Handbuch für die Projektarbeit in Schulgärten und ... - Natur im Garten

naturimgarten.at

Handbuch für die Projektarbeit in Schulgärten und ... - Natur im Garten

Bewegende Gärten

Handbuch für die Projektarbeit in

Schulgärten und auf grünen Schulhöfen

Bewegende Gärten | 1


IMPRESSUM

Herausgeber:

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft

Bernhard-Weiß-Str. 6

10178 Berlin

in Kooperation mit:

Ernst-Reuter-Oberschule, Berlin

GRÜNE LIGA Berlin e.V.

Landesschulrat für Niederösterreich

Bundeslehranstalten für Tourismus-HLF Krems

Umweltschutzverein Bürger und Umwelt – GB Natur im Garten

Texte und Redaktion:

Georg Coenen

Gisela Gundacker

Dagmar Krawczik

Ulrich Nowikow

Ernst Sommer

Graphik und Layout:

Maria Luisa Stock

Druck:

Umweltdruckerei Hannover

Coverfoto © Alexander Haiden/Natur im Garten

Juli 2013

Die Broschüre entstand im Rahmen des Projektes “Bewegende Gärten - Bildung für nachhaltige

Entwicklung in Schulgärten und auf grünen Schulhöfen” mit Förderung durch das Programm für

lebenslanges Lernen (COMENIUS-Regio-Partnerschaften, 2011-2013).

Mit freundlicher Unterstützung durch die Nationalen Agenturen

Pädagogischer Austauschdienst, Bonn

OeAD (Österreichische Austauschdienst)-GmbH, Wien

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VORWORT

Schulgärten und Schulhöfe als grüne Lernorte und einzigartige Begegnungs- und

Schaffensräume standen im Mittelpunkt des Projektes „Bewegende Gärten“, das von

Sommer 2011 bis Sommer 2013 in Deutschland und Österreich im Rahmen einer

COMENIUS-Regio-Partnerschaft durchgeführt wurde.

Neben den Schulverwaltungen in Berlin und St. Pölten, Schulen in Berlin und Krems

beteiligten sich die GRÜNE LIGA Berlin und der Umweltschutzverein Bürger und

Umwelt – Geschäftsbereich Natur im Garten an dem Projekt, d.h. in beiden Ländern

arbeiteten jeweils drei Partner zusammen. Projekttreffen in Berlin und Krems förderten

auf bilateraler Ebene den Austausch von Erfahrungen, die Projektthemen wurden

diskutiert und Praxisbeispiele besichtigt. Auf der Abschlusskonferenz in Krems wurden

die Ergebnisse einem breiten Fachpublikum vorgestellt.

Die hier vorliegende Broschüre fasst die Erfahrungen des Projektes zusammen und bereitet

die inhaltlichen Schwerpunkte - Gartenbau, Naturwahrnehmung und Lernförderung,

Berufsorientierung und Gartentourismus sowie Gartenkunst – so auf, dass sie auch

anderen Bildungseinrichtungen zur Verfügung stehen. Die theoretisch-praktischen

Anleitungen zu den Projektthemen sollen zur eigenen handlungsorientierten Umsetzung

im Schulgarten oder auf dem Schulhof anregen.

Wir würden uns freuen, wenn dieses Vorhaben eine entsprechende Resonanz findet und

Schulen das Schulgelände verstärkt als Erfahrungsraum für experimentelles Lernen und

Arbeiten nutzen.

Christine Würger

Senatsverwaltung für Bildung,

Jugend und Wissenschaft, Berlin

Ernst Figl

Landesschulrat für Niederösterreich,

St. Pölten

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PROJEKTPARTNER

Neben den Schulverwaltungen in Berlin und St. Pölten, Schulen in Berlin und Krems beteiligten

sich die GRÜNE LIGA Berlin und der Umweltschutzverein Bürger und Umwelt – Geschäftsbereich

Natur im Garten an dem Projekt.

BERLIN

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft

Bernhard-Weiß-Str. 6, 10178 Berlin

Oberste Dienstbehörde für Schulen im Land Berlin, Fachaufsicht für Bildung für nachhaltige

Entwicklung, Gartenarbeitsschulen und Schulgärten, zuständig für Leitlinien für Ökologie bei der

Gestaltung von Schulstandorten.

Ernst-Reuter-Oberschule

Stralsunder Straße 57, 13355 Berlin

Die Ernst-Reuter-Oberschule (ERO) ist eine Integrierte Sekundarschule mit gymnasialer Oberstufe

in Berlin-Mitte. Die ERO wird als Ganztagsschule organisiert mit Hausaufgabenbetreuung und

außerunterrichtlichen Angeboten. Es gibt an der Schule acht Fachbereiche: Deutsch, Sport,

Englisch, Naturwissenschaften, Informatik, Mathematik, Darstellendes Spiel und Kunst.

GRÜNE LIGA Berlin e.V.

Prenzlauer Allee 8, 10405 Berlin

Die GRÜNE LIGA Berlin e.V. als Netzwerk ökologischer Bewegungen engagiert sich seit 1990 in

einer Vielzahl von Projekten, deren thematische Bandbreite vom Engagement für den Erhalt der

Artenvielfalt, die Einrichtung von „Grünen Klassenzimmern“, Beratung zu gesunder Ernährung

bis zum Betreiben eines Öko-Marktes mit ökologischen und regionalen Produkten und der

Durchführung des europaweit größten Umweltfestivals in Berlin reicht.

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NIEDERÖSTERREICH

Landesschulrat für Niederösterreich

Rennbahnstraße 29, 3109 St. Pölten

Der Landesschulrat für Niederösterreich ist die zentrale Verwaltungsorganisation auf

dem Gebiet des Schulwesens in Niederösterreich. Als solche hat er vielfältigste Aufgaben

wahrzunehmen. Hervorzuheben sind die hoheitliche Vollziehung insbesondere schul-,

dienst- und haushaltrechtlicher Vorschriften sowie die nichthoheitliche Verwaltung

(Bereiche der Schulerhaltung einschließlich der Beschaffung und der Pädagogik). In

zunehmendem Maße gewinnt sein Wirken als Dienstleistungsorganisation an Bedeutung.

In diesem Bereich sieht sich der Landesschulrat für Niederösterreich für Schüler, Eltern,

Lehrer, Schulleiter sowie für gesetzlich eingerichtete wie auch für private Institution

in unterschiedlichsten Belangen als gerne frequentierte Anlaufstelle für Beratung und

Hilfestellung.

Bundeslehranstalten für Tourismus-HLF Krems

Langenloiser Straße 22, 3500 Krems

Die HLF ist die größte Tourismusschule des Landes Niederösterreich und seit jeher

Pionier in der Tourismusausbildung. Die Tourismusschule HLF Krems bildet, unter

Einsatz von modernen Lern- und Lehrmethoden, Gastgeber für den internationalen

Tourismus aus. Das angeschlossene Lehrhotel und der Küchenkräutergarten dienen als

Übungseinrichtungen im fachpraktischen Unterricht.

Umweltschutzverein Bürger und Umwelt

– GB Natur im Garten

Grenzgasse 10/EG, 3100 St. Pölten

Vor über 10 Jahren wurde die Aktion „Natur im Gartenins Leben gerufen. Mit ihren

Kernkriterien – Verzicht auf Pestizide, chemisch-synthetische Dünger und Torf – sowie

weiteren Kriterien (z.B. standortgerechte Bepflanzung) fördert sie die Etablierung

von Naturgärten im privaten, schulischen und öffentlichen Raum. „Natur im Garten

stärkt das Umweltbewusstsein und vermittelt grundlegende Vorgänge, wie etwa die

ökologischen Kreisläufe im Garten.

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KONZEPT

Dieses Handbuch soll Pädagoginnen und Pädagogen als Unterstützung in ihrem

Projektunterricht dienen und zur Nachahmung der erprobten Bildungskonzepte anregen.

Die Unterrichtsvorschläge wurden im Rahmen des Projektes „Bewegende Gärten“ von

den teilnehmenden Partnern gemeinsam entwickelt und stehen im Kontext einer Bildung

für nachhaltige Entwicklung.

Schulgärten und grüne Schulhöfe sind nicht nur grüne Lernorte, sondern auch einzigartige

Begegnungs- und Schaffensräume.

Nach einer theoretischen Einführung in die Themen sind praktische Anleitungen zu den

Hauptthemen Gartenbau, Naturwahrnehmung und Lernförderung, Berufsorientierung

und Gartentourismus sowie Gartenkunst beschrieben.

© U. Nowikow/GRÜNE LIGA Berlin e.V.

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INHALT

1 MODUL GARTENBAU

1.1 Integration des Gartenbaus in den Schulalltag.......................... 8

1.1.1 Schonende Bodenbearbeitung ................................................ 9

1.1.2 Standortgerechte Pflanzen..................................................... 9

1.1.3 Biologischer Pflanzenschutz.................................................. 10

1.1.4 Kompostwirtschaft................................................................ 11

1.2 Anleitung zum Bau eines Hochbeetes aus Lärchenholz............ 12

1.2.1 Material............................................................................... 12

1.2.2 Werkzeug............................................................................. 12

1.2.3 Durchführung....................................................................... 12

1.2.4 Befüllung............................................................................. 13

1.2.5 Bepflanzung......................................................................... 14

1.3 Anleitung zum Bau einer Trockensteinmauer.......................... 15

1.3.1 Material und Werkzeug......................................................... 15

1.3.2 Durchführung....................................................................... 15

1.4 Kompost-Quiz...................................................................... 16

2 MODUL NATURWAHRNEHMUNG UND LERNFÖRDERUNG,

BERUFSORIENTIERUNG UND GARTENTOURISMUS

2.1 Naturwahrnehmung und Lernförderung.................................. 19

2.1.1 Sehen.................................................................................. 19

2.1.2 Hören.................................................................................. 21

2.1.3 Tasten................................................................................. 23

2.1.4 Riechen............................................................................... 25

2.1.5 Schmecken.......................................................................... 26

2.2 Berufsorientierung................................................................ 28

2.2.1 Gärtnerin/Gärtner ................................................................ 28

2.2.2 Ernährungsberaterin/Ernährungsberater................................. 28

2.2.3 Köchin/Koch....................................................................... 29

2.2.4 Restaurantfachmann/-frau.................................................... 29

2.3 Gartentourismus.................................................................. 30

3 MODUL GARTENKUNST

3.1 Gestaltung eines Lössbildes................................................... 32

3.1.1 Material und Werkzeug......................................................... 32

3.1.2 Durchführung....................................................................... 32

3.2 Anleitung zum Bau von Gemüseskulpturen aus Holz............... 33

3.2.1 Material und Werkzeug......................................................... 33

3.2.2 Durchführung....................................................................... 33

3.3 Pflanzenfarben..................................................................... 34

4 QUELLENVERZEICHNIS ....................................................... 35

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1 MODUL GARTENBAU

Auf Grund der mangelnden Inkludierung von Schulgärten in den schulischen Alltag sowie der Isolation

von regionalen Strukturen (Gemeinde, Vereine etc.) ist es aus Sicht der Projektpartner ganz besonders

interessant, Unterrichtsmodule und Aktivitäten im Schulgarten für ältere Schülerinnen und Schüler

zu generieren und gleichzeitig Modelle zu schaffen, die eine Involvierung des Lehrpersonals sowie eine

Anbindung an die umgebende Region realisieren.

1.1 Integration des Gartenbaus in den Schulalltag

Ein Schulgarten ermöglicht Schülerinnen und Schülern nicht nur eine Nutzung in der Pause, dieser

kann auch in den Schulunterricht eingegliedert werden. Entsprechend angelegt und gepflegt, dienen

Schulgärten als Eckpfeiler für Umweltbildung und Motor für eine gute und gesunde Ernährung.

Durch die Schaffung eines Küchengartens können Schülerinnen und Schüler praktische Erfahrungen

sammeln und bei der Gartenarbeit vom Kopf auf die Hand umschalten. Für die eigentliche Gartenarbeit

bei der Obst- und Gemüseproduktion bieten Schulgärten optimale Voraussetzungen.

Eine geschickte Kombination eines Hochbeetes aus Holz und einer Trockensteinmauer wurde im

Schulgarten der HLF Krems angefertigt. Hochbeete stellen eine abwechslungsreiche Alternative zu

herkömmlichen Beetformen dar und Trockensteinmauern spiegeln das Landschaftsbild der Region

wider.

© Ernst Sommer/HLF Krems

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Ein wichtiges Kriterium bei den einzelnen Planungsschritten

und Entscheidungen war die Erhaltung

des ökologischen Gleichgewichtes, d.h.

die schonende Bodenbearbeitung, die Auswahl

standortgerechter Pflanzen und der Erhalt der

Artenvielfalt, biologischer Pflanzenschutz und

Kompostwirtschaft.

© Ernst Sommer/HLF Krems

Bei der Errichtung dieser Gartenelemente arbeiteten

Schülerinnen und Schüler, Pädagoginnen

und Pädagogen gemeinsam mit Fachexperten

aus der Region zusammen. Hier waren nicht nur

handwerkliches Geschick, Kreativität und Verständnis

für die Natur gefragt, sondern vor allem

auch Teamgeist und Kooperationsfähigkeit.

1.1.1 Schonende Bodenbearbeitung

Ein gesunder Boden ist die Grundlage für das Gedeihen jeglicher Pflanzen. Ohne intakten

Boden sind Pflanzen weniger ertragreich sowie anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Ein

gesunder Boden ist in der Regel ein humusreicher Boden.

Ist das Leben im Boden in Ordnung, so ist er gesund, fehlen die Bodentierchen, dann ist der

Boden tot. Wie aktiv z.B. die Regenwürmer im Garten sind, kann man durch Auflegen von

Strohhalmen über Nacht abschätzen: Am nächsten Morgen braucht man nur zu kontrollieren,

wie viele Strohhalme verschwunden sind.

Bei der Bodenbearbeitung ist zu beachten, dass das herbstliche Umstechen zu einer Störung

des Bodenaufbaus führt. Bodenorganismen, die eher sauerstoffarme, dunkle Verhältnisse

bevorzugen, werden dadurch an die Oberfläche befördert und umgekehrt. Eine oberflächliche

Lockerung mit einer Grabgabel im Frühjahr ist ausreichend.

1.1.2 Standortgerechte Pflanzen

Sonnig oder schattig, das ist eine der ersten Fragen, welche man bei der Anlage eines

Pflanzenbeetes stellen sollte. Sind die Standortbedingungen und die Bodenbeschaffenheit

bekannt, fällt die Pflanzenauswahl leichter. Im Naturgarten sollten standortgerechte Pflanzen

für ein Beet ausgewählt und zusammengesetzt werden, die dieselben Bedürfnisse und Ansprüche

haben – das sorgt für optimales Wachstum und gesunde Pflanzen.

Besonders wertvoll sind heimische Gehölze: je vielfältiger die Artenzusammensetzung, desto

besser. Regionaltypische Pflanzen sind besonders gut an den Standort angepasst.

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1.1.3 Biologischer Pflanzenschutz

Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung soll Schülerinnen und Schülern frühzeitig vermittelt werden,

dass chemischer Pflanzenschutz in gärtnerischen Kulturen keine Verwendung findet.

Pflanzenschutz ist weit mehr als die bloße Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen. Es handelt

sich einerseits um das Verständnis dafür, dass negative Einflüsse wie Krankheiten und Schädlinge

den Pflanzen das Leben schwer machen, und andererseits geht es um das stete Bemühen um die

Gesunderhaltung unserer Pflanzen. Die wichtigsten Voraussetzungen für ein gutes und gesundes

Gedeihen sind die optimalen Wachstums- und Standortbedingungen, denn nur am richtigen Platz unter

Einbeziehung von Boden, Klima und Lichtverhältnissen kann sich eine Pflanze optimal entwickeln.

Kommt es dennoch zu einer Erkrankung der Pflanze, dann hilft oft eine hausgemachte Jauche.

Hier einige Beispiele an Tees und Jauchen, welche man mit Schülerinnen und Schülern leicht selbst

herstellen kann:

Brennesseljauche:

1 kg frische Kräuter oder 150 g getrocknete

Blätter mit Wasser mischen und einige Tage

gären lassen. Die fertige Jauche wird dann zur

Düngung 1:10 oder zur Stärkung gegen Läuse

1:20 verdünnt und ausgebracht.

Wermuttee:

Aus 30 g frischen oder 3 g getrockneten

Pflanzenteilen wird ein Tee zubereitet, dieser

kann unverdünnt im Frühling gespritzt werden.

Selbst im Juni und Juli kann noch 1:3 mit

Wasser verdünnt gespritzt werden.

Rainfarntee:

Mit 30 g frischen Pflanzenteilen

oder 3 g getrocknetem Kraut

einen Tee zubereiten. Im Winter

kann man den Tee unverdünnt

über die Pflanzen spritzen, im

Sommer über Blätter und Boden

1:2 mit Wasser verdünnt.

Vorsicht – nicht trinken!

Schachtelhalmjauche:

1 kg frisches oder 150 g getrocknetes

Kraut mit 10 l Wasser mischen und einige

Tage gären lassen. Vom Frühjahr bis in

den Spätsommer kann man vorbeugend

an sonnigen Vormittagen 1:5 mit Wasser

verdünnt spritzen. Für eine Jauche lässt

man den Ansatz mehrere Tage stehen, bis er

nicht mehr schäumt. Jauche verdünnt man

1:10 oder 1:20 mit Wasser.

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1.1.4 Kompostwirtschaft

Im durchgeführten Projekt wurde die Erfahrung gemacht, dass es notwendig ist, Schülerinnen

und Schüler frühzeitig an das Thema Kreislaufwirtschaft heranzuführen, welches über die

Kompostierung anschaulich vermittelbar ist. „Alles was im Garten ist, soll im Garten bleiben.“

Guter Kompost enthält alle wichtigen Pflanzennährstoffe in ausreichender Menge und versorgt

die Pflanzen besonders ausgewogen. 3 – 5 l/m² Kompost pro Jahr sind ausreichend. Die Stärke

von Kompost liegt im reichen Besatz an Mikroorganismen und Pilzen, die Nährstoffe mobilisieren.

Die Kompostorganismen verdrängen Krankheitskeime und produzieren krankheitsabwehrende

Stoffe, weshalb Kompost besonders wichtig für die Gesundheit der Pflanzen ist.

So gelingt die Kompostierung:

Der Kompostplatz ist, als Herz des Gartens, gut zugänglich und vor

Wind und Sonne geschützt. Direkter Bodenkontakt ermöglicht das

Zuwandern von Kompostorganismen. Für optimale Luftversorgung

und Wasserabfluss in der Kompostmiete sorgt die unterste

Schicht aus grobem Strukturmaterial (z.B. Strauchschnitt). Gut

vermischtes Kompostmaterial, z.B. organischer Küchen- und

Gartenabfall, wird aufgesetzt. Problematisches Jätmaterial, z.B.

samentragendes Unkraut, kommt in die Mitte. Zur optimalen

Kompostierung tragen genügend Befeuchtung während des Aufund

Umsetzens (zweimal Umsetzen ist empfehlenswert) und

beigemischte Hilfsstoffe wie Steinmehl und etwas Komposterde

bei. Das Abdecken mit Grasschnitt, Laub oder Stroh bietet Schutz

vor Wettereinflüssen. Nach ca. 6 bis 12 Monaten ist der krümelige

und nach Walderde riechende Kompost „reif“.

© Alexander Haiden/Natur im Garten

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1.2 Anleitung zum Bau eines Hochbeetes aus Lärchenholz

Die Errichtung von Hochbeeten eignet sich hervorragend für fächerübergreifende Projektarbeit. Viele

verschiedene Kompetenzen können vermittelt und von Schülerinnen und Schülern erprobt werden

– Mathematik bei der Planung, Werken beim Bau, Biologie bei der Bepflanzung, Hauswirtschaft

bei der Pflege, Kochen bzw. Kunst bei der Verwendung der Pflanzen. Kooperations- und

Organisationsfähigkeiten werden durch die Notwendigkeit von Teamarbeit und Abstimmungen

gefördert.

Ein Hochbeet ist ein Gartenbeet, welches nicht ebenerdig angelegt wird, sondern sich über das

übliche Beetniveau hinaus erhebt. Besonders für Leute mit Rückenbeschwerden oder gehbehinderte

Menschen bietet ein Hochbeet wesentliche Erleichterungen bei der Gartenarbeit. Pflegemaßnahmen

oder saisonale Arbeiten wie säen, pflanzen oder ernten können im Stehen durchgeführt werden. Auch

bei Kindern sind Hochbeete beliebt.

1.2.1 Material

• 4 Vierkanthölzer aus Lärche (8 x 8 cm, 85 cm hoch)

• 10 Bretter aus Lärche (gehobelt, 2,5 – 3 cm stark, 120 cm lang, 16 cm breit)

• 10 Bretter aus Lärche (gehobelt, 160 cm lang, 16 cm breit)

• 80 Stk. Edelstahlschrauben (5 mm Durchmesser, 80 mm Länge)

• 6 m Noppenfolie (1 m breit)

• 4,5 m Wühlmausgitter (verzinktes Kaninchengitter mit 6-10 mm Maschenweite, 1 m breit)

1.2.2 Werkzeug

• Spaten, Schaufel, evtl. Grabgabel

• Bohrer, Bohrschrauber, Wasserwaage

• Tacker oder Hammer und kleine Nägel zur Befestigung von Matte und Gitter

1.2.3 Durchführung

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• Am Boden die geplante Fläche für das Hochbeet markieren

• Erde innerhalb des markierten Bereiches 25 – 30 cm tief abtragen

• Geeignetes Erdmaterial und Grassoden seitlich lagern, den Unterboden mit einer

Grabgabel lockern

• Nur im Bereich der Steher/Pfosten den Boden mit Steinen oder Steinplatten ausgleichen

• Je zwei Holzsteher 3 cm von einem Ende entfernt mit den untersten Brettern der

Schmalseite (120 cm) verbinden

• Die untersten Bretter der Längsseite montieren – der Rahmen steht

• Eine weitere Reihe Bretter montieren

• An die gewünschte Stelle bringen und im rechten Winkel ausrichten

• Wühlmausgitter mit 20-30 cm Überlappung auslegen und unten innen befestigen

• Bretter der Seitenwände bis oben montieren


• Noppenfolie innen auslegen, die Noppen schauen zur Holzseite, damit nur die Noppen

und nicht die ganze Folie aufliegt. Folie am Boden zur Mitte hin knicken, damit

durch den Spalt unten kein Füllmaterial ausrinnen kann.

1.2.4 Befüllung

Pro Schicht jeweils 20 cm und mehr Material verwenden.

• Zuunterst grobes Astmaterial zur Belüftung

• Kleinere Zweige, Staudenrückschnitt, Laub als nächste Schicht

• Abdecken mit den vorher ausgehobenen Grassoden (mit den Wurzeln nach oben)

oder Grasschnitt, Heu oder Stroh

• Halb verrotteter Kompost oder Stallmist

• Feiner Kompost und Erde vom Aushub

Im Herbst kann die Auffüllung nach und nach erfolgen. Im Frühjahr wird gleich ganz aufgefüllt,

nach der letzten Schicht kann mit der Bepflanzung wenige Tage danach begonnen

werden.

© Alexander Haiden/Natur im Garten

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1.2.5 Bepflanzung

Bei der Bepflanzung eines Hochbeetes, welches sich in einem Schulgarten befindet, muss man

auf den Erntezeitpunkt der Nutzpflanzen achten, da gerade in den Haupterntemonaten (Juli und

August) die Schülerinnen und Schüler Ferien haben.

© Alexander Haiden/Natur im Garten

Besonders gut eignen sich Kräuter für die Hochbeetbepflanzung:

• Basilikum (Ocimum basilicum)

• Bohnenkraut (Satureja montana)

• Borretsch (Borago officinalis)

• Currykraut (Helichrysum italicum)

• Dill (Anethum graveolens)

• Knoblauch (Allium sativum)

• Lavendel (Lavandula angustifolia)

• Majoran (Origanum majorana)

• Pfefferminze (Mentha x piperita)

• Oregano (Origanum vulgare)

• Rosmarin (Rosmarinus officinalis)

• Salbei (Salvia officinalis)

• Thymian (Thymus vulgaris)

• Ysop (Hyssopus officinalis)

• Zitronenmelisse (Melissa officinalis)

Aber auch spät reifende Tomaten und verschiedenste Paprika und Chili-Sorten können in ein

Hochbeet im Schulgarten gepflanzt werden.

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1.3 Anleitung zum Bau einer Trockensteinmauer

Das Landschaftsbild der UNESCO Region Wachau wird durch die terrassierten Weingärten mit

ihren Trockensteinmauern geprägt. Gerade für den Tourismus ist dies von großer Bedeutung.

Die Trockensteinmauern werden ohne Bindemittel wie Mörtel oder Beton aus Natur- und

Bruchstein errichtet. Das Schichten der Steine für diese einzigartigen Bauwerke erfordert

Geduld, Gefühl und Erfahrung. Gemeinsam mit der Gartenbauschule Langenlois wurde eine

Trockensteinmauer im Schulgarten der HLF errichtet. Diese soll die Umgebung widerspiegeln

und den Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern und allen Besucherinnen

und Besuchern veranschaulichen, welche ökologischen Vorteile solch eine Bauweise bietet. So

wurden die Fugen bepflanzt, um Insekten und Tieren wie Wildbienen, Hummeln, Eidechsen

oder Blindschleichen Unterschlupf in dem trockenen und warmen Mauerwerk zu geben.

1.3.1 Material und Werkzeug

Natursteine aus der Region

©HLF Krems

• Frostfestes Kantkorn (Kalkschotter 16/45 oder Schieferbruch 20/49)

• Bauvlies oder Grädermaterial/Schotter (Korngrößen 0/32)

• Spitzhacke, Spaten, Schaufel für die Erdarbeiten

• Schubkarre, stabile Sackrodel/Sackkarre, Kübel, Brechstange

• Zum Ausstecken: Wasserschlauch oder Seil, Dachlatten, Säge, Schnur, Mauerbleistifte,

Schlägel, Maßband, lange Wasserwaage

• Mauerbau: Spitzschaufel, Handstampfer, Mauerhammer, Fäustel, diverse Meißel,

Wasserwaage, Zentimeterstab

• Sicherheit: Handschuhe, Sicherheitsschuhe, Schutzbrille

1.3.2 Durchführung

Zuerst wird ein Graben für das Fundament ausgehoben: Breite = 1/3 der geplanten Mauerhöhe,

Tiefe = 40 cm. Der Fundamentgraben wird bis ca. 5 cm unter der Geländekante mit Grobschotter

verfüllt oder mit Bruchsteinen voll geschichtet und das Material anschließend verdichtet. Auf und

in das Fundament wird die Grundreihe der Mauersteine so verlegt, dass die Steine mindestens

5 cm unter Bodenniveau gründen und in gleicher Höhe abschließen. Das Fundament darf

nicht freiliegen! Die erste Mauerschicht sollte aus den größten Steinen bestehen. Die weiteren

Steinreihen werden gleich mit Schotter hinterfüllt. Die oberste Steinschicht hat besondere

Bedeutung für die langfristige Haltbarkeit der Mauer, da sie das darunterliegende Gefüge

schützt. Geeignet sind schwere und flächige Steine oder große Steinplatten. Diese werden leicht

nach hinten und abfallend verlegt und sollten bündig abschließen.

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1.4 Kompost-Quiz

Die folgenden Fragen wurden im Rahmen des Projektes erprobt und können für den Unterricht

übernommen werden.

Wo leben mehr Tiere?

in der Luft

im Boden

in der Wiese

In einer Handvoll Erde leben mehr Tiere als Menschen auf

der Erde. Der Boden ist somit der am dichtesten besiedelte

Lebensraum der Welt. Die meisten Tiere im Boden sind

jedoch sehr klein und nicht mit dem freien Auge zu sehen.

© D.Krawczik/GRÜNE LIGA Berlin e.V.

Wovon ernähren sich die meisten Tiere im Kompost?

von Wasser

von Luft und Liebe

von Pflanzen– und Essensresten

Die vielen Tiere im Kompost brauchen zwar ausreichend

Wasser und Luft zum Überleben, ernähren sich aber

zum Großteil von Pflanzen- und Essensresten.

Was passiert mit unseren Pflanzen- und Essensresten,

wenn wir sie auf den Kompost geben?

sie werden in fruchtbare Erde umgewandelt

sie trocknen aus und verschwinden

sie werden von den Panzerknackern gestohlen

Komposttiere ernähren sich vor allem von Pflanzen– und Essensresten.

Dabei wird das Material zersetzt, abgebaut, aber auch wieder neu

aufgebaut. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist fruchtbare Erde, das heißt:

Komposterde.

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Von welchen Tieren wird ein neu angelegter Kompost als erstes besiedelt?

Bakterien

Regenwürmer

Katzen

Die Erstbesiedler auf dem Kompost sind Bakterien. Danach kommen

Pilze dazu und erst später jene Tiere, die auch mit freiem Auge sichtbar

sind, wie Springschwänze, Milben, Asseln, Kompostwürmer,….

Was ist das Besondere an Komposterde?

sie ist voller Leben und Nährstoffe

sie riecht nach Eierschalen

sie schmeckt nach Kaffee

Komposterde ist nicht nur ein guter Dünger, sondern enthält auch

viele wichtige Bodentiere. Diese fleißigen Helfer geben dem Boden

eine gute Struktur und helfen den Pflanzen zu mehr Gesundheit.

Warum wird Komposterde als Gold des Gärtners bezeichnet?

weil sie in der Sonne glänzt wie Gold

weil man sie gegen Gold tauschen kann

weil sie sehr wertvoll für die Pflanzen ist

Komposterde enthält alle wichtigen Nährstoffe, die die Pflanzen zum

Wachsen brauchen. Nebenbei verbessert sie auch die Bodenstruktur.

Das macht den Kompost Gold wert für die Pflanzen.

Wie viel Prozent des Hausmülls können auf den Kompost gegeben werden?

1 – 2 Prozent

30 – 40 Prozent

70 – 80 Prozent

Rund ein Drittel von dem Müll, der zu Hause anfällt, ist „organisch“

und somit viel zu schade für die Mülltonne. Dieser Abfall eignet sich

für den Komposthaufen.

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Nenne 3 „Dinge”, die du auf den Komposthaufen geben kannst!

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Warum ist es gut einen Komposthaufen zu haben?

weil man dadurch die Umwelt schützt

weil er ein guter Ort zum Spielen ist

weil man weniger Fläche zum Rasenmähen hat

Ein Komposthaufen im Garten bedeutet

Kreislaufwirtschaft. Wer einen Komposthaufen hat,

leistet einen großen Beitrag zum Umweltschutz.

© Alexander Haiden/Natur im Garten

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2 Modul Naturwahrnehmung und

Lernförderung, Berufsorientierung und

Gartentourismus

2.1 Naturwahrnehmung und Lernförderung

Um Bildung nachhaltig zu fördern, sollten Methoden genutzt werden, die erlebbar machen, dass

Umweltentwicklung und Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit zusammenhängen und

dass diese Wechselwirkung auch gestaltbar ist.

Lernformen mit ganzheitlichem Charakter stärken ein Verständnis, als Mensch Teil eines größeren

Ganzen zu sein, und unterstützen damit auch die Bereitschaft, Verantwortung für die Umwelt

zu übernehmen. Und die Intelligenz- und Hirnforschung der letzten Jahre hat nachgewiesen:

Menschen entwickeln ihre geistigen, körperlichen und psychischen Fähigkeiten optimal, wenn all

ihre Sinne – Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten, Gleichgewicht und Körperkoordination

– gefördert werden, und das gilt nicht nur im Kindesalter.

Gärten sind eine ideale Umgebung für die Förderung von Wahrnehmungs- und Konzentrationsfähigkeit

und emotionaler Stabilität und bieten außerdem Räume für verschiedenste Aktivitäten.

Nachfolgende Anleitungen sollen Schülerinnen und Schülern Natur spielerisch näher bringen,

differenzierte Eigenerfahrung ermöglichen und die Lernleistung fördern.

2.1.1 Sehen

Das Sehen an sich ist ein hochkomplizierter Vorgang. Störungen, die auftreten können:

verwackelte Bilder, Einschränkungen des Gesichtsfeldes, Farbenblindheit, Störungen der

Bewegungswahrnehmung, der Einschätzung von Entfernungen. Auch die Raumauffassung kann

beeinträchtigt seinund in deren Folge unser räumliches Denken, unsere Bewegung im Raum,

die Orientierungsfähigkeit.

Blätter beschreiben und erkennen

Dauer: 20 Minuten

Material: Größere Menge sehr unterschiedlich aussehender Blätter, großes Tuch

Durchführung: Schülerinnen und Schüler bilden Paare, eine(r) hat die Augen verbunden,

die/der andere sucht zwei Blätter aus der auf dem Tuch liegenden Menge aus und

beschreibt sie dem Partner so genau wie möglich, ohne die Pflanze zu benennen, bezieht

sich also nur auf das Aussehen des jeweiligen Blattes. Danach werden die Blätter wieder

unter die Menge auf dem Tuch gemischt. Der Partner nimmt die Augenbinde ab und

versucht, beide Blätter zu erkennen. Positionswechsel der Partner.

Ziel: Wahrnehmungs- und Sprachförderung

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Gemeinsames Bild legen

Dauer: 15 Minuten

Material: Im Garten gesammelte Steine, Blätter, Zweige, Gewürze, Kräuter…

Durchführung: Auf einem großen Tuch wird von Schülerinnen und Schülern mit allen

Materialien ein gemeinsames Bild gelegt. Reihum in mehreren Runden legen sie Zweige,

Blätter, Rindenstücke usw. auf das Tuch.

Ziel: Kreativität, Kooperation fördern

Mandala gestalten

Dauer: 40 Minuten

Material: Mittelpflock und Schnur, Steine, Erden, Sand, Blätter, Fallobst, Zweige usw.

Durchführung: Kreisbildung in der Gruppe. Arbeit in Stille: Mitte und Ausdehnung des

Mandalas festlegen, dann von der Mitte ausgehend das Material im Kreis auslegen.

Ziel: Kreativität und Kooperation fördern

© D. Krawczik/GRÜNE LIGA Berlin e.V.

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2.1.2 Hören

Wir können unser Ohr nicht verschließen. Ständig unterscheiden wir Vordergrund- und

Hintergrundgeräusche. Im Innenohr sitzt unser Gleichgewichtsorgan und teilt uns mit, wie wir

unseren Körper im Raum bewegen.

Hören bedeutet auch, dass wir Geräusche und Klänge abspeichern und sie abrufen können – z.B.

wenn wir einem gelesenen Wort seinen Klang zuordnen. Ein nur eingeschränktes Hör-Vokabular

kann zum Zurückbleiben des Sprachvermögens und zu einer eingeschränkten Lesefähigkeit

führen.

Die natürliche Geräuschkulisse der Natur entspannt uns: Vogelgezwitscher, Blätterrauschen,

das Brechen eines Astes, das leichte Säuseln von Gräsern.

Hör-Memory

Dauer: 15 Minuten

Material: Jeweils zwei gleiche leere dunkle Gläser oder Plastikdosen mit verschiedenen

Materialien (Sand, Reis, Erbsen, Bohnen usw.).

Durchführung: Durch Schütteln der Behältnisse werden Geräusche hervorgebracht. Die

zusammengehörigen Materialien-Paare sollen von Schülerinnen und Schülern gefunden

werden.

Ziel: Stärkung der auditiven Wahrnehmungsfähigkeit, Kooperation

Boden begreifen – Tasten – Riechen – Hören

Dauer: 25 Minuten

Material: Verschiedene Materialien, z. B. Sand, Lehm, Ton, Gartenerde,

Kies, Steine, Blätter, Heu/Gras, Moos o.a.;

Stofftaschen oder Abdecktücher (Anzahl entsprechend Materialien)

Evtl. 20-m-Seil

Etiketten

Auswertungsbogen (mit Nummernzeilen entsprechend der Anzahl

der Materialien und Spalten für Tasten, Riechen, Hören und Materialvermutung)

Evtl. Liste mit Wörtern zur Wahrnehmungsbeschreibung zur Verfügung stellen.

Bewegende Gärten | 21


Durchführung: Die Materialien sortiert in Taschen am Seil aufhängen oder in abgedeckten

Plastikschalen auslegen. Behältnisse mit Nummern versehen.

Schülerinnen und Schüler erhalten Auswertungsbögen, ertasten die Materialien mit den Händen

unter dem Tuch, setzen Riechen und Hören ein, um die Eigenschaften zu erfassen.

Ziel: Förderung von Tast-, Geruchs- und Hörsinn. Boden stärker ins Bewusstsein heben, da er als

Grundlage menschlichen Lebens im Alltag meist nicht wahrgenommen wird. Bodenmaterialien

kennenlernen.

© D.Krawczik/GRÜNE LIGA Berlin e.V.

22 | Bewegende Gärten


2.1.3 Tasten

Keine andere Sinneswahrnehmung wirkt sich so stark auf die Motorik aus.

Um genügend Informationen z.B. über einen Stein zu erhalten, reicht es nicht, ihn zu berühren,

ich muss ihn anfassen, drehen und über ihn hinweg streichen. Taktiler Reiz und Bewegung

stehen in enger Verbindung.

Über- oder Unterfunktion des Tastsinns ziehen eine nicht adäquate Reaktion auf Berührungen

nach sich, was sich im Erwachsenenalter als Unfähigkeit im Sozialverhalten äußern kann.

Je besser die Berührungs-Wahrnehmung differenziert wird, desto klarer sind Körperbild und

Körperschema des Kindes entwickelt, was zur Stärkung des Ich-Gefühls führt. Kinder mit viel

Hautkontakt haben weniger Stress und eine entsprechend geringere Aggressionsbereitschaft.

Barfußpfad

Dauer: 20 Minuten

Material: Zapfen, Steine, Rinde, Sand o.ä.

Durchführung: Einige Schülerinnen und Schüler gestalten aus verschiedenen Naturmaterialien

einen Pfad. Andere werden barfuß mit geschlossenen Augen über den Weg geführt

und müssen erraten, um welche Naturmaterialien es sich handelt.

Ziel: Tastempfinden der Füße stärken, Vertrauen untereinander schaffen, Kooperationsfähigkeit

entwickeln

© Alexander Haiden/Natur im Garten

Bewegende Gärten | 23


Samenbällchen bauen

Dauer: 25 Minuten

Material: Gedämpfte Komposterde, Sand, Tonerde, Wasser, Samen (biologisch und regional

produziert), Schüsseln

Durchführung: Gut mischen: 5 Teile Tonerde, 3 Teile Komposterde, 1 Teil Wasser, 1 Teil Sand

Kleine Bällchen formen, eine Mulde eindrücken, diese mit Samen füllen und wieder verschließen.

Die Bällchen auf schwer erreichbare Areale werfen und so das Grün erweitern.

Ziel: Feinmotorik und Tastsinn fördern, Ideenentwicklung

© D.Krawczik/GRÜNE LIGA Berlin e.V.

Gordischer Knoten

Dauer: 15 Minuten

Durchführung: Schülerinnen und Schüler stehen im Kreis und strecken beide Arme in die

Mitte. Nun schließen alle die Augen und gehen ganz langsam Richtung Kreismitte bis sie andere

Hände zu fassen bekommen. Hat jede/r zwei Hände gefunden, öffnen alle die Augen, ohne

die Hände loszulassen. Nun gilt es den „gordischen Knoten“ zu lösen und die dafür geeigneten

Bewegungen zu finden.

Ziel: Geschicklichkeit und Koordination fördern, Spaß an Verbundenheit

24 | Bewegende Gärten


2.1.4 Riechen

Die Informationen unserer Nase laufen durch unser im Zwischenhirn liegendes limbisches

System – den Bereich, der speziell mit Erinnerungsvermögen und Emotionen verbunden ist.

Unsere Erinnerung ist also besonders mit Gerüchen und Gefühlen verbunden.

Ein Garten ist immer auch ein Garten der Erinnerung. Im Garten riecht es, und es gibt jede

Menge zu sehen und zu spüren. Einmal erworbene taktile Erinnerungen sitzen fest in uns – wie

sich ein frisch gemähter Rasen anfühlt oder die zarten Blüten einer Pflanze, das können wir

direkt und schnell in uns abrufen. Gleichzeitig erfahren wir Wachstum, entdecken ständig Neues

an Veränderungen und sehen, wie sich unser Tun auswirkt. Gleichzeitig zum Lernen angebotener

Duftreiz verstärkt die Aufnahme von neuem Wissen.

Duftintensität herausfinden

Dauer: 10 Minuten

Material: Verschieden intensiv duftende Lebensmittel (z.B. Zwiebel, Knoblauch, Honig,

Milch,…)

Durchführung: Schülerinnen und Schüler sortieren die Lebensmittel nach Duftintensität

und merken, wie verschieden stark ihr Geruchssinn ausgeprägt ist

Ziel: Förderung von Riechen und Schmecken, Kommunikation untereinander

Kräuter erkennen

Dauer: 10 – 15 Minuten

Material: 5 verschiedene Kräuter

Durchführung: 5 Schülerinnen und Schüler zerreiben jeweils eines der fünf Kräuter in

ihren Händen. Die Handflächen werden dann zu einer Faust geschlossen, anschließend

müssen die anderen Gruppenmitglieder raten, um welche Kräuter es sich handelt.

Ziel: Riechsinn fördern, Kommunikation untereinander

©Ernst Sommer/HLF Krems

Bewegende Gärten | 25


Gewürze erraten

Dauer: 15 Minuten

Material: Verschiedene Gewürze (Pfeffer, Zimt, Anis, Knoblauch…), Alu-Folie, Klebepunkte,

Papier, Stifte

Durchführung: Die Gewürze in kleine Vierecke von Alu-Folie (ca. 5 x 5 cm) einwickeln,

am Boden Nummer befestigen. Liste der Nummern und Materialien erstellen.

Die nummerierten Beutel liegen ausgebreitet, Schülerinnen und Schüler versuchen, durch

Riechen und Anschauen der Materialien herauszubekommen, um was es sich handelt und

notieren Nummer und Bezeichnung auf dem Papier.

Vergleich der Ergebnisse – wer hat wie viele richtige Gewürze?

Die Übung bringt die SchülerInnen ins Gespräch über Lieblingsspeisen, landestypische

Rezepte u.ä.

Ziel: Förderung des Riech- und Schmeck-Sinnes, Kommunikation untereinander, Multikulturalität

entdecken.

2.1.5 Schmecken

Das Schmecken ist oft unser am schlechtesten ausgebildeter Sinn. Wir unterscheiden süß,

salzig, sauer und scharf. Wer nicht mehr merkt, ob etwas verdorben, giftig oder aber angenehm

ist, dem fehlen grundlegende Informationen für die Bewältigung seines Alltages.

Was schmecke ich da? – Obst und Gemüse erkennen

Dauer: ca. 45 Minuten

Material: Augenbinden, Pappteller für jedes Obst und Gemüse, Messer, Holzsticks

Durchführung: Achtung - nach Allergien fragen! Entsprechende Früchte aussortieren

bzw. die betroffene Person nicht damit konfrontieren!

Früchte und Gemüse auswählen, die gut in mundgerechte Stücke schneidbar sind und

einen intensiven Geschmack haben. Es ist praktisch, die Obst- und Gemüsestücke vor

Beginn der Spielrunde zu schneiden und auf Papptellern zu sortieren (hölzerne Sticks

verwenden). Schülerinnen und Schüler sitzen im Kreis, verbinden sich die Augen und

bekommen die Stücke zu kosten. Eine Sorte für den ganzen Kreis benutzen. Niemand

darf zwischendurch laut sagen, was erkannt wurde, um den anderen nicht die Neugier zu

nehmen.

Ziel: Geschmackssinn fördern, Spaß

26 | Bewegende Gärten


Rezept Kräutersalz

Dauer: mehrere Tage

Material für 10 Gläser zu je 150 g:

2 kg hochwertigstes, grobes, feuchtes Meersalz (natürlich weiß, leicht feucht, reich an

Magnesium; mineralische Zusammensetzung ist der des menschlichen Blutes wesentlich

näher als handelsübliches Kochsalz; auch durch natürlichen Jodanteil aus medizinischer

Sicht das bessere Salz); frische Kräuter wie Rosmarin, Thymian, Petersilie, Oregano,

Liebstöckel, Ysop und Salbei

Durchführung: Kräuter nach Bedarf waschen und wieder trocknen lassen, dann

“entstielen”. Die Kräuter mit der Moulinette cuttern oder mörsern. Das feuchte Meersalz

auf einem Backblech verteilen und mit den frisch gehackten Kräutern vermischen. Das

Salz samt Kräutern bei ca. 35-40° C im Rohr ca. zwölf Stunden lang trocknen lassen. Bei

dieser Temperatur werden die natürlichen Inhaltsstoffe der Kräuter erhalten. Das fertige

Salz ist auch für Salzmühlen geeignet.

Ziel: Geschmackssinn fördern, Feinmotorik, Kräuterkenntnisse

Rezept Kräuteröl

Dauer: ca. 20 Tage

Material: frische Kräuter wie Rosmarin, Thymian, Petersilie, Oregano, Liebstöckel, Ysop

und Salbei; kaltgepresstes Olivenöl oder Rapsöl

Durchführung: Kräuter nach Bedarf waschen und wieder trocknen lassen, dann

“entstielen”. Die Kräuter fein hacken und mit sehr wenig Öl auf ca. 50° C erwärmen. Ca.

20 Tage kühl und lichtgeschützt reifen lassen. Abseihen (bis auf Dekorkräuter) und mit

kaltgepresstem Olivenöl oder Rapsöl auffüllen.

Ziel: Geschmackssinn fördern, Feinmotorik üben, Kräuterkenntnisse erwerben

Rezept Zitronenverbenen-Eistee

Dauer: ca. 2 Stunden

Material: Zitronenverbene, Rohrzucker, Eiswürfel

Durchführung: Blätter der Zitronenverbene vom Stiel entfernen und mit heißem Wasser

aufgießen, ziehen lassen und danach kalt stellen. Mit Rohrzucker süßen und mit Eiswürfeln

servieren.

Ziel: Geschmackssinn fördern

Bewegende Gärten | 27


2.2 Berufsorientierung

Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern wurden im Rahmen des Projektes Grüne Berufe bzw.

Berufsfelder in Gartenbau, Gastronomie und Tourismus erkundet. Diese Berufszweige stellen für

Schülerinnen und Schüler interessante Berufsmöglichkeiten mit guten Zukunftsperspektiven sowohl

in Deutschland als auch in Österreich dar.

2.2.1 Gärtnerin/Gärtner

Gärtnerinnen und Gärtner der Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau gestalten die Umwelt nach

Plänen von Landschaftsarchitekten und -architektinnen: Sie bauen, pflegen, sanieren und pflanzen

Außenanlagen, insbesondere Grünanlagen aller Art. Praktische Workshops im Gartenbau eignen sich

zur Information über das Berufsfeld und zum Aufbau von Kontakten zu regionalen Unternehmen.

Neben dem schon erwähnten Garten- und Landschaftsbau gibt es gärtnerische Ausbildungen in

anderen Fachrichtungen zum Beispiel Zierpflanzenbau, Friedhofsgärtnerei, Baumschule, Obst- und

Gemüsebau.

© Ernst Sommer/HLF Krems

2.2.2 Ernährungsberaterin/Ernährungsberater

Ernährungsberaterin und Ernährungsberater sind Fachpersonen im Bereich der Ernährung. Für

die Gesundheitsvorsorge geben sie Ernährungsinformationen an Interessierte aller Altersgruppen

weiter. Sie halten Vorträge und Seminare oder geben Einzel- und Gruppenberatungen. Auch ihre

Mitarbeit an wissenschaftlichen Studien und Projekten und die Beratung von Institutionen zählen

zum abwechslungsreichen Tätigkeitsfeld. Für den wichtigen Bereich der Therapie führen sie

ernährungsmedizinische Einzel- und Gruppenberatungen durch und sind zuständig für die individuelle

Betreuung von Patienten in Spital- und Heimpflege bzw. Kur- und Wellnessbetrieben. Sie zeigen

Zusammenhänge zwischen Ernährungstherapie und Krankheit auf und geben Rat und Tipps zur

Umsetzung im Alltag.

28 | Bewegende Gärten


Sie übernehmen außerdem Tätigkeiten in der Lebensmittelindustrie. Dort beantworten sie

beispielsweise Kundenanfragen, wirken in der Produktentwicklung mit und erarbeiten Broschüren.

2.2.3 Köchin/Koch

Koch und Köchin tragen durch die geschmackvolle

Zubereitung und die phantasievolle Gestaltung

der Speisen wesentlich zum Erfolg

eines gastgewerblichen Betriebes bei. In den

Verantwortungsbereich fallen neben dem

Wareneinkauf die Zubereitung von Speisen

(Vor- und Endarbeiten, wie z.B. Gemüse

putzen, schneiden, dünsten, braten, rösten,

grillen und backen, die Zubereitung von kalten

und warmen Speisen, Anrichten von Speisen),

das Zusammenstellen von Bankettmenüs, die

Erstellung von Speisekarten, die Speisenkalkulation

und die Personalorganisation.

© Ernst Sommer/HLF Krems

2.2.4 Restaurantfachmann/-frau

Der/die Restaurantfachmann/-frau fungiert durch den direkten Kontakt mit den Gästen als

WerbeträgerIn eines gastgewerblichen Betriebes und ist für den Erfolg des Unternehmens

mitverantwortlich. Der Aufgabenbereich umfasst das Verkaufen von Speisen und Getränken,

die Beratung bei Menüzusammenstellung und Wahl der korrespondierenden Getränke, das

fachgerechte Servieren (auch die Zubereitung der Speisen bei Tisch: Tranchieren, Filetieren

und Flambieren), das Decken von Tischen und festlichen Tafeln, Bereitstellen und Sauberhalten

von Geschirr, Gläsern und Besteck („mise-en-place-Arbeiten“) sowie Personalorganisation und

Rechnungslegung, Bonierung und Restaurantabrechnung.

© Gisela Gundacker/Natur im Garten

Bewegende Gärten | 29


2.3 Gartentourismus

Gärten und Parks sind internationale Anziehungspunkte und werden generationsübergreifend aus

verschiedensten Gründen gerne besucht – unter anderem zur Erholung, Bildung und zum Besuch von

Veranstaltungen. Sie bieten Arbeitsplätze und Möglichkeiten für berufsorientierende Maßnahmen. Im

Rahmen von Exkursionen können Aspekte von Regionalität und Saisonalität von Lebensmitteln und

gärtnerischen Produkten veranschaulicht und verständlich präsentiert werden.

Lehrkräfte erhalten Anregungen für den Projektunterricht über den Gartenbau der Regionen:

Herstellung regionaler Produkte, Perspektiven des urbanen Gartenbaus, Führung von Gast- und

Schaugärten.

Nachstehend Beispiele für mögliche Exkursionen in die Regionen des Projektes, in denen Leidenschaft,

Kreativität, Nachhaltigkeit und Nutzung regionaler Ressourcen zu erfolgreichen Unternehmen und

Vorzeigeprojekten führten.

• Grossauer Edelkonserven, Schönberg, Niederösterreich

Aus saisonalen Zutaten, hochwertigen Grundprodukten und der Leidenschaft für unvergleichlichen

Geschmack werden in der Kamptaler Edelkonserven Manufaktur über 30 außergewöhnliche Pesto-

Sorten hergestellt. „Gute Grundprodukte, ein bisschen Mut zum Experiment und Begeisterung, mehr

braucht es eigentlich nicht. Mit unseren Edelkonserven wollen wir unsere Freude am guten Essen mit

Ihnen teilen.“ Stefan Grossauer

• Schaugarten Gundacker – die ganz besondere Gehölzsammlung,

Melk, Niederösterreich

Der Schaugarten beherbergt derzeit ca. 3000 verschiedene Arten und Sorten an Laub- und

Nadelgehölzen sowie Stauden aus aller Welt. Optischer Höhepunkt im Gartenjahr ist die Magnolienund

Pfingstrosenblüte, welche im April und Mai zu bewundern ist. Derzeit befinden sich rund 130

verschiedene Arten und Sorten von Magnolien in der Anlage, und diese werden von Jahr zu Jahr

mehr. Von der Blütenpracht asiatischer Magnolien über die nordamerikanischen Giganten – die

Mammutbäume – bis zu den beeindruckenden afrikanischen Büffeln: jeder Erdteil ist im Schaugarten

mit Besonderheiten vertreten.

30 | Bewegende Gärten

© Alexander Haiden/Natur im Garten


• Prinzessinnengärten, Berlin

Die Prinzessinnengärten wurden auf einer ungenutzten Brachfläche mitten in Berlin nach dem

Vorbild urbaner Landwirtschaft in Kuba gegründet. In mobilen Behältnissen werden vor allem

Kräuter und Gemüse angebaut, verarbeitet und verkauft. Nachbarn und Interessierte beteiligen

sich am Gärtnern und an (multi-)kulturellen Veranstaltungen.

© U. Nowikow/GRÜNE LIGA Berlin e.V.

• Allmende-Kontor, Berlin

Die in kurzer Zeit in Selbstbauweise errichteten 200-300 Hochbeete auf dem ehemaligen

Flughafengelände Berlin-Tempelhof sind zu einem gärtnerischen und sozialen Treffpunkt

geworden.

© D.Krawczik/GRÜNE LIGA Berlin e.V.

Bewegende Gärten | 31


3 MODUL GARTENKUNST

Gartenkunst ist ein Arbeitsfeld mit einem weiten Spektrum, das von historischen Garten- und

Parkanlagen bis zum kleinen Land-Art-Projekt in Schulen reicht. Berühmte Anlagen, z.B. der

Schlosspark in Berlin-Charlottenburg oder die GARTEN TULLN in Niederösterreich, sind sowohl

gartentouristisch von großer Bedeutung, bilden aber auch Anschauungsobjekte im Rahmen von

schulischem Kunstunterricht.

Nachstehend zwei Anleitungen zu künstlerischen Arbeiten mit Schülerinnen und Schülern.

3.1 Gestaltung eines Lössbildes

Zusammen mit einem regionalen Künstler wurde im Schulgarten der HLF Krems eine Installation

erstellt und angebracht. Bei dieser Aktion waren vor allem die Kreativität und der Gemeinschaftssinn

der Schülerinnen und Schüler gefordert. Über die verschiedenen Materialien und Arbeiten wurden

Bezüge zu den Modulen Gartenbau (Verwendung von Löss) und Naturwahrnehmung (Erfühlen

verschiedener Korngrößen des Bodenmaterials) hergestellt.

3.1.1 Material und Werkzeug

• Löss

• Wasser

• Holzplatten (witterungsbeständig)

• Kübel

• Schaufel

• Handschaufel

• Pinsel

• Handschuhe

• Schutzanzüge

3.1.2 Durchführung

Löss von einer Lösswand mit Hilfe von Kübeln

und Schaufeln abbauen. Löss fein sieben und mit

Kleber anrühren. Dieses Gemisch mit Hilfe von

Spachteln auf eine Pressspanplatte auftragen

und in der Sonne trocknen lassen. Danach mit

witterungsbeständiger Fassadenfarbe mischen

© Ernst Sommer/HLF Krems

und mit Hilfe von unterschiedlich breiten

Pinseln im Spritzverfahren vom Zentrum heraus auftragen. Nach einer weiteren Trocknungsphase

die Spanplatte auf ein Nirosta-Gestell montieren.

32 | Bewegende Gärten


3.2 Anleitung zum Bau von Gemüseskulpturen aus Holz

Zusammen mit einem Berliner Künstler wurden im Schulgarten der Ernst-Reuter-Oberschule

große Gemüseskulpturen aus Holz gefertigt und aufgestellt.

3.2.1 Material und Werkzeug

• Baumstämme regionaler Holzarten in gewünschter Größe

Naturfarben

• Sägen, Beile, Äxte, Stechbeitel, Meißel

• Pinsel

3.2.2 Durchführung

Anfertigung von Skizzen und Festlegung von Größen und Standorten. Einrichtung eines

arbeitsschutzgerechten Arbeitsplatzes. Demonstration des Arbeitsvorganges durch den Künstler.

Schülerarbeit am Objekt in Kleingruppen (Grobarbeit, Feinarbeit, Anstrich).

© GRÜNE LIGA Berlin e.V.

© GRÜNE LIGA Berlin e.V.

Bewegende Gärten | 33


3.3 Pflanzenfarben

Fachübergreifend mit Arbeitslehre, Biologie und Chemie lohnt sich im Kunstunterricht unter dem

Stichwort Pflanzenfarben die Auseinandersetzung mit dem Färbergarten. Die historischen Wurzeln

der Färbergärten lassen sich u.a. in einem Konventgarten im Rahmen eines Klosterbesuches

nachvollziehen. Der Apothekergarten eines Konvents hatte mit seinen Naturheilpflanzen gleichzeitig

auch farbig besonders gut nutzbare Pflanzen zur Auswahl. Das Wort „Tinctoria“ aus dem Lateinischen

steht für „Extrakt“ und „Färben“, die „Tinktur“ vermittelt so auch heute noch die Assoziation von

„Medizin zum Verstreichen“.

Mit etwas Sonne und einem gepflegten Beet lassen sich die meisten der bekannten Färberpflanzen

(Färber-Krapp, Färber-Waid, rote Bete, Möhre, Blaukissen etc.) anbauen. Jeder Botanische Garten

ist geeignet, Anregungen für den Eigenanbau in der Schule zu geben.

Die Herstellung von geeigneten Farben für das Malen kann ungiftig durch Zerkleinern / Auspressen

in Verbindung mit Eitempera bzw. Tempera auf Caseinbasis erfolgen. Die Anwendung der Farben ist

eindrucksvoll auf alle Sinne ausgerichtet (Curcuma liefert z.B. Gelb und Gewürzduft...). Lichtechtheit/

Beständigkeit und z.B. die eingeschränkte Mischbarkeit der Pflanzenfarben bieten Anregungen für

den Chemieunterricht.

© Ernst-Reuter-Oberschule

34 | Bewegende Gärten


4 QUELLENVERZEICHNIS

Arendt, H.: (2010): Entdecke die Farben der Natur: Das Werkstattbuch für Kinder. Haupt

Verlag, Stuttgart

Biermaier, M.; Wrbka-Fuchsig, I.; (2011): Hochbeete naturnah gestalten. Österreichischer

Agrarverlag Druck- und Verlagsges.m.b.H. Nfg. KG, Wien

Künkele, U.; Lohmeier, T. (2011); Heilpflanzen & Kräuter. Verlag: Parragon

Österreich, I.; Roth, T.; (2010): Trockensteinmauern für naturnahe Gärten. Österreichischer

Agrarverlag Druck- und Verlagsges.m.b.H. Nfg. KG, Wien

Pütz, N.; Wittkowske, S. (2012); Schulgarten- und Freilandarbeit: Lernen, studieren und

forschen. Verlag: Klinkhardt

Zimmer, R.;(2005): Handbuch der Sinneswahrnehmung. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau

Links

Senatsverwaltung für Bildung,

Jugend und Wissenschaft

www.berlin.de/sen/bjw

Grün macht Schule

www.gruen-macht-schule.de

Ernst-Reuter-Oberschule

www.ernst-reuter-oberschule.de

GRÜNE LIGA Berlin e.V.

www.grueneliga-berlin.de

Künstler Christoph Gramberg

www.nepomuk-holz.de

Prinzessinnengärten

www.prinzessinnengarten.net

Allmende-Kontor

www.allmende-kontor.de

Landesschulrat für Niederösterreich

www.lsr-noe.gv.at/

Tourismusschulen HLF Krems

www.hlfkrems.ac.at

Natur im Garten

www.naturimgarten.at

Künstler Fritz Gall

www.fgall.com

Garten Gundacker

www.gartengundacker.at

Grossauer Edelkonserven

www.edelkonserven.at

Die Garten Tulln

www.diegartentulln.at

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36 | Bewegende Gärten

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den

Inhalt dieser Veröffentlichung (Mitteilung) trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere

Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

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