Histogramme verstehen - beim O'Reilly Verlag

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Histogramme verstehen - beim O'Reilly Verlag

KAPITEL 9

FARBKORREKTUR

MIT HISTOGRAMMEN

Haben Sie sich auch schon gefragt, wie es ein Computer schafft, ein Bild

automatisch zu korrigieren, obwohl er darauf nichts weiter als farbige

Punkte sieht? Das Geheimnis steckt in der Analyse von Histogrammen.

Diese Kurven sind mathematische Funktionen, die aus der Statistik stammen.

Kreative Bildbearbeitung und trockene Statistik passen auf den ersten

Blick nicht gerade gut zusammen, und doch können sie sich ergänzen.

Ausgewogene Farbkombinationen sind nämlich alles andere als zufällig

und lassen sich bis zu einem gewissen Grad auch messen. Dabei sind Histogramme

wichtige Hilfsmittel. Es lohnt sich also, sich mit ein paar trockenen

Kurven auseinanderzusetzen, um damit auf präzise Art und Weise Farben

zu beeinflussen.

Histogramme verstehen

Ein Histogramm richtig zu interpretieren, ist auf Anhieb nicht leicht. Es

braucht einiges an Übung, um sich darunter etwas vorstellen zu können.

In Abbildung 9-1 und Abbildung 9-2 sehen Sie ein Foto (Sie kennen es

vielleicht noch aus Kapitel 3, Die wichtigsten Werkzeuge) sowie das dazugehörige

Histogramm. Das Histogramm hat zwei Ausschläge auf der rechten

Seite: einen mittelhohen »Berg« und eine hohe »Nadel«. Analysieren wir

zunächst einmal die Farben dieses Bildes. Wenn Sie selbst mit Bild winterlandschaft.jpg

experimentieren möchten, finden Sie es im Ordner beispiele/

kapitel_3.

Das Bild ist sehr hell und enthält viele weiße Flächen, die Farbe Blau dominiert.

Die wenigen dunklen Flächen bilden der blattlose Strauch, der Stock

mit einem daran hängenden Rucksack und die Fassaden der verschneiten

Häuser. Versuchen wir diese Informationen auf das Histogramm zu übertragen.

Die horizontale Achse des Histogramms beschreibt die Verteilung

der Helligkeit: Ganz links befinden sich die dunklen Farbtöne (in der Fachsprache

Tiefen genannt), in der Mitte die mittleren Töne und ganz rechts die

IN DIESEM KAPITEL

Histogramme verstehen

Helligkeits- und Farbwerte

anpassen

Farbkorrektur an einzelnen

Kanälen

Experimente mit

Gradationskurven

Farbkorrekturen mit

Gradationskurven

Bilder mit gespeicherten

Kurven verbessern

Zusammenfassung

und Ausblick

127

Dies ist ein Auszug aus dem Buch „Praxisworkshop GIMP 2“, ISBN 978-3-89721-855-0

http://www.oreilly.de/catalog/pwgimpger/

Dieser Auszug unterliegt dem Urheberrecht. © O'Reilly Verlag 2008


Histogramme verstehen

Abbildung 9-1. Das Bild ...

Tipp

Sie können sich die Histogramme

zu Ihren aktuell in GIMP geladenen

Bildern in Ihrer Arbeitsumgebung

anzeigen lassen. Öffnen Sie dazu

einfach ein Bild und wählen

Dialoge→Histogramm aus dem

Menü. Sie können nun das Histogramm-Dock

in Ihr Werkzeugfenster

– beispielsweise unterhalb der

Werkzeugeigenschaften – ziehen

und haben es dort immer zur Verfügung.

Abbildung 9-2. ... und sein Histogramm

hellen Farbtöne (Lichter genannt). Die vertikale Achse beschreibt die Häufigkeit,

mit der die Farbtöne auf dem Bild auftauchen. Die von der Sonne

beleuchteten hellen Flächen – der Himmel und die Bergflanke – führen

zum Ausschlag der Nadel. Der restliche Teil des Bildes besteht mehrheitlich

aus einem hellen Mittelton – auf dem Histogramm als mittelhoher Berg

zu erkennen. Auch die ganz dunklen Töne sind zu erkennen. Die dunklen

Elemente auf dem Bild haben auf der linken Seite des Histogramms ihre

Spuren hinterlassen.

Betrachten wir zwei weitere Histogramme: Das Diagramm in Abbildung

9-4 ist sehr flach, was darauf schließen lässt, dass das dazugehörige

Bild in Abbildung 9-3 einen sehr begrenzten Tonwertumfang hat (siehe

Kasten »Tonwertumfang«). Wenn Sie das Bild betrachten, wirkt es ein wenig

langweilig und fade. Abbildung 9-5 hat einen Vordergrund aus Pflanzen aus

dem Feld, was einen guten Kontrast zum Hintergrund in Brauntönen gibt.

Auf dem Histogramm von Abbildung 9-6 sieht man die Auswirkungen: Das

untere Bild hat ein ausgewogenes Histogramm.

Tonwertumfang

Der Tonwertumfang bezeichnet die Differenz der Farbtöne zwischen dem dunkelsten

und dem hellsten Punkt auf dem Bild. Anders ausgedrückt kann man auch von

der Anzahl vorkommender Farben im Bild sprechen. Bilder mit vielen Farben wirken

ausgewogener, weil die Übergänge zwischen den Farben weicher sind. Bilder mit

begrenztem Tonwertumfang sind zwar häufig kontrastreicher, aber auch härter, weil

weichere Zwischentöne fehlen. Bilder mit reduziertem Tonwertumfang lassen sich

auch nur noch begrenzt mit einer Kurve verbessern

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Teil III: Anspruchsvolle Bildbearbeitung

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Histogramme verstehen

Abbildung 9-3. Das Bild hat einen begrenzten Tonwertumfang,

die Farben sind matt und wirken ein wenig milchig

Abbildung 9-4. Das dazugehörige Histogramm ist auffällig

flach.

Abbildung 9-5. Dieses Bild mit einem ähnlichen Motiv ist farblich

deutlich gelungener.

Abbildung 9-6. Das Histogramm des Bildes zeigt einen

ausgewogen Berg, der bis an die Ränder rechts und links

heranreicht.

Histogramme verraten zwar nichts über die Aussagekraft eines Bildes, wohl

aber über die Aufnahmequalität. Bilder mit einem flachen Histogramm

lassen sich nur begrenzt korrigieren, weil einfach der Farbumfang zu gering

ist. Bilder mit großem Farbumfang haben Histogramme mit großen Hügeln

und bieten dementsprechend viele Möglichkeiten, Farben zu korrigieren.

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Kapitel 9: Farbkorrektur mit Histogrammen 129


Helligkeits- und Farbwerte anpassen

Tipp

Schulen Sie Ihr Vorstellungsvermögen bei der Interpretation von Histogrammen:

Öffnen Sie ein Bild aus Ihrer Sammlung in GIMP und betrachten Sie das dazugehörige

Histogramm. Sie finden es im Bildfenster unter Farben→Information→Histogramm.

Versuchen Sie, eine Erklärung für die Ausschläge auf dem Diagramm zu

finden.

Öffnen Sie ein Bild aus Ihrer Sammlung und zeichnen Sie sich ein Histogramm dazu.

Vergleichen Sie es mit dem von GIMP.

Wenn Sie eine Digitalkamera besitzen, die Ihnen ein Histogramm anzeigt, können

Sie die Kamera auf verschiedene Objekte und Flächen richten und beobachten, wie

sich das Histogramm verändert.

Helligkeits- und Farbwerte anpassen

Die folgenden Farbkorrekturen setzen ein gewisses Verständnis über Histogramme

und die daraus ableitbaren Informationen voraus. Um zu sehen,

wie man ein Bild mit Farbwerten verbessern kann, öffnen Sie die Datei hacienda.jpg.

Das Problem an diesem Bild: Die Farben wirken ein wenig fade, so

als ob ein Schleier über dem Bild hängen würde. Solche Schwächen haben

meistens die Ursache, dass die dunkelsten Töne, die eigentlich schwarz sein

müssten, dunkelgrau dargestellt werden. Die hellen Töne, die schon weiß

sein sollten, werden hellgrau wiedergegeben. Als Folge dieser fehlerhaften

Farbverteilung ist das Bild kontrastarm. Diese Schwäche möchten wir mit

Farbwerten verbessern.

1. Öffnen Sie die Datei hacienda.jpg im Ordner beispiele/kapitel_9.

2. Wählen Sie den Dialog Farben→Farbwerte (siehe Abbildung 9-7). Dieser

zeigt ein Histogramm und drei kleine Dreiecke am unteren Rand:

ein schwarzes, ein graues und ein weißes (alle drei lassen sich mit der

Maus verschieben). Das schwarze Dreieck steht für den Schwarzpunkt,

also den dunkelsten Punkt im Bild, das graue für den Graupunkt oder

Gammawert, also einen Punkt mittlerer Tönung, und das weiße für den

hellsten Punkt auf dem Bild, den Weißpunkt.

3. Die Pipette ist äußerst praktisch, um den dunkelsten bzw. den hellsten

Punkt auf Ihrem Foto zu finden. Klicken Sie auf die schwarze Pipette

links im Dialog und markieren den dunkelsten Punkt des Bildes. In

Abbildung 9-8 ist das ein rundes Loch in einem Mauerstück im unteren

Drittel des Bildes. Klicken Sie jetzt auf die weiße Pipette rechts im

Dialog und suchen Sie den hellsten Punkt im Bild. In Abbildung 9-8 ist

das der Berg im Hintergrund. Wenn das Häkchen bei Vorschau gesetzt

ist, werden Sie sofort das Resultat sehen: Die Farben sind kräftiger und

der Kontrast besser. Im gezeigten Beispiel hat diese Maßnahme schon

gereicht, um das Bild erheblich aufzuwerten.

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Teil III: Anspruchsvolle Bildbearbeitung

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Helligkeits- und Farbwerte anpassen

Pipetten zur Bestimmung

des Schwarz-, Grau- und

Weißpunktes

Abbildung 9-7. Der Farbwerte-Dialog enthält als wichtiges Hilfsmittel ein Histogramm.

Abbildung 9-8. Mit den Pipetten lassen sich Schwarz- und Weißpunkt bestimmen.

Der untere Regler

4. Zielwerte im Farbwerte-Dialog erlaubt Ihnen zusätzlich

zu bestimmen, für welchen Bereich die oben eingestellten Werte

angewendet werden sollen. Standardmäßig wird die Korrektur über den

ganzen Helligkeitsbereich von 0 bis 255 angewendet. Im Beispiel der

Hacienda ist der Hügel im Hintergrund, den wir als Weißpunkt gewählt

haben, jedoch nicht eine weiße Fläche. Beim gegenwärtigen Stand der

Korrektur wird nun aber ein Teil des Hintergrunds weiß. Um das zu

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Kapitel 9: Farbkorrektur mit Histogrammen 131


Helligkeits- und Farbwerte anpassen

verhindern, kann der Wert im Bereich Zielwerte auf 245 heruntergesetzt

werden. Auf diese Weise wird der Tonwertumfang des Bildes reduziert

und die Glanzlichter leicht abgeschwächt. Da der Regler Zielwerte wie

erwähnt den Tonwertumfang reduziert, muss diese Funktion maßvoll

angewendet werden, da sonst Qualitätsverluste entstehen.

5. Klicken Sie auf Farben→Information→Farbraumanalyse. Die Farbraumanalyse

illustriert das gezeigte Beispiel besser als die vorher betrachteten

Histogramme der Helligkeitswerte, weil sie alle Farbkanäle des RGB-

Modells zeigt (siehe dazu auch den Abschnitt »Das additive Farbmodell

(RGB)« in Kapitel 5, Einfache Farbkorrekturen). Dort, wo sich alle drei

Farben überlagern, entsteht Weiß, und dort, wo sich nur zwei Farben

überlagern, ist die entsprechende Mischfarbe sichtbar. Die Farbraumanalyse

in Abbildung 9-10 des Originalbildes (Abbildung 9-9) zeigt

Lücken am Anfang und am Ende des Diagramms. Im Diagramm von

Abbildung 9-12 ist der Effekt der Korrektur gut sichtbar: Die Kurven

wurden auseinandergezogen, es gibt keine Lücken am Anfang und am

Ende. Ins Auge sticht jedoch etwas anderes: der »Gartenzauneffekt«.

GIMP hat keine neuen Farben dazuerfunden, sondern die bestehenden

neu verteilt. Anstelle von zwei großen Lücken am Anfang und Ende gibt

es jetzt Dutzende von kleinen Lücken zwischen den einzelnen Farbwerten.

Auch die Anzahl der Farben insgesamt hat abgenommen.

Abbildung 9-9. Das Originalbild dieser zerstörten Hacienda ist

gräulich und die Farben sind matt.

Abbildung 9-10. Ein etwas anderes Histogramm,

das alle drei RGB-Farben gleichzeitig darstellt.

Links und rechts gibt es deutliche Lücken.

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Teil III: Anspruchsvolle Bildbearbeitung

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Farbkorrektur an einzelnen Kanälen

Abbildung 9-11. Die Korrektur der Farbwerte hat den Graustich

zum Verschwinden und die Farben zum Leuchten gebracht.

Abbildung 9-12. Das Histogramm des bearbeiteten Bildes

zeigt, wie die Kurven in die Länge gezogen wurden. Die

Anzahl der Farben hat allerdings abgenommen, was die

Lücken im Histogramm zeigen.

6.

Die Korrektur ist abgeschlossen und die Farben des Bildes kommen

leuchtender und frischer daher. In der Fachsprache bezeichnet man

diese Korrektur als Tonwertspreizung.

WARNUNG

Farbwertkorrekturen wie diese reduzieren die Anzahl der Farben. Eine geringere

Farbanzahl und »Gartenzaunhistogramme« können weitere Farbkorrekturen

erschweren.

Farbkorrektur an einzelnen Kanälen

Bis jetzt haben wir uns mit den Helligkeitswerten beschäftigt. Die Helligkeitswerte

sind ein Verbund aus den Farben bzw. Kanälen Rot, Grün

und Blau. Das Farbwertwerkzeug ist gerade deshalb so mächtig, weil sich

alle Kanäle auf dieselbe Art und Weise beeinflussen lassen. Die Farbwerte

lassen sich für jeden Kanal einzeln einstellen. Das eröffnet gewaltige Möglichkeiten

zur Farbkorrektur. So lassen sich bei Bildern ganz gezielt Farben

betonen oder abschwächen. In Abbildung 9-13 und Abbildung 9-14 sehen

Sie die Korrektur eines Farbstichs, der mithilfe des Farbwerte-Dialogs

erreicht wurde.

1. Öffnen Sie die Datei wintersport.jpg.

2. Wählen Sie den Dialog Farben→Farbwerte.

3. Klicken Sie unter Alle Kanäle auf die Schaltfläche Automatisch.

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Kapitel 9: Farbkorrektur mit Histogrammen 133


Farbkorrektur an einzelnen Kanälen

Abbildung 9-13. Dieses Bild hat einen Blaustich.

Abbildung 9-14. Bei der automatischen Korrektur wurden

der Rotkanal (Schwarzpunkt 4/Gamma 1/Weißpunkt 193), der

Grünkanal (5/1/233) und der Blaukanal (10/1/254) bearbeitet.

4. Sehen Sie sich das Histogramm aller drei Farbkanäle an (siehe Abbildung

9-15 bis 9-17), indem Sie diese in der Drop-down-Liste neben dem

Eintrag Kanal auswählen. Achten Sie darauf, wo Schwarz-, Weiß- und

Graupunkt gesetzt sind.

Abbildung 9-15. Das Histogramm der Farbe Rot zeigt eine Lücke im rechten Bereich.

Die Rottöne im hellen Bereich werden also nicht wiedergegeben. Eine Herabsetzung des

Weißpunktes bewirkt, dass die Farbe Rot jetzt über den ganzen Helligkeitsbereich verteilt

wird. Die leeren Bereiche werden abgeschnitten.

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Farbkorrektur an einzelnen Kanälen

Abbildung 9-16. Das Histogramm der Farbe Grün zeigt ebenfalls eine Lücke im rechten

Bereich, allerdings eine weniger große. Auch hier wird der Weißpunkt herabgesetzt und

die Farbe Grün über den ganzen Helligkeitsbereich verteilt.

Abbildung 9-17. Das Histogramm der Farbe Blau zeigt eine gleichmäßige Verteilung

der Blauwerte. Der Schwarzpunkt wird ein wenig erhöht, um die dunklen Blautöne

abzuschwächen. Der Weißpunkt wird sogar ein wenig herabgesetzt, um den Schnee

noch weißer zu machen.

5. Folgendes fällt bei dieser Korrektur auf: Nicht das Blau wurde am

stärksten beeinflusst – es wurde von allen Farben am wenigsten verändert

– sondern das Rot und das Grün. Diese Tatsache lässt sich am

besten mit dem Schnee erklären. Im Originalbild ist der Schnee zu

blau. Im RGB-Farbmodell bedeutet das, dass zu wenig Rot und Grün

vorhanden sind, um ein leuchtendes Weiß zu mischen. Also muss der

Weißpunkt des Rot- und des Grünkanals heruntergesetzt werden, damit

der Schnee Rot- und Grünanteile über den ganzen Helligkeitsbereich

verteilt erhält.

6. Schließen Sie die Korrektur mit einem Klick auf OK ab.

Dieses Beispiel zeigt gut, wie automatische Farbkorrekturen arbeiten. Die

Software analysiert das Histogramm eines Bildes und versucht, Lücken

durch Anpassungen der Schwarz- bzw. Weißpunkte auszugleichen. Im

gezeigten Beispiel hat die automatische Korrektur ein gutes Resultat

gebracht. Oft ist es aber nötig, die Kurven der einzelnen Kanäle selber anzusehen,

um die automatische Farbkorrektur zu verbessern.

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Kapitel 9: Farbkorrektur mit Histogrammen 135


Experimente mit Gradationskurven

Experimente mit Gradationskurven

Eine andere Methode, um Farben zu beeinflussen, sind sogenannte Gradationskurven.

Das Kurvenwerkzeug verfolgt im Grunde genommen einen

ganz ähnlichen Ansatz wie das der Farbwerte, wie wir gleich sehen werden.

Um zu verstehen was sich mit dem Kurvendialog machen lässt, werden wir

zuerst an der Datei markt.jpg einige Experimente durchführen.

1. Öffnen Sie die Datei markt.jpg.

2. Den Kurvendialog erreichen Sie mit Farben→Kurven. Der Hauptbestandteil

des Dialogs ist ein Diagramm mit einem Histogramm und

einer diagonalen Linie (der Gradationskurve) von links unten nach

rechts oben. Die x-Achse enthält die Eingangswerte, also wie das Bild

vor der Bearbeitung aussieht. Die y-Achse zeigt die Ausgangswerte,

also das Resultat nach der Bearbeitung. Vor dem Bearbeiten des Bildes

bewirkt die Kurve noch nichts: Jedem Farbton der x-Achse wird genau

derselbe Farbton auf der y-Achse zugeordnet. Wenn Sie z.B. die Kurve in

der Mitte anklicken und leicht nach oben ziehen, wird allen Mitteltönen

des Bildes ein neuer – hellerer – Farbton zugewiesen.

3. Um besser zu verstehen, was einzelne Kurven bei den Farben des Bildes

bewirken, helfen folgende Experimente: Formen Sie die in Abbildung

9-18 bis Abbildung 9-29 gezeigten Kurven. Mit einem einfachen Klick

auf die Kurve können Sie einen neuen Verankerungspunkt erstellen.

Wenn Sie Biegungen in den Linien erreichen möchten, können Sie mit

gedrückter Maustaste an der Linie ziehen und diese so in die gewünschte

Form bringen. Betrachten Sie die Auswirkungen auf das geöffnete Bild,

indem Sie die Vorschau aktivieren.

Abbildung 9-18. Das Originalbild markt.jpg

Abbildung 9-19. Die Ausgangslage ist die Diagonale, die

jedem Farbton auf der x-Achse denselben Farbton auf der

y-Achse zuweist.

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Teil III: Anspruchsvolle Bildbearbeitung

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Experimente mit Gradationskurven

Abbildung 9-20. Alle Farben erscheinen in der Komplementärfarbe.

Es entsteht ein Negativbild, wie wir es von den Filmstreifen

der analogen Fotografie kennen.

Abbildung 9-21. Am deutlichsten wird die Funktion der Gradationskurve,

wenn man sie umkehrt: Den dunklen Bereichen

wird die maximale Helligkeit zugeordnet und den hellen Bereichen

die maximale Dunkelheit.

Abbildung 9-22. Die hellen Farben werden blau-grün dargestellt,

die Mitteltöne sind aufgehellt.

Abbildung 9-23. Beim umgekehrten U werden die hellen Töne

umgekehrt und die Mitteltöne erhöht.

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Kapitel 9: Farbkorrektur mit Histogrammen 137


Experimente mit Gradationskurven

Abbildung 9-24. Die dunklen Flächen werden hell und die Mitteltöne

schwarz dargestellt.

Abbildung 9-25. Beim U geschieht das Gegenteil: Die dunklen

Töne werden umgekehrt und die Mitteltöne auf Schwarz abgesenkt.

Abbildung 9-26. Das Foto ist durch die veränderte Farbdarstellung

stark verfremdet.

Abbildung 9-27. Hier versagt unser Vorstellungsvermögen völlig:

Einige Töne werden umgekehrt, andere nicht. Gewisse Töne

werden nur angehoben oder abgesenkt.

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Teil III: Anspruchsvolle Bildbearbeitung

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Farbkorrekturen mit Gradationskurven

Abbildung 9-28. Das Foto zeigt umgekehrte Effekte wie Abbildung

9-26.

Abbildung 9-29. Auch die W-Kurve bringt ganz unvorhersehbare

Resultate, bewirkt aber im im Großen und Ganzen das

Gegenteil der M-Kurve.

Farbkorrekturen mit

Gradationskurven

Die im vorherigen Abschnitt geformten Kurven würden im praktischen

Einsatz zu grotesken Ergebnissen führen. Die Versuche zeigen aber, was für

Auswirkungen diese Manipulationen auf das Bild haben und schulen das

Vorstellungsvermögen für sinnvolle Kurven. Das Kurvenwerkzeug ist keineswegs

eine Spielerei, sondern das wohl leistungsfähigste Korrekturwerkzeug

für Farben, das GIMP zu bieten hat. Anhand einiger »Standardkurven«

möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie mit dem Kurvenwerkzeug sinnvolle

Korrekturen erreichen können. Natürlich gibt es keine allgemein gültigen

Kurvenformen, die für alle Bilder anzuwenden sind. Für jedes Bild müssen

Sie die Kurve individuell anpassen. Beachten Sie z.B. die Korrektur in Abbildung

9-37. Hier wurde eine Steilkurve angewendet, und zusätzlich wurde

die Kurve in der Mitte leicht abgesenkt, um die Mitteltöne zu verstärken.

Das Kurvenwerkzeug hat, trotz seines anderen Aussehens, viel Ähnlichkeit

mit dem Farbwertwerkzeug, das Sie im Abschnitt »Helligkeits- und Farbwerte

anpassen« weiter oben in diesem Kapitel kennengelernt haben. Sie

können sich vorstellen, dass der Anfang der Kurve links unten dem schwarzen

Dreieck zur Bestimmung des Schwarzpunktes entspricht. Das Ende

der Kurve entspricht demnach dem weißen Dreieck zur Bestimmung des

Weißpunktes und die Mitte der Kurve dem Gammawert bzw. Graupunkt.

Das Kurvenwerkzeug beschränkt sich aber nicht nur auf die drei Punkte,

sondern Sie können durch Klicks auf die Kurve beliebig viele Punkte erstellen

und diese verschieben. Das Kurvenwerkzeug ist in diesem Sinne nicht

neu, sondern erweitert die Funktionen des Farbwertwerkzeugs.

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Kapitel 9: Farbkorrektur mit Histogrammen 139


Farbkorrekturen mit Gradationskurven

Kurvenform

Auswirkungen

Verstärkt die Kontraste, indem die Lichter aufgehellt

und die Schatten verstärkt werden. Die

Mitteltöne bleiben erhalten.

Abbildung 9-30. Die Gradationskurve zeigt ein leichtes S.

Entspricht einer Tonwertspreizung (siehe dazu

den Abschnitt »Helligkeits- und Farbwerte anpassen«

weiter oben in diesem Kapitel). Verschiebt

dunkle Töne zu Schwarz und helle Farbtöne zu

Weiß. Führt zu harten Kontrasten und reduziert

den Tonwertumfang (siehe Mikroskop).

Abbildung 9-31. Die Gradationskurve zeigt eine Steilkurve .

Macht die Kontraste weicher und die Farben

matter. Die Schatten werden aufgehellt und die

Lichter abgedunkelt.

Abbildung 9-32. Die Gradationskurve zeigt ein umgekehrtes leichtes S.

Dass Sie mit dem Kurvenwerkzeug gezielt Farbfehler korrigieren können,

möchte ich Ihnen an diesem Beispiel zeigen: Abbildung 9-33 entstand in

einem tropischen Garten. Durch den großen Temperaturunterschied und

die hohe Feuchtigkeit beschlug das Objektiv sofort, und das Bild geriet

milchig weiß. Da das Bild ansonsten scharf und das Motiv korrekt belichtet

ist, werden wir mit dem Kurvenwerkzeug versuchen, diese Aufnahme zu

»retten«.

1. Öffnen Sie das Bild schmetterling.jpg und anschließend den Kurvendialog

über Farben→Kurven.

2.

Das Histogramm des Bildes zeigt eine ausgewogene Farbkurve; das

einzige Problem ist, dass sie nach rechts verschoben ist, also »zu spät«

beginnt. Mit dem Kurvenwerkzeug lässt sich das leicht beheben: Ziehen

Sie den Anfangspunkt der Kurve kurz vor den Beginn des ersten Ausschlags

und senken Sie die Kurve in der Mitte ein wenig ab, damit die

Mitteltöne verstärkt werden (siehe Abbildung 9-34).

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Farbkorrekturen mit Gradationskurven

Abbildung 9-33. Das Bild hat wegen des beschlagenen Objektivs einen weißen Schleier.

Tipp

Abbildung 9-34. Der Anfangspunkt der Kurve wird vor den ersten Ausschlag gesetzt

und die Mitte der Kurve leicht nach unten gezogen.

3.

Die Korrektur hat genau das gebracht, was wir wollten, der milchige

Vorhang ist verschwunden (siehe Abbildung 9-35).

Nicht alle Histogramme sind so

eindeutig wie das gezeigte Beispiel.

Oft weiß man nicht genau,

wo sich der zu verstärkende bzw.

abzuschwächende Farbbereich auf

dem Histogramm befindet. Deshalb

bietet der Kurvendialog eine praktische

Möglichkeit: Fahren Sie beim

geöffneten Dialog mit der Maus auf

einen Punkt des Bildes, wobei sich

der Cursor in eine Pipette verwandelt.

Klicken Sie auf einen Punkt,

und auf dem Histogramm des

Dialogs erscheint sofort ein Strich,

der die Position der Farbe auf dem

geöffneten Histogramm markiert.

Nun können Sie an dieser Stelle die

Kurve anheben oder absenken.

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Kapitel 9: Farbkorrektur mit Histogrammen 141


Bilder mit gespeicherten Kurven verbessern

Abbildung 9-35. Die Farben sind jetzt satt und lebendig.

Bilder mit gespeicherten Kurven

verbessern

Da Kurvenkorrekturen oft aufwändig sind, insbesondere wenn Sie alle

Kanäle bearbeiten, ist es praktisch, sie zu speichern. Vielleicht möchten Sie

sich auch ein paar »Standardkurven« anlegen, die typische Probleme beheben,

die von Ihrer Kamera verursacht wurden. Die gespeicherte Kurve lässt

sich dann schnell laden und in einem zweiten Schritt auf das geöffnete Bild

abstimmen.

Abbildung 9-37 habe ich mit Kurven bearbeitet. Das Originalbild (Abbildung

9-36) hat einen starken Blaustich, der entstand, weil ich irrtümlicherweise

ein Belichtungsprogramm der Kamera für Glühlampenlicht eingestellt

hatte. Mit dem Kurvenwerkzeug habe ich den Blaukanal ganz leicht

abgeschwächt und dafür die Kanäle Grün und Rot heraufgesetzt. Ein Farbstich

entsteht oft nicht, weil die Farbe selbst zu stark vorhanden ist, sondern

weil die beiden anderen Kanäle nicht optimal sind. Diese Einstellungen

habe ich mit dem Kurvendialog gespeichert, die Datei heißt negritos.txt.

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Teil III: Anspruchsvolle Bildbearbeitung

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Bilder mit gespeicherten Kurven verbessern

Abbildung 9-36. Das Originalbild hat einen starken Blaustich.

Abbildung 9-37. Das bearbeitete Bild ist farblich ausgewogen.

Anhand des folgenden Beispiels möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie eine

gespeicherte Kurvendatei laden und auf ein geöffnetes Bild anwenden

können.

1. Öffnen Sie zuerst die Datei negritos.jpg und wählen Sie dann den Kurvendialog

über Farben→Kurven.

2. Klicken Sie auf die Schaltfläche Öffnen im Dialogfeld und laden Sie die

Datei negritos.txt, die Sie im Ordner beispiele/kapitel_9 finden (siehe

Abbildung 9-38). Die Datei enthält eine gespeicherte Farbkurve und

entfernt den Blaustich.

Abbildung 9-38. Der Farbkurvendialog bietet die Möglichkeit, die Kurven anderer Bilder

zu laden.

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Kapitel 9: Farbkorrektur mit Histogrammen 143


Zusammenfassung und Ausblick

3. Wenn das Häkchen bei Vorschau gesetzt ist, werden die Einstellungen

sofort auf die Datei angewendet. Sie können sich die Einstellungen der

einzelnen Kanäle ansehen, indem Sie im Optionsmenü rechts Kanal,

Rot, Grün oder Blau wählen.

4. Klicken Sie auf OK, um die Korrektur definitiv auf das Bild anzuwenden.

Sie kennen nun alle Werkzeuge, die mit Histogrammen arbeiten, und haben

– so hoffe ich – festgestellt, dass das Arbeiten mit Histogrammen trotz der

etwas komplizierten Grundlagen eine große Hilfe darstellt. Weitere Erfahrungen

mit dem Kurvendialog können Sie am besten mit Ihren eigenen Bildern

sammeln. Suchen Sie Fotos mit farblichen Schwächen und versuchen

Sie, sie mit Farbwerten oder Kurven zu verbessern.

Zusammenfassung und Ausblick

Histogramme sind zwar ein wenig schwierig zu verstehen und insgesamt

eine recht trockene Materie, doch ein tieferes Verständnis dieser Kurven

hilft dabei, ganz gezielte Farbeinstellungen vorzunehmen. Die Werkzeuge

Farbwerte und Kurven benutzen Histogramme als Hilfsmittel und sind die

mächtigsten Hilfsmittel für Farbanpassungen, die GIMP zu bieten hat.

Kapitel 10 beschäftigt sich mit Masken und Transparenz. Diese Hilfsmittel

erweitern den Horizont der Bildbearbeitung und ermöglichen Dinge, die

mit Ebenen nicht oder nur sehr umständlich zu bewerkstelligen sind.

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Teil III: Anspruchsvolle Bildbearbeitung

Dies ist ein Auszug aus dem Buch „Praxisworkshop GIMP 2“, ISBN 978-3-89721-855-0

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