Ein System im stetigen Wandel - NTB

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Ein System im stetigen Wandel - NTB

Leistungssportförderung im NTB

Ein System im stetigen Wandel

Der turnerische Spitzensport kann nur erfolgreich sein, wenn die Förderung von Talenten vom Nachwuchs bis zur Spitze durchgängig

sichergestellt wird und eine breite Basis das Interesse an turnerischen Wettkämpfen pflegt und an ihnen teilnimmt. Dabei kann eine

sinnvolle Nachwuchsförderung im Sportsystem nicht isoliert erfolgen, sondern ist in die regionalen Förderstrukturen einzubinden. Konkret

bedeutet dies eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Niedersächsischen Turner-Bund (NTB) als Landesfachverband und dem Verein

als „Keimzelle“ des sportlichen Trainings im Sinne einer abgestimmten und durchgängigen sportfachlichen Konzeption für die Trainingsund

Wettkampfsysteme. Durch die Zusammenarbeit soll das Erreichen leistungssportlicher Ziele ermöglicht und gefördert werden. Die

Leistungssportförderung des NTB unterstützt Vereine, Athleten und Trainer beim Erreichen ihrer sportlichen Erfolge.

Leistungssport: Vorbild für den Breitensport

„Für den NTB, der laut Satzung ein Verband für Leistungs-, Breiten-,

Freizeit- und Gesundheitssport ist und damit den Leistungssport schon

im Titel trägt, sind Erfolge im Leistungssport nicht nur medienwirksam,

sondern haben auch Vorbildfunktion für die Sportler in den Vereinen“,

betont NTB-Vizepräsidentin Leistungssport Rosemarie Napp. Aus diesem

Grund hat der Leistungs- und Spitzensport im NTB einen hohen

Stellenwert. In Anlehnung an die Fördermaßnahmen und -regularien

der Dachverbände Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) und dem

Deutschen Turner-Bund (DTB) unterscheiden wir in Niedersachsen zwischen

allgemeiner Leistungsförderung und Schwerpunktförderung für

den Leistungs- und Spitzensport. Allgemeine Leistungsförderung erhalten

Landesverbände für den Leistungssport in den olympischen und

nicht-olympischen Sportarten, in denen unter anderem ein kontinuierliches

und leistungssportorientiertes Training mit dem Ziel, erfolgreich an

Wettkämpfen teilzunehmen, angeboten wird. Weitere Voraussetzungen

sind unter anderem eine Schwerpunktsetzung durch den Verband auf

Fachgebiete mit einer vorhandenen Kaderstruktur. Schwerpunktförderung

erhalten ausschließlich die olympischen Sportarten.

Spitzenturnerin Anja Brinker engagiert sich auch für den Nachwuchs

Die Mittel aus der allgemeinen Leistungsförderung werden in fünf

Förderstufen basierend auf den DOSB-Richtlinien zur Förderung des

Nachwuchsleistungssports verteilt. Im NTB profitieren zurzeit die nichtolympischen

Sportarten Faustball, Rhönradturnen, Wettkampfaerobic,

Orientierungslauf und Sportakrobatik von dieser allgemeinen Förderung

und setzen diese erfolgs- und zukunftsorientiert ein, wie das Beispiel

Rhönradturnen zeigt. „Der Leistungssport im Rhönradturnen steht in

Niedersachsen gleichberechtigt neben den olympischen Sportarten.

Das ist im Vergleich zu anderen Bundesländern schon etwas Besonderes“,

sagt Landesfachwartin Simone Budde und bezeichnet den Leistungssport

in ihrem Fachbereich als „tragende Säule“, mit dessen Hilfe

und auch durch die national und international erfolgreichen Spitzenturner

im Rhönradturnen eine Vorbildfunktion für den normalen Wettkampfund

Breitensport erfüllt wird. Dennoch gibt es Verbesserungspotenzial,

das mit fortgesetzter finanzieller Förderung aber durchaus erreichbar

ist. So wünscht sich Simone Budde neben der Förderung der Aktiven

durch Kaderlehrgänge „mehr Zeit für Fortbildungen von Trainern sowie

einen intensiveren Austausch mit verwandten Sportarten, wie Trampolin-

und Gerätturnen aber auch mit Choreografen“.

Im Bereich der olympischen Sportarten Gerätturnen männlich, Gerätturnen

weiblich, Trampolinturnen und Rhythmische Sportgymnastik

zeigt insbesondere das Trampolinturnen, zu welchen Erfolgen und Entwicklungsmöglichkeiten

gezielte Förderung führen kann. Der Bundesstützpunkt

in Salzgitter sowie Henrik Stehlik als Weltmeister 2003 und

dreimaliger Olympiateilnehmer, der in Athen 2004 die Bronzemedaille

gewann sowie in Peking 2008 und in London 2012 dabei war, belegen

den hohen Stellenwert dieser Sportart im NTB aber auch deutschlandweit.

Auch bei Welt- und Europameisterschaften sowie in den entsprechenden

nationalen und internationalen Altersklassenwettbewerben

konnten einige hoffnungsvolle Nachwuchsathleten vordere Plätze belegen.

Die Salzgitteraner Nick und Tom Nowak, Marcus Sickmöller, Luca

Cyron und Christopher Kuhnert sowie die Nordhornerin Phyllis Lensker

gehören damit bundesweit zu den vier besten ihrer Altersklasse. Zudem

steht Lara Hüninghake als aktuelle Deutsche Meisterin für den Erfolg

des Trampolinturnens. Mit vielen Einzel-, Synchron- und Mannschaftsmedaillen

war Niedersachsen in den vergangenen Jahren jeweils das

zweiterfolgreichste Bundesland. „Mit zwei hauptberuflichen Landestrainern

und drei Athleten im „Team Niedersachsen“ profitieren wir von der

Ausrichtung des LSB auf den Spitzensport und die Individualförderung“,

betont Landesfachwart Trampolinturnen Carsten Röhrbein.

NTB-MAGAZIN 08/2013 4


TITELTHEMA

Weiterentwicklung und neue Schwerpunktsetzung

Für eine quantitative und qualitative Weiterentwicklung des Leistungs-

und Spitzensports ist eine sinnvolle Verteilung der finanziellen

Mittel notwendig. Es bedarf zudem vielfältiger

Unterstützungsideen, um die Qualität des individuellen

Heimtrainings der Athleten zu steigern. In nahezu allen

Sportarten werden insbesondere zusätzliche hauptberufliche

Trainer auf Landes- und Bundesebene für das

jeweilige Kadertraining benötigt. Die kürzlich erfolgte Besichtigung

des Bundesstützpunktes Gerätturnen männlich

durch den Bundesnachwuchstrainer ergab, dass die

räumlichen Trainingsbedingungen nicht ausreichen. So fehlt

es zum Beispiel an den notwendigen Anlaufbereichen, um für

das Bodenturnen und den Sprung überhaupt Wettkampfanläufe simulieren

zu können. Ausgesprochen positiv wurden hingegen das Projekt der

Talentfindung im Verein, das Umfeld mit Sportinternat, Sportschulen,

medizinischer Betreuung und die durch entsprechendes Personal professionalisierte

organisatorische Struktur bewertet.

Optimale Förderung durch optimale Bedingungen

Henrik Stehlik ist eines der Aushängeschilder des NTB

Für Spitzenathleten wie Andreas Toba ist die Weiterentwicklung der Stützpunkte

karriereentscheidend

Derzeit haben wir in Niedersachsen zahlreiche unterschiedliche Fördereinrichtungen

für die Ausbildung unserer Nachwuchsathleten in

den neun Leistungssportarten. Dazu gehören zehn NTB-Turnschulen

bzw. DTB-Turn-Talentschulen, zwölf Landesstützpunkte, drei Landesleistungszentren

und zwei Bundesstützpunkte. Hier können wir mit

hochqualifizierten Trainern und einer durchdachten Systematik unsere

Talente sichten, diese in die unterschiedlichen Kader aufnehmen

und dort gezielt fördern. Das funktioniert jedoch nur, wenn auch die

Unterstützung durch Verein, Eltern und mögliche Kooperationspartner

gewährleistet ist. „Die Unterstützung durch die Eltern ist fast immer

gegeben. Was wir hingegen in fast allen Sportarten dringend brauchen,

ist eine noch stärkere Kooperation und Mitarbeit der Vereine im

Leistungssport“, sagt Rosemarie Napp. Die Ausbildung von Übungsleitern

und Trainern steht hierbei im Vordergrund. Um die zumeist ehrenamtlichen

Trainer zu motivieren, sich in ihrem jeweiligen Fachgebiet

auch ständig weiterzuentwickeln, müssen wir dem Profil des turnerischen

Leistungs- und Wettkampfsports ständige Aufmerksamkeit

schenken und es immer wieder schärfen. Neben der Entwicklung einer

Nachwuchsförderkonzeption wurde die Notwendigkeit erkannt, dass

für viele Vereine die Verbesserung der örtlichen Rahmenbedingung

oberste Priorität hat und von den Vereinen nicht alleine geschultert

werden kann. Aus diesem Grund wird neben der Weiterentwicklung

einer effizienten Förderstruktur im Turnen auch die Entwicklung verbesserter

kommunaler Angebotsstrukturen durch Kooperationen forciert

werden müssen. Solch örtliche Netzwerke ermöglichen dann den

Turn- und Sportvereinen die Festigung bzw. den Ausbau ihrer bestehenden

Angebote. So stellen beispielsweise die Städte Buchholz und

Salzgitter den Kaderathleten ihre Stützpunkthallen auch während der

Schulferien zur Verfügung.

Mit Gültigkeit bis zum Jahr 2020 wurde Ende des vergangenen Jahres

vom LandesSportBund Niedersachsen (LSB) ein neues Leistungssportkonzept

entwickelt und vorgestellt. Es wird umfangreiche Änderungen

geben, mit denen die einzelnen von uns bisher geförderten Fachbereiche

neu umgehen müssen. Dabei stellen uns die Vielfalt unserer

Fachgebiete sowie die künftig reduzierte finanzielle Unterstützung des

DTB, z.B. Kürzungen der Zuschüsse für die Bundeskadertrainer, vor

besondere Herausforderungen. Mit Unterstützung der hauptberuflichen

Mitarbeiter des NTB müssen unterschiedliche Maßnahmen für

die einzelnen Sportarten ergriffen werden – natürlich immer im Sinne

unserer Athleten und ihrer Trainer. Dazu gehören unter anderem fachgebietsübergreifende

Weiterbildungs-Maßnahmen und die Schaffung

und Nutzung neuer Synergien, wie beispielsweise bei der Anschaffung

von Geräten oder auch Fortbildungsmaßnahmen. All das sind Methoden,

mit denen wir uns dem stetigen Wandel des Systems Leistungssportförderung

laufend anpassen und damit dem Leistungs- und Spitzensport

in Niedersachsen eine Perspektive geben.

Weitere Infos unter:

www.NTBwelt.de

www.dosb.de

Fotos: minkusimages (2), Lars Kaletta (1), Titelfoto: minkusimages

HEIKE WERNER

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NTB-MAGAZIN 08/2013

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