Kommentierter Vorabdruck zu Zeit der Freude (6784 KB, 38 Seiten)

oldenbourg.de

Kommentierter Vorabdruck zu Zeit der Freude (6784 KB, 38 Seiten)

Zeit der

TEILABDRUCK

Materialien aus Schülerbuch,

Arbeitsheft, Lehrerkommentar

mit Lesezeichen

Freude


Methodenseiten

Methodenseiten

erschließen an

Beispielen den

Umgang mit Texten

und Bildern.

Sie fördern

Methoden- und

Medienkompetenz

und erläutern die

Schritte selbstständiger

Erarbeitung.

124

Fragen an ein Bild

Zum Verständnis eines Bildes hilft es, wenn ihr euch

einige Fragen stellt.

1 Die Frage nach dem Künstler/der Zeit: Wer hat das

Bild gemacht? In welcher Zeit ist es entstanden? Die

Frage kann bei Bildern wichtig sein, die in der Vergangenheit

entstanden sind und Themen oder Gegenstände

zeigen, die uns heute fremd sind, z. B. die

Bekleidung, die Haartracht der Personen, die Form

der Gebäude, einzelne Gegenstände.

2 Inhalt: Was ist dargestellt? Welche Einzelheiten sehe

ich? Was ist fremd und sollte erklärt werden? Bei religiösen

Bildthemen könnt ihr oft fragen: Haben die

Einzelheiten einen symbolischen Sinn (DS. 82)?

Was bedeutet z. B. ein Lächeln oder Weinen, eine

Hand- oder Körperbewegung, Brot, die Sonne, Nacht,

eine Krone, ein Heiligenschein, das Kreuz?

3 Form: Wie ist das Bild gestaltet? Dazu solltet ihr auf

Aufbau, Größenverhältnisse, Vorder- und Hintergrund,

Farben, Licht und Schatten, Schwerpunkte

und Randerscheinungen, Wiederholungen und Gegensätze

achten. Warum sind bestimmte Farben verwendet?

4 Sinn: Welche Bedeutung haben die Bildthemen? Wo

kommt das Thema im Leben, in der Geschichte, in der

Bibel, in der Gegenwart vor? Warum begegnet uns

das Bild im Religionsunterricht?

5 Wirkung: Wie wirkt das Bild auf mich? Kann ich

mich in dem Bild wiederfinden? Obwohl sich diese 5.

Frage oft rasch aufdrängt, sollte man die anderen

Fragen zuerst beantworten, um das Bild selbst und

nicht nur seine Wirkung auf sich zu verstehen.

Bei den Antworten auf die ersten vier Fragen müsstet

ihr euch in der Klasse meist einigen können. Bei der

fünften Frage können die Antworten unterschiedlich

ausfallen. Was dem einen gefällt, missfällt oft dem anderen.


Jesus – Eine unendliche Geschichte

M3

Ein Bild sehen und deuten

Vielleicht seid ihr erfreut, dass Bilder im Religionsunterricht

einen wichtigen Platz einnehmen. Bilder wollen

das jeweilige Thema für euch anschaulich machen

oder erklären. Manche Bilder versteht ihr mühelos,

andere sind euch eher fremd und unverständlich. Das

Drei Hinweise zur Bilderschließung

Vorschläge zum

Ihr solltet nicht erschrecken,

Lernen

wenn ihr hier so viele

Vorschläge zur Bilderschließung findet. Es ist gewiss

unmöglich, diese Fragen und Antworten bei allen Bildern

zu beachten. Auch an die Reihenfolge müsst ihr

gilt vor allem für Kunstwerke. Sie zeigen oft etwas,

das sich nicht so leicht in Worte fassen lässt. Sie wollen

euch einen anderen Zugang zum Thema eröffnen,

als es Texte können. Damit sich diese Bilder euch erschließen,

solltet ihr sie mit Ruhe betrachten.

euch nicht halten. Hilfreich ist es, wenn ihr euch bei

dem jeweils anstehenden Bild prüft, welche Vorschläge

euch weiterführen und wie ihr die verschiedenen

Fragen manchmal auf mehrere Schülerinnen/Schüler

verteilt.

Manche Antworten auf die Fragen zum Bildverständnis

könnt ihr selber finden, wenn ihr nur das Bild

sorgfältig anschaut oder euch an das erinnert, was

ihr schon gelernt habt. Andere Fragen könnt ihr auch

durch intensives Beobachten oder Nachdenken nicht

beantworten, z. B. die Fragen nach dem Künstler, seiner

Zeit oder heute unbekannten Gegenständen. Da

solltet ihr eure Lehrerin/euren Lehrer fragen oder

in einem Lexikon nachschlagen. Viele Hinweise findet

ihr auch im Internet: D V2 .

Wichtiger als das Bild in Worte zu fassen ist es, dass

ihr es in euch selbst aufnehmt und ihm da einen

Platz verschafft.



Hinweise zum Bildverständnis

1 Der Künstler und seine Zeit: Der Maler dieses Bildes

wird gewöhnlich nur Duccio (sprich: Dutschio)

genannt. Mit seinem vollen Namen hieß er „Duccio di

Buoninsegna“ (italienisch: „Gutes Zeichen“, „Guter

Wegweiser“). Er war schon zu seiner Zeit in Siena,

seiner Heimatstadt in der Toskana, ein gefeierter Maler.

Bis heute gilt er als einer der großen Künstler Italiens.

Er malte vor allem religiöse Themen. Auffallend

neu waren schon für seine Zeitgenossen der lebendige

Ausdruck seiner Figuren und die reiche Farbigkeit.

Andere Elemente seiner Malerei stehen noch in älteren

Traditionen, so der goldene Hintergrund, das geringe

Interesse an der Natur (Landschaften, Bäume,

Tiere) oder die vielen Heiligenscheine. Die meisten

Abbildungen in diesem Kapitel stammen von der

„Maesta“ (italienisch: „Herrscherin“), einem reich

bebilderten Flügelaltar im Dom von Siena. Über 40

Bilder aus dem Leben Jesu sind hier zu sehen. Nach

dem zentralen Bild der Vorderseite, einer thronenden

Madonna, wird die ganze Bildfolge „Maesta“ genannt.

2 Der Bildinhalt: Im Zentrum des Bildes sehen wir in

einem Gebäude mit leichten Mauern und einem Giebeldach

Maria in blauem Gewand mit Heiligenschein.

Maria ruht auf einem roten Untergrund. Hinter ihr

liegt das Jesuskind auf einer

goldverzierten Krippe mit

Gras, dahinter stehen ein kleiner

roter Ochs und ein grauer

Esel (Jes 1,3). Der finstere Hintergrund

hat symbolische Bedeutung.

Er weist darauf hin,

dass in früheren Zeiten das

Licht, das Jesus brachte, gefehlt

hat. Allein der kleine

Stern über der Dachspitze

sendet seine Strahlen in den

Raum. Um das Gebäude herum

sind – von unten halblinks

im Uhrzeigersinn nach oben

und dann nach unten halbrechts

– 2 Hebammen, die

das Kind in einem Bottich baden,

darüber Josef, der als

grauhaariger, bärtiger Greis

mit Heiligenschein gemalt ist.

Sein Alter und seine Position

außerhalb des Raumes deuten

darauf hin, dass er nicht der

Vater des Kindes ist. Darum

bleibt er draußen und ist als

Greis dargestellt. Es folgen jeweils

links und rechts 2 Gruppen

mit je 7 Engeln, die in

bunte Gewänder gekleidet sind. Ihre Blickrichtungen

und Handhaltungen sind jeweils verschieden. Nur die

Engel in der vorderen Reihe haben auch sichtbare

Heiligenscheine. Die Engel befinden sich auf einem

hohen Felsen, hinter dem sich ein goldener Grund erhebt.

Ein Engel verkündet den beiden Hirten rechts

unten die Weihnachtsbotschaft, die auch auf einem

Spruchband aufgezeichnet ist. Zu den Hirten gehören

ein kleiner Wachhund sowie weiße und schwarze

Schafe, die sich auf einer angedeuteten Wiese tummeln.

Ganz oben in der Mitte sieht man einen kleinen

blauen Kreisausschnitt mit Silberrand, sein Rest ist

nicht mehr auf dem Bild zu sehen. Er ist ein Symbol

Gottes, den man wegen des Bilderverbots (DS. 66)

nicht im Bild darstellen darf. Er waltet kaum bemerkbar

über dem ganzen Geschehen.

Im Evangelium selbst sind Ochs und Esel ebenso wenig

erwähnt wie die beiden Hebammen.

3 Die Form des Bildes: Das Bild hat seinen Schwerpunkt

in der Mitte, die sich vor dem dunklen Hintergrund

abhebt. Maria ist wegen ihrer Bedeutung überproportional

groß und mit einem kostbaren Gewand

abgebildet. Im Mittelalter ist sie oft blau gekleidet.

Das Kind befindet sich genau in der Mitte des Bildes.

Die Ärmlichkeit der Geburt, von der der Bibeltext

Duccio di Buoninsegna (um 1255—1319),

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Vorschläge und

Hilfen zum selbstständigen

Arbeiten

230


Vorschläge zum Lernen

V

Vorschläge zum Lernen

Ihr werdet in der Schule nicht nur das „Was“, sondern auch das

„Wie“ des Lernens lernen. Das klingt kompliziert, meint aber einen

einfachen Sachverhalt. Das „Was“ meint das, was ihr lernt, also die

Themen des Unterrichts, z. B. Länder und Städte, Pflanzen und Tiere,

Personen und Situationen. Das „Wie“ meint die Wege, wie ihr zu Erkenntnissen

und Erfahrungen kommt, also die „Lernwege“, die wir

mit dem griechischen Wort „Methoden“ benennen. In derZeit der

Freude“ sind es vier Methoden: DS. 7.

Es gibt viele weitere Möglichkeiten, das Lernen (das „Was“) anzuregen,

zu motivieren, zu verbessern, zu vereinfachen, anschaulich und

praktisch zu machen. Einige Ideen dazu findet ihr hier in den „Vorschlägen

zum Lernen“. Sie werden in den Kapiteln mit „V“ abgekürzt

und zur Vereinfachung zusätzlich nummeriert, also V1 , V2

usw. Diese Vorschläge helfen auch, die Methoden (das „Wie“) praktisch

einzuüben.



V3 Mit einem Partner/einer Partnerin arbeiten

Eine gestellte Aufgabe ist manchmal

besser zu bewältigen, wenn ihr euch mit

einem anderen zusammen tut. Zwei sehen

und können oft mehr als nur einer.

Ihr werdet euch dabei gegenseitig helfen,

die vorhandenen Stärken nutzen

und die Schwächen ausgleichen. Hilfreich

dabei ist:

● erste Eindrücke formulieren

● nützliche Materialien suchen

● auf Fehler aufmerksam machen

● euch gegenseitig verbessern

● ein Lösungskonzept entwickeln

● das Ergebnis schriftlich oder mündlich

formulieren.

Ein Beispiel: Kinderrechte: DS. 22

V1 Ein Religionsheft anlegen

Ein Religionsheft sollte von Anfang an den Unterricht begleiten. Es könnte

sozusagen euer „Gedächtnis“ werden, das euch an das erinnert, was

im Unterricht wichtig oder interessant war. Es bleibt verlässlich, auch

wenn ihr einiges aus dem Unterricht vergesst. So wird das Religionsheft

zu eurem ganz persönlichen Nachschlagewerk. Als Religionsheft eignet

sich ein Ringbuch oder Hefter in der Größe DIN A 4 oder DIN A5, weil ihr

da Blätter leicht auswechseln und einfügen könnt. Im

Heft könntet ihr Folgendes festhalten: das Thema der

Stunde, einen typischen Satz, ein wichtiges Wort, neue

Begriffe, Fremdwörter, Bibelstellen, Zeichnungen,

Fotos, Landkarten, offene Fragen, Hausaufgaben, einen

Hinweis auf die entsprechende Seite im Religionsbuch,

kleine Referate usw.

Ein Beispiel: Drei Worte Jesu am Kreuz: DS. 142

V2 Für ein Thema recherchieren

Manchmal werdet ihr zu Hause ein Thema des Religionsunterrichts

selbstständig vor- oder nachbereiten („Referat“)

und dazu Material suchen („recherchieren“), z. B.

Texte oder Bilder usw. Dazu könnt ihr – in Auswahl – Folgendes

tun: in Schulbüchern stöbern, sachkundige

Leute befragen, Berichte aus Zeitungen und Zeitschriften

sammeln, in einer Bibliothek nach Sachbüchern,

Bildbänden oder einzelnen Artikeln suchen, Nachschlagewerke

und Lexika befragen, zum Thema passende

Filme, DVD’s, Folien oder Diaserien in kirchlichen oder

städtischen Bildstellen besorgen, im Internet surfen,

V4 In kleinen Gruppen eine

Aufgabe angehen

Ihr könnt ähnlich vorgehen wie bei der Partnerarbeit ( V3 ) oder Disku

sion ( V6 ). Manchmal ist es ganz nützlich, einen Sprecher zu bestim

men, der Ordnung in die Arbeit bringt und dafür sorgt, dass jeder

Wort kommt und das Ergebnis zusammenfasst.

Ein Beispiel: In einem Bibeltext (z. B. aus der Passionserzählung, R

141) die nicht verstandenen Verse herausschreiben, die Namen der b

teiligten Personen herausstellen und zu ihnen zusätzliches Material s

chen, die Gliederung des Textes erarbeiten, den Text in ein oder zw

Sätzen zusammenfassen und seine Bedeutung für euch in ebenfalls e

oder zwei Sätzen formulieren.

V5 Einen Text laut lesen und gut vortragen

Es gelingt am ehesten, wenn ihr bei der Vorbereitung auf Folgend

achtet:

● Den Text mehrmals laut lesen,

damit ihr euch nicht versprecht

und die Lesung „glatt“

verläuft.

● Auf die richtige Betonung der

Wörter und der Satzteile achten,

die für das Verständnis

des Satzes wichtig sind.

● Nicht zu schnell und nicht

zu leise lesen, damit die Hörer

alles verstehen können.

● An den richtigen Stellen eine

kleine Pause einlegen, damit


Abschlussseiten zum Kompetenzerwerb

Überprüfung und Sicherung

des Lernfortschritts zum

Abschluss thematischer

Einheiten

150

151

Was wir können

Wissen

1 Neun Höhepunkte

Zähle die neun Höhepunkte des Lukasevangeliums noch

einmal auf – nach Möglichkeit, ohne auf den vorangehenden

Seiten nachzusehen. Übe sie auch mit deiner Nachbarin

oder deinem Nachbarn in ungeordneter Reihenfolge

ein: 2 – 7 – 4 – 9 usw.

2 Die zentrale Botschaft von Jesus

Die Zahlen in den Klammern geben den Buchstaben an,

aus denen sich das Lösungswort zusammensetzt. Es

bezeichnet die Hauptbotschaft des Lukasevangeliums.

Tragt die Lösungen nicht hier in das Buch ein, sondern

in euer Religionsheft.

a – bri – chris – den – der – el – frie – ga – gen –

gleich – han – hir – jo – ma – na – na – ne – nis – kas –

lu – pe – ret – ret – ri – rus – sa – se –tus – ten – trus –

wun – za

Anwenden – Urteilen – Handeln

3 Ein biblisches Quartett

Vielleicht macht es euch Spaß, ein Quartettspiel (DS.

29) mit 32 Karten anzufertigen und später auch damit zu

spielen. Es besteht aus 8 Einzelquartetten. Dabei handelt

es sich um jeweils 4 Karten, die Themen dieses Kapitels

aufgreifen. Die Karten werden auf der Vorderseite beschrieben

und evtl. auch bemalt. Sie müssen auf der

Rückseite völlig gleich aussehen.

Evangelisten: 1. Markus, 2. Matthäus, 3. …, 4. …

Orte, wo Jesus sich aufgehalten hat: 1. See Gennesaret,

2. Kafarnaum, 3. …, 4. …

Personen um Jesus: 1. Maria, 2. …, 3. …, 4. …

Gleichnisse Jesu: 1. Senfkorn, 2. …, 3. …, 4. …

Wunder Jesu: 1. Blindenheilung, 2. …, 3. …, 4. …

Worte Jesu: 1. Vater, in deine Hände lege ich meinen

Geist …, 2. …, 3. …, 4. …

Worte an Jesus: 1. Wer ist mein Nächster?, 2. …, 3. …,

4. …

Engel-Worte: 1. Verherrlicht ist Gott in der Höhe, 2. …,

3. …, 4. …

Wer erklärt die Spielregeln?

Duccio di Buoninsegna (um 1255—1319),

Die Versuchung durch den Teufel, 1308—1311

1. Die Mutter Jesu (2)

2. Evangelist (2)

3. Was verkünden die Engel von Betlehem für die Menschen?

(1)

4. Welche Textsorte verwendet Jesus für seine Rede

vom Reich Gottes oft? (3)

5. Wem erschienen die Engel in Betlehem? (3)

6. Wer blamierte sich in der Leidensgeschichte vor einer

Magd (6)

7. Häufiger Titel Jesu (6)

8. Engel der Verkündigung (6)

9. Name einer Frau, die nahe beim Kreuz stand (3)

10. Von Jesus bewirktes Zeichen für das Reich Gottes

(2)

11. Ort in Galiläa, in dem Jesus aufwuchs (1)

12. See in Galiläa (1)

4 Neue Versuche an Text und Bild

Ihr habt wichtige Schritte kennengelernt, um mit dem

Text des Lukasevangeliums umzugehen. Lest jetzt in

kleinen Gruppen den Text Lk 4, 1–13, den ihr noch nicht

kennt, und zeigt, um was es da geht. Besprecht in der

Klasse euer Vorgehen und würdigt eure Ergebnisse.

Wenn ihr diese Aufgabe einigermaßen gut gelöst habt,

verdient ihr ein besonderes Lob. Ihr seid auf dem richtigen

Weg, gute Bibelkenner zu werden.

Dass ihr gelernt habt, Bilder verständnisvoll anzuschauen

(D M3 ), könnt ihr an dem Bild von Duccio zeigen, das

sich ebenfalls auf Lk 4, 1–13 bezieht.

Welche Schritte schlagt ihr vor?

Was entdeckt ihr dabei auf dem Bild?

Für die Lösung auch dieser Aufgabe verdient ihr Anerkennung.

Ihr seid auf dem richtigen Weg, gute Bilddeuter

zu werden.

5 Jesus – ein Superstar?

Wie erklärt ihr euch, dass auch heute Jesus in der Hitliste

junger Leute einen guten Platz einnimmt, wenn nach

Vorbildern gefragt wird?

6 Ergänzt Vergleiche

Jesus ist für mich wie ?

7 Ein Geheimzeichen für Jesus

Die ersten Christen hatten in Zeiten, als sie verfolgt wurden

(DS. 167), ein Geheimzeichen, an denen sie sich

gegenseitig erkannten. Es musste alltäglich sein und

durfte nicht besonders auffallen. Dazu wählten sie den

Fisch, weil die einzelnen Buchstaben des griechischen

Wortes „Ichthys“ („Fisch“) leicht zu Anfangsbuchstaben

von Wörtern werden konnten, die etwas Wichtiges von

Jesus aussagen konnten.

Griechisch Aussprache Bedeutung

IΗΣΟΎΣ Iēsous Jesus

ΧΡΙΣΤΌΣ Christós Christus

ΘΕΟΎ Theoú Gottes

ΥΙΌΣ (h)Yiós Sohn

ΣΩΤΉΡ Sōtér Retter/Erlöser

Ähnlich könnten wir heute das Wort „Fisch“ so verstehen:

F Freund

I Immanuel (hebräisch: d. h. Gott ist mit uns; DJes 7, 14

und Mt 1, 23)

S Sohn Gottes

C Christus (griechisch: d. h. Gesalbter, Messias; DS. 120)

H Heiland

Malt einen Fisch und schreibt jeden dieser fünf Buchstaben

in schöner Schrift auf ein Blatt oder eine Karte,

Fisch mit Kreuz, Relief der koptischen (ägyptischen) Christen,

Oberägypten, 4. Jh. n. Chr..

hängt die Blätter bzw. Karten nebeneinander in der

Klasse auf.

Ihr könnt auch ein anderes Zeichen oder Wort wählen,

das auf Jesus passt und ähnlich erklären und gestalten,

z. B. das Wort „Licht“ oder „Leben“ oder „Weg“.

8 Ein Gedankenexperiment – Jesus heute

Gesetzt den Fall, Jesus würde heute unter uns leben:

Was würde Jesus heute sagen? Was wäre seine Botschaft?

Welche Ereignisse, Personen, Techniken und Naturerscheinungen

würde er in seinen Gleichnissen

aufgreifen?

Wen würde er um sich versammeln?

Welche Zustände und Personen würde er kritisieren?

Mit wem geriete er in heftigen Streit?

Um wen würde sich Jesus besonders kümmern? Auf

welche Weise würde er sich Gehör verschaffen?

Welches Schicksal wäre ihm am Ende beschieden?





Aufgabenstellungen zu

Sach-, Methoden-, Urteilsund

Handlungskompetenz.


Inhalt

Seiten

Inhaltsverzeichnis Zeit der Freude ...................................... 2 bis 5

Kapitel »Die Welt der Kinder« aus Zeit der Freude ............. 6 bis 23

Probeseiten aus dem Arbeitsheft 5 ................................... 24 bis 26

Probeseiten aus dem Lehrerkommentar ............................ 27 bis 30

Lesezeichen zum Abtrennen ...................... hintere Umschlagklappe

1


2

Inhalt

6 Das Buch stellt sich vor

8 Wir stellen uns vor

SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER

10 Die Welt der Kinder

11 Was wir lernen

12 1. Ich und wir

16 2. Die Eltern

18 3. Leben in Gottes Schöpfung

20 4. Kinder Gottes

22 5. Kinderrechte – Kinderpflichten

24 6. Die großen Nöte der Kleinen

26 7. Helfen ist möglich

27 Was wir können

Abdruck dieses Kapitels

auf den Folgeseiten

BIBEL

28 Bestseller für alle Zeiten – Die Bibel

29 Was wir lernen

30 1. Das Buch der Bücher

32 2. Eine ganze Bibliothek

34 3. Drei Jahrtausende unterwegs

36 4. Ein kostbarer Fund

38 5. Die Schrift – Eine geniale Erfindung

39 6. Ein Geschenk des Himmels

40 7. Ein Leitfaden für das Leben

42 Was wir können

44 Mit Geschichten leben –

Gestalten aus dem Alten Testament

45 Was wir lernen

46 1. Abraham – Ein unerhörter Ruf

Schauplatz Mesopotamien – Nomaden – Gottes Bund mit

Abraham – Das verheißene Land

55 Was wir können

56 2. Mose – Der Größte seines Volkes

Schauplatz Ägypten – Im Binsenkästchen – Am brennenden

Dornbusch: Die Offenbarung des Gottesnamens – Das Wunder

der Befreiung – Die Zehn Gebote

68 Was wir können

70 3. David – Der beliebte König

Schauplatz Israel – Der Jüngste ist der Richtige –

Ihm glückten viele große Taten – Gott versprach ihm ein

ewiges Reich – Er machte sich schuldig und tat Buße – Die

Daviderzählungen deuten auf einen größeren König hin

77 Was wir können

2


3

GOTT

78 Himmel und Erde bewegen – Vom Beten

79 Was wir lernen

80 1. Mit Gott Kontakt suchen

82 2. Gott ist wie …

84 3. Die beste Gebetsschule

86 4. Wie Christen beten

88 5. Eine ganz persönliche Sache

90 6. Betende Gemeinschaft

92 7. In allen Sprachen

94 Was wir können

JESUS

96 Die Heimat Jesu – Land und Leute

97 Was wir lernen

98 1. Das Land

Galiläa – Samaria – Judäa und Jerusalem

102 2. Das Volk

Die Religion – Die Politik – Jüdische Gruppen

110 3. Personen um Jesus

Die Mutter – Frauen im Jüngerkreis Jesu –

Männer im Jüngerkreis Jesu

114 Was wir können

116 Jesus – Eine unendliche Geschichte

117 Was wir lernen

118 1. Lukas – ein origineller Schriftsteller

120 2. Die Kindheitsgeschichte

Geheimnisvoller Anfang – Ärmliche Geburt

127 Was wir können

128 3. Das zentrale Thema

Gleichnisse vom Reich Gottes – Wunder: Zeichen des Reiches

Gottes – Liebe: Der Maßstab im Reich Gottes

136 Was wir können

138 4. Kreuz und Auferstehung

Das letzte Mahl – Ein schreckliches Ende – Von Gott bestätigt

146 Was wir können

148 5. Auch heute gegenwärtig

150 Was wir können

3


4

GESCHICHTE – ENTWICKLUNGEN,

KÜNSTE UND PERSONEN

152 Paulus – Das Christentum auf Erfolgskurs

153 Was wir lernen

154 1. Eine fanatische Phase – Die plötzliche Wende

156 2. Auf neuen Wegen

160 3. Der Lehrer des Glaubens

161 Was wir können

162 Die Anfänge des Christentums in Europa

163 Was wir lernen

164 1. Das Wunder des Anfangs

166 2. Neue Energie in einer alten Welt

168 3. Unterirdische Hoffnungsorte – Die Katakomben

170 4. Konstantin – Die Versuchung der Macht

172 5. Die Erfindung der Kirche – Die Basilika

174 6. Benedikt von Nursia – Eine neue Gemeinschaft entsteht

176 7. Bonifatius gewinnt die Germanen für das Christentum

178 8. Karl der Große – Kaiser des Abendlandes

180 9. Die erste christliche Kunst Europas – Die Romanik

182 Was wir können

KIRCHE

184 Eine einzigartige Gemeinschaft

185 Was wir lernen

186 1. Eine ganz normale Gemeinde

188 2. Weltweite Kirche

190 3. Priester und Laien

192 4. An den Stationen des Lebens

196 5. Das Kirchenjahr und seine Feste

198 6. Juden und Muslime feiern

200 Was wir können

202 Die Christen – Eine bunte Vielfalt

203 Was wir lernen

204 1. Katholisch – Evangelisch

208 2. Getrennt und verbunden

210 3. Ökumenisch

212 Was wir können

4


5

RELIGIONEN

214 Der Islam und die Muslime

215 Was wir lernen

216 1. Eine große Religion

218 2. Mohammed – Der Prophet

220 3. Allah und der Koran

222 4. Die fünf Säulen

224 5. Islam in Deutschland

226 6. Muslime und Christen

228 7. Gewalt im Namen Gottes?

229 Was wir können

METHODEN

14 M1 Die Perspektive wechseln

58 M2 Einen (biblischen) Text erschließen

60 M2a Eine Legende verstehen

129 M2b Bildworte und Bilderzählungen verstehen

132 M2c Den Aufbau der Wundererzählungen

entdecken

124 M3 Ein Bild sehen und deuten

186 M4 An einem Projekt arbeiten

VORSCHLÄGE ZUM LERNEN

230 V1 Ein Religionsheft anlegen

230 V2 Für ein Thema recherchieren

230 V3 Mit einem Partner/einer Partnerin arbeiten

231 V4 In kleinen Gruppen eine Aufgabe angehen

231 V5 Einen Text laut lesen und gut vortragen

232 V6 Mit anderen diskutieren

232 V7 Eine Wandzeitung oder ein Lernplakat erstellen

232 V8 Eine Landkarte anfertigen

233 V9 Einen Fragebogen entwerfen

233 V10 Eine Ausstellung planen

234 V11 Ein Elfergedicht schreiben

234 V12 Eine Zettellawine in Gang setzen

235 V13 Ein Puzzle zusammenlegen

235 V14 Eine Meditation vorbereiten

236 Register

240 Geographische Karten

5


10

1 Wenn es um das Thema „Kinder

geht, seid ihr Experten. Deshalb

könnt ihr zu den Fotos sicherlich

viel sagen:

Beschreibt die Situation der

Kinder auf den Fotos.

Überlegt, welche Erfahrungen

ihr in ähnlichen Situationen

gemacht habt.

Was wisst ihr über Kinder, die

in anderen Verhältnissen leben

als ihr selbst?

Was zeigen die Bilder, das für

Kinder wichtig ist? Was vermisst

ihr?

2 Welche Bilder haben mit dem

christlichen Glauben zu tun?

6


11

Die Welt der Kinder

Was wir lernen

In diesem Kapitel beschäftigt ihr euch nicht mit anderen

Dingen. Hier befasst ihr euch mit euch selbst.

Kinder – das ist ein Thema, zu dem ihr vieles sagen

könnt, ohne vorher in Bücher gucken zu müssen. Kinder

– das seid ihr selbst.

Aber niemand lebt in der Welt für sich allein. Immer

seid ihr auf andere angewiesen. Immer sind auch

andere auf euch angewiesen. Um euch selbst und andere

besser zu verstehen, macht ihr euch mit der Methode

des Perspektivenwechsels vertraut.

Was Kinder wert sind, wollt ihr wissen? Als Geschöpfe

seid ihr der Bibel zufolge Kinder Gottes. Wer glaubt

weiß, dass er bei Gott für immer geborgen ist; Gott

wird nicht untreu. Wenn ihr über eure Rechte und auch

eure Pflichten nachdenkt, werdet ihr darauf aufmerksam,

dass ihr mehr und mehr, soweit es in euren Kräften

steht, verantwortlich werdet für Gottes Schöpfung

und die Kinder, die in ihr leben.

Eine Anregung: Du kannst in deinem Religionsheft (D

V1 ) unter der Überschrift „Wir Kinder“ in Stichworten

aufschreiben, was du im Unterricht über dich und andere

Kinder erfährst. Notiere auch, wann es dir während

der Arbeit gut erschien, die Perspektive zu wechseln.

7


12

Die Welt der Kinder

L

Alle Mädchen und Jungen stellen sich

die Frage: Wer bin ich? Die Antwort

ist nicht einfach, weil wir selbst nicht

einfach sind. Das, was wir „Ich“ nennen,

besteht aus vielen Eigenschaften

und es ist doch mehr als alle

Einzelheiten zusammen. Es ist einmalig.

Kein anderer Mensch der ganzen

Welt ist genau so. Doch jeder

Einzelne kann auch von sich sagen:

„Ich“. So ist es von Gott gewollt, als

er uns schuf (D S. 18) und in seine

liebende Gemeinschaft (D S. 6) aufnahm.

1. Ich und wir

Sieben Seelen

Ich will euch erzählen

von meinen sieben Seelen.

Die erste ist fleißig,

die zweite ist faul,

die dritte will reden,

die vierte hält’s Maul,

die fünfte ist feige,

die sechste hat Mut,

die siebte mahnt sie:

Nun vertragt euch mal gut!

Meine sieben Seelen

sind so verschieden

wie du und ich.

Und doch ergeben sie

zusammen:

mich.

Roswitha Fröhlich (geb. 1924)

A

Sich selber kennen lernen

1 Stellt eure Fingerabdrücke mit

Hilfe eines Stempelkissens her und

vergleicht sie miteinander. Aber

Vorsicht, dass ihr nicht Pulli oder

T-Shirt beschmutzt.

2 Schreibe auf einem Blatt Papier die

Stärken auf, die Mädchen oder

Jungen haben können. Ordne deine

Eintragungen in der Form einer

Pyramide, so dass an der Spitze

die Stärke steht, die dir am besten

erscheint. In der Mitte stehen weniger

wichtige Stärken. Am Fuß der

Pyramide stehen die Stärken, die

dir am wenigsten bedeuten. Dasselbe

könnt ihr mit den Schwächen

der Jungen und Mädchen tun.

Vergleicht eure Pyramiden miteinander

und prüft, ob ihr euch auf

zwei Pyramiden einigen könnt.

3 Wer schafft es, ein kleines Gedicht

über seine Seelen zu schreiben?

Es müssen nicht sieben, es können

mehr oder weniger sein

4 Ein persönliches Gebet: DS. 87.

Wenn Kinder denken: Was wäre, wenn …

Anke (11): Ich versuche immer zu denken, ich sei ein anderer, und ich

bin doch immer wieder ich. Oder?

Lukas (10): Wenn ich nicht Lukas hieße, sondern Florian, wäre ich dann

auch Florian?

Ester (10): Wenn ich genau so groß wäre wie Anke, ihre Haare, Nase

und Eltern hätte, wenn ich in ihrer Familie groß geworden wäre – wäre

ich dann Anke? Oder gäbe es mich zweimal?

Tobias (12): Wenn heute gestern wäre, könnte ich dann anders entscheiden,

als ich gestern entschieden habe?

Was ist ein Kind?

A

ein kleiner

Erwachsener

ein

einmaliger

Gedanke

Gottes

eine treue

Stütze

ein Bündel

von Energie

eine

teure

Angelegenheit

ein

ständiger

Störenfried

ein Stück

Zukunft

1 Erklärt arbeitsteilig, was mit den Antworten jeweils gemeint ist.

Wenn ihr weitere Antworten von Erwachsenen kennt, schreibt sie

auf.

2 Welche Antworten haltet ihr für richtig, welche für falsch? Bei welchen

könntet ihr sagen: „Teils – teils“ oder „ja – aber“?

8


13

L

Es gibt kein „Ich“ ohne ein „Wir“.

Niemand kann ohne andere Menschen

leben. Niemand kommt ohne

andere Menschen auf die Welt. Niemand

kann ohne andere Menschen

erwachsen werden. Niemand lernt

sprechen, wenn keiner mit ihm

spricht. Niemand lernt etwas, wenn

ihm nicht andere helfen. Niemand

kann für sich allein glücklich sein.

Du und ich

Du bist anders als ich,

ich bin anders als du,

Gehen wir aufeinander zu,

schauen uns an,

erzählen uns dann,

was du gut kannst,

was ich nicht kann,

was ich so treibe,

was du so machst,

worüber du weinst,

worüber du lachst,

ob du Angst spürst bei Nacht,

welche Sorgen ich trag,

welche Wünsche du hast,

welche Farben ich mag,

was traurig mich stimmt,

was Freude mir bringt,

wie wer was bei euch kocht,

wer was bei uns singt …

Und plötzlich erkennen wir

– waren wir blind? –

dass wir innen uns

äußerst ähnlich sind.

Karlhans Frank (1937–2007)

A

Wozu gehört ihr? Was bringt es?

1 Schreibe die Gruppen und Gemeinschaften in dein Religionsheft,

zu denen du gehörst. Beantworte dann folgende Fragen: Wie fühlst

du dich in den einzelnen Gruppen und Gemeinschaften? Was bringt

es dir, dass du dazu gehörst? Was ärgert dich daran? Was bringst du

selbst diesen Gruppen und Gemeinschaften? Wann ärgern sich diese

über dich?

2 Entwerft ein Plakat (D V7 ), auf dem ihr Regeln aufschreibt, die für

das gemeinsame Leben in eurer Klasse gut sind. Die Regeln könnten

beginnen: Wir beachten immer..., Wir werden nie... Prüft miteinander,

ob eure Regeln der „goldenen Regel“ (DS. 15) entsprechen.

Am Ende sollen alle die Regeln unterschreiben.

3 Was könntest du tun, um einen Streit zwischen dir und deinen Freundinnen/Freunden

zu entschärfen?

ein Gespräch mit ihnen suchen

ordentlich dazwischenschlagen

ihnen die Hand geben

sie zu dir nach Hause einladen

...

4 Fertigt aus einem Stück bemalter Pappe ein Puzzlespiel (D V13 )

an, das so viele einzelne Teile hat wie es Schüler und Schülerinnen

in eurer Klasse gibt. Mischt die Teile, verteilt sie in der Klasse, damit

jeder auf seinen Teil seinen Namen schreiben kann. Setzt die Teile

nun wieder zusammen. Welches Teil ist für das Ganze das Wichtigste?

Wie sieht am Ende das Puzzle aus, wenn ein oder mehrere Teile

fehlen? Das Puzzlespiel – ein Bild für eure Gemeinschaft?

Wen du brauchst

Einen zum Küssen und Augenzubinden,

einen zum lustige Streiche-Erfinden.

Einen zum Regenbogen-suchen-Gehn

und einen zum fest-auf-dem-Boden-Stehn.

Einen zum Brüllen, zum Leisesein einen,

einen zum Lachen und einen zum Weinen.

Auf jeden Fall einen, der dich mag,

heute und morgen und jeden Tag.

Regina Schwarz (geb. 1951)

9


14

Die Welt der Kinder

M1

Die Perspektive wechseln

Die Fähigkeit, die eigene Perspektive zu wechseln,

hilft uns dabei, Vorurteile zu durchschauen und zu

vermeiden. Im Vorurteil (Vor-Urteil) setzen wir andere

Personen und Gruppen herab und meinen, diese seien

weniger wert als wir, und das meist nur deshalb, weil

sie anders sind als wir. Wir übernehmen Vorurteile oft

von anderen und unterlassen es, sie zu überprüfen.

Häufig verbreitete Vorurteile richten sich gegen das

andere Geschlecht („Mädchen sind in Mathe schlechter

als Jungen“) oder gegen ein anderes Volk („Die Türken

in Deutschland sondern sich immer mehr ab.“).

Mit den Vorurteilen tun wir anderen Unrecht. Bei den

Betroffenen bewirken Vorurteile Enttäuschung, Trauer,

Minderwertigkeitsgefühle.



Das Wort „Perspektivenwechsel“ (lat. Wechsel der

Sichtweise) hört sich kompliziert an. Aber im Grund

ist der Perspektivenwechsel alltäglicher Vorgang.

Ihr wechselt die Perspektive, wenn ihr mit anderen

sprecht oder spielt, ein Buch lest, in die Schule geht,

eine Reise macht, mit dem Computer arbeitet usw.

Immer kommt ihr da mit anderen Leuten oder anderen

Situationen in Kontakt. Dabei stellt ihr euch auf

Gedanken, Gefühle und Ansichten anderer ein. Fast

nie denkt ihr darüber nach, dass ihr dabei gerade die

Perspektive wechselt. Oft ist es auch gar nicht nötig,

darüber nachzudenken.

Immer bewirkt der Perspektivenwechsel etwas

mit euch. Ihr erfahrt etwas Neues, lernt dabei, werdet

froh, wütend oder neugierig, wünscht euch et-




was, fasst einen Plan usw. Es kommt vor, dass ihr

euch durch den Perspektivenwechsel gelangweilt,

aufgeregt oder angeregt fühlt.

Der Perspektivenwechsel hilft auch, andere Leute

und Situationen besser zu verstehen. Darum ist es

manchmal gut, bewusst die Perspektive zu wechseln

und sich in andere Personen und Situationen einzufinden.

Ihr schlüpft sozusagen in die Haut eines anderen

und merkt, wie er denkt, fühlt und empfindet. Ihr

erweitert euren Horizont und eure eigenen Grenzen.

Dazu braucht ihr Zeit und vor allem die Fähigkeit,

euch in andere einzufühlen.

Ein Beispiel: Ein Junge, 11 Jahre alt, trifft sich gern

ohne zu fragen zuhause mit mehreren Freunden und

sitzt sonst häufig an seinem PC. Mit diesen Gewohnheiten

gibt es manchmal Schwierigkeiten. Seiner berufstätigen

Mutter wird es manchmal zu viel, wenn

sie immer auch für alle seine Freunde kochen und

nachher alles aufräumen muss, was sie unordentlich

liegen gelassen haben. Und sein Vater meint, dass es

für ihn nicht gut ist, stundenlang vor dem PC zu sitzen,

weil er auch noch andere Arbeiten verrichten

muss und weil allzu langes Surfen im Computer für

Kinder schädlich ist. Je mehr er sich nun in die Gedanken

und Empfindungen seiner Eltern hineinversetzt,

um so eher wird er sie ganz oder teilweise verstehen.

Und wenn auch die Eltern sich in ihn

hineinversetzen, wird es wahrscheinlich zu guten

Kompromissen kommen.

Im Religionsunterricht spielt der Perspektivenwechsel

eine überaus wichtige Rolle. Er ist fast dauernd

erforderlich. Bei der Arbeit mit biblischen Texten

geht es z. B. nicht ohne diese Methode. Sie hilft, sich

in die Situation einer alttestamentlichen Person wie

Abraham, Mose oder David oder in eine Gestalt aus

dem Neuen Testament wie Maria, Petrus oder Judas

hineinzuversetzen. Man lernt allmählich, nicht alles

nur nach den eigenen Vorstellungen zu beurteilen.

10


15

Das bin ja ich!

Meine Mutter spielte früher ein Spiel mit mir, das

hieß: „ABER UM GOTTES WILLEN, DAS BIN JA

ICH!“

Es geschah alles eines Tages, als ich acht oder neun

Jahre alt war. Ich erinnere mich nicht mehr genau

daran, aber ich erinnere mich deutlich, dass Mutter

und ich an einem sehr schönen Nachmittag die

Straße entlang gingen.

Es geschah ganz plötzlich, dass ich mich vor Lachen

ausschütten wollte, und als Mutter mich fragte, was

denn so komisch sei, zeigte ich auf eine sehr, sehr,

sehr dicke Dame, die wie eine Ente gerade vor uns

herwatschelte.

Jäh, wie vom Blitz getroffen, blieb Mutter stehen.

Sie ließ meine Hand los. Sie lächelte nicht und ihre

ersten Worte, die ich nicht verstand, klangen unwillig.

Dann beugte sie sich nieder, bis unsere Gesichter

ganz nahe beieinander waren, und sagte:

„ABER UM GOTTES WILLEN, DAS BIN JA ICH!

Kannst du das sagen, mein Kind?“

Ich wiederholte es, aber ich begriff nicht, was es bedeutete.

Da sagte Mutter: „Wir wollen ein Spiel daraus

machen: Jedes Mal, wenn du jemand siehst,

der zu dick oder zu dünn ist, schieläugig oder

krummbeinig, launisch oder entstellt oder nicht

hübsch – so stelle dir vor, dass du in seiner Haut

steckst und er in deiner.“

Das gefiel mir. Und ich spielte das Spiel immer wieder

und übte es von Jahr zu Jahr: „ABER UM GOT-

TES WILLEN, DAS BIN JA ICH!“

Gloria Swanson

1 Das Kind und die Mutter reagieren unterschiedlich,

als sie beide auf der Straße eine dicke Frau sahen.

Versuche, das Verhalten beider zu beschreiben und

zu erklären. Deutet insbesondere das Wort „UM

GOTTES WILLEN“.

2 Was soll das Spiel „ABER UM GOTTES WILLEN, DAS

BIN JA ICH!“ bewirken?

3 Erfindet selbst eine Erzählung, in der ein Perspektivenwechsel

das Verhalten ändern kann.

Die goldene Regel – Ein Perspektivenwechsel

Viele Völker kennen die „Goldene Regel“, die besagt:

„Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem

anderen zu.“ Jesus hat diese Regel in seiner Rede auf

dem Berg (DS. 85) verändert. Bei ihm lautet sie so:

Alles, was ihr von anderen Menschen erwartet, das tut

auch ihnen. aus dem Evangelium nach Matthäus 7, 12

Welchen Perspektivenwechsel schlägt Jesus hier vor?

Perspektivenwechsel im Spiel

Es gibt auch im Religionsunterricht manchmal Gelegenheiten,

einen Perspektivenwechsel mit einem Spiel einzuüben,

z. B. mit einem Standbild oder Rollenspiel.

1 In einem Standbild stellt ihr mit eurer Körperhaltung

und eurem Gesichtsausdruck, manchmal auch noch

mit einigen Requisiten, eine einzelne Szene gleichsam

wie ein Denkmal dar. Ein Bild oder eine Situation

aus dem Leben können euch Anregungen zu

einem Standbild geben. Zu einem Thema sind manchmal

auch mehrere Standbilder möglich, so dass sich

verschiedene Gruppen ergänzen können. Interessant

ist es auch, wenn eine Gruppe ein Standbild einübt

und die anderen angeben sollen, was es darstellt.

Das Standbild ist eine Vorstufe zum Rollenspiel.

Ein biblisches Beispiel: Hier eignet sich besonders

die Geschichte von Zachäus (Lk 19, 1–10).

2 In einem Rollenspiel führen Schülerinnen und Schüler

eine kleine Szene in der Klasse oder vor einem

anderen Publikum auf. Manche Rollenspiele entstehen

spontan. Sie brauchen nicht viel Vorbereitung,

wohl aber einige Phantasie und die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel.

Andere Rollenspiele müsst ihr gut

vorbereiten. Anregungen dazu können geben:

● ein Problem, z. B. ein Konflikt zwischen Eltern und

Kindern: DS. 16 f.

● eine (biblische) Erzählung, z. B. Mose im Binsenkästchen:

DS. 58.

Für ein Rollenspiel sind die folgenden Fragen zu

bedenken:

● Wer schreibt ein kleines Drehbuch, in dem die einzelnen

Szenen und der Text festgelegt werden?

● Wer übernimmt die einzelnen Rollen? Um mehr

Schülerinnen und Schüler zu beteiligen, als in der

Textvorlage vorkommen, könnt ihr ein paar zusätzliche

Rollen erfinden, z. B. Zuschauer, Zeitgenossen,

Clowns, Kinder, einen Moderator usw.

● In welchen Kostümen treten die Spieler/innen

auf? Welche Requisiten sind nötig, z. B. Kleider,

Besen, Schwert, Lampe usw.?

● Wie könnte ein kleines Bühnen-/Szenenbild aussehen?

Manchmal reicht es, auf einem großen Plakat

den Ort der Handlung aufzuschreiben: z. B.

„Wald“, „Jerusalem“ usw.


Wer ist für die Regie verantwortlich? Das ist oft

eine Aufgabe für die Religionslehrerin oder den Religionslehrer.

Ein Beispiel: Eine jüdische Familie reist von Galiläa

nach Jerusalem: DS. 115.

11


16

Die Welt der Kinder

L

● Es ist die natürlichste Sache der

Welt, dass Eltern ihre Kinder lieben.

Sie sorgen dafür, dass sie leben und

sich entwickeln können. Kinder brauchen

viel Zeit und kosten viel Geld.

In der Regel tun Eltern alles gern für

ihre Kinder. In der Regel wissen Kinder

das auch und sind ihren Eltern

dankbar.

● Nicht selten entsteht jedoch für

Kinder eine schwere Situation,

wenn die Eltern sich nicht genug um

sie kümmern (können), sich nicht

vertragen oder für sie keine Zeit haben.

● Viele Kinder leben nicht mit Vater

und Mutter zusammen, weil die Eltern

sich getrennt haben oder ein

Elternteil gestorben ist. Dann leben

sie allein mit ihrer Mutter oder ihrem

Vater, mit einem neuen Lebenspartner

von Mutter oder Vater, mit Verwandten

oder auch mit einem Vormund

zusammen. Sie alle sind hier

auch gemeint, wenn von „Eltern“ die

Rede ist.

2. Die Eltern

„Lasst mich in Ruhe!“

Dieser Text stammt aus dem Tagebuch des jüdischen Mädchens Anne Frank.

Sie wurde im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager

Bergen-Belsen ermordet. Mit ihrer Familie war sie zuvor in die

Niederlande geflüchtet. Als die deutsche Wehrmacht im Jahr 1940 die Niederlande

eroberte, veränderte sich auch dort das politische Klima. Die Judenfeindlichkeit

nahm zu.

Sonntag, 30. Januar 1943

Liebe Kitty!

Ich dampfe vor Wut und darf es nicht zeigen. Ich würde am liebsten mit

den Füßen aufstampfen, schreien, Mutter gründlich durchschütteln, weinen

und was weiß ich noch alles wegen der bösen Worte, der spöttischen

Blicke, der Beschuldigungen, die mich jeden Tag aufs Neue treffen …

Jeder findet mich übertrieben, wenn ich was sage, lächerlich, wenn ich

schweige, frech, wenn ich eine Antwort gebe, gerissen, wenn ich eine

gute Idee habe, faul, wenn ich müde bin, egoistisch, wenn ich einen Bissen

zu viel esse, dumm, feige, berechnend usw. usw. Den ganzen Tag

höre ich nichts anderes, als dass ich ein unausstehlicher Fratz bin. Und

obwohl ich darüber lache und tue, als wäre es mir egal, macht es mir

sehr wohl etwas aus, würde ich Gott bitten wollen, mir eine andere

Natur zu geben, die nicht alle Leute gegen mich in Harnisch bringt.

Aus dem Tagebuch der Anne Frank (1929–1945)

„Meine Eltern wollen sich trennen“

Meine Eltern trennen sich und haben die Scheidung beantragt. Ich kann

es noch nicht fassen. In der letzten Zeit war es schon schlimm zu Hause,

aber jetzt ist es so, als ob die Welt für mich untergeht. Was soll ich tun?

Wie geht es weiter? Ich kann den Schmerz und auch die Wut nicht beschreiben.

Beide hab ich lieb, auch wenn sie ganz verschieden sind. Beide

waren eigentlich immer für mich da. Für wen soll ich mich entscheiden?

Bei wem soll ich bleiben? Ich weiß mir im Augenblick keinen Rat.

Nadja (11)

A

1 Zum Gedicht von Marie Luise Kaschnitz: Welche Haltung

der Mutter könnt ihr feststellen und was könnte

der Grund dafür sein? Was gefällt euch, was gefällt euch

nicht?

2 Stellt euch ähnliche Fragen zu dem Brief der Anne Frank

und zu der Klage von Nadja.

3 Schreibt über Mutter, Vater, Schwester, Bruder, Familie

usw. jeweils ein Elfergedicht: D V11 .

4 Zu dem Gedicht des Mädchens aus Korea: Schreibe

selbst ein Gedicht: Meine Mutter heißt …, Mein Vater

heißt …, ich heiße … Wie unterscheidet sich dein Gedicht

von dem des Mädchens?

5 Wie lautet das 4. Gebot? (DS. 66) Zwar richtet sich das

Gebot zuerst an Erwachsene, die sich um ihre Eltern

kümmern und deren Rat ernst nehmen sollen. Aber es

ist auch für Kinder aktuell. Beschreibt einige Situationen,

in denen es zu euch spricht.

6 Geht die Eltern- und Kinderworte durch und überlegt,

ob und wie weit sie mit dem vierten Gebot zusammen

passen.

7 Ergänzt die Sätze: Meine Mutter ist wie …; Mein Vater

ist wie …; Zuhause ist es wie …

Wenn ihr darüber in der Klasse nicht sprechen wollt,

könnt ihr die Aufgabe nur für euch lösen.

8 Überlegt euch, welches Geschenk ihr euren Eltern machen

könnt, das ihr ihnen zu einem guten Anlass überreicht.

Beispiele: ein Foto im Rahmen, ein Gedicht,

Gebet oder Lied, ein Gutschein für zehnmaliges Ausräumen

der Spülmaschine, die Fertigstellung der Hausaufgaben

vor 18:30 Uhr oder

12


17

I„Wir meinen

es doch nur gut

mit dir.“

„Wer nicht hören

will, muss fühlen.“

e„Das

schaffst du

schon.“

Was Eltern oft den Kindern sagen

u

u

„Das verstehst

du nicht.“

E

„Du kannst

mit uns über alles

sprechen.“

Wir haben dich lieb

Komm, sagt die Mutter, zur Welt, Kind.

Ich will dich nähren.

Wozu wir auf dieser Welt sind,

kann ich dir nicht erklären.

Das sagt dir der Vater morgen

oder irgendwann.

Ich hab’ zu tun und zu sorgen,

mich geht’s nichts an.

Ich will dich nicht gar so mutig

und auch nicht besonders schön,

weil die allzu Kühnen und Schönen

so oft zugrunde gehn.

Ja, am liebsten behielt ich dich immer

klein und bei mir.

Ich heizte dir das Zimmer

und ließe dich nicht vor die Tür.

Ich will, dass du immer satt hast

und kein Regen auf dich fällt

und du eine bleibende Statt hast

hier in der Welt.

Und dass du das Schmutzigste meidest

und den Rechten zum Freund dir erwählst

und dass du nicht krank wirst und leidest

und mir immer alles erzählst

Denn draußen ist sehr viel Böses,

weiß nicht, wo das Gute blieb.

Komm auf die Welt, Kind,

sieh selbst, Kind!

Vergiss nicht, wir haben dich lieb.

Marie Luise Kaschnitz (1901–1974)

U„Ich bin

kein kleines Kind

mehr.“

a

„Ihr seid die

besten Eltern

auf der Welt.“

e„Wenn ich

euch nicht

hätte, ...“

Was Kinder oft den Eltern sagen

Meine Mutter heißt Sorge

Meine Mutter heißt Sorge.

Im Sommer sorgt sie sich um Wasser,

im Winter sorgt sie sich um Kohle,

und das ganze Jahr sorgt sie sich um Reis.

Am Tage sorgt sie sich um das Essen,

in der Nacht sorgt sie sich um die Kinder,

jeder Tag ist ausgefüllt mit Sorgen.

So heißt meine Mutter Sorge,

mein Vater heißt Zorn, er ist oft betrunken,

und ich – ich heiße: Tränen und Seufzer.

Ein zwölfjähriges Mädchen aus Korea

U

„Das

versteht ihr

nicht!“

13


18

Die Welt der Kinder

3. Leben in Gottes Schöpfung

Die Würde der Kinder – Drei Worte der Bibel

Im ersten Kapitel der Bibel findet sich ein altes Lied über die Schöpfung. Darin

heißt es, dass Gott allein durch sein Wort die Welt in 6 Tagen geschaffen

hat. Am Ende seines Schöpfungswerks, am 6. Tag, schafft Gott auch den

Menschen. Er gibt den neu geschaffenen Menschen den Auftrag, fruchtbar zu

sein und sich zu mehren, d. h. Kinder zu haben. Darum sind die Kinder genau

so wie die Erwachsenen Geschöpfe und Bilder Gottes.

26 Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns

ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel

des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere

auf dem Land. 27 Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als

Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. 28 Gott segnete

sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch,

bevölkert die Erde, unterwerft sie euch (d. h. macht sie zu eurem Lebensraum

und bewahrt sie auch für die kommenden Generationen).

aus dem Buch Genesis 1, 26 –28

Der 8. Psalm (DS. 84) ist ein Loblied auf den Schöpfergott, dessen Name auf

der ganzen Erde gewaltig ist. Die Kinder und Säuglinge sind die ersten, die

ihn, Gott, loben.

2 Herr, unser Herrscher,

wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde;

über den Himmel breitest du deine Hoheit aus.

3 Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob.

Psalm 8, 2 f

Der Prophet Maleachi lebte wahrscheinlich im 5. Jahrhundert v. Chr. Er machte

auf Missstände seiner Zeit aufmerksam und erinnerte die Streitenden an

ihren Gottesglauben. In seinem Satz sind auch die Kinder mitgemeint.

Haben wir nicht alle denselben Vater? Hat nicht der eine Gott uns alle

erschaffen?

aus dem Buch des Propheten Maleachi 2, 10

Meister Bertram (um 1340–1415), Erschaffung von Adam und Eva (Gen 2,7.21 f).

Das erste Bild zeigt, wie Adam durch das Schöpfungswirken Gottes aus dem Erdboden

kommt. Im zweiten Bild erschafft Gott Eva aus der Rippe des Adam.

L

Die Schöpfung soll für alle Menschen

der Lebensraum sein, in dem

sie sich freuen und glücklich sind.

Das gilt auch für alle Kinder. Sie sollen

sich in Gottes Schöpfung gut

entwickeln können. Denn Gott ist ein

„Freund des Lebens“ (Weish 1, 26).

A

1 Vielleicht erinnert ihr euch an das biblische Schöpfungslied, das

am Anfang der Bibel steht. Mög licherweise habt ihr es einmal früher

im Religionsunterricht oder im Gottesdienst der Osternacht gehört.

Wer kann die 6 (7) Tagen beschreiben, von denen der Text spricht?

Welchen Lebensraum schafft Gott da? Was ist davon für die Menschen

und also auch für die Kinder wichtig? Ihr könnt die Einzelheiten nachlesen:

DGen 1, 1–2,4. Zum Finden der Bi bel texte:DS. 33; zum Verständnis

der Texte: D M2

2 Was bedeutet es für euch, dass ihr Geschöpfe Gottes seid?

14


19

A

Das Kätzchen

Besuch! Im Garten ist ein Gast!

Ein Kätzchen sitzt auf einem Ast.

Lasst, Kinder, alles Spielzeug stehn,

wir wollen es bestaunen gehn!

Es hat zwei Lichter mitgebracht,

die sehn – und leuchten in der Nacht.

Was es hier will? Nun – denken wir,

es wolle sagen: Ich bin hier.

Denn eine Katze, Kinder, ist

ein Wunder. Was der Mensch vergisst.

Der Mensch kann auf dem Mond erwachen,

aber keine Katze machen.

Das kleinste Vogelherz, das schlägt,

ist nicht von Menschenhand bewegt.

Der Fisch, der sich im Wasser regt,

entschlüpft dem Ei, vom Fisch gelegt.

Das größte Wunder selbst auf Erden

muss aus dem Leib geboren werden:

Verwundert steht das Menschenkind

vor all den Wundern, die da sind.

Und jeder Mensch und jedes Tier

ist nur für eine Weile hier.

Drum danken wir dem Kätzchen schön,

dass es sich anschaun ließ, und gehn.

Reiner Kunze (geb. 1933)

1 Warum sollten wir dem Kätzchen dankbar sein?

2 Was ist das größte Wunder hier auf Erden? Welche Antwort geben

Christen auf die Frage, wer dieses Wunder letztlich bewirkt hat?

3 Eine andere schöne Geschichte zu einem ähnlichen Thema: „Die

Flöhe und der unendliche Gott“: DS. 20.

4 Was bedeutet der Schöpfungsglaube für den Umgang mit der Erde

und ihren Schätzen, für das Verhältnis der Menschen zu den Tieren

und zu anderen Menschen?

5 Wenn ihr mit Bäumen oder Tieren reden könntet – was würden sie

euch sagen?

6 Überlegt, was Kinder tun können, um ihre Umgebung sauber zu erhalten

und zu schonen, Energie und Wasser zu sparen, mit Lebensmitteln

richtig umzugehen usw., z. B. zuhause, auf der Straße, auf

dem Schulhof, auf …

7 Stellt in Gruppenarbeit (D V4 ) zusammen, was ihr über Umweltverschmutzung,

Müllberge, Klimakatastrophe, Ozonloch, Entsorgung,

Grundwassergefährdung, Hunger, Krankheiten usw. wisst.

Fragt auch nach den Ursachen der Probleme. Warum fällt es einzelnen

Menschen und der Menschheit im Ganzen so schwer, auf Taten

zu verzichten, die für sie so gefährlich und zerstörerisch sind?

8 Stellt Bilder zum Thema „Unser Umgang mit der Schöpfung“ zusammen.

Ihr könnt für diese Ausstellung (D V10 ) Fotos suchen, aber

auch selbst Bilder anfertigen.

L

● Der Schöpfungsglaube stellt die

Menschen heute vor die verantwortungsvolle

Aufgabe, die Umwelt zu

bewahren und zu erhalten. Aber unsere

Generation geht mit der Schöpfung

oft verantwortungslos um. Die

Erde, der Boden, die Luft, das Wasser,

die Pflanzen und Tiere werden

ausgebeutet und beschädigt. Schon

ist es ungewiss, ob der Lebensraum

der Menschen auch für die nachkommenden

Generationen erhalten

bleibt. Große Katastrophen für die

Erde, das Klima, die Ernährung, die

Bewässerung, die Gesundheit, den

Frieden u. a. bahnen sich an.

● Gerade Kinder sind durch solche

Katastrophen bedroht. Sie können

sich noch nicht gegen den Umgang

der Erwachsenen mit der Schöpfung

wehren. Wenn sie erwachsen sind,

müssen sie auf der Erde leben, die

die heutigen Erwachsenen ihnen hinterlassen.

Die Verantwortung für die

Bewahrung der Schöpfung tragen

vor allem Politiker, Großunternehmer,

Flugzeug-, Schiff- und Autofahrer,

Verbraucher – letztlich wir alle. Aber

auch für Kinder stellen sich hier

schon einige Aufgaben. Je älter sie

werden, umso größer wird ihre Verantwortung

für die Schöpfung.

Klaus Staeck (geb. 1938), Plakat 1998

15


20

Die Welt der Kinder

L

A

● Im Christentum dürfen sich die

Kinder rundum geborgen fühlen, weil

sie an die Freudenbotschaft von Gottes

Liebe und der Gemeinschaft mit

ihm glauben. Alle Kinder sind hier

nicht nur einmalige Geschöpfe Gottes,

sondern noch mehr: sie sind

Kinder Gottes. Das könnte nicht

sein, wenn Gott die Kinder nicht besonders

liebte. Jemand hat einmal

gesagt: „Die Kids sind Gottes Hits“.

● Jesus hat viel für Kinder getan.

Seine besondere Zuneigung zu ihnen

zeigte sich in vielen Situationen. Er

wollte nicht, dass man sie von ihm

fernhielt, weil sie ihn etwa stören

könnten. Er ließ sie zu sich kommen.

Er setzte die Kinder sogar mit sich

selbst auf eine Stufe: Was man einem

Kind tut, das tut man Jesus. Und

selbst dieses unerhörte Wort hat er

noch überboten: Was man einem

Kind tut, das tut man Gott selbst an.

Nie hat jemand über Kinder etwas

Großartigeres gesagt.

1 Zum Finden der Bibeltexte:DS. 33;

Zum Verständnis der Texte: D M2

2 Wähle dir eine der Kindergeschichten

aus dem AT oder NT aus und

erzähle sie vor der Klasse oder

lies sie verständnisvoll vor: D V5 .

3 Besondere Aufmerksamkeit verdient

Ps 139, 13–17. Wer sucht ihn

heraus, liest ihn der Klasse vor und

deutet die einzelnen Verse?

4 Ihr seid Geschöpfe und Kinder Gottes.

Entdeckt ihr einen Zusammenhang

mit der Erzählung „Aber um

Gottes willen, das bin ja ich“

(DS. 15).

5 Überlegt, warum Jesus eine so

große Zuneigung zu den Kindern

hatte.

4. Kinder Gottes

Kinder in der Bibel

Die Bibel ist kein Kinderbuch. Sie ist nicht für Kinder geschrieben. Aber

auch Kinder können schon viele Abschnitte der Bibel verstehen. Dazu

gehören u. a. Texte, in denen von Kindern erzählt wird. Ein paar Beispiele

sollen euch neugierig machen. Beachtet dabei D M2 .


Was Gott dem Abraham (DS. 46 ff) zum Zeichen seiner Berufung versprach:

Gen 18, 1–15; Gen 21, 1–3

● Esau und Jakob – Zwei ungleiche Brüder: Gen 25, 27–34; 27, 1–40

● Josef, ein Träumer und seine eifersüchtigen Brüder: Gen 37, 5–12

● Eine aufregende Familiengeschichte: Gen 42–45

● Mose (DS. 58 f) im Binsenkästchen: Ex 2, 1–10

● Der junge David (DS. 70 ff) und der riesige Goliat: 1 Sam 17.

● Das Urteil des weisen Königs Salomo über ein Kind: 1 Kön 3, 16–28.

● Zur Kindheit Jesu gibt es zwei Erzählungen: Mt 1–2, Lk 1–2 (DS. 120 ff).

● Jesus hat mehrfach kranke Kinder geheilt. Dramatisch verlief z. B. die

Heilung eines besessenen Knaben: Lk 9, 37–43a.

Die kleinen Flöhe und der unendliche Gott

Manche Kinder fragen sich, ob es Gott überhaupt gibt. Auf diese Frage kann

eine kleine Geschichte Antwort geben: Ein amerikanischer Professor suchte

einmal für seine Studenten nach einem Beweis für Gott. Während er sich in

seinem Kopf mühsam quälte, kam seine Tochter Sarah bei dem Anblick eines

Flohs auf einen überraschenden Gedanken und fand dabei eine Spur Gottes.

Er erzählt:

Unsere Katze Fluffy hatte Flöhe. Ich kündigte an, Fluffy im Keller wegen

ihrer Flöhe zu behandeln. Unsere Tochter Sarah, damals vier Jahre alt,

fragte, ob sie dabei zusehen dürfe. Widerstrebend willigte ich ein –

unter der Voraussetzung, dass sie oben an der Treppe stehenbleibt, um

nicht den Flohpuder einzuatmen. Von der obersten Treppenstufe beobachtete

Sarah den einfachen Vorgang mit großem Interesse. „Daddy“,

fragte sie plötzlich, „wie hat Fluffy die Flöhe bekommen?“ „Nun“, antwortete

ich arglos, „sie wird wohl mit einer anderen Katze gespielt

haben, von der sie dann auf Fluffy gehüpft sind.“ Sarah überlegte: „Und

wie hat diese Katze die Flöhe gekriegt?“ „Ach so, wahrscheinlich hat sie

noch mit einer anderen Katze gespielt“, antwortete ich lässig, „von der

dann die Flöhe auf die Katze gehüpft sind, mit der Fluffy später gespielt

hat.“ Sarah schwieg für eine Weile. „Aber Daddy“, sagte sie darauf ernst,

„es kann doch nicht unendlich so weitergehen, das einzige, was unendlich

weitergehen kann, sind Zahlen!“

Nachtrag. Sarah hat entdeckt, dass es mit den Flöhen nicht unendlich

weit zurückgehen kann wie mit den Zahlen. Es muss sozusagen einmal

einen ersten Floh gegeben haben, wenn es den Floh im Keller gibt. Dieser

erste Floh mag ja seinerseits auch noch einmal eine lange Vorgeschichte

gehabt haben. Aber auch da kann man nicht ins Unendliche

zurückgehen wie bei den Zahlen. Man muss einmal an einen ersten Anfang

kommen, der für alles andere ein Anfang ist, selber aber nie angefangen

hat. Könnt ihr das noch verstehen?

Gareth B. Matthews (geb. 1929)

16


Was Jesus an den Kindern so gut findet

Jesus hat nie gesagt, dass Kinder wie Erwachsene sein sollen, wohl aber,

dass Erwachsene wie Kinder werden müssen, um Zugang zum Reich

Gottes (DS. 130) zu haben. Dabei hat er nicht gemeint, die Kinder seien

immer gut oder gar unschuldig. Er wusste nur zu genau, dass Kinder oft

nicht gerade liebevoll miteinander umgehen und mancherlei Fehler

haben. Eher hat er daran gedacht, dass Kinder ganz auf ihre Eltern angewiesen

sind und im Vertrauen auf sie leben, ohne bereits selbst für sich

sorgen zu können. Sie nehmen von den Eltern alles mit der größten

Selbstverständlichkeit. Ein ähnliches Vertrauen sollen alle Christen zu

Gott haben. Wer sich vor Gott wie ein Kind weiß, wird von Gott angenommen.

Niemand darf sich vor Gott wie ein Erwachsener aufführen, der

meint, alles für sich allein regeln zu können.

Zwei unerhörte Jesusworte über die Kinder

Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind,

wird nicht hereinkommen. aus dem Evangelium nach Markus 10, 15

Er nahm ein Kind, stellte es mitten unter sie, schloss es in seine Arme

und sprach zu ihnen: Wer eines von solchen Kindern aufnimmt in meinem

Namen, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt

nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat (d. h. Gott).

aus dem Evangelium nach Markus 9, 36

Emil Nolde (1867—1956), Christus und die

Kinder (Lk 18, 15—17), 1910

A

1 Zum Umgang mit dem Bild: D M3 .

Lasst das Bild zunächst ruhig auf

euch wirken. Wenn ihr sorgfältig

das Ganze und alle Einzelheiten

betrachtet habt, werdet ihr euch

dazu besser äußern können.

2 Wie ist das Bild aufgebaut? Welche

Personen könnt ihr erkennen?

In welchen Farben sind sie links

und rechts gemalt? Wie deutet ihr

den Gesichtsausdruck der Personen

auf beiden Seiten?

3 Sucht euch eines der Kinder und

einen Erwachsenen aus und lasst

beide erzählen, wie es zu diesem

Treffen mit Jesus gekommen ist

und was sie in diesem Augenblick

erleben.

4 Malt auch selbst in Umrissen ein

Bild zum gleichen Thema mit einigen

Sprechblasen, in die ihr etwas

schreiben könnt.

17


22

Die Welt der Kinder

L

● Christen glauben, dass Gott allen

Menschen Würde und Rechte gegeben

hat und gibt. Dazu sagt die

Bibel: Jede Frau, jeder Mann und

jedes Kind ist ein Geschöpf Gottes

(DGen 1, 26–27), und jeder ist deshalb

auch „Bild Gottes“ (Gen 1, 27;

DS. 18). Diese beiden biblischen

Worte besagen: Alle Menschen, also

auch die Kinder, haben den Anspruch,

geachtet und geschützt zu

werden. Sie haben das Recht zu leben

und würdig zu leben. Sie haben

aber auch die Pflicht, die Würde und

Rechte anderer zu wahren.

● Für Kinder bedeutet das: Der

Schöpfergott hat ihnen sowohl Kinderrechte

wie auch Kinderpflichten

gegeben.

5. Kinderrechte – Kinderpflichten

Menschenrechte

Niemand kann leben ohne zu essen und zu trinken. Jeder braucht Kleidung

zum Anziehen, ein Dach über dem Kopf und Geld in der Tasche.

Aber das genügt nicht. Zum Leben braucht man mehr. Jeder braucht zum

Leben Rechte. Das heißt, dass jeder – nur weil er ein Mensch ist – Anspruch

auf etwas hat, das man nicht wie ein Ding sehen und anfassen

kann. Rechte sind unsichtbar und unfassbar, und doch sind sie etwas.

Sie sind zu einem menschenwürdigen Dasein nötig. Man braucht sie sich

nicht erst mühsam zu verdienen, man hat sie von Geburt an. Weil man

sie nicht veräußern (verlieren, verkaufen) kann, heißen sie auch „unveräußerlich“.

Weil sie allen Menschen zukommen, heißen sie „Menschenrechte“.

Jeder Mensch hat sie, egal, von welchen Eltern er abstammt,

egal, zu welchem Volk er gehört, egal, was für eine Hautfarbe er hat, egal,

zu welcher Religion er sich bekennt.

Zu den besonderen Rechten, die alle Menschen und somit alle Kinder

haben, gehören folgende:

Ein Kind wird nicht erst

Mensch, es ist schon einer.

Janusz Korczak (1878–1942):

Arzt, Kinderbuchautor und bedeutender

Pädagoge. Er ließ jüdische Kinder, die ins

Konzentrationslager verschleppt wurden,

nicht allein, begleitete sie und kam dabei

selbst ums Leben.














das Recht auf Leben in einer unbeschädigten Welt

das Recht auf einen eigenen Namen

das Recht zu einem bestimmten Volk zu gehören

das Recht unter dem Schutz der Gesetze zu stehen

das Recht auf richtige Ernährung

das Recht auf eine Wohnung und eine eigene Schlafstätte

das Recht auf Gehör und freie Meinung

das Recht auf Schule und Unterricht, auf Information und Bildung

das Recht auf Spiel und Erholung

das Recht auf Gesundheit und ärztliche Betreuung

das Recht auf Religionsfreiheit

das Recht auf Schutz vor Gewalttätigkeit

das Recht auf Hilfe in allen Notlagen …

A

1 Diskutiert (D V6 ) darüber, welche

Menschenrechte euch selbstverständlich

erscheinen, welche nicht.

2 Fragt euch in Partnerarbeit (D

V3 ), (1) was ihr selbst für eure

Rechte tun könnt und (2) was ihr

für die Rechte anderer Kinder tun

könnt.

3 Schreibt einem Politiker aus eurer

Stadt, eurem Bundesland, aus dem

Bundestag oder dem Europa-Parlament

einen Brief und fragt ihn,

was er und seine Partei in der letzten

Zeit für die Rechte der Kinder

getan haben. Ihr könnt auch eurem

Pfarrer oder Bischof schreiben.

18


23

Menschenpflichten

Jede Medaille hat zwei Seiten. So ist es auch mit den Rechten. Die andere

Seite der Rechte nennen wir Pflichten. Wer nur ein wenig darüber nachdenkt,

wird sofort einsehen: Es kann keine Rechte ohne Pflichten geben.

Logo: Wenn jeder Mensch ein Recht auf Leben hat, darf kein Mensch

einem anderen das Leben nehmen. Das ist eine unbedingte Pflicht.

Klar doch: Wenn alle Jungen und Mädchen das Recht auf Schule und

Unterricht haben, hat der Staat die Pflicht, dafür genügend Geld zur Verfügung

zu stellen. Um das teure Unternehmen bezahlen zu können,

nimmt der Staat ja all die vielen Steuern ein.

O. k.: Wenn Kinder vor Gewalt zu schützen sind, besteht für alle die

Pflicht, gefährliche Gewalttäter so zu behandeln, dass sie Kindern nicht

schaden können.

Kinderpflichten

Dieser ganze Zusammenhang von Rechten und Pflichten gilt auch für

Kinder. Wenn Kinder Rechte haben, haben sie auch Pflichten.

Doch halt! Dieser Satz ist nicht ganz richtig. Babys und selbst noch

ungeborene Kinder haben nur Rechte, aber noch keine Pflichten. Um

Pflichten zu haben, muss man schon etwas von der Welt und von sich

selbst verstehen. Man braucht wenigstens etwas Einsicht und ein

wenig Verantwortung. Man muss schon das eine oder andere für sich

selbst entscheiden können. Wo es dazu noch nicht reicht, gibt es für

Kinder nur Rechte, aber noch keine Pflichten. Wer zehn oder zwölf Jahre

alt ist, hat mehr Pflichten als einer, der drei oder acht Jahre alt ist.

Zu den Pflichten der Kinder zählen z. B.:

● die Pflicht, die Gesundheit nicht durch Leichtsinn zu gefährden

● die Pflicht, an der eigenen Ausbildung in der Schule aktiv mitzuarbeiten

● die Pflicht, anderen Kindern soweit wie möglich in Notlagen zu helfen

● die Pflicht, niemanden wegen seiner Herkunft („Ausländer“), wegen seiner

Hautfarbe, seines Geschlechts oder seiner Religion zu beleidigen

● die Pflicht, mit allen Kräften dabei mitzuhelfen, dass die Schöpfung erhalten

und vor weiterem Schaden bewahrt bleibt

A

1 Die Zehn Gebote vom Sinai (Ex

20, 1–17; DS. 66) und das Liebesgebot

Jesu (Lk 10, 25–27;

DS. 134 f) sind die wichtigsten

Richtlinien für Christen. Sucht die

Texte in der Bibel und vergleicht

sie mit den Rechten und Pflichten

für Kinder. Welche Entdeckungen

könnt ihr da machen?

2 Überlegt gemeinsam: Wenn ihr

Mitglieder eines Vereins „Mehr

Rechte für Kinder“ (MRK) wäret,

was würdet ihr dann vorschlagen,

anregen und verbieten?

3 Wer recherchiert im Internet (D

V2 ), was das Kinderministerium

in Berlin über Kinderrechte sagt?

4 Entwerft auf einem Lernplakat (D

V7 ) eine Sammlung mit wichtigen

Kinderrechten und Kinderpflichten.

Prüft, ob ihr dazu kleine Bilder

anfertigen oder Fotos hinzuziehen

könnt.

5 Diskutiert (D V6 ) darüber, ob es

mehr ein Recht oder eine Pflicht

ist, dass ihr regelmäßig in die

Schule geht. Schreibt die Argumente,

die dafür und dagegen

sprechen, in euer Reli-Heft (D V1 )

und/oder an die Tafel.

6 Ergänzt das Alphabet: Wie Kinder

sind, sein sollen und nicht sein

sollen, z. B.

A – albern, ängstlich

B – begabt, bescheiden

C – cool

D – …


Z = zappelig, zufrieden.

19


24

Die Welt der Kinder

6. Die großen Nöte der Kleinen

L

Peter Nagel, Spielkiste II, 1996

Kinder haben oft Sorgen. Es gibt

viele Gründe für ihre Sorgen, z. B.:

das Verhalten von Eltern, Freunden

und Freundinnen; ferner die Schule,

Begabung, Aussehen, Ansehen, Kleidung,

Armut, Einsamkeit usw. Die

Sorgen der Kleinen sind oft groß.

Allein wissen sie oft nicht, mit ihnen

fertig zu werden.

Sorgen des Alltags

Knut (11) schreibt in letzter Zeit nur noch schlechte Klassenarbeiten.

Darum wird er nicht versetzt. Knuts Eltern haben sich scheiden lassen.

Mary (12) kann sich so ausgefallene Hosen, Pullis, Schuhe und T-Shirts

nicht leisten wie viele ihrer Klassenkameradinnen. Die beliebten Markenartikel

sind nur für andere da. Ihr Vater ist arbeitslos.

Michael (12) hat Angst vor seinen Klassenkameraden. Er kann sich

auch dann nicht durchsetzen, wenn er im Recht ist. Darum halten ihn

die meisten für einen Schwächling.

Anne (10), ein Mädchen mit Übergewicht, wird immer von ihren Mitschülern

gehänselt. Sie heißt nur „die Dicke“.

Samir (11) stammt aus einer türkischen Familie, die noch nicht lange in

Deutschland lebt. Wenn jemand Klassenkameraden zum Geburtstag

nach Hause einlädt, wird Samir regelmäßig übergangen.

Frauke (12) lebt in einem Kinderheim, weil ihre Eltern bei einem Autounfall

ums Leben gekommen sind.

Sophie (10) kommt oft zu spät in den Unterricht. Obwohl die Lehrerin

Verständnis zeigt und nicht schimpft, ist ihr die Sache peinlich. Alle

wissen: Ihre Mutter ist Alkoholikerin.

Kim (10) weiß, dass er nicht mehr lange leben wird. Er hat einen Hirntumor,

der sich rasch ausbreitet.

Kinder der Welt

Täglich verhungern ca. 18 000 Kinder

Fast eine Milliarde Menschen, darunter sehr viele Kinder, werden nicht

satt, haben kein sauberes Trinkwasser, kein Dach über dem Kopf, keine

zureichende medizinische Versorgung und keine Schule. Jedes Jahr sterben

weltweit fast 6,5 Millionen Kinder an den Folgen unzureichender

Ernährung. Das bedeutet pro Tag den Tod von 18 000 Jungen und Mädchen.

Sie sterben, obwohl es in der Welt genügend Lebensmittel für alle

gibt.

Straßenkinder in aller Welt

Heute gibt es weltweit schätzungsweise

100 Millionen Straßenkinder unter 18 Jahren,

davon 20 000 in Deutschland. Sie

leben auf den Straßen, schlafen unter

Brücken, in verfallenen Häusern oder im

Bahnhof. Häufig werden sie von ihren Eltern

auf die Straße geschickt, damit sie

etwas zum Familienunterhalt beitragen.

Häufig sind sie aus Angst vor Prügel oder

Missbrauch von zu Hause ausgerissen. Sie

leben vom Straßenverkauf, Autowaschen,

Schuhe putzen, Betteln, Drogenverkauf,

Prostitution und Diebstahl. Die wenigsten

haben eine solide Schul- oder Berufsausbildung.

20


25

Kinderarbeit – Kindersklaverei

Ca. 150 Millionen Kinder müssen arbeiten. In der Teppichindustrie einiger

Länder knüpfen Kinder vierzehn oder mehr Stunden am Tag in stickigen

Räumen. Sie schuften auf Obstplantagen, deren Früchte auch in

Deutschland billig verkauft werden. Sie kriechen stundenlang durch enge

Tunnel in Bergwerken und schleppen dabei Körbe mit schweren Steinen.

Sie hocken bei über 40 °C in Zündholzfabriken und tauchen im Akkord

stundenlang Hölzer in heißes Wachs und Schwefel. Sie wühlen im stinkenden

Müll nach Speiseresten, Papier, Glas und Metall.

Mädchen – Menschen zweiter Klasse

In manchen asiatischen Ländern meinen Eltern oft, Mädchen nützten der

Familie weniger als Jungen. Tatsächlich kosten sie bei der Eheschließung

viel Geld. Um diese Last nicht tragen zu müssen, werden unzählige weibliche

Föten (Kinder im Mutterleib) abgetrieben oder Mädchen kurz nach

der Geburt getötet. Die Überlebenden werden schlechter ernährt und

weniger gesundheitlich versorgt als Jungen. Mädchen erhalten oft keine

schulische und berufliche Ausbildung.

Viele weitere Leiden der Kinder

● Kinder werden getötet, damit man ihre gesunden Organe entnehmen

und für reiche Kranke verwenden kann.

● Junge Mädchen werden zur Kinderprostitution gezwungen. Damit

verdienen Zuhältern und Verbrecherringe Milliardenbeträge.

● Über 250 000 Kindersoldaten unter 18 Jahren werden in 13 Ländern

zu Kriegsdiensten gezwungen. Oft sind sie gute Kämpfer, weil sie angeben

wollen.

● Etwa 20 Millionen Kinder sind durch Kriege zu Flüchtlingen geworden.

In den letzten 10 Jahren sind an die 2 Millionen Kinder in Kriegen

getötet worden. 250 000–300 000 starben durch Landminen und

Streumunition.

● An die 2,5 Millionen Mädchen und Jungen unter 15 Jahren sind mit dem

todbringen HI-Virus infiziert, das oft zu AIDS führt. Allein 2009 haben

sich 370 000 Kinder neu angesteckt, die meisten davon durch die eigene

Mutter. An die 16,5 Millionen Kinder haben ein Elternteil oder

beide Eltern durch AIDS verloren.

L

Fast überall in der Welt leben Kinder

in menschenunwürdigen Verhältnissen.

Wie schlimm die Situation

ist, mag man kaum glauben, vor allem,

wenn man in einem Land lebt,

in dem es Wohlstand für viele gibt.

Viele Leute verschließen ihre Augen

davor, weil sie sich durch das Elend

der Kinder nicht die Stimmung verderben

lassen wollen. Sie denken

nicht daran, dass der Schöpfergott

allen Kindern Grundrechte geschenkt

hat.

Wir können es nicht verhindern,

dass diese Schöpfung eine Welt ist,

in der Kinder gemartert (d. h.

gequält und getötet) werden.

Aber wir können die Zahl der

gemarterten Kinder verringern.

Albert Camus (1913–1960)

A

Da solltet ihr etwas tun

1 Beschreibt Situationen, in denen

Mädchen und Jungen unterdrückt,

geärgert, nachgeäfft, gemieden

oder verlacht werden. Überlegt,

wie ihr euch in solchen Situationen

verhalten solltet. Oft hilft ein Perspektivenwechsel:

D M1

21


26

Die Welt der Kinder

L

Das Unglück der Kinder überall in

der Welt war vor Jahren noch schlimmer

als heute. Viele einzelne Menschen

und viele Organisationen sind

dabei, das Los der Kinder zu verbessern.

Manches, wenn auch viel zu

wenig, ist schon erreicht worden. Es

gibt also kleine Zeichen der Hoffnung.

Anstrengungen sind nicht vergeblich.

Jede Hilfe ist auch heute

sinnvoll.

Oskar Kokoschka (1886—1980),

Jesus hilft den hungernden Kindern, 1945.

Der Künstler ließ dieses Bild an Weihnachten auf

eigene Kosten 5000 Mal als Plakat drucken und

in London an U-Bahnhöfen und Litfaßsäulen

anbringen. Er war vor den Nationalsozialisten

nach England geflohen.

7. Helfen ist möglich

Projekt

Gute Adressen

Kinder helfen Kindern

Vielleicht bewegen euch die Informationen dieses Abschnitts so,

dass ihr mehr über die Kinder der Welt erfahren und ihnen helfen

wollt. Dazu kann ein Projekt nützlich sein. Anregungen: D M4

1. Vorbereitung: Zuerst solltet ihr euch über die Situation der

Kinder informieren. Stichworte: Hunger, Krankheit, Schule, Arbeit,

Ausbeutung, AIDS, Situation der Mädchen, Religion. Es wäre nicht

schlecht, wenn diese Arbeit fächerverbindend zusammen z. B. mit

Erdkunde, Politik, evangelischer Religionslehre, Englisch und evtl.

auch klassenübergreifend in Gang käme. Ihr könnt versuchen, Kontakt

mit Kindern in anderen Ländern aufzunehmen, Briefe und Fotos

auszutauschen, nach den Ursachen der Not zu fragen und euch

über die konkrete Situation zu informieren. In einem kleinen Heft

werden die Ergebnisse, Briefe, Fotos usw. zusammengestellt. Überschrift:

Kinder der Welt oder Kinder in Not o. Ä.

2. Durchführung: In einem zweiten Schritt solltet ihr überlegen,

wie ihr helfen könnt. Eine Möglichkeit wäre, – vielleicht zur Weihnachtszeit

– auf einem Bazar in der Schule oder auf einem Flohmarkt

eigene Dinge zum Verkauf anzubieten, z. B. Gebasteltes, Bilder,

Spiele, CD’s, DVD’s, Textilien, Bücher, Weihnachtskarten,

Kalender, Krippenfiguren, Kerzen, Schmuck für den Christbaum,

Marmelade, Honig, Plätzchen und Christstollen. Eure Eltern, Lehrerinnen

und Lehrer, Freundinnen und Freunde werden mit einer schönen

Karte eingeladen. Eine Cafeteria bringt durch den Verkauf von

Kuchen und Getränken zusätzliche Einnahmen. Manche Schülerinnen

und Schüler sammeln durch das ganze Jahr Briefmarken, die

dann verkauft werden.

3. Auswertung: Ihr prüft, was gut und was weniger gut gelaufen ist.

Allen Helfern, besonders den Müttern und Vätern, dankt ihr. Den

Erlös lasst ihr bedürftigen Kindern in der Heimat oder in der Dritten

Welt zukommen. Eines der folgenden Hilfswerke gibt euch sicher Anregungen

und stellt auch den Kontakt zu den anderen Kindern her.

Kinder–Missionswerk Aachen

www.sternsinger.de

Deutscher Caritas-Verband · www.caritas.de

(das lateinische Wort „Caritas“ heißt „Nächstenliebe“):

Katholisches Hilfswerk gegen Not in Deutschland

und in aller Welt

Misereor · www.misereor.de

(lateinisch: „Ich habe Mitleid“)

Das bischöfliche Hilfswerk verteilt

vor allem die Fastenspenden der

deutschen Katholiken.

UNICEF · www.unicef.de

(United Nations Children’s Fund)

Weltkinderhilfswerk der Vereinten Nationen

22


27

Was wir können

Wissen

1 Dreimal zwei

Trage in dein Religionsheft (D V1 ) ein:

2 Kinderrechte und 2 Kinderpflichten,

2 Worte der Bibel, die auch für Kinder gelten.

Prüfe, ob es da Zusammenhänge gibt.

Welches Wort Jesu über die Kinder ist dir wichtig?

Warum findest du es richtig?

Fritz von Uhde (1848–

1911), „Lasset die Kindlein

zu mir kommen“, 1884

Anwenden – Urteilen – Handeln

2 Ein Bild betrachten

Zur Bildbetrachtung: D M3 . Wie ist Jesus, wie sind

die Kinder, wie ist die Umgebung dargestellt?

Vergleicht das Bild mit dem von Nolde: DS. 21.

3 Einen Aufsatz schreiben

Schreibe einen Aufsatz zu dem Thema: Wie stelle ich

mir eine Welt vor, in der sich alle Kinder wohlfühlen?

Du kannst wahlweise auch das schwierigere Thema

behandeln: Es gibt genug Brot, um die ganze Menschheit

satt zu machen. Warum gibt es nicht genug Brot,

um alle Kinder satt zu machen?

4 Ein paar Tage anders leben

Christine (11) hat in einem Brief geschrieben: „Wenn wir

einmal für ein paar Tage so leben würden wie die Kinder

in der Dritten Welt, würden wir erst richtig merken,

wie das ist. Es wäre auch gerecht.“

Sprecht darüber, was der Ausdruck „Dritte Welt“ bedeutet

und was dieser Perspektivenwechsel (D M1 )

bewirkt und ob ihr Christines Ansicht teilt.

5 Ans Fernsehen schreiben

Was haltet ihr davon, wenn die täglichen Nachrichten

im Fernsehen, Radio oder Internet mit der Meldung beginnen

würden: „Auch heute sind wieder ca. 18 000 Kinder

auf der Erde an den Folgen von Hunger gestorben.

Sie könnten noch leben, wenn sie etwas von unserem

Überfluss abbekämen.“

Fragt bei den Fernseh- und Rundfunkanstalten an,

warum sie eine so wichtige Nachricht nicht bringen.

6 Sternsinger werden

Seit vielen Jahren ziehen zu Jahresbeginn viele Mädchen

und Jungen als „Sternsinger“ („Drei Könige“) von Tür zu

Tür, um Geld für Kinder in der Dritten Welt zu sammeln.

Überlegt, ob ihr euch dieser Aktion anschließt. Wenn

ja, erzählt danach, wie es euch ergangen ist. Mit etwas

Phantasie habt ihr rasch eine Königskrone und ein

Königsgewand hergestellt. Ein paar Lieder müsstet ihr

vorher einüben.

23


Die Arbeitshefte

Die Arbeitshefte ermöglichen Abwechslung durch

methodische Vielfalt und helfen beim Üben und

Sichern der Lernergebnisse und Kompetenzen.

Bildergeschichten, Lückentexte und vor allem

viele Rätsel regen zum Schreiben, Malen, Basteln

und Knobeln an. Hier sind Vielseitigkeit und

Phantasie gefragt. Und am Ende des Schuljahres

bilden die Arbeitshefte ein vorzeigbares Gesamtergebnis

der Arbeit eines ganzen Jahres.

Lösungsseiten für die Selbstkontrolle sind

integriert.

24


8

Die Welt der Kinder | ZdF S. 22–23

5. Kinderrechte – Kinderpflichten

Die wichtigsten Rechte, die alle Menschen in Deutschland haben,

stehen im „Grundgesetz für die Bundes republik Deutschland“.

Sie heißen „Grundrechte“. Das erste Grundrecht lautet so:

Artikel 1

(1) Die Würde* des Menschen ist unantastbar.

Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung

aller staatlichen Gewalt.

* Würde: Du kennst vielleicht die Redensweisen, dass jemand „würdig“

ist oder „würdevoll“ geht. Allgemein bezeichnet man mit der „Würde des

Menschen“ alle die Werte, die jedem Menschen zustehen und immer zu

achten sind.



1

Überlege mit deiner Nachbarin/deinem Nachbarn, was alles zu der

„Würde des Menschen“ dazugehört. (Zur Würde der Kinder siehe auch → ZdF S. 18)

____________________ ____________________ ____________________ ____________________

____________________ ____________________ ____________________ ____________________

____________________ ____________________ ____________________ ____________________

2

Wo ist die Würde von Menschen in Gefahr? Schreibt Beispiele aus eurer

Schule, eurer Stadt, unserem Land oder unserer Welt auf.

____________________________________________________________________________________

____________________________________________________________________________________

Die Probeseiten des Arbeitshefts sind

in diesem Teilabdruck verkleinert

dargestellt. Das Originalformat ist DIN A4.

____________________________________________________________________________________

3

Haben auch Tiere eine Würde? Vielleicht hilft dir zur Beantwortung dieser

Frage das Gedicht von Reiner Kunze „Das Kätzchen“ (→ ZdF S. 19). Begründe deine Antwort.

____________________________________________________________________________________

____________________________________________________________________________________

____________________________________________________________________________________

4

In diesem Rätsel sind 15 Begriffe versteckt, die zeigen, was Kinder brauchen.

Entdecke und markiere sie. Ordne die Begriffe anschließend ihrer Wichtigkeit

nach und vergleiche deine Rangliste mit dem deiner Nachbarin/deines Nachbarn.

25


Wortsalat: Was Kinder brauchen

9

A B C D K L E I D U N G

N L L N A H R U N G Q A

E S Z F R E U N D E W O

R I U R O P H R E W T E

K E K I F R E I H E I T

E L U E F W A H R C B W

N U N D W O H N U N G Ä

N F F E L I E B E Ö N R

U T T N B I L D U N G M

N F A M I L I E O P T E

G V E R S T Ä N D N I S

1. __________________________ 6. __________________________ 11. __________________________

2. __________________________ 7. __________________________ 12. __________________________

3. __________________________ 8. __________________________ 13. __________________________

4. __________________________ 9. __________________________ 14. __________________________

5. __________________________ 10. __________________________ 15. __________________________

5

Wähle vier der besonderen Rechte, die alle Menschen und somit alle Kinder

haben (→ ZdF S. 22), aus und entwirf Symbole, ähnlich einem „Icon“ (engl. = Bild,

Zeichen) beim Computer. Schreibe dazu die Rechte auf und zeichne dein Symbol

in das Kästchen. Bedenke dabei, dass ein Außenstehender nur anhand deiner

Icons erkennen können soll, um welche Rechte es sich handelt. Als Beispiel ist

hier ein Icon vorgegeben. Trage das passende „Recht“ ein.

1. Das Recht auf

2. Das Recht auf

3. Das Recht auf

4. Das Recht auf

5. Das Recht auf

26


Der Lehrerkommentar

Der Lehrerkommentar stellt den Aufbau des

Lehrwerks samt methodisch-didaktischem

Konzept und Kapitelstruktur vor und verbindet die

Inhalte mit den angestrebten Kompetenzen.

Er enthält Hintergrundinformationen und Interpretationshilfen

zu den im Schülerband

abgebildeten Kunstwerken inklusive Anregungen

für die Erarbeitung im Unterricht.

Aufgabenlösungen, Hinweise zur Differenzierung,

methodische Tipps und Angaben zu weiterführenden

Materialien runden den Kommentar ab.

27


Die Welt der Kinder

Seite 10–27: Die Welt der Kinder

Kompetenzerwerb

Die SuS können die christliche Rede von der Geschöpflichkeit

des Menschen, der unverwechselbaren

Einzigartigkeit eines jeden und der Angewiesenheit

des Einzelnen auf Gemeinschaft erläutern und insbesondere

auf Kinder übertragen.

Sie kennen biblische Beispiele besonderer Zuwendung

Jesu zu den Kindern sowie den Kindern zukommende

Grundrechte und reflektieren die sich aus diesen

Rechten ergebenden Verantwortlichkeiten.

Sie nehmen die Perspektive anderer ein, erkennen

Not- und Unrechtssituationen und entwickeln altersgemäße

Formen des Umgangs mit ihnen (z. B. durch

die Mitwirkung an einem schulischen Projekt).

Hinführung

Das erste Kapitel von »Zeit der Freude« stellt vor allen

anderen inhaltlich geprägten Themen die SuS selbst

als Subjekte ihres Lebens und Lernens auch im Religionsunterricht

in den Mittelpunkt. Darauf verweisen

schon die Impulsfotos der Einstiegsseite, die beim

vielfältigen Alltag der Kinder ansetzen und begleitet

werden von der Aussage, dass die Kinder selbst die

Experten für ihr eigenes Lebens sind.

Anthropologisch basieren die Ausführungen auf der

Überzeugung von einem Eigenwert der Kindheit als

eigenständiger Lebensphase. So partizipiert das Kind

einerseits an der allgemeinen conditio humana. Andererseits

lassen sich auf der Basis allgemeiner Menschenrechte

spezifische Kinderrechte formulieren, die

sein Leben und seine Entwicklung schützen und fördern

sollen sowie ihm gesellschaftliche Teilhabe einräumen.

Theologisch gründet der Respekt vor dem Kind wie vor

jedem Mitmenschen in dem Glauben an das Geschaffensein

durch Gott und impliziert letztlich die Achtung

vor jedem Lebewesen sowie vor der gesamten

Schöpfung. Die aus der Geschöpflichkeit erwachsende

Verantwortung äußert sich in ethischen Grundpfeilern

der Bibel wie dem Dekalog (Ex 20,2–17 par Dtn

5,6–21), dem Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe

(Lk 10,27) und der Goldenen Regel (Mt 7,12).

Als religionsdidaktische Inspiration ist die aus der

Kinderphilosophie hervorgegangene »Kindertheologie«

zu nennen (vgl. das seit 2002 erscheinende »Jahrbuch

für Kindertheologie«). Statt einer reinen Vermittlung

der »Erwachsenentheologie« an Kinder

sollen hier Kinder als eigenständige Subjekte des

Theologisierens (im Sinne einer Entwicklung und Reflexion

des religiösen Verständnisses) ernst genommen

werden. Ihnen wird das Recht auf ihre ureigene

Sicht auf »Gott und die Welt« eingeräumt. Im Unterricht

werden ihre »großen Fragen«, ihr Staunen und

Zweifeln, ihre eigenen religiösen Ausdrucksformen

Die Probeseiten des Lehrerkommentars

sind in diesem Teilabdruck verkleinert

dargestellt. Das Originalformat ist DIN A4.

Ein Kurzdurchgang durch das Kapitel

Das Kapitel setzt zunächst an beim einzelnen Kind

in seiner gottgewollten Individualität (»Ich«) und

weitet diese Perspektive sogleich aus auf das »Wir«,

in dem Menschen als Beziehungswesen von Beginn

an stehen – angefangen bei der Eltern-Kind-

Beziehung bis hin zum Eingebundensein des Einzelnen

in die gesamte Schöpfung.

In einem nachfolgenden Angang werden verschiedene

Aspekte des Kindseins weltweit entfaltet: Gottes

Zuwendung zu den Kindern zeigt sich in biblischen

Beispieltexten. Der Information über die

Grundrechte aller Kinder schließt sich die Frage

nach den daraus erwachsenden Pflichten an. Die

»großen Nöte der Kleinen« zeigen schließlich, wie

oft die Grundrechte der Kinder auf der ganzen Welt

mit Füßen getreten werden, und münden in Überlegungen

und Vorschläge bezüglich einer altersangemessenen

Einübung in konkrete Solidarität.

und Artikulationen aufgegriffen und verlangen auch

der Lehrperson oftmals einen Perspektivenwechsel

ab, wie er als Methode in diesem Kapitel für die SuS

eingeführt wird. Vermutlich ist dieser didaktische

Weg der einzige Weg, wie verbreitetem Nichtwissen

und mangelndem Interesse entgegengewirkt werden

kann.

Zur Erarbeitung

Angesichts seines grundlegenden Charakters sollte

das Kapitel zu Beginn des 5. Schuljahres thematisiert

werden. Die Inhalte ermutigen zu eigenständiger Reflexion

und zur Entwicklung von Selbstbewusstsein

und Eigenverantwortlichkeit. Methodisch wichtig für

den weiteren Unterricht ist zum einen der Hinweis

auf die Führung des Religionsheftes (vgl. die einleitende

Anregung zu einer reihenbegleitenden Beobachtungsaufgabe

S. 11), zum anderen die das gesamte

Kapitel bis zur Abschlussaufgabe A4 (S. 27) durchziehende

Einübung in den Perspektivenwechsel.

Je nach Gegebenheiten ist eine geteilte Behandlung

des Kapitels denkbar: Mit der Thematisierung des

Zusammenhangs von Ich und (unmittelbar naher wie

weltweiter) Gemeinschaft in der Schöpfung Gottes

bilden die S. 12–19 eine unverzichtbare Grundlage

für den weiteren RU und sollten daher am Anfang

stehen. Der Schwerpunkt »Kindheit weltweit« (mit

allen Licht- und Schattenseiten) kann dagegen auch

zu einem anderen geeigneten Zeitpunkt vertiefend

hinzugezogen werden, wenn es sich vom jahreszeitlichen,

schulischen oder tagesaktuellen Rahmen her

anbietet (z. B. im Vorlauf der jährlichen Sternsingeraktion

oder eines schulischen Basars wie auch im Zusammenhang

mit einer akuten Notlage). Die Aufga-

DIE WELT DER KINDER

28

9


en der Seite »Was wir können« (S. 27) setzen

allerdings auch die Erarbeitung dieses zweiten Teils

voraus. Sie bieten eine Einübung von Bildbetrachtung

und -vergleich (A2 ; vgl. M3 ), differenzierte Aufgabenstellungen

für Aufsatzthemen (A3 ) sowie die

Einladung zu für Kinder durchführbaren Handlungsinitiativen,

die teilweise auch über den schulischen

Rahmen hinaus bis hinein in den gemeindlichen

Kontext reichen (A5 , A6 ).

Zur Vernetzung mit anderen Kapiteln

Anders als in anderen Kapiteln zeigt die Eingangsseite

keine direkten Verbindungen in konkrete weitere

Kapitel auf. Dies liegt in der grundlegenden Funktion

dieses Kapitels für den weiteren Religionsunterricht

begründet. Den Faden der anfänglichen Vorstellung

und des Kennenlernens (S. 8 f.) weiterspinnend, reflektiert

es das Thema »Individuum in Gemeinschaft«

in einer den Kontext der konkreten Lerngruppe

aufgreifenden, gleichzeitig aber auch über diesen hinausgehenden

Weise. Die in Geschöpflichkeit und unveräußerlicher

Menschenwürde begründete Grundhaltung

gegenseitigen Respekts lässt sich in vielerlei

weiteren Lernzusammenhängen fruchtbar machen

und mit Leben füllen: Beim biblischen Lernen ermöglicht

sie z. B. ein Sich-Einfühlen in fremde Figuren

antik-orientalischer Texte. Im Rahmen eines globalen

Lernens ist sie Vorbedingung für jeglichen

interkulturellen Kompetenzerwerb. Und in spezifisch

religionsbezogenen Kontexten besitzt sie sowohl interreligiöse

(vgl. S. 214 ff.) als auch ekklesiologische

(vgl. S. 184 ff.) Relevanz.

Seite 10–11: Der Kapiteleinstieg

Die Fotomotive bieten vielfach Gesprächsanlässe für

die SuS, die ausdrücklich in ihrer Expertenrolle zum

Thema »Kinder« angesprochen werden. Zu dem einen

oder anderen Motiv kann jedes Kind in der Klasse

etwas sagen und somit auch zu Wort kommen. Der

Unterrichtende erfährt zugleich ggf. Aufschlussreiches

zu dem, was das Leben der SuS seiner Lerngruppe

prägt und was ihnen wichtig ist bzw. auch, was für

einzelne aus der Lerngruppe maßgeblich ist.

DIE WELT DER KINDER

Seite 10:

Oben links schauen zwei Mädchen in einen Abfallcontainer

eines hierzulande weit verbreiteten Typs.

Da das linke Mädchen sich ersichtlich tief hineinbeugt,

haben sie offensichtlich etwas entdeckt. Wonach

es greift, ist nicht zu sehen. – Für die SuS ein

Anhaltspunkt, auf Situationen und Gegebenheiten

von Kindern Bezug zu nehmen, deren Lebensumstände

sich stark von denen der Mehrheit unterscheiden,

und Ursachen dafür anzugeben. Dies setzt

zugleich ein Nachdenken über die eigenen Lebensverhältnisse

in Gang.

Mitte oben schauen Kinder der Altersstufe fachmännisch

und fast zu ernst einem Tischfußballspiel

zu, das zwei ihrer Altersgenossen bestreiten.

Spiel und Sport, bei denen man seine Fähigkeiten

erproben und Gemeinschaft erleben kann, sind für

Kinder wichtig und begeistern sie. – Haben die SuS

in der Freizeit Gelegenheit zu solch gemeinsamem

Spiel? – Treiben sie Sport? – Welche Spiele bevorzugen

sie? – Welche Rolle spielen Computerspiele und

die neuen Kommunikationswege? – Wie pflegen

sie Freundschaften? – Wie gestalten sie ihre Freizeit?

– Auch: Welche Angebote macht die Schule,

welche Angebote machen Pfarrgemeinden und Gemeinden

im Blick auf eine gemeinsame Freizeitgestaltung?

– ...

Mitte unten: Prozession von Erstkommunionkindern

in einer niederrheinischen Kleinstadt am Weißen

Sonntag zur Kirche – angeführt von einer Gruppe

Ministranten und Ministrantinnen mit dem

Kreuzträger an der Spitze. Dieses Foto gibt Gelegenheit

zum Austausch in der Klasse über die eigene

Erstkommunion, die noch in guter Erinnerung sein

mag. – Was gibt es da zu berichten? – Wie sieht es

mit einer Anbindung an die Kirchengemeinde

aus? – Wer gehört zu einer Gruppe Gleichaltriger? –

Wer gehört zu einer Ministrant(inn)engruppe, wer

zu einem Chor? – Wer kann darüber hinaus etwas

zu Gottesdienst und Pfarrgemeindeangeboten berichten?

– ...

Unten: Der wichtigste Rückhalt für Kinder ist die

Familie. Das Foto zeigt eine Familie, in der Vater

und Mutter Sohn und Tochter bei den Hausaufgaben

unterstützen. Mehrheitlich sind in den Familien

noch beide Elternteile für die Kinder da. Dass

andere Familienformen und Alleinerziehenden die

gleiche Hochachtung zukommt, dürfte zu unterstreichen

kaum (noch) nötig sein. Dass Kindern auf

dem Weg ins Leben zunehmend Leistung und Anstrengung

abverlangt werden, was wiederum Rückwirkung

auf das Familienleben haben kann – auch

Assoziationen dazu löst das Foto u. U. aus.

Seite 11:

Dass Kinder vor allem auch ein Recht haben, sich

unbeschwert ihrer selbst und ihres Lebens zu erfreuen

und so auf es zuzugehen, das zu unterstreichen

darf das Foto als Anlass genommen werden.

Freude gehört zu den wichtigsten Dingen im Leben.

Wer froh ist, macht oft auch andere Menschen

froh, er steckt andere an. Warum Christen gute

Gründe haben, sich zu freuen und auf Gott zu vertrauen

– auch das ist Gegenstand des Kapitels.

10

29


Aufgabenlösungen Seite 10:

A1/2 : Es sollte deutlich werden, dass christlicher

Glaube sich nicht nur in liturgischen Handlungen

(Prozession, Gottesdienst) erschöpft, sondern letztlich

das gesamte Leben des Menschen (Freundschaften,

Familie, Schule, Freizeit etc.) umfasst. Warum

dies so ist, sollte anschließend erarbeitet und diskutiert

werden.

Seite 12–13: 1. Ich und Wir

Die Doppelseite bietet einen Zugang zu grundsätzlichen

Aspekten, die im weiteren Kapitel entfaltet werden.

Sie geht zunächst aus von dem Gedanken der

Einmaligkeit des Individuums (vgl. den Fingerabdruck

mit individuellen Gesichtszügen) in der Gesamtheit

seiner oft auch einander widerstrebenden

Eigenschaften (vgl. das Gedicht »Sieben Seelen«)

und stellt anschließend die kinderphilosophische

»große Frage« nach der Identität (»Wenn Kinder

denken …«). Die Kinder sollten ermutigt werden, die

diesbezüglich angegebenen Beispielfragen durch eigene

Fragen zu ergänzen.

Darauf aufbauend werden die Themenkreise »Kindsein«

und »Individuum in Gemeinschaft« angesprochen.

Beide Aspekte können vorbereitend auf die

kommenden Seiten bearbeitet werden und geben Gelegenheit,

M1 (den Perspektivenwechsel: S. 14–15)

einzuüben. Der Abschnitt »Was ist ein Kind?« nennt

verschiedene (Erwachsenen-)Perspektiven auf Kinder;

hier schlösse sich in Anknüpfung und Widerspruch

die Frage an: »Was ist denn ein Kind für euch

(die ihr selbst Kinder seid)?«

Das auch unter dem Gesichtspunkt des Inklusionsgedankens

interessante Gedicht »Du und ich« eröffnet

mit dem Aufruf zum offenen Kennenlernen der Individualität

des jeweils Anderen die Wir-Dimension

des gemeinsamen Menschseins. Dass der Mensch als

soziales Wesen von Mutterleib an lebensnotwendig

auf andere verwiesen ist, kommt sowohl im Lexikonartikel

als auch im Gedicht »Wen du brauchst« zum

Ausdruck. Die Beschäftigung mit der Elternbeziehung

(S. 16 f.) schließt sich nahtlos an.

Aufgabenlösungen Seite 12 zu

»Was ist ein Kind?«:

A1/2 : Hier geht es vor allem um die Perspektive

(Erwachsener, Kind, neutraler Standpunkt), aus welcher

die Antworten formuliert sind.

Weitere Möglichkeiten:

Zu A1 : Alternativ oder zusätzlich zum Fingerabdruck

können (mit etwas größerem Aufwand) gegenseitig

Umrisse der SuS auf große Papierbögen gezeichnet

werden. Auf dem eigenen Umriss notieren

anschließend die SuS eigene Stärken und Fähigkeiten,

wenn möglich an einem entsprechenden Körperteil

(guter Fußballspieler – Fuß, Gitarrenspielerin –

Hand, einfühlsam – Herz etc.).

Zu A2 : Spannend kann es werden, wenn nach Geschlechtern

getrennt gearbeitet wird: Mädchen und

Jungen erstellen jeweils eine Pyramide mit (vermeintlich)

männlichen und weiblichen Stärken, schätzen

also sich selbst und das andere Geschlecht ein. Anschließend

werden die Ergebnisse im Plenum verglichen.

Zu A3 : Eine besonders prägnante (und gut umsetzbare)

Form des Gedichts stellt das Elfergedicht (»Elfchen«)

dar (vgl. V11 , S. 234).

Aufgabenlösungen Seite 13:

Weitere Möglichkeiten:

Zu A2 : Klassenregeln werden nicht nur im Religionsunterricht

erarbeitet. Es bietet sich deshalb an, mit

dem Klassenlehrer/der Klassenlehrerin bzw. anderen

Lehrkräften zu kooperieren.

Zu A3 : An vielen Schulen gibt es speziell ausgebildete

ältere SuS, die als Streitschlichter fungieren. Ggf.

ließen sich diese in das Unterrichtsgeschehen integrieren.

Alternativ oder zusätzlich ließen sich weitere gemeinsame

Werke erstellen: Collagen, Handabdrücke,

Kunstwerke mit allen Unterschriften etc.

Seite 14–15: M1 Die Perspektive wechseln

Die Bezeichnung des Perspektivenwechsels als »Methode«

lädt zur bewussten Reflexion eines Handelns

ein, das sich im Alltag oft unbemerkt vollzieht. Wer

durch das Sich-Hineinversetzen in die Person des

Anderen einen solchen Perspektivenwechsel vornimmt,

erfährt zum einen persönliche Bereicherung

durch die Erweiterung und Veränderung des eigenen

Horizontes, ist zum anderen aber auch bereit zur Vermeidung

und Hinterfragung von Stereotypen und

Vorurteilen. Empathie in diesem Sinne ist unerlässliche

Voraussetzung für jegliches soziale Miteinander

im Allgemeinen und für den Religionsunterricht im

Besonderen (vgl. den Hinweis auf das Sich-Einfühlen

in biblische Gestalten).

Der Einstieg kann mit der biographischen Episode

(»Das bin ja ich!«) aus dem Leben des amerikanischen

Stummfilm-Stars Gloria Swanson (1899–1983)

erfolgen.

Einen alternativen, ebenfalls spielerischen Einstieg

bietet das Plakat zu einem indianischen Gebet auf

DIE WELT DER KINDER

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