Fakten & Position - OroVerde

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Fakten & Position

Was Papier mit Tropenwäldern zu tun hat: Mit Recyclingpapier den Tropenwald schützen! (Stand 2012)

Plakatidee von Tim Flaig (16) im Rahmen des Schülerwettbewerbes

„Schüler schützen Regenwälder“.

Der Papierverbrauch in Deutschland übertrifft inzwischen

den Papierverbrauch von Afrika und Südamerika

zusammen.

1. Papierverbrauch und Waldzerstörung

Knapp 20% der jährlich geschlagenen Bäume

fallen für die Produktion von Papier bzw.

dem Ausgangsmaterial Zellstoff an. 1

Obwohl sie lediglich 33,5% der Weltbevölkerung

ausmachen, entfallen 71% vom jährlichen

globalen Papierverbrauch von 371 Mio.

t (2009) auf die 27 EU Staaten und die drei

Top-Verbraucherländer China, Japan und die

USA. Deutschland verbrauchte im Jahr 2010

rund 20 Mio. t Papier, Karton und Pappe, was

einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 243 kg

entspricht. 2 Die Entwicklung ist besorgniserregend,

da der Verbrauch weiterhin kontinuierlich

zunimmt.

Als viertgrößter Papierkonsument verbraucht

Deutschland somit mehr Papier pro

Jahr als Afrika und Südamerika zusammen.

Der Großteil unseres Papiers wird für Wegwerfprodukte

wie Verpackungen, Hygieneartikel

und kurzlebige Printerzeugnisse verwendet.

2. Zellstoff kommt auch aus Tropenwäldern

In 2010 wurden 78 % des in Deutschland

eingesetzten Zellstoffes importiert 3 ; davon

22,8 % (849.403 t) aus Brasilien, das seit dem

Jahr 2008 der größte Zellstofflieferant für

Deutschland ist. Aber auch aus Indonesien erreicht

uns Zellstoff: im Jahr 2010 wurden 5.437

t Zellstoff nach Deutschland importiert. 2

Der aus Tropenländern importierte Zellstoff

stammt überwiegend aus schnellwüchsigen

Plantagen. Die Ernährungsorganisation der

Vereinten Nationen, die FAO, geht davon aus,

dass 6-7 % der Waldverluste in den Tropen auf

die Anlage von Plantagen zurückzuführen ist. 4

Insbesondere in Asien kommt der Zellstoff

häufig direkt aus den Tropenwäldern, die nach

und nach in Plantagen umgewandelt werden.

Die damit in Asien hergestellten Billigprodukte

aus Papier gelangen dann als Fertigprodukte

auf den deutschen Markt.

3. Probleme durch Zellstoffproduktion in den

Tropen

Ein großer Teil der Papier- und Zellstoffimporte

aus den Tropen und Subtropen stammt

aus Plantagen, oft mit besonders schnell

wachsenden Baumarten wie zum Beispiel Eukalyptus.

Diesen großflächigen Plantagen fällt

Urwald oder Ackerland zum Opfer. Die riesigen

Monokulturen aus exotischen Baumarten

verdrängen die heimischen Tier- und Pflanzenarten

und natürlichen Wälder.

Durch den Einsatz von Pestiziden und Pflanzenschutzmitteln

auf den Plantagen stirbt

die natürliche Vegetation. Die schlecht gesäuberten

Abwässer der Verarbeitungsfabriken

enthalten Chlor und andere Chemikalien, die

die Umwelt belasten bzw. zerstören und die

Gesundheit der lokalen Bevölkerung stark gefährden.

Die Tiere finden keine Nahrung und

keinen Schutz mehr. Manche der exotischen

Arten, die auf den Plantagen angepflanzt

werden, können sich unkontrolliert in angrenzenden

Gebieten ausbreiten und bedrohen

auch dort die Artenvielfalt, wenn die einheimischen

Arten auf deren Konkurrenz nicht

reagieren können.

Durch das schnelle Wachstum der Plantagenbäume

ist ihr Wasserbedarf höher, was

einen sinkenden Grundwasserspiegel auf den

Plantagen und in ihrer Umgebung zur Folge

hat. Die benachbarten Bauern bekommen in

Folge Probleme mit der Bewässerung ihrer

Äcker oder sogar mit der eigenen Trinkwasserversorgung.

>>>

Eukalyptus-Plantagen sind typische Monokulturen,

hier eine Plantage in Brasilien, die nach vergleichsweise

kurzer Wachtstumsphase geerntet werden.

Quellen:

1 World Watch Institute 1999: Paper Cuts, S. 19 ff.

2 Verband Deutscher Papierfabriken e.V. (VDP): Papier 2011,

Ein Leistungsbericht des VDP

3 VDP: Papier Kompass 2011

4 Food and Agriculture Organization (FAO) 2001: State of the

World’s Forests

1


Was Papier mit Tropenwäldern zu tun hat:

Mit Recyclingpapier den Tropenwald schützen!

Holzeinschlag in Indonesien: die Zellstoffindustrie

deckt 70-85 % ihres Holzbedarfes aus Naturwäldern.

Der Wald muss weichen - auch heute noch. Vor allem

die Regenwälder Indonesiens fallen derzeit dem

Papierhunger zum Opfer.

Die Zellstoffproduktion hat bis zum heutigen

Tag Auswirkungen auf die natürlichen Wälder

in den Tropen:

Direkte Abholzung für die Anlage von schnell

wachsenden Plantagen - Beispiel Indonesien

In Indonesien wurden bis Ende 2003 1,2

Mio. ha Plantagen für Zellstoff angelegt 5 ,

die Hälfte davon auf Flächen, wo zuvor natürlicher

Regenwald stand. So hat z.B. die

indonesische Firma APP (Asia Pulp & Paper)

seit Beginn ihrer Tätigkeiten in den 1980ern

schätzungsweise mehr als eine Mio. ha Regenwald

allein in den Provinzen Riau und

Jambi auf Sumatra für die Zellstoffproduktion

zerstört. 6

Zellstofffabriken in Indonesien siedeln ihre

Anlagen oft in oder nahe bei natürlichen

Wäldern an. Dabei werden meist zunächst

die wertvollen Tropenhölzer geerntet und

vermarktet, das restliche weichere Holz wird

dann direkt zur Zellstoffproduktion genutzt.

Anschließend werden auf den freien Flächen

schnell wachsende Plantagen (meist Akazien

oder Eukalyptus) angelegt.

Die Biologische Vielfalt ist in diesen Plantagen

um 90-95 % geringer als im ursprünglichen

Regenwald - viele wichtige Tier- und

Pflanzenarten gehen verloren. 7 Schätzungen

ergeben, dass in den 80er und 90er Jahren

in Indonesien 5-7 % der Abholzung vom tropischen

Regenwald direkt für die Papier und

Zellstoff-Industrie oder für schnell wachsende

Plantagen erfolgt sind. 8 Studien aus dem

Jahr 2005 belegen, dass die Zellstoffindustrie

in Indonesien ihren Holzbedarf zu 70-85 %

aus Naturwäldern deckt, davon kommen 40-

50 % aus illegalem Holzeinschlag. 9

Auch heute ist das Problem noch aktuell:

Umwandlungen von Tropenwald im großen

Maßstab finden immer noch auf der Insel

Sumatra, in der Provinz Riau, statt. Dort

holzten allein APP und APRIL (Asia Pacific International

Holdings Ltd.) im Jahr 2005 rund

170.000 ha Naturwald ab. 10 Aktuell werden

Konzessionen für Akazienplantagen erteilt,

für deren Anlage vorher der natürliche Wald

in der Region weichen muss. 11

Papier-Plantagen und bedrohte Wälder -

Beispiel Brasilien

Von dem wertvollen Atlantischen Küstenregenwald

mit vielen speziellen Tier- und

Pflanzenarten sind in den 60er und 70er Jahren

schon große Bereiche für die Anlage von

Plantagen verschwunden. Inzwischen sind

nur noch 7,9 % erhalten und die Abholzung

schreitet weiter fort. 12 Eukalyptusplantagen

werden heute nicht auf den frisch gerodeten

Flächen sondern meist auf landwirtschaftlich

genutzten Böden angelegt. Die Herstellung

von Zellulose ist daher in Brasilien heute

nicht wie in Indonesien direkte, sondern indirekte

Ursache des Tropenwaldschwundes, da

für neue landwirtschaftliche Flächen wiederum

Regenwald gerodet werden muss.

Studien zeigen, dass die Artenvielfalt

abnimmt, je größer die Plantagen sind und

je schneller die Umtriebszeiten. In Brasilien

werden die Eukalyptusplantagen in vergleichsweise

kurzen Zyklen geerntet, schon

nach 6-7 Jahren. 8 Die bedrohten Tier- und

Pflanzenarten des Atlantischen Regenwaldes

werden auf zu kleine Lebensräume zurückgedrängt.

Weil die Plantagen nicht als Brücken

zwischen den Waldinseln dienen, findet kein

Austausch zwischen den kleinen Restflächen

des natürlichen Waldes statt. Die einzigartige

Vielfalt der Region schwindet weiter und

wichtige ökologische Korridore und eine angepasste

Landnutzung zum Beispiel in Agroforstsystemen

können sich nicht etablieren.

Quellen:

5 Center for International Forestry Research (CIFOR), Christopher

Barr & Christian Cossalter 2004: Pulp and

Plantation Development in Indonesia, A Summary of

Recent Trends, Präsentation für European Consultative

Workshop, Folie 5

6 Greenpeace 2010: How Sinar Mas is pulping the planet

7 Environmental Paper Network (EPN) 2007: State of the Paper

Industry, Monitoring the Indicators of Environmental

Performance, Chapter 4, Responsible Fibre Sourcing

8 CIFOR, Christian Cossalter & Charlie Pye-Smith 2003: Fast-

Wood Forestry, Myths and Realities

9 Community Alliance for Pulp-Paper Advocacy (CAPPA)

Walhi, Watch Indonesia!, Mariane Kluthe zur geplanten

Zellstofffabrik in Süd-Kalimantan 2005: Katastrophales

Papier, Kalimantan – Insel der Zukunft?

10 WWF Indonesia 2006: The eleventh Hour for Riau’s

Forests

11 Greenpeace, 02.04.2009

12 http://www.sosmatatlantica.org.br; Notícias 26/05/2011 -

Novos dados do Atlas da Mata Atlântica

OroVerde – Die Tropenwaldstiftung Kaiserstraße 185–197 53113 Bonn Fon 02 28/24 290-0 Fax 02 28/24 290-55 www.oroverde.de info@oroverde.de

2


Was Papier mit Tropenwäldern zu tun hat:

Mit Recyclingpapier den Tropenwald schützen!

Plakatidee von Anna-Maria Süß (23) im Rahmen

des Wettbewerbes „Schüler schützen Regenwälder“:

500 Blatt Recyclingpapier sparen im Vergleich

zu Frischfaserpapier die Menge Energie,

mit der eine 100-W-Glühlampe 44 Stunden lang

brennen kann. 13

Quellen:

13 Initiative Pro Recyclingpapier und Institut für Energie- und

Umweltforschung (IFEU) 23.06.2009

14 EPN 2011: State of the Paper Industry

15 IFEU Heidelberg 08-2006: Ökologischer Vergleich von Büropapieren

in Abhängigkeit vom Faserrohstoff

4. Handeln: Was jeder tun kann

Die Möglichkeiten, was jeder von uns zum

Schutz der Regenwälder im Themenfeld Papier

beitragen kann, lassen sich in drei Punkten

zusammen fassen.

Den eigenen Papierverbrauch senken und

Papier sparen.

Jedes gesparte Blatt Papier schont die

Ressourcen der Erde. Wie heißt es so schön?

„Emails sparen Zeit. Sie nicht auszudrucken

spart Bäume.“

• Drucken Sie nicht jede Seite aus.

• Benutzen Sie auch die Rückseiten des Papiers.

• Bringen Sie einen Aufkleber mit dem Slogan

„Bitte keine Werbung einwerfen“ an

Ihrem Briefkasten an und reduzieren Sie so

unnötige Werbeeinsendungen.

Recyclingpapier nutzen.

Recyclingpapier spart nicht nur Bäume, sondern

weist insgesamt die bessere Ökobilanz

auf. Zur Herstellung wird nur etwa ein Drittel

der Energie und die Hälfte der Wassermenge

verbraucht, die zur Herstellung von Frischfaserpapier

notwendig sind. Der Ausstoß von

Treibhausgasen wird somit um 43,6 % reduziert.

14 Dies ist darauf zurückzuführen, dass

das Herauslösen der Fasern aus dem stabilen

Holzverbund entfällt, was ein sehr energieintensiver

Prozess ist. Vereinfacht betrachtet

muss man Altpapier nur einweichen und von

den Fremdstoffen wie Farbstoffen reinigen,

um Sekundärzellstoff zu erhalten.

Zudem wirken sich die langen Transportwege

für Primärfasern südlicher Herkunft

besonders stark auf den fossilen Ressourcenbedarf

und somit auf den Treibhauseffekt

aus. Bezogen auf den durchschnittlichen

Jahresverbrauch von Büropapier (800.000 t)

in Deutschland können im Vergleich zur Produktion

von Frischfaserpapier 278.000.000 kg

CO2-Emissionen durch die Nutzung von Recyclingpapier

gespart werden. 15

Auf Siegel achten.

Garant für Recyclingpapier ist der Blaue

Engel mit dem Aufdruck „100% Recyclingpapier.

Weitere, zum Teil sogar strengere Siegel

in Bezug auf das De-Inking sind die Siegel vup

und ökopa.

Gerade Drucksachen mit brillanten Bildern

erfordern manchmal besonders hochwertige

grafische Papiere. Hier haben Sie als Verbraucher

die Möglichkeit, auf Papier mit dem FSC-

Siegel zurückzugreifen. Das FSC-

Siegel garantiert, dass kein

Raubbau an Wäldern betrieben

wird.

Dennoch: Frischfaser-Papier sollte immer

zweite Wahl sein, da die Umweltlasten bei

Verwendung von Recyclingpapier am niedrigsten

sind. Ganz besonders gilt dies, wenn

bei der Herstellung von Frischfaserpapier

hohe Transportentfernungen (Brasilien, Indonesien)

zurückgelegt werden. Das Institut

für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg

und das Umweltbundesamt empfehlen

daher, ganz auf Zellstoffe aus Übersee zu

verzichten.

Auch holzfreies Papier stammt von Bäumen

Die Bezeichnung „holzfreies Papier“ ist

leider irreführend. Auch dieses Papier wird

letztlich aus Holz hergestellt.

Holzzellen bestehen im Wesentlichen aus

drei Bestandteilen:

1. Ungefähr zur Hälfte aus Zellulose. Vor

allem dieser Stoff bildet die Zellwände

und stellt daher die für die Papierherstellung

benötigte Faser dar.

2. Ungefähr zu einem Viertel aus Lignin. Es

findet sich zwischen den Zellen und verklebt

diese miteinander. Lignin hat die

Eigenschaft mit Sauerstoff und Licht zu

reagieren. Es verfärbt sich braun und wird

brüchig.

3. Ungefähr zu einem Viertel aus Hemi-Zellulose.

Auch diese wirkt im Holz als Zellen

verbindender Kitt. Sie senkt ebenfalls die

Qualität des Papiers.

Um Papier herzustellen, das weder nachdunkelt

noch nach einiger Zeit brüchig wird,

wird bei der Papierherstellung die Zellulose

vom Lignin und der Hemi-Zellulose getrennt.

Dieses dabei entstehende hochwertige Papier

wird „holzfrei“ genannt, da der Holzstoff

Lignin darin nur noch weniger als 5% enthalten

ist.

OroVerde – Die Tropenwaldstiftung Kaiserstraße 185–197 53113 Bonn Fon 02 28/24 290-0 Fax 02 28/24 290-55 www.oroverde.de info@oroverde.de

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