachung geführt.<br />
Lecküberwachung auch in PE-Rohren<br />
Durch den Ausbau von gemischten Netzen aus Kunststoff und<br />
Guss wird die herkömmliche Leckage-Ortung mit Akustik-<br />
Loggern vielfach erschwert, da die Schallübertragung an den<br />
Rohren oder Armaturen durch Dämpfung in Kunststoffrohren<br />
schlecht zu lokalisieren ist. Leckagen in Trinkwasserleitungen<br />
verursachen durch das an der Leckstelle unter hohem Druck<br />
ausströmende Wasser Leckgeräusche. Diese Geräusche breiten<br />
sich im Wasser über weite Distanzen aus und sind über geeignete<br />
Sensoren auf der Rohrwandung, auf angeschlossenen<br />
Armaturen und insbesondere im Wasser messbar.<br />
LORNO misst den Schall direkt mit einem Hydrophon im Medium<br />
Wasser und nicht wie in Akustikloggern üblich über den<br />
Umweg der Rohrwandungen mit einem Vibrationsaufnehmer<br />
(Accelerometer). Dabei kommt zum Tragen, dass das an<br />
der Leckstelle unter Druck austretende Wasser nicht nur die<br />
Rohrwandung zum Schwingen bringt, sondern hauptsächlich<br />
Druckpulsationen in die Wassersäule einleitet, die sich darin<br />
in einem tieffrequenten Bereich als longitudinale Druckwellen<br />
über weite Distanzen ausbreiten können.<br />
Die Schallübertragung bei Kunststoffrohren im Medium<br />
Wasser ist dabei fast unverändert gut, es verändert sich<br />
lediglich die Frequenz der Schallwellen.<br />
Um eine Unabhängigkeit vom verbauten<br />
Rohrmaterial zu erreichen, wird das<br />
Hydrophon direkt in das Medium Wasser<br />
verbaut. Im LORNO-System wird der<br />
Hydrant als Mess-System eingesetzt. Das<br />
Hauptventil des Hydranten wird dabei<br />
durch ein Ventil mit integriertem Hydrophon<br />
ausgetauscht. Das Hydrophon<br />
wird mit einem Kabel mit der notwendigen<br />
Elektronikeinheit sowie dem Funkmodul<br />
verbunden.<br />
Bei Eintreten eines Ereignisses wird<br />
dies über das Funkdatennetz an das<br />
webbasierte System gesendet und ist<br />
somit für den Verantwortlichen ohne<br />
Vor-Ort-Begehung sichtbar. Alle Meldungen<br />
können ebenso parallel über<br />
vordefinierte Empfänger per SMS oder<br />
E-Mail verschickt werden.<br />
Das Datennetz besteht aus den Funkmodulen<br />
am Hydranten, Repeatern, die sich<br />
selbstständig organisieren, einer PCU als<br />
Datenübermittler zwischen Funk und<br />
56 04-05 | 2014
PRODUKT-SPECIAL<br />
Festnetz sowie einer LCU als logische Zentrale mit dem<br />
Datenserver und der Datenbank verbunden.<br />
Im LORNO-Messmodul ist die Auswerte- und Kommunikationseinheit<br />
des Hydranten enthalten. Es registriert den gemessenen<br />
Wasserschall über das angeschlossene Hauptventil und<br />
die Wasserbezüge und den Füllstand am überwachten Hydranten<br />
über den integrierten Schwimmerschalter.<br />
Mittels FFT-Analyse werden die gemessenen Geräusche in<br />
Geräuschspektren umgerechnet und mit dem zu erwartenden<br />
Hintergrundrauschen verglichen. Leckerkennungsalgorithmen<br />
verarbeiten die gemessenen Daten und lösen eine<br />
Leckmeldung aus, sobald ein Leck erkannt wurde.<br />
Der Zustand des integrierten Schwimmerschalters wird ebenfalls<br />
durch das Messmodul überwacht. Bei einem neuen Wasserbezug<br />
oder wenn der Hydrant über längere Zeit nicht entleert<br />
wird, wird eine entsprechende Meldung (Wasserbezug<br />
oder Hydrant nicht entleert) erstellt.<br />
Um die Ausrüstung von unterschiedlichen Hydranten-<br />
Modellen zu gewährleisten, existieren Messmodule in unterschiedlichen<br />
mechanischen Ausführungen. Allen Varianten<br />
ist gemein, dass sie einen integrierten Transceiver, einen<br />
Schwimmerschalter, einen Anschluss für den Hydrofonsensor<br />
und eine Batterie beinhalten. Zudem umfassen alle<br />
Varianten ein massives, druckwasserdichtes metallisches<br />
Gehäuse.<br />
Eine Intervention vor Ort für das Auslesen von Messdaten<br />
oder für die Konfiguration von Modulen ist im Normalbetrieb<br />
nicht notwendig. Einstellungen, z. B. das Einstellen von<br />
Parametern für die automatische Erkennung einer Leckage<br />
oder das Einstellen von Parametern, können über die Web-<br />
Benutzerschnittstelle vorgenommen werden.<br />
Das System ist für einen wartungsfreien Betrieb über mehrere<br />
Jahre ausgelegt. Kritische Zustände, die eine Intervention<br />
vor Ort notwendig machen, werden durch das System,<br />
mittels detaillierten Systemmeldungen gemeldet.<br />
Webbasiertes Managementsystem<br />
Alle wichtigen Ereignisse sind auf einem Blick im<br />
Webmodul ersichtlich. Notwendige Analysen, wie<br />
z. B. alte Leckagen, durchgeführte Wartungen<br />
oder Reparaturen, vergangene<br />
und aktuelle Leckagen lassen sich am<br />
Rechner durchführen.<br />
Sind Massnahmen zur Leckbeseitigung<br />
zu definieren, werden diese per<br />
Ticket dokumentiert und überwacht.<br />
Massnahmeneinleitungen, die über<br />
ERP-Systeme organisiert werden, können<br />
ebenfalls verarbeitet werden.<br />
Erfahrungen<br />
Vielfach werden mit diesem permanenten Überwachungssystem<br />
Leckagen aufgedeckt, die zunächst<br />
noch sehr klein sind. Dadurch können größere<br />
Folgeschäden vermieden werden. Leckstellen<br />
können dadurch frühzeitig erkannt werden<br />
und wirtschaftlich während der normalen<br />
Arbeitszeiten beseitigt werden.<br />
Ein System mit Datenloggern, das auf Wasserleitungen<br />
und Armaturen aufgesetzt wird,<br />
erfordert im Falle von Kunststoffleitungen eine<br />
hohe Dichte an Loggern im Netz, die bei einer<br />
Wirtschaftlichkeitsberechnung im Vergleich zu LORNO<br />
zu berücksichtigen ist.<br />
Ein unschätzbarer Vorteil ist die Dokumentation von historischen<br />
Daten, die bei einer Beurteilung von Netzen und<br />
deren Erneuerungsstrategien von großem Nutzen sind.<br />
Bei neueren Ansätzen zur risikobasierten Erneuerungsstrategien<br />
(Forschungsprojekt DVGW), empfiehlt es sich,<br />
Risikomodelle und Modelle zur Verteilung austretender<br />
Wassermengen zu modellieren. Daraus können Überflutungsszenarien<br />
in Bereichen mit hohem Risiko belasteten<br />
Zonen gerechnet werden. Solche, in fast jeder Wasserversorgung<br />
vorkommenden Zonen, können mit LORNO als<br />
Quasi-Objektschutz bestens überwacht werden und im<br />
Schadensfall kann durch die automatische Übermittlung<br />
per SMS oder Mail schnell reagiert werden.<br />
KONTAKT: HINNI AG, Biel-Benken (CH), Stefan Neuhorn<br />
Tel. +41 61 726 66 00, E-Mail: stefan.neuhorn@hinni.ch<br />
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Betrieb und Instandhaltung von Rohrnetzen<br />
Auslegen / Berechnen / Analysieren / Optimieren<br />
Fahrweisen / Regelungen / Zusammenhänge / Dynamik / Druckstoß<br />
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3S Consult GmbH — mehr als 25 Jahre Engineering und Software — www.3sconsult.de<br />
04-05 | 2014 57
PRODUKT-SPECIAL<br />
Automatisierte Geräuschpegelüberwachung für die<br />
Trinkwasserversorgung<br />
Automatisierte Überwachungssysteme werden allgemein<br />
als der Pfad zu einer modernen Trinkwasserversorgung<br />
angesehen. Dabei liegen die Hauptaufgaben eines Überwachungssystems<br />
nicht nur in einer Zeitersparnis, sondern auch<br />
in der Vermeidung unnötiger Kosten und dem effizienten<br />
Einsatz wertvoller Ressourcen.<br />
Eine der letzten großen Neuerungen im Bereich der Netzüberwachung<br />
bieten so genannte Geräuschpegellogger-<br />
Netzwerke (Logger-Netzwerke). Diese ersetzen das zeitaufwändige<br />
Patrouillieren der Logger durch einen selbstständigen<br />
Datentransfer in die Leitstelle.<br />
Neben der effizienten Datenübertragung bieten Logger-<br />
Netzwerke den Komfort, neue Leckagen nahezu ohne Zeitverlust<br />
zu identifizieren, vorhandene Leckagen einzugrenzen<br />
und zu lokalisieren. Somit sind diese Netzwerke eine<br />
Möglichkeit, Wasserverluste in dem Versorgungsnetz, in<br />
dem sie installiert sind, dauerhaft und nachhaltig zu senken.<br />
Leckageortung durch Logger-Netzwerke<br />
Logger-Netzwerke bestehen in der Regel aus einer größeren<br />
Anzahl Geräuschpegellogger, die per Kurzstreckenfunk mit<br />
einer Netzwerk-Zentrale verbunden sind. Diese Zentrale<br />
übermittelt die in der Nacht aufgezeichneten Messwerte<br />
(Geräuschpegel und Frequenz) täglich per GSM/GPRS zu<br />
einem FTP-Server. Von dort kann der Anwender die Daten<br />
analysieren, protokollieren und benutzen, um die nächsten<br />
Schritte zur Leckageortung einzuleiten. Auf diese Weise<br />
bieten Logger-Netzwerke einen täglichen „Fingerabdruck“<br />
der Geräuschpegel im gesamten Versorgungsnetz.<br />
Obwohl diese täglich aktuelle Übersicht über den Netzzustand<br />
bereits eindrucksvoll das Potenzial eines Logger-<br />
Netzwerks darstellt, ist die neueste Generation dieser Systeme<br />
nicht mehr „nur“ auf die Übertragung der nächtlichen<br />
Daten von Geräuschpegel und Frequenz beschränkt. Sie<br />
bietet vielmehr die Möglichkeit, anhand der vorhandenen<br />
Messdaten eine gezielte Vorortung mittels einer Korrelation<br />
vorzunehmen. Im Ergebnis muss eine Leckage vor Ort<br />
lediglich mit einer Punktortung bestätigt werden, was eine<br />
deutliche Verkürzung des Zeitaufwandes für eine Leckageortung<br />
darstellt.<br />
Möglich wird das, indem der Anwender sich „echte“ Geräusche,<br />
die während der Messung aufgezeichnet wurden,<br />
übermitteln lässt. Dank einer genauen Synchronisierung<br />
dieser Daten, stehen sie dem Nutzer nicht einfach nur zum<br />
Anhören zur Verfügung, sondern lassen sich untereinander<br />
korrelieren, um eine exakte Lokalisierung einer Leckage<br />
vorzunehmen. Diese Form der Korrelation, die aus technischer<br />
Sicht eine „Offline-Korrelation“ darstellt (nachträgliche<br />
Korrelation), wird im allgemeinen Sprachgebrauch auch<br />
„Netzwerk-Korrelation“ genannt.<br />
Bemerkenswerterweise sind diese Korrelationen nicht nur<br />
vergleichbar mit der Genauigkeit eines Feld- oder Laptop-<br />
Korrelators, sondern in gewissen Situationen sogar noch<br />
genauer. Die Gründe dafür liegen in einigen der Vorteile,<br />
die bei herkömmlichen Feldgeräten wegen des erhöhten<br />
Aufwands entweder selten genutzt werden oder gar nicht<br />
gegeben sind.<br />
Vorteile des Logger-Netzwerkes<br />
Einer der größten Vorteile eines Logger-Netzwerks besteht<br />
in der automatisierten und effizienten Übertragung der<br />
Messdaten, die ein manuelles Vororten nicht mehr not-<br />
58 04-05 | 2014
PRODUKT-SPECIAL<br />
wendig macht. Allerdings stellt die Messzeit der Logger<br />
ebenfalls einen der deutlichsten Vorzüge dar.<br />
Die Geräuschpegellogger messen allgemein in der Nacht<br />
zu einer Zeit, in der Wasserverbrauch und Umweltgeräusche<br />
ihr Tagesminimum erreichen. Auf diese Weise sind<br />
die Geräuschdaten, die zu einer Korrelation herangezogen<br />
werden, nahezu frei von störenden Umgebungsgeräuschen.<br />
Zwar wird auch mit Feldkorrelatoren nachts gemessen,<br />
wenn störende Einflüsse eine akkurate Messung bei Tag<br />
verhindern, allerdings bedeutet dies immer einen erhöhten<br />
Aufwand an Ressourcen.<br />
Ein weiterer Vorteil der Netzwerk-Korrelation liegt in der<br />
großen Anzahl der Messstellen, die für eine Vorortung<br />
herangezogen werden können. Während mit einem Feldkorrelator<br />
Schallaufnehmer und Sender umgesetzt werden<br />
müssen, um etwa eine erste Korrelation zu bestätigen,<br />
wird in einem Netzwerk einfach ein weiterer Logger in die<br />
Analyse mit eingebunden.<br />
Die Vorteile eines Logger-Netzwerks bestehen vor allem in<br />
der Möglichkeit, sich eine tagesaktuelle Ansicht des Netzzustandes<br />
anzusehen, Leckagen und deren Position ohne<br />
Zeitverlust direkt zu erkennen und der daraus entstehenden<br />
Zeitersparnis durch Wegfallen der Logger-Patrouillen. Durch<br />
den Einsatz von Logger-Netzwerken lassen sich Wasserverluste<br />
dauerhaft reduzieren bei einer gleichzeitigen kosteneffizienten<br />
Übertragung der Messdaten.<br />
Fazit<br />
Logger-Netzwerke mit integrierter Korrelationsfunktion<br />
zeichnen sich typischerweise durch ein äußerst benutzerfreundliches<br />
Softwarepaket aus, das selbst von Neulingen<br />
schnell erlernt und verwendet werden kann. Neben<br />
historischen Daten und Diagnosefunktionen stehen dem<br />
Anwender auch interaktive Karten des gesamten Netzwerks<br />
zur Verfügung, die eine Einbindung von auf GPS-basierenden<br />
Netzwerkplänen (aus Auto-CAD oder GIS-Systemen)<br />
ermöglichen.<br />
Alles in allem bieten automatisierte Überwachungssysteme wie<br />
ein „korrelierendes Logger-Netzwerk“ eine nie dagewesene<br />
Möglichkeit, ein Versorgungsnetz dauerhaft zu überwachen<br />
und dafür zu sorgen, Wasserverluste nachhaltig zu reduzieren.<br />
Dass diese Systeme schon heute verfügbar sind und erfolgreich<br />
eingesetzt werden, zeigt, dass diese Technologie in einer<br />
zukunftsorientierten Wasserversorgung nicht mehr fehlen darf.<br />
KONTAKT: SebaKMT Seba Dynatronic ® Mess- und Ortungstechnik GmbH,<br />
Baunach, Mark Behringer<br />
Tel. +49 9544 687372, E-Mail: behringer.m@sebakmt.com<br />
Halle A5, Stand 502<br />
04-05 | 2014 59
PRODUKT-SPECIAL<br />
Neues System für Schacht-in-Schacht-Sanierung<br />
Bild 1: Bei der Schacht-in-Schacht-Sanierung wird in<br />
den bestehenden Betonschacht ein AWASCHACHT der<br />
nächstkleineren Nennweite eingesetzt<br />
Bild 2: Mit dem Mikrokabelrohrsystem stellt REHAU eine Lösung aus dem<br />
Bereich Telekommunikation vor<br />
REHAU stellt u. a. das Schachtprogramm AWASCHACHT<br />
vor. Mit den Schächten DN 1.000, 800 und 600 sowie<br />
passenden Rohr- und Anschlusssystemen aus hochwertigem<br />
Polypropylen bietet der Polymerspezialist für jede<br />
Anwendung eine bedarfsgerechte Lösung. Umfassende<br />
Serviceleistungen runden das Programm ab.<br />
REHAU arbeitet in der Kanaltechnik stetig an Weiterentwicklungen<br />
und präsentiert deshalb ein neues Verfahren zur<br />
Sanierung von korrodierten oder undichten Betonschächten<br />
vor. Bei der Schacht-in-Schacht-Sanierung wird in den<br />
bestehenden Betonschacht ein AWASCHACHT der nächstkleineren<br />
Nennweite eingesetzt. Der alte Schacht verbleibt<br />
als sogenannte „verlorene Schalung“ im Boden. Das vorhandene<br />
und meist beschädigte Gerinne wird ausgestemmt<br />
und durch ein präzise vorgefertigtes PP-Gerinne ersetzt.<br />
Mittels Absperrblasen wird das AWASCHACHT-Unterteil<br />
schließlich sohlgleich zum Kanalrohr ausgerichtet. Der noch<br />
verbleibende Ringspalt zwischen neuem und altem Schacht<br />
wird mit hydraulisch abbindendem Spezialvergussmörtel<br />
ausgegossen. Es entsteht ein neuer, wasserdichter Schacht,<br />
der nicht nur statisch selbsttragend, sondern auch chemisch<br />
und thermisch belastbar ist - eine wirtschaftliche und vor<br />
allem dauerhafte Lösung.<br />
Die langjährig bewährten Hochlastkanalrohrsysteme AWA-<br />
DUKT PP SN10 und AWADUKT HPP SN16 setzen ebenfalls<br />
neue Maßstäbe - und das nicht nur in Bezug auf die Erfüllung<br />
der Eigenschaften der Norm DIN EN 1852.<br />
Eine universelle Verbindung von Kanalrohrsystemen fast aller<br />
Materialien und Durchmesser stellt REHAU mit AWADUKT<br />
FLEX CONNECT vor. Die neue Rohrkupplung ist mit nur acht<br />
Produktvarianten für den Abmessungsbereich DN 110 bis<br />
DN 630 für jeden Anwendungsfall gewappnet. Egal, ob Beton,<br />
Steinzeug, Guss, PVC oder PP mit gewellter, gerippter oder<br />
glatter Oberflächenstruktur, Leitungen können im Handumdrehen<br />
miteinander verbunden werden. Ein teurer Stillstand<br />
der Baustelle kann so verhindert werden. Durch die zusätzliche<br />
Q-TE-C-Dichtung und die höheren Einstecktiefen im Vergleich<br />
zu herkömmlichen Standardkupplungen setzt AWADUKT<br />
FLEX-CONNECT Maßstäbe beim Thema Sicherheit.<br />
Lösungen für die Regenwasserbewirtschaftung<br />
Für den schonenden Umgang mit der kostbaren Ressource<br />
Wasser präsentiert REHAU verschiedene Systeme für<br />
die Regenwasserbewirtschaftung. So zeigt das Unternehmen<br />
z. B. seine bewährten Speichersysteme RAUSIKKO<br />
Box als komplettes und variables System mit den passenden<br />
Systemschächten. Da das Niederschlagswasser von<br />
Verkehrsflächen erhebliche Belastungen aufweist, ist es<br />
notwendig, dieses vor der Versickerung oder Einleitung<br />
in die Vorflut zu reinigen. Hierfür werden die geprüften<br />
Systeme zur Vorbehandlung von Niederschlagwasser<br />
vorgestellt. Zudem können die Besucher der <strong>IFAT</strong> den<br />
neuen polymeren Straßenablauf RainSpot kennenlernen,<br />
der aufgrund seines Materials und Aufbaus besonders<br />
robust und verlegefreundlich ist.<br />
Telekommunikation und kommunale<br />
Wärmeversorgung<br />
Der voranschreitende Breitbandausbau und die Installation<br />
von Nahwärmenetzen sind für Kommunen derzeit<br />
besonders wichtige Themen. REHAU stellt hierzu im<br />
Rahmen der Messe durchdachte Lösungen, wie z. B. das<br />
Mikrokabelrohrsystem oder das Nahwärmerohrsystem<br />
RAUTHERMEX vor.<br />
KONTAKT: REHAU AG + Co, Erlangen, Tanja Nürnberger<br />
Tel. +49 9131 92-5496, E-Mail: tanja.nuernberger@rehau.com<br />
Halle B6, Stand 221/320<br />
60 04-05 | 2014
Technologien für grabenlose<br />
Leitungssanierungen<br />
Anlässlich der <strong>IFAT</strong> 2014 in München präsentiert die Diringer &<br />
Scheidel auf 144 m² Standfläche eine breitgefächerte Produktpalette<br />
für alle gängigen Verfahren der grabenlosen Leitungssanierung.<br />
Zu den Ausstellungsschwerpunkten auf dem neu gestalteten<br />
Messestand, der mit der D&S Rohrsanierung, der Pipe-Robo-Tec<br />
GmbH & Co. KG und der schweizerischenGfenntech AG geballtes<br />
Sanierungs-Know-how unter einem gemeinsamen Dach vereint,<br />
zählt neben dem sogenannten RS Blue-Line-Verfahren die<br />
RedEx ® -Manschettentechnik.<br />
Wichtigster Baustein des speziell für die Sanierung von Trinkwasser-,<br />
Kraftwerk-, Löschwasserleitungen und Rohrleitungen in der<br />
industriellen Produktion entwickelten RS-BlueLiner ® -Systems ist<br />
ein elastischer Glas-Filz-Schlauch mit allen erforderlichen Zulassungen,<br />
auch für den Trinkwassereinsatz. Der üblicherweise für<br />
Nennweiten von DN 100 bis DN 1.000 und in Wanddicken von<br />
5 bis 21 mm produzierte Schlauch wird in einer mobilen, eigens<br />
für dieses System entwickelten Tränkanlage vor Ort mit einem<br />
2-Komponenten-Epoxidharz getränkt.<br />
Ein Vorteil des Liners ist seine Bogengängigkeit bis 45°, bei Radien<br />
> 3 D auch mehr. So ist der Liner auch für die Sanierung von<br />
Dückerleitungen einsetzbar. Aufwändige Mess- und Regeltechnik<br />
garantiert kontrollierte Verfahrensabläufe, prozessrelevante Daten<br />
wie Tag, Uhrzeit, Komponententemperatur und Kalibrierparameter<br />
wie Rollenabstand, Antriebsgeschwindigkeit und Vakuumdruck<br />
werden dabei kontinuierlich aufgezeichnet. D&S-Geschäftsführer<br />
Dipl.-Ing. Stefan Schikora: „Mit der Aufnahme des RS Blue-Line-<br />
Verfahrens in unser Portfolio reagieren wir auf die verstärkte Nachfrage<br />
nach bogengängigen Sanierungstechniken im Druckbereich<br />
und unterstreichen unseren Anspruch, unseren Kunden wirtschaftliche,<br />
speziell auf ihren Bedarf zugeschnittene Komplettlösungen<br />
auf höchstem Qualitätsniveau und für sämtliche gängigen Verfahren<br />
für die Sanierung unterirdischer Leitungsinfrastruktur zu<br />
bieten – vom Berstlining über Compact Pipe, DS CityLiner, DynTec,<br />
Haus- und Industrieliner bis hin zu Robotertechnik, UV-Liner und<br />
Zementmörtelauskleidung.“<br />
Manschettentechnik für begehbare Rohrleitungen<br />
Mit der RedEx ® -Innendichtmanschette bietet Pipe-Robo-Tec seinen<br />
Kunden jetzt erstmals auch eine Lösung für begehbare Rohrleitungen<br />
in Nennweitenbereichen von DN 800 bis DN 6000. Die<br />
RedEx ® -Innendichtmanschette eignet sich für den Einsatz in Temperaturbereichen<br />
zwischen -20 °C und 140 °C und für verschiedenste<br />
Medien wie Trinkwasser, Brauchwasser, Abwasser, Salzwasser,<br />
Öl, Gas, Laugen und Säuren. Darüber hinaus kann die RedEx ® -<br />
Innendichtmanschette als Liner-Endmanschette (LEM) DN 200-1200<br />
eingesetzt werden.<br />
KONTAKT: Diringer & Scheidel Rohrsanierung GmbH & Co.KG , Mannheim<br />
Tel. +49 621 8607 440, E-Mail: rohrsan@dus.de<br />
Halle B5, Stand 411/510<br />
Besuchen Sie uns<br />
auf der <strong>IFAT</strong>!<br />
Halle B6, Stand 323/420<br />
Rohrsysteme<br />
aus GFK<br />
von Amitech<br />
Flowtite-Rohre bestehen aus glasfaserverstärktem<br />
Polyesterharz,<br />
kurz GFK.<br />
GFK ist extrem leicht, enorm fest<br />
und erstaunlich flexibel. Aus GFK<br />
bauen Ingenieure rund um den<br />
Globus Flugzeuge, Schiffe, hoch<br />
beanspruchte Teile im Fahrzeugbau,<br />
und wir bauen daraus Rohre<br />
für Ihre Ansprüche.<br />
Flowtite-Rohre eignen sich für alle<br />
Druck- und drucklosen Anwendungen,<br />
in denen traditionell<br />
Guss-, Stahl-, Stahlbeton oder<br />
Steinzeugrohre eingesetzt werden.<br />
Amitech Germany GmbH · Am Fuchsloch 19 ·<br />
04720 Mochau · Tel.: + 49 34 31 71 82 - 0 ·<br />
Fax: + 49 34 31 70 23 24 · info@amitech-germany.de ·<br />
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A Member of the<br />
Group<br />
Weitere Informationen unter www.amiantit.com<br />
04-05 | 2014 61
PRODUKT-SPECIAL<br />
Erstmalig Heizwendel- und Stumpfschweißen<br />
mit nur einem Gerät<br />
Die HÜRNER WeldControl EF stellt eine echte Revolution in<br />
der Schweißtechnik dar: Sie ermöglicht sowohl das Verbinden<br />
zweier PE-Rohre durch E-Fitting Schweißen als auch<br />
das Verbinden zweier PE-Rohre durch Stumpfschweißen,<br />
und ist dabei klein, kompakt und äußerst baustellentauglich.<br />
Die Ingenieursleistung liegt darin, die Heizwendelschweißtechnik<br />
mittels eines neu entwickelten Micro-Controllersystems<br />
in das Hydraulikgehäuse zu integrieren. Somit funktioniert<br />
die Hydraulikeinheit einerseits wie die bekannte<br />
HÜRNER WeldControl, die den Anwender semiautomatisch<br />
durch den Stumpfschweißvorgang mit allen Raffinessen wie<br />
ISO-Protokollierung etc. führt. Zusätzlich kann der Schweißer<br />
durch einfaches Kontaktieren des Schweißkabels vom<br />
Stumpfschweißmode in den Heizwendelschweißmode EF<br />
wechseln. Nun hat er praktisch ein Heizwendelschweißgerät<br />
der HST 300 Print+ Generation vor sich, d. h. er kontaktiert<br />
wie gewohnt das Schweißkabel an den Kontakten der<br />
EF-Muffe und startet nach Einlesen des Barcodes mittels<br />
Scanner den Schweißvorgang. Alle Fähigkeiten der HST 300<br />
Print+2.0-Geräte wie z. B. das automatische ISO-konforme<br />
Protokollieren und eine hundertprozentige Schweißüberwachung<br />
inklusive<br />
dem<br />
Ausdruck<br />
im PDF-<br />
Format sind<br />
verfügbar.<br />
Die WeldControl EF bietet somit erstmalig die einfachste<br />
Lösung für den Benutzer, der eine Rohrstrecke mit beiden<br />
etablierten Schweißmethoden verbinden muss. Dabei ist<br />
die zentrale Bedieneinheit von der Bemaßung so handlich<br />
gehalten, dass sie fast als ein „normales“ Heizwendelschweißgerät<br />
angesehen werden könnte. Parallel kann<br />
diese an die Grundmaschine angeschlossen werden und<br />
sich in eine Stumpfschweißmaschine „verwandeln“. Das<br />
getrennte Bereitstellen von beiden Gerätetechniken entfällt<br />
und der meist eng bemessene Platz im Graben bleibt<br />
optimal genutzt.<br />
KONTAKT: HÜRNER Schweißtechnik GmbH, Mücke<br />
Tel. +49 6401 91270, E-Mail: info@huerner.de<br />
Halle B6, Stand 102<br />
Bereit für den Fels: Bohranlage mit Doppelrohrgestänge<br />
Um der Herausforderung im Gestein gewachsen zu sein,<br />
ist die Vermeer D36x50DR Navigator ® -Felsbohranlage mit<br />
einem Doppelrohrgestänge für Felsbohrungen ausgestattet.<br />
Die Maschine zeichnet sich durch ein in dieser Klasse unübertroffenes<br />
inneres Drehmoment von 2.034 Nm aus und ermöglicht<br />
somit ein langsameres Rotieren, das die Lebensdauer des<br />
Bohrmeißels erhöht und die Betriebskosten senkt. Angetrieben<br />
von einem 103 kW (140 PS) John Deere-Turbo-Dieselmotor<br />
leistet die Maschine eine Vorschub-/Rückzugskraft von 169 kN.<br />
Durch das Doppelrohrgestänge, das den Fluss der Bohrflüssigkeit<br />
zwischen Innen- und Außengestänge sowie durch das<br />
Innengestänge ermöglicht, wird eine maximale Förderleistung<br />
der Suspension von 265 l/min und ein Spüldruck von 34,5 bar<br />
erreicht. Dadurch ist der effiziente Austrag des Bohrkleins auch<br />
bei größeren Aufweitungen gewährleistet und dem Bohrkopf<br />
steht eine größere Spülungsmenge zur Verfügung.<br />
Die Umrüstung von der Felsbohr- zur Standardbohranlage ist<br />
mit wenigen Handgriffen möglich. Bohrstangen oder Antriebsflansch<br />
müssen nicht ausgetauscht werden. Die D36x50DR<br />
Serie II ist mit 152,4 m Firestick-Bohrstangen ausgestattet.<br />
Mit einem exklusiven Doppelrohrgestänge treibt das Innengestänge<br />
den Bohrkopf an, während das Außengestänge die<br />
Steuerung übernimmt und für eine optimale Rotation beim<br />
Aufweiten sorgt. Für verschiedenste Bodenbeschaffenheiten<br />
kann die Maschine mit einer Vielzahl von Bohrköpfen, sowie<br />
speziell für das Doppelrohrgestänge gefertigten Sendergehäusen<br />
bestückt werden.<br />
Eine als Sonderzubehör erhältliche klimatisierte Fahrerkabine<br />
optimiert den Bedienerkomfort und bietet Schutz vor der Witterung.<br />
Das Firestick-Doppelrohrgestänge mit einem Außendurchmesser<br />
von 73 mm, sowie einem Innendurchmesser von<br />
42 mm ist mit 3 m langen Bohrstangen erhältlich.<br />
KONTAKT: Vermeer, Goes (NL)<br />
Tel. +31 113 272700, E-Mail: info@vermeer.com<br />
Halle C1, Stand 403/502<br />
62 04-05 | 2014
PRODUKT-SPECIAL<br />
Neue WI-CNC-Steuereinheit an Stumpfschweißmaschine<br />
Die neue Steuereinheit WI-CNC von Widos ist nicht nur eine<br />
Modellpflege der bewährten CNC 3.0/3.5, sondern eine komplette<br />
Neuentwicklung, vollgepackt mit neuester Technik, die<br />
Widos in WI-CNC umbenannt hat.<br />
Die WI-CNC ist für Kunden und Anwender der CNC aufgrund<br />
der Modularität, die den Einsatz für verschiedene Maschinenmodelle<br />
möglich macht, ein echter Fortschritt gegenüber dem<br />
alten Modell.<br />
Die WI-CNC kann an die Grundmaschinenmodelle<br />
WIDOS 4400, WIDOS 4600, WIDOS 4900 und WIDOS 5100<br />
angeschlossen werden und deckt damit die Rohrdurchmesser<br />
von d 50 mm bis d 450 mm ab - bei einer einheitlichen<br />
230 V-Stromversorgung.<br />
Auch das Schweißen wird noch einfacher, da alle Daten über<br />
ein großes, intuitiv geführtes Touchdisplay eingegeben werden.<br />
Das entspiegelte, farbige 7“-Touchdisplay ist geneigt eingebaut,<br />
so dass die neu gestaltete Oberfläche selbst bei direkter<br />
Sonneneinstrahlung noch gut abzulesen ist. Die Bedienoberfläche<br />
wurde konsequent auf intuitive Bedienung getrimmt.<br />
Die Kommunikation zwischen Bediener und WI-CNC erfolgt<br />
mit großen, klaren und teilweise animierten Symbolen samt<br />
optischer Anzeige von Prozessfortschritten.<br />
Neue Hydraulikdruckregelung<br />
Durch das Entkoppeln<br />
von elektrischer Antriebseinheit<br />
und hydraulischer<br />
Druckregelung kann die<br />
Dauerlast deutlich abgesenkt<br />
und trotzdem ein<br />
höherer Maximaldruck<br />
erreicht werden. Der<br />
Stromverbrauch sinkt gegenüber der herkömmlichen Hydraulik.<br />
Durch die geringeren Wärmeverluste wird das Hydrauliköl<br />
kaum erwärmt und somit die eingesetzten Ressourcen<br />
und das gesamte System deutlich geschont. Die auf- und<br />
absteigenden Drücke erlauben die Verwendung in allen<br />
bekannten Schweißstandards. Durch die große Regelspanne<br />
bei der Geschwindigkeit kann sie an den unterschiedlichsten<br />
Grundmaschinen und für die verschiedensten Rohrmaterialien<br />
eingesetzt werden.<br />
Die akustische Begleitung des Schweißprozesses mit unterschiedlichen<br />
Signalen und Lautstärken schafft Sicherheit und<br />
informiert den Schweißer über bevorstehende und automatische<br />
Bewegungen.<br />
Durch den Einbau von zwei USB Ports, die z. B. als Schnittstelle<br />
zum Auslesen des Schweißprotokolls oder zur Dateneingabe<br />
über Barcode dienen oder für den Anschluss von Kleingeräten<br />
wie USB-Ventilatoren oder -Lampen, wird das Gerät noch<br />
flexibler.<br />
Weil Schweißabläufe nicht nur nach DVS, sondern auch nach<br />
anderen Normen, wie ISO, WIS, ASTM u. a. zu programmieren<br />
sind, die jederzeit im Menü abgerufen werden können, kann<br />
die WI-CNC weltweit für alle Schweißstandards eingesetzt<br />
werden.<br />
KONTAKT: WIDOS Wilhelm Dommer Soehne GmbH, Ditzingen<br />
Tel. +49 7152 99390, E-Mail: bernd.klemm@widos.de<br />
Halle B6, Stand 308<br />
Kunststoff-Schweißtechnik<br />
Vertrauen Sie auf Erfahrung die Ihresgleichen sucht!<br />
Elektromuffenschweißen<br />
Qualität<br />
Innovation<br />
Service weltweit<br />
Moderne<br />
Kunststoffschweißmaschinen<br />
zum<br />
rationellen<br />
Verschweißen<br />
von Rohren bis<br />
DA 2600 mm,<br />
sowie Tafeln und<br />
Formteilen.<br />
Sonderschweißmaschinen<br />
für<br />
Serienteile aus<br />
Thermoplasten auf<br />
Kundenwunsch.<br />
Wir stellen aus:<br />
<strong>IFAT</strong> München<br />
Halle B6 Stand 308<br />
Stumpfschweißen für metrische/Inch Anwendungen<br />
Muffenschweißen für Installateure<br />
WIDOS<br />
Wilhelm Dommer Söhne GmbH<br />
Einsteinstraße 5<br />
D-71254 Ditzingen-Heimerdingen<br />
Telefon +49 (0) 71 52 / 99 39-0<br />
Telefax +49 (0) 71 52 / 99 39 40<br />
www.widos.de · info@widos.de<br />
04-05 | 2014 63
DWA RECHT & REGELWERK<br />
Regelwerk<br />
A 161 „Statische Berechnung von Vortriebsrohren“<br />
Zur statischen Berechnung von Vortriebsrohren<br />
haben die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft,<br />
Abwasser und Abfall e. V. (DWA) und der<br />
DVGW das Arbeitsblatt DWA-A 161 bzw. DVGW<br />
GW 312 überarbeitet. Für die Neufassung wurden<br />
die bodenmechanischen Modellvorstellungen<br />
überprüft und dem derzeitigen Erkenntnisstand<br />
angepasst.<br />
Die überarbeitete Fassung enthält folgende Änderungen<br />
und Ergänzungen:<br />
»»<br />
Kunststoffe wurden als Rohrwerkstoffe zur<br />
Anwendung beim Vortrieb aufgenommen.<br />
»»<br />
Für die steuerbaren und nichtsteuerbaren Verfahren<br />
(vgl. DWA-A 125 bzw. DVGW GW 304) wurden<br />
die maßgebenden Belastungszustände (Einwirkungen)<br />
detailliert angegeben.<br />
»»<br />
Die Ermittlung von Bodenkennwerten für Locker- und<br />
Festgestein wurde überarbeitet. Für die Anpassung der<br />
Bodenkennwerte eines geotechnischen Berichts an die<br />
spezielle Situation des Vortriebs werden Faktoren als<br />
Richtwerte angegeben. Die Bodenkennwerte sowie die<br />
bodenmechanischen Kenngrößen, mit denen die Erdlast<br />
weiterhin nach dem Silomodell ermittelt wird, werden in<br />
Abhängigkeiten von der Lagerungsdichte bzw. Konsistenz<br />
der Böden als Richtwerte angegeben.<br />
»»<br />
Die Beschreibung der Belastungsfälle wurde an das<br />
Arbeitsblatt ATV-DVWK-A 127 angepasst.<br />
»»<br />
Die Mindestschnittkraftbemessung zur Berücksichtigung<br />
von Führungskräften (bisher nur für den geradlinigen Vortrieb<br />
geregelt) wurde für Kurvenfahrten ergänzt.<br />
»»<br />
Für Wanddicken/Radius-Verhältnisse wurden zusätzlich<br />
Mindestwerte angegeben.<br />
»»<br />
Auch für gekrümmte Trassen wurden für die zulässigen<br />
Axialkräfte beim Vortrieb Formeln entwickelt,<br />
die Steuerbewegungen sowie zulässige Toleranzen<br />
für die Rechtwinkligkeit der Stirnflächen der Rohre<br />
berücksichtigen.<br />
»»<br />
Für die Druckübertragungsringe wurden Empfehlungen<br />
zur Ermittlung des Druckspannungs-Stauchungsverhaltens<br />
unter zyklischer Belastung sowie Anhaltswerte für<br />
die E-Moduln der Druckübertragungsringe angegeben.<br />
»»<br />
Für Vortriebsrohre im Festgestein und Übergangsbereich<br />
(Lockergestein/Festgestein) wurden Angaben für Belastungen<br />
quer zur Rohrachse und für das mögliche rechnerische<br />
Auflager des Rohres gemacht.<br />
»»<br />
Punktlasten können je nach Bodenart oder Einbauverfahren<br />
auftreten. Für Punktlasten wurden keine konkreten<br />
Annahmen, mechanische Modelle und Einwirkungen<br />
NEUERSCHEINUNG<br />
angegeben. Hierzu sollten bei Bedarf besondere Überlegungen<br />
angestellt werden.<br />
»»<br />
Für fluidgefüllte Druckübertragungsringe wurden die erforderlichen<br />
Nachweise zusammengestellt.<br />
»»<br />
Die Stabilitätsnachweise in der Querrichtung der Rohre<br />
wurden mit Vereinfachungen den Festlegungen in Arbeitsblatt<br />
ATV-DVWK-A 127 angepasst und durch den Nachweis<br />
in axialer Richtung ergänzt.<br />
»»<br />
Der Nachweis der Vergleichsspannungen wurde für anisotrope<br />
Werkstoffe mit unterschiedlichen Zug- und Druckfestigkeiten<br />
erweitert.<br />
»»<br />
Die in der 1. Auflage enthaltenen Bemessungstabellen für<br />
Stahlrohre wurden nicht beibehalten.<br />
»»<br />
Die Nachweise gegen Ermüdung unter nicht vorwiegend<br />
ruhenden Lasten wurden überarbeitet.<br />
»»<br />
Druck- und zugkraftschlüssige Verbindungen wurden<br />
aufgenommen.<br />
»»<br />
Das Arbeitsblatt wurde auf das Teilsicherheitskonzept<br />
umgestellt.<br />
»»<br />
Bei Verkehrslasten wird der horizontale Anteil<br />
berücksichtigt.<br />
»»<br />
Für die Straßenverkehrslasten wird der DIN-Fachbericht<br />
101 zugrunde gelegt. Die bisherigen Straßenverkehrslasten<br />
SLW60, SLW30 und LKW12 entfallen.<br />
»»<br />
Für die Eisenbahnverkehrslasten (LM 71) wurden dynamische<br />
Stoßbeiwerte nach dem DIN-Fachbericht 101<br />
angegeben.<br />
»»<br />
Beim Ermüdungsnachweis unter nicht vorwiegend ruhender<br />
Belastung darf der dynamische Spannungsanteil unter<br />
Berücksichtigung des horizontalen Erddrucks aus Verkehr<br />
berechnet werden. Die zulässige Schwingbreite 2σA muss<br />
für jeden Werkstoff mit Hilfe von Wöhler-Kurven ermittelt<br />
werden. Bei Eisenbahn-verkehrslasten muss die zulässige<br />
Schwingbreite 2σA für 1 × 10 8 Lastwechsel und bei den<br />
anderen Verkehrslasten für 2 × 10 6 Lastwechsel bestimmt<br />
werden.<br />
In Arbeit befindet sich derzeit ein eigenständiges Arbeitsblatt<br />
DWA-A 127-10, in dem Kennwerte der Rohrwerkstoffe zur<br />
statischen Berechnung von Vortriebsrohren, Abwasserleitungen<br />
und -kanälen festgeschrieben werden. Bis zum Erscheinen<br />
dieses Arbeitsblattes bleibt der Anhang A des Arbeitsblattes<br />
DWA-A 161 gültig. Der Anwender muss daher im Einzelfall<br />
prüfen, ob die angegebenen Werkstoffkennwerte, speziell bei<br />
den Kunststoffrohren, zutreffend sind.<br />
Zielgruppe des Arbeitsblattes sind die mit der statischen<br />
Berechnung von Vortriebsrohren und Planung von grabenlosen<br />
Baumaßnahmen befassten Fachleute in Kommunen,<br />
Verbänden, Planungsbüros und Behörden.<br />
Ausgabe 3/2014, EUR 66,40 für DWA-Mitglieder, EUR 83 für Nicht-Mitglieder<br />
64 04-05 | 2014
RECHT & REGELWERK DVGW<br />
W 316 Entwurf „Qualifikationsanforderungen an Fachunternehmen für<br />
Planung, Bau, Instandsetzung und Verbesserung von Trinkwasserbehältern“<br />
NEUERSCHEINUNG<br />
Die Erhaltung der Trinkwasserbeschaffenheit in chemischer,<br />
physikalischer und mikrobiologischer Hinsicht hat<br />
innerhalb eines Wasserversorgungssystems entscheidende<br />
Bedeutung. In diesem System übernimmt die Wasserspeicherung<br />
eine wichtige Funktion. Die regelgerechte<br />
Instandhaltung der Wasserbehälter ist Grundlage für eine<br />
einwandfreie Wasserqualität und einen störungsfreien<br />
Betrieb. Die Wasserversorgungsunternehmen können den<br />
ihnen, insbesondere in der Trinkwasserverordnung und<br />
der DIN 2000 „Zentrale Trinkwasserversorgung: Leitsätze<br />
für Anforderungen an Trinkwasser; Planung, Bau, Betrieb<br />
und Instandhaltung der Versorgungsanlagen”, gestellten<br />
Aufgaben sowie den in DVGW-Arbeitsblatt W 1000<br />
„Anforderungen an Trinkwasserversorgungsunternehmen”<br />
vorgegebenen Strukturen nur gerecht werden, wenn bei<br />
Instandsetzungsarbeiten Mitarbeiter oder Unternehmen<br />
eingesetzt werden, die über die erforderlichen Qualifikationen<br />
verfügen.<br />
Im DVGW-Arbeitsblatt W 316 werden die dem Stand<br />
der Technik angepassten Qualifikationsanforderungen<br />
und Qualifikationskriterien an Fachunternehmen festgelegt,<br />
die im Bereich Planung, Bau und Instandsetzung<br />
von Trinkwasserbehältern tätig sind. Dieses Arbeitsblatt<br />
ersetzt die DVGW-Arbeitsblätter W 316-1:2004-03 und<br />
W 316-2:2004-03. Es wurden folgende Änderungen<br />
vorgenommen:<br />
»»<br />
Erweiterung des Anwendungsbereiches: Planung, Bau,<br />
Instandsetzung<br />
»»<br />
Erweiterung der Zielgruppen: Fachfirmen, Fachplaner<br />
»»<br />
as Arbeitsblatt besteht nur noch aus einem Teil: Die<br />
formalen, sachlichen und personellen Anforderungen<br />
sind in einem Arbeitsblatt zusammengefasst<br />
»»<br />
Prüfungsordnung<br />
»»<br />
Anforderungen an Experten zur Prüfung und Schulung<br />
»»<br />
Spezialisierung bzw. Differenzierung in Tätigkeitsfelder<br />
der Fachfirmen<br />
»»<br />
spezialisierte Anforderungen an Fachkraft und Fachaufsicht<br />
entsprechend dem Tätigkeitsfeld<br />
»»<br />
Berücksichtigung von Qualitätsmanagementsystemen<br />
»»<br />
Mindestanzahl von Fachkräften und Fachaufsichtspersonen<br />
in Abhängigkeit der Unternehmensgröße<br />
Ausgabe 2/2014, EUR 38,59 für DVGW-Mitglieder, EUR 51,46 für Nicht-Mitglieder<br />
GW 15 „Nachumhüllungen von Rohrleitungen, Armaturen und Formstücken -<br />
Qualifikationsanforderungen an den Umhüller“<br />
NEUERSCHEINUNG<br />
Das technische Komitee G-TK-1-10 „Außenkorrosion“<br />
hat die Überarbeitung des DVGW-Arbeitsblattes GW 15<br />
„Nachumhüllungen von Rohrleitungen, Armaturen und<br />
Formstücken - Qualifikationsanforderungen an Umhüller“<br />
abgeschlossen. Um den neu entstandenen Normen auf<br />
internationaler und nationaler Ebene gerecht zu werden,<br />
wurde die Anpassung des DVGW-Arbeitsblattes notwendig.<br />
Es beinhaltet die Anforderungen an die Qualifikation<br />
von Umhüllern. Die Werksumhüllung von Rohren erfordert<br />
eine sachgerechte Nachumhüllung von unbeschichteten<br />
Rohrverbindungen, Bauteilen und Fehlstellen auf der Baustelle.<br />
Für Nachumhüllungen stehen verschiedene Umhüllungsmaterialien<br />
zur Verfügung. Die Nachumhüllung auf<br />
der Baustelle erfordert vom Umhüller sowohl Sachkunde<br />
über die Umhüllungsmaterialien als auch die Fähigkeit zur<br />
fachgerechten Anwendung dieser Materialien.<br />
Die Anwendung dieses Arbeitsblattes stellt sicher, dass die<br />
Schulung und Prüfung der Umhüller nach einheitlichen<br />
Verfahren und Inhalten durchgeführt wird und Umhüller<br />
nach bestandener Prüfung die für eine qualitätsgerechte<br />
Ausführung und Kontrolle der Arbeiten erforderliche Fachkenntnis<br />
und Handfertigkeit besitzen.<br />
Der Anwender hat zudem die Möglichkeit, sich zu spezialisieren.<br />
Zusätzlich zu den allgemein erforderlichen Grundlagen<br />
kann optional aufbauend eine weitergehende Spezialisierung<br />
für bestimmte Nachumhüllungsmaterialien erfolgen.<br />
Gegenüber DVGW-Arbeitsblatt GW 15:2007-01 wurden<br />
folgende Änderungen vorgenommen:<br />
»»<br />
Der Inhalt wurde aktualisiert.<br />
»»<br />
Anforderungen an die Ausbildungsstätten werden erstmalig<br />
festgelegt.<br />
»»<br />
Die Prüfungsordnung zur Ausbildung wurde aktualisiert.<br />
»»<br />
Anforderungen an Ausbilder werden benannt.<br />
»»<br />
Möglichkeiten des Nachweises der Qualifikation: Beispielsweise<br />
wurden bisher von den Ausbildungsstätten<br />
sogenannte Umhüllerausweise ausgestellt. Dabei wurde<br />
die vollständige Einhaltung der Anforderungen der Bildungsstätte<br />
geprüft. Dies ist im neuen Arbeitsblatt nicht<br />
zwingend gegeben, kann aber weiterhin so praktiziert<br />
werden. Die Form des Nachweises wird freigestellt.<br />
Ausgabe 3/2014, EUR 22,27 für DVGW-Mitglieder, EUR 29,69 für Nicht-Mitglieder<br />
04-05 | 2014 65
DVGW RECHT & REGELWERK<br />
G 5600-1 Korrekturblatt zur Technischen Prüfgrundlage G 5600-1<br />
„Werkstoffübergangsverbinder aus Metall für Gasrohrleitungen aus<br />
Polyethylen; Anforderungen und Prüfungen“<br />
KORREKTUR<br />
Erst während der Praxis zeigt sich die gänzliche Anwendbarkeit<br />
eines Regelwerkes. So wurde ersichtlich, dass bei<br />
der Durchführung der Prüfungen laut Tabelle 1 der DVGW-<br />
Prüfgrundlage G 5600-1 die gewählte Reihenfolge nicht<br />
praxistauglich war und die Tabelle dahingehend überarbeitet<br />
werden musste. Bei der Prüfung der Ausreißsicherheit (4.8)<br />
wurde diese, wegen der in der Praxis nicht auftretenden<br />
hohen Kräfte, auf Werkstoffübergangsverbinder mit PE-<br />
Rohraußendurchmesser d ≤ 63 mm beschränkt. Mehrere<br />
Formulierungen wurden ebenfalls überarbeitet.<br />
Ausgabe 2/2014, kostenlos<br />
G 265-1 „Anlagen für die Aufbereitung und Einspeisung von Biogas in<br />
Gasversorgungsnetze; Teil 1: Planung, Fertigung, Errichtung, Prüfung und<br />
Inbetriebnahme“<br />
NEUERSCHEINUNG<br />
Nachdem sich die DVGW-Prüfgrundlage VP 265-1 über fünf<br />
Jahre bei der Planung, Fertigung, Errichtung, Prüfung und<br />
Inbetriebnahme von Biogas- Aufbereitungs- und Biogas-Einspeiseanlagen<br />
in der Praxis bewährt hat, wurde diese Prüfgrundlage<br />
grundlegend überarbeitet, erweitert und in das<br />
jetzt vorliegende Arbeitsblatt G 265-1 überführt.<br />
Ziel der Überarbeitung war es, die praktischen Erfahrungen bei<br />
der Anwendung der Prüfgrundlage in das vorliegende Arbeitsblatt<br />
einfließen zu lassen. Außerdem wurden Anpassungen<br />
an geänderte Gesetze (EnWG und BImSchG), Verordnungen<br />
(z. B. GasNZV, GasHDrLtgV, 4. BImSchV), berufsgenossenschaftliche<br />
Vorschriften und Regeln sowie Regeln der Technik<br />
vorgenommen.<br />
Der Anwendungsbereich des Arbeitsblattes wurde um<br />
Rückspeiseanlagen erweitert, mit denen Gas in vorgelagerte<br />
Netze zurückgespeist wird. Solche Anlagen werden<br />
z. B. benötigt, wenn das aufnehmende Netz bei geringer<br />
Abnahme das eingespeiste Biogas nicht vollständig aufnehmen<br />
kann. Ebenso wurden Biogase aus nicht fermentativen<br />
Quellen, wie z. B. aus Wasserstoff synthetisch erzeugtes<br />
Methan, die hinsichtlich ihrer stofflichen Bestandteile<br />
und gastechnischen Kenndaten den Anforderungen<br />
der Arbeitsblätter G 260 und G 262 entsprechen, in den<br />
Anwendungsbereich mit aufgenommen. Damit wird der<br />
Entwicklung der Power-to-Gas-Anlagen Rechnung getragen,<br />
die bereits 2011 auch Eingang in die Definitionen<br />
der Begriffe „Gas“ und „Biogas“ des Energiewirtschaftsgesetzes<br />
gefunden haben. Anlagen zur Einspeisung von<br />
Wasserstoff sind allerdings nicht Gegenstand des vorliegenden<br />
Dokumentes. Für diese Anlagen wird aufgrund der<br />
abweichenden stofflichen Eigenschaften von Wasserstoff<br />
ein eigenes DVGW-Merkblatt erstellt.<br />
Im Arbeitsblatt G 265-1 sind die Mindestanforderungen an die<br />
technische Sicherheit der zur Nutzbarmachung des Biogases<br />
von der Aufbereitungsanlage über die Verdichtung, Druckregelung,<br />
Konditionierung und Messung bis zur Einspeisung<br />
in das Gasversorgungsnetz als Zusatz- bzw. Austauschgas<br />
erforderlichen Anlage und deren Komponenten zusammenfassend<br />
dargestellt. Dabei wurde ein Schwerpunkt auf die<br />
notwendigen Abstimmungen zwischen den in der Regel<br />
unterschiedlichen Betreibern der Anlagen gelegt. Der Begriff<br />
der Konditionierungsanlage als eigenständige Einheit wurde<br />
gestrichen. Konditionierungsanlagen sind nach Festlegung der<br />
GasNZV Bestandteil der Biogas-Einspeiseanlage. Die funktionalen<br />
Anforderungen an Verdichteranlagen wurden umfassend<br />
formuliert. Eine Arbeitshilfe zur Spezifikation von Verdichteranlagen<br />
wurde als neuer informativer Anhang aufgenommen. Die<br />
Anforderungen an Verdichter können sinngemäß auch für die<br />
der Biogasaufbereitungsanlage vorgeschalteten Gebläse angewendet<br />
werden. Die Beispiele zur Ex-Zonen-Einteilung wurden<br />
überarbeitet und ergänzt. Es ist vorgesehen, diese Beispiele<br />
in die EX-RL-Beispielsammlung der BG RCI aufzunehmen. Ein<br />
umfassendes Prüfschema für die Prüfung der Anlagen wurde<br />
als normativer Anhang aufgenommen. Zusätzlich wurden die<br />
Bewertungsstufen für die Prüfungen festgelegt.<br />
Mit dem neuen Arbeitsblatt G 265-1 steht den Herstellern,<br />
Prüfern und Betreibern von Biogas-Aufbereitungs- und Einspeiseanlagen<br />
nun eine erstmals anerkannte Regel der Technik zur<br />
Verfügung, die den derzeitigen Stand der Technik in Hinblick<br />
auf die technische Sicherheit dieser Anlagen beschreibt. Hinsichtlich<br />
der Anforderungen an die Einspeisung von Biogas in<br />
Netze zur Versorgung der Allgemeinheit mit Gas, sind darüber<br />
hinaus u. a. die DVGW-Arbeitsblätter G 260, G 262 und<br />
G 2000 zu beachten.<br />
Ausgabe 3/2014, EUR 45,59 für DVGW-Mitglieder, EUR 60,78 für Nicht-Mitglieder<br />
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Halle B5, Stand 515<br />
66 04-05 | 2014
RSV-Regelwerke<br />
RSV Merkblatt 1<br />
Renovierung von Entwässerungskanälen und -leitungen<br />
mit vor Ort härtendem Schlauchlining<br />
2011, 48 Seiten, DIN A4, broschiert, € 35,-<br />
RSV Merkblatt 2<br />
Renovierung von Abwasserleitungen und -kanälen mit<br />
Rohren aus thermoplastischen Kunststoffen durch<br />
Liningverfahren ohne Ringraum<br />
2009, 38 Seiten, DIN A4, broschiert, € 29,-<br />
RSV Merkblatt 2.2<br />
Renovierung von Abwasserleitungen und -kanälen mit<br />
vorgefertigten Rohren durch TIP-Verfahren<br />
2011, 32 Seiten DIN A4, broschiert, € 29,-<br />
RSV Merkblatt 3<br />
Renovierung von Abwasserleitungen und -kanälen durch<br />
Liningverfahren mit Ringraum<br />
2008, 40 Seiten, DIN A4, broschiert, € 29,-<br />
RSV Merkblatt 4<br />
Reparatur von drucklosen Abwässerkanälen und<br />
Rohrleitungen durch vor Ort härtende Kurzliner (partielle Inliner)<br />
2009, 20 Seiten, DIN A4, broschiert, € 29,-<br />
RSV Merkblatt 5<br />
Reparatur von Entwässerungsleitungen und Kanälen<br />
durch Roboterverfahren<br />
2007, 22 Seiten, DIN A4, broschiert, € 27,-<br />
RSV Merkblatt 6<br />
Sanierung von begehbaren Entwässerungsleitungen und<br />
-kanälen sowie Schachtbauwerken - Montageverfahren<br />
2007, 23 Seiten, DIN A4, broschiert, € 29,-<br />
RECHT www.vulkan-verlag.de<br />
& REGELWERK DVGW<br />
RSV Merkblatt 6.2<br />
Sanierung von Bauwerken und Schächten<br />
in Entwässerungssystemen<br />
2012, 41 Seiten, DIN A4, broschiert, € 35,-<br />
RSV Merkblatt 7.1<br />
Renovierung von drucklosen Leitungen /<br />
Anschlussleitungen mit vor Ort härtendem Schlauchlining<br />
2009, 30 Seiten, DIN A4, broschiert, € 29,-<br />
RSV Merkblatt 7.2<br />
Hutprofiltechnik zur Einbindung von Anschlussleitungen –<br />
Reparatur / Renovierung<br />
2009, 31 Seiten, DIN A4, broschiert, € 30,-<br />
RSV Merkblatt 8<br />
Erneuerung von Entwässerungskanälen und -anschlussleitungen<br />
mit dem Berstliningverfahren<br />
2006, 27 Seiten, DIN A4, broschiert, € 29,-<br />
RSV Merkblatt 10,<br />
Kunststoffrohre für grabenlose Bauweisen<br />
2008, 55 Seiten, DIN A4, broschiert, € 37,-<br />
RSV Information 11<br />
Vorteile grabenloser Bauverfahren für die Erhaltung und<br />
Erneuerung von Wasser-, Gas- und Abwasserleitungen<br />
2012, 42 Seiten DIN A4, broschiert, € 9,-<br />
Auch als<br />
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ZUKUNFT<br />
Faxbestellschein an: +49 201 / 82002-34 Deutscher Industrieverlag oder GmbH abtrennen | Arnulfstr. und 124 im | Fensterumschlag 80636 München einsenden<br />
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___ Ex. RSV-M 1 € 35,-<br />
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___ Ex. RSV-M 8 € 29,-<br />
___ Ex. RSV-M 10 € 37,-<br />
___ Ex. RSV-I 11 € 9,-<br />
zzgl. Versandkosten<br />
Firma/Institution<br />
Vorname, Name des Empfängers<br />
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Land, PLZ, Ort<br />
Antwort<br />
Vulkan-Verlag GmbH<br />
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Postfach 10 39 62<br />
45039 Essen<br />
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E-Mail<br />
Branche / Wirtschaftszweig<br />
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Widerrufsrecht: Sie können Ihre Vertragserklärung innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen in Textform (z.B.<br />
Brief, Fax, E-Mail) oder durch Rücksendung der Sache widerrufen. Die Frist beginnt nach Erhalt dieser Belehrung in Textform.<br />
Zur Wahrung der Widerrufsfrist genügt die rechtzeitige Absendung des Widerrufs oder der Sache an die Vulkan-Verlag GmbH,<br />
Versandbuchhandlung, Huyssenallee 52-56, 45128 Essen.<br />
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Nutzung personenbezogener Daten: Für die Auftragsabwicklung und zur Pflege der laufenden Kommunikation werden personenbezogene Daten erfasst und gespeichert. Mit dieser Anforderung erkläre ich mich damit einverstanden, dass ich<br />
von DIV Deutscher 04-05 Industrieverlag | 2014 oder vom Vulkan-Verlag per Post, per Telefon, per Telefax, per E-Mail, nicht über interessante, fachspezifische Medien und Informationsangebote informiert und beworben werde.<br />
67<br />
Diese Erklärung kann ich mit Wirkung für die Zukunft jederzeit widerrufen.<br />
✘<br />
XFRSVM2014
FACHBERICHT ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL<br />
Hybridnetze in urbanen Modellquartieren<br />
der D-A-CH-Region<br />
Eine der größten Herausforderungen in Europa ist der Umbau des Energiesystems in Richtung 100 % erneuerbare<br />
Energie. Aufgrund der stochastischen Natur der neuen Einspeiser wird dabei der Energiespeicherung eine immer<br />
wichtigere Rolle zukommen, je höher der Anteil der Erneuerbaren wird. Im Gegensatz zu Strom ist die Speicherung<br />
gasförmiger Energieträger und von Wärme einfach und kostengünstig möglich. Durch eine intelligente Verknüpfung der<br />
Strom-, Erdgas- und Fernwärmenetze (Hybridnetze) können einzelne Elemente der Erdgas- und Fernwärmesysteme zu<br />
funktionalen „Stromspeichern“ werden, in denen sehr große zusätzliche Energiemengen gespeichert werden können, um<br />
nicht nur kurzfristige Stromüberschüsse, sondern auch Windflauten von mehreren Wochen oder saisonale Schwankungen<br />
ausgleichen zu können. Weitere Synergieeffekte lassen sich z. B. durch die Verschränkung mit kommunalen Infrastrukturen,<br />
z. B. Trink- und Abwassernetze und -systeme, erschließen [1].<br />
Hybride Speicher- und Umwandlungstechnologien<br />
Im Kontext von hybriden Systemen konnten in mehreren<br />
Vorprojekten [2], [3] eine Vielzahl vielversprechender<br />
Umwandlungs- und Speichertechnologien identifiziert<br />
werden, die unterschiedliche technische und wirtschaftliche<br />
Potentiale aufweisen und stark von den jeweiligen<br />
örtlichen Gegebenheiten abhängig sind. Die wichtigsten<br />
davon werden folgend angeführt und sind u. a. in [4] und<br />
[5] näher beschrieben.<br />
Gas to Power (G2P)<br />
Bei G2P-Technologien handelt es sich um klassische, gasbetriebene<br />
KWK-Anlagen oder reine Spitzenlastkraftwerke.<br />
Im Kontext von Hybridnetzen ist vor allem die zeitliche<br />
Entkopplung der Strom- von der Wärmeproduktion entscheidend.<br />
Bei Entnahme-Kondensationsturbinen ist dies<br />
im beschränkten Ausmaß durch die Umschaltung von Kondensations-<br />
auf KWK-Betrieb (und vice versa) zwar ohnehin<br />
möglich. Ansonsten sind zur zeitlichen Entkopplung Speichereinrichtungen<br />
nötig, die als große Fernwärmespeicher<br />
oder auch als dezentrale Anlagen ausgeführt sein können.<br />
Die Nutzung der Speicherfähigkeit der Fernwärmenetzinfrastruktur<br />
durch intelligente („smarte“) Steuermechanismen<br />
ist eine weitere Möglichkeit.<br />
Power to Gas (P2G)<br />
Unter P2G versteht man die Umwandlung von elektrischem<br />
Strom in gasförmige Energieträger. So kann mittels großtechnischer<br />
Elektrolyseverfahren aus anderweitig nicht nutzbarem<br />
Strom Wasserstoff erzeugt werden. Bevorzugt sollte<br />
Wasserstoff zwar direkt in der industriellen und chemischen<br />
Prozesstechnik genutzt werden bzw. als gut speicherbarer<br />
Kraftstoff für zukünftige Elektrofahrzeuge mit Brennstoffzellen<br />
eingesetzt werden. Wasserstoff kann aber auch entweder,<br />
wenn auch nur in begrenzten Mengen, direkt in die<br />
Erdgasnetze eingespeist oder unter Zugabe von CO 2<br />
über<br />
den Sabatier-Prozess in Methan umgewandelt werden. Die<br />
gasförmigen Energieträger können dann über die bestehende<br />
Erdgasinfrastruktur transportiert und in den vorhandenen<br />
Untertagespeichern auch saisonal gespeichert werden.<br />
Power to Heat (P2H)<br />
Überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energiequellen<br />
kann alternativ auch direkt am Wärmemarkt verwertet werden.<br />
Dies kann zentral im Fernwärmenetz, beispielsweise<br />
mittels Elektrodenheizkesseln, über dezentrale Lösungen<br />
oder in Kombination mit saisonalen Wärmespeichern erfolgen.<br />
In Kombination mit intelligent gesteuerten Wärmepumpen<br />
kann der Gesamtwirkungsgrad deutlich gesteigert<br />
werden.<br />
Hybride Verbraucher/Erzeuger<br />
Unter hybriden Verbrauchern/Erzeugern werden solche<br />
verstanden, die alternativ durch unterschiedliche Energieträger<br />
oder -netze versorgt werden. Bekannt sind<br />
hybride Wärmeerzeuger im Zusammenhang mit solarthermischen<br />
Anlagen: Bei mangelnder Sonneneinstrahlung<br />
können diese auf eine Wärmeerzeugung mit Gas oder<br />
Öl umstellen. Aber auch viele industrielle Prozesse, die<br />
üblicherweise mit Erdgas betrieben werden, können zeitweise<br />
(z. B. durch Vorwärmestufen) auch mit elektrischem<br />
Strom betrieben werden.<br />
Neben typischen Wärme- oder Schmelzprozessen in der<br />
Industrie können selbst klassische Gaskesselanlagen in<br />
Haushalten oder Gewerbebetrieben mit einem zusätzlichen<br />
Heizwiderstand ausgestattet oder die Verdichterstationen<br />
bzw. Gasreduzierstationen in den Erdgasnetzen<br />
alternativ mit Gas oder Strom betrieben werden. Die<br />
Möglichkeiten des Lastmanagements werden dadurch<br />
deutlich erweitert.<br />
Synergieeffekte mit kommunalen Infrastrukturen<br />
Insbesondere im Zusammenspiel mit kommunalen Verbrauchern<br />
und Infrastrukturen können zusätzliche Flexibilitäten<br />
für hybride Speicherlösungen generiert werden. So können<br />
etwa die in Trink- und Abwassersystemen vorhandenen<br />
Pumpenanlagen entsprechend dem Stromangebot gesteuert<br />
werden. Eine intelligente Steuerung vorausgesetzt,<br />
68 04-05 | 2014
ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL FACHBERICHT<br />
können damit ganze Trinkwassernetze ähnlich wie Pumpspeicherkraftwerke<br />
betrieben werden. Des Weiteren kann<br />
beispielsweise mittels Wärmepumpen die Abwärme aus<br />
dem Kanalnetz in Fern- oder Nahwärmesystemen genutzt<br />
oder Erdgasentspannungs-, KWK-Anlagen und/oder Fernkältenetze<br />
miteinander kombiniert werden.<br />
Quelle: New Energy<br />
Integration solar-/geothermischer Einspeiser<br />
In einem Gesamtportfolio von Umwandlungs- und (hybriden)<br />
Speichertechnologien spielen neben klassischen Pumpspeicherkraftwerken<br />
und funktionalen Stromspeichern auch<br />
die Integration von solarthermischen oder geothermischen<br />
Einspeisern in die Wärmenetze sowie saisonale Wärmespeicherlösungen<br />
eine ebenfalls wichtige Rolle.<br />
Verschränkung unterschiedlicher<br />
Technologien (Beispiele)<br />
Zur Nutzung der unterschiedlichen Umwandlungs- und<br />
Speicheroptionen müssen die unterschiedlichen Netze<br />
und Systeme sowohl technisch wie in Hinblick auf die<br />
Ermöglichung von Geschäftsmodellen miteinander verknüpft<br />
werden. Das ist ohne den Einsatz neuer, innovativer<br />
IKT-Lösungen nur schwer möglich. Diese Lösungen<br />
müssen eine Vielzahl von Steuer- und Optimierungsaufgaben<br />
übernehmen, um sowohl den laufenden Betrieb, das<br />
betriebswirtschaftliche Optimum wie die Systemstabilität<br />
sicherzustellen.<br />
Die interessantesten Möglichkeiten zur Steigerung der Systemeffizienz<br />
finden sich an den Verschneidungspunkten der<br />
unterschiedlichen Netze und Systeme sowie am Netzrand<br />
[2]. Kaskadische Nutzungen bieten sich vor allem dort an,<br />
wo der jeweilige Energieträger einer Energieumwandlung<br />
unterzogen wird oder sein Spannungs-, Druck- oder Temperaturniveau<br />
verändert. Des Weiteren müssen dezentrale<br />
Energieerzeugungstechnologien in die übergeordneten<br />
Netze integriert werden.<br />
Folgend werden beispielhaft einige Anwendungsfälle<br />
hinsichtlich dieser Integration unterschiedlicher Energiesysteme<br />
und Infrastrukturen im urbanen Kontext und die<br />
diesbezüglichen Einsatzmöglichkeiten für IKT-Lösungen<br />
diskutiert.<br />
Beispiel 1: Verwertung von Überschussstrom durch<br />
Methansierung<br />
Eine der zentralen Herausforderungen der Energiewende<br />
ist die möglichst effiziente Nutzung bzw. Speicherung jenes<br />
Stromes, der zum Zeitpunkt dessen Anfalls nicht verbraucht<br />
werden kann. Eine der langfristig aussichtsreichsten Optionen<br />
für eine Langfristspeicherung ist die Methanisierung,<br />
d. h. die Umwandlung von Überschussstrom in Methan<br />
(Erdgas).<br />
Die einzelnen Stufen dieser Umwandlung sind in Bild 1 dargestellt.<br />
Während die Technologien hinsichtlich der ersten<br />
Stufe, der Herstellung von Wasserstoff durch Elektrolyse,<br />
bereits seit Jahrzehnten technisch ausgereift sind, erfordert<br />
die zweite Stufe, die Umwandlung von Wasserstoff<br />
und CO 2<br />
in Methan und Wasser durch eine katalytische<br />
Bild 1: Prinzipschema der Methanisierung von Überschussstrom<br />
Reaktion, noch einige Jahre an Entwicklungsarbeit bis hin<br />
zur Marktreife 1 .<br />
Bei der Methanisierung von Überschussstrom handelt es<br />
sich aber nur auf den ersten Blick vorwiegend um verfahrenstechnische<br />
Fragestellungen. Insbesondere im „Smart<br />
Cities“-Kontext ist die Integration und Anbindung an unterschiedliche,<br />
bereits vorhandene Systeme und Infrastrukturen<br />
von Interesse.<br />
Während sich für die Verwertung von Überschussstrom aus<br />
Offshore-Windparks eher Großanlagen in der Nähe der großen<br />
Salzkavernenspeicher im Norden Deutschland eignen,<br />
könnte die Integration von Überschussstrom aus PV-Anlagen<br />
auch durch kleinere, dezentrale Methanisierungsanlagen<br />
erfolgen, die jedoch aus Effizienzüberlegungen in bestehende<br />
(kommunale) Infrastrukturen zu integrieren wären.<br />
Diesbezüglich sind folgend Möglichkeiten zur Ein- bzw.<br />
Anbindung von Methanisierungsanlagen an diese, beispielhaft<br />
für kommunale Kläranlagen, angeführt:<br />
»»<br />
Einblasen des bei der Elektrolyse anfallenden Sauerstoffs<br />
in die Klärbecken (anstelle von Luft); alleine dadurch<br />
kann der Stromverbrauch der Gebläse auf ein Fünftel<br />
reduziert werden 2 . Alternativ kann der Sauerstoff auch<br />
stofflich genutzt werden, z. B. als technisches Gas.<br />
»»<br />
Einbindung der großen Stromverbraucher der Kläranlage<br />
(Gebläse, Pumpen) in ein Lastmanagementsystem.<br />
Die Strombezugskosten können dadurch, vor allem<br />
bei Einbeziehung der bei größeren Anlagen ohnehin<br />
vorhandenen, mit Klärgas betriebenen KWK-Anlagen<br />
(Eigenstromerzeugung), erheblich reduziert werden.<br />
Entscheidendes Auslegungskriterium ist die Speicherkapazität<br />
des zumeist bereits vorhandenen Gasspeichers<br />
für das Klärgas.<br />
1 Der Sabatier Prozess ist seit mehr als 100 Jahren bekannt, wurde aber bisher<br />
mangels Anwendungszweck noch nicht im großtechnischen Maßstab<br />
eingesetzt.<br />
2 Dies liegt an der Reduktion des Volumenstroms auf ein Fünftel, da Sauerstoff<br />
anstatt Luft in die Klärbecken eingeblasen wird.<br />
04-05 | 2014 69
FACHBERICHT ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL<br />
Quelle: Energy Research Austria<br />
Eine solche Verschränkung ist nicht nur<br />
bei Kläranlagen, sondern insbesondere<br />
auch bei industriellen Großverbrauchern<br />
möglich. Produkte bzw. Zwischenprodukte<br />
der Methanisierung können an verschiedenen<br />
Schnittpunkten der Verbundnetze<br />
eingespeist bzw. mit diesen verschränkt<br />
werden. Ein mögliches system of systems<br />
bzw. Teilsystem eines Hybridnetzes ist in<br />
Bild 2 dargestellt.<br />
Voraussetzung dafür sind real-time-fähige<br />
IKT-Lösungen als verbindende Elemente<br />
zwischen den einzelnen Infrastrukturen.<br />
Diese Lösungen müssen eine Vielzahl von<br />
Steuer- und Optimierungsaufgaben übernehmen,<br />
um sowohl den laufenden Betrieb,<br />
das betriebswirtschaftliches Optimum als<br />
auch die Systemstabilität sicherzustellen.<br />
Bild 2: Integration von Strom-, Erdgas- und Wärmenetzen<br />
»»<br />
Die Elektrolysestufe ist teillastfähig und eignet sich daher<br />
besonders gut für die Bereitstellung von Ausgleichsbzw.<br />
Regelenergie [2].<br />
»»<br />
Insbesondere bei Aufbereitung des Klärgases auf<br />
Erdgasqualität, z. B. bei Netzeinspeisung oder lokalen<br />
Biomethantransportlösungen wie in Schweden,<br />
kann das bei der Methanaufbereitung anfallende CO 2<br />
direkt in der Methanisierungsstufe verwendet und<br />
dadurch Zusatzkosten (z. B. bei Abtrennung von CO 2<br />
aus der Luft durch das Membranverfahren) vermieden<br />
werden.<br />
»»<br />
Der Sabatier-Prozess ist exotherm; d. h. es wird Wärme<br />
frei. Die Abwärme kann zur Beheizung der Klärbecken<br />
verwendet und der Gesamtwirkungsgrad weiter<br />
gesteigert werden.<br />
Durch diese Integration unterschiedlicher Energieträger,<br />
Stoffströme und Zwischenprodukte (H 2<br />
, O 2<br />
, Rohgas) mit<br />
Hilfe IKT-gestützter Steuer- und Regelmechanismen können,<br />
neben der Ermöglichung der Nutzung von Überschussstrom,<br />
insbesondere folgende Ziele erreicht werden:<br />
»»<br />
Maximierung Gesamtwirkungsgrad der Anlagen (technisches<br />
Optimum)<br />
»»<br />
Verwertung aller Nebenprodukte (z. B. O 2<br />
, CO 2<br />
) sowohl<br />
bei Methanisierungs- wie auch Kläranlage (in allen<br />
Prozessschritten)<br />
»»<br />
Sicherstellung der Betriebssicherheit (z. B. hinsichtlich<br />
Reinigungsleistung der Klärbecken, trotz getaktetem<br />
Betrieb der Gebläse)<br />
»»<br />
Herstellung eines wirtschaftlichen Optimums, insbesondere<br />
durch Minimierung von Strombezugskosten<br />
und Optimierung der Polygeneration (Maximierung<br />
Wertschöpfung)<br />
Beispiel 2: Verwertung von<br />
Überschussstrom in Fern- oder<br />
Nahwärmenetzen<br />
Die Integration der Energieträger Strom,<br />
Wärme, Erdgas kann auch auf andere Art<br />
und Weise, nicht nur durch Methanisierung, erfolgen. Im<br />
urbanen Kontext ist das vor allem die Verwertung von<br />
Überschussstrom in Wärmenetzen, etwa in klassischen<br />
P2H-Anlagen.<br />
Eine weitere Anlagenkonfiguration ist in Bild 3 sehen. Die<br />
einzelnen Komponenten sind technologisch ausgereift, Herausforderung<br />
ist jedoch die technische sowie wirtschaftliche<br />
Gesamtoptimierung sowie IKT-mäßige Steuerung.<br />
Die wesentlichen Elemente einer Verwertung von Überschussstrom<br />
durch ein solches „smartes“ Wärmenetz sind:<br />
»»<br />
Durch solarthermische Großanlagen wird Wärmeenergie<br />
gewonnen und in ein lokales Nahwärmenetz eingespeist.<br />
Um den solaren Deckungsgrad zu erhöhen, wird ein<br />
saisonaler Wärmespeicher in das Wärmenetz integriert.<br />
»»<br />
Falls Überschussstrom aus Windkraft oder Photovoltaik<br />
zur Verfügung steht, wird dieser in Wärme umgewandelt<br />
und entweder in das Wärmenetz oder den<br />
Wärmespeicher abgegeben. Diese Umwandlung kann<br />
bei minimalen Investitionskosten – etwa durch einen<br />
einfachen Heizwiderstand geschehen [2], [6]. Alternativ<br />
kann eine Wärmepumpe betrieben werden, um den<br />
Gesamtwirkungsgrad zu erhöhen.<br />
»»<br />
Zusätzlich kommt eine gasbetriebene KWK-Anlage zum<br />
Einsatz. Diese dient zur (teilweisen) Abdeckung des lokalen<br />
Strombedarfs, liefert aber auch Systemdienstleistung<br />
in das Netz (Ausgleichs-/Regelenergie). Da die Abwärme<br />
durch den saisonalen Wärmespeicher komplett genutzt<br />
werden kann, ist ein stromgeführter Betrieb der KWK-<br />
Anlage möglich und ein hoher Gesamtwirkungsgrad<br />
erzielbar.<br />
»»<br />
Die Spitzenlastabdeckung bzw. das Backup kann durch<br />
einen Spitzenlastkessel oder durch die Anbindung an<br />
ein übergeordnetes Fernwärmenetz erfolgen.<br />
70 04-05 | 2014
ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL FACHBERICHT<br />
Beispiel 3: Verschränkung der<br />
Abwasserinfrastruktur mit<br />
Wärme-/Kältenetzen<br />
Auch Abwasserinfrastrukturen<br />
können in ein solches „smartes“<br />
Wärmenetz mit einbezogen werden.<br />
Die Möglichkeiten der Integration<br />
sind vielfältig. Diese reichen<br />
von der direkten Einbindung in das<br />
Fernwärmenetz mittels Großanlagen<br />
(vor allem in Skandinavien<br />
angewandt) bis hin zur Errichtung<br />
eigener Nahwärmenetze.<br />
Im Kontext von Hybridnetzen wäre<br />
die reine Energiegewinnung durch<br />
Nutzung der Wärme aus dem<br />
Kanalnetz jedoch zu kurz gegriffen.<br />
Ähnlich wie bei dem vorherigen<br />
Beispiel geht es um Integration<br />
von Netzen und Systemen unterschiedlicher<br />
Energieträger. Mögliche<br />
Systemkomponenten eines solchen<br />
Systems sind:<br />
»»<br />
Nutzung der Abwärme aus<br />
dem Kanalnetz zur Wärmegewinnung; dazu kann eine<br />
Strom- oder Gaswärmepumpe verwendet werden. Die<br />
höchste Wirtschaftlichkeit wird erzielt, wenn zugleich<br />
Kälte erzeugt wird.<br />
»»<br />
Kombination mit einer (gasbetriebenen) KWK-Anlage,<br />
die stromgeführt betrieben wird, so dass die Abwärme<br />
zu 100 % genutzt werden kann.<br />
»»<br />
Ähnlich wie im vorigen Beispiel erfolgt die Steuerung<br />
der Wärmepumpe bzw. KWK-Anlage entsprechend dem<br />
wirtschaftlichen Optimum.<br />
»»<br />
Das Wärmenetz wird durch (dezentrale) solarthermische<br />
Anlagen ergänzt, die in das Gesamtsystem (Netz)<br />
integriert werden.<br />
»»<br />
Einsatz eines größeren Wärmespeichers, ergänzt durch<br />
mehrere kleinere, dezentrale Wärmespeicher, die jedoch<br />
primär der Spitzenlastabdeckung dienen. Durch die<br />
Kombination von einem Großspeicher und dezentralen,<br />
kleineren Pufferspeichern sowie entsprechende Auslegung<br />
des Wärmenetzes können sowohl Investitions- wie<br />
Betriebskosten deutlich reduziert werden 3 .<br />
Auch in einer solchen Anlagenkonfiguration müssen IKT-<br />
Lösungen die Steuerung und Regelung übernehmen und<br />
die technische und wirtschaftliche Optimierung sicherstellen.<br />
Entscheidende Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit<br />
dieser Systemkonfiguration sind Anpassungen im<br />
Stromnetztarifschema, da nur so die volkswirtschaftlich<br />
sinnvolle Verwertung von „Überschussstrom“ auch aus<br />
betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten möglich ist.<br />
3 Erfahrung mit der Systemintegration von dezentralen Wärmespeichern<br />
gibt es vor allem in Japan; dadurch können sowohl Pumpleistung wie auch<br />
Wärmeverluste deutlich verringert werden. Siehe dazu auch Neighboring<br />
Cogeneration Systems in [7].<br />
Bild 3: Nutzung von Überschussstrom in einem “smarten” Wärmenetz<br />
Weitere Voraussetzung ist, dass die Marktakteure einen<br />
dynamischen bzw. zeitabhängigen Energietarif anbieten.<br />
Ebenso sollte das Pooling mehrerer Anlagen zum Anbieten<br />
von Ausgleichs- bzw. Regelenergie möglich sein.<br />
Beispiel 4: Einbindung von Wasserinfrastrukturen<br />
in ein „smartes“ Stromnetz<br />
Trink- und Abwassersysteme gehören oftmals zu den<br />
größten kommunalen Stromverbrauchern. Diesbezüglich<br />
bieten sich die Steuerung der Pumpen und deren<br />
Einbindung in ein Smart grids-Gesamtsystem an. Dies<br />
kann bereits unter den derzeitigen Rahmenbedingungen<br />
wirtschaftlich sein.<br />
Lastverschiebung bei elektrischen Großverbrauchern,<br />
wie insbesondere bei kommunalen Einrichtungen, kann<br />
sowohl Strombezugskosten senken als auch den CO 2<br />
-<br />
Fußabdruck deutlich reduzieren. Die im Systemkontext<br />
notwendigen (Wasser-)Speicher sind bereits vorhanden.<br />
Entscheidend ist die Real-time-Steuerung der Pumpensysteme,<br />
abhängig von Stromangebot bzw. von sonstigen<br />
externen Parametern (z. B. Wetter- und darauf aufbauend<br />
Verbrauchsprognosen).<br />
Voraussetzung dafür ist, neben dem Einsatz von geeigneten<br />
IKT-Lösungen, dass von den Energielieferanten<br />
dynamische Stromtarife angeboten werden. In den USA<br />
sind Sondertarife für kommunale Verbraucher zur Verschiebung<br />
von Pumpleistung, im Gegensatz zu Österreich<br />
und Deutschland, gängige Praxis.<br />
Die Möglichkeiten zur Systemintegration von Stromsystem<br />
und Wasserinfrastrukturen gehen jedoch über elektrische<br />
Lastverschiebung weit hinaus. So können etwa die in<br />
Trinkwassernetzen üblicherweise verwendeten Kreiselpumpen<br />
auch im Umkehrbetrieb zur Stromerzeugung<br />
Quelle: New Energy<br />
04-05 | 2014 71
FACHBERICHT ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL<br />
Windkraftpotential (Region)<br />
Solarpotential (Region)<br />
Geothermisches Potential<br />
Verfügbarkeit von Gasspeichern<br />
und Transportinfrastrukturen<br />
Dichte Fernwärmenetze,<br />
Verfügbarkeit von KWK-Anlagen<br />
Gesamtbewertung und qualitatives<br />
Ranking (von – 5 bis +5) 1<br />
Berlin + +/- + + + +(4)<br />
Hamburg + - +/- + + +(2)<br />
München - + + + + +(3)<br />
Wien + + +/- + + +(4)<br />
Zürich - + +/- - + +/-(0)<br />
Legende: + überdurchschnittlich;<br />
+/- durchschnittlich;<br />
- unterdurchschnittlich<br />
1 Jedes überdurchschnittlich wird mit +1, jedes unterdurchschnittlich mit -1,<br />
jedes durchschnittlich mit Null bewertet und danach aufsummiert.<br />
Tabelle 1: Qualitative Bewertung und Vergleich von Potentialen zu<br />
Umsetzung von Hybridnetzen in ausgewählten Stadtregionen<br />
(Quelle: eigene Darstellung)<br />
verwendet werden 4,5 . Auch wenn der Wirkungsgrad geringfügig<br />
niedriger als bei klassischen Trinkwasserturbinen ist,<br />
sind die Investitionskosten aufgrund der hohen Stückzahlen<br />
– Kreiselpumpen werden weltweit in großer Zahl in praktisch<br />
jedem Trinkwassernetz eingesetzt – um vieles geringer<br />
und die Wirtschaftlichkeit dadurch meist höher.<br />
Letztlich können Trinkwassersysteme damit ähnlich wie<br />
„große“ Pumpwasserkraftwerke betrieben werden. Während<br />
die günstigen Off-Peak-Zeiten für den Betrieb der<br />
Pumpen genützt werden, kann zu Peak-Zeiten teurer Spitzenstrom<br />
in das Netz geliefert werden. Für die notwendige<br />
Steuerung sind jedoch kostengünstige IKT-Lösungen (Mess-,<br />
Steuer- und Regeleinrichtungen) notwendig.<br />
Grobanalyse von fünf Städten in der<br />
D-A-CH-Region<br />
Das Konzept von Hybridnetzen wurde bisher vorwiegend<br />
theoretisch diskutiert bzw. lediglich in Teilaspekten oder<br />
Einzelprojekten umgesetzt. Größere Demoprojekte zu Hybridnetzen,<br />
ähnlich wie die E-Energy-Modellregionen im<br />
Smart Grids-Bereich, wurden hingegen noch nicht realisiert.<br />
Da die Möglichkeiten und der Nutzen von Hybridnetzen<br />
stark von lokalen bzw. regionalen Rahmenbedingungen<br />
abhängig sind, wurde in einem Vorprojekt untersucht,<br />
4 Diese Pumpenbetriebsweise darf nicht mit (klassischen) Trinkwasserturbinen<br />
verwechselt werden. Diese sind Stand der Technik und werden in<br />
Österreich beispielsweise von den Wiener Wasserwerken oder in kleineren<br />
Kommunen wie z. B. St. Johann oder Bludenz zur Stromerzeugung eingesetzt.<br />
Aufgrund der geringen Stückzahlen sind die Investitionskosten aber<br />
relativ hoch, was deren wirtschaftlichen Einsatz erschwert.<br />
5 Diese Betriebsweise wird nur von bestimmten Gerätetypen bzw. Herstellern<br />
unterstützt.<br />
in welchen Städten bzw. urbanen Ballungsräumen der<br />
D-A-CH-Region – aus technischen und wirtschaftlichen<br />
Gesichtspunkten – bei Umsetzung zukünftiger Hybridnetze<br />
die höchste Systemeffizienz und der größte Nutzen zu<br />
erwarten sind.<br />
Diesbezüglich wurde in fünf ausgewählten städtischen<br />
Ballungsgebieten der D-A-CH-Region – Berlin, Hamburg,<br />
München, Wien und Zürich – untersucht,<br />
»»<br />
welche Potentiale für erneuerbare Energieerzeugung in<br />
der Stadtregion (inklusive Umland) zur Verfügung stehen,<br />
»»<br />
mit welchen (hybriden) Umwandlungs- und Speichertechnologien<br />
diese Potentiale sinnvoll in das regionale<br />
Energiesystem integriert werden können,<br />
»»<br />
welche Rolle vorhandene Infrastrukturen (Erdgasspeicher,<br />
Fernwärmenetze, etc.) dabei spielen können sowie<br />
»»<br />
die relevanten technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen<br />
Beschränkungen analysiert.<br />
Die Potentiale und der mögliche Nutzen von Hybridnetzen/-<br />
systemen wurden für die unterschiedlichen städtischen<br />
Ballungsgebiete qualitativ bewertet und jene Standortfaktoren,<br />
die die wirtschaftliche Machbarkeit von Hybridnetzen/-<br />
systemen begünstigen, identifiziert und eingehend diskutiert.<br />
Die Ergebnisse dieser ersten Analysen wurden in [8]<br />
detaillierter dargestellt und diskutiert.<br />
So wurden dabei beispielsweise die Potentiale für erneuerbare<br />
Energieerzeugung sowie die Erdgas-/Fernwärmeinfrastrukturen<br />
in den ausgewählten Stadtregionen Berlin,<br />
Hamburg, München, Wien und Zürich miteinander verglichen<br />
und qualitativ bewertet (siehe Tabelle 1).<br />
So sind die Städte Hamburg, Berlin und Wien bezüglich<br />
des Windkraftpotentials gegenüber München und Zürich<br />
klar bevorzugt. Hinsichtlich der Solarpotentiale sieht es<br />
umgekehrt aus. Die südlicher gelegenen Städte München,<br />
Wien und Zürich haben einen deutlichen Vorteil gegenüber<br />
Berlin, vor allem aber gegenüber Hamburg. Im Unterschied<br />
zu Hamburg hat Berlin und die umliegende Region Brandenburg<br />
durchaus noch ein attraktives Solarpotential.<br />
Betreffend die geothermischen Potentiale hat München die<br />
mit Abstand besten Voraussetzungen. Der geothermische<br />
Gradient ist aber auch in Wien und Berlin nicht ungünstig,<br />
auch wenn es in Wien Unsicherheit wegen der im Stadtteil<br />
Aspern abgebrochenen Tiefenbohrungen gibt.<br />
Bezüglich der Verfügbarkeit bzw. Nähe zu Gasspeichern<br />
haben sowohl Berlin, Hamburg, München und Wien hervorragende<br />
Voraussetzungen. So sind etwa direkt im Stadtgebiet<br />
von Berlin und Hamburg erhebliche Gasspeicherkapazitäten<br />
vorhanden. Neben dem neuen Röhrenspeicher<br />
der Wien Energie stehen in Wien Umgebung ebenfalls sehr<br />
hohe Speicherkapazitäten zur Verfügung.<br />
Die Schweiz bzw. der Standort Zürich verfügt aufgrund<br />
der schlechten geologischen Eignung hingegen über<br />
keine wesentlichen Speicherkapazitäten, ist jedoch über<br />
das europäische Erdgastransportnetz gut an die Nachbarländer<br />
und die dortigen Speicher angebunden. Alle fünf<br />
Städte verfügen über ein gut ausgebautes Fernwärmenetz,<br />
was eine einfache Verwertung von Überschussstrom im<br />
72 04-05 | 2014
ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL FACHBERICHT<br />
Bild 4: Modellquartier Berlin Adlershof<br />
(Quelle: IBA Hamburg; www.luftbilder.de<br />
(links u. Mitte), Martin Kunze (rechts))<br />
(Quelle: WISTA/EnEff:Stadt)<br />
Bild 5: Best Practice Energieprojekte in Hamburg Wilhelmsburg<br />
Wärmesektor möglich macht. Aus dem Gasnetz gespeiste<br />
KWK-Anlagen könnten dann die Versorgung mit Strom<br />
und Wärme zu Zeiten der Nichtverfügbarkeit von Sonne<br />
und Wind übernehmen.<br />
Bezüglich dieser ersten (qualitativen) Analyse ist festzuhalten,<br />
dass alle fünf untersuchten Städte bzw. städtischen<br />
Regionen über interessante Potentiale zur Umsetzung von<br />
Hybridsystemen verfügen. Das Ranking in Tabelle 1 zist<br />
daher bloß als „qualitativer“ Indikator zu verstehen, um die<br />
Vielzahl von Möglichkeiten für einzelne Technologienkombinationen<br />
aufzuzeigen.<br />
Insbesondere zeigt sich das besondere Potential der Region<br />
Berlin-Brandenburg und der Ostregion rund um Wien, da im<br />
Unterschied zu den meisten anderen Regionen ein großes<br />
Windkraft- wie Solarpotential vorhanden ist und die vorhandenen<br />
Infrastrukturen (Erdgas, Fernwärme) eine vielfältige<br />
Nutzung von Überschussstrom möglich machen. In anderen<br />
Stadtregionen ist die Vielfalt des Angebotes an erneuerbarer<br />
Energie (z. B. kaum Windkraftpotential rund um München;<br />
deutlich geringere Sonnenstunden im Norden Deutschlandes<br />
rund um Hamburg) teilweise merklich geringer.<br />
Das Ranking von Zürich ist allerdings nicht als „schlecht“<br />
zu interpretieren, insbesondere da in diesem qualitativen<br />
Ranking nur jene Aspekte berücksichtigt wurden, die hinsichtlich<br />
der Ermöglichung der vermehrten Integration von<br />
erneuerbarem Strom relevant sind. Hybridnetze und -systeme<br />
haben auch Potentiale zur sonstigen Erhöhung der<br />
Gesamtsystemeffizienz bzw. der Optimierung von kommunalen<br />
Infrastrukturen [5], was in dieser ersten Analyse<br />
nicht berücksichtigt wurde. In dieser Hinsicht ist die Schweiz<br />
in vielen Aspekten Best Practice-Beispiel für die gesamte<br />
D-A-CH-Region, wie etwa bei der Abwasserwärmenutzung,<br />
beim Einsatz von Erdgasentspannungsanlagen oder der<br />
Energieoptimierung von kommunalen Kläranlagen.<br />
Transnationales F&E-Projekt zu<br />
Hybridnetzen in der D-A-CH-Region 6<br />
Auf Basis dieser Vorarbeiten werden nun im transnationalen<br />
Projekt INFRA-PLAN drei Modellquartiere in Berlin, Graz<br />
und Hamburg durch Energieträger übergreifende Analysen<br />
in den Kontext gesamtstädtischer Infrastrukturplanungen<br />
gesetzt sowie weitere Demonstrations- und Umsetzungsprojekte<br />
zum Thema Hybridnetze vorbereitet.<br />
Das Projektvorhaben wird im Rahmen der Smart Grids/<br />
Smart Cities D-A-CH-Kooperation (Deutschland, Österreich,<br />
Schweiz) durchgeführt und von österreichischer Seite durch<br />
die ENERGY RESEARCH AUSTRIA koordiniert, unterstützt<br />
durch die Technischen Universitäten Wien und Graz. Ein<br />
weiterer wichtiger Kernpartner ist die Energie Steiermark,<br />
die auch die energierelevanten Arbeiten des Smart Cities<br />
Leitprojektes in Graz, der zweitgrößten Stadt Österreichs,<br />
verantwortet. Neben dem dortigen Projektgebiet Graz<br />
Mitte werden in diesem Projekt insbesondere die deutschen<br />
Modellquartiere in Berlin Adlershof (Bild 4) und in<br />
Hamburg Wilhelmsburg (Bild 5) untersucht.<br />
So ist der Standort Berlin Adlershof mit einer Fläche von<br />
420 ha einer der größten innerstädtischen Entwicklungsge-<br />
6 Nähere Informationen zu diesem Projekt finden sich auf der Internetseite<br />
http://www.infra-plan.eu.<br />
04-05 | 2014 73
FACHBERICHT ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL<br />
Quelle: EEG/TU Wien<br />
Bild 6: Konkurrenz der leitungsgebundenen Energieinfrastrukturen<br />
biete Europas und hat sich in den letzten Jahren zu einem<br />
der erfolgreichsten Standorte für Hochtechnologie entwickelt.<br />
In Adlershof haben sich bisher mehr als 800 Unternehmen<br />
und 17 wissenschaftliche Einrichtungen niedergelassen.<br />
Insgesamt wohnen, arbeiten und studieren dort mehr als<br />
21.000 Menschen.<br />
Der Standort wächst weiterhin sehr stark. Ohne weitere<br />
Maßnahmen würde sich der Energiebedarf durch<br />
Nachverdichtung und Neuansiedlung bis zum Jahr 2020<br />
nahezu verdoppeln. Vor diesem Hintergrund wird ein<br />
umfassendes Energiekonzept entwickelt, damit der Primärenergieverbrauch<br />
massiv gesenkt werden kann.<br />
Ein weiteres im Rahmen dieses Projektes betrachtetes<br />
Modellquartier ist der Stadtteil Hamburg Wilhelmsburg.<br />
Die Energieversorgung soll in Richtung erneuerbare Energie<br />
umgestaltet und neue Ansätze zur Steigerung der<br />
Energieeffizienz erprobt werden. Derzeit werden dort<br />
im Rahmen der Internationalen Bauausstellung bereits<br />
mehr als 50 Einzelprojekte umgesetzt.<br />
Eines dieser Projekte ist der sogenannte Energiebunker. Der<br />
ehemalige Flakbunker in Wilhelmsburg wird zu einer lokalen<br />
Energiezentrale auf Basis erneuerbarer Energie umgebaut.<br />
Mit einer Solarhülle, einer intelligenten Verknüpfung der<br />
Energieerzeugung aus unterschiedlichen erneuerbaren Energiequellen<br />
sowie der Abwärme aus einem benachbarten<br />
Industriebetrieb wird ein Großteil des umliegenden Stadtteils<br />
mit Wärme versorgt und gleichzeitig Strom erzeugt.<br />
Zentrale Innovation dabei ist ein großer Wärmespeicher.<br />
Aufgrund dessen Pufferwirkung wird eine starke Reduktion<br />
der zu installierenden thermischen<br />
Erzeugerleistung erreicht<br />
und der wirtschaftliche Einsatz von<br />
erneuerbaren Energien ermöglicht.<br />
Das Konzept ist weltweit einmalig.<br />
An ihm werden Erkenntnisse über<br />
die Praxistauglichkeit der eingesetzten<br />
Regel- und Hydrauliktechnologien<br />
gesammelt.<br />
Obwohl es sich bei den genannten<br />
Modellquartieren um die innovativsten<br />
Energie- und Stadtteilprojekte<br />
in Europa handelt, kommt<br />
es auch bei diesen zu Zielkonflikten<br />
zwischen den Betreibern der<br />
einzelnen Energieinfrastrukturen<br />
sowie mit übergeordneten Infrastrukturplanungen.<br />
Das ist zugleich<br />
die Motivation für das Projektvorhaben<br />
INFRA-PLAN.<br />
So stehen in städtischen Ballungsgebieten<br />
unterschiedliche,<br />
leitungsgebundene Energieinfrastrukturen<br />
zur Verfügung. Neben<br />
dem Stromnetz sind dies Erdgas-,<br />
Fernwärme- und teilweise Fernkältenetze,<br />
die im Niedertemperaturbereich<br />
jedoch immer mehr<br />
in Konkurrenz zueinander treten, da die Wärmelasten<br />
durch neue Gebäudestandards und Energieeffizienzmaßnahmen<br />
(thermische Sanierungen) laufend geringer<br />
werden. Zugleich werden vermehrt solarthermische und<br />
PV-Anlagen sowie Wärmepumpen eingesetzt, die in das<br />
Gesamtenergiesystem integriert werden müssen und zu<br />
einem verminderten Energiebezug aus den übergeordneten<br />
Netzen führen.<br />
Durch diesen Rückgang der Wärmelasten wird die Wirtschaftlichkeit<br />
der einzelnen Netzinfrastrukturen, insbesondere<br />
von Erdgas und Fernwärme, immer schwieriger<br />
darstellbar. Diese zunehmende Konkurrenz der leitungsgebundenen<br />
Infrastrukturen ist in Bild 6 symbolhaft<br />
dargestellt.<br />
Ausgehend von diesen Rahmenbedingungen werden die<br />
bestehenden wie geplanten Energieinfrastrukturen in den<br />
drei Modellquartieren im Detail analysiert. Dies erfolgt<br />
Energieträger übergreifend (Strom, Erdgas, Wärme),<br />
wobei die unterschiedlichen Ausbau- und Investitionsszenarien<br />
sowohl in technischer als auch in wirtschaftlicher<br />
Hinsicht miteinander verglichen werden.<br />
Des Weiteren erfolgt eine vergleichende Analyse der<br />
Modellquartiere untereinander. Der wichtigste Schritt<br />
ist jedoch die Verknüpfung der lokalen Vorhaben mit<br />
den gesamtstädtischen Energiekonzepten sowie den<br />
Infrastrukturplanungen der unterschiedlichen Netz- und<br />
Infrastrukturbetreiber.<br />
Für die dazu notwendigen Planrechnungen und Szenarioanalysen<br />
wird ein neuartiges Multi-Grid-Simulationstool<br />
74 04-05 | 2014
ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL FACHBERICHT<br />
eingesetzt, das im Rahmen von europäischen Forschungsprojekten<br />
entwickelt wurde. Da alle Energieträger und<br />
-netze gleichzeitig betrachtet werden, können Zielkonflikte<br />
zwischen Modellquartieren und gesamtstädtischer<br />
Infrastrukturplanung frühzeitig identifiziert und mögliche<br />
Lösungsoptionen aufgezeigt werden.<br />
Kernstück des verwendeten Planungstools ist ein operatives<br />
Energie-Systemmodell, das wiederum aus unterschiedlichen<br />
Sub-Modulen für jeden einzelnen Energieträger<br />
besteht. Durch die detaillierte Modellierung aller<br />
relevanten Netzwerk-Technologien sowie dezentralen<br />
Energieerzeugungstechnologien und dessen Abbildung in<br />
einer Simulationsumgebung ist die gleichzeitige Betrachtung<br />
mehrerer Energieträger und Netzinfrastrukturen<br />
möglich. Dies wird ergänzt um ein Investitionsmodell, in<br />
dem Betriebskosten und ökologische Kosten für verschiedene<br />
Zeitsegmente und Energiesystem-Designs errechnet<br />
werden können. Dies wird dazu verwendet, um mögliche<br />
Investitionsvarianten miteinander zu vergleichen.<br />
Dadurch können Investitionen in die Infrastruktur über<br />
einen Planungshorizont von 30 Jahren und mehr optimiert<br />
werden [9].<br />
Die Ergebnisse fließen dann als strategische Entscheidungsgrundlage<br />
in die Projektplanungen in den jeweiligen<br />
Modellquartieren ein und tragen dazu bei, Investitions-<br />
Fehlentscheidungen bei kapitalintensiven (Verteilnetz-)<br />
Infrastrukturen zu vermeiden.<br />
Zugleich werden, in Zusammenarbeit mit den lokalen<br />
Akteuren (Entwicklungsgesellschaften, Infrastrukturbetreiber,<br />
Stadtverwaltungen), weiterführende Demonstrations-<br />
und Umsetzungsprojekte für die Umsetzung<br />
von Energie-Hybridnetzen vorbereitet. Ein besonderer<br />
Schwerpunkt liegt dabei auf hybriden/funktionalen<br />
Energiespeicherlösungen.<br />
Demonstrationsprojekte in Modellquartieren, die nicht in<br />
eine solche integrierte Energie- und Infrastrukturplanung<br />
eingebettet sind, mögen zwar im Einzelfall gelungene<br />
technische showcases sein, werden aber nur in wenigen<br />
Fällen einen tatsächlichen Mehrwert im Sinne der Erhöhung<br />
der Gesamtenergieeffizienz liefern können.<br />
Nächste Schritte<br />
Durch die transnationale Zusammenarbeit im Rahmen von<br />
INFRA-PLAN sollen die Grundlagen für die Teilnahme an<br />
der europäischen SET-Plan Initiative und die Berücksichtigung<br />
bei sonstigen europäischen Fördermechanismen<br />
geschaffen und in Folge zusätzliche Fördermittel für weitere<br />
Umsetzungsprojekte in den beteiligten Modellquartieren<br />
eingeworben werden.<br />
Neben dem Erkenntnisgewinn hinsichtlich von Hybridnetzen<br />
und -systemen soll zusätzlich ein laufender Wissensaustausch<br />
zwischen den unterschiedlichen Städten bzw.<br />
Modellquartieren ermöglicht werden. Auch weitere Städte<br />
und Stadtwerke sollen von den Erfahrungen profitieren. Im<br />
nächsten Schritt soll der Erfahrungsaustausch auf zusätzliche<br />
Städte bzw. Quartiere in Österreich, Deutschland und<br />
der Schweiz ausgeweitert werden.<br />
Danksagung<br />
Die Arbeiten zu diesem Beitrag erfolgten im Rahmen mehrerer<br />
Forschungsprojekte, die innerhalb der österreichischen<br />
Forschungsförderprogramme „Energie der Zukunft“, „Neue<br />
Energien 2020“ und „e!mission“ durchgeführt, durch das<br />
Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie<br />
(BMVIT) und den Klima- und Energiefonds (KLIEN) gefördert<br />
und die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft<br />
abgewickelt wurden.<br />
Literatur<br />
[1] Hinterberger, R.: Hybridnetze für die Energiewende.<br />
Diskussionspapier. Ergänzungsvorschläge zum Basispapier des<br />
acatech-Workshops zur Identifikation der wissenschaftlichen<br />
Leitfragen. Wien 2012.<br />
[2] Hinterberger, R.; et al: Endbericht zu FFG-Projekt Nr. 815756,<br />
Programmlinie Energie der Zukunft. Wien 2011.<br />
[3] Hinterberger, R; Pamer, V.: Von Smart Grids zu Smart Cities.<br />
Intelligente Energienetze und Infrastrukturen in der Stadt von<br />
morgen am Beispiel Liesing Mitte. Proceedings zum 12. Symposium<br />
Energieinnovationen an der TU Graz. Graz 2012.<br />
[4] Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Hrsg.):<br />
Hybridnetze für die Energiewende. Positionspapier der acatech.<br />
Berlin/München 2013.<br />
[5] Hinterberger, R.; Kleimaier, M.: Energieversorgung der Zukunft:<br />
Intelligente Gasnetze und Energie-Hybridnetze. In: Aqua&Gas.<br />
Verbandsorgan des Schweizerischen Vereins des Gas- und<br />
Wasserfaches SVGW, Ausgabe Nr. 10/2012. Zürich 2012.<br />
[6] Kleimaier, M.; Schwarz, J.: Elektro-Speicherheizung – neue<br />
Anwendung statt Verbot. Energiewirtschaftliche Tagesfragen<br />
59. Jg. (2009) Heft 5. Essen 2009.<br />
[7] Yamaguchi, H.; et al: An Economical Thermal Network<br />
Cogeneration System for Apartment Buildings (Neighbouring<br />
Cogeneration system). Proceedings of IRIC - International Gas<br />
Union Research Conference. Paris 2008.<br />
[8] Hinterberger, R.; Kleimaier, M.: Identifikation von Möglichkeiten<br />
zur Realisierung von Hybridnetzen (Strom, Gas, Wärme) in 5<br />
ausgewählten Städten der D-A-CH Region. Proceedings zum<br />
VDE/ETG Kongress 2013. Berlin 2013.<br />
[9] Auer, H.; et. al.: Synthesis of Results from the Regional Scenario<br />
Studies. FP7 Projekt Nr. 218960. Deliverable 2. 10. Wien 2010<br />
DI ROBERT HINTERBERGER<br />
NEW ENERGY Capital Invest GmbH<br />
ENERGY RESEARCH AUSTRIA, Wien,<br />
Österreich<br />
Tel. +43 1 33 23560-3060<br />
AUTOR<br />
E-Mail: Robert.Hinterberger@energyinvest.at<br />
04-05 | 2014 75
PROJEKT KURZ BELEUCHTET ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL<br />
Grabenlose Dükerung von 110-kV-Hochspannungskabeln<br />
in polymeren Schutzrohrsystemen<br />
Auf dem ehemaligen Fliegerhorst in Pütnitz (Ribnitz/Damgarten) installierte der Solarmodulhersteller Solarworld AG ein neues<br />
Solarkraftwerk mit einer Leistung von 21,3 Megawatt pro Jahr. Auf 37 Hektar wurden dazu 88.000 Module installiert. Um<br />
das Kraftwerk mit dem bestehenden Stromnetz zu verbinden, erwies sich die Querung des Barther Bodden als die effektivste<br />
Trassenwahl. Dazu musste der Bodden im Horizontal-Spülbohrverfahren auf rund 1.600 m Länge und bis zu 30 m Tiefe durch<br />
die Firma Beermann Bohrtechnik GmbH, unterquert werden.<br />
Um das neue Solarkraftwerk in Pütnitz mit dem bestehenden<br />
Netz zu verbinden, wurde der Barther Bodden (Bild 1) mit<br />
einem temperaturbeständigen Schutzrohr für die Verlegung<br />
einer 110-kV-Hochspannungsleitung gequert. Die Dükerung<br />
des Boddens auf rund 1.600 m Länge und in bis zu 30 Tiefe<br />
realisierte die Firma Beermann mit dem Horizontal-Spülbohrverfahren.<br />
Für die zu verlegenden sechs Hochspannungskabel<br />
wurden zwei Bündel á drei Schutzrohre in autarken Trassen<br />
vorgesehen. Hierfür mussten zwei Bohrungen realisiert werden.<br />
Aufgrund von schwierigen Bodenverhältnissen und in der<br />
Annahme, dass der Rohreinzug von diesen geprägt werden<br />
wird, entschied man sich, die gebohrten Kanäle mit je einem<br />
Stahlschutzrohr zu stabilisieren und die eigentlichen Kabelschutzrohre<br />
in diese einzuziehen. Als direkten Schutz für die<br />
110-kV-Kabel wurden hochtemperaturbeständige, polymere<br />
Schutzrohre der Dimension 110 x 10,0 mm gewählt. Diese<br />
Schutzrohre wurden zu je drei Stück in die beiden stabilisierten<br />
Trassen eingezogen.<br />
Horizontalspülbohrverfahren<br />
Das Horizontalbohrspülverfahren (auch HDD - Horizontal<br />
Directional Drilling genannt) erfolgt im ersten Schritt durch den<br />
Vortrieb eines Pilotbohrstranges. Durch die an der Bohrkopfspitze<br />
unter hohem Druck austretende Bentonit-Suspension<br />
(Bentonit = pulverförmiges, quellfähiges Tonmaterial) wird<br />
der Boden gelöst. Das PE-HD-Rohr wird von der Zielbaugrube<br />
aus durch Zurückholen des Pilotstranges in die Startbaugrube<br />
eingezogen. Gleichzeitig wird zur Stützung der Bohrlochwandung<br />
und zur Verringerung des Reibungswiderstandes<br />
Bentonit-Suspension eingebracht.<br />
Bauausführung<br />
Vorbereitung<br />
Durch die Firma Beermann Bohrtechnik GmbH wurde mit dem<br />
Aushub der Startgrube auf der gegenüberliegenden Seite<br />
des Boddens begonnen. Die Boddendükerung wurde dabei<br />
mit einer 250-t-Spülbohranlage durchgeführt (Bild 2). Unter<br />
schwierigsten Bodenbedingungen und widrigen Wetterbedingungen<br />
wurden zwei Stahlschutzrohre unter dem Bodden<br />
eingebracht. Während dieses Vorgangs wurde bereits mit der<br />
Anlieferung von sechs Großtrommeln der Firma Gerodur mit<br />
hochtemperaturbeständigem EMDS-Schutzrohr der Hochleistungsklasse<br />
LHT ® begonnen (Bild 3). Gefertigt sind diese<br />
Bild 1: Barther Bodden<br />
Bild 2: 250 t-Bohranlage der Fa. Beermann<br />
76 04-05 | 2014
ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL PROJEKT KURZ BELEUCHTET<br />
Schutzrohre nach DIN 8074, ISO 24033 und KIWA BRL-<br />
KQ 17601. Anschließend konnte auf dem Flugplatzgelände<br />
Pütnitz die Zielgrube geöffnet werden.<br />
Das gewählte Rohrmaterial<br />
Aufgrund der hohen Temperaturbelastungen, die die Hochspannungsleitung<br />
im Betrieb verursacht, war es notwendig,<br />
Temperaturen von bis zu 95 °C bei der Materialauswahl<br />
zu berücksichtigen (Bild 4). Herkömmliche polymere<br />
Schutzrohre wie PE-HD, PE 80 oder PE 100 sind für Dauergebrauchstemperaturen<br />
> 45 °C ungeeignet, da durch<br />
thermooxydative Alterung das Schutzrohr versprödet und<br />
keinen ausreichenden Schutz über die geplante Nutzungsdauer<br />
bietet. Darüber hinaus sollte das Schutzrohr auch<br />
über geringe Wandrauigkeit verfügen, um Reibungskräfte<br />
beim Einzug des Schutzrohres sowie des Hochspannungskabels<br />
zu minimieren. Diese Eigenschaften können nur<br />
mit einem temperaturstabilisiertem Schutzrohr der Hochleistungsklasse<br />
LHT ® erreicht werden. Neben einer hohen<br />
thermischen Beständigkeit von -40 °C bis +95 °C besitzt<br />
das LHT ® -Schutzrohr ebenfalls eine geringe Wandrauigkeit.<br />
Die Lieferung erfolgte auf Großtrommeln mit Baulängen<br />
von 1.100 m, somit konnte die Anzahl der Schweißungen<br />
pro Rohrstrang auf je eine minimiert werden.<br />
Einzug der Rohrleitung<br />
Der Einzug der Rohrleitung erfolgte durch die Firma SAG<br />
GmbH mit Unterstützung der Firma Tias Tiesler Tiefund<br />
Hochbau GmbH, die für die gesamte Ausführung<br />
des Projektes verantwortlich zeichnete. Dabei wurden<br />
jeweils drei Rohre als Bündel eingezogen (Bild 5). Trotz<br />
der enormen Länge der Trasse konnten die Rohrbündel<br />
mit einer moderaten Zugkraft von durchschnittlich 5 t<br />
und Zugkraftspitzen bis 7,5 t eingezogen werden. Während<br />
der Einzugsarbeiten wurden im Bereich Rostocker<br />
Landstraße weitere Schutzrohre der Hochleistungsklasse<br />
LHT ® im offenen Graben eingebracht. Hier konnte vor<br />
allem durch die guten Schweißeigenschaften der Rohre<br />
ein schneller Baufortschritt realisiert werden. Der Einzug<br />
der Hochspannungskabel erfolgte ebenfalls über die<br />
Firma SAG GmbH. Dank der geringen Innenwandrauigkeiten<br />
sowie der wegfallenden Schweißnähte durch<br />
die enorme Baulänge konnte das Einziehen der Kabel<br />
ebenfalls zügig umgesetzt werden.<br />
Resümee<br />
Durch die Entscheidung zur Nutzung des EMDS-Schutzrohrsystems<br />
der Hochleistungsklasse LHT ® konnten sowohl<br />
Zeit- und Kostenvorteile bei der Verlegung als auch bei der<br />
Anwendung im Zeitraum von Januar bis Mai 2013 voll ausgeschöpft<br />
werden. Eine Senkung der Einzugskosten ergibt<br />
sich insbesondere durch große Baulängen. Ein weiterer Vorteil<br />
des EMDS-Schutzrohres ist die volle Flexibilität und Eignung<br />
zur wie hier erfolgten grabenlosen Verlegung, auch bei tiefen<br />
Temperaturen. Die Schutzfunktion für die Hochspannungskabel<br />
kann über die volle Lebensdauerfunktion aufrechterhalten<br />
werden. Darüber hinaus steht nach Ablauf der Nutzungsdauer<br />
Bild 3: LHT ® -Schutzrohr auf Großtrommeln<br />
Bild 4: Wärmedichtesimulation einer 110 kV-Trasse in<br />
160 SDR11 PE-Schutzrohren<br />
Bild 5: LHT ® -Schutzrohrbündel beim Einzug<br />
der verlegten Kabel ein intaktes Schutzrohrsystem, das einen<br />
erneuten Einzug neuer Hochspannungskabel gerecht wird.<br />
KONTAKT: Gerodur MPM Kunststoffverarbeitung GmbH & Co.KG, Neustadt,<br />
Sven Lindner, Tel. +49 3596 5833-71, E-Mail: s.lindner@gerodur.de<br />
Halle B6, Stand 137/236<br />
04-05 | 2014 77
FACHBERICHT ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL<br />
Energiewende auch im Wärmemarkt<br />
umsetzbar - Praxisbeispiele<br />
Im Gegensatz zur rasanten Entwicklung bei der „elektrischen“ Energiewende hin zu grüner Stromerzeugung stagniert die<br />
Entwicklung bei der Wärme auf niedrigem Niveau. So lag der Anteil regenerativer Energie im deutschen Wärmemarkt in<br />
den Jahren 2010, 2011 und 2012 unverändert knapp unter 10,5 % [1] Was hat das mit der <strong>IFAT</strong> zu tun? Ganz einfach: Unser<br />
Abwasser, ein Hauptthema der <strong>IFAT</strong>, ist das „Erdöl der Städte“ [2], eine unerschöpfliche Wärmequelle mit riesigem Potenzial.<br />
Über die Wärmequelle Abwasser wird in letzter Zeit zunehmend häufig berichtet, unter anderem in der <strong>3R</strong> 1-2/2014.<br />
Die ersten Anlagen, die Wärme aus Abwasser nutzen, stammen<br />
bereits aus den frühen 1980er Jahren, so eine Anlage mit<br />
Wärmeübertragern auf der Kanalsohle in Basel-Bachgraben<br />
[3], die 1982 in Betrieb ging und heute nach wie vor läuft, oder<br />
ein Doppelrohr-Wärmeübertrager an einer Abwasserdruckleitung<br />
in Ost-Berlin (Dez. 1983) [4], der zwar nach rund 20<br />
Jahren außer Betrieb ging, allein in Berlin aber bis heute drei<br />
Nachfolgeanlagen gleicher Technologie hervorgebracht hat.<br />
Deutschlandweit gibt es inzwischen rund 40 Anlagen sowie<br />
eine ganze Reihe unterschiedlicher Technologien und Hersteller,<br />
die fast alle auf der <strong>IFAT</strong> vertreten sind und in der Folge<br />
kurz vorgestellt werden sollen.<br />
Kanal-Wärmeübertrager<br />
Die bei der Abwasserwärmenutzung bisher am häufigsten<br />
eingesetzten Wärmetauscher bestehen aus rostfreiem Edelstahl.<br />
Sie werden auf die Kanalsohle gebaut und reduzieren<br />
somit den freien Querschnitt des Kanals.<br />
Für den nachträglichen Einbau auf die Kanalsohle sind seit<br />
1982 Edelstahl-Wärmeübertrager im Einsatz. Die Form der<br />
Wärmeübertrager kann an alle gängigen, begehbaren Profile<br />
(Kreis, Ei, Maul, Rechteck) angepasst werden. Bild 1 und<br />
Bild 2 zeigen Beispiele der Firmen Uhrig (<strong>IFAT</strong>: Halle B4.108)<br />
und KASAG (<strong>IFAT</strong>: Halle B3.228).<br />
Für nicht begehbare Abwasserkänäle kleiner DN 800 können<br />
neu entwickelte Einschubsysteme eingesetzt werden (Bild 3).<br />
Der Wärmeübertrager besteht aus 1 bis 3 m langen Modulen.<br />
Die entzogene Wärme wird auf die im Wärmeübertrager<br />
zirkulierende Sole übertragen. Die Sole gelangt über zwei<br />
erdverlegte Verbindungsleitungen vom Schacht in die Heizzentrale<br />
und wieder zurück.<br />
Abwasser- und Erdwärmenutzung für neue Kanäle<br />
Die Fa. Frank GmbH (<strong>IFAT</strong>: Halle B6.312) hat ein Rohrsystem<br />
zur Nutzung der Erd- und Abwasserwärme entwickelt.<br />
Das Rohrsystem nutzt die Vorteile der Erdwärmegewinnung<br />
und der Abwasserwärme, indem neben dem Abwasser auch<br />
der umgebende Boden in der Rohrleitungszone für den Wärmeentzug<br />
verwendet wird (Bild 4). Die Verteilung der Sole<br />
geschieht in Verteilerschächten. In den Phasen, in denen die<br />
Wärmepumpe ruht, wird das umgebene Erdreich thermisch<br />
regeneriert. Die Regeneration wird durch das relativ warme<br />
Abwasser beschleunigt.<br />
Wärmegewinnung bei Inline-Sanierung<br />
Für kleine Leistungen kann ein Kunststoffwärmeübertrager<br />
der Fa. Brandenburger (<strong>IFAT</strong>: Halle B4.454) verwendet<br />
werden. Dieser kann wie bei der Schlauchliner-Sanierung<br />
Foto: ECO.S<br />
Foto: Kobel / ECO.S<br />
Grafik: Uhrig<br />
Bild 1: Abwasserwärmeübertrager (Berlin 2006) Bild 2: Abwasserwärmeübertrager (Bienningen 2002)<br />
Bild 3: Einschub-<br />
Abwasserwärmeübertrager<br />
78 04-05 | 2014
ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL FACHBERICHT<br />
Bild 4a: Wickelrohr-Wärmeübertrager<br />
Bild 5: Heatliner<br />
auch in sehr kleine, nicht begehbare Kanäle eingezogen<br />
werden (siehe Bild 5).<br />
Doppelrohr<br />
Mit Doppelrohr-Wärmeübertragern können auch große<br />
Leistungen übertragen werden. So läuft in Berlin eine Anlage<br />
mit 1,5 MW thermischer Leistung aus Abwasser mit<br />
einem Wärmeübertrager aus Stahlrohr. Auf der <strong>IFAT</strong> ist mit<br />
Saint-Gobain PAM Deutschland (<strong>IFAT</strong>: Halle A1.129/228;<br />
Bild 6) der Hersteller eines Wärmeüberträgers aus Gussrohr<br />
vertreten.<br />
Wärmegewinnung außerhalb des Kanals<br />
Darüber hinaus wurden in den letzten Jahren Systeme entwickelt,<br />
die dem Abwasser seine Energie außerhalb des<br />
Kanals entziehen.<br />
Externer Wärmeübertrager<br />
Eine Möglichkeit der Abwasserwärmegewinnung außerhalb<br />
des Kanals ist die Installation eines Bypasses mit Abwasserpumpe,<br />
Siebanlage und externem Wärmeübertrager der<br />
Firma Huber SE (<strong>IFAT</strong>: Halle A2.333/532). Hierbei befindet<br />
sich der Wärmeübertrager in der Heizzentrale (Bild 7).<br />
Zunächst wird über einen neu zu bauenden Entnahmeschacht<br />
ein Teilstrom des Abwassers aus dem Abwasserkanal<br />
entnommen. Mit einer nachfolgenden Siebanlage<br />
werden die Grobstoffe zurückgehalten. Anschließend wird<br />
das gesiebte Abwasser auf den Wärmeübertrager geleitet.<br />
In diesem erfolgt die Erwärmung des Wärmeträgers. Dieser<br />
wird dann in die Wärmepumpe geleitet. Das abgekühlte<br />
Abwasser fließt unter Mitnahme des Siebgutes zurück in<br />
den Abwasserkanal.<br />
Wärmepumpe mit Direktverdampfer<br />
Eine Abwasser-Wärmepumpe kann auch mit einem Direktverdampfer<br />
betrieben werden (König-Wärmepumpen, <strong>IFAT</strong>:<br />
Halle B1.209). Ein Direktverdampfer ist ein Wärmeübertrager,<br />
der direkt von der Wärmequelle, d. h. in diesem Fall<br />
vom Abwasser, durchströmt wird. Das Abwasser gelangt<br />
über den Entnahmeschacht und zwei erdverlegte Verbin-<br />
Foto: Saint-Gobain PAM Deutschland<br />
Grafik: Huber<br />
Foto: Frank<br />
Foto: Frank<br />
Foto: ECO.S<br />
Bild 4b: Verteilerschacht<br />
Bild 6: Doppelrohr-Wärmeübertrager<br />
Bild 7: Schema Abwasserwärmenutzung mit externem<br />
Wärmeübertrager<br />
04-05 | 2014 79
FACHBERICHT ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL<br />
Grafik: ECO.S<br />
In Grevesmühlen und Zweibrücken nutzt die Direktverdampfer-Wärmepumpe<br />
das Abwasser aus Druckleitungen.<br />
Für Druckleitungen gibt es aber noch weitere Hersteller von<br />
Abwasserwärmeübertragern.<br />
Abwasserdruckleitungen<br />
Kommunales Abwasser wird häufig über längere Distanzen<br />
zur Kläranlage gepumpt. Gleiches gilt für spezielle Industrieabwässer<br />
(Direkteinleiter). So wird in Ostfriesland die<br />
Wärme im Abwasser einer Molkerei mit einem Wärmeübertrager<br />
der Fa. HST Systemtechnik (<strong>IFAT</strong>: Halle A1.333)<br />
genutzt (Bild 9).<br />
Ebenfalls für „schwierige“ Abwässer in Frage kommen Wärmeübertrager<br />
von Jaske & Wolf (<strong>IFAT</strong>: Halle A2.421), die<br />
automatische Reinigungszyklen realisieren können (Bild 10).<br />
Auch die oben erwähnten Doppelrohr-Wärmeübertrager<br />
sind natürlich in Druckleitungen einsetzbar.<br />
Bild 8: Schema Abwasserwärmenutzung mit Direktverdampfer<br />
dungsleitungen vom Abwasserkanal in die Heizzentrale und<br />
wieder zurück. Im Entnahmeschacht wird eine Tauchmotorpumpe<br />
installiert (Bild 8).<br />
Bei dem System der Direktverdampfung entfällt im Vergleich<br />
zu den anderen Varianten ein Wärmeübertrager.<br />
Das erhöht die Effizienz der Wärmepumpe um bis zu 15 %.<br />
Dies bedeutet: Gleiche Nutzwärme bei 15 % niedrigerem<br />
Stromverbrauch.<br />
Anlagen mit Direktverdampfer-Wärmepumpe sind seit 2010<br />
beim Zweckverband Grevesmühlen und seit Anfang 2014<br />
beim UBZ Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken und in<br />
Regensburg in Betrieb. In Köln wird eine Anlage mit rund<br />
600 kW Wärmepumpenleistung gebaut.<br />
Fazit<br />
Alle beschriebenen Systeme haben spezifische Vor- und<br />
Nachteile, mit allen gibt es inzwischen zumindest kurze,<br />
zum Teil auch jahrzehntelange Betriebserfahrungen im<br />
kommerziellen Einsatz.<br />
Und die Entwicklung geht weiter. So gilt die „alte“ Vorgabe,<br />
dass die Wärmegewinnung aus Abwasser nur in begehbaren<br />
Kanälen von DN 800 und größer möglich sei, schon<br />
seit geraumer Zeit nicht mehr. Auch die Untergrenze beim<br />
Trockenwetterabfluss von 15 l/s ist inzwischen bei einer<br />
Reihe von Anlagen erfolgreich unterschritten, dem Autor<br />
sind Anlagen bekannt, die auch mit 6 l/s noch einwandfrei<br />
arbeiten.<br />
Parallel tragen die Verbesserung der Montagefreundlichkeit<br />
und die Forschung an sielhautmindernder Oberflächengestaltung<br />
[5] über sinkende Investitionskosten ebenfalls zur<br />
Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und damit zur Verbreitung<br />
dieser nach wie vor hochinnovativen Regenerativenergie<br />
bei.<br />
Und auch auf der Nutzungsseite wird an der Effizienz der<br />
Wärmepumpensysteme gearbeitet. So werden in Aachen<br />
Bild: HST Systemtechnik GmbH<br />
Bild 9: Doppelrohr-Wärmeübertrager<br />
Bild 10: Mehrfachrohr-in-Rohr-Wärmeübertrager<br />
Bild: Jaske & Wolf Verfahrenstechnik GmbH<br />
80 04-05 | 2014
ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL FACHBERICHT<br />
zurzeit Wohnungsaltbauten saniert, in denen durch Abwasser-Wärmepumpen<br />
mit maximalen Vorlauftemperaturen<br />
von 50 °C nicht nur geheizt, sondern auch hygienisch einwandfreies<br />
Warmwasser erzeugt wird [6].<br />
Perspektive für Wärme und Strom<br />
Nicht zufällig waren „Hybridnetze“ zentrales Thema beim<br />
diesjährigen Oldenburger Rohrleitungsforum. Die zunehmende<br />
Verschränkung von Strom- und Wärmemarkt ist<br />
für die Energiewende unabdingbar. Und auch die Abwasserwärme<br />
profitiert davon: Mit jedem Anstieg der Stromproduktion<br />
aus regenerativen Quellen wird der Strom für<br />
Wärmepumpen sauberer. Gleichzeitig werden Wärmepumpen<br />
und ihre zugehörigen Wärmeverbraucher potenzielle<br />
Strompuffer. In jedem Fall werden Wärmetechnologien<br />
wie Abwasserwärmepumpen im Zuge der Energiewende<br />
an Bedeutung gewinnen – die <strong>IFAT</strong> bietet einen einmaligen<br />
Überblick über die verschiedenen Technologien.<br />
Literatur<br />
[1] Quellen: BMU –EI1 Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik<br />
(AGEE-Stat)/Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e. V. (AGEB);<br />
Stand Sept. 2013<br />
[2] Dr. Franz Schulz, Bürgermeister von Berlin Friedrichshain-<br />
Kreuzberg, anlässlich der Einweihung der ersten<br />
Abwasserwärmepumpe östlich der Rheinschiene im Kreuzberger<br />
Leibniz-Gymnasium im September 2006<br />
[3] Müller, Stodtmeister, Kobel: Energie stinkt nicht. Contracting &<br />
Wärmedienst 6/2001, S. 30ff<br />
[4] Bartmann, Harald; Lang, Jürgen: Großwärmepumpenanlage mit<br />
Abwasserwärmenutzung. Technik am Bau 1/1987, S. 39f.<br />
[5] Mark Biesalski: Funktionsweise und Erfahrungen mit modernen<br />
Kanal-Wärmetauschersystemen, <strong>3R</strong> 1-2/2014, S. 92ff<br />
[6] ECO.S Energieconsulting: Ausführungsplanung Wiesental,<br />
Ratingen 2013, unveröffentlicht, Auskunft über den Autor.<br />
WOLFRAM STODTMEISTER<br />
ECO.S Energieconsulting Stodtmeister,<br />
Berlin<br />
Tel. +49 30 25930-960<br />
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2014 81<br />
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FACHBERICHT ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL<br />
Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen für<br />
Immobilienakteure zum Einsatz der<br />
Energierückgewinnung aus Kanälen<br />
Damit der Wachstumspfad zur Abwasserwärmenutzung im deutschen Kanalnetz beibehalten und das energetische<br />
Erwartungspotential maximiert wird, sind insbesondere die verantwortlichen privaten Immobilienakteure zu überzeugen.<br />
Diesen sind als Entscheidungsgrundlage wirtschaftliche Instrumente und Vergleiche aufzuzeigen. Den Kommunen,<br />
Ingenieurbüros und Abwasserbetreibern sollen daher nachfolgend Instrumente zu Wirtschaftlichkeitsbetrachtung dargelegt<br />
werden, die aus Sicht von Immobilienakteuren relevante Entscheidungsgrundlagen sein können. Diese Instrumente<br />
sollen die Akteure der Siedlungswasserwirtschaft in die Lage versetzen den Investoren im Hochbau die Vorteile der<br />
Abwasserwärmenutzung dokumentieren zu können.<br />
Zunächst werden zwei Modelle zu Investitionskostenabschätzungen<br />
vorgestellt. Danach wird der wirtschaftliche<br />
Einsatzbereich der Abwasserwärmenutzung mit Hilfe einer<br />
Gebäudetypologie und Jahreskostenbetrachtung aufgezeigt.<br />
Modell 1 berücksichtigt die Investitionskosten zur Heiztechnik<br />
mit Abwasserwärmenutzung bei realisierten Projekten<br />
und somit bei Bestandsgebäuden. Das Modell kann bereits<br />
in der frühen Vorplanungsphase erste Kostenschätzungen<br />
zu Investitionen im Bestand vereinfachen.<br />
Modell 2 berücksichtigt bei Neubauprojekten die notwendigen<br />
Investitionskosten in die Gebäudehülle und<br />
die Heiztechnik, die zur Einhaltung der Energieeinsparverordnung<br />
(EnEV 2009) und des Erneuerbare Energien<br />
Wärmegesetzes (EEWärmeG) führen. Dabei werden<br />
zwecks Kostenvergleichs beim Modell 2 zusätzlich zu<br />
den Kostenfunktionen der Abwasserwärmenutzung auch<br />
Kostenfunktionen zu den alternativen Möglichkeiten<br />
gemäß EnEV und EEWärmeG aufgezeigt. Die Variante<br />
Bild 1: Investitionskosten (EUR/kWh/a) zur Abwasserwärmenutzung bei<br />
Bestandgebäuden<br />
„EnEV-15 %“ sieht die Unterschreitung der EnEV um 15 %<br />
als Ersatzmaßnahme nach EEWärmeG vor. Dabei sind<br />
insbesondere höhere Investitionen in die Gebäudehülle<br />
notwendig, wobei weiterhin fossile Brennstoffe eingesetzt<br />
werden. Die Variante „Umweltwärme“ berücksichtigt<br />
den Einsatz von Luft-Wärmepumpen, und die Variante<br />
„Holzpellets“ betrachtet die Nutzung fester Biomasse.<br />
Dadurch stehen dem Immobilienakteur zu vier Varianten<br />
Kostenvergleiche zur Verfügung, die zur Einhaltung der<br />
ordnungsrechtlichen Belange zum Wärmeschutz bzw.<br />
zum Einsatz erneuerbarer Energien beim Neubau von<br />
Immobilien führen. Zusätzlich zu den Investitions- bzw.<br />
Kapitalkosten werden beim Modell 2 Betriebskosten und<br />
resultierende Jahreskosten zu den Varianten berücksichtigt.<br />
Dadurch können die wirtschaftlichen Einsatzbereiche<br />
der Abwasserwärmenutzung in Abhängigkeit von<br />
unterschiedlichen Objekttypen im Vergleich zu den drei<br />
übrigen Varianten aufgeführt werden.<br />
Modell 1, Investitionskosten<br />
Heiztechnik mit<br />
Abwasser wärmenutzung bei<br />
Bestandsgebäuden<br />
Bild 1 zeigt eine Kostenfunktion zur<br />
Realisierung der vollständigen Technik<br />
(Wärmetauscher, Wärmepumpe usw.),<br />
die zum Betrieb der Abwasserwärmenutzung<br />
im Gebäudebestand (in EUR/<br />
kWh/a) benötigt wird. Die alternativen<br />
Potenzfunktionen in EUR/kW Wärmepumpenleistung<br />
und EUR/m 2 beheizte<br />
Fläche lauten:<br />
y = 4.308,24 ∙ x 0,7955 (EUR/kW)<br />
y = 1.664,95 ∙ x 0,592 (EUR/m 2 )<br />
Diese Funktionen sollen eine erste<br />
Kostenschätzung ermöglichen. In den<br />
Kostenfunktionen ist die Umsatzsteuer<br />
(MwSt.) bereits enthalten.<br />
82 04-05 | 2014
ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL FACHBERICHT<br />
Modell 2, Investitionskosten in Heiztechnik<br />
und Gebäudehülle zur Einhaltung der<br />
EnEV 2009 und des EEWärmeG‘s bei<br />
Neubauten<br />
Nachfolgende Funktionen können zu Kostenschätzungen<br />
der aufgeführten vier Varianten im Neubaubereich<br />
angesetzt werden. Die Funktionen zu<br />
den Investitionskosten am thermischen Anteil der<br />
Gebäudehülle und zur Heizzentrale für die vier<br />
Varianten werden in Bild 2 aufgezeigt. Die Kostenfunktionen<br />
zu den Varianten lauten wie folgt:<br />
Variante EnEV-15 %:<br />
y = 26,157 ∙ x 0,7624 (EUR/kWh/a)<br />
Variante Abwasserwärme:<br />
y = 11,574 ∙ x 0,8156 (EUR/kWh/a)<br />
Variante Umweltwärme:<br />
y = 9,379 ∙ x 0,8127 (EUR/kWh/a)<br />
Variante Holzpellets:<br />
y = 20,747 ∙ x 0,7511 (EUR/kWh/a)<br />
In diesen Investitionskostenfunktionen ist keine<br />
Umsatzsteuer (MwSt.) enthalten. Bezogen auf m 2<br />
beheizte Fläche lassen sich die Kostenfunktionen<br />
für die Varianten wie folgt beschreiben:<br />
Variante EnEV-15 %:<br />
y = 572,08 ∙ x 0,7275 (EUR/m 2 )<br />
Variante Abwasserwärme:<br />
y = 355,27 ∙ x 0,7943 (EUR/m 2 )<br />
Variante Umweltwärme:<br />
y = 258,73 ∙ x 0,7983 (EUR/m 2 )<br />
Variante Holzpellets:<br />
y = 540,12 ∙ x 0,7109 (EUR/m 2 )<br />
800.000<br />
700.000<br />
600.000<br />
500.000<br />
400.000<br />
300.000<br />
200.000<br />
100.000<br />
0<br />
EUR<br />
Investitionskosten Gebäudehülle und Heiztechnik, Modell 2<br />
y = 11,574x 0,8156<br />
R² = 0,7803<br />
y = 9,379x 0,8127<br />
R² = 0,7288<br />
Vergleich der Investitionskosten zur<br />
Heiztechnik bei Neubauten anhand von<br />
vier Varianten<br />
Gemäß Modell 2 lassen sich die unterschiedlichen<br />
Investitionskosten für die vier aufgezeigten<br />
Varianten zur Heiztechnik für Neubauprojekte<br />
unter Berücksichtigung der Umsatzsteuer und<br />
bezogen auf m 2 beheizte Fläche mit Hilfe von<br />
Bild 3 darstellen (Abwasserwärmenutzung in<br />
rot).<br />
Demnach lautet die Kostenfunktion für die Technik<br />
zur Abwasserwärmenutzung bei Neubauten:<br />
y = 471,01 ∙ x 0,7187 (EUR/m 2 )<br />
Werden hinsichtlich der Investitionskosten zur<br />
Abwasserwärmenutzung die beiden Modellansätze<br />
zu Bestandsimmobilien und Neubauten<br />
verglichen, erscheint es am sinnvollsten, als<br />
Bezugsgröße „m 2 beheizte Fläche“ zu berücksichtigen.<br />
Dies ist damit begründbar, da der<br />
Wärmeenergiebedarf in kWh/a gemäß den<br />
Bestandsprojekten auf tatsächlichen Verbräuchen<br />
(Modell 1) basiert und die Wärmemengen<br />
zu Modell 2 aus den EnEV-Bilanzierungen zu den<br />
Objekttypen resultieren. Für erste Investitionsy<br />
= 26,157x 0,7624<br />
R² = 0,8228<br />
y = 20,747x 0,7511<br />
R² = 0,841<br />
0 100.000 200.000 300.000 400.000 500.000<br />
Bild 2: Kostenfunktionen in EUR/kWh/a zu vier Varianten gemäß EnEV und<br />
EEWärmeG, Neubau<br />
400.000<br />
350.000<br />
300.000<br />
250.000<br />
200.000<br />
150.000<br />
100.000<br />
50.000<br />
0<br />
EUR<br />
Kosten Heiztechnik, Modell 2<br />
y = 471,01x 0,7187<br />
R² = 0,9391<br />
y = 931,1x 0,4322<br />
R² = 0,804<br />
y = 567,74x 0,6681<br />
R² = 0,9278<br />
y = 395,29x 0,6624<br />
R² = 0,9315<br />
0 2000 4000 6000 8000 10000 12000<br />
Bild 3: Kostenfunktionen zur vier alternativen Heiztechniken in EUR/m 2 inkl. MwSt.<br />
70.000<br />
60.000<br />
50.000<br />
40.000<br />
30.000<br />
20.000<br />
10.000<br />
0<br />
EUR/a<br />
y = 53,135x 0,8086<br />
R² = 0,7847<br />
y = 54,45x 0,7857<br />
R² = 0,7788<br />
y = 57,034x 0,7696<br />
R² = 0,7739<br />
y = 83,9x 0,7367<br />
R² = 0,777<br />
0 1000 2000 3000 4000 5000 6000<br />
Bild 4: Jahreskostenvergleich zu Objekttypen Wohnen, Büro, Schule, Kindergarten<br />
und Hotel<br />
EnEV-15%<br />
Abwasser<br />
Luft<br />
Holzpellets<br />
kWh/a<br />
EnEV-15%<br />
Abwasser<br />
Luft<br />
Holzpellets<br />
m 2<br />
EnEV-15%<br />
Abwasser<br />
Luft<br />
Holzpellets<br />
m 2<br />
04-05 | 2014 83
FACHBERICHT ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL<br />
EUR/a/m 2<br />
Wohnen bis 250 m2<br />
Schule bis 3000 m2<br />
4,00<br />
Wohnen bis 400 m2<br />
3,00<br />
Hotel bis 5000 m2<br />
2,00<br />
Wohnen bis 700 m2<br />
1,00<br />
0,00<br />
Kindergarten bis 1000 m2<br />
-1,00<br />
Wohnen bis 1700 m2<br />
-2,00<br />
-3,00<br />
-4,00<br />
Handel 25000 m2<br />
Wohnen bis 6000 m2<br />
Handel 9000 m2<br />
Einzelhandel bis 4000 m2<br />
Einzelhandel bis 2000 m2<br />
Büro bis 1800 m2<br />
Büro bis 5000 m2<br />
Großhandel bis 700 m2<br />
EUR/a/m 2<br />
Wohnen bis 250 m2<br />
Schule bis 3000 m2<br />
8,00<br />
7,00<br />
Wohnen bis 400 m2<br />
6,00<br />
Hotel bis 5000 m2<br />
5,00<br />
4,00<br />
Wohnen bis 700 m2<br />
3,00<br />
2,00<br />
1,00<br />
Kindergarten bis 1000 m2<br />
0,00<br />
Wohnen bis 1700 m2<br />
-1,00<br />
-2,00<br />
-3,00<br />
-4,00<br />
Handel 25000 m2<br />
Wohnen bis 6000 m2<br />
Handel 9000 m2<br />
Einzelhandel bis 4000 m2<br />
Einzelhandel bis 2000 m2<br />
Büro bis 1800 m2<br />
Büro bis 5000 m2<br />
Großhandel bis 700 m2<br />
kostenabschätzungen zur Abwasserwärmnutzung können<br />
folgende Ansätze (inkl. MwSt.) angewendet werden:<br />
Bestandsobjekte: y = 1.664,95 ∙ x 0,592 (EUR/m 2 )<br />
Neubauprojekte: y = 471,01 ∙ x 0,7187 (EUR/m 2 )<br />
Ein Vergleich der Investitionskosten zu unterschiedlichen Varianten,<br />
wie in Bild 3 aufgeführt, stellt jedoch noch keine ausreichende<br />
Wirtschaftlichkeitsbetrachtung dar. Aufgrunddessen<br />
werden zusätzlich Jahreskostenfunktionen bei Neubauprojekten<br />
verglichen (Bild 4), damit dem verantwortlichen Immobilienakteur<br />
eine umfängliche Entscheidungsgrundlage vorliegt.<br />
Vergleich der Jahreskosten zur Abwasserwärmenutzung<br />
mit drei Varianten<br />
Die Regressionsfunktionen zu Jahreskosten für Neubauprojekte<br />
werden auf m 2 beheizte Fläche bezogen. In Bild 4<br />
EnEV-15%<br />
Abwasser<br />
Luft<br />
Holzpellets<br />
Bild 5: Wirtschaftliche Einsatzgrenzen der Abwasserwärmenutzung im Vergleich zu drei weiteren<br />
Varianten bezogen auf m 2 beheizte Fläche<br />
EnEV-15%<br />
Abwasser<br />
Luft<br />
Holzpellets<br />
Bild 6: Wirtschaftliche Einsatzgrenzen der Abwasserwärmenutzung bezogen auf m 2 beheizte<br />
Fläche bei Variation der Grundlagen<br />
sind die Jahreskostenfunktionen am<br />
Beispiel von Wohnobjekten, Büros,<br />
Schulen, Kindergärten und Hotels<br />
dargestellt. Die Kosten wurden auf<br />
Grundlage von Referenzobjekten<br />
ermittelt.<br />
Einsatzbereich für Abwasserwärmenutzung<br />
im Vergleich zu drei<br />
Varianten<br />
Bild 4 verdeutlicht, dass die Abwasserwärmenutzung<br />
im Vergleich zur Variante<br />
Biomassenverbrennung (Holzpellets)<br />
und Ersatzmaßnahmen an der Gebäudehülle<br />
(EnEV-15 %) wirtschaftlicher<br />
ist. Dieser Vergleich lässt sich bei einem<br />
Bezug auf Objekttypen sinnvoll in einem<br />
Netzdiagramm aufzeigen. In Bild 5 ist<br />
das Netzdiagramm für definierte Grundlagen<br />
aufgeführt. In Bild 6 ist das Netzdiagramm<br />
bei folgenden Variationen<br />
(Sensitivitätsanalyse) der Berechnungsrundlagen<br />
dargestellt:<br />
»»<br />
Investitionskosten Gebäudehülle:<br />
+20 %,<br />
»»<br />
Investitionskosten Wärmetauscher<br />
und Wärmepumpen:<br />
-20 %<br />
»»<br />
Kapitalzinsen: 5 % statt 6 %<br />
»»<br />
Förderungsanteil bei Variante<br />
Abwasserwärmenutzung:<br />
30 %<br />
»»<br />
Steigerung Energiepreise: Heizöl<br />
und Pellets: +20 %, Strom:<br />
+10 %<br />
»»<br />
verlängerte Nutzungsdauer:<br />
Wärmetauscher im Kanal und<br />
Gebäudehülle auf 40 Jahre,<br />
Wärmepumpen und Kesselanlagen<br />
werden nach 20<br />
Jahren ersetzt<br />
Im Netzdiagramm (Bild 5) wird verdeutlicht,<br />
bei welchen Gebäudetypen die Varianten<br />
„EnEV-15 %“, „Luftwärme“ und „Holzpellets“ oberhalb<br />
oder unterhalb der Variante „Abwasserwärme“ liegen.<br />
Daher kann der wirtschaftliche Einsatzbereich der Abwasserwärmenutzung<br />
aufgrund der Jahreskosten bis auf den<br />
Bereich der großflächigen Einzelhandels- und Handelsobjekte<br />
festgestellt werden. Die Variante „Luftwärme“ ist<br />
größtenteils wirtschaftlicher bzw. in etwa deckungsgleich<br />
zur Abwasserwärmenutzung. Diese Variante stellt jedoch<br />
aufgrund anderer betrieblicher Aspekte (z. B. bivalente<br />
Anlage bzw. Nachheizung, eventuell höherer Verschleiß bei<br />
Wärmepumpen, eventuell höhere Geräuschentwicklung)<br />
nur bedingt eine Alternative dar, wenn die Abwasserwärmenutzung<br />
grundsätzlich beim betrachteten Gebäudestandort<br />
technisch machbar ist, bzw. sie ist bevorzugt bei kleineren<br />
84 04-05 | 2014
ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL FACHBERICHT<br />
Anlagen umzusetzen.<br />
Werden die Berechnungsgrundlagen<br />
wie oben aufgeführt variiert, zeigen<br />
sich deutliche Verschiebungen der<br />
Jahreskosten zugunsten der Abwasserwärmenutzung<br />
(Bild 6). Auch<br />
bei großflächigen Handelsprojekten<br />
haben sich die Jahreskosten der<br />
drei Varianten den Jahreskosten zur<br />
Abwasserwärmenutzung angenähert<br />
und können als vergleichbar bezeichnet<br />
werden. Bei den anderen Objekttypen<br />
ist die Abwasserwärmenutzung<br />
teilweise deutlich wirtschaftlicher als<br />
die drei aufgeführten Varianten. Falls<br />
zusätzlich ein höherer Zinssatz als die<br />
hier angesetzten 5 % betrachtet wird,<br />
vergrößern sich die Kostendifferenzen<br />
weiter.<br />
Grundsätzlich ist demnach für ein<br />
konkretes Projekt festzuhalten, dass<br />
die Abwasserwärmenutzung nicht<br />
nur technisch, sondern auch wirtschaftlich<br />
eine Alternative für jeden<br />
Objekttyp darstellen kann. Spezifische<br />
Kostenuntersuchungen sind im Einzelfall<br />
anzustellen.<br />
Zusammenfassung<br />
Der wirtschaftliche Einsatzbereich der Abwasserwärmenutzung<br />
kann auf Basis einer durchgeführten Sensitivitätsanalyse<br />
folgenden Gebäudetypen zugeordnet werden:<br />
»»<br />
Wohngebäude<br />
»»<br />
Hallen für Großhandel und Gewerbe<br />
»»<br />
Kindergärten<br />
»»<br />
Hotels<br />
»»<br />
Schulen<br />
Je nach Kombination der beeinflussenden Faktoren können<br />
auch bei nachstehenden Objekttypen wirtschaftliche Rahmenbedingungen<br />
vorliegen:<br />
»»<br />
Büro- und Verwaltungsgebäude<br />
»»<br />
Eingeschossige Handels-, Gewerbe-, und<br />
Logistikgebäude<br />
»»<br />
Zweigeschossige Handels-, Gewerbe-, und<br />
Logistikgebäude<br />
Bild 7: Einsatzbereiche der Abwasserwärmenutzung und beeinflussende Faktoren<br />
Abwasserwärme generell eine wirtschaftliche Variante dar.<br />
Bei den übrigen Objekttypen sind die beeinflussenden Faktoren<br />
konkreter zu untersuchen, wobei sich auch bei diesen<br />
Gebäudetypen die Abwasserwärmenutzung als die wirtschaftlichste<br />
Variante herausstellen kann. In Bild 7 verdeutlicht<br />
die Farbskala (von grün nach rot) die zu untersuchende<br />
Anzahl der beeinflussenden Faktoren hinsichtlich einem<br />
wirtschaftlichen Einsatz der Abwasserwärmenutzung.<br />
Literatur<br />
[1] Hamann Achim, Nachhaltige Immobilienwirtschaft am Beispiel<br />
der Abwasserwärmenutzung - Technische Grundlagen,<br />
Sachstand in Deutschland und wirtschaftliche Vergleiche unter<br />
Berücksichtigung der Anforderungen des EEWärmeG‘s und der<br />
EnEV, Oldenbourg Industrieverlag München, 2012<br />
AUTOR<br />
Mit Bild 7 steht für Investitionsentscheider ein abschließendes<br />
Instrument zur Abschätzung der ökonomischen Verhältnisse<br />
bei der Abwasserwärmenutzung zur Verfügung.<br />
Den Handelsflächen können bei gleichen Randbedingungen<br />
auch Gewerbe- und Logistikhallen zugeordnet werden.<br />
Hinsichtlich der untersuchten Gebäudetypen (Wohnanlagen,<br />
Kindergarten, Schule, Hotel und Hallen) stellt die<br />
Dipl.-Ing. M.Sc. M.Sc. ACHIM HAMANN<br />
RS-Plan AG, Bad Kreuznach<br />
Tel. +49 671 483386-39<br />
E-Mail: achim.hamann@rs-plan.com<br />
04-05 | 2014 85
FACHBERICHT ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL<br />
Abwasserwärmenutzung in Straubing:<br />
eine energieeffiziente Technologie<br />
setzt sich durch<br />
Die Zeiten vermeintlich „billiger“ Energie sind in Anbetracht des Klimawandels, der Ressourcenverknappung, der<br />
Umweltgefahren bei Förderung und Transport von Primärenergieressourcen sowie der nicht beantworteten Entsorgungsfrage<br />
bei der Kernenergie sicher vorbei und es müssen – alleine schon im Hinblick auf die nachfolgenden Generationen – Wege<br />
gefunden werden, um vorhandene Energiepotenziale verfügbar zu machen. Die Abwasserwärmenutzung ist dabei ein<br />
Mosaikstein, um die notwendige Energiewende zu schaffen. Durch diese Technik können seriös geschätzt zwischen 2<br />
und 4 % des häuslichen und gewerblichen Wärmeenergiebedarfs gedeckt werden. Das klingt nicht viel, entspricht aber<br />
dennoch rund 1,5 Mio. Haushalten in Deutschland.<br />
Die Technik der Abwasserwärmenutzung findet in den<br />
letzten Jahren durch eine vermehrte Realisierung und den<br />
erfolgreichen Betrieb einiger Anlagen eine breite Zustimmung<br />
bei potenziellen Bauherren wie Tiefbauämtern,<br />
Abwasserverbänden oder Stadtwerken.<br />
Die Stadt Straubing hat sich zum Ziel gesetzt, CO 2<br />
-Emissionen<br />
und den Verbrauch von Primärenergie – so weit wie<br />
technisch und wirtschaftlich unter Nachhaltigkeitsaspekten<br />
möglich – zu reduzieren.<br />
Im Rahmen der energetischen Gebäudesanierung eines<br />
Wohnkomplexes der städtischen Wohnungsbaugesellschaft<br />
in der Sudetendeutschen Straße sollen so – neben der passiven<br />
Einsparung durch Dämmmaßnahmen – auch die aktiven<br />
Einsparpotenziale bei der Wärmeerzeugung ausgeschöpft<br />
werden.<br />
Bild 1: Bestehender und während der Bauphase an Gurten fixierter<br />
Hauptsammler, um den der Abwasserentnahme-, Sieb- und Rückführ-<br />
Schacht betoniert wurde<br />
Aufgrund der vorteilhaften Lage des Kanalhauptsammlers,<br />
der unmittelbar an dem Wohnkomplex vorbei führt, fiel die<br />
Entscheidung nach Prüfung weiterer regenerativer Formen<br />
an Heizungstechnik, auf die Nutzung des dort vorhandenen<br />
Potenzials der Wärme im Abwasser.<br />
Eine Machbarkeitsstudie zur Abwasserwärmenutzung an<br />
diesem Standort konnte zeigen, dass diese Technik nicht<br />
nur ökologisch, sondern auch im hohen Maße ökonomisch<br />
umsetzbar ist. Das Planungsteam, bestehend aus Ingenieuren<br />
der Bereiche Tiefbau, Siedlungswasserbau, Verfahrens-,<br />
aber auch der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik, hat<br />
dann im Rahmen der Vor-, Entwurfs- und Ausführungsplanungen<br />
ein Konzept entwickelt, bei dem die Wärme aus<br />
dem Abwasser nach dessen Siebung im Kanal entnommen<br />
und über einen Bypass-Wärmetauscher der Wärmepumpenanlage<br />
zugeführt wird.<br />
Die ausgeführte Anlagentechnik ist nunmehr seit November<br />
2010 in Betrieb und schafft dabei – gemessen an einer<br />
konventionellen Gas-Brennwert-Heizung – eine CO 2<br />
-Reduzierung<br />
von rund 23 % [1]. Da die Anlage aufgrund weiterer<br />
anstehender Gebäudesanierungen in dem Gebiet für nahezu<br />
die doppelte Menge an Haushalten ausgelegt wurde,<br />
ist nach deren Anschluss nach den heutigen Betriebsergebnissen<br />
ein äußerst wirtschaftliches Resultat zu erwarten.<br />
Planung<br />
Bei der Planung von Anlagen zur Abwasserwärmenutzung<br />
spielen für den wirtschaftlichen Anlagenbetrieb eine Reihe<br />
Randbedingungen eine wesentliche Rolle. Für eine Vorprüfung<br />
können die folgenden fünf Punkte zusammengefasst<br />
werden [2]:<br />
1. Abwassermenge von mindestens 5.000 Einwohnern<br />
2. Ausreichend großer Wärme-Abnehmer von mindestens<br />
150 kW (z. B. Rathäuser, Verwaltungsgebäude,<br />
Schulen, Kindergärten, Hotels, Heime, Sporthallen)<br />
3. Kurze Entfernung der Wärmeabnehmer zur Kanalisation<br />
(100 m in bebauten, 300 m in unbebauten<br />
Gebieten)<br />
86 04-05 | 2014
ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL FACHBERICHT<br />
4. Fehlen „konkurrierender“ Energieträger wie<br />
Fernwärme<br />
5. Vorhandene oder beabsichtigte Planung einer<br />
Kanalsanierung<br />
Diese Punkte können über das Kanal-GIS in eine so genannte<br />
Energiekarte übertragen werden, um mögliche Standorte<br />
für diese Technik zu identifizieren.<br />
Wenn diese Voraussetzungen für ein Projekt erfüllt sind,<br />
kann das Wärmetauschersystem geplant werden. Der Markt<br />
bietet hierzu zwei unterschiedliche Systeme an:<br />
»»<br />
im Kanal verlegte und vom Abwasser überströmte<br />
Rinnenwärmetauscher, die eine hohe Abflusskapazität<br />
voraussetzen, da hierbei der Fließquerschnitt eingeschränkt<br />
wird<br />
»»<br />
im Bypass zum Kanal aufgestellte Wärmetauscher mit<br />
automatisierter Feststoffentnahme und Biofilmreinigung,<br />
die keine Einschränkungen des Kanalsystems<br />
bewirken.<br />
Aufgrund der eingeschränkten Abflusskapazität in dem<br />
DN 1.400-Hauptsammler an der Straubinger Sudetendeutschen<br />
Straße kam eine weitere Querschnittsverringerung<br />
durch den Einbau von Rinnenwärmetauschern nicht in<br />
Frage, so dass die weiteren mit dem externen Bypass-System<br />
fortgesetzt wurden.<br />
Hierzu war es notwendig, das Abwasser über eine Siebanlage<br />
in den Bypass-Wärmetauscher zu pumpen und das<br />
wärmeabgereicherte Wasser zusammen mit dem entnommenen<br />
Siebgut in den Hauptsammler zurückzuführen. Um<br />
diese Anforderung zur erfüllen, wurde um den bestehenden<br />
Hauptsammler ein Schachtbauwerk errichtet, das die Siebanlage<br />
und den Rückfluss integriert. Bautechnische Besonderheit<br />
war hierbei, dass der bestehende Sammler innerhalb<br />
des Schachtbauwerks an Gurten aufgehängt wurde<br />
und so der Kanalbetrieb während der Bauarbeiten nicht<br />
beeinträchtigt wurde, da um den aufgehängten Sammler<br />
in der umspundeten, trockenen Baugrube betoniert werden<br />
konnte (Bild 1). Durch diese Bauweise konnte der Aufwand<br />
für Abwasserhaltung sowie An- und Umschlussarbeiten<br />
deutlich im Vergleich zu anderen Kanalbauverfahren reduziert<br />
werden.<br />
In einem weiteren Schritt wurden parallel die Ausführung<br />
und die Hydraulik des Wärmepumpenheizsystems geplant.<br />
Da 20 Wohneinheiten bereits ein Jahr vor der Planung der<br />
Abwasserwärmenutzungsanlage wärmetechnisch saniert<br />
und dabei mit konventionellen Heizkörpern ausgestattet<br />
wurden, deren Vorlauftemperaturen bei mindestens 55 °C<br />
liegt, musste hierfür eine eigene Wärmepumpe vorgesehen<br />
werden, die – energetisch nicht optimal – mit der hohen<br />
Vorlauftemperatur betrieben wird. Alle weiteren 82 Wohneinheiten<br />
konnten dann mit einer Fußbodenheizung ausgerüstet<br />
werden, die durch eine Wärmepumpe mit einem<br />
energetisch vorteilhaften 35 °C-Vorlauf gespeist wird.<br />
Die Warmwasserversorgung erfolgt in einem separaten<br />
Nahwärmestrang, in dem das über die zentral durch die<br />
Wärmepumpe aufgeheizte Frischwasser durch ein Gasbrennwertgerät<br />
auf die erforderliche Temperatur von 65 °C<br />
aufgeheizt wird, so dass eine ausreichende Legionellen-<br />
Bild 2: Vereinfachtes Heizungsschema für die Abwasserwärmenutzungsanlage<br />
in der Straubinger Sudetendeutschen Straße<br />
Prophylaxe gewährleistet ist. In Bild 2 ist das vereinfachte<br />
Heizungs- und Warmwasserbereitungsschema mit den<br />
Leistungs- und Temperaturdaten dargestellt.<br />
Mit dieser Anlagenkonfiguration bestehend aus Abwassersiebung<br />
und -entnahme, Bypass-Wärmetauscher, Wärmepumpe<br />
mit Spitzenlast-Gasbrennwertkessel, Wärmepuffer<br />
und Heizungshydraulik kann eine Gesamtwärmemenge<br />
von 500.000 kWh erzeugt werden. Davon werden rund<br />
65 % dem Abwasser entnommen, weitere 25 % werden<br />
in Form von preiswertem Wärmepumpenstrom eingesetzt.<br />
Lediglich 10 % der Heizwärme sind zur Spitzenlastabdeckung<br />
für besonders kalte Tage konventionell über Erdgas<br />
abzudecken.<br />
Ausrüstung<br />
Ein völlig neuartiger Weg im Bereich der Abwasserwärmenutzung<br />
wird im Projekt Straubing mit dem von der Fa.<br />
Huber SE aus Berching entwickelten ThermWin ® -Verfahren<br />
(Bild 3) beschritten. In diesem Fall erfolgt die Wärmerückgewinnung<br />
aus Abwasser durch einen außerhalb<br />
04-05 | 2014 87
FACHBERICHT ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL<br />
Bild 3: ThermWin ® -Verfahren zur Abwasserwärmenutzung<br />
Bild 4: Abwasserwärmetauscher Huber-RoWin<br />
des Kanals angeordneten Wärmetauscher. Hierzu wird<br />
zunächst ein Teilstrom des Abwassers aus dem Kanal entnommen<br />
und auf eine Siebstufe geleitet, die die im Abwasser<br />
enthaltenen Grobstoffe zurückhält. Anschließend wird<br />
das gesiebte Abwasser auf den oberflur aufgestellten<br />
Wärmetauscher geführt, der im Freispiegel durchflossen<br />
wird. Nach Durchströmen des Wärmetauschers wird das<br />
Abwasser unter Mitnahme der in der Siebstufe zurückgehaltenen<br />
Grobstoffe wieder in den Abwasserkanal unterhalb<br />
der Entnahmestelle eingeleitet.<br />
Kommunales Abwasser besitzt aufgrund der Inhaltsstoffe<br />
die Eigenschaft, einen Biofilm – auch Sielhaut genannt – zu<br />
bilden. Dieser Biofilm kann die Wärmeübertragungsleistung<br />
um bis zu 60 % reduzieren, die bei der Dimensionierung<br />
der Tauscherfläche zu berücksichtigen ist. Dies<br />
ist insbesondere bei Wärmetauschersystemen der Fall, die<br />
über keine selbstständige Reinigungsmöglichkeit verfügen.<br />
Als Gegenmaßnahmen können folgende Maßnahmen<br />
ergriffen werden, um die Biofilmbildung zu reduzieren:<br />
»»<br />
Vergrößerung der Wärmetauscherfläche<br />
»»<br />
Spülintervalle mittels Schwallspülung<br />
»»<br />
Einsatz eines erweiterbaren Systems<br />
Eine Vergrößerung der Wärmetauschfläche hat einen signifikanten<br />
Einfluss auf die Investitionen, was sich in der<br />
Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems widerspiegelt. Ebenso<br />
wird die systemspezifische Hydraulik im Sekundärkreis<br />
zwischen dem Wärmetauscher und der Wärmepumpe<br />
durch erhöhte Druckverluste aufgrund der Biofilmbildung<br />
nachteilig beeinflusst. Auch bei Einsatz einer intensiven<br />
Spülung reduziert sich erfahrungsgemäß die Wärmetauscherleistung<br />
dennoch um rund 20 %.<br />
Eine Minimierung des Biofilm-Einflusses kann nur erfolgen,<br />
wenn dieser regelmäßig und präventiv von den<br />
Wärmetauscherflächen entfernt wird. Hierzu können<br />
automatisch gereinigte Wärmetauschersysteme eingesetzt<br />
(Bild 4). Der Vorteil eines solchen Systems ist, dass<br />
dieses optimal dimensioniert werden kann und die Wärmepumpe<br />
dauerhaft in einem energetisch günstigen<br />
Bereich arbeitet.<br />
Wie bereits erwähnt, wurde die Abwasserwärmenutzung<br />
im dargestellten Projekt mit Hilfe des ThermWin ® -<br />
Verfahrens geplant und umgesetzt. In der Nähe der zu<br />
beheizenden Wohngebäude verläuft ein Sammler zur<br />
zentralen Kläranlage, der im Nachtminimum mindestens<br />
ca. 120 l/s Abwasser ableitet. Im Bereich einer Verkehrsinsel,<br />
unter der der Sammler entlang fließt, wurde der<br />
beschriebene Entnahmeschacht angeordnet, in dem eine<br />
Siebanlage integriert ist, um die oberirdisch aufgestellten<br />
Wärmetauscher (Bild 5) vor Grobstoffen zu schützen.<br />
Ein Teil des Abwassers wird aus dem Kanal über eine<br />
Überlaufschwelle abgeleitet und mit zwei Pumpen über<br />
eine Strecke von 100 m zum Technikgebäude gefördert.<br />
Im Technikgebäude sind neben den Wärmetauschern auch<br />
die Wärmepumpen sowie die gesamte Steuerungs- und<br />
Regelungstechnik angeordnet. Anschließend fließt das<br />
abgekühlte Abwasser über einen nahegelegenen Abwasserkanal<br />
wieder zurück in den Sammler.<br />
Betrieb<br />
Der Entwässerungsbetrieb der Stadt Straubing ist für den<br />
Unterhalt der Abwasserwärmenutzung verantwortlich. Die<br />
Anlage wurde im November 2010 in Betrieb genommen.<br />
Während dieser Zeit lief die Anlage nach wenigen Variationen<br />
von Betriebseinstellungen störungsfrei.<br />
Es zeigte sich in der Praxis, dass die Wärmepumpen nicht<br />
ohne den Einsatz von Frostschutz betrieben werden können,<br />
da bei Schneeschmelze die Abwassertemperatur bis<br />
5 °C absinken kann, so dass die Wärmepumpe wegen<br />
des Gefrierschutzes abschalten würde. Somit musste dem<br />
Heizkreislauf Glykol zugegeben werden, was den Wär-<br />
88 04-05 | 2014
ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL FACHBERICHT<br />
meübergang und somit den Wirkungsgrad der Anlage<br />
geringfügig verringert.<br />
Um der Geruchproblematik vorzubeugen, ist es zudem<br />
empfehlenswert, bei Schachtöffnungen abgedichtete<br />
Kanaldeckel zu verwenden.<br />
Auch die Auslegung der Wärmepumpen verlangt höchste<br />
Aufmerksamkeit. Sind die Pumpen zu groß dimensioniert,<br />
ergeben sich sehr kurze Ein- und Ausschaltintervalle, was<br />
die Effizienz der Pumpen verringert. Sind sie mit einer zu<br />
geringen Leistung dimensioniert, können die Wohnungen<br />
nicht ausreichend beheizt werden. Die Heizwert-Berechnung<br />
für das jeweilige Objekt ist daher von ausschlaggebender<br />
Bedeutung, um die Zahl der Volllaststunden für<br />
die Wärmepumpe zu maximieren.<br />
Ebenso zeigt sich im Betrieb, dass ein hydraulischer<br />
Abgleich der Heizungsanlagen, der in Straubing erst in<br />
der dritten Heizsaison erfolgten konnte, einen wesentlichen<br />
Einfluss auf die Jahresarbeitszahl und damit die<br />
Wirtschaftlichkeit der Anlage ausübt.<br />
Zusammenfassung und Ausblick<br />
Die Stadt Straubing hat sehr frühzeitig erkannt, dass der<br />
Standort „Sudetendeutsche Straße“ zusammen mit den<br />
dort ohnehin geplanten Sanierungsarbeiten, ideale Voraussetzungen<br />
für die Abwasserwärmenutzung bietet.<br />
Am 9. Mai 2011 wurde die Anlage durch Staatsminister Dr.<br />
Markus Söder von offizieller Seite in Betrieb genommen.<br />
Zuvor hat die Anlage jedoch schon seit November 2010<br />
gezeigt, dass die Technik auch bei einem extrem langen und<br />
harten Winter (2010/2011) zuverlässig und umweltschonend<br />
die 102 Wohnungen in der Sudetendeutschen Straße mit<br />
Heizwärme versorgen kann.<br />
Voraussetzung dafür war jedoch die sorgfältige Planung<br />
und ein reibungsloses Zusammenspiel der erforderlichen<br />
Fachdisziplinen insbesondere im Bereich des Tiefbaus und<br />
der Heizungs- und Lüftungsplanung.<br />
Aufgrund der herausragenden Bedeutung, der großen Innovation<br />
und des Vorbildcharakters der Anlage in Straubing<br />
wurde das Projekt im Jahr 2010 als Leuchtturm-Projekt<br />
des UmweltCluster Bayern ausgezeichnet. Im Jahr 2012<br />
wurden das Projektteam bestehend aus den Autoren und<br />
dem Hersteller der Wärmetauschertechnik, die Firma Huber<br />
SE, zudem mit dem 1. Platz des Bayerischen Energiepreises<br />
in der Kategorie „Energiekonzepte und Initiativen“<br />
ausgezeichnet.<br />
Nachdem die Anlage seit nunmehr vier Heizperioden<br />
zuverlässig, CO 2<br />
-mindernd und wirtschaftlich Wärme für<br />
eine ganze Wohnsiedlung erzeugt, hat sich diese energieeffiziente<br />
Technologie auch deutschlandweit durchgesetzt,<br />
wie die Vielzahl von Projekten in Hagen, Hamburg oder<br />
Berlin zeigt.<br />
Literatur<br />
[1] Jung, R., Weger, A., Franke, M.: Abschlussbericht zur<br />
wissenschaftlichen Begleitung der Abwasserwärmenutzungsanlage<br />
Sudetendeutsche Straße in Straubing;<br />
Lehrstuhl für Rohstoff- und Energietechnologie, Technische<br />
Bild 5: Abwasserwärmetauscher im Technikgebäude<br />
Universität München in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-<br />
Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT,<br />
Sulzbach-Rosenberg; Auftraggeber Eigenbetrieb Straubinger<br />
Stadtentwässerung und Straßenreinigung, Straubing, 2. August<br />
2013, unveröffentlicht<br />
[2] Christ, O., Mitsdoerffer, R., 2013: Energie aus Abwasser –<br />
ein Leitfaden für Kommunen; Publikation des Bayerischen<br />
Landesamts für Umwelt (LfU), Augsburg, 2013<br />
AUTOREN<br />
Prof. Dr.-Ing. OLIVER CHRIST<br />
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf,<br />
Fakultät Umweltingenieurwesen, Fachgebiet<br />
Siedlungswasserbau, Weidenbach<br />
Tel. +49 9826 654-229<br />
E-Mail: oliver.christ@hswt.de<br />
Dr.-Ing. RALF MITSDOERFFER<br />
GFM Beratende Ingenieure GmbH,<br />
München<br />
Tel. + 49 89 3801 7814<br />
E-Mail: mits@gfm.com<br />
Dipl.-Ing. Univ. CRISTINA POP<br />
Eigenbetrieb Straubinger Stadtentwässerung<br />
und Straßenreinigung, Tiefbauamt,<br />
Straubing<br />
Tel. +49 9421 944-444<br />
E-Mail: cristina.pop@straubing.de<br />
04-05 | 2014 89
FACHBERICHT ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL<br />
Wärme aus Abwasser und dem<br />
umgebenden erwärmten Erdreich nutzen<br />
Unser Abwasser wird mittlerweile immer stärker als mögliche Wärmequelle gesehen. Über Wärmepumpen und<br />
Kältemaschinen kann diese immense Wärmequelle heute wirtschaftlich erschlossen werden. Nachdem Strom, aufgrund des<br />
steigenden Anteils der regenerativen Erzeugung, immer umweltfreundlicher wird, ist der Einsatz von elektrisch betriebenen<br />
Wärmepumpen und der zusätzlich gewonnenen Umweltenergie aus dem Abwasserkanal und dem umgebenden,<br />
erwärmten Erdreich eine interessante zukunftsfähige Technologie. Eines der am Markt befindlichen Systeme ist das PKS-<br />
Thermpipe ® der Firma Frank GmbH aus Mörfelden, das im Folgenden vorgestellt wird.<br />
Die Wärmequelle Abwasser<br />
Die Menge an regenerativer Energie ist in der Summe gesehen<br />
weltweit prinzipiell unerschöpflich. Da Energie gemäß dem<br />
Energieerhaltungssatz nie verloren geht, ist es eine technische,<br />
wirtschaftliche und ökologische Herausforderung diese in<br />
einem Zustand der Wiedernutzbarkeit zu erhalten. Durch<br />
Rückgewinnungsmöglichkeiten soll sich der Energiekreislauf<br />
ständig schließen. Energieverluste stellen keine Vernichtung<br />
von Energie dar, sondern lediglich Umwandlungen in nicht<br />
nutzbare Energie, sogenannte Anergie.<br />
Das Erdreich um die Abwasserkanäle nimmt ständig die<br />
Wärmeenergie des Abwassers auf (Wärmeverlust) und fungiert<br />
quasi als „Anergiespeicher“.<br />
Häusliches Abwasser verlässt das Eigenheim in Richtung<br />
öffentliche Kanalisation mit einer durchschnittlichen<br />
Temperatur von 22 °C (bei industriellem Abwasser liegen<br />
die Temperaturen teilweise noch höher). Bis zur Kläranlage<br />
kühlt sich das Abwasser in der Regel auf 10 bis 16 °C ab.<br />
Dabei gibt das Abwasser die Temperatur an das umgebende<br />
Erdreich ab. Jeder Liter Abwasser verliert so bis zu<br />
12 Kelvin, das sind rund 13 Wh, an das Erdreich. Gängige<br />
Abwasserwärmerückgewinnungssysteme, ohne Einbindung<br />
des Erdreichs, gewinnen bisher lediglich aus dem Abwasser<br />
die Energie. Um die Biologie auf den Kläranlagen nicht zu<br />
stören, liegt die mögliche Entwärmung des Abwassers durch<br />
diese Wärmerückgewinnungssysteme im Bereich von 1 K.<br />
Das darüber liegende große Anergiepotenzial bleibt so noch<br />
ungenutzt.<br />
Das „System“ PKS-Thermpipe ®<br />
Die PKS-Thermpipe-Rohre ® sind querschnittsfreie<br />
Abwasser-Wickelrohre, die eine Grundwand besitzen,<br />
sowie außenliegende Stützschläuche zur statischen<br />
Lastaufnahme des Erdreichs. Die Stützschläuche werden<br />
mit einem Wärmeträgermedium (Glykolgemisch oder<br />
Wasser) durchströmt. Dieses Wärmeträgermedium führt<br />
die im Abwasserkanalbereich entzogene Wärme an eine<br />
Wärmepumpe (oder Kältemaschine), die das niedrige<br />
Temperaturniveau mittels eines Verdichters auf höhere<br />
Heiztemperaturen zur Gebäudeheizung bringt.<br />
Bild 1: Abwassertemperaturverlauf im Kanal Bild 2: Das System PKS-Thermpipe ®<br />
90 04-05 | 2014
ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL FACHBERICHT<br />
Das PKS-Thermpipe ® entzieht direkt Wärme aus dem<br />
Abwasser ohne Staustellen und zusätzlich entnimmt es<br />
gleichzeitig die Energie aus dem umgebenden erwärmten<br />
Erdreich. Rund 20 % der Wärmeenergie entstammen<br />
aus dem Abwasser direkt und etwa 80 % aus dem vom<br />
Abwasser erwärmten Erdreich. Das Erdreich mit seiner Speicherfunktion<br />
ist gerade in den Fällen wichtig, wenn diskontinuierlich<br />
Abwasser mit unterschiedlichen Temperaturhöhen<br />
anfällt. Man kann über die Pufferwirkung eine relativ<br />
gleichbleibende und verlässliche Wärmeentzugsleistung<br />
erzielen. Das Erdreich wird thermisch laufend durch nachfließendes<br />
Abwasser in den Abwasserrohren regeneriert.<br />
Bei hohen Abwassertemperaturen, z. B. aus industriellem<br />
Prozessabwasser mit über 30-40 °C, kann Trinkwasser auch<br />
ohne Wärmepumpeneinsatz vorerwärmt werden. Benötigt<br />
man die Abwasserwärmerückgewinnung zu Gebäude- oder<br />
Prozessheizzwecken mit entsprechendem Vorlauftemperaturniveau,<br />
werden eine oder mehrere Wärmepumpen<br />
eingesetzt.<br />
Das PKS-Thermpipe ® ist im Grunde eine optimierte waagrechte<br />
Geothermiesonde und verwendet als Wärmequelle höhere<br />
Temperaturen gegenüber der klassischen Geothermie. Aus<br />
diesem Grund sind auch die Wirkungsgrade (Leistungszahlen)<br />
der Wärmepumpen mit dem PKS-Thermpipe ® höher. Sofern<br />
ein Kanalneubau ansteht sind die Mehrkosten, um neben<br />
der Abwasserentsorgung auch die Wärme zu nutzen, relativ<br />
gering.<br />
Ein weiterer vorteilhafter Aspekt ist, dass Gebäude mit<br />
dem PKS-Thermpipe ® über reversible Wärmepumpen oder<br />
Kältemaschinen effektiv gekühlt werden können. Passives<br />
Kühlen ist ebenso auch ohne maschinellen Einsatz möglich.<br />
Im Sommer wird die aus den Gebäuden entzogene Wärme<br />
(Kühlung) an das Erdreich und an das Abwasser abgegeben.<br />
Aufgrund der höheren Temperaturdifferenz im Vergleich zu<br />
elektrisch betriebenen Außenluftklimaanlagen werden dabei<br />
höhere Leistungszahlen erreicht. Das zusätzliche Aufheizen<br />
der Innenstädte im Sommer aufgrund der wärmeabgebenden<br />
Klimageräte kann über die erdreichgebundene Wärmeabfuhr<br />
umweltfreundlich umgangen werden. Der in das Erdreich<br />
eingespeiste Wärmeenergieanteil steht im winterlichen Heizfall<br />
unter bestimmten Konstellationen wieder zur Verfügung.<br />
Erhöhen der Energiespeicherfähigkeit<br />
Zur Verbesserung der Energiespeicherfähigkeit des Erdreichs,<br />
ist der Einsatz von thermisch optimierten Verfüllbaustoffen<br />
möglich. Diese flüssig in den Rohrgraben eingebrachten<br />
Baustoffe härten spatenstichfest und formschlüssig um<br />
das PKS-Thermpipe ® -Rohr aus. Sie sind hinsichtlich der<br />
spezifischen Wärmekapazität und der Wärmeleitfähigkeit<br />
optimiert und weisen bessere Werte als die gängigen<br />
Einsandungen und das natürliche Erdreich auf. Durch die<br />
Formschlüssigkeit zum Wärmetauscher entstehen keine<br />
wärmeübergangsbehindernden Lufteinschlüsse. Auch die<br />
statische Ankopplung an das Erdreich wird verbessert.<br />
Befinden sich die Abwasserleitungen im Bereich des<br />
Grundwassers, erhöht sich die Effizienz des Gesamtsystems<br />
aufgrund der erhöhten Energieaufnahmefähigkeit.<br />
Bild 3: PKS-Thermpipe ® Heerenveen DH 600<br />
Bild 4: PKS-Thermpipe ® Winnenden DN 1500<br />
Bild 5: PKS-Thermpipe ® DN 500 mit Passstück<br />
04-05 | 2014 91
FACHBERICHT ENERGIEVERSORGUNGSSYSTEME IM WANDEL<br />
»»<br />
Heizleistung: 22,7 kW<br />
»»<br />
Entzugsleistung: 18,5 kW<br />
Anlage in Dax (Frankreich), Eco Quartier du<br />
Mousse, (Bild 6)<br />
Anlagedaten:<br />
»»<br />
PKS-Thermpipe ® DN 800: 144 m<br />
»»<br />
Heizkreise: 24<br />
»»<br />
Trockenwetterabfluss: 138 l/s<br />
»»<br />
Temperatur im Abwasser: 16-27 °C<br />
»»<br />
Entzugsleistung: 120 kW<br />
»»<br />
Heizleistung: 147 kW<br />
»»<br />
Wärmebedarf: Deckungsgrad mit Thermpipe (90 %),<br />
Rest Gasbrennwert (10 %)<br />
Bild 6: PKS-Thermpipe ® DN 800, Verteilerschacht mit 24 Heizkreisen in<br />
Dax, Frankreich<br />
Beispiele ausgeführter Anlagen<br />
Anlage in Winnenden, Kläranlage Zipfelbachtal,<br />
(Bild 4)<br />
Anlagendaten:<br />
»»<br />
PKS-Thermpipe ® DN 1500: 60 m<br />
»»<br />
Heizkreise: 10<br />
»»<br />
Trockenwetterabfluss: 40 l/s<br />
»»<br />
Abwassertemperatur im Winter: 13 °C<br />
»»<br />
Heizleistung: 43 kW<br />
»»<br />
Entzugsleistung: 34,4 kW<br />
»»<br />
Wärmepumpen-Vorlauftemperatur: 50 °C<br />
»»<br />
Wärmepumpen-Rücklauftemperatur: 40 °C<br />
»»<br />
Soleeintrittstemperatur: 6 °C<br />
»»<br />
Soleaustrittstemperatur: 3 °C<br />
»»<br />
COP bei Auslegung: 5,0<br />
Anlagen in Heerenveen (Niederlande), (Bild 3)<br />
Anlagendaten (vier Einzelanlagen):<br />
»»<br />
Anlage 1: 60 m Thermpipe DN 800; 50 kW<br />
Entzugsleistung, ca. 70 kW Heizleistung<br />
»»<br />
Anlage 2: 60 m Thermpipe DN 700; 45 kW<br />
Entzugsleistung, ca. 60 kW Heizleistung<br />
»»<br />
Anlage 3: 60 m Thermpipe DN 700; 45 kW<br />
Entzugsleistung, ca. 60 kW Heizleistung<br />
»»<br />
Anlage 4: 60 m Thermpipe DN 600; 38 kW<br />
Entzugsleistung, ca. 52 kW Heizleistung<br />
Anlage in Weimar Wimaria Sportzentrum, (Bild 5)<br />
Anlagendaten:<br />
»»<br />
PKS-Thermpipe ® DN 500: 36 m<br />
»»<br />
Trockenwetterabfluss: 7,5 l/s<br />
»»<br />
Heizkreise: 3<br />
Fazit und Ausblick<br />
»»<br />
Erdreichgebundene Abwasserwärmetauscher speichern<br />
die Energie aus Abwasser und stellen diese bei Bedarf<br />
wieder zur Verfügung. Sie sind so auch ein bedeutender<br />
Baustein im Smart Grid und entlasten die Stromnetze.<br />
»»<br />
Selbst erzeugter überschüssiger Strom, z. B. aus einer<br />
Photovoltaikanlage, kann über reversible Wärmepumpen<br />
in Wärme umgewandelt und im kanalumgebenden<br />
Erdreich zwischen gespeichert werden. Die<br />
Wärmepumpen-Heizungspuffer in den Gebäuden<br />
helfen zusätzlich die Lastspitzen des Stromnetzes zu<br />
kompensieren.<br />
»»<br />
Stauraumkanäle aus PKS-Thermpipe ® -Rohren<br />
(Abwasserreservoire) können gezielt bei Stromlasttiefen<br />
auf niedrigem Temperaturniveau als Wärmespeicher<br />
verwendet werden.<br />
»»<br />
Erdreichgebundene Abwasserwärmenutzungsanlagen<br />
können im Altbau oder in Nah- und Fernwärmenetzen<br />
einen überaus großen einspeisenden Energieanteil über<br />
die Anhebung des Heizungsrücklaufs wirtschaftlich und<br />
ökologisch übernehmen.<br />
»»<br />
Thermische Aktivierung von Infrastruktur als<br />
Einsparmöglichkeit für Kommunen ist ein weites Feld. So<br />
kann Abwasserwärme z.B. genutzt werden zur passiven<br />
(ohne Wärmepumpenunterstützung) Eisfreihaltung von<br />
öffentlichen Plätzen, Gehwegen, Bahnsteigen, Weichen<br />
usw..<br />
BERNHARD LÄUFLE<br />
Frank GmbH, Mörfelden-Walldorf<br />
Tel. +49 6105 4085-209<br />
E-Mail: b.laeufle@frank-gmbh.de<br />
Halle B6, Stand 312<br />
AUTOR<br />
92 04-05 | 2014
WASSERVERSORGUNG PROJEKT KURZ BELEUCHTET<br />
Wasserleitung von der Türkei nach Zypern<br />
PE 100-Transportleitung d 1600 und deren technische Flanschlösung<br />
Die Verwendung von Polyethylen-Druckrohrleitungen wird international immer angesehener und anspruchsvoller. Die<br />
Gründe dafür sind vielschichtig, angefangen mit der hervorragenden Beständigkeit gegen Korrosion, der Flexibilität der<br />
PE 100-Rohre und den sich dadurch ergebenen Verlege- und Kostenvorteilen.<br />
Mit dem Bau der 80 km langen Trinkwasserleitung quer<br />
durch das Mittelmeer werden neue Maßstäbe in der Wasserversorgung<br />
gesetzt. Die von der Türkischen Republik<br />
Nordzyperns (TRNC) dringend benötigte Wasserleitung<br />
führt vom türkischen Festland (Provinz Mersin) zum türkischen<br />
Teil der Insel Zypern. Für das TRNC-Project werden<br />
500 m lange PE-Rohrstränge in einem Stück hergestellt und<br />
ca. 250 m unter dem Meeresspiegel freischwebend verlegt.<br />
Eine sonst übliche Verlegung am Meeresgrund war bei<br />
diesem Projekt nicht die erste Wahl. Einer der Gründe dafür<br />
sind die Tiefen der Verlegungsstrecke von bis zu 1.400 m<br />
unter dem Meeresspiegel, die von vielen Unterseeklippen<br />
überzogen sind.<br />
Die Planung des Projektes ist bereits mehr als 15 Jahre<br />
alt. Bereits 1998 wurde der Alaköprü-Damm auf der türkischen<br />
Seite geplant. Die Verlegung der PE 100-Druckrohrleitung<br />
ist nur der Abschluss einer längeren Prozesskette.<br />
In den Bergen, nordöstlich der Mittelmeerstadt<br />
Anamur, begann 2011 der Bau des Alaköprü-Dammes,<br />
der zusätzlich zur Stromgewinnung mittels Wasserkraftwerk<br />
genutzt werden soll und das benötigte Wasser<br />
aufstaut. Von dort aus führt eine Leitung das Wasser<br />
zum Pumpwerk der Stadt Anamur, von wo aus die PE-<br />
Druckleitung in das Mittelmeer eintritt. Nach der ca.<br />
80 km Meeresüberquerung trifft die PE-Druckleitung auf<br />
das Festland der Türkischen Republik Nordzyperns. Dort<br />
wird das Wasser in das ca. 3 km entfernte Reservoir des<br />
Geçitköy-Damms gepumpt.<br />
Das einmalige PE-Projekt beginnt dort, wo in unmittelbarer<br />
Nähe zum Auffangbecken von Taşucu bereits seit<br />
vielen Monaten auf drei Extruder-Anlagen parallel die<br />
PE 100-Druckrohre mit einem Außendurchmesser von<br />
1.600 mm und der benötigten Länge von je 500 m hergestellt<br />
werden. Dies führt nicht nur zu Kostenvorteilen,<br />
sondern ist auch für viele Projekte ein gewünschter und<br />
vorgeschriebener Sicherheitsvorteil. Diese Länge ergab<br />
Bild 1: Aufbau der Meeresüberquerung zwischen der Türkei und Zypern<br />
04-05 | 2014 93
PROJEKT KURZ BELEUCHTET WASSERVERSORGUNG<br />
Bild 2: Links: Bereits gefertigter Vorschweißbund bei REINERT-RITZ, rechts: Vorschweißbund inklusive Stahlkammerung,<br />
Rohrverlängerung und Versteifung<br />
sich aus der Tatsache, weil PE-Rohre normalerweise aufgrund<br />
ihrer speziellen Dichte unter 1 g/cm -3 auf dem Wasser<br />
schwimmen würden. Zusammen mit der niedrigeren<br />
Dichte von Frischwasser, gegenüber dem Meerwasser,<br />
führt dies zu enormen Auftriebskräften. Dem entgegen<br />
wirken die Verbindungspunkte der Rohre, bestehend aus<br />
je zwei Flanschverbindung und einem Stahlbogens, an<br />
dem diese Flanschverbindung befestigt wird. Die Stahlbögen<br />
mit einer Abmessung von 1.514 mm Außendurchmesser,<br />
einem Biegeradius von 8.000 mm und einem<br />
Biegewinkel von 30° wiegen allein ohne Anschlussstücke<br />
ca. 10 Tonnen. Mit den zwei Anschlussstücken beläuft<br />
sich das Gewicht auf ca. 13 Tonnen. Die Stahlbögen, die<br />
auch als Fix- und Ankerpunkte dienen, werden mittels<br />
Stahlseil anschließend auf 250 m Tiefe heruntergezogen<br />
und am Meeresboden verankert (Bild 1), womit die<br />
Besonderheit des Projektes noch besser veranschaulicht<br />
werden kann.<br />
Die speziell hergestellten Verbindungselemente werden<br />
vor Ort an die langen PE-Rohre angeschweißt und mittels<br />
eines dafür vorgesehenen Stahlflansches an die Stahlbögen<br />
angeschraubt. Anschließend wird diese Verbindung als<br />
Fix- und Ankerpunkte mittels Stahlseilen am Meeresboden<br />
verankert. Die Herausforderung für REINERT-RITZ bestand<br />
darin, mit ihrem Produkt die PE-Rohre und Stahlbögen sicher<br />
und dauerhaft zu verbinden, so dass ihr auch die widrigen<br />
Verhältnisse im Mittelmeer der Verbindung nichts anhaben<br />
können. In ca. 250 m Tiefe entstehen bei dieser Konstruktion<br />
folgende technische Herausforderungen: Auftriebskräfte<br />
der PE 100-Rohrleitung; dynamische und starke Meeresströmungen,<br />
hohes Schiffs- und U-Boot-Verkehrsaufkommen<br />
sowie mögliche Erdbeben und 7 bar Betriebsdruck.<br />
Entscheidung für hohe Qualität und Sicherheit<br />
Als Spezialist für Halbzeuge und druckklassengerechte Formteile,<br />
insbesondere für große Abmessungen bis zu einem Außendurchmesser<br />
von d 2000 mm, ist das nordhorner Unternehmen<br />
der richtige Partner für anspruchsvolle Problemlösungen.<br />
Die Erfahrung von über 40 Jahren im Kunststoffbereich und<br />
das ausgeprägte Qualitätsbewusstsein waren die ausschlaggebenden<br />
Argumente für die Zusammenarbeit des Projektplaners<br />
mit REINERT-RITZ. Angefangen mit dem hochwertigen<br />
Granulat für die Herstellung der Halbzeuge bis hin zum fertigen<br />
Bauteil konnte das Unternehmen mit einer lückenlosen<br />
Qualitätssicherung die hohe Fertigungsqualität garantieren,<br />
die für die Realisierung und Umsetzung des anspruchsvollen<br />
Projektes unerlässlich ist. Das hohe Qualitätsdenken wurde<br />
vor allem von der Gasindustrie in Deutschland mit geprägt.<br />
Sie gehörte bereits historisch zu den ersten Anwendern von<br />
PE, um die hohe Biegebelastbarkeit des Werkstoffes in Bergsenkungsgebieten<br />
zu nutzen. Erst danach haben, innerhalb<br />
von nur 50 Jahren, die Sicherheits- und Kostenvorteile PE zur<br />
Marktführerschaft in der Versorgungstechnik geführt.<br />
Somit ist nicht verwunderlich, dass bereits mehr und mehr<br />
positive Erfahrungen bei der Verwendung von PE-Druckrohrsystemen<br />
bei großen Industrie-Feuerlöschsystemen und<br />
Kraftwerksanlagen vorliegen, wozu auch die Nuklearindustrie<br />
gehört.<br />
Für diese voll druckbelastbaren Formteile gibt es zwei Fertigungsverfahren,<br />
den Spritzguss oder die Zerspanung von<br />
Halbzeugen. Bei diesen Verfahren werden die von REINERT-<br />
RITZ hergestellten Hohl- und Vollstäbe verwendet. Diese<br />
Fertigungsmethode garantiert ein Produkt mit über 40<br />
Jahren Erfahrung in Design sowie Verarbeitung, das frei<br />
von Lunkern ist.<br />
94 04-05 | 2014
WASSERVERSORGUNG PROJEKT KURZ BELEUCHTET<br />
Lösung des komplexen Flanschkonzeptes<br />
Für die Herstellung der speziellen Flanschverbindungen<br />
werden im ersten Schritt Hohlstäbe in einer Größe von<br />
1.900/1.400 mm und einer Wanddicke von ca. 250 mm<br />
produziert. Die anschließende Bearbeitung erfolgt mittels<br />
einer Fräsmaschine. Diese kann Formteile bis zu einer Größe<br />
von 2.800 x 1.500 x 4.800 mm bearbeiten. Eine besondere<br />
Herausforderung bestand in der für PE-Rohrleitungsteile<br />
großen Dimension und sehr genauen Maßhaltigkeit von<br />
-0,0 mm sowie +0,5 mm. Der fertige PE 100-Bund wird<br />
in der Türkei formschlüssig in zwei Stahl- Flanschschalen<br />
eingefasst, in die er sich perfekt einfügen muss. Die mit<br />
hoher Genauigkeit gefertigten Flanschverbindungen werden<br />
auf einem Spezialschiff mit jeweils 24 Verbindungsbolzen<br />
beidseitig an den Stahlbogen montiert. Anschließend erfolgt<br />
die Verankerung auf dem Meeresgrund, um die Druckrohrleitung<br />
auf durchschnittlich 250 m Tiefe frei schweben zu<br />
lassen.<br />
Fazit<br />
Voraussetzung für das erfolgreiche Gelingen des Projektes<br />
war, ein Formteil aus PE 100 für die höchstanspruchsvolle<br />
und innovative Flanschlösung zu realisieren, das sicher und<br />
dauerhaft Stahl und PE 100 verbindet. Vor allem die extremen<br />
dynamischen Belastungen, denen die Flanschverbindung<br />
im Meer ausgesetzt ist, wurden bei der Entwicklung<br />
berücksichtigt. Die gute Kommunikation und Zusammenarbeit<br />
zwischen REINERT-RITZ und den Projektplanern führten<br />
zu einer erfolgreichen Installation vor Ort und geben ein<br />
Höchstmaß an Vertrauen in die dauerhafte Sicherheit der<br />
Flanschverbindung.<br />
KONTAKT: REINERT-RITZ GmbH, Nordhorn, Tel. +49 5921 83470,<br />
E-Mail: contact@reinert-ritz.com, www.reinert-ritz.com<br />
Halle B6, Stand 143<br />
Bild 3: 500 m Rohrsegment in der Türkei<br />
INFO<br />
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04-05 | 2014 95
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Das GompitZ-Modell für die Zustandsmodellierung<br />
von Abwassernetzen<br />
Für strategische, aber auch operative Planungsaufgaben in der Stadtentwässerung ist es von enormem Vorteil, die<br />
Zustandsentwicklung der Kanalnetze zu kennen. Auf Basis aktueller Zustände aus der Inspektion kann mit Hilfe von<br />
Alterungsmodellen der Zustand von Kanälen prognostiziert werden. In Deutschland und international wurden in den letzten<br />
Jahren verschiedene Modellansätze hierzu entwickelt. Im vorliegenden Fachbeitrag werden das GompitZ-Alterungsmodell<br />
und dessen Anwendungsspektrum - Ermittlung von Restnutzungsdauern, Sanierungsprioritäten und Inspektionsplänen<br />
- durch die Implementierung in die Software KANEW-Z vorgestellt.<br />
Einleitung<br />
Entwässerungsnetze sind Teil der stadttechnischen Infrastruktur<br />
und erfüllen wichtige siedlungsfunktionale Aufgaben<br />
wie den sicheren Abtransport von Schmutz- und<br />
Regenwasser. Die Netze stellen mit ihren Leitungen, Kanälen<br />
und Anlagen ein bedeutendes Vermögen dar, das allein<br />
im Bereich der öffentlichen Kanalisation einen geschätzten<br />
Wiederbeschaffungswert von etwa 687 Milliarden Euro<br />
hat und damit das Doppelte des Bundeshaushaltes 2014.<br />
Die Angaben in der Literatur schwanken stark, abhängig<br />
vom Ansatz der spezifischen Wiederbeschaffungskosten<br />
und der Einbeziehung von Anlagenteilen. Die vorgenannte<br />
Zahl bezieht sich auf die DWA-Umfrage zum Zustand der<br />
Kanalisation 2009 [1].<br />
Im allgemeinen öffentlichen Bewusstsein spielen diese Zahlen<br />
oft nur eine untergeordnete Rolle, da diese Werte im<br />
wahrsten Sinne des Wortes vergraben sind. Verschleiß,<br />
Funktionsstörungen und Schäden an Entwässerungsnetzen<br />
werden vom Bürger nur selten wahrgenommen, es<br />
sei denn der Kanal unter einer Straße bricht ein oder es<br />
kommt zu Geruchsbelästigungen. Fachleute gehen allerdings<br />
davon aus, dass durchschnittlich etwa ein Fünftel der<br />
Kanäle dringend sanierungsbedürftig sein [1]. Oft sind die<br />
Budgets für Instandhaltungsinvestitionen der Kommunen<br />
zumeist nicht ausreichend, um kurzfristig eine komplette<br />
Schadensbeseitigung zu ermöglichen. Es ist deshalb erforderlich,<br />
die vorhandenen Mittel effizient und zielorientiert<br />
einzusetzen. Darüber hinaus hilft die Kenntnis über die<br />
mittel- und langfristige Zustandsentwicklung zur Einplanung<br />
finanzieller Mittel in der Zukunft. Ein wesentliches Werkzeug<br />
ist hierbei die Anwendung von Alterungsmodellen, die die<br />
Zustandsentwicklung einzelner Netzelemente mathematisch<br />
abbilden und dadurch eine Prognose ermöglichen.<br />
Zustandsklassifizierung<br />
Eine Voraussetzung für die Anwendung von Alterungsmodellen<br />
ist die Zustandsklassifizierung der Haltungen anhand<br />
von Inspektionsbefunden. Zustandsdaten beschreiben<br />
bei Entwässerungsnetzen den zum Inspektionszeitpunkt<br />
festgestellten baulichen Zustand. Zustände werden meist<br />
durch Zustandsklassen beschrieben in Bandbreiten von<br />
sehr gut (= neu) bis sehr schlecht (= Ende der Nutzungsdauer<br />
erreicht, sofortiger Handlungsbedarf). Die Anzahl<br />
der Zustandsklassen kann hierbei variieren, üblich für<br />
Kanalnetze sind 4-6 Zustandsklassen. Im DWA-Merkblatt<br />
M-149-3 ist eine solche prioritätsorientierte Zustandsklassifizierung<br />
beschrieben [2].<br />
Für eine optimale Modellbildung sollte eine Zustandsklassifizierung<br />
verwendet werden, die auf der gesamten<br />
Substanz einer Haltung beruht und sich nicht vorrangig<br />
am schwerwiegendsten Einzelschaden orientiert. Ein<br />
möglicher Ansatz zur Bestimmung der Substanzklasse ist<br />
im Anhang des „Leitfaden zur strategischen Sanierungsplanung“<br />
[3] beschrieben. Weiterhin repräsentiert das<br />
sogenannte Bietigheimer Modell [4] eine Möglichkeit der<br />
Substanzklassifizierung.<br />
Bild 1: Übergang Analyserahmen für eine integrierte Netzstrategie<br />
Bild 2: Beschreibung der Gompertzfunktion im<br />
Gompertz-Alterungsmodell<br />
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ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />
Das GompitZ-Alterungsmodell<br />
Die Zustandsverschlechterung bzw. Alterung wird durch<br />
den Übergang von einem Zustand in den nächst schlechteren<br />
modelliert. Die Wahrscheinlichkeit eines Übergangs<br />
von einer Zustandsklasse in die nächst schlechtere wird<br />
dabei durch eine mehrparametrige Zustandsübergangsfunktion<br />
(ZÜF) beschrieben. Bild 1 zeigt diesen Ansatz<br />
exemplarisch für die drei Zustandsklassen A, B und C.<br />
Das Gompitz-Modell wurde vor mehr als zehn Jahren<br />
im Rahmen des EU-Forschungsprojektes CARE-S entwickelt,<br />
an dem u.a. das Institut Stadtbauwesen und<br />
Straßenbau der Technischen Universität Dresden beteiligt<br />
gewesen war. Mit Hilfe eines Semi-Markov-Modells werden<br />
Zustandsübergangsfunktionen mathematisch durch<br />
Gompertz-Funktionen beschrieben. Die Parameter der<br />
Funktion sind die Alterungsgeschwindigkeit bestimmende<br />
Faktoren. In Bild 2 ist die im Alterungsmodell verwendete<br />
Gompertz-Funktion nach Le Gat [6] dargestellt.<br />
Einflussfaktoren auf die Zustandsentwicklung können<br />
einerseits die individuellen Charakteristiken der Haltungen,<br />
wie z. B. Material, Bauperiode, Verlegetiefe, Profilart<br />
bzw. Nennweite oder auch das Abwassersystem<br />
(Schmutzwasser, Regenwasser, Mischwasser), sein und<br />
andererseits lokale Einflussfaktoren, wie z. B. Lage im<br />
Grundwasser, Bodenart oder aufliegende (Verkehrs-)<br />
Lasten.<br />
Anwendungsspektrum<br />
DIN EN 752 [5] fordert ein koordiniertes Management von<br />
Planung, Bemessung, Bau, Sanierung, Betrieb und Unterhalt<br />
aller Systeme aus Abwasserleitungen und -kanälen. Dazu<br />
gehört auch eine langfristige Sanierungsstrategie, die in<br />
verschiedenen Detaillierungsstufen aufgestellt werden kann.<br />
Durch den Einsatz von Alterungsmodellen kann zunächst<br />
der bauliche Zustand aus Inspektionen verschiedener Zeitpunkte<br />
auf einen Stichtag hochgerechnet und fortgeschrieben<br />
werden. Hierbei kann auch der potenzielle Zustand<br />
von noch nicht inspizierten Haltungen ermittelt werden.<br />
Technische und wirtschaftliche Auswirkungen unterschiedlicher<br />
Sanierungsstrategien können im Anschluss simuliert<br />
werden.<br />
Die haltungsscharfe Zustandsprognose kann außerdem zur<br />
Festlegung einer selektiven Inspektionsstrategie verwendet<br />
werden. Dabei wird vom üblicherweise festen Inspektionsturnus<br />
abgewichen und stattdessen haltungsscharf<br />
der nächste Termin beim wahrscheinlichen Erreichen eines<br />
definierten Interventionszustands festgelegt.<br />
Aus der Zustandsprognose lässt sich ebenfalls eine noch<br />
vorhandene Restnutzungsdauer ableiten. Mit deren Hilfe<br />
können verschiedene Wertdefinitionen berechnet werden<br />
(z. B. Substanzwert, Restbuchwert), die wiederum zur Erstellung<br />
von Eröffnungsbilanzen und Gebührenrechnungen<br />
benötigt werden.<br />
Bild 3: Analyserahmen des GompitZ-Ansatzes<br />
Praktische Anwendung<br />
Das GompitZ-Alterungsmodell wurde in der Software<br />
KANEW-Z implementiert. Damit steht ein Tool zur Verfügung,<br />
mit dem man die Zustandsentwicklung für Entwässerungsnetze<br />
simulieren kann zur Unterstützung von<br />
strategischen und operativen Planungsaufgaben. KANEW-Z<br />
ist eine Neuentwicklung des im Rahmen eines Forschungsvorhabens<br />
an der TU Dresden entwickelten Programms<br />
GompSoft [7]. Der Ablauf der gesamten Modellanwendung<br />
ist in Bild 3 dargestellt.<br />
Voraussetzung für die Modellierung sind mindestens<br />
Angaben zu Baujahr und Länge für jede einzelne Haltung.<br />
Darüber hinaus dienen weitere Angaben (z. B. Material,<br />
Abwasserart, Profilart) einer differenzierteren Betrachtung<br />
zur Verbesserung der Modellergebnisse. Neben den<br />
Bestandsdaten ist eine Zustandsklassifizierung für einen<br />
repräsentativen Anteil des Netzes Voraussetzung für die<br />
Modellbildung und -kalibrierung. Für Haltungen, die noch<br />
nicht inspiziert worden sind, kann anschließend mit dem<br />
Modell der wahrscheinliche Zustand ermittelt werden.<br />
Innerhalb der Modellbildung werden zunächst alterungsbeeinflussende<br />
Faktoren identifiziert. Das Netz kann hierzu in<br />
Cluster mit ähnlichem Alterungsverhalten unterteilt werden.<br />
Typische Merkmale für eine Unterteilung sind Materialarten<br />
und Bauperioden. Andererseits können Einflussfaktoren<br />
– insbesondere solche mit numerischer Ausprägung wie<br />
beispielsweise Tiefenlage, Überdeckung oder Nennweite<br />
– auch direkt im Modell in den Einflussfaktorenvektoren<br />
Z0 und Z1 der mathematischen ZÜF berücksichtigt werden<br />
(siehe Bild 2). Jeder Einflussfaktor wird mit Hilfe eines Chi-<br />
Square-Tests auf seine Signifikanz bezüglich des Alterungsverhaltens<br />
geprüft. Die Qualität der Kalibrierung kann u. a.<br />
mit graphischen Hilfsmitteln durch die Erstellung von Abweichungsprofilen<br />
zwischen empirischen und prognostizierten<br />
04-05 | 2014 97
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Bild 4: Abweichungsprofil für eine Zustandsübergangsfunktion<br />
Bild 5: Entwicklung der Substanzklassenanteile im Prognosezeitraum<br />
Werten (Bild 4) und durch die Berechnung verschiedener<br />
Anpassungskennziffern geprüft werden.<br />
Eine weitere Möglichkeit besteht in der Validierung über eine<br />
Monte-Carlo-Simulation. Hierbei werden mehrere Kalibrierungen<br />
automatisch durchgeführt. Bei jedem einzelnen Kalibrierungslauf<br />
wird zufällig ein Anteil der bekannten Zustandsklassifizierung<br />
– i.d.R. 70 % – für die Kalibrierung verwendet.<br />
Das so kalibrierte Modell wird anhand der verbleibenden 30<br />
% bekannter Zustandsdaten validiert, d. h. es findet eine<br />
Überprüfung statt inwieweit die mit dem Modell prognostizierten<br />
individuellen Zustände mit den tatsächlichen Zuständen<br />
übereinstimmen. Das Modell mit der besten Übereinstimmung<br />
kann dann für die anschließenden Simulationen verwendet<br />
werden.<br />
Je nach Ausprägung der berücksichtigten Charakteristika werden<br />
so haltungsindividuelle ZÜF aufgestellt, die das Alterungsverhalten<br />
unter Berücksichtigung relevanter Einflussfaktoren<br />
abbildet. Auf Grundlage dieser Funktionen kann – ausgehend<br />
vom Ausgangszustand – für jeden Zeitpunkt im Prognosezeitraum<br />
ein Zustandsvektor berechnet werden. Der Zustandsvektor<br />
beinhaltet die Wahrscheinlichkeiten, mit der ein Element<br />
sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer bestimmten<br />
Zustandsklasse befindet. Der jährliche, haltungsindividuelle<br />
Zustandsvektor ist das entscheidende<br />
Element für die weitere Auswertung, da aus ihm<br />
für jeden Zeitpunkt eine zu erwartende Zustandsklasse<br />
ermittelt werden kann. Bild 5 zeigt exemplarisch<br />
eine Zustandsentwicklung auf Netzebene<br />
für einen Zeitraum von 40 Jahren.<br />
Netzbetreiber können eine durchschnittliche<br />
Interventions-Zustandsklasse oder Grenzwahrscheinlichkeiten<br />
für bestimmte Zustandsklassen<br />
definieren, durch deren Erreichen Handlungen<br />
initiiert werden. Dies sind in der Regel Erst- oder<br />
Folge-Inspektionen, auf deren Grundlage dann<br />
gegebenenfalls konkrete Sanierungsmaßnahmen<br />
eingeleitet werden. Auf diese Art lässt<br />
sich haltungsindividuell ein sinnvoller Inspektionszeitpunkt<br />
bestimmen. Tritt eine Haltung mit<br />
einer bestimmten Wahrscheinlichkeit in einen<br />
schlechteren als den definierten Mindestzustand<br />
ein, zeigt dies das Ende der Nutzungsdauer an.<br />
Die Differenz aus dem aktuellen Alter und dem<br />
Prognosejahr, in dem der geforderte Mindestzustand<br />
unterschritten wird, ergibt dann die<br />
Restnutzungsdauer.<br />
Ist die Restnutzungsdauer bekannt, lassen sich<br />
weitere Größen wie beispielweise Substanzwerte<br />
oder Investitionsbudgets auf Basis von Wiederbeschaffungswerten<br />
berechnen.<br />
Auf Netz- oder Teilnetzebene lassen sich langfristige<br />
Sanierungsstrategien ableiten, in denen<br />
unterschiedliche Sanierungslängen, Budgets und<br />
deren Konsequenzen simuliert werden können.<br />
Die anzuwendende Sanierungsart kann in der<br />
Regel erst unter Berücksichtigung weiterer haltungsscharfer<br />
Analysen bestimmt werden.<br />
Das GompitZ-Alterungsmodell wurde bisher mehrfach in Kommunen<br />
in NRW bei der Ermittlung des Anlagevermögens im<br />
Rahmen der Einführung der Doppik eingesetzt. International<br />
gibt es Anwendungen u. a. in Oslo, Montreal und Anchorage.<br />
Seit 2011 wird das Modell als Softwarelösung durch die 3S<br />
Consult GmbH weiterentwickelt und zur Bearbeitung von<br />
Fragen des Infrastrukturmanagements eingesetzt.<br />
Zusammenfassung und Ausblick<br />
Das vorgestellte GompertZ-Alterungsmodell stellt einen<br />
wichtigen Baustein zur Unterstützung von operativen und<br />
strategischen Planungsaufgaben - Inspektionsplanung, Investitionsplanung,<br />
Sanierungsplanung - in der Stadtentwässerung<br />
dar. Das in KANEW-Z implementierte Modell ist gegenwärtig<br />
Gegenstand des Forschungsprojektes SEMA (Sewer deterioration<br />
model for asset management strategy) in Kooperation mit<br />
dem Kompetenzzentrum Wasser Berlin gGmbH. Dabei werden<br />
Eignung, Robustheit und Qualität des Ansatzes geprüft. Es<br />
werden die Auswirkungen von unterschiedlicher Datenqualität,<br />
Stichprobenumfang und verschiedenen Einflussfaktoren auf<br />
die Qualität von Alterungsprognosen geprüft. Grundlage für<br />
die Analysen sind Netzdaten von Kommunen in Deutschland<br />
98 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />
und Frankreich. Ziel des Projektes sind Aussagen über Mindestanforderungen<br />
an Datenqualität und -quantität für eine<br />
zuverlässige Anwendung eines Alterungsmodells.<br />
Neben den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten im Bereich<br />
der Stadtentwässerung eignet sich das Modell auch für den<br />
Einsatz in Versorgungsnetzen, wo neben den allgegenwärtigen<br />
Schadensstatistiken zunehmend auch weitere Zustandsinformationen<br />
gesammelt werden, z. B. bei Materialuntersuchungen<br />
an Leitungen oder Thermografieanalysen in der<br />
Fernwärmeversorgung.<br />
Literatur<br />
[1] Berger, C.; Falk, C.: Zustand der Kanalisation – Ergebnisse der<br />
DWA-Umfrage 2009. KA – Korrespondenz Abwasser, Abfall.<br />
01/2011. GFA. S. 26-41 (2011)<br />
[2] DWA-Merkblatt M 149-3 „Zustandserfassung und -beurteilung<br />
von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden, Teil 3:<br />
Zustandsklassifizierung und -bewertung“ (2007-11)<br />
[3] DWA (Hrsg.): Leitfaden zur strategischen Sanierungsplanung –<br />
DWA Themenheft T4/2012. Hennef, 2012<br />
[4] Hochstrate, K.: Substanzwertorientierte Zustandsklassifizierung<br />
von Kanälen – Das Bietigheimer Modell. Korrespondenz Abwasser<br />
- Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall (46) Nr. 2, 1999 (de)<br />
[5] DIN EN 752 „Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden“<br />
(2008)<br />
[6] Le Gat: Modelling the Deterioration Process of Drainage Pipelines.<br />
Paper for the Urban Water Congress. Urban Water Journal,<br />
Volume 5, Issue 2 (2006) pages 97-106<br />
[7] Schmidt, T.: Modellierung von Kanalalterungsprozessen auf<br />
der Basis von Zustandsinformationen. Dresdner Beiträge zum<br />
Stadtbauwesen. Dissertation an der Fakultät Bauingenieurwesen<br />
der TU Dresden, 234 Seiten, 2009<br />
Dipl.-Ing. INGO KROPP<br />
3S Consult GmbH, Büro Dresden<br />
Tel. +49 351 48245-31<br />
E-Mail: kropp@3sconsult.de<br />
AUTOREN<br />
Prof. DR.-ING. TORSTEN SCHMIDT<br />
Hochschule Magdeburg-Stendal, Fachbereich<br />
Wasser- und Kreislaufwirtschaft<br />
Tel. +49 391 886-4679<br />
E-Mail: torsten.schmidt@hs-magdeburg.de<br />
www.fachverband-steinzeug.de<br />
Steinzeugrohre –<br />
Qualität für Generationen<br />
04-05 | 2014 99
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Druckklassengerechte Abzweige<br />
an PE-Leitungen ohne Unter brechung<br />
des Betriebs herstellen<br />
Neuartige Sattelformstücke eröffnen komfortable und wirtschaftliche Möglichkeiten für die Montage von Abzweigen<br />
oder Be- und Entlüftungen an PE-Rohrleitungen. In Verbindung mit einer Schleusenarmatur können Abzweige sogar<br />
ohne Betriebsbeeinträchtigung im sogenannten „Hot tapping“ der Hauptleitung realisiert werden. Darüber hinaus lassen<br />
sich Rohrleitungen mit lokal einzugrenzenden Schäden, wie z. B. unzulässig tiefe Kratzer oder Riefen in der Rohrwand<br />
bis hin zur Rohrpenetration mit sogenannten „Reparaturpatches“ ohne Heraustrennen der Schadstelle und aufwändiges<br />
Einbinden eines Passstücks instandsetzen.<br />
Herstellung von Abzweigen<br />
Praxis der Einbindung an Versorgungsleitungen<br />
Um groß dimensionierte Abzweige herstellen zu können,<br />
mussten bislang T-Stücke eingebaut werden. Mit wachsendem<br />
Rohrdurchmesser steigen hierbei die Kosten für die in<br />
der Regel manuell in Kleinstserien hergestellten Formstücke<br />
überproportional. Hinzu kommen die Aufwendungen für<br />
die Einbindungstechnik und vor allem für die Unterbrechung<br />
des Leitungsbetriebs.<br />
Hauptrohr<br />
d 1<br />
[mm]<br />
SDR11-SDR33<br />
Abzweig<br />
d 2<br />
[mm]<br />
SDR11<br />
Druckstufe<br />
[bar]<br />
d315 d225 G: MOP10<br />
W/P: PFA16<br />
d355 d225 G: MOP10<br />
W/P: PFA16<br />
d450 d225 G: MOP10<br />
W/P: PFA16<br />
d500 d160 G: MOP10<br />
W/P: PFA16<br />
d560 d160 G: MOP10<br />
W/P: PFA16<br />
d630 d160 G: MOP10<br />
W/P: PFA16<br />
d710 d160 G: MOP10<br />
W/P: PFA16<br />
d800 d160 G: MOP10<br />
W/P: PFA16<br />
d900 d160 G: MOP10<br />
W/P: PFA16<br />
d1000 d160 G: MOP10<br />
W/P: PFA16<br />
d1200 d160 G: MOP10<br />
W/P: PFA16<br />
Abzweig<br />
d 2<br />
[mm]<br />
SDR11<br />
d250<br />
d250<br />
d250<br />
d225<br />
d225<br />
d225<br />
d225<br />
d225<br />
d225<br />
d225<br />
d225<br />
Druckstufe<br />
[bar]<br />
G: MOP10<br />
W/P: PFA16<br />
G: MOP10<br />
W/P: PFA16<br />
G: MOP10<br />
W/P: PFA16<br />
G: MOP5<br />
W/P: PFA10<br />
G: MOP5<br />
W/P: PFA10<br />
G: MOP5<br />
W/P: PFA10<br />
G: MOP5<br />
W/P: PFA10<br />
G: MOP5<br />
W/P: PFA10<br />
G: MOP5<br />
W/P: PFA10<br />
G: MOP5<br />
W/P: PFA10<br />
G: MOP5<br />
W/P: PFA10<br />
G: Gas - W/P Trinkwasser- oder Druckleitung für flüssiges Medium,<br />
MOP: Max. zul. Betriebsdruck - PFA: max. zul. Bauteilbetriebsdruck<br />
Andere Abmessungen / Druckstufen auf Anfrage<br />
Tabelle 1: Programmumfang für Stutzensattel SA-XL<br />
Einen Leitungsabschnitt für Einbindungsarbeiten in Gas- und<br />
Wasserversorgungssystemen trennen zu müssen, ist immer<br />
mit großem Aufwand verbunden (Bild 1), insbesondere durch<br />
»»<br />
den erheblichen Zeitbedarf<br />
»»<br />
den Umfang der Tiefbaumaßnahmen und das Wiederherstellen<br />
der Oberflächen<br />
»»<br />
das erforderliche Absperrequipment sowie<br />
»»<br />
den Formteilbedarf für den ggf. erforderlichen Bypass<br />
zur Aufrechterhaltung der Versorgung und für die<br />
eigentliche Einbindung.<br />
Aber nicht nur der finanzielle Aspekt ist hier von Bedeutung:<br />
Ziel kundenorientierter Leitungsbetreiber muss es sein,<br />
Beeinträchtigungen des Betriebs im privaten wie industriellen<br />
Bereich möglichst gering zu halten.<br />
Stutzenschellen SA-XL: High Volume Abzweige<br />
herstellen<br />
„Think big“: Problemlösung für große Dimensionen<br />
FRIALEN XL Stutzensättel SA-XL (Bild 2) ermöglichen<br />
die Anbindung von abzweigenden Leitungen an große<br />
Rohrdurchmesser im Bereich von d 315 bis d 1200<br />
(Tabelle 1). Auch für Zwischengrößen, wie sie bei Rohren in<br />
der Sanierung mit Durchmessern außerhalb des Standards<br />
erforderlich sein können, lassen sich die Sattelformstücke<br />
einsetzen.<br />
Auslegung der Schweißzone<br />
Die freiliegende Heizwendel in der Sattelschweißzone<br />
ermöglicht eine optimale Wärmeübertragung auf das Rohr<br />
während des Schweißvorgangs. Da die Rohroberfläche<br />
direkt aufgeschmolzen wird, erfolgt dabei eine verbesserte<br />
Materialdurchmischung der beiden Fügepartner.<br />
Dadurch wird die Fügefläche vergrößert und das gegenseitige<br />
Durchdringen der Molekülketten verbessert. Auch<br />
unter rauen Baustellenbedingungen wird eine sehr gute<br />
Schweißqualität mit hoher Festigkeit erreicht.<br />
Für zusätzliche Sicherheit sorgt die Größe der Schweißfläche<br />
im Vergleich zur druckbeaufschlagten Fläche.<br />
100 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />
Bild 1: Kostspielig: Einbindung eines Abzweigs in eine Gasleitung d 500 Bild 2: Erstellung eines Abzweigs auf einer Gasleitung d 315<br />
unter Betriebsdruck mit dem FRIALEN Stutzensattel SA-XL.<br />
Als Schleusenarmatur wird ein FRIALEN-Kugelhahn eingesetzt<br />
Die extra breite Schweißzone führt zu geringen spezifischen<br />
Spannungen sowohl unter Betriebsdruck als<br />
auch unter den äußeren Lasten aus den Einbau- und<br />
Betriebsbedingungen.<br />
Vakuumspanntechnik: Neue Wege für eine anwendungsfreundliche<br />
und zuverlässige Montage<br />
Einfache Montage, komfortable Handhabung und kurze<br />
Verarbeitungszeit sind die Ziele für eine Entwicklung optimierter<br />
Formstücken im Hinblick auf eine baustellegerechte<br />
Aufspanntechnik von großen Sattelbauteilen: Die herkömmliche<br />
Montage für Sattelarmaturen mit Unterschelle oder<br />
einem Gurt erfordert einen rundumgreifenden Zugang am<br />
Rohr. Durch die speziell für SA-XL entwickelte Aufspanntechnik<br />
wird nur der Zugang zur überdeckten Sattelfläche<br />
benötigt. Oft ist der Zugang zum Rohr nur eingeschränkt<br />
möglich, z. B.<br />
»»<br />
in engen Baugruben<br />
»»<br />
bei bestehenden Leitungen, vor allem mit großem<br />
Nenndurchmesser, wo die Bettung der Leitungszone<br />
nicht unnötig gestört werden soll<br />
»»<br />
für einen Anschluss in 12-Uhr-Position<br />
»»<br />
bei mit Inlinern sanierten Leitungen, wo nur Fensterzugang<br />
zum Inliner besteht (Bild 3)<br />
unbestimmt. Der Schweißsattel muss genügend Flexibilität<br />
aufweisen, um diese Situation sicher abdecken<br />
zu können.<br />
»»<br />
Der Zugang zum Inliner besteht nur durch ein Fenster<br />
im alten Gussrohr. Die Baugrube ist sehr eng, so dass<br />
keine Möglichkeit einer alternativen Positionierung des<br />
Sattels besteht.<br />
»»<br />
Ein Scheitern der Sattelmontage wäre mit enormen<br />
Folgekosten verbunden<br />
Die zur Schweißung und zum Aufbau des Fügedrucks erforderliche<br />
Aufspannkraft des Sattels wird durch Vakuum aufgebracht.<br />
Hierfür ist in der Sattelschale ein umlaufendes<br />
Dichtelement integriert. Dieses Dichtelement ist so ausge-<br />
Praxisbeispiel zum Zugang über einen Fensterschnitt (Bild 3):<br />
Nach der Sanierung einer alten Guss-Abwasserdruckleitung<br />
im Swagelining-Verfahren soll an den PE-Inliner d 1030 mm,<br />
SDR17 ein Abzweig erstellt werden.<br />
Hierfür stellen sich zwei Probleme:<br />
»»<br />
Das PE-Rohr wurde nicht mit einem Standarddurchmesser<br />
produziert. Während des Einzugs in die Altleitung<br />
wurde das Rohr verformt und hat sich anschließend<br />
wieder zurückgestellt. Der tatsächliche Durchmesser des<br />
Rohres nach dem Einbau ist im Bereich des Anschlusses<br />
Bild 3: Kein Raum für Experimente, alles muss auf Anhieb klappen:<br />
extrem beengte Platzverhältnisse, unbestimmter Rohrdurchmesser, kein<br />
Rundumgriff, da nur Fensterzugang zum Inliner<br />
04-05 | 2014 101
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Bild 4: Prinzip der Vakuum-Sattelspanntechnik<br />
Bild 5: Die Vakuum-Aufspannung erfolgt durch den<br />
Presskolben und VACUSET XL: Eine gekapselte Venturi-Düse<br />
mit Manometer und den Anschlussschläuchen<br />
legt, dass sowohl die typischen Bearbeitungsspuren durch<br />
das Schälen der Rohroberfläche überbrückt werden als auch<br />
Rohrovalität ausgeglichen wird. Der Abgangsrohrstutzen<br />
wird durch einen Presskolben verschlossen (Bild 4).<br />
Der zur Aufspannung der SA-XL erforderliche Unterdruck wird<br />
durch eine Venturi-Düse mit Hilfe eines baustellenüblichen<br />
Kompressors erzeugt. Das erforderliche Equipment ist anwenderfreundlich<br />
zusammengefasst als VACUSET XL (Bild 5) und<br />
wird zusammen mit dem Presskolben eingesetzt.<br />
Der Unterdruck führt in Abhängigkeit der Dimension zu einer<br />
Aufspannkraft zwischen 5 und 10 kN, so dass die Sattelschale<br />
passgenau am Rohr anliegt. Dies ermöglicht sehr kurze<br />
Schweißzeiten und infolgedessen kurze Abkühlzeiten. Die<br />
Wiederinbetriebnahme der Leitung kann daher sehr schnell<br />
erfolgen.<br />
Die Fixierung des Sattels kann an jeder beliebigen Position auf<br />
dem Rohr erfolgen. Für die Vakuumspanntechnik ist nur ein<br />
geringer Bedarf an Zubehör erforderlich, vor allem jedoch werden<br />
der Platzbedarf im Rohrgraben und der Zugang zum Rohr<br />
minimiert. Baustellenübliche Ovalitäten und Formabweichungen<br />
des Rohres werden durch die Spanntechnik überbrückt.<br />
Anbohrung der drucklosen Hauptleitung<br />
Mit dem Anbohrset FWAB XL lassen sich auch dickwandige<br />
Rohre mit geringem Kraftaufwand anbohren (Bild 6).<br />
Hierzu wird eine Lochsäge eingesetzt, die mit einer Bohrmaschine<br />
angetrieben wird. Das Anbohrset FWAB XL ist<br />
abgestimmt auf die Systemanforderungen im Hinblick auf<br />
einen maximalen, nahezu absatzfreien Anbohrdurchmesser,<br />
auf die maximale Rohrwanddicke (Bild 7) sowie Länge<br />
des Anbohrgestänges. Der Anbohrdurchmesser ist nahezu<br />
rohrgleich mit dem Abgangsstutzen, so dass Druckverluste<br />
minimal bleiben.<br />
Anbohrung der Hauptleitung unter Betriebsdruck<br />
Die Anbohrung unter Betriebsdruck erfordert neben dem<br />
geeigneten Anbohrequipment eine Schleusenarmatur<br />
(Bild 8).<br />
Kriterium / Verfahren Einbindung T-Stück Montage eines Stutzensattels<br />
Tiefbau<br />
Baustellensicherung,<br />
Verkehrsbeeinträchtigung<br />
Wiederherstellung der<br />
Oberfläche<br />
Außerbetriebnahme,<br />
Entleerung der Leitung<br />
Zeitaufwand, Dauer der<br />
Betriebsunterbrechung<br />
Große Baugrube erforderlich, ggf. zusätzliche<br />
Ausschachtung für Bypass<br />
Hoher Aufwand,<br />
entsprechend Tiefbau<br />
Hoher Aufwand,<br />
entsprechend Tiefbau<br />
Erforderlich, ggf. Sicherheitsabsperrungen,<br />
Alternativ: Bypass<br />
Hoch, durch Entleerung der Leitung und<br />
Einbindung des T-Stücks<br />
Kopfloch ausreichend<br />
Geringer Aufwand,<br />
entsprechend Tiefbau<br />
Geringer Aufwand,<br />
entsprechend Tiefbau<br />
Inbetriebnahme unter Betriebsdruck möglich<br />
Inbetriebnahme innerhalb einer Stunde möglich, komplett<br />
ohne Unterbrechung des Leitungsbetriebs<br />
Gerätebedarf, Werkzeug Standard Geringer Zusatzbedarf: Vakuumtechnik, Bohrtechnik<br />
Tabelle 2: Herstellen eines Abzweigs: Gegenüberstellung der Verfahren<br />
102 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />
Bild 6: Anbohrung eines Rohres d 900/SDR17 im drucklosen<br />
Zustand<br />
Bild 7: Bohrkern d 900/SDR17 mit einer Wanddicke von ca.<br />
53 mm mit Hilfe des FWAB XL-Anbohrsets<br />
Die Schnittstelle des Anbohrequipments zum Sattel muss<br />
vorher definiert sein, entweder mit geeigneten Klemmbacken<br />
am PE-Rohrstutzen (Bild 9) oder über eine<br />
Flanschverbindung.<br />
Aufgrund der erheblichen Kräfte, die bei hohem Betriebsdruck<br />
wirken können, muss das Anbohrgerät für diesen<br />
Einsatzzweck geeignet sein. Grundsätzlich bedarf das „Hot<br />
tapping“ ausgebildetes Personal und entsprechende Vorsichtmaßnahmen<br />
müssen berücksichtigt werden.<br />
Stutzenschelle und T-Stück: Gegenüberstellung<br />
Die Einbindung einer Abzweigleitung mittels Stutzenschelle<br />
ist nicht nur aus wirtschaftlichen und anwendungstechnischen<br />
Aspekten vorteilhaft (Tabelle 2). Auch die Verarbeitung<br />
erfolgt sehr schnell.<br />
Für die Herstellung eines Abgangsstutzens nach Tabelle 2 können<br />
pauschal folgende Zeitbedarfe zugrunde gelegt werden:<br />
• Vorbereitung der Schweißfläche, Entfernen der Oxidschicht,<br />
Reinigung<br />
10 min<br />
• Aufspannen des Sattels, Kontaktieren mit Schweißgerät,<br />
Schweißen<br />
10 min<br />
• Abkühlung (drucklos) bis Anbohrung nach Ende<br />
Schweißzeit:<br />
10 min<br />
• Druckbeaufschlagung / Druckprüfung nach Ende<br />
Schweißzeit, bzw. Anbohrung unter Betriebsdruck:<br />
60 min<br />
Reparatur von lokal begrenzten Schäden an der<br />
Rohrwand<br />
Kleine Schäden an PE-Rohrleitungen, verursacht beim Transport<br />
oder durch Unachtsamkeit können extrem kostspielig<br />
werden.<br />
Eine neu verlegte PE-Trinkwasserleitung d 450 wurde kurz<br />
nach Inbetriebnahme während weiterer Tiefbaumaßnahmen<br />
durch eine Baggerschaufel beschädigt (Bild 10). Der Scha-<br />
Bild 8: Die Stutzenschelle SA-XL d 355 wurde auf die<br />
druckführende Leitung aufgeschweißt und mit einer FRIALOC<br />
PE-Absperrarmatur verbunden. FRIALOC dient als Schleusenarmatur<br />
während der Anbohrung und später im Betrieb als Absperrschieber<br />
der abzweigenden Leitung<br />
Bild 9: Das Anbohrequipment<br />
wurde hier<br />
mit Klemmbacken am<br />
Rohrstutzen verbunden.<br />
Nach der Anbohrung wird<br />
die Armatur geschlossen,<br />
das Anbohrequipment<br />
demontiert. Das noch<br />
austretende Medium<br />
ist auf das Volumen im<br />
Rohrstutzen bis zum<br />
Absperrelement begrenzt<br />
04-05 | 2014 103
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Bild 10: Typische Schäden an einer PE-Rohrleitung,<br />
verursacht durch einen Bagger. Riefen, die tiefer als 10 % der<br />
Rohrwanddicke sind, erfordern eine Reparatur<br />
Bild 11: Alternativ zu einem Rohr-Passstück kamen<br />
Reparatursättel zum Einsatz. Ohne Betriebsunterbrechung war<br />
die Rohrleitung in wenigen Minuten Instand gesetzt.<br />
den war nur oberflächlich und Wasser trat nicht aus. Um<br />
einem möglichen vorzeitigen Ausfall an der Schadensstelle<br />
vorzubeugen war eine Reparatur erforderlich. Für die Einbindung<br />
eines Passstücks hätte die komplette Leitung außer<br />
Betrieb genommen werden müssen. Die Versorgung der<br />
privaten Kunden und der angeschlossenen Industriebetriebe<br />
wäre über längere Zeit unterbrochen gewesen. Aufgrund<br />
der Abstände zwischen den Streckenschiebern hätten 2 km<br />
der Rohrleitung außer Betrieb und ein Volumen von ca.<br />
250 m 3 Trinkwasser abgeleitet werden müssen.<br />
Eine willkommene Alternative zum Einsetzen eines Rohr-<br />
Passstücks war daher der Vorschlag zur Reparatur mittels<br />
Sattelschalen (Bild 11).<br />
Fazit<br />
Mit PE-Rohren in großen Dimensionen sind in einer Vielzahl<br />
von Anwendungsbereichen ausgezeichnete Erfahrungen<br />
gesammelt worden. Die Vorteile des Werkstoffs und die<br />
Verbindungstechnik, das Heizwendelschweißverfahren,<br />
lassen ein technisches und wirtschaftliches Optimum hinsichtlich<br />
Verlegung, Betrieb und Nutzungsdauer erwarten.<br />
Neue Formteile und innovative Montagetechniken – wie<br />
hier am Beispiel der Stutzensschelle XL und der Vakuumspanntechnik<br />
dargestellt – schöpfen Kosteneinsparungspotentiale<br />
aus und erhöhen so zusätzlich die Attraktivität von<br />
PE-Rohrsystemen – auch im Großrohrbereich.<br />
Literatur<br />
[1] DVGW-W 400: Technische Regeln Wasserverteilung (TRWV),<br />
Teil 2: Bau und Prüfung von Wasserverteilungsanlagen, 09/2004<br />
[2] DVGW-G 472: Gasrohrleitungen aus PE 80, PE 100 und PE-Xa –<br />
Errichtung, 08/2000<br />
[3] DVGW-Arbeitsblatt GW 335: Kunststoffrohrleitungssysteme in<br />
der Gas- und Wasserverteilung, Anforderungen und Prüfungen<br />
- Teile A2, B2<br />
[4] Eckert, Robert: PE-Großrohre im Handumdrehen verbinden: Eine<br />
neue Generation der Heizwendelschweißtechnik, <strong>3R</strong> international,<br />
Heft 3/2011<br />
[5] Eckert, Robert: Heizwendelschweißtechnik als Mittel zur<br />
Kostensenkung im Rohrleitungsbau?, Energie Wasser Praxis,<br />
Juni 2001<br />
[6] Eckert, Robert: Der Einsatz der Heizwendelschweißtechnik bei<br />
PE-Rohren in großen Nennweiten bis d 710, <strong>3R</strong> international,<br />
Heft 4-5/2004<br />
[7] „FRIALEN ® -Sicherheitsfittings, Montageanleitung für Großrohre<br />
und Reliningtechnik“, 2006<br />
[8] Eckert, Robert: Integration, shut-off and repair technology for PE<br />
pipe systems, Plastics Pipes XII, Mailand, 2004<br />
Dipl.-Ing. ROBERT ECKERT<br />
FRIATEC AG, Mannheim<br />
Tel. +49 172 6425799<br />
E-Mail: robert.eckert@friatec.de<br />
Halle B6, Stand 127/226<br />
AUTOR<br />
104 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />
Die Grundstücksentwässerungsanlagen<br />
der Deutschen Bahn AG<br />
Der DB Konzern auf einen Blick<br />
Der Deutsche Bahn Konzern ist ein internationaler<br />
Anbieter von Mobilitäts- und Logistikdienstleistungen<br />
und agiert weltweit in über 130 Ländern. Rund 300.000<br />
Mitarbeiter, davon rund 194.000 in Deutschland, setzen<br />
sich täglich dafür ein, Mobilität und Logistik für die Kunden<br />
sicherzustellen und die dazugehörigen Verkehrsnetze auf<br />
der Schiene, der Straße, zu Wasser und in der Luft effizient<br />
zu steuern und zu betreiben (Bild 1).<br />
Kern des Unternehmens ist das Eisenbahngeschäft in<br />
Deutschland mit nahezu 5,4 Millionen Kunden täglich<br />
im Schienenpersonenverkehr und mehr als 670 Tausend<br />
Tonnen beförderter Güter pro Tag. Rund zwei Millionen<br />
Kunden sind täglich mit Bussen der DB AG in Deutschland<br />
unterwegs. Insgesamt wickelt das Unternehmen auf seinem<br />
modernen, rund 34.000 km langen und für Wettbewerb<br />
geöffneten Streckennetz täglich über 30.000 Zugfahrten<br />
ab. Die Anzahl der Personenbahnhöfe beträgt rund<br />
5.700. Darüber hinaus werden in den Geschäftsfeldern<br />
Personenverkehr sowie Transport und Logistik eine Vielzahl<br />
von Fahrzeugwartungs- und instandhaltungsanlagen<br />
insbesondere für Busse und Schienenfahrzeuge betrieben.<br />
Zudem ist die DBAG der 5. größte Energieversorger in<br />
Deutschland – die Energiebereitstellung p. a. entspricht<br />
dem Verbrauch des Großraums Berlin.<br />
Im Personenverkehr befördert<br />
der DB-Konzern europaweit (inkl.<br />
Deutschland) in seinen Zügen<br />
und Bussen über 11 Millionen<br />
Personen pro Tag. Im Bereich<br />
Transport und Logistik werden<br />
im europäischen Netzwerk pro<br />
Jahr rund 400 Millionen Tonnen<br />
Güter auf der Schiene und über 95<br />
Millionen Sendungen auf der Straße<br />
transportiert. In den weltweiten<br />
Netzwerken werden rund 1,1<br />
Millionen Tonnen Luftfracht und<br />
über 1,9 Millionen TEU Seefracht<br />
abgewickelt.<br />
Im Geschäftsjahr 2012 betrug<br />
der um Sondereffekte bereinigte<br />
Umsatz des DB-Konzerns rund<br />
39,3 Milliarden Euro und das<br />
um Sondereffekte bereinigte<br />
operative Ergebnis (EBIT) rund 2,7<br />
Milliarden Euro. Die Strategie des<br />
DB-Konzerns hat die Stärkung und<br />
den Ausbau seiner Markpositionen<br />
Bild 1: Die Geschäftsfelder der DB AG<br />
zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit im<br />
Fokus. Zudem ist nachhaltiges Handeln und nachhaltiger<br />
Erfolg ein wesentlicher Faktor zur Sicherstellung<br />
seiner Zukunftsfähigkeit und damit dem erfolgreichen<br />
Fortbestand des Unternehmens.<br />
Die Grundstücksentwässerungsanlagen der DB AG<br />
Die DB bewirtschaftet in Deutschland eine Fläche von<br />
rund 1.300 km² und ist damit, neben dem Bund, den<br />
Ländern und Kommunen, einer der größten Eigentümer<br />
von Grundstücken, Gebäuden und baulichen Anlagen sowie<br />
Infrastrukturanlagen in Deutschland. Bei den Betriebs-,<br />
Produktions- und Dienstleistungsprozessen der einzelnen<br />
Konzerngesellschaften wird Trink- und/oder Brauch- bzw.<br />
Betriebswasser benötigt und es fallen bei dessen Gebrauch<br />
Abwässer sowie Niederschlagswasser von abflusswirksamen<br />
Flächen an.<br />
Für die Absicherung einer regel konformen Abwasserentsorgung<br />
(inkl. Sammlung, Vorbehandlung und<br />
Ableitung) betreiben die Konzerngesellschaften der DB<br />
AG Grundstücksentwässerungsanlagen (GEA) mit einer<br />
Länge von rund 4.500 km. Zusätzlich werden besondere<br />
Entwässerungsanlagen wie z.B. für die Tunnel- und<br />
Brückenentwässerungen sowie für die Entwässerung des<br />
Bahnkörpers (für rund 34.000 km Fahrweg) betrieben.<br />
04-05 | 2014 105
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Bild 2: 3-Stufen Kanalprogramm und Kanalmanagement Regelbetrieb der DB AG<br />
Das 3-Stufen Kanalprogramm<br />
der DB AG<br />
Die systematische und einheit liche Bearbeitung aller<br />
Grundstücks entwässerungsanlagen der DB AG in<br />
Deutschland erfolgt im 3-Stufen Kanalprogramm (Bild 2).<br />
In diesem Programm werden alle GEA erfasst (Stufe<br />
1); gereinigt, inspiziert, vermessen und bewertet<br />
(Stufe 2) und bei Bedarf saniert (Stufe 3). Nicht mehr<br />
betriebsnotwendige Anlagen werden regelkonform<br />
stillgelegt. Im Zuge der Abarbeitung des Programms<br />
erfolgt ebenso eine Optimierung der weiterhin<br />
betriebsnotwendigen Anlagen.<br />
Die im 3-Stufen Kanalprogramm verankerte Sanierungsstrategie<br />
verfolgt nachfolgende Ziele:<br />
Technische Ziele<br />
»»<br />
Erhalt bzw. Wiederherstellung der Dichtigkeit<br />
(rechtliches Erfordernis zur Vermeidung von<br />
Schutzgutgefährdungen)<br />
»»<br />
Erhalt bzw. Wiederherstellung der Standsicherheit<br />
(insbesondere im Zusammenhang mit<br />
Eisenbahnbetriebsanlagen)<br />
»»<br />
Erhalt bzw. Wiederherstellung der Funktionssicherheit<br />
(Betriebssicherheit)<br />
Betriebswirtschaftliche Ziele<br />
»»<br />
Vermeidung von Vermögensverzehr sowie Erhalt und<br />
Erhöhung des Substanzwertes<br />
»»<br />
Wirtschaftliche Inanspruchnahme der DB-Rückstellung<br />
„Ökologische Altlasten“<br />
Berücksichtigung standortbezogener<br />
Rahmenbedingungen<br />
»»<br />
Berücksichtigung der rechtlichen<br />
Standortrahmenbedingungen<br />
»»<br />
Berücksichtigung der bautechnischen sowie<br />
der geologischen bzw. hydrogeologischen<br />
Standortrahmenbedingungen<br />
»»<br />
Berücksichtigung der Nutzungskonzepte der<br />
Eigentümer bzw. Betreiber oder Einleiter<br />
»»<br />
Verwendung zugelassener bzw. geregelter<br />
Bauverfahren und -produkte entsprechend dem<br />
Einbaubereich und der statischen Erfordernisse in<br />
Abhängigkeit vom Schadensbild<br />
Nachhaltigkeit<br />
»»<br />
Entwicklung und Umsetzung von Lösungen, die<br />
nachhaltig (betriebs-) sicher, nachhaltig finanzierbar<br />
und nachhaltig ökologisch sind.<br />
Bild 3 Lastausbreitungsbereiche von Eisenverkehrslasten<br />
(Quelle: DB Richtlinie 836 „Erdbauwerke und sonstige geotechnische Bauwerke planen, bauen und instand halten“)<br />
106 04-05 | 2014
erfüllt Anforderungen DBS 918 064<br />
Nach standortweisem Abschluss des 3-Stufen Kanalprogramms erfolgt sukzessive<br />
die Übernahme der einzelnen Standorte in den Regelbetrieb.<br />
Verwendung von Bauverfahren und –produkten<br />
Die Grundstücksentwässerungsanlagen der Deutschen Bahn AG sind in der Regel<br />
Betriebsanlagen der Eisenbahnen des Bundes und unterliegen somit eisenbahnrechtlichen<br />
Gesetzen und Verordnungen, insbesondere dem Allgemeinen Eisenbahngesetz (AEG)<br />
sowie der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO). Verwaltungsvorschriften und<br />
Richtlinien der zuständigen Aufsichts- und Genehmigungsbehörde, dem Eisenbahn-<br />
Bundesamt, müssen ebenso beachtet werden wie das DB-interne Regelwerk sowie<br />
das fachspezifische Regelwerk (u.a. DIN, DWA-Regelwerk) rund um die Sanierung von<br />
Abwasseranlagen.<br />
Das Eisenbahn-Bundesamt veröffentlicht eigene Listen – die Eisenbahnspezifische<br />
Liste Technischer Baubestimmungen (ELTB) und die Eisenbahnspezifische Bauregelliste<br />
(EBRL) – welche die allgemeingültigen Listen verbindlich ergänzen.<br />
Die ELTB enthält technische Regeln, die bei der Auslegung des §2 Abs. 1 der EBO<br />
„Anforderungen an die Sicherheit und Ordnung“ regelmäßig heranzuziehen sind.<br />
Die Eisenbahnspezifischen Bauregellisten für Bauprodukte mit eisenbahnspezifischen<br />
Anforderungen (EBRL) sind als Ergänzung zu den bestehenden Bauregellisten A, B und<br />
der Liste C des Deutschen Instituts für Bautechnik BRL (DIBt) zu verstehen. Die BRL<br />
(DIBt) gelten für den Bereich der Eisenbahnen des Bundes uneingeschränkt, sofern sie<br />
nicht durch die EBRL geändert oder ergänzt werden.<br />
Der Einbaubereich von Abwasseranlagen in Bezug zu Eisenbahnverkehrsanlagen hat<br />
unmittelbaren Einfluss auf die Anforderungen an die eingesetzten Bauverfahren und<br />
-produkte (Bild 3).<br />
So müssen Abwasseranlagen (im Wesentlichen Rohre), die sich im inneren<br />
Lastausbreitungsbereich von Eisenbahnverkehrslasten befinden, besonderen<br />
Anforderungen insbesondere im Hinblick auf die Standsicherheit genügen. Besondere<br />
Bedeutung kommt dem Nachweis der Ermüdungsfestigkeit (Dauerschwingfestigkeit)<br />
zu. Die Schwingbreite ist dabei für 10 8 Lastwechsel zu ermitteln. Ebenso gibt es für<br />
die vertikale Verformung der Rohre (Scheitelverformung) strenge Vorgaben (max. 2<br />
% des Rohrdurchmessers bzw. max. 10 mm).<br />
Steinzeugrohre, Stahlbetonrohre und Stahlrohre dürfen auf Basis der EBRL im inneren<br />
Lastausbreitungsbereich von Eisenbahnverkehrslasten verwendet werden. Betonrohre,<br />
Gussrohre und GfK-Rohre sind nicht in der EBRL enthalten und besitzen keine Zulassung<br />
des EBA für den Einbau im inneren Lastausbreitungsbereich von Eisenbahnverkehrslasten.<br />
Polymerbetonrohre und Kunststoffrohre (PE; PP) bestimmter Hersteller verfügen über<br />
eine Zulassung des Eisenbahn-Bundesamtes und können auf dieser Basis im inneren<br />
Lastausbreitungsbereich von Eisenbahnverkehrslasten eingebaut werden.<br />
Außerhalb des Lastausbreitungsbereiches von Eisenbahnverkehrslasten steht eine<br />
Vielzahl von Sanierungsverfahren (Reparatur, Renovierung, Erneuerung) mit allgemeinen<br />
bauaufsichtlichen Zulassungen bzw. Prüfzeugnissen zur Auswahl. Für einen Einsatz<br />
im inneren Lastausbreitungsbereich von Eisenbahnverkehrslasten müssen jedoch o.<br />
g. Anforderungen zwingend erfüllt sein. Die Standsicherheit der Rohre und damit die<br />
Sicherheit des Fahrweges hat bei der Deutschen Bahn AG oberste Priorität.<br />
Für weitergehende Informationen oder Anfragen steht der Autor gern zur Verfügung.<br />
Zur Entwässerung<br />
von Bahnanlagen<br />
im äußeren Druckbereich<br />
und außerhalb<br />
des Druckbereichs von<br />
Eisenbahnverkehrslasten<br />
AUTOR<br />
Dipl.-Ing. ANDREAS SCHREIBER<br />
Deutsche Bahn AG, DB Immobilien, Sanierungsmanagement, Berlin<br />
Vorsitzender des Beirates des Rohrleitungssanierungsverbandes e.V.<br />
Mitglied im Beirat der DWA<br />
Tel. +49 30 297 64653<br />
E-Mail: andreas.schreiber@deutschebahn.com<br />
Funke Kunststoffe GmbH<br />
Tel.: 02388 3071-0<br />
www.funkegruppe.de<br />
04-05 | 2014 107
PROJEKT KURZ BELEUCHTET ABWASSERENTSORGUNG<br />
Im Schatten der Schwebebahn<br />
– Sanierung durch Erneuerung<br />
Im Sommer vergangenen Jahres starteten die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) mit der Fortführung der in 2012<br />
begonnenen aufwändigen Kanalsanierungsmaßnahmen nach dem Entwässerungskonzept im Stadtteil Vohwinkel.<br />
Bereits 800 m Sanierung zwischen „Bruch“ und „Hammerstein“ sind in nur 5 ½ Wochen abgeschlossen worden,<br />
jetzt standen rund 520 m in der Kaiserstraße auf dem Plan.<br />
Erneuerung mit Querschnittsvergrößerung<br />
Kanalsanierung bedeutet in Wuppertal-Vohwinkel Erneuerung:<br />
Erneuerung von rund 100 Jahre alten Steinzeugrohren,<br />
die zwar noch völlig intakt, aber für die heutigen<br />
Anforderungen deutlich unterdimensioniert sind. Überflutungen<br />
im Vohwinkeler Zentrum und voll gelaufene Keller<br />
durch Starkregen oder länger anhaltende Niederschläge<br />
überforderten in den letzten Jahren immer wieder das alte<br />
Kanalsystem mit Rohrdurchmessern von DN 300.<br />
Die WSW sahen zur Notwendigkeit der Querschnittsvergrößerung<br />
der Kanalrohre keine Alternative zur Erneuerung<br />
im offenen Graben und waren sich bewusst, dass die dafür<br />
notwendige Großbaustelle für den Durchgangsverkehr, für<br />
die dortigen Geschäfte und für die Anwohner Belastungen<br />
mit sich bringt. Ihre Projektplanung und -organisation und<br />
letztlich auch ihre Zielerreichung sowie die Arbeit der ausführenden<br />
Bauunternehmen, verdienen große Beachtung.<br />
In nur drei Wochen Bauzeit erfolgten die Sperrung einer<br />
Fahrbahnrichtung und Anlegen der Umleitung, der Aufbau<br />
der Abwasserüberleitungen, das Abfräsen der Straßenoberfläche,<br />
das Ausheben des Grabens (4,50 bis 3,00 m),<br />
520 m Ausbaggern der alten Steinzeugrohre DN 300 (bei<br />
parallel liegender Gashochdruckleitung!), 520 m Einbau<br />
neuer Steinzeugrohre DN 600 (im Durchschnitt 12 m/<br />
Tag) und die Sicherung von drei Schwebebahnstützen mit<br />
Spritzbeton-Verbau (Versetzung der Trasse).<br />
Bild 1: Es sieht unübersichtlich und eng aus, aber jeder weiß, was<br />
er zu tun hat, denn die Zeit ist knapp<br />
Bild 2: Noch läuft der Schwebebahnverkehr während der<br />
Einbauarbeiten, doch auch er musste für kurze Zeit durch<br />
Busersatzverkehr eingetauscht werden<br />
108 04-05 | 2014
Bild 3: Die ersten Steinzeugrohre DN 600 der 520 m langen<br />
Trasse werden eingebaut<br />
Um den vorgegebenen knappen Zeitplan von drei<br />
Wochen einzuhalten, wurden auch Nachtarbeiten notwendig,<br />
sodass drei Bauunternehmen im Schichtbetrieb<br />
die Erneuerung des Kanals vorantrieben.<br />
Ziel sicher erreicht<br />
Wie schon im Jahr zuvor, in dem die Erneuerung von<br />
800 m Kanal in 5 ½ Wochen mit drei Kolonnen realisiert<br />
werden konnten, blieb auch die Fertigstellung<br />
dieses Bauabschnitts exakt im Plan. Die Kosten von rund<br />
1,2 Mio. Euro sind gut angelegt: Projektleiter Mathias<br />
Sommerauer ist überzeugt, dass auch die neuen<br />
Rohre wieder sicher und gut 100 Jahre genutzt werden<br />
können, „weil sie sehr widerstandsfähig, lange haltbar<br />
und dauerhaft stabil und dicht sind. Auch die Baulänge<br />
der Rohre von 2,50 m hat uns überzeugt, sie sind gut<br />
handhabbar.“<br />
Von der Schwebebahn sieht man heute in Wuppertal-<br />
Vohwinkel hinab auf die nun wieder viel befahrene<br />
Kaiserstraße und weiß jetzt: Der nächste Starkregen<br />
wird sie und die Keller der Anlieger nun nicht mehr<br />
überfluten.<br />
KONTAKT: Steinzeug-Keramo GmbH, Frechen, Andreas Becker,<br />
Tel. +49 171 5059271, E-Mail: a.becker@steinzeug-keramo.com,<br />
Halle F5, Stand 512/15<br />
Fotos: Steinzeug-Keramo GmbH<br />
ABWASSERENTSORGUNG PROJEKT KURZ BELEUCHTET<br />
7. Fachkongress<br />
Dienstag, 17.06.2014<br />
Mittwoch, 18.06.2014<br />
smart energy 2.0<br />
Intelligente Lösungen für die Energiewende<br />
17. – 18.06.2014, Essen • ATLANTIC Congress Hotel Essen<br />
www.gwf-smart-energy.de<br />
Programm-Übersicht<br />
Moderation Dr.-Ing. Ulrich Wernekinck<br />
Themenblock 1 Politischer Rahmen und Standardisierung<br />
• Einführung: Status Quo der Energiewende<br />
• Energiewende aus Sicht der Energiewirtschaft<br />
• Der neue Rahmen des gesetzlichen Messwesens<br />
Themenblock 2 Energiespeicher<br />
• Lastmanagement zur Systemflexibilisierung<br />
• Stationäre Energiespeicher: Stabilisierender Beitrag zur Energiewende<br />
• Erste Erfahrungen aus PtG-Pilotprojekten<br />
• Entwicklung eines intelligenten Niederspannungsnetzes<br />
mit dem Smart Operator<br />
Themenblock 3 Smart Meter Gateway<br />
• Technische Richtlinien für das Smart Meter Gateway<br />
• FNN-Projekt „Messsystem 2020“<br />
• Weiterentwicklung der Technischen Richtlinie<br />
für das Smart Meter Gateway<br />
• Mindestanforderungen zum Betrieb beim Gatewayadministrator<br />
• Smart Meter aus Kundensicht<br />
Moderation Dr. rer. nat. Norbert Burger<br />
Themenblock 4 Gasbeschaffenheit<br />
• Zukünftige Gasbeschaffenheit in Europa<br />
• Die neue Gasgruppe K in den Niederlanden –<br />
ein neuer strategischer Ansatz<br />
• L-/H-Gas-Anpassung in Deutschland –<br />
Konsequenz der Änderung der Gasdarbietung aus Groningen<br />
Themenblock 5 Konsequenzen für die Komponenten- und<br />
Geräteindustrie<br />
• Auswirkung von Gasbeschaffenheitsschwankungen<br />
auf Industrieprozesse<br />
• Harmonisierung des Wobbe-Index in Europa: Chancen und Risiken -<br />
Reaktion der europäischen Industrie<br />
• Gasbeschaffenheitsmanagement in der (industriellen) Gasverwendung<br />
• Trends in der Gasbeschaffenheitsmessung<br />
MIT REFERENTEN VON: BDEW, BSI, RWE, E.ON, DBI, GWI, RMG, ELSTER, u.a.<br />
Kurzfristige Programmänderungen behalten wir uns vor.<br />
Wann und Wo?<br />
Termin:<br />
• Dienstag, 17.06.2014,<br />
09:00 – 17:15 Uhr Tagung | Ausstellung<br />
ab 19:00 Uhr Abendveranstaltung<br />
• Mittwoch, 18.06.2014,<br />
09:30 – 16:30 Uhr Tagung | Ausstellung<br />
Ort:<br />
ATLANTIC Congress Hotel Essen, Norbertstraße 2a, 45131 Essen<br />
www.atlantic-congress-hotel-messe-essen.de<br />
Zielgruppe:<br />
Mitarbeiter von Stadtwerken,<br />
Veranstalter<br />
Energieversorgungs unternehmen,<br />
Verteilnetz betreibern,<br />
Softwareunternehmen und der<br />
Geräte industrie<br />
Teilnahmegebühr:<br />
gwf-Abonnenten /<br />
figawa-Mitglieder: 800,00 €<br />
Firmenempfehlung: 800,00 €<br />
Nichtabonnenten/-mitglieder: 900,00 €<br />
Sponsored by<br />
Bild: Initiative Pro Smart Metering<br />
Mehr Information und Online-Anmeldung unter<br />
04-05 | 2014 www.gwf-smart-energy.de<br />
109
PROJEKT KURZ BELEUCHTET ABWASSERENTSORGUNG<br />
Neues Verbundrohrsystem bewährt<br />
sich bei ersten Praxiseinsätzen<br />
In 2013 brachte die Beton Müller GmbH ein neues Rohrsystem auf den Markt: das Verbundrohrsystem Perfect Pipe. Dabei<br />
handelt es sich um ein Betonrohr mit integriertem dünnwandigen PE-Liner. Mittlerweile wurden bereits über 2,5 km dieses<br />
Systems auf verschiedenen Baustellen eingesetzt. Die positiven Erfahrungen beim Einbau bestätigten die Erwartungen<br />
der Bauunternehmen und der Auftraggeber.<br />
Baumaßnahme in Gaggenau<br />
Im Zuge der Erschließung des Neubaugebietes im Stadtteil<br />
Heil in Gaggenau plante die Kommune ein Trennsystem<br />
zur Abführung des Regen- bzw. Schmutzwassers. Für den<br />
Regenwassersammler war ein Stahlbetonrohr DN 800 vorgesehen,<br />
um auch bei Starkregenereignissen das Regenwasser<br />
sicher abführen zu können. Der Schmutzwasserkanal sollte<br />
ursprünglich in Kunststoff ausgeführt werden. „Aufgrund<br />
eines Sondervorschlags des bauausführenden Unternehmens<br />
Weiss entschlossen wir uns, auf einigen Teilstrecken<br />
erstmalig das neue Rohrsystem Perfect Pipe einzusetzen<br />
und zu testen“, erläutert Monika Fritz-Wörner, die für die<br />
Straßenplanung der Stadt Gaggenau und die Betreuung<br />
der Baumaßnahme verantwortlich ist. Der Sondervorschlag<br />
sah vor, 180 m DN 250 für den Schmutzwasserkanal sowie<br />
kurze Abschnitte in DN 300, DN 500 und DN 600 für den<br />
Regenwasserkanal einzubauen, um Erfahrungen mit der<br />
kompletten Nenneweitengruppe 1 des Perfect Pipe-Systems<br />
sammeln zu können.<br />
Die Baubedingungen waren für eine hohe Verlegeleistung<br />
wenig geeignet. Weicher Sandstein, hochstehende Lehmschichten<br />
und Schichtenwasser erschwerten den Einbau<br />
der Rohre erheblich. Der vor Beginn der Baumaßnahme<br />
einsetzende Dauerregen weichte den Boden zusätzlich auf.<br />
Dank der Perfect Pipe-Systemeigenschaften konnten die<br />
Rohre dennoch zügig und sicher eingebaut werden. Zum<br />
sicheren Transport auf der Baustelle und Absenken in die<br />
Baugrube tragen z. B. die beiden in das Rohr integrierten<br />
Kugelkopfanker bei, an die die Transportkette eingehakt<br />
wird (Bild 1, links). Nach dem Absetzen auf dem Planum<br />
im Rohrgraben lässt sich die Kette mühelos entfernen. Ein<br />
Verrutschen oder Abkippen des Rohres während des Transportes<br />
ist damit ausgeschlossen.<br />
Die Kontur des Fußrohres mit der speziellen Mittelaussparung<br />
ermöglicht eine vergleichsweise einfache Herstellung<br />
der Bettung. Ein ebenes, einfach verdichtetes Planum ist<br />
auch bei geringem Leitungsgefälle ausreichend, um das<br />
vorgegebene Gefälle exakt einzuhalten. Die Rohre werden<br />
mit dem sogenannten Connector, einer Steckverbindung,<br />
die eine nachgewiesene Dichtheit bis 2,5 bar garantiert,<br />
verbunden. Dies erspart das Erstellen von Mulden, wie sie<br />
bei Glockenmuffen benötigt werden.<br />
Aufgrund der detaillierten Vorplanung für das Baugebiet in<br />
Heil, die eine exakte Lage der Hausanschlüsse angab, konnten<br />
die Anschlussstutzen bereits im Werk bei der Produktion<br />
der Rohre integriert werden. Dabei wird ein PE-Stutzen<br />
direkt mit dem Inliner verschweißt und anschließend mit einbetoniert<br />
- daraus ergibt sich ein perfekter systemintegraler<br />
Anschluss. Alternativ können Seitenzuläufe auf der Baustelle<br />
natürlich mit den handelsüblichen Anschlussstutzen, wie<br />
Bild 1: Die im Perfect Pipe-Rohr integrierten Kugelkopfanker ermöglichen ein sicheres und einfaches Transportieren der Rohre<br />
auf der Baustelle und Absenken in die Baugrube. Eine Zwickelverdichtung ist aufgrund der Rohrgeometrie nicht notwendig - die<br />
häufigste Schadensursache im Rohrleitungsbau damit eliminiert<br />
Foto: SCHLÜSSELBAUER TECHNOLOGY GmbH & Co KG<br />
110 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG PROJEKT KURZ BELEUCHTET<br />
z. B. dem Fabekun-Sattelstück von Funke, realisiert werden.<br />
Einen weiteren Vorteil beschreibt Oliver Weiss, Juniorchef<br />
des Bauunternehmens Weiss: „Bei der Verwendung des<br />
Perfect Pipe-Systems ist aufgrund der Geometrie des Rohres<br />
eine Zwickelverdichtung nicht erforderlich. Außerdem ist<br />
der Einsatz von grobkörnigem Material bis 0/45 im Bettungsbereich<br />
möglich, was in vielen Fällen den Einsatz des<br />
Bodenaushubs erlaubt. Das spart natürlich Kosten und Zeit.“<br />
Baumaßnahme in Achern<br />
In Achern waren für die Erschließung eines Neubaugebietes<br />
ein Regenwasserkanal DN 300 bis 500 (200 m Perfect<br />
Pipe ohne Inliner) und ein Schmutzwasserkanal DN 250<br />
(200 m HS-Rohre der Firma Funke) zu verlegen. Die Bodenverhältnisse<br />
sind dort schwierig: hohe bzw. wechselnde<br />
Grundwasserstände, z. T. bis Oberkante des Geländes.<br />
Entsprechend war nur eine geringe Überdeckung über dem<br />
Regenwasserkanal eingeplant, so dass die einzusetzenden<br />
Rohre hohe statische Lasten insbesondere während des<br />
Baustellenbetriebes tragen müssen. Darüber hinaus sollte<br />
gewährleistet sein, dass das Rohrsystem gegen eindringendes<br />
Grundwasser dicht ist. Eine erhöhte Korrosionsbeständigkeit,<br />
wie beim Schmutzwasserkanal in Gaggenau, war<br />
jedoch nicht erforderlich. Der Auftraggeber, die KBB Kommunalberatung<br />
und Bauerschließung Baden-Baden, wählte<br />
aus den genannten Gründen das Perfect Pipe-Rohr ohne<br />
Inliner. Das leichte und sicher Handling der Rohre sowie<br />
die einfache Herstellung des Planums sowie des Einbaus<br />
des Connectors überzeugten auch in Aachern. Eine kleines<br />
Detail der Rohrgeometire fiel auf dieser Baustelle noch ins<br />
Auge: die hervorragende Stapelbarkeit der Rohre auf dem<br />
Rohrlager durch die ebene Lagerfläche am Rohrscheitel.<br />
Foto: SCHLÜSSELBAUER TECHNOLOGY GmbH & Co KG<br />
Fazit<br />
Die Einführung eines neuen Rohrsystems in einen etablierten<br />
Markt ist sicher nicht leicht, weiß Joachim Strack, Geschäftsführer<br />
der Beton Müller GmbH. „Dennoch haben wir den<br />
Schritt gewagt, da die Grundkonzeption des System viele<br />
Vorteile gegenüber den etablierten Rohrsystemen bietet.<br />
Die Erfahrungen in 2013 mit über 2,5 km Verlegeleistung<br />
und dem positiven Feedback der Bauunternehmen und<br />
auch Auftraggeber bestätigen unsere Erwartungen. Für<br />
2014 planen wir, den Absatz auf über 10 km zu erhöhen“,<br />
so Strack weiter.<br />
Auf der <strong>IFAT</strong> erstmalig zu sehen<br />
Um Perfect Pipe-Rohre in noch größeren Nennweiten anbieten<br />
zu können, hat die Beton Müller GmbH in den letzten<br />
Monaten ihre Produktionsanlage erweitert. Das komplette<br />
System ist nun bis DN 1.200 lieferbar. Auf der <strong>IFAT</strong> wird<br />
erstmalig ein Perfect Pipe-Rohr DN 800 dem Fachpublikum<br />
präsentiert.<br />
KONTAKT: Beton Müller GmbH, Achern, Tel.: +49 7841 204-0,<br />
E-Mail: info@beton-mueller.de, www.mueller-schachttechnik.de<br />
Halle B5, Stand 331/430<br />
Bild 2: In Achern wurde Perfect Pipe ohne Liner als Regenwasserkanal<br />
eingebaut. Einer der Systemvorteile des Perfect Pipe ist die Rohrverbindung<br />
über den Connector, der eine Dichtheit bis 2,5 bar gewährleistet und damit<br />
auch den Einsatz des Rohres in Wassergewinnungsgebieten zulässt<br />
04-05 | 2014 111
PROJEKT KURZ BELEUCHTET ABWASSERENTSORGUNG<br />
Kurvenvortrieb mit GFK-Rohren<br />
DN 2000 in Ivry-sur-Seine<br />
Die Projektgesellschaft der Pariser Bauherrschaft und Straßenbauherrschaft (Société d‘Etudes, de Maîtrise d‘Ouvrage et<br />
d‘Aménagement Parisienne SEMAPA) koordiniert Entwicklungsprojekte im 13. Pariser Verwaltungsbezirk. Im Rahmen<br />
eines unlängst am Südufer der Seine umgesetzten Regenwasseraufbereitungsprojektes wurden 205 m HOBAS GFK-Rohre<br />
DN 2000 (DA 2160) unter dem Kai von Ivry-sur-Seine vorgetrieben.<br />
SEMAPA ist damit beauftragt, 130 ha in einer südlich der<br />
Seine gelegenen Zone von Paris neu zu gestalten: Wohn-,<br />
Büro- und Geschäftsflächen, Schulen und Infrastruktur sollen<br />
entstehen und die Linie 10 der Pariser Metro ausgebaut<br />
werden. In diesem Zusammenhang wurde der 7,8 Millionen<br />
Euro umfassende Bau eines Systems zur Regenwasserbehandlung<br />
und -speicherung geplant. Das Regenwasser<br />
wird hier gereinigt, bevor es in die Seine fließt. Das System<br />
verläuft unter dem Kai von Ivry-sur-Seine und besteht aus<br />
einer Freispiegelleitung DN 2000 sowie einem Überlauf,<br />
der Wasser bei Flutereignissen an der Seine aufnimmt. Die<br />
Entscheidung, die Rohre grabenlos durch Vortrieb zu verlegen,<br />
ergab sich aus den Rahmenbedingungen vor Ort.<br />
Zunächst erforderte das hohe Verkehrsaufkommen am<br />
Kai von Ivry-sur-Seine eine Verlegemethode, die den Verkehrsfluss<br />
möglichst wenig behindert. Die Positionen des<br />
Sedimentations- sowie des Auslaufschachts am Beginn und<br />
Ende der geplanten Rohrleitung machten eine Verlegung<br />
der Leitung in 8-10 m Tiefe über eine Länge von 205 m<br />
notwendig. Im offenen Graben wäre diese Tiefe nur schwer<br />
zu bewältigen gewesen und hätte auch ein hohes Risiko mit<br />
sich gebracht: Der Untergrund ist in diesem Areal durch die<br />
Pfeiler der Ringstraßenviadukte, Benzintanks von Tankstellen<br />
sowie zwei Schlitzwände verbaut und der Grundwasserspiegel<br />
schwankt zwischen 0 und 5 m unter Geländeoberkante.<br />
Darüber hinaus boten sich die beiden geplanten Schächte<br />
als Start- und Zielbaugrube für die Vortriebsmaschine an.<br />
Da HOBAS GFK-Vortriebsrohre eine geringere Wanddicke im<br />
Vergleich zu anderen Rohrmaterialien bei gleichem Außendurchmesser<br />
haben, konnte für den Vortrieb eine kleinere<br />
Vollschnittmaschine verwendet werden. Die glatte Oberfläche<br />
und der konstante Außendurchmesser der GFK-Rohre<br />
machten eine hohe Verlegeleistung bei gleichzeitig geringen<br />
Vortriebskräften möglich. Neben verschiedenen internationalen<br />
Zertifikaten tragen die GFK-Rohre von HOBAS in<br />
Frankreich auch das CSTBat-Gütesiegel und erfüllen somit<br />
die strengen Qualitätsstandards des Französischen „Centre<br />
Scientifique et Technique du Bâtiment“ (Wissenschaftliches<br />
und Technisches Zentrum des Bauwesens).<br />
Horizontale und vertikale Bögen mit Gefälle<br />
Die Herausforderung des Vortriebsprojekts bestand darin,<br />
die Rohrleitung in einer Kurve vorzutreiben, vorbei an den<br />
Pfeilern, Benzintanks und durch die Schlitzwände hindurch:<br />
Bild 1: Die Firma Ludwig Pfeiffer Microtunnel führte den Vortrieb mit<br />
HOBAS GFK-Rohren DN 2000 (DA 2160) durch<br />
Bild 2: Rohrlager der HOBAS GFK-Rohre entlang der<br />
vielbefahrenen Straße<br />
112 04-05 | 2014
Nachhaltig<br />
bauen<br />
Vermögen<br />
erhalten<br />
Bild 3: Die Rohrleitung verläuft unterhalb des Kais von<br />
Ivry-sur-Seine (Paris)<br />
Es galt, zwei horizontale Bögen mit Radii von 500 und 400 m sowie einen<br />
vertikalen Bogen mit einem Gefälle von 0,5 % auf 1 % umzusetzen. Es<br />
wurden Rohre mit 2 m Baulänge geliefert, um die maximale zulässigen<br />
Abwickelungen im Kurvenbereich einzuhalten.<br />
HOBAS GFK-Rohre sind ideal für den Kurvenvortrieb, da sie eine gleichmäßige<br />
Kraftübertragung ohne Druckübertragungsringe aus Holz ermöglichen.<br />
Dabei mussten aufgrund der kleinen Radien die zulässigen Vortriebskräfte<br />
im Kurvenbereich reduziert werden. In diesem Projekt betrugen die<br />
zulässigen Vortriebskräfte in Abhängigkeit von den Radii 5530 kN und<br />
6549 kN (im Vergleich zu 8845 kN bei einem geraden Vortrieb).<br />
Die Firma Ludwig Pfeiffer Microtunnel wählte für den sandigen, kiesigen<br />
und lehmigen Boden einen optimal angepassten Bohrkopf. Die Vortriebsexperten<br />
von Ludwig Pfeiffer dirigierten die Vortriebsmaschine mit großer<br />
Präzision vom Anfang bis zum Ende der Trasse. Dank der optimalen Eigenschaften<br />
der Vortriebsrohre musste nie mit mehr als 1570 kN vorgepresst<br />
werden – ein Wert, der deutlich unter der berechneten Maximalkraft liegt.<br />
Mit präzisem Timing und genauer Koordination von Personal und Rohrlieferungen<br />
konnten die Vortriebsarbeiten innerhalb von zwei Wochen<br />
abgeschlossen werden.<br />
KONTAKT: HOBAS Rohre GmbH, Trollenhagen, Wilfried Sieweke,<br />
Tel. +49 395 4528-0, E-Mail: wilfried.sieweke@hobas.com, www.hobas.de<br />
Halle B6, Stand 245/340<br />
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04-05 | 2014 113
PROJEKT KURZ BELEUCHTET ABWASSERENTSORGUNG<br />
Bei der DB in Kassel sorgt INNOLET<br />
für sauberes Oberflächenwasser<br />
Das Werk Kassel gilt als eines der modernsten Werke der DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH. Auf dem rund 170.000 m 2<br />
großen Gelände werden die Dieseltriebzüge des Nahverkehrs aus allen Teilen Deutschlands nach einer Million Laufkilometern<br />
bzw. spätestens alle acht Jahre generalüberholt. Aber auch Modernisierungen, Bedarfs- und Unfallinstandsetzungen der<br />
Verbrennungstriebwagen werden hier durchgeführt – Arbeiten also, bei denen Schmierstoffe, Tropföl und Metallabrieb<br />
auch auf dem Außenareal vorzufinden sind. Damit das derart belastete Niederschlagswasser bereits dort gereinigt wird, wo<br />
es anfällt, hat sich die DB Netz AG jetzt für das INNOLET ® -System der Funke Kunststoffe GmbH entschieden. Konsequent<br />
hat die W. Hundhausen Bauunternehmung GmbH fünf Straßeneinläufe mit diesem System ausgestattet.<br />
Das Werk Kassel ist für die DB Fahrzeuginstandhaltung<br />
GmbH wegen seiner Modernität ein Vorzeigeobjekt. Auch<br />
unterirdisch soll das rund 170.000 m 2 große Gelände jetzt<br />
„auf Vordermann“ gebracht werden. „Die Kanäle auf dem<br />
Werksgelände sind zum Teil 100 Jahre alt. „Mit Hilfe der<br />
Daten aus dem Kanalkataster und der Ergebnisse aus einer<br />
Kamerabefahrung haben wir einen Sanierungsplan für das<br />
TV-befahrene Areal erstellt“, erzählt Dipl.-Ing. Michael Krause,<br />
Geschäftsführer des Planungsbüros KMO Ingenieure<br />
GmbH. Demnach soll die W. Hundhausen Bauunternehmen<br />
GmbH, die den Zuschlag für die Tiefbauarbeiten für die ersten<br />
beiden Bauabschnitte inklusive des Neubaus der Abwasservorbehandlungsanlage<br />
mit Betriebsgebäude bekommen<br />
hat, insgesamt rund 9.500 m befahrenen Kanal mit ca. 200<br />
Haltungssanierungen ausführen. Das Leitungsnetz auf dem<br />
Werksgelände besteht aus Abschnitten mit Trennsystem,<br />
Abschnitten mit Mischsystem und industriellen Kanälen. Die<br />
Abwasservorbehandlungsanlage, die Ende dieses Jahres ans<br />
Netz gehen wird, soll das gesamte anfallende industrielle<br />
Abwasser auf dem Gelände sammeln und erst nach einer<br />
Behandlung in das Kanalnetz der Stadt Kassel einleiten.<br />
Dezentrale Niederschlagswasserbehandlung<br />
Da die Anlage vorwiegend für industrielle Abwässer gedacht<br />
ist, hat der Planer zusammen mit den Auftraggebern von der<br />
DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH und der DB Netz AG eine<br />
separate Lösung für das Niederschlagswasser gesucht – und<br />
bei der Funke Kunststoffe GmbH auch gefunden: An fünf<br />
Stellen, wo verstärkt Verunreinigungen durch den Werksbetrieb<br />
auftreten, werden die Straßenabläufe zusätzlich mit<br />
INNOLET-Filtern ausgestattet. Die Funktionsweise ist einfach,<br />
das Ergebnis spricht aber für sich: Das Oberflächenwasser von<br />
den befestigten Flächen durchfließt zunächst einen Grobfilter,<br />
der größere Bestandteile wie Blätter zurückhält. Durch seitli-<br />
Bild 1: Im Werk Kassel der DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH werden<br />
Dieseltriebzüge des Nahverkehrs repariert und modernisiert – im Bild zu sehen sind<br />
Drehgestelle. Das gesamte Gelände umfasst 170.000 m 2<br />
Bild 2: Das INNOLET ® -System im Überblick (v.l.):<br />
die Abdeckmatte aus Gummi für die Auflage der<br />
Gussabdeckung, der Grobfilter, der Einsatz, die<br />
Filterpatrone und das Substrat<br />
114 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG PROJEKT KURZ BELEUCHTET<br />
Fotos: Funke Kunststoffe GmbH<br />
Bild 3: Als Erstes wird der Einsatz für das INNOLET ® -<br />
System in den Straßenablauf eingebracht<br />
Bild 4: Der Grobfilter wird auf die<br />
Filterpatrone im Einsatz gesetzt<br />
Bild 5: Die Filterpatrone wird in den<br />
Einsatz eingebracht<br />
che Öffnungen gelangt das Niederschlagswasser dann in die<br />
darunter liegende Filterpatrone, die mit einem Substrat gefüllt<br />
ist. Hier werden mitgeführte gelöste Schwermetalle, Öl sowie<br />
organische Substanzen adsorbiert. „Das Regenwasser, das<br />
über die Bereiche rund um die Lagerplätze und Werkhallen<br />
fließt, ist meist durch Schmierstoffe, Tropföl und Metallabrieb<br />
belastet. Eine dezentrale Niederschlagswasserbehandlung,<br />
wie sie das System INNOLET ® leistet, ist deshalb für uns<br />
optimal. Besonders der spezielle Öladsorber des Substrats ist<br />
hilfreich“, so Projektleiter Michael Fleck von der Regionalen<br />
Instandsetzung des Regionalbereichs Südost der DB Netz<br />
AG. „Neben der Nachhaltigkeit und dem Umweltschutz hat<br />
der Einsatz für uns auch klare wirtschaftliche Vorteile, denn<br />
in der neuen Abwasserbehandlungsanlage sollen nur die<br />
industriellen Abwässer gereinigt werden. Die Filter in den<br />
Straßeneinläufen helfen, die Anlage zu schonen“, ergänzt<br />
Dipl.-Ing. Ulrich Zeidler vom Anlagen- und Gebäudemanagement,<br />
Infrastrukturprojekte der DB Fahrzeuginstandhaltung<br />
GmbH. „Das Regenwasser wird da gereinigt, wo es anfällt<br />
und das ohne zusätzliche Energie, denn das INNOLET®-<br />
System nutzt das Gefälle zwischen der Straßenoberkante<br />
und der Kanalisation aus.“<br />
Besonders hohe Ölbindefähigkeit<br />
5,8 l Öl, das haben Untersuchungen ergeben, kann<br />
eine durchnässte, große Filterpatrone für einen Aufsatz<br />
500 x 500 mm aufnehmen. „Die Ölbindefähigkeiten des<br />
Systems sind dabei besonders gut. Betreiber müssen aber<br />
dennoch nicht befürchten, dass sich hinter dem Substrat<br />
hohe Kosten verstecken“, betont Funke-Fachberater Dipl.-<br />
Ing. Martin Ritting. „Die Standzeit des Substrats beträgt<br />
im Normalfall ein Jahr. So lassen sich die Kosten gut und<br />
überschaubar kalkulieren.“ Muss das Substrat ausgetauscht<br />
werden, sind nur wenige Handgriffe erforderlich: Nachdem<br />
der Gussrost des Straßeneinlaufs herausgenommen und<br />
der Grobfilter entfernt und gereinigt worden ist, wird die<br />
Filterpatrone aus dem Einsatz entnommen, die Ringmutter<br />
gelöst und der Deckel abgenommen. Das alte Substrat wird<br />
entfernt. Wenn alle Komponenten gereinigt sind, wird die<br />
Filterpatrone wieder zusammengesetzt und das Substrat<br />
in den Ringraum eingefüllt, bis die Filterpatrone bis zur<br />
Oberkante gefüllt ist. Jetzt wird sie wieder verschlossen<br />
und in den Straßenablauf eingesetzt. Anschließend kommt<br />
der Grobfilter auf die Filterpatrone, und der Straßenablauf<br />
wird mit dem Gussrost verschlossen. „Auch der Einbau<br />
selbst ging schnell und kinderleicht. Wichtig ist nur, dass<br />
man auf die Zentrierung der Filterpatrone achtet und die<br />
Einbauhöhe von 70 cm ab Auflage des Einsatzes berücksichtigt“,<br />
erläutert der Projektleiter für Gleis- und Industriebau<br />
Dipl.-Ing. (FH) Stefan Stücher von der bauausführenden W.<br />
Hundhausen Bauunternehmung GmbH.<br />
IKT-getestet<br />
Das Institut für Unterirdische Infrastruktur (IKT) hat INNO-<br />
LET ® eingehend getestet. Das Produkt hat in praxisnahen<br />
Tests seine Wirksamkeit unter Beweis gestellt und belegt,<br />
dass die Behandlung des Niederschlagswassers hierdurch<br />
vergleichbar ist mit der in einer zentralen Anlage, wie z. B.<br />
einem Regenklärbecken. Die Ergebnisse der Tests waren<br />
so überzeugend, dass das IKT INNOLET ® das Siegel „IKTgeprüft<br />
gemäß Trennerlass“ verliehen hat. Auch in Kassel<br />
sind alle Beteiligten zufrieden mit der Entscheidung für<br />
dieses System. Jetzt will man hier eigene Erfahrungen mit<br />
dem Produkt sammeln.<br />
KONTAKT: Funke Kunststoffe GmbH, Hamm-Uentrop, Tel. +49 2388 3071-0,<br />
E-Mail: info@funkegruppe.de, www.funkegruppe.de<br />
Halle B6, Stand 211<br />
04-05 | 2014 115
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Betrachtung der Statik bei<br />
Schachtsanierung<br />
Es gibt rund 10 Millionen Schachtbauwerke in Deutschland. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Abwassernetze und<br />
damit ebenso wichtig wie der Abwasserkanal selbst. Vielmehr noch sind Schächte weitaus stärkeren Beanspruchungen<br />
ausgesetzt als der im Erdreich liegende Kanal, denn über die Schachtabdeckung werden oft direkt Kräfte in den<br />
Schacht eingeleitet. Für eine ganzheitliche Betrachtung der Sanierung sind damit neben der Sanierung von Kanälen<br />
und Rohrleitungen auch die Sanierung von Schächten und Bauwerken und dabei insbesondere die Statik zu betrachten.<br />
Dieser Beitrag beruht auf dem RSV-Merkblatt 6.2 „Sanierung von Bauwerken und Schächten in Entwässerungssystemen -<br />
Reparatur/Renovierung“ [1]. Das Merkblatt beinhaltet Hinweise zum Standsicherheitsnachweis von Sanierungsmaßnahmen<br />
an Schächten und Bauwerken für Freispiegelleitungen von Schmutz-, Regen- und Mischwasserkanälen im öffentlichen<br />
und privaten Bereich. Bei Abwasserreinigungsanlagen, Pumpwerken und Sammelgruben kann unter Berücksichtigung der<br />
dort vorhandenen spezifischen Eigenschaften des Abwassers der vorliegende Beitrag sinngemäß angewendet werden.<br />
Besonderheiten beim Ingenieurbauwerk Schacht<br />
Ein typischer Schachtaufbau ist in Bild 1 dargestellt.<br />
Schachtbauwerke besitzen die Besonderheit – im Gegensatz<br />
zur erdverlegten Rohrleitung – direkt durch Straßenverkehr<br />
belastet zu werden. Die vertikalen Belastungen sind im<br />
Bild 1 durch blaue Pfeile gekennzeichnet. Der Schacht hat<br />
dabei die Funktion, die Belastung von der Abdeckung über<br />
den Schachtkörper und das Schachtunterteil in den Boden<br />
abzutragen.<br />
Bild 1: Konstruktiver Aufbau und Lastabtrag<br />
Die Verkehrsbelastung wird über die Schachtabdeckung<br />
eingetragen. Schachtabdeckungen sind gemäß DIN EN 124<br />
[2] in sechs Gruppen A 15 bis F 900 eingeteilt. In Abhängigkeit<br />
der maximalen statischen Radlast ist planungsseitig die<br />
entsprechende Gruppe zu wählen. Üblicherweise werden<br />
im Straßenbereich Abdeckungen der Gruppe 4 und damit<br />
der Klasse D 400 eingesetzt.<br />
Die Straße, in der sich der Schacht befindet, wird einer Straßenbauklasse<br />
zugeordnet. Diese Straßenbauklasse ergibt<br />
sich aus der bemessungsrelevanten dynamischen Beanspruchung<br />
– der Anzahl der äquivalenten 10-t-Achsübergänge.<br />
Daraus definieren sich für den Straßenaufbau die jeweiligen<br />
Schichtdicken, z. B. Dicke der Tragschicht.<br />
Der maßgebende Unterschied in der Auslegung zwischen<br />
Straße und Schachtabdeckung besteht darin, dass der Straßenaufbau<br />
verkehrsbedingt festgelegt wird, d. h. also nach<br />
dynamischer Belastung. Die Abdeckung hingegen bemisst<br />
sich nach der maximal statisch auftretenden Last, selbst<br />
wenn diese eventuell nur einmalig auftritt.<br />
Erschwerend kommt hinzu, dass mit steigendem Verkehrsaufkommen<br />
auch die dynamische Belastung (Schwingung,<br />
Vibration) auf den Schachtdeckel und damit auf den gesamten<br />
Schachtkopf und Schacht steigt. Die Schächte liegen<br />
üblicherweise in Ortslagen, in denen die Straßenführung<br />
durch Kurven, Einmündungen, Kreuzungen sowie ausgeprägtem<br />
Längs- und Quergefälle charakterisiert ist. Damit<br />
finden durch den Verkehr vermehrte Lenkbewegungen<br />
und häufiges Verzögern bzw. Beschleunigen statt. Dies<br />
führt zu zusätzlichen Belastungen, die über die Abdeckung<br />
in den Schacht direkt eingetragen werden, dargestellt in<br />
Bild 1 durch den grünen Pfeil und das Moment im Bereich<br />
der Schachabdeckung. Verstärkt werden diese Einwirkungen,<br />
wenn es teils auch zu geringen Setzungen seitlich<br />
des Schachtes kommt (horizontale grüne Pfeile seitlich der<br />
Abdeckung in Bild 1).<br />
Diese grundsätzlichen Betrachtungen des in Bild 1 rot<br />
umrandeten Lasteintragungsbereiches sind bei der Wahl<br />
des Sanierungsverfahrens durchzuführen.<br />
116 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />
Altschachtzustand<br />
Beschreibung<br />
0 Sanierung nur erforderlich, da neue Belastung (statisch und/oder durch Medium) erwartet werden<br />
|<br />
||<br />
|||<br />
|||a<br />
Tabelle 1: Altschachtzustände nach [1]<br />
Altschacht allein tragfähig (z.B. Undichtigkeiten in Schachtverbindung, Wandung; keine Risse, ausgenommen<br />
Haarrisse)<br />
Altschacht-Bodensystem ist allein tragfähig (z.B. vertikale Längsrisse mit geringer Schachtverformung bei überprüfter<br />
funktionsfähiger seitlicher Bettung; bestätigt durch Langzeitbeobachtung bzw. Rammsondierung)<br />
Schacht-Bodensystem langzeit allein nicht mehr tragfähig; deutliche Verformungen; horizontale Risse bzw. Abplatzungen<br />
in den Schachtfugen; gegenüber Altschachtzustand || wird die Sanierung auch durch Erd- sowie horizontale<br />
und vertikale Verkehrslasten beansprucht<br />
Standsicherheit des Altschachtes nicht mehr gegeben (große Fehlstellen, geringe oder keine Altwanddicke). Eine<br />
Begehung ist nicht mehr möglich (UVV)<br />
Standsicherheitsnachweis nach RSV-Merkblatt 6.2<br />
Grundlagen<br />
Unter Schachtsanierung versteht man Verfahren, mit denen<br />
schadhafte Schächte und Bauwerke in Entwässerungssystemen<br />
wieder instandgesetzt werden können. Dabei werden<br />
verschiedene Verfahren der Reparatur, der Renovierung<br />
oder einer Kombination aus Reparatur und Renovierung<br />
eingesetzt. Neben der Wahl des geeigneten Verfahrens ist<br />
auch die Auswahl der Abdichtungs- und Beschichtungsmaterialien<br />
für den nachhaltigen Erfolg einer Sanierungsmaßnahme<br />
entscheidend [1]. Nur dann ist sichergestellt,<br />
dass die in den technischen Regelwerken gestellten drei<br />
grundlegende Anforderungen<br />
»»<br />
Standsicherheit<br />
»»<br />
Betriebssicherheit<br />
»»<br />
Dichtheit<br />
nicht nur durch neue, sondern auch durch sanierte Schächte<br />
eingehalten werden.<br />
Um der Anforderung nach ausreichender Standsicherheit<br />
zu entsprechen, ist grundsätzlich der Zustand der Schächte/<br />
Bauwerke und der Sanierungsmaßnahme aus statischer<br />
Sicht zu betrachten.<br />
Die DWA-Regelwerke ATV-DVWK-A 127 und ATV-M 127,<br />
Teil 2 (Januar 2000) können nicht direkt zur Führung von<br />
Standsicherheitsnachweisen von Schächten, Bauwerken und<br />
deren Sanierung angewendet werden. Möglichkeiten der<br />
Nachweisführung sind im RSV-Merkblatt 6.2 [1] beschrieben<br />
und werden nachfolgend wiedergegeben.<br />
Altschachtzustände<br />
Zur Beurteilung des statischen Erfordernisses einer Sanierungsmaßnahme<br />
ist vorab die Standsicherheit des Altschachtes<br />
zu überprüfen. Zur Eingruppierung der Standsicherheit<br />
der Altschächte sind folgende Zustände definiert<br />
(siehe Tabelle 1):<br />
Erweiterte Zustandserfassung und -bewertung<br />
Der planerischen Sorgfalt ist nicht damit Genüge getan,<br />
den Altschacht pauschal als nicht mehr tragfähig in die<br />
Altschachtzustände III und IIIa einzustufen. Bei Vernachlässigung<br />
der Altschachtzustände 0, I und II entfallen<br />
wirtschaftliche und dauerhafte Lösungsmöglichkeiten.<br />
Im Zweifelsfall sollte der Altschacht statisch berechnet<br />
werden. Dies hat unter Berücksichtigung beispielsweise<br />
der Restwanddicke sowie der vertikalen und horizontalen<br />
Belastungen zu erfolgen.<br />
In diesem Zusammenhang kann es erforderlich sein, eine<br />
erweiterte Zustandserfassung aus statischer Sicht durchzuführen.<br />
Den empfohlenen Umfang legt das RSV-M 6.2 fest:<br />
1. Untersuchung der Bausubstanz<br />
1.1 Restwanddicken (z. B. Kernbohrung)<br />
1.2 Prüfung der Oberflächenzugfestigkeit an den Betonoberflächen<br />
bzw. Mauerwerksoberflächen (Prüfverfahren<br />
nach DIN 1048-2) mit dessen Hilfe die Oberflächenzugfestigkeit<br />
von oberflächennahen Schichten beurteilt<br />
werden kann. Die Prüfung dient dazu, festzustellen,<br />
in welcher Weise die Oberfläche für eine erfolgreiche<br />
Sanierung vorbehandelt werden muss sowie einen Referenzwert<br />
für die Haftzugfestigkeit für Beschichtungen<br />
zu erhalten.<br />
1.3 Prüfung der Druckfestigkeit, die direkt für das Tragverhalten<br />
und die Dauerhaftigkeit der Schächte maßgebend<br />
ist. Die Ermittlung der Druckfestigkeit kann zerstörungsfrei<br />
mit Hilfe des Betonprüfhammers ermittelt<br />
werden.<br />
1.4 Materialgüte (z. B. Schwefelgehalt, Chloridgehalt,<br />
Carbonatisierungstiefe, Bewehrungskorrosion)<br />
2. Ermittlung der Randbedingungen<br />
2.1 Erdlasten (einschließlich anstehender Baugrund)<br />
2.2 Verkehrslasten<br />
2.3 Grundwasserstände<br />
2.4 vorhandene Bebauung in Schachtnähe.<br />
Der genaue Umfang der erweiterten Zustandserfassung<br />
ist im Einzelfall zu prüfen.<br />
Nachweisführung<br />
Verfahren ohne/mit Erhöhung der Standsicherheit<br />
Die Altschachtzustände 0, I und II sind sanierungsfähig<br />
mit Verfahren, die die vorhandene Standsicherheit des Altschachtes<br />
nutzen. Verfahren, die zur Erhöhung der Standsicherheit<br />
des Altschachtes führen, können darüber hinaus<br />
auch bei den Altschachtzuständen III und IIIa angewendet<br />
werden.<br />
04-05 | 2014 117
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Die folgenden Einwirkungen bzw. Lasten wirken auf das<br />
Sanierungsverfahren bei einer ausreichenden Standsicherheit<br />
des Altschachtes:<br />
»»<br />
Eigenlasten Sanierungsverfahren<br />
»»<br />
Wasseraußendruck p a<br />
»»<br />
Innendruck p i<br />
»»<br />
Temperaturänderung ΔT<br />
Darüber hinaus wirken auf Sanierungsverfahren ohne<br />
ausreichende Standsicherheit des Altschachtes folgende<br />
Lasten:<br />
»»<br />
Erdlasten<br />
»»<br />
Verkehrslasten<br />
»»<br />
Eigenlasten Altschacht<br />
Es sind die aus der Rohrsanierung bekannten Imperfektionen<br />
zusätzlich zu berücksichtigen:<br />
»»<br />
örtliche Vorverformung<br />
»»<br />
Spaltbildung<br />
»»<br />
Gelenkringvorverformung<br />
Verfahrensgruppen A, B und C<br />
In der Schachtsanierung sind aus statischer Sicht drei Verfahrensgruppen<br />
unabhängig vom eingesetzten Material<br />
zu unterscheiden.<br />
1. Verfahren A (mit flächigem Haftverbund): i.d.R.<br />
Beschichtungen, die abdichtend wirken, keine oder<br />
nur eine geringe Eigenstandfestigkeit aufweisen, die<br />
Stabilität der Beschichtung wird über Haftzugfestigkeit<br />
am Altschacht erreicht<br />
2. Verfahren B (mit punktuellen Verankerungen): i.d.R.<br />
Beschichtungen, die abdichtend wirken, eine mittlere<br />
Eigenstandfestigkeit aufweisen, die Stabilität der<br />
Beschichtung wird über die punktuellen Halterungen<br />
am Altschacht erreicht<br />
3. Verfahren C (ohne Haftverbund): i.d.R. eigenständig<br />
tragende Auskleidungen, die rechnerisch keinen statischen<br />
Verbund zum Altschacht aufweisen<br />
In Abhängigkeit der genannten Verfahrensgruppe und der<br />
im folgenden Kapitel betrachteten Einbaustelle im Schacht<br />
sind unterschiedliche Nachweise erforderlich.<br />
Nachweisstellen<br />
a) Schachtkopf<br />
Ein gesonderter Nachweis des Schachtkopfes ist nur in<br />
Ausnahmefällen technisch und wirtschaftlich vertretbar.<br />
Ein allgemein gültiger Rechenalgorithmus für diese Ausnahmefälle<br />
ist nicht zweckmäßig. Es haben sich darüber<br />
hinaus eine Vielzahl von Sanierungsverfahren für den<br />
Schachtkopf etabliert, die einen entsprechenden Nachweis<br />
besitzen. Ausführungen enthält ebenfalls RSV-M 6.2.<br />
b) Schachtkörper<br />
Die folgenden Nachweise (Tabelle 2) sind am vertikalen<br />
Schacht zu führen.<br />
c) Schachtunterteil<br />
Das Schachtunterteil ist gemäß den örtlichen Gegebenheiten<br />
statisch zu betrachten. Die vertikalen Teile des Schachtunterteils<br />
sind gemäß Tabelle 2 nachzuweisen. Die Nachweisführung<br />
für die horizontalen, Teile wie z. B. für den<br />
Auftritt, erfolgt gemäß Tabelle 3.<br />
Beispiel Nachweiskonzept<br />
Folgendes Beispiel soll das Nachweiskonzept erläutern.<br />
Eingangsbedingungen:<br />
»»<br />
Altschacht-Bodensystem ist allein tragfähig<br />
»»<br />
Schachtauskleidung mit GFK-Platten, befestigt mit<br />
Dübeln<br />
Nachweis / Verfahren A B C<br />
Haftzugfestigkeit * A n<br />
> γ * pa X – –<br />
Auszugskraft Haltepunkte<br />
> γ * pa / (gehaltene Fläche)<br />
– X –<br />
Spannung σ X {1} X {2} X<br />
Verformung δ X {1} X {2} X<br />
Auftrieb – – {3} X<br />
Beulen X {4} X {2} X<br />
A n<br />
[%] ist die nutzbare Fläche, an der das System haftet; hier sind insbesondere zu berücksichtigen:<br />
Schachtringverbindungen, Rissweiten und ähnliches<br />
γ [–] der vom Verfahren vorgegebene Sicherheitsbeiwert<br />
{1} in den zu überbrückenden Bereichen ohne Haftverbund<br />
{2} in den zu überbrückenden Bereichen<br />
{3} über Abscheren der punktuellen Halterung<br />
{4} nur bei großen zu überbrückenden Bereichen ohne Haftverbund<br />
Tabelle 2: Nachweise am vertikalen Schachtkörper [1]<br />
118 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />
Nachweis / Verfahren A B C<br />
Haftzugfestigkeit * A n<br />
> γ * pa X – –<br />
Auszugskraft Haltepunkte<br />
> γ * pa / (gehaltene Fläche)<br />
– X –<br />
Spannung σ X {1} X {2} X<br />
Verformung δ X {1} X {2} X<br />
Auftrieb X {5} – {6} X<br />
Beulen X {4} X {2} X<br />
Erklärungen siehe Tabelle 2<br />
{5} Nachweis über Haftzugfestigkeit<br />
{6} über Auszugskraft der punktuellen Verankerung bereits nachgewiesen<br />
Tabelle 3: Nachweise am horizontalen Schachtunterteil [1]<br />
Daraus folgt:<br />
Altschachtzustand:<br />
Sanierungsverfahren:<br />
II<br />
Verfahrensgruppe B (punktuelle<br />
Verankerungen)<br />
Folgende Nachweise sind mindestens am vertikalen Schachtkörper<br />
erforderlich.<br />
F<br />
γ<br />
p a<br />
A F<br />
Auszugskraft eines Haltepunktes<br />
der vom Verfahren vorgegebene Sicherheitsbeiwert<br />
Wasseraußendruck, bei Altschachtzustand<br />
II bestimmt durch den Grundwasser- bzw.<br />
Ersatzwasserstand<br />
die umlaufend um den Haltepunkt zugehörende<br />
gehaltene Fläche<br />
Die zulässige maximale Auszugskraft ergibt sich über den<br />
Nachweis der Dübelauszugskraft am Altschacht. Dieser Kennwert<br />
ist abhängig vom Typ der verwendeten Dübel und der<br />
Werkstoffeigenschaften des Altschachtes.<br />
Damit bestehen zwei mögliche Nachweisstellen am vertikalen<br />
Schachtmantel:<br />
»»<br />
an der Stelle mit dem höchsten Wasseraußendruck<br />
»»<br />
an der Stelle mit den geringsten Auszugskräften; wichtig<br />
vor allem wenn der Altschacht aus mehreren Werkstoffen<br />
besteht<br />
Im Ergebnis dieser Nachweise sind die Abstände der Haltepunkte<br />
so zu wählen, dass die Belastung durch Außendruck<br />
mittels Auszugskraft aufgenommen werden kann.<br />
Die Spannungs-, Verformungs- bzw. Beulnachweise sind<br />
gemäß den vorhandenen Abständen zwischen den Haltepunkten<br />
in Abhängigkeit der Langzeit-Materialeingenschaften und<br />
der Dicke der GFK-Platten zu führen. Aus diesen Nachweisen<br />
kann sich ergeben, dass die Abstände der Dübel zu verkleinern<br />
sind. Eine Vergrößerung der Abstände ist nicht zulässig, da der<br />
Nachweis der Auszugkraft ebenfalls erbracht werden muss.<br />
Die entstehende Auftriebskraft ist über das Abscheren der<br />
Dübel sowohl im Dübel selbst (z. B. über das Herstellerdatenblatt)<br />
als auch in den GFK-Platten nachzuweisen.<br />
Dieses Nachweiskonzept erfolgt analog für die vertikalen<br />
Bereiche des Schachtunterteils. Für die horizontalen Bereiche<br />
(Schachtboden) ist Tabelle 3 maßgebend. Hinzuweisen ist auf<br />
den entfallenen Auftriebsnachweis der horizontalen Bereiche,<br />
da dieser bereits mit den Auszugskräften nachgewiesen ist.<br />
Zusammenfassung<br />
Mit dem RSV-Merkblatt 6.2 existiert eine Handlungsempfehlung<br />
für den Umgang mit den erforderlichen Standsicherheitsnachweisen<br />
„Altschacht“ und „Sanierungsverfahren“.<br />
Darüber hinaus gibt dieses Merkblatt einen Überblick über<br />
den Stand der Technik für Verfahren zur Schachtsanierung<br />
einschließlich der zugehörenden Qualitätsstandards. Die<br />
ganzheitliche Betrachtung von der Planung bis zur Abnahme<br />
steht im Vordergrund. Es wird auch auf die Besonderheiten<br />
beim Lasteintrag verwiesen, die in den Normativen zum<br />
Schacht bisher ungenügend berücksichtigt sind.<br />
Literatur<br />
[1] RSV-Merkblatt 6.2 „Sanierung von Bauwerken und Schächten<br />
in Entwässerungssystemen – Reparatur / Renovierung –<br />
Anforderungen, Gütesicherung und Prüfung“; September 2012.<br />
[2] DIN EN 124 „Aufsätze und Abdeckungen für Verkehrsflächen –<br />
Baugrundsätze, Prüfungen, Kennzeichnung, Güteüberwachung“;<br />
August 1994.<br />
Dr.-Ing. RENÉ THIELE<br />
AUTOR<br />
SRT Sachverständigengesellschaft für Rohrleitungstiefbau<br />
mbH, Markranstädt<br />
Tel. +49 34205 17388<br />
E-Mail: Thiele@Rohr-Gutachter.de<br />
www.Rohr-Gutachter.de<br />
04-05 | 2014 119
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Umgang mit Qualität bei Kanalsanierungsmaßnahmen<br />
– Anspruch<br />
und Wirklichkeit<br />
Wenn man von Qualität spricht, meint man üblicherweise eine hohe Qualität und denkt an Qualitätssiegel usw. Der<br />
Begriff „Qualität“ kommt vom Lateinischen: „qualitas = Beschaffenheit, Eigenschaft“. Auch im Duden wird Qualität als<br />
„Gesamtheit der charakteristischen Eigenschaften, Beschaffenheit“ definiert. Eine Leistung oder ein Produkt hat demzufolge<br />
entsprechende Qualität, wenn sie in der Beschaffenheit und den Eigenschaften der Bestellung entspricht nicht mehr und<br />
nicht weniger. Auch eine qualitativ hochwertige Kanalsanierung kann für den jeweiligen Anwendungsfall ungeeignet<br />
sein und versagt vorzeitig. Umgekehrt ist eine Sanierung nicht dauerhaft, wenn der Qualitätsanspruch im Bauvertrag<br />
nicht klar definiert wird und deshalb weniger Qualität geliefert wird als erwartet.<br />
Wenn Kanäle oder Sanierungen lange vor der erwarteten Nutzungsdauer so aussehen, wie in Bild 1 und Bild 2 gezeigt,<br />
ist in der Kette der Qualitätssicherung etwas schief gelaufen. Es kann sich jeweils um einen Planungsfehler, aber auch um<br />
einen Ausführungsfehler handeln. Im nachfolgenden Fachbericht soll der Zusammenhang zwischen den Randbedingungen<br />
und der Qualität des Sanierungsergebnisses sowie die Anforderungen an die Beteiligten (Kanalnetzbetreiber, Planer und<br />
ausführende Firma) beschrieben werden.<br />
Einleitung<br />
Bei einem Kanalnetz handelt es sich meist um das größte<br />
Anlagevermögen einer Kommune. Um ein Gefühl für die<br />
Größenordnung zu bekommen, sei folgendes Rechenbeispiel<br />
angeführt: Legt man einen durchschnittlichen Wiederbeschaffungswert<br />
von nur 1.000 € je m Kanal zugrunde,<br />
beträgt der Wiederbeschaffungswert 1.000.000 € je km.<br />
Nimmt man an, dass alle Kanäle so gebaut wären, dass sie<br />
100 Jahre halten, ohne dass Sanierungsarbeiten erforderlich<br />
sind und eine lineare Altersverteilung von 0 bis 100 Jahren<br />
hätten, würde das bedeuten, dass 10.000 € pro Jahr<br />
und km Kanalnetz investiert werden müssten, um jeweils<br />
1 % des Kanalnetzes erneuern zu können, um das Durchschnittsalter<br />
konstant zu halten. Bei einem 100 km langen<br />
Kanalnetz sind das 1.000.000 € pro Jahr.<br />
Die Erfahrung zeigt, dass wir weit davon entfernt sind, dass<br />
die vorhandenen Kanäle 100 Jahre halten und im Übrigen<br />
noch einen Investitionsstau aus den Jahren, in denen in die<br />
Instandhaltung nicht investiert wurde, vor uns herschieben.<br />
Das bedeutet, dass eine jährliche Investition von 1 %<br />
des Wiederbeschaffungswertes nicht ausreicht, um eine<br />
Verbesserung des Zustands des Kanalnetzes zu erreichen.<br />
Bild 1: Eingestürzter Kanal<br />
Bild 2: Nicht fachgerechter Kurzliner<br />
120 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />
Selbstverständlich sind Gebührenerhöhungen, um diese<br />
immensen Investitionen tätigen zu können, nicht populär,<br />
aber unumgänglich, da notwendige, aber nicht getätigte<br />
Investitionen sonst auf die kommenden Generationen<br />
verlagert werden. Denselben Effekt hat es auch, wenn die<br />
Investitionen über Kredite mit jahrzehntelangen Laufzeiten<br />
getätigt werden oder, um die Gebühren nicht erhöhen zu<br />
müssen, die Abschreibungsdauern zu hoch angesetzt werden.<br />
Auch hierbei werden die nachfolgenden Generationen<br />
überdurchschnittlich belastet.<br />
Deshalb ist es umso wichtiger, dass bei Kanalneubauten,<br />
-erneuerungen und Sanierungen sehr hohe Qualitätsstandards<br />
gesetzt werden, um sowohl beim Neubau als auch<br />
bei der Sanierung möglichst lange Nutzungsdauern erzielen<br />
zu können.<br />
Größere Kanalnetzbetreiber haben in der Regel die entsprechende<br />
Fachkompetenz, um Planungen selber überprüfen<br />
und die Bauüberwachung überwachen zu können. Sollte<br />
die Fachkompetenz nicht vorhanden sein (z. B. bei kleinen<br />
Netzbetreibern) wäre ein Kanalnetzbetreiber schlecht<br />
beraten, wenn er alle planerischen und überwachenden<br />
Tätigkeiten für eine Maßnahme von einem Ingenieurbüro<br />
durchführen lassen würde, ohne die Leistung zu überwachen<br />
oder überwachen zu lassen.<br />
Die Erfahrung zeigt, dass viele Mängel beim Kanalbau und<br />
der Kanalsanierung, die der Kanalnetzbetreiber bei einer<br />
späteren Routineuntersuchung feststellt, auch an einer<br />
unqualifizierten Planung oder einer mangelhaften Bauüberwachung<br />
liegen können.<br />
Wird zum Beispiel die Dichtigkeitsprüfung und die TV-<br />
Abnahmebefahrung in die Leistung der ausführenden Firma<br />
integriert, und die Bauüberwachung ist bei Ausführung<br />
dieser Leistungen nicht durchgehend vor Ort, so besteht<br />
die Gefahr der Manipulation. Wird dann infolge Zeitmangel<br />
die Abnahmebefahrung auch nur stichprobenweise<br />
angesehen, können Mängel übersehen und die Leistung<br />
trotz Mängeln abgenommen werden. Entgegen der weit<br />
verbreiteten Meinung können diese „übersehenen“ Mängel<br />
zum Ende der Frist für Mängelbehebung nicht mehr<br />
gegenüber der ausführenden Firma reklamiert werden, da<br />
sie ja so abgenommen wurden.<br />
Bei der Abnahme von Kanalsanierungsmaßnahmen sind<br />
sich die Beteiligten immer wieder uneinig darüber, ob das<br />
Sanierungsergebnis zufriedenstellend ist oder nicht. Es stellen<br />
sich dann viele Fragen: Liegt tatsächlich ein Mangel vor?<br />
Was ist überhaupt ein Mangel? Wer ist für den Mangel<br />
verantwortlich? Wer entscheidet hierüber? Wie soll mit<br />
dem Mangel umgegangen werden? Soll ein Gutachter eingeschaltet<br />
werden?<br />
Was ist ein Mangel?<br />
Bevor man sich Gedanken über Mängelbeseitigung und<br />
Mängelbehebung machen kann, muss zuerst einmal definiert<br />
werden, was ein Mangel ist.<br />
Öffentliche Auftraggeber müssen die VOB als Vertragsgrundlage<br />
vereinbaren. Hier ist in § 13 Abs. 1 VOB/B [1]<br />
beschrieben, „dass eine Leistung frei von Sachmängeln ist,<br />
Bild 3: Fehlbohrung in einem Schlauchliner<br />
wenn sie die nach dem Vertrag vorausgesetzte Beschaffenheit<br />
aufweist. War die Beschaffenheit nicht definiert, ist<br />
die Leistung dann frei von Sachmängeln, wenn sie sich für<br />
die gewöhnliche Verwendung eignet, die bei Werken der<br />
gleichen Art üblich ist und die der Auftraggeber nach der<br />
Art der Leistung erwarten kann.“<br />
Ob ein Mangel vorliegt, kommt also zunächst darauf an,<br />
was im Vertrag vereinbart wurde. Sind dort klare Vorgaben<br />
z. B. zu den zugelassenen Materialien, statischen Anforderungen,<br />
Toleranzen für Wanddicke und Materialkennwerte,<br />
maximale Größe von Falten usw. festgelegt, so liegt ein<br />
Mangel vor, wenn die Leistung hiervon abweicht.<br />
Umgang mit einem Mangel<br />
Nach § 13 Abs. 5 Nr. 1 VOB/B [1] ist der Auftragnehmer<br />
verpflichtet, auf Verlangen des Auftraggebers Mängel zu<br />
beseitigen, es sei denn die Mängelbeseitigung ist entsprechend<br />
§ 13 Abs. 6 VOB/B [1] unzumutbar oder würde einen<br />
unverhältnismäßig hohen Aufwand verursachen. In diesem<br />
Fall kann die Vergütung gemindert werden.<br />
Eine Fehlbohrung in einem Schlauchliner (Bild 3) ist ein<br />
Mangel, auch wenn dies in den Vertragsunterlagen nicht<br />
explizit beschrieben ist, da die „gewöhnliche Verwendung“<br />
eingeschränkt ist, weil der Liner an dieser Stelle undicht ist.<br />
Da der Einbau eines neuen Liners wegen einer Fehlbohrung<br />
ein unverhältnismäßig hoher Aufwand wäre, kann dies vom<br />
Auftraggeber nicht verlangt werden. Wird die Fehlbohrung<br />
vom Auftragnehmer repariert, erfüllt der Liner zum Zeitpunkt<br />
der Abnahme die „gewöhnliche Verwendung“ und<br />
ist somit im Sinne der VOB mängelfrei. Diese Reparaturstelle<br />
hat aber voraussichtlich eine kürzere Nutzungsdauer als der<br />
Schlauchliner und wird zu einem späteren Zeitpunkt Zusatzkosten<br />
beim Kanalnetzbetreiber verursachen. Nach Ablauf<br />
der Frist für Mängelbeseitigung können diese Zusatzkosten<br />
allerdings nicht mehr geltend gemacht werden. Die Forderung<br />
einer Wertminderung seitens des Auftraggebers zum<br />
Zeitpunkt der Abnahme läuft ins Leere, weil der Mangel ja<br />
behoben wurde und der Liner seine Funktion erfüllt.<br />
Wie soll also hiermit umgegangen werden? Erfüllt ein<br />
Schlauchliner in statischer Hinsicht nicht die Anforderungen<br />
04-05 | 2014 121
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Bild 4: Reparaturstelle in einem Schlauchliner (im Scheitel)<br />
Bild 5: Längsfalte im Schlauchliner<br />
(z. B. bei einer zu geringen Wanddicke) kann dieser Mangel<br />
weder beseitigt werden noch ist eine Wertminderung<br />
angebracht.<br />
Hier kommt nur ein neuer Liner in Betracht. Dabei stellt sich<br />
die Frage, wer verantwortlich und regresspflichtig ist. Wurde<br />
der Liner entgegen den Vertragsbedingungen zu dünn<br />
eingebaut, liegt der Fehler beim ausführenden Unternehmen.<br />
Wurde seitens des Ingenieurbüros für die Wanddicke<br />
als Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen (ZTV) das<br />
Merkblatt DWA-M 144-3 [2] mit den Regelstatiktabellen<br />
in den Vertragsbedingungen vorgegeben, weichen die tatsächlichen<br />
Randbedingungen von den in den Regelstatiktabellen<br />
zugrundegelegten Randbedingungen ab und ist<br />
der Liner deshalb zu dünn, liegt die Verantwortung beim<br />
Ingenieurbüro.<br />
Beispiel 1<br />
Ein nicht mehr in Betrieb befindlicher Zulauf wurde nach<br />
dem Schlauchlinereinbau versehentlich geöffnet und dann<br />
mittels Robotertechnik wieder verschlossen (siehe Bild 4).<br />
Die „gewöhnliche Verwendung“ war damit gewährleistet.<br />
Wenn diese Reparaturstelle vor Ablauf der Frist zur Mängelbeseitigung<br />
undicht wird, wie Bild 4 zeigt, muss nachsaniert<br />
werden. Wenn die Reparaturstelle erst nach Ablauf der Frist<br />
für Mängelbeseitigung undicht wird, kann die ausführende<br />
Firma und auch das Ingenieurbüro nicht mehr in Regress<br />
genommen werden. Deshalb sollte in den Vertragsunterlagen<br />
genau definiert werden, was als Mangel anzusehen<br />
ist und welche Sanktionen Mängel nach sich ziehen, also<br />
wie z. B. eine Fehlbohrung instandzusetzen ist und welcher<br />
Betrag zusätzlich als Wertminderung für spätere Nachsanierungen<br />
von der Schlussrechnung abgezogen wird.<br />
Beispiel 2<br />
Dass der Liner in Bild 5 eine Längsfalte hat, ist unstrittig.<br />
Die „gewöhnliche Verwendung“ ist aber durch die Falte<br />
nicht eingeschränkt, wenn hierdurch keine hydraulischen<br />
oder statischen Probleme zu erwarten sind. In den Vertragsunterlagen<br />
war eine maximale Faltengröße definiert,<br />
die hier deutlich überschritten wurde. Insofern steht diese<br />
vertragliche Vereinbarung über der „gewöhnlichen Verwendung“.<br />
Somit liegt ein Mangel vor. Wie soll aber hiermit<br />
umgegangen werden? Die Falte stellt entsprechend dem<br />
Vertrag einen Mangel dar und ist nach § 13 Abs. 5 VOB/B<br />
[1] zu beheben. Die Forderung, einen neuen Schlauchliner<br />
einzubauen, wäre unverhältnismäßig, da sich die Falte<br />
nur auf wenige Meter beschränkt. Eine Reparaturstelle im<br />
Schlauchliner ist eine potentielle Schwachstelle, die vorzeitig<br />
erneuten Sanierungsbedarf mit entsprechenden Kosten<br />
nach sich ziehen wird, die aber zum Zeitpunkt der Abnahme<br />
nicht als Wertminderung geltend gemacht werden können,<br />
wenn sie nicht vereinbart wurden.<br />
Ein Universalrezept, ob die Falte verbleiben oder entfernt<br />
werden soll, kann hier nicht gegeben werden, das ist im<br />
Einzelfall zu entscheiden. Wichtig ist deshalb, in den Vertragsunterlagen<br />
nicht nur zulässige Toleranzen festzulegen,<br />
sondern auch die sich für den Auftragnehmer ergebenden<br />
Konsequenzen bei Überschreitung der Toleranzen<br />
festzuschreiben.<br />
Wären hydraulische oder statische Probleme zu erwarten, ist<br />
die Frage der Verhältnismäßigkeit nicht mehr entscheidend.<br />
Hier wäre auf jeden Fall ein neuer Liner einzubauen, da in<br />
dem Fall auch eine Wertminderung, unabhängig davon ob<br />
sie vereinbart wurde, nicht in Betracht käme.<br />
Vorgehensweise zur Mängelminimierung bei<br />
Kanalsanierungsmaßnahmen<br />
Der erste Schritt für eine qualitativ hochwertige Sanierungsleistung<br />
ist die Auswahl eines geeigneten Fachplaners.<br />
Oberste Priorität sollte dabei die Qualifikation des Planers<br />
haben und nicht z. B. das niedrigste Honorarangebot. Der<br />
Umfang der Sanierungsleistung ist vom Kanalnetzbetreiber<br />
auf Basis der DIN EN 14654-2 [3] und z.B. der VSB-Empfehlung<br />
0.1 [4] vorzugeben.<br />
Im zweiten Schritt erfolgt auf Basis der Sanierungsplanung<br />
im Rahmen einer VOB-konformen Ausschreibung die Auswahl<br />
einer geeigneten Fachfirma. Entsprechend VOB [1] ist<br />
für die Entscheidung nicht nur der niedrigste Angebotspreis<br />
122 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />
entscheidend. Die heranzuziehenden Kriterien für die Entscheidung<br />
sind in § 16 Abs. 6 Nr. 3 VOB/A [1] aufgelistet.<br />
In der Ausschreibung sind die Anforderungen zu definieren,<br />
zulässige Grenzwerte vorzugeben und die Konsequenzen<br />
bei Nichteinhaltung der Grenzwerte festzuschreiben.<br />
Im dritten Schritt ist dann seitens des bauüberwachenden<br />
Büros die Leistung der ausführenden Firma zu überwachen<br />
und mit dem Leistungssoll abzugleichen.<br />
Es gehört zu den Aufgaben des Netzbetreibers, sowohl<br />
die Leistung des Ingenieurbüros als auch die Leistung der<br />
ausführenden Firma in den vorgenannten Schritten zu<br />
überwachen.<br />
Ein Kanalnetzbetreiber, der selbst personell oder fachlich<br />
(z. B. kleine Netzbetreiber) nicht in der Lage ist, die Leistung<br />
seines beauftragten Ingenieurbüros zu überwachen,<br />
sollte spätestens ab der Entwurfsphase bis zum Ablauf<br />
der Verjährungsfrist für Mängelansprüche immer einen<br />
weiteren Fachkundigen zur Überwachung der Leistung des<br />
Ingenieurbüros einschalten. Das größte Einsparpotential für<br />
eine Baumaßnahme liegt ohnehin in der Planungsphase, da<br />
durch eine alle Alternativen berücksichtigende Planung mit<br />
Variantenuntersuchung usw. das größte Einsparpotential<br />
besteht. Die Kopplung der Honorare in der HOAI an die<br />
Baukosten ist nicht per se dafür prädestiniert, die Baukosten<br />
so niedrig wie möglich zu halten. Schon allein aus diesem<br />
Grund sollte ein Kanalnetzbetreiber einen zusätzlichen<br />
externen Berater einschalten, damit auch Varianten mit<br />
günstigeren Baukosten die ihnen zustehende Aufmerksamkeit<br />
verliehen bekommen oder um die Planung aus<br />
einem weiteren Blickwinkel zu betrachten. Das sind zwar<br />
zusätzliche Kosten, die sich aber langfristig amortisieren.<br />
Erreicht ein Kanalneubau oder eine Kanalsanierung nicht<br />
die erwartete Nutzungsdauer, können die Verantwortlichen<br />
nicht mehr in Regress genommen werden, unabhängig<br />
davon, ob die Ursache ein Planungsfehler, ein Ausführungsfehler<br />
oder ein Bauüberwachungsfehler war. Die zusätzlichen<br />
Kosten für eine erneute Sanierung muss der Gebührenzahler<br />
tragen. Und diese Kosten sind weitaus höher,<br />
als die Zusatzkosten für die Einschaltung eines externen<br />
Beraters.<br />
Schon allein, um dieses Risiko zu minimieren, sollte es im<br />
Interesse des Netzbetreibers liegen, entweder die Leistung<br />
des Ingenieurbüros und der ausführenden Firma selbst zu<br />
kontrollieren oder hierfür begleitend einen Sachverständigen<br />
einzuschalten.<br />
Im Hochbau ist die Vorgehensweise, von Anfang an<br />
begleitend einen Bausachverständigen einzuschalten, weit<br />
verbreitet.<br />
Fazit<br />
Ein Kanalnetzbetreiber sollte Planungen und Ausschreibungen<br />
von Sanierungsleistungen nur von speziell dafür<br />
ausgebildeten Fachleuten durchführen lassen. Da es sich<br />
bei Kanalrenovierungen ebenso wie beim Kanalneubau<br />
um Investitionen handelt, die über mehrere Generationen<br />
ihre Funktion erfüllen sollen, Regressansprüche aber<br />
nur wenige Jahre geltend gemacht werden können, ist ein<br />
hoher Qualitätsstandard umso wichtiger. Deshalb reicht es<br />
nicht aus, dass das Ingenieurbüro die ausführende Firma<br />
überwacht, sondern die Leistung des Ingenieurbüros (Planung<br />
und Bauüberwachung) muss genauso entweder vom<br />
Netzbetreiber selber oder einem von ihm beauftragten<br />
Fachmann überwacht werden. Genauso wie die optische<br />
Inspektion im Rahmen der Abnahme der Sanierungsleistung<br />
nicht Bestandteil des Auftrags der ausführenden Firma sein<br />
darf, darf auch die Auswertung dieser optischen Inspektion<br />
und insbesondere auch der optischen Inspektion zum Ende<br />
der Frist für Mängelansprüche nicht alleinige Aufgabe des<br />
bauüberwachenden Büros sein. Der Netzbetreiber sollte sich<br />
diese Unterlagen und Videos entweder selber anschauen<br />
oder diese von einem neutralen Fachmann begutachten<br />
lassen. Das ist die letzte Möglichkeit, bei der er Ansprüche<br />
gegen die ausführende Firma oder das Ingenieurbüro geltend<br />
machen kann. Später kann er höchstens auf Kulanz<br />
hoffen, hat aber keine rechtlichen Ansprüche mehr.<br />
Sowohl an die Leistung des Ingenieurbüros als auch an<br />
die Leistung der ausführenden Firma sind entsprechende<br />
Anforderungen und Konsequenzen bei Nichteinhaltung<br />
der Anforderungen in den Verträgen zu stellen. Nur was<br />
vertraglich explizit vereinbart war, lässt sich hinterher auch<br />
einfordern, ansonsten hat der Auftraggeber nur Anspruch<br />
auf eine Leistung, die nur für die gewöhnliche Verwendung<br />
geeignet ist und kann seine Ansprüche nicht geltend<br />
machen.<br />
Literatur<br />
[1] Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB), Teile A,<br />
B, C, Ausgabe 2012, Deutscher Vergabe- und Vertragsausschuss<br />
für Bauleistungen herausgegeben vom DIN Deutsches Institut für<br />
Normung e.V., Vertrieb Beuth Verlag GmbH, Berlin<br />
[2] DWA-M 144-3: Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen<br />
(ZTV) für die Sanierung von Entwässerungssystemen außerhalb<br />
von Gebäuden, Teil 3: Renovierung mit Schlauchliningverfahren<br />
(vor Ort härtendes Schlauchlining) für Abwasserkanäle, DWA<br />
Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall<br />
e.V. Hennef, November 2012<br />
[3] DIN EN 14654-2: Management und Überwachung von<br />
betrieblichen Maßnahmen in Abwasserleitungen und -kanälen<br />
– Teil 2: Sanierung; DIN Deutsches Institut für Normung e.V.,<br />
Vertrieb Beuth Verlag GmbH, Berlin, Januar 2011<br />
[4] VSB-Empfehlung 0.1: Ingenieurleistungen bei der<br />
Kanalsanierungsplanung, VSB Verband zertifizierter Sanierungs-<br />
Berater für Entwässerungssysteme e.V., Wöhlerstraße 42,<br />
Hannover, August 2009<br />
Dipl.-Ing. ROLAND WACKER<br />
Ingenieurbüro Wacker, Auenwald<br />
Tel. +49 7191 367723-0<br />
E-Mail: info@wacker-ib.de<br />
AUTOR<br />
04-05 | 2014 123
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Schlauchlinerprüfungen Teil 4:<br />
Statistische Auswertung von über<br />
28.000 Linerproben<br />
Die Statistik ist eine sehr gefällige Dame. Nähert man sich ihr mit entsprechender Höflichkeit, dann verweigert sie<br />
einem fast nie etwas. (Edouard Herriot (1872-1957), frz. Politiker)<br />
Teil 1 dieser Veröffentlichungsreihe zu Schlauchlinerprüfungen hat einen Überblick zum Thema gegeben, Teil 2 widmete<br />
sich der Bestimmung der mechanischen Kenndaten und Teil 3 beschäftigte sich mit der thermischen Analyse. In diesem<br />
vorliegenden Teil 4 werden nun knapp 30.000 Linerprüfungen statistisch ausgewertet.<br />
Wie in den Teilen 1, 2 und 3 dieser Veröffentlichungsreihe<br />
zu Schlauchlinerprüfungen bereits dargelegt, stellt<br />
die Qualitätssicherung an diesen vor Ort härtenden Produkten<br />
eine wesentliche Komponente zur Überwachung<br />
dar. Allerdings ist es mit dem reinen Prüfen allein nicht<br />
getan. Die Auswertung dieser Prüfergebnisse ist gerade<br />
im Hinblick auf Fehlersuche oder Analyse ein mächtiges<br />
Instrument.<br />
Sehr oft wird den Analyseergebnissen wenig Beachtung<br />
geschenkt. Ein reines „Bestanden“ oder „Nicht bestanden“<br />
ist für den Standardanwender in den meisten Fällen<br />
vollkommen ausreichend. Ernsthafte Qualitätssicherung<br />
zur Verbesserung von Produkten bzw. Arbeitsabläufen<br />
kann mit einer solchen Einstellung allerdings nicht erreicht<br />
werden. Wertet man die Daten jedoch aus, so können<br />
beim Vorliegen einer genügend großen Datenmenge<br />
Tendenzen erkannt und zur Prozessoptimierung genutzt<br />
werden. Selbstverständlich lässt die Mathematik auch statistische<br />
Berechnungen mit wenigen Prüfergebnissen zu.<br />
Allerdings sollte hier die Sinnhaftigkeit überprüft werden,<br />
da die Aussagewahrscheinlichkeit dieser Resultate doch<br />
stark eingeschränkt ist.<br />
Da die Fa. SBKS GmbH & Co. KG bereits seit geraumer<br />
Zeit mit Datenbanken arbeitet, war es nun an der Zeit,<br />
eine statistische Auswertung von Linerprüfungen über<br />
die letzten Jahre zu starten. Insgesamt standen für die<br />
Datenanalyse 28.700 Linerprüfungen zur Verfügung.<br />
Hierbei zeigte sich zunächst die erste große Hürde. Eine<br />
umfassende Betrachtung macht nur dann Sinn, wenn<br />
alle relevanten Daten angegeben wurden. Wie in Bild 1<br />
dargestellt, wurde bei 83,5 % aller Proben der Hersteller<br />
und bei 62 % das System angegeben. Lediglich bei<br />
55 % aller gelieferten Schlauchlinerproben wurden alle<br />
prüfungsrelevanten Angaben seitens der Auftraggeber<br />
geliefert.<br />
Um eine sinnvolle Bewertung des Produkts nach der<br />
jeweiligen Zulassung (z. B. allgemeine bauaufsichtliche<br />
Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik,<br />
Bild 1: Anzahl der Prüfungen<br />
Bild 2: Verteilung der statistischen Untersuchung<br />
124 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />
DIBt) durchführen zu können, müssen dem Prüflabor<br />
selbstverständlich alle produktrelevanten Daten, wie z. B.<br />
statisch tragende Wandstärke bzw. vertraglich vereinbarte<br />
Verschleißschichten, mitgeteilt werden. Eine Quote von<br />
~55 % aller Prüfungen, die eine vollständige Dokumentation<br />
enthalten, ist hierbei sicherlich verbesserungswürdig.<br />
Prüfstücke, die in Form und Größe einer Zigarettenschachtel<br />
sehr ähnlich sehen, ohne irgendwie geartete Dokumentation,<br />
sind zwar nicht die Regel, kommen aber durchaus<br />
vor. Ohne Probendokumentation kann das Prüflabor zwar<br />
Materialwerte feststellen, die sinnvolle Bewertung kann<br />
dann vielleicht noch vom Orakel von Delphi vorgenommen<br />
werden, gehört aber auf jeden Fall in den Bereich<br />
der Phantasie.<br />
Die zur statistischen Auswertung herangezogenen 15.875<br />
Datensätze teilen sich wie folgt auf (Bild 2):<br />
Bild 3: Überprüfung der Wasserdichtheit<br />
Gesamtübersicht<br />
Bevor die statistische Auswertung en détail stattfindet, soll<br />
zunächst eine grobe Übersicht über die durchgeführten<br />
Untersuchungen an den Linersystemen UP-GF (ungesättigter<br />
Polyesterharz-Glasfaser), UP-SF (ungesättigtes Polyesterharz-Synthesefaser)<br />
und EP-SF (Epoxidharz-Synthesefaser)<br />
vorgenommen werden.<br />
1. Dichtheitsprüfung<br />
Die Überprüfung der Wasserundurchlässigkeit einer<br />
Schlauchlinerprobe gehört zu dem Standardprüfumfang,<br />
so dass als Grundlage zur statistischen Auswertung<br />
15.875 Dichtheitsprüfungen herangezogen werden<br />
konnten. Die Überprüfung wurde gemäß Arbeitsblatt<br />
DWA-A 143-3 in Anlehnung an DIN EN 1610<br />
durchgeführt.<br />
Bild 3 zeigt einen Gesamtanteil von 3 % an undicht<br />
geprüften Linerproben. Allerdings ist der Anteil an nicht<br />
beauftragten Untersuchungen der Wasserdichtheit mit<br />
30 % doch recht hoch zu bewerten. Hier besteht noch<br />
Handlungsbedarf.<br />
Gerade im Vergleich der einzelnen Systeme (Bilder 4-6)<br />
zeigen sich hierbei deutliche Unterschiede, wobei der<br />
Anteil an nicht geprüften GF-UP Systemen mit 41 % extrem<br />
hoch ist, was natürlich zu einer Verzerrung des Bildes<br />
beitragen kann.<br />
2. Mechanische Prüfung<br />
Zur Bestimmung der mechanischen Eigenschafen<br />
wird im Regelfall der Drei-Punkt-Biegeversuch nach<br />
DIN EN ISO 178 modifiziert durch die DIN EN SO 11296-<br />
4 und die DWA-A 143-3 durchgeführt. Als Ergebnis erhält<br />
man bei dieser Untersuchung der Elastizitätsmodule die<br />
Biegespannung und quasi als „Abfallprodukt“ die Wandstärke<br />
(siehe Teil 2 dieser Veröffentlichungsreihe). Diese<br />
Werte sind die Grundlage einer jeden Baustellenüberwachung<br />
und spiegeln die Güte des entstandenen Produkts<br />
Schlauchliner wider.<br />
Der Elastizitätsmodul als Größe, die den Aushärte- und<br />
Verdichtungszustand bzw. die Zusammensetzung cha-<br />
Bild 4-6: Vergleich der Dichtheitsprüfung der Systeme<br />
04-05 | 2014 125
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Bild 7: Gesamtstatistik E-Modul<br />
Bild 8: Gesamtstatistik Biegespannung<br />
rakterisiert, ist eine Grundeigenschaft, die bei einer<br />
Dimensionierung gegen Beulung (Wasseraußendruck)<br />
zwingend notwendig ist. Ist der E-Modul zu niedrig,<br />
erhöht sich zwangsläufig die Neigung des Materials zum<br />
Kriechen, was die Langzeiteigenschaften negativ beeinflusst<br />
(Bild 7).<br />
Die Biegespannung gibt grob ein Maß für die Verdichtung<br />
des Materials wider, ist also ein Indikator für die korrekte<br />
Kompression des Schlauchliners im Altrohr während des<br />
Einbaus (Bild 8).<br />
Nicht zuletzt spiegelt die Wandstärke in Verbindung mit<br />
den mechanischen Kenndaten natürlich die Summe aller<br />
statischen Belange wider (Bild 9).<br />
Als Grundlage für die Gesamtauswertung dienen die<br />
15.875 Prüfungen, die vollständig zuordenbar sind. Demnach<br />
zeigen 3 % dieser Proben eine Undichtigkeit, 13 %<br />
einen mangelhaften E-Modul, 7 % eine ungenügende<br />
Biegespannung und ~5 % eine Wandstärke, die nicht<br />
den vertraglichen Vereinbarungen entspricht.<br />
Bild 9: Gesamtstatistik Wandstärke<br />
An dieser Stelle erscheint in anderen Veröffentlichungen<br />
gerne eine Darstellung, in der einzelne Firmen oder Produkte<br />
in Bezug auf ihren momentanen Stand bewertet<br />
werden. Auf diese Art der Darstellung wird hier verzichtet,<br />
da lediglich Systeme bzw. eine Auflistung nach den<br />
Materialkenngruppen nach DWA-M 144-3 erfolgt. Die<br />
Darstellung einzelner Firmenergebnisse wäre im Zuge<br />
dieser datenbankgestützten, statistischen Auswertung<br />
zwar relativ einfach zu bewerkstelligen, erscheint mir<br />
allerdings als weder sinnvoll noch zielführend.<br />
Die Statistik ist wie eine Laterne im Hafen. Sie dient<br />
dem betrunkenen Seemann mehr zum Halt als zur<br />
Erleuchtung. (Hermann Josef Abs (1901-1994), dt.<br />
Bankier)<br />
Die Auswertung nach Materialkenngruppen der<br />
DWA-M 144-3<br />
Die DWA hat mit ihrem Merkblatt DWA-M 144-3 „Zusätzliche<br />
technische Vertragsbedingungen (ZTV) für die Sanierung<br />
von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden<br />
– Teil 3: Renovierung mit Schlauchliningverfahren für<br />
Abwasserkanäle“ die Grundlage für die Einteilung der<br />
Linersysteme in Materialkenngruppen geschaffen. Diese<br />
Einteilung soll Systeme ähnlicher Bauart und ähnlicher<br />
mechanischer Kenndaten zusammenfassen, um eine Vereinfachung<br />
herbeizuführen.<br />
Die Synthesefaser-Linersysteme sind in Tabelle 1 der<br />
DWA-M 144-3 in die Gruppen 1-7, die Systeme auf Basis<br />
von Glasfasern in die Gruppen 8-18 eingeteilt. Die Tabelle<br />
enthält den Langzeit E-Modul und die (Langzeit) Biegespannung<br />
als Einteilungsgrundlage.<br />
Diese Materialkenngruppen sollen nun als Auswertegrundlage<br />
dienen.<br />
Wie aus Tabelle 1 und Tabelle 2 ersichtlich ist, liegt keine<br />
gleichmäßige Verteilung über die einzelnen Materialkenngruppen<br />
vor. So sind die Gruppen 2, 8, 10, 12 und 18<br />
126 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />
E-Modul (nach Vorgabe der jeweiligen DIBt-Zulassung)<br />
Kenngruppe bestanden nicht bestanden ohne Bewertung nicht beauftragt Gesamt<br />
Kenngruppe 1<br />
Kenngruppe 2<br />
Kenngruppe 3<br />
Kenngruppe 4<br />
Kenngruppe 5<br />
Kenngruppe 6<br />
Kenngruppe 7<br />
Kenngruppe 8<br />
Kenngruppe 9<br />
Kenngruppe 10<br />
Kenngruppe 11<br />
Kenngruppe 12<br />
Kenngruppe 13<br />
Kenngruppe 14<br />
Kenngruppe 15<br />
Kenngruppe 16<br />
Kenngruppe 17<br />
Kenngruppe 18<br />
Kenngruppe 19<br />
Kenngruppe 20<br />
Kenngruppe 21<br />
Gesamt 11.551 1.592 141 3.756 17.040<br />
Tabelle 1: Statistische Auswertung nach Materialkenngruppen<br />
Tabelle 2: Statistische Auswertung nach Materialkenngruppen<br />
04-05 | 2014 127
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Bild 10: Prozentuale Verteilung E-Modul bestanden nach<br />
Materialkenngruppen<br />
Bild 11: Prozentuale Verteilung Biegespannung bestanden nach<br />
Materialkenngruppen<br />
bisher von keinem System belegt, wohingegen die häufig<br />
vertretenen Materialkenngruppen durchaus über 15 %<br />
Marktanteil besitzen.<br />
Betrachtet man die prozentuale Verteilung der mechanischen<br />
Prüfungen bezogen auf die Materialkenngruppen,<br />
ergibt sich folgendes Bild, dargestellt in Bild 10 und<br />
Bild 11.<br />
Da jede statistische Auswertung von der Anzahl der auswertbaren<br />
Messergebnissen lebt, ist die Frage nach der<br />
Repräsentativität der Ergebnisse bei einer Probenanzahl<br />
kleiner als ca. 250-300 berechtigt. Mathematische Modelle,<br />
wie sie z. B. für die Berechnung des 5 %-Quantil-<br />
Werts bei 75%-iger Aussagewahrscheinlichkeit angewendet<br />
werden (siehe Zulassungsgrundsätze), liefern<br />
zwar das Grundgerüst für eine statische Betrachtung,<br />
da jedoch jeder Verbundwerkstoff (Schlauchliner) einer<br />
natürlichen Schwankung unterliegt, kann eine sinnvolle<br />
statistische Aussage nur über eine große Anzahl auswertbarer<br />
Ergebnisse erfolgen.<br />
Statistik ist ein Verfahren, welches es gestattet,<br />
geschätzte Größen mit der Genauigkeit von<br />
Hundertstelprozent auszudrücken. (Helmar Nahr (*1931),<br />
dt. Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler)<br />
Bild 12: Abruf der aktuellen Daten<br />
Bild 13: Onlinestatistik<br />
128 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />
Fazit<br />
Jede statistische Langzeitauswertung lebt selbstverständlich<br />
von der Pflege der Datensätze und von der Fragestellung,<br />
die diese statistische Auswertung beantworten soll. So<br />
ist für eine ausführende Firma das Herunterbrechen der<br />
gesammelten Daten auf die einzelnen Sanierungskolonnen<br />
durchaus sinnvoll, um eventuell vorhandene Defizite aufzudecken,<br />
wohingegen die Auswertung auf kommunaler<br />
Ebene eher den Vergleich und die Analyse verschiedener<br />
Firmen und Produkte zum Ziel hat.<br />
Um das Einpflegen und Auswerten der Prüfungsdaten zu<br />
vereinfachen, hat die SBKS GmbH & Co. KG ein Tool (App)<br />
entwickelt, dass tagesaktuell die Ergebnisse der Linerprüfungen<br />
online abrufen, speichern und auswerten kann.<br />
So wird es in Zukunft einfach sein, seine Prüfberichte und<br />
Probenfotos online per PC, Tablet oder Smartphone abzurufen<br />
(Bild 12) und direkt eine statistische Auswertung über<br />
die Gesamtprobenanzahl und selbstverständlich auch über<br />
die Einzelprüfung (Stichwort „z-score“) durchzuführen. Der<br />
direkte Zugriff auf das Prüfgeschehen schafft hierbei Transparenz<br />
und verkürzt die Laufzeit der erstellten Prüfberichte.<br />
So stehen z. B. zum Filtern der Probeergebnisse verschiedene<br />
Funktionen zur Verfügung, um selektiv Einzelergebnisse<br />
betrachten zu können. Ist die Probe noch in Arbeit, wird dies<br />
angezeigt. Nach Abschluss der Prüfungen und der Endkontrolle<br />
werden die ermittelten Ergebnisse in der Datenbank<br />
freigeschaltet und können sofort online abgerufen werden.<br />
Durch das kundenbezogene Speichern der Analyseergebnisse<br />
kann selbstverständlich auch jederzeit eine statistische<br />
Auswertung der Prüfungsdaten erfolgen und z. B. für Präsentationszwecke<br />
angezeigt werden.<br />
Die so übermittelten Daten und statistischen Auswertungen<br />
sollen letztlich dazu beitragen, die Materialprüfungen<br />
an Schlauchlinersystemen schneller und transparenter zu<br />
Themenübersicht 2013/2014<br />
Schlauchlinerprüfungen - Teil 1: Überblick<br />
<strong>3R</strong>, Ausgabe 11-12/2013, S. 78-81<br />
Schlauchlinerprüfungen - Teil 2: Bestimmung der<br />
mechanischen Kenndaten<br />
<strong>3R</strong>, Ausgabe 1-2/2014, S. 104-107<br />
Schlauchlinerprüfungen - Teil 3: Die thermische Analyse<br />
<strong>3R</strong>, Ausgabe 3/2014, S.<br />
Schlauchlinerprüfungen - Teil 4: Statistische Auswertung<br />
von ca. 30.000 Linerprüfungen<br />
<strong>3R</strong>, Ausgabe 4-5/2014<br />
Schlauchlinerprüfungen - Teil 5: Die chemische Analyse<br />
<strong>3R</strong>, Ausgabe 6/2014, erscheint am 18.06.2014<br />
machen und den Prüfergebnissen die Chance zu geben,<br />
aus dem Schattendasein eines verstaubten Ordners herauszutreten<br />
(Bild 13).<br />
AUTOR<br />
Dr. rer. nat. JÖRG SEBASTIAN<br />
SBKS GmbH & Co. KG, St. Wendel<br />
Tel. +49 6851 80008-30<br />
E-Mail: dr.sebastian@sbks.de<br />
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04-05 | 2014 129
PROJEKT KURZ BELEUCHTET ABWASSERENTSORGUNG<br />
DN 300 in einem Stück mit UV-Technik<br />
auf 354 m erfolgreich saniert<br />
Die Gemeinde Nordstemmen saniert seit Jahren planmäßig<br />
die vorhandenen Schmutz-, Regen- und Mischwasserkanäle<br />
mit Schlauchliner-Technik. 2012 und 2014 wurden insgesamt<br />
2,7 km des betagten Abwassernetzes der Gemeinde<br />
für die kommenden Generationen fit gemacht. Der am 11.<br />
Februar 2014 sanierte Kanalabschnitt der Schmutzwasser-Transportleitung<br />
galt mit einer Länge von 354 m als<br />
besonders anspruchsvoll, da er quer unter einem Acker<br />
verläuft. Dieser durfte nur mit leichtem Gerät befahren<br />
werden. Unter diesen schwierigen Bedingungen sanierte<br />
die Firma Arkil Inpipe GmbH den 354 m langen Abschnitt<br />
des Mischwasserkanals mit dem Berolina-Liner System.<br />
Da die übliche Kabellänge eines Aushärteequipments<br />
von ca. 250 m hierfür nicht ausreichend ist, plante man<br />
die Aushärtung von beiden Seiten. Es wurde hierbei eine<br />
9x1000 Watt Aushärteanlage der Firma Arkil Inpipe eingesetzt.<br />
Die insgesamt fünf Zwischenschächte wurden mit<br />
dem Berolina-Liner überfahren und blieben verschlossen.<br />
Nach der Sanierung verwendete man einen Spezialmörtel,<br />
um die beiden Liner-Enden an den Schacht anzubinden. Mit<br />
der Sanierung dieses Kanalabschnittes konnte das gesamte<br />
Sanierungsprojekt in der Gemeinde Nordstemmen erfolgreich<br />
abgeschlossen werden.<br />
Vorbereitung<br />
Aufgrund der Bodengegebenheiten konnte die Sanierung nur<br />
in der Winterperiode durchgeführt werden. Im Sommer ist das<br />
Feld mit Zuckerrüben bestellt, so dass die Zwischenschächte<br />
nicht zugänglich sind. Nur mit einem leichten Minibagger<br />
konnten die Schachtdeckel, die sich bis zu 1,5 m unterhalb der<br />
Oberfläche befinden, freigelegt werden. Leider spielte auch das<br />
Wetter nicht mit. Bei der Planung wurde explizit der frostreiche<br />
Monat Februar ausgewählt. Aber milde Temperaturen und<br />
enorm viel Regen weichten den Boden stark auf. Um ein<br />
Einsinken der bis zu 18 Tonnen schweren Einbaufahrzeuge<br />
am Startschacht zu verhindern, wurden Holzbohlen bis<br />
zum Schacht ausgelegt. Der zu sanierende Kanalabschnitt<br />
wurde vom Netz mittels Absperrblase getrennt. Das sich<br />
ansammelnde Abwasser wurde durch ein Saugfahrzeug mit<br />
einem Fassungsvermögen von 18 m 3 abgesaugt und in einen<br />
500 m entfernten Hauptkanal DN 700 wieder abgepumpt.<br />
Dieser Vorgang musste während des ca. 16-stündigen Einbaus<br />
in zwei Schichten, mehrfach wiederholt werden.<br />
Sanierung der Haltung<br />
Durch die besonderen Bodenverhältnisse auf dem Acker<br />
konnten die Schächte nicht direkt angefahren werden<br />
und der Transportkanal nicht wie üblich von Haltung<br />
zu Haltung saniert werden. Die praktikable Lösung<br />
war ein Liner von 354 m Länge in einem Stück, der<br />
über fünf Zwischenschächte eingezogen wurde. Die in<br />
Velten bei Berlin ansässige Firma BKP Berolina Polyester<br />
GmbH & Co. KG kann theoretisch endlos lange GfK-<br />
Schlauchliner produzieren. Der vier Millimeter dicke und<br />
ca. 2,6 t schwere Berolina-Liner wurde auf einer drei Meter<br />
langen Holzpalette mit einer Gesamthöhe von 2,50 m<br />
angeliefert. Diese Verpackungseinheit forderte einen<br />
speziellen Transport bis ins Lager von Arkil nach Hannover.<br />
Bild 1: Mit Hilfe eines Förderbandes wurde der 354 m lange Berolina-<br />
Liner in den zu sanierenden Mischwasserkanal eingezogen<br />
Bild 2: Die Schutzfolie wurde am Berolina-Liner befestigt –<br />
das „Gesamtpaket“ wurde zusammen in den 354 m langen<br />
Abwasserkanal eingezogen<br />
130 04-05 | 2014
Bild 3: Der Einziehvorgang des 354 m langen Liners<br />
hat fast eine Stunde gedauert<br />
Bild 4a: Der Berolina-Liner beim<br />
Einziehvorgang in einem der fünf<br />
Zwischenschächte<br />
Bild 4b: Um ein Überdehnen des Liners<br />
beim Kalibriervorgang zu verhindern, wurde<br />
der Berolina-Liner im Zwischenschacht mit<br />
einer „Jeanskappe“ gesichert<br />
Am Tag der Sanierung wurde der Berolina-Liner auf einen<br />
Pritschen-LKW verladen und „just-in-time“ an die Baustelle<br />
geliefert. Vor dem Einzug des Liners in den Startschacht<br />
wurden alle Haltungen von groben Ablagerungen mit Hilfe<br />
eines Spülfahrzeugs gereinigt. Der Einzug erfolgte mittels<br />
einer gesteuerten Winde. Zum Schutz des Liners wurde auf<br />
voller Länge eine Schutzfolie mit in den Kanal gezogen, um<br />
die Außenfolie des Liners nicht zu verletzen.<br />
Nachdem der Einziehvorgang erfolgreich beendet war,<br />
wurde das Aushärtefahrzeug direkt über den Schacht in<br />
Position gebracht. Durch eine Bodenöffnung am Heck des<br />
Fahrzeuges wurde das sogenannte „Knie“ herabgelassen.<br />
Hierbei handelt es sich um eine Vorrichtung, die mit dem<br />
bereits in der Haltung liegenden Liner verbunden wird.<br />
Durch diese Vorrichtung wird mit Verdichter-Technik<br />
kontrolliert Luft gegeben. Der Kalibriervorgang wird in allen<br />
Teilschritten exakt vorgabegerecht durchgeführt, damit der<br />
Liner Zeit hat, sich zu „entfalten“ und sich regelrecht an der<br />
Rohrwandung anzuschmiegen. Damit der Liner hierbei in<br />
den Zwischenschächten nicht überdehnt, wurde durch die<br />
Einbaukolonne in diesen Bereichen um den Berolina-Liner<br />
je eine „Jeanskappe“ mit Reißverschluss als Stützstrumpf<br />
montiert. Diese Vorsichtsmaßnahme verhindert das<br />
Überdehnen des Liners und wird nach Beendigung der<br />
Aushärtung nicht entfernt. Nachdem der Berolina-Liner<br />
erfolgreich mittels Luftdruck aufgedehnt wurde, zog<br />
Kolonnenführer Michael Wollenhaupt die Lichtquelle durch<br />
das „Knie“, unter Aufrechterhaltung des Innendruckes,<br />
200 m in Richtung Startschacht. Anschließend härtete man<br />
das erste Teilstück des Berolina-Liners mit UV-Technik aus.<br />
Danach wurde das Einbaufahrzeug mit der Lichttechnik<br />
umgesetzt und die gleiche Prozedur noch einmal von der<br />
anderen Seite auf einer Länge von ca. 160 m wiederholt.<br />
Mit dieser Maßnahme stellte man sicher, dass die gesamten<br />
354 m gerade im Mittelbereich ausreichend überlappend<br />
ausgehärtet wurden. Mit einer Aushärtegeschwindigkeit<br />
von 60 m/Stunde wurde der Liner so innerhalb von ungefähr<br />
sechs Stunden erfolgreich ausgehärtet. Das erfahrene und<br />
eingespielte Einbau-Team der Firma Arkil Inpipe stellte in<br />
Zusammenarbeit mit dem Anwendungstechniker der BKP<br />
sicher, dass es während des Kalibriervorgangs und der<br />
Aushärtung zu keinerlei Problemen oder Verzögerungen kam.<br />
Nachbereitung<br />
Nachdem beide Aushärtungen beendet waren, wurde<br />
die Dichtheitsprüfung erfolgreich durchgeführt. Die<br />
Liner-Enden wurden an die jeweiligen Endschächte<br />
angebunden. Aufgrund der besonderen Länge des<br />
Kanals und der Lage unter einem Acker, hat man sich<br />
dafür entschieden den Liner in den Zwischenschächten<br />
nicht aufzuschneiden, die Schächte wieder ca. 1,5 m unter<br />
Terrain mit Betonabdeckungen zu verschließen und die<br />
Baugruben im Acker ordnungsgemäß zu verfüllen. Die<br />
Zwischenschächte befanden sich vor der Sanierung bereits<br />
bis zu 1,5 m unterhalb des Ackers und werden es nun<br />
auch zukünftig bleiben. Die anschließende TV-Befahrung<br />
dokumentierte für alle Beteiligten den ordnungsgemäßen<br />
Einbau und ein fehlerfreies Sanierungsergebnis.<br />
Ausblick<br />
Durch exakte Vorbereitung, abgestimmte Produktionsabläufe<br />
und langjährige Erfahrung beim Einbau solcher<br />
außergewöhnlichen Liner, ist es den beiden Firmen BKP<br />
Berolina und Arkil Inpipe GmbH gelungen, ihr Know How<br />
beim Einbau von UV-härtenden Linern gewinnbringend zu<br />
nutzen. Um zukünftig besonders lange Sanierungsstrecken<br />
problemlos aushärten zu können, bestückt die Firma Arkil<br />
Inpipe GmbH aktuell eine UV-Anlage mit einem neuen<br />
UV-Aushärtekabel mit einer Länge von 320 m. Torsten<br />
Schamer, Geschäftsführer der Arkil Inpipe GmbH betont:<br />
„Diese Maßnahme gibt uns die Möglichkeit in Zukunft<br />
sogar bis zu 600 m Kanaltrasse in einem Stück mit<br />
UV-Technik auszuhärten.“<br />
KONTAKT: Arkil Inpipe GmbH, Hannover, Torsten Schamer,<br />
Tel. +49 51195 995-0, E-Mail: info@arkil.de<br />
Halle B5, Stand 419<br />
BKP Berolina Polyester GmbH & Co. KG, Velten,<br />
Tel. +49 330420 88-100, E-Mail: info@bkp-berolina.de<br />
Halle B4, Stand 208<br />
04-05 | 2014 131
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Neue Anwendungsfelder für Quick-<br />
Lock-Montagesystem<br />
Der runde Querschnitt eines Rohres ist statisch gesehen ein Idealfall. Fachgerecht im Untergrund eingebaut, verträgt er<br />
viel Druck von oben. Natürlich muss das Material mit seiner Duktilität für den Verwendungszweck passend sein. Dennoch,<br />
Widrigkeiten auf der Baustelle führen gelegentlich zu Schäden, die nicht vorhersehbar sind. Gefragt sind dann Lösungen,<br />
die nachträglich dauerhafte Abhilfe schaffen. In der Kanalsanierung bereits bewährt, kommt Quick-Lock nun für den Einsatz<br />
weiterer Aufgaben infrage: Anbinden von Kunststoffschächten an das Altrohr, Sanieren von Kabeldurchführungen und<br />
Abdichten von Filterstrecken in Trinkwasserbrunnen. Im Folgenden wird von Erfahrungen aus Deutschland, Österreich<br />
und Australien berichtet.<br />
Anwendungsfall Schachtanbindung<br />
Die Anbindung von Kunststoffschächten DN 800 PE an das<br />
Abwasser führende Altrohr mit DN 150 bis einschließlich<br />
DN 300 wurde bei drei Projekten in Ostfriesland und im<br />
Oldenburger Raum mit Quick-Lock ausgeführt. Wegen<br />
des aggressiven Abwassers war klar, dass hier keine<br />
korrosionsanfälligen Materialien verbaut werden dürfen.<br />
Die Auftraggeber entschieden sich für eine Kanalsanierung<br />
mit Schachterneuerung nach der Schacht-in-Schacht-<br />
Methode, geplant und vorbereitet durch Matthias Krein<br />
von der ARGO-Ingenieurgemeinschaft und ausgeführt von<br />
der BERKEL Rohrtechnik GmbH.<br />
Rüdiger Berkel erinnert sich: „Wir haben zusätzlich im<br />
Kanalrohr Anschlüsse stillgelegt und Fehlbohrungen nach<br />
Einbau von GFK-Inlinern wieder verschließen müssen, was<br />
ebenfalls mit Quick-Lock wirklich problemlos zu machen ist“.<br />
Ingenieur Krein ist Ausbilder für Abwassermeister<br />
(Kanalsanierung und Kanalbetrieb) und bezeichnet sich zu<br />
30 % als Planer und zu 70 % als Ausführungs-Praktiker. Seit<br />
1996 ist er in der Kanalsanierung Abwasser/Regenwasser<br />
aktiv. Seine guten Erfahrungen mit Quick-Lock stützen sich<br />
auf den erfolgreichen Einsatz bei 20 Abwasserschächten<br />
bzw. 40 Anbindungen. „Es gibt dafür kein besseres<br />
Testgebiet als Ostfriesland - wegen der extremen<br />
Bedingungen durch 3 bis 4 m Grundwasserdruck“, so Krein.<br />
„Mit den sonst üblichen Anbindungstechniken habe ich<br />
bei Arbeiten im Grundwasser bisher nur wenig brauchbare<br />
oder aber katastrophale Ergebnisse erzielt. Bei Quick-<br />
Lock allerdings, das ich als Reparatursystem schon lange<br />
beobachte, stimmt nun wirklich der Ansatz in Bezug auf<br />
gute Handhabung und zuverlässige, dauerhafte Funktion.<br />
Ich erwarte aufgrund des verwendeten Materials selbst<br />
unter den strengen Bedingungen in Ostfriesland mindestens<br />
20 bis 30 Jahre Dichtigkeit.“<br />
Kanalsanierung, Beispiel Stadt Weener<br />
Die Schachtbauwerke entlang der Hauptstraße nach<br />
Stapelmoor wurden Anfang der 1980er Jahre aus<br />
Grafik: Uhrig Kanaltechnik<br />
Bild 1: Sanierung von Versorgungsleitungen für Trinkwasser. Partielle Schäden in horizontalen Druckrohren oder vertikalen<br />
Brunnenverrohrungen lassen sich mit Quick-Lock reparieren<br />
132 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />
Betonformteilen gebaut. Die Bauwerke sind zwischen<br />
2,5 m und 3,5 m tief und liegen direkt neben der<br />
Kreisstraße (zum Teil im Fuß-/Radweg und zum Teil in<br />
der Grabenböschung). Ab einer Tiefe von ca. 1,0 m ist<br />
der Boden mit Grundwasser gesättigt und fließfähig.<br />
Die Kanalisationsanlage wird durch die Pumpwerke<br />
„Möhlenweg“ und „Meentelandsweg“ mit stark<br />
angefaultem Abwasser belastet. Im Sanierungsabschnitt<br />
havarierte im Jahre 2008 eine aus Beton hergestellte<br />
Schmutzwasserhaltung. Nur durch eine eilig durchgeführte<br />
Sanierung mit einem GFK-Inliner konnte eine vollständige<br />
Erneuerung in offener Bauweise verhindert werden. Zum<br />
damaligen Zeitpunkt waren die Schachtbauwerke durch<br />
die biogene Schwefelsäurekorrosion deutlich angegriffen,<br />
jedoch noch nicht sanierungsbedürftig. In den folgenden<br />
Jahren verschlechterte sich der Bauwerkszustand aber<br />
deutlich. Im Jahr 2011 wurde Einsturzgefahr und somit<br />
dringlicher Sanierungsbedarf festgestellt.<br />
Aufgrund der Bautiefe, des hohen Grundwasserstandes,<br />
des fließfähigen Bodens und der unmittelbaren Nähe zur<br />
Kreisstraße wäre die Erneuerung in offener Bauweise sehr<br />
teuer geworden. Stattdessen hat sich die Stadt Weener für<br />
die Erneuerung der Schachtbauwerke mit der Schacht-in-<br />
Schacht-Methode entschieden. Die Lebensdauer der neuen<br />
PE-Schächte beträgt nach Herstellerangaben 80 bis 100<br />
Jahre. Als verbindendes Element zwischen PE-Schacht und<br />
GFK-Liner kamen Quick-Lock V4A-Edelstahlmanschetten<br />
mit EPDM-Kompressionsdichtung zum Einsatz.<br />
Kanalsanierung, Beispiel Gemeinde Moormerland<br />
Die Voraussetzungen waren ähnlich wie in Weener.<br />
Die Schachtbauwerke entlang der Uthuser Straße<br />
wurden Ende der 1970er Jahre aus Betonformteilen<br />
gebaut. Die Bauwerke sind zwischen 2 m und 4 m<br />
tief und liegen direkt neben der Kreisstraße im Fuß-/<br />
Radweg. Auch hier ist der Boden ab einer Tiefe von<br />
ca. 1,0 m mit Grundwasser gesättigt und fließfähig.<br />
Die Kanalisationsanlage wird durch das Pumpwerk<br />
„Kurzer Weg“ mit stark angefaultem Abwasser belastet<br />
- ebenfalls wie bei der Kanalsanierung in Weener. Im<br />
Jahre 2012 havarierte eine aus Betonrohren hergestellte<br />
Schmutzwasserhaltung im Sanierungsabschnitt. Das<br />
angefaulte Abwasser hatte den Betonkanal so stark<br />
angegriffen, dass dieser zusammenbrach. Eine Sanierung<br />
ohne Bagger war jetzt nicht mehr möglich. Der Kanal<br />
musste mit großem Aufwand erneuert werden. Damit<br />
nicht weitere Kanäle zusammenbrechen, beschloss<br />
die Gemeinde Moormerland eilig eine Sanierung<br />
mit GFK-Inlinern. Die Erfahrung aus benachbarten<br />
Kommunen zeigt, dass unmittelbar nach der Sanierung<br />
der Kanalrohre die Schachtbauwerke durch die<br />
biogene Schwefelsäurekorrosion verstärkt angegriffen<br />
werden. Zum Teil war an den Unterteilen schon jetzt<br />
ein sehr starker Materialverlust festzustellen. Um auch<br />
hier einer Havarie vorzubeugen, entschied sich der<br />
Netzbetreiber zur Sanierung der Schachtbauwerke mit<br />
der Schacht-in-Schacht-Methode.<br />
Kanalsanierung, Beispiel Stadt Wildeshausen<br />
Die Zulaufhaltungen zur Pumpstation „Landskrone“<br />
wurden Anfang der 1960er Jahren aus Steinzeugrohren<br />
gebaut. Es fließen ca. 25 % der Abwässer der Stadt<br />
Wildeshausen durch diese Haltungen. Die Rohre<br />
liegen in einer Tiefe von bis zu 4,5 m im rückwärtigen<br />
Grundstücksbereich der Pumpstation. Die Zugänglichkeit<br />
bzw. Anfahrbarkeit ist nur über einen schmalen und<br />
leicht befestigten Radwanderweg möglich. Ein weiteres<br />
Hindernis stellt eine schmale Holzbrücke dar. Diese darf mit<br />
maximal 16 Tonnen belastet werden. Der Kanalabschnitt<br />
wird im Westen und im Osten vom Fluss Hunte<br />
eingeschlossen. Unmittelbar über dem Kanal verläuft<br />
der unter Wasser stehende Stadtgraben. Ab einer Tiefe<br />
von ca. 1,5 m ist der Boden mit Grundwasser gesättigt<br />
und fließfähig. Der Stadt Wildeshausen war klar, dass im<br />
Falle eines Rohrbruches große Abwassermengen in die<br />
Hunte fließen würden und eine schnelle Reparatur unter<br />
den problematischen Bedingungen nicht möglich wäre.<br />
Deshalb wurde der Kanalabschnitt vorsorglich mit einer<br />
Kanalkamera untersucht. Undichte Rohrverbindungen,<br />
Risse und Scherben mit eindringendem Wasser waren<br />
das typische Schadenbild der Steinzeugkanalisation. Hier<br />
war eine Sanierung einschließlich Schachterneuerung<br />
dringend erforderlich und wurde mit Hilfe der Quick-Lock<br />
Technik auch zügig durchgeführt.<br />
Bild 2: Quick-Lock, Montagesystem aus V4A und einer EPDM-<br />
Kompressionsdichtung zum Abdichten von Schadstellen im Rohr oder<br />
zum Verschließen von Altanschlüssen sowie zur Schachtanbindung von<br />
Inlinern, in wenigen Minuten durch Packer platziert<br />
Foto: Uhrig Kanaltechnik<br />
04-05 | 2014 133
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Foto: Hauff-Technik<br />
Zeichnung: ARGO Ingenieurgemeinschaft<br />
Foto: Hauff-Technik<br />
Bild 4: Sanierung von Leerrohren für Kabeldurchführung bei einem<br />
großen Bauvorhaben in Perth/Australien mit Quick-Lock<br />
Bild 3: Prinzipskizze als Längsschnitt zur Kanalsanierung in<br />
Wildeshausen/Niedersachsen mit Schacht-in-Schacht-Bauweise. Altrohr<br />
und Anschlüsse sind mit Quick-Lock dauerhaft angebunden, teilweise in<br />
Form einer Liner-Endmanschette eingebaut<br />
Bild 5: Anbindung von Linersystemen an Rohre und<br />
Bauwerke in den Nennweiten DN 150 bis DN 600. Quick-Lock<br />
Linerendmanschette in den Baulängen 250 und 300 mm. Hier im<br />
Einsatz bei der Sanierung eines Leerrohres für Kabeldurchführung<br />
Projektdaten<br />
»»<br />
Stadt Weener: Insgesamt wurden sechs Schachtbauwerke<br />
erneuert und ein Schacht außer Betrieb genommen. Die<br />
Baukosten betrugen rund 9.100 €/Schacht, die Bauzeit<br />
drei Wochen.<br />
»»<br />
Gemeinde Moormerland: Insgesamt wurden acht Schachtbauwerke<br />
erneuert und fünf Schachtbauwerke außer<br />
Betrieb genommen. Die Baukosten betrugen ca. 10.800€/<br />
Schacht für die Erneuerung und ca. 500 €/Schacht für die<br />
Außerbetriebnahme. Durch die Außerbetriebnahme der<br />
Schachtbauwerke wurden ca. 55.000 € Sanierungskosten<br />
eingespart. Die Bauzeit betrug fünf Wochen.<br />
»»<br />
Stadt Wildeshausen: Insgesamt wurden zehn<br />
Anschlusskanäle, 300 m Kanal und fünf Schachtbauwerke<br />
erneuert sowie fünf Schachtbauwerke außer Betrieb<br />
genommen. Die gesamten Baukosten betrugen etwa<br />
600 €/m Hauptkanal. Damit die Sanierungsarbeiten<br />
durchgeführt werden konnten, wurde als Provisorium<br />
eine 280 m lange Abwasserüberleitung DN 250 für<br />
100 l/s mit mehreren Rohrbrücken gebaut. Die Bauzeit<br />
betrug sechs Wochen, verteilt auf vier Monate.<br />
Vorgehensweise bei der Schacht-in-Schacht-Methode<br />
(Bild 3):<br />
1. Oberflächenbelag aufnehmen und Konus entfernen<br />
2. Schacht reinigen<br />
3. Schacht entkernen, d. h. Steigeisen und Gerinne<br />
entfernen<br />
4. Unterteil setzen und fachgerechte Rohranbindung mit<br />
Quick-Lock herstellen<br />
5. Oberteil setzen und Ringspalt verdämmen<br />
6. Konus setzen und fachgerecht verdichten<br />
7. Schachtabdeckung setzen und Oberflächenbelag<br />
schließen<br />
Anwendungsfall Kabeldurchführung<br />
Die Sanierung der Kabeldurchführung aus dem Hause<br />
Hauff Technik, Hermaringen, bei einer Großbaustelle in<br />
134 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG FACHBERICHT<br />
Perth (Australien) konnte mit einer modifizierten Quick-<br />
Lock-Manschette preiswert und professionell durchgeführt<br />
werden (Bild 4 und Bild 5). Die fachgerechte Verfüllung<br />
im Leitungsbau stellt beteiligte Unternehmen zunehmend<br />
vor große Herausforderungen. „Wird nicht oder nur<br />
unzureichend verfüllt, können Anschlusskomponenten wie<br />
unsere Kabeldurchführungen beschädigt werden“, so Ralf<br />
Kurz, Leiter Technik bei Hauff.<br />
Solche Problemfälle treten dann auf, wenn Rohrtrassen<br />
mit ihrem Eigengewicht unzulässige Scherkräfte auf<br />
die Umgebung ausüben. Bisher konnte dann nur<br />
noch auf der Gebäudeinnenseite mit dem Einbau<br />
einer Gummipressdichtung reagiert werden. Dennoch<br />
blieb das beschädigte Leerrohr dem Wassereintritt<br />
schutzlos ausgeliefert. Stattdessen kann nun mit der<br />
maßgeschneiderten Quick-Lock-Sanierungsmanschette der<br />
Rohrübergang zeitnah instandgesetzt werden, falls noch<br />
keine Kabel gezogen wurden. Das Rohr bleibt so in seiner<br />
ursprünglichen Funktion erhalten.<br />
Anwendungsfall Brunnenabdichtung<br />
Die Treibacher Industrie AG mit Sitz in Althofen/<br />
Kärnten (Österreich) nutzt firmeneigenes Grundwasser.<br />
Für den Betrieb mit ca. 750 Mitarbeitern liefert der<br />
Brunnen bei einer Schüttung von 90 Liter pro Sekunde<br />
das gesamte Trinkwasser. Er wird über verschiedene<br />
Grundwasserhorizonte gespeist. Einer davon, so wurde<br />
festgestellt, war für die Nutzung als Trinkwasserquelle nicht<br />
mehr geeignet. Wie aber sollte der Wassereintritt über<br />
das Filterrohr DN 600 aus diesem Abschnitt unterbunden<br />
werden?<br />
Christoph Ober, Bauleiter für Rohrsanierung bei der<br />
hier beauftragten HF Rohrtechnik aus Linz weiß, dass<br />
„bislang in einem solchen Fall ein neues Rohr in den<br />
Untergrund geschlagen wurde – unter erheblichem<br />
finanziellen Aufwand!“ Stattdessen hat Ober es mit<br />
seiner Firma gewagt, eine Abdichtung des vorhandenen<br />
Filterrohres zu projektieren. Allerdings wollte man bei<br />
einem solchen Pilotprojekt die kompetenten, am Markt<br />
verfügbaren Kräfte bündeln und hat Aquanova „ins<br />
Boot“ geholt. Geschäftsführer Mag. Thomas Franta hat<br />
das Bauvorhaben mit seiner für diesen Fall geeigneten<br />
Unterwasserkamera im Auftrag der HF Rohrtechnik<br />
unterstützt.<br />
Auf einer Höhe von ca. 13 m wurde Quick-Lock mit exakt<br />
geplanter Überlappung im vertikalen Filterrohr installiert<br />
(Bild 6 und Bild 7). Dadurch ist ein durchgehender,<br />
dichter Abschnitt erzeugt worden, der das Eindringen<br />
des nicht erwünschten Wassers verhindert. Die präzise<br />
Positionierung der einzelnen Manschetten, mit einer<br />
Einzellänge von jeweils 50 cm, erfolgte mit einem<br />
Lasergerät, das der Hersteller von Quick-Lock ebenso wie<br />
Kompetenz rund um das Abwasser!<br />
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04-05 | 2014 135
FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG<br />
Grafik: Uhrig Kanaltechnik<br />
Foto: HF Rohrtechnik<br />
Bild 6: Sanierung von Versorgungsleitungen für Trinkwasser. Partielle Schäden<br />
in horizontalen Druckrohren oder vertikalen Brunnenverrohrungen lassen sich<br />
mit Quick-Lock reparieren.<br />
Bild 7: Die Abdichtung der Filterstrecke im<br />
Trinkwasserbrunnen DN 600 wurde in Althofen/Kärnten auf<br />
einer vertikalen Länge von 13 m mit Quick-Lock ausgeführt.<br />
den automatisch gesteuerten Packer für die Montage zur<br />
Verfügung stellt. Wir haben „Neuland beschritten“, erklärt<br />
Mark Biesalski, Geschäftsführer der Uhrig-Kanaltechnik<br />
GmbH. „Packer und Laser werden sonst bei Reparaturen<br />
an Brunnenrohren für Einzelmaßnahmen eingesetzt.<br />
Das Besondere hier war die lange Strecke von 13 m mit<br />
überlappender Montage“.<br />
So mussten für jede der abgesenkten Manschetten<br />
Gewichte am Packer befestigt werden. Mit dem nach<br />
erfolgreicher Montage sorgfältig emporgezogenen Gerät<br />
kamen auch die Gewichte wieder ans Tageslicht und<br />
konnten erneut verwendet werden. Der Auftraggeber<br />
hat tatsächlich viel Geld gespart, da kein zusätzliches<br />
neues Filterrohr geschlagen werden musste. „Die<br />
Sanierung war ein voller Erfolg, der Wassereintritt aus dem<br />
betroffenen Bereich wurde nachweislich unterbunden“,<br />
sagt Reinhold Höfferer, der zuständige leitende Ingenieur<br />
dieser Maßnahme von Seiten der Bauherrschaft Treibacher<br />
Industrie AG.<br />
Literatur<br />
[1] Klaus W. König: Schlauchlinerendmanschetten, Pilotprojekt in<br />
Kassel. In: Wasserwirtschaft Wassertechnik (wwt) 4/2013<br />
[2] Partielle Sanierung auf höchstem Niveau. Broschüre zur Rohr-<br />
Innensanierung und zu Linerendmanschetten. Uhrig Kanaltechnik<br />
GmbH, Geisingen, 2014<br />
[3] www.quick-lock.de<br />
[4] www.uhrig-bau.de<br />
Dipl.-Ing. KLAUS W. KÖNIG<br />
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136 04-05 | 2014
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137<br />
Diese Erklärung kann ich mit Wirkung für die Zukunft jederzeit widerrufen.
PROJEKT KURZ BELEUCHTET ABWASSERENTSORGUNG<br />
Rohrverbinder schützen Terminalneubau<br />
am Flughafen München<br />
Seit 2012 laufen die Bauarbeiten am neuen Satellitenterminal am Münchener Flughafen „Franz-Josef Strauß“. 2015 soll die<br />
Erweiterung des Terminal 2 fertiggestellt werden und rund 11 Millionen Passagiere abfertigen können. Der Neubau entsteht<br />
durch Aufstockung und Vergrößerung der vorhandenen Gepäcksortierhalle – ein sensibler Bereich, der über die gesamte<br />
Bauzeit in Betrieb bleibt. Seit Mai 2013 installiert die Caverion Deutschland GmbH aus München im ca. 126.000 m 2 großen<br />
Neubau Heizungs- und Kälteanlagen, die Sanitär- und Feuerlöschtechnik sowie die Elektrotechnik. Bei der Installation<br />
der gesamten Schmutzwasser- und Regenwasserleitungen setzen die Experten für technische Gebäudeausrüstung und<br />
Facility Services auf die Verbindungstechnik der NORMA Group.<br />
Von den insgesamt 32 km Rohrleitungen für Kondensat,<br />
Trinkwasser und Schmutzwasserentlüftung verlegt Caverion<br />
auch Gussrohre für Regen- und Schmutzwasser. An den<br />
Trennstellen der muffenlosen Gussrohre setzt das Unternehmen<br />
mehrere Tausend Rohrverbinder der NORMA Group<br />
ein. Andreas Müller, Baustellenleiter für den Bereich Sanitär<br />
bei Caverion, sagt: „Wir arbeiten schon seit Jahrzehnten mit<br />
diesen Rohrverbindern. Sie haben sich in vielen Bauvorhaben<br />
als zuverlässig erwiesen.“ Burkhard Nowack, der bei<br />
der NORMA Group für den Vertrieb der Lösungen für Infrastructure<br />
verantwortlich ist, ergänzt: „Unsere Verbindungen<br />
haben sich bereits in zahlreichen Projekten bewährt und<br />
halten z. B. das Abwassersystem im Fußball-EM-Stadion in<br />
Kiew auch bei hoher Auslastung dicht. Im Entwässerungssystem<br />
des Parkhauses am Frankfurter Flughafen tragen<br />
sie dazu bei, parkende Autos vor Wasserschäden durch<br />
Starkregen zu schützen.“ Andere Referenzprojekte sind die<br />
Messehallen in Frankfurt, die Elbphilharmonie in Hamburg<br />
oder das Einkaufszentrum Milaneo in Stuttgart. Bei allen<br />
Projekten war der Anspruch auf Sicherheit und Zuverlässigkeit<br />
ein ganz wichtiges Entscheidungskriterium für unsere<br />
Verbinder und Krallen.<br />
Bau bei laufendem Betrieb<br />
Die Arbeiten im Bereich der Gepäcksortierhalle, die sich im<br />
sogenannten „critical part“ – dem sicherheitsempfindlichen<br />
Bild 1: Einfache Montage der NORMACONNECT DCS Universal-<br />
Kralle mit Sichtkontrolle<br />
Bild 2: Caverion-Mitarbeiter montiert den NORMACONNECT<br />
DCS Rapid Verbinder bis auf Block<br />
138 04-05 | 2014
ABWASSERENTSORGUNG PROJEKT KURZ BELEUCHTET<br />
Bereich des Flughafens – befindet, stellt eine besondere Herausforderung<br />
an die Sicherheit auf der Baustelle dar, weil<br />
hier weiterhin die Koffer am Flughafen abgefertigt werden.<br />
Andreas Müller erklärt: „Gerade in Gebäuden, bei denen<br />
während des Baus wichtige Bereiche in Betrieb bleiben, ist<br />
eine zuverlässige Verbindung unserer Rohre das A und O.<br />
Wasserlecks können große Schäden an der Elektronik verursachen<br />
und zu Betriebsausfällen führen. So etwas darf in der<br />
Gepäckabfertigung nicht passieren.“<br />
Schutz bieten die Rapid-Verbinder sowie die Universal- und<br />
Kombi-Krallen der NORMA Group. An den Gussrohren werden<br />
Rohrverbinder der Durchmesser 50 bis 300 eingesetzt. Da sich<br />
bei starkem Regen in den Leitungsabschnitten ein Rückstau<br />
bilden kann und dadurch ein höherer Druck herrscht, werden<br />
die Leitungsteile an den Richtungsänderungen und gefährdeten<br />
Teilen zusätzlich mit Kombi- und Universal-Krallen der<br />
Durchmesser 50 bis 300 gegen ein Auseinandergleiten der<br />
Rohrleitungen gesichert. Die Kralle hat eine sehr gute Längskraftschlüssigkeit<br />
und durch die gehärtete Kralleneinlage einen<br />
festen Halt auf dem Rohr. So halten z. B.l die Universal-Krallen<br />
bei einem Rohrdurchmesser 100 die Guss-Rohrleitungen bei<br />
einem Druck bis zu 10 bar zusammen. Darüber hinaus erfüllen<br />
die Verbindungselemente die strengen Brandschutzrichtlinien<br />
von Flughafenbetreibern.<br />
Einfache und schnelle Montage<br />
Auch bei der Montage der Verbindungselemente spielt die<br />
Sicherheit eine große Rolle, denn Fehlmontagen können zum<br />
Versagen der Verbindung führen. „Unsere Monteure ziehen<br />
die NORMA Verbinder einfach mit einem Akkuschrauber bis<br />
auf Block an“, sagt Müller, „das geht schnell und sie haben<br />
durch die Blockmontage sofort eine Sichtkontrolle hinsichtlich<br />
der Funktion des Verbinders – ist der Verschluss am Anschlag,<br />
ist die Montage sicher ausgeführt und die Verbindung dicht.“<br />
Insgesamt montieren zu Spitzenzeiten rund 100 Mitarbeiter<br />
von Caverion Rohrleitungen am Münchener Flughafen. Das<br />
Verlegen der Rohre verläuft zügig und reibungslos. Allerdings<br />
sind in den Schächten, in denen die Regen- und Schmutzwasserrohre<br />
verlaufen, einige Höhenmeter zu überwinden.<br />
Bevor die Rohre samt Verbinder montiert werden können,<br />
Bild 3: NORMACONNECT DCS Rapid und CE/CV, die<br />
zuverlässig dichte Verbindung für Gussrohre in der<br />
Gebäudeentwässerung<br />
müssen zunächst Arbeitsbühnen aufgebaut werden. Umso<br />
wichtiger für das Zeitmanagement ist es, dass die Montage<br />
der Verbinder zügig vonstattengeht. Die Verbinder lassen sich<br />
einfach anbringen, weil sie nur wenige Schrauben haben, der<br />
Rapid-Verbinder sogar nur eine. Das geht dann schnell, sauber<br />
und ordentlich, vor allem aber halten die Verbinder dicht.<br />
KONTAKT: NORMA Group SE, Maintal, Tel. +49 6181-403-0,<br />
E-Mail: info@normagroup.com<br />
INFO<br />
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04-05 | 2014 139
FACHBERICHT HAUSANSCHLUSSTECHNIK<br />
Abwasser-Hausanschlüsse in PE: Problemlösungen<br />
für die Variablen Werkstoff,<br />
Dimensionen und Verbindungstechnik<br />
Die Kanalisation in Deutschland ist ca. 540.000 km lang. Nach Schätzungen von Fachleuten sind die privaten Kanalleitungen<br />
gar mehr als doppelt so lang, rund 1,0 bis 1,3 Mio. km. Sie sind unter Gärten, Garagen, Gehwegen und Straßen verlegt<br />
und leiten das häusliche Abwasser getrennt oder mit Regenwasser gemischt in den öffentlichen Kanal. Diese Leitungen<br />
stellen für den privaten Betreiber einen immensen Vermögenswert dar. Umso erstaunlicher ist, dass diese sogenannten<br />
Hausanschlüsse wenig Aufmerksamkeit finden. Dabei steht es um sie darüber ist sich die Fachwelt einig - nicht gut, ca.<br />
50 %, so schätzt man, sind undicht und müssen saniert werden. „Rohrrisse“ und „schadhafte Anschlüsse“ sind mit je<br />
20 % die häufigsten Schadensfälle (Bild 1). Gründe genug, diesen Übergangsbereich von den privaten Abwasserleitungen<br />
zum öffentlichen Sammler genauer zu betrachten. Die genannten Schadensbilder sind typisch für biegesteife, spröde<br />
Rohrwerkstoffe wie Steinzeug oder Beton. Kunststoffrohre hingegen setzen den Beanspruchungen Flexibilität entgegen:<br />
Biegeweiche Rohre können sich verformen, ohne ihre Leistungsfähigkeit einzubüßen. Auch in der Hausanschlusstechnik<br />
gewährleisten Systeme aus Kunststoff einen zuverlässigen Betrieb.<br />
Kunststoffrohre und -formstücke für die<br />
Hausanschlusstechnik<br />
Im Hausanschlussbereich werden Rohre und Formstücke<br />
aus PVC, PP und PE eingesetzt. Die Verbindungstechnik für<br />
PVC- und PP-Rohre und -Formstücke basiert auf elastomergedichteten<br />
Steckmuffen.<br />
Der Werkstoff PE wird hauptsächlich geschweißt, wodurch<br />
eine materialhomogene Verbindung entsteht, die keine<br />
zusätzlichen Dichtelemente erfordert. Geschweißte Hausanschlüsse<br />
aus PE ermöglichen den Bau und Betrieb eines<br />
äußerst robusten und widerstandsfähigen, dauerhaft dichten<br />
und langlebigen Kanalrohrsystems.<br />
Der Werkstoff Polyethylen<br />
Im Wasserhausanschlussbereich werden PE-Rohre bereits<br />
seit über 50 Jahren eingesetzt. Mit der Einführung von Polyethylen<br />
der dritten Generation – PE 100 – stieg infolge der<br />
höheren mechanischen Beanspruchbarkeit und Festigkeit<br />
Bild 1: DWA-Umfrage 2009: Ein Großteil der Schäden befinden sich im Hausanschlussbereich<br />
die Akzeptanz des Werkstoffs in der Wasserverteilung auch<br />
in größeren Nennweiten.<br />
In der Gasverteilung sind PE-Rohrsysteme bereits seit Mitte<br />
der 1970er Jahre im Einsatz und stellen heute den Standard-<br />
Rohrwerkstoff dar.<br />
Vor allem im Bereich der Druckentwässerung und zunehmend<br />
auch in der Kanalisation werden PE 100-Rohrleitungen mit<br />
sehr guten Erfahrungen seit Jahren flächendeckend betrieben.<br />
Was bedeutet der Einsatz eines geschweissten<br />
Hausanschlusses für den Betreiber?<br />
Die flexiblen Rohrleitungen nehmen sowohl statische als auch<br />
dynamische Lasten aus der Einbausituation auf. Wo spröde,<br />
bruchempfindliche Werkstoffe durch Punkt- oder Linienlasten<br />
längst versagen, bleibt der PE-Kanal funktionsfähig.<br />
Durch das Heizwendelschweißverfahren wird eine homogene<br />
Materialverbindung zwischen Rohr und Formstück erzeugt.<br />
Das geschweißte Rohrsystem besteht im Gegensatz zu konventionellen<br />
Rohrleitungen mit Steckmuffen<br />
nicht mehr aus Einzelkomponenten,<br />
sondern aus einem einzigen<br />
homogenen Rohrstrang.<br />
Der Verbindungsbereich ist sohlengleich,<br />
weist eine hydraulisch optimale<br />
glatte Oberfläche auf, ohne<br />
Muffenspalt, ohne Wulst und ohne<br />
Versatz. Der Abfluss wird nicht behindert,<br />
Ablagerungen, Blockaden und<br />
Funktionsstörungen im Kanal werden<br />
von vornherein vermieden.<br />
Hausabfluss-Anschlüsse werden<br />
durch Abwasser-Sattelformstücke<br />
aufgeschweißt und so homogen mit<br />
dem Sammler verbunden.<br />
140 04-05 | 2014
HAUSANSCHLUSSTECHNIK FACHBERICHT<br />
Bild 2: Materialhomogener Anschluss eines<br />
Straßeneinlaufes<br />
Bild 3a: Detail des Versuchsaufbaus mit vier<br />
Abwassersätteln vor der Überschüttung<br />
Bild 3b: Blick in das Kanalinnere: Glatte,<br />
versatzfreie Einläufe; helle Innenschicht<br />
unterstützt die TV-Inspektion<br />
Straßeneinläufe können analog angeschlossen werden.<br />
Dadurch entsteht ein komplett geschweißtes System<br />
(Bild 2).<br />
Die eigentlich als „Störgröße“ auffällige Rohrverbindung<br />
übertrifft bei Heizwendelschweißverbindungen die Festigkeit<br />
des Rohres.<br />
In der Praxis bedeutet das: Die Schweißverbindung ist resistent<br />
gegenüber Wurzeleinwuchs. Die Mechanismen des<br />
Wurzeleinwuchses beruhen nach neuen Erkenntnissen auch<br />
bei dichten Rohrverbindungen nicht auf dem Vorhandensein<br />
von Wasser in der Rohrleitung, sondern auf der im Bereich<br />
der Rohrbettung bevorzugten Wuchsrichtung der Wurzel.<br />
Die Sandbettung bietet dem Wurzelwachstum geringeren<br />
Widerstand als der gewachsene Boden. Dem Rohr folgend<br />
stößt der Trieb früher oder später auf eine Muffe. Bei<br />
Schweißverbindungen haben Wurzeln auch im Bereich der<br />
Verbindungsstelle keine weitere Wachstumsmöglichkeit und<br />
der Trieb geht aufgrund des Nährstoffmangels ein.<br />
Anschlüsse von Abflussleitungen werden homogen an den<br />
Sammler angeschlossen: Es ist keine Elastomerdichtung<br />
erforderlich, da das System nachweislich dicht gegen innere<br />
und äußere Drücke ist, die erwartete Nutzungsdauer ist<br />
gleich dem Rohr (Bild 3a und Bild 3b).<br />
Prüfung von Abwassersätteln auf Dichtheit bei<br />
Außenwasserdruck belastung, IKT-Prüfbericht<br />
Nr. P02609<br />
Abwassersysteme müssen grundsätzlich dicht sein. Sowohl<br />
Exfiltrationen von Abwasser als auch Infiltrationen von<br />
anstehendem Grundwasser, dem so genannten Fremdwasser,<br />
sind unzulässig. Fremdwasser reduziert durch Verdünnung<br />
und durch die Vergrößerung des Abflussvolumens<br />
die Reinigungsleistung von Abwasserreinigungsanlagen.<br />
Die Dichtheit gegenüber Außenwasserdruck ist daher von<br />
besonderer Bedeutung. Diese Forderung ist in den einschlägigen<br />
DIN-Normen, beispielsweise der DIN 4060 formuliert.<br />
Demnach müssen Verbindungen erdverlegter Kanäle, Leitungen<br />
und Schächte bei einem inneren und äußeren Druck<br />
von 0 bis 0,5 bar dauerhaft dicht sein.<br />
Bei einem Großversuch des IKT – Institut für unterirdische<br />
Infrastruktur in Gelsenkirchen – wurde dieser Nachweis, der<br />
in der Regel in der Praxis nicht durchgeführt wird, erbracht.<br />
Zunächst wurden vier Abwassersättel d 355/d 160 an einem<br />
PE-Kanalrohr d 355 montiert und danach mit Innendruck<br />
nach DIN 1610 positiv geprüft. Anschließend erfolgte die<br />
Überschüttung bis zu einer Höhe von 5,5 m.<br />
Ein Jahr später wurde das Versuchsbecken geflutet, um das<br />
anstehende Grundwasser zu simulieren. Der daraus resultierende<br />
Außendruck von 0,55 bar an den Verbindungsstellen<br />
wurde über 120 Stunden aufrechterhalten. Nach Ablauf der<br />
Prüfungszeit konnte kein eindringendes Wasser beobachtet<br />
werden. Damit wurde die Dichtheit des Systems bestätigt.<br />
Anbindung der Hausanschlussleitung<br />
Abwassersattel mit Abgang d 160, Anschluss an<br />
PE-Rohre<br />
Der Abwassersattel ermöglicht den Anschluss der PE-Hausabflussleitung<br />
d 160 an den PE-Kanal in den Dimensionen<br />
d 200 bis d 630. Die Verbindung erfolgt jeweils für Sattel<br />
und Hausabfluss - im Heizwendelschweißverfahren.<br />
Ein Trennen der Rohrleitung für die Einbindung von<br />
Anschlüssen ist nicht mehr erforderlich. Vor allem bei den<br />
sogenannten „Close-Fit“-Sanierungsverfahren, z. B. Compact<br />
Pipe, U-Liner oder Swage-Lining ist das ein essentieller<br />
Vorteil, da Rohrverbindungen besonders anspruchsvoll sind.<br />
Die Verarbeitung erfolgt mit dem speziell entwickelten Aufspann-<br />
und Anbohrgerät FWFIT. Der Abwassersattel wird auf<br />
das Rohr aufgespannt, dann geschweißt und anschließend<br />
wird der Durchgang zum Rohr ausgefräst (Bild 4). Das ausgefräste<br />
Rohrstück wird dabei vom Aufspann- und Anbohrgerät<br />
FWFIT festgehalten und mit dem Gerät entnommen.<br />
Es entsteht ein sohlengleicher Abfluss, innen glatt und<br />
ohne Abflusshindernisse, wie der Schnitt durch die Bauteilkombination<br />
(Bild 5) zeigt. Danach wird die Hausanschlussleitung<br />
mit dem Abwassersattel verbunden. Hierfür<br />
stehen spezielle Bogenformstücke zur Verfügung, die aufgrund<br />
ihrer hellen Farbe eine durchgehende Auswertung<br />
bei der Inspektion durch eine Kamerabefahrung ermöglichen<br />
(Bild 5 und Bild 6).<br />
Abwasser-Übergangssattel, Anschluss an PVC- und<br />
PP-Rohre<br />
Der Abwasser-Übergangssattel ermöglicht den direkten<br />
Übergang vom PE-HD-Hauptsammler zur Hausanschlussleitungen<br />
aus PVC/PP DN 150. Die Steckmuffe hat eine<br />
04-05 | 2014 141
FACHBERICHT HAUSANSCHLUSSTECHNIK<br />
Bild 4: Anbohrvorgang mit FWFIT<br />
Bild 5: Schnittmodell des Abwassersattels<br />
mit den Verbindungen Sattel-Rohr und<br />
Abgang-Hausanschluss<br />
Bild 6: Anschluss mit Abwassersattel und -bogen<br />
SBR-Lippendichtung und zur sicheren Führung des Rohres<br />
eine große Einstecktiefe (Bild 7).<br />
Sanierung: Anbindung an PE-Inlinern<br />
Bei den sogenannten Close-Fit-Verfahren legt sich ein PE-<br />
Inliner möglichst passgenau und spaltfrei an den bestehenden<br />
Querschnitt des Altrohres an. Damit weichen diese von<br />
den Standardaußendurchmessern ab. Durch die vorhandenen<br />
Schädigungen, meist Längsrisse und Abrasionen im<br />
Sohlbereich, können diese Ovalitäten aufweisen. Damit ist<br />
die geometrische Form weitgehend undefiniert.<br />
Zudem werden die bestehenden Hausanschlüsse vorab für<br />
den Notabfluss robotergesteuert geöffnet (Bild 8).<br />
Die Arbeitsräume sind in der Regel äußerst beengt.<br />
Unter Berücksichtigung all der genannten variablen Einflussgrößen<br />
wurde eine Sonderaufspanntechnik entwickelt,<br />
die intelligent auf diese wechselnden Erfordernisse und<br />
Gegebenheiten reagieren kann (Bild 9).<br />
Die bereits erstellte Öffnung wird dabei mittels Kippdübel<br />
zur Aufspannung genutzt. Mit einem innen liegenden Luftschlauch<br />
wird der Schmelzdruck optimal gesteuert. Durch<br />
die reihum angebrachten Adapterschrauben kann vor der<br />
Schweißung nochmals manuell justiert werden.<br />
Durch dieses eigens entwickelte ASATOP-Aufspanngerät<br />
können nun auch Abwassersättel auf Inlinern sicher und<br />
zuverlässig verarbeitet werden.<br />
Abwassersattel mit Abgang d 225<br />
Der neue Abwassersattel mit Abgang d 225 ermöglicht das<br />
nachträgliche Erstellen von großvolumigen Anschlussleitungen<br />
d 225/DN 200 ohne großen Zeitaufwand durch Sperren<br />
und Trennen des Hauptkanals von d 315 bis d 710 (Bild 10).<br />
Die zur Schweißung und zum Aufbau des Fügedruckes<br />
erforderliche Aufspannkraft des Sattels wird durch Vakuum<br />
aufgebracht. Die Fixierung des Sattels kann an jeder<br />
beliebigen Position auf dem Rohr erfolgen.<br />
Durch die speziell entwickelte Aufspanntechnik wird nur der<br />
Zugang zur überdeckten Sattelfläche benötigt. Hierzu sind<br />
nur ein baustellenüblicher Kompressor und das VACUSET XL<br />
erforderlich. Typische Ovalitäten und Formabweichungen<br />
des Rohres können durch diese Spanntechnik überbrückt<br />
werden.<br />
Bild 7: Übergangssattel ASA-TL/KG: Wenn schon nicht PE<br />
geschweißt, dann werden andere Kunststoffe eingesetzt,<br />
hier KG-Variante für den Übergang auf PP/PVC<br />
Bild 8: Freigelegter Inliner mit Notabfluss in<br />
Fensteröffnung<br />
Bild 9: Abwassersattel montiert mit<br />
kompaktem Aufspanngerät ASATOP<br />
142 04-05 | 2014
HAUSANSCHLUSSTECHNIK FACHBERICHT<br />
Bild 10: Mit VACUSET XL aufgespannter Abwassersattel<br />
d 225<br />
Bild 11a: Richtungswechsel mit<br />
Abwasserbogen ABM 15°<br />
Bild 11b: Anschluss-Stutzen mit Abgang vor der<br />
Bearbeitung<br />
Gerade bei Anbindungen an bestehende Leitungen wird<br />
die Bettung der Leitungszone dadurch nur im unbedingt<br />
notwendigen Ausmaß gestört. Die Anbohrung erfolgt<br />
absatzfrei mit einer an den Innendurchmesser des Abgangs<br />
angepassten Lochsäge. Ein hydraulisch optimierter Abfluss<br />
ist damit gewährleistet.<br />
Weitere Formteile für den Hausanschlussbereich<br />
Abwasserbögen<br />
Die Abwasserbögen ABM und ABMS d 160/DN 150 werden<br />
für Richtungswechsel in Schmutz- und Mischwasseranschlussleitungen<br />
eingesetzt (Bild 11a). Durch die Ausführung<br />
ABM (Muffe/Muffe) bzw. ABMS (Muffe/Rohrstutzen)<br />
und die Winkeleinteilungen 15°, 30° und 45° ist eine komfortable<br />
Leitungsführung möglich. Durch Mehrfachanwendung<br />
können z. B. auch Winkel 60º, 90º usw. erreicht werden.<br />
Gerade im beengten Hausanschlussbereich ermöglicht<br />
die kompakte Konstruktion eine zeitsparende Verlegung.<br />
Die Bögen weisen zur sicheren Abwasserableitung eine<br />
glatte, hydraulisch optimierte Innenkontur aus und bieten<br />
bei Verwendung von Rohren SDR 17/17,6 einen sohlengleichen<br />
Durchgang. Die helle Oberfläche ermöglicht optimale<br />
Sicht bei der TV-Inspektion.<br />
Anbindung an Steinzeug und Beton<br />
Der Anschluss-Stutzen d 160/DN 150 wird zur Anbindung<br />
von geschweißten PE-HD-Hausanschlussleitungen oder Seitenzuläufen<br />
an Steinzeug- oder Betonrohre eingesetzt und<br />
ermöglicht einen wirtschaftlichen Anschluss bei Neuverlegung<br />
wie auch Sanierung ohne Trennung oder komplette<br />
Freilegung des Hauptkanals (Bild 11b).<br />
Die Anbohrung des Steinzeug- bzw. Betonrohres wird mit<br />
üblichen Kernbohrgeräten, Bohrkrone mit standardisiertem<br />
Anbohrdurchmesser d = 172 mm durchgeführt.<br />
Die Montage erfolgt durch eine mechanische Aufspannung<br />
mit elastomerer Abdichtung. Mit einer Muffe oder einem<br />
Abwasserbogen wird der Stutzen direkt mit der Anschlussleitung<br />
geschweißt: dicht, längskraftschlüssig und wurzelfest.<br />
Mit der Anbindung von vorab geschweißten Rohretagen<br />
können Fremdleitungen zeitsparend überwunden werden.<br />
Fazit und Ausblick<br />
Seit nun fünf Jahrzehnten bewährt sich der Einsatz von Polyethylen<br />
im Rohrleitungsbau der druckführenden Systeme<br />
der Gas- und Wasserversorgung. Aufgrund der offensichtlichen<br />
Materialvorteile bei der Verlegung, im Betrieb und<br />
auch unter wirtschaftlichen Kriterien, werden seit über 20<br />
Jahren im Abwasserbereich geschweißte PE-Rohrsysteme<br />
mit sehr guten Erfahrungen eingesetzt.<br />
Besonders im Hausanschlussbereich bieten PE-Rohrsysteme<br />
intelligente Lösungen für die dringend geforderte Instandsetzung,<br />
vor allem aber für die zukünftige, nachhaltige<br />
Schadensvermeidung.<br />
Das Heizwendelschweißen ist gängige Praxis für die Verbindungstechnik,<br />
das Verfahren und die eingesetzten Bauteile<br />
haben sich auch unter den rauen Bedingungen des<br />
Kanaltiefbaus bewährt.<br />
Ein breites Formteilsortiment wurde über zwei Jahrzehnte<br />
hinweg entwickelt. Damit stehen dem Anwender Problemlösungen<br />
für nahezu alle in der Praxis vorkommenden<br />
Einbauanforderungen zu Verfügung. Dieser dynamische<br />
Prozess hält bis heute an. Die weitere Entwicklung bleibt<br />
spannend, die Praxisanforderungen verändern sich. Jedoch<br />
ist sicher, dass auch in Zukunft kluge, technische Lösungen<br />
gefragt sein werden.<br />
Dipl.-Ing. (FH) KAI BÜSSECKER<br />
FRIATEC AG, Mannheim<br />
Tel +49 621 486-1896<br />
E-Mail: kai.buessecker@friatec.de<br />
Halle B6, Stand 127/226<br />
AUTOR<br />
04-05 | 2014 143
FACHBERICHT HAUSANSCHLUSSTECHNIK<br />
Praxiserfahrungen beim Breitband-<br />
Hausanschluss unter Nutzung<br />
vorhandener Infrastruktur<br />
Der Ausbau des schnellen Internets wird in Deutschland immer mehr zu einem wichtigen Entscheidungsfaktor für die<br />
Attraktivität eines Wohngebiets oder Firmenstandorts. Dies ist ein weltweiter Trend: Die Verfügbarkeit modernster<br />
Kommunikationstechnik gewinnt für die Zukunft eines Wirtschaftsstandorts zunehmend an Bedeutung. So werden immer<br />
leistungsfähigere Telekommunikationsnetze für die Telefonie, Internetnutzung oder für HD-Fernsehen benötigt, um den<br />
Austausch der stetig wachsenden Datenmengen bewältigen zu können.<br />
Nachhaltig können steigende Anforderungen an leistungsfähige<br />
Telekommunikationsnetze nur mit Hilfe der Glasfasertechnologie<br />
realisiert werden. Der Ausbau von NGA-Netzen<br />
(Next-Generation-Access) ist bereits heute eine der zentralen<br />
gesellschaftlichen Aufgaben. Eine Aufgabe, der wir<br />
uns heute stellen müssen, um morgen nicht vom enormen<br />
Bedarf an Datentransportkapazität überrollt zu werden.<br />
Denn der Umfang dieser Aufgabe ist gewaltig.<br />
Der Breitbandausbau ist häufig bereits bis in Städte und<br />
Gemeinden vorangeschritten und bedient sich dann der<br />
bestehenden Telekommunikations-Infrastruktur. Diese<br />
Kapazität ist jedoch begrenzt und wird – auch mit neuen<br />
technischen Kniffen – schon bald an ihre Grenzen stoßen.<br />
Oft wurden im Zuge von Tiefbaumaßnahmen bereits zusätzliche<br />
Leerrohre, die zukünftig Glasfaserkabel aufnehmen<br />
sollen, mit eingebaut<br />
Der letzte Schritt zum Kunden, also die Anbindung des<br />
Glasfasernetzes an die privaten Haushalte (FTTH = Fiber to<br />
the Home), wird auch „letzte Meile“ genannt. Dabei wird<br />
bei der herkömmlichen Verlegung ein Leerrohr in offener<br />
Bauweise vom zentralen Verteiler in die Straße und zum<br />
Haus des Kunden gelegt. Durch das Leerrohr wird später die<br />
Glasfaser eingeblasen und in das Gebäude geführt. Allein<br />
für diese „letzte Meile“ fallen ca. 35 % der gesamten Ausbaukosten<br />
an. Wegen des hohen Investitionsbedarfs findet<br />
der Ausbau der Glasfaserhausanschlüsse nicht überall die<br />
erforderliche Verbreitung. Hohe Ausbaukosten führen zu<br />
einer geringen Akzeptanz bei potenziellen Investoren. Aus<br />
Kostengründen werden daher zu wenige Neuanschlüsse<br />
realisiert. Gleichzeitig müsste aber der Ausbau eines leistungsfähigen<br />
Glasfasernetzes vorangetrieben werden. Mit<br />
dem entstehenden Druck zum Handeln wächst auch der<br />
Druck für wirtschaftlichere Lösungen und damit für neue<br />
Ansätze. Einen Ansatz bietet die Nutzung der bereits bestehenden<br />
Infrastruktur in Form von Gas- oder Trinkwasser-<br />
Hausanschlussleitung (Bild 1 und Bild 2).<br />
Genau dies verfolgen erfahrene Praktiker, wie die Versorgungsbetriebe<br />
EWE Netz GmbH, Oldenburg, oder SWB<br />
Regional GmbH, Adenau. Die FRIATEC AG hat diese visionären<br />
Ansätze aufgenommen und hierfür eine praxisgerechte<br />
Lösung erarbeitet: Ein innenliegender, druckdicht in die<br />
Gas- oder Trinkwasser-Hausanschlussleitung eingebunde-<br />
Bild 1: Gashausanschlussleitung mit integriertem Bypass für<br />
das Breitbandkabel<br />
Bild 2: Trinkwasser-Hausanschlussleitung mit integriertem Bypass für<br />
das Breitbandkabel<br />
144 04-05 | 2014
HAUSANSCHLUSSTECHNIK FACHBERICHT<br />
Bild 3: Wasser-Hausanschluss vor der<br />
Leerrohr-Installation<br />
Bild 4: Vom Gebäude aus wird das Leerrohr in die<br />
Hausanschlussleitung eingefädelt<br />
Bild 5: Wasser-Hausanschluss mit<br />
Leerrohr nach Wiederinbetriebnahme<br />
ner Bypass der zur Aufnahme von Glasfaserkabeln dient.<br />
Für die Einbindung dieses Innenrohrs wurde ein speziell<br />
abgestimmtes FRIANET Leerrohr-Anschlussset entwickelt.<br />
Die Vorteile dieser Technik liegen auf der Hand:<br />
»»<br />
stark reduzierte Kosten für Tiefbauarbeiten<br />
»»<br />
deutliche Zeitersparnis gegenüber der offenen<br />
Verlegung<br />
»»<br />
geringe Beeinflussung des vorhandenen Kundengrundstücks<br />
und der bestehenden Oberflächen.<br />
Bei besonderen Praxiseinsätzen konnte das Verfahren seine<br />
Vorteile und Wirtschaftlichkeit unter Beweis stellen.<br />
Praxisfall 1: Glas in Wasser<br />
Bei einer Installation in Puurs (Belgien) in der Nähe von<br />
Antwerpen wurde ein Firmengebäude durch Nutzung der<br />
Trinkwasser-Hausanschlussleitung, d 90, PE 100, SDR 11 in<br />
kürzester Zeit an ein leistungsfähiges Glasfasernetz angeschlossen.<br />
Dabei konnte ohne nennenswerte Tiefbauarbeiten<br />
eine Rohrleitungslänge von ca. 40 m inklusiv zweier<br />
90°-Abwinklungen überwunden werden. Das Leerrohr<br />
d 7 x 1,5 mm wurde dabei vom Anschlussraum aus mittels<br />
Unterdruck in die Hausanschlussleitung eingezogen (Bild 4).<br />
Danach wurde mit dem FRIANET-Leerrohr-Anschlussset<br />
Wasser das Leerrohr d 7 x 1,5 mm mit der bewährten Heizwendelschweißtechnik<br />
homogen, dauerhaft und druckdicht<br />
in die Hausanschlussleitung eingebunden.<br />
Bei der Installation des FRIANET Leerrohr-Anschlusssets<br />
kann auf die jeweilige Anschlusssituation vor Ort individuell<br />
eingegangen werden. Durch das umfangreiche FRIALEN-<br />
Lieferprogramm an Formteilen können alle Einbauvarianten<br />
nahezu ohne Beeinträchtigungen der Hausanschlusssituation<br />
bewältigt werden.<br />
Nach Ablauf der Abkühlzeit für die Heizwendelformteile<br />
wurde durch das Leerrohr d 7 x 1,5 mm das Glasfaserkabel<br />
vom Kopfloch aus in das Gebäude geblasen.<br />
Die Anbindung des Gebäudes an ein leistungsfähiges Glasfasernetz<br />
konnte nach ca. drei Stunden mit Erfolg beendet<br />
werden (Bilder 3-8).<br />
Bild 6: Kopfloch mit Einbindungsstelle des<br />
Leerrohrs an der Trinkwasserleitung<br />
Bild 7: Verbinden des Leerrohrs mit Anschlussleitung<br />
für Glasfaser<br />
Bild 8: Einblasen der Glasfaser<br />
04-05 | 2014 145
FACHBERICHT HAUSANSCHLUSSTECHNIK<br />
Bild 9: Einrichten des Kopflochs, keine Beeinträchtigung des<br />
Werksverkehrs<br />
Bild 10: Einbringen des Leerrohrs in die Hausanschlussleitung<br />
Die Trinkwasserqualität nach Einbau wurde exemplarisch<br />
durch Prof. Dr. Exner, Hygieneinstitut der Universität Bonn,<br />
untersucht [1]. Bei Einhaltung der hygienischen Anforderungen<br />
waren keine negativen Auswirkungen auf die Trinkwasserqualität<br />
feststellbar. Auch bei dieser Maßnahme wurde<br />
während der Verlegung besonders auf Hygiene geachtet.<br />
Nach dem Einbau wurden Wasserproben entnommen<br />
und im Labor untersucht. Die Proben waren ohne Befund<br />
und bestätigen die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse des<br />
Hygieneinstituts.<br />
Praxisfall 2: Glas in Gas<br />
Bei einer Sonder-Verlegung in Langenfeld, Nordrhein-<br />
Westfalen wurde die Anbindung eines Industriekomplexes<br />
an das Glasfasernetz durch eine bestehende Gas-<br />
Hausanschlussleitung, d 63, PE 100, SDR 11 realisiert<br />
(Bilder 9-12). Dabei wurden insgesamt drei unterschiedliche<br />
Anschlüsse über Anschlussleitungslängen von 18,<br />
46 und 90 m hergestellt.<br />
Das Leerrohr d 16 x 3,0 mm konnte dabei ohne Hilfsmittel<br />
manuell auch über die größeren Leitungslängen in die<br />
Anschlussleitung geschoben werden (Bild 10) .<br />
Da nach den Technischen Regeln des DVGW ein Zugang<br />
der Kunststoff-Gasleitung zum Haus nicht zulässig ist,<br />
muss das Leerrohr d 16 x 3,0 mm über eine separate<br />
Hauseinführung in das Gebäude eingeführt werden.<br />
Daher ist ein zweites Kopfloch erforderlich, um das Leerrohr<br />
aus der Hausanschlussleitung wieder auszuschleusen.<br />
Sowohl das Einbringen des Leerrohres (Bild 11) als<br />
auch das Ausschleusen aus der Hausanschlussleitung<br />
(Bild 12) erfolgt mit dem FRIANET-Leerrohr-Anschlussset<br />
Gas.<br />
Bild 11: Kopfloch 1: Einbringen des Leerrohrs in die<br />
Hausanschlussleitung<br />
Bild 12: Kopfloch 2: Vor der Gas-Hauseinführung: Ausschleusen<br />
des Leerrohrs aus der Hausanschlussleitung<br />
146 04-05 | 2014
HAUSANSCHLUSSTECHNIK PROJEKT KURZ BELEUCHTET<br />
Das Leerrohr d 16 x 3,0 mm wird mit der bewährten Heizwendelschweißtechnik<br />
homogen und dauerhaft gasdicht<br />
in die Anschlussleitung eingebunden. Nach Ablauf der<br />
Abkühlzeit für die Heizwendelformteile kann das Glasfaserkabel<br />
in das Leerrohr eingeblasen werden.<br />
Fazit<br />
Diese beiden Praxisbeispiele für Leerrohrverlegungen in<br />
eine Trinkwasser- bzw. Gashausanschlussleitung verdeutlichen<br />
das Potential dieser Methode für den flächendeckenden<br />
Breitbandausbau:<br />
»»<br />
Reduzierung der Anschlusskosten um bis zu 90 %.<br />
»»<br />
Der eigentliche Leerrohr-Anschluss erfordert weniger<br />
als eine Stunde.<br />
»»<br />
Die Oberflächen, Firmenzufahrten, Werksverkehrswege<br />
oder private Gartenflächen bleiben praktisch<br />
unberührt.<br />
Endlich kann es gelingen, Glasfaseranschlüsse auch wirtschaftlich<br />
attraktiv anzubieten und damit den dringenden<br />
flächendeckenden Breitbandausbau für Nutzer aus<br />
Industrie, Gewerbe, für Dienstleister oder im privaten<br />
Bereich zu forcieren. Mehr Informationen finden Sie unter<br />
www.frialen.de<br />
Literatur<br />
[1] Prof. Dr. M. Exner; Dr. K. Behringer: Bericht „Hygienischmikrobiologische<br />
Untersuchungen zum Einfluss des<br />
Wasserfasersystems (WFS) auf die Wasserqualität einer<br />
Trinkwasserversorgung“, 2012. Institut für Hygiene und<br />
Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn.<br />
Dipl. - Ing. (FH) RALF SCHRÖDER<br />
Produktmanagement<br />
FRIATEC Aktiengesellschaft, Mannheim<br />
Tel. +49 621 486-1712<br />
E-Mail: ralf.schroeder@friatec.de<br />
Halle B6, Stand 127/226<br />
AUTOR<br />
Flachbohrungen für den Glasfaserausbau<br />
Mit der kompakt gebauten und wendigen Kleinbohranlage GRUNDODRILL 4X lassen sich Flachbohrungen für den<br />
Glasfaserausbau einfach und sicher ausführen. Dabei entfallen aufwändige Tiefbauarbeiten und die Kosten für die<br />
Baugruben werden reduziert. Das Bohrgerät ist rasch ausgerichtet und kann sofort starten, die Bohrlängen liegen<br />
zwischen 30 m und 120 m.<br />
Im münsterländischen Ahaus und Umgebung werden für<br />
das Glasfaserkabelnetz der Bornet GmbH Borken insgesamt<br />
60 km Glasfaserkabel verlegt. Knapp die Hälfte der Kabelstrecke<br />
(ca. 30 km) ist bereits verlegt und befindet sich im<br />
Boden. Mit der Verlegung der restlichen Glasfaserkabel<br />
soll erst begonnen werden, wenn mindestens 40 % der<br />
Hauseigentümer den Auftrag für den Anschluss erteilen.<br />
Da die Kabeltrasse also bereits vollständig gebaut wurde,<br />
erfolgt die Verlegung konsequent in grabenloser Bauweise.<br />
Von dieser Technik profitieren in dem Fall alle Beteiligten:<br />
die Versorger, die mit Planungssicherheit arbeiten können;<br />
die Arbeitstrupps, die effizient und zeitsparend arbeiten<br />
können; und die Hauseigentümer, die nur mit relativ kleinen<br />
Baustellen belastet werden. Es lohnt sich also, auf die<br />
Vorteile der grabenlosen Bauweise hinzuweisen.<br />
Das Glasfasernetz in Ahaus basiert auf Schutzrohren von<br />
DN 50 bzw. DN 40, die mit neun bzw. sieben Microducts<br />
à 10 mm Durchmesser belegt sind und in denen die Glasfaserkabel<br />
installiert werden. Die Trasse verläuft im Gehweg,<br />
direkt unterhalb des Schotterbettes und damit 35 bis 40 cm<br />
unter Straßenoberkante.<br />
Bild 1: GRUNDODRILL 4X bei der Pilotbohrung<br />
04-05 | 2014 147
Bild 2: Die Trasse verläuft im Gehweg direkt unterhalb<br />
des Schotterbettes<br />
Mit der kompakt gebauten und wendigen Kleinbohranlage<br />
GRUNDODRILL 4X, die in Ahaus im Einsatz ist, lassen<br />
sich diese Flachbohrungen einfach und sicher ausführen.<br />
Bei Flachbohrungen entfallen aufwändige Tiefbauarbeiten<br />
und die Kosten für die Baugruben werden reduziert. Das<br />
Bohrgerät ist rasch ausgerichtet und kann sofort starten.<br />
Die Bohrlängen liegen zwischen 30 m und 120 m. Am Ziel<br />
wird der Bohrkopf durch einen Aufweitkopf ersetzt und das<br />
Rohr mit einem Ziehstrumpf eingezogen. Die kleinen Startoder<br />
Zielgruben sind so geplant, dass sie gleichzeitig als<br />
Grube für einen Hausanschluss genutzt werden können. Der<br />
Hausanschluss selbst wird mit Erdraketen hergestellt. Damit<br />
ist die grabenlose Verlegung weitgehend sichergestellt.<br />
Die Firmen Kemper aus Reken und Eggert aus Heek arbeiten<br />
mit mehreren Bohrtrupps als Subunternehmer für<br />
die Firma Heming, Stadtlohn. Beide Firmen setzen den<br />
GRUNDODRILL 4X mit Erfolg ein. Erfolg definieren sie über<br />
hohe Tagesleistungen.<br />
Bild 3: Neun Pipes finden Platz im Schutzrohr. Später wird<br />
noch das Glasfaserkabel eingeblasen.<br />
Winfried Leusbrock, Geschäftsführer der Firma Eggert<br />
GmbH ergänzt: „Der Grundodrill 4X ist schnell einsetzbar<br />
und nimmt im Straßenraum wenig Platz ein. Außerdem sind<br />
die geringen Betriebskosten und der geringe Bohrspülungsverbrauch<br />
ein großer Vorteil. Auch wenn das Gestänge händig<br />
eingelegt werden muss, arbeiten die Bediener gerne mit<br />
diesem Bohrgerät. Deshalb haben wir eine zweite Anlage<br />
geordert.“ Die Methode der grabenlosen Bauweise und die<br />
dazugehörigen Geräte scheinen sich also bezahlt gemacht<br />
zu haben. So stellt Leusbrock optimistisch fest, dass die<br />
Auslastung der Bohranlagen, darunter eine GRUNDODRILL<br />
15 XP, bis weit in das laufende Jahr gewährleistet ist.<br />
KONTAKT: TRACTO-TECHNIK GmbH & Co.KG, Lennestadt<br />
Tel. +49 2723 808210<br />
E-Mail: guenter.naujoks@tracto-technik.de<br />
Halle B5, Stand 135<br />
Experten diskutieren Fragen zur<br />
Instandhaltung von GEA<br />
Ein Kreis von Experten traf sich erstmals im November 2013, um über zentrale Fragen der Instandhaltung von<br />
Grundstücksentwässerungsanlagen zu diskutieren. Der Expertenkreis GEA ist sich u. a. darüber einig, dass nicht nur<br />
aus der Beratungsverpflichtung enorme Aufgaben auf die Kommunen zukommen, die zielgerichtet auszugestalten und<br />
umzusetzen sind. In diesem Beitrag wird das Umsetzungskonzept der Stadt Lünen vor dem Hintergrund des rechtlichen<br />
Rahmens der neuen Selbstüberwachungsverordnung Abwasser (SüwVO Abwasser NRW) vorgestellt.<br />
Überwachungsfristen in NRW<br />
Aus der neuen Gesetzes- und Verordnungslage in NRW zur<br />
Überprüfung der Zustands- und Funktionsfähigkeit privater<br />
Abwasserleitungen haben sich neue Anforderungen<br />
ergeben. Danach sind Abwasserleitungen industriell und<br />
gewerblich genutzter Grundstücke in Wasserschutzgebieten<br />
bis zum 31. Dezember 2015 erstmalig auf Zustand und<br />
Funktion zu prüfen, soweit die Leitungen vor 1990 errichtet<br />
worden sind. Außerhalb von Wasserschutzgebieten gilt der<br />
31. Dezember 2020 als spätester Prüftermin.<br />
Auch Eigentümer bebauter Grundstücke sind betroffen. Die<br />
neuen Regelungen verpflichten Grundstückseigentümer<br />
in Wasserschutzgebieten dazu, ihre Abwasseranlagen bis<br />
Ende 2020 erstmals prüfen zu lassen, soweit nur häusliches<br />
Abwasser abgeleitet wird und diese Anlagen nach 1965<br />
errichtet worden sind. Ältere Abwasserleitungen sind erstmalig<br />
bis zum 31. Dezember 2015 zu prüfen. Für außerhalb<br />
von Wasserschutzgebieten gelegene private Abwasserleitungen<br />
werden keine landesrechtlichen Prüftermine mehr<br />
vorgegeben, jedoch bleibt die Pflicht zur Überwachung auch<br />
148 04-05 | 2014
HAUSANSCHLUSSTECHNIK PROJEKT KURZ BELEUCHTET<br />
dieser privaten Abwasserleitungen bestehen. Hier hat der<br />
Grundstückseigentümer insbesondere die Vorgaben der DIN<br />
1986-30 zu beachten. Für diese Fälle können die Kommunen<br />
per Satzung entsprechende Regelungen beschließen.<br />
Hervorzuheben ist weiter, dass Kommunen Kraft der neuen<br />
Verordnung künftig zur Beratung der Eigentümer bebauter<br />
Grundstücke verpflichtet sind. Aktuell arbeiten viele Kommunen,<br />
vor allem in NRW, an Handlungskonzepten, die in<br />
politischen Gremien abzustimmen sind. Im Folgenden wird<br />
exemplarisch das Konzept der Stadt Lünen vorgestellt.<br />
Umsetzungsbeispiel Stadt Lünen<br />
Zentrales Element für das Lünener Konzept ist der Umgang<br />
mit privaten Grundstücksanschlussleitungen im öffentlichen<br />
Raum. Auf Basis des § 53c LWG, NRW wird im ersten Schritt<br />
eine Teilprüfung der Grundstücksanschlussleitungen im öffentlichen<br />
Verkehrsraum gebührenfinanziert durchgeführt. Der<br />
SAL-Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung Lünen AöR führt dazu<br />
aus: „Jeder Grundstückseigentümer wird über das Ergebnis<br />
dieser Teilprüfung informiert. Die öffentlichen und privaten<br />
Leitungen bewerten wir einheitlich, setzen aber unterschiedliche<br />
Schwerpunkte. Bei Schadensfreiheit einer Grundstücksanschlussleitung<br />
gehen wir aufgrund unserer praktischen<br />
Erfahrungen von einer Schadensfreiheit der gesamten privaten<br />
Entwässerungsanlage aus. Im Vorfeld informieren wir die<br />
Bürger über unser Vorgehen. Sie können die Zustandsprüfung<br />
mitverfolgen und bei einem Schadensbefund der Anschlussleitung<br />
die weiteren Leitungsbereiche auf dem Grundstück im<br />
Rahmen einer privaten Beauftragung mitbefahren lassen. Das<br />
ist nicht nur praktischer, sondern auch kostengünstiger als eine<br />
separate private Beauftragung, da der öffentliche Kanalnetz-<br />
Betreiber beteiligt ist und dies Sicherheit gibt.<br />
Die konkrete Bewertung wird anhand eines dreistufigen Aussiebverfahrens<br />
durchgeführt. Die Grundstücksentwässerungsanlagen<br />
werden vorher in verschiedene Schadensgruppen<br />
eingeteilt (hoch, mittel oder gering). Nur Anlagen mit gravierenden<br />
Schäden müssen umgehend saniert werden (der<br />
gegenwärtige Erfahrungswert liegt hier bei rund 17 % der<br />
geprüften Grundstücke). In Stufe 2 erfolgt eine individuelle<br />
Risikoermittlung nach Sanierungsklassen. Die örtliche und die<br />
hydraulische Situation, die Lage der Abwasserleitungen im Verkehrsraum<br />
sowie örtliche Probleme im öffentlichen Kanalnetz<br />
werden berücksichtigt. Nach dem Ampelprinzip erhält jedes<br />
Grundstück eine Sanierungsklasse. In Stufe 3 werden die Sanierungsnotwendigkeit<br />
beurteilt und Fristen zur Sanierung festgelegt:<br />
Dabei bedeutet Grün, dass keine Sanierung erforderlich<br />
ist. Bei Gelb werden eine Sanierung und eine entsprechende<br />
Frist als Empfehlung ausgesprochen. Bei Rot liegen schwere<br />
Schäden vor, die eine Sanierung innerhalb einer Fristvorgabe<br />
erfordern. Für eine dringend erforderliche Sanierung sprechen<br />
Indikatoren, wie etwa permanenter Fremdwasserfluss oder<br />
Rattenbefall. Nicht zu sanierende Grundstücksentwässerungsanlagen<br />
werden bei Widerholungsprüfung neu bewertet.<br />
Die hochwertige individualisierte Beratung ist eine gesetzlich<br />
verankerte Pflicht der Kommunen (§ 53, 1e LWG, §§ 60 und<br />
61 WHG). Sie ist innerhalb der Verwendung der Abwassergebühren<br />
als inkludierter Kostenpunkt vorgesehen (§ 53c LWG).<br />
Vorgehensweise der Stadt Lünen beim Thema „Instandhaltung von<br />
Grundstücksentwässerungsanlagen“<br />
In Lünen setzt man deshalb auf „Mündigkeit statt Zwang“<br />
/ Verbraucherschutz und somit zentral auf eine fundierte,<br />
zielgruppengerechte und individuelle Beratung.<br />
Die neuen Gesetze zur privaten Grundstücksentwässerung<br />
stellen Bürger nicht länger unter Generalverdacht, legen erstmals<br />
Regeln der Technik fest und räumen den Kommunen<br />
mehr Mitbestimmungsrechte ein. Daraus ergibt sich für den<br />
Einzelfall die Möglichkeit, auf spezifische örtliche Randbedingungen<br />
besser einzugehen. Die Mitarbeiter der SAL freuen<br />
sich über diese Entwicklung: „Wir haben unser Beratungssystem<br />
vor dem Hintergrund der Gesetzesnovellierung noch<br />
weiter verfeinert. Die Grundstücksanschlussleitung dient uns<br />
dabei als Kontaktleitung zwischen Kommune und Grundstückseigentümer.“<br />
Es wird deutlich, dass der SAL-Stadtbetrieb<br />
Abwasserbeseitigung Lünen AöR ein rundum positives Fazit<br />
aus den Umsetzungsmöglichkeiten der neuen gesetzlichen<br />
Anforderungen zieht.<br />
Zum Expertenkreis GEA-Gipfel gehören aktuell:<br />
»»<br />
Dipl.-Ing. Dirk Bellinghausen, Güteschutz Grundstücksentwässerung,<br />
Hennef<br />
»»<br />
Dipl.-Ing. Mario Brenner, Ingenieurbüro Brenner,<br />
Hennef<br />
»»<br />
Dipl.-Ing. Claus Externbrink, SAL-Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung<br />
Lünen AöR, Lünen<br />
»»<br />
Dr.-Ing. Marco Künster, Güteschutz Kanalbau, Bad<br />
Honnef<br />
»»<br />
Gerhard Treutlein, VDRK - Verband der Rohr- und<br />
Kanal-Technik-Unternehmen e.V., Kassel<br />
»»<br />
Dr.-Ing. Michael Scheffler, Sachverständigen- und<br />
Ingenieurbüro für Gebäude- und Grundstücksentwässerung,<br />
Kassel<br />
»»<br />
Dipl.-Ing. Marco Schlüter, IKT - Institut für Unterirdische<br />
Infrastruktur, Gelsenkirchen<br />
»»<br />
Dipl.-Volkswirt Horst Zech, RSV-Rohrleitungssanierungsverband,<br />
Lingen (Ems)<br />
KONTAKT: RSV - Rohrleitungssanierungsverband e.V., Lingen (Ems)<br />
Tel. +49 5963 9810877, E-Mail: rsv-ev@t-online.de, www.rsv-ev.de<br />
Halle B5, Stand 135<br />
Quelle: SAL - Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung Lünen AöR<br />
04-05 | 2014 149
FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ<br />
Offizielle Verlautbarung<br />
des TK Außenkorrosion<br />
Werkstoffbezogene Begriffe der<br />
Instandhaltung und ihre Bedeutung<br />
für die Planung von Rohrleitungen<br />
Die Veröffentlichung von Regelwerken der jüngeren Vergangenheit zeigt speziell in der aktuellen Fragestellung der<br />
Instandhaltungsplanung von Rohrleitungsnetzen eine nicht zu unterschätzende Begriffsverwirrung, die sowohl dem<br />
Hersteller als auch dem Anwender Probleme bereiten und gegebenenfalls die Sinnhaftigkeit der dort verankerten<br />
Verfahrensweisen in Frage stellt. Dieser Fachbeitrag soll solche Unstimmigkeiten verdeutlichen und damit Hilfestellung<br />
für eine später vorgesehene Revision dieser Regelwerke bieten.<br />
Einleitung<br />
Der Wandel von einer ausfallorientierten bzw. korrektiven<br />
zu einer präventiven oder gar zustandsorientierten Form<br />
der Instandhaltung bedeutet für den Betreiber von Leitungen<br />
und Leitungsnetzen eine nicht zu unterschätzende<br />
Herausforderung. Während im Falle kathodisch geschützter<br />
Leitungen mit Hilfe der Messdaten eine Instandhaltungsplanung<br />
realisiert werden kann, sind im Falle nicht kathodisch<br />
geschützter Rohrleitungen aussagekräftige Zustands- und<br />
Schadensdaten erforderlich, um auf statistischer Basis eine<br />
Instandhaltungsplanung umzusetzen.<br />
Im Rahmen der Instandhaltungsplanung von Leitungsnetzen<br />
wird das Nutzungsverhalten von Bauteilen und Werkstoffen<br />
im DVGW-Merkblatt G 403 bzw. dem DVGW-Arbeitsblatt<br />
W 403 sowie den dazugehörenden Regelwerken zur Erfassung<br />
der erforderlichen Daten, den DVGW-Arbeitsblättern<br />
G 402 und W 402 behandelt [1], [2], [3], [4]. Während sich<br />
bei kathodisch geschützten Leitungen der Handlungsbedarf<br />
für Instandsetzungsmaßnahmen weitgehend direkt aus<br />
Messergebnissen ableiten lässt, ist die Maßnahmenplanung<br />
bei nicht kathodisch geschützter Leitungen derzeit<br />
auf die Auswertung von Schadenstatistiken angewiesen. Zur<br />
Beschreibung des Nutzungsverhaltens im Sinne der Arbeitsblätter<br />
G 402 und W 402 müssen bei nicht kathodisch<br />
geschützten Leitungen in den Schadenstatistiken nicht nur<br />
die jeweilige Bauteilausführungen Berücksichtigung finden.<br />
In den Schadenstatistiken muss darüber hinaus auch das<br />
Bauteilversagen auf die jeweilige Nutzungsdauer bezogen<br />
sein. In Abhängigkeit von Schadensrate und Nutzungsdauer<br />
ergibt sich dann eine empirische Funktion, die das<br />
Nutzungsverhalten beschreibt. Im Zusammenhang mit einer<br />
Instandhaltungsplanung sind dabei nicht nur Begrifflichkeiten<br />
wie Betriebsfähigkeit, Lebensdauer und Nutzungsdauer<br />
sondern auch Begriffe wie Beschädigung, Schaden oder das<br />
Versagen des Bauteils gegeneinander abzugrenzen.<br />
Begrifflichkeiten der Instandhaltungsplanung<br />
Betriebsfähigkeit<br />
Unter der Betriebsfähigkeit ist die Zeit zu verstehen, in der<br />
ein Bauteil oder ein Werkstoff die für eine Anwendung<br />
erforderlichen Leistungsmerkmale bietet und im Rahmen<br />
Bild 1 und 2: Baggerzahnangriff an einer polyethylenumhüllten Gasleitung aus Stahl und einer Polyethylenleitung<br />
150 04-05 | 2014
KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT<br />
Bild 3: Riss eines versprödeten PE-Rohres unter Punktlagerung<br />
Bild 4: Spongiose bei einem<br />
Graugussrohr<br />
seiner Auslegung betrieben werden kann. Anorganische<br />
Werkstoffe wie Guss, Stahl, Beton, Asbestzement oder<br />
Steinzeug haben unter der überwiegend ruhenden Beanspruchung<br />
einer erdverlegten Rohrleitung eine unendliche<br />
Betriebsfähigkeit. Aus diesem Grunde sind in den technischen<br />
Lieferbedingungen für diesen Anwendungsbereich<br />
auch keine Zeitstanduntersuchungen vorgesehen.<br />
Die mechanischen Eigenschaften bleiben unverändert.<br />
Bei Rohren aus organischen Werkstoffen wie beispielsweise<br />
Polyethylen wird die Betriebsfähigkeit nach DIN 8075<br />
ermittelt [5]. Dabei ist zu berücksichtigen, dass diese<br />
Betriebsfähigkeit nicht wie bei anorganischen Werkstoffen<br />
die Gesamtheit der mechanischen Eigenschaften umfasst,<br />
sondern auf den Festigkeitsaspekt eingeschränkt ist (siehe<br />
Erläuterungen [5]).<br />
Zur Betriebsfähigkeit eines Bauteils können dementsprechend<br />
von einem Hersteller oder Prüfinstitut Angaben zur<br />
Verfügung gestellt werden. Für Wasserverteilungsanlagen<br />
wird laut DIN EN 805 eine planerische Nutzungsdauer<br />
von mindestens 50 Jahren angesetzt, eine Forderung die<br />
letztlich nur durch den Einsatz von Bauteilen erfüllt werden<br />
kann, die mindestens über eine ebenso große Betriebsfähigkeit<br />
verfügen [6].<br />
Lebensdauer<br />
Im Gegensatz zur Betriebsfähigkeit wird die Lebensdauer<br />
von Bauteilen begrenzt durch Faktoren wie produktionsbedingte<br />
Materialunterschiede, die Sorgfalt einer Verlegung,<br />
die Betriebs- bzw. Umgebungsbedingungen eines Bauteils<br />
und im Falle der Rohrleitungen auch durch äußere Beanspruchungen<br />
und Fremdeinwirkungen (Bild 1 und Bild 2). Damit<br />
sind sicher nicht einzelne Ereignisse wie z. B. der einzelne<br />
Baggerschaden entscheidend. Hier geht es letztlich um die<br />
Häufigkeit von Schäden, die sich aus den Schadenstatistiken<br />
ableiten lässt.<br />
Im Falle der Rohrleitungen gilt, dass ein Bauteilschaden<br />
unabhängig vom Werkstoff maßgeblich auf eine Kombination<br />
von Korrosion bzw. Alterung und äußeren Einwirkungen<br />
zurückzuführen ist. Bei einigen Werkstoffen ist lediglich<br />
eine Umkehrung der Kausalität zu berücksichtigen. Während<br />
beispielsweise beim korrosionsgeschützten umhüllten<br />
Stahlrohr ein Korrosionsschaden üblicherweise das Ergebnis<br />
einer äußeren Einwirkung und damit einer Beschädigung der<br />
Umhüllung ist, wird bei Werkstoffen wie Polyethylen und<br />
PVC die, aufgrund der geringen Festigkeit ohnehin schon<br />
größere Empfindlichkeit gegenüber äußeren Einwirkungen,<br />
im Falle einer Werkstoffversprödung noch verstärkt. Das<br />
spröde Werkstoffverhalten ergibt sich im Laufe der Zeit<br />
durch Korrosion oder Alterung des Werkstoffes (Bild 3).<br />
Der Zeitraum bis zur Versprödung des Materials ist dabei<br />
nicht mit der auf die Festigkeit bezogene Betriebsfähigkeit<br />
des Materials zu verwechseln (s. o.). Schaut man sich dazu<br />
beispielsweise die Zeitstandsinnendruckkurven der ersten<br />
Kunststoffrohrgeneration an, wird klar, dass diese mit Blick<br />
auf eine durch Extrapolation ermittelte Betriebsfähigkeit von<br />
50 Jahren bis in den Sprödbruchbereich hinein kalkuliert ist;<br />
vergleiche z. B. Bild 1 in [7] mit Bild 4 in [8].<br />
Ähnliches gilt prinzipiell für den Grauguss. Die Bruchanfälligkeit<br />
kann im Laufe der Zeit durch die Spongiose<br />
zunehmen (Bild 4). Die Spongiose ist eine Schadensform<br />
bei der Eisen aus dem Werkstoffgefüge herausgelöst wird.<br />
Aufgrund des hohen Kohlenstoffgehaltes im Grauguss<br />
verbleibt ein praktisch formgleiches Grafitgefüge ohne<br />
die erforderlichen Materialfestigkeiten. Diese zumeist<br />
muldenförmige Werkstoffschädigung hat im Falle von<br />
Setzungen, Punkt- oder dynamischen Lasten eine entsprechende<br />
Kerbwirkung und begünstigt den Bruch des<br />
Materials. Auch im Falle der Bauteile aus Faserzement<br />
nimmt die Bruchanfälligkeit zu, wenn im sauren Boden<br />
die Mörtelmatrix zersetzt wird.<br />
04-05 | 2014 151
FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ<br />
Bild 5: Zusammenhang der Begrifflichkeiten zum Nutzungsverhalten und der Instandhaltungsplanung<br />
die mittleren Instandsetzungskosten die<br />
Reinvestitionskosten übersteigen . Diese<br />
angestrebte Nutzungsdauer sollte dem<br />
optimalen Ersatz- bzw. Rehabilitationszeitpunkt<br />
entsprechen, sofern nicht<br />
andere betriebsbedingte Gründe die<br />
Nutzungsdauer einschränken oder ggf.<br />
auch ausweiten. Solche betriebsbedingten<br />
Gründe liegen vor, wenn beispielsweise<br />
im Zuge einer Straßenerneuerung<br />
Leitungen vorzeitig ausgetauscht oder<br />
aber im Falle eines hohen Verkehrsaufkommens<br />
der Austausch von Leitungen<br />
unzumutbar ist und damit ein größeres<br />
Ausfallrisiko und gegebenfalls höhere<br />
Instandhaltungskosten in Kauf genommen<br />
werden.<br />
Aufgrund der vielfältigen Einflussgrößen<br />
während des Betriebs sind die<br />
Lebensdauer und insbesondere das<br />
Nutzungsverhalten von Bauteilen oder<br />
Bauteilkomponenten nur durch eine<br />
systematische Zustands- und Schadenserfassung<br />
durch den Anwender<br />
zu ermitteln. Lebens- oder Nutzungsdauervorhersagen<br />
oder gar -zusagen<br />
können angesichts einer Vielzahl<br />
relevanter Faktoren keinesfalls durch<br />
Hersteller oder Prüfinstitute getroffen<br />
werden.<br />
Äußere Einwirkungen, aber auch Betriebszustände oder<br />
Umgebungsbedingungen sind keineswegs über den Trassenverlauf<br />
einer Leitung als homogen zu bezeichnen. Schäden<br />
an einer Leitung oder einem Leitungsnetz sind zwangsläufig<br />
erst einmal lokale Erscheinungen, deren Häufigkeit letztlich<br />
als einer der wesentlichen Einflussgrößen für die Bewertung<br />
einer Nutzungsdauer anzusehen ist. Hier können sich<br />
bspw. auch aufgrund der Bodenverhältnisse schon regional<br />
sehr deutliche Unterschiede ergeben, wenn spröde Rohrwerkstoffe<br />
im Sand der Lüneburger Heide oder aber in den<br />
heterogenen Böden der Mittelgebirge betrieben werden.<br />
Nutzungsdauer<br />
Die Nutzungsdauer ist speziell für den Betrieb von Rohrleitungen<br />
gegenüber der Lebensdauer abzugrenzen. Im Falle einer<br />
ausfallorientierten oder korrektiven Instandhaltung entspricht<br />
die Nutzungsdauer der Brauchbarkeitsdauer im Sinne der DIN<br />
EN 13306 [9]. Laut DVGW-Regelwerk ist jedoch eine ausfallorientierte<br />
bzw. korrektive Instandhaltung für Leitungsnetze<br />
nicht zu empfehlen [4], [10]. Mit der Vermeidung einer korrektiven<br />
oder ausfallorientierten Instandhaltung ist zwangsläufig<br />
eine Nutzungsreserve zwischen Lebens- und Nutzungsdauer<br />
verbunden. Die angestrebte Nutzungsdauer ist im Idealfall<br />
der maximale Zeitraum des Betriebs von Rohrleitungen bevor<br />
aufgrund der alterungs- oder korrosionsbedingten Materialveränderungen<br />
die Schadenshäufigkeit zunimmt und damit<br />
Schaden und Beschädigung<br />
Bei der Zustandsbewertung von Rohrleitungen aus Eisenwerkstoffen<br />
mit Umhüllung ist der Unterscheidung zwischen<br />
einem Schaden und einer Beschädigung besondere<br />
Aufmerksamkeit zu widmen. In den DVGW-Regelwerken<br />
G 402 und W 402 ist der Leitungsschaden per Definition<br />
eine lokale, unzulässige Beeinträchtigung der Funktionsfähigkeit<br />
der Versorgungsleitung, die in der Regel mit einem<br />
Mediumaustritt verbunden ist [3], [4]. Eine Fehlstelle in der<br />
Umhüllung und ein damit verbundener Korrosionsabtrag<br />
ist definitionsgemäß kein Schaden, solange die für den<br />
Betrieb erforderliche Wanddicke (rechnerische Wanddicke<br />
+ Sicherheitsbeiwert) nicht unterschritten ist. Eine derartige<br />
Beschädigung bedeutet keine Beeinträchtigung der Funktion<br />
eines Bauteils. Die Integrität des Bauteils kann ohne Einbuße<br />
der Funktionalität durch eine Reparatur vollständig wieder<br />
hergestellt werden. Dies gilt insbesondere für kathodisch<br />
geschützte Leitungen, da durch den Schutzstrom ein Materialabtrag<br />
freiliegender Stahlflächen im Bereich beschädigter<br />
Umhüllungen auf ein Minimum (≤ 10 µm/a) reduziert wird.<br />
Versagen<br />
Die DIN EN ISO 8044 kennt über den Schadensbegriff hinaus<br />
auch das Versagen des Bauteils als den vollständigen<br />
Verlust der Funktion des technischen Systems [11]. Hier<br />
schließt sich der Kreis zu den eingangs behandelten Begriff-<br />
152 04-05 | 2014
KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT<br />
lichkeiten rund um das Nutzungsverhalten der Bauteile<br />
(Bild 5). Am Ende der Lebensdauer steht das Versagen<br />
des Bauteils. Diese extreme Form der Bauteilschädigung<br />
spielt jedoch in der Rohrleitungspraxis kaum eine Rolle,<br />
weil sich schon aus wirtschaftlichen und sicherheitstechnischen<br />
Erwägungen heraus eine niedrigere Nutzungsdauer<br />
ergibt. Unzureichend gegen Korrosion geschützte Stahlrohre<br />
beispielsweise bedürfen in Abhängigkeit der Böden und<br />
Umgebungsbedingungen in einem Trassenverlauf lokal sehr<br />
unterschiedlicher Zeiträume bis zum Korrosionsdurchbruch.<br />
Unter wirtschaftlichen Aspekten ist es jedoch unsinnig die<br />
Leitung immer wieder zu reparieren bis auch unter den<br />
moderatesten Bedingungen des Trassenverlaufes eine für<br />
die vorliegenden Betriebsbedingungen kritische Wanddicke<br />
erreicht ist.<br />
Abgesehen von betrieblichen Erfordernissen, wie beispielsweise<br />
den Umverlegungen, ist es für den Instandhalter<br />
entscheidend, wann aus wirtschaftlichen Gründen die erforderlichen<br />
Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Integrität<br />
einer Rohrleitung mit den Kosten für die Behebung von<br />
Schäden und Folgeschäden gegenüber dem Aufwand für<br />
einen Neubau oder einer Sanierung nicht mehr zu vertreten<br />
sind oder unter sicherheitstechnischen Erwägungen<br />
der Neubau oder die Sanierung sinnvoll ist (vgl. ausfallorientiertes<br />
und präventives Instandhaltungskonzept). Diese<br />
Aspekte sind letztlich entscheidend für die Nutzungsdauer<br />
eines Systems.<br />
Schadensursache – Schadensart<br />
Die Korrosion als ein elektrochemischer Prozess eröffnet<br />
im Falle einer Verbundrohrtechnologie wie dem umhüllten<br />
Stahlrohr die Möglichkeit einer messtechnischen Zustandserfassung<br />
durch den kathodischen Korrosionsschutz.<br />
Diese Zustandserfassung bezieht sich dabei primär auf den<br />
Zustand des Korrosionsschutzes. Da jedoch dem Schaden im<br />
Falle eines beschichteten oder umhüllten Rohres aus Eisenwerkstoffen<br />
eine Schädigung des Korrosionsschutzes vorausgeht,<br />
kann durch die Messmethoden des kathodischen<br />
Korrosionsschutzes schon sehr frühzeitig ein Gefährdungspotential<br />
abgeschätzt werden. Der Instandhaltungsaufwand<br />
wird durch diese zustandsorientierte Instandhaltung und die<br />
damit verbundene zielgerichtete Instandsetzung von Leitungen<br />
auf ein Minimum reduziert und erlaubt die Nutzung<br />
der Leistungsreserven eines derart überwachten Leitungsnetzes.<br />
Unabhängig von einem Einsatz als Werkzeug für<br />
eine zustandsorientierte Instandhaltung ist unter Anwendung<br />
des kathodischen Korrosionsschutzes ein Schaden,<br />
sei es durch Fremdeinwirkungen oder Materialversagen,<br />
konzeptionell nicht vorgesehen. Darum ist unter sicherheitstechnischen<br />
Erwägungen für Gasleitungen ab 5 bar in<br />
den Regelwerken und je nach Anwendungsbereich sogar<br />
per Verordnung (TRFL) ein kathodischer Korrosionsschutz<br />
vorgeschrieben [12]. Bei kathodisch geschützten Leitungen<br />
erfolgt die Planung von Instandsetzungsmaßnahmen nicht<br />
durch die Auswertung von Schadenstatistiken, sondern auf<br />
Basis der Messdaten des kathodischen Korrosionsschutzes.<br />
Bei diesen Instandsetzungsmaßnahmen handelt es sich<br />
dabei nicht zwangsläufig um den Austausch von Leitungen,<br />
sondern gegebenenfalls auch um punktuelle Reparaturen.<br />
Nur im Falle nicht bzw. nicht von Anfang an kathodisch<br />
geschützten Leitungen liegen gegebenenfalls Schadensdaten<br />
vor, die eine Instandhaltungsplanung auf statistischer<br />
Basis ermöglichen. Hier wird der Instandhaltungsaufwand<br />
durch die Auswertung statistischer Daten zum<br />
Nutzungsverhalten und die damit verbundene Bewertung<br />
von Schadensursachen und Schadensart ermittelt. In den<br />
Schadenstatistiken ist es von größter Bedeutung, mögliche<br />
Schadensursachen zu differenzieren, um die relevanten<br />
Einflussgrößen auf das Nutzungsverhalten zu erkennen. Aus<br />
solchen Auswertungen ergibt sich der Handlungsbedarf,<br />
wenn beispielsweise aufgrund bestehender Produktmängel<br />
technische Lieferbedingungen angepasst, oder bei einem<br />
ausgeprägten Mangel an Verlegesorgfalt Verfahrensanweisungen<br />
für die Baustellen geändert werden müssen.<br />
Bei Rohren aus Eisenwerkstoffen sind zwei unterschiedliche<br />
Konzepte einer Auslegung zu berücksichtigen. Rohre ohne<br />
Umhüllung bzw. Rohre mit Dünnbeschichtungen mussten<br />
in der Praxis laut Regelwerk mit einem Korrosionszuschlag<br />
kalkuliert werden. Aus dem Wanddickenzuschlag ergibt sich<br />
zwangsläufig eine planerische Nutzungsdauer, bei deren<br />
Überschreitung mit Schäden zu rechnen ist. In Wasserleitungsnetzen<br />
sind auch heute noch vielfach Rohre aus<br />
Eisenwerkstoffen im Betrieb, die über keinen oder nur einen<br />
unzureichenden Korrosionsschutz verfügen. Dazu zählen<br />
z. B. auch die duktilen Gussleitungen der ersten Generation<br />
(Bild 6). Bei Rohren dieser Bauform ist Korrosion sowohl<br />
Schadensart als auch Schadensursache.<br />
Bei den heute üblichen Rohrausführungen aus Eisenwerkstoffen<br />
ist eine Verbundrohrtechnologie üblich. Die statischen<br />
Anforderungen während des Betriebes bestimmen<br />
die Auslegung des Kernrohres aus Guss oder Stahl. Auf<br />
einen Korrosionszuschlag wird dabei verzichtet. Beschich-<br />
Bild 6: Korrosionsschaden GGG 1. Generation<br />
04-05 | 2014 153
FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ<br />
tungen oder Umhüllungen aus Bitumen oder Polyolefinen<br />
übernehmen den äußeren Korrosionsschutz. Im Falle der<br />
Wasserrohre wird unter hygienischen Aspekten als innerer<br />
Korrosionsschutz üblicherweise auf Kunststoffe verzichtet<br />
und Zementmörtel eingesetzt (Bild 7). Die Korrosion des<br />
Grundmaterials ist nicht mehr die Ursache von Schäden,<br />
sondern immer die Folge z. B. einer Fremdeinwirkung,<br />
mangelnder Verlegesorgfalt, von Bodenbewegungen<br />
oder das Materialversagen der Umhüllung und damit eine<br />
Schadensart.<br />
Die Verwendung der Begrifflichkeiten in den<br />
Regelwerken<br />
Lebensdauer – Nutzungsdauer – Betriebsfähigkeit<br />
In den Regelwerken werden die Begrifflichkeiten rund um<br />
das Nutzungsverhalten von Werkstoffen bisher keinesfalls<br />
eindeutig verwendet. Dies betrifft nicht nur die Regelwerke<br />
für die Anwendung der Bauteile, sondern berührt auch<br />
technische Lieferbedingungen. Die DIN 8075 für Rohre<br />
aus Polyethylen beispielsweise spricht im Zusammenhang<br />
mit der Zeitstandinnendruckprüfung in den ersten Versionen<br />
aus 1976 und 1987 von „Lebensdauer“-Kalkulationen,<br />
während in der Folgeversion von 1999 in korrekter Weise<br />
der Begriff der „Betriebsfähigkeit“ eingeführt ist [13] [14]<br />
[15]. In diesem Wechsel der Begrifflichkeit liegt vermutlich<br />
die Ursache, dass noch heute im Kunststoffbereich überwiegend<br />
von einer Lebensdauer der Bauteile gesprochen<br />
wird, wenn eigentlich die Betriebsfähigkeit gemeint ist. In<br />
der aktuellen DIN 8075 vom Dezember 2011 wird zwar<br />
weiterhin von der Betriebsfähigkeit gesprochen [5]. In der<br />
gleichzeitig aufgenommenen englischen Version wird die<br />
Betriebsfähigkeit jedoch nicht mit „Serviceability“, sondern<br />
mit „Minimum Operating Time“, der Mindestnutzungsdauer,<br />
übersetzt. Im Gegensatz zur „Minimum Operating<br />
time“ wird in der DIN EN ISO 9080 der Begriff „Lifetime“,<br />
also Lebensdauer, verwendet [16]. Bei Kunststoffrohren sind<br />
damit alle diese Begrifflichkeiten in missverständlicher Weise<br />
in den Regelwerken vereint und einander gleichgestellt.<br />
Bei den Stahlrohren ist diese Begrifflichkeit derzeit keinesfalls<br />
besser geregelt. So sprechen beispielsweise auch die<br />
europäische Norm DIN EN 13480-3 und ihre nationale Vorgängernorm<br />
die DIN 2413-1 von Lebensdauerkalkulationen<br />
[17] [18]. Im Unterschied zu den für Kunststoffe relevanten<br />
Normen sind diese jedoch nicht Bestandteil von technischen<br />
Lieferbedingungen.<br />
In der Konsequenz verbindet ein Anwender oder Instandhalter<br />
gegebenenfalls mit dem Begriff der Lebensdauer eines<br />
Bauteils etwas völlig anderes als der Rohrhersteller. Auch in<br />
der Diskussion von Werkstoffeigenschaften werden diese<br />
Begrifflichkeiten munter durcheinander gewürfelt. Für die<br />
Lebensdauer von Kunststoffrohren wird immer wieder die<br />
in der Norm angegebene Betriebsfähigkeit von 50 oder 100<br />
Jahren herangezogen. Dem wird gern bei den Eisenwerkstoffen<br />
mit Blick auf die Korrosion als Folge von Beschädigungen,<br />
Bodenbewegungen, mangelnder Verlegesorgfalt<br />
usw. die tatsächliche Nutzungsdauer gegenübergestellt.<br />
Schadensursache – Schadensart<br />
Eine Schwäche vieler Schadenstatistiken bei Rohren aus<br />
Eisenwerkstoffen ist die Gleichbehandlung der Schadensart<br />
Korrosion mit Schadensursachen wie Fremdeinwirkungen,<br />
mangelnde Verlegesorgfalt, Bodenbewegungen<br />
usw. Im DVGW-Arbeitsblatt G 410 beispielsweise kann<br />
in den Abfragen gleichberechtigt neben den eigentlichen<br />
Schadensursachen auch die Schadensart Korrosion angegeben<br />
werden [19]. Im Falle einer im Gasbereich üblichen<br />
Verbundrohrtechnologie können durch die Angabe der<br />
Korrosion somit die eigentlichen Schadensursachen nicht<br />
mehr differenziert werden, zumal im Allgemeinen auch<br />
noch eine Differenzierung zwischen Stahlrohr und Stahlverbundrohrleitungskonzepte<br />
vernachlässigt wird. Eine statistische<br />
Auswertung auf der Basis solcher Daten hat für eine<br />
Instandhaltungsplanung praktisch keine Aussagekraft und<br />
ist für den Anwender ohne Nutzen. Werden solche Daten<br />
darüber hinaus zur probabilistischen Auslegung von Rohren<br />
verwendet, ist die damit verbundene statistische Aussagekraft<br />
der sich ergebenden Schadenswahrscheinlichkeiten<br />
vernachlässigbar [20].<br />
Für die Instandhaltungsplanung sind heute die DVGW-<br />
Arbeitsblättern W 402 und G 402 bindend. In diesen<br />
Arbeitsblättern sind die Unterschiede in den Begrifflichkeiten<br />
weitgehend berücksichtigt [3], [4]. Während bei der<br />
im Gasbereich heute üblichen Verbundrohrtechnologie die<br />
Korrosion generell als Schadensart behandelt wird [3], muss<br />
im Falle der oft noch betriebenen unbeschichteten oder<br />
mangelhaft beschichteten Wasserrohre aus Guss oder Stahl<br />
die Korrosion mit entsprechender Differenzierung auch<br />
noch als Schadensursache Berücksichtigung finden [4]. Gleiches<br />
gilt prinzipiell auch für Werkstoffe, die durch Alterung<br />
oder Korrosion einer Veränderung der bruchmechanischen<br />
Eigenschaften unterliegen, wie Grauguss, Asbestzement,<br />
PVC oder PE.<br />
Instandhaltung und Korrosion<br />
Die genauere Betrachtung der Einflussgrößen für die<br />
Lebensdauer bzw. Nutzungsdauer von Rohrleitungen zeigt,<br />
dass Instandhaltung und Korrosions- bzw. Alterungsverhalten<br />
der Werkstoffe in der Praxis fast untrennbar miteinander<br />
verknüpft sind. Korrosion ist nach DIN EN ISO 8044<br />
die Wechselwirkung eines Bauteils mit seiner Umgebung,<br />
die zu einer Änderung der mechanischen Eigenschaften<br />
und damit zum Versagen des Bauteils führen kann. Diese<br />
Wechselwirkungen können physikalischer, chemischer<br />
oder elektrochemischer Natur sein. Bei Metallen sind diese<br />
überwiegend, aber nicht ausschließlich elektrochemischer<br />
Natur [11].<br />
Jeder Werkstoff korrodiert. Sehr wohl bekannt ist die<br />
Begrifflichkeit der Korrosion im Zusammenhang mit<br />
metallischen Werkstoffen wie Stahl und nicht metallischen<br />
Werkstoffen wie Beton oder Glas. Im Bereich der<br />
Kunststoffe wird dieser Ausdruck gern gemieden. Mit<br />
der oftmals angewendeten Aussage: „Kunststoffe korrodieren<br />
nicht“ ist vermutlich primär die Material abtragende<br />
Korrosion im Sinne der lateinischen Herkunft des<br />
154 04-05 | 2014
KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT<br />
Bild 7: Verbundrohrtechnologie am Beispiel des Stahlrohres<br />
Wortes (corrodere = zernagen) gemeint. Korrosion ist<br />
entsprechend der Definition in ISO 8044 aber nicht nur<br />
auf Material abtragende Effekte begrenzt. So führt eine<br />
wasserstoffinduzierte Spannungsrisskorrosion beim Stahl<br />
zum Bauteilversagen, ohne dass dabei ein Materialabtrag<br />
zu beobachten ist. Nicht anders ist letztlich z. B. eine durch<br />
Chlor oder Netzmittel induzierte Spannungsrissbildung<br />
bei Polyethylen oder Polypropylen einzustufen [21], [22,],<br />
[23]. Im Kunststoffbereich werden Begriffe wie die Werkstoffalterung<br />
oder die „Werkstoffdegradation“ (Herabsetzen<br />
von Eigenschaften) bevorzugt [23]. Ein Begriff wie<br />
die Werkstoffdegradation beispielsweise beschreibt aber<br />
letztlich auch nur die Wirkung eines Korrosionsangriffes.<br />
Die Definition des Korrosionsbegriffes zeigt: Die Umgebungs-<br />
und Betriebsbedingungen eines Bauteils bestimmen<br />
maßgeblich das Nutzungsverhalten einer Anlage. Neben<br />
dem Verschleiß, der insbesondere bewegliche Anlagenteile<br />
betrifft, haben speziell im Falle der Rohrleitungen die Korrosion<br />
bzw. die Alterung von Werkstoffen und die damit<br />
verbundenen Änderungen der mechanischen Eigenschaften<br />
mit Blick auf die Lebens- bzw. Nutzungsdauer erhebliche<br />
Bedeutung.<br />
Gerade der im Regelwerk W 402 und G 402 für die Instandhaltungsplanung<br />
vorgesehene Ausschluss einer Schadensursache<br />
wie Fremdeinwirkungen ist in diesem Zusammenhang<br />
mehr als kritisch zu sehen. zumal sich die Frage der sinnvollen<br />
Abgrenzung von werkstoffbedingtem, nutzungsdauerrelevantem<br />
oder durch mangelnde Sorgfalt verursachtem<br />
Fremdschaden in der Praxis sehr wohl stellt. Unstrittig ist,<br />
dass der direkte Baggerschaden für das Nutzungsverhalten<br />
des Werkstoffes prinzipiell keine Aussagekraft hat und als<br />
Singularität zu behandeln ist. Als solche würde aber auch<br />
die Erfassung dieser Form der Fremdeinwirkung in einer<br />
Schadenstatistik auch nur von untergeordneter Bedeutung<br />
sein und lediglich ein „Grundrauschen“ in den statistischen<br />
Auswertungen darstellen.<br />
In Bezug auf einen spröden oder im späteren Betriebsverlauf<br />
durch Korrosion oder Alterung versprödeten bzw.<br />
durch andere Korrosionsvorgänge geschwächten Rohrwerkstoff<br />
muss das Rohr von einem Bagger gar nicht getroffen<br />
werden. Für eine Undichte mit Mediumaustritt reicht beispielsweise<br />
eine Verpressung des Bodens im Umfeld der<br />
Rohrleitung und die damit verbundene Deformation des<br />
Rohrkörpers. Gleiches gilt prinzipiell für nicht vorschriftsmäßige<br />
Verlegebedingungen bzw. Imperfektionen im Trassenbereich<br />
wie Setzungen, Punktlasten und Punktlagerungen.<br />
Asbestzementrohre und PVC-Rohre werden seit Jahrzehnten<br />
nicht mehr eingesetzt, obwohl die heute eher unauffälligen<br />
Schadensraten einen Einsatz scheinbar rechtfertigen würden<br />
[24]. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die durch Imperfektionen<br />
verursachten Schäden in der Vergangenheit überwiegend<br />
repariert sind. Bei den derzeit noch betriebenen<br />
Leitungen fehlen zwangsläufig solche, bei durchgängiger<br />
Anwendung immer wieder neu auftretende und damit schadensursächliche<br />
Imperfektionen im Trassenbereich. Werden<br />
bei spröden bzw. versprödeten Werkstoffen auch noch die<br />
Fremdeinwirkungen mit sofortiger Undichte in den Schadenstatistiken<br />
eliminiert, liegt die Schadensrate zwangsläufig<br />
bei Null. Es ergibt sich praktisch kein Handlungsbedarf,<br />
obwohl solche Werkstoffe je nach Anwendungsbereich<br />
ein nicht zu unterschätzendes Risiko darstellen. So sind<br />
beispielsweise laut Tabelle 8 des DVGW-Arbeitsblattes<br />
W 392-2 wie beim Graugussrohr abrupte Wasserverluste<br />
eine zu erwartende Folge eines Schadens auch im Falle der<br />
Asbestzement- und PVC-Rohre zu berücksichtigen [25].<br />
Nur durch einen Anstieg der Schäden u.a. im Bereich der<br />
Fremdeinwirkungen könnten sehr wohl Korrosionsvorgänge<br />
wie Versprödungen beim PE und PVC, eine kritische Schadenstiefe<br />
durch Spongiose im Falle von Graugussleitungen<br />
oder eine Werkstoffveränderung beim Asbestzement durch<br />
saure Böden erkannt werden.<br />
Korrosion bzw. Alterung in der<br />
Instandhaltungsplanung<br />
Die Reduktion der Instandhaltungs- bzw. Rehabilitationsplanung<br />
auf die statistische Betrachtung von Schäden<br />
ist sinnlos, wenn materialspezifische Veränderungen und<br />
damit die Korrosion oder gegebenenfalls die Werkstoffalterung<br />
unberücksichtigt bleiben. Die Frage der Instandhaltungs-<br />
oder Rehabilitationsplanung ist daher nicht nur<br />
eine Frage der statistischen Auswertung von Schadensdaten,<br />
sondern vor allem auch eine Werkstofffrage. Das<br />
Schließen dieser Lücke ist, zumindest für Eisenwerkstoffe,<br />
primäres Ziel der aktuell bearbeiteten DVGW Regelwerke<br />
04-05 | 2014 155
FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ<br />
GW 18 und GW 19 [26], [27]. Das DVGW-Merkblatt GW 18<br />
beschreibt die Zustandsbewertung auf der Basis von Messdaten<br />
des kathodischen Korrosionsschutzes, während die<br />
Datenerfassung zur Erstellung eines Zustandskatasters für<br />
nicht kathodisch geschützte Leitungen Gegenstand des<br />
DVGW-Merkblattes GW 19 ist. Wie im Falle einer zustandsorientierten<br />
Instandhaltung durch den kathodischen Korrosionsschutz<br />
soll mit einem solchen Zustandskataster<br />
letztlich ein Entscheidungszeitraum für eine planmäßige<br />
Rehabilitation von Leitungsnetzen realisiert werden,<br />
ohne dass Schäden und Ausfälle das Planungsgeschehen<br />
bestimmen.<br />
Eine derartige Bewertungsgrundlage ist auch für andere<br />
Werkstoffe wie Asbestzement, PE oder PVC erforderlich,<br />
zumal zumindest im Falle der Kunststoffe inzwischen<br />
auch eine Bewertung des Versprödungsgrades im DGW<br />
Arbeitsblatt W 402 vorgesehen ist [4]. Offen ist jedoch<br />
im Regelwerk wie eine solche Bewertung erfolgen soll<br />
und welche Konsequenzen sich daraus für den Betreiber<br />
ergeben. Während der Zusammenhang von sauren Böden<br />
und der Verlust an Festigkeit bei Asbestzementrohren<br />
noch weitgehend bekannt ist, stellt sich die Frage, wer<br />
im Schadensfall den Versprödungsgrad von PE oder PVC<br />
Rohren jemals bestimmt hat. Dabei ist die Sprödigkeit von<br />
Bauteilen oder Bauteilkomponenten an der Baustelle relativ<br />
leicht nachweisbar [28].<br />
Beim Polyethylen sind im Allgemeinen Schäden aufgrund<br />
der Versprödung nicht so spektakulär wie im Falle der<br />
Grauguss-, Asbestzement- oder PVC-Leitungen [25]. Das<br />
Beispiel einer angestrebten Anwendung der PE-Rohre zur<br />
Errichtung von Gasrohrnetzen mit Betriebdrücken > 10 bar<br />
jedoch zeigt, dass nicht nur die geringere Widerstandsfähigkeit<br />
gegenüber Fremdeinwirkungen und die fehlende<br />
Überwachbarkeit, sondern auch die fehlende Datenbasis<br />
zur alterungsbedingten Änderung der Bruchmechanik<br />
ein Manko ist, zumal die Bestätigung einer auf den Festigkeitsaspekt<br />
reduzierten Betriebsfähigkeit hier kaum<br />
Hilfestellung bieten kann.<br />
Das Bruchverhalten neuwertiger Materialien ist angesichts<br />
der für Rohrleitungen angestrebten Nutzungsdauer ohne<br />
Bedeutung. Auch die immer wieder diskutierten Kurzzeituntersuchungen<br />
in Gegenwart von Netzmitteln liefern zur<br />
Zeitabhängigkeit einer Änderung der bruchmechanischen<br />
Eigenschaften keinen Beitrag; siehe Vorwort zu [29].<br />
Der Nachweis einer Eignung alternativer Werkstofflösungen,<br />
wie er beispielsweise im Sinne einer Rohrfernleitungsverordnung*<br />
erforderlich ist [12], kann mangels<br />
Daten zur zeitlichen Änderung der Bruchmechanik nur<br />
durch eine entsprechend aussagefähige Erfassung und<br />
Bewertung von Schadensstatistiken und Zustandsdaten<br />
ermöglicht werden. Die erforderlichen Daten sind aufgrund<br />
jahrzehntelanger Erfahrungszeiträume für den Anwender<br />
im Rahmen einer systematischen Zustandserfassung<br />
zugänglich. Die Anwendung von Kurzzeituntersuchungen<br />
für eine Langzeitaussage durch Extrapolation wäre ohne<br />
eine entsprechende Verifizierung in einem sicherheitstechnisch<br />
sensiblen Gashochdruckbereich aus heutiger Sicht<br />
mehr als fragwürdig. Eine solche Zustandsdatenerfassung<br />
kann nicht mit dem Hinweis auf die Weiterentwicklung<br />
der Materialien in Zweifel gezogen werden. Bei den weiterentwickelten<br />
Materialien mögen sich zeitliche Abläufe<br />
der korrosions- oder alterungsbedingten Materialveränderungen<br />
zwar verlagern, die Mechanismen bleiben jedoch<br />
erhalten.<br />
*Angesichts fehlender Regelwerke für die Verlegung und<br />
den Betrieb von PE-Rohren im Gashochdruckbereich (><br />
10 bar) wurde hier die grundlegende Anforderung zum<br />
Einsatz alternativer Werkstoffe der Technische Richtlinie für<br />
Fernleitungen TRFL herangezogen [12]. Laut TRFL müssen<br />
die Rohre bei den niedrigsten betriebsbedingten bzw.<br />
witterungsbedingten Temperaturen eine ausreichende<br />
Zähigkeit aufweisen. Diese Forderung kann bei einem<br />
zukünftigen Regelwerk für die Anwendung von Kunststoffrohren<br />
im Gashochdruckbereich in einem DVGW-<br />
Regelwerk prinzipiell nicht vernachlässigt werden.<br />
Handlungsempfehlungen<br />
Der vorliegende Fachbeitrag zeigt, dass weder das Regelwerk<br />
noch die im Anwendungsbereich übliche Kommunikation<br />
in Bezug auf die nutzungsdauerrelevanten Begrifflichkeiten<br />
von Eindeutigkeit geprägt ist. Hier wären klare<br />
Definitionen beispielsweise in Form einer Richtlinie wünschenswert.<br />
Eine solche Richtlinie würde im Falle einer Revision<br />
der bereits bestehenden Arbeitsblätter und Merkblätter<br />
rund um die Instandhaltung sehr hilfreich sein. Nur im<br />
Falle einer sauberen Differenzierung der Begrifflichkeiten<br />
bieten diese Statistiken die Grundlage für eine qualifizierte<br />
Instandhaltungsplanung. Dies gilt insbesondere dann, wenn<br />
an übergeordneter Stelle einzelne Statistiken mit einander<br />
verglichen oder zusammengeführt werden sollen.<br />
Schadenstatistiken bedürfen einer eindeutigen Zuordnung<br />
von Schadensursachen und Schadensart und erlauben<br />
keinesfalls den Ausschluss praxisrelevanter Einflüsse wie<br />
Fremdeinwirkungen. Während eine Schadenstatistik werkstoffunabhängig<br />
auf den Anwendungsbereich ausgerichtet<br />
sein sollte, sind bei der Zustandsbewertung die werkstoffspezifischen<br />
Einflussgrößen zu berücksichtigen. Dabei<br />
geht es nicht um die Überprüfung von Angaben in den<br />
Technischen Lieferbedingungen, sondern um die Erfassung<br />
praxisrelevanter mechanischer Eigenschaften bzw. Materialveränderungen.<br />
Ohne Kenntnis der Zusammenhänge<br />
von Materialveränderung und Zeit ist eine Instandhaltungsplanung<br />
undenkbar. Für Eisenwerkstoffe werden die zu<br />
erfassenden relevanten Daten in den DVGW-Regelwerken<br />
GW 18 und GW 19 derzeit zusammengestellt [26], [27].<br />
Für andere Werkstoffe ist die Erstellung einer Richtlinie<br />
zur Zustandserfassung und -bewertung gleichermaßen<br />
relevant. Die Besonderheit im Falle der Leitungen<br />
und Leitungsnetze ist der jahrzehntelange Betrieb der<br />
Anlagen, der in keinem anderen Bereich zu finden ist.<br />
Erfahrungswerte können daher weder von Prüfinstituten<br />
noch von Rohrherstellern oder Vormateriallieferanten<br />
bereitgestellt werden. Solche Daten sind zwangsläufig<br />
156 04-05 | 2014
KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT<br />
vom Anwender selbst systematisch zu erfassen, wenn<br />
mit einer präventiven oder zustandsorientierten Form der<br />
Instandhaltung von Leitungen und Leitungsnetzen neue<br />
Wege beschritten werden sollen. Dies ist beispielsweise<br />
auch der Hintergrund einer Prüfung der Sprödigkeit von<br />
Bauteilen und Bauteilkomponenten aus Kunststoff wie sie<br />
das DVGW-Arbeitsblatt W 402 vorsieht. Da derzeit jedoch<br />
in den Regelwerken für nicht metallische Werkstoffe die<br />
geeigneten Verfahrensweisen zur Beurteilung derartiger<br />
Werkstoffveränderungen an der Baustelle fehlen, besteht<br />
hier ein entsprechender Handlungsbedarf.<br />
Literatur<br />
[1] Technischer Hinweis – DVGW Merkblatt G 403; Entscheidungshilfen<br />
für die Instandhaltung von Gasverteilungsnetzen, in Bearbeitung<br />
[2] Technischer Hinweis – DVGW Merkblatt W 403;<br />
Entscheidungshilfen für die Rehabilitation von<br />
Wasserverteilungsanlagen; April 2010<br />
[3] DVGW-Arbeitsblatt G 402; Netz- und Schadenstatistik –<br />
Erfassung und Auswertung von Daten zum Aufbau von<br />
Instandhaltungsstrategien für Gasverteilungsnetze; Juli 2011<br />
[4] DVGW-Arbeitsblatt W 402; Netz- und Schadenstatistik –<br />
Erfassung und Auswertung von Daten zur Instandhaltung von<br />
Wasserrohrnetzen; September 2010<br />
[5] DIN 8075; Rohre aus Polyethylen (PE) - PE 63, PE 80, PE 100, PE-HD -<br />
Allgemeine Güteanforderungen, Prüfungen; Dezember 2011<br />
[6] DIN EN 805; Wasserversorgung - Anforderungen an<br />
Wasserversorgungssysteme und deren Bauteile außerhalb von<br />
Gebäuden, März 2000<br />
[7] Wüst, J.; Wenzel, M.; Scholten, F.; Wolters, M.; Heinemann, J.;<br />
Bockenheimer, A.; Integrität von PE-Gas- und Wasserleitungen der<br />
ersten Generation; <strong>3R</strong> international 44 (2010) S. 534-540<br />
[8] Schulte, U.; Vogt, H.; Enderle, H.-F.; Druckprüfung an Rohrleitungen<br />
aus HDPE, <strong>3R</strong> international 44 (2010) S. 541-547<br />
[9] DIN EN 13306; Begriffe der Instandhaltung; September 2001<br />
[10] DVGW-Arbeitsblatt W 400-3; Technische Regeln<br />
Wasserverteilungsanlagen (TRWV); Teil 3: Betrieb und Instandhaltung<br />
September 2006<br />
[11] DIN EN ISO 8044; Korrosion von Metallen und Legierungen -<br />
Grundbegriffe und Definitionen; November 1999<br />
[12] TRFL - Technische Regeln für Rohrfernleitungsanlagen; Januar 2011<br />
[13] DIN 8075-1 Rohre aus PE hart (Polyäthylen hart) Typ 1 - Allgemeine<br />
Güteanforderungen, Prüfung; August 1976<br />
[14] DIN 8075 Rohre aus Polyethylen hoher Dichte (PE-HD) - Allgemeine<br />
Güteanforderungen, Prüfung; Mai 1987<br />
[15] DIN 8075 Rohre aus Polyethylen (PE) - PE 63, PE 80, PE 100, PE-HD -<br />
Allgemeine Güteanforderungen, Prüfungen; August 1999<br />
[16] DIN EN ISO 9080; Kunststoff-Rohrleitungs- und<br />
Schutzrohrsysteme - Bestimmung des Zeitstand-<br />
Innendruckverhaltens von thermoplastischen Rohrwerkstoffen<br />
durch Extrapolation; Oktober 2003<br />
[17] DIN EN 13480-3; Metallische industrielle Rohrleitungen - Teil 3:<br />
Konstruktion und Berechnung; November 2012<br />
[18] DIN 2413-1; Berechnung der Wanddicke von Stahlrohren gegen<br />
Innendruck, Oktober 1993<br />
[19] DVGW-Arbeitsblatt G 410; Bestands- und Ereignisdatenerfassung<br />
Gas; März 2012<br />
[20] Verfahren zur Ermittlung der Sicherheit von Rohrfernleitungen.<br />
Bericht AfR-06 des Ausschusses für Rohrfernleitungen 2012<br />
[21] Heinemann, K.-J.; Desinfektion von Kunststoff-Trinkwasserleitungen;<br />
IKZ-Haustechnik Sonderheft Trinkwasserhygiene 2011<br />
[22] Schmitt, G.; Der Korrosionsbegriff bei nichtmetallischen Werkstoffen;<br />
Materials and Corrosion 55 (2004) S. 367-372<br />
[23] Kocks, H.-J.; Die Spannungsrissbildung von Polyethylen; <strong>3R</strong><br />
international 45 (2006) 135-142<br />
[24] Walther, G.; Schroeder, T.; Drescher, D. DVGW-Schadenstatistik<br />
Wasser; ewp 2012 H. 12, S. 110-115<br />
[25] DVGW-Arbeitsblattes W 392-2; Inspektion, Wartung und<br />
Betriebsüberwachung von Wasserverteilungsanlagen – Teil 2:<br />
Fernwasserversorgungssysteme; Maßnahmen, Verfahren und<br />
Bewertungen; März 2011<br />
[26] DVGW-Merkblatt GW 18, Zustandsbewertung von kathodisch<br />
geschützten metallischen Rohrleitungen der Gas- und<br />
Wasserversorgung; in Bearbeitung<br />
[27] DVGW-Merkblatt GW 19, Zustandsbewertung von nicht<br />
kathodisch geschützten metallischen Rohrleitungen der Gas- und<br />
Wasserversorgung; in Bearbeitung<br />
[28] Kocks, H.-J.; „Prüfung und Bewertung der Sprödigkeit von Bauteilen<br />
und Bauteilkomponenten aus Kunststoff“; <strong>3R</strong> international 51 (2012)<br />
714-717<br />
[29] DIN 30670; Polyethylen-Umhüllungen von Rohren und Formstücken<br />
aus Stahl - Anforderungen und Prüfungen; April 2012<br />
AUTOREN<br />
HANS GAUGLER<br />
SWM Stadtwerke München, München<br />
Tel. +49 89 2361-3600<br />
E-Mail: gaugler.hans@swm.de<br />
Dipl.-Phys. RAINER DEISS<br />
EnBW Regional AG, Stuttgart<br />
Tel. +49 711 289-47414,<br />
E-Mail: r.deiss@enbw.com<br />
DR. HANS-JÜRGEN KOCKS<br />
Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH,<br />
Siegen<br />
Tel. +49 271 691-170<br />
E-Mail: hans-jürgen.kocks@smlp.eu<br />
04-05 | 2014 157
FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ<br />
Streustrombeeinflussung von<br />
Stahlrohrleitungen durch Gleichstrom-<br />
Nahverkehrsbahnen<br />
Fahrschienen von Gleichstrombahnen sind gemäß DIN EN 50122-2 gegenüber Erde zu isolieren, so dass der austretende<br />
Streustrom im zeitlichen Mittel 2,5 mA/m je Gleis nicht überschreitet. Hierdurch wird sichergestellt, dass an den Schienen<br />
und deren Befestigungen während der üblichen Nutzungsdauer keine Korrosionsschäden auftreten. Diese Vorgehensweise<br />
berücksichtigt jedoch nicht die mögliche Streustromkorrosion an im Erdboden verlegten Metallinstallationen. Im<br />
vorliegenden Fachbeitrag wird auf die Streustrombeeinflussung bahnfremder Installationen eingegangen und der<br />
zulässige Mindestabstand berechnet.<br />
Einleitung<br />
Durch den Fahrbetrieb von Gleichstrombahnen entstehen<br />
Schienenpotentialänderungen, die in Abhängigkeit vom<br />
Ableitungsbelag Gleis/Erde einen entsprechend hohen Stromübertritt<br />
in den Erdboden (Streustrom) zur Folge haben. In<br />
Bereichen, in denen das Schienenpotential sich in positiver<br />
Richtung ändert, erfolgt der Streustromaustritt aus den Gleisen.<br />
In Bereichen, in denen sich das Schienenpotential in<br />
negativer Richtung ändert, tritt der Streustrom wieder in die<br />
Gleise ein. Ist der Minuspol der Fahrstromversorgung an die<br />
Fahrschienen angeschlossen, erfolgt der Streustromeintritt in<br />
die Gleise verstärkt im Bereich der Unterwerke, siehe Bild 1.<br />
Auf seinem Weg durch den Erdboden kann ein Teil des<br />
Streustroms in Rohrleitungen, Kabelschirme, Erdungsanlagen<br />
oder Stahlbetonbauwerke übertreten. An den Stellen,<br />
an denen der Streustrom aus diesen Installationen wieder<br />
austritt, bewirkt er einen Materialabtrag von 9,13 kg/(A.a)<br />
bei Stahl, 10,4 kg/(A.a) bei Kupfer, 10,7 kg(A.a) bei Zink und<br />
34 kg/(A.a) bei Blei.<br />
Zur Verringerung von Streuströmen und deren nachteilige<br />
Wirkung wird in DIN EN 50122-2 [1] gefordert, den aus<br />
den Fahrschienen von Gleichstrombahnen austretenden<br />
Streustrom im zeitlichen Mittel auf 2,5 mA/m je Gleis zu<br />
begrenzen. Um dieses sicherzustellen, müssen die Fahrschienen<br />
gegenüber Erde elektrisch isolierend eingebaut werden.<br />
Bei der Planung neuer Strecken wird daher empfohlen, die<br />
mittlere Schienenpotentialänderung in positiver Richtung<br />
z. B. durch Simulationsrechnung zu bestimmen und aus<br />
dem berechneten Wert sowie dem o. g. auf die Länge<br />
bezogenen Streustromaustritt den zulässigen Ableitungsbelag<br />
Gleis/Erde zu berechnen. Bei bestehenden Strecken,<br />
deren Gleise erneuert werden sollen, kann die positive<br />
Schienenpotentialänderung vorab messtechnisch ermittelt<br />
und anschließend der auf Dauer zulässige Ableitungsbelag<br />
berechnet werden. Hierdurch wird sichergestellt, dass<br />
innerhalb einer Nutzungsdauer von > 25 Jahren keine Korrosionsschäden<br />
an den Gleisen einschließlich der Schienenbefestigungen<br />
auftreten.<br />
Streustrombeeinflussung von<br />
Installationen aus Metall<br />
Wird als Beispiel eine Rohrleitung mit einer isolierenden<br />
Außenumhüllung betrachtet, die die Gleise mit einer Erdüberdeckung<br />
von 1 m (Mindestabstand gemäß DIN EN 50122-2)<br />
unterquert, so können Streuströme nur dann in die Rohrleitung<br />
übertreten, wenn die Rohrleitung im Einflussbereich<br />
der Gleise eine Fehlstelle in der Außenumhüllung aufweist.<br />
Befindet sich die Fehlstelle außerhalb des Einflussbereichs<br />
der Gleise, kann eine unzulässige Beeinflussung nicht mehr<br />
auftreten. Bild 2 zeigt den Verlauf des Schienen-Potentialgradienten<br />
(Schienenspannungstrichter) in Querrichtung zu den<br />
Gleisen. Hierbei wurde eine zweigleisige Strecke betrachtet,<br />
Werkstoff der Anlage<br />
Spezifischer Widerstand des<br />
Elektrolyten<br />
ρ [Ωm]<br />
Maximale positve Potentialverschiebung<br />
∆U [mV]<br />
(mit IR-Anteil)<br />
Stahl, Gusseisen > 200 300 20<br />
Stahl, Gusseisen 15 bis 200 1,5 x ρ* 20<br />
Stahl, Gusseisen < 15 20 20<br />
Blei 1 x ρ*<br />
Stahl in Beton 200<br />
* ρ in Ωm<br />
Tabelle 1: Zulässige Potentialverschiebung in positiver Richtung, Quelle: DIN EN 50162<br />
Maximale positve Potentialverschiebung<br />
∆U [mV]<br />
(ohne IR-Anteil)<br />
158 04-05 | 2014
KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT<br />
deren auf die Länge bezogener Gesamtstreustromaustritt<br />
5 mA/m beträgt. Weiterhin wurde angenommen, dass der<br />
Streustrom gleichmäßig aus den vier Fahrschienen austritt<br />
und der spezifische Bodenwiderstand 100 Ωm beträgt. Als<br />
Bezugserde wurde aufgrund praktischer Erfahrungen ein<br />
Punkt in 100 m Entfernung angenommen. Der im Bild 2<br />
dargestellte Verlauf ergibt sich aus der Überlagerung der<br />
Potentialgradienten der vier Fahrschienen.<br />
DIN EN 50162 [2] beschreibt Schutzmaßnahmen gegen<br />
Streustromkorrosion und gibt für nicht kathodisch<br />
geschützte Installationen zulässige Werte für die Potentialverschiebung<br />
in positiver Richtung an, siehe Tabelle 1.<br />
Während bei Stahlbeton eine Beeinflussung von maximal<br />
+200 mV zulässig ist, hängt sie bei Stahlinstallationen<br />
vom spezifischen Bodenwiderstand ab. Für spezifische<br />
Bodenwiderstände von 15 Ωm < ρ ≤ 200 Ωm errechnet<br />
sich die zulässige Potentialverschiebung nach folgender<br />
Größengleichung:<br />
U<br />
<br />
1,5<br />
mV m<br />
<br />
mit<br />
ΔU<br />
ρ<br />
zulässige Potentialverschiebung in positiver<br />
Richtung,<br />
spezifischer Bodenwiderstand.<br />
Bezogen auf einen spezifischen Bodenwiderstand<br />
von 100 Ωm errechnet sich die zulässige Potentialverschiebung<br />
zu 150 mV. In Bild 3 ist dieser für Stahlinstallationen<br />
zulässige Grenzwert zusammen mit dem<br />
Verlauf des Potentialgradienten wiedergegeben. Der<br />
Schnittpunkt beider Graphen ergibt sich bei 37,5 m.<br />
Das heißt, dass Stahlinstallationen wie Rohrleitungen<br />
in einem Abstand beiderseits der Bahntrasse von bis<br />
zu 37,5 m durch Streuströme unzulässig beeinflusst<br />
werden können, wenn in der Außenumhüllung der<br />
Rohrleitung eine Fehlstelle vorliegt, obwohl die Gleise<br />
gemäß DIN EN 50122-2 ordnungsgemäß verlegt<br />
worden sind.<br />
An dieser Stelle ist anzumerken, dass der zulässige auf die<br />
Länge bezogene Streustromaustritt von 2,5 mA/m je Gleis<br />
auch nur gewährleisten soll, dass an den Fahrschienen und<br />
den Schienenbefestigungen kein Nutzungsausfall infolge<br />
von Streustromkorrosion innerhalb einer Nutzungsdauer<br />
von 25 bis 30 Jahren auftritt. Ebenso verhindert der<br />
genannte Mindestabstand von 1 m direkte ungewollte<br />
Verbindungen zwischen den Fahrschienen und anderen<br />
Stahlinstallationen und ermöglicht dem Rohrleitungsbetreiber<br />
mit vertretbaren Mitteln Korrosionsschutzmaßnahmen<br />
zu treffen.<br />
Bei der Planung neuer Stadt- bzw. Straßenbahntrassen<br />
und bei geplanten Umbaumaßnahmen ist die mögliche<br />
Beeinflussung von Rohrleitungen und anderen Stahlinstallationen<br />
ein wesentliches Thema. Von besonderem<br />
Interesse ist die Frage nach dem Zusammenhang zwischen<br />
Streustromaustritt und Mindestabstand zwischen<br />
Fahrschienen und Rohrleitung.<br />
Bild 1: Korrosion durch Streuströme<br />
U 1-2 in mV<br />
U 1-2 in mV<br />
600<br />
500<br />
400<br />
300<br />
200<br />
100<br />
600<br />
500<br />
400<br />
300<br />
200<br />
100<br />
I ' = 2,5 mA/m je Gleis<br />
ρ = 100 Ωm<br />
0<br />
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100<br />
a in m<br />
Schienen-Potentialgradient<br />
Bild 2: Potentialgradient einer zweigleisigen Strecke<br />
I ' = 2,5 mA/m je Gleis<br />
ρ = 100 Ωm<br />
0<br />
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100<br />
a in m<br />
Schienen-Potentialgradient zulässige Beeinflussung nach EN 50162<br />
Bild 3: Potentialgradient und zulässige Potentialverschiebung gemäß<br />
DIN EN 50162<br />
04-05 | 2014 159
FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ<br />
Auf die Länge bezogener Streustromaustritt und<br />
Mindestabstand<br />
Die in den Bildern 2 und 3 dargestellten Verläufe der<br />
Potentialgradienten wurden durch Überlagerung der<br />
Potentialgradienten von vier einzelnen Fahrschienen ermittelt.<br />
Hierbei beschreibt der Abstand a den Abstand zwischen<br />
Rohrleitung und der nächstgelegenen Fahrschiene.<br />
Um den Zusammenhang zwischen Streustromaustritt und<br />
dem Mindestabstand in einfacher Weise beantworten<br />
zu können, wird die zweigleisige Strecke zunächst durch<br />
einen Ersatzleiter nachgebildet. Der Potentialgradient<br />
dieser Ersatztrasse errechnet sich mit folgender Größengleichung<br />
zu:<br />
I<br />
U<br />
<br />
ρ<br />
s a s <br />
<br />
<br />
ln100<br />
0,5 ln<br />
0,5 <br />
<br />
[m] [m]<br />
[m] <br />
' ges<br />
mit<br />
I‘ges auf die Länge bezogener gesamter<br />
Streustromübertritt,<br />
s Spurweite (eingleisige Strecke) bzw. Gleismittenabstand<br />
(zweigleisige Strecken),<br />
a Abstand Rohrleitung – außenliegende Fahrschiene.<br />
Bild 4 zeigt den Verlauf des Potentialgradienten der Ersatztrasse<br />
(rot) im Vergleich zum Potentialgradienten von vier Fahrschienen<br />
(blau). Im Anfangsbereich beträgt die Abweichung<br />
maximal 2,5 %, wobei die Ersatztrasse höhere Werte ergibt.<br />
Setzt man die zulässige Potentialverschiebung nach<br />
DIN EN 50162 gleich dem Potentialgradienten der Ersatztrasse,<br />
erhält man für Böden mit 15 Ωm < ρ ≤ 200 Ωm<br />
folgende Größengleichung:<br />
und im Weiteren entweder den maximal zulässigen längenbezogenen<br />
Streustromübertritt:<br />
' ges<br />
I<br />
1,5 <br />
<br />
[mA/m] s a s <br />
ln100<br />
0,5 ln<br />
0,5 <br />
[m] [m]<br />
[m] <br />
oder den zulässigen Mindestabstand Rohrleitung – außenliegende<br />
Fahrschiene:<br />
a s <br />
100<br />
0,5 e<br />
[m] [m] <br />
1,5 <br />
<br />
<br />
[mA/m ] <br />
I '<br />
ges <br />
s<br />
0,5 <br />
[m] .<br />
Wird als Beispiel eine zweigleisige Strecke mit einem Gleismittenabstand<br />
von 3,5 m betrachtet und der auf die Länge bezogene<br />
Gesamtstreustrom zu 5 mA/m angenommen, ergibt<br />
sich der Mindestabstand zwischen Rohrleitung und außen<br />
liegender Fahrschiene zu 37,9 m. Dieser Wert stimmt mit dem<br />
aus Bild 2 ermittelten Abstand sehr gut überein. Wesentlich<br />
interessanter ist jedoch der zulässige Streustromaustritt,<br />
wenn der Abstand zwischen Rohrleitung und außenliegender<br />
Fahrschiene lediglich dem in EN 50122-2 genannten Mindestabstand<br />
von 1 m entspricht. In diesem Fall ergibt Gleichung<br />
(4) einen Gesamtstreustromübertritt von 1,3 mA/m bzw. von<br />
0,625 mA/m je Gleis. Bild 5 zeigt den zugehörigen Verlauf<br />
des Potentialgradienten.<br />
4. Streustromgerechte Oberbauformen<br />
Der zulässige auf die Länge bezogene Streustromaustritt<br />
beträgt gemäß DIN EN 50122-2 I‘ = 2,5 mA/m je<br />
Gleis. Der zulässige Ableitungsbelag Gleis/Erde ergibt sich<br />
aus der mittleren Schienenpotentialänderung in positiver<br />
Richtung und dem genannten Streustromaustritt zu:<br />
I'<br />
G'<br />
<br />
U<br />
RE<br />
mit<br />
G‘ Ableitungsbelag Gleis/Erde,<br />
I‘ längenbezogener Streustromaustritt,<br />
URE zeitlicher Mittelwert der positiven Schienenpotentialänderungen<br />
über 24 h Dauer oder deren Vielfaches.<br />
600<br />
600<br />
500<br />
500<br />
400<br />
400<br />
U 1-2 in mV<br />
300<br />
U 1-2 in mV<br />
300<br />
200<br />
200<br />
100<br />
100<br />
I ' = 2,5 mA/m je Gleis<br />
ρ = 100 Ωm<br />
0<br />
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100<br />
a in m<br />
4 Fahrschienen (Ersatz-) Trasse<br />
Bild 4: Vergleich von Potentialgradienten<br />
I ' = 0,625 mA/m je Gleis<br />
ρ = 100 Ωm<br />
0<br />
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100<br />
a in m<br />
Schienen-Potentialgradient zulässige Beeinflussung nach EN 50162<br />
Bild 5: Potentialgradient sehr gut isolierter Fahrschienen<br />
160 04-05 | 2014
KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT<br />
Beschreibung<br />
Straßenbündiger Oberbau<br />
Ableitungsbelag G‘ in S/km je Gleis<br />
von<br />
bis<br />
ungebundene Tragschicht (Mineralgemisch), Zwischenraum mit Pflastersteinen ausgefacht 0,3 6,5<br />
Betontragplatte/ -balken, ungewollte Verbindungen zwischen Fahrschienen und Bewehrung 3,0 12,0<br />
Betontragplatte/ -balken, isolierender Schienenunterguss und isolierende Befestigungselemente,<br />
Zwischenraum mit Magerbeton aufgefüllt oder Verwendung von Betonkammersteinen,<br />
Deckenschluss aus Gussasphalt 1,9 5,0<br />
Betontragplatte/ -balken, isolierender Schienenunterguss und isolierende Befestigungselemente,<br />
isolierende Kammer(füll)profile, isolierende Spurstangenummantelungen 0,3 2,0<br />
Betontragplatte, isolierender Schienenunterguss und isolierende Befestigungselemente,<br />
Zwischenraum asphaltiert 1,0 1,5<br />
Bituminöse Tragschicht bis 1 m seitlich neben außenliegender Schiene, isolierender Schienenunterguss,<br />
Zwischenraum mit Magerbeton aufgefüllt, Deckenschluss aus Gussasphalt 0,3 2,1<br />
Bituminöse Tragschicht, Betonkammersteine, Zwischenraum asphaltiert 0,3 1,2<br />
Schotterbett, Betonschwelle, Zwischenraum mit bituminöser Tragschicht aufgefüllt 0,6 1,6<br />
Rasengleise<br />
Schotterbett, Betonschwelle, Geotextil, Begrünung bis Schienenoberkante 0,7 5,0<br />
Schotterbett, Betonschwelle, Kammerfüllprofile, Geotextil, Begrünung bis Schienenoberkante 0,3 1,5<br />
Betonlängsbalken, isolierende Befestigungselemente, Begrünung bis Schienenoberkante 1,0 5,0<br />
Betonlängsbalken, isolierende Befestigungselemente, Kammer(füll)profile, Schienenfußmantel<br />
und Spurstangenumhülllung, Begrünung bis Schienenoberkante 0,02 0,8<br />
Betontragplatte mit eingelassenen Kanälen, Fahrschienen mit isolierender Umgussmasse<br />
bis Schienenoberkante eingegossen, Begrünung bis Oberkante Beton bzw. Fahrschienen 0,002 0,02<br />
Tabelle 2: Ableitungsbeläge Gleis/Erde, Quelle: Bette, TAW<br />
Wird die Streustrombeeinflussung von fremden Installationen<br />
aus Stahl wie Rohrleitungen betrachtet, sind die mittleren<br />
Schienenpotentialänderungen in negativer Richtung<br />
maßgebend.<br />
In Bezug auf die Planung neuer Strecken wird empfohlen,<br />
zunächst die mittleren Schienenpotentiale in positiver und in<br />
negativer Richtung durch Simulationsrechnung zu ermitteln.<br />
In Abhängigkeit von dem Abstand zwischen Rohrleitungen<br />
und der äußeren Fahrschiene wird der zulässige auf die Länge<br />
bezogene Streustromübertritt berechnet und anschließend der<br />
maximal zulässige Ableitungsbelag bestimmt.<br />
Bei bestehenden Strecken, die erneuert werden sollen, können<br />
die auftretenden Schienenpotentialänderungen messtechnisch<br />
ermittelt und der zulässige Streustromübertritt sowie der zugehörige<br />
Ableitungsbelag berechnet werden.<br />
Diese Vorgehensweise erfordert unter Umständen einen<br />
kleineren Ableitungsbelag Gleis/Erde als bisher üblich, führt<br />
aber deutlich zu einer Verringerung der Streustrombeeinflussung<br />
von anderen Installationen. In DIN EN 50122-2 wird<br />
z. B. bei Stadt- und Straßenbahnen mit einer Gleisverlegung<br />
im geschlossenen Oberbau angenommen, dass die mittlere<br />
Schienenpotentialänderung ≤ 1 V ist, so dass sich der zulässige<br />
Ableitungsbelag zu 2,5 S/km errechnet. Die unter 3.<br />
vorgenommenen Berechnungen ergaben einen zulässigen<br />
Streustromübertritt von 0,625 mA/m, was bei einer Schienenpotentialänderung<br />
von 1 V einem Ableitungsbelag von<br />
0,625 S/km je Gleis entspricht. Hieraus folgt auch, dass bei<br />
Gleisen im offenen Oberbau bei gleicher Schienenpotentialänderung<br />
und einem Ableitungsbelag von 0,5 S/km der in [1]<br />
geforderte Mindestabstand von 1 m ausreichend ist.<br />
In Tabelle 2 sind Ableitungsbeläge Gleis/Erde angegeben,<br />
die in den letzten Jahren in verschiedenen Städten messtechnisch<br />
ermittelt wurden. Aus dieser Tabelle ist zu ersehen,<br />
dass mit mehreren Oberbauformen Ableitungsbeläge von<br />
0,3 S/km erzielt werden. Teilweise sind die Ableitungsbeläge<br />
aber auch deutlich höher. Ursache hierfür sind Fehler bei der<br />
Bauausführung. In den Bildern 6 bis 9 sind einige typische<br />
Fehler dargestellt. Bild 6 zeigt als Beispiel ein Rasengleis, dass<br />
mit Kammerfüllprofilen gegenüber Erde isoliert wurde; die<br />
Anschlusskästen<br />
wurden<br />
nicht isoliert.<br />
In Bild 7 wurden<br />
die Kammerfüllprofile<br />
so eingebaut,<br />
das Feuchtigkeit<br />
in die<br />
Fugen eindringen<br />
kann.<br />
Bild 8 zeigt<br />
ein Gleis, das<br />
mit Kammerprofilen<br />
und<br />
Spurstange-<br />
nummante- Bild 6: Rasengleis, Schienenanschlusskästen nicht isoliert<br />
04-05 | 2014 161
FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ<br />
lungen isoliert wurde; die Spurstangenummantelung wurde<br />
bereits beim Einbau beschädigt. In Bild 9 hat die Fahrschiene<br />
eine direkte Verbindung zu der Übergangskonstruktion einer<br />
Brücke.<br />
Bilder: Bette, TAW<br />
Bild 7: Rasengleis, in die Fugen dringt Feuchtigkeit ein<br />
Bild 8: Isoliertes Gleis mit beschädigter Spurstangenummantelung<br />
Fazit<br />
Der in DIN EN 50122-2 geforderte auf die Länge bezogene<br />
Streustromaustritt von 2,5 mA/m stellt sicher, dass an den<br />
Fahrschienen und den Befestigungselementen innerhalb einer<br />
Nutzungsdauer von 25 bis 30 Jahren keine Ausfälle durch<br />
Streustromkorrosion auftritt. Jedoch können an anderen Installationen<br />
aus Stahl, deren Abstand zu den äußeren Fahrschienen<br />
kleiner ist als ca. 40 m, noch unzulässige Streustrombeeinflussungen<br />
auftreten. Um unzulässige Beeinflussungen an<br />
Stahlinstallationen, deren Mindestabstand zu den Fahrschienen<br />
nur 1 m beträgt, zu vermeiden, müssten in Böden mit spezifischen<br />
Widerständen zwischen 15 Ωm und 200 Ωm die<br />
Fahrschienen gegenüber Erde so isoliert werden, dass der auf<br />
die Länge bezogene Streustromübertritt nicht größer ist als<br />
0,625 mA/m je Gleis. Dieses ist mit den heute zur Verfügung<br />
stehenden Materialien zur Isolierung der Fahrschienen ohne<br />
weiteres möglich.<br />
In der Praxis hängt der tatsächliche Streustromaustritt sehr<br />
stark von der Qualität der Bauausführung ab. Daher ist es<br />
notwendig, bereits in der Ausschreibung entsprechend den<br />
Planungsberechnungen kleinere Ableitungsbeläge zu fordern<br />
und die Einhaltung messtechnisch zu überwachen.<br />
Bei einer Gleisverlegung im offenen Oberbau sind die Ableitungsbeläge<br />
und damit die längenbezogenen Streustromaustritte<br />
in der Regel so niedrig, dass an benachbarten Installationen<br />
mit einem Mindestabstand von 1 m keine unzulässigen<br />
Beeinflussungen mehr auftreten.<br />
Literatur<br />
[1] DIN EN 50122-2 (VDE 0115-4) (2011): Bahnanwendungen –<br />
Ortsfeste Anlagen – Elektrische Sicherheit, Erdung und Rückleitung<br />
– Teil 2: Schutzmaßnahmen gegen Streustromwirkungen durch<br />
Gleichstrombahnen<br />
[2] DIN EN 50162 (VDE 0150) (2005): Schutz gegen Korrosion durch<br />
Streuströme aus Gleichstromanlagen<br />
AUTOREN<br />
Dipl.-Ing. ULRICH BETTE<br />
Technische Akademie Wuppertal<br />
Tel. +49 202 7495-637<br />
E-Mail: ulrich.bette@taw.de<br />
Bild 9: Fahrschiene hat Kontakt zur Übergangskonstruktion<br />
Dr. MANFRED MENGE<br />
Siemens AG Mobility and Logistics Division<br />
IC MOL MTS IE, Berlin<br />
Tel. +49 30 386-52740<br />
E-Mail: manfred.menge@siemens.com<br />
162 04-05 | 2014
BUCHBESPRECHUNG SERVICES<br />
Siedlungswasserwirtschaft<br />
Berechnungsbeispiele und Bemessung<br />
INFOS:<br />
Autoren: Hubertus Milke, Tilo Sahlbach, Werner Verlag, Neuwied, 2014, ca. 250 Seiten, kartoniert,<br />
Preis: ca. € 35,00, ISBN:978-3-8041-4332-6<br />
Obwohl heute auf dem Gebiet der Siedlungswasserwirtschaft,<br />
insbesondere bei der Abwasserbehandlung<br />
und -ableitung Probleme mit Simulations- und<br />
Bemessungsprogrammen gelöst werden, ist zum<br />
Grundverständnis die Lösung von einfachen Aufgaben<br />
"per Hand" notwendig. Dieses Buch enthält<br />
ca. 60 Beispiele von herkömmlichen und neuen<br />
Bemessungsaufgaben, wie die Dimensionierung<br />
von Wasserversorgungsnetzen und Abwasser-Freispiegelkanälen,<br />
die Wasserbedarfsermittlung, die<br />
Bemessung von Regenüberlaufbecken, Regenrückhaltebecken,<br />
Versickerungs- und Kläranlagen. Alle<br />
Bemessungsaufgaben sind mit Skizzen veranschaulicht,<br />
vollständig durchgerechnet und mit Hinweisen<br />
zum Lösungsweg versehen. Für die Bemessung<br />
wichtige Tabellen und Diagramme vervollständigen<br />
diese Beispielsammlung. Dem Praktiker im Planungsbüro<br />
gibt dieses Buch die Möglichkeit, sich die<br />
vielen neuen Normen leicht und sicher anzueignen<br />
und auf eigene Aufgabenstellungen zu übertragen.<br />
Taschenbuch der Wasserversorgung<br />
Das Standardwerk in neuer vollständig überarbeiteter Auflage<br />
INFOS:<br />
Autoren: J. Rautenberg, P. Fritsch, W. Hoch, G. Merkl, F. Otillinger, M. Weiß, B. Wricke, Springer Vieweg<br />
Verlag, Wiesbaden, 2014, 978 Seiten, 365 Abb., Hardcover, Preis: € 99,99, ISBN: 978-3-8348-2560-5<br />
Neu gegliedert und inhaltlich an die aktuellen Anforderungen<br />
an Planung, Betrieb, Instandhaltung und<br />
Management angepasst, liegt das Taschenbuch der<br />
Wasserversorgung nun in der 16. Auflage vor. Es erläutert<br />
den derzeitigen Stand der Technik, zeigt die<br />
wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekte bei Planung,<br />
Ausführung und Instandhaltung von Wasserversorgungsanlagen<br />
und nennt das aktuelle technische<br />
Regelwerk (DVGW-Arbeitsblätter, DIN-Normen, Eurocodes)<br />
sowie die einschlägigen Gesetze, Verordnungen<br />
und Richtlinien. In dieser Breite ist es ein<br />
einzigartiges Nachschlagewerk für alle, die sich mit<br />
den Aufgaben der Wasserversorgung beschäftigen.<br />
Es ist ein seit mehr als 50 Jahren anerkanntes<br />
Fachbuch, das alle Bereiche der Wasserversorgung<br />
umfasst.<br />
Erfolg hat, wer Regeln bricht<br />
Wie Leidenschaft zu Spitzenleistungen führt<br />
INFOS:<br />
Autor: Mike Fischer, Linde Verlag, Wien, 2014, 208 Seiten, Hardcover, Preis: € 19,90,<br />
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Was haben ein Pizza-Lieferdienst, eine Fahrschule und<br />
ein Bauunternehmen gemeinsam? Der gemeinsame<br />
Nenner heißt Mike Fischer. Der Unternehmer, Gastronom<br />
und Bildungsträger beschreibt in seinem Buch,<br />
wie er einen Führungsstil entwickelt hat, der Mitarbeiter<br />
zur Ideenfindung und unternehmerischem Handeln<br />
anregt. Fischer stellt in 22 kurzen Kapiteln seine<br />
Vision von einem unkonventionellen Führungsstil vor,<br />
indem er seinen eigenen Weg als Unternehmer beschreibt.<br />
Er weiß aber nicht nur, wie man gute Pizzen<br />
bäckt, sondern auch, welche Faktoren dafür nötig<br />
sind, um ein erfolgreicher Unternehmer zu sein. Die<br />
Abschnitte im Buch sind gut strukturiert und warten<br />
mit einer Vielzahl von Videos bzw. Weblinks auf, die<br />
direkt als QR-Codes abgebildet sind. Wer seine Arbeit<br />
als Unternehmer und Führungskraft mit Leidenschaft<br />
sinnvoll für das Unternehmen einsetzen möchte, findet<br />
hier mögliche Impulse.<br />
04-05 | 2014 163
SERVICES BUCHBESPRECHUNG<br />
Wie man die Effizienz von Sandfängen steigern kann<br />
Ein Leitfaden für Betreiber und Planer<br />
INFOS:<br />
Autor: Bertram Botsch, Vulkan Verlag, Essen, 2013, 116 Seiten, Broschur, Preis: € 34,00<br />
ISBN: 978-3-8027-2565-4<br />
Konventionelle Sandfänge weisen fünf hydraulische und zwei verfahrenstechnische Schwachstellen<br />
auf, zusammen mit Sandwäschern zwei weitere. Diese können verhältnismäßig einfach berücksichtigt<br />
und beseitigt werden. Dadurch kann die Sandabscheidung wesentlich erhöht und gleichzeitig der<br />
Energie-Aufwand verringert werden. In kurzer und verständlicher Form beschreibt der Autor die<br />
relevanten Parameter und zeigt praktikable Lösungsmöglichkeiten auf.<br />
Im Allgemeinen wird der Sandfang<br />
in Kläranlagen als black-box<br />
betrachtet. Dabei wird meist vernachlässigt,<br />
dass die hydraulischen Verhältnisse im Sandfang sowohl<br />
für die Sandabscheidung als auch für den Energie-Aufwand<br />
maßgebend sind. Die fünf Schwachstellen der Hydraulik müssen<br />
mit getrennten Maßnahmen möglichst gleichzeitig beseitigt<br />
werden, weil sie sich auch gegenseitig beeinflussen. Mit der Beseitigung<br />
der Schwachstellen wird der Sandfang hydraulisch optimiert<br />
- diesen optimierten Sandfang bezeichnet der Autor als<br />
„Hydrosandfang“.<br />
Die chaotischen Teilströmungen in konventionellen Sandfängen<br />
bestehen aus verschiedenartigen Teilströmungen, die in unterschiedlicher,<br />
zum Teil mächtiger Stärke das Sandfanggeschehen<br />
beherrschen und damit auch die Sandabscheidung und den Energie-Aufwand.<br />
Das Vorhandensein der Teilströmungen konnte mittels<br />
der numerischen Strömungssimulation in vielen Einzelfällen<br />
nachgewiesen werden. Die im Buch vorgestellten Maßnahmen<br />
bewirken, dass aus den chaotischen Strömungsverhältnissen eine<br />
nahezu gleichmäßige rotierende Pfropfenströmung mit eindeutigen<br />
Eigenschaften wird. Das benutzte Programm CHAMPION 3D<br />
wurde bezüglich der hydraulischen Komponenten großtechnisch<br />
verifiziert (Sandfang 3,4 m x 4,2 m x 42 m). Die rechnerischen<br />
Ergebnisse der Sandabscheidung wurden ebenfalls großtechnisch<br />
überprüft (Versuchskanal 1,5 m x 2 m x 22 m; Sandgemisch<br />
0,2 mm bis 0,6 mm) und bestätigt, so dass die Folgerungen aus<br />
den Berechnungen als nachvollziehbar gelten können. Bisher unbekannte<br />
physikalische Sachverhalte konnten damit beschrieben<br />
und für einen verbesserten Sandfangbetrieb und für eine neue Bemessung<br />
zugänglich gemacht werden.<br />
Maßnahmen zur Wirkungsgradsteigerung<br />
Die im Sandfang-Leitfaden behandelten Einzelmaßnahmen<br />
sind hier stichwortartig dargestellt. Sie sind in der dort aufgeführten<br />
Literatur ausführlich begründet:<br />
»»<br />
Die Einlaufströmung in den Sandfang muss vollständig<br />
in die Richtung der Walzenströmung umgelenkt werden.<br />
Dies ist meist mit zwei oder drei Umlenkblechen oder<br />
-wänden möglich. Dabei muss umgesetzt werden, dass<br />
der Einlaufstrahl vollständig umgelenkt wird und keine<br />
Strömungskomponente in Längsrichtung des Sandfangs<br />
verbleibt. In einem bestehenden Sandfang kann zwar<br />
der Einlauf in beliebiger Höhe und in beliebiger Achsrichtung<br />
vorhanden sein, aber die gewünschte Umlenkung<br />
kann immer erreicht werden. Die Energie der Einlaufströmung<br />
erzeugt die gewünschte Walzenströmung ohne<br />
weitere Unterstützung durch eine Belüftung. Die Zulaufgeschwindigkeit<br />
von etwa 1 m/s wird im Sandfang auf<br />
etwa 0,05 m/s verlangsamt. Der übliche rechnerische Ansatz<br />
von etwa 0,3 m/s bei gleichmäßiger Durchströmung<br />
der üblichen Sandfangquerschnitte wird damit weit unterschritten.<br />
Es hat sich bei der Verwirklichung der Bauart<br />
„Hydrosandfang“ erwiesen, dass sich der Sand etwa bei<br />
der zweiten und dritten Walzendrehung massiv absetzt.<br />
Die restliche Sandfanglänge dient der Restabscheidung<br />
von Sand und gegebenenfalls der erhöhten Fettabscheidung.<br />
Deshalb kann der normale Räumbetrieb auf den<br />
Anfang des Sandfangs (etwa auf 1/2 oder 1/3 der Sandfanglänge)<br />
beschränkt werden und auf die restliche Länge<br />
im selteneren Betrieb.<br />
»»<br />
Die Verbindungsöffnung zwischen Sandfangteil und Fettfangkammer<br />
ist durch Lamellen unterschiedlicher Art<br />
teilweise verschlossen, aber hydraulisch verbunden. Der<br />
Fettfangteil als solcher ist aber auf seiner ganzen Länge<br />
für jede Art von Strömungen offen. Da die Walzenströmung<br />
im Sandfangteil für die Durchflussströmung einen<br />
hydraulischen Widerstand darstellt, weicht ein Teil des<br />
Durchflusses als Bypass-Strömung in das Fettfangteil aus.<br />
Die Bypass-Strömung kann unterschiedliche Richtungen,<br />
Mächtigkeit und weitere Teilströmungen umfassen, jedenfalls<br />
von chaotischer Natur sein (Bild 1). Zur Verhinderung<br />
der Bypass-Strömung können Querwände eingebaut<br />
werden, die den Fettfangquerschnitt abschotten. Dadurch<br />
wird sich keine durchgehende Bypass-Strömung mehr einstellen<br />
können, unabhängig davon, auf welche Weise die<br />
Beaufschlagung des Fettfangteils im Einzelnen erfolgt.<br />
»»<br />
Die Strömungswalze kann durch die Einlaufströmung erzeugt<br />
werden. Folglich kann die Belüftung des Sandfangs<br />
entfallen, falls sie nicht anderen als hydraulischen Zwe-<br />
164 04-05 | 2014
BUCHBESPRECHUNG SERVICES<br />
Teilströmungen im Sand- und Fettfang<br />
Einlaufbereich<br />
Teilströmungen<br />
SF<br />
SF<br />
FF<br />
Durchfluss<br />
Walze<br />
Auslaufbereich<br />
Austausch<br />
By-Pass<br />
Rückströmung<br />
Kurzschluss-<br />
Strömung<br />
Bild 1: Teilströmungen in Sand- und Fettfängen<br />
Bild 2: Beispiel eines kombinierten belüfteten Sand- und Fettfangs<br />
cken dient. Damit entfallen auch die Kosten für den Belüftungsbetrieb<br />
und die Wartung, gegebenenfalls auch eine<br />
Luftwäsche, falls der Sandfang abgedeckt und eine Luftwäsche<br />
vorhanden ist. Wenn die Belüftung beibehalten<br />
wird, sollte sie nur im ersten Drittel oder im ersten Viertel<br />
des Sandfangs vorgesehen werden, wobei dann auch eine<br />
große Luftleistung gerechtfertigt ist. Für jede Art einer beibehaltenen<br />
Belüftung reicht aber ganz allgemein eine wesentlich<br />
geringere als die übliche Luftleistung.<br />
»»<br />
Der Trichter am Sandfangeinlauf sollte entfallen, abgedeckt<br />
oder minimiert werden. Gerade am Sandfanganfang<br />
wird die Strömungswalze aufgebaut, so dass dort<br />
ein Trichter extrem ungünstig ist. Der Sandfangquerschnitt<br />
sollte durchgehend gleichmäßig sein. Der Trichter ist bei einem<br />
Einsatz eines üblichen Sandsaugräumers unnötig. Bei<br />
Sandschieberäumern ist die Trichtergröße auf den zu erwartenden<br />
oder bekannten Sandanfall abzustimmen, das<br />
heißt zu minimieren.<br />
»»<br />
Auf dem Saugräumer sollte ein Tauchmotorrührwerk angeordnet<br />
werden. Der Strahl ist in Strömungsrichtung<br />
etwa auf den Saugrohrstutzen zu richten und dient der<br />
Fluidisierung feiner Sedimente oder der Aufwirbelung größerer<br />
Sandablagerungen.<br />
»»<br />
Die anzusetzende Flächenbeschickung qA ist am größten<br />
bei der Bauart „Hydrosandfang“, kleiner bei teilweise belüfteten<br />
Sandfängen und am kleinsten bei durchgehend<br />
belüfteten Sandfängen. Daher ist die Sandfanggröße am<br />
kleinsten bei der Bauart „Hydrosandfang“, größer bei teilweise<br />
belüfteten Sandfängen und am größten bei durchgehend<br />
belüfteten Sandfängen. Daraus ergibt sich die<br />
bedeutende praktische Folgerung, dass die Sandabscheidung<br />
durch die Umrüstung eines bestehenden Sandfangs<br />
wesentlich erhöht werden kann.<br />
»»<br />
Eine wichtige Erkenntnis besteht darin, dass die zulässige<br />
Flächenbeschickung qA umgekehrt proportional zur Sandfangbreite<br />
ist. Das bedeutet, dass ein Zwillingssandfang<br />
insgesamt wesentlich schmaler ist als ein vergleichbarer<br />
Einzelsandfang (2 x B Zwilling<br />
< B Einzelsandfang<br />
).<br />
»»<br />
Da das Bauvolumen V = B * T * L über B ~ T gekoppelt<br />
ist, wird ein Zwillingssandfang mit geringerer als zweimal<br />
halber Beckenbreite nicht nur insgesamt schmaler, sondern<br />
das Volumen überproportional kleiner als ein Einzelsandfang<br />
(2 x V Zwilling<br />
SERVICES AKTUELLE TERMINE<br />
brbv<br />
SPARTENÜBERGREIFEND<br />
Informationsveranstaltungen<br />
Praxis der Tiefbauarbeiten bei<br />
Leitungsverlegungen – DIN 4124/ZTV<br />
A-StB, 2012<br />
21./22.10.2014 Hannover<br />
Arbeitsvorbereitung und Kostenkontrolle<br />
im Rohrleitungsbau<br />
28.10.2014 Hannover<br />
Steuerbare horizontale Spülbohrverfahren<br />
– Weiterbildungsveranstaltung nach GW<br />
329<br />
09.12.2014 Kassel<br />
Einbau und Abdichtung von Netz- und<br />
Hausanschlüssen<br />
21.10.2014 Leipzig<br />
20.11.2014 Hannover<br />
GAS/WASSER<br />
Grundlagenschulungen<br />
Geprüfter Netzmeister Gas/Wasser –<br />
Vollzeitlehrgang<br />
25.08.2014 – 20.03.2015 Berlin,<br />
Dresden,<br />
Köln<br />
Zusatzqualifikation Netzingenieur/in –<br />
Modul Wasser<br />
15.09.–17.10.2014 Steinfurt und<br />
Oldenburg<br />
Sicherheit bei Arbeiten im Bereich von<br />
Versorgungsleitungen – Schulung nach<br />
GW 129/S129 – 5 Jahre Gültigkeit<br />
20.05.2014 Berlin<br />
Informationsveranstaltungen<br />
Arbeiten an Gasleitungen – BGR 500<br />
Kap. 2.31<br />
11.11.2014 Bad Zwischenahn<br />
Bau von Gasrohrnetzen über 16 bar<br />
09./10.12.2014 Köln<br />
Grabenlose Bauweisen – anerkannte<br />
Fortbildung nach GW 302-R2/GW 320-1<br />
12.11.2014 Berlin<br />
Reinigung und Desinfektion von<br />
Wasserverteilungsanlagen<br />
29.10.2014 Hannover<br />
18.11.2014 Frankfurt/Main<br />
DVGW-Arbeitsblatt GW 301<br />
– Qualitätsanforderungen für<br />
Rohrleitungsbauunternehmen<br />
07.10.2014 Augsburg<br />
Praxisseminare<br />
DVS 2202-1 Beurteilung von<br />
Kunststoffschweißverbindungen<br />
05.11.2014 Leipzig<br />
Fachaufsicht Korrosionsschutz für<br />
Nachumhüllungsarbeiten gemäß DVGW-<br />
Merkblatt GW 15<br />
04.11.2014 Frankfurt/Main<br />
11.12.2014 Bad Zwischenahn<br />
Fachwissen für Schweißaufsichten nach<br />
DVGW-Merkblatt GW 331 inkl. DVS-<br />
Abschluss 2212-1<br />
23./24.10.2014 Dortmund<br />
27./28.11.2014 Dortmund<br />
Druckprüfung von Gas- und<br />
Wasserleitungen<br />
21./22.10.2014 Essen<br />
Druckprüfung von Gasrohrleitungen<br />
02.12.2014 Hannover<br />
Druckprüfung von Wasserrohrleitungen<br />
03.12.2014 Hannover<br />
FERNWÄRME<br />
Grundlagenschulungen<br />
Muffenmonteur im Fernwärmeleitungsbau,<br />
geprüft nach AGFW FW 603 – Verlängerung<br />
ganzjährig<br />
Halle, Hamburg<br />
Informationsveranstaltungen<br />
Bau und Sanierung von Nah- und<br />
Fernwärmeleitungen<br />
22./23.10.2014 Würzburg<br />
Aufbaulehrgang Fernwärme<br />
02.12.2014 Kerpen<br />
Techniklehrgang für Vorarbeiter<br />
Fernwärme<br />
10.-14.11.2014 Kerpen<br />
Technische Grundlagen der Nah- und<br />
Fernwärme<br />
02.-07.11.2014 Weimar<br />
Qualifikationen im Fernwärmeleitungsbau<br />
18.11.2014 Hannover<br />
Rohrstatische Auslegung von<br />
Kunststoffmantelrohren<br />
04./05.11.2014 Hamburg<br />
Planung und Bau von<br />
Fernwärmeversorgung mit Dampf<br />
21.11.2014 Hannover<br />
Mantelrohrsysteme im<br />
Fernwärmeleitungsbau<br />
16./17.09.2014 Hamburg<br />
Schweißen und Prüfen von<br />
Fernwärmeleitungen – FW 446<br />
19.11.2014 Hannover<br />
Stahlmantelrohre im<br />
Fernwärmeleitungsbau<br />
20.11.2014 Hannover<br />
ABWASSER<br />
Grundlagenschulungen<br />
Bau von Gas- und Wasserohrl eitungen<br />
28./29.10.2014 Paderborn<br />
Bau von Wasserohrleitungen<br />
25./26.11.2014 Herzogenaurach<br />
Geprüfter Netzmeister Fernwärme –<br />
Blocklehrgang<br />
Sept. 2014 – März 2015<br />
Hamburg,<br />
Gera,<br />
Nürnberg<br />
Dichtheitsprüfung von<br />
Entwässerungsanlagen außerhalb von<br />
Gebäuden<br />
30.06.-04.07.2014 Bühl<br />
08.-12.09.2014 Soltau<br />
Bau von Gasrohrnetzen bis 16 bar<br />
12./13.11.2014 Bad Zwischenahn<br />
166 04-05 | 2014
AKTUELLE TERMINE SERVICES<br />
Fortbildung Dichtheitsprüfung von<br />
Entwässerungsanlagen außerhalb von<br />
Gebäuden<br />
11.06.2014 Siegen<br />
Sachkunde Dichtheitsprüfung von<br />
Grundstücksentwässerungsanlagen -<br />
Neueinsteigerkurs<br />
23.-27.06.2014 Braunschweig<br />
22.-26.09.2014 Dresden<br />
Informationsveranstaltungen<br />
Einbau und Prüfung von<br />
Abwasserleitungen und -kanälen,<br />
Arbeitsblatt DWA-A139<br />
17.09.2014 Kassel<br />
SEMINARE<br />
GWI Essen<br />
Organisation und Logistik der<br />
Gasrohrnetzüberprüfung<br />
23.06.2014 Essen<br />
Gasspüren und<br />
Gaskonzentrationsmessungen<br />
24./25.06.2014 Essen/<br />
27./28.10.2014 Essen<br />
Instandhaltung von Gasleitungen aus<br />
Stahlrohren größer 5 bar gem. G 466-1<br />
01./02.07.2014 Essen<br />
21./22.10.2014 Essen<br />
Arbeiten an freiverlegten Gasrohrleitungen<br />
auf Werksgelände und im Bereich<br />
17.09.2014 Essen<br />
Sicherheitstraining bei Bauarbeiten im<br />
Bereich von Versorgungsleitungen –<br />
BALSibau - GW 129<br />
14.11.2014 Essen<br />
12.12.2014 Essen<br />
Arbeiten an Gasleitungen bei<br />
unkontrollierter Gasausströmung -<br />
Schulung nach BGR 500 (BGV A1/BGI 560)<br />
28.08.2014 Essen<br />
09.12.2014 Essen<br />
Weiterbildung der Sachkundigen gemäß<br />
DVGW-Arbeitsblatt G 685<br />
15./16.09.2014 Essen<br />
11./12.12.2014 Essen<br />
Auslegung und Dimensionierung von Gas-<br />
Druckregelanlagen<br />
29./30.10.2014 Essen<br />
Grundlagen, Praxis und Fachkunde von<br />
Gas-Druckregelanlagen nach DVGW-<br />
Arbeitsblatt G 491, G 495 und G 459-2<br />
24./25.06.2014 Essen<br />
11./12.11.2014 Essen<br />
Sachkundigenschulung Gas-Druckregelund<br />
-Messanlagen im Netzbetrieb und in<br />
der Industrie<br />
02.-04.06.2014 Essen<br />
15.-17.09.2014 Essen<br />
08.-10.12.2014 Essen<br />
Weiterbildung von Sachkundigen und<br />
technischen Führungskräften im Bereich<br />
von Gas-Druckregel- und –Messanlagen<br />
27./28.10.2014 Essen<br />
Projektierung, Prüfung, Dokumentationen<br />
und Abnahmen von Gas-Druckregelanlagen<br />
bis 5 bar für Sachkundige und<br />
Anlagenplaner<br />
24./25.11.2014 Essen<br />
Einstellungen, Normalbetrieb<br />
und Störungsbeseitigung an Gas-<br />
Druckregelanlagen .<br />
01./02.07.2014 Essen<br />
03./04.11.2014 Essen<br />
Gas-Druckregel- und Messanlagen –<br />
Praxisseminar<br />
29./30.09.2014 Essen<br />
Praxis der Prüfung von Gas-Messanlagen<br />
nach DVGW-Arbeitsblatt G 492<br />
03./04.09.2014 Essen<br />
Sachkundigenschulung - Druckbehälter<br />
und Durchleitungsdruckbehälter einschl.<br />
Erdgas-Vorwärmanlagen nach DVGW-<br />
Arbeitsblättern 498 und G 499<br />
25./26.11.2014 Essen<br />
Druckbehälter und Durchleitungsdruckbehälter<br />
Praxis-Vertiefungsseminar/<br />
Weiterbildung der Sachkundigen nach G 498<br />
15./16.12.2014 Essen<br />
SEMINARE<br />
HDT<br />
Verfahren zur Montage und Demontage<br />
von Dichtverbindungen an Rohrleitungen<br />
und Apparaten<br />
04.06.2014 Bremerhaven<br />
29.09.2014 Essen<br />
25.11.2014 Berlin<br />
Kraftwerkstechnik- Basiswissen und<br />
Komponenten<br />
24./25.06.2014 Essen<br />
11./12.11.2014 Essen<br />
Planung und Auslegung von Rohrleitungen<br />
26./27.06.2014 Bremerhaven<br />
Rohrleitungsplanung für Industrie- und<br />
Chemieanlagen<br />
26./27.06.2014 München<br />
Kraftwerkstechnik für Nicht-Techniker<br />
26.06.2014 Essen<br />
Druckstöße, Dampfschläge und<br />
Pulsationen in Rohrleitungen<br />
30.06./01.07.2014 Berlin<br />
22./23.09.2014 Knochel<br />
Prüfungen von Druckbehälteranlagen<br />
und Rohrleitungen nach der<br />
Betriebssicherheitsverordnung<br />
02.12.2014 Essen<br />
Dichtungen - Schrauben - Flansche<br />
05.06.2014 Bremerhaven<br />
30.09.2014 Essen<br />
26.11.2014 Berlin<br />
Rohrleitungen nach EN 13480 - Allgemeine<br />
Anforderungen, Werkstoffe, Fertigung und<br />
Prüfung<br />
09./10.12.2014 München<br />
Schweißen von Rohrleitungen im Energieund<br />
Chemieanlagenbau<br />
03./04.06.2014 Essen<br />
IKT<br />
WORKHOPS<br />
Die neue DIN 1986-30 - Instandhaltung<br />
von Grundstücksentwässerungsanlagen<br />
28.05.2014 Hannover<br />
04-05 | 2014 167
SERVICES AKTUELLE TERMINE<br />
Bedarfsorientierte Kanalreinigung<br />
25./26.11.2014 Gelsenkirchen<br />
Kanalbetrieb<br />
28.-30.10.2014 Gelsenkirchen<br />
SEMINARE<br />
TAH<br />
Rückstau, Hydraulik, Überflutung,<br />
Regenrückhaltung<br />
19./20.11.2014 Gelsenkirchen<br />
Kanalreparatur in Theorie und Praxis<br />
21./22.10.2014 Gelsenkirchen<br />
SEMINARE<br />
Kanalreinigung nach DIN<br />
27.11.2014 Gelsenkirchen<br />
Kanal- und Leitungsbau<br />
27./28.05.2014 Gelsenkirchen<br />
17./18.12.2014 Gelsenkirchen<br />
DIN EN 1610<br />
15./16.10.2014 Gelsenkirchen<br />
Umgang mit Dränagewasser von privaten<br />
Grundstücken<br />
11./12.11.2014 Gelsenkirchen<br />
LEHRGÄNGE<br />
Berater Grundstücksentwässerung<br />
04.-12.12.2014 Gelsenkirchen<br />
Lehrgang zur neuen DIN SPEC 19748 für<br />
Hausanschlussliner<br />
17./18.06.2014 Gelsenkirchen<br />
Sanierung von Abwasserschächten<br />
24./25.06.2014 Gelsenkirchen<br />
RSV<br />
ZKS ZERTIFIZIERTER KANALSANIERUNGS-<br />
BERATER - LEHRGÄNGE<br />
Modulare Schulung 2014<br />
19.05. – 24.05.2014 Feuchtwangen<br />
06.10. – 11.10.2014 Hamburg<br />
10.11. – 15.11.2014 Hamburg<br />
24.11. – 28.11.2014 Hamburg<br />
08.12. – 13.12.2014 Kiel<br />
SAG<br />
Grundlagen Kanalreinigung<br />
23.09.2014 Lauingen<br />
Aufbaukurs Zustandsbewertung nach<br />
DWA-M 149-3<br />
12.09.2014 Lünen<br />
10.12.2014 Darmstadt<br />
Kanalsanierung und Sanierungsplanung<br />
privater Abwasserleitungen mit<br />
Zustandsbeurteilung<br />
10.09.2014 Lünen<br />
08.12.2014 Darmstadt<br />
Zertifizierter Kanalsanierungs-Berater<br />
2014<br />
ab 15.09.2014<br />
ab 13.10.2014<br />
Heidelberg<br />
Weimar<br />
Grabenlose Sanierung von Trinkwasserund<br />
Abwasserdruckleitungen<br />
20.05.2014 Gelsenkirchen<br />
Schlauchliner-Workshop<br />
18.06.2014 Osnabrück<br />
19.06.2014 Magdeburg<br />
03.07.2014 Köln<br />
08.10.2014 München<br />
09.10.2014 Stuttgart<br />
26.11.2014 Mainz<br />
SEMINARE<br />
TAW<br />
Kathodischer Korrosionsschutz (KKS)<br />
unterirdischer Anlagen: Messtechnisches<br />
Praktikum<br />
23.-26.09.2014 Bochum<br />
KKS-Seminar für Fortgeschrittene - Teil 1<br />
24.-26.11.2014 Wuppertal<br />
KONTAKTADRESSEN<br />
Berufsförderungswerk des Rohrleitungsbauverbandes<br />
Kurt Rhode, Tel. 0221/37668-44, Fax 0221/37668-62,<br />
E-Mail: rhode@brbv.de, www.brbv.de<br />
Technische Akademie Hannover<br />
Dr. Igor Borovsky, Tel. 0511/39433-30, Fax 0511/39433-40,<br />
E-Mail: borovsky@ta-hannover.de, www.ta-hannover.de<br />
GWI Gas- und Wärmeinstitut Essen e.V.,<br />
Barbara Hohnhorst, Tel. 0201/3618-143,<br />
Fax 0201/3618-146, E-Mail: hohnhorst@gwi-essen.de, www.gwi-essen.de<br />
Technische Akademie Wuppertal<br />
Tel. 0202/7495-207, Fax 0202/7495-228,<br />
E-Mail: taw@taw.de, www.taw.de<br />
Haus der Technik<br />
Essen, Tel. 0201/1803-1, E-Mail: hdt@hdt-essen.de, www.hdt-essen.de<br />
SAG-Akademie<br />
Anja Kratt, Tel. 06151/10155-111, Fax 06151/10155-155, Kratt@SAG-<br />
Akademie.de, www.SAG-Akademie.de<br />
RSV - Rohrleitungssanierungsverband e.V.,<br />
Tel.: 05963/9810877, Fax 05963/9810878, rsv-ev@t-online.de,<br />
www.rsv-ev.de<br />
168 04-05 | 2014
www.<strong>3R</strong>-Rohre.de<br />
04-05 | 2014<br />
MARKTÜBERSICHT<br />
GAS | WASSER | ABWASSER | PIPELINEBAU | SANIERUNG | KORROSIONSSCHUTZ<br />
Fordern Sie Ihre Bestellunterlagen an unter:<br />
Tel.: 0201 82 002-35 oder h.pelzer@vulkan-verlag.de<br />
04-05| 2014 169
MARKTÜBERSICHT<br />
Marktübersicht rohre + koMponenten<br />
Armaturen + Zubehör<br />
Anbohrarmaturen<br />
Armaturen<br />
Rohre<br />
Rohrdurchführungen<br />
Schutzmantelrohre<br />
Formstücke<br />
Dichtungen<br />
Kunststoff<br />
Ihr „Draht“<br />
zur Anzeigenabteilung<br />
von <strong>3R</strong><br />
Helga Pelzer<br />
Tel. 0201-82002-35<br />
Fax 0201-82002-40<br />
h.pelzer@vulkan-verlag.de<br />
170 04-05| 2014
Maschinen & Geräte / Korrosionsschutz<br />
marktübersicht<br />
Kunststoffschweißmaschinen<br />
Horizontalbohrtechnik<br />
Kathodischer<br />
Korrosionsschutz<br />
04-05| 2014 171
MARKTÜBERSICHT<br />
Marktübersicht Korrosionsschutz<br />
Kathodischer<br />
Korrosionsschutz<br />
172 04-05| 2014
Korrosionsschutz<br />
marktübersicht<br />
Korrosionsschutz<br />
04-05| 2014 173
MARKTÜBERSICHT<br />
Marktübersicht sanierunG / institute + Verbände<br />
Sanierung<br />
Verbände<br />
Institute<br />
174 04-05| 2014
institute + Verbände<br />
marktübersicht<br />
Ihr „Draht“<br />
zur Anzeigenabteilung<br />
von <strong>3R</strong><br />
Helga Pelzer<br />
Tel. 0201-82002-35<br />
Fax 0201-82002-40<br />
h.pelzer@vulkan-verlag.de<br />
04-05| 2014 175
MARKTÜBERSICHT<br />
Das Titelbild der neu gestalteten <strong>3R</strong>-Marktübersicht zeigt einen Rückflussverhinderer<br />
VAG LIMU-STOP ® , der universell in der Abwassertechnik, der Wasseraufbereitung,<br />
in Industrie- und Kraftwerksanwendungen sowie in der Wasserverteilung eingesetzt<br />
werden kann. Mit der großen Deckelkonstruktion und der schnell und vollständig<br />
herausklappbaren Scheibenaufhängung bietet der Rückflussverhinderer die Voraussetzung<br />
für einen vereinfachten und minimalen Wartungsaufwand speziell im<br />
Abwassereinsatz.<br />
Quelle: VAG-Armaturen GmbH<br />
INSERENTENVERZEICHNIS<br />
Firma<br />
3S Antriebe GmbH, Berlin 55<br />
3S Consult GmbH, Garbsen 57<br />
Amitech Germany GmbH, Mochau 61<br />
AUMA Riester GmbH & Co. KG, Müllheim 9<br />
AVK Mittelmann Armaturen GmbH, Wülfrath<br />
Titelseite<br />
DENSO GmbH, Leverkusen 31<br />
Diringer & Scheidel Rohrsanierung GmbH & Co. KG, Mannheim 21<br />
Fachverband Steinzeugindustrie e.V., Frechen 99<br />
FBS Fachvereinigung Betonrohre und Stahlbetonrohre e.V., Bonn 17<br />
Frank GmbH, Mörfelden-Walldorf 15<br />
FRIATEC AG, Mannheim 37<br />
Funke Kunststoffe GmbH, Hamm 107<br />
Gerodur MPM Kunststoffverarbeitung GmbH & Co. KG, Neustadt 3<br />
Güteschutz Kanalbau e.V., Bad Honnef 113<br />
Hawle Armaturen GmbH, Freilassing 43<br />
Hinni AG, Biel-Benken, Schweiz 41<br />
HOBAS Rohre GmbH, Neubrandenburg 45<br />
Kebulin-Gesellschaft Kettler GmbH & Co. KG, Herten 5<br />
KLINGER GmbH, Idstein 33<br />
B. Müller GmbH Betonwerk, Achern 49<br />
NORMA Germany GmbH, Maintal 47<br />
Plasson GmbH, Wesel am Rhein 11, 13<br />
REHAU AG + Co., Rehau 25<br />
Reinert-Ritz GmbH, Nordhorn 21<br />
Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH, Siegen 39<br />
SebaKMT, Baunach 53<br />
Hermann Sewerin GmbH, Gütersloh 35<br />
Steinzeug Keramo GmbH, Frechen 7<br />
TRACTO-TECHNIK GmbH & Co. KG, Lennestadt 19<br />
UHRIG Kanaltechnik GmbH, Geisingen 135<br />
UPONOR GmbH, Haßfurt 81<br />
VAG-Armaturen GmbH, Mannheim<br />
4. Umschlagseite<br />
WIDOS Wilhelm Dommer Söhne GmbH, Ditzingen-Heimerdingen 63<br />
Marktübersicht 169 - 176<br />
176 04-05| 2014
IMPRESSUM<br />
IMPRESSUM<br />
Verlag<br />
© 1974 Vulkan-Verlag GmbH,<br />
Postfach 10 39 62, 45039 Essen,<br />
Telefon +49 201-82002-0, Fax -40<br />
Geschäftsführer: Carsten Augsburger, Jürgen Franke<br />
Redaktion<br />
Dipl.-Ing. N. Hülsdau, Vulkan-Verlag GmbH,<br />
Huyssenallee 52-56, 45128 Essen,<br />
Telefon +49 201-82002-33, Fax +49 201-82002-40,<br />
E-Mail: n.huelsdau@vulkan-verlag.de<br />
Kathrin Lange, Vulkan-Verlag GmbH,<br />
Telefon +49 201-82002-32, Fax +49 201-82002-40,<br />
E-Mail: k.lange@vulkan-verlag.de<br />
Barbara Pflamm, Vulkan-Verlag GmbH,<br />
Telefon +49 201-82002-28, Fax +49 201-82002-40,<br />
E-Mail: b.pflamm@vulkan-verlag.de<br />
Anzeigenverkauf<br />
Helga Pelzer, Vulkan-Verlag GmbH,<br />
Telefon +49 201-82002-66, Fax +49 201-82002-40,<br />
E-Mail: h.pelzer@vulkan-verlag.de<br />
Anzeigenverwaltung<br />
Martina Mittermayer,<br />
Vulkan-Verlag/DIV Deutscher Industrieverlag GmbH,<br />
Telefon +49 89-203 53 66-16, Fax +49 89-203 53 66-66,<br />
E-Mail: mittermayer@di-verlag.de<br />
Abonnements/Einzelheftbestellungen<br />
Leserservice <strong>3R</strong> INTERNATIONAL,<br />
Postfach 91 61, 97091 Würzburg,<br />
Telefon +49 931-4170-1616, Fax +49 931-4170-492,<br />
E-Mail: leserservice@vulkan-verlag.de<br />
Layout und Satz<br />
Dipl.-Des. Nilofar Mokhtarzada, Vulkan-Verlag GmbH<br />
E-Mail: n.mokhtarzada@vulkan-verlag.de<br />
Druck<br />
Druckerei Chmielorz, Ostring 13,<br />
65205 Wiesbaden-Nordenstadt<br />
Organschaften<br />
Fachbereich Rohrleitungen im Fachverband Dampfkessel-, Behälterund<br />
Rohrleitungsbau e.V. (FDBR), Düsseldorf · Fachverband Kathodischer<br />
Korrosionsschutz e.V., Esslingen · Kunststoffrohrverband e.V.,<br />
Köln · Rohrleitungsbauverband e.V., Köln · Rohrleitungssanierungsverband<br />
e.V., Essen · Verband der Deutschen Hersteller von Gasdruck-Regelgeräten,<br />
Gasmeß- und Gasregelanlagen e.V., Köln<br />
Herausgeber<br />
H. Fastje, EWE Aktiengesellschaft, Oldenburg (Federführender Herausgeber)<br />
· Dr.-Ing. M. K. Gräf, Vorsitzender der Geschäftsführung<br />
der Europipe GmbH, Mülheim · Dipl.-Ing. R.-H. Klaer, Bayer AG, Krefeld,<br />
Vorsitzender des Fachausschusses „Rohrleitungstechnik“ der VDI-<br />
Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemie-Ingenieurwesen (GVC)<br />
Dipl.-Volksw. H. Zech, Geschäftsführer des Rohrleitungssanierungsverbandes<br />
e.V., Lingen (Ems)<br />
Schriftleiter<br />
Dipl.-Ing. M. Buschmann, Rohrleitungsbauverband e.V. (rbv), Köln<br />
Rechtsanwalt C. Fürst, Erdgas Münster GmbH, Münster · Dipl.‐Ing.<br />
Th. Grage, Institutsleiter des Fernwärme-Forschungsinstituts, Hemmingen<br />
Dr.-Ing. A. Hilgenstock, E.ON New Build & Technology GmbH,<br />
Gelsen kirchen (Gastechnologie und Handelsunterstützung) Dipl.-Ing.<br />
D. Homann, IKT Institut für Unterirdische Infrastruktur, Gelsenkirchen<br />
· Dipl.‐Ing. N. Hülsdau, Vulkan-Verlag, Essen · Dipl.-Ing. T. Laier, Westnetz,<br />
Dortmund · Dipl.-Ing. J. W. Mußmann, FDBR e.V., Düsseldorf<br />
Dr.-Ing. O. Reepmeyer, Europipe GmbH, Mülheim · H. Roloff, Open<br />
Grid Europe GmbH, Essen · J. Roloff, TÜV SÜD, Köln · Dr. rer. nat. J. Sebastian,<br />
Geschäftsführer der SBKS GmbH & Co. KG, St. Wendel ·<br />
Bezugsbedingungen<br />
<strong>3R</strong> erscheint monatlich mit Doppelausgaben im Januar/Februar,<br />
März/April und August/September<br />
Bezugspreise:<br />
Abonnement Print (Deutschland): € 307,-<br />
Abonnement (Ausland): € 308,-<br />
Einzelheft (Deutschland): € 42,-<br />
Einzelheft (Ausland): € 43,50<br />
+Einzelheft als ePaper (PDF): € 40,-<br />
Jahresabonnement Print und e-paper: € 388,-<br />
Studenten: 50 % Ermäßigung auf den Heftbezugspreis gegen<br />
Nachweis · Die Preise enthalten bei Lieferung in EU-Staaten die<br />
Mehrwertsteuer, für alle übrigen Länder sind es Nettopreise.<br />
Bestellungen sind jederzeit über den Leserservice oder jede<br />
Buchhandlung möglich. Die Kündigungsfrist für Abonnementaufträge<br />
beträgt 8 Wochen zum Bezugsjahresende.<br />
Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen<br />
sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb<br />
der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung<br />
des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere<br />
für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen<br />
und die Einspeicherung und Bearbeitung in elektronischen Systemen.<br />
Auch die Rechte der Wiedergabe durch Vortrag, Funkund<br />
Fernsehsendung, im Magnettonverfahren oder ähnlichem<br />
Wege bleiben vorbehalten.<br />
Jede im Bereich eines gewerblichen Unternehmens hergestellte<br />
oder benutzte Kopie dient gewerblichen Zwecken gem. § 54<br />
(2) UrhG und verpflichtet zur Gebührenzahlung an die VG WORT,<br />
Abteilung Wissenschaft, Goethestraße 49, 80336 München, von<br />
der die einzelnen Zahlungsmodalitäten zu erfragen sind.<br />
ISSN 2191-9798<br />
Informationsgemeinschaft zur Feststellung<br />
der Verbreitung von Werbeträgern<br />
Dr. H.-C. Sorge, IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser, Biebesheim<br />
· Dr. J. Wüst, SKZ - TeConA GmbH, Würzburg<br />
Beirat<br />
Dr.-Ing. W. Berger, Direktor des Forschungsinstitutes für Tief-und Rohrleitungsbau<br />
e.V., Weimar · Dr.-Ing. B. Bosseler, Wissenschaftlicher Leiter<br />
des IKT – Institut für Unterirdische Infra struktur, Gelsenkirchen ·<br />
W. Burchard, Geschäftsführer des Fachverbands Armaturen im VDMA,<br />
Frankfurt · Bauassessor Dipl.‐Ing. K.-H. Flick, Fachverband Steinzeugindustrie<br />
e.V., Köln · Prof. Dr.-Ing. W. Firk, Vorstand des Wasserverbandes<br />
Eifel-Rur, Düren · Dipl.-Wirt. D. Hesselmann, Geschäftsführer des Rohrleitungsbauverbandes<br />
e.V., Köln · Dipl.-Ing. H.-J. Huhn, BASF AG, Ludwigshafen<br />
· Prof. Dr.-Ing. K. Körkemeyer, Technische Universität Kaiserslautern,<br />
Bauingenieurwesen, Fachgebiet Baubetrieb und Bauwirtschaft ·<br />
Dipl.-Ing. B. Lässer, ILF Beratende Ingenieure GmbH, München · Dr. rer.<br />
pol. E. Löckenhoff, Geschäftsführer des Kunststoffrohrverbands e.V.,<br />
Bonn · Dr.-Ing. R. Maaß, Mitglied des Vorstandes, FDBR Fachverband<br />
Dampfkessel-, Behälter- und Rohrleitungsbau e.V., Düsseldorf · Dipl.-Ing.<br />
R. Middelhauve, TÜV NORD Systems GmbH & Co. KG, Essen · Dipl.-<br />
Ing. R. Moisa, Geschäftsführer der Fachgemeinschaft Guss-Rohrsysteme<br />
e.V., Griesheim · I. Posch, Geschäftsführerin der Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber<br />
Gas e.V., Berlin · Dipl.‐Berging. H. W. Richter, GA-<br />
WACON, Essen · Dipl.-Ing. T. Schamer, Geschäftsführer der ARKIL IN-<br />
PIPE GmbH, Bottrop · Prof. Dipl.-Ing. Th. Wegener, Institut für Rohrleitungsbau<br />
an der Fachhochschule Oldenburg · Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil.<br />
B. Wielage, Technische Universität Chemnitz, Institut für Werkstoffwissenschaft<br />
und Werkstofftechnik · Dipl.-Ing. J. Winkels, Technischer Geschäftsführer<br />
der Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH, Siegen<br />
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