über Sr. Lia

osb.tutzing.it

über Sr. Lia

Juli 2007

Jahresgabe


E d i t o r i a l


I N H A L T

Seite

Br. Stephan Veith OSB

Vorwort .................................................................... 2

Pater Anselm Grün OSB

Zeugnis ablegen ....................................................... 3

Abt Siegfried Hertlein OSB .......................................... 4

Sr. Lia Schwarzmüller OSB ......................................... 8

Br. Vitus Stenger OSB ............................................. 10

Sr. Bertwina Cäsar OSB............................................... 12

P. Patrick Mühlbauer OSB ........................................ 14

Br. Nonnosus Bleicher OSB....................................... 16

Br. Martin Lehr OSB................................................. 18

Br. Cornelius Hell OSB............................................... 20

Interview: P. Andreas Amrhein OSB........................... 22

Projekt: Wiederaufbau Abtei Waegwan ...................... 24

Projekt: Hast de mal ne Mark................................... 28

Namen & Nachrichten.............................................. 29

Dank/Serie.............................................................. 30

Br. Thomas Morus Bertram OSB

Aus dem Nähkästchen geplaudert............................. 31

Zum Titelbild

Eine Frau, eine Ordensschwester, ein gelebtes Glaubenszeugnis.

Stellvertretend steht Schwester Lia

Schwarzmüller OSB, deren Leben so eng mit Armen

und Kranken verbunden ist, für die vielen Glaubenszeugen,

von denen wir einige für Sie „lebendig“

werden lassen.

Zur Rückseite

Portrait von Johannes Mahr

Impressum

Ruf in die Zeit

Ausgabe Juli 2007

MISSIONSBENEDIKTINER

M Ü N S T E R S C H W A R Z A C H

Für Freunde, Förderer und Interessenten der Missionsarbeit der Abtei

Münsterschwarzach

Redaktion

Br. Stephan Veith (verantw.), Br. Thomas Morus Bertram (verantw.),

P. Jonathan Düring, Br. Alfred Engert,

Br. Joachim Witt, Br. Manuel Witt

Herausgeber

Missionsprokura der Abtei Münsterschwarzach

97359 Münsterschwarzach Abtei

Tel: 09324/20275

Fax: 09324/20270

E-Mail: prokura@abtei-muensterschwarzach.de

Internet: http://www.abtei-muensterschwarzach.de

Auslandsspenden

Bei Spenden aus dem Ausland bitte unseren

Swift Code: GENODEF1MO5 und

Iban Nr.: DE51750903000003015033 unbedingt angeben.

Bankverbindung

Konto: Liga Bank Würzburg, Nr. 3015033, BLZ 750 903 00

Bei Adressenänderungen und Spenden wenden Sie sich bitte an

die Spendenbuchhaltung der Missionsprokura

Tel: 09324/20-287 oder 20-276 oder 20-363

Fax: 09324/20-494

E-mail: prokura@abtei-muensterschwarzach.de

Bildnachweis

Br. Zacharias (S. 1,), Archiv Abtei Ndanda (S. 4, 5, 6, 7), Priorat

Ndanda (S. 8, 9), Archiv Abtei Waegwan (S. 10, 11), Priorat

Taegu (S. 12, 13), M. Stark (S. 12, 13), Archiv Abtei Inkamana

(S. 14, 15), Thomas Gampl (S. 16, 17), Archiv Abtei Münsterschwarzach

(S. 14, 15, 18, 19, 20, 21, 29), Archiv St. Ottilien

(S. 22, 23, 24, 25, 26, 27), Br. Thomas Morus (S. 31, 32)

Gesamtherstellung:

Vier-Türme GmbH, Benedict Press, 97359 Münsterschwarzach Abtei

Konzeption: Klaus Gold

Br. Stephan Veith OSB

Missionsprokurator

Liebe

Leserinnen

und Leser...

... Glaubenszeugen stellen wir ihnen diesmal vor.

Menschen, die mit ihrem ganzen Leben, ihrer

Kraft, mit Körper, Geist und Seele für Jesus Christus

eingestanden sind. Was ist das Besondere

an ihnen?

Es sind Patres, Brüder und Schwestern dabei, die

Unglaubliches erlitten haben, in Kriegsgefangenschaft oder in Lagern in Nordkorea.

Die gepeinigt und vertrieben wurden, und dennoch nach kurzen Heimat

Aufenthalt wieder hinaus wollten – in die „Mission“. Es sind auch welche dabei,

die ihr Zeugnis im Stillen gegeben haben. Die nicht Helden waren, aber treu.

Christen, bei denen nicht alles glatt lief im Leben, die aber oft gerade dadurch

zu glaubwürdigen Zeugen für Jesus Christus wurden.

Das Besondere an ihnen ist: Sie sind eigentlich ganz normal. Aber sie haben sich

packen lassen von einem Zauberwort: „Mission“. Dieser Auftrag, diese Aufgabe

hat sie fast magisch angezogen, hat sie alles überstehen lassen. Der Botschaft

von diesem Jesus handfesten Ausdruck zu geben irgendwo in der Welt, das hat

sie erfüllt.

Deshalb sind sie von zu Hause, vom fränkischen Bauernhof oder vom bayerischen

Dorf hinausgezogen nach Afrika, Asien oder Lateinamerika und haben Brunnen

gebohrt und Leprakranke gepflegt. Sie haben Kirchen gebaut und Gärten angelegt,

Religionsunterricht gegeben und Klöster gegründet. Das Zeugnis, das sie

gegeben haben, ist nicht nur ein Stück Papier wie in der Schule, oder eine Aussage

wie vor Gericht. Ihr Zeugnis ist unterschrieben mit 50, 60, 70 Jahren Leben.

Daher ist er auch so lebendig, dieser Glaube, den sie bezeugen. Erlebter Glaube,

sozusagen. „Erlebnisgesellschaft“ ist heute so ein Schlüsselwort. Unsere Glaubenszeugen

zeigen: Mit dem Glauben kannst du was erleben!

Es grüßt Sie herzlich


Z u m T h e m a


Zeugnis ablegen –

nicht nur mit Worten

von P. Anselm Grün OSB

Für den Evangelisten Lukas sollen die

Christen mit ihrem ganzen Leben Zeugnis

für Jesus Christus ablegen. Von den Aposteln

sagt Lukas: „Mit großer Kraft legten

die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung

Jesu, des Herrn.“ (Apg 4,33) An

ihrem Leben konnten die Menschen ihrer

Zeit das Geheimnis der Auferstehung Jesu

ablesen. Woran kann man dieses Zeugnis

erkennen? Die Auferstehung Jesu ist für

Lukas die Zusammenfassung der ganzen

Heiligen Schrift. In ihr wird deutlich, was

das Alte Testament uns von Gott verkündet

hat: Dass Gott uns aus der Grube emporzieht,

dass er uns vom Abgrund befreit,

dass er unsere Dunkelheit erleuchtet, dass

er die Scherben unseres Lebens neu zusammensetzt.

Die Apostel haben offensichtlich

nicht nur mit Worten Zeugnis abgelegt von

Jesus Christus. Sie haben vielmehr durch ihr

Leben bezeugt, dass es kein Scheitern gibt,

das nicht zu einem neuen Anfang wird.

Sie haben den Menschen vermittelt, dass

Gott jede Dunkelheit erleuchten und jede

Erstarrung aufbrechen kann. Sie legten mit

ihrer Ausstrahlung Zeugnis ab für die Hoffnung,

dass Gott das Tote lebendig macht

und uns von allen Fesseln befreit. Sie sind

in ihrer Angst aufgestanden und haben in

der Kraft Jesu die Frohe Botschaft verkündet.

Das heißt für uns: Wir bezeugen dann

die Auferstehung Jesu, wenn wir uns nicht

aufgeben und wenn wir den Menschen um

uns herum vermitteln, dass ihr Leben in

Gottes Hand ist und dass Gott alles zu

verwandeln vermag.

Das Eigentliche erkennen

Im Johannesevangelium begegnet uns eine

andere Theologie des Zeugnisses. Da legt

Jesus Zeugnis ab vom Vater und von sich

selbst, dass er Gottes Sohn ist. Dieses Zeugnis

Jesu wird bestätigt vom Zeugnis Johannes

des Täufers und des Evangelisten.

Der Evangelist sagt: „Der, der es gesehen

hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist

wahr. Und er weiß, dass er Wahres berichtet,

damit auch ihr glaubt.“ (Joh 19, 35)

Jesus öffnet uns die Augen für die eigentliche

Wirklichkeit, für die Liebe Gottes, die

in uns strömt wie eine Quelle. Diese Liebe

wird im Tod am Kreuz in ihrer Vollendung

sichtbar. Glauben heißt für Johannes: mit

neuen Augen sehen, das Eigentliche hinter

allem erkennen, das Eine hinter dem

Vielen sehen, die Liebe hinter allem Hass

und das Licht in aller Finsternis. Glauben

heißt: erleuchtet werden, durchblicken, was

die eigentliche Wahrheit unseres Lebens

ist. Der Evangelist legt Zeugnis ab für die

Wahrheit, damit auch wir die Wahrheit erkennen.

Zeugen Jesu im Sinn des Johannesevangeliums

sind wir, wenn wir den Menschen

heute die Augen öffnen für das, was hinter

dem Sichtbaren liegt. Wir können ihnen

die Augen für die Liebe Gottes, die alles

durchdringt, aber nur öffnen, wenn wir

durch unsere ganze Existenz für diese Liebe

Zeugnis ablegen, wenn die Menschen an

uns ablesen können, dass wir nicht oberflächlich

dahin leben, sondern ein Gespür

haben für die Liebe Gottes, die in allem,

was wir sehen, aufleuchtet.

Am Leben ablesbar

Wie sollen wir Zeugnis ablegen für Jesus

Christus? Es geht nicht in erster Linie darum,

dass wir die richtigen Worte benutzen,

wenn Menschen uns nach dem Grund unserer

Hoffnung fragen, sondern dass wir

mit unserer ganzen Existenz Christus bezeugen.

Jeder ist Zeuge für etwas. Die Frage

ist, ob die Menschen uns als Zeugen für

Jesus Christus erleben, für das Geheimnis

der göttlichen Liebe, oder aber als Zeugen

der Oberflächlichkeit, der Zerstreutheit, als

Zeugen der Beliebigkeit, als Zeugen der

Angst, der Traurigkeit, der Sinnlosigkeit.

Wie müsste unser Leben aussehen, dass

wir mit allem, was wir sind, als Zeugen

Jesu Christi erkannt werden? Es geht darum,

durchlässig zu sein für Jesus Christus.

Zeuge Jesu ist der, an dessen Leben ablesbar

ist, dass er nicht sich in den Mittelpunkt

stellt, sondern Christus. Zeuge Jesu

ist der, der etwas von Jesu Barmherzigkeit

und Klarheit, von seiner Kraft und Eindeutigkeit,

von seiner Liebe und von seinem

Gegründetsein in Gott ausstrahlt. Zeuge

Jesu ist der, der in jedem Menschen Christus

sieht, der an den göttlichen Kern in

jedem Menschen glaubt. Jesus bezeugen,

das heißt, für seine Auferstehung Zeugnis

ablegen, dafür einstehen, dass das Leben

über den Tod siegt, die Liebe über den

Hass, das Licht über die Finsternis. Und

Zeuge Jesu ist der, der mit seinen Werken

Christus bezeugt, der den Nächsten liebt,

der seine Güter mit den Armen teilt, der

seinen Hunger nach Gerechtigkeit in Taten

der Gerechtigkeit ausdrückt, der Christus

nachfolgt, auch wenn es ihn das Leben

kostet.


Z u m T h e m a


Es war spannend –

Abteikirche Ndanda

P. Siegfried, Abt Bonifaz, P. Wendelin

am Tag der Aussendung 1962

von Abt Siegfried Hertlein OSB

HINTERGRUND

Abt Siegfried Hertlein wurde 1931 in

Schwanfeld geboren. Im Jahr 1956 legte

er die ewige Profess ab und im Jahr 1958

erhielt er seine Priesterweihe. 1962 erfolgte

die Aussendung nach Tansania.

Im Jahr 1976 wurde er zum Abt der Abtei

Ndanda gewählt. 2001 gab er aus

gesundheitlichen Gründen sein Amt an

seinen Nachfolger, Abt Dionys Lindenmaier,

ab.

Die Abtei Ndanda liegt am Fuße des

Makondeplateaus im Südosten Tansanias.

Gegründet wurde die Gemeinschaft

1906 und feierte im Jahr 2006 folglich

ihr 100jähriges Gründungsjubiläum. Im

Jahre 1931 wurde das Kloster zur Abtei

erhoben. Derzeit leben ca. 80 Mönche in

Ndanda. Zu den Aufgaben gehören die

Seelsorge in verschiedenen Pfarreien der

Diözese Mtwara, das Bildungshaus Zakeo,

ein Krankenhaus mit 300 Betten, eine Sekundarschule,

zahlreiche Lehrwerkstätten

mit Internat sowie eine Farm.

Es war der Wendepunkt in meinem Leben:

Ich war damals 15 Jahre alt, ein Bauernjunge

in einem fränkischen Dorf. Afrika interessierte

mich, aber eher als Jäger oder

Farmer, denn ich hatte in der Schule Bücher

über die deutschen Kolonien gelesen. Als

der Pfarrer in der Kirche verkündete, dass

in Münsterschwarzach eine Schule eröffnet

sei, sagte ich meinem Vater, das könnte

ich doch auch mal versuchen. Mein Vater

redete mit dem Pfarrer und zwei Wochen

später brachte er mich mit einer alten

Pferdekutsche nach Münsterschwarzach.

Es war am 1. Mai 1946.

In Münsterschwarzach war das Haus voller

junger Burschen. Schnell war der alte

Holzkoffer im Schlafsaal verstaut, der

Strohsack in der Scheune gefüllt, der Platz

im Schlafsaal und bei Tisch angewiesen.

Vater fuhr nach Hause und wir spielten am

Nachmittag Fußball. Da wurden Namen

ausgetauscht und erste Bekanntschaften

geschlossen. Am nächsten Morgen begann

die Schule. Es ging sofort ins Geschirr, denn

wir hatten nur drei Monate für die erste

Klasse. Die Patres Basilius und Regens

Hubert haben uns nichts geschenkt, aber

P. Alfons, der Mathelehrer hatte stets ein

gutes Wort. Inzwischen lernten wir das

Kloster kennen. Die feierliche Liturgie war

beeindruckend. Besonders angetan hatten

es mir allerdings der riesige Kuhstall und

die mächtigen Landmaschinen. Im September

1948 siedelten wir nach St. Benedikt in

Würzburg über und im Juni 1952 machten

wir Abitur.

Den Blick geweitet

Im September begannen wir zu zwölft das

Noviziat. Das anschließende Studium der

Philosophie in St. Ottilien brachte uns nicht

nur eine neue Welt des Wissens, sondern

weitete auch den Blick für andere Möglichkeiten,

den Klosteralltag zu gestalten.

Zur Theologie kehrten wir ins Kolleg nach

Würzburg zurück. Dort erschloss uns die

Universität wiederum ein Stück neue Welt.

Es war die Zeit kurz vor dem Konzil. Wir hatten

gute, aufgeschlossene Lehrer wie die

Professoren Schnackenburg, Fleckenstein

oder Auer, vor allem auch so manchen

Kontakt in missionarischen Arbeitskreisen

mit Mitstudenten und -studentinnen aus

aller Welt. Es waren anregende Stunden,

manchmal auch aufregend. Die Welt und

auch die Mission gewann Weite und Tiefe.

So kam die ewige Profess 1956, acht der

ehemals zwölf Novizen waren noch dabei.

Die Priesterweihe im Juli 1958 und vor

allem die Primiz im Heimatdorf waren

Festtage. Ich hatte nur eine Angst: möglicherweise

müsse ich Mathematik studieren

und käme nicht in die Mission. Und


und es hat sich gelohnt

Abt Siegfried ist seit 54 Jahren Mönch und seit

1962 in der ostafrikanischen Abtei Ndanda tätig.

…als Pfarrer von Nangoo Abt Siegfried bei Papst Johannes Paul II… und schreibt an der Abteigeschichte von Ndanda

ich wollte doch nach Afrika. Es klappte.

Freilich verlangte Abt Burkard, zuvor sollte

ich noch Missionswissenschaft studieren

und den Doktortitel erwerben. Auch das

klappte und im März 1962 ging die Fahrt

per Schiff nach Tansania.

Es waren wundervolle Wochen. Ich hätte

gerne die Feier der Unabhängigkeit in

Daressalam miterlebt. Dazu kamen wir zu

spät, aber man spürte noch überall den nationalen

Aufbruch. „Uhuru“ (Freiheit) riefen

uns die Leute entgegen. Auch als mich

Br. Einhard im rappelnden Landrover vom

Flugplatz in Lindi nach Ndanda brachte,

ballten die Schulkinder am Straßenrand die

Faust und riefen „Uhuru, Uhuru!“ Knurrend

bemerkte der kantige Bruder hinter dem

Steuer: „Naja, lass sie nur kommen. Zwölf

Gewehre haben wir, und wenn es sein

muss, schießen wir uns schon durch über

das Makonde nach Mozambique“. Ganz

anders die Stimmung in Ndanda selbst:

Hunderte von Schulkindern säumten die

Straße, klatschten, sangen, trällerten, und

begleiteten uns mit „Großer Gott, wir loben

dich“ in die große Bischofskirche.

„Erzähl’ uns was von Jesus“

Nach dem Abendessen fragte der Bischof,

ob ich schon Exerzitien gemacht hätte. Als

ich verneinte, sagte er kurz. „Gut, in drei

Wochen sind welche und Sie sind der Exerzitienmeister“.

Ich war schockiert, hatte

ich doch noch nie Exerzitien gegeben. Der

Bischof aber insistierte. „Sie sind doch Doktor,

das können Sie“. Ich ging zu Br. Einhard.

Was soll ich denn machen? „Ach, erzähl’

uns was von Jesus, was er gelebt und was er

gelehrt hat. Das tut uns gut“. Ich tat’s – und

es ging gut. Danach erhielt ich meine erste

Stelle als Kaplan in Nanyamba auf dem

Makondeplateau, fast am Ende der Welt.

Ich sah und lernte viel. Bald gab es eine

Jagd auf vier Löwen, die ein Schulmädchen

vom Feuer weggeholt und gefressen hatten.

P. Ulrich machte mir Mut und so nahm

ich das Hausgewehr und fuhr in den Busch.

Es war ein Erlebnis, obwohl ich selbst

keinen Schuss abgegeben hatte. Einige

Wochen darauf kam spät am Abend der

Generalvikar. Ein Pater wurde gesucht als

Helfer für P. Alkuin, der neue katechetische

Lehrbücher für die Volksschulen im ganzen

Land herstellen sollte. Ich verstand nicht

viel davon, aber ich lernte dazu und mit

Hilfe einiger Mitbrüder und einem holländischen

Spiritaner-Missionar entstand eine

gute Serie biblisch-liturgischer Katechesen,

die auch heute noch in den Volksschulen

benutzt werden.

Mit dem VW-Käfer durch den

Busch

Und wieder gab es eine Wende. Im Juni

1967 holte ich mir im Busch schweren Typhus.

Es ging knapp am Grab vorbei, das

Herz war angeknackst und ich musste nach

Europa. Langsam ging es aufwärts, und als

ich meinem Doktorvater, Professor Glazig,

von unserer katechetischen Arbeit erzählte,

war er begeistert. Da ich mich für die Universität

habilitieren sollte, schlug er mir vor,

die Erarbeitung katechetischer Lehrbücher

in Afrika zum Thema zu machen. Ehe ich

mich versah, hatte er mir ein Stipendium

der Deutschen Forschungsgemeinschaft

besorgt. Von Missio München erhielt ich

einen VW-Käfer, und schon war ich wieder

auf dem Schiff nach Afrika. Mein Auftrag

lautete: Zeige, wie man in Afrika gute, zeitgemäße

Lehrbücher für den katechetischen

Unterricht erarbeitet. Drei Jahre lang fuhr

ich durch den Busch, von Mission zu Mission,

und fand eine Menge hoch interessanter

Berichte, aufgeweckte Katecheten und Priester

aus aller Herren Länder, und so manch

erstaunliches Lehrbuch aus früher Zeit.


Z u m T h e m a


Abtei Ndanda mit Hospital und Dorf

Ende 1969 hatte ich meinen Stoff weitgehend

beisammen und wollte ernsthaft

mit dem Schreiben beginnen. Aber da kam

wieder Abt-Bischof Viktor dazwischen. Er

brauche einen neuen Prior in Ndanda, und

nachdem ich inzwischen so viel gesehen

und gelernt hätte, wäre ich wohl der rechte

Mann dafür. Ich sagte Ja. Am Abend blieben

doch noch viele Stunden zum Nachdenken

und zum Schreiben. So wuchsen

aus dem Berg von gesammeltem Material

allmählich die „Wege christlicher Verkündigung“.

1973 reichte ich das Manuskript

bei den Professoren Willeke und Zerfass

in Würzburg ein. Nach einigem Gerangel

wurde es angenommen und Anfang 1974

folgten die mündlichen Prüfungen. Auch

diese gingen gut vorüber und man machte

mir Hoffnung, Ende 1975 als Nachfolger

von Erzabt Suso Brechter den Lehrstuhl Missionswissenschaft

in München zu erhalten.

Doch dann kam wiederum alles anders: Am

23. September 1975 wurde Abtbischof Viktor

in Österreich von einem Auto überfahren

und starb eine Woche später. Es war ein

schwerer Schlag für Ndanda. Die Wahl zum

neuen Abt änderte mein Leben noch einmal.

Ich sollte es machen, entschieden die

Mitbrüder. Nimmst du an? In Gottes Namen,

Ja! Damit begann wieder ein neuer

Abschnitt. Ich glaubte an die Zukunft von

Ndanda und war überzeugt, dass die junge

afrikanische Kirche mitten in unserem

islamischen Umfeld noch auf Jahre hinaus

unsere Unterstützung nötig hatte. Aber wie

das auf längere Sicht geschehen konnte,

das musste sich erst finden. Zunächst fuhren

wir fort mit unseren bisherigen Aufgaben

in den Pfarreien, Werkstätten, im Hospital

und in der Druckerei. Die Aufnahme

junger Afrikaner in unsere Gemeinschaft

war noch kein aktuelles Thema.

Das änderte sich Anfang der 80er Jahre.

Die Frage war: Wollen wir Ndanda aussterben

lassen oder sollen wir den Versuch

wagen, junge Afrikaner in unsere Gemeinschaft

zu integrieren? Die Ansichten waren

sehr geteilt. Über Jahre diskutierten wir.

Schließlich musste entschieden werden:

Ja oder Nein. 90 Prozent votierten für Integration.

Damit war der Weg klar. Bald

meldeten sich eine ganze Reihe von Kandidaten,

und in P. Thomas Estermann, P. Hildebert

Walter und P. Dionys Lindenmaier

fanden sich zudem drei Mitbrüder, die mit

großer Liebe und Geschick die Erziehung

dieser Kandidaten in die Hand nahmen.

Es war gewiss nicht leicht. Immer wieder

gab es Enttäuschungen, aber eine ganze

Reihe wuchs offensichtlich in ihre Berufung

hinein. 1990 legten die ersten von

ihnen ihre Gelübde ab. Heute sind es nicht

weniger als 34, die sich durch zeitliche oder


Festlicher Gottesdienst in der Abteikirche Ndanda

ewige Profess unserem Kloster angeschlossen

haben.

Zuversicht

Nun war es auch sinnvoll, die Abtei weiter

auszubauen: Die Wasserversorgung,

das Elektrowerk, die Kläranlage, die Druckerei,

das Hospital, das geistliche Bildungszentrum,

verschiedene Werkstätten,

die Handwerkerschule, den Viehstall. Ein

großer Schock war die Flut von 1990, die

weithin das Land verwüstete und auch

die Zukunft der Abtei ernsthaft in Frage

stellte. Aber schließlich gewann auch da

die Zuversicht die Oberhand. So wagten

wir es sogar, unsere Abteikirche gemäß

den Erfordernissen des Zweiten Vatikanischen

Konzils zu erneuern. Br. Andreas

leitete die Bauarbeiten, P. Polykarp schuf

für die Apsis ein wunderschönes Gemälde

des thronenden Christus. Inzwischen

hatte uns Schwester Barbara Ruckert aus

Tutzing in enger Zusammenarbeit mit P.

Severin für unser Chorgebet die nötigen

Texte und Melodien erarbeitet. So war das

Fundament geschaffen für eine gesunde

benediktinische Gemeinschaft inmitten der

afrikanischen Kirche.

Für mich aber war die Zeit gekommen,

nochmals einen entscheidenden Schritt zu

tun. Ich war 70 Jahre alt, mehr als 25 Jahre

im Amt und gesundheitlich angeschlagen.

So bat ich im November 2001 unseren Erzabt

Jeremias, mich von meiner Aufgabe als

Abt zu entbinden. Er tat es, und im Februar

2002 wählte die Gemeinschaft P. Dionys

Lindenmaier zu meinem Nachfolger. Ich

möchte, soweit es mir meine Gesundheit

erlaubt, bei der Formung unserer Klosterjugend

mitarbeiten. Weiterhin arbeite ich

in der Hospitalverwaltung und schreibe an

der Geschichte unserer Abtei.

Bei der Abtsweihe von Abt Dionys: Abt Siegfried,

Abt Dionys, Bischof Gabriel Mmole


Z u m T h e m a


Mit 95 in Pension

Das Leben der Sr. Lia Schwarzmüller OSB

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder…“

„Ich war krank und ihr habt mich besucht…“

von Br. Zacharias Heyes OSB

HINTERGRUND

Sr. Lia Schwarzmüller OSB wurde im Jahre

1912 in Geltolfing geboren. 1932 trat sie

bei den Missionsbenediktinerinnen von

Tutzing ein und ist seit 1949 in der Missionsarbeit

des Priorats in Ndanda/Tansania

tätig. Vor allem widmete sie sich 56

Jahre der treuen Fürsorge der vielen Leprakranken

im Dorf Mwena bei Ndanda.

Das Priorat Ndanda liegt in der unmittelbaren

Nachbarschaft der Abtei Ndanda.

Zur Zeit zählt die Gemeinschaft 35 Schwestern.

Die Hauptaufgabe der Schwestern

besteht in der Gesundheitsfürsorge, insbesondere

die Mitarbeit im Hospital mit

ca. 300 Betten, der Sorge für die Malariaund

Aidspatienten, Kinder und Frauen in

Außenkliniken, in der Sozial- und Pastoralarbeit

in den umliegenden Dörfern, in

der Erziehungs- und Bildungsarbeit sowie

der Ausbildung junger Schwestern für das

Ordensleben.

Der Himmel machte gut mit am 1. März

2007. Wir hatten zwar Regenzeit und am

Morgen gab es aus dem verhangenen

Himmel sogar einige Tropfen. Als dann

aber kurz nach 9 Uhr die Abschiedsfeier

von Sr. Lia Schwarzmüller begann, schien

die Sonne. Der Himmel gab seinen Segen

dazu. Die Feier begann mit einer Messe,

geleitet von Diözesanbischof Gabriel Mmole.

Insgesamt waren es gut 300 Leute, die

nach Mwena gekommen waren – zu einem

denkwürdigen Ereignis.

Mit 95 Jahren erst in den Ruhestand gehen

– wie hält man so lange durch? „Ich

durfte das Wunder erleben: Lepra ist heilbar.

Ein Wunder, für das wir Gott nicht

genug danken können“, schreibt Sr. Lia.

56 Jahre lang hat sie sich für Leprakranke

eingesetzt, hat Bittbriefe geschrieben,

Spenden gesammelt, Kranke versorgt. Sie

ist weit über Ndanda hinaus bekannt geworden

dadurch. Jeder, der sie sieht, ist

beeindruckt, wie sie aufrecht – gleich einer

Königin – daherschreitet: Voller Güte und

Liebe, und mit beiden Beinen voll auf dem

Boden.

Geboren am 1. März 1912 als fünftes Kind

in Geltolfing, Diözese Regensburg, zeigte

sie schon früh ihre Liebe zum Gebet und

ihr Interesse an Büchern. Sie machte sich

Sorgen um die vielen Menschen, die nicht

lesen und schreiben konnten und die von

Christus noch nichts gehört hatten. Das

war auch der Grund dafür, dass sie 1930

nach London ging, um dort das Lehrer-Diplom

zu erwerben. Diese junge Frau war

nicht darauf aus, Geld und Besitz zu erwerben,

hatte auch nicht im Sinn, einen hohen

Posten zu erreichen. Ihr einziges Ziel war:

Jesus Christus nachzufolgen, dessen Liebe

sie in ihrem Herzen entdeckt hatte.

So trat sie 1932 bei den Missionsbenediktinerinnen

in Tutzing ein. 1937 wurde sie

zu verschiedenen Arbeiten nach London

geschickt. Dort legte sie auch ihre ewigen

Gelübde ab. Auf Grund des Krieges konnte

sie nicht nach Deutschland zurückkehren.

1949 wurde sie nach Ndanda gesandt.

Hier arbeitete sie für kurze Zeit im Hospital.

Dann unterrichtete sie in der Sekundarschule

Englisch. Im November 1951

änderte sich ihr Arbeitsfeld total. Sr. Ermelinda

Morrisey, die sich bis dahin um die Leprakranken

gekümmert hatte, war plötzlich

gestorben. Wer könnte diese wichtige Aufgabe

weiterführen? Die Oberen entschieden

sich für Sr. Lia. – Sr. Lia wurde nicht

gefragt, ob sie bereit wäre, diese Arbeit zu

übernehmen. Sie aber erkannte in dieser

Wahl den Willen Gottes, übernahm die Arbeit

– 56 Jahre lang.

Als Sr. Lia diese Arbeit antrat, war die

Zahl der Leprakranken sehr hoch. Über

600 Kranke waren hier in Mwena untergebracht,

darunter über 150 Schulkinder.

Sr. Lia bildete Helferinnen und Helfer aus.


Mit Leprakranken im Dorf Mwena

Sr. Lia erhält von Prinz Charles den „Order of the

British Empire“

Sr. Lia an ihrem 95. Geburtstag

Außerdem brauchte sie Hilfe von außen.

Deshalb wandte sich Sr. Lia an das Deutsche

Aussätzigen-Hilfs-Werk in Würzburg

(DAHW). Das DAHW finanzierte den Bau

der vielen Gebäude, die von 1960 bis 1966

hier errichtet worden sind, und zwar mit einer

Gruppe von Facharbeitern aus Deutschland.

All diese Gebäude sind auch heute

noch in einem guten Zustand.

Wegen ihrer aufopfernden Tätigkeit fand

Sr. Lia große Anerkennung. Im Jahr 2001

erhielt sie in London sogar den „Order of

the British Empire“ für 50 Jahre ausgezeichneten

Dienst an den Leprakranken,

überreicht von Prince Charles. Obwohl Sr.

Lia so viele Ehrungen erhielt, stieg ihr dies

nie zu Kopfe. Ihr Leben galt den Kranken

und Armen. Im täglichen Dienst an ihnen

diente sie Jesus, dem Herrn ihres Lebens.

Sie diente ihm aber nicht nur an diesen

Menschen, sie verweilte stundenlang vor

dem Tabernakel, auch nachts. Da schöpfte

sie die Kraft, den Kranken Tag für Tag in

Freude zu dienen.

Sr. Lia schrieb Tausende von Briefen, nicht

mit der Schreibmaschine oder mit dem

Computer, nein, mit der Hand. Sie pflegte

zu sagen: Ich habe drei „H“s: mein Hirn,

mein Herz und meine Hand. Es geht in

meinem Hirn an, geht durch mein Herz und

dann in meine Hand, mit der ich Leuten

helfe und Briefe schreibe. Mit ihren vielen

Wohltätern pflegte sie regen Kontakt und

alle freuten sich über ihre handgeschriebenen

Briefe, bis ins hohe Alter hinein, eine

saubere, gut leserliche Handschrift.

Sr. Lia dankt heute Gott, dass er ihr ein

so langes Leben geschenkt hat. Sie dankt

für die heutigen Möglichkeiten, Lepra zu

heilen. Nach 56 Jahren Arbeit für Schwerstkranke

hat sie vor allem dieses Bedürfnis:

zu danken.

Bei der Geburtstagsfeier am 1. März 2007


Z U m T h e m a

10

„In jeden Napf

ein Löffel Suppe“

Abtei Tokwon

Die zerstörte Pfarrkirche in der Hafenstadt Wonsan

(in der Nähe der Abtei Tokwon) durch das kommunistische

Regime.

von Johannes Mahr

HINTERGRUND

Br. Vitus Stenger OSB wurde am 17. Mai

1908 in Michelbach geboren. Seine zeitliche

Profess legte er 1927 ab und ging

als gelernter Buchbinder im Jahre 1939

nach Tokwon/Korea. Während des Koreakrieges

1949 wurde Br. Vitus verschleppt

und lebte unter extremen Bedingungen

in verschiedenen Lagern in Nordkora bis

er im Jahre 1954 über Nordkorea, China,

Russland und die ehemalige DDR nach

Deutschland heimkehren durfte. Im Jahre

1959 kehrte er jedoch in seine geliebte

Koreamission zurück, dieses Mal ins Kloster

Waegwan. Br. Vitus verstarb am 28.

April 2003.

Nach der Vertreibung der Mönche aus

den Klöstern in Yenki, Mandschurei/

China und Tokwon/Nordkorea wurde

im Süd-Westen von Südkorea 1952 das

Kloster Waegwan gegründet und 1964

zur Abtei erhoben. Mehr als 130 Mönche

gehören heute zur größten Abtei in Asien,

die vor allem in der Seelsorge, Presseapostolat

und in verschiedenen Werkstätten

(Druckerei, Schreinerei, Goldschmiede

etc.) tätig sind.

Auf die Begegnung mit Br. Vitus Stenger

an Ostern 2002 in der Abtei Waegwan

freute ich mich besonders. Er war der letzte,

der in der zerstörten Abtei Tokwon in

(Nord)Korea zwischen 1939 und 1949

noch entscheidende Jahre mit den von

den Kommunisten umgebrachten Münsterschwarzacher

Missionaren erlebt hatte, mit

Br. Petrus Gernert, dem ersten Schwarzacher

Missionar überhaupt, der schon 1909

von St. Ludwig aus nach Korea geschickt

wurde, dort die großen Bauvorhaben überwachte

(ohne das je gelernt zu haben) und

als erster im Gefangenenlager in Oksadok

am 3. Juli 1949 starb, und mit Br. Gregor

Giegerich, dem Elektromeister von Tokwon,

wie Br. Vitus seit 1939 in Korea, der vermutlich

am 4. Oktober in Pjöngjang von

den Kommunisten erschossen wurde. Br.

Petrus und Br. Gregor stehen auf der Liste

jener Märtyrer-Mönche der Ottilianer

Kongregation, für die soeben ein Seligsprechungsprozess

eingeleitet wurde.

Br. Vitus selbst musste vier lange schreckliche

Jahre ins Gefangenenlager Oksadok,

bis er, grau und still wie die anderen

Überlebenden, am 24. Januar 1954 nach

Münsterschwarzach zurückkam. Es war

eine jener Szenen, die keiner vergisst, der

sie erlebt hat. Fünf Jahre später kehrte Br.

Vitus nach Korea zurück und leitete fast

25 Jahre lang die Verlagsbuchbinderei der

Abtei Waegwan.

Er freute sich sichtbar, dass er auf seine alten

Tage noch einmal gefragt wurde nach

einer lang vergangenen Zeit, dass ihm jemand

zuhörte, wenn er von Mitbrüdern erzählte,

die er offenkundig gemocht hatte,

richtete sich mit hellen Augen auf in seinem

Rollstuhl, in dem ihn Br. Bonaventura

liebevoll herumschob – brach nach einer

Weile plötzlich ab, verlor das Ende seiner

Sätze, machte hilflose Gesten und als ihm

vollends die Worte ausgingen, begann er

zu weinen. Ich kam zu spät. Bekümmert

entschuldigte er sich am nächsten Tag,

dass die Erinnerungen nicht mehr zu formulieren

waren, aber als ich mich von ihm

verabschiedete, erhob er sich in seinem

Rollstuhl und umarmte mich so heftig er

konnte, als wolle er mit dieser Geste alles

mitteilen, was sich nicht mehr sagen ließ.

Statt nüchtern die Daten seines Lebens zu

nennen, sei nur von einer denkwürdigen

Szene berichtet, die P. Eligius Kohler aufgeschrieben

hat. Im Gefangenenlager bewahrte

man den selbst angebauten Mais,

der den Winter über reichen musste, in

einer kleinen Hütte auf. Es gab täglich so

wenig davon, dass alle ständig Hunger

hatten. Am 30. Januar 1952 holte Br. Vi-


11

Br. Vitus Stenger OSB war 75 Jahre Mönch

und über 60 Jahre in unserer Korea-Mission tätig.

Rückkehr aus dem Arbeitslager am 24.1.1954 In der Buchbinderei in Waegwan Br. Vitus an seinem Geburtstag inmitten der

Druckmaschinen

tus heimlich einen zusätzlichen Kübel von

diesem Mais und wurde erwischt. Großes

Gebrüll über den neuen Beweis, dass die

gefangenen Mönche und Nonnen Diebe,

Lügner und Hunde seien. Br. Vitus musste

in seiner Sträflingskluft trotz der barbarischen

Kälte ohne Jacke und Decke ins

„Gefängnis“. Zehn Tag lag er, ohne Essen

zu bekommen, auf den blanken Steinen.

Am 9. Februar fand ihn ein Polizist bewusstlos

und erstarrt auf dem Boden.

Die Lagerärztin Diomedes gab ihm einige

Kampferspritzen (viel mehr Medikamente

hatte sie nicht) und machte Wiederbelebungsversuche.

Br. Vitus wachte auf. Sein

Verbrechen galt als gesühnt. Er gehörte

wieder zur Gemeinschaft seiner Brüder.

Die Kirche der Abtei Wagwan

Br. Vitus als „Koreaner“ Vor dem Klostergebäude in Waegwan Br. Vitus an seinem 90. Geburtstag


Z u m T h e m a

12

„Das kam für uns

nicht in Frage“

Sr. Bertwina (unten rechts) mit Schwestern im

Norden Koreas

Feldarbeit vor dem Kloster Tokwon, Nordkorea

von Sr. Bertwina Cäsar OSB

HINTERGRUND

Sr. Bertwina Cäsar OSB ist 1914 in Theilheim

bei Schweinfurt geboren. 1936 trat

sie bei den Missionsbenediktinerinnen

von Tutzing ein, wo sie zuvor die Ausbildung

als Lehrerin erfolgreich abschloss.

Bereits ein Jahr nach dem Klostereintritt

wurde sie in die Mission nach Nordkorea

ausgesandt. Dort war sie vor allem für die

Ausbildung der jungen Schwestern verantwortlich.

Sr. Bertwina lebt noch als

einzige deutsche Missions-Benediktinerin

im Prioratshaus Taegu.

Das Priorat Taegu liegt im Südwesten

von Korea. Dort leben 323 koreanische

Schwestern im Priorat, wovon 41 Schwestern

noch in der Ordensausbildung (Noviziat/Juniorat)

sind. Die Schwestern

führen ein Krankenhaus in Taegu mit 745

Betten und ca. 1.000 MitarbeiterInnen.

Auf 33 zugehörigen Stationen arbeiten

die Schwestern in der Pastoral- und Sozialarbeit,

in Schulen und Kindergärten,

in Dorfambulanzen und der Ordensausbildung,

Exerzitienbegleitung und bei

katholischen Rundfunksendungen und

vielem mehr.

Als Paulina Caesar in Theilheim bei

Schweinfurt geboren wurde, hatte der I.

Weltkrieg gerade angefangen. Zum Zeitpunkt

ihres Eintritts bei den Missionsbenediktinerinnen

in Tutzing als Schwester Bertwina

ist Hitler an der Macht. Ihre Ewige

Profess legt die Benediktinerin während

des II. Weltkriegs in Nordkorea ab.

1949 wird sie, 35 Jahre jung, von den

dortigen Kommunisten ins Lager Oksadok

gesteckt und während des Koreakriegs gefangen

gehalten. 1954 kann sie ins Nachkriegsdeutschland

zurückkehren, vier Jahre

später ist sie wieder in Korea, diesmal im

Süden. Sie erlebt den Aufstieg eines ärmlichen,

korrupten asiatischen Staates zur

gigantischen Wirtschaftsmacht.

Ein Leben, hautnah an der Weltgeschichte.

Die Schwester aus dem unterfränkischen

Dorf hat die Höhen und Tiefen des 20.

Jahrhunderts am eigenen Leib erfahren.

Sehr christlich war diese Epoche nicht.

Schwester Bertwina dankt heute dennoch

Gott, „der mich durch dick und dünn trotz

schwacher Gesundheit getragen hat“.

Ein Leben für die Menschen in

Korea

Dieses „dick und dünn“ war ausgeprägt bei

Schwester Bertwina. Sie ist heute die letzte

Überlebende des Arbeitslagers Oksadok. 17

Patres, 22 Brüder und 20 Schwestern wurden

dort von den Kommunisten inhaftiert,

weil Religion nicht ins Weltbild passte. 17

Mitglieder des Benediktinerordens ließen

dort ihr Leben. Verhöre, Einzelhaft, Mangelernährung,

Entwürdigungen, Holzfällerarbeiten,

ständige Bedrohung durch Wachpersonal

bestimmten drei Jahre lang ihren

Alltag. Dabei hätten sie nach Deutschland

ausreisen können. Doch „das kam für uns

einfach gar nicht in Frage“, erinnert sich

die 92-Jährige heute. „Wir hatten doch unsere

Aufgaben zu erledigen.“ Die Aufgabe:

für ihren Glauben, für das Land, für die

Menschen in Korea zu leben – und notfalls

auch zu sterben.

68 Jahre ihres Lebens hat Schwester Bertwina

in Korea verbracht. „Die schlimmsten,

aber auch die schönsten“, sagt sie. Jahre,

die sie als Lehrerin, als Novizenmeisterin,

als Sozialarbeiterin, als Oberin in einem

Lungensanatorium, schließlich als Hüterin

des Kräutergartens verbracht hat. Heute

lebt sie in einem Altersheim im Prioratshaus

in Sasu-dong. Nach Deutschland wird

sie nicht mehr zurückkehren.


13

Schusterwerkstatt in Tokwon/Nordkorea

Sr. Bertwina zeigt Bilder im Klostermuseum in Taegu

aus der Zeit in Nordkorea

Bei einem Spaziergang im Klostergarten Taegu

Alles ist möglich

Schwester Bertwina hat Kriege überlebt, sie

hat Diktatoren kommen und gehen sehen,

sie hat die Teilung ihrer Heimat Deutschland

erlebt und deren Wiedervereinigung,

und sie hat die Teilung ihres zweiten Heimatlandes

Korea erlebt – die bis heute andauert.

Alles ist möglich, das Gute und das

Böse. In Nordkorea ist die Kirche bis heute

verboten, im Süden blüht das Christentum

auf, auch dank ihres Einsatzes.

Viele Uniformen sind seit 1914 blutbefleckt

ausrangiert worden. Für Sr. Bertwina war

es eine Gnade, dass sie nach den Jahren

ihrer Lagerhaft ihren Habit wieder tragen

durfte. Sie trägt ihn bis heute. Sie muss sich

nicht dafür genieren.

Gottesdienst in der Prioratskirche im Kloster Taegu


Z u m T h e m a

14

Seine Residenz bestand

Abteikirche Inkamana

Freiluft-Unterricht in Südafrika

von Johannes Mahr

HINTERGRUND

P. Patrick Mühlbauer OSB wurde 1882

in Rumersham geboren. 1895 trat er ins

Seminar St. Ottilien ein und wurde im

Jahre 1913 in die Ostafrikamission entsandt.

Er war dort in einigen Missionsstationen

seelsorglich tätig. Nach dem 1.

Weltkrieg kam er für einige Jahre nach

Münsterschwarzach zurück und versah

die Pfarrseelsorge in Münsterschwarzach,

Gerlachshausen und Dimbach. 1926

wurde er wieder ausgesandt. Dieses Mal

nach Südafrika, um sich über das dortige

Schulwesen zu informieren, um später in

der Abtei Ndanda/Tansania als Leiter

des Lehrerseminars zu wirken. Nach dem

2. Weltkrieg musste er wieder nach Münsterschwarzach

zurück. 1949 brach P. Patrick

zum dritten Mal in die Mission auf,

um bis zu seinem Lebensende in Südafrika

auf verschiedenen Missionsstationen als

Seelsorger zu wirken. Er verstarb am 27.

Januar 1975 in Inkamana/Südafrika.

Die Abtei Inkamana liegt im Norden der

Provinz KwaZulu-Natal, ca. 400 km von

Johannesburg entfernt. Die Gemeinschaft

wurde 1922 gegründet und im Jahr 1982

zur Abtei erhoben. In Inkamana leben

gegenwärtig 20 Patres, von denen 15

aus Deutschland/USA kommen. Weiterhin

leben 18 Brüder, von denen 4 aus

Deutschland kommen. Die Mitbrüder

sind vor allem in der Pfarrseelsorge tätig

und leiten die Inkamana-High-School,

mit Internat, die zu den besten Schulen

in Südafrika zählt. Weiterhin unterhält

die Abtei einige Werkstätten sowie eine

Farm.

P. Patrick Mühlbauer wusste, dass er 1931

auf der Vorschlagsliste für das Amt des

ersten Abtbischofs von Ndanda stand und

wurde entsetzlich wütend, als er von der

Ernennung P. Joachim Ammanns erfuhr. Er

suchte sich eine Gegend, die missionarisch

bisher kaum erschlossen war, gründete im

Bergland von Makonde die Station Kitangali

– auf der ersten Seite der von ihm

angelegten Stations-Annalen gibt es eine

Passage von acht Zeilen, die sorgfältig

wieder unlesbar gemacht ist. Jahre später

schrieb er, mild geworden, wie dankbar er

sei, dass das Amt an ihm vorüber gegangen

war. Denn er war vor allem Seelsorger.

Unermüdlich. In den unterschiedlichsten

Positionen und Sprachen. Noch als Achtzigjähriger

betreute er als Einzelkämpfer

eine Station im Zululand, wo er schlíeßlich

mit 93 Jahren starb.

Münsterschwarzacher

Urgestein

Er gehört zum Urgestein der Münsterschwarzacher

Missionsgeschichte, und

die 400 Seiten seiner Memoiren sind ein

bis heute ungehobener Schatz. P. Patrick

machte 1904 noch in St. Ottilien Profess,

musste sofort nach der Priesterweihe als

Präfekt in die fränkische Neugründung

St. Ludwig und betont später, er habe es

schon damals abgelehnt, kleine Jungen zu

verprügeln. Im Oktober 1913, noch vor der

Errichtung der Abtei, erhielt er die Sendung

nach Ostafrika. Bereits 1920, als die Engländer

die deutsche Kolonie erobert hatten,

war dieser erste Einsatz beendet. Drei Jahre

betreute er nun fränkische Dorfkirchen.

Drei weitere Jahre versuchte er vergeblich,

in Irland eine Nachschub-Basis für das englische

Kolonialgebiet zu schaffen.

1926 durfte er endlich nach Ostafrika

zurück. Zu Fuß machte er die 600 Kilometer

lange Safari ins Landesinnere nach

Peramiho. Als er ankam, wurde er sofort

zurückbeordert. Nach dem Tod eines Mitbruders

brauchte die Schule in Ndanda

wieder einen Leiter. 1931 begann er in

sicherer Entfernung vom neuen Bischof in

Ndanda in zwei winzigen Grashütten und

sechs Stunden von der nächsten Wasserstelle

entfernt mit der Mission beim Stamm


15

aus ein paar Hütten

im Eingeborenen-Stil

P. Cajus OFM mit P. Patrick OSB Dorfidylle bei Nongoma Berge im Zululand

der Makonde. Als dort einige Jahre später

Kirche und Wohnhaus standen, begann

wieder der Krieg. Der anglikanische Pastor

der Nachbarstation sammelte die Jagdwaffen

der Deutschen ein und fand im Schrank

des Stationsbruders „Ansichtspostkarten

aus dem Nazireich“, wie P. Patrick erzählt.

Die Folge war ein Internierungslager im

Norden der Kolonie und erneut das Ende

der Seelsorgearbeit. Dass er nie wieder in

sein geliebtes Makondeland zurückkehren

würde, ahnte er noch nicht.

Vom Krieg gezeichnet

Nach Deutschland entlassen, ging er erschüttert

durch die kriegszerstörten Städte

und fühlte sich fremd in dem seit seiner

Abreise im Jahr 1926 völlig veränderten

Konvent von Münsterschwarzach. Weil er

nicht mehr in die englische Kolonie zurück

durfte, lernte er auf seine alten Tage die

schwierige Sprache der Zulus, brach nach

Südafrika auf und betreute Gemeinden in

Mbongolwane, Eshowe und Mtunzini. Mit

93 Jahren erlebte er noch sein 70jähriges

Priesterjubiläum, ehe er im Altersheim der

Station Nongoma starb.

Abtei Inkamana


Z u m T h e m a

16

„Wir hatten

einen Auftrag“

Abteikirche Peramiho, mit Dachstuhl

von Br. Nonnosus

Br. Nonnosus in seiner Mühle

von Thomas Gampl

HINTERGRUND

Bruder Nonnosus Bleicher feierte im Jahr

2006 sein 75. Professjubiläum. Geboren

wurde der Jubilar am 9. Dezember 1912

in Erpfting bei Landsberg. Am 12. Oktober

1931 legte er in der Abteikirche von

St. Ottilien die ersten Gelübde ab. Knapp

fünf Jahre später wurde er nach Afrika

ausgesandt. Er lebte in der Abtei Peramiho

im Süden von Tansania und verstarb

am 27. Februar 2007 in Peramiho.

Die Abtei Peramiho liegt im Südwesten

Tansanias in der Nähe des Nyassa-Sees

am Dreiländereck zwischen Malawi, Mosambik

und Tansania. Die Gemeinschaft

von Peramiho gehört zu den ältesten Abteien

der Kongregation von St. Ottilien.

1898 gründeten die Missionsbenediktiner

hier eine erste Station. 1993 wurde das

Kloster zur Abtei erhoben. Derzeit leben

in Peramiho 71 Mönche. Außerdem unterhält

das Kloster ein Krankenhaus mit

rund 500 Betten, zwei Schulen und eine

Druckerei. Auch eine große Farm und zahlreiche

Werkstätten gehören zur Abtei.

Peramiho. Langsam, Schritt für Schritt,

müht sich Bruder Nonnosus Bleicher die

schmale, hölzerne Treppe hinauf. Die linke

Hand liegt auf dem Geländer, die rechte

führt den Stock. Tag für Tag geht er über

diese Stufen. Hier, im Süden Tansanias, in

der Mühle der Abtei Peramiho, hat er seinen

Platz. Im ersten Stock liegt sein Büro.

96 Jahre ist Bruder Nonnosus inzwischen

alt, der älteste Mönch von Peramiho und

der letzte von denen, die einst die mächtige

Abteikirche errichtet haben. Er hat gesehen,

wie damals die gewaltigen Mauern

emporwuchsen und das Dach aufgesetzt

wurde. „Den Dachstuhl habe ich gemacht;

zusammen mit meinen Schreinern aus Namabengo.“

1944 war das. Bruder Nonnosus

war damals schon acht Jahre im Land.

Ein Kindheitstraum

1936 hat er in Genua sein Schiff bestiegen.

In Mombasa betrat er afrikanischen Boden.

Ein Kindheitstraum ging in Erfüllung. Lange

bevor er 1931 in St. Ottilien die Gelübde

ablegte, wollte er Missionar werden. „Wir

haben alle gehofft, Missionar werden zu

dürfen. Das ist doch ganz klar. Das will

jeder, der bei den Missionsbenediktinern

eintritt.“ Keiner von ihnen habe damals

damit gerechnet, je nach Deutschland zurückzukehren.

So war das eben. Er habe

noch einmal für zwei Wochen die Familie in

Erpfting bei Landsberg besucht, um sich zu

verabschieden. Und dann ging er los.

In der Station Namabengo bei Peramiho

fand Bruder Nonnosus seine erste Aufgabe

als Schreiner und Zimmermann. Ein hartes

Leben? „Ach“, sagt Nonnosus und winkt

ab: „Als wir kamen, war doch vieles schon

nicht mehr so schlimm.“ Von den ersten

Missionaren waren viele schon nach wenigen

Jahren gestorben. Hitze, schlechte

Ernährung und vor allem die Malaria forderten

zahlreiche Opfer. In den 30er Jahren

war das Leben auf den größer werdenden

Missionsstationen nicht mehr so gefährlich.

Aber Strom und fließend Wasser gab

es natürlich auch damals noch nicht. „Das

Wasser musste vom Bach gebracht werden“,

erinnert sich Bruder Nonnosus.

Behutsam rückt der 96-Jährige seinen

Stuhl zurecht und setzt sich langsam hin.

Das Erinnern fällt ihm schwer. Die Antworten

kommen zögernd, als müsse er sie in

weiter Ferne aus dem Nebel fischen. Wenn

schließlich doch eines der Bilder von damals

in der Erinnerung auftaucht, dann

hellt sich sein Gesicht auf. „Ach ja,“ sagt er

und lächelt: „Erzabt Norbert Weber!“


17

Bruder Nonnosus Bleicher war 75 Jahre Mönch

und sein ganzes Leben im Einsatz für die Peramihomission/Tansania.

Mehl, die Frucht der Arbeit

„Behutsam rückt der 96-jährige seinen Stuhl

zurecht…“

Beim Chorgebet in der Abteikirche

In Litembo hat Bruder Nonnosus den ersten

Erzabt von St. Ottilien noch persönlich

getroffen. „Ein ganz feiner Mensch.“

Wieder kommen die Bilder: „Ich war in der

Schmiede, als er hereinkam und sagte: Das

kann ich doch machen. Du hast doch so

viel Arbeit.“ Noch heute, kann sich der 96-

Jährige über diese Szene wundern: „Der

hat mir das abgenommen! Der hat geschmiedet!“

Und wie war das Leben sonst in dieser Zeit?

Er weiß es gar nicht mehr genau. Nur eines,

dass er gebaut hat, sein Leben lang: in Peramiho

die Kirche, in Litembo ein Bildungshaus,

in Songea ein Lehrerseminar. „Später

bin ich nach Kenia gekommen.“ Er sagte

„gekommen“, nicht „gegangen“. Auch in

Kenia habe er Häuser gebaut. Wie viele?

Wieder lächelt Bruder Nonnosus leise und

bescheiden: „Ach, das weiß ich wirklich

nicht. Ist das wichtig?“

Manchmal, so sagt er, sei er schon müde

geworden. Da wurde alles zuviel. Die Menschen

in Afrika hatten ja keine Fachausbildung.

„Die konnten keinen Hobel schleifen,

gar nichts.“ Aber bitte: „Mit Schwierigkeiten

rechnet man ja“. Das hat ihn weder überrascht,

noch aus der Bahn geworfen.

Überhaupt: Bruder Nonnosus ist keiner, der

viel Aufhebens um die Dinge macht, keiner,

der in der Vergangenheit lebt. Er arbeitet.

Auch heute noch. „Langeweile hatte ich

nie. Es gab ja immer etwas zu tun.“ Und

wenn auch anderen seine 70 Afrika-Jahre

lang vorkommen mögen, er selbst findet,

dass die Zeit schnell vorbeigeflogen ist.

Verkündigung des Evangeliums

Benediktinerabtei Peramiho

Ob es wohl schöne Zeiten waren? Hat es

ihm gefallen? Die Frage scheint dem alten

Missionar unverständlich: „Gefallen? So

würde ich das nicht ausdrücken.“ Denn: Darum

geht es ja gar nicht. Wichtig war immer

etwas ganz anderes: „Wir hatten einen Auftrag!“

Es ging um nichts weniger als „die

Verkündigung des Evangeliums unter jenen

Menschen und Völkern, die Christus noch

nicht kennen.“ So steht es in den Konstitutionen

der Missionsbenediktiner. Bruder

Nonnosus Bleicher hat ein ganzes Missionarsleben

für diesen Auftrag gegeben.

Heute sind weite Teile Tansanias christlich

geprägt. Und überall im Land erheben

sich mächtige Kirchen, weitläufige Benediktinerschulen

und respektable Priesterseminare.

An unzähligen dieser Gebäude

hat Bruder Nonnosus selbst gearbeitet. Ein

ganzes Leben lang.


I n t e r v i e w

18

„Welche Wohltat,

aufrecht zu gehen,

Br. Martin Lehr OSB war fast 70 Jahre Mönch und

Abtei San José in Caracas

Br. Martin (rechts) als Koch in Maracay…

von Johannes Mahr

HINTERGRUND

Bruder Martin Lehr wurde im Jahre 1912

in Mainz geboren. Im Jahre 1934 legte

er in der Notkirche von Münsterschwarzach

seine zeitliche Profess ab. Nach den

Kriegsjahren wurde er im Jahre 1947 in

die Venezuela-Mission entsandt. Dort

konnte er über 27 Jahre segensreich wirken.

Nach anstrengenden Jahren seines

missionarischen Wirkens verbrachte er

seinen Lebensabend in der Abtei Münsterschwarzach,

indem er Briefmarken

sortierte und bei der Bearbeitung der

Eingangspost behilflich war. Br. Martin

starb am 14. Dezember 2001.

Die Abtei St. Joseph wurde 1923 in Caracas,

der Hauptstadt von Venezuela

gegründet. Durch den Ausbau der Autobahn

in Caracas entschlossen sich die

Mönche im Jahre 1985, das Kloster dort

aufzugeben und ca. 150 km süd-westlich

von Caracas ein neues Kloster zu bauen.

Es wurde im Jahre 1990 bezogen.

In der Gemeinschaft leben zur Zeit 15

Mitbrüder. Dort führen die Mönche ein

spirituelles Zentrum, eine Farm sowie eine

Schreiner- und Metallwerkstatt.

Br. Martin dachte gerne mit bei dem, was

um ihn herum geschah. Das war in seiner

Generation – er wurde 1912 geboren

– unbeliebt. Er bestand nicht auf seiner

besseren Einsicht, gehörte scheinbar zu

den Stillen im Lande. Auch seine Mitbrüder

sahen ihn so. Aber er hatte sein eigenes

Verfahren, zu ertragen, was er nicht billigte.

Er schrieb es auf.

Schon im Russlandkrieg, den der gelernte

Gärtner, der 1934 Profess ablegte, von Beginn

an mitmachte, kritzelte er Zettelchen

voll. Das war verboten, der Feind hätte

daraus die deutsche Strategie erkennen

können. Wieder daheim schrieb Br. Martin

im „kleinen, dunklen (gemeinsamen)

Brüderzimmer“ seine Notizen ab. So viel

Eigenständigkeit eines Bruders war ebenfalls

nicht vorgesehen. Doch entstand ein

bewegendes Dokument über den Kriegswinter

1941/42 aus der Sicht einfacher

„Muss-Soldaten“, die bei 30 Grad Kälte

„wie Feldhasen bei einer Treibjagd“ durch

wildfremde Gegenden hetzen, während

„der Schweiß auf den Gesichtern gefriert“,

die nichts mehr zu essen bekommen, weil

die Verpflegungskompanie zurückbleibt,

schließlich 500 Kilometer zu Fuß von Lemberg

nach Polen laufen, um Züge mit der

deutschen Eisenbahnspur zu erreichen. Als

er in der „Genesungskompanie“ Verbesserungsvorschläge

machen soll, erscheint das

als Falle. Doch Br. Martin fürchtet sich nicht.

Er schreibt „allerhand zusammen“ – wohl

zu seinem Glück gibt es kein Echo. Später

sagt er trotzig: „Man sollte den kleinen

Landser über das Geschehen von höherer

Warte aus Einblick nehmen lassen. Das

gäbe neuen Mut und Durchhaltekraft.“

Unangepasst

Diese Einstellung hatte er auch, als er nach

vier Kriegsjahren und Gefangenschaft ins

Kloster zurückkam. Er verstand nie, dass

dort Priester ihm, dem Fachmann in der

Gärtnerei, nur aufgrund ihrer Weihe vorschrieben,

was er tun sollte, und war überglücklich,

als ihn Abt Burkard 1947 nach

Venezuela schickte. Auf dem Atlas sah er

nach, wo das liegt, und besorgte sich ein

spanisches Wörterbuch. Er wollte mitreden.

Dass er vor Begeisterung im Refektorium

seiner Abtei eine Abschiedsrede hielt,

schuf Ärger. Gärtner arbeiten und schweigen.

Den 24 Stunden dauernden Flug erlebte

er als großes Fest. Über der Karibik

waren durch die winzigen Fenster nur noch

Himmel, Wasser und Wolken zu sehen, so

betete er in gehobener Stimmung das ganze

Sonntagsoffizium, obwohl es Mittwoch

war. Ihr Meere und alles was in den Wassern

sich regt, lobpreiset den Herrn.


19

ohne Angst haben zu müssen“

davon 27 Jahre in Venezuela als Missionar tätig.

…und als Gärtner in Camuri Chico… …und wieder Koch in San José Br. Martin in der Missionsprokura

Münsterschwarzach

Schade, dass Br. Martin in seinem Bericht

über die Jahre in Venezuela seinem Abte

folgte und wenig Persönliches über seine

Mitbrüder sagt, denn die Geschichte der

Ottilianer Kongregation in Venezuela ist

bis heute weitgehend unbekannt. So wurde

das grandiose Alterswerk des Architekten

Br. Adalbert Modler glatt übersehen.

Und welch wunderbare Arbeit Br. Oswald

Schwarzkopf im Internat von Maracay

leistete, hat nie jemand wirklich wahrgenommen.

Br. Martin durfte in dem riesigen

Landgut in Camuri Chico zunächst seine

Kräfte als Gärtner voll einsetzen. Dann

brauchte das Internat einen Koch und die

Wahl fiel ausgerechnet auf ihn. Er war unglücklich,

aber er gehorchte. Neun Jahre

versah er den ungeliebten Dienst, dann

riss er aus und ging mit einem anderen

Ausreißer, P. Alto, auf eine Hazienda, in der

ein neues Kloster entstehen konnte. Aus

der Wildnis sollte Kulturlandschaft werden.

Da war Br. Martin in seinem Element. Ein

Mitbruder wunderte sich: „So hart arbeiten

wie du könnte ich nicht.“ Aber es half

nichts. Die Leitung der Kongregation gab

das Projekt auf. Br. Martin musste zurück

nach Caracas und konnte sich nicht mehr

einfügen. Er verlor sein „inneres Gleichgewicht“,

wie er sagte. „Ich lungerte herum,

lustlos.“

Was man gern tut

Erst als er wieder in den Garten durfte, um

erfolgreich Hühner und Bienen zu betreuen,

lebte er auf – und war dem Nervenzusammenbruch

nahe, als er wieder in die

Küche sollte. Ein Angestellter führte dann

den Garten und die Hühnerfarm in die

roten Zahlen, da brachte ausgerechnet Br.

Martin, dem keiner mehr etwas zutraute,

Abtei San José mitten in Caracas, der Hauptstadt von Venezuela

wieder Erfolg. 23 Jahre verbrachte er in

Venezuela. Nach einem Heimaturlaub im

Sommer 1974 ging er trotz Fernweh nicht

mehr zurück. Still, zurückgezogen, immer

zuverlässig half er in der Missionsprokura.

In seinen Lebenserinnerungen war ihm

für einen Mann seiner Generation ein Satz

wichtig: „Dinge, die einem liegen, tut man

auch gern. Darauf achtet man heute mehr

bei der Führung“.


P r o j e k t

20

Innerlich Ja sagen

Br. Cornelius Hell ist fast 70 Jahre Mönch

der Abtei Münsterschwarzach

Br. Cornelius als Verwundeter im Lazarett

Im Hintergrund: Br. Cornelius als Mitgründer des

Kindergartens St. Felizitas, Münsterschwarzach

von Br. Cornelius Hell OSB

HINTERGRUND

Br. Cornelius wurde 1920 in Großlangheim

geboren. 1938 trat er nach einer

Zimmererlehre im Lehrlingsseminar in

die Abtei ein. Nach dem 2. Weltkrieg, in

dem er schwer verwundet wurde, bekam

er ein neues Aufgabengebiet in der Abtei,

die Klosterverwaltung. Hier wirkte er mit

großem Engagement über 60 Jahre lang,

vor allem durch sein umfangreiches Fachwissen

im Sozialversicherungsrecht und

in der Personalführung. Br. Cornelius war

Mitglied des Seniorats der Abtei und des

Gemeinderates von Markt Schwarzach.

Je älter ich werde, desto klarer wird mir, dass

ich den Glauben nicht erwerben oder durch

Leistung mir „erkaufen“ kann, sondern

dass er ein reines Geschenk – Gnade ist.

Was ich in der Kindheit durch christliche

Eltern, Pfarrer, Lehrer, Erzieher als selbstverständlich

angenommen habe, wurde

in den Jugendjahren oft in Frage gestellt

durch die Beeinflussung der Nazis, die alles

versuchten, mich von der Kirche zu entfernen.

Als Glück darf ich betrachten, dass ich mit

15 Jahren in das Lehrlingsheim der Abtei

Münsterschwarzach eintreten durfte. Der

Kriegsdienst, zu dem ich mit knapp 20 Jahren

herangezogen wurde, stellte den Glauben

auf harte Proben. Immer wieder fragte

ich mich, soll ich mich vom Strom treiben

lassen oder gegen den Strom schwimmen.

Vorgesetzte und Kameraden erkannten

bald, dass ich anders gesinnt war und auf

diesem Standpunkt beharrte, auch wenn

ich lächerlich gemacht wurde oder Nachteile

erleiden musste.

In meiner Seele war ich oft einsam.

Verwundung und Sinnfrage

Die Verwundung vor Moskau durch Panzergranaten

am frühen Morgen des Ostersonntags

1942 brachte eine totale Änderung in

meinem Leben. Ich konnte und wollte die

Behinderungen – 90 Prozent erwerbsgemindert

– nicht annehmen. In den über

vier Jahren Lazarettaufenthalt haderte ich

mit Gott, fragte oft nach dem „Warum“

und fand keinen Sinn des Lebens. In dieser

Krisenzeit, in der ich von der Ordensgemeinschaft

austreten wollte, kam ich trotz

der Verwundung und starken Behinderung

in Kriegsgefangenschaft. Hier ging es mir

sehr, sehr schlecht. Nach langen harten

Monaten erkannte ich, dass mein Leben

nicht sinnlos ist, dass Gott mit mir einen

Plan hat. Ich wurde sehr krank, kam in

das Lazarett, wurde operiert (aus den Krankenpapieren,

die mir ausgehändigt wurden,

konnte ich entnehmen, dass sich an

der verletzten Hüfte ein kindskopfgroßer

Abszess gebildet hatte) und wurde dann

in einen primitiven Lazarettzug verladen.

Unterwegs musste ich wegen starker Blutungen

ausgeladen werden.

Schwächen annehmen

Als ich in die Abtei zurückkehrte, musste

ich die Entscheidung für eine lebenslange

Bindung an die Gemeinschaft treffen. Mit

festem Vertrauen auf Gottes Hilfe legte

ich im Oktober 1948 die ewige Profess ab.

In meinem bisherigen Leben hat mir Gott

gezeigt, dass er mich liebt und ich ihn lieben

darf. Diese Gewissheit hat mich durch

alle Krisen und Dunkelheiten getragen.

Der Glaube an die Gegenwart des Herrn

ist mir tief bewusst geworden, half und

hilft in schwierigen Situationen. Die feste

Überzeugung, dass Gott mich erschaffen

hat, um ihn zu loben und zu preisen, bringt

Freude im Alltag und beim Chorgebet. Die

Psalmen geben Antwort auf viele Fragen

des Lebens. In der Heiligen Schrift bin ich


21

Gerne machte er den Nikolaus Am Schreibtisch in der Verwaltung Bei der Verleihung zum Ehrenbürger von Schwarzach

persönlich angesprochen. Der Glaube, dass

Gott mich liebt, hilft mir, meine Schwächen

anzunehmen und ihm zu übergeben.

Die Angst vor Gott, die ich früher hatte,

wurde in Vertrauen umgewandelt. Immer

wieder kam und kommt mir der Rat meines

Beichtvaters, der vor Jahren gestorben ist,

in Erinnerung: Die Aufgabe deines Lebens

ist das „Ehre sei dem Vater…“ Du bist auf

Erden, um dem Vater, dem Sohn und dem

Heiligen Geist Ehre zu erweisen, seit dem

Anfang deines Lebens, jetzt in diesem Augenblick,

so lange du lebst und dann in

der Ewigkeit. In dieses „Ehre…“ kann ich

alles und alle hineinnehmen: Unsere Gemeinschaft,

die Missionare, alle, die auf

unser Gebet warten, die gesamte Kirche

vom Papst bis zum jüngsten Täufling und

die ganze Welt.

Die erste Zeit nach meiner Verwundung

war schwer. Ich war unzufrieden, machte

Gott und den Menschen Vorwürfe und

wollte mich nicht abfinden ein Leben lang

auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Die

Wendung kam erst, als ich innerlich „Ja“

sagte, als ich im Glauben das annehmen

konnte, was Gott mir zutraut. Heute danke

ich Gott, dass er mich diesen Weg führte.

Benediktinerabtei Münsterschwarzach


I n t e r v i e w

22

„Komplex bis hin

das, was der Gründer über die Missionsbenediktiner

schreibt?

P. Andreas Amrhein in hohem Alter Als Student in Luzern

Pater Andreas Amrhein, geboren 1844

in Beromünster/Schweiz, ursprünglich

Professe der Erzabtei Beuron, leitete von

1884 bis 1896 die „Benediktus-Missions-

Gesellschaft“, aus der die Kongregation

der Missionsbenediktiner von St. Ottilien

entstand. Pater Cyrill Schäfer hat die

wichtigsten programmatischen Schriften

Amrheins zusammen gestellt. Der Band

bildet die Vorbereitung einer umfassenden

Biographie.

Das Interview mit P. Cyrill führte Thomas

Gampl, Pressesprecher der Kongregation

von St. Ottilien

Pater Cyrill, Sie haben sich intensiv mit

diesen Quellentexten auseinander gesetzt.

Was haben Sie dabei über Pater

Andreas Amrhein gelernt?

Pater Cyrill: Für mich waren diese Texte als

Kontrast zum oft idealisierten Bild von Ordensgründern

aufschlussreich. Als Mönch

bekommt man ja nicht selten unrealistische

Bilder des Ordenslebens vermittelt. Aber

ein realer Mensch muss kämpfen, um das

christliche Ideal zu leben. Das war bei Amrhein

nicht anders. Die von ihm hinterlassenen

Dokumente zeugen von Unsicherheiten,

von Konflikten und innerem Suchen.

Wie war Amrhein als Mensch?

Pater Cyrill: Er war sehr komplex bis hin zur

Widersprüchlichkeit. Man kann fast sagen

ein „moderner Mensch“ mit all den Verwerfungen

in seiner Biographie. Sein berufliches

Suchen dauerte ungewöhnlich lang

und seine Ziele waren ganz unterschiedlich:

Erst wollte er Künstler werden, dann Professor

für Ästhetik und Dichter. Als er sich

für einen geistlichen Weg entschied, suchte

er lange nach einem passenden Orden und

dann wieder bei den Benediktinern nach

seiner besonderen Berufung.

Woher die vielen Wechsel? War Amrhein

eher impulsiv oder war er ängstlich? War

er forsch oder zurückhaltend?

Pater Cyrill: Amrhein hatte ein wenig von

all diesen Eigenschaften. Das macht die

Beschäftigung mit ihm so interessant, weil

er eine sehr vielschichtige Persönlichkeit

war. Seine vielseitigen Veranlagungen und

Talente erklären einerseits seine erstaunlichen

Erfolge, andererseits verbanden sie

sich auch mit manchen Stimmungswechseln

und Unklarheiten, die für seine Umgebung

belastend waren.

Kommen wir zum programmatischen Teil

des Quellenbands. Wie beurteilen Sie

Pater Cyrill: Seine Äußerungen gehören in

ihrer Prägnanz immer noch zum Besten,

was wir über unsere Identität als Missionsbenediktiner

besitzen. Sein Konzept von

Missionsklöstern als geistliche Zentren, die

in ihre Umgebung ausstrahlen und die bewusst

nicht von Individuen, sondern von einer

Gemeinschaft getragen werden, brachte

durchaus einen neuen Ansatz in die damalige

Missionspraxis und überzeugt noch

heute. Mutig war auch, wie er gegen den

Strom schwamm, indem er aktive Missionsarbeit

mit dem kontemplativen Mönchtum

verband. Das hielt man damals aufgrund

einer romantisierenden Engführung des

Mönchtums für unvereinbar.

Die meisten dieser Texte wurden bisher

noch nie gedruckt.

Pater Cyrill: Die Quellenlage ist auch entsprechend

verworren. Wichtige Lebensdokumente

unseres Gründers sind über gut

30 Archive verstreut. Allein für diesen Band

wurden Materialien aus den vatikanischen

Archiven, den Klosterarchiven von St. Ottilien,

Münsterschwarzach, Schweiklberg,

Sant’ Anselmo, Beuron und dem Tutzinger

Generalat, dem Geheimen Staatsarchiv in

Berlin und dem Diözesanarchiv in Augsburg

verwendet.

War die Auswahl nicht sehr schwierig?

Pater Cyrill: Durchaus. Amrhein war ein

Vielschreiber. Er hatte geradezu einen

Schreibzwang und dazu einen Hang zum

Perfektionismus, so dass er seine Gedanken

oft in zahllosen Varianten neu ausarbeite-


23

zur Widersprüchlichkeit“

P. Andreas Amrhein OSB: Schriften (1844–1927),

Hrsg. von P. Cyrill Schäfer OSB, EOS-Verlag, St. Ottilien 2006

P. Cyrill Schäfer

te. Man musste sich also für eine Fassung

entscheiden und – soweit möglich – die Varianten

in Fußnoten berücksichtigen. Angenehm

ist immerhin, dass Amrhein eine sehr

klare Handschrift besaß, die gut zu lesen ist.

Der Aufwand für diesen Quellenband war

ja beachtlich. Was gab den Anstoß zu

dieser Unternehmung?

Pater Cyrill: Eigentlich bin ich zufällig auf

dieses Thema gestoßen. Zum Abschluss

meiner Studien in Rom habe ich eine

Arbeit über den ersten Ottilianer Erzabt

Norbert Weber geschrieben. Beim Studium

der Akten sind mir auch einige römische

Amrhein-Archivalien in die Hände gekommen,

die bisher nicht ausgewertet wurden.

Darüber habe ich mich mit Erzabt Jeremias

Schröder ausgetauscht. Irgendwie kam dabei

die Idee auf, dass eine umfassende

Biographie unseres Gründers durchaus angebracht

wäre.

Diese Biographie haben Sie aber noch

nicht vorgelegt.

Pater Cyrill: Nein. Mir ist vorläufig auch

wichtiger, einen Zugang zu den oft schwer

erreichbaren Quellen zu öffnen. Denn ein

Hauptproblem der bisherigen Amrhein-Forschung

bestand meiner Meinung nach darin,

dass die berücksichtigte Quellengrundlage

zu schmal war. Das führt notgedrungen

zu Verkürzungen in der Darstellung

und Würdigung Amrheins. Ein erster Schritt

auf diesem Weg zu einer umfassenden Biographie

war die Herausgabe seiner autobiographischen

und programmatischen

Schriften.

Es wird also einen zweiten Quellenband

geben?

Pater Cyrill: Ja. Der zweite Quellenband soll

wichtigere Briefe Amrheins enthalten. Dafür

konnte ich mit der Hilfe von Mitbrüdern

bereits einen beträchtlichen Teil der frühen

und späten Briefe Amrheins erfassen. Zur

Zeit transkribieren wir Amrheins Korrespondenz

aus seiner 12-jährigen Amtszeit als

Leiter der Missionsbenediktiner. Das sind

freilich weit über 1000 Seiten.

Und wann kommt die Biographie?

Pater Cyrill: Ich denke, dass der Briefband

in zwei Jahren vorliegen wird. Dann können

ich oder jemand anders sich an die

eigentliche Biographie wagen.

P. Amrhein mit jungen Afrikanern in St. Ottilien


P r o j e k t

24

Abtei Waegwan

niedergebrannt

Ein Osterhalleluja zwischen Ruinen, Asche und Staub

von Erzabt Jeremias Schröder OSB

Ausgebrannte Schlafstätten, verkohlte Bücher

und rusige Kelche: Die Mönche der

südkoreanischen Abtei Waegwan haben

das diesjährige Osterfest zwischen rauchenden

Ruinen gefeiert. Nach der verheerenden

Brandkatastrophe vom Karfreitag war keine

der Zellen noch bewohnbar. Und doch erklang

bereits kurz nach dem Unglück wieder

das benediktinsche Stundengebet zum Lobpreis

des Schöpfers.

Pater Raphael stöhnt leise auf und zieht

aus dem verkohlten Schutt einen langen

Stofffetzen. Erst als er ihn um seine

Schultern legt, erkennen wir, dass er seine

Priesterstola gefunden hat. Einen Moment

lang ringt er um Fassung, dann gehen wir

weiter auf unserem Erkundungsgang.

Es ist der Mittwoch nach Ostern. Seit dem

frühen Morgen stapfe ich mit drei koreanischen

Mitbrüdern durch die Ruinen der

Abtei Waegwan. Auf den Gesichtern der

Mitbrüder liegt Müdigkeit, auch noch eine

Ahnung der Erschütterung dieser unvergesslichen

Ostertage.

Wohl gegen 1 Uhr nachts war das Feuer im

Dachstuhl des ältesten Gebäudeteils ausgebrochen.

Zum Glück war es die Nacht auf

Karfreitag, in der in unseren Klöstern viele

betend beim „Heiligen Grab“ verweilen.

Als Subprior Br. Andreas von der Anbetung

zurückkehrte, sah er den Feuerschein

über dem Südflügel des Klosters. Er rief die

Feuerwehr und läutete dann die Mitbrüder

aus den Betten.

Das Feuer begann dort, wo die jüngsten und

beweglichsten Mitbrüder der Gemeinschaft

ihre Zellen hatten. Nicht auszudenken, was

geschehen wäre, wenn der Brand bei den

Alten und Kranken begonnen hätte…

Fünf Stunden lang kämpft die Feuerwehr

gemeinsam mit den Mönchen um das

brennende Kloster. Seit Anbruch des Tages

Erzabt Jeremias Schröder OSB

Geboren 1964 in Bad Wörishofen,

Profess 1985,

Priesterweihe 1992,

seit 2000 Erzabt

und Präses der Kongregation

von St. Ottilien

werden die Feuerwehrleute von einem Helikopter

unterstützt, die Soldaten einer benachbarten

Kaserne helfen mit Tankfahrzeugen

aus. Im Nordflügel kann das Feuer

gestoppt werden, bevor es das Erdgeschoss

erreicht. Auch die Kirche bleibt unversehrt.

Doch vom Südflügel stehen am Morgen

nur noch die Außenmauern. Und keine der

Mönchszellen ist noch bewohnbar. Über

Nacht ist eine ganze Klostergemeinschaft

obdachlos geworden.

Die meisten Mönche verlieren an diesem

Tag alles, was ihnen in Jahren und Jahrzehnten

ihres Klosterlebens nützlich oder

wichtig war. P. Thomas Timpte, Missionsbenediktiner

aus Meschede und seit vielen

Jahren in Korea, betrauert die ungezählten

Artikel und Vorträge, die er in diesen Jahrzehnten

erarbeitet und gehalten hat. „Aber

ich bin alt“, sagt er, „bei mir macht das

nicht mehr so viel. Schlimmer ist es doch

mit P. Saba.“

P. Saba Yi ist seit kurzem Novizenmeister,

schon lange arbeitet er auch als Exeget.

Jetzt ist die Frucht einer 15-jährigen Studi-

en- und Forschungszeit verloren. Eine über

Jahre aufgebaute Gelehrtenbibliothek, Unterlagen

für geplante Veröffentlichungen,

der Computer mit Nützlichem und Wichtigem

– alles ein Raub der Flammen. P.

Saba, der mit den Novizen direkt unter dem

Brandherd wohnte, hatte zunächst noch

mit dem Feuerlöscher versucht, die Flammen

aufzuhalten. Jetzt ist ihm nur eine

geschwärzte Bücherreihe im Regal geblieben

– Holzkohle, die beim Herausnehmen

zerbirst.

Solche persönlichen Verlust- und Opfergeschichten

gibt es viele an diesem Karfreitag.

Aber bei allen überwiegt anderentags

die Dankbarkeit darüber, dass niemand im

Brand umgekommen ist, ja nicht einmal

Verletzte beklagt werden müssen. Und

auch auf die Werkstätten unmittelbar neben

dem Konventbau griff das Feuer nicht

über. Selbst das nahe gelegene große

Holzlager der Schreinerei – Koreas größte

Fabrikation für Kirchenmöbel - nimmt keinen

Schaden. Es war eine windstille Nacht.

»Zum Glück«.

Die Trauermetten dieses Karfreitags fallen

den Löscharbeiten zum Opfer. Aber am

Mittag versammelt sich die Gemeinschaft

bereits wieder zum Chorgebet in der unversehrten

Abteikirche, wenige Meter von

den rauchenden Ruinen entfernt. Nur einen

Moment lang hat der Herzschlag der

Gemeinschaft, der Rhythmus des Stundengebets

ausgesetzt, jetzt erklingt wieder das

Lob, das seit 1952 an dieser Stelle ohne

Unterlass gebetet wurde. Viele werden später

sagen, dass sie noch nie ein Osterfest so

intensiv erlebt haben wie dieses.

Inzwischen hat ein langer Zug von Besuchern

eingesetzt. Bald schon steht der Erzbischof

aus dem nahen Daegu vor der Tür,

um sich nach dem Befinden der Gemein-


schaft zu erkundigen. Viele Freunde der

Abtei bringen Decken und Wäsche vorbei,

und Notrationen des koreanischen Roten

Kreuzes. Auch die Oberinnen der Schwestern-klöster

der Umgebung machen kurze

Besuche, und keine geht, ohne etwas dagelassen

zu haben.

Sogar eine warme Suppe kommt auf diese

Weise ins Haus – Fleischsuppe am Karfreitag?

Der Skrupel flackert nur eine Sekunde

lang auf, dann lässt Abt Simon die Suppe

zum Abendessen reichen. Die Entsagung

dieses Karfreitags ist anderswo erbracht

worden.

Gegen Morgen erfahren die Mitbrüder in

Europa, Afrika und Amerika von der Katastrophe

– durch den Pfarrer von Naksang.

Das Kloster Waegwan selbst ist dazu nicht

mehr in der Lage. Die Telefonzentrale ist

ausgebrannt, das Sekretariat liegt in Schutt

und Asche. Und so sitzt Pater Bartholomäus

Henneken 20 Kilometer entfernt an seinem

Schreibtisch in der Pfarrei Naksan und

erstattet ersten Bericht. Die E-Mail endet

mit der „Bitte um Gebet für unsere geprüfte

Gemeinschaft“.

Bei den Mitbrüdern in aller Welt wird die

Nachricht mit Entsetzen aufgenommen;

schnell zeigt sich die benediktinische Verbundenheit,

auch weit über die Missionsbenediktiner

hinaus. Kondolenz-Schreiben

aus Afrika, Asien, Amerika treffen ein,

und rührende erste Zeichen der Solidarität:

Eine kleine arme Pfarrgemeinde in

China, die von den Waegwaner Mönchen

schon besucht worden war, verspricht einen

Beitrag zum Wiederaufbau. Auch die

Missionsprokuratoren treten in Aktion: Wo

Hilfe gebraucht wird, kann Waegwan auf

die Mithilfe der Freunde unserer Klöster

rechnen.

Die Mönche werden unterdessen ins alte

Schüler-Seminar einziehen. Wo zuletzt

Postulanten, Novizen und Gäste untergekommen

waren, wird ein Notquartier für

die Mitbrüder geschaffen, das geraume

Zeit ausreichen muss. Gleichzeitig muss

die Baumasse gesichert und ein provisorisches

Dach errichtet werden. Dann erst

wird man an die Planung für den Neubau

gehen. Im August will man dafür einen

zustimmungsreifen Plan haben; im Herbst

sollen die Bauarbeiten beginnen.

Das Gebäude selbst war zwar versichert

– aber eben so, wie man versichert, wenn

man eigentlich auf die Vorsehung Gottes

vertraut. Eine Entschädigung wird es also

geben, aber sie wird vermutlich kaum ein

Fünftel dessen ausmachen, was für einen

25


P r o j e k t

26

P. Raphael in seiner ausgebrannten Zelle

P. Thomas sucht nach dem Brand Überreste in seinem

Zimmer

sinnvollen Neubau veranschlagt werden

muss. Die Mönche von Waegwan sind also

auf finanzielle Hilfe angewiesen. Sicher

werden die koreanischen Freunde der Abtei

etwas beisteuern. Aber auch die Klöster in

Übersee werden versuchen zu helfen.

Montecassino, das Kloster des heiligen

Benedikt, wurde vier Mal zerstört, zuletzt

1944 durch alliierte Bomber. Aus dieser

Erfahrung des immer wieder Neu-Beginnens

hat sich das Klos-ter ein inoffizielles

Motto zugelegt: „succisa virescit“ - der

abgeschlagene Baum treibt wieder aus.

Auch die Gemeinschaft von Waegwan hat

diesen schweren Schlag mit großer Gefasstheit

aufgenommen und schon wenige Tage

danach mit den Vorbereitungen zum Wiederaufbau

begonnen: eine Haltung von

stoischer Geduld und unerschütterlicher

christlicher Zuversicht.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass diese

Gemeinschaft neu beginnt. Missionsbenediktiner

aus St. Ottilien haben den Konvent

1909 gegründet. 1949 wurde das Kloster,

damals in Nordkorea liegend, aufgelöst.

Über 30 Mitbrüder fanden bis 1952 den

Tod in kommunistischen Lagern. Ein kleines

Häuflein Überlebender wagte weit im Süden,

auf dem Hügel von Waegwan, einen

Neuanfang. In 50 Jahren ist daraus die

größte Benediktinergemeinschaft Asiens

geworden.

Das Karfreitagsfeuer 2007 hat diese unermüdliche

Geisteshaltung wieder herausgefordert.

Ich begegne in diesen Tagen

überall Mönchen, die gefasst sind. Keiner

lamentiert, alle machen sich still und mit

großem Fleiß daran, wiederaufzubauen,

was da zerstört wurde. Es ist der benediktinische

Weg Treue zu leben.


27

Am Morgen danach zeigt sich das ganze Ausmaß der Zerstörung. Vom Dachstuhl ist nichts mehr übrig geblieben.

Bitte helfen Sie

unseren Brüdern beim Wiederaufbau

ihres Klosters in Waegwan!

Liga Bank Würzburg • Konto Nr. 3015033 • BLZ 750 90300

Stichwort: „Wiederaufbau“

Herzlichen Dank

im Namen der Mönche von Waegwan


P r o j e k t

„Haste mal `ne Mark ?“

28

www.z-e-n-a-r-t.com

Haben auch Sie noch Schlaf-Münzen zu Hause?

Gemeint sind Deutsche Mark oder

ausländisches Bargeld.

Rütteln Sie sie wach, bevor Sie

die Umtauschfrist verschlafen.

Damit können wir Menschen eine

bessere Zukunft ermöglichen.

Bitte wenden Sie sich an:

Missionsprokura

Abtei Münsterschwarzach

Tel. 09324 - 20 275

Fax 09324 - 20 270

missionsprokura@abtei-muensterschwarzach.de


N a m e n u n d N a c h r i c h t e n

29

3. September 40 Jahre Mission

6. Juli 60 Jahre Priester

Pater Hugo

Heusinger

geboren am 31. Dezember

1937 in Seubrigshausen

Volksschule

Seubrigshausen,

von 1948 bis

1957 Besuch der Seminare

und Gymnasien

in St. Ludwig,

Münsterschwarzach,

Würzburg. Nach dem Abitur Eintritt in die Abtei

Münsterschwarzach, 1958 Zeitliche Profess, 1961

Feierliche Profess. Am 5. Juli 1964 wurde er zum

Priester geweiht. Philosophiestudium in St. Ottilien,

Studium der Theologie an der Universität in

Würzburg. 1964 bis 1967 Präfekt im Internat St.

Maurus in Münsterschwarzach. Am 3. September

1967 Missionsaussendung nach Tansania in die

Abtei Ndanda. Pater Hugo war hauptsächlich in

der Seelsorge eingesetzt in Kitangali, Namupa,

Nkowe, Marambo, Mnero, Chigugu und jetzt in

Nyangao, auch im dortigen Krankenhaus. Hobby

von Pater Hugo ist das Reparieren von Uhren, worin

er ein großer Meister ist und was für die Mission

eine große Hilfe bedeutet.

Pater

Athanasius

Meixner

geboren am 20. Juni

1938 in Dringstadt.

Danach Besuch eines

Gymnasiums in Bamberg.

1957 Klostereintritt,

1958 Zeitliche

Profess, 1961 Feierliche

Profess. 1964

Priesterweihe. Philosophiestudium in St. Ottilien,

Theologiestudium in Würzburg, 1967 Missionsaussendung

nach Ndanda/Tansania. 1968 bis 1975

Pfarrer von Malolo und Mtua. 1984 bis 1985 in

Dar es Salaam. 1986 bis 1988 Aufbau der Pfarrei

Soni in den Usambarabergen, ab 1988 dort

Pfarrer. Pater Athanasius ist außer seiner Pfarrtätigkeit

der Landwirt und Bauer Tansanias mit immer

neuen Ideen.

P r o j e k t

Pater

Heribert Ruf

geboren am 11. April

1913 in Bad Mergentheim-Löffelstelzen.

Besuch der Seminare

und Gymnasien

in St. Ludwig

und Würzburg. 1936

Klostereintritt, Zeitliche

Profess 1937.

1939 bis 1945 Wehr- und Kriegsdienst, danach

Weiterführung des Studiums in der ausgebombten

Stadt Würzburg. 1946 Feierliche Profess, 1947

Priesterweihe. Nach einer kurzen Erziehertätigkeit

in St. Benedikt/Würzburg kam der entscheidende

Schnitt in seinem Leben. Pater Heribert wurde für

den Missionseinsatz in Südafrika bestimmt. Er war

hauptsächlich in Pfarreien eingesetzt und war ein

eifriger Seelsorger. Nach der Pfarrseelsorge übernahm

er im Alter von 80 Jahren noch die Stelle

des Hausgeistlichen im Studienseminar Howik.

Im Dezember 2004 kehrte Pater Heribert nach

54jähriger Missionstätigkeit in Südafrika wieder

in sein Heimatkloster Münsterschwarzach zurück

und verbringt nun auf der Krankenstation seinen

„Lebensabend“.

7. Juli 50 Jahre Priester

16. Juli 40 Jahre Priester

Pater Alois

Seuferling

Pater Alois Seuferling,

geboren am

19. September 1931

in Berlin. 1951 in

Würzburg Abitur.

1952 Klostereintritt,

1953 Zeitliche Profess,

1956 Feierliche

Profess. Am 7. Juli

1957 Priesterweihe durch Bischof Aurelian Bilgeri

in Münsterschwarzach. 1958 Missionsaussendung

nach Waegwan in Südkorea, nach Ankunft dort

Mönch in Waegwan, danach Seelsorge und Pfarrer

in Songju, Waegwan, Sek-Tcheng-Tong, Indong,

Yang-Mok. Ab 1980 Armee-Militär-Priester bei den

Amerikanern in Waegwan-Taegu, ab 1992 Priester

im Alteneim von Kumnam, außerdem Mitarbeit in

der Missionsprokura.

Pater

Wolfram Fehn

geboren am 7. März

1932 in Aschaffenburg,

Abitur in Würzburg

1951, danach

Klostereintritt, Philosophiestudium

in St. Ottilien,

Theologiestudium

Würzburg. Priesterweihe

am 7. Juli 1957

durch Bischof Aurelian Bilgeri in Münsterschwarzach.

1960 bis 1966 Missionar im Missionsgebiet

Ndanda auf der Station Mnero. Aus gesundheitlichen

Gründen musste Pater Wolfram wieder nach

Deutschland zurückkehren. 1967 bis 1971 Betreuer

der Brüdernovizen und Zeitlichen Professen in

der Abtei. Von 1971 bis 1999 Seelsorger in der

Pfarrei Stadtschwarzach, Schwarzenau, Reupelsdorf

mit den Filialen. Pater Wolfram war 28 Jahre

ein Pfarrer mit Leib und Seele. Im Jahre 2000

kam er wieder in unser Kloster zurück. Er ist unser

Altenseelsorger im Kloster für die Mitbrüder

und auch weiterhin Altenseelsorger im Dekanat

Kitzingen. Außerdem steht er zu Gesprächen im

Sprechzimmer zur Verfügung und ist tätig, überall

wo er gebraucht wird.

Pater

Matthäus

Sandrock

geboren am 8. März

1942 in Hannoversch

Münden. Besuch des

Gymnasiums in Hannoversch

Münden,

1961 Klostereintritt,

1962 Zeitliche Profess,

1965 Feierliche

Profess, 1967 Priesterweihe. Philosophiestudium

in St. Ottilien, Theologiestudium in Würzburg.

1966 bis 1968 Studium am Päpstlichen Liturgischen

Institut in Rom. 1968-1969 Erziehertätigkeit

in St. Maurus in Münsterschwarzach. 1969 bis

1987 Gästepater im Gästehaus der Abtei. 1987

bis 1999 Superior und Studienpräfekt im St. Benedikt-Kolleg

in Würzburg. Seit 1999 als Nachfolger

von Pater Wolfram Fehn engagierter Pfarrer

in der Pfarrei Stadtschwarzach, Schwarzenau

und Reupelsdorf.


D a n k / S e r i e

30

Liebe Missionsfreunde,

zuerst ein herzliches Dankeschön Ihnen

allen für die großzügige Unterstützung

meiner Ausbildung. Wie Sie wissen, hat

meine betriebswirtschaftliche Ausbildung

einige Kosten für die Abtei Mvimwa

verursacht. Aber ich brauche Ihnen

ja nicht zu erklären, wie teuer eine Spezialausbildung

in einem Beruf, auch

in einem Land wie Tansania, ist. Diese

Ausbildung im betriebswirtschaftlichen

Bereich ist auf unsere Zukunft hin gerichtet,

denn in einer Abtei fallen täglich

betriebswirtschaftliche Belange an.

„Das, was man gelernt hat, kann man

getrost nach Hause tragen, denn daran

trägt man nicht schwer:“ So haben es

uns früher die europäischen Missionare

erzählt, und ich merke, dass dieser Satz

der Wahrheit entspricht.

Die sich heute stets wandelnde wirtschaftliche

Situation ist für unsere Gemeinschaft

in Mvimwa eine Herausforderung.

Wir benötigen daher geeignete

Ordensleute mit einer guten Ausbildung

in Wirtschaft und Verwaltung, so wie

es mir mit Ihrer Hilfe ermöglicht wurde.

5.525,00 Euro wurden für diese Ausbildung

von Ihnen gegeben und dafür bedanke

ich mich auch im Namen unserer

Gemeinschaft bei Ihnen. Für mich war

der einjährige Kurs im Nyegezi Social

Training Institute in Mwanza/Tansania

eine Bereicherung und er hat mir viel

über die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge

eröffnet. Nun hoffe ich, dass

ich das Gelernte gut in unsere Gemeinschaft

einbringen kann.

In der Swahili-Sprache gibt es einen

kurzen Satz, der eigentlich nur ein Wort

ist, und er heisst:

Tunakushukuru – wir danken Dir von

Herzen

Ihr Br. Deodat Satu OSB

Unser Mann in Afrika berichtet:

Sein Glaube hat ihm Kraft gegeben

Frank, 30 Jahre, engagierter Christ in Ndanda

Br. Zacharias Heyes OSB

Geboren 1971 in Düsseldorf

Profess 2003,

Dipl. Theologe, Religionslehrer.

Seit Okt. 2005 als Missionar

auf Zeit in Peramiho/Tansania

Ich freue mich hier immer wieder, wenn

ich Menschen treffe und kennen lerne,

die ihr Leben in die Hand nehmen. Oft

habe ich den Eindruck, dass viele resigniert

sind, weil sie keine Zukunftsaussichten

haben. Studienplätze gibt es wenige

und diese kosten Geld.

Engagement in der Pfarrei

Frank traf ich zum ersten Mal im Pfarrbüro.

Von Anfang an war ich begeistert

von seiner Lebendigkeit, Lebensfreude

und seinem Elan. Er strahlte einfach Optimismus

aus.

1977 geboren, machte er in der Klosterschreinerei

der Abtei Ndanda seine Lehre

und ist dort geblieben bis heute. Dieser

Arbeitsplatz allein gibt ihm ein sicheres

Auskommen. Damit aber gibt Frank sich

nicht zufrieden. Über seine Arbeit hinaus

engagiert er sich in der Pfarrgemeinde. Er

ist Vorsitzender der katholischen Jugend

in der Pfarrei. Bei einer unserer späteren

Begegnungen erzählte er mir, dass es jeden

Mittwoch ein Bibeltreffen bei ihm

zuhause gäbe. Es interessierte mich und

ich fuhr hin.

Treffpunkt: Bibel-teilen

Als ich komme, sind nur die jungen Menschen

da, die zum Bibel teilen gekommen

sind. Auch Schüler der Secondary-School

sind da, die regelmäßig zu ihm kommen.

und ein Verwandter, der bei ihm wohnt.

Ich habe den Eindruck, bei ihm finden sie

so etwas wie ein Zuhause, einen Platz,

wo man reden und diskutieren kann und

wo einem bei Problemen geholfen wird.

Frank scheint mir selber so etwas wie ein

Mittelpunkt zu sein, einer, dessen Wort

gilt – zumindest unter der Jugend. Er

scheint ganz die afrikanische Tradition

aufgenommen zu haben und gleichzeitig

kann man offen mit ihm diskutieren. Ich

merke, dass ich gern bei ihm bin und ihm

gern zuhöre.

Dass der Glaube ihn trägt, darüber verliert

er nicht so viele Worte, aber man

spürt es – an seinem Engagement in der

Pfarrgemeinde, daran, dass er auch privat

Zeit für die Jugend hat, Menschen

hilft, auch bei sich aufnimmt, wenn es

sein muss. Und als er mir voller Stolz sein

Haus zeigt, sehe ich auf seinem Nachttisch

die Bibel und den Rosenkranz. Den

hat er geschenkt bekommen und er ist

ihm ganz wichtig.

Er hat es geschafft

Oft treffe ich Frank hier auf dem Abteigelände,

wenn er gerade unterwegs

zu einer Baustelle ist. Immer hält er an,

wir sprechen kurz miteinander, dann

geht jeder seinen Weg weiter. Immer

ist Frank freundlich-fröhlich, unternehmungslustig.

Zuhause würde man sagen:

er hat es geschafft. Vielleicht war

Glück dabei – wahrscheinlich aber nicht

nur. Ich glaube, sein Glaube hat ihm ein

ganzes Stück Kraft gegeben. Ich könnte

noch einige andere Beispiele nennen von

solchen Menschen, die ich mittlerweile

hier kenne. Sie werden es sein, die unsere

begonnene Missionsarbeit fortsetzen

– engagiert und afrikanisch. Es ist gut zu

wissen, dass Begonnenes weiter geht.


31

(5) Berufung im Busch

„So, meine Lieben, jetzt bin ich auch

mal an der Reihe.“ Tom wühlte im

Nähkästchen und zog einen reinweißen

Zettel ans Tageslicht. Darauf stand in

geschwungenen Buchstaben: Berufung

im Busch! Die drei Kids schauten Tom

ganz erwartungsvoll an. Er räusperte

sich und begann.

„ Es war im Jahre 1981, als ein junger

Entwicklungshelfer in den Süden

Tansanias kam. Er sollte für eine neue

afrikanische Schwesterngemeinschaft

eine Farm aufbauen und die Schwestern

in Landwirtschaft und Gartenbau

unterrichten. Das hörte sich leichter an,

als es war. Denn der erste Stolperstein

war die Sprache Swahili, die der junge

Mann noch nicht beherrschte. Gott

sei dank gab es auf der Hauptstation

noch ein paar Europäer – Schwestern,

mit breitestem Schwäbisch und eine

gute Seele, Pater Matthias, ein Missionsbenediktiner

und der Spiritual der

Br. Thomas Morus und P. Matthias

Schwestern.“ – „ Tom, was ist denn ein

Spiral?“ wollte Matata wissen. „ Nicht

Spiral, sondern Spiritual. So heißt der

geistliche Begleiter einer Schwesterngemeinschaft.

Er hält Gottesdienst und ist

für geistliche Fragen da, klar? Doch nun

weiter im Text. Pater Matthias machte

mit seiner ruhigen, ausgeglichenen Lebensart

großen Eindruck auf unseren

Landwirt und die zwei freundeten sich

schnell an. Oft konnte man sie am Abend

zusammen sehen, wenn der Junge dem

40 Jahre Älteren seine Erlebnisse mit

rudernden Armen erzählte. Pläne hatte

er, viele Pläne. Pater Matthias hörte

geduldig zu und ab und an machte er

die Bemerkung: „Ja, kama Mungu akipenda

– wenn Gott es will!“ So brachte

er die geistigen Höhenflüge wieder auf

den Boden der Tatsache. Eines Abends

trafen die zwei auf ein paar Kinder

und Pater Matthias fragte sie, ob sie

denn erraten könnten, wie alt die beiden

Wazungu (Europäer)

wären. Oh, das ist

leicht, meinten sie,

und schätzten Pater

Matthias auf 50

Jahre, den Jüngeren

aber auf 75, denn er

hatte einen dunklen

Bart und oben eine

hübsche Platte. Das

war shocking! Da

half ihm auch sein

Sprüchlein nichts:

„Meine Glatze ist,

dass es jeder weiß,

der Landeplatz vom

Heiligen Geist.“

Doch der Geist und

das Vorbild von Pater Matthias wirkten

in ihm und heute ist er schon lange Missionsbenediktiner

von Münsterschwarzach.“

Tom schaute in die Runde. „Na,

wer ist das wohl?“ Wie aus der Pistole

geschossen, kam es aus drei Mündern:

„ DU!“

Vor der Pfarrkirche von Mbinga


D a s P o r t r a i t

32

Steckbrief:

Name: Johannes Mahr

Geboren: 1941 in Würzburg

1951–1960: Schule in St. Ludwig, Münsterschwarzach und Würzburg

1960–1964: Noviziat und Klerikat, Studium in St. Ottilien

1964–1968: Studium der Germanistik, Archäologie und Philosophie

in Würzburg und Berlin, Promotion

1969: Heirat, 2 Kinder

1969–1974: Wissenschaftlicher Assistent und Habilitation für

Neuere Deutsche Literaturwissenschaft in Würzburg

1974–2006: Lehrer am Egbert-Gymnasium, Vorlesungen, Bücher…

Seither: Studium der Geschichte der Abtei Münsterschwarzach

und der Kongregation von St. Ottilien

Meine Meinung zum Thema dieser Ruf-Ausgabe:

Als Geiger habe ich gelernt, dass ein Instrument Zeit braucht, bevor es seinen vollen Klang entfaltet. Auch

Personen und Gemeinschaften können sich nicht ständig neu erfinden. Wenn ihre Gegenwart nicht leer klingen

soll, brauchen sie das Wissen um die eigene Herkunft. Darum muss eine Familie nach ihrer Geschichte

fragen, wenn sie Zukunft haben will.

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