Geschäfte mit der Natur - Oeschger Centre for Climate Change ...

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Geschäfte mit der Natur - Oeschger Centre for Climate Change ...

Schweizer Versicherung; 30. August 2013

Geschäfte mit der Natur

SCHADEN Wegen klimatischer Veränderungen werden Schäden durch

Naturgefahren in Zukunft nicht nur in der Schweiz zunehmen. Das

Schweizer Konzept gilt dabei international als vorbildlich. Doch trotzdem

besteht noch grosser Handlungsbedarf. Gefragt sind auch

Privatversicherer.

Der Dauerregen zum Frühlingsbeginn 2013 liess bereits Ungutes erahnen.

Doch wo die Wassermassen bei den einen lediglich aufs Gemüt schlugen,

wurden sie für andere zum Existenzkampf: Die Hochwasser in Mittel- und

Westeuropa Anfang Juni forderten über ein Dutzend Menschenleben,

zerstörten Häuser, Brücken, Strassen und Agrarfelder und hinterliessen in

grossen Gebieten im Osten Deutschlands, in Tschechien, Österreich,

Ungarn und in der Slowakei ein Bild der Zerstörung.

Allmählich lässt sich das Ausmass dieser Jahrhundertkatastrophe in

Zahlen fassen. So berichtet etwa Swiss Re, dass die Überschwemmungen

entlang der Wasserscheiden von Donau und Elbe für die

Rückversicherungsgesellschaft voraussichtlich Schäden in der Höhe von

rund 300 Millionen US-Dollar, nach Retrozession und vor Steuern, zur

Folge haben werden. Die Gesamtschäden für die Versicherungsbranche

werden auf 3,5 bis 4,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Auch die Munich Re

zieht Bilanz: So sei das Hochwasser in Südost- und Ostdeutschland und in

den angrenzenden Staaten die mit Abstand teuerste Naturkatastrophe des

ersten Halbjahres 2013 und verursache einen ökonomischen Schaden von

mehr als 16 Milliarden US-Dollar und einen versicherten Schaden in der

Grössenordnung von gut 3,9 Milliarden US-Dollar.

Nicht nur Zentral- und Westeuropa wurden in diesem Frühjahr von

Naturkatastrophen heimgesucht. Ein weiteres folgenschweres Ereignis war

eine Überschwemmung in der kanadischen Provinz Alberta Mitte Juni, bei

dem zahlreiche Strassenzüge überschwemmt und 75 000 Menschen

evakuiert wurden. Erste Schätzungen von Munich Re lassen einen

gesamtwirtschaftlichen Schaden von mehr als drei Milliarden US-Dollar

vermuten, auch der versicherte Schaden dürfte die Milliardengrenze

übersteigen.

Das humanitär schwerwiegendste Ereignis waren gemäss Munich Re aber

die Sturzfluten im Norden Indiens und Nepals infolge ungewöhnlich früher

und extrem starker Monsun-Regenfälle. Hunderte Strassen und Brücken

wurden weggerissen, sodass die Bergungsarbeiten der Hilfskräfte schwer

beeinträchtigt wurden. Mehr als 1000 Menschen kamen ums Leben.


Anpassung erforderlich

Wer nun meint, dass nun endlich wieder Ruhe einkehren kann, der irrt:

Die World Meteorological Organization (WMO) warnt in ihrer aktuellen

Studie "The global climate 2001 - 2010. A decade of climate extremes"

davor, dass sich mit der voranschreitenden Klimaerwärmung die in den

letzten Monaten beobachteten Wetterextreme häufen und verstärken

werden. Verbunden mit einer Zunahme und Konzentration versicherter

Werte erwartet die Assekuranz deshalb auch in Zukunft eine weitere

Zunahme der Schadenkosten durch Naturgefahren. "Wir müssen

Massnahmen treffen, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Tun wir

das nicht, besteht die Gefahr, dass früher oder später übermässige

Schäden zur Norm und damit die Grenzen der Versicherbarkeit erreicht

werden", warnt David N. Bresch, Leiter Nachhaltigkeit bei der Swiss Re.

"In Anbetracht der unvermeidbaren Auswirkungen des Klimawandels sind

wir gezwungen, bereits heute Anpassungsstrategien zu entwickeln",

erklärt Bresch. "Selbst wenn die globalen Treibhausgasemissionen heute

gestoppt würden, würde sich das Weltklima weiter verändern",

verdeutlicht er. Doch seien wir von einer Reduktion der globalen

Emissionen noch weit entfernt. "Wir können uns glücklich schätzen, wenn

sich die Weltgemeinschaft nicht nur vage auf ein 2-Grad-Ziel, sondern zu

konkreten Reduktionszielen verpflichtet. Und erst wenn die nötigen

Reduktionsmassnahmen auch umgesetzt werden, können wir behaupten,

das Problem der Klimaveränderung an der Wurzel gepackt zu haben."

Bis dahin müssen wir uns gemäss Nachhaltigkeitsexperte Bresch gegen

die loka len Auswirkungen des Klimawandels wappnen. Ihm zufolge

werden Klimaprognosen jedoch besonders auf regionalen und lokalen

Skalen noch lange mit grossen Unsicherheiten behaftet sein.

Unsicherheiten bestünden ebenso bezüglich der wirtschaftlichen

Entwicklung. "Die mittleren jährlichen Naturgefahrenschäden sind von

unter 25 Milliarden Dollar in den Jahren 1970 bis 1990 angestiegen auf

jährlich im Mittel über 100 Milliarden Dollar seit dem Jahr 2000", zeigt

Bresch eindrücklich auf. Dieser Anstieg sei primär erklärbar durch die

Zunahme der Werte - und insbesondere der Bautätigkeit in gefährdeten

Gebieten. Somit müsse eine robuste Anpassungsstrategie nicht nur die

lokalen Auswirkungen des Klimawandels, sondern ebenso die

wirtschaftliche Entwicklung berücksichtigen.

Prävention lohnt sich

In den meisten Hochwasserregionen in Mittelund Westeuropa herrscht

mittlerweile bereits wieder Aufbaustimmung. Trotzdem wird es Jahre

dauern, bis von den Fluten nichts mehr zu sehen ist. Wäre nicht frühzeitig

in die Prävention investiert worden, wäre das Ausmass der Zerstörung

noch grösser. Matthias Weber, Group Chief Underwriting Officer von Swiss

Re: "Dank der rechtzeitig ergriffenen Schutzvorkehrungen blieben grosse

Gebiete vom Hochwasser verschont." So kamen in Prag beispielsweise

mobile Hochwasserschutzbarrieren zum Einsatz, wodurch in weiten Teilen

der Stadt grössere Überschwemmungen verhindert werden konnten.

David N. Bresch bläst ins selbe Horn wie sein Kollege Matthias Weber: "Es

zeigt sich, dass es in vielen Fällen günstiger ist, bereits heute in


Anpassungsmassnahmen zu investieren, als zukünftige Schäden zu

bezahlen." Die Klimaanpassung erfordere einen integrierten Ansatz im

Umgang mit den Risiken: "Es geht um das Zusammenspiel von

Prävention, Intervention und Versicherung." Solide Prävention stelle nicht

nur die Versicherbarkeit von Risiken sicher, sondern habe auch einen

kostensenkenden Einfluss auf die Prämien - was wiederum einen Anreiz

für Prävention darstelle. "Präventionsmassnahmen sind besonders in

Bezug auf häufig wiederkehrende Ereignisse erfolgreich", sagt Experte

Bresch. Eine Versicherung sei im Allgemeinen eine attraktive Möglichkeit

zur vorausschauenden Absicherung gegen Ereignisse mit hohem

Schadenausmass und geringer Häufigkeit. Deshalb sollen

Versicherungsinstrumente als integrierte Anpassungsmassnahmen

mitberücksichtigt werden.

Nun ist es ja nicht so, dass das Thema Prävention erst in den letzten

Jahren an Popularität gewonnen hat. Gemäss Josef Hess, Vizedirektor des

Bafu, war der Schutz vor Naturgefahren vor allem für die Schweiz als

Gebirgsland schon immer eine wichtige Voraussetzung für die

gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung. "Die Häufung der

Unwetterereignisse mit grossen Schäden seit 1987 hat dessen Bedeutung

jedoch noch verstärkt ins Bewusstsein der Politik und Öffentlichkeit

gerückt", macht Hess deutlich. Dies vor allem aufgrund grösserer

Schadenereignisse wie dem Sturm Lothar (1999), dem Lawinenwinter

1999 oder den Hochwassern 2005 und 2007.

Diese Schlüsselereignisse und die allgemeine Sensibilisierung im

Umweltbereich haben laut Hess zur Erkenntnis geführt, dass in der

Schweiz die Schutzstrategien auf eine ganzheitliche und nachhaltige Basis

gestellt werden müssen. "Der nachhaltige Umgang mit Naturgefahren

erfordert ein integrales Risikomanagement, das bauliche, biologische,

planerische und organisatorische Massnahmen sowie den

Versicherungsschutz und die Eigenverantwortung der Betroffenen

kombiniert." Durch bauliche und biologische Massnahmen könne in erster

Linie das Gefahrenpotenzial gemindert werden. Raumplanerische

Massnahmen würden vor allem das Schadenpotenzial und

organisatorische Massnahmen das Schadenausmass reduzieren.

Das Ziel des Bundes ist, innerhalb von 20 bis 30 Jahren ein Optimum

zwischen den Ansprüchen an das Sicherheitsniveau und finanzieller

Tragbarkeit anzustreben und langfristig zu erhalten. "Dazu müssen die

Schutzdefizite im Bereich der Naturrisiken weitgehend behoben und die

Siedlungen und Infrastrukturen sowie deren Nutzung auf die

Naturgefahrensituation abgestimmt sein", erklärt der Bafu-Vizedirektor.

Ziel aller Massnahmen sei es, bestehende Risiken auf ein akzeptables

Mass zu reduzieren und neue, inakzeptable Risiken zu vermeiden. "Doch

die Ziele im Umgang mit Naturgefahren können nur erreicht werden, wenn

Behörden aller Stufen die nötigen Aufgaben zusammen mit den

Betroffenen erfüllen."

Privatversicherer an der Front

Der Schutz vor durch Klimaveränderungen bedingten Naturgefahren ist,

so sind sich die Experten einig, eine Verbundaufgabe, bei welcher alle


staatlichen Ebenen ihren Beitrag leisten. Primär sind die Gemeinden und

Kantone für den Schutz vor Naturgefahren verantwortlich. "Der Bund

nimmt seine strategische Führungsrolle wahr und unterstützt die Kantone

finanziell und fachlich", fügt Hess an. Zusätzlich zu den Aktivitäten der

öffentlichen Hand besteht jedoch ein grosser Handlungsbedarf im

Einbezug weiterer betroffener und beteiligter Akteure. Dabei spielen

neben den Naturgefahrenspezialisten insbesondere auch die

Versicherungen eine wichtige Rolle.

Die Schweiz verfügt mit der Elementarschadenversicherung (siehe Kasten

Seite 12) im internationalen Vergleich über einen vorbildlichen Schutz vor

Naturgefahren. Diese funktioniert in der Schweiz nach dem Prinzip der

Solidarität und erreicht eine Durchdringung von fast 100 Prozent.

Aufgrund der Häufung von Naturkatastrophen musste die

Elementarschadenversicherung jedoch bereits einmal angepasst werden:

"Weil die versicherten Schäden massiv zugenommen haben, hat der

Bundesrat die Leistungen der Versicherer für Naturkatastrophen auf

Anfang 2007 von einer Milliarde auf 2 Milliarden Franken erhöht", erklärt

Lucius Dürr, Direktor des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV.

Um Schäden in Grenzen zu halten, investieren Schweizer Privatversicherer

in die Prävention und verfolgen einzeln oder im Verbund eine Vielzahl von

Projekten. Mit Informationskampagnen zielen sie auf die Sensibilisierung

der Bevölkerung sowie auf ihr Verhalten, Präventionsmassnahmen zum

eigenen Schutz zu ergreifen. Sie setzen sich mit zahlreichen Ideen dafür

ein, die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen und klimaneutrales

Verhalten zu fördern. Sie unterstützen in gefährdeten Gebieten zahlreiche

Präventions- und Hochwasserschutzprojekte. Schliesslich investieren sie in

die wissenschaftliche Erforschung des Klimawandels und seiner

Auswirkungen.

Die warnenden Worte der Experten treffen also auf offene Ohren. Hier

folgend einige Beispiele von Privatversicherern, wie sie sich bei ihren

Bezugsgruppen zu positionieren suchen:

Axa: Forschung und erneuerbare Energie

Der Axa Research Fund unterstützt weltweit Forschende, welche Risiken in

den Bereichen Umwelt, Gesundheit und Sozioökonomie analysieren. Seit

2007 wurden 367 Forschungsprojekte an 150 Universitäten in 27 Ländern

mit 99 Millionen Euro unterstützt, darunter auch Forschungsprojekte zu

Klimarisiken. 2013 hat der Versicherer das Fördervolumen um weitere 100

Millionen Euro erhöht. Zudem hat die Axa seit 2008 eine Umweltstrategie

mit den Schwerpunkten Klimaschutz und nachhaltige Ressourcennutzung.

Als Teil des Massnahmenplans bezieht sie seit 2009 ihren Strom zu 100

Prozent aus erneuerbarer Energie: rund 97 Prozent aus Schweizer

Wasserkraft, übrige 3 Prozent aus Wind- und Solarenergie.

Helvetia: Schutzwald

Die Helvetia Versicherungen engagieren sich bereits seit über zwei Jahren

in der ganzen Schweiz, um Schutzwälder (wieder) aufzuforsten und zu

pflegen. Der Schutzwald ist ein wichtiger Garant für den Schutz von

Menschen und erheblichen Sachwerten vor Naturgefahren. Er hält rund 30

Prozent der Niederschlagsmenge zurück und verhindert so


Überschwemmungen und Hangrutsche. Auch fängt er in den Baumkronen

rund 30 bis 70 Prozent des Schnees auf und verhindert so

Lawinenniedergänge. Die bisherigen Projekte wurden im Engadin, im

Berner Oberland, im Wallis, rund um die Rigi und im Jura durchgeführt.

2013 wird das Schutzwald-Engagement erstmals auch auf den

europäischen Alpenraum ausgedehnt. Sowohl in Österreich als auch in

Deutschland werden erste Schutzwaldprojekte lanciert. Der weitere Rollout

auf alle Helvetia-Ländermärkte ist in den kommenden Jahren

vorgesehen.

Mobiliar: Forschung und Prävention

Die Mobiliar unterstützt am Oeschger-Zentrum der Universität Bern die

Erforschung von Klimarisiken und Naturgefahren. Die Forschungsarbeit

soll praxisorientierte Erkenntnisse, mit einem Nutzen für die Gesellschaft,

für den Staat und für die Versicherungen liefern. Ausserdem unterstützt

die Mobiliar seit dem ausserordentlichen Hochwasser im Jahr 2005

präventive Projekte in gefährdeten Gebieten der Schweiz. Seither hat sie

30 Millionen Franken aus dem Überschussfonds der Genossenschaft

gesprochen. Nach eingehender Prüfung leistete sie an bisher 62 Projekten

eine Anschub- und Teilfinanzierung, um künftige Schäden zu verhindern.

Beispiele: Hochwasserschutzprojekte, Murgangnetze,

Lawinenverbauungen.

Swiss Re: CO2-Reduktion

Die Swiss Re hat seit 2003 ihre CO2-Emissionen um 55,6 Prozent

reduziert. In derselben Zeit konnte der Rückversicherer die

Energieintensität pro Mitarbeiter um 42,4 Prozent senken. Zudem

verwenden sie, wo verfügbar, 100 Prozent erneuerbare Energien. Die

Verpflichtung zur Senkung des eigenen CO2-Ausstosses ist eines der vier

Elemente der Klimastrategie der Swiss Re. Seit 2007 können die

Mitarbeitenden der Swiss Re im Rahmen des "COYou2 Reduce and Gain"-

Programms einen persönlichen Beitrag zur Erreichung dieses Ziels leisten:

Die Mitarbeitenden erhalten von der Swiss Re Subventionen für eine Reihe

von Investitionen (z.B. ÖV-Abonnemente, energieeffiziente Kühlschränke,

nachhaltige Mobilität, etc.), die zur Reduktion der persönlichen CO2-

Fussabdrücke beitragen.

Zurich: Klimapreis

Mit dem "Zurich Risk Management Dialog" zum Thema Klimawandel hat

Zurich eine Plattform geschaffen, um aktuelle und künftige

Herausforderungen rund um das Thema Zunahme der Naturgefahren zu

diskutieren und um den Handlungsbedarf aufzuzeigen. Der Zurich-

Klimapreis unterstützt nachhaltige Projekte und würdigt realisierte

Vorhaben. Damit fördert der Versicherer zusätzlich den Dialog rund um

das komplexe Thema Klimaveränderung. Prämiert werden Projekte, die

einen wirksamen Beitrag zur Reduktion der CO2-Emissionen leisten, die

Energie- und Ressourceneffizienz verbessern oder zu

Verhaltensänderungen führen.

Mit zunehmender Klimaerwärmung werden sich die jüngst beobachteten

Wetterextreme häufen und verstärken.

Die Schweiz verfügt mit der Elementarschadenversicherung über einen


vorbildlichen Schutz vor Naturgefahren.

Privatversicherer investieren in die Prävention und betreuen einzeln oder

im Verbund eine Vielzahl von Projekten.

NATURGE WALT IN DER SCHWEIZ Die bedeutendsten Gefahren

Die gravitativen Gefahren weisen eine ausgeprägte Standortgebundenheit

auf. Ihr Hauptantrieb ist die Gravitationskraft, und das Wirkungsgebiet

wird in den meisten Fällen durch die Topografie begrenzt. Diese Gefahren

besitzen daher eine entsprechend hohe raumplanerische Bedeutung.

Bei den meteorologischen Gefahren handelt es sich um direkte Gefahren

aus kurzzeitigen Wetterphänomenen. Den Gefahren kann im Raum nicht

ausgewichen werden, und die Gefahren lassen sich auch nicht

beeinflussen.

Die klimatischen Gefahren sind eine Folge von mittel- bis langfristigen

Wetterphänomenen. Auch diesen Gefahren kann im Raum nicht

ausgewichen werden.

Die seismischen Gefahren rühren von den Verschiebungen innerhalb der

Erdkruste her. Erdbeben treten in der ganzen Schweiz auf. Eine

Beeinflussung ist nicht möglich, und Ereignisse können jederzeit eintreten.

OBLIGATORISCHE ERDBEBENVERSICHERUNG Informelle

Konsultation

Erdbeben sind das Naturereignis mit dem grössten Zerstörungspotenzial.

Im weltweiten Vergleich besteht in der Schweiz hierfür eine mässige bis

mittlere Gefährdung. Trotz dieses überdurchschnittlichen Risikos gibt es in

unserem Land derzeit keinen umfassenden Versicherungsschutz für

Schäden als Folge von Erdbeben. Die am 14. März 2012 vom Parlament

überwiesene und dem EFD zur Bearbeitung zugeteilte Motion Fournier

verlangt vom Bundesrat, in der gesamten Schweiz eine obligatorische

Erdbebenversicherung zu veranlassen. Die Elementarschadenversicherung

ist in diesem Sinne zu ergänzen, und die Prämie soll in der gesamten

Schweiz einheitlich sein.

Im Rahmen einer breit abgestützten Projektorganisation wurde

mittlerweile ein Bericht mit Lösungsvorschlägen ausgearbeitet. Gemäss

diesem Bericht bietet sich für die Umsetzung sowohl eine Bundeslösung

als auch eine auf einem Konkordat basierende föderale Lösung an. Für

eine Bundeslösung müsste zunächst mittels Verfassungsänderung eine

entsprechende Kompetenz geschaffen werden. Die föderale Lösung

wiederum setzt das Einverständnis sämtlicher Kantone voraus. Als

Versicherungsprodukt vorgeschlagen werden drei Varianten: eine

Versicherung nur für Gebäude, eine Versicherung für Gebäude und

Aufräumkosten und eine Versicherung für Gebäude, Aufräumkosten und

Hausrat/Fahrhabe. Zur Finanzierung eines Schadenereignisses sollen

sowohl die Versicherer und die Versicherten (Selbstbehalt) als auch die

öffentliche Hand beitragen.

Interessierte Kreise haben im Sinn einer informellen Konsultation bis zum

14. Oktober 2013 Gelegenheit, zum Bericht Stellung zu nehmen und die

darin gestellten Fragen zu beantworten. (pd)

ELEMENTARSCHÄDEN Schweiz als Vorbild


Die Schweiz ist gemäss einem 2011 publizierten UNO-Bericht das am

besten auf Naturkatastrophen vorbereitete Land der Welt. Ein Kernstück

des Riskomanagements von Naturgefahren in der Schweiz ist die

einzigartige Elementarschadenversicherung. Diese ist an die

Feuerversicherung gebunden. In den meisten Kantonen ist jedes Gebäude

über die jeweilige kantonale Gebäudeversicherung versichert. Diese

Versicherungen besitzen ein Monopol für die Gebäudeversicherung gegen

Feuer- und Elementarschäden. Die kantonalen Gebäudeversicherungen

unterliegen dem jeweiligen kantonalen Gebäudeversicherungsgesetz. In

den Kantonen, in denen kein kantonales Gebäudeversicherungsmonopol

besteht (Genf, Uri, Schwyz, Tessin, Appenzell Innerrhoden, Wallis,

Obwalden - die sogenannten GUSTAVO-Kantone), kann das Gebäude

gegen Feuer- und Elementar bei einem privaten Versicherer versichert

werden.

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