Lichtblick dank Linse und Laser - OperationAuge

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Lichtblick dank Linse und Laser - OperationAuge

Lichtblick dank Linse und Laser

Mehr als 100 000 Menschen haben sich 2002 in Deutschland die Augen operieren lassen,

um wieder scharf sehen zu können - und die Zahl der Eingriffe steigt weiter stark an. Vom Trend

zum brillenlosen Blick profitiert auch der Klassiker Kontaktlinse.

Womit man heute gut sieht

„ES SCHIEN MIR NIE VERNÜNFTIG, sich etwas auf die Nase zu

setzen, um im Auge einen Brechkraftfehler zu korrigieren." Diesem

Kalauer des russischen Augenarztes Svyatoslav Fyodorov

(1927 - 2000) folgt inzwischen ein erheblicher Anteil der Deutschen:

Nach der Brillenstudie 2002 des Instituts für Demoskopie

Allensbach würden 22 Prozent aller Brillenträger ab 16 Jahren

eine Laseroperation zur Korrektur ihrer Sehschwäche akzeptieren,

auch wenn sie die Kosten in Höhe von 1250 bis 2000

Euro pro Auge selbst zahlen müssten. Eine nachfolgende Studie,

die im Auftrag des Verbands der Spezialkliniken Deutschlands

für Augenlaser und Refraktive Chirurgie (VSDAR) entstand, ermittelte

sogar 45,1 Prozent Ja-Sager zwischen 20 und 55 Jahren

auf die Frage, ob sie jetzt oder zukünftig ihre Fehlsichtigkeit

durch eine Operation beheben lassen würden. Bei dieser Frage

fehlte allerdings ein Hinweis auf die Kosten.

Die Folgestudie lieferte auch die wichtigsten Motive für eine

Augenoperation: An erster Stelle führten die Befragten an, dass

es lästig und unbequem sei, eine Brille oder Kontaktlinsen

zu tragen. Doch auch das Aussehen spielt eine wichtige Rolle:

So fühlen sich mehr als die Hälfte aller Brillenträgerinnen ohne

ihre Sehhilfe auf der Nase schöner, bei den Männern ist es etwa

jeder Dritte.


HINTERGRUND

DIE HÄUFIGSTEN SEHFEHLER

bdw-grafikk

NORMALSICHTIGKEIT

Beim gesunden Auge werden

Lichtstrahlen, die von einem

betrachteten Objekt kommen,

von der Linse auf einen Brennpunkt

(rot) auf der Netzhaut fokussiert

-der Gegenstand erscheint scharf. Indem

sie ihre Form ändert, kann sich die Linse auf unterschiedlich

weit entfernte Objekte einstellen.

KURZSICHTIGKEIT

Lichtstrahlen, die von weit entfernten

Gegenständen ausgehen,

vereinigen sich im Auge

schon vor der Netzhaut. Nach

diesem Treffpunkt gehen die Strahlen

wieder auseinander, sodass auf der Netzhaut

nur ein verschwommenes Bild des betrachteten

Objekts entsteht. Ursache ist meist ein zu sehr in die Länge gewachsener

Augapfel, selten eine zu hohe Brechkraft der Linse. In geringer

Entfernung können die Betroffenen einwandfrei scharf sehen. Nach

Schätzungen sind in Deutschland 18 Millionen Menschen kurzsichtig.

Die Verlockung, mit Hilfe eines chirurgischen Eingriffs dauerhaft

auf die Brille verzichten zu können, ist groß. „Die Behandlung

dauert nur wenige Minuten. Durch lokal eingesetzte

Augentropfen ist sie völlig schmerzfrei", wirbt etwa das schweizerische

Unternehmen Laservision mit seinen drei Kliniken für

das LASIK-Operationsverfahren (siehe Kasten „Fräsen mit dem

Lichthobel"). Und weiter: „Bereits nach einigen Stunden haben

Sie wieder ein gutes Sehvermögen und können nach zirka einem

Tag wieder in Ihr gewohntes Alltagsleben zurückkehren."

Tatsächlich trifft diese Beschreibung für die meisten Patienten

zu. Aber nicht für alle: Davon künden die Webseiten des

deutschen Vereins „Operation Auge" (www.operationauge.de)

und dessen US-amerikanischen Pendants „Surgical Eyes"

(www.surgicaleyes.org) -beides Organisationen, in denen sich

Augenlasergeschädigte zusammengeschlossen haben (siehe

Kasten „Zu Risiken und Nebenwirkungen").

Die zahlreichen Studien darüber, wie hoch der Anteil der

Operationen ist, bei denen Komplikationen wie ein beschädigtes

Hornhautdeckelchen auftreten, kommen zu recht unterschiedlichen

Ergebnissen: Die Angaben schwanken zwischen

einem halben und fünf Prozent. „Die Komplikationsrate hängt

wesentlich davon ab, wie viel Erfahrung das operierende Team

hat und ob bestimmte Qualitätsstandards eingehalten wer- ^-

WEITSICHTIGKEIT (AUCH: ÜBER-

SICHTIGKEIT)

Bei einem zu kurzen Augapfel

oder einer zu niedrigen Brechkraft

der Linse sind die Lichtstrahlen

noch nicht vollständig

vereinigt, wenn sie auf der Netzhaut auftreffen.

Junge Augen können leichte Weitsichtigkeit

meist ausgleichen, mit steigendem Alter lässt die Lesefähigkeit

bei den Betroffenen schneller nach als bei Normalsichtigen.

Stark Übersichtige sehen in der Ferne gut, in der Nähe verschwommen.

STABSICHTIGKEIT (AUCH: HORNHAUTVER-

KRÜMMUNG, ASTIGMATISMUS)

Bei der Stabsichtigkeit ist die

Hornhaut nicht wie eine Kugeloberfläche,

sondern ungleichmäßiggekrümmt.

Dadurch erscheinen

punktförmige Lichtquellen

als Striche oder Stäbe: Egal, wo

der Betroffene hinsieht, nirgendwo entsteht ein

scharfes Bild. Oft sind Stabsichtige auch kurz- oder weitsichtig.

ALTERS(WEIT)SICHTIGKEIT

Mit zunehmendem Alter kann sich das Auge nicht mehr so gut auf

nähere Objekte einstellen, weil die Linse immer mehr verhärtet. Anfangs

genügt es meist, die Zeitung zum Lesen weiter weg zu halten.

Doch früher oder später braucht jeder Normalsichtige eine Sehhilfe.


den", sagt Dr. Omid Kermani, VSDAR-Präsident und leitender

Arzt des Augenlaserzentrums Köln.

Noch umstrittener ist es, wie viele Operationen tatsächlich

als Erfolg gewertet werden können. So weist Ronny Lehnert,

Vorsitzender von „Operation Auge", darauf hin, dass bei den

Sehtests nach der OP das Kontrastsehen nicht genügend untersucht

würde und dass die Kriterien für eine „bestandene" Prüfung

nicht ausreichend streng wären. VSDAR-Präsident Kermani nennt

einen weiteren Grund dafür, warum es schwierig ist, Erfolgszahlen

anzugeben: „Manchmal ist der operierte Patient zufriedener,

als es die Ergebnisse der Sehprüfungen erwarten lassen -

und manchmal ist es umgekehrt."

Trotz dieser Unsicherheiten wächst die Zahl der jährlich

durchgeführten Laser-OPs schnell, das Medieninteresse an den

chirurgischen Möglichkeiten ist gewaltig. Da gerät leicht in Vergessenheit,

dass sich immerhin 2,4 Millionen deutsche Erwachsene

für eine andere Brillenalternative, die Kontaktlinse, entschiedenhaben.

Inzwischen sind selbst manche Einweg- oder Wegwerf-Linsen

(siehe Kasten „Verwirrende Vielfalt am Auge") kleine optische

Wunderwerke. So gibt es seit

Unsichtbare Sehhilfe: Rund 2002 Linsen zu kaufen, die es

2,4 Millionen Deutsche tragen Alterssichtigen (siehe Kasten

Kontaktlinsen. Die neuen „Die häufigsten Sehfehler")

Nonstop-Linsen sind auch unabhängig von Kopfhaltung

etwas für Fehlsichtige, denen oder Blickrichtung erlauben,

das Einsetzen und Heraus-

nahe und ferne Gegenstände

nehmen schwerfällt.

scharf zu sehen. Alterssichtige, die mit solchen Kontaktlinsen

zurechtkommen, können auf den Kauf einer Gleitsichtbrille

oder einer Bifokalbrille verzichten. Sie setzen stattdessen täglich

ein neues und damit sauberes Paar Kontaktlinsen ein - Infektionen

und Unverträglichkeiten sind dadurch sehr unwahrscheinlich.

Das Beispiel steht für zwei Trends: Einerseits entwickeln die

Hersteller Linsen, die immer mehr Sehfehler-Arten korrigieren

können. Und andererseits sind sie bestrebt, diese Linsen auch

als Austauschsysteme anzubieten, die in Deutschland heute einen

höheren Marktanteil haben als konventionelle Exemplare.

Inzwischen muss nicht einmal mehr derjenige auf Kontaktlinsen

verzichten, dem es extrem schwer fällt, sie einzusetzen

oder herauszunehmen. Seit etwa drei Jahren sind Linsen erhältlich,

die laut Hersteller bis zu 30 Tage und Nächte ununterbrochen

getragen werden können. Prinzipiell allerdings sind viele

Augenärzte der Ansicht, dass mit der Länge der Tragezeit auch

das Risiko von Komplikationen steigt - beispielsweise kann sich

die Hornhaut entzünden und dabei Geschwulste bilden. Weil

die Augen bei geschlossenen Lidern ohnehin vergleichsweise ^-


TECHNOLOGIE

VERWIRRENDE VIELFALT AM AUGE

HARTE KONTAKTLINSEN

Sie sind kleiner als die Augenhornhaut und weitgehend formstabil. Im

Gegensatz zu den klassischen Linsen aus PMMA- bekannt als Plexiglas-

lassen die heutigen Vertreter dieses Linsentyps Sauerstoff sehr

gut durch und sind daher weit besser verträglich als ihre Vorgänger.

Mit harten Kontaktlinsen lassen sich fast alle Sehfehler exzellent korrigieren.

Harte Linsen sind mehrere Jahre haltbar. Dabei verschmutzen

sie weniger leicht als ihre weichen Pendants: Das erleichtert die Pflege

und verringert die Gefahr einer Infektion. Allerdings benötigen sie eine

längere Eingewöhnungszeit.

WEICHE KONTAKTLINSEN

Sie sind im feuchten Zustand biegsam und größer als die Hornhaut.

Ihre Stärke: Sie sind auch für Kontaktlinsen-Anfänger angenehm zu

tragen. Außerdem verrutschen sie nicht so leicht wie harte Linsen,

weshalb sie auch für Sportler ideal geeignet sind. Inzwischen gibt es

eine ganze Reihe von weichen Speziallinsen, mit denen Alterssichtigkeitund

milde Stabsichtigkeit korrigiert werden können. Weiche Linsen

-auch die konventionellen Jahreslinsen"-sind nicht so lange haltbar

wie harte.

TAGESLINSEN (AUCH: EINWEGLINSEN)

Diese weichen Linsen werden einmal getragen - höchstens 16 bis 20

Stunden lang und nicht während des Schlafens-und dann weggeworfen:

Damit entfällt jede Reinigungsprozedur.

WOCHEN- UND MONATSLINSEN

Wie konventionelle weiche Linsen (Jahreslinsen) müssen sie-üblicherweise

überNacht-in eine Reinigungslösunggelegtwerden. Doch

schon nach 14 Tagen, 4 Wochen oder 3 Monaten -je nach Vorschlag

des Herstellers- soll der Tragender Kontaktlinsen sie gegen neue

austauschen, da die bakteriellen Verunreinigungen oder die auf

den Linsen haftendenTränenflüssigkeits-Proteine dann überhand

genommen haben.

DAUERTRAGELINSEN

Solche Linsen können weich oder hart sein. Sie werden auch alsVT-

Linsen (Linsen mit verlängerter Tragezeit) bezeichnet. Ihr Besitzer

muss sie während des Schlafens nicht herausnehmen und kann sie

länger als 24 Stunden tragen. Es sind sowohl VT-Linsen erhältlich, die

nach dem Tragen gereinigt und dann wiederverwendet werden, als

auch solche für den einmaligen Gebrauch.

TORISCHE LINSEN

Darunter versteht man harte oder weiche Kontaktlinsen, die zur Korrektur

der Stabsichtigkeit dienen. Während sich normale, „sphärische"

Linsen auf dem Auge verschieben, dürfen sich torische Linsen auch

beim Lidschlag nur geringfügig aus ihrer Position drehen.

MEHRSTÄRKEN-KONTAKTLINSEN

(ENTWEDER BIFOKAL-ODER MULTIFOKAL-LINSEN)

Mit ihnen können Fehlsichtige, die gleichzeitig alterssichtig sind,

wieder nah und fern gut sehen. Die Linsen lassen sich aus harten und

weichen Materialien herstellen. Alternierende Mehrstärken-Kontaktlinsen

(Bifokallinsen) besitzen einen Fern- und einen Leseteil, die ihrTräger

abwechselnd benutzt. Senkt er den Blick, schiebt sich der Leseteil

vor die Pupille, während er sonst durch den Fernteil sieht. Bei simultanen

Mehrstärken-Kontaktlinsen (Multifokallinsen) befinden sich Fernund

Nahteil stets gleichzeitig vor der Pupille. Von jedem Gegenstand

-nah oder fern-entsteht ein scharfes und ein unscharfes Bild. Das

Gehirn unterdrückt das unscharfe Bild und nimmt nur das scharfe wahr.

ORTHOKERATOLOGISCHE LINSEN

Mit diesen harten Linsen kann Kurzsichtigkeit bis etwa minus vier

Dioptrien behandelt werden. Während des Schlafs platten sie die Hornhaut

allmählich ab und verändern so vorübergehend die Brechkraft

des Auges. Morgens nimmt man die Linsen heraus und soll dann

tagsüber brillenfrei sehen können. Umstritten ist, wie erfolgreich die

Orthokeratologie ist. In Deutschland ist das Verfahren neu.

schlecht mit Sauerstoff versorgt werden, ist besonders das nächtliche

Tragen von Kontaktlinsen umstritten. Die Nonstop-Linse

besteht deshalb aus einem Material, das mindestens fünfmal

luftdurchlässiger ist als herkömmliche weiche Exemplare.

Vor diesem Hintergrund ist es umso erstaunlicher, dass es sogar

Linsen gibt, die ausschließlich nachts getragen werden sollen.

Auch sie bestehen aus einem sehr luftdurchlässigen Material,

sind allerdings anders als die Nonstop-Linsen formstabil.

Während des Schlafens verformen diese orthokeratologischen

Linsen die Hornhaut des Auges. Die Hersteller versprechen,

dass schwach Kurzsichtige bereits nach einigen Nächten tagsüber

zeitweise ohne Sehhilfen auskommen. Spätestens nach

einigen Wochen soll der Fehlsichtige während seiner wachen

Stunden konstant gut sehen. Wird die Linse nachts nicht mehr

eingesetzt, kehrt die alte Kurzsichtigkeit zurück. Nur Spezialisten

mit besonderer Ausrüstung dürfen die orthokeratologischen

Linsen anpassen, zahlreiche Nachkontrollen sind nötig.

Wie man früher scharf sah

GENAU WIE DIE IDEE für Fallschirm, Schraubenschneidmaschine

oder Auto lässt sich auch die Idee zur Kontaktlinse dem

italienischen Künstler, Forscher und Visionär Leonardo da Vinci

zuschreiben: 1508 experimentierte er mit wassergefüllten Schalen,

um die Lichtbrechung im Auge zu untersuchen. Doch erst

1887 und 1888 konstruierten drei konkurrierende Wissenschaftler

so etwas wie Kontaktlinsen aus Glas, die allerdings

nicht nur die Hornhaut, sondern auch große Teile der Bindehaut

bedeckten. Die Linsen störten den Stoffwechsel im Auge

und ihr Einsetzen war eine Qual. Ende der vierziger Jahre des

20. Jahrhunderts kam dann mit der Entwicklung kleiner Exemplare

aus durchsichtigem, hartem Kunststoff der Durchbruch

für die Brillenalternative. Etwa 20 Jahre später wurden erst-


TECHNOLOGIE

TRENDS

FRÄSEN MIT DEM LICHTHOBEL

Quelle: VSDAR

Der Berufsverband der Augenärzte

und die Deutsche Ophthalmologische

Gesellschaft haben

die LASIK (Laser in situ Keratomileusis)

als wissenschaftlich

anerkanntes Verfahren eingestuft,

um Kurzsichtigkeit bis

minus zehn Dioptrien und Stabsichtigkeit

bis drei Dioptrien zu

korrigieren. Grundsätzlich kann

auch Weitsichtigkeit bis etwa

plus vier Dioptrien mit der Methode

behandelt werden.

Bei der LASIK wird zunächst

ein dünnes Scheibchen der

Hornhaut angesaugt (i), das der

Operateurdann mit Hilfe eines

computergesteuerten „Hobels"

teilweise abtrennt (2) und wegklappt

(3). Danach trägt er mit

einem Laserdas Innere der

Hornhaut ab (4), wodurch sich

die Brechkraft des Auges verändert.

Anschließend wird das

Hornhautscheibchen wieder

zurückgeklappt (5). Es saugt

sich von selbst fest und muss

nicht angenäht werden.

Inzwischen entfallen auf die

LASIK-Methode nach Schätzungen

mehr als 90 Prozent aller

Augenoperationen, die in

Deutschland zurTherapie von

Fehlsichtigkeit durchgeführt

werden.

LASIK-DER GROSSE RENNER

DIEZAHLDERAUGENOPERATIONEN nachdem LASIK-Verfahren

hat in den letzten Jahren weltweit rasant zugenommen. Sie stieg

zwischen 1996 und 2002 in Deutschland von rund 7000 auf nahezu

das 15-Fache. Schätzungen des Verbands der Spezialkliniken

Deutschlands für Augenlaser und Refraktive Chirurgie (VSDAR) im

bayerischen Türkenfeld zufolge begaben sich im letzten Jahr allein in

Deutschland mehr als 100000 Fehlsichtige unter das Laserskalpell.

Noch weitaus größer als in Europa ist der Run auf LASIK-Operationen

in den USA. Dort operierten Chirurgen im Jahr 2002 etwa 2,3 Millionen

Mal mit dieser Methode - das entspricht fast 7 Eingriffen pro 1000 Einwohner.

In Deutschland liegt diese Quote bei rund 1,2 Operationen

pro 1000 Einwohner.

mals weiche, wasserspeichernde Kunststoffe verwendet. Die

ersten Einweglinsen kamen 1987 auf den US-Markt.

Das war rund ein Jahr, nachdem in Berlin Theo Seiler erstmals

einen Menschen am Auge mit einem so genannten Excimer-Laser

behandelt hatte. Ein solcher Laser sendet unsichtbare,

kalte UV-Strahlen aus, die kaum in das Gewebe eindringen.

Excimer ist die Kurzform des englischen „Excited Dinier", was

angeregtes zweiatomiges Molekül bedeutet, und darauf hinweist,

dass das Licht dieses Lasers mit Hilfe einer Gasmischung

erzeugt wird. Excimer-Laser sind bis heute die gebräuchlichsten

Werkzeuge der Augenoperateure geblieben.

Seiler baute auf Vorarbeiten aus zweierlei Richtungen auf.

Einerseits gab es schon ab Ende des 19. Jahrhunderts Augenärzte,

die mit Skalpell und Hornhauthobel versuchten, chirurgisch

Fehlsichtigkeit zu korrigieren - allerdings überwiegend mit

verheerenden Ergebnissen. Die andere Entwicklungslinie hatte

etwas mit dem OP-Werkzeug zu tun: 1982 untersuchte Dr. Rangaswamy

Srinivasan von den IBM Laboratories, wie der Excimer-

Laser - eigentlich für das Strukturieren von Computerchips entwickelt-

auf verschiedene Materialien, darunter auch Knochen

und Knorpel, einwirkt.

1989 schlug dann die Geburtsstunde der LASIK: Der Grieche

Dr. loannis Pallikaris setzte als Erster den Excimer-Laser ein, um

bei Patienten gezielt nur das Hornhautinnere zu modellieren, l»

Die

zur

da Vinci


HINTERGRUND

Was künftig den Blick schärft

NOCH VOR WENIGEN JAHREN waren einige Experten überzeugt,

dass es bald möglich sein wird, Menschen zu Adleraugen zu verhelfen.

Ihr Optimismus stützte sich auf zwei Pfeiler: Zum einen

erlaubt es die Netzhaut theoretisch, weit schärfer zu sehen,

als es Normalsichtige tatsächlich tun. Zweitens lassen sich

mit der so genannten Wellenfront-Technik (Abberometrie) Sehfehler

in Hornhaut oder Linse äußerst genau bestimmen. Die

exakte Korrektur dieser Fehler durch die LASIK, so die damalige

Hoffnung der Experten, sollte zu einer 2oo-prozentigen Sehkraft

führen.

„Diese hohen Erwartungen an die Wellenfront-Technik haben

sich nicht erfüllt - trotzdem wird sie inzwischen in den

meisten Augenkliniken routinemäßig eingesetzt", berichtet

Omid Kermani. Denn sie hilft, früher häufig auftretende Beschwerden

beim Nacht- und Dämmerungssehen zu vermeiden.

Auch Hersteller von Kontakt-

Vorsicht ist Trumpf: Während

einer LASIK-Augenoperation

überwacht der Arzt durch ein

hochauflösendes Mikroskop

ständig den Verlauf der Laserbehandlung.

linsen arbeiten mit der Wellenfront-Technik

und experimentieren

mit individuellen

Linsen, mit denen sich Fehler

in den Randbereichen der

ZU RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN

OPERATIONEN ZURSEHFEHLER-KORREKTUR

Vergleichsweise häufig werden bei einem chirurgischen Eingriff die

Sehfehler unter- oder überkorrigiert. Fünf bis acht Prozent der Patienten

müssen deshalb ein zweites Mal operiert werden. Speziell bei

der LASIK-dem am häufigsten angewandten Verfahren-kann es

zu einer Schädigung oder Abtrennungdes Hornhautdeckelchens

kommen. Einige Patienten leiden nach einer Augenoperation-zumindest

zeitweise-unter trockenen Augen, überhöhter Blend- und

Lichtempfindlichkeit, verringerter Kontrastwahrnehmung, Hornhauttrübungen

oder Entzündungen.

Manche Menschen lässt der Wunsch, von Brille oder Kontaktlinse

unabhängig zu sein, die Risiken der Operation ausblenden - unterstützt

von euphorischen Medienberichten und Werbung, die den

wirtschaftlichen Interessen der Ärzte und der Gerätehersteller dient.

Zwar werden die Misserfolgs- und Komplikationsraten im Allgemeinen

nur auf wenige Prozent beziffert. „Doch wen sie treffen, für den

betragen sie 100 Prozent", betont Prof. Theo Seiler, Augenarzt und

Laseroperateur der ersten Stunde, im Vorwort eines Ratgebers.

KONTAKTLINSEN

Mit den Folgen einer missglückten Augenoperation muss der Betroffene

meist dauerhaft leben. Dagegen ist das Rezept einfach, mit

dem sich fast alle Probleme des Tragens von Kontaktlinsen wieder

beseitigen lassen: Man nehme die Linsen heraus. Zu schweren Augenschäden

- beispielsweise durch infektiöse Hornhautgeschwüre -

kann es kommen, wenn man sich nicht an die empfohlenen Tragezeiten

hält oder die Linsen nicht wie vorgesehen reinigt.

Nicht jeder kann Kontaktlinsen tragen: Manche Menschen beispielsweise

haben eine ungenügende Tränenproduktion. Auch wer

beruflich ätzenden Dämpfen oder starker Staubentwicklung ausgesetzt

ist, sollte besser bei der Brille bleiben oder sich operieren lassen.

Einige Menschen reagieren allergisch auf das Linsenmaterial

oder auf die Mittel, mit denen es gereinigt wird - ihnen kann es helfen,

auf andere Linsentypen umzusteigen.

Pupille besser ausgleichen lassen. Doch die Augenoperateure

haben inzwischen einen neuen Hoffnungsträger: den Femtosekundenlaser.

Der sendet Lichtpulse aus, die noch rund 100 ooomal

kürzer sind als die Pulse des Excimer-Lasers. Dadurch wird

Gewebe, das neben dem abgetragenen liegt, noch weniger durch

Hitze belastet. „Bis jetzt gibt es allerdings keine Geräte zu kaufen,

die für die Augenchirurgie optimal geeignet wären", urteilt Kermani.

Für die Zukunft aber verspricht die neue Technik viel: Der

Kölner Arzt hat gezeigt, dass mit einem Verfahren, das Femtosekundenlaser

nutzt, sogar alterssichtige Augen ihre Flexibilität

und damit ihr Sehvermögen zurückerhalten. Dr. Frank Frick •

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