Dolce Vita – süß und verspielt, dramatisch und mystisch - NTB

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Dolce Vita – süß und verspielt, dramatisch und mystisch - NTB

Die Stunden vor der Premiere eine Chronologie

Technische Finessen und finale Gedanken

Die Stunden vor der ersten Aufführung jeder Tournee sind für die Crew und vor allem die Organisatoren

eine ebenso spannende Angelegenheit wie die Premiere des jährlichen Feuerwerks der Turnkunst

selbst. Das war auch bei der „Dolce Vita“-Tour nicht anders. Nach der Generalprobe in der

Rattenfängerhalle in Hameln begannen morgens die Vorbereitungen für die Premiere eine spannende

Chronologie.

10 Uhr

Trainingsbeginn in der Rattenfängerhalle: Die

ersten auf der Fläche sind Hoy & Begerov. Mit

den Ukrainern muss allerdings ganz bestimmt

weder an Choreografie und Technik gearbeitet

werden, sondern vielmehr am Aufbau. Das

Schlappseil ist eine filigrane und leicht verwirrbare

Angelegenheit - das führte zu Schwierigkeiten

bei der Generalprobe. Es dauerte

schlichtweg zu lange. Was kann bereits im Hintergrund

vorbereitet werden, was ist auf der

Bühne zu tun? Regisseurin Heidi Aguilar beschäftigt

sich parallel bereits gedanklich dem

Finale - so ganz perfekt ist das ihrer Meinung

noch nicht.

11 Uhr

Lichtcheck mit den Alexis Brothers: Die Portugiesen

sind noch nicht einmal zwölf Stunden

im Team, die beiden Weltstars wurden von Katherina

Prokesova die Trampolin-Olympiateilnehmerin

arbeitet während der Tournee im

Fahrdienst aus Enschede von einem Festival

abgeholt und nach Hameln gebracht. Von Müdigkeit

jedoch keine Spur, schnell und problemlos

sind die Rahmenbedingungen zu der

Choreografie geklärt. „Das sind eben Weltstars,

das geht professionell und routiniert“,

sagt Heidi Aguilar, die weiterhin mögliche Kombinationen

für das Finale überdenkt.

12 Uhr

Der Motor kommt zurück: Genau jener Motor,

der bei der Generalprobe genau zu jenem Zeitpunkt

die Arbeit einstellte, als Anton Chelnokov

einige Meter vom Boden entfernt seine

Akrobatik im Netz zeigte. Kein guter Augenblick,

Chelnokov sprang zwar sicher auf eine

weiche Matte, sein Vertrauen in das technische

Gerät jedoch ist bestenfalls als zurückhaltend

zu beschreiben. Das ist im Team von

Hartmut Wetzel in der Technik zwar anders,

aber zur Sicherheit wird ein Seil in der Nähe

von Chelnokov angebracht. Heidi Aguilar vertraut

der Technik, sie gesellt sich kurz zu den

jungen Mitgliedern der Showgruppe, die im

Hintergrund der Tribüne in ihren Schulbüchern

versunken sind, und bespricht eventuelle choreografische

Details im Finale.

12.30 Uhr

Der Motor läuft: Anton Chelnokov ist sicher

wieder gelandet und zwar mit gesteigerten Vertrauen

in technische Geräte. Auch Nicola Zeibig,

seit Jahren Mitglied der NTB-Showgruppe

und während der „Dolce Vita“-Tour verantwortlich

für das Herauf- und Herabfahren

des Akrobaten

während der Choreografie,

ist sichtlich

erleichtert. Dennoch

ist sie angespannt, Playstation

wird sie so schnell nicht spielen. „Das

Problem wäre geklärt“, sagt Heidi Aguilar.

Das andere ist wohl das Finale.

13 Uhr

Die Fracks sind da: Fracks? Genau. Das Geräteteam

zeigt sich zum Jubiläum nämlich nicht

in Sporthosen und T-Shirts, sondern im Frack.

Stil gehört dazu. Schließlich werden auch die

schwer arbeitenden Mitglieder dieses Geräteteams,

das besonders mit der Bodenfläche

viel zu tun hat, beim Finale ihren eigenen Auftritt

haben.

14 Uhr

Eine Elfe betritt die Szene: Jai-Jai, der weibliche

Part des Duo Adagios tauscht Steppjacke

und Fellstiefel gegen Trikot und Spitzenschuhe.

Bereits vorher hatte sie verdächtige Ähnlichkeit

mit einer jener zauberhaften Wesen

aus dem Reich der Elfen, nun ist die 15-Jährige

endgültig zur Fee geworden. Ein sphärisches

Wesen, das sich besondern wohl zu fühlen

scheint, wenn es auf den Schultern und

Kopf ihres Partners befindet. Still und immer in

irgendeiner Ecke übt das Duo. Sicher ist, dass

diese Posen im Finale wohl niemand nachmachen

wird.

15 Uhr

Alona im Regen: Mit oder ohne Wasser? Das

ist die große Frage zur Handstand-Akrobatik

von Alona Jouravels. Aus ihrem Turngerät, einem

sich ständig in Bewegung befindenden

Quader, schießt auf Knopfdruck Wasser und

das macht die Übung noch Aufsehen erregender,

noch erotischer. Erstmals brandet während

des Trainings Beifall der zuschauenden

Athleten auf. Keine Frage, das Premierenfieber

und die Spannung steigen. Jetzt muss nur

noch eine wasserundurchlässige Plane organisiert

werden, sonst haben die nachfolgenden

Gruppen echte Probleme bei der Show. Und

dazu gehört ja auch das Finale.

16 Uhr

Bewegung: Überall herrscht Bewegung. Das

Geräteteam übt Handstand (ohne Frack) und

Heiko Strugalla von der NTB-Showgruppe, der

gerade noch Englischklausuren korrigierte,

steigt ebenfalls in sein Training ein. Physiotherapeutin

Elke Giese kümmert sich um

Housch-Ma-Housch, der noch unter den

Nachwehen seines operierten Bandscheibenvorfalls

leidet und das Lichtteam probt

alle Farben und manchmal auch das Dunkel.

16.30 Uhr

Sprechprobe: Joel Aguilar und Lemey Kagika-Zill

stellen im Finale die Künstler vor und

werden eingewiesen, wie laut sie zu sprechen

zu haben und mit welcher Betonung. Joel

hat sichtlich Spaß am Mikro und interpretiert

den Finalsong „One life“ in ganz eigener Art

und Weise. Das macht er beim Finale dann

aber nicht.

17 Uhr

Finalprobe: Es ist soweit, Heidi Aguilar hat ihre

Gedanken und Ideen geordnet und bittet zur

letzten Probe. Alle sind da, folgen den englischen

und deutschen Anweisungen und das

Ganze sieht schon ziemlich gut aus.

17.30 Uhr

Lokalkolorit: Die örtliche Vorgruppe „Las Chicas“

trifft ein und zeigt ihre Choreografie. Auch

die muss noch schnell ins Programm integriert

werden. Das geht aber sehr entspannt zu,

denn das Finale steht ja nun.

18 Uhr

Der Countdown: Die Türen sind geöffnet, die

Zuschauer strömen in die Halle. Im Innenraum

ist es still, im Hintergrund wird gedehnt, geschminkt

und sich angezogen. Die klassische

Szenerie vor der Premiere.

19 Uhr

Es beginnt: NTB-Präsident Heiner Bartling eröffnet

die Tournee „Dolce Vita“, es ist die Jubiläumstour

des Feuerwerks der Turnkunst. Die

NTB-Showgruppe setzt die ersten Akzente

und gleich herrscht die typische wundervolle

Feuerwerks-Atmosphäre.

22 Uhr

Das Finale: Joel Aguilar und Lemey Kagika-Zill

haben leichtes Spiel, die Zuschauer klatschen,

trampeln und jubeln den Akteuren zu.

Das Finale ist stimmig und jeder hat noch einmal

seinen kleinen eigenen Auftritt. Ein gelungener

Tag - eine gelungene Premiere.

Sybille Schmidt

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NTB-MAGAZIN 01/2007

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