MITTELALTER – das Werden Europas

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MITTELALTER – das Werden Europas

MITTELALTER das Werden Europas

POLITIK

KREUZWORTRÄTSEL

(Rätsel siehe Arbeitsblatt 18)

B

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ARBEITSAUFTRÄGE UND WORTSPIELE

• Suche Aachen im Geografieatlas!

Wo liegt es?

Was ist dir von Aachen besonders bekannt?

• Wer flüchtete im Jahr 622 n. Chr. von Mekka nach

. . . . . . ? _______________

• Aus dem Fränkischen Reich sind in späterer Zeit

zwei Staaten hervorgegangen.

Stelle richtig: RFRNAKIEHC und LDANDCH-

SUET

• Welche drei Namen hat die Oströmische Hauptstadt

im Laufe ihrer Geschichte bekommen?

1. __________________

2. __________________

3. __________________

• Nenne die drei Stände des Mittelalters:

G __________________

A __________________

B __________________

• Versuche das Bild über die drei Stände des Mittelalters

auf Seite 114 im Buch zu deuten. Nimm dazu

den Text auf Seite 114 und die Übersetzung der lateinischen

Aussagen im Bild zu Hilfe:

Tu supplex ora Du bete inständig!

Tu protege Du beschütze!

Tuque labora Und du arbeite!

• Lehen kommt von lei . . .!

Was wird verliehen?

Wer verleiht das Lehen? ____________________

• Warum ist der König besonders daran interessiert,

ihm treu ergebene Männer als Bischöfe,

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Erzbischöfe oder Äbte einzusetzen? Lies dazu den

Text im Buch auf Seite 126!

• Wer setzt wen im Jahr 1076 ab?

__________________________

• Wer bannt im Jahr 1076 wen?

__________________________

DIE REICHSINSIGNIEN

ZEICHEN DER MACHT

(Vorlage siehe Arbeitsblatt 19)

QUELLEN UND ERZÄHLUNGEN

Chlodwig

Darauf wandte Chlodwig sich gegen Chararich, den

Führer eines anderen Frankenstammes. Er nahm mit

List ihn und seinen Sohn gefangen und ließ beide fesseln.

Ihre Locken, das Zeichen der königlichen

Würde, ließ er ihnen abscheren. Chararich wurde zum

Priester geweiht. Der Sohn drohte: „Möchte doch nur

der so bald umkommen, der dies getan.“ Solches Wort

drang zu Chlodwigs Ohren, dass sie drohten, ihn zu

töten: Da befahl er zu derselben Zeit, sie zu enthaupten.

Er gewann so nach ihrem Tode ihr Land, ihren

Schatz und ihr Volk. Auch viele andere Könige ließ er

töten, sogar seine nächsten Verwandten, von denen er

fürchtete, sie möchten das Reich ihm nehmen. So breitete

er seine Herrschaft über ganz Gallien aus.

(Nach einem Bericht des Bischofs Gregor von Tours, 6. Jh. Historiarum

libri decem, liber secundus, 41, S. 136 ff.)

Als er eines Tages seine Leute versammelt hatte, soll

er zu ihnen von seinen Blutsverwandten, die er ermordet

hatte, so geredet haben: „Weh mir, dass ich nun

wie ein Fremdling unter Fremden stehe und keine Verwandten

mehr habe, die mir, wenn das Unglück über

mich kommen sollte, Hilfe gewähren können!“ Aber

er sprach dies nicht aus Schmerz um den Tod derselben,

sondern aus List, ob sich vielleicht noch einer

fände, den er zu töten vergessen hatte.

(Zit. nach Gregor von Tours, Historiarum libri decem, liber secundus,

42, S. 138 ff.)

Gott unterwarf ihm täglich seine Feinde und vermehrte

sein Reich, weil er mit gerechtem Herzen wandelte

und tat, was in den Augen des Herrn gefiel.

(Zit. nach Gregor von Tours, Historiarum libri decem, liber secundus,

40, S. 134 ff.)

Die Königin aber ließ nicht ab, in ihn [Chlodwig] zu

dringen, dass er den wahren Gott erkenne und ablasse

von den Götzen. Aber auf keine Weise konnte er zum

Glauben bekehrt werden, bis er endlich ... mit den Alamannen

in einen Krieg geriet. ... Als die beiden Heere

zusammenstießen, kam es zu einem gewaltigen Blutbad,

und Clodwigs Heer war nahe daran, völlig vernichtet

zu werden. Als er das sah, erhob er seine

Augen zum Himmel und sprach: „Jesus Christ, Hilfe

sagt man, gebest du den Bedrängten, Sieg denen, die

auf dich hoffen gewährst du mir jetzt den Sieg über

meine Feinde, so will ich an dich glauben und mich

taufen lassen auf deinen Namen.“ Und da er solches

ausgesprochen hatte, wandten die Alamannen sich

und fingen an zu fliehen. ... Also bekannte der König

den allmächtigen Gott als den Dreieinigen und ließ

sich taufen. Von seinem Heer wurden mehr als dreitausend

getauft.

(Zit. nach Gregor von Tours, Historiarum libri decem, liber secundus,

30, 31, S. 116 121.)

Der Papst krönt Karl zum Kaiser (800)

Am nächsten Tag, dem Weihnachtstag des Jahres 800,

besuchte Karl der Große den Festgottesdienst in der

St.-Peter-Basilika in Rom. Die Kirche war bis auf den

letzten Platz besetzt. Dicht am Altar befanden sich

Karls Töchter und Söhne und Karl selbst. Er trug eine

lange römische Tunika, einen Umhang mit goldenem

Gürtel und römische, mit Juwelen besetzte Sandalen.

Vor ihm auf dem Altar lag, funkelnd im Licht unzähliger

Kerzen, eine prächtige goldene Krone. Karl

kniete nieder und betete. Als sich der König vom Gebet

erheben wollte, setzte ihm Papst Leo die Krone

aufs Haupt. Dazu riefen die Römer:

„Karl, dem Erhabenen, von Gott gekrönten großen

und den Frieden schützenden Kaiser der Römer sei

langes Leben und Sieg beschieden!“ Dreimal riefen

sie ihn so zum Kaiser aus. Papst Leo salbte Karl mit

heiligem Öl, kniete vor ihm nieder und grüßte ihn nach

altem römischen Brauch als Kaiser und Augustus.

(Vgl. Einhardus: Vita Karoli Magni.)

Gesetzgebung Karls des Großen

Für das eroberte sächsische Gebiet erließ Karl strenge

Gesetze. In einer Verordnung heißt es:

„Wenn jemand gewaltsam in eine Kirche eindringt

und in ihr etwas raubt oder stiehlt oder die Kirche in

Brand steckt, so sterbe er des Todes.

Wenn einer den Leib eines Toten nach heidnischem

Brauch durch das Feuer verzehren lässt und seine Gebeine

zu Asche verbrennt, soll er mit dem Tode bestraft

werden.

Wer hinfort im Stamm der Sachsen ungetauft sich verbergen

will und zur Taufe zu kommen unterlässt und

Heide bleiben will, der soll des Todes sterben.“

Um 806 schickte Karl der Große folgenden Brief

an den Abt Fulrad von Saint Quentin

Es wird hiermit bekannt gegeben, dass wir unsere

Reichsversammlung dieses Jahr in das östliche Sachsen

einberufen haben ... Daher befehlen wir dir, dass

du mit all deinen Leuten am 15. Juni dorthin kommst.

Deine Gefolgschaft muss vollständig ausgerüstet

sein, mit Waffen, sonstigem Kriegsgerät, Lebensmitteln

und Kleidung. Jeder Reiter muss einen Schild,

eine Lanze, ein langes und ein kurzes Schwert, einen

Bogen und einen pfeilgefüllten Köcher haben. In

euren Wagen müsst ihr Kriegswerkzeug aller Art mitführen.

Vom Datum der Versammlung an muss der

Proviant für drei Monate reichen, Kleider und Waffen

sind für ein halbes Jahr mitzuführen. Auf dem Weg

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zum Versammlungsort darf (von den ansässigen Bauern)

nichts beansprucht werden außer Futter, Brennholz

und Wasser. Schau, dass du in unserer Huld bleiben

willst.

(Vgl. Einhardus: Vita Karoli Magni.)

Der Abt Alkuin schreibt 799 an Karl den Großen

Drei Männer standen bisher in der Welt am höchsten:

zunächst [der Papst]. Was dem geschehen ist (die

Misshandlung durch die Adeligen Roms), habt Ihr mir

mitteilen lassen. An zweiter Stelle kommt die Kaiserwürde,

die weltliche Macht im zweiten Rom (Konstantinopel).

... An dritter Stelle steht die Königswürde,

in die Euch Christus als Lenker des Christenvolkes

eingesetzt hat. Ihr überragt (aber) die beiden

anderen Würden an Macht, an Weisheit und Erhabenheit

Eurer Herrschaft. So ruht auf Euch allein das Heil

der Kirche Christi.

(Vgl. Einhardus: Vita Karoli Magni.)

Freispruch Karls durch den Papst in Rom,

23. Dezember 800

Es erschien Papst Leo und allen an der Versammlung

Teilnehmenden angemessen, den Kaisertitel dem

Frankenkönig (Karl) zu übertragen. Denn dieser besitze

Rom, wo stets die Kaiser zu residieren pflegten,

außerdem beherrsche er Italien, Gallien und Germanien.

Da Gott der Allmächtige diese Länder seiner

Autorität unterstellt habe, entspreche es dem Wunsch

der ganzen Christenheit, wenn Karl auch den kaiserlichen

Titel führe.

Die Byzantiner das Oströmische Reich

Kennst du diese Stadt? Kennst du ihre Namen? Die

Stadt liegt heute auf zwei Erdteilen. Gegründet wird

sie im 7. Jh. v. Chr. von den Griechen als „Byzantion“.

Um 330 n. Chr. erhält sie den Namen des damaligen

römischen Kaisers. Er bezeichnet sie als „Neues

Rom“, weil er die Stadt zum neuen Regierungssitz des

Römischen Weltreiches wählt. Sie soll christlich sein

im Gegensatz zum alten heidnischen Rom in Italien.

Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches

(476 n. Chr.) bleibt sie die Hauptstadt des Oströmischen

Reiches. Sie wird für lange Zeit zur wichtigsten

und reichsten Handelsstadt der damaligen Welt. Als

sie 1453 n. Chr. von den Türken erobert wird, endet

auch das Oströmische Reich nach tausendjähriger

Dauer. Seit damals trägt die Stadt einen neuen Namen.

(Vgl. H.-G. Beck : Das byzantinische Jahrtausend. München: Beck

1994.)

Kaiser Justinian

Unter Kaiser Justinian (527565) gelang es in einem

20-jährigen Krieg ein letztes Mal, den lateinisch-germanischen

Westen und den griechischsprachigen

Osten in einem Gesamtreich zusammenzufassen.

Bald nach dem Tod Justinians zerfiel dieses Imperium

jedoch wieder. Eine weitere wichtige Leistung Justinians

neben dem Bau der Hagia Sophia war die Zusammenfassung

aller römischen Kaisergesetze.

Durch diese wurde uns das Römische Recht überliefert.

Dieses Recht beeinflusst die Gesetzgebung in den

Staaten Europas bis heute.

Die Lehensordnung der Klub der Mächtigen

König Heinrich der Löwe wird mit dem Herzogtum

Bayern belehnt: Die Übergabe des Lehens war eine

feierliche Handlung. Durch einen Treueid und den so

genannten Handgang wurde jeder Lehensvertrag besiegelt.

König Friedrich I. hielt Reichstag in Regensburg.

Heute sollte Herzog Heinrich von Sachsen, genannt

„der Löwe“, ein Vetter des Königs, mit Bayern belehnt

werden. Auf einem großen Platz hatte sich das Volk

versammelt. Alle blickten zum König, der auf einem

erhöhten Thron saß, umgeben von vielen Adeligen.

Man jubelte ihm zu. Eine Reiterschar sprengte heran.

An der Spitze ritt Herzog Heinrich. Vor dem König

angekommen, sprang er vom Pferd und schritt auf

Friedrich zu. Er kniete vor ihm nieder und faltete die

Hände. Der König umfasste fest die aneinander gelegten

Handflächen von Heinrich, während dieser den

Treueid sprach: „Deine Feinde sind meine Feinde,

deine Freunde sind meine Freunde. Ich will dir allzeit

treu, hold und gewärtig sein.“

Mit diesem Schwur erhob sich Heinrich, und der König

übergab ihm als Zeichen der Belehnung die Fahne

des Herzogtums Bayern. Jetzt erschallten Hochrufe,

und das Volk jubelte dem König und seinem mächtigen

Lehensmann zu. Heinrich der Löwe war jetzt Herzog

von Sachsen und Bayern.

Lehensordnung

Es sind die gemeinen Leute zahlreicher als die Übrigen,

die, weil sie in Frieden leben möchten, Herren

schaffen. Diese Herren bändigen die Starken und erhalten

jedem Menschen sein Recht, sodass ein jeder

seinen Verhältnissen entsprechend leben kann, der

Arme in seiner Armut und der Reiche in seinem Reichtum.

Um dies in alle Ewigkeit zu sichern, hat sich das

Volk einem Herrn unterworfen.

Lehenseide

Solange ich lebe, ist es meine Pflicht, dir zu dienen

und dich zu achten!

Deine Freunde werden meine Freunde sein, deine

Feinde meine Feinde!

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WIRTSCHAFT UND GESELLSCHAFT

ARBEITSAUFTRÄGE UND WORTSPIELE

• Nenne mindestens zwei wichtige Stellen, wo im

Mittelalter immer wieder Städte gegründet wurden:

Ergänze

Kr . . z . . . . .

F . r t . .

• Welche drei wichtigen Rechte und Pflichten hatten

die Bürger einer Stadt. Lies dazu den Text auf Seite

128 und 129.

________________

________________

________________

• Was ist eine EGLDI? Stelle richtig und erkläre das

Wort!

• Nenne einige „unehrliche“ Berufe in den Städten.

Was weißt du über diese Berufe in unserer Zeit?

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________________________________________

________________________________________

• In einem Handwerker-Betrieb arbeiten

der M . . . t . .

die . . . . l l . .

die L . h . . . n . .

• Schreibe Vor- und Nachteile der Warentransporte zu

Wasser und zu Lande im Mittelalter auf:

Warentransporte zu Wasser

________________________________________

________________________________________

________________________________________

Warentransporte zu Lande

________________________________________

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• Schreibe fünf wichtige Hansestädte aus der Karte

auf S. 134 im Buch heraus.

Informiere dich über sie in einem Lexikon.

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ZUNFTZEICHEN

(Vorlage siehe Arbeitsblatt 20)

EIN RUNDGANG DURCH EINE

MITTELALTERLICHE STADT

(Vorlage siehe Arbeitsblatt 21)

QUELLEN UND ERZÄHLUNGEN

Aus einer Kleiderordnung

Auch haben sie verordnet, dass keine Ehefrau noch

Witwe noch irgendeine Frau, weder eine Begine noch

eine andere Frau, an kein Tuch, weder an einen

Schleier noch ein anderes Tuch, weder an Seide noch

Garn, einen Saum ansetzen soll, wo hingegen sie das

tragen und so belassen soll, wie es ursprünglich gewebt

wurde. Ferner soll keine von ihnen es weiterhin

wagen, einen kronenförmigen Kopfputz zu tragen. Es

soll auch niemand, weder Frau noch Mann, Knabe

noch Tochter, künftig Schuhe tragen, an denen eine

Spitze ist, die man nach außen schieben kann. Zudem

soll auch jeder Mann und Knabe, arm oder reich, jedes

Gewand, das er oberhalb tragen wird, so lang machen,

dass es ihm unten an den Knien abschließt, und

der Kapuzenzipfel soll nicht länger sein, als der Rock

lang ist.

Ein Marktprivileg und eine städtische Freiheitsurkunde

Bekannt sei allen Künftigen und Gegenwärtigen, dass

ich, König Konrad, in einem Ort meines Eigentums,

nämlich Freiburg, im Jahre nach der Fleischwerdung

des Herrn 1120 einen Markt begründet habe. Mit den

von überall her zusammengerufenen angesehenen

Kaufleuten habe ich in einer beschworenen Vereinbarung

beschlossen, diesen Markt zu beginnen und auszubauen.

Deshalb habe ich in dem gegründeten Markt jedem

Kaufmann ein Grundstück zum Hausbau als Eigentum

zugeteilt und entschieden, dass mir und meinen

Nachfolgern als Zins jedes Jahr am Fest des heiligen

Martin von jedem Grundstück ein Schilling öffentlicher

Münze zu zahlen sei.

Ich verspreche Frieden und Sicherheit des Weges

allen, die meinen Markt aufsuchen, in meinem

Machtbereich und Herrschaftsgebiet. Wenn jemand

von ihnen in diesem Gebiet beraubt wird, werde ich,

wenn er den Räuber namhaft macht, dafür sorgen, dass

ihm das Geraubte zurückgegeben wird, oder ich werde

es bezahlen.

Wenn einer meiner Bürger stirbt, soll seine Frau mit

seinen Kindern alles besitzen und ohne jede Einschränkung

behaupten, was ihr Mann hinterlassen hat.

Allen Kaufleuten erlasse ich den Zoll.

Niemals werde ich meinen Bürgern einen anderen

Priester ohne Wahl vorsetzen, sondern wen immer sie

dazu wählen, sollen sie unter der Bedingung meiner

Bestätigung haben.

Die Straßburger Zunft der Tuchmacher an die

Zunft der Wollweber in Schweinfurt, 15. Jh.

Unseren freundlichen Gruß zuvor, liebe Freunde.

Nachdem Ihr uns gebeten habt, Euch unsere Zunftordnung

schriftlich mitzuteilen, schicken wir Euch

daraufhin diesen verschlossenen Brief ... Zum Ersten

haben wir die gemeinsame Stube, Haus und Hof, die

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uns zur Verfügung stehen. In dieser Stube kommen wir

zusammen, um miteinander zu essen und zu trinken

... Wir wählen jährlich einen Vorsteher für unsere Zukunft

und vier weitere, die zusammen die „Fünfmänner“

genannt werden. Sie müssen schwören, für ein

Jahr ... alle Dinge auszurichten und handhaben, die ihnen

dann anvertraut und im Einzelnen in einem Buch

festgelegt sind ... Diese fünf müssen schwören, alle

Tuche zu prüfen, die guten, die keine Fehler aufweisen,

besiegeln, außerdem diejenigen, die kleine Fehler

haben, mit einem besonderen Siegel kennzeichnen

und den ganz fehlerhaften Tuchen ein Siegel verwehren

... Weiterhin lassen wir auch jede Nacht ein Zunftmitglied

mit seinem einfachen Harnisch und Gewehr

(Waffen) zusammen mit anderen aus den anderen

Zünften auf Wache stehen ...

Wenn jemand das Handwerk ausüben will, so muss er

die Zunftmitgliedschaft mit dem dafür erforderlichen

Betrag, das sind insgesamt zwei Pfund Pfennige, erwerben.

Dieses Geld wird zum Nutzen der gesamten

Zunft verwandt. Der Sohn eines Handwerksmeisters

braucht sie (die Mitgliedschaft) nicht zu erwerben.

Desgleichen braucht der, der die Tochter eines Meisters

ehelicht und der das Handwerk ausüben will,

weder das Stubenrecht noch die Zunftmitgliedschaft

zu erwerben. Er muss allerdings 5 Schilling Pfennige

in die Büchse geben, und er ist verpflichtet, wie andere

zu dienen ...

Weiterhin sind wir verpflichtet, wenn ... ein Aufruhr

in der Stadt ausbricht, unter unserem Banner mit unserem

Harnisch ... auf einen Platz zu ziehen ... (und)

dort auf unsere Herren Bürgermeister ... zu warten.

Außerdem sind aus allen Zünften etliche Leute dazu

bestimmt, bei einem Feuer herbeizueilen, um zu

löschen ...

Weiterhin unterhalten wir etliche Kerzen, die wir im

Münster von Karfreitag bis Ostertag, so lange wie unser

Herr im Grabe lag, brennen lassen.

Aus der Zunftordnung der Bäcker in Hannover

(1481)

Wenn einer aus unserm Handwerk, gleichgültig ob

von den Frauen oder den Männern, krank oder aussätzig

wird, sodass er oder sie wegen ihrer Krankheit

Not leiden und Hilfe brauchen, so soll (man ihnen)

nach Beratung mit dem Zunftvorsteher mit

Geld oder Speise zu Hilfe kommen. Man soll die

Kranken entsprechend ihres Bedarfs unterstützen.

Und wenn jemand arm gestorben ist, so soll man sie

begraben.

Die Handwerker Ein Lehrvertrag zu Köln, 1413

Ich, Johann Toyburch der Alte, Bürger zu Köln, tue

kund allen Leuten, dass ich meinen Sohn Toenis vermietet

habe dem bescheidenen Manne Ailf Bruwer,

dem Goldschmied. Mein Sohn hat seinen eigenen

Willen dazu gegeben, das Goldschmiedeamt in Köln

zu lernen und ihm treulich zu dienen 8 Jahre lang.

Auch soll Meister Ailf meinen Sohn in seiner Kost behalten.

Und ich, Johann, soll den Toenis, meinen Sohn,

die ganzen acht Jahre lang ehrlich kleiden. Wenn Toenis

Meister Ailf in diesen acht Jahren entliefe, so soll

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ich mit Strafe von 42 Gulden dem Meister Ailf verfallen

sein.

Aus einer Gesellenordnung in Nürnberg

Zum Ersten solle alle Gotteslästerung und Schmähung

gänzlich verboten sein.

Soll man keinen Gesellen fördern, der ein Weib hat.

Es gefällt uns auch nicht, dass ihr den Lehrbuben so

viel zu trinken gebt. Wir möchten, dass es ganz unterlassen

bliebe.

Es soll keinem Gesellen in der Werkstatt bei der Arbeit

zugeschaut werden ohne des Meisters Wissen.

Strafe

Welcher Geselle eine Vorschrift übertritt, der soll von

den Gesellen dem Meister gemeldet werden.

Aus der Ordnung der Kölner Garnmacherinnen

(1397)

Die Person oder Magd, die das Garnamt (Amt = genehmigtes

Handwerk) in Köln erlernen will, die soll

vier Jahre dienen und nicht weniger, damit sie lerne,

Kaufmannsgut zu machen ... Und sie soll sogleich dem

Amt sechs Schilling für den Eintritt geben ...

Und wenn einem Mann seine Frau stirbt, dann darf

dieser das Amt mit seinem Gesinde weiter ausüben.

Weiterhin soll keine Frau mehr als eine Tochter mit ihrem

Geld selbstständig machen; die soll sie mit dem

notwendigen Geld versehen, aber (ihr) keine Säcke

Garn (geben) ...

Weiterhin soll keine Frau mehr Gesinde halten als drei

Mädchen oder Lohnarbeiterinnen oder aber eine

Tochter, die ihr hilft, und zwei Mägde ...

Und wer der anderen ihr Gesinde entzieht ..., die soll,

wenn man sie dessen überführen kann, zwei Gulden

als Strafe zahlen und die Dienstbotin entlassen.

Weiterhin soll man keine berufliche Arbeit ausführen,

wenn die Nachtglocke geläutet hat. Das ganze Jahr

über soll man nicht vor der Dommesse aufstehen, um

zu arbeiten. Und dies ist deshalb festgesetzt, damit die

Nachbarn vor Unruhe geschützt sind.

Klage einer Hausmagd

Ach liebe Else, auf meinen Eid,

wie sind wir arme Hausmägde

von jedermann veracht´, verschmäht.

Ein ganzes Jahr um kleinen Lohn.

Wenn ich dann über die Arbeit klage,

da treibt man mich an wie ein Pferd

in der Küche und um den Herd.

Mit Fegen, Braten, Sieden und Kochen,

mit Bettenmachen über Wochen.

(Nach Hans Sachs, Die arme hauß meyd, 1532.)

Spitäler

Jedes Spital hatte eine Ordnung, die seine Aufgaben

sowie den Tagesablauf und die Tätigkeiten der Bewohner

regelte. So legte die Spitalsordnung der Stadt

Landsberg/Lech fest:

Jeder Spitalsbewohner ist zu täglichen Gebeten und

zur Teilnahme an den Gottesdiensten in der Spitalkirche

verpflichtet; ebenso gelten die Beichte und der

Empfang von Kommunion vor allem an großen Feier-

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tagen als Pflicht. Jeden Tag wird um 9 Uhr, spätestens

um 10 Uhr, zu Mittag und um 16 Uhr zu Abend gegessen;

ein Frühstück gibt es nur an Feiertagen. Jeden

Montag wird nach dem Gottesdienst das Brot ausgegeben.

Im Spital sollen auch andere Bedürftige verpflegt werden:

16 arme Schüler, die täglich im Chor der Spitalkirche

mitwirken, Waisenkinder, Bewohner des Blattern-

und Leprosenhauses, arme Pilger und Durchreisende.

Die gesunden Spitalbewohner helfen bei den Arbeiten

im Haus, sie arbeiten in der Landwirtschaft und

auch in der Krankenpflege. Wenn ein Spitalbewohner

gelernter Handwerker ist, dann übt er im Spital seinen

Beruf weiter aus; allerdings erlaubt ihm die Zunft nur

Ausbesserungsarbeiten.

Der Rheinische Städtebund entsteht

Schon vor der Hanse entstanden im Deutschen Reich

Vereinigungen von Städten. Eine davon war der 1254

gegründete Rheinische Städtebund, dem auch Fürsten

und Bischöfe beitraten. Zu jener Zeit konnten sich die

Fürsten auf keinen gemeinsamen König in Deutschland

einigen. Die Wormser Chronik berichtet:

Damals stand es in Deutschland, vornehmlich am

Rhein, so: Die Ritter und Edelleute ... mordeten, wenn

sie konnten, verlegten und versperrten Straßen und

Pässe und stellten denen nach, die ihres Gewerbes halber

über Land ziehen mussten. Daneben hatten etliche

Herrschaften neue Zölle am Rhein aufgerichtet.

Auch wurde das arme Volk mit übermäßigen und unbilligen

Steuern schwer belastet und bedrängt. Weil

sonst keine Hilfe zu erwarten war, verbanden sich 60

am Rhein gelegene Städte ... und wollten einander in

Nöten beistehen ... Sie vereinigten ihre Kriegsrüstungen

und schafften die Zölle ab, die auf dem Rhein erhoben

wurden, rissen die Raubschlösser ein ... und

vertrieben die Mörder und Straßenräuber aus dem

Land. So ward wiederum Fried und Ehrbarkeit im

Land.

Jakob Fugger an Karl V.

1519 bewarben sich der französische König Franz I.

und Karl um die deutsche Königswürde:

Eure kaiserliche Majestät wissen ohne Zweifel, wie

ich und meine Vettern bisher dem Hause Österreich

zu dessen Wohlfahrt in aller Untertänigkeit zu dienen

geneigt gewesen bin. Es ist auch bekannt, dass Eure

kaiserliche Majestät die ... Krone ohne meine Hilfe

nicht hätten erlangen können. So habe ich auch hierin

auf meinen Nutzen nicht gesehen. Denn wenn ich

hätte vom Hause Habsburg abstehen und Frankreich

fördern wollen, so hätte ich viel Geld und Gut verlangt,

wie mir solches angeboten worden ist. Welcher

Nachteil aber hieraus Eurer kaiserlichen Majestät und

dem Hause Österreich erwachsen wäre, das haben

Eure Majestät aus hohem Verstande wohl zu erwägen.

Kaiserlicher Schutz

Karl V. empfiehlt einem seiner Bevollmächtigten

folgendes Vorgehen:

Jakob Fugger (und andere) haben sich bei uns darüber

beklagt, dass du sie vor Gericht geladen hast. (Sie)

sollen einen Monopolhandel betreiben ... Die genannten

Kaufleute erheben Einspruch gegen die Vorladung.

Sie haben uns untertänigst gebeten, das Vorgehen

gegen sie zu verbieten.

Nun sind wir der Meinung, dass im ... Reich kein

Monopolhandel betrieben werden soll ... Dennoch

können wir zurzeit aus bestimmten Gründen nicht dulden,

dass in der geschilderten Weise gegen die

genannten Kaufleute vorgegangen wird und ein

Gerichtsverfahren gegen sie eröffnet wird. Deshalb

befehlen wir dir, dass du gegen die genannten Kaufleute

bis auf einen weiteren Befehl von uns nichts

mehr unternimmst.

KULTUR UND RELIGION

ARBEITSAUFTRÄGE UND WORTSPIELE

• Die Apostel der Slawen waren:

LLIRYK und DOHTEM.

Schreib die Namen richtig: ______________

______________

• Bonifatius, der A__________ der

D __________, verknüpfte die Kirche im Frankenreich

eng mit ORM.

Setze ein und ordne die Buchstaben!

• Die Bischöfe unterstützten den König bei

________________________

________________________

Lies nach im Buch auf Seite 112!

• Was ist eine Chronik? Suche das Wort im Glossar

und erkläre es!

• Nenne wichtige Tätigkeiten der Mönche und

Nonnen und schreibe sie auf:

b ___________________

ro __________________

sch _________________

un ___ rr_____________

MALECKE

GOTISCHES GLASFENSTER

(Vorlage siehe Arbeitsblatt 22)

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QUELLEN UND ERZÄHLUNGEN

Konstantinopel ein religiöses Zentrum

Da offenbarte Gott dem Philosophen Konstantin

(= Kyrill) die slawische Schrift und sogleich bildete

er die Buchstaben und begann den Wortlaut des Evangeliums

aufzuschreiben.

Es gab aber viele Leute, die die slawische Schrift tadelten,

indem sie sagten: „Keinem anderen Volk ziemt

es, eigene Buchstaben zu haben mit Ausnahme der

Hebräer, Griechen und Lateiner, gemäß der Inschrift

auf dem Kreuze des Herrn.“ Der Philosoph entgegnete

ihnen: „Kommt nicht der Regen von Gott, und

zwar in gleicher Weise über alle? Scheint nicht ebenso

die Sonne auf alle und atmen wir nicht in gleicher

Weise die Luft? Wie kommt es, dass ihr euch nicht

schämt, nur drei Sprachen zuzulassen, während ihr

alle anderen Völkerstämme blind und taub sein

lässt?“ ... Mit solchen und anderen Worten beschämte

er sie.

(Nach: Konstantinvita und Methodiosvita, um 900.)

Der berühmte arabische Gelehrte Al Biruni

(9731048) schreibt in seinen Werken

Es ist bekannt, dass die einfältige Ausübung der Religion

nichts helfen wird, wenn ihr nicht das Wissen

... und die Unterscheidung des Wahren und Falschen

vorausgeht ...

Wenn man einen Sachverhalt aus (religiösem) Hass

auf seinen Urheber unterschlägt oder entstellt oder

sich von einer Wahrheit abwendet, weil derjenige, der

sie ausspricht, sich in anderen Dingen geirrt hat (wie

die Griechen und Römer die Götzen verehrten), so tut

man das Gegenteil von dem, was die Offenbarung

(Allahs) verkündet hat ...

Was für ein Unterschied besteht doch zwischen dem,

der selbst alles prüft, und dem, der bloß an das Überlieferte

glaubt!

Alle Überlieferer stimmen darin überein, dass den

Schlangen die Augen ausfließen, wenn ihr Blick auf

einen Smaragd (Edelstein) trifft ...

Ich habe es mit einer solchen Hingabe auszuprobieren

gesucht, wie man es nicht gewissenhafter machen

kann. Ich habe den Schlangen eine Halskette aus Smaragden

umgelegt, ich habe ihren Korb damit ausgestattet

... und das im Verlauf von neun Monaten bei

warmem und kaltem Wetter. Es blieb mir schließlich

nichts übrig, als ihnen Smaragdpulver in die Augen

zu bringen. Es zeigte da überhaupt keine Wirkung.

ALLTAG

KREUZWORTRÄTSEL

(Rätsel siehe Arbeitsblatt 23)

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ARBEITSAUFTRÄGE UND WORTSPIELE

• Der f_______ Bauer wird im Mittelalter zum

h_______n Bauern.

Was bedeutet das? Lies dazu den Text auf Seite 116.

• „Keuschler“ Was bezeichnet dieses Wort? Lies

nach im Glossar!

• Warum kann das KUMMET die Zugkraft eines

Zugtieres, z. B. eines Pferdes, eines Ochsen, eines

Esels, steigern? Betrachte dazu die Zeichnungen

auf Seite 119 und lies den nebenstehenden Text.

• Erläutere die Vor- und Nachteile der zwei Wirtschaftsformen:

SHCUATwirtschaft und EDLGwirtschaft. Stelle

richtig und lies dazu die Texte auf Seite 119 und 135.

• Was gehört zu einer ritterlichen Lebensweise?

Kämpfen, Rülpsen, Schutz der Schwachen, Rauben,

Verwalten, Fremdsprachenkenntnisse, Lesen,

Gedichte schreiben, Maß halten, Turnieren.

Stelle richtig und diskutiere auch darüber, was nicht

zur ritterlichen Lebensweise zählt!

• Was bedeuten diese Redeweisen:

„In die Schranken weisen“

„Aus dem Sattel heben“

„Ausstechen“

„Keinen Stich machen“

„Eine Lanze für jemanden brechen“

„Im Staub liegen“

• Was fällt dir zum Leben eines Raubritters ein?

Vergleiche die Lebensweise eines Raubritters aus

dem späten Mittelalter mit der idealen ritterlichen

Lebensweise aus dem Hochmittelalter. Siehe dazu

Buch Seite 120 und 121!

MALECKE

RITTER UND BURGFRÄULEIN

(Vorlage siehe Arbeitsblatt 24)

MALECKE BURGANLAGEN

(Vorlage siehe Arbeitsblatt 25)

QUELLEN UND ERZÄHLUNGEN

Die Hofordnung von Rommersheim

Die Hofordnung von Rommersheim, das zum Kloster

Prüm in der Eifel gehörte, ist eine Fronordnung von

893. Widrad ist einer von 30 hörigen Bauern des

Dorfes.

(Widrad gibt an das Kloster) einen Eber, außerdem

1 Pfund Garn, 3 Hühner, 18 Eier. Er leistet jährlich die

Weinfuhre, jeweils im Mai und Oktober die Hälfte,

fährt 5 Wagenladungen von seinem Mist, gibt 5 Bündel

zu je 15 Stück Baumrinde (als Fackeln für die Beleuchtung

verwendet), fährt 12 Wagenladungen Holz

6 Fuß breit, 12 Fuß lang (zum Kloster), backt Brot

und braut Bier (im Backhaus und Brauhaus des Klosters

gegen Gebühr).

Jede Hufe liefert 50 Latten und 100 Dachschindeln

und tut im Wald bei unserer Schweineherde eine Woche

Hirtendienst, wenn sie an der Reihe ist ... Sie bestellt

3 Morgen Land das ganze Jahr hindurch, jede

Woche drei Tage ... Sie leistet Wachdienst. Wenn sie

15 Nächte fronen (den Wachdienst verrichten) und

Heu ernten, erhalten sie Brot, Bier und Fleisch in reichen

Jahren, zu anderen Zeiten nichts. Jeder Hufenbauer

unterhält ein eingezäuntes Stück von 135 Fuß

und säubert eine Fläche im Herrschaftsgarten. Die

Frau muss Beinkleider nähen. Als Heeressteuer stellt

Rommersheim einen Wagen mit 4 Ochsen von Mai bis

August (für Transporte im Kriegszug).

Freiwillig in die Grundherrschaft?

Abgesandte berichten Karl dem Großen: Die ärmeren

Freien beklagen sich: Wer einem Bischof, einem Abt

oder Grafen ... sein Eigentum nicht übertragen will,

gegen den suchen sie Gelegenheiten, ihn zu verurteilen,

oder sie lassen ihn ständig in den Heeresdienst gehen,

bis ihnen dieser Arme sein Eigentum überträgt

oder verkauft. Die anderen aber, die ihr Eigentum

schon übergeben haben, können in Ruhe zu Hause sitzen

bleiben.

Frondienste ohne Grenzen?

In Cuvency forderte ein (Meier) namens Alberich für

sich ungebührliche Frondienste. Dabei hat er die

Klosterleute so sehr bedrängt, dass beim Pflügen die

Kuh eines Bauern zu früh kalbte. An ihrer Stelle musste

dann der Bauer den ganzen Tag lang das Zugjoch

auf der Schulter tragen.

Grundherr Bauern

Sie sind in Samt und Seide gekleidet, mit grauen und

dunklen Pelzen ..., und wir tragen ärmliches Tuch.

Sie haben Weine, Gewürze und Weißbrot ..., und wir

haben Roggen, Kleie und

Stroh und trinken Wasser.

Sie haben Freizeit und schöne Landsitze ..., und wir

haben Mühe und Arbeit,

Regen und Wind auf den Feldern, und von unserer

Arbeit muss das kommen,

womit sie ihren Aufwand treiben.

(Kaplan John Balle, um 1300.)

Ritter als Kreuzritter Rede Papst Urbans II.

Zum Abschluss der Synode von Clermont, am 27. November

1095, trat Papst Urban II. ins Freie und hielt

vor einer großen Menschenmenge folgende Predigt:

Von Jerusalem und Konstantinopel kommt schlimme

Nachricht zu uns. Die Seldschuken, ein fremdländisches

und gottloses Volk, sind in das Land der Christen

eingedrungen und haben es mit dem Schwert,

durch Plünderungen und Brandstiftungen verwüstet.

Besonders das Schicksal des heiligen Grabes muss

euch zu Herzen gehen. Es ist in der Gewalt jenes sündhaften

Volkes ebenso wie die heiligen Stätten, die von

jenen Unreinen geschändet und besudelt werden.

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Unerschrockene Ritter, Nachkommen unbesiegter

Vorfahren, gedenkt der Tapferkeit eurer Väter. Besitz

hält euch nicht, denn das Land, das ihr bewohnt, ist

überall von Meer und Bergen umgeben und zu eng für

eure große Zahl. Es hat keinen Überfluss an Reichtümern

und nährt kaum jene, die es bearbeiten. Aus diesem

Grunde streitet ihr euch, führt Kriege gegeneinander

und bringt euch gegenseitig um. Hört auf, euch

zu hassen und zu bekriegen. Geht hin zum heiligen

Grabe, nehmt das Land den verruchten Heiden ab und

macht es zu eurem eigenen. Beschreitet den Weg, der

zur Vergebung eurer Sünden führt, des unvergänglichen

himmlischen Ruhmes seid ihr gewiss.

(Nach dem Bericht des Mönches Robert von Reims, eines Augenzeugen.)

Als der Papst geendet hatte, erhob sich aus der Menge

eine begeisterte Zustimmung: „Gott will es!“ Noch

ehe sich die Versammlung auflöste, hatten viele ihre

Mäntel in Streifen gerissen und hefteten sie in Form

eines Kreuzes zum Zeichen der Nachfolge Christi auf

ihre Schultern.

Eroberung Jerusalems nach fünfwöchiger Belagerung

im Jahr 1099

Das Heilige Land erreichten jedoch nur die gut organisierten

Ritterheere. Sie eroberten im ersten Kreuzzug

(10961099) nach fünfwöchiger Belagerung

unter großen Verlusten Jerusalem. In einem wahren

Blutrausch richteten sie unter der Bevölkerung ein unvorstellbares

Massaker an. Der Eindruck in der arabischen

Welt war ungeheuer. Es entstand, als Reaktion

gegen den Westen, der Hass gegen die „Lateiner“, die

„Franken“, die „christlichen Hunde“.

Voll Schmerz und Empörung singt der arabische

Dichter Mosaffer Allah Werdis:

„Wir haben in Massen unser Blut vermischt mit unseren

Tränen. Keiner von uns ist noch im Stande, den

Feind zurückzuschlagen, der uns bedroht. Oh, dass so

viel Blut geflossen ist, dass man so vielen Frauen

nichts hat gelassen, ihre Scham zu schützen als die

Flächen ihrer Hände. Zwischen dem Stoß der Lanzen

und der Schwerter ist der Schreck so furchtbar, dass

das Antlitz der Kinder weiß wird vor Angst.“

Nach dem Plündern, Morden und Vergewaltigen

wurde sodann das christliche Königreich in Jerusalem

errichtet. Die Stadt hatte gegen die Araber bis 1187

behauptet werden können, Reste des Königreiches sowie

einige Kreuzfahrerstaaten entlang der syrischen

Küste noch rund 100 Jahre länger.

Die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer

1099 nach dem Bericht eines christlichen Augenzeugen

Nachdem die Unsrigen die Heiden endlich zu Boden

geschlagen hatten, ergriffen sie im Tempel eine große

Zahl Männer und Frauen und töteten und ließen leben,

wie es ihnen gut schien. Bald durcheilten die Kreuzfahrer

die ganze Stadt und rafften Gold, Silber, Pferde

und Maulesel an sich; sie plünderten die Häuser, die

mit Reichtümern überfüllt waren. Dann, glücklich

und vor Freude weinend, gingen die Unsrigen hin, um

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das Grab unseres Erlösers (Jesus Christus) zu verehren,

und brachten ihm gegenüber ihren Dank dar. Am

folgenden Tag erkletterten die Unsrigen das Dach des

Tempels, griffen die (Moslems), Männer und Frauen,

an, zogen das Schwert und schlugen ihnen die Köpfe

ab. Einige von ihnen stürzten sich aus Angst von der

Höhe des Tempels hinab ...

Die ganze Stadt war völlig mit ihren Leichen angefüllt

... Niemand hat jemals von einem ähnlichen Blutbad

unter einem heidnischen Volk gehört oder es gesehen.

Ein Geschichtsschreiber jener Zeit berichtet

Der größte Teil der Bevölkerung hatte sich nach dem

Tempelhof geflüchtet, weil dieser in einem entfernten

Teil der Stadt lag, auch mit einer Mauer, mit Türmen

und starken Toren bewehrt war. Diese Flucht brachte

den Leuten wahrlich keine Rettung.

Im Tempelbezirk sollen an die zehntausend Feinde

umgekommen sein. Der übrige Teil des Heeres zerstreute

sich in der Stadt, zog diejenigen, welche sich

in engen und verborgenen Gassen versteckt hatten, um

dem Tode zu entrinnen, wie das Vieh hervor und stieß

sie nieder. Andere taten sich in Scharen zusammen

und gingen in die Häuser, wo sie Familienväter mit

Frauen und Kindern und dem ganzen Gesinde herausrissen

und entweder mit den Schwertern durchbohrten

oder von den Dächern herabstürzten. Als endlich

auf diese Weise die Ordnung in der Stadt hergestellt

war, legten sie die Waffen nieder, wuschen sich

die Hände, zogen reine Kleider an und gingen dann

demütigen und zerknirschten Herzens, unter Seufzen

und Weinen, mit bloßen Füßen an den ehrwürdigen

Orten umher, welche der Erlöser durch seine Gegenwart

heiligen und verherrlichen mochte, und küssten

sie in größter Andacht.

Was blieb von den Kreuzzügen? Auswirkungen

Lange Zeit veranschlagte man die Bedeutung der

Kreuzzüge für Europa sehr hoch. Aufgrund neuer Forschungsarbeiten

neigt man aber gegenwärtig eher zu

einer zurückhaltenden Bewertung:

Der islamische Osten, ja selbst der Kalif, war an diesen

Auseinandersetzungen am Rande der islamischen

Welt nur unzureichend interessiert.

Für die Muslime waren die Kreuzzüge kaum mehr als

eine Reihe von Grenzzwischenfällen. Das Ostkirchentum

hingegen wurde durch die Kreuzzüge nachhaltig

geschwächt und erlag schließlich den türkischen

Osmanen. Hier bewirkten die Kreuzzüge genau

das Gegenteil dessen, was sie ursprünglich hatten bewirken

wollen.

Hass gegen Ungläubige im eigenen Land

Judenverfolgung

Da man nun einmal gegen die Ungläubigen zu Felde

zog, wandten sich Ritter und Volk in religiösem Fanatismus,

vermischt mit Beutegier und Geldneid,

gleich zu Beginn des ersten Kreuzzuges gegen die

„Ungläubigen“ im eigenen Land. Erbarmungslose Judenpogrome

in Frankreich und Deutschland bildeten

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den Auftakt einer bis in die Gegenwart immer wiederkehrenden

Judenverfolgung.

So fragte 1096 ein jüdischer Chronist aus Mainz:

„Warum verdunkelte sich nicht der Himmel, warum

zogen die Sterne ihren Lichtglanz nicht ein, und Sonne

und Mond, warum verfinstern sie sich nicht an ihrem

Gewölbe, als an einem Tag 1100 heilige Personen ermordet

und hingeschlachtet wurden, so viele Kleine

und Säuglinge, die noch nicht gefrevelt und gesündigt,

so viele arme und unschuldige Seelen! Willst du

hierbei an Dich halten, Ewiger?“

Die Ratten und der „Schwarze Tod“ Buße als

Rettung?

Die den Menschen unerklärliche Katastrophe der Pest

wurde als Strafe Gottes angesehen. Durch harte Buße

sollte Gott wieder gnädig gestimmt werden. Der

Straßburger Chronist berichtet:

Als man 1349 Jahre zählte ..., da kamen nach Straßburg

zweihundert Geißler ..., die hatten ganz kostbare

Fahnen aus Samt und Seide und viele gewundene Kerzen.

Die trug man ihnen voraus, wenn sie in Städte

und Dörfer gingen, und läutete die Glocken ... Als sie

in die Kirche kamen, knieten sie nieder und sangen.

Dann fielen sie alle kreuzweise auf die Erde nieder

und sangen wieder ... Es war ihnen bei Strafe verboten,

mit Frauen zu reden. Sie hatten auch ein Gesetz,

dass Geistliche, die unter ihnen waren, nicht ihre

Meister werden konnten ... Wenn sie nun büßen

wollten, wie sie das Geißeln nannten, und das geschah

zweimal am Tag, so zogen sie ins Freie. Dort zogen

sie sich bis auf die Leinenhosen aus, legten sich im

Kreis nieder. Ihr Meister schritt über sie hinweg; über

welchen er hinwegschritt, der stand auf und geißelte

sich ... Und überall, wo sie in die Städte kamen, kam

viel Volk in ihre Bruderschaft und wurden auch Geißler.

Dies zu erzählen ist schrecklich

Es ereignete sich aber eine Pest und ein Sterben der

Menschen, wie es seit den Zeiten der Sintflut nicht gewesen,

sodass einige Gegenden ganz entvölkert waren

und viele dreirudrige Schiffe, deren Bemannung

gestorben, mit ihren Waren führerlos auf dem Meer

gesehen wurden. Wie ansteckend die Krankheit war,

weshalb die Menschen ohne Sakramente starben, die

Eltern sich nicht um ihre Kinder kümmerten und umgekehrt,

die Gefährten nicht nach ihren Gefährten,

noch die Diener nach ihren Herren fragten, wie viel

Häuser mit ihrem Hausrat leer standen, in welche sich

niemand hineintraute, dies alles zu erzählen ist erschrecklich.

Der Papst blieb in seinem Gemache eingeschlossen,

hatte … fortwährend ein großes Feuer

und gestattete niemandem den Zutritt. Die Krankheit

durchzog alle Länder, und die Gelehrten konnten, obgleich

sie vielerlei vorbrachten, doch keinen anderen

sicheren Grund angeben, als dass es Gottes Wille

wäre.

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