Solarindustrie als neues Feld industrieller ... - scottie.LAB

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Kapitel 1

Kristalline Zellen werden aus Wafern, die aus hochreinem Halbleitermaterial (monokristalline Siliziumzellen, rund

60 % aller Solarzellen) oder aus Einzelkristallen (polykristalline, rund 30 % aller Solarzellen) bestehen, hergestellt.

Wafer sind aus Ingots gesägte dünne Scheiben, aus denen Zellen und Chips hergestellt werden. Als Solarzellen

werden Bauelemente aus Wafern bezeichnet, die Licht in elektrische Energie umwandeln. Solarmodule fassen

mehrere Solarzellen zusammen und verschalten diese zu einem stromerzeugenden Modul. Photovoltaische Systeme

bestehen aus vielen Modulen und weiteren Komponenten und bezeichnen vollständige und speziell konfigurierte

Anlagen unterschiedlicher Größen und Leistungsklassen zur photovoltaischen Stromgewinnung.

In der Praxis erreichen kristalline Solarzellen Wirkungsgrade von ca. 15 %. Die Wirkungsgradnachteile polykristalliner

Siliziumzellen gegenüber den monokristallinen Zellen werden durch niedrigere Herstellungskosten ausgeglichen.

Bei der Dünnschichttechnologie wird eine dünne, leitende Schicht auf Glas oder metallische Trägermaterialien aufgetragen

(i. d. R. aufgedampft) – das Schneiden von Siliziumblöcken entfällt damit. Als Halbleitermaterialien werden

hier unter anderem amorphes Silizium (aSi), Cadmium-Tellurid (CdTe) oder Kupfer-Indium-Diselenid (CIS) eingesetzt.

Mit der Dünnschichttechnologie besteht die Möglichkeit, komplett siliziumfreie Solarmodule in einem integrierten

Prozess der Zellfertigung zu bauen. Analog folgt die Zusammenstellung zu PV-Systemen. Bisher werden

allerdings auch in der Dünnschichttechnologie die meisten Module auf Siliziumbasis hergestellt (53 %), gefolgt

von den CdTe-Modulen (40 %) und den CIS-Modulen (7 %) (Sarasin 2007). Expertenschätzungen zufolge wird sich

der Anteil der siliziumfreien Solarmodule (CdTe + CIS) bis 2010 nicht nennenswert erhöhen, er steigt um einen Prozentpunkt

auf 48 %. Dünnschichtzellen haben aktuell noch deutlich niedrigere Wirkungsgrade als die kristallinen

Zellen (um die 10 %), basieren aber auf wesentlich vereinfachten Herstellungsverfahren. Bedingt durch die günstigeren

Herstellkosten erzielen diese Technologien zwar einen bislang noch geringen, aber stetig wachsenden

Marktanteil.

Da die Dünnschichttechnologie geringeren Rohstoffeinsatz als konventionelle, kristalline Solarzellen erfordert, gewinnt

sie auch angesichts des in der jüngeren Vergangenheit auf dem Weltmarkt aufgetretenen Siliziumengpasses

zunehmend an Bedeutung.

Immer mehr Unternehmen entscheiden sich zur Produktion im Dünnschichtverfahren. Im vergangenen Jahr stiegen

weltweit 24 Produzenten in die Dünnschichttechnologie ein. Insgesamt produzieren weltweit rund 80 Unternehmen

Solarzellen und -module mit dieser Technologie. Marktführer sind die amerikanischen Unternehmen First Solar und

United Solar sowie die japanischen Firmen Kaneka und Mitsubishi. Aber auch bisher nur im kristallinen Segment

tätige Unternehmen wie Sharp oder Q-Cells steigen jüngst vermehrt in die Dünnschichttechnologie ein. Der Ausbau

der Fertigungskapazitäten lässt erwarten, dass der Marktanteil der Dünnschichttechnologie an der gesamten

Photovoltaikindustrie stark zunimmt. Lag er 2005 noch bei knapp 6 %, stieg er 2006 bereits auf ca. 8 %. Es wird erwartet,

dass sich der Anteil der Dünnschichtsolarzellen insgesamt bis zum Jahr 2010 auf über 20 % erhöhen wird

(Sarasin 2007). Ein weiteres Indiz für die wachsende Bedeutung der Dünnschichttechnologie ist der Aufstieg von

First Solar, einem Dünnschichtproduzenten, dessen Technologie nicht siliziumbasiert ist, unter die Top Ten der PV-

Hersteller in 2006.

Weitere Vorteile wie die Möglichkeit, Solarmodule auf flexible Materialien aufzubringen, bessere Leistungswerte

bei höheren Temperaturen und eine weniger energieintensive Herstellung lassen die Dünnschichttechnologie als

zukunftsträchtiges Teilsegment der Photovoltaikindustrie erscheinen. Allerdings ist auch für die Herstellung

kristalliner Solarmodule zukünftig mit immer weiter reduzierten Herstellkosten zu rechnen.

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