Karl Doll - Leben und Werk, Sagen und Sonette

mianba

Jiří Hönes

„Tief unten zieht die grüne Nagoldwelle…“

Karl Doll

Leben und Werk, Sagen und Sonette


Hergestellt mit freundlicher Unterstützung

der Raiffeisenbank im Kreis Calw eG


Jiří Hönes

„Tief unten zieht die grüne Nagoldwelle…“

Karl Doll

Leben und Werk, Sagen und Sonette

Herausgeber: Kreisarchiv Calw


Titelbild: Karl Doll. Öl auf Leinwand.

Deutsches Literaturarchiv Marbach.

Inv.-Nr. 6079.

ISBN 978-3-00-045852-1

© Landratsamt Calw, Kreisarchiv, Calw 2014

Alle Rechte vorbehalten.

Redaktion: Martin Frieß, Kreisarchivar

Satz und Gestaltung: Michael Barth, Calmbach

Druck: Druckhaus Weber, Althengstett


Inhalt

Vorwort des Herausgebers .............................................................7

Einleitung .......................................................................................9

Leben ...............................................................................................11

Kindheit und Jugend in Stuttgart und Ulm .................................11

Die Tübinger Studentenzeit .........................................................12

Die Staatswirtschaftliche Fakultät und das Studium

der Regiminalwissenschaften .................................................................12

Das erste Semester in der Universitätsstadt .............................................13

Fritz Rüdinger und die „Gesellschaft Schottland“ ..........................15

Neue Wohnung und erste Veröffentlichungen in

der „Tübinger Chronik“ ..................................................................17

Quer durchs Königreich ...............................................................20

Zurück in die Jugendheimat: Referendariat in Ulm ........................20

Einladung ins Weinsberger Kernerhaus ..........................................20

Ratschläge von Eduard Mörike ........................................................21

Marbach am Neckar: Oberamtsaktuar und Familienvater ...........23

Hochzeit ..........................................................................................23

Ein weiterer Brief Eduard Mörikes ..................................................23

„Aus rosigen Tagen“ ........................................................................24

Vaterglück ........................................................................................26

Reutlingen: Intermezzo am Fuße der Schwäbischen Alb ............27

Assessor der Regierung des Schwarzwaldkreises ............................27

Turbulente Zeiten: Deutsch–Französischer Krieg

und Reichsgründung .......................................................................27

„Bis vor Metz“ – Lieder zum Krieg ..................................................28

„…betreffend die Wiederbesetzung des

erledigten Oberamts Calw" ..............................................................29

„Ein freundlich Schwarzwaldkind mit duft’gen Wangen“ –

Oberamtmann in Calw .................................................................30

Dienstantritt im September 1872 ....................................................30

„Der sich des Ostens salz’gem Schaum vertraute“ –

Dolls Nachbar Dr. Schüz .................................................................31

Koloradokäfer und tollwütige Hunde –

Dienstalltag im Oberamtsgebäude ..................................................32

„Die vollen, echten Völkertausches Brücken“ –

Eröffnung der Nagoldtalbahn ............................................................33

Traurige und freudige Dienstanlässe ...............................................34

Joseph Victor von Scheffel und der vereitelte Badüberfall ..............36


Georg Jäger und seine „Schwäbische Lieder-Chronik“....................38

Sonette als Privatdruck ....................................................................39

Anton Birlinger und die „Alemannia“ .............................................41

„Vom Wald und seinem Flachse“ –

Dolls erste Beiträge zur „Alemannia“ .............................................43

Kulturhistorisches Sammelsurium aus der Calwer Gegend ............45

Sagen in Versform: Balladen in der Tradition

von Gustav Schwab und Ludwig Uhland .........................................50

Die letzten Calwer Jahre: 1877 bis 1879 .........................................50

„Wir werden treu und ehrend Dein gedenken“ –

Abschied von Calw ..........................................................................52

In Stuttgart beim Departement des Innern ..................................54

Erstes Domizil im Gerberviertel ......................................................54

Die „Schwäbischen Balladen“ ..........................................................54

Mitarbeit am „Schwäbischen Dichterbuch“ ....................................64

Gedichte für Kohlhammers „Schwaben-Kalender“ .........................66

„In Ulm, um Ulm und um Ulm rum“ .............................................67

Erneuter Umzug und neue Herausforderungen ..............................67

„… der Wurf ist uns gelungen“ – 40. Stiftungsfest

der Verbindung Schottland .............................................................70

Erhebung in den Personaladelsstand .....................................................72

Das Lehrwerk „Die Staatsrechtlichen Verhältnisse des

Deutschen Reichs und des Königreichs Württemberg“ .......................72

Lebensabend in Cannstatt ...............................................................74

Postum erschienene Horaz-Übersetzungen ....................................75

Karl Doll, ein „vaterländischer Dichter“? ....................................78

Sonette ............................................................................................80

Sonette aus Calw ..........................................................................81

Sonette vom Schwarzwald .........................................................108

Sagen .............................................................................................129

Anhang ..........................................................................................154

Abkürzungen ..............................................................................154

Anmerkungen .............................................................................155

Ortsregister ................................................................................163

Personenregister ........................................................................164

Verzeichnis der Gedichtanfänge und Gedichtüberschriften ......167

Bildnachweis ..............................................................................168


Vorwort des Herausgebers

Zu den besonderen Reizen sowohl des Landkreises

Calw als auch des nördlichen Schwarzwalds

gehören bis heute der Reichtum an

Wald, an ursprünglich belassener und vielfältiger

Natur oder – um es poetischer zu sagen

– an stiller Schönheit. Als Karl Doll im September

1872 hier die Stelle als Oberamtmann

antrat, hat er wohl kaum geahnt, wie sehr ihn

die Oberamtsstadt und die landschaftlichen

Reize als Dichter inspirieren würden.

Von seinem poetischen Werk war bislang

noch kaum etwas an die Öffentlichkeit gedrungen.

Mit großen Dichtern seiner Zeit hatte er

schon in Verbindung gestanden – unter anderem

mit Kerner und Mörike, mit Scheffel

nahm er 1876 Kontakt auf. Sie alle machten

ihm Mut, einerseits den eingeschlagenen Weg

weiter zu verfolgen, andererseits mit einer zu

frühen Veröffentlichung seiner Werke noch

abzuwarten.

In Calw herrschte damals Aufbruchsstimmung,

mindestens in den ersten Jahren von

Dolls Wirken. Durch den Bau der Schwarzwald-

und der Nagoldtalbahn hatte die Gegend

Anschluss an die „große, weite Welt“ bekommen.

Neue öffentliche Einrichtungen wie die

Turnhalle oder das Georgenäum standen für

Fortschrittlichkeit, gepaart mit technischen

Neuerungen wie Einführung der Gasbeleuchtung

oder des Telefons. Obwohl Karl Doll

einerseits über „Geschäfts-Überbürdung“

klagte, hatte er andererseits wohl genügend

Zeit zum Erkunden der Gegend und für sein

dichterisches Schaffen, das in Calw zu seinem

Höhepunkt kommen sollte. Immerhin sind

hier drei Gedichtzyklen entstanden, von denen

zwei – die „Sonette aus Calw“ und die „Sonette

vom Schwarzwald“ – in diesem Band herausgegeben

werden.

Die Oberamtsstadt und die Schwarzwaldlandschaft

hatten es Doll angetan und setzten

schöpferische Kräfte frei. Für ihn wurde Calw

zur „Schwarzwaldperle“, noch liebevoller

bezeichnet als „ein freundlich Schwarzwaldkind

mit duft’gen Wangen, … von echter

Schönheit wunderbar umfangen“. Er fand hier

ein „traut‘ Asyl, das alle liebgewonnen“. Genau

so schätzte er die landschaftliche Schönheit,

„der Gegend Pracht im Licht der Sonnen“,

„walddunkler Höh’n unmessbar weite

Räume“, wo ein „urfrisch, wonnesam Verweilen“

sei. Auch bedichtete er umliegende Orte

wie Hirsau, Kentheim, Zavelstein („Ein Diadem

auf grünem Sammetkissen“), Liebenzell,

wo „Liobas Thermen abends dich umfluten“,

Teinach („O stilles Teinach, ewig reizumflossen“)

und Wildbad mit „der Brunnen Plätschern,

Hallen und Arkaden“.

Bis vor kurzem waren von Karl Doll nur ein

dürres biographisches Gerüst mit den wichtigsten

Lebensstationen und einzelne versprengte

Gedichte bekannt. Das änderte sich, als Jiří

Hönes Anfang 2012 auf mich zukam und mir

das von ihm entdeckte dichterische Werk Dolls

vorstellte. Nachdem sich herausstellte, dass er

auch zahlreiche Sagen gesammelt und weitere

interessante volkskundliche Arbeiten von ihm

vorliegen (Wiedergabe von Hausinschriften

und Ofenkachelsprüchen, Abschriften aus

Kirchenkonventsprotokollen und Kaufbüchern),

reifte der Gedanke an eine vom Landkreis

Calw herausgegebene Publikation.

Das vorliegende Buch soll einerseits wissenschaftlichen

Ansprüchen genügen, andererseits

allen Interessierten das Leben und Werk

von Karl Doll in verständlicher und unterhaltsamer

Form nahe bringen. Es ist so gestaltet,

dass es auch in anderen Bereichen wie Schule

und Unterricht oder Tourismus verwendet

werden kann.

Danken möchte ich der Raiffeisenbank im

Kreis Calw, dass sie mit ihrer Unterstützung

7


die Herausgabe dieses Buches ermöglicht hat.

Dank gebührt auch Herrn Michael Barth für

das Setzen der Texte und für die Gestaltung

des Buches. Schließlich möchte ich dem Autor,

Herrn Jiří Hönes, meinen Dank aussprechen

für die sorgfältige Erstellung des Manuskripts,

für seinen unermüdlichen Einsatz und die

konstruktive Zusammenarbeit. Ich wünsche

dem Buch eine gute Aufnahme bei seinen

Lesern und in der Öffentlichkeit.

Martin Frieß, Kreisarchivar

Calw, um 1872, mit den neuen Bahntrassen.

Das Gleis auf der Schwarzwaldbahn (rechts) ist schon gelegt.

8


Einleitung

Wenngleich Karl Doll nur sechseinhalb Jahre

in Calw gelebt hat, so fällt doch in diese Zeit

die sowohl dichterisch als auch volkskundlich

produktivste Phase seines Lebens. Der in

Stuttgart geborene und in Ulm aufgewachsene

Staatsbeamte kam im Spätsommer des Jahres

1872 von Reutlingen in die Schwarzwaldstadt,

um die vakant gewordene Stelle als Oberamtmann

anzutreten. Schon während seiner Tübinger

Studentenzeit hatte er Gedichte geschrieben

und zum Teil auch veröffentlicht, doch in

Calw sollte mit den Schwäbischen Balladen sein

bedeutendstes lyrisches Werk entstehen. Daneben

verfasste er zahlreiche Sonette, in denen

er ein lyrisches Portrait von Calw und seiner

Umgebung zeichnete. Als Sonette aus Calw und

Sonette vom Schwarzwald erschienen sie

zunächst anonym im „Unterhaltungs-Blatt“ des

„Calwer Wochenblatts“ und später als eigenständige

Bändchen in Kleinstauflagen. Einzelne

Stücke fanden zudem Aufnahme in Georg

Jägers „Schwäbische Lieder-Chronik“.

Wegen ihres Lokalkolorits sind diese Dichtungen

heute besonders für die örtliche Kultur-

und Literaturgeschichte von hohem Wert,

doch sind sie gleichzeitig ein kaum bekanntes

Beispiel für die Lyrik der sogenannten Gründerzeit.

Während sich einige wenige dieser

Sonette bis heute einer gewissen regionalen

Bekanntheit erfreuen, sind die meisten nahezu

gänzlich unbekannt geblieben. Die insgesamt

45 Sonette werden in diesem Band erstmals

vollständig wiedergegeben.

Auch als Sammler volkstümlicher Überlieferungen

trat Karl Doll in Calw hervor: Angeregt

von dem Calwer Arzt Emil Schüz verfasste er

zahlreiche Beiträge über Sagen, Ortsnecknamen,

Hausinschriften und Ofenkachelsprüche,

die vor allem in Anton Birlingers Bonner

Zeitschrift „Alemannia“ veröffentlicht wurden.

Neben exemplarischen Auszügen aus allen

Bereichen seines reichhaltigen Schaffens wird

im vorliegenden Band seine zwischen 1878

und 1880 in drei Teilen erschienene Sagensammlung

aus dem damaligen Oberamt Calw

in voller Länge neu herausgegeben. Neben

manchen Varianten wohlbekannter Sagen aus

dem Bezirk finden sich darin zahlreiche bislang

kaum bekannte Texte. Interessant ist auch,

dass Doll gelegentlich die Namen seiner

Gewährsleute nannte. Meist handelte es sich

dabei um die Schultheißen der Amtsorte,

welche offenbar Gefallen daran fanden, dem

Beamten ihre teils schaurigen Geschichten zu

unterbreiten.

Anfang des Jahres 1879 verließ Doll Calw und

wechselte zum Ministerium des Innern in

Stuttgart. Während seine volkskundliche Sammeltätigkeit

in der Residenzstadt zum Erliegen

kam, betätigte er sich nun als Autor staatsrechtlicher

Fachliteratur. Der Dichtkunst blieb

er dagegen treu. Nach den auf Neujahr 1883

in Druck gegebenen Schwäbischen Balladen

steuerte er immer wieder einzelne Gedichte zu

Sammelbänden und Zeitschriften bei. Sein

zweites großes lyrisches Werk, die Übertragung

der Oden und Epoden des römischen

Dichters Horaz, erschien jedoch erst vier Jahre

nach seinem Tod.

Neben der Wiedergabe der Sonette und Sagen

im Editionsteil wurde in diesem Band der

Versuch unternommen, Dolls Lebensweg und

sein Selbstverständnis als Dichter nachzuzeichnen.

Typisch für einen Staatsbeamten seiner

Zeit, wechselte er häufig seine Dienstorte und

hinterließ entsprechend zahlreiche Spuren.

Einen geschlossenen Nachlass gibt es nicht;

seiner Tochter Elise ist es jedoch zu verdanken,

dass sich im Deutschen Literaturarchiv in

Marbach eine stattliche Manuskriptsammlung

sowie einige an ihn adressierte Briefe aus der

Hand von Eduard Mörike, Justinus Kerner und

Joseph Victor von Scheffel erhalten haben.

Leider enthalten diese Briefe wenig Persön-

9


Einleitung

liches, da Doll zu keinem der drei ein sehr enges

Verhältnis pflegte. Briefwechsel mit Personen

aus seinem vertrauten Umfeld liegen keine vor.

Aufschlussreich war eine autobiografische

Skizze, die Doll dem bekannten Lexikografen

Franz Brümmer übermittelt hat, welche sich in

der Staatsbibliothek zu Berlin finden ließ.

Darüber hinaus konnten Karl Dolls Bildungsweg

und sein dienstlicher Werdegang anhand

zahlreicher Einzelquellen wie dem Schülerverzeichnis

des Ulmer Gymnasiums, der Tübinger

Studentenakte und diverser Bewerbungsunterlagen

beleuchtet werden. Aufschluss über

seine Einstellung in Bezug auf Politik, Kultur

und Dichtung gaben neben zwei Nachrufen in

der „Schwäbischen Kronik“ und im „Neuen

Tagblatt“ nicht zuletzt seine Dichtungen.

Zur Edition: Die Rechtschreibung und die

Zeichensetzung in den Sonetten und Sagen im

Editionsteil wurde durchweg modernisiert. In

den zeitgenössischen Zitaten aus Zeitungen,

Briefen und anderen Dokumenten im biografischen

Teil sowie in den Anmerkungen wurde

sie dagegen in der vorgefundenen Form belassen.

Dolls Vorname findet sich in zeitgenössischen

Quellen in den beiden Formen „Karl

und „Carl“. In Originalzitaten wurde die jeweilige

Schreibung belassen, ansonsten die in

seinen eigenen Büchern gewählte Form „Karl

verwendet. Wörtliche Zitate von Karl Doll sind

im biografischen Teil sowie in den Anmerkungen

des Editionsteils kursiv gesetzt. Letztere

erläutern kulturgeschichtliche Zusammenhänge

oder erklären außer Gebrauch gekommene

Wörter. Wo es zum besseren Verständnis angebracht

schien, sind Ergänzungen und Erläuterungen

in eckigen Klammern eingefügt. Für

philologisch interessierte Leserinnen und Leser

stehen zudem alle Sonette und Sagen in ihrer

ursprünglichen Rechtschreibung als Transkription

und/oder Faksimile in Form eines begleitenden

Internetangebots zur Verfügung. Diese

unter www.karldoll.de erreichbaren Seiten dienen

nicht zuletzt auch dazu, das Lesepublikum über

etwaige nach Drucklegung zu Tage tretende

Forschungsergebnisse oder Quellen zu informieren.

Danken möchte ich all jenen, die das Zustandekommen

dieses Buchs auf vielfältige Weise

unterstützt haben. Zu nennen sind hier zunächst

die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der aufgesuchten

und anderweitig kontaktierten Archive

und Bibliotheken, darunter insbesondere Frau

Antje Zacharias vom Stadtarchiv Tübingen, Herr

Albrecht Gühring vom Stadtarchiv Marbach am

Neckar, Herr Dr. Nicolai Riedel vom Deutschen

Literaturarchiv ebenda, Frau Magdalene Popp-

Grilli von der Handschriftenabteilung der Württembergischen

Landesbibliothek in Stuttgart

sowie nicht zuletzt Frau Lena Wörsdorfer und

Herrn Dr. Karl Mayer vom Stadtarchiv Calw.

Unbürokratische Unterstützung bei der Suche

nach Abbildungen gab es zudem durch Frau

Michaela Raab vom Heimatmuseum Dachtel,

Frau Nicole Domka von der Bilddatenbank der

Universitätsbibliothek Tübingen sowie Frau

Cornelia Semper-Serafin und Herrn Dieter

Knauß vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg.

Herr Robin Dietrich hat mich regelmäßig

mit historischen Dokumenten aus den

Beständen der Landsmannschaft Schottland

versorgt und Herr Hans Schabert vom Kreisgeschichtsverein

Calw e.V. konnte mit genealogischen

Daten aus dem Raum Neuweiler helfen,

diverse Unklarheiten zu beseitigen, auch hierfür

meinen aufrichtigen Dank. Einen Ausweg aus

jeder vermeintlichen Sackgasse der Forschung

fand Herr Dr. Gerhard Prinz von der Landesstelle

für Volkskunde Stuttgart, wofür ihm ebenfalls

mein herzlicher Dank gilt, ebenso wie meiner

Freundin Patricia Ulmann, die sich der Zweitkorrektur

des Manuskripts annahm. Insbesondere

verdient gemacht hat sich der Herausgeber,

Herr Kreisarchivar Martin Frieß, der nicht nur

den Anstoß zu dem Projekt gab, sondern auch

inhaltlich und organisatorisch vieles zum Gelingen

desselben beitrug.

Stuttgart-Untertürkheim, im April 2014

Jiří Hönes

10


In Stuttgart beim Departement des Innern

Maimorgen.

Wach auf, mein Kind, hellauf geschwind!

Schon putzt sich im Fenster dein Kätzchen,

Und die Blumen duften süß und lind

An deinem Lieblingsplätzchen.

Die Morgenstund hat Gold im Mund,

Und die Vögel schmettern und schlagen,

Und Himmel freut sich und Erdenrund,

Dir „guten Morgen“ zu sagen.

Schon tritt fürwahr mein Mägdlein dar,

Bestaunend die Pracht ihr zu Füßen.

Maimorgen, wie bist du so duftig klar,

Wenn Kinderaugen dich grüßen!

68


Karl Doll lebte und wirkte von 1872 bis 1879 als Oberamtmann in Calw, eben als Hermann

Hesse hier geboren wurde (1877). Er ließ sich von der Schwarzwaldstadt und der sie

umgebenden Landschaft inspirieren, und so entstand hier der bedeutendste Teil seines

lyrischen Werks: die beiden Gedichtzyklen mit „Sonetten aus Calw“ undSonetten vom

Schwarzwald“ sowie die „Schwäbischen Balladen“. Zudem erlangte Doll als Sammler von

Sagen, Hausinschriften und Ofenkachelsprüchen Bedeutung. Der Band enthält erstmals

einen biografischen Abriss. Es folgt die Edition seiner bislang kaum bekannten Sonette,

welche ein lebendiges Bild der Stadt Calw und ihrer Umgebung in den 1870er-Jahren

zeichnen. Den Abschluss bildet die Wiedergabe der Sagen, die er vor Ort aus dem

„Volksmund“ gehört und aufgezeichnet hat. In schlichter Prosa erzählen sie von Gespenstern

wie dem „Nonnenwaagschimmel“, alten Rechtsbräuchen oder untergegangenen Orten.

Karte vom Oberamt Calw, angefertigt von Georg Wilhelm Bauser um 1878. Als Oberamtmann

war Karl Doll für die Städte und Gemeinden im Oberamt zuständig. Die meisten der Sagen

und der Sonette beziehen sich auf diese Orte.

ISBN 978-3-00-045852-1

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine