Schnelle Aufdosierung von Quetiapin. Eine Option in der Akuttherapie

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Schnelle Aufdosierung von Quetiapin. Eine Option in der Akuttherapie

Supplement

Tab. 4 Empfohlenes Dosierungsschema bei gesunden, nicht hirnorganisch alterierten Patienten

Tag 1 Tag 2 Tag 3 und folgende

100 mg/Tag Quetiapin als Einmal- 100 – 0 – 0 – 100 oder 2x200 bis 2x300 mg/Tag Quetiapin,

gabe, vorzugsweise am Abend. 200 – 0 – 0 – 200 mg/Tag Quetiapin danach je nach Response

Bei Bedarf zusätzlich 5–10 mg/Tag je nach Akuität. Bei Bedarf zusätzlich Bei Bedarf zusätzlich 5–10 mg/Tag

Haloperidol (oral oder i.v.) und ev. 5–10 mg/Tag Haloperidol und ev.(oral Haloperidol (oral oder i. v.) und ev.

1,5–3 mg/Tag Lorazepam oder i. v.) 1,5–3 mg/Tag Lorazepam 1,5–3 mg/Tag Lorazepam

aus. Quetiapin ist insbesondere aufgrund

seiner guten Wirksamkeit

und hervorragenden Verträglichkeit

5,6 eine interessante Therapieoption

für diese Krankheitsgruppe, in

der sich oft Patienten mit einem hohen

Funktionsniveau finden. Interessant

wäre es herauszufinden, ob

sich Quetiapin in niedriger Dosis

hier auch zur Phasenprophylaxe

eignet, zumal die Patientencompliance

bei Langzeitmedikation sehr

gut ist 7 (bei zwei unserer Patienten

mit zykloider Psychose kam es zu

einem Rezidiv nach Absetzen der

Quetiapin-Medikation).

Verträglichkeit

Ziel war es, herauszufinden, ob

Quetiapin auch in einer schnellen

Aufdosierung gut vertragen wird.

Das konnten die Ergebnisse bei den

7 Hellewell JSE. et al.: Patient satisfaction

and acceptability of long-term treatment

with quetiapine. Int J Psychiatry

Clin Pract 1999; 3: 105-113

8 Goldstein JM. Quetiapine fumarate

(Seroquel ® ): A new atypical antipsychotic;

Drugs of Today 1999; 35 (3):

193–210

Impressum

Supplement aus psycho 1/2/2003.

Erstellt mit freundlicher Unterstützung von

AstraZeneca, Wedel

Herstellung/Layout

Karl-Heinz Zobel

Verlag

Karl Demeter Verlag im

Georg Thieme Verlag,

Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart

Für die Angaben über Dosierungsanweisungen

und Applikationsformen kann vom Verlag keine

Gewähr übernommen werden. Jeder Benutzer ist

angehalten, durch sorgfältige Prüfung der Beipackzettel

der verwendeten Präparate und ggf.

nach Konsultation eines Spezialisten festzustellen,

ob die dort angegebene Empfehlung für Dosierungen

oder die Beachtung von Kontraindikationen

gegenüber der Angabe in dieser Beilage abweicht.

Eine solche Prüfung ist besonders wichtig bei selten

verwendeten Präparaten oder solchen, die neu

auf dem Markt gebracht worden sind. Jede Dosierung

oder Applikation erfolgt auf eigene Gefahr

des Benutzers.

13 behandelten Patienten bestätigen.

Bei keinem wurden gravierende

Nebenwirkungen beobachtet.

Generell scheint ein sedierender

Effekt eher bei niedrigeren Dosen

aufzutreten; bei dem hier gewählten

Dosierungsschema stellte

unerwünschte Sedation kein Problem

dar, ebenso wenig EPMS oder

kardiovaskuläre Nebenwirkungen.

Dies stimmt sowohl mit der Studienlage

8 überein, die für Quetiapin

eine sehr geringe Nebenwirkungsrate

angibt, als auch mit der klinischen

Erfahrung: In unserer Klinik

beobachteten wir eine Quetiapin-

Intoxikation (4 g) ohne gravierende

Nebenwirkungen; interessanterweise

konnten wir in einem anderen

Fall eine Patientin mit Malignem

Neuroleptikasyndrom erfolgreich

und unproblematisch mit

Quetiapin behandeln (Reif et al., in

press).

Aufgrund der guten Verträglichkeit

einer schnellen Aufdosierung

bietet sich bei somatisch gesunden

und nicht hirnorganisch alterierten

Patienten das in Tabelle 4

gezeigte Dosierungsschema an.

Noch schnellere Aufdosierungen

sind vielleicht ebenso möglich, jedoch

fehlt hier die Datengrundlage.

Praktische Empfehlungen

Zykloide Psychosen – in ICD-10

meist als „Akut polymorph-psychotische

Störung“ oder „Schizoaffektive

Störung“ verschlüsselt –

scheinen effektiv mit Quetiapin

therapiert werden zu können. In

der Akuttherapie der zykloiden

Psychosen, bei denen die Betroffenen

oft perakut exazerbieren und

teilweise hocherregt in die Klinik

kommen, ist nach unseren Erfahrungen

folgendes Vorgehen sinnvoll:

Gegebenenfalls initial bei sehr

hohem Erregungsniveau die Gabe

eines Typikums, z.B. Haloperidol

5–10 mg (oral oder i.v.), und, wenn

notwendig, zusätzlich Lorazepam

1,5–3 mg/Tag – Quetiapin sollte

aber bereits ab dem ersten Tag

nach obigem Schema gegeben werden.

Bei den Patienten mit

zykloider Psychose aus diesem Patientengut

musste so – wenn überhaupt

– meist nur ein- bis zweimal

Haloperidol initial verabreicht

werden. Gegebenenfalls muss dieses

Vorgehen natürlich je nach Patient

individuell angepasst werden.

Auch bei chronisch verlaufenden

Schizophrenien erscheint ein

Therapieversuch mit Quetiapin

sinnvoll, insbesondere wenn andere

Neuroleptika nicht vertragen

wurden oder keinen Erfolg zeigten.

Auch hier ist ein schnelles Aufdosierungsschema

wie oben angegeben

sinnvoll und Kombinationen

mit anderen Psychopharmaka

möglich, da bislang keine Interaktionen

von Quetiapin mit anderen

Substanzen beobachtet wurden.

Vorsicht sollte man hinsichtlich

einer schnellen Eindosierung walten

lassen bei Patienten mit hirnorganischer

Vorschädigung, Morbus

Parkinson oder kardiovaskulären

Erkrankungen. Sollte es nicht erforderlich

sein, d.h., bei weniger akuten

Fällen, wird man sich trotz des

günstigen Risikoprofils von Quetiapin

hier für ein langsameres Vorgehen

entscheiden, um unerwünschte

Nebenwirkungen zu verhindern.

Bei jungen und somatisch

gesunden Patienten kann jedoch

die schnelle Aufdosierung problemlos

durchgeführt werden.

Verfasser:

Dr. med. Andreas Reif

Klinik und Poliklinik für Psychiatrie

und Psychotherapie der Universität

Würzburg

Füchsleinstr. 15

97080 Würzburg

4

psycho 2002, 29 (1)

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