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DolceVita - Das Küchen- und Wohnjournal

Dross & Schaffer zeigt im DolceVita-Magazin Wohn- und Küchentrends.

Dross & Schaffer zeigt im DolceVita-Magazin Wohn- und Küchentrends.

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DolceVita

FRÜHJAHR / SOMMER 2018 EURO 4,50

KOCHEN. LEBEN. GENIESSEN.

IM EINKLANG

In der Stille der Alpen trifft Idylle

auf ursprünglichen Genuss

MIT 1001 AROMEN

Der Foodtrend Levante-Küche erobert

europäische Gourmet-Herzen

ZWISCHEN DEN TELLERN

Besteckserien sind Designstars

IM EINKLANG

auf dem Tisch

In der Stille der Alpen trifft Idylle

AUF auf ursprünglichen ZU NEUEN UFERN Genuss

Wie Swimmingpool und Schwimmteich

MIT 1001 AROMEN

Gärten zu Erlebnissen machen

Der Foodtrend Levante-Küche erobert

europäische Gourmet-Herzen

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Wie Swimmingpool und Schwimmteich

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EDITORIAL

LIEBE LESERINNEN UND LESER,

„Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich

gewesen“, hat Goethe einmal gesagt. Und es

stimmt: Wer seine Wanderschuhe schnürt, allein das

mitnimmt, was er wirklich braucht, wer sich Wind,

Sonne und Regen aussetzt – der kommt an im Hier

und Jetzt. Der entdeckt Schritt für Schritt nicht

nur stille Täler, sonnige Almen und schroffe Gipfel,

sondern auch etwas Tieferes. Eine Ruhe, wie wir sie

in der Hektik des Alltags kaum mehr spüren.

Begleiten Sie uns auf eine Reise durch die Alpen.

Lernen Sie Menschen kennen, die Traditionen

pflegen. Selber käsen oder Schnaps brennen, Holz

bearbeiten, das Alte bewahren. Lassen Sie die

Dörfer im Tal hinter sich, um hinaufzusteigen zum

Gipfelkreuz. Und kehren Sie mit uns ein in urige

Gasthäuser, wo man regionale Spezialitäten serviert.

Überraschend einfach, einfach lecker.

Wenn Sie jetzt Lust auf richtig gutes Essen haben, greifen Sie zu bei

sonnengereiftem Gemüse. Gurken, Zucchini – oder wunderbar pralle Tomaten.

Die Tomate, dieses rundum gesunde Gewächs, stellen wir Ihnen genauer vor.

Sie passt übrigens perfekt in die Levante-Küche: Ursprünglich aus Israel, Syrien

und dem Libanon stammend, erobert sie gerade die Herzen und Gaumen

der Europäer. Typisch sind die vielen kleinen Gerichte, Mezze genannt; ideale

Begleiter zu Gegrilltem und einem Sundowner auf Terrasse oder Balkon.

Einfach mal experimentieren, das ist das Motto der Levante-Küche. Und wo ließe

sich das besser umsetzen als in Ihrer klug durchdachten und gekonnt geplanten

Küche? Jede Menge Inspirationen liefert unsere Kundenküche.

Wenn Sie einen ganz eigenen Küchentraum hegen, sprechen Sie mit uns. Wir

stehen Ihnen gerne mit zeitgemäßen Lösungen und jeder Menge Küchen-Knowhow

zur Seite.

Viel Spaß beim Lesen!

Ihr DolceVita-Team

Dross & Schaffer Marketing GmbH

Würmstraße 13a • 82166 Gräfelfing • Telefon 089 / 898 784 0

www.dross-schaffer-partner.com • info@dross-schaffer-partner.com


INHALT

EDITORIAL

Willkommen im Sommer 1

REISEN

Gipfel der Genüsse 3

Wohlfühl-Orte & kulinarische Spezialitäten der Alpen

GEWINNSPIEL

Luxuriöses Bergvergnügen 10

Zwei Übernachtungen für zwei im

Die Levante-Küche S. 24

Almdorf Flachau zu gewinnen

KÜCHE

Mit Herzblut fürs Detail 12

Eine Kundenküche als Liebeserklärung

an den Individualismus

Küchen für Vordenker 16

Mehr Nachhaltigkeit, mehr Zukunft:

Eco-Design im Trend

Besteck-Geschichte S. 26

© www.mono.de

KOCHEN & GENIESSEN

Sonnenkinder aus dem Garten 20

Die Tomate wird als echtes Genussmittel

wiederentdeckt

1001 leckere Nacht 24

Die Levante-Küche erobert Herzen und Gaumen

im Sturm

Impressum:

Herausgeber:

Dross & Schaffer Marketing GmbH

Würmstraße 13a, 82166 Gräfelfing

Telefon: 089/89 87 84 0

www.dolce-vita-magazin.de

Redaktion & Produktion: IDENTITYPOOLNEUMANN

Lerchenweg 3, 85764 Oberschleißheim

Telefon: 089/315 36 25

E-Mail: info@ipn00.de, www.ipn00.de

Chefredaktion:

Thomas Neumann

Redaktion/Text: Anette Hrubesch, Ruth Wiebusch

Lektorat:

Corinna Volkmer

Grafik/Layout:

Julia Maier

Fotografie:

Hermann Reichenwallner, Thomas Neumann

Titelbild:

Georgios Tsichlis / shutterstock.com

Druck:

RMO Druck GmbH, 80939 München

TISCHKULTUR

Tischlein, Besteck dich! 26

Wenn Messer, Löffel und Gabel zu Design-Ikonen werden

WOHNEN

Bademeisterstücke 36

Eingetaucht in die Welt der puristischen Gartenpools

und modernen Naturschwimmteiche

KOLUMNE

Zu guter Letzt 42

Die Kolumne von Luigi Cucina

2

DolceVita 1/2018


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IHRE KÜCHE. NUR FÜR SIE.


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SELEKTION D

MANCHMAL IST DAS

LEBEN DOCH EIN

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Wenn es um Ihre neue Küche geht,

sollten nicht nur die Gedanken frei sein,

sondern auch die Möglichkeiten. So wie

kein Leben dem anderen gleicht, so kann

auch Ihre Küche wie keine zweite sein.

Dieser ebenso einfachen wie komplexen

Erkenntnis geben wir mit SelektionD D

eine exklusive Bühne.

Erleben Sie den süßen Luxus, nicht nur

aus dem Vollen zu schöpfen, sondern

auch aus dem Besten. Es sind Ihre ganz

persönlichen Ansprüche nach denen wir

uns ausrichten: Ästhetik und Design, Form

und Funktion, Leben und Genießen. Dafür

filtern wir aus den Angeboten aller namhaften

Hersteller jeweils die Komponenten

heraus, die am besten zu Ihnen passen.

Diese Markenunabhängigkeit garantiert garan-

Ihnen tiert Ihnen ein erstklassiges ein erstklassiges Preis-Leis-

Leistungs-Verhältnis auf höchstem auf höchstem

Qualitätsniveau.

Charakterstarke Küchenunikate behalten

nicht nur den Blick für das große Ganze,

sondern beeindrucken bis ins kleinste

Detail. SelektionD D Küchen sind keine

Solokünstler. Für das harmonische Zusammenspiel

im Raum komponieren wir

sämtliche Gewerke – Boden, Wandverkleidung,

Lichtplanung und natürlich individuelle

Möbelstücke, die das besondere Flair

Ihrer neuen Küche in die angrenzenden

Wohnbereiche hinein verlängern.

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WÜNSCHEN

VERSTEHEN

SELEKTIEREN

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Am Anfang stehen alle

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von Budget bis Grundriss.

Alles dreht sich um

Ihre Ansprüche, Ihre

Vorstellungen und

Ideen. Damit Ihre Küche

später ohne Wenn

und Aber in in Ihr Leben

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Wir hören solange zu

und stellen so viele

Fragen, bis wir die für

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wirklich vor Augen

haben.

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Anspruch am besten

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REISEN

Gipfel der Genüsse

Den Alltag zurücklassen – wo ginge das besser als in den Alpen?

Hier scheint es sie noch zu geben, die Stille, die Idylle,

den Einklang von Mensch und Natur. DolceVita hat sich auf

die Suche begeben nach „Bergeinsamkeit“ und ganz

besonderen Genuss-Orten.

© Bizi88 / shutterstock.com

DolceVita 1/2018

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REISEN

© Mostovyi Sergii Igorevich / shutterstock.com

Der

Alpenraum ist ein Wintersport- und Wander-Eldorado,

so viel ist klar. Doch er ist weit mehr. Ein großer, acht

Länder umfassender Genussraum: Von Slowenien über Österreich,

Deutschland, Liechtenstein, die Schweiz, Italien

und Monaco bis Frankreich wird hier geerntet, gekocht, gut

gegessen und getrunken. Die besondere Pflanzenwelt, die

Tiere, die hier leben, das Gestein der Berge, die Böden, das

frische Quellwasser und das raue Klima, all das prägt den

ganz eigenen Geschmack der Alpen.

Aus diesem reichen Fundus haben kreative Köpfe über

Jahrhunderte hinweg besondere Zubereitungsarten und

Veredelungsverfahren entwickelt – sei es das Brotbacken,

die Käse- und Speckherstellung oder das Schnapsbrennen.

Bis heute gibt es im Alpenraum Menschen, die an solch alten

Traditionen festhalten. Und am puren Geschmack. Für

sie zählt nicht Quantität, sondern Qualität. Sie setzen auf

Echtheit und Reinheit der Produkte, die sie mit viel Herzblut

selbst herstellen, verarbeiten und genießen.

© Karl Allgaeuer / shutterstock.com

Und damit sind sie nicht allein! In den vergangenen Jahren

hat sich eine ganz neue Wertschätzung für traditionelle

Produkte und althergebrachtes Wissen rund um Nahrungsmittel

entwickelt. Immer mehr Menschen haben wieder

Sehnsucht nach dem Ursprünglichen, Reinen, nach dem

echten und auch exklusiven Genuss.

Genuss braucht Muße

Der Alpenraum ist aber nicht nur reich an kulinarischen Genüssen,

sondern Genuss für alle Sinne: Die Augen kommen

zur Ruhe bei so viel Grün, beim Anblick weiter Täler, dunkel

bewaldeter Hänge, sonnengefluteter Almen. Der Hörsinn

kommt zur Ruhe beim Plätschern eines Baches oder dem

Gesang eines Vogels. In den Bergen geht es einfach eine

Nummer gelassener zu. Statt von A nach B zu hetzen, ist

hier Zeit, den Takt der eigenen Schritte wiederzuentdecken.

Oder einfach eine Stunde in der Sonne zu sitzen,

oben am Gipfel, und den Blick schweifen zu lassen. „Der

Geist wächst mit der Weite des Augenblicks“, wusste schon

Goethe. Wo der Augenblick weit wird, da ist Raum fürs Genießen.

© Angelo Ferraris / shutterstock.com

Auf der Suche nach ganz besonderen Genüssen – für Augen,

Gaumen und Seele – hat sich DolceVita nach Tirol aufgemacht.

Ob im legendären Kitzbühel, in Galtür, im Ötztal,

auf der Seiser Alm oder mitten in den Dolomiten: Hier gibt

es sie noch, die Almen mit bäuerlichen Hütten, die zünftigen

Wirtsstuben mit Tiroler Spezialitäten und einen Reichtum

an alten Bräuchen, die vielerorts bis heute gepflegt

werden.

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DolceVita 1/2018


REISEN

WANDERN ERDET

Das Wahrzeichen Südtirols, die Drei Zinnen, sind unbedingt

einen Besuch wert. Wie drei Zähne ragen sie in den Himmel.

Ihre Umrundung ist eine beeindruckende, gut markierte

Tour, die bei der Drei-Zinnen-Hütte startet und hier auch

wieder endet. Gerade einmal 400 Meter Höhenunterschied

sind in rund vier Stunden Gehzeit zu überwinden. Atemberaubende

Ausblicke auf die Sextner Bergwelt garantiert.

Ein weiteres Südtiroler Highlight ist Europas größte Hochalm,

die Seiser Alm. Hier eröffnet sich ein imposanter Blick

auf die Dolomitengipfel Lang- und Plattkofel, Schlern und

Rosengarten. Von den weiten Ebenen aus lassen sich richtige

Hochgebirgswanderungen starten, beispielsweise über

die Schlernhäuser.

© unknown1861 / shutterstock.com

Die Würze der Milch: Bergkäse

Ganz sachte zeichnen sich am Horizont erste Bergwipfel

ab. Der Himmel erwacht in Grau und Zartrosa. Die Wiese ist

noch feucht vom Morgentau, die Luft unglaublich klar und

rein. Wer jetzt lieber im Bett liegt, ist sicherlich nicht gemacht

für die Arbeit hier oben. Denn der Tag auf der Alm beginnt um

4.30 Uhr. Melken, die Milch zu Käse, Butter und Topfen verarbeiten,

das Weidegebiet abgehen, Zäune reparieren, nachmittags

die Wanderer bewirten – all das gehört auf Tirols

Sommeralmen zum Alltag.

Neben vielen anstrengenden Momenten bietet dieses einfache

Leben auch Augenblicke puren Glücks: wie den langsam

aufziehenden Morgen, die Sonne, die über die Gipfel spitzt,

die erwachende Kraft der Berge. Hier kann man mit eigener

Hand-Arbeit noch etwas erschaffen, so, wie zahlreiche Generationen

zuvor. Die Almwirtschaft ist ein sehr traditionelles

Gewerbe, das schon über Jahrhunderte gepflegt wird.

Alles beginnt mit dem Almauftrieb im Mai oder Juni. Dann

machen sich die Hirten und Sennerinnen mit den Tieren auf

den Weg ins Gebirge. In Tirol halten viele Bauern die alte

Rasse des Tiroler Grauviehs. Leicht zu erkennen sind die robusten

und genügsamen Tiere an ihrem grau schimmernden

Fell.

Auch Hüttenwirt Jakob Prantl hält Tiroler Grauvieh auf seiner

Alm, der Gampe Thaya. Zweimal täglich geht es ans

Melken. Die Milch der Kühe ist besonders cremig, vollmundig

und mit einer würzigen Note. Das liegt nicht allein am

hohen Fettgehalt. Es sind vor allem die rund 70 Kräuter, die

auf den sonnigen Almwiesen wachsen. Sie verleihen Milch,

Käse und Butter, aber auch dem Fleisch einen hervorragenden

Geschmack. Jakob Prantl stellt aus dieser Milch in sei-

© Frank Fischbach / shutterstock.com

© Werner Spiess / shutterstock.com

DolceVita 1/2018

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REISEN

© gampe thaya / www.wanderdoerfer.at

© O.C Ritz / shutterstock.com

© footage / shutterstock.com

nem mobilen Käsewagen gleich vor Ort Käse her. Eine besondere

Spezialität für Wanderer und Gäste.

Sie möchten selbst einmal Käse auf der Gampe Thaya verkosten?

Dann steigen Sie vom Zentrum Sölden über den

Panoramaweg in eineinhalb Stunden hinauf. Wer viel Gepäck

hat: Von der Mautstelle der Gletscherstraße ist es nur

ein 15-minütiger Fußweg.

Wenn Sie wahre Bergeinsamkeit suchen, sind Sie in der

kleinen „(nat)UrHütta“ mitten in den Ötztaler Alpen goldrichtig:

Eine urige Hütte, die mit viel Liebe zum Detail zu

einer gemütlichen, modernen Unterkunft umgebaut wurde.

Hier sind Sie die einzigen Gäste!

www.gampethaya.riml.com/huette/romantik-almurlaubtirol.html

GUT GEREIFT

Um aus Milch Käse herzustellen, wird die Frischmilch in einem

Kupferkessel erwärmt. Unter Zugabe von Lab dickt sie

ein und kann mit der sogenannten Käseharfe geschnitten

werden. Nochmals erwärmt, heißt es rühren, rühren, rühren,

bis sich der „Käsebruch“ von der Molke absetzt. Er wird

mit einem Tuch herausgehoben, in Formen gefüllt und gepresst.

Nach einer Runde im Salzbad dürfen die Käse dann

im Naturkeller reifen. Hier werden sie gehegt und gepflegt

und immer wieder mit Salzwasser geschmiert. Fünf bis

sechs Monate geht das so, bis der Bergkäse sein volles Aroma

entfaltet hat.

Anfang September geht die Almzeit zu Ende. Unter großem

Schellengeläut wird das Vieh zurück ins Tal getrieben.

Wenn der Sommer unfallfrei war, bekommt das schönste

Tier einen blumengeschmückten Kranz umgelegt. Auf dem

Schaidplatz im Dorf werden die Kühe „geschieden“, also

dem Besitzer zurückgegeben. Ein Abschied auf Zeit, bis

zum nächsten Sommer.

Reise-Tipp:

Almabtrieb: Am 09. September lockt Zwieselstein in Tirol

wieder mit einem farbenprächtigen Spektakel: Festlich geschmückt

mit bunten Blumen und Glocken ziehen Kühe,

geführt von den Hirten, von den Almen ins Tal. Wunderschönes

bäuerliches Brauchtum!

Gourmet-Tipp:

Die Gampe Thaya ist ausgezeichnete „Genuss Hütte“. Hier

kommen Lebensmittel der Genuss-Region Österreich auf

den Tisch, wie Steirisches Kürbiskernöl oder Tiroler Grauvieh.

Unbedingt probieren: Tiroler Gröstl mit heimischem

Rindfleisch oder Kasspatzln, reichlich mit hauseigenem

Gampe-Kaas bedeckt.

www.gampethaya.riml.com

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DolceVita 1/2018


REISEN

Die Süße der Blüte: Alpenrosenhonig

Das Auge ist wie berauscht. Berghänge voll saftig-samtigem

Pink, als hätte ein Maler den Farbtopf mit großem

Schwung ausgegossen. Und dann summt und brummt es

überall, Bienen funkeln in der Sonne. Ende Juni sind im Tiroler

Hochgebirge ganze Bergflanken in Alpenrosen-Blüte

versunken. Ein Festmahl für die Bienenvölker, die einige

Imker heraufgeschafft haben. Die fleißigen Helferlein sollen

eine ganz besondere Delikatesse produzieren, den feinen

und exklusiven Tiroler Alpenrosenhonig. Sehr hell in der

Farbe, zeichnet er sich durch seinen blumig-milden Geschmack

aus.

Etwa vier Wochen haben die Bienen Zeit, um Pollen und

Nektar der Alpenrose zu sammeln. Bis zu 50.000 Arbeitsbienen

gehören zu einem Volk, das an warmen Tagen mehrere

Kilo Blütennektar einfliegt. Ganz schön fleißig, wenn

man bedenkt, dass für ein Kilo Honig bis zu zehn Millionen

Blüten besucht werden müssen! Wenn das Wetter mitspielt

– hier oben kann es auch im Juni schneien –, steigen die

Imker Ende Juli samt Bienen zufrieden ins Tal zurück.

Reise-Tipp:

Hautnah erleben können Sie die Alpenrosenblüte zwischen

Ende Juni und Ende Juli. Der Weg EW5 von Putzen oberhalb

von Sarnthein führt hinauf zu den Steinernen Mandln

und direkt vorbei an riesigen Alpenrosenfeldern.

Gourmet-Tipp:

Wer in Tirol ist, sollte unbedingt in einem der Hofläden vorbeischauen,

die Alpenrosenhonig anbieten. Wie der von

Familie Farthofer in Schwaz. Hier kommen nicht nur Gourmets

vorbei, sondern auch alle, die sich für das alte Handwerk

der Imkerei interessieren.

www.tirolerhonig.cc

Die Kraft der Wurzel: Enzianschnaps

Unterhalb des Gletschers, auf leicht sandigem Boden, sind

zwei Gestalten mit Spitzhacken unterwegs. Anfang Oktober

ist es bereits richtig kalt, erster Schnee verharscht den

Boden. Man rutscht hier leicht im unebenen Gelände. Die

beiden Unerschrockenen bücken sich, haben etwas entdeckt,

beginnen zu graben – und heben, heureka!, eine lange

Wurzel in die Höhe. Enzian.

Seit den 1960er–Jahren steht der Enzian, das Wahrzeichen

der Alpen, unter strengem Schutz. Er darf weder gepflückt

noch ausgegraben werden. Doch in Galtür wird Enzian seit

dem 16. Jahrhundert gestochen und zu Schnaps verarbeitet.

Diese alte Tradition wollten sich die Galtürer nicht nehmen

lassen. Der Kompromiss: Heute dürfen sich jedes Jahr

13 Stecher aufmachen und je 100 Kilogramm Enzianwurzeln

stechen. Daraus lassen sich sechs bis sieben Liter Schnaps

brennen. Nicht gerade viel, weshalb der Galtürer „Enzner“

eine seltene Kostbarkeit ist. Die Galtürer bieten ihren „Schatz“

© Andrew Mayovskyy / shutterstock.com

© footageclips / shutterstock.com © Eugenia Lucasenco / shutterstock.com

Wie kommt

der Honig ins Glas?

Ist die Vorarbeit der Bienen geleistet

und sind die Waben gefüllt, werden sie

geschleudert. Dieser reine, unverfälschte

Honig erhält keinerlei weitere Zusätze. Nach

dem Klären und Rühren kann er abgefüllt

werden und schmeckt – ganz nach

Belieben – auf einem Stück Brot, im Tee

oder als dicke Kruste auf

Schweinsbraten.

DolceVita 1/2018

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REISEN

Krebskaviar mit Flusskrebsen

auf Ziegenfrischkäse und Lardo,

Haferwurz und Zuckerschote

ZUTATEN FÜR 6 PERSONEN

1 Haferwurz

(fast vergessenes Gemüse, der Schwarzwurzel ähnlich)

Salz, Pfeffer

24 Flusskrebse

1 Schalotte, feingehackt

etwas Olivenöl

80 g junge Zuckerschoten

etwas Absinth

1/8 l Gemüsefond

etwas Zitronensaft

100 g Ziegenfrischkäse

30 g Krebskaviar

10 g Lardo, in hauchdünne Scheiben geschnitten

ZUBEREITUNG

Den Haferwurz schälen, in 4 dünne Scheiben schneiden und in

Salzwasser blanchieren. Die Flusskrebse kurz in kochendes

Wasser geben. Dann in Eiswasser abschrecken, Scheren und

Schwänze ausbrechen und vom Darm befreien. Die Schalotte in

Olivenöl anschwitzen, die Zuckerschoten kurz mitschwitzen.

Mit einem Schuss Absinth ablöschen und mit dem Gemüsefond

auffüllen. Das Ganze mixen und durch ein Sieb streichen. Mit

Salz und Pfeffer abschmecken. Die Flusskrebse kurz in Olivenöl

anschwitzen und mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft würzen.

Den Ziegenfrischkäse glattrühren und zusammen mit den

Haferwurzscheiben, dem Krebskaviar, den Krebsen, dem Lardo

und dem Zuckerschotenmousse anrichten.

Käsepressknödel

mit zerlassener Butter und

Speckkrautsalat

ZUTATEN FÜR 6 PERSONEN

500 g frisches Knödelbrot

(oder getrocknetes und in kleine Würfel

geschnittenes Toastbrot)

4 Eier

150 g Graukäse

3 EL Petersilie, gehackt

ca. 1/8 l Milch (je nachdem, wie hart das Brot ist)

Salz, Pfeffer

Öl zum Anbraten

4 EL Butter

4 EL kräftiger Bergkäse, frisch gerieben

Für den Speckkrautsalat:

1 Weißkohlkopf, mittlere Größe

6 EL Essig

4 EL Öl

Salz

100 g Speckreste

ZUBEREITUNG

Das Knödelbrot mit den Eiern, dem Graukäse und der

Petersilie in eine Schüssel geben. Nun langsam die Milch

einarbeiten, bis eine feuchte, gebundene Masse entsteht.

Salzen und pfeffern. Den Knödelteig ca. 10 Minuten

ziehen lassen. Nun runde Knödel formen und diese plattdrücken.

Dabei achtgeben, dass sich an den Rändern keine Risse

bilden. Die rohen Knödel in einer beschichteten Pfanne

beidseitig in Öl anbraten und anschließend in kochendem

Wasser für ca. 10 Minuten kochen. Für den Speckkrautsalat den

Weißkohl in feine Streifen schneiden und mit Essig, Öl und Salz

verfeinern. Den Speck würfeln und in einer Pfanne anbraten.

Über den Krautsalat geben. Zum Servieren die Käsepressknödel

mit Butter und Bergkäse abschmelzen und mit

dem Krautsalat anrichten.

© Roberto Sorin / shutterstock.com

8

DolceVita 1/2018


REISEN

auch nur bei ganz besonderen Gelegenheiten als Zeichen

aufrichtiger Verbundenheit an.

Gourmet-Tipp:

Der echte Galtürer „Enzner“ kommt so gut wie nie in den

Verkauf. Seine erdige Note und der intensiv-bittere Charakter

sind auch nicht jedermanns Sache. Doch Tirol hat so viel

mehr an feinen Schnäpsen und Bränden zu bieten! Bester

Beweis: die Tiroler Schnapsroute, auf der beim Verkosten

bestimmt jeder seinen Lieblingsbrand findet.

www.tirol.at/reisefuehrer/kultur-leben/kulinarik/schnapsroute

Klar

eingeschenkt:

Zum Schnapsbrennen werden

die Wurzelstöcke klein gehackt und

zusammen mit Reinzuchthefe und frischem

Bergwasser zur Maische gerührt.

100 Kilogramm Wurzeln ergeben etwa

200 Liter Maische, aus der sich in 2

Brennvorgängen rund 7 Liter

Enzianschnaps gewinnen

lassen.

© Ulrike Jordan / shutterstock.com

Nicht jeder Enzian blüht blau: Fast alle Enzian-Abbildungen, auch auf Schnapsflaschen,

zeigen den leuchtend blau blühenden Enzian (Gentiana clusii). Enzianschnaps

enthält allerdings weder Blüten noch Wurzeln des blauen Enzians.

Meist sind es Bitterstoffe aus den Wurzeln des Gelben Enzians (Gentiana lutea).

In Galtür kommt der gelbe Tüpfel-Enzian (Gentiana punctata) zum Einsatz. Er

wächst nur im kristallinen Hochgebirge.

© East Japan Railway

BUCHTIPP

Haben Sie schon mal Buchweizenhonig aus der Steiermark probiert? Molkenkaramell

aus dem Bregenzerwald genascht oder von Süßwassersardinen aus dem

Comer See gekostet? Oder wie wäre es mit Geschmorter Brust vom Werdenfelser

Rind, dazu Bärenklau-Knödel? Und im Anschluss Halbgefrorenes von der Fichte?

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Das kulinarische Erbe der Alpen

Das Kochbuch

Dominik Flammer, Sylvan Müller

268 Seiten, gebundene Ausgabe

Format: 24,3 x 3,3 x 31,9 cm

AT Verlag, 2013

ISBN-13: 978-3038007463

Preis: 59,90 €

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mehr im Weg – für schnelles Naschen, wenn es einfach mal

wieder zum Anbeißen duftet.

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DolceVita 1/2018

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9


GEWINNSPIEL

LUXURIÖSES BERGVERGNÜGEN

GEWINNEN

Wir verlosen zwei Übernachtungen für zwei

im Almdorf Flachau!

Mitten im Berg- und Wanderparadies Salzburger Land liegen

die Chalets des Almdorfs Flachau. Mit herrlichem Ausblick

auf die umliegende Bergwelt mit dem Dachstein und

auf den Ort Flachau schmiegt sich gleich daneben die „Promi

Alm“ an den Hang. Der Name leitet sich vom Spitznamen

des Gastgebers Peter Promegger ab, der seit seiner

Jugend von Freunden „Promi“ genannt wird.

Neben den fünf gemütlichen Chalets, die an Almhütten erinnern,

bietet die „Promi Alm“ Komfort auf Top-Niveau: Von

der hauseigenen Tiefgarage geht es mit dem Aufzug direkt

zum Chalet. Hier erwartet den Gast eine geschmackvolle

Mischung aus alpiner Gemütlichkeit und luxuriöser Ausstattung.

Edle Stoffe, Metall und Leder sind perfekt auf das

warme Altholz abgestimmt. Jede Menge liebevolle Details

wie die Altholzschindeldecken sorgen für ein ganz besonderes

Flair. Der offene Kamin und einige Kuschelecken machen

die Chalet-Romantik perfekt.

Zwei Erholungssuchende können es sich hier auf 90 Quadratmetern

rundum gut gehen lassen. Dafür stehen zwei

Schlafzimmer mit eigenem Bad samt Badewanne, Dusche

Fotos: Almdorf Flachau

10 DolceVita 1/2018


GEWINNSPIEL

und WC zur Verfügung. Neben den Schlafzimmern im Erdgeschoss

liegt der komfortable Wellnessbereich mit Almsauna,

Erlebnisdusche und Wellnessliege.

Im Obergeschoss wartet eine perfekt ausgestattete Küche

im Altholzstil mit Essbereich, Sitzecke und Divan vor dem

zweiten offenen Kamin. Rihanna zu einem Glas Wein oder

Bach zum Abendessen? Kein Problem mit dem SONOS-

Musiksystem. Über das eigene Smartphone lässt sich der

Lieblingssong ganz einfach abspielen. Wer lieber draußen

sitzt und die Berge in der Abendsonne genießt: Jedes Chalet

hat seinen eigenen Balkon.

Vor den Chalets gibt es kleine Sonnenterrassen mit Grillplatz

und Weber-Kugelgrill. Treffpunkt am Abend ist die

urige Hüttenbar im Zentrum der „Promi Alm“. Der perfekte

Ort, um einen entspannten Tag entspannt ausklingen zu

lassen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit frischen Brötchen

vom Bäcker aus Flachau, die direkt zum Chalet geliefert

werden, geht es gestärkt auf einen der vielen Wander- und

Mountainbike-Wege. Sie führen direkt an der „Promi Alm“

vorbei. Rafting- und Canyoning-Fans kommen in der näheren

Umgebung voll auf ihre Kosten, genauso wie Wassernixen

an einem der beiden Badeseen. Das Ortszentrum

Flachau mit seinen Restaurants, Bars und Einkaufsmöglichkeiten

liegt nur wenige Gehminuten entfernt.

Die „Promi Alm“ im Almdorf Flachau ist der ideale Ort für

alle, die das Besondere lieben – hier lässt es sich luxuriös

und ungestört urlauben. Gewinnen Sie mit etwas Glück

zwei Nächte für zwei Personen!

SO KÖNNEN SIE GEWINNEN

Für Ihre Gewinn-Chance schicken Sie uns einfach eine

E-Mail mit Ihrer vollständigen Adresse und dem Stichwort

„Promi Alm“ an: gewinnen@dolcevitashop.com.

Oder senden Sie uns ein Fax an DolceVita-Leserservice,

Fax: +49 (0)89-89 87 84 40.

Einsendeschluss ist der 31.08.2018

Die Teilnahme auf dem Postweg (z. B. Postkarte oder Brief) ist ausdrücklich

ausgeschlossen. Es ist pro Teilnehmer nur eine Teilnahme

möglich. Eine mehrfache Teilnahme am Gewinnspiel hat einen Spielausschluss

zur Folge. Ausgeschlossen sind auch Nutzer sogenannter

Gewinnspiel-Eintragsservices. Automatisch eingetragene E-Mail-Adressen

werden vom Gewinnspiel ausgeschlossen. Der Rechtsweg ist

ausgeschlossen.

Almdorf Flachau & Promi Alm

Luxus-Chalets GmbH

Grießenkarweg 359 • A-5542 Flachau

Telefon: +43 (0)6457/32489

info@almdorf-flachau.at

www.almdorf-flachau.at

DolceVita 1/2018

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KÜCHE

MIT HERZBLUT FÜRS DETAIL

Altes trifft Neues, Funktionales wirkt gemütlich,

Schwarz und Weiß gesellt sich gern.

Diese Küche vereint Gegensätze ganz wunderbar.

Eine Liebeserklärung an den

Individualismus.

12 DolceVita 1/2018


KÜCHE

© Beyond Time / shutterstock.com

DolceVita 1/2018

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KÜCHE

Oben: Auch Kater Leo genießt die offene, helle Wohnlandschaft. Koch- und Essbereich

gehen direkt ins Wohnzimmer über. Hier lockt die gemütliche Couch.

Links: Einladendes Design – der Esstisch ist der ideale Ort zum Beisammensitzen,

Feiern und Genießen.

Ein Raum zum Kochen und Genießen, aber auch zum Lachen,

Reden, Beisammensein – das ist die Küche von Gina

und Bernd Hendges. Hier trifft sich das Paar, zu zweit nach

der Arbeit oder am Wochenende mit Freunden. Dann kredenzen

sie ausgesuchte Weine aus Deutschland, Österreich

und Italien. Und raffinierte Gerichte. Köchin Gina Hendges

ist dabei durchaus experimentierfreudig: „Ich probiere gern

Neues aus. Richtige ‚Stammgerichte‘ haben wir nicht, bei

uns gibt es kaum etwas zweimal.“ Ihre Kreativität kommt

nicht von ungefähr: Sie arbeitet in einer Werbeagentur.

2015 haben die beiden geheiratet und gemeinsam mit Kater

Leo die Parterre-Neubauwohnung bezogen. Bei der Planung

der Küche holten sie sich Unterstützung von einem

Küchenstudio. „Wir wollten etwas Besonderes, Individuelles,

jenseits der typisch weißen Einheitsküche. Einen Ort, den

wir auch in zehn Jahren noch gerne anschauen“, so Gina

Hendges.

Altholz trifft Wasserbüffel

„Grundstein“ war und ist der Esstisch, den die beiden in die

neue Wohnung mitgebracht haben. Fünf Holzbretter einer

alten Scheune scheinen zwischen zwei Metallspangen geradezu

zu schweben. Ganz ohne Nägel, Leim oder Schrauben.

Ein besonderes Stück ihres Freundes Christian Seisenberger

by Janua. Drum herum ist ein Design-Highlight gruppiert:

sechs Stühle, lässig in der Gestalt, dabei wunderbar

weich und anschmiegsam aus Wasserbüffel-Leder; ein großer

(Ent-)Wurf von Label Vandenberg.

Der 2,80 Meter lange Esstisch hat seinen prominenten Platz

schnell gefunden und bildet nun den Übergang zwischen

Koch- und Wohnbereich. Er steht quasi für das Konzept der

gesamten Einrichtung: urbane Gemütlichkeit, individuell

interpretiert, praktisch und alltagstauglich umgesetzt.

SAFRAN:

Tafelfreuden

Macht den Kuchen gehl – und

schwindelig

Bei der Form- und Farbgestaltung haben beide darauf geachtet,

Gegensätze in Harmonie zu bringen: Die schwarze Tafel

im Hintergrund mit individueller Beschriftung gibt dem

sonst weißen und lichten Raum einen starken Rahmen.

Dass Safran das teuerste Gewürz der Welt ist, ist hinlänglich

Schlichte Oberflächen aus Holz, Beton und Keramik wechseln

sich ab mit Dekorationsgegenständen und feinen, ver-

bekannt. Dass die filigranen Fäden dieser besonderen Krokus-Art

aber nicht nur wegen ihres hohen Preises schwindelerregend

sein können, ist für so manchen Hobbykoch

spielten „Schätzchen“, wie dem grünen Kronleuchter über

dem Esstisch.

doch eher neu. Auch wenn man Safran kaum in der bedenklichen

Quadratisch,

Menge

praktisch,

ab fünf Gramm

gut

unter einen Teller mischt: Die

toxischen Die eigentliche Eigenschaften Küche steht des kompakt „Kuchen-gehl-Machers“ auf nicht mehr als zu

kennen, zwölf Quadratmetern. kann sicher nicht Platzsparend schaden. In sind kleinen Backofen Mengen und genossen

Dampfgarer, ist Safran Hightech-Geräte zum Glück überaus von Gaggenau, gesund, das hinter Gewürz einer

ist raumhohen gut für Magen Holzverkleidung und Leber, senkt verschwunden. Blutdruck und Hier Cholesterinspiegel.

auch Vorräte und Geschirr ihren

haben

Platz.

14 DolceVita 1/2018


KÜCHE

Fotos: Hermann Reichenwallner

Ein besonderes Highlight, ebenfalls von Gaggenau, ist die

Vollflächen-Induktionskochplatte. Sie ist bündig eingelassen

in die kratz- und hitzebeständige Keramik-Arbeitsplatte

der Kücheninsel. Der Clou: Die gesamte Fläche des Induktionsfeldes

ist eine einzige Kochzone. Das Kochgeschirr

wird automatisch erkannt und dort erhitzt, wo es gerade

steht. „Sehr praktisch und eine große Arbeitserleichterung“,

so Gina Hendges. Die Dunstabzugshaube direkt über

dem Arbeitsbereich, von vier LED-Spots flankiert und an

der Decke befestigt, wirkt wie ein Designerstück.

Kommunikationsinsel

Weinkühlschrank, Stauraum für Töpfe, Tresen, Minibar, all

das ist der quadratische Küchenblock. Er trennt Koch- von

Essbereich und strukturiert so den Raum. Morgens ein

schneller Kaffee, abends Lieblingsplatz von Bernd Hendges,

der hier gern gemütlich sitzt, ein Glas Wein trinkt und

nach seinen langen Tag als Unternehmensberater mit seiner

Frau plauscht. Gina Hendges kocht derweilen und ist

ganz in ihrem Element: „Hinter den Töpfen ist mein Lieblingsplatz

in der Küche“, erklärt sie schmunzelnd. Im Sommer

werden die Rollen dann getauscht: „Bei gutem Wetter

nutzen wir häufig den Grill auf der Terrasse. Da lasse ich

aber Bernd ran.“ Die Küche wird dann zum schlichten Durchgangszimmer

– in den sonnigen Garten.

Die Backöfen sind hinter Holztüren verbaut und werden nur sichtbar, wenn Gina

Hendges kocht.

Plan eingelassen in die hitzebeständige, schnitt- und kratzfeste Keramikplatte ist

das clevere Induktionskochfeld.

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KÜCHE

KÜCHEN

FÜR

VORDENKER

Bio-Supermärkte, faire Jeans,

Öko-Strom:

Nachhaltiger Lifestyle erobert

unseren Alltag.

Auch bei Küchenmöbeln achten

immer mehr Hersteller

auf eine umweltfreundliche

Produktion.

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DolceVita 1/2018


KÜCHE

Um wertvolle Ressourcen wie Holz, Wasser oder Naturstein

für künftige Generationen zu bewahren, setzen sich peu à

peu neue Ideen durch: Regeneration statt Raubbau. Langlebigkeit

statt schneller Trends. Innovationen sind natürlich

immer noch wichtig, ob im technischen Bereich oder beim

Design. Doch nicht um jeden Preis.

Geiz ist längst nicht mehr geil, Qualität punktet. Niemand

möchte seine Spülmaschine nach drei Jahren austauschen

müssen – Wertbeständigkeit spielt daher für immer mehr

Küchenkäufer eine entscheidende Rolle. Und die Produktion

rückt zunehmend ins Blickfeld: Wird das Holz für meine

neuen Küchenmöbel aus Südostasien eingeschifft? Schaden

Chemikalien bei der Herstellung Böden, Gewässern

und dem Klima? Wie sieht die CO2-Bilanz des Herstellers

aus?

Rundum grün

Hier kommt nachhaltiges Design ins Spiel, auch Eco-Design

genannt. Damit ist die Umweltverträglichkeit von Küchenmöbeln

und Elektrogeräten gemeint. Es geht sowohl um

das verarbeitete Material als auch um den Herstellungsprozess.

Sparsamkeit ist dabei oberstes Gebot, egal ob bei

Energie- und Wasserverbrauch oder beim CO2-Ausstoß.

Immer mehr Möbelhersteller entdecken die Schönheit und

Robustheit heimischer Hölzer wie Ahorn, Buche oder Fichte,

am besten aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Für die

Oberflächenbehandlung kommen bei nachhaltigen Küchenmöbeln

Bio-Öle zum Einsatz, der verwendete Leim ist

formaldehydfrei. Lackiert wird mit Lacken auf Wasserbasis

oder mit Naturlacken.

Außen und innen hui

Das Design der nachhaltigen Küchen erfüllt mindestens

ebenso hohe Ansprüche: Klare Linien, hochwertige Komponenten,

ansprechende Optik und maximale Funktion überdauern

saisonale Trends. „Grüne“ Küchen machen viele Jahre

Freude und helfen so, langfristig Ressourcen zu sparen.

Klar, dass hier hochwertige Küchengeräte verbaut werden.

Dazu passt eine neue, ökologische Generation von Werkstoffen,

die in Küchen verbaut wird: „Greenline made of

BioBoard“ ist eine nachhaltige Alternative zu Spanplatten.

Statt Holz werden Mais und andere Einjahrespflanzen verwendet.

Das Gewicht konnte man dadurch um 30 Prozent

reduzieren, bei gleicher Stabilität und Verarbeitungsqualität.

Das spart zusätzlich Treibstoff beim Transport. Die

Platten sind vollständig recycelbar und PEFC-zertifiziert.

© Lamyai / shutterstock.com

Mittlerweile gibt es im Küchenbau nachhaltige Alternativen zu Spanplatten – bei „Greenline made of BioBoard“ kommt statt Holz unter anderem Mais zum Einsatz.

DolceVita 1/2018 17


KÜCHE

ACHT WEGE ZUR GRÜNEN KÜCHE

IN QUALITÄT INVESTIEREN

Hochwertige Küchenmöbel und Elektrogeräte halten meist

länger. Und sie kommen oft ohne gesundheitsschädliche

Chemikalien aus.

PLUS-PUNKTE SAMMELN

Wer bei Herd, Spülmaschine und Kühlschrank auf energieeffiziente

Geräte in der Klasse A+++ oder A++ achtet, spart

nicht nur Strom, sondern zugleich auch bares Geld. Bei Kühlund

Gefriergeräten sind das in der Effizienzklasse A+++ rund

50 Prozent im Vergleich zu einem A+-Gerät.

MIT WASSER KNAUSERN

Eco-Programme oder Energiesparprogramme verbrauchen

nachweislich pro Jahr bis zu 1.000 Liter weniger Wasser als

das Normalprogramm.

GÜNSTIG SCHMOREN LASSEN

Sparprogramme wie Heißluft Eco garantieren einen möglichst

geringen Energieverbrauch. Backöfen mit Sensortechnologie,

integriertem Bratenthermometer oder Backsensoren

achten auf Temperatur und Feuchtigkeit und

regeln die Energie auf den Punkt.

INDUKTION ENTDECKEN

Induktionskochfelder verbrauchen von allen Kochplatten

am wenigsten Strom. Interessant für alle, die oft kochen und

ohnehin einen neuen Herd brauchen.

WELL-EN SCHLAGEN

Das Wasser-Effizienz-Label WELL bewertet Armaturen

nach ihrem Wasser- und Energieverbrauch. Wer zusätzlich

einen Durchflussmengenbegrenzer oder Luftsprudler einbaut,

spart noch mehr Wasser.

AUF EINEN STREICH

Die ideale Kühlschranktemperatur liegt bei 7 Grad. Bei Kühlschränken

ohne Thermometer und Regelstufen einfach auf

Stufe 1 bzw. 2 stellen. Oder an der Butter orientieren: Sie

sollte streichfähig sein. Kühlschrank außerdem regelmäßig

abtauen – eine Eisschicht erhöht den Stromverbrauch.

LÄNGER LEUCHTEN

Bei der Arbeitsfeldbeleuchtung, aber auch bei Elektrogeräten

LEDs bevorzugen, da diese bis zu 85 Prozent weniger

Energie verbrauchen und fast 20 Mal länger „leben“ als

Glühbirnen.

Umweltbewusst leben und dabei nicht auf Qualität, Komfort und Design verzichten? Kein Problem mit Greenline-Küchen aus BioBoard.

18 DolceVita 1/2018


KÜCHE

KÜCHE MIT SIEBEN SIEGELN

Woran aber erkenne ich langlebige Qualität und umweltfreundliche

Herstellung? Wie kann ich sicher sein, dass

der neue Bodenbelag schadstofffrei ist? Auskunft geben

Öko-Siegel und -Label. Sie bewerten nachhaltige Fertigung,

Produktqualität und die Verträglichkeit für Mensch

und Umwelt. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Siegel im

Überblick vor:

Das Umweltzeichen Der Blaue Engel bewertet, ob Holzmöbel

bei Herstellung, Nutzung und Entsorgung Umweltbelastungen

verursachen. Emissionsarmes Holz

wird ebenso berücksichtigt wie nachhaltige Forstwirtschaft.

Von der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel (DGM)

wird das Goldene M vergeben. Dahinter stecken unabhängige

Tests rund um Langlebigkeit, Gesundheitsverträglichkeit

und Schadstoffgehalt.

Das DGM-Klimalabel unterstützt das 1,5-Grad-Ziel der

UN. Grundlage zur Bewertung ist die CO2-Bilanz eines

Unternehmens, der „Carbon Footprint“. Er setzt sich zusammen

aus direkten und indirekten Treibhausgasemissionen

wie Wasserverbrauch oder Treibstoffe für LKW.

Klassifiziert von A bis D gibt das DGM-Emissionslabel Informationen

zur Schadstoffemission in Möbeln. So hilft es,

vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu schützen.

Der TÜV Rheinland vergibt nicht nur das GS-Zeichen für

Produkte, die die Qualitäts- und Sicherheitsstandards

des deutschen Produktsicherheitsgesetzes erfüllen; von

ihm kommt auch das Label LGA schadstoffgeprüft. Alle

Emissionen müssen den gesetzlichen Werten entsprechen.

Nachhaltig erwirtschaftetes Holz erkennt man am PEFC-

Zertifikat. Der „Wald-TÜV“ achtet auf Wiederaufforstung,

schonenden Umgang mit Pflanzen- und Tierwelt

sowie die Rechte der Arbeiter.

Die Sicherheit, dass Holz für Küchenmöbel nicht aus

Raubbau stammt, gibt das FSC-Siegel.

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Sonnenkinder aus dem

Garten

Der arktische Winterkabeljau Skrei gehört zu den edelsten

Saisonfischen der Welt. DolceVita hat für Sie den kulinarischen Alleskönner

aus dem Nordmeer nicht mehr vom Haken gelassen.

Sie sind rot, gelb, grün, violett oder schwarz.

Sie sind saftig, fruchtig, süß. Sie sind Sommer ohne Wenn und Aber

und aus der Küche nicht wegzudenken. Sie sind: Die Tomaten.

20 DolceVita 1/2018


KOCHEN & GENIESSEN

Zugegeben, der Sommer lässt sich auf tausendundeine Art

genießen, mindestens. Vorne mit dabei sind immer auch die

kulinarischen Verheißungen, diese verlockenden Insignien

der Sonnenzeit vom ersten Erdbeereis bis zum neuesten

Grillgenuss.

Und dann gibt es noch die Tomate. Auch wenn sie längst

das ganze Jahr über im Supermarkt zu haben ist, seinen

großen Auftritt hat das meistgekaufte Gemüse in Deutschland

von Juli bis Oktober. Sonnensatt und frisch geerntet

möglichst direkt auf den Tisch – mit ihrem individuellen

Spiel von Süße und Säure läuft sie sogar pur genossen den

raffiniertesten Salatkompositionen locker den Rang ab.

„Diese Aromen“, schwärmt denn auch Andreas Modery,

Garten- und Genussexperte, Autor verschiedener Gartenbücher

und Journalist. „Eine sonnenverwöhnte, knackige

Tomate ist einfach sensationell. Die Zeiten, in denen sie nur

eine farbliche Nebenrolle auf dem Teller spielte, sind vorbei.

Die Tomate wird derzeit als echtes Genussmittel wiederentdeckt.“

Ein Platz an der Sonne

Befeuert wird diese Entwicklung auch vom Trend des „Urban

Gardening“. Immer mehr Menschen finden Gefallen am

Hegen und Pflegen ihrer eigenen kleinen Gemüsebeete,

und sie brauchen dafür weder Bauernhof noch großen Garten.

So sprießen allerorten die eigenen Tomaten für Salat

und Salsa aus den Töpfen.

Damit die wunderbaren Aromen entstehen können, braucht

es ein bisschen Pflege, kein Wasser von oben, dazu viel

Wärme und noch mehr Sonne. Die Tomaten-Kinderstube

sollte mindestens 22 Grad warm sein. Also ab mit dem jungen

Gemüse auf die Fensterbank und immer der Sonne

entgegen. „Fürs Reifen ist die Sonne zuständig“, erklärt

Modery. Das angebliche Nachreifen einer bereits geernteten

Tomate ist also ein Mythos, die Früchte werden zwar

noch rot und das (in hohen Dosen) giftige Solanin abgebaut.

Geschmacklich tut sich aber rein gar nichts mehr.

© Zbigniew Pawluczuk / shutterstock.com

Moderys Tipp: Die Pflanzen nicht vor der „kalten Sophie“

am 15. Mai nach draußen stellen. Als Pflanzgefäße verwendet

der Profi schwarze Kunststoff-Töpfe, so erwärmt sich

die Erde besonders gut. „Je heißer der Fuß der Pflanze,

desto feiner die späteren Aromen.“

© Stephen B. Goodwin / shutterstock.com

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KOCHEN & GENIESSEN

Zebra zum Butterbrot

Rund 10.000 Kultursorten soll es angeblich geben, und Rot

ist längst nicht mehr die einzige Farbe am Tomatenhorizont.

Die Palette reicht von Gelb über Grün bis zu changierendem

Lila-Schwarz. Steigender Beliebtheit erfreuen sich

die sogenannten wilden Tomatensorten, wobei man eher

von den alten Sorten sprechen müsste. Sie sind kleiner als

die einheitsgezüchteten „Normaltomaten“ und kommen

der Ur-Tomate mit ihrer hohen Süße/Säure-Konzentration

am nächsten.

Zu den Lieblingen von Andreas Modery gehört neben

„Evergreen“ zum Beispiel die Sorte „Green Zebra“. Sie

leuchtet gelb-grün und hat ein auffälliges Streifenmuster.

„Bei den gelben Sorten ist ‚Küstengold‘ einer meiner Favoriten.

Diese Johannisbeertomate ist genauso klein wie ihre

Namensgeberin und schmeckt himmlisch fruchtig.“ Wer alternativ

auch mal auf die dunkle Seite wechseln will, dem

legt Modery unter anderem die Sorten „Osu Blue“ und

„Black Cherry“ ans Herz.

Genuss in der Hauptrolle

Bei der bunten Vielfalt isst aber zum Glück nicht nur das

Auge mit. Die vielen wiederentdeckten Sorten sind ein

wahres Fest für den Gaumen, und zwar ganz ohne Begleitung

von Vinaigrette & Co. Probieren Sie zum Beispiel ein

Tomaten-Carpaccio aus verschiedenfarbigen Sorten. Einfach

in feine Scheiben geschnitten und dekorativ auf einer

Platte arrangiert – schon ist der Sommerreigen eröffnet.

Wer mag, kann mit verschiedenen Salzen wie Fleur de Sel,

Himalaya-Salz oder auch aromatisierten Kräutersalzen experimentieren

und so eine regelrechte Tomaten-Degustation

daraus machen. Der erste Bissen sollte aber immer der

puren Tomate gehören, nur so lassen sich im Anschluss feine

Aromen-Nuancen durch die verschiedenen Salzzugaben

herausschmecken.

Schrumpelig? Sugo! Überreife Tomaten mit schrumpeliger Schale sollten in

den Kochtopf statt auf den Kompost wandern. Sie eignen sich nämlich hervorragend

für kräftige Tomatensaucen.

© mzuzka / shutterstock.com

Innen wie außen spektakulär – die „Green Zebra“ lockt mit extravagantem Erscheiningsbild

und delikatem Geschmack.

Schwarze Tomatensorten sind bei genauer Betrachtung meist violett bis braun.

Auch das Fruchtfleisch ist dunkel gefärbt.

DIE TOMATE: GOLDAPFEL

DER MAYAS

Ihren Geburtsort hat das Nachtschattengewächs aller

Wahrscheinlichkeit nach in Peru. Von dort gelangte sie

über die Anden bis nach Mexiko. Azteken, Mayas, Inkas

– all diese einstigen Hochkulturen sollen die Tomate bereits

als Nutzpflanze verwendet haben. Mit der Entdeckung

Süd- und Mittelamerikas machten auch die Europäer

erstmals Bekanntschaft mit der seinerzeit eher

bitteren Beerenfrucht. Kurzerhand stempelte man die

Tomate als giftig ab und gab den verdächtigen roten

Dingern den Namen „Wolfspfirsich“. Ob schließlich die

Italiener oder die Franzosen die ersten Mutigen waren,

die sich an die Tomate heranwagten, darüber scheiden

sich die Geister. Zum Ende des 19. Jahrhunderts trat das

„Weltgemüse“ endgültig seinen Siegeszug in unseren

Küchen an – und wird inzwischen beinahe liebevoll Paradies-,

Gold- oder Liebesapfel genannt.

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DolceVita 1/2018


KOCHEN & GENIESSEN

Beinah eine kulinarische Offenbarung sind auch süße Varianten.

Für eine Überraschung gut ist zum Beispiel der Beerensalat

à la Modery: Dafür einfach verschiedenes Obst und

Beeren, zum Beispiel Erdbeeren, Himbeeren, Kiwi, Mango

oder Melone mit einer Vanilleschote, etwas Zucker und einem

Schuss Obstschnaps ansetzen und ziehen lassen. Die

Geheimzutat sind kleine rote Johannisbeertomaten, die

erst zum Schluss untergemischt werden. Die knackigen

Aromaperlen fallen gar nicht auf – umso größer ist der

köstliche Oho-Effekt.

Übrigens: Rotsehen muss niemand, wenn die Selfmade-

Tomaten im Garten doch mal grün bleiben. Der Experte

empfiehlt dann: „Kochen Sie einfach ein Chutney aus grünen

Tomaten. Das in der unreifen Frucht enthaltene Solanin

wird beim Erhitzen unschädlich gemacht, und in der Mischung

entfalten sich tolle Aromen, die eben nur mit unreifen

Tomaten entstehen.“

RUNDTOMATE

Sie wird auch Kugeltomate genannt, etwa 70% des

weltweiten Anbaus entfällt auf sie. An einem Stab festgebunden

klettert sie im Gewächshaus genauso wie im

Garten. Sie ist sehr fest, ihr Geschmack eher säuerlich.

Perfekt für: Alle Gerichte, bei denen die Tomate ihre

Form behalten soll.

FLEISCHTOMATE

Die eher unförmigen Riesen toppen eine normale Tomate

in Sachen Gewicht locker um das Doppelte. Unter

südlicher Sonne gereift sind sie fantastisch aromatisch

und aufgrund des geringen Saftanteils sehr schnittfest.

Zu den bekanntesten gehört das Ochsenherz.

Perfekt für: Suppen, Schmorgerichte, zum Grillen und

Gratinieren; auch für Salate.

Vielen Dank an…

Für die besonderen Tipps stand uns Andreas „Mo“ Modery

Rede und Antwort. Er gehört seit vielen Jahren zu den bekanntesten

Gartenexperten des deutschen Sprachraums.

Mit seinen ebenso fundierten wie höchst unterhaltsamen

Tipps & Tricks ist er zu sehen (u. a. Bayerisches Fernsehen),

zu hören (u. a. Antenne Bayern, Radio Tirol) und zu lesen (u. a.

mehrere Gartenratgeber).

FLASCHENTOMATE

Die typischen Italiener unter den Tomaten. Man kennt

die längliche Form vor allem als Dosentomaten ohne

Schale – auch, weil sie tatsächlich besonders leicht zu

schälen sind. Nahe Verwandte ist die Eiertomate.

Perfekt für: Pizza, italienische Sugos; da sie sehr süß

und aromatisch sind, unbedingt auch mal ungekocht im

Salat probieren!

KIRSCH-/CHERRYTOMATE

Sie ist der buchstäbliche Party-Knaller: Auch als Cocktailtomate

bekannt, haben sich diese knackig-saftigen

Sorten mit ihrem gefälligen Süß-sauer-Aroma zu Lieblingen

fürs kalte Buffet gemausert. Eine süß-fruchtige

Variante ist die Datteltomate.

Perfekt für: Fingerfood, als „Nasch-Tomate“.

WILDTOMATE

Alte Sorten, neu entdeckt: Ähnlich ihren wilden Urahnen

kommen sie klein, bunt und mit sehr unterschiedlichen

Aromakompositionen auf unsere Teller. Einfach

durch die neue Vielfalt probieren!

Perfekt für: Salate, besondere Akzente für kalte Platten.

Perfektes Arrangement: Tomaten brauchen Platz (nur bitte nicht im Kühlschrank!),

damit sie keine Druckstellen bekommen. Außerdem sorgt ihr ausströmendes

Reifegas dafür, dass umliegendes Obst und Gemüse schneller „kippt“.

Am besten eine große Schale, Platte oder ein Tablett dekorativ mit verschiedenen

Tomatensorten arrangieren.

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STRAUCHTOMATE

Wenig Kerne, viel Geschmack – Strauchtomaten schmecken

kräftig und haben relativ wenig Flüssigkeit. Achtung:

Nur weil sie noch am Stängel hängen, heißt das

nicht, dass sie gerade erst gepflückt wurden. Der intensive

Tomatenduft kommt von den feinen Härchen an

den Stängeln.

Perfekt für: Aufläufe, als Belag z. B. für Pizza oder Burger.

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1001

LECKERE

NACHT

Orientalische Gewürze und Aromen, kombiniert

mit frischem Gemüse und Hülsenfrüchten

– die Grundlage der Levante-Küche.

Sie erobert gerade im Sturm die Herzen

und Gaumen der Europäer.

Laut Zukunftsinstitut gehört sie

zu den Foodtrends 2018.

24 DolceVita 2/2017


KOCHEN & GENIESSEN

© ChameleonsEye / shutterstock.com

Die Wurzeln der Levante-Küche liegen am östlichen Mittelmeer,

genauer in der Region Levante. Sie reicht von Syrien

über den Libanon, Israel und Jordanien bis in die Türkei. Die

moderne Levante-Küche hat sich in Israel entwickelt, wo

sich junge Köche von der aromatischen arabischen Küche

inspirieren ließen. Neu interpretiert gingen ihre Kreationen

in die Welt hinaus und mischten sich mit anderen Küchen,

allen voran mit der asiatischen.

Vorspeise oder Hauptgang? Hauptsache lecker

Typisch für die Levante-Küche sind Vorspeisen und kleine

Zwischengerichte, Mezze genannt. Zu den beliebtesten gehören

Hummus, Taboulé und Falafel. Ob Mezze Vor- oder

Hauptspeisen sind? Sowohl als auch, ganz nach Menge und

Laune. Experimentieren ist unbedingt erlaubt, und wer

nicht alles selbst anrühren möchte, bekommt viele Mezze

bereits fertig im Laden oder auf dem Wochenmarkt, auch

in Deutschland.

Dazu lässt sich beinahe alles kombinieren, von gerösteten

Nüssen über Essiggürkchen bis zu Kartoffelchips. Die Levante-Küche

ist weltoffen, verändert sich ständig und ist

nur schwer einzugrenzen. Sie reicht von den bunten Märkten

Tel Avivs über kleine Hinterhof-Imbisse in Istanbul bis

zu den Delis in London.

Beisammen sitzen und gut essen lässt es sich auch in den

zahlreichen israelischen Restaurants, die in immer mehr

Metropolen ihre Pforten öffnen. Eine Institution ist das Ha-

Salon von Star-Gastronom Eyal Shani in Tel Aviv. Abends

verwandelt es sich in einen angesagten Club. Die zugehörige

Restaurantkette Miznon hat inzwischen Zweigstellen in

Paris, Wien und New York.

Das Neni gibt es sowohl in Zürich wie auch in Hamburg. Israelische

Speisen werden hier direkt im Topf oder auf einem

Stück Pergament serviert, sodass jeder zugreifen kann

– perfekt, um Genussmomente zu teilen. Die Londoner lieben

die Delis und Restaurants von Yotam Ottolenghi, hierzulande

bekannt als Autor des Kochbuchs „Jerusalem“.

In Deutschland ist Berlin Levante-Hochburg: Im Masel Topf

oder Mani wird nächtelang geschlemmt und gefeiert. Etwas

gediegener, aber nicht weniger lecker geht es im Levante

im Kempinski Hotel Frankfurt zu. Die Münchner wiederum

finden ein kleines, feines Stückchen Tel Aviv im

Restaurant Nana.

Mezze: Lebensfreude pur

Das Wort „Mezze“ stammt übrigens aus dem Arabischen

und heißt übersetzt so viel wie „Essen, Trinken, Reden“.

„Mezze“ meint die kleinen Speisen, aber auch eine ganze

Tischkultur: Man genießt gemeinsam mit Freunden und Familie.

Jeder bringt etwas mit, so entsteht eine bunte Vielfalt

an Gerichten und Aromen.

© Lerner Vadim / shutterstock.com

Frische Produkte und aromatische Gewürze der Region kauft man in Tel Aviv

gerne auf dem Carmel-Markt, dem größten Obst- und Gemüsemarkt der Stadt.

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KOCHEN & GENIESSEN

DIE LIEBLINGSGEWÜRZE

DER LEVANTE-KÜCHE

Die Levante-Küche lebt von der Vielfalt ihrer Aromen

und Gewürze. Einige ganz besondere Mischungen tauchen

immer wieder auf und verleihen beim Nachkochen

den typischen Geschmack der Mittelmeerküche und des

Nahen Ostens:

Sumach wird aus den getrockneten, geschroteten Früchten

des Sumach-Strauches hergestellt. Der leicht säuerlichherbe

Geschmack gibt Couscous-Salaten eine fruchtige

Note.

Za‘atar ist eine Mischung aus Sesamsaat, Sumach, Thymian,

Oregano, Majoran und Kreuzkümmel. Mit Olivenöl gemischt

passt Za‘atar zu Fladenbrot oder Kichererbsensalat.

Ras el-Hanout kann bis zu 25 Gewürze enthalten, darunter

Chili, Kardamom, Muskat, Pfeffer, Zimt und Anis. Schmeckt

prima zu Fleischgerichten, Reis und Couscous.

Harissa ist eine scharfe Mischung aus Chili, Paprikapulver,

Knoblauch, Kreuzkümmel und Koriander. Verleiht Dips und

Dressings ein warmes Aroma.

Baharat ist eine Gewürzmischung unter anderem aus Chili,

Paprikapulver, Pfeffer, Koriander, Zimt, Sternanis, Nelken,

Kardamom, Kumin und Schwarzkümmel. Eine feine Ergänzung

zu Fleisch- und Fischgerichten, Dips und Gemüse.

RICHTIG GEWÜRZT

Wenn es ums Würzen geht, hat die Levante-Küche keine

festen Regeln. Falsch machen gibt es nicht. Zu Sumach

oder Baharat lassen sich auch heimische Kräuter,

Gewürze und Öle kombinieren. Probieren Sie außerdem

Chilipaste als scharfen Begleiter, etwas Honig für leichte

Süße oder Zitronensaft zum Abrunden.

© Zelenskaya/shutterstock.com

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DolceVita 1/2018


KOCHEN & GENIESSEN

RUNDUM BUNT UND GESUND

Perfekt zu Mezze passt übrigens Salat. Der gehört im Nahen

Osten zu jeder Mahlzeit dazu. Ob aus Blattsalat, Kräutern,

Tomaten, Gurke, Auberginen oder Hülsenfrüchten ist

beinahe egal. Ein schneller Tomatensalat mit Kräutern ist

ein wunderbarer Begleiter zu Fleisch und Fisch, ein Salat

aus gehacktem Gemüse eine feine Ergänzung zu Hummus.

Viele Salate werden in kleinen Portionen als Mezze serviert,

in doppelter Menge als Hauptgericht.

Wenn Sie jetzt richtig Lust auf Levante bekommen haben,

probieren Sie unser Salat-Rezept auf Seite 28! Und experimentieren

Sie mit Kräutern und Gewürzen – alles geht in

der Levante-Küche.

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KOCHEN & GENIESSEN

Fattoush

PERFEKT FÜR HEISSE

SOMMERTAGE

Fattoush ist ein libanesischer Salat mit

gebratenen Fladenbrotstückchen.

ZUTATEN FÜR 1 PORTION

200 g Salatgurke

200 g Tomaten

½ Granatapfel

80 g Babyspinat

½ Bund Minze, ½ Bund Petersilie

1 Knoblauchzehe

2 EL Zitronensaft

1 EL Weißweinessig

1 TL Honig

100 ml Olivenöl

1 TL Sumach (ersatzweise Zitronenschale)

Salz, Pfeffer

1 arabisches Fladenbrot oder Dürüm

ZUBEREITUNG

Gurke grob schälen, längs halbieren, entkernen und in

Stücke schneiden. Tomaten waschen und würfeln.

Granatapfel vierteln, die Kerne lösen. Spinat waschen

und trocken schleudern, dabei große Stiele entfernen.

Kräuter waschen, trocken schütteln und fein hacken.

Alles mischen.

Für das Dressing Knoblauch abziehen, durch die Presse

drücken und mit Zitronensaft, Essig, Honig, 1 EL Öl und

Sumach bzw. Zitronenschale verrühren. Mit Salz und

Pfeffer würzen und unter den Salat heben.

Fladenbrot in mundgerechte Streifen schneiden. Restliches

Öl in einer Pfanne erhitzen, das Brot darin anbraten

und auf Küchenpapier abtropfen lassen.

Salat nochmals mit Salz und Pfeffer abschmecken, das

Brot unterheben und sofort servieren.

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DolceVita 1/2018


TISCHKULTUR

Smart today.

Smart tomorrow.

Vernetzen Sie Ihre Küche zukunftssicher

mit Home Connect und senden Sie z. B.

Rezepte an Ihren Bosch Backofen. Mehr

smarte Ideen auf www.bosch-hc.de

DolceVita 2/2017

Home Connect ist ein Service der Home Connect GmbH.

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TISCHKULTUR

Besteck von Bitz, über www.scandinavian-lifestyle.de

TISCHLEIN,

BESTECK DICH!

Vorbei die Zeiten,

als sich Messer, Gabel und Löffel noch

in eine Besteckschublade stecken ließen.

DolceVita hat für Sie in der Geschichte gestöbert

und ebenso neue wie zeitlose

Designtrends aufgegabelt.

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DolceVita 1/2018


TISCHKULTUR

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie „Tischdekoration“ hören?

An Besteck vermutlich eher nicht. Kein Wunder, gehören

Messer, Gabel und Löffel doch zu den Haushaltsutensilien

des täglichen Bedarfs. Wir verwenden sie meist so

selbstverständlich wie eine Zahnbürste, ein großer Auftritt

am Tisch bleibt ihnen in der Regel verwehrt – vom vererbten

Tafelsilber an Weihnachten einmal abgesehen.

Mehr und mehr allerdings befreien sich moderne Essbestecke

von ihrer Schlichtheit und beeindrucken in ungewöhnlichen

Designs, insbesondere was die Farbgebung anbelangt.

Ganz hoch im Kurs stehen die Metall-Nuancen Messing,

Kupfer und Gold. Die Ästhetik folgt hier dem Interieur-Design,

denn auch bei Wohnaccessoires von der Blumenvase

über die Tischleuchte bis zum Beistelltisch schimmert und

glänzt es in warmen, edlen Farbtönen um die Wette.

Die feinere Gesellschaft unter den Bürgerlichen bekam

ebenfalls Lust darauf, ihren Gästen neben dem Braten auch

das Besteck zu servieren. So breitete sich die neue Tischkultur

bis Anfang des 19. Jahrhunderts allmählich immer

weiter aus. Danach begann die Blütezeit der Silbermanufakturen

– das mondäne Tafelsilber mit bis zu 150 Besteckteilen

wurde zum Luxusobjekt für die Bessergestellten. Auf

Masse wurden die Esswerkzeuge erst ab ca. 1850 produziert,

parallel zur Erfindung der Metallversilberung.

Darüber hinaus ist Schwarz das neue Silber. Mittels einer

innovativen PVD-Beschichtung lässt sich Edelstahl „umfärben“,

das Ergebnis sind originelle, exklusive Hingucker, die

die Lust auf Fingerfood in weite Ferne rücken lassen. Und

noch ein dritter Trend lässt sich ausmachen: Besteckserien

in aufwändig handgefertigter Hammerschlag-Optik zitieren

den Stil höfischer Tischkultur, holen ihn aber gekonnt in

die Design-Gegenwart. Das Eigenwillige daran: Auch die

Teile, die mit Speisen und Mund in Berührung kommen,

sind mit den kleinen Einkerbungen bearbeitet.

Besteck to go aus dem Mittelalter

So schick und für alle verfügbar war Besteck aber längst

nicht immer. Das alltägliche Mittelbesteck, wie die Ausführung

zwischen der opulenten Tafel- und der kleinen Dessert-

Variante heißt, ist tatsächlich erst seit den 1950er-Jahren

üblich. Viele hundert Jahre war es dagegen Usus, sein ganz

persönliches Privatbesteck überall dabei zu haben. Es wurde

in eine kleine Tasche gesteckt, was man damals „bestecken“

nannte – daraus leitete sich später das Wort Besteck

ab.

Messer und Löffel „to go“ am Gürtel zu tragen war dabei

keineswegs ein Zeichen für Armut. Selbst an den Königshöfen

mussten die feudalen Gäste ihr Besteck selbst mitbringen,

denn von einer Massenproduktion war man damals

noch weit entfernt.

Königliches Essvergnügen

Wie aber kamen dann Messer & Co. auf unsere Küchentische?

Die ersten Gedecke gab es an den Königshöfen im 18.

Jahrhundert und sie waren wie Visitenkarten: Die eingravierten

Siegel und Wappen waren stets gut sichtbar.

OVAL NACH WAHL

Mit ihrer zeitlos zurückgenommenen Formensprache bestechen

nicht nur die Messer der Kollektion aus gutem

italienischem Hause. Der ovale Schwung erinnert ein bisschen

an die 1940-Jahre, die Farben Schwarz, Kupfer, Gold

und Champagner sind absolut 2018.

Bamboo von Sambonet, über www.sambonet.it

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TISCHKULTUR

DIE GLORREICHEN DREI

Besteck gibt es schon sehr lange,

aber nicht unbedingt zum Essen.

Ein kleiner Streifzug durch die

Geschichte der „Esswerkzeuge“.

DER LÖFFEL – DER ERSTE

Bereits aus der Frühsteinzeit gibt es Funde löffelähnlicher

Werkzeuge, die einer flüssigkeitsschöpfenden Hand nachgebildet

sein sollen. In der griechisch-römischen Antike

wurden Löffel aus Tierknochen geschnitzt oder aus Ton geformt.

Allerdings kamen sie nur beim Kochen zum Einsatz,

gegessen wurde mit den Fingern.

DolceVita-Tipp:

Schwarzes Besteck, auf

dem Tisch vereint mit

ebenso dunklem Porzellangeschirr

oder Steingut, ist

Purismus auf

Höchstniveau.

DAS MESSER – DAS PERSÖNLICHE

So wie heute viele Jungs voller Stolz ihr Taschenmesser

wie einen Schatz hüten, so war das Messer schon immer

ein Gegenstand von hohem ideellem Wert für seinen Besitzer.

Standesdünkel gab es nicht, jedermann trug es bei

sich. Zum Essen wurde es zunächst allerdings nur benutzt,

um mit der Spitze zum Beispiel Fleisch aufzuspießen oder

um große Teile zu zerlegen, die dann wiederum mit der

Hand gegessen wurden. Kleinere Messerchen, offenbar

für das Zerteilen von Obst gedacht, sichtete man zuerst

bei den alten Römern. Doch erst ab ungefähr 1800 n. Chr.

wurde der Löffel als Haupt-Hilfsmittel vom Esstisch verdrängt.

DIE GABEL – DIE UNNÖTIGE

Sie galt als Kokolores, wurde im christlichen Kulturraum sogar

als „Teufelswerk“ bezeichnet: Die Gabel hatte lange

Zeit keinen guten Stand. Zwar sind aus der Antike kleine

Gabeln mit zwei oder drei Zinken bekannt, die aber wohl

maximal als Vorlegebesteck zum Einsatz kamen. Erst mit

der Reformation im 16. Jahrhundert war Schluss mit dem

Teufelszeug: Mit filigranen, perlmuttbesetzten Gäbelchen

pickten feine Damen himmlisches Konfekt auf. Es dauerte

dann aber noch mal rund hundert Jahre, bis sich das Ding

mit den Zinken endgültig durchsetzte.

Wer Appetit auf mehr Geschichte(n) hat, sollte einen Ausflug

nach Solingen machen. Das dortige Klingenmuseum

beherbergt die weltweit größte historische Bestecksammlung.

www.klingenmuseum.de

EDEL SEI DAS BESTECK,

SCHILLERND UND GUT

Die Serie „Certo“ zum Beispiel ist eine kleine Verbeugung

vor der Bauhaus-Ära. Dunkles Anthrazit, eine markante

Silhouette und die reduzierte Formensprache machen

schnörkellosen Eindruck auf jedem Tisch.

Certo von Carl Mertens, über www.carl-mertens-shop.com

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DolceVita 1/2018


TISCHKULTUR

GOLDSTANDARD FÜR DIE

DINNERPARTY

Bis heute handgemacht – das ist die Serie „Goa“ der traditionsreichen

portugiesischen Manufaktur Cutipol. Das Unternehmen

hat es meisterhaft verstanden, sein handwerkliches

Erbe nicht zu verraten und dennoch mit der Zeit zu

gehen. Das Besteck wird aus 18/10-Edelstahl mit Mattgold-Finish

hergestellt, die Griffe sind aus Harz und setzen

mit Farben von Rosé bis Mattblau individuelle Akzente.

Wer mag, kann auch Anklänge an asiatische Essstäbchen

erkennen.

Goa von Cutipol, über www.amara.com

AUF DEM GIPFEL DES PARISER LUXUS

Ob die Serie „Zermatt“ heißt, weil sie wie das Matterhorn markant und europaweit

einzigartig ist, ist nicht überliefert. Man weiß nur: Das Besteck ist eine

Hommage an den Unternehmenserben Jean-Émile Puiforcat, der dem 1820

gegründeten Familienbetrieb in den 1930er-Jahren mit seiner kantigen Designsprache

zu Weltruhm verhalf. Und auch wenn Zermatt aus Edelstahl ist –

Puiforcat ist bis heute der Inbegriff der vollendeten Silberschmiedekunst.

Zermatt von Puiforcat, über www.artedona.com

DER OSCAR FÜR SPECIAL

EFFECTS GEHT AN…

...„Rainbow“! Die Serie gehört zu den aktuellsten des italienischen

Herstellers Mepra – und zu den exklusiven Trends

in Sachen Tischkultur. Mit diesem Blickfang wird selbst

das einfachste Menü garantiert zum Tischgespräch.

Rainbow von Mepra, über www.WestwingNow.de

DolceVita 1/2018

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TISCHKULTUR

Makaber,

aber interessant:

Bis weit nach 1500 galt der

Löffel als absoluter Luxus. Wie

heute die goldene Uhr wurde er

von einer zur nächsten Generation

weitergegeben. Aus dieser

Tradition heraus entstand die

Redewendung „den Löffel

abgeben“.

MAN ISST

DEUTSCH

Besteck-Ikonen ohne Starallüren

Deutschland ist nicht gerade ein Hotspot der Besteckbranche,

nur einige wenige Hersteller halten dieses Handwerk

noch hoch. Einer davon ist Mono – die deutsche Manufaktur

der Design-Originale.

Foto: WMF

ARCHITEKTUR NEBEN

DEM TELLER

Zaha Hadid war nicht nur eine gefeierte Star-Architektin,

sondern immer auch Künstlerin und Designerin im besten

Sinne. Für WMF entwarf sie 2010 eine avantgardistische

Besteckserie, die schon heute besonderen Sammlerwert

hat. Die organisch-skulpturalen Formen holen eine zusätzliche

Dimension in etwas Alltägliches wie Messer und

Gabel. Die Haptik und perfekte Balance stehen der besonderen

Ästhetik übrigens in nichts nach.

Zaha von Zaha Hadid für WMF (limitierte Auflage)

Ein echter Coup gelang dem Unternehmen 1959, als der Industriedesigner

Prof. Peter Raacke die Besteckserie „monoa“

entwarf, als kantig-sachlichen Gegenentwurf zum „Gelsenkirchener

Barock“. Damals eine Verrücktheit, ist

„mono-a“ längst ein „Under-Statement“ deutscher Designkunst.

Es gilt bis heute als meistverkauftes Besteck der

Nachkriegszeit und ist mit etlichen Designpreisen dekoriert.

WILLKOMMEN ZURÜCK, „MONO RING“

Ab Mai 2018 wirft Mono endlich auch ein besonderes Mitglied

der Mono-Familie zurück in den Ring. 1962 ebenfalls

von Raacke als Design-Experiment entwickelt, fand „Mono

Ring – das Besteck zum Aufhängen – seinen Weg in die

Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New

York. Nach gut drei Jahrzehnten zum Klassiker gereift, verschwand

es vom Markt, um in der behutsamen Neu-Interpretation

des Designers Mark Braun nun wieder Premiere

zu feiern. www.mono.de

POTTS BLITZ, WAS FÜR EINE „LÖFFELEI“

Nicht wegzudenken aus der deutschen Besteckgeschichte

ist auch die Marke Pott, 1904 von Carl Hugo Pott gegründet

und seit 2006 Teil der Mono GmbH. Seinerzeit befasste sich

der Sohn Carl Pott intensiv wie kein anderer mit der „Löffelei“,

wie er es nannte – da er die Entwicklung einer Serie

stets mit dem Entwurf des Löffels begann. Über die Jahre

entstand ein monumentales Besteckprogramm mit 19 Serien,

die unter anderem in den 1950er-Jahren an Bord der

Lufthansa und 1972 als Besteck für die Olympioniken in

München berühmt wurden. www.pott-bestecke.de

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DolceVita 1/2018


Purer

Wassergenuss

LEBENSART

Pott 22

1955

Pott 86

1955

Wenn alles so schnell ginge:

Die Heißwasser-Armatur

Mondial liefert jederzeit kaltes,

warmes und 100°C heißes

Wasser. Für alle Frische-Fans

garantiert ein spezieller Filter

erfrischend reinen Genuss

direkt aus der Armatur.

Mehr zur Mondial

auf franke.de/ks

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WOHNEN

Bademeisterstücke

Swimmingpool – das klingt nach Luxus, Laisser-faire

und Lebenslust. DolceVita ist für Sie eingetaucht in die Welt

der puristischen Designerbecken und

modernen Naturpools.

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DolceVita 1/2018


WOHNEN

30 Grad im Schatten. Die Grillen zirpen, die Luft steht, und

weit und breit kein Badesee in Sicht. Wer sich jetzt denkt:

„Na und?“, ist entweder wasserscheu – oder hat seinen eigenen

Pool im Garten.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es private Schwimmbäder,

und schon immer umgab den schicken Pool etwas

Mondänes und Sehnsuchtsvolles. Und es stimmt ja auch:

Diese elegant hingegossene Wasserfläche strahlt eine besondere

Aura aus, der man sich kaum entziehen kann.

Kein Wunder also, dass die heimischen Plansch-Becken nie

wirklich aus der Mode gekommen sind, dem Zeitgeist allerdings

haben sie sich sehr wohl angepasst. Mit den türkisgrünen

kantigen Fremdkörpern im Rasen oder Aufstellbecken,

die aussehen wie Waschzuber aus dem Reich der

Riesen, haben moderne Pools und Schwimmteiche längst

nichts mehr zu tun.

Natürlich bis zum Beckenrand

Gerne gut sichtbar in Szene gesetzt, dabei aber natürlich

und harmonisch in den Garten integriert, darauf kommt es

Bauherren mit Gefühl für Design und Ästhetik heute an. So

fügen versierte Landschaftsgärtner und Gartenbauer die

gesamte Pool-Komposition individuell in die Architektur

des Grundstücks ein, vom unsichtbaren Wasseranschluss

bis zum passenden Schilfgras.

SCHON PLATON PLANSCHTE

Foto: Hofquartier, RivieraPool, Tom Bendix

Bereits der antike Philosoph vergnügte sich in Schwimmbecken,

doch ein Pionier war er wohl nicht. Archäologische

Funde belegen, dass offensichtlich bereits vor etwa 4.000

Jahren Schwimmbäder gebaut wurden, zu welchem Zweck

ist jedoch nicht ganz klar. Vom antiken Rom allerdings weiß

man mehr: Damals war es ein Zeichen der Upper-Class-Zugehörigkeit,

ins erfrischende Nass abzutauchen.

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WOHNEN

Stilistisch kommt dabei vom kühlen Puristen bis zum verspielten

Romantiker jeder auf seine Kosten. Dafür sorgt

schon die Materialvielfalt: Verwendet werden unter anderem

verschiedenste Natursteine vom Kiesel bis zum monumentalen

Quader, Metalle sowie Hölzer zum Beispiel für

Stege oder Liegeflächen.

Auch die Frage nach eckig oder rund ist keine Sache des

Pool-Typs mehr. Ungefähr Ende der 1980er-Jahre begannen

Poolbauer mit Formen zu experimentieren, zunächst

meist für Hotelanlagen und Wellness-Resorts. Inzwischen

gibt es auch fürs Zuhause alle Varianten: Organisch geschwungene

Becken für den klassischen Pool genauso wie

rechteckige Akkuratesse für den Naturpool mit Pflanzenzone.

Komfort statt Chlor

Um sich sein eigenes Freibad vors Wohnzimmer zu zaubern,

hat man die Auswahl zwischen klassisch, Natur pur

und einer Mischung aus beiden Welten. Die „Grande Dame“

ist selbstverständlich der gute alte Swimmingpool, ausgestattet

mit modernster Technik sowie zahlreichen Designund

Ausstattungsdetails. Er ist quasi der Vollautomat unter

den Schwimmbecken. Sowohl Wasseraufbereitung über

eine Filteranlage als auch Reinigung und sogar Wasserwerte

inklusive der Menge benötigter Desinfektionsmittel laufen

auf Wunsch ganz von alleine ab.

Zum Glück haben findige Unternehmen dem „Rote-Augen-

Effekt“ erfolgreich den Kampf angesagt. Die deutsche Firma

Ospa zum Beispiel setzt auf ein Verfahren mit hochwirksamer

Aktivkohle und der Desinfektion auf Basis von

Kochsalz. Die innovative Wasseraufbereitung nutzt ausschließlich

Wirkstoffe, die mit der Trinkwasserverordnung

konformgehen. Das Ergebnis ist samtweiches Wasser, klar,

frisch und vor allem absolut natürlich ohne Chlor- oder

sonstige Gerüche (www.ospa-schwimmbadtechnik.de).

Und was die Extras angeht: Hier können Sie sprichwörtlich

ein Bad in der Menge der Möglichkeiten nehmen. Gegen-

EIN „SWIMMINGPOOL“ AM POOL

Ein bisschen 80er-Jahre-Nostalgie gefällig? Mit diesem

Cocktail-Klassiker kein Problem:

• Je 2 cl Wodka, Rum (weiß), Cream of Coconut, Sahne

• 6 cl Ananassaft

• 1 cl Blue Curaçao

Alle Zutaten bis auf den Curaçao im Cocktailshaker mit

Crushed Ice kräftig schütteln, in ein mit Crushed Ice gefülltes

großes Glas abseihen; Curaçao vorsichtig darüber

gießen. Mit einer Scheibe Ananas und einer Kirsche

servieren.

© Praisaeng / shutterstock.com

© Sorakrai Tangnoi / shutterstock.com

© alexandre zveiger / shutterstock.com

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DolceVita 1/2018


Sammeln im System.

BLANCO COLLECTIS 6 S.

BLANCO COLLECTIS 6 S ist die perfekte Verbindung von Trend und Trennkonzept.

So wird die Organisation der Speisenvorbereitung noch einfacher. In der

zentral angeordneten Depot-Schale mit Deckel lassen sich Bio-Abfälle unauffällig

und hygienisch zwischenlagern. Zur besonderen Schnittstelle wird die Depot-Schale

in Kombination mit den Abfallsystemen BLANCO SELECT oder BLANCO FLEXON II.

In deren Abfallbehälter lässt sie sich ganz einfach einhängen.

Weitere innovative Ideen finden Sie im Internet.

Mitten in der Küche, mitten im Leben.

www.blanco.de


WOHNEN

stromanlage, Massagedüsen, automatisch regulierte Beheizung

und „Rollo-Mechanismen“ zur Abdeckung – vom

Spaßbad bis zum Sportbecken ist so gut wie alles möglich.

Ungetrübtes Badevergnügen

Wer es biologisch-dynamischer möchte, ohne dabei auf die

cleane Ästhetik eines Schwimmbeckens zu verzichten, sollte

einen Naturpool in Erwägung ziehen. Der wesentliche

Unterschied zum Klassiker: Die Wasserreinigung erfolgt

auf rein biologischer Basis, komplett ohne Zusätze wie

Chlor oder Ozon.

Die Pool-Anlage besteht aus einer Schwimm- und einer

Filterzone, auch Regenerationszone genannt. Bei vielen

Naturpools kommen Pflanzen und Mikroorganismen zum

Einsatz, die Wasseraufbereitung funktioniert aber auch

komplett ohne Pflanzzone. Dann werden Sand- und Phos-

phat-Filter zum Beispiel unter dem Sonnendeck versteckt,

eine Pumpe drückt das Poolwasser kontinuierlich durch

den Filter. Dadurch entsteht ein feiner Biofilm auf der Wasseroberfläche,

ein klares Zeichen für ungetrübten Badespaß.

Lebendige (Unter-)Wasserwelt

Natur pur schließlich sind Schwimm- oder Badeteiche, Flora

und Fauna inklusive. Das muss auch so sein, denn hier

verrichten winzigstes Zoo- und Phytoplankton sowie Wasserpflanzen

die ganze Reinigungsarbeit.

So viel Natur braucht vor allem viel Platz: Die Regenerationsfläche

– also dort, wo nicht gebadet werden kann – beträgt

bis zu 50 Prozent. Einmal im Jahr muss der Teichboden

gründlich von Ablagerungen gesäubert werden, und

die Wasserpflanzen sowie alles Grün im Uferbereich brau-

Stille Wasser sind schön: Ein natürlicher Badeteich gehört zu den Stillgewässern, kommt ganz ohne Chemie aus. Hier kann man der Anmut der Natur freien Lauf lassen.

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DolceVita 1/2018


WOHNEN

Highend à la nature: Der Poolhersteller RivieraPool hat die Kombination von

Natürlichkeit und Top-Ausstattung mit seiner Serie D-Line perfektioniert:

Die Fertigbecken mit etlichen Individualisierungsoptionen lassen sich auch

als Naturpool betreiben, angenehme Extras wie Massagedüsen sind trotzdem

möglich. Der Regenerationsbereich mit den notwendigen Pflanzen und

Bio-Filtersystem wird dann getrennt vom eigentlichen Schwimmbecken angelegt.

So kann den elegant-puristischen Look kein Wässerchen trüben.

www.rivierapool.com

Fotos: Hofquartier, RivieraPool, Tom Bendix

© michaelbarrowphoto / shutterstock.com

BIO, ÖKO – ALLES KLAR?

Mit der Nachhaltigkeitswelle wurden in Sachen Poolbau

etliche Wortschöpfungen in die heimischen Gärten gespült:

Naturpool, Bio-Pool, Living-Pool, Öko-Swimmingpool,

Schwimmteich, naturnaher Badeteich und einiges

mehr schwappt seither in die Verkaufsprospekte. Das

meiste davon sind lediglich kreative Wortspielereien, die

allesamt das gleiche System beschreiben. Im Grundsatz

gibt es nur dies zu beachten: Alle nicht-klassischen Pools

kommen ohne chemische Wasseraufbereitung aus, die

Reinigung geschieht auf rein biologischer Basis. Nur die

Art und Weise ergibt nochmals eine Unterscheidung:

Naturpool: Für die Aufbereitung werden biologisch-dynamische

Filterlösungen verwendet.

Schwimmteich: Es kommen ausschließlich Pflanzen und

Mikroorganismen zum Einsatz.

Manche Anbieter mischen beide Systeme, meist entstehen

dann die zugehörigen Fantasiebegriffe.

chen natürlich die gleiche laufende Pflege wie das Rosenbeet

oder der Gemüsegarten.

Immerhin ein mechanisches Helferlein ist uns aber auch

beim komplett natürlichen Miniatur-See gegönnt: Pool-Experten

raten dazu, einen Skimmer einzusetzen, vor allem

bei größeren Wasserflächen und wenn viele Bäume oder

Sträucher rundherum stehen. Das Gerät ist wie ein Wasserstaubsauger,

er befreit die Teichoberfläche von Blättern,

Pollen und Co.

Zugegeben, ein Faible für die Gartenarbeit sollte man auf

jeden Fall mitbringen. Dafür ist das Ergebnis umso exklusiver:

Sie haben Ihr ganz privates, absolut idyllisches Naherholungsgebiet

direkt vor der Terrassentür. Welche Wellen

dann auch immer „draußen“ tosen, die Stille des Wassers

mit seiner reinigenden Kraft nimmt Ihnen niemand.

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KOLUMNE

ZU GUTER LETZT

Die Kolumne von Luigi Cucina

Erinnern Sie sich noch an die wunderbaren Zeiten der Fernseh-Skigymnastik?

Vergessen Sie die ein für alle Mal. Gymnastik

gilt als ausgestorben, seit das multiresistente Yoga-

Virus seinen Siegeszug antrat und die Abfahrtshocke

unwiederbringlich von der Bildfläche verdrängte. Ich spreche

zu Ihnen als Betroffener. Meine Frau ist ebenfalls infiziert

und droht mich anzustecken. Dabei begann alles ganz harmlos.

Ah, du gehst zur Gymnastik, viel Spaß, rief ich ihr nichtsahnend

hinterher, als sie eines morgens aus dem Haus ging. Sie

hatte eine Isomatte im Batiklook unter den Arm geklemmt,

dazu ein wallendes Tuch mit Fransen, das sie sicher im Altkleidercontainer

entsorgen wollte, der direkt neben dem Fitnessstudio

steht.

Jetzt wurde ich etwas neidisch und wollte diesem Yin und

Yang auf den Grund gehen. Ich versorgte mich mit einschlägiger

Fachliteratur und einem Video „Yoga kannst auch Du!“.

Sodann schlüpfte ich in meine alte Skigymnastikhose (die ich

vor dem Altkleidercontainer gut versteckt hatte) – bereit, den

Weg der Entspannung mit aller Entschlossenheit anzutreten.

Der Film zeigte eine Brezel auf einer Turnmatte, die mich ansprach.

Die Brezel war die Yogalehrerin. Es dauerte eine

Weile, bis ich ihre Arme und Beine korrekt verortet hatte.

War dies doch ein orthopädisches Lehrvideo rund um die

Ursachen der Bänderzerrung? „Om…“ summte die Brezel mit

verklärtem Blick und leisem Lächeln. „…lette“ ergänzte ich in

Gedanken. Statt an nichts dachte ich vollkommen unbewusst

an ein zweites Frühstück.

Ignorant, zischte sie, ich mache einen Yogakurs. Den Weg

der Selbsterkenntnis zu gehen, würde dir auch mal guttun!

Das saß. Sofort fühlte ich mich ausgeschlossen aus der großen

Gemeinschaft der liebevoll und doch hart (oder umgekehrt?)

an sich Arbeitenden. Ich zweifelte plötzlich daran,

dass es mir „einfach so“ gutgehen durfte mit etwas Jogging,

täglichen Kniebeugen und Durchatmen beim Waldspaziergang.

Über die Wochen kehrte zumindest bei meiner Frau meditative

Ruhe ein und sie verlagerte ihre Yogastunden ins Gästezimmer.

Ich übe den Baum, erklärte sie denn auch ungerührt,

während sie einbeinig balancierend die Hände wie eine

ägyptische Skulptur über dem Kopf hielt. Ich ertappte mich

dabei, wie ich mir an ihren Ohrläppchen baumelnde Äpfel

vorstellte. Zwischen den Übungen nippte sie an ihrem Yogi-

Tee und blickte so selig drein wie ein Kind, das gerade einen

großen Teller Spaghetti Bolognese verdrückt hat.

„Probier‘s doch mal mit dem herabschauenden Hund“, empfahl

mir meine eigene Brezelfrau. Ich konterte mit dem irritiert

dreinschauenden Gatten – eine Übung für Fortgeschrittene,

die ich in vielen Jahren Eheleben perfektioniert hatte.

Diese tierische Verrenkung sollte Selbstvertrauen und Willenskraft

stärken und so reckte ich, wie mir geheißen wurde,

schamlos mein Hinterteil in die Luft. Doch der Hund war für

die Katz und fühlte sich an wie Brezelsalz auf meine Yogawunden.

Auch in der Pose „Krieger“ verlor ich die Schlacht

um Anmut und Grazie.

Die „Kobra“ schließlich gab mir den Rest. Während ich mich

einem Besuch beim Chiropraktiker entgegenstreckte, verspritzte

sie ihr gefährliches Yogagift. Ich musste sofort weg

von der Matte! Mit letzter Kraft rettete ich mich aufs Sofa.

Die Übung „entspannende Couch“ gelang mir auf Anhieb.

Kurz darauf schlief ich ein und träumte vom guten alten

Oberschenkelmuskelkater. Danke, Abfahrtshocke.

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DolceVita 1/2018


Ihre Kunstsammlung wird neidisch werden.

Der Unterschied heißt Gaggenau.

Eindrucksvolle Architektur verlangt nach einem gleichermaßen

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