Solarindustrie als neues Feld industrieller ... - scottie.LAB

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Solarindustrie als neues Feld industrieller ... - scottie.LAB

Kapitel 5

Gewerkschaftliche Handlungsmöglichkeiten können darin bestehen,

•die Interessenvertretungen in der Photovoltaikindustrie durch die Einrichtung eines Branchenausschusses

zu unterstützen,

•Gewerkschaftsmitglieder und Interessenvertreter der Photovoltaikindustrie in lokale/regionale

Betriebsräte-Netzwerke einzubinden,

•den Kontakt zu und die Kooperation mit anderen Akteursebenen (Landespolitik, Arbeitsforschung,

Berufsgenossenschaften etc.) zu initiieren und zu unterstützen.

5. Schlussfolgerungen für arbeitsorientierte Strategien der industrie- und

strukturpolitischen Entwicklung der Photovoltaikindustrie

Für die Photovoltaikindustrie wird in den nächsten Jahren eine Konsolidierung des Marktes erwartet. Dabei werden

sich die Unternehmen durchsetzen, die sich den Herausforderungen der Branche am effizientesten anpassen können.

Als wesentliche Faktoren zur Sicherung von Wettbewerbsfähigkeit werden derzeit folgende Strategien betrachtet:

•die Rohstoffsicherung – durch langfristige Lieferverträge, Beteiligungen an oder Kooperationen mit

Siliziumherstellern, Weiterentwicklung von Produktionstechnologien mit geringerem Ressourceneinsatz

(z. B. Dünnschicht);

•die Realisierung von Kostenvorteilen durch Economies of scale – Größenvorteile bergen ein deutliches Einsparpotenzial

bei den Produktionskosten, wie am anhaltenden Trend zu großen Produktionsanlagen

sichtbar wird, verbunden mit einer Entkoppelung von Größenwachstum der Produktionsanlagen und

weiterem Beschäftigungsaufbau in diesen Einheiten;

•die Entwicklung neuer, materialsparender und energieeffizienter Produktionstechniken und Erschließung

weiterer, neuer Einsatzgebiete für die Photovoltaik;

•die Diversifizierung der Unternehmen über mehrere Wertschöpfungsstufen um flexibel auf Weltmarktschwankungen

einzelner Wertschöpfungsstufen reagieren zu können, Innovationen voran zu treiben und

Anschlussfähigkeit an die Weiterentwicklung des Industriezweigs herstellen zu können – in diesem Bereich

können auch strategische Partnerschaften und Kooperationen zwischen den PV-Unternehmen von zentraler

Bedeutung sein.

Risiken stellen in diesem Zusammenhang die Probleme der Finanzierung schnellen Wachstums im Einzelnen dar,

die zu erheblichen Teilen über internationale Kapitalmärkte mit entsprechenden Beteiligungen, Private Equity, aber

auch Risikokapital und zum größten Teil über Kredite erfolgt. Auch setzen die gegenwärtig praktizierten staatlichen

Anreizprogramme für die Stromproduzenten wie mit den Degressionsstufen im Deutschen EEG, insbesondere die

Zellen- und Modulhersteller der direkten Konkurrenz auf dem Weltmarkt aus, ohne dass gleichzeitig mit der Bindung

maßgeblicher Stromerzeuger für die inländische Technologie ein durchgängiger Leadmarkteffekt, wie er

durch das ZEW definiert wurde, entsteht (vgl. Beise u. a. 2002). Nicht zuletzt lassen der Anteil „verlängerter Werkbänke“

und die gegenwärtige Strategie des weiteren Standortausbaus in Ostdeutschland vermuten, dass sich Tendenzen

zu Strategien der „eine Produktionslinie = eine Fabrik“ herausbilden. Zudem wird mit einer zunehmenden

Standardisierung von Fertigungsprozessen auch eine mindestens seit 2007/2008 erkennbare räumliche Diversifizierung

der Produktionsstandorte verbunden sein.

Von entscheidendem Einfluss auf die Entwicklung der Photovoltaikindustrie wird neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

(z. B. der Entwicklung der Märkte, der Rohstoffpreise und dem Markteintritt neuer Akteure)

daher auch das politische Umfeld, die Förderung regenerativer Energien in Form von Einspeisevergütungen etc.

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