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Fachtagung zu kleinbäuerlicher, ökologischer Landwirtschaft &

Fairem Handel

Berlin, 27. September 2013

Präsentation durch: Ulrich HOFFMANN (Dr. habil.)

Principal Editor, UNCTAD Sekretariat


Warum bringt UNCTAD (als Handelsorganisation) einen Bericht zur

notwendigen Transformation in der Landwirtschaft heraus?

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1. Die Nahrungsmittelpreiskrise 2008 war ein Katalysator zur Infragestellung von einigen

entscheidenden Annahmen und Strategien, die die LW Politik und Handel in den letzten

Jahrzehnten dominierten. Die Resultate seit 2008 sind allerdings ernüchternd: Nur

wenig neuer Wein in überwiegend alten Schläuchen.

2. Die Priorität bleibt fixiert auf einer Erhöhung der industriellen LW Produktion. Die

Annahme, einer Angebotslücke ist allerdings zweifelhaft:

- Wir haben kalorienmäßig bereits ein globales Produktionsvolumen um 12-14 Mrd. Menschen

zu ernähren.

- Entscheidende strukturelle Probleme werden nicht angegangen: Kraftfutter für die industrielle

Massentierhaltung, Bio-kraftstoffe, das Abfall/Verlustproblem, verändertes Konsumverhalten.

- Hunger und Unterernährung sind im wesentlichen ein Problem fehlender ländlicher

Kaufkraft oder fehlender Mittel zur Selbstversorgung.

3. Die fundamentale Transformation der LW könnte eine der größten Herausforderungen

dieses Jahrhunderts, einschließlich für die internationale Sicherheit werden.

4. Das existierende internationale Handelsregime hat wesentlich mit zur Verschärfung der

Probleme in der LW beigetragen: Durch exzessive Spezialisierung & Kostendruck.


Wo sind eigentlich die Unterernährten dieser Welt?

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Undernourishment by household in 2005

Source: Oxfam, Growing a better future, London, 2011

• 80% der weltweit Hungerleidenden leben in ländlichen Gebieten.

• 50% der Hungernden sind selbst Kleinbauern.

• Fast 90% der Hungernden sind in Asien (vor allem Südasien) und im sub-saharischen

Raum in Afrika.


Bedeutung von Kleinbauern bei der globalen Nahrungsmittelproduktion

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Source: IAASTD, 2008

Kleinbäuerliche LW ist auch:

- eine entscheidende Quelle für Beschäftigung und Einkommen,

- unterstützt eine tragfähige ländliche Wirtschaftsentwicklung,

- wirtschaftlich rentabler als großbäuerliche Unternehmen,

- auch nachhaltiger als Großbauern oder Agrarbetriebe.


Die ernste Umweltkrise in der Landwirtschaft: Stickstoff

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Im gleichen Zeitraum hat sich die globale Getreideproduktion noch nicht

einmeal verdoppelt.


Die ernste Umweltkrise in der Landwirtschaft: Treibhausgasemissionen

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Methan- und Lachgasemissionen in der LW

• Die LW trägt gegenwärtig

etwa 4% zum globalen BIP

bei. Die LW verursacht

aber etwa 40-45% der

globalen Treibhausgasemissionen.

Source: IPCC (2007)

Hauptquellen der

Treibhausgasemissionen

in LDCs

Source: World Resources Institute and

UNCTAD, LDC Report 2010


Wahrscheinliche, durch den Klimawandel verursachte

LW Produktionseinbußen um 2080

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Der dringend erforderliche Paradigmenwechsel in der LW

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• Paradigmenwechsel erforderlich von “green revolution" zu einem "ecological intensification"

Ansatz.

• Das impliziert einen signifikanten Wechsel von konventionellen Monokultur-dominierten und

sehr externen inputabhängigen Produktionsformen zu einem Mosaik von wirkich

nachhaltigen, regenerativen Produktionssystemen, die die Produktivität von Kleinbauern

wesentlich erhöhen.

• Die erforderliche Transformation geht über die “Verbesserung” / “Optimierung” der

existierenden industrielle LW Produktion hinaus. Wir brauchen ein besseres Verständnis und

eine Umsetzung der Multifunktionalität der LW (inkl. ihrer Bedeutung für ländliche

Entwicklung, Ressourcenlimits & Klimawandel).

• Übergang von linearem zu einem

ganzheitlichen Ansatz (siehe nächste

Folie).

• Erforderliche Änderung des Regelwerks

für internationalen Agrarhandel,

die eine stärkere Rolle von lokalen

Märkten und Präferenzen ermöglicht.

Nachhaltige

Produktivität

(neue Definition

erforderlich)

Armutsbekämpfung

(Ernährungssicherheit/ländl

Entwicklung)

Stärkung der

Anpassungsfähigkeit

(an Ressourcen,

Energie & Klima)

Umsetzung der

Multifunktionalität


Von Schadensbegrenzung zur Nachhaltigkeit

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• Techno-fixes (improved technologies, such as minimum / no tillage or GMO

crops).

• Integrated production (IP, IPM).

• Low-input agriculture (LIA) or precision farming.

• Low-external-input sustainable agriculture (LEISA).

• Organic farming.

• Organic farming & reduced tillage.

• Organic (successional) agroforestry systems.


Wo sind die großen Herausforderungen?

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• Doppelstrategie:

• (a) drastische Verringerung der negative Effekte der konventionellen LW;

• (b) Mainstreaming nachhaltiger LW

• Ressourcenhotspots industrielle Tierhaltung und Biotreibstoffe

• Marktdominanz auf Input- und Outputseite

• In Entwicklungsländern: Wiederentdeckung der LW als Entwicklungs- &

Sozialmotor

• Viel größere Aufmerksamkeit für Kleinbauern

• Landreform und Frauenrechte

• Demokratisierung von F&E

• Reform des internationalen Handelsregimes

• Größere Bedeutung von (Grund)Nahrungsmittelsouveränität

• Abbau von perversen Subventionen und falschen Anreizen

• Schlüssige Strategie zur Unterstützung nachhaltiger Produktionsformen


Wichtigsten Baustellen

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• Viele kleine Schritte werden auch nur ein kleines Resultat bringen

• Lineares Verschieben von Problemen, aber kaum systemisches Denken

(Multifunktionalität der LW umsetzen)

• Techno- und Quickfixes spielen eine viel zu große Rolle

• Produktionssteigerungsfocus: “Mehr mit weniger Umweltschäden”

• Bei Ressourcen-, Nährstoff- und Klimalimits wird immer noch nicht der wahre

Ernst der Lage gesehen

• Betonung der produktionstechnischen Veränderung, ohne adäquate

politische & soziale Transformation

• Fehlende Fortschritte bei Landreform

• Reform der internationalen Handelsregeln und Subventionen (u.a.

Souveränität bei Grundnahrungsmitteln)

• Beste institutionelle Formen des internationalen Dialogs


TER 2013: A riche resource book

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• More than 60 international experts have contributed their views to a

comprehensive analysis of the challenges and the most suitable

strategic approaches for dealing holistically with the inter-related

problems of hunger and poverty, rural livelihoods, social and gender

inequity, poor health and nutrition, and climate change and environmental

sustainability - one of the most interesting and challenging subjects of

present development discourse.

Giving a visual illustration of the results of the required transformation:

example soil quality and fertility:

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