Zum vollständigen Vortrag - NTB

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Hans-Joachim Gebhardt, Mühlenstr. 48 26316 Varel Tel. 04451-5909

Wanderer an der Nordseeküste -

wie beobachten die den Klimawechsel?

Auf den ersten Blick stellen Wanderer keine Veränderungen durch den Klimawechsel an

der Küste fest.

Zwar sind die Lebensmöglichkeiten einiger Pflanzen und Lebewesen verändert - aber das

sieht man nicht sofort.

Das Alfred Wegener Institut in Helgoland hat festgestellt, dass einige heimische Arten wie

Hummer und Kabeljau seltener geworden sind. Sie sind nach Norden, in kältere Gefilde

abgewandert. Manche Organismen, wie verschiedene Algentypen und die europäische

Auster verschwanden ganz. Andere Arten aber, wie zum Beispiel der Taschenkrebs und die

Meeresassel, vermehrten ihre Bestände oder traten ganz neu auf. Die große Mehrzahl der

seit etwa 15 Jahren neu bei uns aufgetretenen Arten sind Lebewesen die man aus der

atlantischen Region kennt und die durch den Temperaturanstieg in der “südlichen

Nordsee” leben können.

Aber diese Veränderungen im Wasser können wir überhaupt nicht feststellen oder

zuordnen.

Bei den Zugvögeln können wir die Klimaveränderung ebenfalls nicht erkennen. Die

Zugvögel haben ihre Route zwar geringfügig geändert, ihre Termine leicht verschoben und

sich in der Anzahl nach oben und unten verändert, aber die Erderwärmung kann nicht als

zwingender Grund wissenschaftlich festgelegt werden. So sieht es das Institut für

Meeresforschung an der UNI Oldenburg.

Die verschiedenen Institute belegen einen Temperaturanstieg des Wassers von 1,1 Grad

über die letzten 40 Jahre. Dazu stieg der Salzgehalt des Nordseewassers leicht an. Diese

Veränderungen haben wiederum eine Verringerung der Meereisbildung zur Folge. Dadurch

wurde, in Abhängigkeit von Zeitpunkt und Stärke der Kieselalgenblüte, die

Nahrungsgesetze der Nordsee erheblich beeinträchtigt. Die Kieselalge ernährt einen

großen Teil der Lebensgemeinschaft in der Wassersäule und am Meeresboden. Von der

Kieselalge leben Ruderfußkrebse und andere niedrige Lebewesen und diese sind

Hauptnahrungsmittel bedeutender Arten wie Kabeljau, Hering und Makrele.

Tierbeobachter finden auch immer häufiger Seehunde, deren Fell sich aufgrund der

Klimaerwärmung bereits zurückgebildet hat..

Diese Veränderungen sehen wir Küstenwanderer natürlich nicht und könnten sie auch

nicht zuordnen. Wir sehen aber etwas anderes.

An unseren Deichen wird ständig gearbeitet


Das Institut für Meeresforschung geht davon aus, dass der Meeresspiegel weltweit bis

2100 um 18 - 59 cm steigen wird. Bei gleichzeitig zunehmenden Stürmen durch das

Abschmelzen des Grönlandeises, steigt damit die Gefahr von Sturmfluten erheblich an.

Seit 1906 ist die Nordsee um 24,6 cm angestiegen. Bei den aktuellen Deichbauten an

unserer Küste wird ein nochmals 25 cm höherer Wasserstand zu Grunde gelegt. Gebaut

wird aber an der gesamten Deichlinie etwa 100 cm Deicherhöhung. Deichexperten sehen

das aber noch als zu wenig an.

Im direkten Zusammenhang mit dem Anstieg des Wassers ist aber die Häufigkeit und

Intensivität der Winterstürme zu sehen. Durch das Schmelzen des Grönlandeises

verzeichnen wir noch extremere Stürme und Orkane an der Küste.

Mehr Wasser in den Meeren, höhere Süßwassereinträge durch die sibirischen Flüsse und

zudem eine steigende Erderwärmung können die Nordatlantikdrift verändern. Das

wiederum würde den Golfstrom verlagern und somit bei uns eine kleine Katastrophe

auslösen.

Forscher schätzen ein Absinken der Temperaturen um 5 Grad und starke Winde.

Eigentlich unverständlich - wir sprechen von Klimaveränderung durch Erderwärmung und

die Zukunftsforscher sagen absinkende Temperaturen bei uns voraus. Aber das hängt vom

Absinkmechanismus von schwerem sehr salzhaltigem Oberflächenwasser südwestlich von

Grönland ab. Dieser zentrale Antrieb für das gesamte Golfstromsystem könnte durch das

Süßwasser, das die Dichte des Meerwassers verringert, abschwächen, verlagern oder sogar

ganz zum Erliegen bringen.

Erkenntnisse aus Sediment- und Eiskernbohrungen haben ergeben, dass sich vergleichbare

Ereignisse in der Vergangenheit schon mehrfach abgespielt haben. Allerdings innerhalb

vieler 10.000 Jahre

Unsere Deiche bestimmen unsere Landschaft. Und auch der stete Wechsel von Ebbe und

Flut gehört zu unserem Leben. Neue Organismen und Tiere werden zu uns kommen, sich

eingewöhnen und mit uns leben. Ein paar cm mehr Wasser hinter dem Deich wird uns

nicht stören, Deichbau und Küstenschutz kosten zwar Geld, aber damit leben wir.

Ob wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln die Erderwärmung aufhalten können,

ist nach Ansicht der Forscher des Potsdamer-Klimainstitutes überhaupt nicht sicher. Die

Klimaerwärmung kann durchaus im Rhythmus des Erdenlebens stehen. Sicher ist jedoch,

dass wir sie durch die Vernichtung der atmosphärischen Schutzschilder über den Polen

beschleunigen.

Wir an der Küste freuen uns hoffentlich noch lange Zeit an dem blauen Himmel, dem

interessanten Wolkenspiel, den grünen Deichen und dem bunten Vorland, Ebbe und Flut

und den gefiederten Freunden.

Und als Zeichen für unser Umweltverständnis akzeptieren wir auch die hässlichen

Windräder, von denen es bei uns schon sehr viele gibt.


Besucht uns doch einmal!

Moin - Moin

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