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I . 2013 / www.naturland.de

Naturland

Nachrichten International

Information für Mitglieder und Interessierte

Öko- Aquakultur und nachhaltige Fischerei weltweit

Öko-Aquakultur, Wildfischprojekte, Pionierleistung

Agrarpolitik

Reform der Europäischen GAP

Naturland International

Naturland als Gastgeber

Synergieeffekte

Kooperativen arbeiten zusammen

Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013

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Naturland auf Messen:

Shrimpfarm Indien

• Agritechnica, 12.-16. November in Hannover, Deutschland

• Internationale Grüne Woche, 17.-26. Januar 2014

in Berlin, Deutschland

• BioFach, 12.-15. Februar 2014, Nürnberg Deutschland

Inhalt:

Editorial.....................................................................................................................3

NEUIGKEITEN VON NATURLAND

Naturland auf der BioFach 2013............................................................................4

• Beirat international in Gräfelfing............................................................................5

• LOA zu Gast bei Naturland.....................................................................................6

• Öko-Branche trifft Öko-Prinz..................................................................................6

• Spekulation mit Nahrungsmitteln...........................................................................7

• Buchrezension „Food Crash“..................................................................................7

• Kleinbauern eine Stimme geben............................................................................8

Naturland Repräsentantin unterwegs in Ecuador................................................10

• Öffentliches Geld für öffentliche Leistung - EU-Agrarreform...............................10

• dwp feiert 25 jähriges Jubiläum...........................................................................12

• Richtlinienanpassungen bei Naturland................................................................12

FACHINFORMATION FISCH

• Unterstützung in Tansania....................................................................................13

• Thunfischprojekt auf den Malediven....................................................................14

• Aquakultur: ASC vs. Öko.......................................................................................15

• Fisch reagiert allergisch auf Gentechnik-Futter...................................................17

• Muscheln in Irland................................................................................................18

• Heringsfischerei in Deutschland...........................................................................18

MITGLIEDERFORUM

• ProNatur...............................................................................................................19

• Interview mit Jan Bernhard..................................................................................21

• WORC Wupperthal Original Rooibos Cooperative...............................................21

• Interview mit Manduvira.......................................................................................23

Impressum..............................................................................................................24

2 Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013


EDITORIAL

Auf die Vielfalt kommt es an!

Liebe Naturland Mitglieder und Partner in

aller Welt!

Die USA und die EU repräsentieren gemeinsam

rund die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung.

Seit Juli 2013 verhandeln Washington

und Brüssel über das »transatlantische Freihandels-

und Investitionsabkommen« (TTIP). Mit

dem Abkommen würden die USA und die EU

fast alle vorhanden Handelsbarrieren umfassend

abbauen. Die Verhandlungen sollen bis Ende

2014 abgeschlossen sein. Die Befürworter des

Abkommens sehen das größte Potenzial darin,

dass Hersteller ihre Waren, ohne aufwendige

Zulassungsverfahren sowohl auf dem US- als

auch dem europäischen Markt anbieten können.

Bauern und Verbrauchern in Europa bringt TTIP

jedoch Nachteile. In den USA ist beispielsweise

der Verzehr von Klon- und Hormonfleisch sowie

von Milch von Turbo-Kühen erlaubt, die mit

gentechnisch erzeugten Wachstumshormonen

gedopt wurden. Bauern gerieten durch die sehr

viel geringeren Produktionskosten in den Vereinigten

Staaten in weiteren Wettbewerbsdruck.

Die Kampagne „Öko+Fair ernährt mehr!“ fordert

genau das Gegenteil. Auf der Abschlussveranstaltung

„Auf die Kleinen kommt es an!“ diskutieren

Experten mit politischen Vertretern aktuelle

agrarökologische und damit verknüpfte entwicklungspolitische

Fragestellungen (S.8). Gegen die

unreflektierte Liberalisierung von Märkten und für

einen verantwortungsvollen Umgang mit den uns

zur Verfügung stehenden Umweltressourcen setzt

sich Naturland mit seinem Engagement für eine

gerechte Agrarreform ein (S.10) und fordert ein

Ende der Spekulation mit Nahrungsmitteln (S.8).

Grund zum Feiern gab es in diesem Jahr trotzdem

genug: Naturland feierte auf der BioFach im

Februar (S.4) sein 30 jähriges Jubiläum. Im Juni

durften wir den 25-jährigen Geburtstag des langjährigen

Naturland Partners dwp e.G. mitfeiern

(S.12).

Der Themenschwerpunkt in diesem Heft widmet

sich der Ökologischen Aquakultur und der nachhaltigen

Fischerei. Als Pionier führt Naturland seit

Mitte der 90er Jahre Pilotprojekte mit verschiedenen

Akteuren auf dem Gebiet der ökologischen

Aquakultur durch, um nachhaltige Lösungen

für die betriebliche Praxis zu entwickeln. 2006

wurde in einem Projekt in Tansania die Naturland

Wildfisch Zertifizierung erarbeitet. Und das so

erfolgreich, dass die Menschen dort mittlerweile

durch zwei Naturland Mitarbeiter unterstützt

werden. Dieses und weitere Projekte, sowie eine

Gegenüberstellung der Öko-Aquakultur und dem

neuen Label ASC werden auf den Seiten 13-19

vorgestellt.

Um Kleinbauern geht es im Mitgliederforum

(S.19-23). In der Organisation ProNatur in Peru

arbeiten über 2.000 Familienbetriebe zusammen.

Ebenfalls in Lateinamerika sitzt die Kooperative

Manduvirá. Die Genossenschaft ist in diesem Jahr

eine besondere Kooperation mit zwei weiteren

Genossenschaften eingegangen. Mit WORC, der

Wupperthal Original Rooibos Cooperative bleiben

wir beim Thema, wechseln aber von Zucker zu

Tee und von Amerika nach Afrika.

In diesem Heft sind von Politik über Fairen Handel

bis zur Beratung und von Aquakultur bis Kaffeeanbau

viele verschiedene Beiträge zu finden.

Diese große Bandbreite der Betätigungsfelder

spiegelt gut die Größe und Vielfalt des Naturland

Verbandes wieder, die in 30 Jahren aufgebaut

wurden und weiter entwickelt werden. Das Buch

„Food Crash“ von Dr. Felix Prinz zu Löwenstein

(S.7) und das transatlantische Freihandels- und

Investitionsabkommen zeigen uns, dass es noch

viel zu tun gibt. Gehen wir es gemeinsam an.

Internationaler Gastgeber war Naturland in

diesem Jahr gleich mehrmals. Insbesondere der

Besuch der Leading Organic Alliance (S.6) und

der des internationalen Beirats (S.5) unterstrich

die Bedeutung der internationalen Ausrichtung

von Naturland.

Steffen Reese

Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013

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NEUIGKEITEN VON NATURLAND

Kurzbericht zur BioFach

Am Fischmarkt traf man sich zu Gesprächen

Der Schokobrunnen lud zum Schlämmen ein

Naturland präsentierte sich auf der BioFach 2013 mit über 50 nationalen und internationalen

Partnern auf einer neu gestalteten Fläche als ein vielseitiger und kompetenter

Ansprechpartner. Es wurden viele Gespräche mit Fachbesuchern aus Handel,

Erzeugung und Verarbeitung, sowie nationalen und internationalen Partnern und

Vertretern vieler Medien und der Politik geführt.

Anlaufstelle für viele Naturland Landwirte

und interessierte Landwirte, die sich über

den Verband informierten, war die

Naturland Fachberatung. Das Thema

„Tierwohl“ beleuchteten Naturland Mitarbeiterin

Frigga Wirths und die Fachberatung

bei konstruktiven Gesprächen mit

Besuchern und Experten. Damit machten

sie deutlich, dass Naturland für einen

respektvollen Umgang mit Tieren einsteht.

In regelmäßigen Sprechstunden berichteten

Naturland Landwirte aus ihrer Praxis.

Der 2012 von Naturland und der Messe

Nürnberg ins Leben gerufene „Fish

Market“ bot auch in diesem Jahr den

Besuchern die Möglichkeit, sich über

ökologische Aquakultur und nachhaltige

Fischerei zu informieren und bei den

Partnern die entsprechenden Ergebnisse

zu probieren. Auf dem internationalen

Speisezettel standen neben Muscheln und

Lachs aus Irland, Thunfisch von den Malediven

und Shrimps aus Lateinamerika und

Südostasien auch Forelle und Hering aus

deutschen Gewässern.

Ein weiterer Besuchermagnet war der

Schokoladenbrunnen, der zum zweiten

Mal auf der BioFach aufgebaut wurde. Er

veranschaulichte hervorragend die Verschmelzung

von Öko und Fair aus Nordund

Südprodukten. Viele Informationsgespräche

wurden bei Banane und Brot mit

Schokoüberzug geführt. Es gab aber auch

Neues zu vermelden:

Zur BioFach 2013 brachte die Berchtesgadener

Land Molkerei mit den Bio-

Fruchtjoghurts und der Alpenzwerg Bio-

Schokomilch in Öko & Fair-Qualität neue

Naturland Fair Produkte heraus.

Diese Produktneuheiten wurden durch

eine Kooperation der drei Kooperativen

und Naturland Partner Berchtesgadener

Land, dwp eG und Manduvirá ermöglicht,

die Naturland zusammen führte.

Die Molkerei verarbeitet neben der Fair

zertifizierten Milch auch Naturland Fair

zertifizierten Zucker von Manduvirá aus

Südamerika, der von dwp importiert wird

(mehr dazu in dem Interview mit Andres

Gonzales aus S 23). In Zukunft möchte

Berchtesgadener Land alle Naturland zertifizierten

Produkte bei der Molkerei auf 100

% Öko & Fair umstellen.

Am Stand der Kampagne „Öko+Fair

ernährt mehr!“ war die Welternährung

Thema: Fast eine Milliarde Menschen auf

dieser Erde hungern. Viele davon leben

auf dem Land und von der Landwirtschaft.

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern leisten

einen großen Beitrag zur Ernährungssicherung.

Doch in der Politik sind sie nicht

vertreten. Mit der Kampagne wollen die

Träger Naturland und der Weltladen-Dachverband

auf diesen Missstand hinweisen

und Kleinbäurerinnen und Kleinbauern

eine Stimme geben.

Auf der traditionellen Standparty konnte

man das Motto der 30 Jahre Feierlichkeiten

die „ÖKUHVISION“ erleben und

von einer köstlichen Geburtstagstorte

naschen.

Am Freitag eröffnete Naturland Präsident

Hans Hohenester die Versammlung der

internationalen Mitglieder und Partner von

Naturland. Geschäftsführer Steffen Reese

stellte die Aktivitäten von Naturland vor und

gab einen Ausblick auf Kommendes. Mit

dem Vortrag „Wir werden und ökologisch

30 Jahre Pionierarbeit, Öko-Kompetenz

und weltweites Engagement – das ist

der fruchtbare Boden, auf dem

Naturland und seine Partner die nächsten

Entwicklungssprünge machen.

Mit dem Symbol „ÖKUHVISION“

möchte Naturland die Wertschätzung für die ökologische

Land- und Lebensmittelwirtschaft verdeutlichen. Denn sie

bewahrt die Artenvielfalt, sorgt für fruchtbare Böden, schützt

das Wasser und wirkt dem Klimawandel entgegen. Sie ist eine

kulturelle Leistung und fördert Lebensstile mit deutlich reduziertem

Fleischkonsum. Und sie ist fair – zu Mensch, Tier und

Umwelt. Auf der BioFach trugen alle Naturland Mitarbeiter und

Partner das Symbol als Button; es war aber auch in Anzeigen,

Flyern und Plakaten zu sehen. Selbstverständlich können auch

alle Naturland Betriebe das Symbol nutzen und damit die nächsten

30 Jahre Naturland bekräftigen.

4 Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013


NEUIGKEITEN VON NATURLAND

Fachgespräche mit interessierten Besuchern und Landwirten

30 Jahre Naturland stehen für 30 Jahre Öko-Pionier

ernähren oder gar nicht!“ hob Dr. Felix

Prinz zu Löwenstein – Präsidiumsmitglied

von Naturland und Vorsitzender des Bund

Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW)

– die Bedeutung und Notwendigkeit des

Öko-Landbaus hervor. Als Abschluss wurden

langjährige Naturland Mitglieder geehrt.

Während das Treffen 2012 sehr gut besucht

war, nahmen an der diesjährigen Veranstaltung

leider nur Wenige teil. Hauptgrund für

die geringe Teilnahme waren wohl Terminüberschneidungen,

weshalb nächstes

Jahr das Treffen abends stattfinden wird

und so reichlich Platz bieten wird für einen

befruchtenden Austausch.

Internationaler Beirat tagt in Gräfelfing

Im Rahmen der Delegiertenversammlung

des Naturland – Verband für ökologischen

Landbau e.V. kam vom 13. bis 15. Mai der

internationale Beirat zusammen. Gemeinsam

mit den Mitarbeitern der internationalen

Abteilung tauschten sie sich über

die aktuelle Situation des Öko-Landbau

der jeweiligen Länder aus, diskutierten

Probleme und Aufgaben und besprachen

die Themen der Delegiertenversammlung.

Die Mitglieder des Beirats, Frauke Weissang

(Italien), Prof. Dr. Hamdy Sief El-Nasr

(Ägypten), Prem Tamang (Indien) und Noel

Galindo (Peru) ließen sich die Gelegenheit

des Deutschlandbesuchs nicht entgehen,

einen Naturland Betrieb kennen zu lernen.

Naturland Delegierter Hans Holland aus

Baden-Württemberg lud auf sein Hofgut

nach Ochsenhausen ein und stellte mit

seiner Frau seinen land –und forstwirtschaftlichen

Familienbetrieb vor.

Naturland legt großen Wert auf die Internationale

Zusammenarbeit. Bereits seit 17

Noel Galindo, Manfred Fürst, Friedrun Sachs (beide Naturland International), Prem Tamang, Alexander Koch

(Naturland International), Prof. Hamdy, Hans Holland, Frauke Weissang,

Andreas Ziermann (Öffentlichkeitsarbeit Naturland International)

Jahren nehmen internationale Delegierte

an den Naturland Delegiertenversammlungen

teil. Vor zwei Jahren wurde zusätzlich

ein internationaler Beirat einberufen,

dem auch die internationalen Delegierten

angehören. Naturland Landwirte aus

verschiedenen Ländern beraten darin die

Abteilung International und diskutieren

aktuelle und strategische Fragestellungen.

Die Internationalen Gäste machen sich ein Bild von Hollands Hof

Internationaler Austausch zum Anfassen

Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013

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NEUIGKEITEN VON NATURLAND

Naturland empfing die Leading Organic Alliance in München

Naturland war vom 06.-08. Mai 2013 Gastgeber der Leading

Organic Alliance (LOA), dem Zusammenschluss der führenden

europäischen Öko-Verbände und -Zertifizierer. Die Schwerpunkte

der Netzwerkarbeit konzentrierten sich auf konkrete

Nachhaltigkeitsaspekte, Qualitätssicherungsthemen sowie auf

den Austausch eingerichteter Arbeitsgruppen.

Die Allianz der europäischen Öko-Elite hat inzwischen zwölf

Mitglieder: Bio Austria (Österreich), BioForum (Belgien), Bionext

(Niederlande), Ecovalia (Spanien), Debio (Norwegen), ICEA

(Italien), KRAV (Schweden), Naturland (Deutschland), Bioland

(Deutschland), Soil Association (UK), EKO-kreumerk (Niederlande),

Bio Suisse (Schweiz). Für die Veranstaltung in München

konnte Markus Arbenz, Geschäftsführer IFOAM World, als Referent

für die Nachhaltigkeits-Initiativen der IFOAM

gewonnen werden (SOAAN – Sustainable Organic Agriculture

Action Network). Da sich die LOA-Allianz als dezentrales Netzwerk

begreift, hat sie weder ein Büro noch Angestellte. Die

Koordination des Zusammenschlusses wird turnusmäßig durch

die Mitglieder übernommen. Den aktuellen Vorsitz hat Naturland

inne. Das nächste Treffen im Herbst 2013 wird gemeinsam von

ICEA und Naturland auf LaSelva in Italien ausgerichtet.

Geballte Öko-Kompetenz zu Besuch bei Naturland

Öko-Branche trifft Öko-Prinz

Im Mai besuchte Prinz Charles das Langenburger Nachhaltigkeitsforum in Baden-

Württemberg. Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg hatte für die Konferenz "Towards

sustainable regional food systems" gemeinsam mit dem ehemaligen Bundesaußenminister

Joschka Fischer internationale Experten eingeladen.

Georg Heiser (Geschäftsführer BioCompany), Steffen Reese, Prinz Charles, Xenia zu Hohenlohe

In Diskussionsrunden tauschten sich

Vertreter aus allen Bereichen der Lebensmittelbranche,

darunter Landwirte, Repräsentanten

der Öko-Branche, verarbeitende

Unternehmen und Lebensmitteleinzelhändler,

sowie Vertreter der Politik über

die Entwicklung von nachhaltigen regionalen

Agrar- und Nahrungsmittelsystemen

aus. Im Zentrum der Diskussion standen

die Optimierung der lokalen und regionalen

Lebensmittelsysteme, die Erhaltung

von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum

sowie die Stärkung von kleinbäuerlichen

Strukturen.

Bereits bei dem letzten IFOAM Welt-Kongress

hatte der Thronfolger den Öko-Landbau

mit Grußworten gestärkt. Auch die Soil

Assiciation aus dem europäischen Partner-

Netzwerk von Naturland kann sich auf den

Zuspruch des Price of Wales verlassen,

seines Zeichens auch ein Öko-Landwirt.

6 Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013


NEUIGKEITEN VON NATURLAND

Mit dem Essen spielt man nicht

Hungerkrisen, Ernteausfälle, Preissteigerungen und extreme Preisschwankungen bei

Agrarrohstoffen haben das Thema Nahrungsmittelspekulation in den letzten Jahren

auf die öffentliche Agenda gebracht.

2011 hungerten weltweit fast eine Milliarde Menschen. Knapp

zehn Millionen Menschen sterben jedes Jahr den Hungertot,

darunter hauptsächlich Kinder. In Entwicklungsländern geben

die Ärmsten der Welt teilweise bis zu 80% des Einkommens

für Nahrungsmittel aus. Preissteigerungen führen so schnell

dazu, dass sich viele Menschen ihre tägliche Mahlzeit nicht

mehr leisten können und schlimmstenfalls verhungern. Im

Juli 2012 stiegen laut Welternährungsorganisation alleine die

Getreidepreise um bis zu sechs Prozent. Die Gründe für die

extremen Preissteigerungen und Schwankungen sind vielfältig.

In den letzten Jahren zeigte es sich immer deutlicher, dass die

Spekulation mit agrarischen Rohstoffen daran entscheidenden

Anteil hat.

Terminbörsen entstanden, damit sich Erzeuger und Verarbeiter

durch vorvereinbarte Abnahmepreise gegen Preisschwankungen

absichern können. Dort werden zahlreiche Rohstoffe gehandelt,

vor allem Soja und Getreide. Insbesondere in den USA und Asien

ist der Handel mit Agrarrohstoffen stark entwickelt. Der wichtigste

Handelsplatz für Termingeschäfte ist die Börse in Chicago.

Mit der globalen Finanzkrise 2007 entdeckten Finanzspekulanten

das Geschäft mit den Agrarrohstoffen. In den folgenden Jahren

entwickelten sich diese zur dominierenden Händlergruppe an

den Terminbörsen. Durch diesen starken Zustrom von Händlern

bei gleichem Wareneinsatz veränderte sich das Verhältnis

zwischen den an der Börse gehandelten Agrarrohstoffen und

der tatsächlichen physischen Agrarproduktion. In den letzten

drei Jahren stiegen vermehrt Banken und Fonds in den Handel

mit Agrarrohstoffen ein. Bis vor einigen Jahren nutzten Banken

und Fonds den physischen Rohstoffmarkt noch weitgehend zur

Absicherung gegen die enormen Risiken der Finanzmärkte. Heute

hingegen können die Anleger durch zahlreiche von Banken

gegründete Agrarrohstoff-Fonds direkt auf Preisentwicklungen

der Nahrungsmittel wetten. Weltweit liegt laut einer Schätzung

der Barclays Bank das Anlagevolumen in Agrarrohstoffe bei

68,8 Mrd. Euro. Auch Deutsche Banken und Versicherungen sind

ins Geschäft mit Agrarrohstoffen eingestiegen. Sie haben rund

11,4 Mrd. Euro in Agrarrohstoffen angelegt.

In den letzten Jahren stiegen vermehrt Banken und Fonds in den Handel mit

Agrarrohstoffen ein

Durch die gestiegene Nachfrage an den Terminmärkten stiegen

in der Folge die Kurse an den Börsen. Die steigenden Kurse werden

zum Teil auf die physischen Märkte übertragen und führen

zu kurzfristigen unkontrollierbaren Preissteigerungen. Die Preise

orientieren sich heute vor allem an den Gesetzmäßigkeiten der

Finanzmärkte und dem Handeln der Finanzakteure. Durch den

Einstieg der Finanzspekulanten sind zum einen die Rohstoffmärkte

untereinander stärker verwoben, zum anderen enger

an die Entwicklungen der Finanzmärkte gebunden. Agrarrohstoffe

reagieren so wesentlich direkter auf die Schwankungen

an den Finanzmärkten. Durch Spekulationen hervorgerufene

Preisschwankungen spielen mit der Nahrungsmittelsicherheit

von Millionen Menschen. Diese, meist in Entwicklungsländern

lebend, sind den extremen Schwankungen und Explosionen der

Nahrungsmittelpreise schutzlos ausgeliefert. Exzessive Spekulation

heizt die Welternährungskrise weiter an. Es ist höchste Zeit

die Spekulation mit Nahrungsmitteln einzudämmen. Naturland

fordert Politik und Finanzakteure auf, hier am gleichen Strang

zu ziehen, um weitere Auswüchse zu verhindern. Die Regulierung

der Warenterminmärkte ist dafür ein unerlässlicher erster

Schritt.

„FOOD CRASH“

Schon mit der provokanten Unterzeile „Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar

nicht mehr“, macht der Autor des Buches „Food Crash“ – und Naturland Bauer -, Dr.

Felix Prinz zu Löwenstein, deutlich, dass wir umdenken müssen. Er zeigt auf, dass die

industrielle Landwirtschaft eine Sackgasse ist. Eine industrialisierte Landwirtschaft

beruht auf der Übernutzung von Ressourcen und ist somit keine Lösung. Darüber

hinaus erklärt Löwenstein, dass nicht die mangelnde Produktionssteigerung, sondern

der verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln und die Zerstörung unserer natürlichen

Lebensgrundlagen zum Zusammenbruch des globalen Ernährungssystems

führen werden.

„Food Crash“ ist ein beeindruckendes, erschreckendes

und zugleich ermutigendes

Buch. Die umfangreiche Beschreibung des

Ist-Zustands der globalen Ernährungssituation

lässt den Leser nicht mehr los und

regt zum Nachdenken an. Allerdings geht

es nicht nur um Schwarzmalerei, sondern

es wird ein realistisches Gegenmodell

aufgestellt, mit Handlungsanweisungen für

jeden. Es wird aufgezeigt, welche politischen

und gesellschaftlichen Hebel in Bewegung

gesetzt werden müssen, damit es

im Einklang mit der Natur gelingen kann,

die Ernährungsgrundlagen der Menschheit

zu sichern.

Den neuen Weg beschreibt Felix zu

Löwenstein als „Ökologische Intensivierung“,

gestützt anhand entsprechender Beispiele.

weiter auf der nächsten Seite >

Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013

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NEUIGKEITEN VON NATURLAND

Dabei geht es um das grundsätzliche

Konzept einer ökologischen Landwirtschaft

und nicht nur um einen Zertifizierungsstandard

für den Markt. Auch geht es

nicht um die Rückkehr in vorindustrielle

Zeiten, noch um eine Landwirtschaft, die

eigentlich das gleiche tut, wie die konventionelle,

nur dass sie eben auf Agro-

Chemikalien verzichtet. Eine „Ökologische

Intensivierung“ meint vielmehr „eine

innovative, gemeinsam von Wissenschaftlern,

Bäuerinnen und Bauern fortentwickelte

Landnutzungsform, die natürliche

Regelmechanismen und die vorhandenen

Ressourcen geschickt nutzt um in hoher

Arbeitseffizienz stabile und möglichst hohe

Erträge zu erwirtschaften. Und die deshalb

mit einem Minimum an Betriebsmitteln

auskommt, die von außen hinzugekauft

werden müssen und die ohne den Einsatz

naturfremder Stoffe und Organismen

arbeiten kann.“ (Felix zu Löwenstein, Food

Crash, S. 169)

Unterstrichen wird die Forderung einer

„Ökologischen Intensivierung“ bei der

Betrachtung von zwei fundamentalen Zahlen.

Erstens: Fast eine Milliarde Menschen

leiden Hunger, - zwei Drittel davon leben

auf dem Land. Zweitens: Kleinbauern

erzeugen nach wie vor über die Hälfte aller

weltweit produzierten Lebensmittel. Diese

Menschen brauchen eine Strategie, die

auf Produktionssysteme aufbaut, die sich

auch die Armen leisten können, um auf

kleiner und kleinster Fläche ihre Existenz

zu sichern. (Sieh Artikel

„Kleinbauern eine Stimme

geben“, S.8)

Über den Autor:

Dr. Felix Prinz zu

Löwenstein ist seit 1991 Naturland

Bauer und seit 1998 Mitglied des

Naturland Präsidiums. Er ist Vorstandsvorsitzender

des deutschen Öko-Dachverbandes

Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft

(BÖLW), sowie im Vorstand

des Forschungsinstituts für biologischen

Landbau (FiBL) Deutschland. Nach Studium

und Promotion arbeitete er in der

internationalen Entwicklungszusammenarbeit.

Es bleibt zu wünschen, dass das

Buch auch in Englisch und Spanisch (in

anderen Sprachen) aufgelegt wird. Und

natürlich wünschen wir uns, dass Felix

Löwenstein noch mehr Bücher schreibt,

um die Gesellschaft für den Öko-Landbau

besser zu erreichen!

Prinz zu Löwenstein sieht im Öko-Landbau die

Lösung vieler Probleme

Kleinbauern eine Stimme geben!

-Forderung nach Investitionen in kleinbäuerliche Landwirtschaft-

„Fair-Trade und ökologische Produktionssysteme wie biologischer und umweltschonender

Anbau, die als Alternativen zu den herrschenden Rohstoffmärkten entwickelt

wurden, erweisen sich als probate Mittel der Armutsbekämpfung. Der Markt für diese

Modelle, die Kleinproduzenten bessere Handelsbedingungen bieten, ist langsam

gewachsen und macht nur einen kleinen Teil des Welthandels aus. Nichtsdestotrotz

haben sie ihre prinzipielle Funktionsfähigkeit bewiesen. Dabei geht es um die Gestaltung

einer neuen Generation von Geschäftsmodellen und Plattformen, die durch

stabilere Nachfrage schlechter ausgestatteten Produzenten Zugangsfenster zum

allgemeinen Markt eröffnet.” (Weltagrarbericht)

Mit der Botschaft

„Kleinbauern

säen die Zukunft“

stehen bei der aktuellen

Kampagne

von Naturland und

dem Weltladen-

Dachverband

„Öko + Fair ernährt

mehr!“ die

kleinbäuerliche, ökologische Landwirtschaft

und ihr großes Potential im Mittelpunkt.

In diesem Zusammenhang beschreibt der

Weltagrarbericht (IAASTD) „Investitionen in

die kleinbäuerliche Produktion als das dringendste,

sicherste und vielversprechendste

Mittel, Hunger zu bekämpfen und zugleich

die ökologischen Auswirkungen der Landwirtschaft

zu minimieren.“ Deshalb fordern

Naturland und der Weltladen-Dachverband

mit der Kampagne eine globale Agrarwende

mit kleinbäuerlicher Landwirtschaft als

Schlüssel zu einer zukunftsfähigen Welternährung.

85 Prozent der weltweit 525 Millionen

Bauernhöfe umfassen weniger als zwei

Hektar Land, darunter häufig auf schlechten

Böden. Dennoch erwirtschaften Kleinbauern

über die Hälfte der weltweit geernteten

Lebensmittel. 80 Prozent der Nahrungsmittel,

die in Entwicklungsländern konsumiert

werden, kommen aus kleinbäuerlicher

Landwirtschaft. Dies sind gleichzeitig die

Regionen unserer Erde, in der die größte

Anzahl der weltweit einer Milliarde hungernden

Menschen lebt, wobei die Mehrheit

wiederum zur ländlichen Bevölkerung

zählt.

Viele Studien belegen, dass die Förderung

kleinbäuerlicher, ökologischer Anbausysteme

in Verbindung mit gerechteren

Wirtschaftsbeziehungen den Hunger in

der Welt verringern kann. Ökologische Anbaumethoden,

die die Bodenfruchtbarkeit

erhalten und verbessern, der Zugang zu

geeignetem Saatgut, zu Beratung, Fortbildung

und Krediten bergen ein gewaltiges

Produktivitätspotential. Dabei kann die

Produktion von Nahrungsmitteln in kleinbäuerlichen

Betrieben nachweislich stark,

je nach Untersuchung um mehr als 100

Prozent, gesteigert werden. Kleinbäuerliche

Landwirtschaft stellt somit eine geeignete

Lösung dar, eine weltweite Ernährungssicherung

zu gewährleisten. Zudem werden

die zusätzlich produzierten Lebensmittel

tatsächlich dort erzeugt, wo sie gebraucht

werden. Denn 70 Prozent der Hungernden

leben auf dem Land.

Daher fordern Naturland und der Weltladen-Dachverband

mit der Kampagne „Öko

+ Fair ernährt mehr!“ auch eine Reform der

europäischen Agrarpolitik. Insbesondere

8 Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013


NEUIGKEITEN VON NATURLAND

die EU Exportsubventionen gefährden die

ländliche Entwicklung in den Ländern des

Südens. Denn eine Überproduktion und der

subventionierte Export von Nahrungsmitteln

in Europa macht die Märkte in den Ländern

des Südens kaputt und vernichtet die

Existenz vieler kleinbäuerlicher Betriebe,

die auf den einheimischen Märkten nicht

mehr konkurrenzfähig sind (Siehe auch

"Öffentliches Geld für öffentliche

Leistungen - EU-Agrarreform", S.10).

die im Rahmen der Kampagne vorgestellt

werden, zeigen, wie kleinbäuerliche,

ökologische Landwirtschaft in den Ländern

des Südens sowohl ihre Existenzen als auch

die natürlichen Lebensgrundlagen sichert

und damit eine wünschenswerte Zukunft

ermöglicht: die Green Net Cooperative

in Thailand, die Small Organic Farmers‘

Association (SOFA) in Sri Lanka und das

Panay Fair Trade Center (PFTC) auf den

Philippinen.

Beratung und Weiterbildungsangebote

im technischen und landwirtschaftlichen

Bereich unterstützen sie ihre Mitglieder bei

der Produktion, sorgen damit für hohe Produktvielfalt

und eine Steigerung der Ernten

durch bessere, ökologische Landnutzung.

Mit „Öko + Fair ernährt mehr!“ möchte

Naturland die Zukunftsperspektiven von

Produzenten und Konsumenten miteinander

verbinden. Dazu bekommen die

Konsumenten in Deutschland Botschaften

Verschiedene Postkartenmotive unterstreichen

die Forderungen der Kampagne

Mit den Methoden des ökologischen Landbaus

können Kleinbauern langfristig stabile

und hohe Erträge erwirtschaften. Damit das

gelingt, wird mit der Kampagne „Öko + Fair

ernährt mehr!“ Kleinbauern eine Stimme

gegeben, für Änderungen der europäischen

Agrarhandelspolitik appelliert und den

Konsumenten in Deutschland viele Informationen

aus erster Hand geboten:

Drei Partner-Genossenschaften aus Asien,

Basis ist die lokale Lebensmittelversorgung.

Der zusätzliche Erlös aus dem Export über

den fairen Handel sichert ihr Einkommen.

Für den Export erzeugen sie z.B. Jasminreis,

Kokosmilch, Bananenchips, Gewürze

und hochwertige Tees. Ihr Engagement

reicht weit über den Anbau und den Vertrieb

von Lebensmitteln hinaus. Durch

von Kleinbauern, die als Zukunftsvisionen

formuliert sind. Der jeweils andere Teil der

Klapp-Karten sind wiederum für Botschaften

von Konsumenten an Produzenten

gedacht. Zum Abschluss werden diese Karten

mit der Botschaft aus dem „Norden“ an

die Partner im „Süden“ weitergeleitet, die

dadurch einen Eindruck vom Engagement

hier bekommen.

Satirischer Filmspot heizt Debatte um öko-fairen Konsum an

Der satirische Kampagnenfilm „Agraprofit“, ein Produkt der

gemeinsamen Kampagne „Öko + Fair ernährt mehr!“ von

Weltladen-Dachverband und Naturland, hat offensichtlich einen

Nerv getroffen:

Seit Anfang 2013 im Internet, eroberte er die „Sozialen Medien“

im Sturm. Innerhalb von drei Wochen erreichten wir bereits

250.000 Aufrufe unter www.youtube.com/agraprofit. In vielen

Foren, sowie auf der facebook-Seite zum Film wurden rege Diskussionen

geführt.

Der Film zeigt in fünf Minuten das reale Treiben an einem Marktstand,

an dem Ware zu Dumpingpreisen verramscht wird. Dabei

wird ganz klar kommuniziert, dass die Produkte durch widrige

Produktionsbedingungen so konkurrenzlos billig sind.

Der Film eignet sich gut als Einstieg für workshops und Bildungsveranstaltungen.

Initiatorin Agnes Bergmeister (Naturland) dazu:

„Wir wollen aufrütteln, keine allgemeine Konsumentenschelte

betreiben, sondern gemeinsam fragen, was wir tun können, um

beispielsweise Marketing-Mechanismen zu durchschauen.“

Fachtagung „Auf die kleinen kommt es an!“

Naturland und der Weltladen-Dachverband richteten am 27.

September eine Fachtagung zu kleinbäuerlicher, ökologischer

Landwirtschaft und Fairem Handel in Berlin aus.

Auf der Tagung zum Abschluss der gemeinsamen Kampagne

"Öko+Fair ernährt mehr!" diskutierten Experten mit politischen

Vertretern aktuelle agrarökologische und damit verknüpfte entwicklungspolitische

Fragestellungen.

In den letzten Jahren forderte eine Vielzahl von Berichten und

Studien zur Ernährungs- und Umweltsituation einen Paradigmenwechsel

in der weltweiten Agrarpolitik. Der Fokus soll in Zukunft

auf der Förderung der unabhängigen, kleinbäuerlichen, ökologisch

orientierten Landwirtschaft liegen.

Auch der auf der Tagung erstmals in Deutschland vorgestellt Bericht

der UNCTAD - "Trade and Environment Review 2013" sieht

eine grundlegende Transformation der Landbewirtschaftung als

unabdingbar an.

Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013

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NEUIGKEITEN VON NATURLAND

Fairer Handel: Naturland in Ecuador

Vom 17.-19. Oktober 2012 lud das ecuadorianische Ministerium für internationale Beziehungen,

Wirtschaft und Integration (Ministerio de Relaciones Exteriores Comercio

e Integración) in die Weltkulturerbe-Stadt Cuenca. Zahlreiche ecuadorianische und

internationale Gäste aus den Bereichen Fairer Handel und Ökologischer Landbau

kamen zusammen.

Unter ihnen waren Kleinbauern, Vertreter

von NROs und Verbänden, Zertifizierer

und Händler aus dem In- und Ausland.

Auf der Veranstaltung wurde die aktuelle

Situation für Erzeuger von Rohstoffen und

Produkten in Ecuador analysiert. Thema

war der weltweite faire Handel, aber auch

der faire Handel im Inland. Vertreter der

anwesenden Kooperativen und Betriebe

stellten sich vor und diskutierten mit den

Mitarbeitern des Ministeriums. In Workshops

wurden die Herausforderungen im

fairen Handel analysiert und Lösungsvorschläge

in einem Strategiepapier für die

Regierung festgehalten. Dazu wurden Stolpersteine

auf dem Weg zu marktfähigen

Strukturen aufgezeigt und Empfehlungen

zum Aufbau eines Beratungssystems gegeben.

Von Naturland brachten Ute Wiedenlübbert

(Naturland Repräsentantin in

Ecuador) und Petra Heine (Naturland Fair)

Wissen und Erfahrungen aus dem fairen

Handel und Öko-Landbau ein. Weitere

Möglichkeit zum Austausch und kennen

lernen der verschiedenen Erzeugergruppen

bot die parallel stattfindende Messe.

Besonderer Dank gilt der Ecuadorianischen

Regierung für die Ermöglichung

dieser Veranstaltung. Die Veranstaltung

hat großes Potential, die Kommunikation

zwischen den Akteuren des fairen Handels

untereinander und mit der Politik zu verbessern.

Das Konzept bringt dem Thema

Fairer Handel große Aufmerksamkeit und

ist auch für andere Länder zu empfehlen.

Weitere Informationen zu der Veranstaltung

auf Spanisch finden Sie unter:

http://www.mmrree.gob.ec/com_exterior/comercio_justo.asp

Auf der Veranstaltung wurde der Faire Handel in Ecuador und weltweit

diskutiert

Die Naturland Mitarbeiterinnen nutzten den Aufenthalt in Ecuador zur

Inspektion einiger Shrimpfarmen

Öffentliches Geld für öffentliche Leistung –

Forderungen zur gemeinsamen europäischen Agrarpolitik

Mit dem Ende der Verhandlungen zwischen dem Europäischen

Parlament, dem Agrarministerrat und der Europäischen Kommission

zur Reform der gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen

Union werden die entscheidenden Weichen für die

zukünftige Ausrichtung und Entwicklung der Landwirtschaft

in Europa gestellt. Naturland setzt sich, gemeinsam mit einer

Plattform weiterer Verbände, dafür ein, dass die EU Agrarpolitik

endlich gesellschaftsfähig wird und weitreichende Fehlentwicklungen

in der europäischen Land-und Ernährungswirtschaft

korrigiert werden. Naturland fordert einen Systemwechsel in

der europäischen Agrarpolitik.

Die Gemeinsame Agrarpolitik, GAP, zählt zu den ersten Bereichen,

in denen sich die Mitgliedstaaten der Europäischen

Union (EU) auf eine gemeinsame Politik auf europäischer Ebene

verständigen konnten. Inzwischen ist die Landwirtschaft in der

EU eines der am stärksten vergemeinschafteten Politikfelder, das

fast ausschließlich aus EU-Mitteln finanziert wird. Im Jahr 2012

wird die europäische Landwirtschaft mit insgesamt 59 Milliarden

Euro subventioniert. Mit fast 40 Prozent stellt sie den größten

Ausgabenposten des EU-Haushalts dar. Lange setzte man

auf eine reine Preisstützungspolitik, was in der Folge in vielen

Bereichen zu einer unverantwortlichen Überproduktion führte.

Mit den GAP-Reformen von 1993 und 2003 wurde die Praxis der

Preisstützung und später der Produktprämie durch das an die

landwirtschaftliche Fläche gebundene Prämienmodell ersetzt. Bis

heute existiert das an die Fläche gebundene Modell der Direktzahlungen.

Dies bedeutet in der Folge, je mehr Fläche ein Betrieb

bewirtschaftet, desto mehr Förderung bekommt er durch die EU.

Ab 2014 wird ein neues langfristiges EU-Budget in Kraft treten,

das auch eine reformierte GAP enthalten wird.

Mit dem Anspruch "Die Agrarpolitik soll grüner und gerechter

werden" nahm EU-Agrarkommissar Dacian Cioloş 2011 die Reform

der GAP für die Förderperiode 2014-2020 in Angriff. Der im

10 Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013


NEUIGKEITEN VON NATURLAND

Öko-Landwirte leisten einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz

Oktober 2011 vorgelegte Legislativ-Entwurf der EU-Kommission

hat die Richtung der Reform vorgegeben. Künftig sollen die

Ausgleichszahlungen für die Landwirtschaft vermehrt an die

Bedingungen des Umweltschutzes gebunden und unter den Mitgliedsstaaten

gleichmäßiger verteilt werden.

Bisher wurde das EU-Agrarbudget in erster Linie für die pauschale

Absicherung der landwirtschaftlichen Einkommen und der Produktion

verwendet. Abgesehen von wenigen Auflagen im Bereich

Umwelt-, Futter-, und Lebensmittelsicherheit sowie Tierschutz

und Tierwohl (cross compliance) sind die Zahlungen an keinerlei

Bedingungen gebunden. Mit der Reform der GAP soll ein wesentlich

direkterer Bezug zwischen den Ausgleichszahlungen und den

spezifischen Leistungen der Landwirtschaft hergestellt werden.

Durch die Greening-Maßnahmen im Zuge der GAP-Reform sollen

die Umweltleistungen und damit auch die gesellschaftlichen

Leistungen der Landwirtschaft honoriert werden. Die Begrün(d)

ung der GAP soll insbesondere zu einer stärkeren Legitimation

der umstrittenen Ausgleichszahlungen in der Gesellschaft führen.

Durch die Reform wird sich am stärksten das umstrittene System

der Direktzahlungen verändern. Die Direktzahlungen werden

in 70 Prozent Basisprämie und 30 Prozent Greening-Zuschlag

aufgeteilt. Durch das "Greening" sollen die Direktzahlungen an

landwirtschaftliche Betriebe nicht mehr schlicht nach dem Umfang

der prämienberechtigten Flächen eines Betriebes bemessen

werden, sondern auch nach der Wirtschaftsweise auf der Fläche.

Dazu sollen 30 Prozent der Zahlungen unmittelbar an drei ökologische

Standards gebunden werden: ökologische Vorrangflächen

im Betrieb, Einhaltung einer Mindestfruchtfolge sowie den Erhalt

des Dauergrünlands. Die Idee des Greening stellt den richtigen

Ansatz dar, geht nach Meinung von Naturland aber nicht weit

genug, um eine wirklich nachhaltige und ökologische Entwicklung

der Agrarpolitik in Europa einzuleiten. Trotz der in einigen

Bereichen richtigen Ansätze bleibt die Reform der GAP weit

hinter den Erfordernissen einer „echten Reform“ der Agrarpolitik

zurück. Im Vergleich zur heutigen Politik stellt die Reform aus

Sicht von Naturland dennoch einen beginnenden Paradigmenwechsel

dar. Einen echten Paradigmenwechsel hält Naturland für

zwingend notwendig, um zu einer gesellschaftsfähigen EU-Agrarpolitik

zu kommen.

In den meisten Mitgliedstaaten herrschen auch nach der Reform

noch enorme Vorbehalte gegenüber einer Ökologisierung der

GAP. Insbesondere der Beschluss, vorerst 5 Prozent der landwirtschaftlichen

Fläche eines Betriebs als ökologische Vorrangfläche

auszuweisen, wird in vielen Mitgliedsstaaten äußerst ablehnend

betrachtet. Insbesondere die maßgeblichen Interessensgruppen

aus der Agrarindustrie und den konventionellen Bauernverbänden

artikulieren an diesem Punkt der Reform ihre Vorbehalte und

sprechen konsequent von Flächenstilllegung. Der europäische

Bauernverband COPA argumentiert, dass ökologische Vorrangflächen

zur Verringerung der landwirtschaftlichen Produktion

beitragen und somit die globale Ernährungssicherheit bedrohen.

Was aber angesichts der Tatsache, dass in Deutschland 18% der

Agrarfläche mit nachwachsenden Rohstoffen bepflanzt sind, wie

blanker Hohn klingt.

In Deutschland haben sich die maßgeblichen Interessensgruppen

für eine nachhaltige Landwirtschaft zusammengeschlossen. Die

Gemeinsame Plattform von Verbänden aus Umwelt- und Naturschutz,

Landwirtschaft und Entwicklungspolitik, Verbraucherschutz

und Tierschutz, in der auch Naturland Mitglied ist, fordert

eine gesellschaftsfähige Agrarpolitik.

Die Vergabe von Steuergeldern muss dem Prinzip “öffentliches

Geld für öffentliche Leistungen“ folgen. Direktzahlungen sollen

an wirksame ökologische Kriterien, die Einhaltung von Tierschutzauflagen

und die Schaffung von Arbeitsplätzen gebunden

werden.

Auch muss die EU Agrarpolitik ihrer internationalen Verantwortung

gerecht werden. Aus Sicht von Naturland berücksichtigt die

Reform kaum die internationalen Auswirkungen der EU-Agrarpolitik

und die weltweiten agrarpolitischen Herausforderungen,

denen sich insbesondere auch Europa aktiv stellen muss. Die

Struktur der gemeinsamen Marktordnung für landwirtschaftliche

Erzeugnisse bleibt weiterhin auf die internationalen Märkte ausgerichtet.

Der Umfang der direkten Exportsubventionen Foto: Naturland ist zwar e.V.

gesunken, aber der Mechanismus, die exportorientierte europäische

Ernährungsindustrie über niedrige Preise abzusichern,

bleibt bestehen. Die Abschaffung von Exportsubventionen, die zu

Wettbewerbsverzerrung und Benachteiligung nationaler Märkte

führt, ist überfällig. Auch die weltweite Ressourcenbeanspruchung

durch die europäische Agrarwirtschaft ist abzubauen, was

insbesondere für die Eiweißversorgung in Form von importiertem

Soja gilt. Dafür sollte die Eigenversorgung mit Eiweißfuttermitteln

gefördert werden. Am 07. September 2012 veröffentlichten

die Verbände eine umfangreiche Stellungnahme in welcher sie

eine zukunftsfähige Agrarreform forderten. Der ökologische

Landbau als nachhaltigste Form der Landwirtschaft muss Leitbild

einer modernen und zukunftsfähigen europäischen Agrarkultur

werden.

Neben der 1. Säule, d.h. der flächengebundenden Direktzahlung,

wurde auch die 2. Säule, in welcher die Agrarumweltprogramme

beheimatet sind, reformiert. Der Öko-Landbau hat zum ersten

Mal eine eigene Förderkategorie erhalten. Trotz des erweiterten

Aufgabenspektrums wurde der finanzielle Rahmen der 2. Säule

auf dem Stand von 2013 eingefroren. Naturland übt an der finanziellen

Schwächung der direkten und indirekten Fördermaßnahmen

für den Öko-Landbau deutliche Kritik.

Die Förderung des Öko-Landbaus muss auf allen Ebenen ein

selbstverständlicher Bestandteil der ländlichen Entwicklung sein,

denn nur so kann für Bäuerinnen und Bauern jene Kontinuität der

Politik gewährleistet werden, die sie zur Umstellung auf ökologischen

Landbau ermutigt.

Die Politik muss einen Richtungswechsel im Agrar- und Ernährungsbereich

einleiten. Nur durch eine verlässliche, zielorientierte

Förderpolitik in Europa und der Welt kann der Öko-

Landbau sein Wachstumspotenzial voll entfalten und weiterhin

seine Rolle als ein zentraler Motor der Ländlichen Entwicklung

ausfüllen.

Weitere Infos zur Reform der GAP unter: http://www.natur-

land.de/fileadmin/MDB/documents/Presse/Plattform-Papier-

EU-GAP-2013-August_2012.pdf

Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013

11


NEUIGKEITEN VON NATURLAND

dwp - 25 Jahre Fairer Handel in Ravensburg

Steffen Reese und Thomas Hoyer

Naturland präsentiert sich einem interessierten Publikum

Das Jubiläum der Fairhandels-Genossenschaft

dwp e.G., die nun schon seit 25

Jahren fair gehandelte Produkte vertreibt,

gab einen tollen Anlass zum Feiern. Der

langjährige Naturland Partner – es sind

mittlerweile schon 15 Jahre enge Zusammenarbeit

– lud zum Geburtstag nach

Ravensburg in die Firmenzentrale ein.

Dort wurde den mehr als 2000 Besuchern

ein breites Spektrum an Informationen,

Fairhandelsprodukten und Entertainment

geboten.

Am Beispiel des Naturland Fair zertifizierten

Basilikum Pestos wurden die

Synergien des Fairen Handels aufgezeigt.

Naturland Mitarbeiter Manfred Fürst stellte

die Naturland Fair Zertifizierung vor, die

Öko und Fair in Nord und Süd verbindet.

Greifbar wurde diese Verflechtung durch

die Vorträge von Christian Hennings,

Naturland Bauer aus Franken, und der

„Canaan und Palestine Fair Trade Association“,

vertreten durch dwp Mitarbeiter

Martin Lang. Der Basilikum aus Franken

und die palästinischen Oliven ergeben ein

leckeres Pesto. Anschließend erläuterte

Thomas Hoyer, Geschäftsführer von dwp,

warum dieses Pesto nur ein Produkt neben

vielen ist, die Naturland Fair zertifiziert

sind.

Weitere Informationen zu ökologischem

Landbau und fairem Handel stellte

Naturland an dem Naturland Fair Stand

vor. Mit der Kampagne „Öko + Fair ernährt

mehr!“ unterstützt Naturland gemeinsam

mit dem Weltladen-Dachverband die

Rechte und Wirtschaftsweise von Kleinbauern

auf der ganzen Welt. Zusammen

mit verschiedenen Partnern, darunter

die Milchwerke Berchtesgadener Land

und BanaFair, wurde den Besuchern eine

Palette an Informationen zur Naturland

Fair Zertifizierung, sowie ökologischen

Produktionsweisen geboten.

Mit ISMAM aus Mexiko war ein langjähriger

Naturland Partner aus Übersee vor

Ort. In der Kooperative erzeugen rund 800

Bauern zumeist im Schattenanbau ca. 1

Mio. kg Kaffee gemäß den Naturland Fair

Richtlinien. Dieser wird in Deutschland

durch dwp vertrieben. Eimar Velazquez

Mazariegos, Kaffeeproduzent von

ISMAM, war bei dem Jubiläum zu Gast

und stellte in einem Vortrag seine Arbeit

vor.

Ein weiterer Internationaler Gast auf der

Rednerliste war Pater Shay Cullen, irischer

Priester und Menschenrechtspreisträger,

der 1974 PREDA gründete (Peoples

Recovery, Empowermen and Development

Assistance). Die Organisation für Fairen

Handel, Soziale Entwicklung und Menschenrechte

auf den Philippinen erzeugt

u.a. Mangos. Bereits seit vielen Jahren

arbeitet PREDA mit dwp zusammen, die

deren wichtigster Partner im deutschsprachigen

Raum ist. PREDA ist bis heute Anlaufstelle

und Therapiezentrum für sexuell

missbrauchte sowie ehemalig inhaftierte

Kaffeeproduzent Eimar Velazquez Mazariegos stellt

seine Arbeit vor

Kinder. Naturland Mitarbeiter sind in den

letzten Jahren wiederholt zu Umstellungsberatungen

bei PREDA gewesen. Auf dem

Jubiläum unterzeichneten Naturland und

die PREDA-Stiftung einen Erzeugervertrag.

Als nächstes werden die Kontrollen

erfolgen.

Naturland gratulierte dwp für erfolgreiche

25 Jahre. Symbolisch für die gemeinsam

zurückliegenden Jahre überreichte

Naturland Geschäftsführer Steffen Reese

eine Ehrenurkunde an Thomas Hoyer,

Geschäftsführer von dwp.

Richtlinienänderungen bei Naturland

Die Delegiertenversammlung von Naturland hat auf ihrer Tagung am 14. Mai 2013 eine Weiterentwicklung der Naturland Richtlinien

in verschiedenen Bereichen beschlossen. Änderungen gab es in den Bereichen Erzeugung, Verarbeitung und Aquakultur.

Die neuen Richtlinien können unter folgendem Link heruntergeladen werden:

http://www.naturland.de/richtlinien.html

12 Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013


FACHINFORMATION FISCH

Naturland Wildfisch-Projekt erfolgreich –

Verstärkung am Viktoriasee

Im Rahmen des Naturland Projektes wurden Rettungswesten für die Fischer besorgt

Philemon Charles besucht regelmäßig die Fischer

Als erster Öko-Verband in Deutschland entwickelte Naturland

in den 90er Jahren Richtlinien für die Aquakultur. Bei Expertentreffen

mit Fischern und Vertretern von NROs in Tansania

erarbeitete der Verband Standards für nachhaltige Fischerei.

Naturland definiert darin Fangauflagen, Sozialrichtlinien und

Sicherheitsmaßnahmen für die Fischer. Es wird der Forderung

nach ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit nachgekommen.

Die Auflagen beziehen sich auf den Fischfang und die Verarbeitung

des Fischs.

Im Jahre 2006 konnte dann der

erste Nilbarsch aus dem Viktoriasee

nach den Naturland Richtlinien

zertifiziert werden. Seit dem

Start des Pilotprojektes wurde

der nachhaltige Fischfang stetig

ausgebaut. Die Verbraucher würdigen

diese Arbeit außerordentlich.

Die positive Entwicklung

machte eine personelle Vertretung

vor Ort nötig. Anne-Catrin

Hessenland, ehemals verantwortlich

für die Naturland Öffent-

Anne Hessenland kennt Naturland

schon aus vorigen Arbeiten lichkeitsarbeit International,

hat die Aufgabe der Naturland

Repräsentantin für Ostafrika übernommen. Schwerpunkt ihrer

Arbeit sind aktuell QS-Aufgaben in der nachhaltigen Fischerei am

Viktoriasee.

Die Zertifizierung des Nilbarsches hat viele Facetten. Die Betreuung

der Kleinfischer, die in Fischerdörfern oft weit abgelegen

auf Inseln leben, bis hin zu den Verarbeitern in den Städten, die

den Nilbarsch für den Export produzieren, stellt eine besondere

Herausforderung dar. Seit September 2012 wird daher das

Naturland Team vor Ort durch einen einheimischen Mitarbeiter

unterstützt.

Philemon Charles kommt aus der Bukoba-Region, die direkt am

Viktoriasee liegt. Vor seiner Tätigkeit bei Naturland arbeitete er

bereits mit Kleinerzeugern in der ländlichen Entwicklung zusammen.

Als Muttersprachler und Einheimischer der Seeregion,

bietet er eine gute Schnittstelle zwischen Fischern, Verarbeitern

und Naturland.

Die Karkasse (Kopf und Gräten) gilt in Tansania als Delikatesse

Der ansässige Naturland Partner setzt sich für die Bildung ein

Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013

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FACHINFORMATION FISCH

Nachhaltige Fischerei auf den Malediven

Mit den im Uferbereich gefangenen Fischen werden später die Thunfische geködert

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, ein

bis zwei Mal in der Woche Fisch zu essen – am besten Seefisch.

Einige Umweltorganisationen geben zu bedenken, dass dieser

Konsum zum Leerfischen der Meere führen würde. Geht man

von der heute überwiegend praktizierten Art der Fischerei aus,

ist die Argumentation nicht von der Hand zu weisen.

Daher muss neben einer dem Fischbestand angepassten Fangquote

der Beifang reduziert werden – also die Fische und Meeresfrüchte,

die versehentlich mitgefangen und ungenutzt über

Bord geworfen werden. Die Wahl der Fangmethode ist hierbei

entscheidend. Beispielsweise werden durch die in der industriellen

Thunfischfischerei eingesetzten Ringwadennetze, viele Haiarten,

Mantarochen und hochgradig gefährdete Meeresschildkröten

ungewollt getötet.

„Neben ökologisch nachhaltigen Fangmethoden, die wertvolle

Fischbestände erhalten, müssen auch soziale Aspekte berücksichtigt

werden“, erklärt Stefan Bergleiter, Teamleiter der Aquakultur

bei Naturland. Er fordert eine Förderung von Kleinfischern, statt

der stark subventionierten industriellen Hochseefischerei. Diese

Ansprüche legten den Grundstein für das erste Naturland Wildfisch

Projekt.

Im Juni 2011 trafen sich Experten auf der maledivischen Insel

Felivaru, um einen ersten Entwurf für spezifische Richtlinien zur

Zertifizierung der maledivischen Fischerei auf Skipjack-Thunfisch

zu erarbeiten. In diesem Prozess wurden interessierte Organisationen,

Experten und Privatpersonen eingebunden. Mit allen

Erfahrungen, die man auf dem Weg gesammelt hatte, wurden die

Naturland Richtlinien für nachhaltige Fischerei auf den Malediven

erarbeitet. Die anschließende Umsetzung wurde durch die

Die Fangmethode mit Handangeln vom Boot hat lange Tradition

Naturland Fachberatung begleitet. Im Sommer 2012 wurden die

ersten Thunfische gemäß den Naturland Richtlinien für nachhaltige

Fischerei gefangen

Das Besondere an dem Fischfang auf den Malediven ist vor allem

die Fangmethode: Die Skipjack-Thunfische, auch "Echter Bonito"

genannt (lat. Katsuwonus pelamis), werden von den Fischern

einzeln mit Handangeln gefangen. Verwendet werden dabei

Bambusstöcke mit Nylonschnüren, an denen künstliche Köder

aus Metall und bunten Fäden angebracht sind. Bei dieser Art der

Fischerei tritt praktisch kein Beifang auf. Die Fischer locken die

Thunfische in die Nähe der Boote, indem sie lebende Kleinfische

ins Wasser werfen, die direkt vor der Ausfahrt in flachen Meereszonen

beim Schnorcheln mit einfachen Netzen gefangen wurden.

Bei dem zertifizierten Projekt war nicht nur die ökologische

14 Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013


FACHINFORMATION FISCH

Dr. Stefan Bergleiter begleitete das Projekt auch vor Ort

Die Fanggeräte: Einfache Bambusstäbe mit Haken ohne Widerhaken

Nachhaltigkeit von Bedeutung. Die dortige Bevölkerung sollte

von dem Projekt ebenso profitieren, wie die Umwelt. Die gefangenen

Fische werden direkt vor Ort verarbeitet und in Dosen

verpackt. Damit wird der Fisch optimal frisch verarbeitet und

Arbeitsplätze in der Region geschaffen. Als weitere Besonderheit

wurde eine Müllabfuhr auf Felivaru eingeführt, um die Belastung

der Meere zu verringern.

Für die Einhaltung der strengen Naturland Wildfisch Richtlinien

sorgt eine unabhängige Kontrollbehörde vor Ort. Regelmäßig

sind auch Naturland Vertreter vor Ort. Produkte mit der

Naturland Wildfisch Zertifizierung erkennt man an dem bekannten

Naturland Logo mit dem Zusatz „Wildfisch“. „Wenn

jeder Privathaushalt nur auf Fisch aus nachhaltigem Fischfang

und ökologische Aquakultur zurückgreift, können wir ein bis

zweimal Fisch pro Woche genießen und dabei die Ressourcen

zukünftiger Generationen erhalten“ ermutigt Bergleiter.

Aquakultur: Öko kontra ASC

Der ASC (Aquaculture Stewardship

Council) wurde vom WWF

(World Wildlife Fund) 2010 ins

Leben gerufen – auf deutlichen

Wunsch führender Einzelhandelsketten.

Auf der ASC

Homepage kann man nachlesen, dass der ASC (Übers. d. Verf.)

„danach trachtet, das weltweit führende Zertifizierungsprogramm

und Label für Seafood aus verantwortungsvoller Aquakultur zu

werden (…), um die Seafood Märkte der Welt zu verändern und die

Aquakultur mit der besten Umwelt- und Sozialbilanz zu fördern“.

Der WWF, als die größte Umweltorganisation der Welt, hatte

zuvor bereits Erfahrung mit dem Start anderer Zertifizierungssysteme

gesammelt, insbesondere dem des FSC (Forest Stewardship

Council, der sich mit dem Forstwesen befasst) und des MSC

(Marine Stewardship Council für Fischereien). Ein wichtiger Unterschied

des ASC zu den anderen beiden Labels besteht darin,

dass er sich nicht mit dem Management natürlicher Ressourcen

und Tierbestände befasst (welche grundsätzlich durch öffentliche

Gesetzgebung und nationale Politik bestimmt werden), sondern

mit privaten Unternehmen und ihren individuellen Produktionsmethoden,

einschließlich ihrer globalisierten Futterherkünfte.

Diese werden typischerweise vom Stand der Technik, von der

Interessenlage der Eigentümer und von wirtschaftlichen Faktoren

beeinflusst, aber, weltweit betrachtet, kaum durch irgendwelche

öffentlichen Mechanismen und Entscheidungen. Von Anfang

an war klar, dass dieser Umstand den ASC/WWF unvermeidlich

zwingen würde, zu einer langen Liste von kritischen und

komplexen Aquakulturthemen Stellung zu beziehen. Diese sind

z.B. angemessene Besatzdichten, zulässige veterinärmedizinische

Behandlungen, vertretbare Quellen für Fischmehl und

andere Proteine im Futter (einschließlich genetisch veränderter

Organismen wie Soja und Mais). Es sind diese Problemfelder,

die letzten Endes die Nachhaltigkeit der „Blauen Revolution“

insgesamt bestimmen. Als Strategie zum Umgang mit diesen

heißen Themen organisierte der WWF die „Aquakultur-Dialoge“,

also Treffen mit vielen Interessengruppen. Ziel des WWF war es,

Zertifizierungsrichtlinien zu produzieren, die für möglichst viele

Seiten akzeptabel sind. Es muss kritisch angemerkt werden, dass

so ein Prozess, trotz seines theoretisch offenen Charakters, in der

Umsetzung häufig von der finanziellen und politischen Position

der teilnehmenden Firmen und Organisationen abhängt. Als Beispiel

hierzu seien Reisekosten zur Teilnahme an den Treffen oder

Arbeitszeiten für Nachbereitungen genannt.

In der öffentlichen Wahrnehmung entsprechen die ASC Richtlinien

der Idealvorstellung des WWF von der Aquakultur, auch

wenn sie nicht direkt von der WWF Zentrale entwickelt wurden.

Und trotz des eigenen Logos kommt die Markenmacht des ASC

letztlich vom Panda.

Natürlich stellen „neue“ Richtlinien und Visionen für die Lebensmittelindustrie

von morgen eine Herausforderung für die

Öko-Bewegung und für die zertifizierten Öko-Produzenten dar,

insbesondere, wenn sie von einer mächtigen NRO entwickelt

wurden. Ein Öko-Landwirt würde nicht zögern zu behaupten,

dass ökologische Produktionsmethoden den einzig möglichen

nachhaltigen Weg darstellen. Dieser ist gekennzeichnet durch

die Arbeit in Nährstoffkreisläufen, ohne Kunstdünger, Förderung

der Bodenfruchtbarkeit durch Schutz der Bodenorganismen, und

natürlich durch das Verbot jeglicher Gentechnik. Verbraucher, die

diese Überzeugung teilen, erzeugen die Nachfrage nach Öko-

Produkten, was den Lebensmitteleinzelhandel dazu motiviert, das

Öko-Sortiment in Vielfalt und Umfang auszubauen.

Verglichen mit dem Ergebnis des ASC-Ansatzes mit dem Einbezug

vieler Interessengruppen, sind die Zertifizierungsrichtlinien

der Öko-Aquakultur belastbarer und anspruchsvoller, und sie er-

Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013

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FACHINFORMATION FISCH

Muschelzucht an Leinen vor der Küste Irlands

Im Gegensatz zu ASC, ist bei der Öko-Aquakultur der Einsatz gentechnisch Veränderter

Organismen (GVO) verboten (Bsp. Futter)

Das Naturland Logo steht für die Einhaltung

strenger Öko-Aquakultur Richtlinien

geben ein wirkliches „System

der Ökologischen Produktion“.

Im Gegensatz dazu sind

die ASC Richtlinien eher eine

Sammlung von vermeintlich

„besseren Praktiken“ zu verschiedenen,

nicht näher miteinander

verbundenen oder

sogar widersprüchlichen

Variablen. Ein Beispiel – und

gleichzeitig der kritischste

Faktor für die Zukunft der

Aquakultur überhaupt – ist

das Futter. Eine Rolle spielt

seine Zusammensetzung, die

Herkunft und die Menge, die

man zur Erzeugung einer bestimmten

Menge an Fisch und Meeresfrüchten benötigt. Zentrale

Positionen einer ökologischen Futterstrategie sind

• klare Begrenzung der Besatzdichte, um den größtmöglichen

Anteil von Naturnahrung (= Nahrungsorganismen, die auf

der Farmfläche selbst wachsen) an der Ernährung zu erzielen,

• pflanzliche Futterbestandteile nur aus dem Öko-Landbau,

• Fischmehl und -öl nur von bekannten, dokumentierten Quellen,

industrielle Gammelfischerei wird vermieden

• keine Verfütterung von Landtieren oder von konventionellen

Aquakulturprodukten,

• keine gentechnisch veränderten Organismen oder deren

Produkte,

• keine synthetischen Futterzusätze, nur natürliche Vitamine,

Minerale oder Pigmente.

Der ASC zögert, auch nur in einem einzigen dieser Punkte eine

klare Position zu beziehen. Damit macht er den Firmen die Zertifizierung

leicht, ohne den Zwang zu technischen Veränderungen.

Dies ist vor dem Hintergrund der Zielsetzung verständlich, dass

möglichst weite Teile der Industrie möglichst schnell zertifiziert

werden sollen, und vor dem Hintergrund des oben genannten

Ablaufs der Richtlinienentwicklung.

Naturland wurde verschiedentlich von Medien- und Marktvertretern

gefragt, inwieweit das Auftauchen eines derart ehrgeizigen

“konventionellen” Labels für Aquakulturprodukte der weltweit

wachsenden Zahl von Projekten der ökologischen Aquakultur

Konkurrenz machen oder sie sogar gefährden könne. Dazu gibt

es verschiedene mögliche Antworten:

(1) Die langfristige Perspektive:

Die Öko-Bewegung nimmt “Nachhaltigkeit” nicht als Worthülse

in Anspruch, sondern um dadurch auszudrücken, dass langfristig

die Methoden der ökologischen Produktion ihre ökologischen,

sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen am besten bewahren.

Dieser Vorteil hat sich in der viel älteren ökologischen Landwirtschaft

bestätigt, aber auch die ökologische Aquakultur hat in den

letzten 15 Jahren bereits sehr gut abgeschnitten. In Zeiten von

Klimawandel, „Peak oil“, Finanzkrise und generell wachsendem

sozio-ökologischem Bewusstsein, hat das ökologische Konzept so

hohe Bedeutung und Durchsetzungskraft wie nie zuvor, unabhängig

davon, welche anderen Labels sich in der Umgebung entwickeln

mögen: in technischer Hinsicht ist der ASC keine ernsthafte

Alternative oder Herausforderung für die ökologische Aquakultur.

(2) Der Blickwinkel des Zertifizierers:

Für viele Aquakulturbetriebe ist die größte Schwierigkeit bei

der Umstellung auf die ökologische Produktion nicht etwa der

Wechsel in der Wirtschaftsweise (z.B. weil sie bereits nahe an

ökologischen Prinzipien arbeiten, wie extensive Shrimps- und

Karpfenbetriebe), sondern die Einführung eines zuverlässigen

Systems zur Qualitätssicherung mit all den Pflichten, die die Einführung

eines vorgegebenen Leitfadens und die entsprechende

Dokumentation mit sich bringen. So wird die Öko-Zertifizierung

einem Aquakulturbetrieb leichter fallen, wenn er bereits Erfahrungen

mit einem anderen Zertifizierungssystem gesammelt hat

(z.B. bezüglich der Warenrückverfolgbarkeit). Die ASC Zertifizierung

könnte insofern ein guter erster Schritt für einen Betrieb

sein, der für später eine Öko-Zertifizierung plant. Naturland ist

der Ansicht, dass letztlich miteinander vereinbare Zertifizierungsprogramme

nach allen möglichen Synergien suchen sollten, z.B.

durch harmonisierte Checklisten, gemeinsame Audits, Rezertifizierungen

etc.

(3) Die Perspektive des Einzelhandels und des Verbrauchers:

Der Einzelhandel war auf der Suche nach einem „B2C“ (Business

zu Verbraucher)-Label, das möglichst viele Tierarten und große

Warenmengen nach nur kurzer Anlaufzeit abdecken sollte. Konsequenz

war, dass dieses Label gegenüber den Aquakulturfirmen

geringere Anforderungen stellen musste als für eine Umstellung

auf die ökologische Produktion notwendig sind. Es wurden keine

16 Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013


FACHINFORMATION FISCH

Öko-Aquakultur-Anlagen sollen möglichst natürlich gestaltet werden

grundlegenden Änderungen in der Produktionsweise vorausgesetzt.

Gleichzeitig – und das scheint wirklich problematisch –

gehen die Verbraucher wahrscheinlich davon aus, dass ein Label,

welches vom WWF unterstützt wird, der Öko-Kennzeichnung

irgendwie „ähnlich“ oder „äquivalent“ sei, und dass es starke

Richtlinien in Sachen Naturschutz, Tierwohl, GVOs, Chemieeinsatz

usw. vertreten müsse. Dies ist jedoch eindeutig nicht

der Fall, wie sogar öffentlich von WWF und ASC erklärt wird.

Nichtsdestotrotz ist das immer noch „Insider“-Information, weil

Gemäß den Naturland Richtlinien ist das Abholzen

von Mangroven verboten, darüber hinaus ist eine

Wiederaufforstung vorgesehen

verborgen in einer Vielzahl von Publikationen und verdeckt von

Nachhaltigkeitsfloskeln. Diese Information steht insofern dem

Verbraucher nicht zur Verfügung, von dem erwartet wird, dass er

eine kritische Auswahl seiner Fische und Meeresfrüchte zugunsten

von ASC zertifizierten Produkten treffen soll. Im Gegensatz

dazu müssen die Groß- und Einzelhändler, als Experten der Thematik,

ihre Verantwortung wahrnehmen, den Kunden über die

Bedeutung der Label aufzuklären, und nicht einfach Verwirrung

und Missverständnis geschehen zu lassen.

Fisch reagiert allergisch auf Gentechnik-Futter

gentechnisch veränderten Mais an Atlantik-Lachs. Bei Fischen

mit anfälligem Immunsystem kam es dabei zu Zellstress im Darm,

berichten die Wissenschaftler in der neuen Ausgabe des Fachmagazins

„British Journal of Nutrition“.

Fisch in Öko-Aquakultur bekommt ausschließlich GVO-freies Futter

Gentechnik-Mais im Fischfutter kann bei manchen Tieren Immunreaktionen

hervorrufen. Norwegische Forscher verfütterten

Zwar gab es offenbar keine systemischen Abwehrreaktionen.

Die Daten wiesen aber darauf hin, dass der Gentech-Mais lokale

Immuneffekte hervorruft, so die Forscher. Unter anderem wurde

im Darm ein Hitzeschock-Protein produziert. Außerdem setzten

die mit dem transgenen Mais gefütterten Lachse die Nahrung

„weniger effizient“ um. Um die Gesundheitsauswirkungen der

Pflanze weiter zu erforschen, seien längere Untersuchungen nötig,

erklärten die Wissenschaftler. Bei dem Mais wurden Gene des

Bakteriums Bacillus thuringiensis (Bt) eingebaut. Dadurch setzt

die Pflanze auf dem Acker permanent ein Gift frei, um Insekten

zu töten.

Informationsdienst Gentechnik, 15.04.2013

Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013

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FACHINFORMATION FISCH

Erste zertifizierte Naturland Muscheln in Irland

Der Naturland Partner Kush Shellfish erzeugt in der Kenmare Bay im Südwesten

Irlands Muscheln an Leinen und Austern gemäß EU Öko-Verordnung und Naturland

Richtlinien.

Die Kenmare Bay ist als besonderes

Schutzgebiet (Special Area of Conservation;

SAC), mit strengen Auflagen für den

Umweltschutz, ausgewiesen und verfügt

über eine hohe Wasserqualität. „Muscheln

in einem Schutzgebiet zu züchten ist mit

einer Reihe von Vorteilen verbunden, die

wir nutzen wollen um den Konsumenten

zu zeigen, warum diese weltweit zu den

besten Muscheln aus Aquakultur gehören“,

erklärt der Geschäftsführer John

Harrington. Die Firma, die er 2009 auf Öko

umgestellt hat, ist die erste in Irland und

Europa, die ein veredeltes Meeresfrüchte-

Produkt aus ökologischer Aquakultur auf

den Markt gebracht hat.

Die Muscheln werden im Wasser hängend

an vertikalen Leinen gezüchtet, die über

horizontale Langleinen verbunden sind.

Sie sind ständig unter Wasser und können

permanent Nahrung filtern. Muscheln aus

Leinenzucht erkennt man an der leicht

bläulich-gelben Farbe der Schale, dem

hohen Fleischanteil und dass sie frei von

Sandkörnern sind. Da Muscheln sich vom

natürlichen Nahrungsangebot im Meer

ernähren, konzentrieren sich die Naturland

Richtlinien für Öko-Aquakultur Bereich

Muscheln vor allem auf umweltfreundliche

Bewirtschaftungsmaßnahmen und kontinuierliche

Überwachung der Wasserqualität.

So geben die Richtlinien insbesondere

Maßnahmen zum Naturschutz und zur

Wahrung der Biodiversität vor und fördern

das Bewusstsein für den sorgsamen

Umgang mit Meeresschutzgebieten. Nicht

recycelbare Leinen und Schnüre aus Plastik

und chemisch-synthetische Mittel sind

nicht erlaubt.

Kush Shellfish hat eine Erntekapazität von

20 Tonnen am Tag und eine Gesamtproduktion

von 900 – 1000 Tonnen Muscheln

im Jahr. Ursprünglich war Frankreich der

wichtigste Absatzmarkt der Firma. Nach

Die Muscheln werden regelmäßig von Aufwuchs

gereinigt

Einführung der Öko-Zertifizierung verkauft

die Firma auch nach UK, Deutschland,

Schweiz, Griechenland, Hong Kong und

Dubai.

Die Wasserqualität wird ständig überwacht; sie muss der Güteklasse 1 bzw. A entsprechen

Die Muscheln werden an vertikal hängenden

Leinen gezüchtet

See- und Küstenfischerei und Fischgroßhandel

Seit jeher verzichten die Fischer dieses Ostseeküstenstreifens auf

den Einsatz von Schleppnetzen. Auf ihren maximal zwölf Meter

langen Fischkuttern bzw. einfachen Strandbooten praktizieren sie

Fang mit Stellnetzen. Durch diese traditionelle Methode ist der

Beifang von anderen Fischarten so gut wie ausgeschlossen. Es

wird streng auf die schonende Befischung der Wildfischbestände

geachtet. Dafür erhalten die Fischer einen ca. 50% höheren Preis

für ihren Fang. Der Anteil der Küstenfischer im agrar-und tourismusorientierten

Vorpommern hat in den letzten Jahren drastisch

abgenommen. Doch sind die Küstenfischer ein fester sozio-kultureller

Bestandteil der Ostseeküste. Die meisten heute noch ak-

Der begehrte Fang

18 Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013

Handwerkliche Küstenfischerei in kleinen Booten


FACHINFORMATION FISCH

Handwerkliche Küstenfischerei in kleinen Booten

Das Fanggebiet liegt in den Greifswalder Bodden

tiven Küstenfischer betreiben ihr Handwerk bereits in der siebten

Generation. Unter den Fischern existiert ein klares Bekenntnis zu

natürlichen, authentisch handwerklichen Fangmethoden.

Einen guten Absatzweg bietet das dort ansässige Unternehmen

Birnbaum & Kruse Fischhandel GbR. Es entwickelte sich in mehr

als 20 Jahren erfolgreich in den Segmenten Fischverarbeitung

und Handel mit Frischfisch und Fischprodukten. Die langjährige

Partnerschaft mit den heimischen Fischern, die seit Jahren

eine konsequent nachhaltige und bestandsschonende Fischerei

ausüben, bildet die Basis von Birnbaum & Kruse. Seit Frühjahr

2012 ist der natürliche Fischfang zwischen Usedom in der

Pommerschen Bucht, dem Greifswalder Bodden, bis hin zur Insel

Rügen nach den Naturland Richtlinien für nachhaltige Fischerei

zertifiziert.

MITGLIEDERFORUM

Kaffee von ProNatur – eine sinnliche Verführung aus Peru

ProNatur ist eine 1993 gegründete Kleinbauernorganisation im Nordwesten von Peru

bei Chiclayo. Seit 1999 ist die Organisation Naturland Partner. Im Jahr 2012 beteiligten

sich 2.100 Familien an der Kleinbauernorganisation und kultivierten auf einer

Fläche von 6.000 Hektar hauptsächlich Kaffee, Mangos und Bananen.

Die durchschnittliche Größe eines Betriebes

liegt zwischen 2 und 5 ha, die

Bauern kultivieren ihr Land selbst.

In regelmäßigen Abständen überprüft das

interne Kontrollsystem die Einhaltung

der Naturland Richtlinien. ProNatur baut

seinen Kaffee als Schattenkaffee in einem

multifunktionalen Agroforstsystem an: Der

Kaffee wird dabei in Mischkulturen mit

weiteren Kulturpflanzen und unter Schattenbäumen

angebaut. Diese Anbauweise

schont die Umwelt und bietet den Kleinbauern

viele Vorteile. Die Schattenbäume

tragen dazu bei, dass die Bodenfeuchte

zum Nutzen des Kaffees länger erhalten

bleibt und der Mischanbau sorgt für eine

hohe Biodiversität. Die Kleinbauern von

ProNatur bauen neben Mangos und Bananen

auch Spargel, Erbsen, Bohnen und

andere Früchte an, die eine ausgewogene

Selbstversorgung sicherstellen. Beim Verkauf

über den lokalen Markt können sich

Die Bananenfrüchte werden behutsam gewaschen und verpackt

die Bauern zusätzliche Einnahmequellen

erschließen. Gerade bei starken Schwankungen

der Weltmarktpreise für Kaffee

führt dies zu einer größeren wirtschaftlichen

Sicherheit und Unabhängigkeit der

Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013

19


MITGLIEDERFORUM

Mischanbau und Ausgleichsflächen fördern die Biodiversität

Die Tröpfchenbewässerung minimiert Wasserverluste

Neben Bananen erzeugt ProNatur hauptsächlich Mangos

Kleinbauern.

Neben dem Kaffee fördert, verarbeitet und vermarktet ProNatur

auch Mangos, Bananen und spezielle Tropenfrüchte, sogenannte

novel fruits. Jan Bernhard, Geschäftsführer von ProNatur,

beschreibt das Unternehmen als "kooperatives Unternehmenswagnis

mit einem starken Entwicklungsaspekt". Die ProNatur-

Landbesitzer werden nicht nur in der ökologischen Anbauweise

geschult, sondern sind auch an der ganzen Wertschöpfungskette

von ProNatur beteiligt. Diese erstreckt sich vom Anbau bis zur

Verpackung in der Packstation. Hierbei werden viele Entscheidungen

gemeinsam getroffen, was den Zusammenhalt untereinander

stark fördert.

Ein weiterer großer Aufgabenbereich von ProNatur ist das Soziale

Engagement. ProNatur engagiert sich sehr im Bereich Schulung

und Ausbildung und unterstützt Schulen an der Küste und in den

Hochebenen.

In Tongorrape gibt es drei Kindergärten und öffentliche Vorschulen,

die älteste – im Dorf Pueblo Nuevo – gibt es schon seit elf

Jahren. Die Kinder werden von vollamtlichen Lehrern, die privat

bezahlt werden, unterrichtet. Die Schulen in den Hochebenen des

Wassereinzugsgebiet von ProNatur werden wie die Schulen an

der Küste öffentlich geführt und privat von ProNatur unterstützt.

Neben Verköstigung erhalten die Schüler auch Schulmaterialien

wie Stifte und Bücher zur freien Verfügung.

ProNatur unterstützt mit Schulungsmaterialien, verbessert die

Wasserversorgung und baut sanitäre Anlagen. Zudem bietet Pro-

Natur Stipendien für Landwirtschaftstechniker und Lehrstellen

an. Auch die Aufwendungen für Kost und Logis werden bezahlt.

Neben seiner Mitgliedschaft bei Naturland ist ProNatur auch für

den fairen Handel zertifiziert, der dem Unternehmen einen besseren

Preis in Europa und in den USA garantiert.

20 Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013


MITGLIEDERFORUM

Interview mit Jan Bernhard, dem Geschäftsführer

von ProNatur

Jan Bernhard, der Geschäftsführer von ProNatur, ist Mitglied des Internationalen Beirats von Naturland und Internationaler

Delegierter auf den Naturland Delegiertenversammlungen.

Wie sieht der ökologische Anbau von Kaffee, Bananen und Mangos

praktisch am Feld bei ProNatur aus?

Ökologisch gesehen läuft der Kaffee-Anbau hier so, dass die

Bauern mit wenigen Hilfsmitteln, die man für die Landwirtschaft

benötigt, hauptsächlich Selbstversorgung betreiben. Betrachtet

man die Distanzen, die Mühe, den Einsatz und die Ausgaben für

die Betriebsmittel, dann würde sich der Aufwand bestimmt für

viele Kleinbauern aufgrund der gegenwärtigen Preissituation am

Weltmarkt nicht lohnen. Denn der Kaffeepreis liegt im Moment

knapp an den Produktionskosten und teilweise sogar leicht

darunter. Deshalb arbeiten die Kleinbauern sehr sparsam und

bauen auf sanfte und traditionelle Weise Bio-Kaffee an.

Der Früchte-Anbau erfolgt auch hier auf traditionelle und nachhaltige

Weise. Hinzu kommt aber die hochmoderne Technik der

Tröpfchenbewässerung mit Niedrigdruck. Hierbei wird energiesparend

mit Brunnen, Pumpen und Solar-Pump-Geräten gearbeitet.

Das Wasser für den Anbau der tropischen Früchte in der Trockenregion

kommt aus den Bergen. Welche Anstrengungen unternimmt

ProNatur, damit es weiterhin fließt?

Das öffentliche Wasser kommt aus kleinen Quellen aus den

Bergen. Verschiedene Ansätze, die wir hier unternommen haben,

sind Aufforstungen in der Hochebene und der Schutz der noch

verbliebenen Trockenwälder als Naturschutzgebiete. Teilweise

wurden auch die öffentlichen Kanalsysteme mit finanzieller Unterstützung

ausgebessert und gewartet, damit das Wasser ohne

Verluste ins Tal fließen kann.

Ein sehr wichtiges Projekt ist das PSA (Zahlung für Umweltleistungen)-Pilot-Projekt.

Hierbei werden die Bauern der Hochebenen

darin geschult, wie ihre Anbaumethoden zur Wasserernte

in Quantität und Qualität beitragen, welche anhand einer Formel

Jan Bernhard besichtigt den Betrieb

errechnet wird. Die Hochland Bauern erhalten für ihre Wasser-

Produktion einen Preis, der direkt an sie entrichtet wird.

Kleinbauern und ökologischer Anbau - Wie passt das zusammen?

Die Verbindung Kleinbauern und der ökologische Landbau passt

sehr gut zusammen aufgrund der gut organisierten Strukturen

von Klein- und Kleinstbauern, die sich in Vereinen, Genossenschaften

und Kooperativen zusammen schließen. Diese haben ein

internes Monitoring und ein Kontroll- und Beratungssystem, das

von der Kooperative gemanagt wird. Mit einem guten internen

Kontrollsystem funktionieren auch die Zertifizierung und die

Einhaltung der Richtlinien.

Vielen Dank für das Interview

Öko-Rooibos – Ein Gewinn für Mensch und Natur

Die Wupperthal Original Rooibos Cooperative (WORC) ist eine

Kleinbauernkooperative in Südafrika, die Rooibos Tee herstellt.

Diese öko+fairen Rooibos Tees sind die ersten Produkte am südafrikanischen

Markt mit dem Naturland Logo und werden auch

in Europa durch TopQualiTea South Africa vertrieben.

Das kleine Dorf Wupperthal liegt am Rande der Cederberge

in der südafrikanischen Provinz Westkap und wurde 1829 von

Missionaren gegründet, die sich von der großartigen Landschaft

an ihre Heimat an der Wupper in Deutschland erinnert fühlten

und dem Ort seinen Namen gaben. Neben ihrer Missionarsarbeit

förderten die Männer besonders den Landbau und das Handwerk

der einheimischen Khoi San Bevölkerung.

Der Rooibos-Anbau hat in Südafrika eine lange Tradition. Nur

hier in der Kap-Provinz im Westen Südafrikas wächst Rooibos.

Schon früh erkannten die Einwohner, dass die nadelähnlichen

Blätter der Aspalathus linearis Pflanze einen guten, aromatischen

Tee ergeben. Rooibos Tee ist mit seiner charakteristischen

rötlich-braunen Farbe und seinem süßen, fruchtigen Aroma ein

Barend Salomo von Wupperthal in der Rooibos-Baumschule

Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013

21


MITGLIEDERFORUM

sehr beliebtes Getränk – besonders in

Südafrika.

Die Rooibos Pflanze ist optimal an die regenreichen

Winter, die heißen, trockenen

Sommer, sowie den Sandstein-Boden der

Cederberge angepasst. An diesem Standort

macht es eine Düngung für Rooibos

überflüssig. Für die Umwelt spielt Rooibos

hier eine wichtige Rolle: Durch seine langen

Wurzeln erreicht die Pflanze auch tiefliegende

Feuchtigkeit und Mineralien und

stellt diese dem Ökosystem zur Verfügung.

Der ökologische Anbau von Rooibos trägt

dadurch zum Erhalt der Flora und Fauna in

Westkap bei.

WORC, die Wupperthal Original Rooibos

Cooperative wurde im August 2009 von

84 Kleinbauernfamilien aus dem südafrikanischen

Wupperthal gegründet. Zurzeit

besteht die Kooperative aus 99 Mitgliedern,

die auch heute noch den Rooibos

in traditioneller Weise herstellen: Er wird

an den schwer zugänglichen Talhängen

angebaut, von Hand geerntet und teilweise

mit Eseln transportiert.

Rooibos wird in Südafrika kultiviert

Neben dem Rooibos bauen die Landwirte

seit einiger Zeit auch ökologische

Kräuter an. Dadurch ist das Einkommen

der Erzeuger weniger stark vom Rooibos

abhängig. Zudem haben die Mitglieder der

Kooperative in Eigeninitiative einen Teeverarbeitungsplatz

gebaut. Hier wird der

Tee gemeinschaftlich geschnitten, fermentiert

und getrocknet. Da die Mitglieder der

Kooperative eng zusammenarbeiten und

sich gegenseitig unterstützen, kann auch

die Qualitätssicherung und Vermarktung

der Produkte gemeinsam durchgeführt

werden.

Rooibos Tee ist ein bedeutendes Getränk

in Südafrika – ob warm oder kalt, mit

oder ohne Milch – Rooibos Tee ist sehr

beliebt. Der heimische Markt ist somit ein

wichtiger Absatzkanal für die Kleinbauern.

Doch auch in Europa wird viel Rooibos Tee

getrunken. Der Naturland Partner Top-

QualiTea South Africa schlägt die Brücke

von den Erzeugern in Südafrika zu den

Konsumenten in Europa.

TopQualiTea South Africa exportiert den

Naturland zertifizierten Rooibos Tee der

Wupperthal Original Rooibos Cooperative,

sowie Naturland Honeybush Tee von

Ericaville.

TopQualiTea South Africa zahlt den Tee-

Erzeugern über das doppelte des marktüblichen

Preises. Damit verbessern sich

die Lebens- und Arbeitsbedingungen der

Mitglieder der Kooperativen deutlich – in

Wupperthal herrscht bereits ein relativ

...und aus ökologischer Wildsammlung gewonnen

hoher Lebensstandard. Dank des Fairen

Handels können in Zukunft ein Kindergarten

gebaut oder spezielle Arbeitsgeräte für

die Bewirtschaftung der Berge angeschafft

werden. Zudem findet in Wupperthal auch

Forschung statt, mit dem Ziel, in Zukunft

besseres Pflanzgut nutzen zu können.

Obwohl Öko-Produkte in Südafrika immer

mehr an Bedeutung gewinnen, ist

Naturland noch weitgehend unbekannt.

Aus diesem Grund führt TopQualiTea

South Africa Aufklärungsaktionen durch,

beispielsweise in Form von Informationsflyern.

Der Rooibos Tee aus Wupperthal

und der Honeybush Tee von Ericaville sind

bisher die einzigen Naturland Produkte in

Südafrika und nehmen so eine Vorreiterstellung

im südafrikanischen Markt ein.

TopQualiTea Group ist Mitgründer von

Trust Organic Small Farmers, einer internationalen

Allianz für ökologisch-ethischen

Handel und solche Produkte, bei der auch

die Wupperthal Original Rooibos Cooperative

Mitglied ist. 2007 wurde diese

Kommunikations- und Netzwerkinitiative

von verschiedenen Kleinbauernprojekten

aus Indien, Sri Lanka und Südafrika,

sowie Importeuren und Händlern für öko

und faire Produkte aus Europa, Kanada

und den USA gegründet. Seit 2011 wird

diese selbstständig von den Mitgliedern

geführt. Ziel und Zweck dieser Zusammenarbeit

ist eine bessere Transparenz durch

Austausch, Beratung und Vernetzung

zwischen Öko-Kleinbauernprojekten und

Öko-Importeuren / -Händlern aus Europa,

USA und Kanada.

22 Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013


MITGLIEDERFORUM

Naturland Fair schafft neue Synergien

Als erste Molkerei vermarkten die Milchwerke Berchtesgadener Land eG Milch und

Milchprodukte, die das Naturland Fair Zeichen tragen. Damit haben sie sich ebenso

wie die Milchbauern für die Erfüllung der Naturland Fair Richtlinien entschieden:

Sozialrichtlinien, verlässliche Handelsbeziehungen, faire Erzeugerpreise, regionaler

Rohstoffbezug, gemeinschaftliche Qualitätssicherung, gesellschaftliches Engagement

und Unternehmensstrategie und Transparenz. Ihr Sortiment haben die Milchwerke

in diesem Frühjahr um verschiedene Joghurts und einen Milchdrink erweitert. Das

Besondere daran: Neben der Milch ist auch der Zucker Naturland Fair zertifiziert. Der

durch die Genossenschaft dwp eG importierte Zucker stammt von der Kooperative

Manduvirá.

war für uns eine Gelegenheit gekommen,

uns mehr in unserer Gemeinschaft zu

engagieren.

Was halten Sie von den neuen Partnerschaften

(Fairhandelsorganisation dwp –

Molkerei Berchtesgadener Land) und den

neuen Produkten?

Ich denke, sie bieten eine sehr interessante

Möglichkeit weiter zu wachsen und

gleichzeitig Produkte aus dem Norden und

dem Süden einander anzunähern.

Wie lange arbeiten Sie schon mit dwp zusammen

und wie hat sich Ihr Leben seither

verändert?

Seit etwa fünf Jahren arbeiten wir mit

dwp zusammen. Wir haben einen Wandel

unserer gesamten Gemeinschaft erfahren

oder besser forciert, den wir die „Süße Revolution“

nennen, ein Wandel auf sozialer,

ökonomischer und ökologischer Ebene.

Naturland Fair in Nord und Süd: Heinrich Schwabenbauer (Naturland Milchbauer), Bernhard Pointner

(Geschäftsführer Milchwerke Berchtesgadener Land), Thomas Hoyer (Geschäftsführer dwp), Andrés González

Aguilera (Geschäftsführer der Kooperative Manduvirà), Steffen Reese (Geschäftsführer Naturland)

Lieber Andres Gonzalez, mit der Molkerei

Berchtesgadener Land hat Manduvirá einen

neuen, speziellen Kunden gewonnen. Wie

war die Reaktion darauf?

Unser direkter Kunde ist das Fair-Handelshaus

dwp eG. Der Schritt mit der Molkerei

ist für uns aber sehr wichtig. Die Einführung

dieser Produkte markiert für uns

einen Meilenstein im fairen Handel.

Warum ist für Manduvirá Fair Trade so

wichtig? Warum habt Ihr Euch für Öko entschieden?

Seit wann macht Ihr das schon?

Fair Trade ist sehr wichtig, denn Dank Fair

Trade wurde der Traum einer besseren

Lebensqualität für Tausende von Familien

kleiner Produzenten wahr. Die Essenz des

Fair Trade ist die Stärkung der kleinen

Produzenten. Der faire Handel ermöglicht

ihnen Zugang zu starken Märkten und gibt

Hoffnung auf ein besseres Leben jenseits

unserer historischen Grenzen des Elends

und der Armut.

Wir erkennen, dass wir unseren Kindern

und Kindeskindern eine gesündere,

heilsamere und nachhaltigere Umwelt

hinterlassen müssen. Dies schaffen wir nur

mit Öko-Landbau und fairem Handel. Wir

haben nun schon 16 Jahre Erfahrung mit

der Produktion zertifizierter Öko-Lebensmittel.

Was war die Motivation für die Veränderung

und die Umstellung auf ökologische

Produktion?

In unserer Gegend wurde schon immer natürlich

und ohne Einsatz von Chemikalien

produziert. Daher waren nur geringe Anpassungen

an die Kriterien und Standards

für eine zertifizierte Öko-Produktion nötig.

Und was bewegte Manduvirá dazu, auf

fairen Handel umzustellen?

Der Hauptgrund war, einen höheren Mehrwert

bei der Herstellung zu erzielen und

den größten Teil der Produktionskette zu

lenken. Da wir als Genossenschaft fest an

unsere genossenschaftlichen Grundsätze

gebunden sind, die Hand in Hand mit den

Grundsätzen des Fairen Handels gehen,

Wie wirken sich die Aktivitäten auf Ihr

soziales Umfeld aus und wie reagieren

die Nachbarn? Wollen die Nachbarn auch

umstellen?

Diese "Süße Revolution" hat sich positiv

auf das Leben von über 12.000 Menschen

ausgewirkt, das heißt auf die gesamte

Gemeinschaft. In naher Zukunft werden

wir über 25.000 Personen mit unserer

eigenen Fabrik unterstützen, die wir selber

bauen. In unserer Gegend gibt es eine Art

„Epidemie“ der Zuckerrohrproduktion und

Manduvirá Partner, also eine sehr rasche

Verbreitung.

Was halten Sie von den neuen Absatzmärkten,

abgesehen von den "Welt-Läden"? Können

Sie mehr verkaufen? Können Sie durch

den zusätzlichen Verkauf weitere Produktionspartner

anwerben oder die bestehenden

Partnerschaften absichern?

Ich glaube, der Erfolg jeder Person oder

Firma liegt in ihrer Fähigkeit, ständig innovativ

zu sein und sich an Veränderungen

anzupassen. Wir sehen diesen Schritt als

Möglichkeit, alle Akteure der Kette profitieren

zu lassen – vom Erzeuger über den

Verarbeiter, bis hin zum Verbraucher.

Vielen Dank für das Interview!

Naturland Nachrichten International Nr. 29 - November 2013

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Besuchen Sie uns auf www.naturland.de

Impressum:

Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V.

Kleinhaderner Weg 1 • 82166 Gräfelfing, Deutschland

Tel: +49 (0)89 89 80 82 - 0 • Fax: +49 (0)89 89 80 82 - 90

E-Mail: naturland@naturland.de

www.naturland.de

Geschäftsführung:

Steffen Reese (V.i.S.d.P.)

klimaneutral

natureOffice.com | DE-587-073117

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