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B Morphologie - palacha`s web

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B <strong>Morphologie</strong><br />

Inhaltsverzeichnis<br />

0 Die sprachlichen Ebenen<br />

Innerhalb des Sprachsystems kann man verschiedene Ebenen unterscheiden.<br />

Alle Ebenen bestehen aus einer Gesamtheit von konstruierenden Elementen,<br />

die zueinander in unterschiedlichen Beziehungen stehen.<br />

Wir unterscheiden zwei Seiten des sprachlichen Zeichens: die Seite der<br />

Form und die Seite der Bedeutung. Die beiden Seiten des sprachlichen Zeichens<br />

gehören zu unterschiedlichen Ebenen:<br />

• Formseite: phonologische Ebene<br />

graphische Ebene<br />

• Bedeutungsseite: semantische Ebene<br />

Die kleinsten Einheiten der phonologischen Ebene werden distinktive phonologische<br />

Merkmale genannt. Die Bündel distinktiver Merkmale bilden<br />

Phoneme, die kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten.<br />

Die graphische Ebene steht in einer Wechselbeziehung zur phonologischen<br />

Ebene. Das kleinste Element auf der graphischen Ebene ist das distinktive<br />

graphische Merkmal (z.B. Strich, Kreis u.a.). Ein Bündel distinktiver graphischer<br />

Merkmale bilden die Buchstaben. Zwischen der graphischen und der<br />

phonologischen Ebene besteht eine mehr oder weniger ausgeprägte Parallelität,<br />

aber man kann nicht von einer 1:1-Entsprechung beider Ebenen sprechen. Oft<br />

wird ein Phonem mit unterschiedlichen Graphemen (Buchstaben) bezeichnet,<br />

oder ein und derselbe Buchstabe kann unterschiedliche Phoneme bezeichnen.<br />

Die Ebenen des sprachlichen Zeichens sind folgende:<br />

• die morphematische Ebene<br />

• die lexikalische Ebene<br />

• die syntaktische Ebene<br />

• die textuale Ebene<br />

Die kleinste bedeutungstragende Einheit auf der morphematischen Ebene ist<br />

das Morphem. Diese Ebene wird durch elementare sprachliche Zeichen gebildet.<br />

Sie werden auf höherer Ebene miteinander kombiniert und erfüllen verschiedene<br />

Aufgaben.<br />

Die lexikalische Ebene besteht aus relativ selbständigen sprachlichen Zeichen.<br />

Die kleinste Einheit dieser Ebene ist das Lexem. Zu den Lexemen gehö-


42<br />

Grammatik<br />

ren Wörter, bestehend aus Morphemen, aus Morphemkomplexen oder aus festen<br />

Wortgruppen (Phraseologismen). Auf der syntaktischen Ebene bestehen<br />

zwischen den Einheiten der lexikalischen Ebene (Lexeme) unterschiedliche<br />

Beziehungen. Die niederen Einheiten werden hier zu höheren Ein heiten verbunden.<br />

Die Haupteinheiten dieser Ebene sind Wortgruppe (Syntagma) und<br />

Satz.<br />

Auf der textualen Ebene hat man mit kommunikativen Handlungen – Textemen<br />

– zu tun. Mit dieser Ebene befasst sich die Textgrammatik.<br />

Die Morphemebene<br />

Auf der Ebene des Morphems unterscheiden wir drei Arten von Morphemen:<br />

• Basis- (Grund-) oder Stamm-Morpheme<br />

• Wortbildungsmorpheme und<br />

• Flexionsmorpheme<br />

Untersuchen wir die oben genannten Begriffe an einem Beispiel:<br />

In der Wortform (des) Tischlers unterscheiden wir folgende Arten des Morphems:<br />

Tisch Basis - (Grund-) oder Stamm-Morphem<br />

-ler wortbildendes Morphem<br />

-s grammatisches Morphem, Flexionsmorphem (Genitiv Singular)<br />

• Grund- oder Wortbildungsmorpheme konstruieren die lexikalische Bedeutung,<br />

grammatische Morpheme konstruieren die grammatische Bedeutung.<br />

Zwischen lexikalischen und grammatischen Zeichen gibt es Gemeinsamkeiten<br />

und Unterschiede. Wir können sie oft nicht sauber voneinander<br />

trennen.<br />

• Lexikalische Zeichen bezeichnen Beziehungen:<br />

Katzen – fangen – Mäuse<br />

Sohn – ähnlich – Vater<br />

Bei grammatischen Beziehungen kann es sich um unterschiedliche Verhält nisse<br />

handeln:<br />

• zwischen Gegenständen und den Merkmalen der Realität:<br />

Die Wand (Gegenstand) ist hoch (Merkmal)<br />

Der Junge (Gegenstand, Person) zeichnet (Merkmal, Tätigkeit)<br />

• zwischen Sachverhalten:<br />

Der Junge besteigt den Zug, denn er fährt nach Hause.


• zwischen Sachverhalt und Redesituation:<br />

Hoffentlich (sicher/natürlich/selbstverständlich) kann er die Aufgabe lö sen.<br />

Untersuchen wir, aus welchen Komponenten folgender Satz besteht:<br />

Die Kinder gehen auf den Sportplatz.<br />

Das Wort Kind hat eine benennende Funktion. Das Suffix -er (durch den bestimmten<br />

Artikel die unterstützt) gibt einen Hinweis auf Numerus (Plural), Kasus<br />

(Nominativ) und teilweise auf das Genus (Neutrum).<br />

Das Verb gehen besteht aus einem:<br />

• lexikalischen Morphem {geh-}, das die Aufgabe hat, die Tätigkeit zu benennen.<br />

• grammatischen Morphem {-en}, das Tempus und Modalität angibt. usw.<br />

Auf der lexikalischen Ebene haben wir mit Lexemen zu tun. Ein Lexem ist die<br />

kleinste relativ selbständige bedeutungstragende Einheit, die im Sprachgebrauch<br />

frei reproduzierbar ist. Zu den Lexemen gehören aber auch Wortpaare,<br />

feste Verbalverbindungen, feste Nominalverbindungen und völlig isolierte Einheiten.<br />

Zentrales Element der lexikalischen Ebene ist das Wort.<br />

Das Wort ist der kleinste selbständige, potentiell isolierbare Redeteil, der<br />

als Einheit des phonetischen und grammatischen Baues und des Inhaltes<br />

charakterisiert ist und sowohl hinsichtlich seines Lautkörpers als auch seiner<br />

Bedeutung mit den übrigen Einheiten der Sprache in Beziehung steht.<br />

[Schmidt, W. 1967, S. 13]<br />

Auf der syntaktischen Ebene haben wir mit unterschiedlichen Einheiten zu tun.<br />

Unter Wortgruppen oder Syntagmen verstehen wir ein Satzglied, das aus<br />

zwei oder mehreren autosemantischen Wörtern besteht. Zwischen den beiden<br />

Wörtern bestehen subordinierende Beziehungen. Vgl.:<br />

• Substantivgruppen:<br />

• verbale Wortgruppen:<br />

• Adjektivgruppen:<br />

der gute Mensch<br />

der Stolz des Schülers auf seine Leistung<br />

Er beauftragt ihn, sich der Frage zu widmen.<br />

(der) auf seinen alten Freund wartende (Junge).<br />

Wortgruppen unterscheiden sich von Lexemen und Sätzen durch folgende<br />

Merkmale:<br />

Wortgruppen sind als syntaktische Konstruktionen komplexe Zeichen bzw.<br />

Zeichenkombinationen. Sie haben Form und Bedeutung.<br />

Als Teile von Sätzen spiegeln sie Sachverhalte wider.<br />

43


44<br />

Grammatik<br />

Im Gegensatz zu Sätzen verfügen sie nicht über Prädikativität (Einordnung<br />

in Zeit), Modalität und Intention (Sprechabsicht). Sie haben jedoch als kommunikative<br />

Einheiten bestimmte ko mmunikative Bedeutungselemente.<br />

Sie können Eigenschaften (z.B. der süße Wein) oder Relationen (die von vielen<br />

diskutierte Frage) ausdrücken.<br />

Der Satz ist die kleinste selbständige kommunikative Einheit. Er ist durch<br />

seine Abgeschlossenheit gekennzeichnet. Das Teilgebiet der Sprachwissenschaft,<br />

das die Beziehungen innerhalb des Satzes untersucht, ist die Syntax.<br />

Der Text besteht aus Sätzen. Er hat ebenfalls eine Form- und eine Inhaltsseite.<br />

Eine wichtige Rolle spielt bei Texten der Aufbau, die Textkomposition.<br />

(Hier handelt es sich unter anderem um die Komposition des Makrotextes,<br />

Mikrotextes und Absatzes.) Die neuesten linguistischen Forschungen widmen<br />

auch der inhaltlichen Seite des Textes eine erhöhte Aufmerksamkeit.<br />

(nach SOMMERFELDT , K.-E., STARKE, G: 1988, S. 11 ff.)<br />

0.1 Sprachwissenschaftliche Disziplinen<br />

Die verschiedenen Ebenen der Sprache werden durch die einzelnen sprachwissenschaftlichen<br />

Disziplinen untersucht.<br />

Die Bedeutungsseite sprachlicher Zeichen ist Gegenstand der Semantik oder<br />

Semasiologie.<br />

Bei der Formseite kann man zwischen lautlicher und graphischer Ebene unterscheiden.<br />

Mit der lautlichen Ebene befasst sich die Phonetik, mit der Funktion<br />

der Laute (Phoneme) die Phonologie.<br />

Mit der Beschreibung der graphischen Ebene befasst sich die Graphemik o-<br />

der Graphematik, während sich die Orthographie mit den präskriptiven Regeln<br />

der richtigen oder korrekten Schreibung befasst.<br />

Gegenstand der Lexikologie sind vor allem Form und Bedeutung der Lexeme<br />

(lexikalische Ebene) und der lexikalischen Morpheme (morphema tische<br />

Ebene).<br />

Nicht einfach ist es, den Gegenstand der Grammatik zu bestimmen. Wir<br />

unterscheiden folgende Ebenen der Grammatik:<br />

• Morphematische Ebene: die formbildenden Morpheme<br />

• Lexikalische Ebene: die Wortarten, die grammatischen Kategorien der<br />

Autosemantika (Substantiv, Verb, Adjektiv u.a.) sowie der Synsemantika<br />

(Präpositio nen, Konjunktionen, Hilfsverben, Artikel u.a.)<br />

• Syntaktische Ebene: syntaktische Konstruktionen<br />

• Textuale Ebene: grammatische Erscheinungen bei der Bildung von Texten<br />

Betrachtet man die Grammatik als Lehre vom Bau der Sprache, dann wird sie<br />

in <strong>Morphologie</strong> und Syntax gegliedert.


Gegenstand der <strong>Morphologie</strong> sind die Wortarten, ihre Formveränderungen,<br />

ihre lexikalischen und grammatischen Bedeutungen. Gegenstand der Syntax<br />

sind der Aufbau und die Typologie der Sätze.<br />

0.2 Wortklassen<br />

Die Wörter einer Sprache lassen sich nach bestimmten Kriterien ordnen, die<br />

wir als Wortart oder Wortklasse (’partes orationis’, ’part of speech’ u.a.) bezeichnen.<br />

Die Merkmale zur Einordnung der Wörter sind entweder in ihrer<br />

Form oder in ihrer Bedeutung zu suchen.<br />

Die Klassifikation der Wortarten gehört zu den meist diskutierten Fragen der<br />

deutschen Grammatik. In der deutschen Sprache der Gegenwart existieren<br />

gleichzeitig verschiedene Wortartsysteme. Sie unterscheiden sich nach der Anzahl<br />

und Benennung der Wortarten.<br />

Insgesamt können wir drei Definitionsverfahren unterscheiden:<br />

• das distributionelle Verfahren<br />

• das semantische Verfahren<br />

• das flexematische Verfahren<br />

Das distributionelle Verfahren klassifiziert die Wörter nach ihren Umgebungen,<br />

ihrer »Distribution«, in der sie im Satz vorkommen können. Dafür werden<br />

sogenannte »Distributionsrahmen« oder »Substitutionsrahmen« aufgestellt und<br />

definiert. „Eine syntaktische Klassifizierung der Wortarten fordert zunächst die<br />

Einsetzung bestimmter Substitutionsrahmen:<br />

Der … arbeitet fleißig.<br />

Der Lehrer … fleißig.<br />

Er sieht einen …Lehrer.<br />

Der Lehrer arbeitet …<br />

Nach dem Prinzip der Distribution kann in den Rahmen (1) nur ein Substantiv,<br />

in den Rahmen (2) nur ein Verb, in den Rahmen (3) nur ein Adjektiv, in den<br />

Rahmen (4) nur ein Adverb eingesetzt werden.“ (He lbig/Buscha 1994: 19)<br />

Dieses Prinzip wurde verwirklicht in der Deutschen Grammatik – Ein Lehrbuch<br />

für den Ausländerunterricht von Gerhard HELBIG und Joachim BUSCHA,<br />

die folgende Wortklassen unterscheiden:<br />

1) Verb<br />

2) Substantivwörter<br />

a) Substantiv<br />

b) substantivische Pronomina<br />

3. Adjektiv (einschließlich Zahladjektiv)<br />

4. Adverb (einschließlich Adjektiv-Adverb)<br />

5. Funktionswörter I: Artikelwörter (einschließlich der adjektivischen Pronomina)<br />

45


46<br />

Grammatik<br />

6. Funktionswörter II: Fügewörter<br />

a) Präpositionen<br />

b) Konjunktionen<br />

7. Funktionswörter III: (adverbähnliche Wörter)<br />

a) Partikeln<br />

b) Modalwörter<br />

c) Satzäquivalente (einschließlich Interjektionen)<br />

Die Unterschiede zu den herkömmlichen 10 Wortarten ergeben sich aus den<br />

angewandten syntaktischen Kriterien. Es fehlen in dieser Grammatik die Numeralien<br />

und die Pronomen als autonome Wortklassen, da sie verschiedene<br />

syntaktische Funktionen ausüben. Die syntaktische Wortklasse der Artikelwörter<br />

hat einen wesentlich größeren Umfang als die herkömmliche Wortart Art i-<br />

kel. Als selbständige Wortklassen werden die Part ikeln und die Modalwörter<br />

auf Grund ihrer syntaktischen Besonderheiten ausgegliedert.<br />

Das semantische Verfahren geht bei der Einordnung der Wörter in bestimmte<br />

Klassen von der Wortartbedeutung aus. Die Wortartbedeutung stellt eine<br />

verallgemeinerte Bedeutung auf einer höheren Abstraktionsebene dar. Ve r-<br />

gleicht man z.B. die Klassen der Substantive, Verben oder Adjektive, kann man<br />

feststellen, dass sie sich durch sehr allgemeine Merkmale unterscheiden. Diese<br />

allgemeine Bedeutung, auf Grund der man die Wörter einordnen kann, nennt<br />

man kategoriale Bedeutung. So lassen sich etwa die drei Hauptwortarten, das<br />

Substantiv, das Adjektiv und das Verb auf Grund folgender kategorialer Bedeutungen<br />

unterscheiden:<br />

Wortart<br />

Substantiv<br />

Verb<br />

Adjektiv<br />

kategoriale Bedeutung<br />

»Gegenstand»<br />

»Prozess»<br />

»Merkmal»<br />

Das flexematische Verfahren verwendet z.B. Ulrich ENGEL in seiner Deutschen<br />

Grammatik. Es ist eine klare und übersichtliche, „aber auch die oberflächlichste“<br />

(Engel 1996: 17) Methode. Man trennt fürs erste die flektierbaren<br />

und die unflektierbaren Wortarten. Dadurch erhält man zwei große Klassen von<br />

Wörtern. Flexion nennt man die regelmäßige Veränderung bestimmter Wörter.<br />

Die Wörter werden im Deutschen hauptsächlich mit Hilfe von Endungen flektiert,<br />

zu denen oft ein Umlaut oder Ablaut tritt. Diese Flexionsendungen nennen<br />

wir mit U. ENGEL Flexeme. Es gibt spezielle Flexionsendungen für Numerus,<br />

Kasus, Genus, Person und Komparation.<br />

Unter Flexion versteht man die regelmäßigen Veränderungen der flektierbaren<br />

Wörter. Flexionsmittel sind im Deutschen grammatische Endungen (Suffixe),<br />

die gelegentlich mit Umlaut bzw. Ablaut kombiniert werden können. Innerhalb<br />

der Flexion unterscheidet man Deklination, Konjugation und Komparation.<br />

Auf Grund des Kriteriums der Flexion gibt es zwei große Gruppen von


Wörtern: die veränderlichen oder flektierbaren (konjugier-, deklinier- und<br />

komparierbaren) und die nicht veränderlichen Wörter, die er Partikeln nennt.<br />

Ein neues Klassifikationsschema nach den Kriterien der Flektierbarkeit und<br />

der Art der Flexion hat Hans Glinz in seiner ‚Fünf-Wortarten-Lehre’ präsentiert.<br />

Die folgende Abbildung zeigt dieses Schema (nach Linke/Nussbaumer/Portmann<br />

1994: 76):<br />

Wörter (Lexeme)<br />

47<br />

flektierbar<br />

nicht flektierbar<br />

konjugierbar<br />

(insbesondere Tempus)<br />

deklinierbar<br />

(insbesondere Kasus)<br />

festes Genus<br />

variables Genus<br />

komparierbar nicht komparierbar<br />

2 Flexionsreihen 1 Flexionsreihe<br />

Verb<br />

Nomen<br />

(Substantiv)<br />

Adjektiv<br />

Begleiter<br />

und<br />

Stellvertreter<br />

(Artikel und<br />

Pronomen<br />

Partikel<br />

(Adverbien,<br />

Präpositionen,<br />

Konjunktionen)<br />

Nach der Art der Flexion (morphologisches Kriterium) lassen sich also die<br />

Wörter einteilen in:<br />

• deklinierbare Wörter (Substantive, Adjektive, Artikel, Pronomen)<br />

• konjugierbare Wörter (Verben)<br />

• komparierbare Wörter (Adjektive)<br />

• Partikeln, d.h. nicht flektierbare Wörter (Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen,<br />

Interjektionen, Partikel)<br />

Deklinierbar sind diejenigen Wörter, die im Kasus (Nominativ, Genitiv, Dativ<br />

und Akkusativ) gekennzeichnet werden können:<br />

ich, meiner, mir, mich<br />

der Vater, des Vaters, dem Vater, den Vater<br />

mein Vater, meines Vaters, meinem Vater, meinen Vater


48<br />

Grammatik<br />

Es gibt konjugierbare Wörter, d.h. solche Wörter, die nach der Person verändert<br />

werden können:<br />

ich schlafe, du schläfst, er schläft,<br />

wir schlafen, ihr schlaft, sie schlafen<br />

Die konjugierbaren Wörter drücken bestimmte zeitliche Beziehungen aus:<br />

ich gehe, ging, bin/war gegangen, werde gehen<br />

Die konjugierbaren Wörter nennen wir Verben.<br />

Es gibt Wörter, die komparierbar sind:<br />

schnell, schneller, der schnellste/am schnellsten<br />

gut, besser, der beste/am besten<br />

Eine weitere Klasse der Wörter ist weder konjugier- noch deklinierbar. Aufgrund<br />

ihrer Bedeutung und Verwendung im Satz werden sie als Adverbien<br />

(heute, abends, da ...), Präpositionen (an, auf, in ...) oder Interje ktionen (Oh!<br />

Au! Pfui! ...) bezeichnet.<br />

Ulrich ENGEL (1996: 18 f.) modifiziert die ‚Fünf-Wortklassen-Lehre’ und<br />

schlägt folgende Wortklassen (Wortarten) vor:<br />

Verben. Sie haben ein Finitparadigma: geht, gehen, ging, geh, ginge;<br />

Nomina. Sie haben ein konstantes Genus und lassen sich gewöhnlich nach dem<br />

Kasus deklinieren: der Mann, des Mannes, die Männer, den Männern;<br />

Determinative . Sie sind Begleiter des Nomens: der Mann, die Frau, das Kind;<br />

Adjektive können immer zwischen Determinativ und Nomen stehen: (das)<br />

kleine (Kind);<br />

Pronomina bezeichnen Größen und können eine Nominalphrase ersetzen: er,<br />

jemand, keiner;<br />

Präpositionen sind Partikeln, die einen Nomen in einem spezifischen Kasus<br />

bei sich haben können: an, auf, bei u.a.;<br />

Subjunktoren leiten Nebensätze ein: dass, weil u.a.;<br />

Konjunktoren können zwischen gleichrangigen Wörtern oder Sätzen stehen:<br />

aber, denn, und u.a.;<br />

Adverbien können im Aussagesatz vor dem finiten Verb stehen: dort, hier,<br />

manchmal u.a.;<br />

Modalpartikeln können im Aussagesatz vor dem finiten Verb stehen und als<br />

Antworten auf Entscheidungsfragen (Ja-Nein-Fragen) dienen: freilich, sicherlich<br />

u.a.;<br />

Rangierpartikeln können im Aussagesatz vor dem finiten Verb stehen, aber<br />

nicht als Antworten auf Fragen dienen: eigentlich, erstaunlicherweise u.a.;<br />

Gradpar tikeln können im Aussagesatz zwischen Konjunktor und Vorfeldelement<br />

stehen: (Und) sogar (er hat daran teilgenommen);<br />

Kopulapartikeln verbinden sich mit Kopulaverben wie sein, bleiben


Satzäquivalente sind Partikeln, die Sätze vertreten können: ja, danke, wau;<br />

Abtönungspartikeln sind solche Partikeln, die weder „vorfeldfähig“ noch erfragbar<br />

noch negierbar noch häufbar sind: doch, eben, wohl;<br />

Insgesamt sind es fünfzehn distributionell definierte Wortklassen, in die sich<br />

nahezu jedes Wort einordnen lässt.<br />

0.3 Die Zahl der Wortarten<br />

Die Zahl der Wortarten schwankt in der Geschichte der Grammatik und in der<br />

Fachliteratur. ARISTOTELES unterschied zwei Klassen von Wörtern, die gleichzeitig<br />

Satzgliedcharakter hatten. Dann taucht die Drei- und Vierzahl auf, seit<br />

dem zweiten Jahrhundert die Achtzahl. Chr. ADELUNG (18. Jh.) nennt zehn<br />

Wortklassen. W. ADMONI unterscheidet in seinem Deutschen Sprachbau dreizehn<br />

»Redeteile«.<br />

In den Schulgrammatiken ist es üblich, zehn oder neun Wortarten zu lehren,<br />

je nachdem, ob man den Artikel als eigene Wortklasse oder zum Pronomen<br />

zählte. Die für die Schule verbindlichen Wortarten wurden von der Kultusministerkonferenz<br />

am 26.02.1982 festgelegt<br />

Unter den genannten 9 (10) stellen einige im Grunde keine besondere Wortart<br />

dar:<br />

Das Numerale ist seinem Wesen nach ein Substantiv oder Adjektiv der<br />

Menge oder Adverb:<br />

• Substantiv: Hunderte von Studenten<br />

• Adjektiv: der erste Sportler, zum zweiten Mal<br />

• Adverb: Er hat es dreimal gesagt<br />

Der Artikel hat keinen Eigenwert. Er dient als Kennzeichen des Substantivs<br />

und seiner Flexion. Weitere Funktionen des Artikels sind:<br />

• Gegenüberstellung der Bestimmtheit und Unbestimmtheit: der Student --<br />

ein Student.<br />

• Generalisierung gegenüber Individualisierung: Das Buch / Ein Buch ist ein<br />

nützliches Geschenk.<br />

• Bekanntheit gegenüber Unbekanntheit: Ein Mann kommt ins Zimmer. Der<br />

Mann ist mein Freund.<br />

Das Pronomen steht für ein Substantiv oder ein Adjektiv, hat aber keinen eigenen<br />

syntaktischen Wert. In vielen Grammatiken werden einige Pronomina als<br />

Adjektive behandelt. Man spricht von:<br />

• adjektivischen Interrogativpronomen: welcher Freund<br />

• adjektivischen Demonstrativpronomen: dieser Freund<br />

• adjektivischen Indefinitpronomen: irgendein Freund<br />

• adjektivischen Possessivpronomen: mein Freund<br />

49


50<br />

Grammatik<br />

Präpositionen und Konjunktionen haben einiges Gemeinsame; sie verändern<br />

ihre Form nicht und beide drücken örtliche, zeitliche und logische Verhält nisse<br />

aus. Sie dienen beide der Fügung. J. ERBEN fasst sie beide als Fügewort zusammen.<br />

Adjektiv und Adverb fassen manche Grammatiker als »Beiwort« zusammen.<br />

Das Adjektiv steht beim Substantiv, das Adverb beim Verb.<br />

0.4 Überblick über die Wortarten im Deutschen<br />

Für die deutsche Sprache gibt es keine einheitliche Klassifizierung der Wortarten.<br />

Die am wenigsten umstrittenen Wortarten sind das Verb und das Substanti<br />

v.<br />

Viele Linguisten betrachten die Numeralien (Zahlwörter) als eine selbständige<br />

Wortart. Andere Linguisten, so etwa G. HELBIG und J. BUSCHA weisen Numeralien<br />

aufgrund ihres überwiegend syntaktischen Verhaltens der Wortart Adjektiv zu.<br />

Große Unterschiede gibt es auch im Hinblick auf die Gliederung der Pronomen,<br />

Adverbien, Partikeln und Artikel. In einigen Grammatiken wird der Artikel<br />

als Begleiter des Substantivs behandelt. HELBIG, BUSCHA und U. ENGEL u.a.<br />

behandeln die Kategorie des Adjektivs als eine besondere Art der Artikelwörter. In<br />

der traditionellen Grammatik (Schulgrammatik) werden im Deutschen folgende<br />

Wortarten unterschieden:<br />

Konjugierbare Wörter<br />

Wortart Beispiele: wichtige semantische Merkmale:<br />

Verb essen, laufen, handeln, werfen;<br />

haben, sein; dürfen, können,<br />

Bezeichnung von Tätigkeiten,<br />

Vorgängen und Zuständen<br />

Flektierbare Wortklassen:<br />

Substantiv/<br />

Nomen<br />

Mann , Frau, Kind, Inge,<br />

Hans; Buch, Geist; Wien<br />

Bezeichnung von Lebewesen,<br />

Sachen und Abstraktionen<br />

Artikel der, die, das; die; ein, eine gibt das Genus an<br />

Adjektiv klein, groß, hübsch, kalt Bezeichnung von Eigenschaften<br />

Pronomen<br />

Numerale<br />

ich, du er, sie, es; mein, dein,<br />

sein; dieser, jener; wer, was;<br />

jemand, nichts<br />

eins, zwei, fünf; der erste;<br />

erstens; zweit; ein Drittel;<br />

viele, wenige, einige<br />

Begleiter, Stellvertreter des Substantivs;<br />

Hinweis auf Lebewesen,<br />

Sachen<br />

Bezeichnung für eine bestimmte<br />

Anzahl, Menge oder für einen<br />

Platz in der Reihe


51<br />

Unflektierbare Wortklassen:<br />

Adverb (inkl.<br />

Partikeln)<br />

Präposition<br />

Konjunktion<br />

da, hier, oben; heute gestern<br />

vielleicht; deshalb, trotzdem,<br />

möglicherweise<br />

an, auf, bei, für, hinter in,<br />

nach, ohne, seit, über, von,<br />

vor, wegen, zu<br />

und, aber, oder; weil, da;<br />

entweder – oder, nicht nur –<br />

sondern auch<br />

Bezeichnung für Umstände des<br />

Ortes, der Zeit, der Art und Weise<br />

u. dgl.<br />

Kennzeichnung von Beziehungen<br />

des Ortes, der Zeit, der Richtung,<br />

des Grundes usw.<br />

verbindet Wörter, Satzteile und<br />

Sätze; koordinierende, subordinierende<br />

Konjunktionen<br />

Interjektion ach, au, hurra, pfui Ausdruck von Gefühlen


52<br />

Grammatik<br />

1 Das Verb<br />

Das Verb (lateinisch Verbum = »das Wort«) ist die einzige konjugierbare Wortart.<br />

Die Konjugation ist die Veränderung nach Person, Numerus (Zahl), Tempus<br />

(Zeit), Modus (Aussageweise) und Genus verbi (Aktiv und Passiv). Weitere<br />

Arten der Flexion sind die Deklination und die Komparation. Ihre semantische<br />

Leistung liegt darin, dass sie Handlungen (lesen, essen), Vorgänge (regnen,<br />

fallen, sinken) und Existenz (blühen, geschehen, stehen) bezeichnen.<br />

Zu den Verben können entweder finite Formen oder ein Partizip II gebildet<br />

werden.<br />

Im finiten Bereich gibt es folgende Formen:<br />

• Indikativ (Aktiv und Passiv) in den sechs Tempora<br />

• Konjunktiv (Aktiv und Passiv) in den sechs Temp ora<br />

• Imperativ<br />

Im infiniten Bereich lassen sich folgende Formen bilden:<br />

• Infinitiv I (Aktiv und Passiv)<br />

• Infinitiv II (Aktiv und Passiv)<br />

• Partizip I<br />

• Partizip II<br />

Die infiniten Formen sind unveränderlich, sie können nicht konjugiert we rden.<br />

Sie lassen sich aber deklinieren, soweit sie in eine andere Klasse übergetreten<br />

sind. Sie werden dann als Attribute des Substantivs verwendet und als Adjektive<br />

dekliniert. Infinitive werden dekliniert, wenn sie nominalisiert sind:<br />

der lesende Schüler<br />

das gelesene Buch<br />

während des Lesens<br />

cítajúci žiak<br />

precítaná kniha<br />

pocas cítania<br />

Verben bezeichnen Tätigkeiten, Vorgänge und Zustände.<br />

• Tätigkeitsverben sind z.B.: essen, laufen, fahren, lesen, schreiben<br />

• Vorgangsverben: frieren, regnen, scheinen, schneien, wehen, wirbeln<br />

• Zustandsverben: hungern, kranken, leben, leiden, schlafen<br />

„Die prototypische Funktion von VERBEN ist die Bildung des Prädikatsausdrucks.“<br />

(IDS: 49). Verben eröffnen ’Leerstellen’, die durch Ergänzungen<br />

(Aktanten, Komplemente) bestimmter Klassen erfüllt werden können oder<br />

müssen.


53<br />

1.1 Klassifizierung der Verben<br />

Man kann die deutschen Verben nach verschiedenen Gesichtspunkten einteilen:<br />

nach morphologischen, syntaktischen und semantischen Kriterien.<br />

1. Nach morphologischen Kriterien unterscheidet man:<br />

∗ regelmäßige (schwache) und<br />

∗ unregelmäßige (starke) Verben<br />

2. Nach syntaktischen Kriterien unterscheidet man:<br />

a) nach dem Verhältnis im Prädikat:<br />

∗ Vollverben und<br />

∗ Hilfs verben<br />

b) nach dem Verhältnis zum Subjekt:<br />

∗ persönliche und<br />

∗ unpersönliche Verben;<br />

c) nach dem Verhältnis zum Objekt:<br />

∗ transitive und<br />

∗ intransitive Verben;<br />

3. Nach semantischen Kriterien unterscheidet man:<br />

∗ Tätigkeitsverben<br />

∗ Vorgangsverben<br />

∗ Zustandsverben.<br />

1.1.1 Regelmäßige und unregelmäßige Verben<br />

Die regelmäßigen Verben bilden ihr Präteritum mit dem Suffix -te oder -ete<br />

und das Partizip II mit dem Suffix -t oder -et.<br />

sagen<br />

arbeiten<br />

sagte<br />

arbeitete<br />

gesagt<br />

gearbeitet<br />

Die unregelmäßigen Verben ändern im Präteritum und Partizip II ihren Stammvokal<br />

in gesetzmäßiger Weise in drei Stammformen: Infin itiv – Präteritum –<br />

Partizip II. Sie bilden ihr Part izip II mit dem Suffix -en.<br />

singen<br />

geben<br />

stehen<br />

tun<br />

sang<br />

gab<br />

stand<br />

tat<br />

gesungen<br />

gegeben<br />

gestanden<br />

getan


54<br />

Grammatik<br />

Unregelmäßig sind:<br />

a) die Hilfsverben: sein, haben, werden<br />

b) die Modalverben: dürfen, können mögen, müssen, sollen, wollen und das Vollverb<br />

wissen<br />

c) die sog. gemischten Verben: denken, kennen usw. und drei unregelmäßige<br />

»starke« Verben: gehen, stehen, sein, tun<br />

d) viele Vollverben.<br />

Im Unterschied zu den regelmäßigen Verben gibt es bei den unregelmäßigen<br />

Verben einen zusätzlichen Wandel des Stammvokals in der 2. und 3. Person<br />

Singular Präsens:<br />

a) entweder einen Umlaut (a > ä, o > ö, au > äu) oder<br />

b) einen Wechsel von e > i, vereinzelt auch ä und ö zu i oder ie:<br />

backen<br />

stoßen<br />

laufen<br />

geben<br />

erlöschen<br />

gebären<br />

du bäckst<br />

du stößt<br />

du läufst<br />

du gibst<br />

du erlischst<br />

du gebierst<br />

Alle Verben, die vor dem Infinitivsuffix ein -ier, -el, -er, -ig und -lich haben,<br />

sind regelmäßig:<br />

demonstrieren, lächeln, ändern, kündigen, verwirklichen<br />

Die meisten Verben, die im Infinitiv einen umgelauteten Stammvokal haben,<br />

sind regelmäßig. Ausnahmen sind folgende Ve rben:<br />

(v)erlöschen erlosch erloschen<br />

gebären gebar geboren<br />

(be)trügen betrog betrogen<br />

lügen log gelogen<br />

erwägen erwog erwogen<br />

1.1.2 Andere Verbklassifikationen<br />

Weitere Subklassen lassen sich gemäß der Perfektbildung und der Passivfähigkeit<br />

festlegen. Nach der Kombinatorik d.h. Verbindbarkeit mit anderen Wortklassen<br />

können die Verben in weitere Subklassen gegliedert werden: in reflexive<br />

und nicht-reflexive, weiterhin in Vollverben (Hauptverben), Hilfsverben<br />

(Nebenverben) und Funktionsverben. Drittens lassen sich die Verben auf Grund<br />

ihrer Valenz klassifizieren.


1.1.2.1 Klassifikation nach der Perfektbildung<br />

Man kann zu nahezu allen Verben Perfektformen bilden indem zum Part izip II<br />

des Vollverbs das Auxiliarverb haben oder sein tritt:<br />

Max hat ein Tor geschossen.<br />

Max ist gekommen.<br />

Die meisten Verben bilden das Perfekt mit dem Auxiliar haben, viele mit sein.<br />

Nur wenige Verben können ihr Perfekt sowohl mit haben als auch mit sein bilden.<br />

1.1.2.2 Klassifikation nach der Passivfähigkeit<br />

Zu vielen Verben können Passivformen gebildet werden. Passivkonstruktionen<br />

werden mit dem Auxiliarverb werden oder sein und mit dem Partizip II des<br />

betroffenen Vollverbs gebildet:<br />

Die Tür ist geschlossen. vs. Die Tür wird geschlossen.<br />

Manche Grammatiken unterscheiden auch das sog. bekommen- und gehören-<br />

Passiv:<br />

Wer schlecht ist, gehört bestraft. So ein Lärm gehört doch verboten!;<br />

Das Geschäft bekommt die Ware geliefert.<br />

1.1.2.3 Klassifikation nach der Reflexivität<br />

Man unterscheidet obligatorisch reflexive Verben, die ausschließlich mit dem<br />

Reflexivpronomen sich vorkommen (sich schämen), partimreflexive bzw. reflexiv<br />

gebrauchte Verben, die mit anderen Ergänzungen kombiniert werden<br />

können (sich kämmen – jemanden kämmen)<br />

1.1.3 Klassifikation nach der Kombinierbarkeit<br />

Nach diesem Kriterium kann man Vollverben (Hauptverben) und Hilfsverben<br />

(Nebenverben) unterscheiden.<br />

Hilfsverben sind solche Verben, die immer in Verbindung mit anderen Verben<br />

auftreten. Zu den Hilfsverben gehören die Auxiliarverben, die Modal- und Modalitätsverben,<br />

die Infinitiv- und Partizipverben sowie die Funktionsverben.<br />

• Auxiliarverben: haben, sein<br />

• Modalverben: dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen<br />

• Modalitätsverben: drohen, gedenken, pflegen, scheinen, vermögen, versprechen<br />

• Infinitivverben: es gibt, es gilt, fühlen, spüren und weitere<br />

• Partizipverben: kommen, fliegen<br />

• Funktionsverben: bringen, stellen, gelangen usw.<br />

55


56<br />

Grammatik<br />

1.1.4 Bedeutungsunterschiede bei transitiven und intransitiven Verben<br />

Das Perfekt (und das Plusquamperfekt) wird mit Hilfe der Hilfsverben haben<br />

und sein + Partizip II gebildet.<br />

Das Hilfsverb haben steht bei:<br />

• allen transitiven Verben:<br />

Er hat die Suppe gegessen.<br />

• intransitiven Verben, die Zustände ausdrücken:<br />

Er hat zwölf Stunden geschlafen.<br />

• reflexiven Verben:<br />

Er hat sich gewaschen.<br />

• unpersönlichen Verben:<br />

Es hat geblitzt.<br />

Das Hilfsverb sein steht bei:<br />

• intransitiven Verben, die eine Fortbewegung und eine Ve ränderung des Zustandes<br />

ausdrücken<br />

Er ist gelaufen, gekommen, gefahren.<br />

Hans ist eingeschlafen, aufgestanden.<br />

• den Verben sein, werden und bleiben:<br />

Er ist hier gewesen, geblieben.<br />

In einigen Fällen gibt es bei der Verwendung von haben und sein territoriale<br />

Unterschiede:<br />

Ich habe gesessen, gestanden, gelegen.<br />

Ich bin gesessen, gestanden, gelegen.<br />

[Mittel- und Norddeutschland]<br />

[Süddeutschland, Österreich]<br />

Transitiver und intransitiver Gebrauch des gleichen Verbs führt oft zum Wechsel<br />

zwischen haben und sein bei den zusammengesetzten Tempora der entsprechenden<br />

Ve rben.<br />

brechen<br />

fahren<br />

Er hat die Ehe gebrochen.<br />

Die Wasserleitung ist gebrochen.<br />

Ich habe den Wagen in die Garage gefahren.<br />

Ich habe meinen Freund zum Bahnhof gefahren.<br />

Er ist nach Wien gefahren.


fliegen<br />

heilen<br />

schmelzen<br />

spritzen<br />

trocknen<br />

verderben<br />

zerbrechen<br />

Er hat die Maschine sicher geflogen.<br />

Der Pilot hat die Fluggäste nach New York geflogen.<br />

Wir sind nach Madrid geflogen.<br />

Der Arzt hat den Patienten geheilt.<br />

Die Wunde ist gut geheilt, verheilt.<br />

Die Hitze hat das Eis geschmolzen.<br />

Das Eis ist in der Hitze/durch die Hitze geschmolzen.<br />

Er hat das Gras gespritzt.<br />

Das Wasser ist auf den Weg gespritzt.<br />

Sie hat das Kleid im Wäschetrockner getrocknet.<br />

Das Kleid ist im Wäschetrockner schnell getrocknet.<br />

Schlechte Bücher haben die Jugend verdorben.<br />

Das Fleisch ist verdorben.<br />

Mutter hat das Glas zerbrochen.<br />

Das Glas ist zerbrochen.<br />

Intransitive Verben der Bewegung bilden ihr Perfekt mit sein, wenn mit der<br />

Bewegung Lage- oder Ortsveränderung gemeint ist. In anderen Fällen steht das<br />

Hilfsverb haben:<br />

bummeln<br />

flattern<br />

hinken<br />

sch<strong>web</strong>en<br />

spritzen<br />

tanzen<br />

schwimmen<br />

Er hat den ganzen Tag gebummelt. (= trödeln, langsam arbeiten)<br />

Er ist in der Stadt gebummelt.<br />

Der Vogel ist durch das Zimmer geflattert.<br />

Die Fahnen haben im Wind geflattert.<br />

Seit dem Autounfall hat er leicht gehinkt.<br />

Er ist an einem Stock über die Straße gehinkt.<br />

Der Adler hat oben in der Luft gesch<strong>web</strong>t.<br />

Der Luftballon ist langsam in die Höhe gesch<strong>web</strong>t.<br />

Das Fett in der Pfanne hat gespritzt.<br />

Das Fett ist aus der Pfanne gespritzt.<br />

Zur Eröffnung des Festabends hat die ganze Klasse getanzt.<br />

Der Junge ist vor Freude durchs Zimmer getanzt.<br />

Sie hat eine Stunde geschwommen.<br />

Sie ist über den Fluss geschwommen.<br />

Bei intransitiven Verben, die eine allmähliche Wandlung ausdrücken, herrscht<br />

oft Schwanken im Gebrauch von haben oder sein:<br />

Er ist (hat) gealtert.<br />

Ihre Haare sind (haben) gebleicht.<br />

57


58<br />

Grammatik<br />

1.1.5 Starke und unregelmäßige Verben<br />

1.1.5.1 Starke Verben nach Ablautgruppen<br />

Gruppe I:<br />

Dem Stammvokal des Infinitiv/Präsens entsprechen andere, aber untereinander<br />

gleiche Vokale im Präteritum und Partizip II.<br />

Infinitiv Präteritum Partizip II slowakische Entsprechung<br />

ei ie(i) ie(i)<br />

beißen biss gebissen hrýzt<br />

bleiben blieb i. geblieben zostat<br />

bleichen blich i. geblichen zblednút, vyblednút<br />

gedeihen gedieh i. gediehen darit sa<br />

gleichen glich geglichen rovnat sa<br />

gleiten glitt i. geglitten klznut sa, klzat sa<br />

greifen griff gegriffen siahnut, uchopit<br />

kneifen kniff gekniffen uštipnút, štípat<br />

leiden litt gelitten trpiet<br />

leihen lieh geliehen požicat<br />

meiden mied gemieden vyhýbat sa<br />

pfeifen pfiff gepfiffen hvízdat<br />

preisen pries gepriesen chválit, velebit<br />

reiben rieb gerieben triet<br />

reißen riss gerissen trhat<br />

reiten ritt i. geritten íst na koni, jazdit<br />

scheiden schied geschieden rozlúcit, lúcit sa<br />

scheinen schien geschienen svietit, zdat sa<br />

schleichen schlich geschlichen plazit sa<br />

schleifen schliff geschliffen brúsit<br />

schmeißen schmiss geschmissen hodit<br />

schneiden schnitt geschnitten rezat, krájat, strihat<br />

schreiben schrieb geschrieben písat<br />

schreien schrie geschrieen kricat<br />

schreiten schritt i. geschritten krácat<br />

schweigen schwieg geschwiegen mlcat<br />

speien spie gespie(e)n pluvat<br />

steigen stieg i. gestiegen stúpat<br />

streichen strich gestrichen hladit<br />

streiten stritt gestritten bojovat, priet sa<br />

treiben trieb getrieben hnat<br />

verzeihen verzieh verziehen odpustit<br />

weichen wich gewichen ustúpit, vyhýbat sa<br />

weisen wies gewiesen ukázat<br />

e a a<br />

stehen stand i./h. gestanden stát


e o o<br />

bewegen bewog bewogen pohnút niekoho<br />

k niecomu<br />

dreschen drosch gedroschen mlátit<br />

fechten focht gefochten šermovat<br />

flechten flocht geflochten pliest<br />

heben hob gehoben zdvihnút, dvíhat<br />

melken molk gemolken dojit<br />

quellen quoll gequollen prýštit, pramenit, napuchnút<br />

scheren schor geschoren strihat<br />

schmelzen schmolz i. geschmolzen topit sa<br />

schwellen schwoll i. geschwollen 1 pucat, puchnút<br />

<strong>web</strong>en wob gewoben tkat<br />

au o o<br />

saufen soff gesoffen slopat<br />

saugen sog gesogen cicat, sat<br />

ie (i) o o<br />

biegen bog gebogen ohnút, ohýbat<br />

bieten bot geboten ponúknut, ponúkat<br />

fliegen flog i. geflogen lietat<br />

fliehen floh i. geflohen utiect<br />

fließen floss i. geflossen tiect<br />

frieren fror gefroren mrznút<br />

genießen genoss genossen užívat<br />

gießen goss gegossen liat<br />

glimmen glomm geglommen tliet<br />

klimmen klomm i. geklommen liezt, šplhat sa<br />

kriechen kroch i. gekrochen liezt, plazit sa<br />

schieben schob geschoben posunovat<br />

schießen schoss geschossen strielat<br />

schließen schloss geschlossen zatvorit<br />

sprießen spross i. gesprossen pucat<br />

stieben stob gestoben prášit sa<br />

triefen troff getroffen kvapkat<br />

verdrießen verdross verdrossen mrziet<br />

verlieren verlor verloren stratit<br />

wiegen wog gewogen vážit<br />

ziehen zog gezogen tiahnut, tahat<br />

i u u<br />

schinden geschunden driet<br />

a o a<br />

erschallen erscholl i. erschallen zazniet<br />

schallen schallte/scholl geschallt zniet<br />

59<br />

1 Schwaches Partizip II in der Wendung: die Brust (vor Stolz) geschwellt.


60<br />

Grammatik<br />

a o o<br />

erwägen erwog erwogen uvážit<br />

gären gor gegoren kysnút, kvasit<br />

ö o o<br />

löschen losch geloschen hasit<br />

schwören schwor geschworen prisahat<br />

ü o o<br />

lügen log gelogen luhat<br />

trügen trog getrogen klamat<br />

Gruppe II:<br />

Dem Stammvokal des Infinitiv/Präsens entspricht der gleiche im Partizip II, ein<br />

anderer im Präteritum.<br />

Infinitiv/Präsens Präteritum Partizip II<br />

a ie (i) a<br />

blasen blies geblasen fúkat, trúbit<br />

braten briet gebraten piect, smažit<br />

fallen fiel i. gefallen spadnút<br />

fangen fing gefangen chytit, chytat<br />

halten hielt gehalten držat<br />

lassen ließ gelassen nechat<br />

Raten riet geraten radit, hádat<br />

schlafen schlief geschlafen spat<br />

a u a<br />

backen backte/buk gebacken piect<br />

fahren fuhr i. gefahren cestovat<br />

graben grub gegraben kopat<br />

laden lud geladen nakladat, nabíjat<br />

schaffen schuf geschaffen tvorit<br />

schlagen schlug geschlagen tlct, bit<br />

tragen trug getragen niest<br />

wachsen wuchs i. gewachsen rást<br />

waschen wusch gewaschen umývat, prat<br />

e a e<br />

essen aß gegessen jest<br />

fressen fraß gefressen žrat<br />

geben gab gegeben dat<br />

genesen genas i. genesen uzdravit sa<br />

geschehen geschah i. geschehen stat sa<br />

lesen las gelesen cítat<br />

messen maß gemessen merat<br />

sehen sah gesehen vidiet, hladiet


61<br />

vergessen vergaß vergessen zabudnút<br />

treten trat i. getreten stúpat, krácat<br />

o a o<br />

kommen kam i. gekommen príst<br />

o ie o<br />

stoßen stieß gestoßen strcit, strkat<br />

u ie u<br />

rufen rief gerufen volat<br />

au ie au<br />

hauen hieb 2 gehauen bit, sekat<br />

laufen lief i. gelaufen utekat<br />

ei ie ei<br />

heißen hieß geheißen menovat sa<br />

Gruppe III<br />

Jede Stammform hat einen anderen Stammvokal.<br />

Infinitiv/Präsens Präteritum Partizip II<br />

i a u<br />

binden<br />

dingen<br />

band<br />

dang<br />

gebunden<br />

gedungen<br />

viazat<br />

najat, najímat<br />

dringen drang i. gedrungen vniknút, vnikat<br />

finden fand gefunden nájst<br />

gelingen gelang i. gelungen podarit sa<br />

klingen klang geklungen zniet<br />

ringen rang gerungen zápasit<br />

schlingen schlang geschlungen vinút<br />

schwinden schwand i. geschwunden miznút<br />

schwingen<br />

singen<br />

schwang<br />

sang<br />

geschwungen<br />

gesungen<br />

kývat<br />

spievat<br />

sinken sank i. gesunken klesat<br />

springen sprang i. gesprungen skocit, skákat<br />

stinken stank gestunken smrdiet<br />

trinken trank getrunken pit<br />

winden<br />

wringen<br />

wand<br />

wrang<br />

gewunden<br />

gewrungen<br />

vinút, krútit<br />

žmýkat<br />

zwingen zwang gezwungen nútit<br />

2 Die Präteritumform hieb gilt als gehoben und wird nur selten verwendet. Häufiger ist<br />

die schwache Form haute. Die Ableitungen abhauen, umhauen, verhauen sind ebenfalls<br />

meist schwach.


62<br />

Grammatik<br />

i a O<br />

beginnen begann begonnen zacat<br />

gewinnen gewann gewonnen získat, vyhrat<br />

rinnen rann i. geronnen tiect, rinút sa<br />

schwimmen schwamm i./h. geschwommen plávat<br />

sinnen sann gesonnen premýšlat<br />

spinnen spann gesponnen priast<br />

e a o<br />

befehlen befahl befohlen rozkazovat<br />

bergen barg geborgen skrývat<br />

bersten barst i. geborsten puknút<br />

brechen brach gebrochen lámat<br />

empfehlen empfahl empfohlen odporucit, odporúcat<br />

erschrecken erschrak i. erschrocken zlaknút sa<br />

gelten galt gegolten platit, mat platnost<br />

helfen half geholfen pomáhat<br />

nehmen nahm genommen vziat, brat<br />

schelten schalt gescholten nadávat<br />

sprechen sprach gesprochen hovorit<br />

stechen stach gestochen pichnút, pichat<br />

stehlen stahl gestohlen kradnút<br />

sterben starb i. gestorben zomriet<br />

treffen traf getroffen zasiahnut<br />

verderben verdarb verdorben skazit sa, hynút<br />

werben warb geworben uchádzat sa, najímat<br />

werden (ward) wurde i. geworden stat sa<br />

werfen warf geworfen hodit<br />

i (ie) a e<br />

bitten bat gebeten prosit<br />

liegen lag h./i. gelegen ležat<br />

sitzen saß h./i. gesessen sediet<br />

e i a<br />

gehen ging i. gegangen íst<br />

ä i a<br />

hängen hing gehangen visiet<br />

ä a o<br />

gebären gebar geboren (po)rodit<br />

1.1.5.2 Unregelmäßige Verben<br />

haben hatte gehabt mat<br />

tun tat getan robit<br />

brennen brannte gebrannt horiet


63<br />

kennen kannte gekannt poznat<br />

nennen nannte genannt menovat<br />

rennen rannte i. gerannt rýchle utekat<br />

senden sandte gesandt posielat<br />

(sendete)<br />

(gesendet), (vysielat)<br />

wenden wandte gewandt obrátit<br />

(wendete)<br />

(gewendet)<br />

bringen brachte gebracht priniest<br />

denken dachte gedacht mysliet<br />

dürfen durfte gedurft smiet<br />

können konnte gekonnt môct, vediet<br />

mögen mochte gemocht môct, chciet<br />

wissen wusste gewusst vediet<br />

1.1.6 Mischtypen von regelmäßiger und unregelmäßiger Konjugation<br />

F<br />

Einige ursprünglich unregelmäßige Verben haben im gegenwärtigen Deutsch<br />

regelmäßige Formen. In einem Mischtyp steht einem unregelmäßigen Präteritum<br />

ein regelmäßiges Partizip II oder umgekehrt gegenüber. Man kann dabei<br />

folgende Typen unterscheiden:<br />

1. Regelmäßiges Präteritum – unregelmäßiges oder regelmäßiges Partizip II:<br />

dingen dingte (selten) gedingt oder gedungen mliet<br />

mahlen mahlte gemahlen<br />

salzen salzte gesalzt oder gesalzen<br />

spalten spaltete gespaltet oder gespalten<br />

In der ursprünglichen Bedeutung erscheint gewöhnlich das regelmäßige, in der<br />

übertragenen Bedeutung das unregelmäßige Partizip II:<br />

Die Suppe ist gesalzt/gesalzen/versalzen. Polievka je presolená.<br />

ein gesalzener Witz ostrý vtip<br />

gesalzene Preise mastné ceny<br />

2. Unregelmäßiges oder regelmäßiges Präteritum – unregelmäßiges Partizip II:<br />

backen buk (veraltet) backte gebacken<br />

hauen hieb/haute gehauen<br />

melken melkte (selten: molk) gemelkt/gemolken<br />

Der Bäcker buk/backte frisches Brot.<br />

Er hat frisches Brot gebacken.<br />

aber: Der Schnee/der Lehm backt/backte an den Stiefeln. (= lepit sa)<br />

Der Schnee hat gebacken. Der Schnee ist an meinen Schuhen festgebackt. Sneh je prilepený<br />

na moje topánky.


64<br />

Grammatik<br />

3. Regelmäßiges oder unregelmäßiges Präteritum – regelmäßiges Partizip II:<br />

fragen fragte (selten: frug) gefragt<br />

schallen schallte (selten: scholl geschallt (aber: verschollen)<br />

stecken steckte/stak gesteckt<br />

4. Regelmäßiges oder unregelmäßiges Präteritum – regelmäßiges oder unregelmäßiges<br />

Partizip II:<br />

gären<br />

glimmen<br />

klimmen<br />

küren<br />

melken<br />

saugen<br />

schleißen<br />

schnauben<br />

sieden<br />

stieben<br />

triefen<br />

<strong>web</strong>en<br />

gärte<br />

gor<br />

glimmte<br />

glomm (geschr.)<br />

klimmte<br />

klomm<br />

kürte<br />

kor (veraltet, gehoben)<br />

melkte<br />

molk<br />

saugte<br />

sog<br />

schleißte<br />

schliss<br />

schnaubte<br />

schnob (veraltet)<br />

siedete<br />

sott<br />

(stiebte)<br />

stob<br />

triefte<br />

troff (geschr.)<br />

<strong>web</strong>te<br />

wob<br />

gegärt 3<br />

gegoren<br />

geglimmt<br />

geglommen (geschr.)<br />

geklimmt<br />

geklommen<br />

gekürt<br />

gekoren (veraltet)<br />

gemelkt<br />

gemolken (auch unter 2.)<br />

gesaugt<br />

gesogen<br />

geschleißt<br />

geschlissen<br />

geschnaubt<br />

geschnoben (veraltet)<br />

gesiedet<br />

gesotten<br />

(gestiebt)<br />

gestoben<br />

getrieft<br />

getroffen (geschr.)<br />

ge<strong>web</strong>t<br />

gewoben<br />

Bei diesen Mischtypen können regelmäßige und unregelmäßige Formen ohne<br />

Bedeutungsunterschied nebeneinander stehen. Die regelmäßige Form ist hier<br />

jünger und gewöhnlich häufiger.<br />

Oft beschränken sich die unregelmäßigen Formen auf die gehobene Sprache:<br />

Sie <strong>web</strong>te einen Kleiderstoff.<br />

Die Sonne wob / <strong>web</strong>te goldene Fäden in das Laub.<br />

Der Berg ist von Sagen umwoben. Vrch je opradený povestami.<br />

3 in übertragener Bedeutung


In anderen Fällen tritt die regelmäßige Form nur in übertragener Wendung auf:<br />

Der Wein gor / gärte; hat gegoren / gegärt.<br />

Es gärte unter den Völkern schon vor der Revolution.<br />

Ein weiterer Mischtyp entsteht dadurch, dass regelmäßige und unregelmäßige<br />

Konjugationsformen unterschiedliche Bedeutungen darstellen:<br />

bewegen<br />

pflegen<br />

schaffen<br />

schleifen<br />

weichen<br />

wiegen<br />

bleichen<br />

(er )schr ecken<br />

hängen<br />

Der Wind bewegte die Äste.<br />

Die Nachricht bewegte die Welt. [= in Bewegung setzen]<br />

Wir alle waren zu Tränen bewegt.<br />

Wer hat dich zu dieser Entscheidung bewogen. [= veranlassen]<br />

Die Mutter pflegte das Kind. [= sich kümmern um etwas, jemanden]<br />

Er pflegte ins Theater zu gehen. [= er geht oft, regelmäßig ins Theater]<br />

Er pflegte/pflog Umgang mit klugen Menschen. [= sich abgeben mit]<br />

Er hielt es so, wie er es immer gepflogen hatte. [= gewöhnlich tun]<br />

Wir haben heute viel geschafft. [= arbeiten]<br />

Er hat das Paket zur Post geschafft. [= wegbringen]<br />

Der Dichter schuf ein großes Kunstwerk. [= hervorbringen]<br />

Dieses Bild hat Dürer geschaffen [= gestalten, hervorbringen]<br />

Das lange Abendkleid schleifte am Boden.<br />

Der Reiter wurde vom Pferd geschleift.<br />

Die Festung wurde geschleift.<br />

Das Glas wird geschliffen.<br />

Die Frau weichte die Wäsche ein.<br />

Sie wichen der Übermacht.<br />

Die Mutter wiegte das Kind in den Schlaf.<br />

Hast du die Birnen gewogen?<br />

Die Sonne hat die Wäsche gebleicht. [bleich/hell machen]<br />

Die Farbe ist verblichen. [bleich/hell werden]<br />

Der Hund hat das Kind erschreckt.<br />

Das Kind ist vor dem Hund erschrocken.<br />

Das Mädchen hängte die Kleider in den Schrank.<br />

Die Kleider hingen im Schrank.<br />

1.2 Die infiniten Verbformen<br />

Man unterscheidet im Deutschen zwei infinite Verbformen:<br />

• den Infinitiv und<br />

• das Partizip<br />

65


66<br />

Grammatik<br />

F<br />

1.2.1 Der Infinitiv<br />

Infinitiv I ist mit der ersten Stammform identisch. Im Wörterbuch werden die<br />

Verben in der Form des Infinitivs angegeben. Der Infinitiv I wird durch das<br />

Suffix -en (-n) gebildet.<br />

geben, sehen, nehmen<br />

wechseln, lächeln, ändern, zittern<br />

aber: tun, sein<br />

In der gesprochenen Sprache kommt es allerdings zu einer Verkürzung des<br />

regulären -en zu -n: bestelln, hörn, baun, gehn, fliehn u.a.<br />

In der gesprochenen Alltagssprache, insbesondere nach einem Verschlusslaut,<br />

erfolgt häufig eine lautliche Ausgleichung der Endung an den Stammauslaut.<br />

Man hört oft gebm oder gebn für geben, dank η oder dankn für danken.<br />

Der Infinitiv hat keine eigene Bedeutung. Ein Verb im Infinitiv hat seine inhärente<br />

lexikalische Bedeutung aber keine »strukturelle« Bedeutung.<br />

Im Deutschen unterscheidet man den einfachen Infinitiv und den Infinitiv mit<br />

zu:<br />

Er kann lesen.<br />

Er beginnt zu lesen.<br />

Wir lernen zeichnen.<br />

Er hat Lust zu zeichnen.<br />

Der Infinitiv II (Infinitiv Perfekt) wird mit dem Partizip II des Verbs und dem<br />

Infinitiv I des Hilfsverbs haben bzw. sein gebildet:<br />

gesagt haben<br />

gereist sein<br />

gesprochen haben<br />

gekommen sein<br />

1.2.1.1 Infinitiv Passiv<br />

Zu beiden Aktivformen gibt es bei passivfähigen Verben die entsprechenden<br />

Passivformen. Man unterscheidet dabei zwischen Vorgangs- und Zustandspas -<br />

siv.<br />

Der Infinitiv des Vorgangspassivs wird mit dem Partizip II des Verbs plus<br />

Infinitiv I bzw. Infinitiv II des Hilfsverbs werden gebildet:<br />

gesucht werden<br />

gesucht worden sein<br />

Der Infinitiv des Zustandspassivs bildet man mit dem Partizip II des Verbs<br />

und mit dem Hilfsverb sein:<br />

geöffnet sein<br />

geöffnet gewesen sein


67<br />

Im Deutschen gibt es also folgende Infinitivformen:<br />

Infinitiv Aktiv: (zu) öffnen, kommen<br />

geöffnet haben, gekommen sein<br />

Infinitiv Passiv: geöffnet werden<br />

geöffnet worden sein<br />

geöffnet sein<br />

geöffnet gewesen sein<br />

Der Infinitiv kommt in der Regel in Verbindung mit einem finiten Verb vor:<br />

Ich will<br />

Ihr wollt<br />

Sie wollen<br />

finite Verbformen<br />

heute ins Kino gehen.<br />

Der Infinitiv kann vielseitig verwendet werden: als Teil des Verbkomplexes, als<br />

Ergänzung zum Verb oder als Attribut eines Nomens oder eines Adjektivs.<br />

1.2.1.2 Infinitiv als Teil eines Verbkomplexes<br />

Als reiner Infinitiv (Infinitiv ohne zu) kommt er bei den Modalverben und bei<br />

werden und lassen (Ausnahme: brauchen), bei fahren, finden, hören, kommen,<br />

schicken u.a. vor:<br />

Hans kann/will/muss/soll/wird viel lesen.<br />

Helene lässt sich die Haare schneiden.<br />

Alle fahren/gehen heute schwimmen.<br />

Ich fand sie auf der Couch liegen.<br />

Sie hilft der Mutter kochen.<br />

Ich höre sie kommen.<br />

Ich habe die Tür gehen hören.<br />

Kommst du noch ein Glas Wein trinken?<br />

Die Mutter schickt Regina einkaufen.<br />

infinite Verbform<br />

Manche Verben (helfen, heißen, hören, fühlen, lehren, schicken u.a.) verlangen<br />

den reinen Infinitiv oder den Infinitiv mit zu :<br />

Er hilft dem Mädchen den Koffer (zu) tragen.<br />

Hier heißt es aufpassen.<br />

Heute heißt es die Zähne zusammen(zu)beißen.<br />

Man hat den Schutt weg(zu)räumen heißen.<br />

Sein Bruder lehrt ihn schwimmen.<br />

Sie wurde gelehrt, beim ersten Hahnenschrei auf(zu)stehen.<br />

Die Mutter schickt die Tochter einkaufen.


68<br />

Grammatik<br />

F<br />

Die Mutter schickt die Tochter, alle nötigen Formulare zur Hochzeit (zu) beschaffen.<br />

Bei den sog. Modalitätsverben (belieben, drohen, gelten, haben, pflegen, vermögen,<br />

versprechen und nach brauchen) steht immer zu + Infinitiv:<br />

Er beliebte nicht an der Sitzung teilzunehmen.<br />

Er drohte die Polizei zu informieren.<br />

Der slowakische Präsident gedachte die Regierung umzubilden. Was gedenken Sie zu tun?<br />

Jetzt gilt es zusammenzuhalten.<br />

Ich habe zu arbeiten.<br />

Großvater pflegt nach dem Essen zu schlafen.<br />

Die Fenster sind zu putzen.<br />

Es steht zu hoffen, dass sie bei dieser Meinung bleiben.<br />

Die Polizei vermochte die Kriminalität nur mit großer Mühe zu bremsen. Niemand vermochte<br />

ihn zu retten.<br />

Sie verspricht ihr zu helfen. Das verspricht, ein schöner Abend zu werden.<br />

Sie weiß das zu würdigen. Als Arzt muss man mit Menschen umzugehen wissen.<br />

Du brauchst nicht mehr zu kommen.<br />

aber: Wer sich betrogen fühlt, braucht vor der Klagefreudigkeit der einschlägigen Anbieter<br />

nicht zurückschrecken. [Zeitungsartikel]<br />

1.2.1.3 Infinitiv als Ergänzung zum Verb<br />

Der Infinitiv hängt direkt vom übergeordneten Verb ab:<br />

Peter geht Eier holen.<br />

Das kleine Kind lernt sprechen.<br />

Der Infinitiv als Attribut zu Nomen oder Adjektiv kommt immer mit zu vor:<br />

Die Lust zu leben.<br />

ihre Absicht, einen guten Roman zu lesen.<br />

seine Enttäuschung, das Mädchen noch nicht getroffen zu haben.<br />

(Sie ist) entsetzt, dieses Verbrechen mitansehen zu müssen.<br />

Bei manchen Verben vertritt der Infinitiv das Part izip II (der sog. »Ersatzinfinitiv«<br />

in der traditionellen Grammatik). Dies gilt in erster Linie für die Modalverben:<br />

Er hat nicht gearbeitet.<br />

Ich bin nach Hause gegangen.<br />

Er ist noch geblieben.<br />

Er hat nicht arbeiten dürfen/mögen/ müssen/sollen/ wollen.<br />

Er hätte nicht zu arbeiten brauchen.<br />

Ich habe (!) nach Hause gehen müssen.<br />

Er hat noch bleiben dürfen.<br />

Auch die Verben helfen, hören, lassen, sehen haben ein infinitivförmiges Partizip<br />

II, sofern sie ein anderes Verb im Infinitiv regieren:<br />

Ich habe ihn gesehen.<br />

Sie hat ihm geholfen.<br />

Ich habe ihn kommen sehen.<br />

Sie hat ihm waschen helfen/geholfen.


Wir haben gesungen.<br />

Man hat uns singen und tanzen lassen.<br />

Nach brauchen steht erwartungsgemäß das infinitivförmige Partizip II mit zu:<br />

Das Kind hat sich vor dem Hund<br />

sehr gefürchtet.<br />

Das Kind hat sich vor dem Hund nicht zu fürchten<br />

brauchen.<br />

Nach fühlen, heißen, machen kommt das infinitivförmige Partizip II nur im archaischen<br />

Sprachgebrauch vor:<br />

Er hat die Katastrophe kommen fühlen oder kommen gefühlt.<br />

Er hatte mich gehen heißen.<br />

Er hat dich das tun heißen.<br />

Du hast mich lachen machen oder lachen gemacht.<br />

1.2.2 Partizipien<br />

Im Deutschen gibt es zwei Partizipien: Partizip I (singend) und Partizip II<br />

(gesungen). Das Slowakische kennt drei Partizipien:<br />

• Partizip Präsens Aktiv: robiaci;<br />

• Präteritales Partizip Aktiv: porobivší (veraltet);<br />

• Partizip Passiv: urobený.<br />

1.2.2.1 Partizip I<br />

Das Partizip I wird im Deutschen durch Anhängen von -(e)nd an den Wortstamm<br />

gebildet:<br />

eilend<br />

gebend<br />

lächelnd<br />

singend<br />

weinend<br />

ponáhlajúc sa, náhliac sa<br />

dávajúc<br />

usmievajúc sa (s úsmevom)<br />

spievajúc<br />

placúc (s placom, placky)<br />

Die slowakischen Entsprechungen des Partizip I sind:<br />

• Ergänzungsglied: Er sitzt hier lesend. Sedí tu cítajúc (a cíta);<br />

• Präpositionale Fügung: Der Junge kam weinend an. Chlapec prišiel s pla com.<br />

• Adverb: Sie sitzt hier schweigend. Sedí tu mlcky (mlciac, a mlcí).<br />

1.2.2.2 Partizip II<br />

Das Partizip II wird bei den regelmäßigen Verben durch das Präfix ge- und<br />

durch Anhängen von -t, (-et) gebildet. Bei den unregelmäßigen Verben wird<br />

das Partizip II durch Anhängen von -en (-n) gebildet:<br />

(ge) + Partizipialstamm + (e) n / (e) t<br />

69


70<br />

Grammatik<br />

Präfix und Suffix sind hierbei als ein diskontinuierliches gra mmatisches Morphem<br />

zu betrachten.<br />

Das Partizipialsuffix lautet bei schwachen Verben -t oder -et, bei starken Ve r-<br />

ben -n oder -en. Die Realisation von e ist phonetisch bedingt.<br />

schwach<br />

fragen ge frag t<br />

arbeiten ge arbeit et<br />

stark<br />

binden ge bund en<br />

laufen ge lauf en<br />

Partizipialpräfix<br />

Ob das Partizipialpräfix gesetzt wird, hängt vor allem von intonatorischen<br />

Gründen ab. Das Partizipialpräfix ge- wird gesetzt, wenn das Verb Initialbetonung<br />

aufweist, also bei:<br />

a) einfachen Verben mit Initialbetonung<br />

b) Präverbfügungen mit abtrennbarem Präverb. Das Partizipialpräfix wird<br />

hier zwischen Präverb und Verbstamm eingefügt.<br />

c) Verbkomposita mit nicht abtrennbarem erstem Kompositionsbestandteil<br />

arbeiten<br />

singen<br />

ausarbeiten<br />

freisprechen<br />

wetteifern<br />

notlanden<br />

handhaben<br />

aus<br />

frei<br />

wett<br />

not<br />

hand<br />

ge<br />

ge<br />

ge<br />

ge<br />

ge<br />

ge<br />

ge<br />

arbeit<br />

sung<br />

arbeit<br />

sproch<br />

eifer<br />

land<br />

hab<br />

Das Partizipialpräfix ge- wird nicht gesetzt bei:<br />

et<br />

en<br />

et<br />

en<br />

• Verben ohne Initialbetonung auf -ieren oder auf anderer nicht-indigener<br />

Basis<br />

• Verben mit nicht abtrennbarem Präfix<br />

• Zusammensetzungen oder Präverbfügungen mit Verben der Gruppen 4.<br />

und 5.<br />

rasieren<br />

interviewen<br />

recyceln<br />

erzählen<br />

beginnen<br />

gewinnen<br />

übersetzen<br />

er<br />

be<br />

ge<br />

über<br />

t<br />

et<br />

t<br />

rasier<br />

interview<br />

recycle<br />

zähl<br />

gonn<br />

wonn<br />

setz<br />

t<br />

t<br />

t<br />

t<br />

en<br />

en<br />

t


abkassieren<br />

anerkennen<br />

auferstehen<br />

handverlesen<br />

ab<br />

an<br />

auf<br />

hand<br />

er<br />

er<br />

ver<br />

kassier<br />

kann<br />

stand<br />

les<br />

t<br />

t<br />

en<br />

en<br />

Bei echten Verbkomposita mit nicht abtrennbarem ersten Kompositionsbestandteil<br />

wird das Partizipialpräfix in der Regel initial gesetzt.<br />

maßregeln<br />

handhaben<br />

ratschlagen<br />

wetteifern<br />

aber<br />

bauchreden<br />

notlanden<br />

staubsaugen<br />

bauch<br />

not<br />

staub<br />

ge<br />

ge<br />

ge<br />

ge<br />

ge<br />

ge<br />

ge<br />

maß<br />

hand<br />

rat<br />

wett<br />

regel<br />

hab<br />

schlag<br />

eifer<br />

red<br />

land<br />

saug<br />

Einige Präfixe kommen sowohl betont und trennbar als auch unbetont und untrennbar<br />

vor. Dazu gehören:<br />

durch-, hinter-, über-, um-, unter-, wider-, wieder-<br />

In vielen Fällen haben die Verben mit trennbaren Präfixen konkrete Bedeutung,<br />

mit untrennbaren Präfixen übertragene Bedeutung:<br />

durchlaufen<br />

durchlaufen<br />

Charlie Chaplin trug immer durchgelaufene Schuhe.<br />

Er hat die Beamtenlaufbahn erfolgreich durchlaufen.<br />

durchfahren<br />

durchfahren<br />

Der Zug ist bis Wien durchgefahren.<br />

Der Zug hat die Stadt durchfahren.<br />

durchschneiden<br />

durchschneiden<br />

Der Bäcker schneidet die Torte durch.<br />

Mehrere Kanäle durchschneiden die Ebene.<br />

übersetzen<br />

übersetzen<br />

Der Fährmann hat die Leute übergesetzt.<br />

Er hat viele Bücher übersetzt.<br />

übersteigen<br />

t<br />

t<br />

t<br />

t<br />

et<br />

et<br />

t<br />

71


72<br />

Grammatik<br />

übersteigen<br />

Der Junge ist vom Dach der Garage auf den Balkon übergestiegen.<br />

Er hatte den hohen Zaun fast überstiegen, als plötzlich ein Hund wütend bellte.<br />

umstellen<br />

umstellen<br />

Sie hat das Möbel umgestellt.<br />

Die Polizisten haben die Stadt umstellt.<br />

unterbreiten<br />

unterbreiten<br />

Sie hatte eine Decke untergebreitet.<br />

Wir haben eine Resolution unterbreitet.<br />

unterstellen<br />

unterstellen<br />

Er hat seinen Wagen in Gehrmanns Garage untergestellt.<br />

Er ist dem Direktor direkt unterstellt.<br />

1.2.3 Verwendung des Partizip I<br />

Das Partizip I kann im Prinzip zu jedem Verb gebildet werden. Beschränkungen<br />

sind immer semantischer Natur (*bekommend, *widerfahrend).<br />

Partizip I kann als vorangestelltes Attribut in Nominalphrasen vorkommen. Es<br />

wird dann wie ein Adjektiv dekliniert:<br />

der spannende Film, des spannenden Films usw.<br />

ein glänzender Erfolg, eines glänzenden Erfolgs usw.<br />

Als Prädikativ hingegen bleibt es unveränderlich:<br />

Der Film ist/war spannend.<br />

Der Erfolg ist/war glänzend.<br />

Das Partizip I als vorangestelltes Attribut kann durch zusätzliche Glieder erweitert<br />

werden:<br />

mein in Wien wohnender Onkel<br />

unser im nächsten Monat ausscheidender Chef<br />

die gestern noch funktionierende Maschine<br />

Das Partizip I kommt in Verbindung mit dem finiten Verb sein (zum Teil auch<br />

bleiben und werden) vor. Hier handelt es sich meistens um den prädikativen<br />

Gebrauch von Partizipien:<br />

Der Film ist spannend.


Die Krankheit ist ansteckend.<br />

Bei der Verbindung von finiten Verbformen mit dem Partizip I handelt es sich<br />

um einen adverbialen Gebrauch des Partizips:<br />

Wir fanden das Mädchen auf der Treppe sitzend.<br />

Sie diskutierte überzeugend.<br />

Das Gerundivum ist eine ähnliche Form wie das Partizip I. Es tritt immer mit<br />

vorangestelltem zu verbunden auf:<br />

ein zu lösendes Problem<br />

ein kaum/schwer zu lösendes Problem<br />

die zu beantwortende Frage<br />

problém, ktorý treba riešit<br />

sotva/tažko riešitelný problém<br />

otázka, na ktorú sa má odpovedat<br />

In einigen Kombinationen entspricht den deutschen Partizipien I im Slowakischen<br />

ein deverbales Adjektiv:<br />

eine bleibende Stätte<br />

die fahrende Habe<br />

schwindelnde Höhe<br />

sitzende Lebensweise<br />

der dauernde Frieden<br />

ein spannender Film<br />

trvalé miesto<br />

hnutelný majetok<br />

závratná výška<br />

sedavý spôsob života<br />

trvalý mier<br />

napínavý film<br />

1.2.4 Verwendung des Partizip II<br />

as Partizip II als Teil des Werbkomplexes dient zur Bildung:<br />

(1) der Perfektformen:<br />

Sie hat das Buch gelesen.<br />

Meine Freunde sind schon weggefahren.<br />

(2) des Zustandspassivs:<br />

Die Aufgabe ist / war gelöst.<br />

Das Geschäft ist / war geschlossen.<br />

Das Geschäft ist geöffnet gewesen.<br />

(3) des Vorgangspassivs:<br />

Die Tür wird / wurde geöffnet.<br />

Der Roman wird / wurde abgeschlossen.<br />

Das Partizip II wird in manchen Verbindungen adjektivisch gebraucht:<br />

Wir sind über sein Benehmen tief betroffen.<br />

Alle waren von der Leistung der Mannschaft enttäuscht.<br />

73


74<br />

Grammatik<br />

Adjektivische Partizipien kommen auch als Adjektivadverbien vor:<br />

Sie ging gekränkt nach Hause.<br />

Er spielt geschickt Tischtennis.<br />

Als Teil der Nominalphrase kommt das Partizip II als vorangestelltes Attribut<br />

vor:<br />

das gelöste Problem<br />

die vor einer Woche eingetroffene Sendung<br />

das verliebte Mädchen<br />

Dem Partizip II entspricht im Slowakischen entweder eine ähnliche Konstruktion<br />

oder es kann in der Form eines Nebensatzes wiedergegeben werden:<br />

der erwartete Besuch<br />

die verlorene Ehre<br />

die vergangene Nacht<br />

der erkrankte Freund<br />

das verschwundene Kind<br />

1.3 Die finiten Verbformen<br />

ocakávaná návšteva<br />

stratená cest, povest<br />

minulá, uplynulá noc<br />

chorý, ochorevší priatel<br />

zmiznuvšie dieta; dieta, ktoré zmizlo<br />

Als Hilfsverben bezeichnen wir jene Verben, die zur Bildung des Prädikats ein<br />

weiteres Wort benötigen. Sie werden in traditionellen und neuesten Grammatiken<br />

unterschiedlich definiert. Viele Linguisten verstehen darunter nur die perfekt-<br />

und passivbildenden Verben (haben, sein, werden), andere rechnen auch<br />

die Modalverben zu den Hilfsverben.<br />

Als Auxiliarverben werden gewöhnlich die perfekt- und passivbildenden<br />

Hilfsverben (haben, sein, werden) aufgefasst.<br />

Er hat einen langen Brief geschrieben.<br />

Hans ist abgereist.<br />

Die Modalverben (brauchen, dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen)<br />

bezeichnen Modalität im weitesten Sinne.<br />

Wir wollen heute ins Theater gehen.<br />

Jetzt darfst du sprechen.<br />

Eine besondere Gruppe bilden die bedeutungsschwachen Funktionsverben<br />

(finden, setzen, bringen), die sich regelmäßig mit Präpositional- oder Nominalphrasen<br />

verbinden, in denen das Nomen ein Geschehen bezeichnet.<br />

Er ist in Schwierigkeiten geraten.<br />

Das neue Theaterstück kam endlich zur Aufführung.


Die Modalitätsverben (drohen, gedenken, pflegen, scheinen, vermögen, versprechen<br />

u.a.) drücken ebenfalls Modalität im weitesten Sinne aus, sofern sie<br />

mit zu + Infinitiv verbunden werden.<br />

Alles scheint in bester Ordnung zu sein.<br />

Das Gebäude drohte einzustürzen.<br />

Die Infinitivverben (es gibt, es gilt, fühlen, gehen, heißen u.a.) sind solche<br />

Verben, die ein anderes Verb im Infinitiv haben.<br />

Es gibt hier nichts zu sehen.<br />

Jetzt gilt es richtig aufzupassen.<br />

Die Partizipverben (kommen, stehen) können mit dem Partizip eines anderen<br />

Verbs auftreten.<br />

Der Vogel kam geflogen.<br />

Er kam angebraust.<br />

Als Vollverben (oder Hauptverben) bezeichnen wir jene Verben, die eine eigene<br />

lexikalische Bedeutung haben und ohne Unterstützung durch ein anderes<br />

Wort das Prädikat bilden können. Die Vollverben bezeichnen Tätigkeiten, Vo r-<br />

gänge und Zustände.<br />

Tätigkeitsverben sind solche Vollverben, bei denen der verbale Prozess von<br />

einem Täter (Agens) ausgeht. Zu dieser Gruppe gehören vor allem die transitiven<br />

Verben, aber auch solche Verben, die einen anderen Kasus (Genitiv, Dativ,<br />

Präpositionalkasus) regieren. Tätigkeitsverben sind also Ve rben mit:<br />

• Akkusativ:<br />

bezeichnen, bedeuten, essen, lesen, trinken<br />

• Genitiv:<br />

sich bemächtigen, sich erbarmen, sich (er)freuen<br />

• Dativ:<br />

begegnen, danken, helfen, vertrauen<br />

• Präpositionalkasus: sich freuen auf etwas, fragen nach etwas, kämpfen für/gegen etwas<br />

Vorgangsverben sind solche Verben, die Veränderungen des Subjekts ausdrücken:<br />

aufblühen, sich ändern, sich erhalten<br />

Innerhalb der Vorgangsverben kann man die kleine Gruppe der Witterungsverben<br />

unterscheiden. Sie werden nur mit dem unpersönlichen es gebildet:<br />

es blitzt, es regnet, es schneit, es taut<br />

Zustandsverben drücken das Andauern des Seins über eine längere Zeitdauer<br />

aus:<br />

bleiben, liegen, schlafen, sitzen, stehen<br />

75


76<br />

Grammatik<br />

Zwischen den einzelnen Klassen gibt es auch Übergänge:<br />

Der Arzt heilt die Wunde/hat die Wunde geheilt.<br />

Die Wunde ist geheilt.<br />

Die Sonne hat den Schnee geschmolzen.<br />

Der Schnee ist geschmolzen.<br />

(Tätigkeit)<br />

(Vorgang)<br />

(Tätigkeit)<br />

(Zustand)<br />

1.3.1 Die Verwendung der Hilfs- und Modalverben<br />

Hilfsverben können mit infiniten Verbformen (Infinitiv und Partizip II) komb i-<br />

niert we rden.<br />

Die Verben haben, sein und werden können sowohl mit dem Infinitiv als<br />

auch mit dem Partizip II verbunden werden. In modernen Grammatiken werden<br />

sie auch Auxiliarverben genannt.<br />

Die Modalverben dürfen, können, mögen, müssen, sollen und wollen können<br />

nur mit dem Infinitiv eines anderen Verbs verbunden auftreten.<br />

Eine kleine Gruppe von Vollverben verhält sich wie die Modalverben, sie teilen<br />

aber nicht alle formalen Besonderheiten der Modalverben. Hierher gehören:<br />

belieben, bleiben, brauchen, drohen, pflegen, scheinen, vermögen, versprechen u.a.<br />

Sie werden auch Modalitätsverben genannt.<br />

Die Funktionsverben verbinden sich regelmäßig mit Substantiven, die ein Ge -<br />

schehen bezeichnen, z.B.: das Wort erteilen<br />

Hilfe leisten<br />

eine Bestätigung erfahren<br />

eine Antwort geben<br />

u.a.<br />

Alle Hilfs- und Funktionsverben sind zugleich auch Vollverben (oder Hauptverben).<br />

Es ist daran zu erkennen, dass sie sich nicht immer mit anderen Verben<br />

verbinden müssen, sondern eine eigene Bedeutung haben können.<br />

Beispiele:<br />

als Auxiliarverb<br />

als Vollverb<br />

haben Wir haben viel gearbeitet. Sie hat einen neuen Hut.<br />

sein Hans ist weggefahren. Hans ist krank.<br />

werden Der Patient wird operiert. Beate wird Lehrerin.<br />

als Modalverb<br />

als Vollverb<br />

mögen Sie möchte mitfahren. Er mag kein Fleisch.<br />

können Sie kann schwimmen. Sie kann Deutsch.<br />

werden Beate wird krank sein.<br />

als Modalitätsverb<br />

als Vollverb<br />

brauchen Er braucht nicht zu kommen. Wir brauchen jetzt Hilfe.


leiben Das Thema bleibt zu diskutieren. Sie bleibt noch zwei Tage in Wien.<br />

drohen Das Haus droht einzustürzen. Dem Land droht eine Wirtschaftskrise.<br />

pflegen Er pflegt zum Essen Wein zu trinken. Sie hat viele Kranke gesund gepflegt.<br />

als Funktionsverb<br />

als Vollverb<br />

stellen Sie hat eine interessante Frage gestellt. Sie hat die Vase auf den Tisch gestellt.<br />

1.3.1.1 Hilfsverben mit Infinitiv und Partizip II<br />

haben + Partizip II dient zur Bildung des Perfekts, Plusquamperfekts und des<br />

Infinitiv II:<br />

Ich habe/hatte einen Brief geschrieben.<br />

Morgen wird er die Arbeit beendet haben.<br />

haben + zu + Infinitiv drückt:<br />

(1) Notwendigkeit<br />

(2) Möglichkeit<br />

(3) Berechtigung aus:<br />

(1) Ich habe die Aufgabe zu schreiben. (= Ich muss die Aufgabe schreiben.)<br />

(2) Was hast du uns zu sagen? (= Was kannst du uns s agen.)<br />

(3) Du hast mir nichts zu befehlen. (= Du bist nicht berechtigt, mir zu befehlen.)<br />

sein + Partizip II dient zur Bildung des Perfekts, Plusquamperfekts und des<br />

Infinitiv II:<br />

Er ist gekommen.<br />

Als Peter weggefahren war, besuchte uns mein Onkel.<br />

Er wird hier gewesen sein.<br />

sein + Partizip II dient zum Ausdruck des Zustandspassivs:<br />

Die Aufgabe ist geschrieben.<br />

Sie ist geimpft.<br />

sein + Infinitiv mit zu dient zum Ausdruck von<br />

(1) Notwendigkeit und<br />

(2) Möglichkeit:<br />

(1) Dieser Wagen ist noch heute zu reparieren.<br />

(= Der Wagen muss noch heute repariert werden.)<br />

(2) Der Fehler ist leicht zu korrigieren.<br />

(= Der Fehler kann leicht korrigiert werden.)<br />

werden + Partizip II dient zum Ausdruck des Vorgangspassivs:<br />

Der Aufsatz wird / wurde korrigiert.<br />

Der Aufsatz ist / war korrigiert worden.<br />

77


78<br />

Grammatik<br />

werden + Infinitiv dient zum Ausdruck des Futur I und Futur II mit modaler<br />

Bedeutung:<br />

Wir werden noch heute Abend nach Wien fahren.<br />

Er wird diese Aufgabe in zwei oder drei Monaten gelöst haben.<br />

1.3.1.2 Hilfsverben mit Infinitiv<br />

dürfen<br />

a) Bedeutungsvariante: »die Erlaubnis / Be rechtigung / Möglichkeit haben«.<br />

Das darfst du nicht tun. To nesmieš robit.<br />

Er darf keinen Alkohol mehr trinken. Už nesmie pit alkohol.<br />

Sie durfte daran nicht teilnehmen. Nesmela sa na tom zúcastnit.<br />

Negiertes dürfen drückt immer ein Verbot oder eine Aufforderung aus:<br />

Du darfst keine Angst haben! Neboj sa!<br />

Darüber darfst du dich nicht wundern! Tomu sa necuduj!<br />

b) Bedeutungsvariante: subjektive »Vermutung«; »Annahme«<br />

Das dürfte er aber gewusst haben. To urcite vedel, to musel vediet.<br />

Das dürfte ein Irrtum sein. To je asi omyl.<br />

Die Variante (b) ist auf das Präteritum Konjunktiv beschränkt.<br />

können<br />

a) Bedeutungsvariante: »die Möglichkeit haben«<br />

Anja kann nicht kommen. Anja nemôže príst.<br />

Man kann hier schwimmen, das Wasser ist warm genug.<br />

b) Bedeutungsvariante: »die Fähigkeit haben«, »im Stande sein«<br />

Er kann gut Ski laufen. Vie dobre lyžovat.<br />

Viele Leute hier können weder lesen noch schreiben.<br />

c) Bedeutungsvariante: »Vermutung«<br />

Sie können mit Ihrer Behauptung Recht haben.<br />

Sie können daran gar nicht denken.<br />

d) Bedeutungsvariante: »Erlaubnis haben«<br />

Sie können jetzt gehen.<br />

Er ist schon achtzehn, er kann schon allein ins Kino gehen.


79<br />

mögen<br />

a) Bedeutungsvariante: »den Wunsch haben«<br />

[In dieser Bedeutungsvariante wird heute für das Präsens die Form möchte<br />

verwendet, die aber die Gegenwart bezeichnet. Mit Konjunktiv Präsens ist diese<br />

Variante nicht mö glich.]<br />

Ich möchte in diesem Jahr viel reisen.<br />

Ich möchte gern dazu etwas sagen.<br />

b) Bedeutungsvariante: »Vermutung«; »Annahme«<br />

Du magst Recht haben.<br />

Er mag vieles versprechen, er wird doch nichts zu Stande bringen.<br />

c) Bedeutungsvariante: »Bestimmung«<br />

Hier werden die Formen mag (Präsens) und möchte (Konjunktiv I) in folgenden<br />

Fällen verwendet:<br />

• In negierten und restriktiven Äußerungen (neben möchte):<br />

Ich mag darüber nicht reden.<br />

• In formelhaften Wendungen. Möge erscheint in selbständigen Sätzen:<br />

Das Zeichen y möge die zu suchende Größe bezeichnen.<br />

Das Parlament möge Folgendes beschließen.<br />

Die entsprechenden Formen des Konjunktiv I wirken milder im Ton.<br />

d) Bedeutungsvariante: »Aufforderung«<br />

[Hier wird mögen in der indirekten Rede als höfliche Ausdrucksform verwendet.]<br />

Man hat mir gesagt, ich möge auf den Direktor warten.<br />

Man bat ihn, er möge seinen Mantel ausziehen.<br />

e) Bedeutungsvariante: »jemandem etwas wünschen«. Hier ist der Konjunktiv I<br />

verbindlich:<br />

Der Himmel möge dich beschützen.<br />

Möge er seinen guten Willen beweisen.<br />

f) Bedeutungsvariante: »unwirksamer Gegengrund«. Diese Variante wird in<br />

Konzessivsätzen verwendet. mögen verleiht hier dem Konzessivsatz einen<br />

hypothetischen Nebensinn:<br />

Sie mag tun, was sie will, es ist ihm nichts recht. Cokolvek (ona) robí, on s nicím nie je<br />

spokojný.<br />

Er mag noch so schön daherreden, wir glauben ihm nicht.


80<br />

Grammatik<br />

F<br />

g) Bedeutungsvariante: »Ausdruck der »Unsicherheit», »Ratlosigkeit» des<br />

Sprechers«<br />

Wen mag er wohl meinen?<br />

Wen mochte er wohl meinen?<br />

Er fragte, wer wohl gemeint sein möchte.<br />

In welcher Stadt der Schweiz mag er wohl nicht gewesen sein?<br />

müssen<br />

a) Bedeutungsvariante: »gezwungen sein«; »veranlasst sein«<br />

Du musst ins Geschäft gehen, wenn du Brot kaufen möchtest.<br />

Sie hat plötzlich abreisen müssen.<br />

Die Negation von müssen wird oft durch brauchen ausgedrückt:<br />

Du brauchst nicht mitzukommen.<br />

Du hättest nicht mitzukommen brauchen.<br />

b) Bedeutungsvariante: »Vermutung«; »Gewissheit«<br />

Du musst es wissen/gewusst haben.<br />

Sie musste das wissen/gewusst haben.<br />

Bei der Negation kann hier brauchen + zu verwendet werden:<br />

Er muss es nicht gewusst haben.<br />

Er braucht es nicht gewusst zu haben.<br />

sollen<br />

a) Bedeutungsvariante: »Auftrag«; »Pflicht«<br />

Du sollst ihm den Brief übergeben.<br />

Sie sollen sich schnell untersuchen lassen.<br />

Ich soll noch heute arbeiten (weil es mir mein Chef befohlen hat.)<br />

aber: Ich muss noch heute arbeiten (weil ich morgen eine Prüfung habe).<br />

b) Bedeutungsvariante: »Behauptung«; Wiedergabe der Äußerung eines Dritten,<br />

oft mit Skepsis des Sprechers verbunden.<br />

Er soll krank sein/krank gewesen sein.<br />

Sie sollte krank sein/krank gewesen sein. (Konjunktiv II, selten)<br />

Ein Unteroffizier der Bundeswehr soll Untergebene misshandelt haben. (= Man sagt, dass<br />

er sie misshandelt hat.)<br />

c) Bedeutungsvariante: »Aufforderung« (in der indirekten Rede).<br />

Man sagte ihm, er solle sie besuchen.<br />

(Aus der direkten Rede: Besuche sie!)


Mir wurde empfohlen, ich soll an der Konferenz teilnehmen.<br />

d) Bedeutungsvariante: »zukünftig«. In dieser Variante kommt sollen nur im<br />

Prä teritum vor.<br />

Es sollte sich noch rächen, dass er dagegen nichts unternommen hatte.<br />

e) Bedeutungsvariante: »hypothetisch«. Diese Variante kommt in Konditionalsätzen<br />

nur im Konjunktiv II vor.<br />

Falls du ihn sehen solltest, grüße ihn von mir.<br />

Solltest du ihn sehen, grüße ihn von mir.<br />

f) Bedeutungsvariante: »tendenzgebend«. Diese Variante kommt nur in Fragesätzen<br />

vor.<br />

Sollte das vielleicht nicht in Ordnung sein?<br />

Solltest du davon nicht gewusst haben?<br />

Auf diese Frage wird im Allgemeinen eine positive Antwort erwartet.<br />

Anmerkung: Dem slowakischen vraj, asi u.a. entspricht im Deutschen oft das Modalverb<br />

müssen oder sollen + Infinitiv II. Vgl.<br />

Es muss viel gekostet haben. Urcite to stálo vela penazí.<br />

Sie soll schon weggefahren sein. Vraj už odcestoval.<br />

Damit werden Sie wohl nicht gerechnet haben. S tým ste asi nepocítali.<br />

Sie muss es doch gehört haben. Urcite, pravdepodobne o tom už pocula.<br />

wollen<br />

a) Bedeutungsvariante: »Wunsch/Absicht haben«<br />

Sie will das neue Kleid kaufen.<br />

Sie wollte das neue Kleid kaufen.<br />

b) Bedeutungsvariante: »zukünftig«. Diese Variante drückt im Unterschied zu<br />

werden »Wille«, »Absicht« aus.<br />

Ich will hier bleiben, bis du zurückkommst.<br />

Er will morgen nach Wien fahren.<br />

Oft wird die zukünftige Handlung von einem anderen Zeitpunkt aus ges ehen;<br />

dann wird das Präteritum von wollen verwendet:<br />

Wir wollten eben weggehen, als er an die Tür klopfte.<br />

c) Bedeutungsvariante: »Aufforderung«<br />

Wir wollen nun unseren Tee austrinken.<br />

Willst du uns vielleicht etwas sagen?<br />

81


82<br />

Grammatik<br />

d) Bedeutungsvariante: »hypothetisch«. Diese Variante verwendet man in<br />

Konditional- und Komparativsätzen:<br />

Es würde sehr lange dauern, wollten wir alle Möglichkeiten genau überprüfen.<br />

Es sieht so aus, als wolltest du auf dein Recht verzichten.<br />

e) Bedeutungsvariante: »Bestimmung«<br />

Der vorliegende Aufsatz will Fragen behandeln, die sich aus den neuesten medizinischen Erkenntnissen<br />

ergeben.<br />

f) Bedeutungsvariante: »Notwendigkeit«. Diese Variante wird hauptsächlich<br />

mit nichtpersonalem Subjekt und dem Infinitiv des Zustandspassivs verwendet.<br />

Die Arbeit will gemacht sein. (= muss gemacht werden.)<br />

Der komplizierte Prozess will gemeistert sein. (= muss gemeistert werden.)<br />

1.4 Die Modalitätsverben<br />

Die Modalitätsverben verhalten sich im Allgemeinen wie Modalverben, teilen<br />

aber nicht alle formalen Besonderheiten dieser Verben. Die Modalitätsverben<br />

verbinden sich mit zu + Infinitiv eines anderen Verbs. Die wichtigsten Modalitätsverben<br />

sind:<br />

bleiben, brauchen, drohen, dürfen, gedenken, können, mögen, pflegen, scheinen,<br />

vermögen, versprechen<br />

usw.<br />

Beispiele:<br />

bleiben<br />

brauchen<br />

drohen<br />

gedenken<br />

haben<br />

pflegen<br />

scheinen<br />

sein<br />

Die Kompetenzfragen zwischen dem Rektorat und dem Dekanat bleiben<br />

zu diskutieren.<br />

Er braucht heute nicht zu arbeiten.<br />

Sabine braucht am Sonntag nicht zu kommen.<br />

Die Stadt droht von der Außenwelt abgeschnitten zu werden.<br />

Die Lage droht sich zuzuspitzen.<br />

Der slowakische Präsident gedachte die Regierung umzubilden.<br />

Er hatte die Regierung umzubilden gedacht.<br />

Wir haben noch viel zu tun.<br />

Wir hätten noch die Fenster zu streichen gehabt.<br />

Sie pflegt nach dem Essen einen Sherry zu trinken.<br />

Susanne pflegt mich jeden Samstag zu besuchen.<br />

Es scheint kalt zu werden.<br />

Der Patient scheint Fieber zu haben.<br />

Die Aufgabe ist zu lösen.<br />

Die Aufgabe wäre ohne weiteres zu lösen gewesen.


83<br />

stehen<br />

versprechen<br />

vermögen<br />

wissen<br />

usw.<br />

Es steht zu hoffen, dass wir von ihm noch heute eine Nac hricht er halten.<br />

Es steht nicht zu erwarten, dass sich die Kriegsteilnehmer noch in diesem<br />

Jahr einigen.<br />

Es verspricht ein wunderschöner Tag zu werden.<br />

Er verspricht ein guter Schwimmer zu werden.<br />

Er vermag sich durchzusetzen.<br />

Man vermag sich kaum vorzustellen, wie es nach diesem Krieg im Nahen<br />

Osten aussehen soll.<br />

Der Präsident hat den Putsch des Militärs nur mit Mühe zu verhindern<br />

vermocht.<br />

Sie weiß viel zu erzählen.<br />

Er wusste sich vor seinen Verfolgern nicht zu retten.<br />

1.5 Funktionsverben<br />

Funktionsverben üben vorwiegend eine grammatisch-syntaktische Funktion<br />

aus. Sie haben ihre ursprüngliche Bedeutung weitgehend oder vollständig eingebüßt.<br />

Sie verbinden sich regelmäßig mit Präpositional- oder Nominalphrasen,<br />

in denen das Nomen (gewöhnlich in der Form von Präpositionalgruppen oder<br />

Akku sativen) ein Geschehen bezeichnet. Träger der Bedeutung des Prädikats<br />

ist also nicht das Verb, sondern das Nomen. Die wichtigsten Funktionsverben<br />

im Deutschen sind:<br />

abstatten, anschneiden, ausüben, bekommen, bleiben, bringen, geben, finden,<br />

führen, machen, leisten, nehmen, setzen, stellen, treffen<br />

usw.<br />

Die wichtigsten Funktionsverben mit reiner Akkusativphrase sind:<br />

abstatten einen kurzen Besuch abstatten = besuchen<br />

anschneiden eine Frage/ein heikles Thema/<br />

Problem anschneiden<br />

geben<br />

erteilen<br />

erfahren<br />

finden<br />

den Auftrag geben<br />

eine Antwort geben<br />

einen Rat geben<br />

Unterricht geben<br />

das Wort erteilen<br />

eine Bestätigung erfahren<br />

eine Korrektur erfahren<br />

eine Veränderung erfahren<br />

eine Verbesserung erfahren<br />

Aufnahme finden<br />

Beachtung finden<br />

= beauftragen<br />

= beantworten<br />

= raten<br />

= unterrichten<br />

= bestätigt werden<br />

= korrigiert werden<br />

= verändert werden<br />

= verbessert werden<br />

= aufgenommen werden<br />

= beachtet werden


84<br />

Grammatik<br />

führen<br />

leisten<br />

machen<br />

treffen<br />

Berücksichtigung finden<br />

eine Erklärung finden<br />

Glauben finden<br />

den Tod finden<br />

Verwendung finden<br />

einen Kampf führen<br />

ein Gespräch führen<br />

eine Verhandlung führen<br />

das Protokoll führen<br />

Ersatz leisten<br />

Hilfe leisten<br />

Widerstand leisten<br />

Zahlung leisten<br />

die Angaben machen<br />

eine Probe machen<br />

einen Versuch machen<br />

eine Entscheidung treffen<br />

eine Verabredung treffen<br />

= berücksichtigt werden<br />

= erklärt werden<br />

= geglaubt werden<br />

= sterben<br />

= verwendet werden<br />

= kämpfen<br />

= sprechen<br />

= verhandeln<br />

= protokolliere<br />

= ersetzen<br />

= helfen<br />

= sich widersetzen<br />

= zahlen<br />

= angeben<br />

= probieren<br />

= versuchen<br />

= entscheiden<br />

= sich verabreden<br />

Die wichtigsten Funktionsverben mit Präpositionalgefüge sind:<br />

bleiben<br />

bringen<br />

in Abhängigkeit bleiben (von)<br />

in Gefahr bleiben<br />

in Betrieb bleiben<br />

in Verbindung bleiben<br />

Zum Abschluss bringen<br />

zur Aufführung bringen<br />

zur Vollendung bringen<br />

zum Ausdruck bringen<br />

in/zur Anwendung bringen<br />

zu Ende bringen<br />

zur Kenntnis bringen<br />

in Ordnung bringen<br />

zur Ruhe bringen<br />

zum Schluss bringen<br />

in Verwirrung bringen<br />

zur Verzweiflung bringen<br />

ums Leben bringen<br />

zur Vernunft bringen<br />

in Verlegenheit bringen<br />

= abhängen<br />

= gefährdet sein<br />

= betrieben werden<br />

= verbunden sein<br />

= abschließen<br />

= aufführen<br />

= vollenden<br />

= ausdrücken<br />

= anwenden<br />

= beenden<br />

= bekannt geben<br />

= ordnen<br />

= beruhigen<br />

= schließen<br />

= verwirren<br />

= verzweifeln<br />

= (töten)<br />

zur Sprache bringen<br />

führen zu Ende führen = beenden<br />

geraten in Angst geraten


in Sorge geraten<br />

in Wut geraten<br />

kommen zur Aufführung kommen<br />

zur Entscheidung kommen<br />

zum Vortrag kommen<br />

zur Anwendung kommen<br />

in Bewegung kommen<br />

nehmen in Anspruch nehmen<br />

Abschied nehmen<br />

in Arbeit nehmen<br />

setzen in Brand setzen<br />

sich zur Ruhe setzen<br />

aufs Spiel setzen<br />

stellen unter Beobachtung stellen/stehen<br />

unter Kontrolle stellen/stehen beweisen<br />

unter Beweis stellen<br />

stehen unter Aufsicht stellen/stehen<br />

versetzen in Angst versetzen = ängstigen<br />

ziehen in Erwägung ziehen = erwägen<br />

Für Funktionsverbgefüge gilt:<br />

= aufgeführt werden<br />

= entschieden werden<br />

= vorgetragen werden<br />

= angewandt werden<br />

= beanspruchen<br />

= sich verabschieden<br />

= bearbeiten<br />

= anzünden<br />

= Rentner werden<br />

= (riskieren)<br />

(1) Die substantivische Komponente kann weder erfragt noch pronominalisiert<br />

werden. Der Regisseur brachte das Theaterstück zur Aufführung. *Wohin<br />

brachte er das Theaterstück. *Dorthin.<br />

(2) Das Funktionsverbgefüge hat nicht dieselbe Bedeutung wie das parallele<br />

Vollverb. Vgl. zur Aufführung bringen und das Vollverb bringen.<br />

(3) Die verbale Komponente kann oft durch ein anderes Funktionsverb ersetzt<br />

werden. Die Bedeutung des Gesamtkomplexes ändert sich dabei. Vgl.: unter<br />

Kontrolle stellen/stehen; in Bewegung kommen/bringen/halten/sein.<br />

(4) Das Funktionsverb kann oft mit anderen substantivischen Ausdrücken zu<br />

einem Funktionsverbgefüge verbunden werden: zum Abschluss/zur Aufführung/in<br />

Bewegung kommen. (Vgl. LÜHR 1995: 103)<br />

Mit dem Funktionsverbgefüge ist es auch im Deutschen möglich, die Aktionsart<br />

zu variieren, z.B.:<br />

anerkannt werden – Anerkennung finden (Hervorhebung der Dauer)<br />

Funktionsverbgefüge füllen im Sprachsystem im besonderen Lücken im<br />

Sprachsystem aus. (vgl. LÜHR 1995: 104)<br />

85


86<br />

1.6 Modus und Tempus<br />

Grammatik<br />

1.6.1 Das Tempus<br />

Im Deutschen unterscheidet man sechs Tempusformen. Nach der Art ihrer Bildung<br />

können wir sie einteilen in:<br />

(1) einfache Tempusformen: a) Präsens<br />

b) Präteritum<br />

(2) zusammengesetzte Tempusformen: c) Perfe kt<br />

d) Plusquamperfekt<br />

e) Futur I<br />

f) Futur II<br />

Die sechs Tempora werden sowohl im Indikativ als auch im Konjunktiv (Aktiv<br />

und Passiv) verwendet.<br />

Die Bildung der Tempora kann mit folgendem einfachem Modell dargestellt<br />

werden:<br />

Aktiv Passiv Tempora<br />

Infinitiv I lesen gelesen werden Präsens, Präteritum<br />

Infinitiv II gelesen haben gelesen worden sein Perfekt, Plusquamperfekt<br />

Futur I = werden + Infinitiv I<br />

(Ausdruck der Modalität: Modalverb + Infinitiv I)<br />

Futur II = werden + Infinitiv II<br />

(Ausdruck der Modalität: Modalverb + Infinitiv II)<br />

1.6.2 Verwendung der Tempusformen<br />

Im Deutschen unterscheidet man sechs grammatische Tempora. Diese Tempusformen<br />

drücken unterschiedliche Bedeutungen aus. Den sechs grammatischen<br />

Tempora entsprechen aber nicht sechs grammatische Bedeutungen in linearer<br />

Zuordnung.<br />

1. Zeitinhalte können nicht nur durch grammatische Tempusformen, sondern<br />

auch durch lexikalische Mittel ausgedrückt werden.<br />

Er schreibt (jetzt) einen Brief.<br />

Er schreibt ihr (morgen) einen Brief.<br />

2. Tempusformen können nicht nur Zeitinhalte, sondern auch modale Inhalte<br />

ausdrücken.<br />

Da werden Sie sich (wohl) geirrt haben.


87<br />

Tempusformen werden absolut und relativ gebraucht.<br />

1.6.2.1 Die absolute Zeitbedeutung<br />

Unter absoluter Zeitbedeutung verstehen wir die zeitliche Beziehung zwischen<br />

Redemoment (= Sprechzeit) und dem dargestellten Sachverhalt (= Aktzeit).<br />

Der Sprecher hat im Kommunikationsprozess die Möglichkeit, das Geschehen<br />

– vom Redemoment aus – als gegenwärtig, vergangen oder zukünftig darzustellen.<br />

An der Darstellung absoluter Zeitbedeutungen sind alle Tempusformen beteiligt.<br />

Präsens<br />

a) aktuelles Präsens [Hauptbedeutung]<br />

Das Präsens drückt gegenwärtiges Geschehen aus. Sprechzeit und Aktzeit fallen<br />

in der Gegenwart zusammen. Die Aktualität des Geschehens kann durch<br />

weitere temporale Mittel betont werden:<br />

Sie studiert (jetzt) in Nitra.<br />

Ich lese (gerade, seit einer Stunde) einen interessanten Roman.<br />

b) generelles (atemporales) Präsens<br />

Das Präsens drückt Allgemein gültiges aus. Es wird gebraucht z.B. in wissenschaftlich-logischen<br />

(a), empirisch-generellen Aussagen (b) gebraucht<br />

(a) Wasser kocht bei 100 Grad.<br />

(a) 3 hoch 2 ist 9.<br />

(b) Die Erde kreist um die Sonne.<br />

(b) Es ist nicht alles Gold, was glänzt.<br />

(b) Der Mensch ist ein sprachbegabtes Lebewesen.<br />

c) futurisches Präsens<br />

Das Präsens bezeichnet zukünftiges Geschehen. Die Eindeutigkeit kann auch<br />

durch weitere temporale Mittel verstärkt werden.<br />

Wir kommen (bald) zurück.<br />

= Wir werden bald zurückkommen.<br />

Morgen kommt der Kaminfeger.<br />

d) historisches oder dramatisches Präsens<br />

Einen Sonderfall des aktuellen Präsens stellt das historische Präsens dar, bei<br />

dem vergangene Sachverhalte dargestellt werden. Die Vergangenheitsbedeutung<br />

muss hier durch eine obligatorische Temporalangabe (gestern, neulich,<br />

im Jahre 1914 u.a.) oder durch einen entsprechenden Kontext deutlich werden:


88<br />

Grammatik<br />

Schon als junger Student fällt unser Jubilar durch seine originellen Forschungsansätze auf.<br />

1914 bricht der erste Weltkrieg aus.<br />

Auch Thomas von Aquino spricht nur mit höchster Hochachtung von Augustin.<br />

Präteritum<br />

Das Präteritum besagt, dass die dargestellten Sachverhalte in der Vergangenheit<br />

liegen. Es wird vor allem bei der Darstellung zusammenhängender Sachverhalte<br />

verwendet. Das Präteritum ist insbesondere das Tempus des zusammenhängenden<br />

Berichtes, der Erzählung.<br />

Ich kratze und bürstete, atmete den Staub ein, hustete, rieb die Augen, es juckte in den Ohren<br />

...[Köpf]<br />

Perfekt<br />

a) Das Perfekt dient zur Darstellung von etwas Vergangenem. Es wird vor allem<br />

zur Darstellung abgeschlossener (vollzogener) Geschehnisse verwendet,<br />

die für die Gesprächsbeteiligten von Belang sind:<br />

Er hat (gestern) ein neues Auto gekauft.<br />

Was hast du den ganzen Tag gemacht?<br />

Elke hat sich auf die Prüfung gut vorbereitet.<br />

Er hat es mir eben gesagt.<br />

Wir haben ihn kommen hören.<br />

b) In Bezug auf die Gegenwart des Sprechers oder Schreibers können längst<br />

vergangene Ereignisse, deren Folgezustand anhält, durch das Perfekt ausgedrückt<br />

werden:<br />

Kolumbus hat Amerika entdeckt.<br />

c) Perfekt kann ein zukünftiges Geschehen bezeichnen, das man unter einem<br />

bestimmten Zeitpunkt als abgeschlossen vorstellt. In dieser Bedeutung ersetzt<br />

das Perfekt das Futur II:<br />

Morgen Abend um diese Zeit haben wir es geschafft.<br />

Nächsten Monat hat das junge Ehepaar die Wohnung eingeric htet.<br />

d) In der Umgangssprache wird das Perfekt auch als Tempus der zusammenhängenden<br />

Erzählung benutzt:<br />

Der Papagei ist weggeflogen. Wir haben gewartet, dass er wiederkommt, aber er ist nicht gekommen.<br />

Da haben wir den Käfig verkauft.


89<br />

Plusquamperfekt<br />

Das Plusquamperfekt bezeichnet vergangenes Geschehen, das als abgeschlossen<br />

dargestellt wird. Mit dem Plusquamperfekt können die Geschehnisse nicht<br />

als bis in die Gegenwart reichend dargestellt werden.<br />

Als absolutes Tempus kommt das Plusquamperfekt selten vor:<br />

Wir hatten einen Ausflug nach Wien geplant.<br />

Denken heißt Danken, hatte M. Heidegger gesagt.<br />

Kolumbus hatte 1492 Amerika entdeckt.<br />

Im süddeutschen Sprachraum erscheint statt des Plusquamperfekts oft ein doppeltes<br />

Perfekt :<br />

Ich habe dort angerufen gehabt.<br />

für standardsprachlich: Ich hatte dort angerufen.<br />

Ich bin eingeschlafen gewesen.<br />

für standardsprachlich: Ich war eingeschlafen.<br />

Diese Form ist in der Schriftsprache nicht zulässig.<br />

Futur I<br />

a) Das Futur I bezeichnet zukünftiges Geschehen:<br />

Wir werden (morgen) unsere Tante besuchen.<br />

Er wird noch heute einen Brief schreiben.<br />

Hier ist Futur I mit dem Präsens austauschbar:<br />

Ich besuche morgen meine Tante.<br />

Er schreibt noch heute einen Brief.<br />

b) Das Futur I kann vermutetes Geschehen in der Gegenwart bezeichnen. In<br />

diesem Falle hat es modale Bedeutung (Absicht, Vermutung, Aufforderung):<br />

Von morgen an werde ich nicht mehr rauchen. [Absicht]<br />

Er wird (jetzt) im Büro sein. [Vermutung]<br />

Du wirst jetzt deine Schularbeiten machen. [Aufforderung]<br />

c) Das Futur I kann energischen Befehl ausdrücken:<br />

Du wirst diese Aufgabe machen. (Du musst/sollst die Aufgabe machen.)<br />

Ihr werdet die Angelegenheit noch heute regeln. (= Ihr sollt die Angelegenheit noch<br />

heute regeln.)


90<br />

Grammatik<br />

4.1.1.1.1 Futur II<br />

a) Das Futur II drückt ein für die Zukunft als abgeschlossen geltendes Geschehen<br />

aus. Zur Realisierung dieser Variante sind jedoch weitere temporale<br />

Mittel (bald, morgen, am 20. Dezember u. dgl.) notwendig, sonst liegt modale<br />

Be deutung vor:<br />

Morgen wird er die Arbeit beendet haben.<br />

Gegenüber: Er wird die Arbeit beendet haben. [Vermutung]<br />

Eine Abgeschlossenheit, die in der Zukunft liegt, kann durch das Perfekt zum<br />

Ausdruck kommen:<br />

In einer Stunde werde ich das Buch gelesen haben.<br />

→ In einer Stunde habe ich das Buch gelesen.<br />

b) Das Futur II drückt ein Geschehen in der Vergangenheit aus, das mit einem<br />

Modalfaktor (Vermutung) verbunden ist:<br />

Er wird die Stadt verlassen haben.<br />

Dieser Mann wird in seinem Leben viel erfahren haben.<br />

1.6.2.2 Die relative Zeitbedeutung<br />

Die relative Zeitbedeutung ergibt sich aus der temporalen Abhängigkeit mehrerer<br />

Sachverhalte. In einem zusammengesetzten Satz (Satzgefüge) können folgende<br />

temporale Beziehungen ausgedrückt werden:<br />

1) Gleichzeitigkeit<br />

2) Vorzeitigkeit<br />

3) Nachzeitigkeit<br />

Gleichzeitigkeit<br />

Das Geschehen im Haupt- und Nebensatz verläuft gleichzeitig. In beiden Teilsätzen<br />

wird in der Regel das gleiche Tempus verwendet. Gleichzeitigkeit wird<br />

durch folgende Konjunktionen ausgedrückt.<br />

wenn - ked, kedykolvek sobald, sowie, wie - len co<br />

als - ked sooft - kedykolvek<br />

solange<br />

- kým<br />

Als ich gestern Zeit hatte, besuchte ich meine Freundin. Ked som mal vcera trochu casu,<br />

navštívil(a) som svoju priatelku.<br />

Wenn es regnet, gehe ich nicht spazieren.<br />

Wir waren im Theater, während/als es regnete.


Nachzeitigkeit<br />

Das Geschehen im Nebensatz verläuft nach dem Geschehen im Hauptsatz. Im<br />

Haupt- und Nebensatz kann auch Präsens bzw. Präteritum stehen, wenn im<br />

Hauptsatz das Perfekt bzw. Plusquamperfekt gebraucht wird:<br />

Sie bringt das Kind zur Großmutter, bevor sie zur Arbeit geht.<br />

[HS – Präsens]<br />

Er erreichte sein Ziel,<br />

Er blieb in Berlin,<br />

[HS – Präteritum]<br />

[NS – Präsens]<br />

ehe die Sonne unterging.<br />

bis er mit seinem Studium fertig war.<br />

[NS – Präteritum]<br />

Er hatte sein Ziel erreicht, ehe die Sonne unterging.<br />

[HS Plusquamperfekt] [NS – Präteritum]<br />

Vorzeitigkeit<br />

Beim Ausdruck der Vorzeitigkeit (Nebensatzgeschehen vor Hauptsatzgeschehen)<br />

gibt es relativ stabile Regeln.<br />

a) Im Nebensatz steht in der Regel das Perfekt, wenn im Hauptsatz das Präsens<br />

steht:<br />

Wenn alle gekommen sind, können wir uns an die Arbeit machen.<br />

b) Im Hauptsatz kann auch das Futur I als absolutes Tempus stehen:<br />

Wenn ich das Buch gefunden habe, gebe ich es dir sofort zurück.<br />

Wenn ich das Buch gefunden habe, werde ich es dir sofort zurückgeben<br />

c) Wenn im Hauptsatz das Präteritum verwendet wird, erscheint im Nebensatz<br />

in der Regel das Plusquamperfekt :<br />

Nachdem er das Buch gelesen hatte, ging er ins Kino.<br />

[NS – Plusquamperfekt]<br />

[HS – Präteritum]<br />

Die Mutter brachte das Kind ins Bett, nachdem es eingeschlafen war.<br />

[HS – Präteritum]<br />

[NS – Plusquamperfekt]<br />

Die Zeitverhältnisse zwischen Sachverhalten können also durch folgende lexikalische<br />

Mittel ausgedrückt werden:<br />

91


92<br />

Grammatik<br />

Innerhalb der Satzverbindungen<br />

oder zwischen Sätzen Im Satzgefüge<br />

Adverbien und Adjektive subordinierende Konjunktionen<br />

Gleichzeitigkeit gerade, dabei, gleichzeitig während, als, indessen, solange<br />

Nachzeitigkeit dann, dabei, darauf, später, bald, bevor, ehe, bis<br />

nachher<br />

Vorzeitigkeit vorher nachdem, als, wenn, sobald,<br />

seit(dem)<br />

1.7 Der Modus<br />

Der Modus ist eine grammatische Kategorie des Verbs. Er dient zum Ausdruck<br />

der Modalität. Der Sprecher drückt mit seiner subjektiven Stellungnahme Wirklichkeit<br />

und Nichtwirklichkeit, Bedingtheit, Notwendigkeit, Gewissheit und<br />

Ungewissheit, Vermutung, Forderung, Möglichkeit oder Unmöglichkeit des<br />

Ge schehens aus. Die unterschiedlichen Modalitäten kann man einerseits mit<br />

Hilfe unterschiedlicher sprachlicher Mittel, wie Modalwörter, Modal wendungen,<br />

z.B. meines Erachtens, in der Tat, wahrscheinlich u.a., andererseits<br />

mit Hilfe der Modi des Verbs ausdrücken. Im Deutschen unterscheidet man<br />

drei Arten des Modus:<br />

• den Indikativ<br />

• den Konjunktiv (und den Konditional)<br />

• den Imperativ<br />

1.7.1 Der Indikativ<br />

Der Indikativ ist die Grundform der Modi. Er bezeichnet aber nicht nur das tatsächlich<br />

Gegebene, sondern er drückt auch Vorgestelltes und zu Ve rwirklichendes<br />

aus:<br />

(1) Die Erde dreht sich um die Sonne. [reales Geschehen]<br />

(2) Wenn ich Zeit habe, gehe ich heute ins Theater. [vorgestelltes Geschehen]<br />

(3) Du gibst mir doch bitte das Buch? [zu verwirklichendes Geschehen]<br />

1.7.2 Konjunktiv<br />

Der Konjunktiv drückt im Deutschen ein Geschehen als vermittelt, als nicht<br />

wirklich im weitesten Sinne aus.


Formen des Konjunktivs<br />

Von der Form her unterscheidet man Konjunktiv I (gebildet aus dem Präsensstamm)<br />

und Konjunktiv II (gebildet aus dem Präteritalstamm).<br />

1.7.2.1 Konjunktiv I<br />

Im Präsens wird der Konjunktiv I von der 1. Stammform, der ein -e angefügt<br />

wird, gebildet. An dieses -e- werden die Endungen der Person und des Numerus<br />

angehängt.<br />

(ich)<br />

(du)<br />

(er), (sie)<br />

(wir)<br />

(ihr)<br />

(sie)<br />

suche<br />

suchest<br />

suche<br />

suchen<br />

suchet<br />

suchen<br />

lächle<br />

lächlest<br />

lächle<br />

lächeln<br />

lächlet<br />

lächeln<br />

nehme<br />

nehmest<br />

nehme<br />

nehmen<br />

nehmet<br />

nehmen<br />

habe<br />

habest<br />

habe<br />

haben<br />

habet<br />

haben<br />

sei<br />

sei(e)st<br />

sei<br />

seien<br />

seiet<br />

seien<br />

Perfekt: er habe gesucht, getragen / sei gesucht worden, getragen worden<br />

Futur I: er werde suchen, tragen / werde gesucht, getragen werden<br />

Futur II: er werde gesucht, getragen haben/werde gesucht, getragen worden sein<br />

1.7.2.2 Konjunktiv II<br />

werde<br />

werdest<br />

werde<br />

werden<br />

werdet<br />

werden<br />

Konjunktiv II wird aus der präteritalen Form gebildet, wobei an den Stamm ein<br />

e angehängt wird. Die umlautfähigen Vokale der starken Verben werden umg e-<br />

lautet.<br />

Aktiv:<br />

Präteritum Konjunktiv II Präteritum Konjunktiv II<br />

ich suchte<br />

du suchtest<br />

er suchte<br />

wir suchten<br />

ihr suchtet<br />

sie suchten<br />

ich suchte<br />

du suchtest<br />

er suchte<br />

wir suchten<br />

ihr suchtet<br />

sie suchten<br />

ich nahm<br />

du nahmst<br />

er nahm<br />

wir nahmen<br />

ihr nahmt<br />

sie nahmen<br />

ich nähme<br />

du nähmest<br />

er nähme<br />

wir nähmen<br />

ihr nähmet<br />

sie nähmen<br />

Perfekt und Plusquamperfekt<br />

Aktiv:<br />

ich habe/hätte gesucht/getragen<br />

du habest/hättest gesucht/getragen<br />

er habe/hätte gesucht/getragen<br />

wir haben/hätten gesucht/getragen<br />

ihr habet/hättet gesucht/getragen<br />

sie haben/hätten gesucht/getragen<br />

Passiv:<br />

ich sei/wäre gesucht/getragen worden<br />

du seiest/wärest gesucht/getragen worden<br />

er sei/wäre gesucht/getragen worden<br />

wir seien/wären gesucht/getragen worden<br />

ihr seiet/wäret gesucht/getragen worden<br />

sie seien/wären gesucht/getragen worden<br />

93


94<br />

Grammatik<br />

Der Konditional ist eine besondere Form des Konjunktivs. Man unterscheidet<br />

zwei Formen des Konditionals:<br />

Konditional I:<br />

Konditional II:<br />

er würde kommen<br />

er würde gesucht haben<br />

Konditional II wird weniger verwendet als Konditional I, da er durch den Konjunktiv<br />

des Plusquamperfekts ersetzt werden kann:<br />

Ich würde gesucht haben<br />

Ich hätte gesucht<br />

1.7.2.3 Gebrauch der Konjunktive<br />

[Konditional II]<br />

[Konjunktiv des Plusquamperfekts]<br />

In der deutschen Sprache der Gegenwart unterscheidet sich die Form des Konjunktivs<br />

im Aktiv bei schwachen Verben nicht von der des Indikativs. Bei den<br />

starken und unregelmäßigen Verben mit umlautfähigem Stammvokal tritt<br />

durchgängig ein Umlaut auf. Der Konjunktiv ist außerdem durch das grammatische<br />

Morphem -e in allen Personen gekennzeichnet:<br />

• mit Umlaut: er gäbe, könnte, möchte, läse, müsste, täte usw.<br />

• ohne Umlaut: er bliebe, liefe, schliefe, sollte, wollte u.a.<br />

In der Gegenwart werden daher die Formen des Konjunktiv II sehr häufig<br />

durch Umschreibungen mit würde + Infinitiv (Konditional) ersetzt. Diese Umschreibung<br />

wird vor allem für den Konjunktiv des Präteritums verwendet.<br />

Wir würden doch etwas unternehmen, aber uns fehlt dazu das Geld.<br />

Wir könnten euch das Fahrrad leihen, wenn es gebraucht würde.<br />

[Konjunktiv Präteritum Passiv]<br />

Die Umschreibung würde + Infinitiv wird in folgenden Fällen gebraucht:<br />

(1) Wenn die Formen des Konjunktiv II nicht eindeutig von der des Indikativ<br />

Präteritum unterschieden sind:<br />

Wenn ich mehr Geld hätte, kaufte ich ein Auto.<br />

→ ...., würde ich ein Auto kaufen.<br />

Wir investierten mehr, wenn uns der ausländische Investor unterstützte.<br />

→ ..., wenn uns der ausländische Investor unterstützen würde.<br />

Wenn er mehr schaffen würde, würde er mehr Geld verdienen.<br />

[Statt: schaffte und verdiente)<br />

(2) Die unregelmäßigen Formen einiger Verben werden als ungebräuchlich, ungewöhnlich<br />

oder altertümlich empfunden. Dies trifft vor allem in der Umgangssprache<br />

zu:


efehlen beföhle (befähle)<br />

beginnen begönne (begänne)<br />

bergen bürge (bärge)<br />

empfehlen empföhle (empfähle)<br />

gelten gölte gälte<br />

gewinnen gewönne (gewänne)<br />

helfen<br />

hülfe<br />

schelten schölte<br />

schwimmen schwömme (schwämme)<br />

spinnen spönne (spänne)<br />

stehen stünde (stände)<br />

stehlen stöhle (stähle)<br />

sterben stürbe (stärbe)<br />

verderben verdürbe<br />

werben würbe<br />

werfen würfe<br />

(3) Für die Modalverben (außer werden) gelten folgende Konjunktiv II-Formen<br />

(wir geben die Formen in der dritten Person Singular an):<br />

dürfen dürfte<br />

können könnte<br />

mögen möchte<br />

müssen müsste<br />

sollen sollte<br />

wollen wollte<br />

brauchen bräuchte brauchte<br />

Zur Anwendung der Konjunktive<br />

Konjunktiv I und Konjunktiv II haben ihre bevorzugten Anwendungsbereiche.<br />

Sie werden in erster Linie in der indirekten Rede und in den Komparativsätzen<br />

mit als/als ob verwendet. Im Folgenden werden die wichtigsten Anwendungsbereiche<br />

der Konjunktivformen angeführt.<br />

Konjunktiv I<br />

a) Indirekte Rede<br />

Indirekte Rede ist die vermittelte Wiedergabe fremder Aussagen. Neben Konjunktiv<br />

I werden zur Kennzeichnung der indirekten Rede auch Konjunktiv II<br />

und Indikativ gebraucht.<br />

Konjunktiv I dient in der Literatursprache als Norm für die neutrale Wiedergabe:<br />

Die Presseagentur teilte mit, dass die Lage gefährlich sei.<br />

95


96<br />

Grammatik<br />

Da hätten die Dörfler nicht einsehen können, warum bei ihnen der Quadratmeter Land mehr<br />

als zwei Mark kosten solle. [Der Spiegel 26/1995: 74]<br />

Die Forscher aus Essen nennen dafür mehrere Gründe. Wer im Ausland investiert und präsent<br />

sei, könne Produktions- und Transportkosten sparen. Gleichzeitig erschließe er neue<br />

Märkte. Das mache die teueren Arbeitsplätze in Deutschland häufig erst finanzierbar. [Die<br />

Zeit]<br />

Hier können neben dem Konjunktiv I auch der Indikativ und der Konjunktiv II<br />

verwendet werden. Zwischen den Verwendungsweisen ergeben sich oft bestimmte<br />

stilistische Unterschiede. Es muss auch beachtet werden, ob es sich<br />

hier um einen mündlichen oder einen schriftlichen Text handelt.<br />

Der Konjunktiv I steht in der Regel fakultativ, wenn die mittelbare Wiedergabe<br />

angekündigt wird:<br />

Er sagte uns, dass er komme/kommt/käme.<br />

Sie schreibt, dass er viel zu tun habe/hat/hätte.<br />

Der Konjunktiv I ist obligatorisch, wenn keine direkte Wiedergabe angekündigt<br />

ist:<br />

Es sei die letzte Gelegenheit.<br />

Dies sei sein fester Entschluss.<br />

In diesen Sätzen ist der Konjunktiv I obligatorisch; es kann aber auch der Konjunktiv<br />

II verwendet werden:<br />

Das wäre die letzte Gelegenheit.<br />

Dies wäre sein fester Entschluss.<br />

Der Indikativ wird dann normgerecht, wenn sich der Sprecher/Schreiber mit<br />

dem Inhalt des Gesagten identifiziert.<br />

1.7.2.4 Nebensatzformen der indirekten Rede<br />

Die indirekte Rede steht in Form von eingeleiteten Nebensätzen (mit Endstellung<br />

des finiten Verbs) oder in Form von uneingeleiteten Nebensätzen (mit<br />

Zweitstellung des finiten Verbs). Einen Unterschied gibt es nach den Satzarten,<br />

in denen das finite Verb auftritt.<br />

(1) Der indirekte Aussagesatz ist als eingeleiteter oder uneingeleiteter Nebensatz<br />

möglich. Einleitungswort ist die Konjunktion dass:<br />

Sie sagte mir, dass sie sich einen neuen Pullover gekauft habe/hat.<br />

Sie sagte mir, sie habe sich einen neuen Pullover gekauft.<br />

(2) Der indirekte Fragesatz ist nur als eingeleiteter Nebensatz möglich. Einleitungswörter<br />

sind:


• Interrogativpronomina: wer, was, wessen, wem, wen<br />

• Interrogativadverbien: wie, wann, wo<br />

• die Konjunktion ob (bei der indirekten Entscheidungsfrage)<br />

Er fragte sie, wen sie gesehen habe.<br />

wann sie die Tante besucht habe.<br />

ob ihr Bruder sie besucht habe.<br />

(3) Der indirekte Aufforderungssatz ist in eingeleiteter oder uneingeleiteter<br />

Form möglich. Zur Unterscheidung zum Aussagesatz ist zusätzlich das Modalverb<br />

sollen oder mögen nötig. Einleitungswort ist ebenfalls die Konjunktion<br />

dass.<br />

Er bat ihn, dass er ihm das neue Buch geben möge/solle.<br />

Er bat ihn, er möge/solle ihm das neue Buch geben.<br />

b) Voluntativer Konjunktiv<br />

Der Konjunktiv I drückt Wünsche, Absichten, Ratschläge und Empfehlungen<br />

aus. Hier wird der Konjunktiv I besonders in der gehobenen Sprache gebraucht.<br />

Seine Verwendung ist heute veraltet und wird oft durch den Indikativ verdrängt:<br />

Koste es, was es wolle! Nech to stojí cokolvek!<br />

Er lebe hoch! Nech žije!<br />

Man nehme 250 g Mehl, 1 Ei und etwas Salz ... Zoberte 250 g masla, jedno vajce a trochu<br />

soli ...<br />

Möge Ihnen das Glück stets gewogen sein!<br />

c) Ausdruck des Vergleichs<br />

Durch den Konjunktiv I kann ein Vergleich in Komparativsätzen mit als ob<br />

ausgedrückt werden. Bedeutungsunterschiede zum Konjunktiv II und Indikativ<br />

sind kaum zu erkennen.<br />

Es war, als ob er ins Zimmer gegangen sei / wäre / ist.<br />

Mir war, als ob es geklingelt habe/hätte/hat.<br />

Hier ist auch eine uneingeleitete Form möglich:<br />

Es war, als sei ...<br />

Mir war, als habe ich ...<br />

1.7.2.5 Konjunktiv II<br />

a) irreales Konditionalgefüge<br />

Der Konjunktiv II (Konjunktiv Präteritum, Konjunktiv Perfekt ) signalisiert<br />

unerfüllte, unerfüllbare (irreale) Bedingungen. In dieser Funktion steht er im<br />

97


98<br />

Grammatik<br />

Haupt- und im Nebensatz und kann nicht durch den Konjunktiv I ersetzt werden:<br />

F<br />

Wenn ich mehr Geld hätte, könnte ich nach Paris reisen.<br />

Wenn es mehr Schnee gäbe, könnten wir rodeln.<br />

aber: Wenn es mehr Schnee gibt, können wir rodeln.<br />

Wenn du mehr geschlafen hättest, wärest du nicht so müde.<br />

Wird der Konjunktiv des Präteritums verwendet, ist der dadurch ausgedrückte<br />

Bedingungszusammenhang auf die Gegenwart und Zukunft bezogen:<br />

Wenn er käme, könnten wir zusammen ins Kino gehen.<br />

Wird der Konjunktiv des Plusquamperfekts verwendet, wird der Bedingungszusammenhang<br />

auf die Vergangenheit bezogen:<br />

Ich wäre (beinahe) fast zu spät gekommen. Takmer by som bol prišiel neskoro.<br />

Wer hätte nicht gern an dieser Tagung teilgenommen? Kto by sa nebol rád zúcastnil na<br />

tejto konferencii.<br />

Das hätte sie nicht sagen sollen. To nemala hovorit.<br />

b) indirekte Rede<br />

Der Konjunktiv II – ebenso wie der Konjunktiv I – kann in indirekter Rede<br />

verwendet werden. Hier drückt er eine gewisse Distanz zum Gesagten aus:<br />

Er sagte mir, sein Freund wäre/sei/ist nicht gesund.<br />

Der Diktator sagte, er wäre/sei/ist für den Frieden.<br />

(Der Konjunktiv II wird hier nur umgangssprachlich verwendet. Schriftsprachlich<br />

wird er nur als Ersatz für Konjunktiv I-Formen, die mit dem Indikativ identisch<br />

sind, verwendet.)<br />

c) irrealer Vergleich<br />

Der Konjunktiv II kann einen (meistens irrealen) Vergleich oder eine Folge<br />

ausdrücken:<br />

Es scheint, als ob er Recht gehabt hätte.<br />

Konjunktiv I in der Schriftsprache: ..., als ob er Recht gehabt habe.<br />

Mir war, als hätte ich etwas Wichtiges verloren.<br />

Hier steht Konjunktiv II, da Konjunktiv I (habe ich) mit dem Indikativ identisch<br />

ist.


1.7.2.6 Konjunktiv und Zeitbedeutung<br />

Die Konjunktivformen haben nicht die gleichen temporalen Bedeutungen wie<br />

die entsprechenden Formen des Indikativs. Durch den Konjunktiv II werden<br />

Unterschiede zwischen Präsens, Perfekt und Präteritum – Plusquamperfekt,<br />

zwischen »Ve rlauf« und »Abschluss« des dargestellten Sachverhaltes (Ge -<br />

schehens, Prozesses) ausgedrückt:<br />

Wenn er heute zu uns käme.<br />

Wenn ich mehr Geld hätte, könnte ich einen<br />

Opel kaufen.<br />

Er benahm sich, als befinde/befände er<br />

sich auf einem fremden Planeten.<br />

Er benahm sich, als sei/wäre er auf einen<br />

neuen Planeten geraten.<br />

Wenn er Zeit hätte, ginge er spazieren.<br />

Wenn er Zeit gehabt hätte, wäre er spazieren<br />

gegangen.<br />

1.7.3 Der Imperativ<br />

[zukunftsbezogen]<br />

[bezogen auf die Gegenwart]<br />

[Gleichzeitigkeit gegenüber dem<br />

Hauptsatzgeschehen]<br />

[Vorzeitigkeit gegenüber dem<br />

Hauptsatzgeschehen]<br />

[Gegenwart, Realisierbarkeit des<br />

bedingten Geschehens]<br />

[Vergangenheit; drückt nicht-realisiertes<br />

bedingtes Geschehen aus.]<br />

Der Imperativ (Befehlsform) dient zum Ausdruck von Aufforderungen (Bitten,<br />

Ratschlägen, Empfehlungen, Appellen, Aufrufen, Weisungen, Verboten u.a.).<br />

Der Imperativ tritt nur in der 2. Person Singular und Plural, in der 1. Person<br />

Plural und in der Höflichkeitsform (3. Person Plural) auf.<br />

Der Imperativ bei schwachen Verben:<br />

1.<br />

2.<br />

3.<br />

Singular<br />

such(e)!<br />

arbeite!<br />

Plural<br />

suchen wir!<br />

sucht!<br />

suchen Sie!<br />

Der Imperativ bei starken Verben:<br />

1.<br />

2.<br />

3.<br />

Singular<br />

komm!<br />

nimm!<br />

Plural<br />

kommen wir!<br />

kommt!<br />

kommen Sie!<br />

arbeiten wir!<br />

arbeitet!<br />

arbeiten Sie!<br />

nehmen wir!<br />

nehmt!<br />

nehmen Sie!<br />

Bei den unregelmäßigen Verben ändert sich der Stammvokal e auf i. Im heutigen<br />

Sprachgebrauch stehen nebeneinander oft zwei konkurrierende Formen.<br />

Vgl.:<br />

99


100<br />

Grammatik<br />

lesen:<br />

helfen:<br />

u.a.<br />

lies!<br />

hilf!<br />

lese!<br />

helfe!<br />

In der gesprochenen Sprache wird die Endung -e in zweiter Person Singular<br />

ausgelassen (trag(e), lauf(e)). Nach -eln, -ern, -ig und nach gewissen schwer<br />

aussprechbaren Konsonanten ist aber das -e obligatorisch:<br />

lächeln: lächle; angeln: angle<br />

meckern: meck(e)re; stochern: stochere<br />

beendigen: beendige; beleidigen: beleidige<br />

atmen: atme; umarmen: umarme; wachsen: wachse; zeichnen: zeichne<br />

Nach -d, -t sowie nach Reibelauten (nicht aber nach Zischlauten und -s) endet<br />

die Imperativform ebenfalls auf -e:<br />

arbeiten: arbeite; bieten: biete; laden: lade; reden: rede<br />

lachen: lach(e); streifen: streife<br />

Außer dem Imperativ können auch andere Sprachmittel zum Ausdruck einer<br />

Aufforderung dienen:<br />

Präsens Indikativ: Hans sagt uns den Namen dieses Vogels! Du bleibst hier!<br />

Futur I:<br />

Du wirst heute aber lernen!<br />

Infinitiv:<br />

Gut aufpassen! Lauter sprechen!<br />

Partizip II<br />

Stillgestanden! Aufgepasst!<br />

Einige Wörter: Achtung! Ruhe! Vorwärts! Los! Zurück!<br />

Einige Modalverben:<br />

wollen<br />

sollen<br />

1.8 Genus verbi<br />

Wir wollen jetzt kurz ein anderes Problem berühren.<br />

Du sollst früh zu Bett gehen.<br />

Wir sollten seine Worte ernst nehmen.<br />

Genus verbi („Geschlecht“ des Verbs) ist eine grammatische Kategorie des<br />

Verbs, die sich in zwei grammatischen Mitteln realisieren kann: dem Aktiv und<br />

dem Passiv. Sie ermöglicht es dem Sprecher, einen Sachverhalt als agensbezogen<br />

(täterbezogen) oder nicht-agensbezogen (nichttäterbezogen) darzustellen.<br />

Alle Verben können im Aktiv auftreten. Eine Passivbildung ist nur etwa bei<br />

50 % der deutschen Verben möglich. Die sprachliche Darstellung im Aktivsatz<br />

ist im Allgemeinen täterbezogen. Im Aktivsatz wird der Urheber der Handlung<br />

genannt und als grammatisches Subjekt manifestiert. „Den Kernbestand der<br />

passivfähigen Verben bilden jene transitiven Verben, die semantisch agensbewirkte,<br />

übergreifende Handlungen bezeichnen.“ (Somme r-<br />

feldt/Starke 1988: 94)


Um das Wesen des Genus verbi übersichtlich zu erfassen, lassen sich Aktiv und<br />

Passiv oppositionell gegenüberstellen. Einem typischen Satz liegt eine Agens-<br />

Patiens-Ralation zugrunde, die durch drei semantische Kategorien gekennzeichnet<br />

ist (vgl. ebenda):<br />

einen Prozess (Tätigkeit – zielgerichtet)<br />

ein Agens (Täter, Bewirker, Quelle einer Handlung)<br />

und ein Patiens (Antreffpunkt einer Handlung, passivischer Pol<br />

der Tätigkeitsrelation)<br />

Aktiv<br />

Die Jury überreicht dem Künstler den Preis.<br />

werden-Passiv Dem Künstler wird der Preis von der Jury überreicht.<br />

sein-Passiv<br />

Dem Künstler ist der Preis überreicht.<br />

bekommen-Passiv Der Künstler bekommt den Preis überreicht.<br />

Den grammatischen Rollenaustausch können wir vereinfacht darstellen:<br />

Aktiv:<br />

Passiv<br />

1.8.1 Aktiv<br />

Agens Prozess Patiens<br />

Subjekt Verb Akkusativobjekt<br />

im Nominativ<br />

Subjekt Verb fakultatives<br />

im Nominativ<br />

Präpositionalobjekt<br />

Das Aktiv ist das Grundgenus. Die Darstellung eines Geschehens ist im Aktiv<br />

im Allgemeinen agensbezogen. Im Aktiv wird der Täter genannt und durch das<br />

syntaktische Subjekt repräsentiert.<br />

Ich lese den Roman.<br />

Das Wasser fließt schnell.<br />

Ich wohne in Nitra.<br />

[Handlung, Tätigkeit]<br />

[Vorgang]<br />

[Zustand]<br />

Aktive Verben können auch in Sätzen ohne Subjekt auftreten:<br />

Mir ist schlecht.<br />

Mich fröstelt.<br />

Mich schwindelt.<br />

Im Aktiv können auch nichtagensbezogene Sachverhaltsbezeichnungen dargestellt<br />

werden:<br />

Das Glas zerbricht.<br />

Die Wäsche trocknet.<br />

101


102<br />

Grammatik<br />

1.8.2 Passiv<br />

Im Passiv bezeichnet das Subjekt des Satzes in der Regel die Person oder den<br />

Gegenstand, auf den das Geschehen (die Handlung) gerichtet ist:<br />

Der Sohn wird vom Vater gelobt.<br />

Das Geschäft ist/war heute den ganzen Tag geöffnet.<br />

Nach der Zahl der Glieder unterscheidet man:<br />

• eingliedrige Passivkonstruktionen<br />

• zweigliedrige Passivkonstruktionen<br />

• dreigliedrige Passivkonstruktionen<br />

1.8.2.1 Eingliedrige Passivkonstruktion<br />

Die eingliedrige Passivkonstruktion besteht aus der Passivform des Verbs und<br />

aus dem unpersönlichen es als formalem syntaktischem Subjekt.<br />

Es wird gesungen.<br />

Es wird getanzt.<br />

1.8.2.2 Zweigliedrige Passivkonstruktion<br />

Die zweigliedrige Passivkonstruktion besteht aus der Passivform des Verbs und<br />

einem Subjekt. Dieses Subjekt ist substituierbar, d.h. es kann durch ein Substantiv<br />

oder Pronomen ausgedrückt werden. Hier spricht man von persönlichem<br />

Passiv mit Angabe des Agens.<br />

Ich werde gerufen<br />

Du bist gerufen worden<br />

Er war gerufen worden<br />

som volaný<br />

bol si volaný<br />

bol býval [za]volaný<br />

1.8.2.3 Dreigliedrige Passivkonstruktion<br />

Die dreigliedrige Passivkonstruktion enthält eine passive Verbform, ein substituierbares<br />

syntaktisches Subjekt und ein durch Präposition (von oder durch) angeschlossenes<br />

Agens. Es ist ein persönliches Passiv ohne Angabe des Agens.<br />

Er wird vom Lehrer gelobt.<br />

Der Schüler wird vom Lehrer gelobt.<br />

Passivkonstruktionen, die aus dem Aktiv abgeleitet werden:<br />

Der Schüler schreibt die Aufgabe.<br />

Die Aufgabe wird (von dem Schüler) geschrieben.<br />

Der Sohn hilft dem Vater.<br />

Dem Vater wird (von dem Sohn) geholfen.


Agensergänzungen (als Satzglied) werden im Passiv durch Präpositionalobjekte<br />

ausgedrückt. Nach K.-E. SOMMERFELDTs Angaben wird die Mehrzahl der<br />

Fälle (75 %) mit der Präposition von anges chlossen, zu etwa 25 % wird die<br />

Präposition durch gebraucht.<br />

Bei der Transformation eines Aktivsatzes in einen Passivsatz gelten für die<br />

Ergänzungen folgende Regeln.<br />

1) Akkusativobjekt wird zu Nominativ<br />

Man meldete den Besuch.<br />

→ Der Besuch wurde gemeldet.<br />

Es wurde der Besuch gemeldet.<br />

2) Dativobjekt bleibt Dativobjekt<br />

Er schmeichelte ihr.<br />

→ Ihr wurde (von ihm) geschmeichelt.<br />

Es wurde ihr (von ihm) geschmeichelt.<br />

3) Genitivobjekt bleibt Genitivobjekt<br />

Er gedachte des Verstorbenen.<br />

→ Des Verstorbenen wurde (von ihm) gedacht.<br />

Es wurde (von ihm) des Verstorbenen gedacht.<br />

4) Präpositionalobjekt bleibt Präpositionalobjekt<br />

Er wartete auf die Gäste.<br />

→ Auf die Gäste wurde (von ihm) gewartet.<br />

Es wurde auf die Gäste (von ihm) gewartet.<br />

5) Nominativ wird durch von + Dativ oder durch + Akkusativ ersetzt:<br />

Die Erde wird durch die Sonne erwärmt,<br />

Der Anschlag wurde von Terroristen verübt.<br />

6) Am Satzanfang wird das unpersönliche Subjekt man durch es ersetzt oder<br />

entfällt völlig:<br />

Man glaubt mir nicht.<br />

→ Es wird mir nicht geglaubt.<br />

Oft wird mir nicht geglaubt.<br />

1.8.3 Tempusformen des Aktivs und Passivs<br />

Präsens<br />

Aktiv<br />

der Lehrer fragt mich<br />

Passiv<br />

ich werde vom Lehrer gefragt<br />

103


104<br />

Grammatik<br />

der Lehrer fragt dich<br />

der Lehrer fragt ihn (sie, es)<br />

der Lehrer fragt uns<br />

der Lehrer fragt euch<br />

der Lehrer fragt sie<br />

Präteritum<br />

der Lehrer fragte mich<br />

der Lehrer fragte dich<br />

der Lehrer fragte ihn/sie<br />

der Lehrer fragte uns<br />

der Lehrer fragte euch<br />

der Lehrer fragte sie<br />

Perfekt<br />

der Lehrer hat mich gefragt<br />

der Lehrer hat dich gefragt<br />

der Lehrer hat ihn/sie gefragt<br />

der Lehrer hat uns gefragt<br />

der Lehrer hat euch gefragt<br />

der Lehrer hat sie gefragt<br />

Plusquamperfekt<br />

du wirst vom Lehrer gefragt<br />

er (sie, es) wird vom Lehrer gefragt<br />

wir werden vom Lehrer gefragt<br />

ihr werdet vom Lehrer gefragt<br />

sie werden vom Lehrer gefragt<br />

ich wurde vom Lehrer gefragt<br />

du wurdest vom Lehrer gefragt<br />

er/sie wurde vom Lehrer gefragt<br />

wir wurden vom Lehrer gefragt<br />

ihr wurdet vom Lehrer gefragt<br />

sie wurden vom Lehrer gefragt<br />

ich bin vom Lehrer gefragt worden<br />

du bist vom Lehrer gefragt worden<br />

er/sie ist vom Lehrer gefragt worden<br />

wir sind vom Lehrer gefragt worden<br />

ihr seid vom Lehrer gefragt worden<br />

sie sind vom Lehrer gefragt worden<br />

der Lehrer hatte mich gefragt ich war vom Lehrer gefragt worden<br />

der Lehrer hatte dich gefragt du warst vom Lehrer gefragt worden<br />

der Lehrer hatte ihn/sie gefragt er/sie war vom Lehrer gefragt<br />

worden<br />

der Lehrer hatte uns gefragt wir waren vom Lehrer gefragt<br />

worden<br />

der Lehrer hatte euch gefragt ihr wart vom Lehrer gefragt worden<br />

der Lehrer hatte sie gefragt sie waren vom Lehrer gefragt<br />

worden<br />

Futur I<br />

der Lehrer wird mich fragen<br />

der Lehrer wird dich fragen<br />

der Lehrer wird ihn/sie fragen<br />

usw.<br />

ich werde vom Lehrer gefragt werden<br />

du wirst vom Lehrer gefragt werden<br />

er/sie wird vom Lehrer gefragt werden


105<br />

Futur II<br />

der Lehrer wird mich gefragt haben<br />

der Lehrer wird dich gefragt haben<br />

usw.<br />

ich werde vom Lehrer gefragt worden sein<br />

du wirst vom Lehrer gefragt worden sein<br />

1.8.3.1 Vorgangspassiv<br />

Die durch werden + Partizip II gebildete Passivform bezeichnet meist etwas<br />

Prozessuales:<br />

Das Fleisch wird gebraten.<br />

Das Fenster wird (jetzt) geöffnet.<br />

1.8.3.2 Zustandspassiv<br />

Das Zustandspassiv dient zur Bezeichnung von Zuständen:<br />

Das Fenster war (den ganzen Tag) geöffnet.<br />

Das Geschäft ist heute geöffnet.<br />

Überblick über das Zustandspassiv in allen Tempora im Singular und Plural<br />

I. sein II. war III. ist gewesen<br />

I. aufbauen II. baute auf III. hat aufgebaut<br />

Präsens<br />

Perfekt<br />

Das Haus ist aufgebaut.<br />

Die Häuser sind aufgebaut.<br />

Das Haus ist aufgebaut gewesen.<br />

Die Häuser sind aufgebaut gewesen.<br />

Präteritum<br />

Das Haus war aufgebaut.<br />

Die Häuser waren aufgebaut.<br />

Futur I<br />

Das Haus wird aufgebaut sein.<br />

Die Häuser werden aufgebaut sein.<br />

Infinitiv I Passiv<br />

aufgebaut sein<br />

Plusquamperfekt<br />

Das Haus war aufgebaut gewesen.<br />

Die Häuser waren aufgebaut gewesen.<br />

Futur II<br />

Das Haus wird aufgebaut gewesen sein.<br />

Die Häuser werden aufgebaut gewesen sein.<br />

Infinitiv II Passiv (Infinitiv Perfekt Passiv)<br />

aufgebaut gewesen sein<br />

1.8.4 Umschreibung des Passivs<br />

Im Deutschen gibt es eine Reihe von Konstruktionen, die zum Vorgangspassiv<br />

in paradigmatischen Beziehungen stehen, durch die das Vorgangspassiv ersetzt<br />

werden kann.


106<br />

Grammatik<br />

1.8.4.1 Umschreibung des Passivs ohne modale Nuancierung<br />

Durch das Indefinitpronomen man:<br />

Man hat uns diesen Brief geschickt. (Dieser Brief ist uns geschickt worden.)<br />

Durch Konstruktionen mit reflexiven Ve rben bei nichtpersonalem Subjekt:<br />

Die Tür öffnet sich. (Die Tür wird geöffnet.)<br />

Der Schlüssel findet sich. (Der Schlüssel wird gefunden.)<br />

Durch Funktionsverbgefüge:<br />

der Werkstoff kommt zur Anwendung.<br />

das Gefüge erfährt eine Veränderung.<br />

der Betrag kam/gelangte zur Auszahlung.<br />

Der neue Roman hat Anerkennung gefunden.<br />

Durch bekommen, erhalten, kriegen + Partizip II :<br />

das bekommt er ausgezahlt<br />

ich habe es geschenkt bekommen<br />

die Parzelle bekommt er zugewiesen<br />

Er bekommt/erhält/kriegt das Buch ausgehändigt<br />

wir erhielten es soeben mitgeteilt<br />

(= wird angewendet)<br />

(= wird verändert)<br />

(= wurde ausgezahlt)<br />

= Der neue Roman ist anerkannt<br />

worden.<br />

(= das wurde ihm ausgezahlt)<br />

(= es wurde mir geschenkt)<br />

(= sie wird ihm zugewiesen)<br />

(= Das Buch wird ihm ausgehändigt)<br />

(= uns wurde es soeben mitgeteilt)<br />

1.8.4.2 Umschreibung des Passivs mit modaler Nuancierung<br />

Konstruktionen mit sein + zu + Infinitiv :<br />

Sie können durch Passivkonstruktionen und die Modalwörter können, mögen,<br />

sollen ersetzt werden:<br />

Der Anzug ist noch zu reinigen.<br />

Die Fragen sind noch heute zu beantworten.<br />

Modalitätsverben bleiben, gehen, stehen, sich lassen :<br />

(= Der Anzug muss/kann noch gereinigt<br />

werden.)<br />

(= Die Fragen müssen noch heute beantwortet<br />

werden.)<br />

Der Brief bleibt noch zu beantworten.<br />

Das Schloss steht/ist nicht mehr zu reparieren.<br />

Das steht zu befürchten.<br />

(= muss beantwortet werden.)<br />

(= kann nicht mehr repariert we r-<br />

den.)<br />

(= muss befürchtet werden.)


107<br />

die Konstruktion es gibt + zu + Infinitiv :<br />

Bei uns gibt es viel Interessantes zu sehen.<br />

die Konstruktion sich lassen + Infinitiv :<br />

Der Kaffee lässt sich nicht trinken.<br />

Der Anzug lässt sich noch reinigen.<br />

(= kann viel Interessantes gesehen werden.)<br />

(= kann nicht getrunken werden)<br />

(= kann noch gereinigt werden)<br />

Reflexive Verbausdrücke können anstelle des Passivs verwendet werden<br />

Der Schlüssel hat sich gefunden.<br />

Die Tasche trägt sich schlecht.<br />

Das Holz sägt sich gut.<br />

1.8.4.3 Einschränkungen der Passivfähigkeit<br />

(= Der Schlüssel wurde gefunden.)<br />

(= Die Tasche lässt sich schlecht<br />

tragen)<br />

(= lässt sich gut sägen)<br />

Verben des Habens: bekommen, besitzen, enthalten, erhalten, haben, kriegen,<br />

verfügen über etwas u.a.<br />

*Das wurde von mir bekommen.<br />

sondern: Das habe ich bekommen.<br />

Auch Verben, die materiellen oder geistigen Besitz bezeichnen, bilden gewöhnlich<br />

kein Passiv:<br />

(?) Mehr als die Hälfte des Bestandes wird von der deutschen Telekom besessen.<br />

besser: Der Bestand gehört der deutschen Telekom.<br />

Der Bestand ist im Besitz der deutschen Telekom.<br />

Hier kommt das Passiv nur gelegentlich vor:<br />

Am häufigsten werden Hüte und Taschen verloren (besser: gehen verloren).<br />

Ein Passiv ist immer da möglich, wo das Zustandekommen oder Aufhören der<br />

Besitzverhältnisse eine aktive Handlung ist:<br />

Hier werden die meisten Fleischwaren verkauft.<br />

Ihm wurde diese Auszeichnung verliehen.<br />

Modalverben, sowie Verben, die den Besitz von Kenntnissen oder Fähigkeiten<br />

bezeichnen, bilden in der Regel kein Passiv:<br />

*Das wird von ihm gekonnt/gewusst/beherrscht<br />

sondern: Er kann/weiß/beherrscht das.


108<br />

Grammatik<br />

Passivformen kommen oft nur in der psychologischen und pädagogischen Literatur<br />

vor:<br />

Diese Regeln werden von den meisten Schülern gekonnt/ gewusst / beherrscht.<br />

Üblich ist das Passiv bei Verben, die geistige Handlungen bezeichnen:<br />

Das wird erraten / vermutet / gedacht / überlegt.<br />

Es darf wieder gedacht werden. (Die Zeit)<br />

F<br />

In Sätzen, in denen Tiere oder Gegenstände als Urheber des Geschehens erscheinen,<br />

darf kein Passiv stehen:<br />

*Dort wird jedes Jahr von demselben Storchenpaar gebrütet.<br />

sondern: Dort brütet jedes Jahr dasselbe Storchenpaar.<br />

*Im Frühjahr wird von dem Fluss über die Ufer getreten<br />

sondern: im Frühjahr tritt der Fluss über die Ufer.<br />

Zu vermeiden ist das Passiv dann, wenn der Passivsatz missverständlich ist:<br />

(?) Von Anja wird schnell geschrieben.<br />

Der Satz ist doppeldeutig: a) Anja schreibt schnell.<br />

b) Über Anja schreibt man schnell.<br />

Reflexive Verben bilden gewöhnlich kein Passiv:<br />

*Er wird von sich gewaschen.<br />

sondern: Er wäscht sich.<br />

aber: Das Kind wird von der Mutter gründlich gewaschen.<br />

*Meist wird sich vor durchgreifenden Maßnahmen gescheut.<br />

richtig: Meist scheut man sich vor durchgreifenden Maßnahmen.<br />

1.9 Valenzklassen des Verbs<br />

Unter syntaktischer Valenz versteht man die Fähigkeit des Verbs (sowie des<br />

Substantivs und des Adjektivs), bestimmte Leerstellen um sich herum zu eröffnen,<br />

die besetzt werden können oder müssen. Man geht von der Annahme aus,<br />

dass es im Satz Elemente gibt, die andere Elemente regieren, sowie auch solche,<br />

die regiert werden. Das regierende Element heißt Regens (im Plural: Regentien)<br />

oder Valenzträger, das regierte (untergeordnete) Element heißt Dependens<br />

(im Plural: Dependentien) oder Valenzpartner. Da der Satz hiera r-<br />

chisch aufgebaut ist, kann ein Dependens ebenfalls weitere Elemente regieren.<br />

Die vom Regens direkt oder indirekt regierten Elemente nennt man Satelliten.<br />

Die vom Dependens (Valenzträger) abgängigen Satzglieder nennt U. ENGEL<br />

Ergänzungen, G. HELBIG und K.-E. SOMMERFELDT Aktanten, die IDS-<br />

Grammatik Kompl emente.


Valenzklassen basieren auf der lexikalischen Bedeutung der Verbstämme,<br />

berücksichtigen aber auch syntaktische Merkmale. Valenzmäßig kann man die<br />

Verben danach einteilen,<br />

a) wie viele Ergänzungen (Aktanten, Mitspieler, Komplemente) sie an sich<br />

binden,<br />

b) ob es sich dabei um obligatorische oder fakultative Ergänzungen handelt,<br />

sowie<br />

c) nach ihrer syntaktischen Rolle bzw. morphologischen Gestalt.<br />

Stark vereinfacht können wir folgende Valenzklassen aufstellen:<br />

1) Verben ohne Ergänzungen (avalente Verben) sind z.B. die Witterungsverben:<br />

Es blitzt. Es schneit. Es regnet.<br />

2) Verben mit einer obligatorischen Ergänzung (monovalente Verben):<br />

Sn – V<br />

Die Pflanze geht ein.<br />

Das Kind schläft.<br />

3) Verben mit einer obligatorischen und einer fakultativen Ergänzung (bivalente<br />

Verben):<br />

Sn – V – /Sa/<br />

Die Mutter kauft (Milch) ein.<br />

Mein Freund liest (ein Buch).<br />

Sn – V – /pS/<br />

Er flucht über die Arbeitsbummelanten.<br />

Sn – V – /NS/<br />

Er ärgert sich (darüber), dass er sie nicht getroffen hat.<br />

4) Verben mit zwei obligatorischen Ergänzungen:<br />

Sn – V – pS<br />

Der Dozent verweist auf das neue Buch.<br />

Der Vater denkt an seinen Sohn.<br />

Sn – V – Sa<br />

Der Fleischer wiegt die Wurst.<br />

Der Lehrstuhl braucht einen neuen Mitarbeiter.<br />

109


110<br />

Grammatik<br />

Sn – V – Adj<br />

Mein Freund denkt praktisch.<br />

Er nimmt diese Idee wichtig.<br />

Sn – V – NS/Inf<br />

Der Arzt meint, dass er den Kranken retten kann.<br />

Der Arzt meint, das Kind retten zu können.<br />

5) Verben mit zwei obligatorischen und einer fakultativen Ergänzung (trivalente<br />

Verben):<br />

S n – V – /S d / – S a<br />

Die Schüler beantworten (dem Lehrer) die Fragen.<br />

Der Lehrer erzählt (den Kindern) eine Geschichte.<br />

6) Verben mit drei obligatorischen Ergänzungen:<br />

S n – V- S a – pS<br />

Der Polizist hindert den Einbrecher an der Flucht.<br />

Mutter stellt den Stuhl in die Ecke.<br />

Der Lehrer widmet der Klasse viel Zeit.<br />

Die Sememe (lexikalisch-semantische Varianten) eines Verbs können unterschiedlichen<br />

Klassen angehören:<br />

Der Besucher nennt seinen Namen.<br />

Der Meister nennt seine Kollegin<br />

eine gute Hausfrau.<br />

1.10 Rektion der Verben<br />

- 2 obligatorische Ergänzungen<br />

- 3 obligatorische Ergänzungen<br />

Unter Rektion der Verben verstehen wir ihre Fähigkeit, ein von ihnen abhängiges<br />

Glied (Substantiv oder Pronomen) in einem bestimmten Kasus zu fordern.<br />

Der von der Rektion geforderte Kasus heißt Casus obliquus (abhängiger Kasus).<br />

Der von der Rektion unabhängige Kasus, der Subjektsnominativ, ist der<br />

Casus rectus, der unabhängige Kasus. Manche Verben können auch zwei verschiedene<br />

Kasus regieren.<br />

1.10.1 Verben mit dem Akkusativ<br />

1. Die meisten Verben werden mit dem Akkusativ gebraucht:<br />

Er baut ein Haus. Wir bitten unseren Nachbarn.<br />

Er pflanzt einen Baum. Ich liebe meine Geschwister.<br />

Der Bauer pflügt den Acker. Der Professor lobt den Studenten.


Ich erreiche mein Ziel. Sie kennen die Probleme.<br />

2. Einige unpersönliche Verben: Diese Verben haben das unpersönliche Subjekt<br />

es und ein Akkusativobjekt, meist ein Akkusativpronomen. Es folgt<br />

meistens ein dass-Satz oder eine Infinitivkonstruktion.<br />

Es ärgert mich, dass ... Es langweilt den Schüler, dass ...<br />

Es beleidigt uns, dass ... Es macht mich froh (traurig, fertig), dass ...<br />

Es beunruhigt ihn, dass ... Es stößt mich ab, dass ...<br />

Es erschreckt mich, dass ... Es wundert mich, dass ...<br />

Es freut den Kunden, dass ...<br />

usw.<br />

3. Die meisten Verben, besonders mit den untrennbaren Vorsilben be-, ver-,<br />

zer-:<br />

Er bekommt die Stellung nicht. Wir verstehen dich nicht.<br />

Wir besuchen unsere Freunde. Er zerreißt die Rechnung.<br />

Er bereiste viele Länder. Der Sturm zerbrach die Fenster.<br />

Sie verließ das Zimmer. usw.<br />

4. Die Wendung es gibt und haben als Vollverb:<br />

Es gibt keinen Beweis dafür. Wir haben einen Garten.<br />

Es gibt heute nichts zu essen. Er hatte das beste Zeugnis.<br />

Die folgende Liste enthält die gebräuchlichsten Verben mit A kkusativobjekt:<br />

Nach den untrennbaren Vorsilben be-, er- und zer- steht im Deutschen ein Akkusativobjekt.<br />

be- beachten dbat na<br />

beantworten<br />

odpovedat na, zodpovedat co<br />

begehen<br />

dopustit sa coho<br />

behandeln<br />

zapodievat sa cím<br />

beneiden jdn um etw. závidiet komu co<br />

beraten<br />

poradit komu<br />

berühren<br />

dotknút sa coho<br />

besprechen<br />

hovorit o com<br />

betreffen<br />

týkat sa koho/co<br />

betreten<br />

vstúpit do coho<br />

er- ergreifen chopit sa coho<br />

ersteigen<br />

vystúpit na co<br />

erstreben<br />

usilovat sa o co<br />

ver- verachten pohrdat kým, cím<br />

verdanken etw. jdm<br />

vdacit komu za co<br />

111


112<br />

Grammatik<br />

verhindern<br />

vermeiden<br />

verstehen<br />

zabránit comu<br />

vyhýbat sa komu/comu<br />

rozumiet komu/koho, co<br />

Einige Verben mit dem trennbaren Präfix verlangen im Deutschen ebenfalls ein<br />

Akkusativobjekt: jdn angehen. týkat sa koho/coho, jdn anrufen zavolat/zatelefonovat<br />

komu , etwas anrühren dotýkat sa coho, jdn ansehen, anschauen dívat<br />

sa na koho, etwas anstreben usilovat sa o co u.a.<br />

Stoffnamen stehen im Deutschen im Akkusativ. Im Slowakischen steht hier der Genitivus<br />

partitivus: Hol Wasser und Holz! Prines vody a dreva!<br />

Nach vielen Bewegungsverben steht im Slowakischen der Instrumental: den Kopf<br />

bewegen/drehen pohybovat/krútit hlavou; Er hat für ihn keinen Finger gerührt. Nepohol<br />

pre neho ani prstom; Speer/Diskus werfen hádzat oštep(om), disk(om).<br />

Unterschiede gibt es nach sog. subjektlosen Verben:<br />

es friert mich, mich friert<br />

es gibt keinen anderen Weg<br />

es schaudert mich/mir<br />

es schwindelt mich/mir<br />

es/das wundert mich<br />

je mi zima<br />

niet inej cesty<br />

trasiem sa hrôzou, od hrôzy<br />

mám závrat<br />

tomu sa divím<br />

Es gibt eine Reihe von Verben mit dem Akkusativobjekt, ihre slowakischen<br />

Entsprechungen werden durch andere Mittel gebildet. Hier nur einige Beispiele:<br />

abholen, jdn<br />

aufgeben<br />

fortsetzen<br />

fragen, jdn nach etwas<br />

fürchten<br />

gestehen<br />

glauben<br />

heiraten, jdn<br />

spielen (Klavier)<br />

überqueren<br />

vergessen<br />

1.10.2 Verben mit dem Dativ<br />

íst po koho<br />

vzdat sa koho/coho<br />

pokracovat v com<br />

pýtat sa koho na co<br />

bát sa koho/coho<br />

priznat sa k comu<br />

verit comu<br />

oženit sa/vydat sa za koho<br />

hrat na (klavír)<br />

prejst cez co<br />

zabudnút na co/co<br />

Die folgende Liste enthält die gebräuchlichsten Verben mit dem Dativ:<br />

ähneln podobat sa na Sie ähnelt ihrer Mutter sehr.<br />

angehören byt príslušníkom Er gehört dieser Partei an.<br />

antworten odpovedat komu Antworte mir schnell!<br />

ausweichen vyhnút sa coho Er wich dem Auto aus.


efehlen rozkazovat Der Zöllner befiehlt dem Reisenden, den Koffer zu öffnen.<br />

begegnen stretnút (sa) s Er ist seiner Freundin begegnet.<br />

bevorstehen cakat, ocakávat Eine schwere Prüfung steht dem Stud enten noch bevor.<br />

danken dakovat Ich danke Ihnen herzlich für die Einladung.<br />

dienen slúžit Er dient diesem Herrn.<br />

drohen hrozit, vyhrážat Dem Staat droht die Inflation.<br />

einfallen príst na um Was fällt dir ein? Der Name fällt mir nicht ein.<br />

entgegengehen íst oproti Er geht seinem Gast freundlich entgegen.<br />

entgegnen odvetit, odpovedat<br />

Der Minister entgegnete dem Journalisten, dass ...<br />

entsagen zriect sa coho Du musst deinen hohen Ansprüchen entsagen.<br />

entsprechen vyhoviet Wir können deinem Wunsch entsprechen.<br />

erwidern odvetit Ich erwiderte dem Richter, dass ...<br />

folgen nasledovat koho Du solltest deinem Freund folgen.<br />

gefallen pácit sa Das Mädchen gefällt dem Jungen.<br />

gehören patrit Wem gehört dieses Heft?<br />

gelingen podarit sa Es ist ihm gelungen.<br />

genügen stacit Zwei Wochen Urlaub genügen mir nicht.<br />

gleichen podobat sa Das Kind gleicht dem Vater.<br />

gratulieren blahoželat Ich gratuliere Ihnen herzlich zum Geburtstag.<br />

helfen pomôct Das Mädchen hilft der Mutter. Darf ich Ihnen in den Mantel/aus<br />

dem Mantel helfen?<br />

missfallen nepácit sa Der neue Film hat den Kritikern missfallen.<br />

misslingen nepodarit sa Der Versuch ist dem Chemiker misslungen.<br />

nähern, sich priblížit sa Der Wagen näherte sich der Unfallstelle.<br />

nützen<br />

osožit, prospievat<br />

Der Rat nützt ihm nicht viel.<br />

raten radit Ich habe ihm geraten, gesünder zu essen.<br />

schaden škodit Zigaretten schaden der Gesundheit.<br />

schmecken chutnat Schokoladeeis schmeckt allen Kindern.<br />

trauen dôverovat Er traut seinen Augen nicht.<br />

unterstehen byt podriadený Der Lehrstuhl soll dem Dekanat nicht unterstehen.<br />

vertrauen dôverovat Der Chef vertraut seiner Sekretärin.<br />

verzeihen odpustit Ich verzeihe dir.<br />

widersprechen odporovat Ich habe ihm sofort widersprochen.<br />

113<br />

Mit dem Dativ stehen viele Verben mit den trennbaren Vorsilben an-, bei-, nach-,<br />

vor- und zu-: sich jdm anschließen pridat sa ku komu; einer Veranstaltung beiwohnen<br />

zúcastnit sa na podujatí, jdm beistehen podporovat koho, jdm/einer Sache beistimmen<br />

súhlasit s cím, einer Partei/Organisation beitreten vstúpit do nejakej strany/organizácie,<br />

die Unterlagen dem Gesuch beilegen priložit podklady k žiadosti,<br />

dem Chef beistimmen súhlasit so šéfom; dem Mädchen nachsehen/nachblicken dívat<br />

sa za dievcatom/po dievcati, jdm nacheilen/gehen/laufen u.a. ponáhlat sa/íst/ bežat<br />

za kým; einer Sache nachforschen pátrat po veci, jdm Übles nachreden ohovárat


114<br />

Grammatik<br />

koho, jdm nachrufen volat za kým, nachkommen (Er kommt seinen Verpflichtungen<br />

immer nach. Splní si vždy svoje povinnosti.) u.a.<br />

Nach Verben mit dem untrennbaren Präfix ent- steht häufig der Dativ: dem Gedächtnis<br />

entfallen vypadnút z pamäti, wir entnahmen seinen Worten, dass ... vyrozumeli<br />

sme z jeho slov, že ...<br />

Nach Verben mit dem trennbaren Präfix vor-: einer Krankheit vorbeugen predíst<br />

chorobe; Er steht diesem Amt vor. Je na cele úradu.; Ich ziehe einen guten Roman<br />

dem Film vor. Dávam prednost dobrému románu pred filmom. u.a.<br />

Mit Verben mit dem trennbaren Vorsilbe zu-: Der Verkäufer wendet sich dem neuen<br />

Kunden zu. Predavac sa obráti na zákazníka.; weiterhin die Verben jdm zugehen poslat,<br />

jdm zuhören pocúvat, jdm zureden prihovárat, jdm zusehen prizerat sa.<br />

1.10.3 Verben mit dem Dativ und Akkusativ<br />

Im Allgemeinen bezeichnet das Dativobjekt eine Person, das Akkusativobjekt<br />

eine Sache. Die folgenden Verben können mit dem Dativ- und mit dem Akkusativobjekt<br />

gebraucht werden. Oft steht allerdings nur das Akkusativobjekt:<br />

Er beantwortet dem Sohn die Frage.<br />

Er beantwortet die Frage.<br />

Die folgende Liste enthält die gebräuchlichsten Verben mit Dativ- und Akkusativobjekt.<br />

Es sind überwiegend Verben der Mitteilung, Verben des Gebens und<br />

Nehmens sowie einige reflexiv gebrauchte Verben:<br />

abgewöhnen odvyknút Mutter will dem Sohn das Rauchen abgewöhnen.<br />

Ansehen vidiet, dovidiet Man kann der alten Frau die schwere Krankheit ansehen.<br />

Anvertrauen zverit Er hat dem Lehrling die Werkstattschlüssel anvertraut.<br />

Aufdrängen<br />

nanútit, vnucovat<br />

sa<br />

Mit ihrer Macht über die Schulen wollen die Kultusminister<br />

den Deutschen eine unausgegorene Reform aufdrängen.<br />

(Welt)<br />

beantworten odpovedat Ich beantworte dir gern die Frage.<br />

beilegen,<br />

priložit<br />

Wir legen/fügen dem Brief die Rechnung bei.<br />

beifügen<br />

rozkazovat Man kann keinem Polizisten befehlen zu töten. (Tagesspiegel)<br />

befehlen<br />

beimessen pripisovat význam<br />

Wir messen der Gefahr keine Bedeutung bei.<br />

beweisen dokázat Er bewies dem Schüler den mathematischen Lehrsatz.<br />

bewilligen povolit Das Amt hat dem Ehepaar ein Kredit bewilligt.<br />

bieten poskytnút Ich bot ihm keinen Anlass zum Streit.<br />

borgen požicat Ich habe ihm das Buch geborgt, nicht geschenkt.


ingen priniest Er brachte mir einen Korb mit Äpfeln.<br />

empfehlen odporúcat Ich habe dem Reisenden ein gutes Hotel empfohlen.<br />

entfallen vypadnút z Es ist mir dem Gedächtnis entfallen.<br />

entgleiten vyklznut z Es ist mir den Händen entgleiten.<br />

entsagen zriect sa coho Er hat allem Glück entsagt.<br />

entnehmen vybrat; v yrozumiet<br />

Wir können deinen Worten keinen Sinn entnehmen.<br />

entwenden odcudzit Ein Unbekannter hat dem Gast die Brieftasche entwendet.<br />

entziehen odopriet, odnat Der Polizist entzog dem Fahrer den Führerschein.<br />

erlauben dovolit Wir erlauben den Schülern das Rauchen in den Pausen.<br />

eröffnen otvorit Er hat uns den Weg eröffnet.<br />

erzählen rozprávat Ich erzähle dir jetzt die ganze Geschichte.<br />

geben dat Er gab mir die Hand.<br />

gönnen žicit, dopriat Jetzt könnte sie sich/ihm Ruhe und Erholung gönnen.<br />

leihen požicat Er hat mir den Plattenspieler geliehen.<br />

liefern dodávat Die Fabrik liefert der Firma die Ware.<br />

mitteilen oznámit Er teilte mir die Geburt seines Sohnes mit.<br />

rauben kradnút Die Räuber raubten dem Boten das Geld.<br />

reichen podat Er reichte den Gästen die Hand.<br />

sagen povedat Ich sagte ihm deutlich meine Meinung.<br />

schenken darovat Ich schenke ihr ein paar Blumen.<br />

schicken poslat Meine Eltern haben mir ein Paket geschickt.<br />

schulden dlhovat Die Europäer schulden der Türkei Hilfe – vor allem aber<br />

Ehrlichkeit. (Welt)<br />

schreiben písat Er schrieb dem Chef einen unfreundlichen Brief.<br />

senden poslat Wir senden Ihnen anliegend die Antragsformulare.<br />

stehlen kradnút Unbekannte Täter haben dem Bauern zwölf Schafe gestohlen.<br />

übel nehmen zazlievat Einem Kranken darf man nichts übel nehmen.<br />

überlassen prenechat Er überließ mir während der Ferien seine Wohnung.<br />

unterbreiten predložit Er unterbreitete der Regierung einen Vorschlag.<br />

Untersagen zakázat Japan ist einer der wenigen Staaten, die eine Familienplanung<br />

mit der Pille untersagen. (Welt)<br />

unterziehen podrobit Man soll Bosnien einer internationalen Kontrolle unterziehen.<br />

verbieten zakázat Er hat seinem Sohn das Motorradfahren verboten.<br />

verleihen požicat, udelit Man verlieh dem Schriftsteller den Nobelpreis.<br />

Verschweigen zamlcat Der Angeklagte verschwieg dem Verteidiger die Wahrheit.<br />

versprechen slúbit Ich habe ihm 200 Mark versprochen.<br />

verweigern odmietat Die Firma verweigert den Angestellten das Urlaubsgeld.<br />

vorziehen uprednostnit Wir ziehen eine Diskussion dem Streit vor.<br />

115


116<br />

Grammatik<br />

wegnehmen zobrat spät Er hat mir die Schreibmaschine wieder weggenommen.<br />

zeigen ukázat Er zeigte dem Besucher seine Bildersammlung.<br />

zukommen lassen poskytnút, Wir lassen der Firma das neue Muster zukommen.<br />

poslat<br />

zumuten<br />

pripisovat, Das kannst du dem Präsidenten nicht zumuten.<br />

predpokladat<br />

zurechnen pripocítat Der Kaufmann hat dem Preis die Transportspesen zugerechnet.<br />

1.10.4 Verben mit zwei Akkusativobjekten<br />

Nur wenige Verben werden mit zwei Akkusativen gebraucht. Die wichtigsten<br />

sind: kosten, lehren, nennen, schelten, schimpfen.<br />

nennen nazvat, volat Ich nenne ihn Fritz.<br />

kosten stát Das Essen kostet mich 100 Mark.<br />

lehren ucit Er lehrt mich 4 das Lesen.<br />

schelten hrešit, nadávat Sie schilt ihn einen Faulpelz.<br />

schimpfen 5 nadávat Vater schimpfte den Jungen einen Feigling.<br />

1.10.5 Verben mit Akkusativ- und Genitivobjekt<br />

Zu dieser Gruppe gehören die Verben des Rechtes und die Verben des besonderen<br />

Sagens:<br />

anklagen obžalovat Man klagt ihn des Meineids an.<br />

berauben okradnút Der Dieb beraubte ihn des Geldes.<br />

beschuldigen obvinit Man beschuldigte ihn eines Diebstahls.<br />

bezichtigen obvinit Er bezichtigt ihn der Unehrlichkeit.<br />

überführen usvedcit Die Polizei überführte den Autofahrer der Trunkenheit am<br />

Steuer.<br />

verdächtigen upodozrievat Man verdächtigte den Zeugen der Lüge.<br />

versichern 6 ubezpecit Er versicherte ihn seiner Verschwiegenheit.<br />

verweisen vypovedat,<br />

vyhostit<br />

Der Spieler wurde nach einer harten Attacke gegen XY mit<br />

einer gelb-roten Karte des Feldes verwiesen.<br />

würdigen 7 hodnotit, cenit Er würdigte mich keines Grußes, keines Blickes, keines<br />

Wortes.<br />

4 umgangssprachlich auch mir.<br />

5 umgangssprachlich.<br />

6 gehoben<br />

7 gehoben


1.10.6 Verben mit dem Genitivobjekt<br />

Diese Verben werden heute nur selten gebraucht. Die Genitivergänzung tritt in<br />

der deutschen Gegenwartssprache nur noch bei etwa fünfzehn Ve rben auf, die<br />

meistens reflexiv verwendet werden. Bei manchen Verben ist statt des Genitivobjekts<br />

ein Präpositionalobjekt üblich geworden (z.B. sich jenes Vorfalls erinnern<br />

– sich an jenen Vorhall erinnern; er spottete seiner/über ihn).<br />

annehmen, sich predpokladat, Wir haben uns dieser Angelegenheit angenommen.<br />

ujat sa<br />

annehmen, sich starat sa Er nimmt sich dieses Menschen an.<br />

bedienen, sich použit co Er bediente sich grober Ausdrücke.<br />

bemächtigen, sich zmocnit sa Das Militär bemächtigte sich der Staatsgewalt.<br />

besinnen, sich 8 premýšlat Er hat sich eines Besseren besonnen.<br />

bedürfen (bedarf,<br />

bedurfte)<br />

potrebovat co Es bedarf einer Erklärung. Der Krankenbesuch bedurfte der<br />

Genehmigung des Chefarztes.<br />

entbehren byt neopodstatnený<br />

Diese Nachricht entbehrt jeder Grundlage.<br />

enthalten, sich zdržat sa coho Die Kollegin sollte sich des Rauchens enthalten.<br />

entheben<br />

odobrat komu Er wurde seines Amtes enthoben.<br />

co<br />

entledigen, sich zbavit sa koho/coho<br />

Er hat sich dieses Auftrages entledigt.<br />

erbarmen, sich zlutovat sa nad Der Professor erbarmte sich des unglücklichen Studenten.<br />

erfreuen, sich tešit sa comu Sie erfreute sich bester Gesundheit.<br />

erinnern, sich pamätat sa Sie erinnerte sich dieses Vorfalls nicht.<br />

gedenken<br />

pripomínat si<br />

na<br />

Der Bundestag will am 17. Juni der Toten gedenken. (Quelle:<br />

Welt 1998)<br />

rühmen, sich vychvalovat sa Er rühmt sich seines Wissens.<br />

schämen, sich hanbit sa za Wir schämen uns deines Benehmens.<br />

1.10.7 Verben mit dem Nominativ<br />

Die Verben sein, werden, bleiben und scheinen können außer dem Subjekt noch<br />

einen zweiten Nominativ bei sich haben:<br />

Die Biene ist ein Insekt.<br />

Mein Sohn wird später Arzt.<br />

Der Herr mit der Brille scheint der Direktor zu sein.<br />

Die Turnhalle bleibt noch eine Zeit lang eine Unterkunft für Obdachlose.<br />

117<br />

8 aber: sich besinnen auf etwas = etwas in die Erinnerung zurückrufen


118<br />

Grammatik<br />

In den Sätzen mit sein und werden wird oft das unpersönliche Subjekt das oder<br />

es gebraucht, auch wenn ein Bezug auf bestimmte Personen oder Sachen besteht.<br />

Das konjugierte Verb richtet sich nach dem zweiten Nominativ:<br />

Ein Herr mit Brille trat ein. Das war der Direktor.<br />

Die Frau hat zwei Kinder geboren. Es sind eineiige Zwillinge.<br />

Wir besichtigen die Neubauten. Das werden die Beamtenwohnungen.<br />

Dort kommen drei kleine Mädchen. Es sind Geschwister.<br />

1.10.8 Verben mit präpositionalem Objekt<br />

Viele Verben werden mit einer festen Präposition gebraucht, der ein Objekt in<br />

einem bestimmten Kasus (Dativ oder Akkusativ) folgt. Die Präposition und das<br />

Objekt bilden zusammen das Präpositionalobjekt.<br />

Es gibt keine Regeln dafür, welches Verb mit welcher Präposition gebraucht<br />

wird und in welchem Kasus das Objekt steht. Verb, Präposition und Kasus sollten<br />

deshalb zusammen geübt werden.<br />

1.10.9 Die gebräuchlichsten Verben mit Präposition<br />

an + Akkusativ<br />

anknüpfen an die anderen/an ein Ereignis nadviazat sa na<br />

anpassen (sich) an die anderen prispôsobit (sa) na<br />

denken den Vater, an dich mysliet<br />

erinnern, sich/jdn an die Reise spomenút si na<br />

gewöhnen, sich/jdn an das Klima privykat (si) na<br />

glauben an Gott; an die Zukunft verit v koho/co<br />

halten, sich<br />

herangehen, sich<br />

an die Regeln<br />

an ein Problem<br />

riadit sa cím<br />

pristupovat k comu<br />

machen, sich an die Arbeit dat sa do coho<br />

schreiben an den Vater, an das Institut písat komu<br />

wenden, sich an den Vater obrátit sa na koho<br />

an + Dativ<br />

arbeiten<br />

beteiligen, sich<br />

an der Dissertation<br />

an der Verantwortung<br />

pracovat na<br />

podielat sa<br />

einbüßen an Ansehen utrpiet na com<br />

erkennen, jdn an der Stimme (s)poznat podla<br />

erkranken an Grippe ochoriet na co<br />

frieren an den Händen mat zimu na com<br />

hindern, jdn an der Arbeit prekážat komu pri com<br />

leiden an einer Krankheit trpiet na<br />

liegt jdm an einem Rat záleží mu na ...


119<br />

liegt, es an der Leitung záleží na tom<br />

mangelt, es, jdm an an Geld chýbat komu co<br />

operieren jdn an dem (am) Kopf operovat komu co<br />

rächen, sich an den Feinden pomstit (sa)<br />

schreiben an einem Roman písat co<br />

sterben an einer Krankheit umriet na<br />

teilnehmen an der Versammlung zúcastnit sa na<br />

zweifeln an der Aussage des Zeugen pochybovat o<br />

auf + Akkusativ<br />

achten auf die Fehler dbat na co<br />

ankommen<br />

berufen, sich<br />

beziehen, sich<br />

auf den Versuch/auf die Genauigkeit<br />

auf den Anspruch<br />

auf die Entdeckung<br />

závisiet od koho/coho<br />

odvolávat sa na<br />

vztahovat sa na<br />

drängen auf einen Abschluss naliehat na<br />

es kommt an auf die Entscheidung záleží od<br />

es kommt jdm an auf diesen Termin ide o<br />

freuen, sich auf die Ferien tešit sa na<br />

halten auf Ordnung dbat na<br />

hoffen auf die Geldsendung dúfat v co<br />

konzentrieren, sich<br />

stützen<br />

auf den Vortrag<br />

auf eine Annahme<br />

sústredit sa na<br />

opierat sa o koho/co<br />

verlassen, sich auf dich; deine Zusage spoliehat sa na<br />

vertrauen auf die Freunde; die Zukunft dôverovat komu<br />

verzichten auf die Belohnung zriect sa coho<br />

vorbereiten, sich/jdn auf die Prüfung pripravovat sa na<br />

warten auf den Brief cakat na<br />

zählen auf dich rátat, pocítat s kým<br />

auf + Dativ<br />

beharren, auf der Meinung zotrvávat na com<br />

beruht, es/das auf der Annahme spocíva na com<br />

bestehen auf der Forderung zotrvávat na com<br />

fußt, es/das auf der Annahme spocíva to na com<br />

bei + Dativ<br />

beklagen, sich bei dem Chef stažovat sa u koho<br />

beschweren, sich bei dem Direktor stažovat sa u koho<br />

entschuldigen, sich bei dem Kollegen ospravedlnit sa komu<br />

erkundigen, sich bei dem Beamten pýtat sa/vypytovat sa<br />

u koho


120<br />

Grammatik<br />

aus + Dativ<br />

befreien, sich<br />

aus der Gefahr<br />

oslobodit (sa) z coho<br />

bestehen<br />

aus diesen Elementen<br />

pozostávat z coho<br />

ergeben, sich<br />

aus den Untersuchungen<br />

vyplývat z coho<br />

folgen, resultieren<br />

schließen aus etw. aus seinem Standpunkt robit závery z coho<br />

für + Akkusativ<br />

bedanken, bei jdm für die Hilfe podakovat sa za<br />

bürgen für den Freund; die Qualität zarucit za<br />

danken, jdm für die Blumen dakovat za<br />

entschuldigen, sich für den Irrtum ospravedlnit sa<br />

garantieren, jdm für den Wert der Sache rucit za<br />

halten, jdn für einen Betrüger považovat za<br />

interessieren, sich für das Buch zaujímat sa o co<br />

kämpfen für den Freund bojovat za<br />

rächen, sic h für das Unrecht pomstit (sa)<br />

sorgen für die Kinder starat sa<br />

sterben für eine Idee zomriet<br />

in + Akkusativ<br />

einmischen, sich in die Sache miešat sa do coho<br />

fügen, sich in die Situation vžit sa do coho<br />

geraten in eine schwierige Lage; in Wut dostat sa do<br />

schicken, sich (es) in in die Situation vžit sa do coho<br />

schneiden (sich) in den Fingern porezat si (prst)<br />

umwechseln in Kronen, in Euro zamenit co za<br />

verlieben, sich in ein Mädchen, einen Jungen zamilovat sa do koho<br />

vertiefen, sich in ein Buch prehlbit (sa) do<br />

in + Dativ<br />

irren, sich in dem Datum; in dem Glauben mýlit sa v com<br />

bestehen in der Annahme, darin spocívat v com;<br />

handeln in einer Sache konat v com<br />

gegen + Akkusativ<br />

einschreiten gegen die Skins zakrocit proti komu<br />

erheben, sich gegen den Feind povstat proti komu<br />

kämpfen gegen die Feinde bojovat proti comu<br />

tauschen etwas gegen etwas, gegen Euro zamenit co za co<br />

verstoßen gegen die Vorschriften previnit sa proti comu


wehren, sich gegen den Feind bránit sa proti komu /comu<br />

nach + Dativ<br />

aussehen nach Sturm vyzerat na<br />

duften nach Rosen voniat cím<br />

dürsten nach Ruhm bažit po com<br />

erkundigen, sich nach dem Pass vypytovat sa na co<br />

fragen, jdn nach dem Weg pýtat sa na, informovat<br />

sa o co<br />

sehnen, sich nach der Heimat túžit po com<br />

streben nach Reichtum hnat sa za<br />

umsehen, sich um einen freien Platz pozriet sa za cím<br />

mit + D<br />

anfangen mit dem Essen zacat s<br />

ärgern, sich mit den Nachbarn hnevat (sa) na<br />

aufhören mit dem Unsinn prestat s<br />

beginnen mit der Begrüßung zacat s<br />

beschäftigen, sich/jdn mit dem Problem zaoberat sa cím<br />

kämpfen mit den Freunden bojovat s<br />

rechnen mit deiner Hilfe pocítat s cím<br />

sprechen mit der Freundin hovorit s kým<br />

streiten, sich mit den Erben hádat sa s kým<br />

unterhalten, sich mit dem Freund zabávat sa s kým<br />

zu tun haben, etwas mit dem Mann; dem Beruf robit, mat do cinenia s<br />

über + Akkusativ<br />

ärgern, sich<br />

aufregen, sich<br />

über die Mitarbeiter<br />

über jede Kleinigkeit<br />

hnevat sa na koho/co<br />

hnevat sa/rozculovat<br />

sa/rozhorcovat sa nad cím<br />

beschweren, sich über den Kollegen stažovat sa na<br />

empören über jede Kleinigkeit rozculovat sa/ rozhorcovat<br />

sa nad cím<br />

freuen, sich über das Geschenk mat radost/tešit sa z coho<br />

herrschen über ein Land vládnut nad<br />

lachen über den Komiker smiat sa nad<br />

nachdenken über den Plan premýšlat o<br />

schimpfen über den Sohn nadávat na<br />

spotten über seine Taten vysmiat sa komu<br />

sprechen über ein Thema hovorit o<br />

staunen über die Leistung divit sa comu<br />

unterhalten, sich über ein Thema bavit sa s kým<br />

121


122<br />

Grammatik<br />

verfügen über das Geld disponovat cím<br />

wundern, sich über die Technik cudovat sa nad kým/cím<br />

um + Akkusativ<br />

anhalten um die Hand (po)žiadat o co<br />

bemühen, sich um die Zulassung usilovat sa o co<br />

beneiden jdn um seine Erfolge zvidiet komu co<br />

ersuchen jdn um Auskunft požiadat, poprosit o co<br />

bringen jdn um sein Geld pripravit koho o co<br />

kümmern, sich um solche Dinge starat sa o co<br />

bewerben, sich um ein Stipendium uchádzat sa o co<br />

bitten, jdn um einen Rat žiadat koho o co<br />

fürchten, sich um das Leben bát sa o koho/co<br />

handeln, sich (es) um das Kind; das Geld ide o koho/co<br />

kämpfen um jeden Fußbreit Boden bojovat za<br />

kümmern, sich um den Gast starat sa o co<br />

sorgen, sich um die Familie starat sa o co<br />

streiten, sich um das Vermögen vadit sa pre<br />

trauern um den Vater smútit za kým<br />

weinen um einen Verstorbenen plakat za kým<br />

unter + Dativ<br />

leiden unter dem Lärm trpiet pod<br />

verstehen unter dem Begriff rozumiet pod cím<br />

von + Dativ<br />

sprechen von einem Erlebnis hovorit o com<br />

abhalten, jdn von der Arbeit zdržiavat koho pri com<br />

abhängen, es<br />

von den Eltern; von den Umständen<br />

závisiet od koho/ coho<br />

ausgehen von der Tatsache, davon vychádzat z coho<br />

ausruhen, sich von den Anstrengungen odpocinút si od coho<br />

befreien, sich/jdn von den Fesseln vyslobodit sa z coho<br />

erholen, sich von der Arbeit zotavit sa z coho<br />

ernähren, sich von Fleisch živit sa cím<br />

halten, etwas/nichts von dem Mann; von dem Plan považovat za<br />

scheiden lassen, sich von ihrem Mann rozviest sa s kým<br />

strotzen von Gesundheit kypriet cím<br />

verabschieden, sich von den Freunden rozlúcit sa s kým<br />

vor + Dativ<br />

bevorzugen jdn/ etwas vor dem Roman dávat prednost komu/


comu pred kým/cím<br />

ekeln, sich vor dem Essen hnusit sa/protivit sa<br />

erschrecken vor dem Hund zlaknút sa koho/coho<br />

fürchten, sich<br />

hüten, sich<br />

vor der Auseinandersetzung<br />

vor Ansteckung<br />

bát sa koho/coho<br />

varovat sa pre cím<br />

scheuen, sich vor der Arbeit bát sa koho/coho<br />

schützen, sich/jdn vor der Gefahr chránit (sa) pred cím<br />

warnen, jdn vor der Gefahr varovat koho pred cím<br />

zu + Dativ<br />

anhalten jdm zu dieser Arbeit podnietit, povzbudit<br />

auffordern jdn zum Kampf vyzvat<br />

anregen, jdn zu neuen Taten podnietit koho k comu<br />

berechtigen, jdn zu dieser Entscheidung oprávnovat koho na co<br />

dienen zu diesem Zweck slúžit comu<br />

entschließen, sich zu diesem Kleid rozhodnút sa pre co<br />

führen zu einem Ergebnis viest k<br />

gehören<br />

greifen<br />

kommen<br />

zu einer Gruppe<br />

zur Feder<br />

zu Kräften<br />

123<br />

patrit k comu<br />

stiahnut za<br />

nadobudnút co, príst k comu<br />

raten, jdm zu diesem Studium radit komu co<br />

anspornen jdn zu besseren Leistungen povzbudit k comu<br />

1.11 Aktionsart des Verbs<br />

Die Aktionsart ist eine Kategorie des Verbs, die die Ve rlaufsweise und Abstufung<br />

des Geschehens charakterisiert. Die Differenzierung des Geschehens<br />

kann zeitlich (Ablauf, Vollendung, Anfang, Übergang, Ende) und inhaltlich<br />

(Veranlassen, Intensität, Wiederholung u.a.) erfolgen.<br />

Nach der Kategorie der Aktionsart unterscheidet man imperfektive und perfektive<br />

Verben.<br />

A. Die imperfektiven oder durativen Verben bezeichnen den Verlauf des Geschehens<br />

ohne zeitliche Abgrenzung. Hierzu gehören:<br />

• die iterativen Verben. Sie drücken eine Wiederholung des Geschehens aus,<br />

z.B.:<br />

flattern poletovat, tropfen kvapkat, zittern triast sa<br />

• die intensiven Verben drücken die Intensität des Geschehens aus, z.B.:<br />

brüllen revat, rasen zúrit; uhánat, saufen slopat, sausen uhánat


124<br />

Grammatik<br />

• die diminutiven Verben, die Verben der Verkleinerung, z.B.:<br />

lächeln usmievat sa, tröpfeln kvapkat, streicheln hladkat, tänzeln tancovat, skackat<br />

B. Die perfektiven Verben drücken die zeitliche Begrenzung des Geschehens<br />

aus. Bei den Verben unterscheiden wir:<br />

• ingressive Verben. Sie bezeichnen den Beginn eines Geschehens:<br />

abfahren odcestovat, aufblühen rozkvitat, losgehen odíst, einschlafen zaspat<br />

• egressive Verben. Sie bezeichnen die Endphase des Geschehens:<br />

aufhören prestat, erjagen ulovit, verblühen odkvitat, beenden dokoncit<br />

Nach anderen semantischen Kriterien kann man noch unterscheiden zwischen:<br />

• kausativen Verben (Deverbativa). Sie drücken ein Bewirken, Veranlassen<br />

zur Handlung aus:<br />

tränken, legen, setzen, stellen<br />

• faktitiven Verben (Denominativa). Sie drücken ein Versetzen in einen neuen<br />

Zustand aus:<br />

füllen<br />

leeren<br />

lösen<br />

(= voll machen)<br />

(= leer machen)<br />

(= loswerden)<br />

• mutativen Verben. Sie drücken einen Übergang von einem Zustand in einen<br />

anderen Zustand ohne zeitliche Begrenzung aus:<br />

reifen (= reif werden)<br />

erkranken (= krank werden)<br />

rosten (= rostig werden)<br />

In der deutschen Sprache gibt es für die Aktionsarten keine grammatische Kategorie<br />

des Verbs (bzw. nur in beschränktem Maße). Die Aktionsart kann aber<br />

mit morphologischen und syntaktischen Mitteln gekennzeichnet werden (siehe<br />

auch Funktionsverben). Es sind hauptsächlich folgende lexikalische und grammatische<br />

Mittel:<br />

• Kennzeichnung durch die lexikalische Bedeutung des Verbs:<br />

schlafen [durativ] – brüllen<br />

[intensiv]<br />

• Kennzeichnung durch die Mittel der Wortbildung (Suffixe, Präfixe, innere<br />

Flexion u.a.):<br />

blühen [durativ]<br />

– erblühen [ingressiv] – verblühen [egressiv]


sitzen [durativ] – setzen [kausativ]<br />

• Kennzeichnung durch syntaktische Konstruktionen, z.B.:<br />

a) Er schwitzt. Er kommt ins Schwitzen.<br />

Zacína sa potit.<br />

Sie kocht. Sie ist beim Kochen.<br />

(Práve) varí.<br />

Er stirbt. Er liegt im Sterben.<br />

Umiera.<br />

Der Rose Die Rose steht in Blüte.<br />

blüht. Ruža je v kvete.<br />

Sie geht weg.<br />

Sie ist im Begriff wegzugehen.<br />

Práve sa chystá odíst.<br />

b) die Maschine in Bewegung setzen<br />

spustit stroj, dat stroj do chodu<br />

die Arbeit zu Ende führen<br />

dokoncit robotu<br />

Wir hören auf zu rauchen.<br />

Prestaneme fajcit.<br />

Wir hören jeden Tag um 16 Uhr auf zu<br />

arbeiten.<br />

Denne ukoncievame prácu o 16 hodine.<br />

Er pflegt jeden Abend spazieren zu gehen.<br />

Vecerom chodieva na prechádzku.<br />

Beginn (ingressiv)<br />

momentan<br />

Dauer (imperfektiv)<br />

Dauer (imperfektiv)<br />

ingressiv<br />

Beginn (ingressiv)<br />

Ende (egressiv)<br />

Ende (egressiv)<br />

125<br />

Wiederholung (iterativ)<br />

Wiederholung (iterativ)<br />

Durch Adverbien kann die Verlaufsweise eines Geschehens ebenfalls ausgedrückt<br />

werden:<br />

Es klingelte plötzlich.<br />

Sie spricht unaufhörlich.<br />

Ich habe ihn oft, mehrmals besucht.<br />

Zrazu zazvonilo.<br />

Stále hovorí.<br />

Viackrát som ho navštívil.<br />

Anmerkung<br />

Das Slowakische unterscheidet perfektive und imperfektive Verben (dokonavé,<br />

nedokonavé slovesá). In dieser Hinsicht kann man im Deutschen nicht über den<br />

Aspekt (slovesný vid) als grammatische Kategorie sprechen. Die Vollendetheit<br />

oder Nichtvollendetheit sind Komponenten der lexikalischen Bedeutung, sie werden<br />

hier daher im Rahmen der Aktionsart behandelt.


126<br />

Grammatik<br />

2 Das Substantiv<br />

2.1 Merkmale des Substantivs<br />

Das Substantiv (lat. substantivus = »für sich selbst Bestand habend«) ist neben dem<br />

Verb die wichtigste Wortart. Substantiva machen etwa die Hälfte des deutschen<br />

Wortschatzes aus. Sie werden auch »Hauptwörter«, »Dingwörter« oder »Nennwörter«<br />

genannt. Andere Autoren bevorzugen den Terminus »Nomen«, „weil er international<br />

wesentlich weiter verbreitet ist.“ [ENGEL 1996: 500]<br />

„Die prototypische Funktion des SUBSTANTIVS besteht in seinem zentralen Beitrag<br />

zum Ausdruck von Argumenten, während die prototypische Funktion von Verben der<br />

Ausdruck des Prädikats ist.“ (IDS: 28)<br />

Substantiva sind Wörter, die entweder maskulines, feminines oder neutrales Genus<br />

haben. Das Genus ist das wichtigste Merkmal des Substantivs, das es von den anderen<br />

Wortarten unterscheidet. „Im Grenzbereich liegen die Nomina, die auf Partizipien<br />

zurückgehen und deren Genus in Grenzen variabel ist“ [ebenda], z.B.: der/die<br />

Vorsitzende, Vorgesetzte u.a.<br />

Substantiva bezeichnen Lebewesen (Mensch, Student; Hund, Katze), Gegenstände<br />

(Tisch, Haus), Prozesse (das Lesen, das Schreiben, die Erziehung), Be ziehungen<br />

(Liebe, Hass, Verhältnis), Eigenschaften der Realität (Größe, Tiefe, Demokratie,<br />

Willkürherrschaft) u.a.<br />

Das Substantiv wird im Deutschen mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben.<br />

2.2 Klassifikation der Substantive<br />

Zur Klassifikation der Substantive werden oft ihre semantischen Merkmale (Seme)<br />

verwendet. Zur Einteilung der Substantiva in semantische Subklassen verwenden wir<br />

in Anlehnung an K.-E. SOMMERFELDT folgende Seme:<br />

• das kategoriale Sem der Gegenständlichkeit<br />

• subkategoriale Seme: a) Seme der Eigennamen<br />

b) Seme der Gattungsnamen (Seme der 1. Stufe)<br />

• die subkategorialen Seme der Konkretheit und Abstraktheit (Seme der 2. Stufe)<br />

• die subkategorialen Seme der Individualität und Zählbarkeit, der Unikalität, der<br />

Stofflichkeit (Seme der 3. Stufe)<br />

• die subkategorialen Seme der Belebtheit und Unbelebtheit


(Einteilung in lexikalisch-semantische Klassen)<br />

127<br />

Eigennamen<br />

Gattungsnamen<br />

belebte geographische Konkreta Abstrakta<br />

Franz<br />

Wien<br />

zählbare Kollektiva Unika Stoffnamen<br />

Individuativa<br />

belebte<br />

unbelebte belebte unbelebte<br />

Student Stuhl Herde Flotte Mond Gold Liebe<br />

Aufgrund des oben aufgeführten Stammbaumdiagramms 9 können wir resümieren:<br />

Die meisten Substantive haben eine verallgemeinerte Bedeutung. Sie widerspiegeln<br />

nicht die einzelnen Lebewesen, Gegenstände, Prozesse oder Erscheinungen,<br />

sondern sie verallgemeinern sie.<br />

In den gängigen slowakischen Grammatiken werden die Substantive nach semantischen<br />

und grammatischen Kriterien in dreierlei Hinsicht klassifiziert:<br />

• Konkreta und Abstrakta (primäre und sekundäre Substantive)<br />

• Substantive, die Lebewesen und Nicht-Lebewesen bezeichnen<br />

• Appellativa und Propria<br />

Die Klassifizierung der Maskulina ist insofern wichtig, da es wesentliche Unterschiede<br />

im Deklinationsparadigma nach den Kriterien der Belebtheit und Nicht-<br />

Belebtheit gibt.<br />

Die Substantive, die durch ihre Bedeutung Klassen von Erscheinungen widerspiegeln,<br />

werden eingeteilt in Eigennamen und in Gattungsnamen.<br />

Ein Teil der Substantive sind Eigennamen. Eigennamen zeichnen sich u.a. durch eine<br />

Beschränkung im Artikelgebrauch, zum Teil durch Abweichungen in der Flexion<br />

(z.B. kein Dativ-e, oft keine Genitivendung) aus.<br />

1. Zu den Eigennamen gehören:<br />

1.1. Personennamen (Vor- und Familiennamen): Hans, Horst, Peter; Brecht, Goethe,<br />

Herder, Thomas Mann<br />

1.2. geographische Namen: (Länder-, Städte-, Straßen-, Gebäudenamen), z.B. die<br />

Donau, Berlin, Heinrich-Heine-Straße, Domplatz, Zillehaus<br />

1.3. historische Eigennamen, z.B. der Dreißigjährige Krieg, die Schlacht vor Verdun<br />

9 Vgl. Stepanowa/Helbig 1978, 98, Sommerfeldt, K. E./Starke, G. S. 1988, 110.


128<br />

Grammatik<br />

1.4. Namen für Artefakte (Titel von Büchern, Zeitungen, Bildern, Filmen, Namen<br />

von Schiffen, Fahrzeugen u.a.), z.B. Die Buddenbrooks, Der Spiegel, Die Sixtinische<br />

Madonna, Der blaue Engel, die Deutschland (als Schiffsname)<br />

2. Zu den Gattungsbezeichnungen oder Appellativa gehören:<br />

2.1. Konkreta: Bezeichnungen von Lebewesen: Mann, Frau, Hund, Maus, Fisch<br />

2.2. Stoffbezeichnungen, z.B. Eisen, Glas, Marmor, Zement<br />

2.3. Sammelbezeichnungen oder Kollektiva, z.B. Familie, Volk, Nation, Obst, Gemüse,<br />

Gehölz<br />

2.4. Abstrakta, z.B. Treue, Freiheit.<br />

Die von Verben abgeleiteten Nomina werden im Allgemeinen Nomina actionis,<br />

Nomina acti , Nomina agentis, Nomina patientis, Nomina instrumenti, Nomina<br />

loci u.a. genannt.<br />

Nomina actionis (Tätigkeitsbezeichnungen) benennen Vorgänge, Handlungen: Erholung,<br />

Genesung; Fahrt, Flucht.<br />

Nomina acti benennen Ergebnisse von Vorgängen oder Handlungen: Auslese,<br />

Zeichnung. Viele Nomina acti sind doppeldeutig: Sie benennen sowohl den Vorgang<br />

als auch dessen Ergebnis. Sie sind also Nomina actionis und Nomina acti zugleich:<br />

Darstellung (Beschreibung als Ergebnis und Beschreibung als Prozess), Klassifikation<br />

u.a.<br />

Nomina agentis benennen den Urheber oder den Ausführer einer Handlung: Lehrer,<br />

Forscher, Dirigent u.a. Urheber und Ausführer entsprechen in einem aktivischen<br />

Satz dem Subjekt des Satzes und lassen sich mit Hilfe eines Relativsatzes paraphrasieren:<br />

ein Lehrer ist einer, der lehrt;<br />

ein Forscher ist einer, der forscht;<br />

ein Dirigent ist einer, der dirigiert.<br />

Nomina patientis benennen Personen, die Gegenstand, Objekt oder Opfer einer<br />

Handlung sind: Lehrling, Prüfling, Findling u.a. Sie entsprechen dem Subjekt in einem<br />

passivischen Satz und lassen sich mit Hilfe eines Relativsatzes ausdrücken:<br />

ein Lehrling ist derjenige, der gelehrt wird;<br />

ein Prüfling ist einer, der geprüft wird;<br />

ein Findling ist einer, der gefunden wurde.<br />

Die Substantiva werden im Deutschen mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben.<br />

Trotz dieser grammatischen Kennzeichnung bereitet das Erkennen der Substantiva in<br />

einigen Fällen Schwierigkeiten. Dies ergibt sich daraus, dass die Grenzen zwischen<br />

dem Substantiv und anderen Wortarten fließend sind, vgl. ernst nehmen – Ernst machen,<br />

heute Abend – diesen Abend u.a. Im Deutschen können außerdem fast alle<br />

Wörter substantiviert werden, vgl. schreiben – das Schreiben, heute – das Heute, sein<br />

– das Sein, ich – das Ich u.a.


Zur Identifizierung des Substantivs müssen oft mehrere Kriterien herangezogen werden.<br />

Folgende Kriterien sind zur Unterscheidung des Substantivs von anderen Wortarten<br />

wichtig:<br />

• die Wortartbedeutung: Substantive drücken »Gegenständlichkeit« aus,<br />

• die Deklinierbarkeit : die morphologischen Kategorien des Genus, des Kasus und<br />

des Numerus,<br />

• die Fähigkeit, einen Artikel bei sich zu haben.<br />

2.3 Kategorien des Substantivs<br />

2.3.1 Das Genus des Substantivs<br />

Das Genus ist das wesentliche Merkmal, das das Substantiv von anderen Wörtern<br />

unterscheidet: Jedes Substantiv hat entweder maskulines, feminines oder neutrales<br />

Genus.<br />

Im Deutschen, ebenso wie im Slowakischen, unterscheidet man drei Genera:<br />

das Maskulinum (»männliches« Geschlecht)<br />

das Femininum (»weibliches« Geschlecht)<br />

das Neutrum («sächliches« Geschlecht)<br />

Das Genus der Substantive wird durch den bestimmten Artikel (der, die, das; die)<br />

oder durch andere Determinatoren (dieser, jene, welches u.a.) gekennzeichnet:<br />

Maskulinum: der/dieser Mann, Junge, Tisch, Baum, Ast, Ozean<br />

Femininum: die/jene Frau, Milch, Tasche, Mappe, Lampe<br />

Neutrum: das/welches Kind, Auto, Kino, Modell, Buch, Bett.<br />

Das Genus der Substantive stimmt nicht immer mit dem natürlichen Geschlecht überein.<br />

das Mädchen, das Weib, das Fräulein, das Frauenzimmer, der Backfisch, die Drohne<br />

[männliche Biene; in der Fachsprache der Imker der Drohn], der Weisel [Bienenkönigin],<br />

die Wache, das Mannequin<br />

Das natürliche Geschlecht (Sexus) spielt im Deutschen gegenüber dem grammatischen<br />

Genus nur eine geringe Rolle. Nur bei einigen Gruppen von Substantiven kann<br />

das Genus vom natürlichen Geschlecht her bestimmt werden. Dies sind:<br />

Personenbezeichnungen:<br />

Einige Verwandtschaftsnamen:<br />

der Cousin die Cousine der Opa die Oma<br />

der Enkel die Enkelin der Sohn die Tochter<br />

der Neffe die Nichte der Vater die Mutter<br />

der Onkel die Tante<br />

129


130<br />

Berufsbezeichnungen:<br />

Grammatik<br />

der Dozent die Dozentin der Koch die Köchin<br />

der Friseur die Friseuse der Lehrer die Lehrerin<br />

Bei einigen Berufsbezeichnungen fehlt oft eine entsprechende feminine Be zeichnung:<br />

Sie ist Professor für Physik.<br />

Sie ist Ingenieur.<br />

Neuerdings wird die feminine Form durch Binnengroßschreibung des »i« markiert:<br />

Liebe StudentInnen [lies: Studentinnen und Studenten]<br />

KollegInnen<br />

Bei einigen Tiernamen wird zwischen den beiden Geschlechtern durch das Suffix -in<br />

unterschieden:<br />

der Bär<br />

der Löwe<br />

die Bärin<br />

die Löwin<br />

Bei einigen Tiernamen ist die gemeinsame Bezeichnung Neutrum, die Männchen<br />

sind Maskulina, die Weibchen sind Feminina und die Jungtiere sind Neutra.<br />

s Huhn<br />

s Pferd<br />

s Rind<br />

s Schwein<br />

kura<br />

kôn<br />

dobytok<br />

ošípaná<br />

r Hahn<br />

r Hengst<br />

r Stier<br />

r Eber<br />

kohút<br />

žrebec<br />

býk<br />

kanec<br />

e Henne<br />

e Stute<br />

e Kuh<br />

e Sau<br />

sliepka<br />

kobyla<br />

krava<br />

ošípaná<br />

s Küken<br />

s Fohlen<br />

s Kalb<br />

s Ferkel<br />

kurca<br />

žriebä<br />

tela<br />

prasiatko<br />

In einigen Fällen ist für das männliche und weibliche Tier nur ein Wort vorhanden:<br />

der Adler, der Karpfen, die Maus, das Wiesel (lasica), r Weisel (vcelia matka), der Spatz<br />

In der deutschen Gegenwartssprache ist es kaum möglich, zur Genusbestimmung für<br />

die Mehrzahl der Substantiva praktikable Regeln zu geben. Bei vielen Substantiven<br />

muss der Artikel mit dem Substantiv gelernt werden:<br />

der Kopf die Hand das Kinn<br />

der Löffel die Gabel das Messer<br />

Es lässt sich aber in vielen Fällen ein teils semantisch, teils formal motiviertes Re gelsystem<br />

aufstellen. Aufgrund der Bedeutung<br />

1. Maskulina<br />

(1) Bezeichnungen von männlichen Lebewesen – vor allem die Gattungsbezeichnungen<br />

größerer Lebewesen – und Berufen:<br />

r Mann, r Vater; r Bär, r Hirsch, r Löwe, r Tiger; r Sportler, r Künstler, r Schreiner (= Möbelmacher)


F<br />

F<br />

F<br />

F<br />

(2) Geräte, die man als „Handelnde“ betrachten kann:<br />

r Bohrer, r Deckel, r Schlüssel, r Wecker<br />

(3) Namen der Jahreszeiten, Monate und Wochentage:<br />

r Frühling, r Sommer, r Herbst, r Winter; r Januar, r November; r Montag, r Sonnabend<br />

aber: e Woche, s Jahr<br />

(4) die Namen der Himmelsrichtungen, Winde und Niederschläge:<br />

r Norden, r Westen; r Föhn, r Monsun, r Taifun; r Hagel, r Regen, r Schnee, r Tau<br />

(5) die Namen der Spirituosen, Kaffeesorten, Tabakwaren:<br />

r Wein, r Sekt; r Doppelkorn, r Kognak, r Slibowitz, r Wodka, r Whisky; r Schnaps (aber:<br />

s Bier, s Feuerwasser)<br />

r Eduscho, r Hochland, r Tchibo<br />

r Feinschnitt, r Krüll<br />

(6) Automarken, Namen von Expresszügen:<br />

r BMW, r Fiat, r Mercedes, r Porsche, r Fabia, r Volkswagen; r Istropolitan, r Intercity,<br />

r »Rheingold«<br />

(7) die Namen von Mineralien und Gesteine:<br />

r Basalt, r Feldspat, r Granit, r Quarz, r Schiefer, r Sand<br />

aber: e Kreide, s Rotliegende [ältere Abteilung des Perms], s Harz<br />

(8) die Bergnamen und ein Teil der Gebirgsnamen:<br />

r Brocken, r Olymp, r Monte Rosa, r Vesuv, r Ätna, r Elbrus, r Gerlach; r Harz,<br />

r Kaukasus, r Himalaja, r Jura, r Montblanc, r Spessart<br />

Einige auf -a endende Bergnamen sind Feminina: e Sierra Nevada, e Hohe Tatra,<br />

e Marmolata, e Schepsalana, ebenso e Eiffel, e Rhön, e Haardt<br />

Viele Gebirgsnamen sind Pluraliatantum:<br />

e Alpen, e Anden, e Kordilleren, e Karpaten, e Pyrenäen<br />

2. Feminina<br />

(1) Bezeichnungen von weiblichen Lebewesen:<br />

e Frau, e Henne, e Geiß, e Ricke<br />

aber: r Backfisch, s Mädchen, s Fräulein, s Weib<br />

(2) die Schiffs- und Flugzeugnamen:<br />

e Deutschland, e Bismarck, e Nautilus, e Mary Celeste; e Boeing, e Cessna, e TU 164<br />

aber: r Fliegende Holländer, r Kaiser Wilhelm der Große; r Airbus, r Jet, r Jumbo, r Starfighter<br />

131


F<br />

F<br />

132<br />

Grammatik<br />

(3) die Namen der Bäume und vieler Blumen:<br />

e Akazie, e Birke, e Buche, e Eibe, e Eiche, e Kiefer, e Linde, e Tanne, e Zypresse; e Blume,<br />

e Dahlie, e Nelke, e Rose, e Orchidee<br />

aber: r Ahorn, r Lorbeer, r Nussbaum<br />

(4) die Namen der Zigarettensorten:<br />

e Astor, e Havanna, e Kent, e Camel, e Lord, e Milde Sorte, e Mars, e Stuyvesant<br />

(5) die substantivischen Zahlen:<br />

e Eins, e Zwölf, e Fünfundzwanzig, e Million, e Milliarde<br />

(6) die meisten deutschsprachigen Flussnamen und die fremdsprachigen Flussnamen<br />

auf -a und -e:<br />

e Donau, e Elbe, e Saale, e Spree, e Oder, e Elster, e Weser,<br />

e Werra; e Moskwa, e Wolga, e Rhone, e Seine, e Themse<br />

Ausnahmen sind Flüsse keltischen Ursprungs sowie die Namen ausländischer<br />

Flüsse:<br />

r Don, r Euphrat, r Jenissei, r Indus, r Inn, r Main, r Lech, r Neckar, r Rhein; r Dnepr,<br />

r Ganges, r Kongo, r Amazonas, r Nil, r Mississippi, r Paraná, r Po, r Jang tse, r Tiber,<br />

r Tigris, r Indus<br />

3. Neutra<br />

(1) Bezeichnungen von nicht erwachsenen Lebewesen:<br />

s Kind, s Fohlen, s Ferkel, s Küken, s Kalb, s Lamm<br />

(2) die Namen von Hotels, Kinos und Cafés:<br />

s Berlin, s Capitol, s Astoria<br />

(3) die meisten chemischen Elemente:<br />

s Aluminium, s Chlor, s Eisen, s Gold, s Kupfer, s Kalzium, s Radium, s Selenium, s Uran 10<br />

aber: r Phosphor, r Schwefel, r Sauerstoff [weil: der Stoff]<br />

(4) die Namen von physikalischen Einheiten, von Buchstaben, Noten, Farben und<br />

Sprachen:<br />

s Ampere, s Kilowatt; s Ypsilon; s Grün, s Rot; s Deutsche, s Slowakische<br />

(5) die Namen von Wasch- und Reinigungsmitteln:<br />

s Persil, s Omo, s Ariel, s Pril<br />

10 aber: der Uran (= Planet).


F<br />

F<br />

F<br />

F<br />

(6) die Namen der Kontinente, Länder, Inseln und Orte:<br />

(das schwarze) Afrika, das demokratische Westeuropa, (das moderne) Schweden, (das heutige)<br />

Tschechien, (das nördliche) Rügen, das (hunderttürmige) Prag, (das überbevölkerte)<br />

Tokio, s Elsass, sBurgenland, (das kämpferische) Tschetschenien, (das schöne)<br />

Thüringen<br />

aber: r Irak, r Iran, r Jemen, rKuwait, rLibanon, rPeloponnes, rSudan, rTschad; rBalkan,<br />

r Darß;<br />

e Antarktis, e Arktis; e Bretagne, e Champagne; e Dobrudscha, e Riviera; e Krim,<br />

e Lombardei, eMandschurei, eWachau, eLausitz, ePfalz, eProvence; eGobi, eSahara;<br />

e Mongolei, e Schweiz, e Slowakei, e (ehemalige) Sowjetunion, e Tschechei, e Türkei,<br />

e Ukraine; ebenso: e Europäische Union (EU);<br />

Einige Namen sind Pluraliatantum: e USA, e Niederlande; e Dar danellen, e Karpaten,<br />

e Kurilen.<br />

Aufgrund ihrer Form:<br />

1. Maskulina sind:<br />

(1) Deverbativa mit Nullsuffix:<br />

r Anzug, r Bau, r Betrieb, r Empfang, r Gang, r Lauf, r Rat, r Satz,<br />

r Schlag, r Sprung, r Trank<br />

(2) Substantive auf -er, -ler, -ner, -ig, -ling, -pf, -s:<br />

r Dampfer, r Lehrer, r Tischler, r Amerikaner; r Essig, r Pfennig; r Lehr ling, r Säug ling, r Zwilling;<br />

r Kampf, r Zopf; r Fuchs, r Schnaps, r Knirps<br />

(3) Fremdwörter auf -ant, -ent, -är, -et, -eur (-ör) 11 , -ist, -loge, -or, -us:<br />

r Demonstrant, r Student, r Millionär, r Athlet, r Ingenieur, r Artist, r Gynäkologe, r Doktor<br />

aber: s Genus<br />

2. Feminina sind:<br />

(1) Viele einsilbige Substantive:<br />

e Bank, e Gans, e Hand, e Kraft, e Last, e Magd, e Pacht, e Stadt, e Wand,<br />

e Not; e Kuh, e Nuss, e Schnur, e Wurst; e Braut, e Faust, e Haut, e Laus<br />

(2) Deverbativa auf –t:<br />

e Fahrt, e Macht, e Saat, e Bucht, e Flucht, e Gruft, e Kunst, e Sucht<br />

aber: r Dienst, r Durst, r Frost,; s Gift<br />

(2) die meisten Substantive auf -e:<br />

e Lampe, e Liebe, e Rose, e Tante; Aufgabe, Bleibe, Liege<br />

11 aber: das Interieur<br />

133


F<br />

F<br />

F<br />

F<br />

F<br />

134<br />

Grammatik<br />

aber: r Bote, r Glaube, r Hase, r Käse; s Ende, s Getreide<br />

(3) Substantive auf –ei (-ere,-elei), -heit, -keit, -igkeit, -schaft, -ung:<br />

e Bücherei, e Konditorei, e Malerei<br />

e Feinheit, e Freiheit, e Krankheit<br />

e Fähigkeit, e Geselligkeit, e Kleinigkeit<br />

e Eigenschaft, e Freundschaft, e Gesellschaft<br />

e Betreuung, e Haftung, e Zeitung<br />

(4) Fremdwörter auf -age, -anz, -ät, -ie, -ik, -ion, -ur:<br />

e Blamage, e Etage, e Sabotage; e Ambulanz; e Diät, e Fakultät, e Qualität; e Differenz,<br />

e Frequenz; e Galerie, e Kopie, ePatisserie; e Grammatik, eKlinik; e Konjugation, e Nation,<br />

e Dressur<br />

aber: s Genie, s Abitur, s Futur<br />

3. Neutra sind:<br />

(1) Diminutiva auf -chen und -lein; alle Substantiva mit den Ableitungssuffixen -icht<br />

und -tum:<br />

s Häuschen, s Mädchen; s Büchlein, s Kindlein, Vöglein; s Dickicht; s Fürstentum, s Eigentum<br />

aber: r Irrtum, r Reichtum (nur 2 Substantive!)<br />

(2) Kollektiva mit Ge -:<br />

s Gebäck, s Gebirge, s Gebüsch, s Gestirn, s Geäst<br />

aber: r Gebrauch, r Gedanke, r Gewinn; e Gebäre, e Gebühr, e Geburt, e Gebärde, e Geduld,<br />

e Gefahr, e Geschichte<br />

(3) substantivierte Infinitive:<br />

s Essen, s Gehen, s Geschehen, s Leben, s Sprechen, s Turnen<br />

(4) Fremdwörter auf -ett, -il, -in, -ma, -o, -(m)ent, -um:<br />

s Büfett, s Kabinett; s Ventil; s Benzin; s Dogma, s Drama, s Komma; s Kino, s Konto; s Dokument,<br />

s Engagement; s Zentrum<br />

aber: r Zement<br />

Namen der Sterne und Sternbilder haben dasselbe Genus wie das betreffende Wesen<br />

oder Ding, nach dem sie benannt sind:<br />

r Jupiter, r Saturn, r Drache, r Große Bär; e Kassiopeia, e Waage, e Venus; s Chamäleon, s Dreieck<br />

Wenn das Genus nicht festzustellen ist, steht meist das maskuline:<br />

r Algol, r Fomalhaut, r Sirius<br />

aber: e Wega, e Kapella, e Gemma, e Beteigeuze


Merke: Substantive auf -nis sind Neutra oder Feminina:<br />

e Besorgnis obava, e Empfängnis pocatie, e Erkenntnis poznatok, e Erlaubnis povolenie,<br />

e Kenntnis vedomost, e Wildnis divocina, e Wirrnis zmätok, s Ereignis udalost; Feminin<br />

sind einige vor allem im Plural gebrauchte Wörter auf –nis: e Ersparnis, e Erschwernis<br />

usw.<br />

s Bekenntnis priznanie, vyznanie, s Bedürfnis potreba, s Begräbnis pohreb, s Bündnis zväzok,<br />

pakt, s Ergebnis výsledok, s Erlebnis zážitok, s Erzeugnis výrobok, s Geheimnis tajomstvo,<br />

s Geständnis priznanie, s Hindernis prekážka, s Missverständnis nedorozumenie,<br />

s Zeugnis vysvedcenie usw.<br />

Die sechs Nomen mit Ge- + -nis sind immer Neutra: s Gefängnis väzenie, s Geheim nis tajomstvo,<br />

s Gedächtnis pamät , s Gelöbnis slávnostný slub, s Geschehnis udalost,<br />

s Geständnis priznanie.<br />

Nomina auf -nis mit dem Präfix Ver- sind Neutra: s Verhältnis pomer, s Verhängnis osud,<br />

s Verlöbnis zasnúbenie, s Vermächtnis odkaz, s Verständnis porozumenie, s Verzeichnis<br />

zoznam. Ausnahmen sind e Verderbnis skaza und e Verdammnis zatratenie. Beide haben<br />

eine spezifische religiöse Bedeutung.<br />

Substantive auf -mut sind maskulin (r Edelmut šlachetnost, ušlachtilost, r Freimut úprimnost,<br />

r Gleichmut vyrovnanost r Hochmut pýcha, namyslenost, r Missmut rozmrzenost,<br />

r Übermut – bujnost, samopašnost, r Unmut mrzutost, nevôla, r Wagemut odvaha, smelost)<br />

oder feminin (e Anmut pôvab, caro, e Armut chudoba, e Großmut velkorysost,<br />

e Langmut trpezlivost, zhovievavost, e Schwermut trudnomyselnost, zádumcivost,<br />

e Wehmut bôl, žial, zármutok).<br />

Schwankend ist das Genus der mit -meter zusammengesetzten Bezeichnungen für Maßeinheiten:<br />

der/das Millimeter, Kilometer, aber: r Geometer, r Gasometer; s Barometer,<br />

s Thermometer; Ebenso verhalten sich Zusammensetzungen mit -messer: r Landvermesser,<br />

r Geschwindigkeitsmesser (weil: die Geschwindigkeit messen), s Küchenmesser (das Messer)<br />

2.3.1.1 Doppeltes Genus<br />

Im Deutschen gibt es einige Substantive, die mit doppeltem Genus gebraucht werden.<br />

Wir können hier folgende Gruppen unterscheiden:<br />

(1) Schwankendes Genus. Es sind Substantive mit gleicher Form und gleicher Bedeutung,<br />

aber unterschiedlichem Genus:<br />

der/ selten die Abscheu<br />

das/der Barock<br />

der/das Bonbon<br />

der/das Dotter<br />

der/das Gulasch<br />

der/das Halfter<br />

der (Ö.)/das Joghurt<br />

der/das Katheder<br />

der/das Knäuel<br />

der (Ö.)/das Keks<br />

der/das Liter<br />

das/der Marzipan<br />

der/das Meter<br />

der/das Pony<br />

der/das Radar<br />

der/das Silo<br />

das/der Teil<br />

der/das Verhau<br />

das/der Zepter<br />

135


136<br />

Grammatik<br />

(2) Homonyme . Substantive mit gleicher Form, verschiedener Bedeutung und verschiedenem<br />

Genus. Die wichtigsten sind<br />

Singular:<br />

Plural:<br />

der Balg [Fell] Bälge koža<br />

das/der Balg [ungezogenes Kind] Bälge(r) fagan<br />

der Band [Buch] Bände zväzok<br />

die Band [Musikgruppe] Bands kapela, banda<br />

das Band [etwas zum Binden] Bande<br />

Bänder<br />

puto<br />

stuha, stužka<br />

der Bauer [Landwirt] Bauern rolník<br />

der/das Bauer [Käfig] Bauer klietka<br />

der Bulle [Stier] Bullen býk, bujak<br />

die Bulle [Urkunde] Bullen bula<br />

der Bund [Vereinigung] Bünde zväz(ok), spojivo, putá<br />

das Bund [etwas Gebundenes] Bunde zväzok, otep (slamy)<br />

der Erbe [Erbberechtigter] Erben dedic<br />

das Erbe [Erbgut] ∅ dedicstvo<br />

der Flur [Korridor] Flure chodba, predizba<br />

die Flur [Feld] Fluren niva, plán, pole<br />

der Gehalt [Wert] ∅ obsah, nápln<br />

das Gehalt [Lohn] Gehälter mzda, plat<br />

der Golf [Meeresbucht] Golfe záliv, zátoka<br />

das Golf [Golfspiel] ∅ golf<br />

der Heide [Nichtchrist] Heiden pohan<br />

die Heide [baumlose Ebene] Heiden pastvina, planina, step<br />

der Hut [Kopfbedeckung] Hüte klobúk<br />

die Hut [Vorsicht] ∅ ochrana, záštita<br />

der Junge [männliches Kind] Jungen chlapec<br />

das Junge [männliches Tier] Jungen mláda<br />

der Kiefer [Kieferknochen] Kiefer celust, sánka<br />

die Kiefer [Nadelbaum] Kiefern borovica<br />

der Kristall [Stoffform] Kristalle kryštál<br />

das Kristall [geschliffenes Glas] ∅ krištál, krištálové sklo<br />

der Kunde [Käufer] Kunden zákazník<br />

die Kunde [Nachricht] Kunden správa, zvest, novina<br />

der Leiter [Vorgesetzter] Leiter vedúci<br />

die Leiter [Gerät zum Steigen] Leitern rebrík<br />

der Mangel [Fehler] Mängel nedostatok<br />

die Mangel [Wäscherolle] Mangeln mangel<br />

die Mark [Währungseinheit] ∅ marka<br />

[Grenzland] Marken hranica, medza, pohranicie


das Mark [Knocheninneres] ∅ dren, kostná dren<br />

der Mast [Schiffbaum] Masten/ Maste stlp, žrd, stožiar<br />

die Mast [Intensivfütterung] ∅ výkrm, krmenie, krmivo<br />

der Moment [Augenblick] Momente okamih<br />

das Moment [Faktor] Momente moment, faktor, príc ina<br />

der Morgen [Tageszeit] ∅ ráno<br />

das Morgen [Zukunft] ∅ budúcnost<br />

der Pony [Frizur] Ponys ofina<br />

das Pony [kleines Pferd] Ponys pony, poník<br />

der Positiv [Adjektivform] ∅ pozitív (1. st. príd. mien)<br />

das Positiv [Photographie] Positive pozitív<br />

der Reis [Pflanze] ∅ ryža<br />

das Reis [Schössling] Reiser prútie<br />

der Schild [Schutzwaffe] Schilde štít, pavéza<br />

das Schild [Erkennungszeichen] Schilder vývesný štít, firemná tabula<br />

der See [Binnengewässer] Seen jazero<br />

die See [Meer] Seen more<br />

das Steuer [Lenkrad] Steuer volant, kormidlo<br />

die Steuer [Abgabe an den Staat] Steuern dan<br />

das Steuer [Lenkvorrichtung] Steuer volant<br />

der Stift [spitzes Schreibgerät] Stifte ceruza<br />

das Stift [geistliche Körperschaft] Stifte kláštor<br />

der Strauß [Vogelart]<br />

[Blumengebinde]<br />

Strauße<br />

Sträuße<br />

pštros<br />

kytica<br />

der Tau [Niederschlag] ∅ rosa<br />

das Tau [Seil] Taue lano<br />

der Tor [einfältiger Mensch] Toren blázon, hlupák<br />

das Tor [große Tür] Tore brána, vráta<br />

der Verdienst [Lohn] Verdienste zárobok<br />

das Verdienst [Leistung] Verdienste zásluha<br />

der Weise [kluger Mensch] Weisen mudrc<br />

die Weise [Methode, Manier] Weisen spôsob<br />

(3) Homonyme. Substantive mit gleicher Form, gleichem Genus und verschiedener<br />

Bedeutung. Die wichtigsten sind:<br />

r Akt, es, e<br />

r Ball, s, Bälle<br />

e Bank, Bänke<br />

dejstvo, akt<br />

lopta<br />

lavica<br />

r Akt, es, en<br />

r Ball, s, Bälle<br />

e Bank, -en<br />

das Tuch, es, e súkno s Tuch, es, "er šatka<br />

úradný spis<br />

ples<br />

banka<br />

(4) Substantive mit verschiedener Form, verschiedener Bedeutung und verschiedenem<br />

Genus:<br />

137


138<br />

Grammatik<br />

der Akt [Handlung]<br />

die Akte [Schriftstück]<br />

das Deck [Schiffsoberfläche]<br />

die Decke [zum Bedecken; obere Raumoberfläche<br />

das Etikett [Aufschrift]<br />

die Etikette [Umgangsformen]<br />

der Niet [Verbindungsstück]<br />

die Niete [fehllos]<br />

der Rabatt [Preisvergünstigung] die Rabatte [schmales Beet, Kleideraufschlag]<br />

das Rohr [Pflanzenteil; Hohlzylinder] die Röhre [Körperorgan, Geräteteil]<br />

der Spalt [schmale Öffnung]<br />

aber: die Gletscherspalte<br />

der Spross [Pflanzentrieb]<br />

der Streifen [Band]<br />

das Tablett [Geschirrbrett]<br />

der Typ [Eigenart, Gattung]<br />

die Spalte [Zeitungskolumne]<br />

die Sprosse [Teil der Leiter]<br />

die Streife [Patrouille]<br />

die Tablette [Medikament in Plätzchenform]<br />

die Type [gegossener Druckbuchstabe]<br />

2.3.2 Der Numerus des Substantivs<br />

Im Deutschen gibt es zwei Numeri: den Singular und den Plural. Der Singular (die<br />

Einzahl) drückt etwas einmal Vorhandenes, Ungegliedertes aus, der Plural (die<br />

Mehrzahl) dagegen etwas mehrfach Vo rhandenes, Gegliedertes.<br />

Einige Substantive können entsprechend ihrer Bedeutung nur im Singular (Sin gularetantum)<br />

oder nur im Plural (Pluraliatantum) stehen.<br />

Singulariatanten sind:<br />

• Stoffbezeichnungen: Gummi, Kupfer, Gold, Chlor, Sand; Bier, Mehl, Milch, Tee, Kaffee<br />

• Manche Sammelnamen (Kollektiva): Menschheit, Bevölkerung; Vieh, Wild; Obst, Gemüse;<br />

Zubehör<br />

• Manche Abstrakta: Fleiß, Mut, Absenz, Benehmen<br />

• Bestimmte Benennungen für Vorgänge: das Gähnen, das Lesen, das Gelächter,<br />

das Geschimpf(e).<br />

Wenn man einzelne Stoffarten und einige Abstrakta unterscheiden will, ist bei einigen<br />

Stoffnamen (besonders in der Fachsprache) eine Pluralform möglich. Dieser Plural<br />

kann oft mit anderen lexikalischen Mitteln (meist durch Wortbildung) ausgedrückt<br />

werden:<br />

r Bau Bauten stavba – budovy<br />

e Bevölkerung Bevölkerungsschicht, Bevölkerungsschichten<br />

obyvatelstvo – vrstva/vrstvy obyvatelstva<br />

s Fleisch Fleischwaren mäso – mäsové výrobky<br />

s Gepäck Gepäckstücke batožina<br />

s Getreide Getreidekorn, Getreidekörner obilné zrno/zrná<br />

s Holz Holzart, Holzarten druh dreva<br />

s Obst Obstart, Obstarten ovocie – druhy ovocia<br />

r Regen Regenfälle dážd – dažde, zrážky


Schmuck Schmucksachen ozdoba – šperky<br />

r Schnee Schneemassen sneh – sneženie<br />

r Wein Weinsorten víno – druhy vína<br />

r Weizen<br />

Weizensorten;<br />

Weizenkörner<br />

(Die Pluralformen Hölzer, Weine sind auch mö glich)<br />

pšenica – druhy pšenice<br />

pšenicné zrnká<br />

Ebenso sind bei manchen Abstrakta pluralfähige Nebenformen möglich:<br />

s Alter Altersstufe / Altersstufen vek<br />

r Ärger Ärgernis / Ärgernisse zlost, pohoršenie<br />

e Furcht Befürchtungen strach – obavy<br />

r Beruf Berufsarten povolanie – druhy povolania<br />

s Bestreben Bestrebungen úsilie – snahy<br />

r Betrug Betrügereien podvod – podvádzanie<br />

r Dank Danksagung / Danksagungen vdaka, vdakyvzdanie<br />

r Kummer Kümmernisse žial, starost – starosti, obavy<br />

s Lob Lobsprüche chvála – pochvalné výroky<br />

r Rat Ratschlag / Ratschläge rada – rady, návrhy<br />

r Streit Streitigkeit / Streitigkeiten spor – hádky, škriepky<br />

r Tod Todesfälle smrt – úmrtia<br />

s Unglück Unglücksfall / Unglücksfälle neštastie – nehody<br />

r Verdacht Verdachtsmoment / Verdachtsmomente; podozrenie<br />

Verdachtsfall/Verdachtsfälle<br />

s Vergnügen Vergnügung/Vergnügungen zábava – zábavy, zábavné podujatia<br />

s Verhalten Verhaltensweise / Verhaltensweisen správanie, spôsob správania<br />

r Zank Zänkereien zvada – škriepky<br />

• die Eigennamen:<br />

Thomas Mann, Friedrich Schiller, Faust, Prag, Dresden, Jena, Schillers »Räuber«, das<br />

Rennpferd Ajax<br />

Eigennamen werden im Plural dann gebraucht, wenn es sich um mehrere Vertre ter<br />

des gleichen Namens handelt:<br />

die Müllers, die Habsburger, die beiden Amerika<br />

Pluraliatantum sind:<br />

Substantive, die nur im Plural stehen können, z.B.:<br />

• einige geographische Bezeichnungen:<br />

Alpen, Anden, Antillen, Hebriden, Karpaten; Niederlande, USA; Azoren<br />

• Personenbezeichnungen:<br />

Eltern, Gebrüder, Geschwister, Leute<br />

139


140<br />

• manche Bezeichnungen für Zeiträume:<br />

Grammatik<br />

Ferien, Weihnachten 12 , Ostern, Flitterwochen, Pfing sten<br />

• manche Krankheitsbezeichnungen:<br />

Blattern, Masern, Pocken, Röteln<br />

• Sammelbegriffe in Handel und Wirtschaft:<br />

Chemikalien, Kurzwaren, Lebensmittel, Rauchwaren, Möbel, Spirituosen<br />

• kaufmännische Begriffe:<br />

Aktiva, Passiva, Alimente, Einkünfte, Finanzen, Immobilien, Kosten, Personalien, Spesen, Tagegelder,<br />

Unkosten, Zinsen<br />

• sonstige Substantive:<br />

Ränke, Schliche, Umtriebe; Gliedmaßen, Makkaroni, Memoiren, Realien, Shorts, Spaghetti, Tropen,<br />

Trümmer<br />

Das deutsche Pluraliatantum Geschwister kommt im Slowakischen sowohl im Singular<br />

als auch im Plural vor (súrodenec, súrodenci).<br />

Viele slowakische Pluraliatantum sind im Deutschen einfache Substantive, also keine<br />

Pluraliatantum. Die wichtigsten sind folgende:<br />

dvere<br />

hodiny<br />

kliešte<br />

noviny<br />

nožnice<br />

pl úca<br />

prsia<br />

sane<br />

ústa<br />

vráta<br />

e Tür<br />

e Uhr<br />

e Zange<br />

e Zeitung<br />

e Schere<br />

e Lunge<br />

e Brust<br />

r Schlitten<br />

r Mund<br />

s Tor<br />

peniaze<br />

šaty<br />

okuliare<br />

meniny<br />

nohavice<br />

husle<br />

fúzy<br />

dejiny<br />

kvasnice<br />

s Geld<br />

s Kleid<br />

e Brille<br />

r Namenstag<br />

e Hose<br />

e Violine, e Geige<br />

r Schnurrbart<br />

e Geschichte<br />

e Hefe<br />

2.3.2.1 Die Formen des Plurals im Deutschen<br />

Die Deklination im Plural ist im Deutschen sehr einfach, da nur der Dativ die Flexionsendung<br />

-n enthält. Diese Flexionsendung wird an den Nominativ des Plurals angefügt.<br />

Wenn aber der Nominativ Plural auf -n oder -s ausgeht bzw. fremde Pluralmorpheme<br />

erhält, entfällt das Kennzeichen -n des Dativs.<br />

Nach der Art der Pluralbildung, d.h. der Bildung des Nominativs im Plural, können<br />

wir die Substantive in fünf Gruppen einteilen:<br />

12 aber: Weihnachten ist schön. Auch „die Weihnacht“: Jemandem eine gesegnete<br />

Weihnacht wünschen.


F<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Typ 1 Typ 2 Typ 3 Typ 4 Typ 5<br />

ohne Umlaut<br />

Suffix -O -e -er -en -s<br />

die Lehrer<br />

der Lehrer<br />

den Lehrern<br />

die Lehrer<br />

mit Umlaut<br />

die Vögel<br />

der Vögel<br />

den Vögeln<br />

die Vögel<br />

die Tage<br />

der Tage<br />

den Tagen<br />

die Tage<br />

die Bäche<br />

der Bäche<br />

den Bächen<br />

die Bäche<br />

die Lieder<br />

der Lieder<br />

den Liedern<br />

die Lieder<br />

die Männer<br />

der Männer<br />

den Männern<br />

die Männer<br />

die Frauen<br />

der Frauen<br />

den Frauen<br />

die Frauen<br />

(die Schäden)<br />

(der Schäden)<br />

(den Schäden)<br />

(die Schäden)<br />

die Parks<br />

der Parks<br />

den Parks<br />

die Parks<br />

Typ 1. Ohne Endung (bei umlautfähigem Stammvokal mit/ohne Umlaut. Zu dieser<br />

Gruppe gehören:<br />

a) die meisten Maskulina auf -el, -en, -er:<br />

ohne Umlaut:<br />

Tadel, Hobel, Strudel, Tunnel<br />

Balken, Braten, Haken, Schatten, Wagen; Groschen, Kolben, Kno chen, Posten; Kuchen,<br />

Schuppen; Daumen, Gaumen; Anker, Ad ler, Bagger, Dampfer; Donner, Koffer, Sommer<br />

mit Umlaut: (22 Substantive):<br />

Apfel [Plural: Äpfel], Handel, Nagel, Mangel, Mantel, Sattel, Schnabel, Vogel; Faden,<br />

Garten, Graben, Hafen, Kasten, Laden, Schade(n), Boden, Bogen 13 , Ofen; Acker, Hammer,<br />

Schwager, Vater; Bruder<br />

bei nicht-umlautfähigem Stammvokal:<br />

Ärmel, Bügel, Deckel, Esel, Kessel, Spiegel; Besen, Felsen; Finger, Fehler, Leiter<br />

Ausnahmen sind:<br />

r Bauer, s(n), n; r Bayer, n, n; r Gevatter, s, n; r Hader 14 , s, n; r Muskel, s, n; r Stachel,<br />

s, n; r Vetter, s, n; r Lorbeer, s, en<br />

b) zwei Feminina:<br />

die Mutter (die Mütter), die Tochter (die Töchter)<br />

aber: die Muttern (= umschließender Teil einer Schraube, slow. matice)<br />

c) Neutra auf -el, -en, -er; -chen, -lein, -sel:<br />

ohne Umlaut:<br />

Kabel, Mittel, Schnitzel; Becken, Eisen, Kissen, Zeichen; Fenster, Gewässer, Lager, Messer;<br />

Häuschen; Büchlein; Streusel<br />

mit Umlaut:<br />

Kloster (Pl. Klöster)<br />

141<br />

13 die Pluralformen von r Bogen: Bögen = oblúky (mostové), die Bogen = hárky papiera<br />

14 r Hader, Pl. e Hadern = handra, süddeutsch/österreichisch


F<br />

142<br />

Grammatik<br />

d) Substantive mit dem Präfix Ge-, die auf -e enden:<br />

das Gebäude (Plural: die Gebäude), das Gebirge (die Gebirge)<br />

Typ 2. Suffix -e<br />

a) Einsilbige Maskulina mit nicht-umlautfähigem Stammvokal:<br />

Berg, Brief, Film, Fisch, Schritt, Dieb, Freund<br />

Mit umlautfähigem Stammvokal (etwa 230 Substantive):<br />

Arzt, Ast, Bach, Ball, Draht, Fall, Gast, Hals, Kamm, Kampf, Platz, Saal (Pl. Säle), Satz, Schrank,<br />

Schwanz, Stall; Bock, Frosch, Frost, Hof, Korb, Rock, Sohn, Stock, Ton; Busch, Duft, Fluss, Grund,<br />

Hut, Krug, Kuss, Schluss, Strumpf, Stuhl, Wunsch, Zug; Baum, Brauch, Kauf, Lauf, Schlauch, Traum,<br />

Zaun<br />

Ohne Umlaut:<br />

Aal, Arm, Fund, Grad, Halm, Tag; Bord, Docht, Dolch, Dom, Mond, Mord, Stoff, Thron, Tod; Flur,<br />

Huf, Hund, Punkt, Ruf, Schuh<br />

Mehrsilbige Maskulina:<br />

Mit umlautfähigem Stammvokal:<br />

Mit Umlaut:<br />

Anfang, Anlas, Antrag, Betrag, Einwand, Verstoß; Ausdruck, Genus, Geruch<br />

Ohne Umlaut:<br />

Abend, Monat, Erfolg, Besuch, Verlust, Versuch<br />

Mit nicht-umlautfähigem Stammvokal:<br />

Kürbis, Bericht, Entscheid, Vergleich<br />

Wörter, die auf -ig und -ling enden:<br />

König, Lehrling, Liebling<br />

c) Etwa 40 einsilbige Feminina mit Umlaut:<br />

Angst, Axt, Bank, Gans, Hand, Kraft, Macht, Magd, Nacht, Naht, Stadt, Wand;<br />

Not;<br />

Frucht, Gruft, Gunst, Kluft, Kuh, Kunst, Luft, Lust, Nuss, Schnur, Sucht, Wurst, Zunft;<br />

Braut, Faust, Haut, Laus, Maus, Sau<br />

Merke: Hand – Hände, aber: von Handen gehen (íst od ruky)<br />

Bank – Banken = banky<br />

Macht – Mächte 15<br />

Nacht – Nächte, aber: Weihnachten<br />

15 aber: Vollmachten = plné moci


Einige mehrsilbige Substantive:<br />

Ankunft, Ausflucht (aber: Flucht, -en), Geschwulst, Herkunft, Unter kunft, Zusammenkunft<br />

d) Einsilbige Neutra ohne Umlaut:<br />

Bein, Beil, Blech, Boot, Fest, Gas, Gift, Haar, Jahr, Kreuz, Kinn, Maß, Meer, Moor, Netz, Paar, Pferd,<br />

Pfund, Pult, Reh, Reich, Rohr, Salz, Schaf, Schiff, Schwein, Seil, Spiel, Stück, Tier, Tor, Werk, Zelt,<br />

Ziel<br />

Mit Umlaut nur: Chor – Chöre, Floß – Flöße<br />

Einige mehrsilbige Wörter:<br />

Besteck, Beispiel, Gebiet, Gedicht, Gefühl, Gepäck, Gebot, Gefühl, Gelenk, Gepäck, Geschäft, Geschenk,<br />

Gesetz, Getränk, Jahrzehnt, Merkmal, Metall, Organ, Urteil, Verbot, Verdienst, Verhör<br />

Wörter fremder Herkunft:<br />

Ideal, Exemplar, Objekt, Paket, Problem, Prozent, Talent<br />

Feminina und Neutra auf -nis (mit Verdopplung des s) und auf -sal:<br />

e Kenntnis – Kenntnisse; s Ergebnis – Ergebnisse, s Verhältnis – Ver hältnisse, s Zeugnis – Zeugnisse;<br />

s Schicksal, -e<br />

Typ 3. Suffix -er<br />

a) Einige Maskulina:<br />

Mit Umlaut (11):<br />

Dorn, 16 Gott, Mann, Mund, Ort (Plural auch Orte), Rand, Strauch, Wald, Wurm, Irrtum, Reichtum<br />

Ohne Umlaut (3): Geist, Leib, Schi (Ski)<br />

b) Keine Feminina<br />

c) Einsilbige Neutra:<br />

Ohne Umlaut (22):<br />

Bild, Brett, Ei, Feld, Geld, Glied, Kind, Kleid, Licht, Lid, Lied, Nest, Reis (= prút), Rind, Schild,<br />

Schwert, Weib<br />

außerdem: Gemüt, Geschlecht, Gesicht, Gespenst<br />

Mit Umlaut (39 Wörter):<br />

Amt, Bad, Band, Blatt, Buch, Dach, Dorf, Fach, Fas, Glas, Grab, Gras, Gut, Haupt, Haus, Holz, Horn,<br />

Huhn, Kalb, Korn, Kraut, Lamm, Land, Loch, Mahl (auch: Mahle), Maul, Pfand, Rad, Schloss, Tal,<br />

Tuch 17 , Volk, Wams, Wort 18<br />

143<br />

16 Dorn hat zwei Pluralformen: Dornen und seltener Dörner. In der Sprache der Technik ist<br />

auch die Pluralform Dorne (= trn, prebíjac, bodec) möglich.<br />

17 aber: Tuche = látky<br />

18 aber: Worte = slová


F<br />

144<br />

Grammatik<br />

außerdem: Denkmal, Gehalt, Gemacht, Gewand, Spital<br />

Maskulina und Neutra auf -tum:<br />

r Reichtum, r Irrtum; s Eigentum, s Fürstentum<br />

Typ 4: -en / -n<br />

a) Maskulina der sog. »schwachen« Deklination und des Mischtyps:<br />

Substantive auf -e, die Lebewesen bezeichnen:<br />

Bote, Erbe, Junge, Kunde, Affe, Bulle, Hase, Falke, Löwe; Biologe, Chinese, Russe, Slowake, Tscheche,<br />

Vietnamese<br />

Substantive auf -ant, -ent, -ist, -at, -et, -om u.a.:<br />

Demonstrant, Emigrant; Absolvent, Präsident, Student; Chauvinist, Nationalist, Polizist, Populist;<br />

Adressat, Bürokrat; Päderast<br />

Athlet, Poet, Prophet, Planet;<br />

Agronom, Ökonom;<br />

Doktorand, Stenograph, Chirurg, Pilot, Vagabund, Päderast u.a.<br />

Substantive mit konsonantischem Auslaut der sog. »schwachen« Deklination:<br />

Bär, Christ, Fürst, Held, Herr, Hirt, Mensch, Narr, Prinz, Zar, Soldat, Leopard, Papagei, Polyp<br />

Folgende Maskulina des Singulartyps 1:<br />

Dorn, Fleck, Lorbeer, Mast, Muskel, Nerv, Pantoffel, Pfau, Schmerz, Schreck, See, Staat, Stachel,<br />

Strahl, Typ, Untertan, Vetter<br />

Doppelformen (9 Substantive):<br />

Gebräuchliche Formen seltene, ältere Formen<br />

Frieden Friede (kein Plural) pokoj, mier<br />

Funke Funken iskra<br />

Gedanke Gedanken myšlienka<br />

Glaube (kein Plural) Glauben viera<br />

Haufen Haufe (dichterisch) kopa<br />

Name Namen meno<br />

Samen Same semeno<br />

Schaden (Pl. Schäden) Schade (archaisch) škoda<br />

Wille Willen vôla<br />

Die »Mischtypen» (Genitiv -s, Plural -en; 20 Wörter):<br />

Ahn, Dorn, Hader, Lorbeer, Mast, Muskel, Nerv, Pantoffel, Pfau, Schmerz, Schreck, See, Staat, Stachel,<br />

Strahl, Typ, Untertan, Vetter, Zins<br />

aber: r Hader, s/ø = hádka, Fleck (Flecke auch Flecken)


Fremdwörter auf -or, -us, -(is)mus:<br />

Autor, Doktor, Professor; Diskus 19 , Mythus; Kapitalismus, Organismus<br />

b) Die meisten Feminina – mit einer Gruppe einsilbiger Wörter:<br />

Bahn, Frau, Uhr, Welt, Kindheit, Mannschaft, Vertretung<br />

c) Sieben Neutra:<br />

Auge, Bett, Ende, Hemd, Herz, Leid, Ohr<br />

Typ 5: -s<br />

a) Viele Fremdwörter, besonders aus dem Englischen und Französischen:<br />

r Boy, r Park, s Girl, s Team; s Appartement, s Niveau, s Tableau, s Tablett<br />

b) Substantive, die auf Vokale enden (außer -e):<br />

s Echo, s Foto, s Motto, r Zoo; r Paprika, rPyjama, rWodka, r Opa, e Oma, e Sofa, eKobra,<br />

s Zebra; r Uhu; r Attaché, s Café, s Komitee, s Resümee; r Kolibri, r Vati, eMutti, s Alibi, s Taxi;<br />

r Kakadu; s Regime, s Atelier, s Milieu<br />

u.a.<br />

c) Kurzwörter:<br />

r Akku, e Lok, e Mutti, r Pulli, r Vati; r Lkw, r Pkw<br />

d) Einige Wörter aus der Seemannsprache und Meteorologie:<br />

s Deck, s Haff (Pl. Haffs oder Haffe) r Pier, s Wrack; s Hoch, s Tief<br />

e) Familiennamen, wenn sie die ganze Familie bezeichnen:<br />

die Müllers (= die Familie Müller), die Schulzens (= die Familie Schulze)<br />

f) Umgangssprachliche Formen sind:<br />

Jungens, Jungs (Standard: die Jungen), die Kerls (= Kerle), Kumpels (Kum pel), Onkels (Onkel),<br />

Fräuleins (Fräulein), Mädels (Mädel)<br />

Maskulina und Neutra, die Menge, Maß und Gewicht bezeichnen, bleiben nach Zahlwörtern<br />

– im Gegensatz zum Slowakischen – endungslos:<br />

zwei Glas Bier<br />

fünf Stück Seife<br />

zwei Paar Schuhe<br />

zweiunddreißig Grad Wärme<br />

dreißig Mann Besatzung<br />

zwei Pfund Fleisch<br />

dva poháre piva<br />

pät kusov mydla<br />

dva páry topánok<br />

tridsatdva stupnov tepla<br />

tridsat mužov posádky<br />

kilo mäsa<br />

145<br />

19 Plural: Disken oder Diskusse.


F<br />

146<br />

Grammatik<br />

Feminina als Maß- und Mengenbezeichnungen werden meist in den Plural gesetzt:<br />

drei Flaschen Wein<br />

fünf Tassen Kaffee<br />

zwei Franken (Schweiz)<br />

tri flaše vína<br />

pät šálok kávy<br />

dva franky (švajciarske)<br />

aber: um fünf Uhr, zehn Mark (auch zehn Marken)<br />

2.3.2.2 Pluralbildung der Fremdwörter<br />

Außer den oben genannten Möglichkeiten sind, besonders in der Fachsprache, die ursprünglichen<br />

Pluralformen erhalten geblieben. Die wichtigsten Suffixe fre mder Herkunft<br />

sind:<br />

-a: s Abstraktum – Abstrakta, s Lexikon – Lexika/Lexikons, s Prak tikum – Praktika/Praktiken,<br />

s Verbum – Verba/Verben, s Visum – Visa Visen;<br />

-a: (mit Vokaländerung): s Genus – Genera, s Opus – Opera, s Tempus – Tempora,<br />

s Pronomen – Pronomina/Pronomen;<br />

-es: (mit Vokaländerung): r Index – Indizes/Indexe, e Varix – Varizes/Varizen;<br />

-i: s Intermezzo – Intermezzi, rModus – Modi, r Musikus – Musici, sSoli – Soli,<br />

r Terminus – Termini, s Tempo – Tempi/Tempos<br />

-ien: s Adverb – Adverbien, sFossil – Fossilien, sMaterial – Materialien, s Prinzip –<br />

Prinzipien<br />

-ta: s Stigma – Stigmata/Stigmen, sSyntagma – Syntagmata/Syntagmen, sThema –<br />

Themen /Themata<br />

2.3.3 Der Kasus<br />

Der Kasus dient der syntaktischen Verknüpfung von Wörtern im Satz. Man unterscheidet<br />

den:<br />

• reinen Kasus und<br />

• präpositionalen Kasus<br />

Das Kind ist da.<br />

Die Eltern des Kindes sind verreist.<br />

Er schreibt seinem Bruder einen Brief.<br />

Wir warten auf euch.<br />

Im Deutschen werden vier reine Kasus unterschieden:<br />

• der Nominativ,<br />

• der Genitiv,<br />

• der Dativ und<br />

• der Akkusativ<br />

(Nominativ)<br />

(Nominativ, Genitiv)<br />

(Dativ, Akkusativ)<br />

(präpositionaler Kasus)


Formal gesehen gibt es zwischen dem Nominativ und Akkusativ nur im Maskulinum<br />

einen Unterschied. Der Nominativ und der Akkusativ der Feminina und der Neutra<br />

sind formal identisch.<br />

In der deutschen Sprache der Gegenwart werden die präpositionalen Kasus immer<br />

häufiger gebraucht.<br />

Er schreibt seinem Freund einen Brief.<br />

Den Brief schreibt er an seinen Freund.<br />

2.4 Deklinationsarten<br />

In den folgenden Deklinationstabellen werden nur Kasusmorpheme für die Darstellung<br />

herangezogen.<br />

Im Singular kann man folgende Hauptarten feststellen:<br />

Hauptarten<br />

Stark schwach ∅-Deklination<br />

Maskulina Neutra Maskulina Feminina<br />

N. der Tag das Glück der Hase die Frau<br />

G. des Tages des Glücks des Hasen der Frau<br />

D. dem Tag(e) dem Glück dem Hasen der Frau<br />

A. den Tag das Glück den Hasen die Frau<br />

die meisten Maskulina,<br />

alle Neutra<br />

einige Maskulina,<br />

viele Fremdwörter) 20<br />

alle Feminina,<br />

wenige Maskulina,<br />

Wörter auf -ismus)<br />

Bei den starken Maskulina und bei Neutra erscheint im Genitiv das Kasusmorphem -(e)s:<br />

des Vaters, des Waldes, des Tages; des Kindes, des Hauses<br />

Bei den schwachen Maskulina erscheint die Kasusendung -(e)n. Zu dieser Gruppe<br />

gehören Substantive, wie:<br />

r Bär, r Bauer, r Christ, r Fink, r Fürst, r Graf, r Held, r Hirt, r Herr, r Leopard, r Narr, r Mensch,<br />

r Nachbar, r Narr, r Prinz, r Spatz, r Zar<br />

Zur schwachen Deklination gehören Substantive, die auf –ad, -ant, -e, -ent, -et, -ik,<br />

-oph und -ist enden:<br />

r Kamerad, r Adjutant, r Demonstrant, r Frequentant; r Pole, r Slowake, r Tscheche;<br />

r Gynäkologe, r Pädagoge; r Dirigent, r Präsident, r Student; r Athlet, r Poet; r Katholik;<br />

r Anarchist, r Maschinist, r Populist, r Sozialist<br />

und einige Sachnamen:<br />

r Automat, r Planet, r Diamant, r Telegraf, r Erdtrabant, r Telegraf, r Komet, r Satellit<br />

147<br />

20 Nach Sommerfeldt, K.E., Starke, G. S. 116.


148<br />

Grammatik<br />

Eine besondere Gruppe bilden neun Substantive. Sie werden nach folgendem Muster<br />

dekliniert:<br />

Singular Plural<br />

N. der Name(n) die Namen<br />

G. des Namens der Namen<br />

D. dem Namen den Namen<br />

A. den Namen die Namen<br />

Unregelmäßig wird auch das Wort das Herz dekliniert:<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Singular<br />

das Herz<br />

des Herzens<br />

dem Herz(en)<br />

das Herz<br />

Plural<br />

die Herzen<br />

der Herzen<br />

den Herzen<br />

die Herzen<br />

Die Form im Dativ dem Herzen ist gegenüber der Form dem Herz gehoben; die Form<br />

dem Herz ist alltäglicher.<br />

Bei Fremdwörtern auf -s, -ß, -x und -st wird der Genitiv formal nur bei Eindeutschung<br />

auf -es (des Komplexes, des Prozesses) markiert. Doppelformen weisen<br />

folgende Substantive auf:<br />

des Atlas/Atlasses, des Index/Indexes, des Elektrolyts/ Elektrolyten, des Kakerlaks/ Kakerlaken,<br />

des Magnets/Mag neten, des Papageis/Papageien, des Partisans/Partisanen, des Satyrs/Satyrn,<br />

des Tribuns/Tribunen, des Triumvirs/ Triumvirn<br />

2.4.1.1 Deklination substantivierter Partizipien und substantivierter<br />

Adjektive<br />

Bei der Deklination substantivierter Partizipien nach Adjektiven, Possessivpronomen<br />

und adjektivisch gebrauchten Zahlwörtern ist folgendes zu beachten:<br />

kein Kranker keine Kranken<br />

unser Reisender unsere Reisenden<br />

ein Beauftragter ø ø<br />

ø Beauftragte<br />

zwei Arbeitende<br />

vier Reisende<br />

einige Kranke<br />

viele Erzählende<br />

der Beauftragte die Beauftragten<br />

Reisende<br />

Reisenden


2.5 Deklination der Eigennamen<br />

149<br />

F<br />

2.5.1 Personennamen<br />

a) Personennamen haben meistens Nullartikel. Als Attribut stehen sie im Genitiv mit<br />

der Endung -s oder im Dativ mit der Präposition von:<br />

Wir lesen die Gedichte Bertolt Brechts.<br />

Wir lesen Bertolt Brechts Gedichte.<br />

Wir lesen die Gedichte von Bertolt Brecht.<br />

b) Im Singular bilden sie den Genitiv mit -s, wenn der Name noch nicht durch ein<br />

vorhergehendes Wort als Genitiv gekennzeichnet ist:<br />

die Ermordung Caesars, die Gegner Octavians<br />

die Eltern Gretels<br />

die prätentiöse Rhetorik Catos<br />

der Vater Karl-Joachims<br />

Wir lesen Peters Briefe.<br />

Lehrer Müllers Unterricht, der Unterricht Lehrer Müllers<br />

aber: der Unterricht des Lehrers Müller<br />

Bei mehreren Namen einer Person erhält – im Gegensatz zum Slowakischen –nur der<br />

letzte eine Endung:<br />

die Fugen Johann Sebastian Bachs Fúgy Johanna Sebastiana Bacha<br />

Thomas Bernhards ’Heldenplatz’<br />

Personennamen mit vorangestelltem Adjektiv stehen heute meist ohne -s:<br />

Die Gedichte des jungen Bertolt Brecht<br />

Die Leiden des jungen Werther<br />

Goethe selbst schrieb: Die Leiden des jungen Werthers<br />

Der Genitiv kann durch Umschreibung mit Präposition ersetzt werden:<br />

der Brief von Irene<br />

Romane von Agatha Christie<br />

Bei Familiennamen mit Präposition erhält in der Regel der Familienname eine Flexionsendung:<br />

die Opern Carl Maria von Webers<br />

Wird der Beiname noch deutlich als Ortsname empfunden, dann dekliniert man den<br />

Vornamen:<br />

der Parzival Wolframs von Eschenbach<br />

die Gedichte Walters von der Vogelweide<br />

die Anschrift Alfreds zur Mühlen


150<br />

Grammatik<br />

Personennamen auf -s, -z, -x stehen im vorangestellten Genitiv ohne Endungs-s −<br />

geschrieben mit Apostroph − oder im Dativ mit von:<br />

Wir lesen Hans Sachs’ Schwänke.<br />

Wir lesen die Schwänke von Hans Sachs.<br />

Ich lese den Brief von Thomas.<br />

c) Für Personennamen im Plural gilt folgendes:<br />

Die weiblichen Vornamen mit -e bilden den Plural mit -en:<br />

die Lotten, die Hilden, die Marien<br />

Alle anderen weiblichen und auch männlichen Vornamen auf Vokal hängen -s an:<br />

Zwei Annas, vier Irmgards, zwei Ruths, zwei Bettis und drei Andreas besuchen die vierte Klasse.<br />

Männliche Vornamen, die auf Konsonanten enden, hängen -s an oder bleiben endungslos:<br />

die Wilhelms, die Werner, die Klaus<br />

Familiennamen erhalten im Plural ein -s, können aber auch undekliniert bleiben. Ohne<br />

Artikel müssen sie ein -s erhalten:<br />

die Grimm(s), die Müller(s), die Huber(s), die Hebbel, die Fiedler<br />

Müllers und Hubers besuchen uns am Sonntag.<br />

Namen fremder Herkunft, insbesondere die aus dem Altgriechischen und Lateinischen,<br />

behalten in religiösen Texten häufig ursprünglichen Kasusendungen bei:<br />

die Himmelfahrt Mariens neben Mariae Himmelfahrt<br />

Himmelfahrt Jesu und Krönung Mariä<br />

2.5.2 Geographische (erdkundliche) Namen<br />

Bei erdkundlichen Namen schwankt die Setzung des Genitiv -s. Es ist zu setzen bei<br />

artikellosen Namen, aber auch bei solchen Namen steht er mit Artikel (Maskulina<br />

und Neutra):<br />

die Ufer des Rhein(s)<br />

die Wirtschaft Österreichs, die Binnengewässer Finnlands<br />

die Größe Asiens, innerhalb Europas, der Waldreichtum Thüringens<br />

innerhalb Wiens, er wohnt südlich Berlins, oberhalb Dresdens, einschließlich Passaus<br />

Fremde erdkundliche Namen nehmen ein Genitiv -s nur an, wenn sie eingedeutscht<br />

sind oder häufig verwendet werden:<br />

des Tibers, des Nil(s), die Bewohner des Irak (Iraks)<br />

der Kiefernwald des Darß<br />

Das Plural-s wird heute meist abgestoßen:


F<br />

die beiden Frankfurt<br />

die zwei Amerika<br />

Nach Adjektiven, die eine Himmelsrichtung bezeichnen, steht meistens der Ge nitiv<br />

mit -s oder es steht von + Dativ:<br />

er wohnt südlich Wiens oder Wien<br />

er wohnt südlich von Wien<br />

Bei Namen auf -s, -ß, -z, -x wird gewöhnlich der Genitiv mit von + Dativ umschrieben,<br />

oder es wird die Gattungsbezeichnung vor den Namen gesetzt:<br />

die Sehenswürdigkeiten von Paris<br />

die Sehenswürdigkeiten der Stadt Paris<br />

die Pariser Sehenswürdigkeiten<br />

Völkernamen<br />

Völkernamen enden im Nominativ Singular in der Regel auf -e oder -er.<br />

der Pole, der Russe, der Slowake; der Chinese, der Vietnamese; der Indianer, der Spanier<br />

Völkernamen auf -e werden schwach dekliniert; auch im Plural haben sie die Endung<br />

-n:<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Singular<br />

der Franzose<br />

des Franzosen<br />

dem Franzosen<br />

den Franzosen<br />

Plural<br />

die Franzosen<br />

der Franzosen<br />

den Franzosen<br />

die Franzosen<br />

Völkernamen, die auf -er enden, haben im Genitiv ein -s, in allen anderen Kasus und<br />

im Plural (außer dem Dativ Plural) sind sie endungslos:<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Singular<br />

der Römer<br />

des Römers<br />

dem Römer<br />

den Römer<br />

Plural<br />

die Römer<br />

der Römer<br />

den Römern<br />

die Römer<br />

aber: der Bayer, des Bayern, dem Bayern, den Bayern, die Bayern; der Ungar, des Ungarn, dem<br />

Ungarn, den Ungarn, die Ungarn<br />

Fremde Völkernamen, die auf einen Vokal enden, bilden den Genitiv Singular und<br />

den Plural mit oder ohne -s:<br />

des Bantu(s), die Bantu(s); des Eskimo(s), die Eskimo(s); des Papua(s), die Papua(s); des Zulu(s),<br />

die Zulu(s)<br />

151


152<br />

Buchtitel und Gebäudenamen:<br />

Grammatik<br />

Titel von Büchern, Dichtungen, Zeitungen und Gebäudenamen müssen ebenfalls dekliniert<br />

werden:<br />

die Vertonung des »Erlkönigs«; die Redaktion des »Kuriers«; in den »Vier Jahreszeiten« (= Hotel<br />

in München)<br />

Bei vorangehenden Verfassernamen fällt ein zum Titel gehörender Artikel weg:<br />

Kleists »Zerbrochener Krug«; Grillparzers »Armer Spielmann«<br />

Will man den Titel nicht „verletzen“, dann muss ein Appellativum vorangestellt werden:<br />

Ausschnitte aus Grillparzers »Der Arme Spielmann«; im Hotel »Vier Jahreszeiten«<br />

2.6 Valenzmodelle der Substantivgruppe<br />

Das Substantiv als Teil des nominalen Prädikats ist Valenzträger des Satzes, in anderen<br />

syntaktischen Rollen als Kern einer Wortgruppe ist es ebenfalls Valenzträger.<br />

Mit anderen Worten: die vom Substantiv eröffneten Leerstellen können mit unterschiedlichen<br />

sprachlichen Mittel besetzt werden. Die wichtigsten sprachlichen Mittel<br />

dafür sind folgende: 21<br />

• Substantiv im Genitiv<br />

• präpositionales Substantiv<br />

• Possessivpronomen<br />

• relatives Adjektiv<br />

• Infinitivgruppe<br />

• Nebensatz<br />

2.6.1.1 Substantiv im Genitiv<br />

Der Genitiv kann verschiedene semantische Rollen repräsentieren, wie z.B.:<br />

• Träger des Geschehens: die Arbeit des Hausmeisters<br />

• Träger eines Vorganges: das Fallen der Blätter<br />

• Träger eines Zustandes: der Schlaf des Jungen, der Stolz des<br />

Sportlers auf seinen Sieg<br />

• Ziel einer Tätigkeit: die Verabschiedung des Beschlusses<br />

Der Genitiv kann vor oder hinter dem Kern der Substantivgruppe stehen. Im Vo rfeld<br />

tritt der Genitiv meist in folgenden Fällen auf:<br />

Eigennamen (Vor- und Familiennamen, geographische Namen, Verwandtschaftsbezeichnungen):<br />

Peters Freundin, Marias Buch<br />

21 Sommerfeldt/Schreiber 1977, S. 19.


Titel-, Funktions- und Rangbezeichnungen;<br />

des Priesters Predigt<br />

des Kapitäns Befehl<br />

Obligatorisch ist die Voranstellung des Genitivs in manchen Ableitungen von zweiwertigen<br />

Adjektiven:<br />

der des Lesens Unkundige<br />

der der Auszeichnung Würdige 22<br />

Normalerweise steht der Genitiv hinter dem Substantiv:<br />

die Tür des Hauses<br />

der Eingang des Schlosses<br />

die Bemühungen des Schülers<br />

2.6.1.2 Präpositionales Substantiv<br />

Am häufigsten tritt das Substantiv mit der Präposition von unter folgenden Bedingungen<br />

auf:<br />

• Bei einem attributiven Substantiv im Singular und Plural mit Nullartikel:<br />

ein Hauch von Zufriedenheit<br />

ein Heer von Zuschauern<br />

das Geburtshaus von Schiller<br />

• In der Umgangssprache wird die Präposition häufig auch bei Substantiven mit<br />

dem Artikel oder mit einem Adjektiv oder Partizip verwendet:<br />

das Buch von meinem besten Freund – das Buch meines besten Freundes<br />

• Ein Substantiv kann eine oder mehrere Ergänzungen mit Präposition regieren:<br />

die Freude an (den Geschenken)<br />

die Furcht vor (der Dunkelheit)<br />

die Freundschaft mit (einem Kollegen), zu (dem Nachbarn)<br />

der Gebrauch des Dudens als Nachschlagewerk durch den Schüler<br />

die Diskussion zwischen den Schülern und dem Lehrer über das aktuelle Problem<br />

Substantive mit einer präpositionalen Ergänzung sind gewöhnlich nachgestellt. In<br />

bestimmten Fällen kann das Substantiv mit Präposition vorangestellt sein, vgl.:<br />

die von außerhalb Kommenden<br />

die auf den Freund Wartenden<br />

die auf das Konzert Neugierigen<br />

153<br />

22 ebenda, S. 20.


154<br />

Grammatik<br />

Die folgende Liste enthält die wichtigsten Nomina, die ein präpositionales Attribut<br />

haben können. Einige Substantive können mehrere Komplemente mit Präpositionen<br />

regieren (z.B. Frage nach/an; Kampf für/gegen; Hilfe an/für).<br />

Ähnlichkeit mit podobnost s<br />

Angebot an ponuka komu<br />

Angst vor strach pred<br />

Auswahl unter výber z<br />

Bedarf an dopyt po<br />

Begehren nach túžba po<br />

Bitte um prosba o<br />

Druck auf tlak na<br />

Empfänglichkeit für náchylnost<br />

Entschuldigung für ospravedlnenie<br />

za<br />

Fahrt nach cesta do<br />

Forderung nach požiadavka o<br />

Frage nach, an otázka, problém<br />

Freude an/auf/über/wegen radost z<br />

Furcht vor strach z<br />

Genugtuung für zadostucinenie za,<br />

kvôli<br />

Gier nach náruživost<br />

Glückwunsch an, zu blahoželanie<br />

komu, z príležitosti<br />

Gruß an pozdrav komu<br />

Hass gegen/auf (gespr.) nenávist<br />

Hilfe an, für pomoc komu<br />

Interesse an, für záujem o<br />

Kampf für, gegen boj o, za<br />

Krieg um vojna za<br />

Liebe zu láska k<br />

Lieferung an dodávka komu<br />

Lob für pochvala, chvála<br />

Lust auf chut, túžba po<br />

Mahnung an pripomienka, výzva<br />

Meinung über názor o<br />

Misstrauen gegenüber nedôvera<br />

voci<br />

Mitteilung an správa komu, oznámenie<br />

Neid auf závist, nežiclivost<br />

Opfer für obet za<br />

Preis für cena za<br />

Rat an, für pomoc, rada<br />

Ruf nach výzva<br />

Schande für hanba za<br />

Schutz vor, gegen ochrana pred<br />

Spaß an zábava<br />

Stolz auf pýcha na<br />

Streben nach snaha, úsilie o<br />

Treue zu vernost komu<br />

Trost für útecha za<br />

Verwandtschaft mit príbuzenstvo s<br />

Vorurteil gegen predsudok, zaujatost<br />

Warnung an, vor výstraha pred<br />

Wunsch nach túžba po<br />

Zustimmung zu súhlas<br />

Zutrauen zu dôvera komu<br />

2.6.1.3 Relative Adjektive<br />

Relative Adjektive werden von Namen, Stoffbezeichnungen, Gegenstandsbezeichnungen<br />

usw. gebildet. Häufig bezeichnen sie den Träger von Prozessen.<br />

(...):<br />

das Organonmodell von Bühler<br />

der Rat der Schwester<br />

der Rat des Arztes<br />

die Hilfe des Bruders<br />

das Bühlersche Organonmodell<br />

der schwesterliche Rat<br />

der ärztliche Rat<br />

die brüderliche Hilfe


155<br />

2.6.1.4 Infinitivgruppen und Nebensätze<br />

Infinitivgruppen und Nebensätze sind Ergänzungen zu gewissen Substantiven.<br />

Semantisch drücken sie »Inhalte« von Geschehens- oder Eigenschafts -<br />

begriffen aus:<br />

die Bemühung, das Auto schnell zu verkaufen<br />

die Behauptung, die Aufgabe gelöst zu haben<br />

die Notwendigkeit, dass wir diese Aufgabe lösen<br />

2.6.2 Modelle der Substantivgruppe<br />

Im „Wörterbuch zur Valenz und Distribution deutscher Substantive“ werden<br />

folgende Modelle angegeben:<br />

1. Substantive ohne Ergänzungen<br />

das Donnern, das Blitzen<br />

2. Substantive mit einer Ergänzung<br />

Die Ergänzung bezeichnet vorwiegend den Träger des Merkmals, das in der<br />

Grundform durch einen Genitiv ausgedrückt wird:<br />

die Krankheit des Patienten<br />

die Arbeit des Vaters<br />

Die Varianten werden durch ein Possessivpronomen, durch ein relatives Adverb<br />

oder durch Umschreibung mit von ausgedrückt:<br />

seine Krankheit<br />

seine Arbeit<br />

die väterliche Arbeit<br />

die Arbeit von dem Vater<br />

Substantive mit zwei Ergänzungen<br />

Hierher gehören die meisten von transitiven Verben abgeleiteten Substantive.<br />

Das Hauptmodell ist:<br />

S – Sg – pS (p = durch, von)<br />

die Beschreibung des Vorfalls durch den Zeugen<br />

die Beobachtung des Verkehrs durch den Polizisten<br />

Manche Substantive lassen sich auf intransitive Verben zurückführen. Das<br />

Modell dieser Gruppe ist:<br />

S – Sg – pS (mehrere Präpositionen sind möglich)<br />

der Abstand des Autos von der Bordsteinkante<br />

der Aufenthalt des Kindes bei den Bekannten<br />

Das Possessivpronomen kann generell den Genitiv ersetzen:


156<br />

Grammatik<br />

die Beschreibung des Vorfalls durch den Zeugen<br />

" seine Beschreibung des Vorfalls<br />

der Aufenthalt des Kindes bei den Bekannten<br />

" sein Aufenthalt bei den Bekannten<br />

Substantive mit drei Ergänzungen<br />

Dreiwertige Substantive bilden meist solche Deverbativa, die neben einer Ergänzung<br />

im Akkusativ zwei Ergänzungen mit präpositionalen Fügungen haben.<br />

Das Hauptmodell der dreiwertigen Substantiva kann dargestellt werden:<br />

S – Sg – pS(1) – pS(2)<br />

der Gebrauch des Dudens als Nachschlagewerk durch den Schüler<br />

das Gespräch des Vaters mit den Kindern über die Urlaubsreise<br />

die Hilfe des Freundes für das Kind beim Fahrradflicken<br />

oder: S – Sg – pS – NS/Inf<br />

die Klage des Mannes gegen den Nachbarn darauf, dass er die Rückstände begleicht<br />

die Klage des Mannes gegen den Nachbarn darauf, die Rückstände zu begleichen<br />

3 Der Artikel<br />

Der Artikel steht beim Substantiv und kennzeichnet das Genus, den Kasus<br />

und den Numerus. Der bestimmte Artikel hat sich aus dem Demonstrativpronomen,<br />

der unbestimmte Artikel aus dem Zahlwort entwickelt.<br />

Die Duden-Grammatik unterscheidet den Artikel im engeren Sinne und Artikelwörter.<br />

Im engeren Sinne kann man im Deutschen drei Arten des Artikels<br />

identifizieren:<br />

• den bestimmten oder definiten Artikel (der, die das)<br />

• den unbestimmten oder indefiniten Artikel (ein, eine)<br />

• den Null- oder Zeroartikel.<br />

Die Artikelwörter stehen vor dem Substantiv und bilden mit diesem eine unauflösliche<br />

Einheit. Dies zeigen das Stellungsmuster und die Verschiebprobe<br />

(vgl. Duden: 394 f.):


157<br />

a) Stellungsmuster:<br />

das<br />

ein<br />

dieses<br />

jenes<br />

welches<br />

dasjenige<br />

dasselbe<br />

mein<br />

jedes<br />

manches<br />

alle<br />

beide<br />

kein<br />

usw.<br />

b) Verschiebeprobe<br />

moderne[s]Haus<br />

(modernen) Häuser<br />

Der ehrliche Politiker hat ein luxuriöses Haus. – Ein luxuriöses Haus hat der ehrliche Politiker.<br />

Nach G. Helbig und J. Buscha (1994: 357) werden zu den Artikelwörtern gerechnet:<br />

a) der bestimmte Artikel (der, die, das), der unbestimmte Artikel (ein) und der<br />

Nullartikel;<br />

b) das adjektivische Demonstrativpronomen (dieser, jener, derjenige, derselbe,<br />

dieser/jener selbe, ein solcher, solch ein),<br />

c) das adjektivische Possessivpronomen (mein, dessen, deren, wessen);<br />

d) das adjektivische Interrogativpronomen (welcher, welch ein);<br />

e) das adjektivische Indefinitpronomen bzw. Indefinitnumerale (jeder, jedweder,<br />

mancher, aller, einiger, etlicher, mehrere, irgendwelcher, kein, irgendein).<br />

3.1 Funktionen des Artikels<br />

Der Artikel dient als Beziehungsmittel im Satz. Er bezeichnet das Genus und<br />

kennzeichnet Kasus und Numerus des Substantivs. Der Artikel hat als o eine<br />

grammatische Funktion. Vgl.:<br />

Kennzeichnung des Genus: der Leiter vedúci die Leiter rebrík<br />

Kennzeichnung des Kasus: der Schüler žiak dem Schüler žiakovi<br />

Kennzeichnung des Numerus: der Schüler žiak<br />

die Schüler žiaci


158<br />

Grammatik<br />

Wortbildende Funktion. Mit Hilfe des Artikels kann im Deutschen jede Wortart<br />

substantiviert werden:<br />

das Geben, das Lesen, das Schreiben;<br />

das Rot der Wangen;<br />

das Ich, das Du; das Wenn, das Wie, das Aber<br />

Textuelle Funktion. Der Artikel dient zur Kennzeichnung der Bekanntheit und<br />

Unbekanntheit. Die Bekanntheit kann darin gegründet sein, dass die betreffende<br />

Größe b ereits erwähnt worden ist:<br />

Auf der Straße steht ein Auto. Das Auto ist gelb.<br />

Ich sehe einen Mann kommen. Der Mann ist mein Freund.<br />

Fehlt solche Vorerwähntheit, wird gewöhnlich der unbestimmte Artikel gebraucht:<br />

Ein Auto steht auf der Straße.<br />

Einen Mann sehe ich kommen.<br />

Die Bestimmtheit oder Unbestimmtheit eines Gegenstandes kann auch situationsgemäß<br />

angegeben werden:<br />

Das Haus soll abgerissen werden. (Es geht um ein auf Grund der Beobachtungen<br />

bekanntes Haus)<br />

Ein Haus soll abgerissen werden. (Ein Haus aus der Menge der Häuser)<br />

Der bestimmte (definite) Artikel<br />

Bestimmte Gegenstände, die in unserem Kulturkreis zum »Weltwissen« gehören,<br />

werden als Einzelexemplare ausgedrückt:<br />

Die Erde dreht sich um die Sonne.<br />

Der Mond ist ein Himmelskörper.<br />

Wenn sie aber nicht als Einzelexemplare gemeint sind, wird der unbestimmte<br />

Artikel gebraucht:<br />

Im Weltall gibt es viele Sonnen.<br />

Der Jupiter hat viele Monde.<br />

Bei distributiv verwendeten Maßeinheiten:<br />

Dieses Rindfleisch kostet fünfzehn Mark das Kilo. (= je Kilo)<br />

Sie besucht uns zweimal die Woche. (= jede Woche zweimal)<br />

Der unbestimmte Artikel wird aber verwendet, wenn die Maßeinheiten nicht<br />

distributiv verwendet sind:<br />

Ein Kilo kostet fünfzehn Mark.<br />

In einer Woche hat sie uns zweimal besucht. (aber nicht jede Woche)


159<br />

Der bestimmte Artikel wird noch gebraucht:<br />

Bei Namen von Gebirgen, Bergen, Seen, Flüssen und Gestirnen:<br />

die Alpen, der Gerlach, der Stille Ozean, der Bodensee, die Elbe, der Rhein, der Mars, der<br />

Jupiter, die Erde, die Venus<br />

Bei einigen Länder- und Landschaftsnamen:<br />

die (ehemalige) Sowjetunion, die Schweiz, die Türkei, die BRD; der Sudan, der Irak, der<br />

Iran, der Jemen, der Senegal; das Burgenland, die Lausitz, die Steiermark, der Thurgau,<br />

das Vogtland<br />

Bei pluralischen Ländernamen:<br />

die Vereinigten Staaten von Amerika (die USA), die Niederlande<br />

Bei Landschaftsnamen auf -ie, -e, -a und bei Landschaftsnamen mit einem<br />

Adjektiv:<br />

die Normandie, die Bretagne, die Riviera; die Hohe Tatra, der Ferne Osten<br />

Bei einigen geographischen Namen, Landschaften, Inseln u.a.:<br />

der Balkan, der Darß, die Krim, die Pfalz, das Elsass,<br />

Bei Namen von Zeitungen und Zeitschriften:<br />

Er liest den »Spiegel«.<br />

Wir bestellen das »Profil«.<br />

Der bestimmte Artikel hat ein Flexionsparadigma. Im Gegensatz zum unbestimmten<br />

Artikel verfügt der bestimmte Artikel über Pluralformen, die nur<br />

kasus- aber nicht genusdifferenziert sind.<br />

Singular<br />

Plural<br />

mask. fem. neutr.<br />

N. der die das die<br />

G. des der des der<br />

D. dem der dem den<br />

A. den die das die<br />

Der unbestimmte (indefinite) Artikel<br />

Der unbestimmte Artikel signalisiert, dass der betreffende Gegenstand nicht<br />

näher bekannt ist:<br />

Ein dicker Mann stand ihm gegenüber.<br />

Ein roter Wagen stand neben dem Gehsteig.<br />

Bei den Eigennamen dient der unbestimmte Artikel dazu, eine unbestimmte<br />

Menge von Leuten mit gemeinsamen Merkmalen zu bezeichnen.


160<br />

Grammatik<br />

Ein Einstein hätte es nicht lösen können.<br />

Ein gewisser Herr Meier möchte dich sprechen.<br />

Singular<br />

mask. fem. neut.<br />

N. ein eine ein<br />

G. eines einer eines<br />

D. einem einer einem<br />

A. einen eine ein<br />

3.1.1 Der Nullartikel<br />

Bei Personenbezeichnungen (Vor-, Nach- und Rufnamen u.a.):<br />

Helmut, Franz; Meier, Tucholsky; Harry, Dingo<br />

Der Nullartikel steht bei Substantiven, die eine unbestimmte Menge eines<br />

Stoffes bezeichnen:<br />

Er trinkt gern Bier und Wein.<br />

Stahl ist ein hartes Metall.<br />

Bei Abstrakta, die allgemein einen Zustand, Vorgang oder Eigenschaften bezeichnen:<br />

Er hat viel Geld. Wir haben Geduld. Heute haben wir wenig Zeit. Im überfüllten Hörsaal<br />

herrschte absolute Stille. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.<br />

Bei ein igen festen Verbindungen:<br />

Das kommt nicht in Frage.<br />

Er hat Atem geholt.<br />

Unser Projekt ist von großer Bedeutung.<br />

Bei bloßer Nennung eines Wortes:<br />

Wie schreibt man Philosophie?<br />

Wie dekliniert man Nachbar?<br />

In präpositionalen Konstruktionen werden bestimmte Verbindungen ohne<br />

Artikel gebraucht:<br />

an Bord, auf See, bei Tisch, gegen Mittag, nach Wunsch, ohne Zweifel, von Herzen, über<br />

Nacht, um Haaresbreite, zu Bett<br />

Der Nullartikel steht bei Substantiven im Plural, wenn bei entsprechender<br />

Singularform der unbestimmte Artikel gewählt wü rde.<br />

Otto liest ein Buch.<br />

Otto liest ø Bücher.


161<br />

3.1.2 Verschmelzung von Präposition und Artikel (Kontraktion)<br />

Die Präpositionen an, bei, in, zu verschmelzen mit folgendem dem zu am,<br />

beim, im und zum.<br />

am Montag, beim Onkel, im Museum<br />

Die Präposition zu verschmilzt mit der zu zur:<br />

zur Post, zur Tante<br />

In der Umgangssprache verschmelzen die Präpositionen hinter, unter, vor,<br />

über mit dem folgenden dem zu hinterm, unterm, vorm, überm:<br />

hinterm Garten, unterm Tisch, vorm Kino, überm Haus<br />

Die Präpositionen an, auf, durch, für, hinter, über, vor verschmelzen – vor allem<br />

in der Umgangssprache – mit folgendem das zu ans, aufs, durchs, fürs,<br />

hinters, vors, übers:<br />

aufs Dach steigen, sich ans Werk machen, durchs Feld, fürs Brot, hinters Haus, übers Land<br />

u.a.


162<br />

4 Das Adjektiv<br />

Das Adjektiv (das Eigenschaftswort, lat. Nomen adiectivum = »beigefügtes Nomen«)<br />

ist nach dem Substantiv und dem Verb die drittgrößte Wortart. Die Adjektive machen<br />

etwa ein Sechstel des Gesamtwortschatzes der deutschen Gegenwartssprache aus. In<br />

manchen Grammatiken wird das Adjektiv auch Beiwort oder Eigenschaftswort genannt.<br />

In den traditionellen Grammatikkonzeptionen wird das Adjektiv semantisch<br />

definiert:<br />

Adjektive bezeichnen Merkmale, Eigenschaften oder Relationen, die man an<br />

Gegenständen oder Erscheinungen beobachten kann.<br />

Man übersieht dabei, dass die gleiche semantische Funktion nicht selten durch andere<br />

sprachliche Mittel, z.B. durch ein vorangestelltes Substantiv: z.B. Direktor Meier<br />

oder durch Wortgruppen, z.B. der Ritter ohne Furcht und Tadel, ausgedrückt werden<br />

kann. Ulrich ENGEL definiert daher die Wortart Adjektiv nach formalen Kriterien:<br />

Adjektive sind Wörter ohne konstantes Genus, die zwischen Determinativ und<br />

Nomen stehen können. (ENGEL: 1996: 556)<br />

Adjektive dienen prototypisch als Attribute, als Modifikatoren des zentralen Elements<br />

(eines Substantivs, substantivierten Adjektivs oder substantivierten Verbs)<br />

einer Nominalphrase.<br />

Das Adjektiv wird im Bereich des Verbs als Satzadjektiv gebraucht und bleibt in<br />

der Regel undekliniert (prädikativ oder adverbial).<br />

Der Schüler ist fleißig.<br />

Der Schüler lernt fleißig.<br />

Im Bereich des Substantivs wird das Adjektiv als Attribut gebraucht und fast immer<br />

dekliniert. Es kongruiert mit dem Bezugssubstantiv in Numerus, Kasus und Genus.<br />

der fleißige Student<br />

die fleißigen Studenten<br />

Adjektive können auch kompariert werden. Durch Komparation werden die Dinge<br />

oder Erscheinungen in Bezug auf Eigenschaften oder Relationen verglichen.<br />

der fleißigere Student<br />

Er ist fleißiger als sein Freund.<br />

4.1 Klassifikation der Adjektive<br />

4.1.1 Lexikalisch-semantische Klassifikation<br />

Man unterscheidet qualitative und relative Adjektive. Die Unterschiede zwischen<br />

den beiden Arten liegen in fo lgenden Bereichen.


1. Qualitative Adjektive bezeichnen ein charakteristisches Merkmal eines Le bewesens,<br />

Gegenstandes oder Sachverhaltes. Relative Merkmale geben das Ve r-<br />

hältnis eines durch das Beziehungswort bezeichneten Dinges zu einem anderen<br />

an:<br />

qualitativ:<br />

relativ:<br />

grüner Wald, herrliches Wetter, hohes Haus<br />

väterliches Haus, philosophische Frage<br />

Qualitative Adjektive sind meist komparierbar, relative nicht.<br />

3. Relative Adjektive sind meistens Ableitungen von Substantiven oder Adverbien.<br />

Die qualitativen Adjektive lassen sich nach ihrer Bedeutung in folgende Klassen einteilen:<br />

• Bezeichnungen der Form: eiförmig, ellipsenförmig, krumm, oval, viereckig,<br />

• Bezeichnungen der Farbe: rot, grün, gelb, braun, lila,<br />

• Bezeichnungen der räumlichen Ausdehnung: hoch, tief, lang, hoch gewachsen,<br />

• Bezeichnungen des Geschmacks: süß, sauer, herb, gallenbitter, pikant,<br />

• Wertangaben: billig, bitter, edel, teuer.<br />

Relative Adjektive bezeichnen folgende Beziehungen:<br />

• Beziehungen zu Personen: Schiller'sche Dramen, Goethische Gedichte<br />

• Geographische Beziehungen: französische Weine, deutsches Bier, ungarische Salami<br />

• Be ziehungen zu Abstrakta: eine dichterische Frage, ein philosophisches Problem<br />

Anmerkung: Den slowakischen Adjektiven, die Beziehungen zu Lebewesen, wie etwa líšcí,<br />

zajací, býcí; otcov, matkin u.a. ausdrücken, entsprechen im Deutschen Komposita bzw.<br />

Konstruktionen mit dem Genitiv, vgl.: líšcí brloh Fuchsbau, zajací chrbát Hasenrücken,<br />

vtácie hniezdo Vogelnest, vtácí spev Vogelgesang; otcov priatel Vaters Freund; matkin syn<br />

Mutters Sohn, der Sohn der Mutter.<br />

Vielen Relativadjektiven entsprechen ebenfalls Zusammensetzungen, vgl.: denné svetlo<br />

Tageslicht, polná kvetina Feldblume, hydinová farma Geflügelfarm, zajatecký tábor Gefangenenlager,<br />

dievcenská postava Mädchengestalt u.a.<br />

4.1.2 Morphologisch-syntaktische Subklassen<br />

Nach ihrer syntaktischen Verwendung und morphologischen Gestaltung (Flektierbarkeit,<br />

Graduierbarkeit) können wir drei Gruppen von Adjektiven unterscheiden:<br />

1. Adjektive, die attributiv, prädikativ und adverbial verwendbar sind. Hier gibt es<br />

weitere drei Untergruppen:<br />

a) Adjektive, die graduierbar und deklinierbar sind, z.B.:<br />

klein, groß, fest, gut, hoch, billig, schmal, fremd, böse<br />

163


164<br />

b) Adjektive, die deklinierbar, aber nicht graduierbar sind. Es sind vor allem qualitative<br />

Adjektive, z.B.:<br />

fertig, heilbar, stimmhaft, tödlich<br />

c) Adjektive, die weder graduierbar noch deklinierbar sind. Dazu gehören viele<br />

Farbadjektive und Zahladjektive:<br />

lila, rosa, beige [bE:ž], orange [ ?RãZ«]; zwei, drei, mancherlei, ein bisschen<br />

F<br />

2. Adjektive, die nur attributiv verwendbar sind:<br />

der innere, der äußere, der heutige, der gestrige, der morgige, der hiesige, der dortige, der Vorige<br />

Hier kann man zwei Gruppen unterscheiden:<br />

a) Adjektive, die deklinierbar und graduierbar sind. Dazu gehören einige Lokaladjekt<br />

ive, die in der Regel nur den Superlativ bilden können, z.B.:<br />

äußerer (Rand) – äußerster (Rand)<br />

untere (Teile) – die untersten (Teile)<br />

b) Adjektive, die deklinierbar, aber nicht graduierbar sind. Hierzu gehören vor allem<br />

relative Adjektive, z.B.:<br />

gesellschaftlich, staatlich, polnisch, heutig, gestrig<br />

3. Adjektive, die nur prädikativ verwendbar sind. Hierzu gehören nur Adjektive, die<br />

weder flektierbar noch graduierbar sind, z.B.:<br />

Angst, einerlei, eingedenk, egal, feind, gram, schade, schuld<br />

Die Wortpaare: recht und billig, null und nichtig<br />

Sie war/blieb ihm noch lange feind. = feindlich gesinnt<br />

Es ist schade, dass sie nicht kommen kann.<br />

aber: Er ist ihr Freund.<br />

Es soll dein Schade (Schaden) nicht sein.<br />

Im Unterschied zum Slowakischen ändert sich das deutsche Adjektiv beim prädikativen<br />

Gebrauch nicht:<br />

Der Tag ist schön.<br />

Die Rose ist schön.<br />

Das Fenster ist schmutzig.<br />

Die Männer sind stark.<br />

Er fühlt sich gesund<br />

Wir fühlen uns gesund.<br />

Den je pekný.<br />

Ruža je pekná.<br />

Okno je špinavé.<br />

Muži sú silní.<br />

Cíti sa zdravý.<br />

Cítime sa zdraví.


F<br />

F<br />

Von dieser Regel gibt es einige Ausnahmen:<br />

1. Wenn das Adjektiv im prädikativen Gebrauch mit dem bestimmten Artikel steht:<br />

Diese Lösung war richtig<br />

aber: Diese Lösung war die Richtige.<br />

2. Wenn das Adjektiv im Superlativ oder mit am erscheint:<br />

Diese Lösung war die richtigste.<br />

Diese Lösung war am richtigsten.<br />

3. Wenn im prädikativen Gebrauch eine Ordinalzahl – meist mit dem bestimmten<br />

Artikel versehen – erscheint:<br />

Hans war heute wieder der erste.<br />

aber: Hans war Erster/Zweiter/Dritter. (etwa bei öffentlichen Wettkämpfen)<br />

4.2 Deklination der Adjektive<br />

Die attributiven Adjektive können je nach dem syntaktischen Zusammenhang zu<br />

mehreren Deklinationstypen gehören. Traditionell unterscheidet man:<br />

a) starke oder pronominale Deklination (Deklination nach Nullartikel)<br />

b) schwache oder nominale Deklination<br />

c) Deklination nach unbes timmtem Artikel<br />

Deklination nach Nullartikel<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Singular<br />

Maskulinum Femininum Neutrum<br />

großer Erfolg große Stadt Großes Fenster<br />

großen Erfolgs großer Stadt großen Fensters<br />

großem Erfolg großer Stadt großem Fenster<br />

großen Erfolg große Stadt großes Fenster<br />

165<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Plural<br />

große<br />

großer<br />

großen<br />

große<br />

Erfolge<br />

Erfolge<br />

Erfolgen<br />

Erfolge<br />

Städte<br />

Städte<br />

Städten<br />

Städte<br />

Fenster<br />

Fenster<br />

Fenstern<br />

Fenster<br />

Adjektive, die nach deren, dessen stehen, werden ebenso flektiert.<br />

Adjektive nach einige, etliche, mehrere folgen im Plural ebenfalls diesem Typ, also:<br />

einige große Städte<br />

mehrere neue Bücher


166<br />

Deklination der Adjektive nach dem bestimmten Artikel<br />

Singular<br />

Maskulinum Femininum Neutrum<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

der<br />

des<br />

dem<br />

den<br />

große<br />

großen<br />

großen<br />

großen<br />

Erfolg<br />

Erfolgs<br />

Erfolg<br />

Erfolg<br />

die<br />

der<br />

der<br />

die<br />

große<br />

großen<br />

großen<br />

große<br />

Stadt<br />

Stadt<br />

Stadt<br />

Stadt<br />

das<br />

des<br />

dem<br />

das<br />

große<br />

großen<br />

großen<br />

große<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

die<br />

der<br />

den<br />

die<br />

Plural<br />

großen<br />

großen<br />

großen<br />

großen<br />

Erfolge<br />

Erfolge<br />

Erfolgen<br />

Erfolge<br />

Städte<br />

Städte<br />

Städten<br />

Städte<br />

Fenster<br />

Fenster<br />

Fenstern<br />

Fenster<br />

Fenster<br />

Fensters<br />

Fenster<br />

Fenster<br />

Adjektive nach derjenige, derselbe, dieser, jener, mancher, welcher und im Plu ral<br />

irgendwelche, alle, solche folgen diesem Deklinationstyp.<br />

derjenige gute Schüler; derselbe bekannte Student; mancher historische Hintergrund, in manchem<br />

schwierigen Fall; welches berühmten Schriftstellers gedenken wir heute?<br />

So mancher deutscher Reisebüromanager weiß darum noch nicht, wie er es seinen Kunden erklären<br />

soll, dass ... Die Zeit 25.11.1999<br />

Nach manche, (irgend)welche, solche werden die Adjektive im Plural wie nach dem<br />

Nullartikel im Plural flektiert.<br />

Beispiele: der Titel mancher neuer Bücher<br />

die Meinung mancher älterer (oder älteren) Leute<br />

Deklination der Adjektive nach dem unbestimmten Artikel<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Maskulinum Femininum Neutrum<br />

großer Erfolg eine große Stadt ein<br />

großen Erfolgs einer großen Stadt eines<br />

großen Erfolg einer großen Stadt einem<br />

großen Erfolg eine große Stadt ein<br />

ein<br />

eines<br />

einem<br />

einen<br />

Deklination im Plural: wie nach Nullartikel.<br />

großes<br />

großen<br />

großen<br />

großes<br />

Fenster<br />

Fensters<br />

Fenster<br />

Fenster<br />

Adjektive, die nach manch (ein), solch (ein), welch (ein), irgendein stehen, werden<br />

im Singular ebenso flektiert.<br />

manch großer Baum, manch schlechte Erfahrung, manch unbedachtes Wort; in manch<br />

schwierigem Fall; die Meinung manch berühmter Leute<br />

4.2.1 Besonderheiten bei der Deklination<br />

1. Zwei oder mehr aufeinander folgende Adjektive haben die gleichen Deklinationsendungen:


der gute, fleißige und zuverlässige Student<br />

ein guter, fleißiger und zuverlässiger Student<br />

mit gutem, kühlem Wein<br />

2. Adjektive nach kein, mein, dein, sein, unser, euer werden im Singular stark (wie<br />

nach dem unbestimmten Artikel), im Plural aber schwach (wie nach dem bestimmten<br />

Artikel) dekliniert:<br />

Singular:<br />

Plural:<br />

kein guter Wein keine guten Weine<br />

deine neue Freundin deine neuen Freundinnen<br />

ihr neues Buch ihre neuen Bücher<br />

3. Nach manch, solch, welch, viel, wenig wird das folgende Adjektiv regelmäßig<br />

stark dekliniert:<br />

welch schöner Tag; viel gutes Sortiment; mit wenig guter Qualität<br />

4. Nach alle, beide, keine werden die Adjektive und Partizipien in der Regel<br />

schwach dekliniert:<br />

alle neuen Bücher; beide guten Freunde; keine neuen Ideen<br />

..., wenn du keine dumme Streiche machtest ... [Arnim]<br />

5. Nach andere, einige, etliche, mehrere, verschiedene, viele, wenige werden Adjektive<br />

im Nominativ und Akkusativ fast nur noch stark, im Genitiv vorwie gend<br />

schwach dekliniert:<br />

viele wertvolle Bücher<br />

andere/einige/mehrere/verschiedene/neue Bücher<br />

der Besitz mehrerer/einiger/verschiedener neuer Bücher<br />

die Angehörigen verschiedener ethnischer Gruppen<br />

die Meinung einiger führender Klimaforscher<br />

6. Im Genitiv Plural kann das Adjektiv nach beide sowohl stark als auch schwach<br />

dekliniert werden:<br />

der Wert beider bekannten/bekannter Bilder<br />

die Gruppen beider politischen Lager<br />

7. Nach irgendwelche, manche, sämtliche, solche, welche werden die folgenden Adjektive<br />

immer häufiger schwach dekliniert:<br />

mancher berühmte Koch<br />

manche neuen Zeitungen auch: manche neue Zeitungen<br />

manche ängstliche herzzerreißende Ereignisse [Armin]<br />

sämtliche politischen Initiativen<br />

Gebühren für fast sämtliche öffentliche Dienstleistungen<br />

bei solcher guten Qualität<br />

167


168<br />

8. Die Wörter derartig, einzeln, einzig werden wie Adjektive behandelt. Die nachfolgenden<br />

Adjektive werden daher auf gleiche Weise (stark) dekliniert:<br />

einzelne gute Leistungen<br />

ein einziges großes Talent<br />

9. Wenn das Adjektiv mit dem Substantiv eine enge Einheit bildet (z.B. ungarischer<br />

Wein, französischer Kognak ), wird das weitere Adjektiv dieser Gruppe untergeordnet<br />

und das zweite Adjektiv wird im Dativ Singular Maskulinum/Neutrum<br />

stark dekliniert:<br />

mit gutem ungarischen Wein<br />

bei ausgezeichnetem französischen Kognak<br />

10. Nach den Personalpronomen mit Ausnahme von wir, ihr wird das Adjektiv wie<br />

nach dem unbestimmten Artikel dekliniert:<br />

ich armer Student<br />

dir armem Studenten<br />

11. Nach wir und ihr wird das Adjektiv im Nominativ wie nach dem bestimmten, im<br />

Akkusativ wie nach dem Nullartikel dekliniert:<br />

Wir armen Menschen! [Herder]<br />

Lebt wohl, ihr armen Kinder! [Brentano]<br />

Predigen lassen sie gegen uns arme Kriegsleute, ... [G. Keller]<br />

In vielen Fällen sind endungslose Formen der Adjektive erhalten, z.B.:<br />

• in geographischen Namen: Alt Töplitz, Altwien oder Alt-Wien, Klein Auheim,<br />

Neu-Ulm, Neustrelitz, Neusiedlersee<br />

• in erstarrten Wendungen: schön Wetter, auf gut Glück (naverímboha!), Kölnisch<br />

Wasser<br />

• bei nachgestelltem, attributiven Gebrauch: Campari bitter, Röslein rot. Gelegentlich<br />

auch: Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern [Schiller]<br />

• bei prädikativ und adverbial gebrauchten Adjektiven: das Essen war gut, sie<br />

sieht gut aus<br />

Eine Orientierung zur Ermittlung der Pluralendungen soll folgende Tabelle erleichtern:<br />

alle<br />

všetci<br />

beide<br />

obidvaja<br />

keine jungen Leute žiadni<br />

diese<br />

títo<br />

meine, unsere<br />

moji, naši<br />

viele<br />

vela<br />

wenige fleißige Studenten málo


zwei, drei, zehn<br />

manche<br />

niektorí<br />

solche junge(n) Männer takí<br />

welche<br />

ktorí<br />

dvaja, traja, desiati<br />

4.3 Komparation (Graduierung) der Adjektive<br />

Durch die morphologische Kategorie der Komparation des Adjektivs werden mehrere<br />

Dinge, Begriffe oder Wesen, Zustände oder Tätigkeiten miteinander verglichen.<br />

Im Deutschen werden folgende Komparationsstufen unterschieden:<br />

• die Grundstufe oder der Positiv: schön, hoch, gut<br />

• die erste Steigerungsstufe oder der Komparativ: schöner, höher, besser<br />

• die zweite Steigerungsstufe oder der Superlativ (auch Meist- oder Höchststufe):<br />

(der, die, das) schönste, höchste, beste<br />

Die einzelnen Komparationsformen werden durch folgende morphologische Mittel<br />

gebildet:<br />

Positiv Komparativ Kennzeichnung Superlativ Kennzeichnung<br />

hell heller Morphem -er hellst- Morphem -st<br />

dunkel dunkler Morphem -er, dunklest- Morphem -st<br />

e-Ausstoßung<br />

lang länger Morphem -er<br />

Umlaut<br />

längst- Morphem -st,/<br />

-e-Ausstoßung<br />

Umlaut<br />

heißest- Morphem -est<br />

• Der Positiv bezeichnet die Grundstufe des Adjektivs. Er ist unmarkiert und hat<br />

keine spezielle Endung. Er drückt die Gleichheit zweier Größen aus. Als Ve r-<br />

gleichsgrößen werden die Konjunktionen so (ebenso/genauso) – wie verwendet:<br />

Peter ist fleißig. Fritz ist auch fleißig.<br />

Peter ist so (ebenso/genauso) fleißig wie Fritz.<br />

Durch den Positiv kann auch ein negativer Vergleich ausgedrückt werden:<br />

Peter ist nicht so fleißig wie Fritz.<br />

(Er ist eventuell faul)<br />

• Der Komparativ (1. Steigerungsstufe) wird durch Anhängen der Endung -er an<br />

dem Plural gebildet und dient zum Ausdruck der Ungleichheit zweier miteinander<br />

verglichenen Größen. Hochsprachlich erscheint als zur Einführung des Ve r-<br />

gleichsmaßes:<br />

Peter ist fleißiger als Fritz.<br />

Ich bin älter als du.<br />

169


170<br />

Der Komparativ kann sowohl Steigerung als auch Minderung gegenüber dem „normalen“<br />

Wert ausdrücken. Vgl.:<br />

Er ist fleißiger als sein Freund. (Steigerung)<br />

Es ist eine leichtere Aufgabe. (Minderung)<br />

Der Komparativ kann noch durch Wörter wie weit, bei weitem, immer, noch (viel),<br />

weitaus u.a. verstärkt werden:<br />

Er ist weit älter als seine Frau.<br />

Der Schaden ist viel größer ...<br />

Es ist weitaus ansehnlicher ...<br />

• Der Superlativ (2. Steigerungsstufe) drückt den höchsten Grad des Ve rgleiches<br />

aus. Er wird mit -est (nach d, t, s, ß, x, tz, z, st) oder -st gebildet.<br />

Er ist der größte Champion.<br />

Juli ist der heißeste Monat des Jahres.<br />

Für den Umlaut gibt es keine allgemeinen Regeln. Umlaut im Komparativ und Superelativ<br />

haben die folgenden Adjektive:<br />

alt: älter, am ältesten<br />

arg: ärger, am ärgsten; ärgsten<br />

arm: ärmer, am ärmsten<br />

dumm: dümmer, am dümmsten<br />

fromm: frömmer, am frömmsten (selten ohne Umlaut)<br />

gesund : gesünder, am gesündesten (selten ohne Umlaut)<br />

groß: größer, am größten<br />

grob: gröber, am gröbsten<br />

groß: größer, am größten<br />

hart: härter, am härtesten<br />

hoch: höher, am höchsten<br />

jung : jünger, am jüngsten<br />

kalt: kälter, am kältesten<br />

klug: klüger, am klügsten<br />

krank: kränker, am kränksten<br />

kurz: kürzer, am kürzesten<br />

lang : länger, am längsten<br />

nah: näher, am nächsten<br />

scharf: schärfer, am schärfsten<br />

schwach: schwächer, am schwächsten<br />

schwarz: schwärzer, am schwärzesten<br />

stark: stärker, am stärksten<br />

warm: wärmer, am wärmsten


Mit oder ohne Umlaut werden die Komparationsformen zu folgenden Adjektiven<br />

gebildet:<br />

bang: bänger, am bängsten neben banger, am bangsten<br />

blass: blässer, am blässesten neben blasser, am blassesten<br />

karg: kärger, am kärgsten neben karger, am kargsten<br />

krumm: krümmer, am krümmsten neben krummer, am krummsten<br />

nass: nässer, am nässesten neben nasser, am nassesten<br />

krumm: krümmer, am krümmsten neben krummer, am krummsten<br />

rot: röter, am rötesten neben roter, am rotesten<br />

schmal: schmäler, am schmälsten neben schmaler, am schmalsten<br />

• Die Graduierung kann durch das Präfix aller- verstärkt werden:<br />

Er ist der allerfleißigste von euch.<br />

Mit den allerbesten Empfehlungen ...<br />

Weitere Besonderheiten bei der Graduierung<br />

Die Adjektive mit umlautfähigem Stammvokal werden gewöhnlich im Ko mpara tiv<br />

und Superlativ ohne Umlaut gebraucht. Nur einige einsilbige Adjekt ive haben im<br />

Komparativ und Superlativ Umlaut (siehe oben!)<br />

Bei Adjektiven auf -el, -en und -er fällt oft im Komparativ das -e- aus:<br />

dunkel dunkler aber: dunkleste [auch: dunkelste]<br />

bescheiden bescheidener/bescheidner<br />

offen<br />

offener/offner<br />

teuer<br />

teuerer/teurer<br />

Unregelmäßig werden gebildet:<br />

gut besser (der, die, das) beste<br />

hoch höher (der, die, das) höchste<br />

nah(e) näher (der, die, das) nächste<br />

viel(e) mehr (der, die, das) meiste<br />

Bei zusammengesetzten Adjektiven wird gewöhnlich der zweite Teil gesteigert:<br />

die altmodischsten Kleider<br />

Hat das zweite Glied relative Selbständigkeit bewahrt, werden zusammengesetzte<br />

Adjektive im ersten Glied gesteigert:<br />

das dichtestbevölkerte Land<br />

die höchstgelegene Stadt<br />

Einige Lokaladjektive können in der Regel nur den Superlativ bilden, z.B.:<br />

Positiv<br />

Komparativ Superlativ<br />

171


172<br />

der äußere ø der äußerste<br />

der innere ø der innerste<br />

der vordere ø der vorderste<br />

der hintere ø der hinterste<br />

der untere ø der unterste<br />

der obere ø der oberste<br />

4.3.1 Deklination der Adjektive im Komparativ und Superlativ<br />

Adjektive im Komparativ und Superlativ werden nach denselben Regeln flektiert wie<br />

ihre Grundformen:<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

der<br />

des<br />

dem<br />

den<br />

die<br />

der<br />

der<br />

die<br />

das<br />

des<br />

dem<br />

das<br />

kleinere<br />

kleineren<br />

kleineren<br />

kleineren<br />

kleinere<br />

kleineren<br />

kleineren<br />

kleinere<br />

kleinere<br />

kleineren<br />

kleineren<br />

kleinere<br />

Schüler<br />

Schülers<br />

Schüler<br />

Schüler<br />

Schülerin<br />

Schülerin<br />

Schülerin<br />

Schülerin<br />

Kind<br />

Kinds<br />

Kind<br />

Kind<br />

4.4 Rektion der Adjektive<br />

ein<br />

eines<br />

einem<br />

einen<br />

eine<br />

einer<br />

einer<br />

eine<br />

ein<br />

eines<br />

einem<br />

ein<br />

kleinerer<br />

kleineren<br />

kleineren<br />

kleineren<br />

kleinere<br />

kleineren<br />

kleineren<br />

kleinere<br />

kleineres<br />

kleineren<br />

kleineren<br />

kleineres<br />

Schüler<br />

Schülers<br />

Schüler<br />

Schüler<br />

Schülerin<br />

Schülerin<br />

Schülerin<br />

Schülerin<br />

Kind<br />

Kinds<br />

Kind<br />

Kind<br />

Adjektive können auf Grund ihrer Bedeutung und syntaktischen Funktion mit anderen<br />

Wörtern in Verbindung treten. Hier ergeben sich folgende Möglichkeiten:<br />

1. Adjektiv mit Genitiv:<br />

bewusst byt si vedomý coho Der Politiker ist seiner Aufgabe bewusst. oder: der<br />

seiner Aufgabe bewusste Politiker<br />

fähig byt schopný coho Er war dieser Tat fähig. oder: der dieser Tat fähige<br />

Mensch<br />

froh tešit sa z coho Er ist seines Sieges/über seinen Sieg froh.<br />

gewiss byt si istý cím Der Gelehrte ist seiner Sache gewiss.<br />

kundig znalý, skúsený Er ist des Slowakischen kundig.<br />

ledig oslobodený Wir sind aller Schulden ledig.<br />

mächtig ovládajúci Er ist des Slowakischen mächtig.<br />

müde byt unavený od Er ist des Wartens müde.<br />

coho<br />

schuldig byt vinný cím Der Mann ist des Diebstahls schuldig.<br />

sicher, (sich) byt si istý cím Er ist seines Lebens nicht sicher.<br />

überdrüssig unavený z Ich bin deiner überdrüssig. Už si ma omrzel.


verdächtig byt vinný cím Er ist des Diebstahls verdächtig.<br />

wert hodný coho Sein Entschluss ist aller Achtung wert.<br />

würdig hodný coho Dieser Schüler ist der Auszeichnung würdig.<br />

2. Adjektiv mit Dativ :<br />

abhold<br />

ähnlich<br />

neprajný<br />

byt podobný<br />

Er ist großen Versprechungen immer abhold gewesen.<br />

Er ist dem Vater ähnlich.<br />

behilflich nápomocný Der Student war der alten Frau (beim Aussteigen)<br />

behilflich.<br />

bekannt známy Der mir bekannte deutsche Künstler; die allen<br />

böse<br />

egal<br />

eigen<br />

nahnevaný na koho<br />

jedno, rovný<br />

vlastný, osobitý<br />

bekannte Tatsache<br />

Er ist mir böse.<br />

Mir ist es völlig egal.<br />

Dies ist ihm eigen.<br />

ergeben oddaný, verný Er ist dem Herrscher ergeben.<br />

fremd byt cudzí komu Er ist mir fremd.<br />

geläufig bežný, obvyklý Dieses Sprichwort ist mir geläufig.<br />

gemäß primeraný Das wäre euch nicht gemäß.<br />

gemeinsam spolocný ein allen Bürgern gemeinsamer Wille<br />

gerecht zvládnut co Er ist den Aufgaben nicht gerecht geworden. Nezvládol<br />

úlohy.<br />

gram nahnevaný na koho Man kann ihm nicht gram sein.<br />

hold byt naklonený Er ist dem Rechnen nicht hold.<br />

hörig byt oddaný Er ist einem Dogma/dem Marxismus hörig.<br />

recht byt po vôli Es ist mir recht.<br />

treu byt verný komu Der Mann ist seiner Frau treu.<br />

überdrüssig mat dost coho Ich bin des Suchens/das Suchen überdrüssig.<br />

überlegen mat prevahu nad Sie ist ihm überlegen.<br />

kým<br />

willkommen byt vítaný Ihr seid hier immer willkommen.<br />

wohlgesinnt naklonený Der Chef war ihr immer wohlgesinnt.<br />

zugetan oddaný, naklonený Er ist seiner Frau zugetan.<br />

zuwider protivný Diese Art der Politik ist mir zuwider.<br />

3. Adjektiv mit Akkusativ:<br />

breit široký Die Tür ist einen Meter breit.<br />

dick tlstý Es ist einen Meter dick.<br />

gewohnt byt navyknutý na co Der alte Mann ist die tägliche Pflege gewohnt.<br />

groß vysoký Der Mann ist 2 m groß.<br />

hoch vysoký einen Zoll hoch, keine 10 m hoch<br />

lang dlhý eine Elle lang, einen guten Meter lang<br />

wert mat hodnotu Die Halskette ist keinen Pfifferling/keine Mark wert.<br />

173


174<br />

4. Adjektiv mit Dativ und Akkusativ:<br />

schuldig dlžný Der Sohn ist dem Vater Dank schuldig. oder: der seinem Vater<br />

Dank schuldige Sohn<br />

5. Adjektiv und präpositionale Gruppe:<br />

an + Akkusativ:<br />

gebunden an seine Schwester viazaný na<br />

gewöhnt an die Arbeit zvyknutý na<br />

an + Dativ :<br />

arm an Vitamin chudobný na<br />

gesund an Leib und Seele zdravý na<br />

interessiert an diesem Konzept zainteresovaný<br />

irr(e) an diesem Mann pochybovat o kom<br />

jung an Jahren mladý vekom<br />

krank an Herz chorý na<br />

reich an Kohlenhydrat bohatý na<br />

schuld an allem všetkému na prícine<br />

auf + Akkusativ:<br />

angewiesen auf seine Hilfe<br />

byt odkázaný na<br />

aufmerksam auf die Geschichte<br />

dávat pozor na<br />

begierig auf neue Informationen žiadostivý; zvedavý<br />

böse auf ihre Nachbarin nahnevaný na<br />

eifersüchtig auf ihren Mann byt žiarlivý na<br />

gefasst auf die Änderungen byt pripravený na<br />

gespannt auf deine/Ihre Meinung zvedavý na<br />

neidisch auf seinen Erfolg/seinen Freund závidiet komu co<br />

neugierig auf den neuen Roman byt zvedavý na<br />

stolz auf seinen Erfolg byt pyšný na<br />

wild auf Schokolade byt divý za cím<br />

wütend auf seinen Nachbarn zúrivý, rozzúrený<br />

auf + Dativ :<br />

blind auf einem Auge slepý na co<br />

lahm auf einem Bein krivý na<br />

taub auf beiden Ohren hluchý na co<br />

aus + Dativ:<br />

ersichtlich<br />

gebürtig<br />

Die Erlebnisse sind aus dieser<br />

Darstellung ersichtlich<br />

aus Passau<br />

zjavný, zrejmý z<br />

rodený, pochádza z


ei + Dativ:<br />

behilflich bei Exportgeschäften pomôct, byt nápomo cný pri<br />

beliebt bei seinem Volk oblúbený<br />

unbeteiligt (an)/bei dieser Sache nezúcastnený<br />

für + Akkusativ:<br />

empfänglich Der Wissenschaftler ist für eine Anerkennung/für<br />

prístupný comu<br />

ein Lob empfänglich.<br />

geeignet Der Stoff ist für einen Vortrag geeignet. vhodný na co<br />

reif eine Neuerung zrelý na co<br />

gegen + Akkusativ:<br />

ausfällig Der Junge wurde in letzter Zeit sehr ausfällig<br />

útocný, arogantný<br />

gegen seinen Lehrer.<br />

beständig Der Stoff ist gegen Hitze beständig. odolný voci<br />

empfindlich Der Stoff ist gegen Bestrahlung empfindlich.<br />

citlivý na<br />

fest<br />

Der Mantel ist gegen die stärkste Kälte pevný, odolný<br />

fest.<br />

gefeit gegen eine Versuchung chránený, obrnený proti<br />

gleichgültig gegen alle Vorschläge lahostajný voci<br />

grausam Die Krieger waren gegen den eroberten krutý<br />

Stamm grausam.<br />

immun<br />

Er ist gegen ständige Beschimpfungen imúnny<br />

seiner Gegner immun.<br />

nachsichtig Die Mutter ist gegen ihre Kinder oft nachsichtig.<br />

benevolentný<br />

unerbittlich Gegen Betrüger ist er unerbittlich. neúprosný<br />

gegenüber + Dativ :<br />

gleichgültig Die Frau ist ihrem Mann gegenüber lahostajný k/voci<br />

gleichgültig.<br />

zurückhaltend gegenüber seinen Kollegen zdržanlivý<br />

voreingenommen gegenüber berufstätigen Frauen zaujatý voci<br />

vorteilhaft gegenüber kommerziellen Fluglinien výhodný<br />

in + Akkusativ:<br />

verliebt Die Studentin ist in ihren Lehrer verliebt. zamilovaný do<br />

in + Dativ:<br />

bewandert in Computertechnik zbehlý v com<br />

einig in dieser Sache jednotný, svorný<br />

erfahren in der Behandlung schwieriger Kinder skúsený<br />

175


176<br />

geschickt in allen handwerklichen Arbeiten šikovný<br />

gewandt in Fechten obratný v com<br />

nachlässig in seiner Kleidung nedbalý<br />

mit + Dativ:<br />

befreundet mit ihm, diesem Mann spriatelený<br />

behaftet Sie ist mit einem schlechten Ruf/mit einem postihnutý cím<br />

Makel behaftet.<br />

böse mit der Nachbarin, mit ihr byt rozhnevaný s kým<br />

einverstanden mit dem Vorschlag, mit dir súhlasit s kým/cím<br />

fertig mit der Arbeit hotový s cím<br />

vergleichbar mit ähnlichen Projekten porovnatelný<br />

verheiratet mit einem jungen Mann, mit ihr/ihm ženatý/vydatá<br />

zufrieden mit deiner Leistung spokojný s cím<br />

nach + Dativ:<br />

durstig Der Student ist nach Wissen/ Unterhaltung smädný po com<br />

durstig.<br />

hungrig nach Liebe hladný po com<br />

über + Akkusativ:<br />

ärgerlich über dieses Ereignis, darüber byt nahnevaný na<br />

einig über den Preis jednotný<br />

erfreut über deinen Besuch mat radost z coho<br />

erstaunt über seine Taten cudovat sa comu<br />

froh über diese Lösung, darüber tešit sa z coho<br />

glücklich über seine Erfolge byt štastný z coho<br />

traurig über sein Schicksal byt smutný<br />

trostlos über seine Verluste zúfalý, bezútešný<br />

untröstlich über den Tod des Freundes zúfalý<br />

verbittert über die Entscheidung strpcený<br />

zornig über seinen Freund hnevat sa na<br />

um + Akkusativ:<br />

besorgt um das Kind byt ustarostený o<br />

schade um die vielen Anstrengungen škoda coho<br />

verlegen um eine Antwort, um eine Ausrede byt v pomykove pre<br />

von + Dativ:<br />

abhängig von der Industrie závislý od<br />

begeistert von seiner Mannschaft nadšený cím<br />

benommen von dem Schrecken, dem Unfall omámený z<br />

besessen von den neuen Ideen posadnutý z


entzückt von ihrer Schönheit nadšený cím<br />

fern von der Straße daleko od<br />

frei Er ist von Vorurteilen frei. zbavený coho<br />

krank<br />

von Sehnsucht<br />

byt chorý od<br />

müde<br />

der Arbeit<br />

unavený z<br />

überzeugt von seinem Recht presvedcený<br />

voll von Menschen plný kým/cím<br />

vor + Dativ<br />

rot vor Neid cervený od<br />

blass vor Ärger bledý od<br />

steif vor Kälte nehybný, stuhnutý<br />

zu + Dativ :<br />

aufgelegt Mein Freund ist zum Scherzen aufgelegt. mat náladu na co<br />

oder: Mein zum Scherzen aufgelegter<br />

Freund.<br />

bereit zur Abfahrt pripravený na co<br />

entschlossen zum Kampf odhodlaný k<br />

fähig zu dieser Tat, dazu schopný na<br />

geeignet Er ist zum Schauspieler geeignet. vhodný na<br />

gehörig Die Felder sind zu seinem Hof gehörig. patriaci k comu<br />

geneigt zu seinem Schüler byt naklonený<br />

freundlich zu allen Menschen priatelský<br />

5. Adjektiv und Adverb: heimisch, (sich) befindlich<br />

Er ist hier/da/dort heimisch.<br />

das sich dort befindliche Lager<br />

Verschiedene Adjektive, die den Dativ regieren, können alternativ mit für erscheinen:<br />

angenehm, heilsam, interessant, klar, möglich, nützlich, peinlich, unbegreiflich, unentbehrlich,<br />

verständlich<br />

Nach der Anzahl der obligatorischen und fakultativen Ergänzungen kann man die<br />

Adjektive in folgender Weise klassifizieren:<br />

1. nullwertige Adjektive<br />

kalt, bedeckt, finster, dunkel, …<br />

2. obligatoris ch einwertige Adjektive<br />

charakterfest, schwindlig, …<br />

3. zweiwertige Adjektive<br />

177


178<br />

3.1. Adjektive mit zwei obligatorischen Ergänzungen<br />

abträglich, ähnlich, gewärtig, ledig, …<br />

3.2. Adjektive mit einer obligatorischen und einer fakultativen Ergänzung<br />

liebenswürdig, interessiert, bange, …<br />

4. dreiwertige Adjektive<br />

4.1. obligatorisch dreiwertige Adjektive<br />

schuldig, überdrüssig, müde<br />

4.2. Adjektive mit einer obligatorischen und zwei fakultativen Ergänzungen<br />

dankbar, einverstanden, …<br />

4.3. Adjektive mit zwei obligatorischen und einer fakultativen Ergänzung<br />

behilflich, wert, einig, …<br />

5 Zahladjektive<br />

Numeralien (Zahlwörter) bezeichnen Mengen oder einen Platz in einer Reihe und<br />

werden auf Grund dieser Gemeinsamkeit in ihrer Bedeutung zu einer Wortart zusammengefasst.<br />

Nach der Verwendung im Satz und Merkmalen der Flexion kann man<br />

• Zahladjektive (fünf, fünfte Klasse),<br />

• Zahlsubstantive (die Eins, ein Drittel, eine Milliarde),<br />

• Zahladverbien (fünfmal, fünftens) und<br />

• Indefinitpronomen (alle, viele, wenige, manche)<br />

unterscheiden, also Numeralien anderen Wortarten zuordnen.<br />

Man unterscheidet:<br />

1. Kardinalzahlen (Grundzahlwörter)<br />

2. Ordinalzahlen (Ordnungszahlwörter)<br />

3. Bruchzahlen<br />

4. Vervielfältigungszahlen<br />

5. Gattungszahlen<br />

6. Distributivzahlen<br />

5.1 Kardinalzahlen<br />

Die Kardinalzahlen (Grundzahlen) bezeichnen eine Menge oder Anzahl von Personen<br />

oder Sachen. Sie sind eigentlich Zahladjektive, von denen die anderen Zahlwörter<br />

abgeleitet werden. Die Kardinalia sind:<br />

0-9 10-19 20-90 100-900


F<br />

F<br />

0 null<br />

1 eins<br />

2 zwei<br />

3 drei<br />

4 vier<br />

5 fünf<br />

6 sechs<br />

7 sieben<br />

8 acht<br />

9 neun<br />

10 zehn<br />

11 elf<br />

12 zwölf<br />

13 dreizehn<br />

14 vierzehn<br />

15 fünfzehn<br />

16 sechzehn<br />

17 siebzehn<br />

18 achtzehn<br />

19 neunzehn<br />

Höhere Kardinalia sind:<br />

20 zwanzig<br />

30 dreißig<br />

40 vierzig<br />

50 fünfzig<br />

60 sechzig<br />

70 siebzig<br />

80 achtzig<br />

90 neunzig<br />

(ein)tausend 1000<br />

zweitausend 2000<br />

zehntausend 10 000<br />

hunderttausend 100 000<br />

zweihunderttausend 200 000<br />

eine Million 1 000 000<br />

eine Milliarde 1 000 000 000<br />

eine Billion<br />

= 1000 Milliarden<br />

eine Billiarde = 1000 Billionen<br />

eine Trillion<br />

= 1000 Billiarden<br />

eine Trilliarde,<br />

eine Quadrillion<br />

usw.<br />

100 (ein)hundert<br />

200 zweihundert<br />

300 dreihundert<br />

400 vierhundert<br />

500 fünfhundert<br />

600 sechshundert<br />

700 siebenhundert<br />

800 achthundert<br />

900 neunhundert<br />

Verbindung der Zahlen 1-9 mit den Zahlen über 20:<br />

21 einundzwanzig<br />

87 siebenundachtzig<br />

99 neunundneunzig<br />

101 (ein)hundert(und)ein(s)<br />

222 zweihundertzweiundzwanzig<br />

1996 (ein)tausendneunhundertsechsundneunzig<br />

Als Jahreszahl wird 1996 allerdings folgendermaßen gelesen:<br />

1996 neunzehnhundertsechsundneunzig<br />

Die Kardinalia bleiben in der Regel unflektiert; nur zwei und drei haben im Genitiv<br />

die Endung -er, wenn kein Artikel davor steht.<br />

Wir begrüßen die Anwesenheit zweier/dreier Präsidenten.<br />

aber: Wir begrüßen die Anwesenheit der zwei /der drei Präsidenten.<br />

Die Erlebnisse dreier Freunde.<br />

aber: Die Erlebnisse seiner drei Freunde.<br />

179


180<br />

Die Kardinalia von zwei bis zwölf erhalten im Dativ die Endung -en, wenn kein Artikel<br />

davor steht:<br />

Das Kind ist auf allen vieren gekrochen. Diet a liezlo po štyroch.<br />

Ich habe mit zweien aus meiner Gruppe gesprochen.<br />

Der unbestimmte Artikel ein, eine, ein kann als Zahlwort gebraucht werden. Er wird<br />

dann beim Sprechen betont.<br />

Nur einer von zehn Schülern war anwesend.<br />

Die Kardinalzahlen werden attributiv und prädikativ gebraucht.<br />

5.1.1 Deklination der Kardinalia<br />

F<br />

Vollständig wird nur ein dekliniert, und zwar wie ein Adjektiv stark, wenn es ohne<br />

Artikel und Pronomen steht, s chwach, wenn ein Artikel oder ein Pronomen dabeisteht:<br />

einer, der eine<br />

eines, das eine<br />

mit Hilfe des einen<br />

Die Form ein(e)s wird verwendet:<br />

• als allein stehendes Wort: eins plus zwei<br />

zwei Augen sehen mehr als eins<br />

• am Ende einer Zahlgruppe: hundert(und)eins<br />

• bei Zeitangaben ohne den Zusatz Uhr: um eins, gegen eins<br />

Die Form ein gebraucht man:<br />

• vor Zehnern: einundzwanzig<br />

• vor Bruchzahlen: ein Viertel,<br />

dividiert durch ein Viertel<br />

• vor Uhr: es ist ein Uhr<br />

• gewöhnlich vor bis und oder: auf ein bis zwei Tage<br />

Zwei und drei<br />

Sie werden im Genitiv dekliniert, wenn nicht ein vorangehendes Wort den Kasus<br />

kennzeichnet:<br />

aus dreier Mund<br />

aber: die Aussage dieser drei Zeugen<br />

Kardinalzahlen werden groß geschrieben, wenn sie als Substantive gebraucht werden.<br />

Eine Null hinter einer Ziffer bedeutet einen Zehnerabstand.


F<br />

Der Schüler bekam eine Eins für seine Arbeit.<br />

Endlich schlug die Glocke Zwölf.<br />

Ebenfalls groß geschrieben werden:<br />

(die, eine) Million, -en, Milliarde, -n, Billion, -en<br />

Bei dem Geschäft hat er drei Millionen verdient.<br />

Die Kardinalzahlen bilden Substantive auf -er und entsprechende attributiv gebrauchte<br />

unbeugbare Adjektive ebenfalls auf -er.<br />

die Einer, Zehner;<br />

in den dreißiger Jahren, der vierziger Jahrgang,<br />

eine 64er Bildröhre<br />

Mit dem Suffix -er werden z.B. Bezeichnungen für Geldstücke, Geldscheine gebildet<br />

(ein Zwanziger ist z.B. ein Zwanzig -Mark-Schein , ein Zehner ist ein Zehn-Mark-<br />

Schein, gelegentlich Zehnpfennigstück.)<br />

Hunderte, Tausende stovky, tisícky<br />

Hundert und tausend werden manchmal als Substantive gebraucht und stark dekliniert:<br />

Seit dem Erdbeben leben noch Hunderte in Baracken.<br />

Million, Milliarde, Billion milión, miliarda, bilión<br />

werden immer als Substantive gebraucht und als solche schwach (wie Feminina)<br />

dekliniert:<br />

Auf der Erde leben über fünf Milliarden Menschen.<br />

Null nula<br />

die Zahl 0 wird ebenfalls als Substantiv gebraucht und als solche schwach (wie Feminina)<br />

23 dekliniert:<br />

Das Thermometer steht auf Null.<br />

Er ist eine Null.<br />

aber: null Fehler im Diktat, null Grad (= Gefrierpunkt), null Uhr<br />

zehn Minuten (10 Minuten( nach 24 Uhr, Der Vertrag ist null und nichtig.<br />

Zahlen mit der festen Endung -er sind deklinierbar:<br />

Man spricht oft von dem raschen Wirtschaftswachstum in den Fünf zigern. (= in den 50er Jahren)<br />

Bewundernswert war die sportliche Leistung eines Achtzigers. (= eines Mannes zwischen 80<br />

und 90 Jahren)<br />

181<br />

23 Merke: Die Bezeichnung eines Kartenspiels ist der oder das Null. Z.B.: Null spielen.


182<br />

beide, beides oba, obidva, obidvaja, obe, obidve<br />

entspricht der Zahl zwei, bezieht sich aber zurück auf schon erwähnte Personen oder<br />

Sachen (beide) oder Zusammenhänge (beides). Die Endungen sind die des bestimmten<br />

Artikels:<br />

Ich habe mit dem Personalchef und dem Abteilungsleiter gesprochen; beide haben mir die Stellung<br />

zugesagt.<br />

ein Paar pár<br />

bedeutet zwei Personen oder Sachen, die zusammengehören:<br />

Die beiden heirateten heute; sie sind ein hübsches Paar.<br />

ein paar niekolko<br />

bedeutet einige Personen oder Sachen.<br />

Ich habe ein paar Blumen gekauft.<br />

ein Duzend tucet<br />

bedeutet zwölf gleichartige Personen oder Sachen:<br />

Ein Duzend Eier sind zwölf Eier.<br />

ganz und halb celý; pol, polovica, polovicka<br />

Sie werden nur nach dem bestimmten Artikel dekliniert. Mit Namen von Städten<br />

oder Ländern bleiben sie undekliniert:<br />

die ganze Welt<br />

Ganz Nitra war anwesend.<br />

in halb Böhmen<br />

Mathematische Grundoperationen werden wie folgt gelesen:<br />

3 + 4 = 7 drei und /plus vier ist (gleich) sieben<br />

5 – 4 = 1 fünf minus/weniger vier ist (gleich) eins<br />

5 x 3 = 15 fünf mal drei / fünf multipliziert mit drei ist (gleich) fünfzehn<br />

6 : 2 = 3 sechs geteilt/dividiert durch zwei ist (gleich) drei; sechs durch zwei ist<br />

(gleich) drei<br />

52 = 25 fünf hoch zwei / fünf zum Quadrat ist (gleich) fünfundzwanzig<br />

3 3 = 27 drei hoch drei ist siebenundzwanzig<br />

= 5 zweite Wurzel/Quadratwurzel aus fünfundzwanzig ist (gleich) fünf<br />

=3 dritte Wurzel/Kubikwurzel aus siebenundzwanzig ist (gleich) drei<br />

1,21 eins Komma einundzwanzig


5.2 Ordinalzahlen<br />

a) Ordinalzahlen (Ordinalia, Ordnungszahlwörter) kennzeichnen die Reihenfolge.<br />

Sie werden von zwei bis neunzehn mit der Nachsilbe -te, von zwanzig an mit der<br />

Nachsilbe -ste gebildet.<br />

b) Man schreibt die Ordinalzahlen entweder in Ziffern und Punkt (der 2.) oder in<br />

Buchstaben (der zweite). Sie werden immer mit der entsprechenden Adjektivendung<br />

gesprochen und gelesen.<br />

c) Die Frage nach einer Ordinalzahl lautet der wie vielte?<br />

der, die, das<br />

erste<br />

zweite<br />

dritte<br />

vierte<br />

......<br />

siebente<br />

.......<br />

neunzehnte<br />

zwanzigste<br />

tausendste<br />

million[s]te<br />

5.2.1 Deklination der Ordinalia<br />

Ordinalzahlen werden wie ein Adjektiv dekliniert.<br />

Ich habe heute mein zweites Examen bestanden.<br />

Beim Pferderennen wurde er Erster.<br />

Der 1. Januar/Jänner (Der erste Januar) ist ein Feiertag.<br />

Karl I. (= Karl der Erste) wurde im Jahre 800 zum Kaiser gekrönt.<br />

der erste = am Anfang einer Reihe<br />

der letzte = am Ende einer Reihe<br />

Die ersten Besucher bekamen gute Plätze, die letzten mussten stehen.<br />

Wenn in einem vorhergehenden Zusammenhang zwei Personen oder Sachen gleichen<br />

Geschlechts erwähnt werden, gebraucht man zur besseren Unterscheidung der erstere<br />

und der letztere:<br />

Der Geselle und der Meister stritten sich. Der erstere fühlte sich unterdrückt, der letztere<br />

(fühlte sich) ausgenutzt.<br />

5.3 Bruchzahlen<br />

Sie dienen zur Benennung von gleichen Teilen, bzw. Mengen von gleichen Teilen.<br />

Bruchzahlen werden aus Ordinalzahlen in der Regel mit dem Suffix -el gebildet und<br />

183


184<br />

bezeichnen einen Teil eines Ganzen. Sie können als Adjektive und als Substantive<br />

gebraucht werden:<br />

½ – ein halb, das Halbe<br />

¼ – ein Viertel<br />

1/8 – ein Achtel, ein achtel Kilo<br />

1/ 102 – Hundertzweitel,<br />

Gemischte Zahlen, d.h. Verbindungen von ganzen Zahlen mit Bruchzahlen, werden<br />

folgendermaßen geschrieben und gelesen:<br />

5 3 /5 – fünf drei Fünftel<br />

3 5 /8 – drei fünf Achtel<br />

Aus größeren Zahlen, die auf 1 enden, kann man immer einen Nenner bilden. Wenn<br />

dieses Element als letztes gesprochen wird, heißt es Eintel:<br />

1/101 – ein (Ein)hundert(und)eintel<br />

Als Maßeinheiten gebrauchten Bruchzahlen werden im Plural nicht dekliniert:<br />

ein Gewinn von drei Zehntel des Gesamtbetrages<br />

5.4 Vervielfältigungszahlen<br />

Vervielfältigungszahlen bezeichnen Angaben, die in gleicher Weise immer wieder<br />

vorkommen. Man bildet sie aus den Kardinalzahlen durch das Suffix -fach.<br />

drei<br />

anderthalb + fach =<br />

viel<br />

dreifach<br />

anderthalbfach<br />

vielfach<br />

Sie können als Adverb (undekliniert) oder als Adjektiv (dekliniert) verwendet werden:<br />

als Adverb: Die Tür ist dreifach gesichert.<br />

als Adjektiv: Man muss den Antrag in fünffacher Ausfertigung vorlegen.<br />

doppelt dvojitý, dvojnásobný, dvakrát<br />

d.h. etwas ist doppelt vorhanden.<br />

Als Adjektiv:<br />

als Adverb:<br />

doppelte Buchführung – podvojné úctovníctvo<br />

doppelte Sorgen – dvojnásobné starosti<br />

Er sieht alles doppelt – všetko vidí dvojmo<br />

Zweifach und doppelt sind oft bedeutungsgleich.<br />

ein zweifaches/doppeltes Verbrechen


F<br />

5.5 Gattungszahlen<br />

Gattungszahlen bezeichnen die Zahl der Eigenschaften, die einer Größe zugeordnet<br />

ist. Sie werden aus der Kardinalzahl mit dem Suffix -erlei gebildet.<br />

zweierlei<br />

dreierlei<br />

dvojaký<br />

trojaký<br />

auf dreierlei Art und Weise.<br />

Das Geschäft führte zweierlei Arten von Sesamöl.<br />

Dies ist mir einerlei. (= egal) [Wilhelm Busch]<br />

5.6 Distributivzahlen<br />

Die Distributivzahlen bezeichnen einzelne Ele mente numerisch definierter Teilmenge.<br />

Man bildet sie mit je, zu + Kardinalzahl.<br />

je drei<br />

je einer<br />

po tri<br />

jednotlivo, po jednom<br />

eine Mark je Stück kus za (jednu) marku<br />

Ihr bekommt je sieben Bücher.<br />

aber: Geht zu zweit, zu dritt, zu viert! Chodte spolu (po dvoch, v dvojiciach)…! usw.<br />

6 Das Pronomen<br />

Mit der Bezeichnung Pronomen (auch Fürwort, lat. pro nomine = »für ein Nomen«)<br />

werden verschiedene Arten von Stellvertretern von Substantiven zusammengefasst.<br />

Die Wortart Pro nomen realisiert folgende Funktionen:<br />

1. Pronomen verweisen auf bestimmte Lebewesen, Gegenstände und Sachverhalte.<br />

Diese Beziehungen werden aus Satz- bzw. Textzusammenhängen sowie aus der<br />

Sprechsituation sichtbar.<br />

2. Die Pronomen können die Rolle von Verbindungselementen im Text ausüben.<br />

3. Pronomen funktionieren als Stellvertreter oder Begleiter eines Nomens, bzw. einer<br />

Nominalgruppe.<br />

Pronomen unterscheiden sich von anderen Wortarten durch folgende grammatische<br />

Merkmale:<br />

• sie sind deklinierbar<br />

• sie sind nicht artikelfähig<br />

• sie sind nicht komparierbar<br />

6.1 Klassifizierung der Pronomen<br />

Auf Grund ihrer Bedeutung und Form werden die Pronomen in folgende Arten eingestellt:<br />

185


186<br />

1. Personalpronomen (persönliche Fürwörter): ich, du er, wir<br />

2. Possessivpronomen (besitzanzeigende Fürwörter): mein, dein, sein, unser<br />

3. Indefinitpronomen (unbestimmte Fürwörter): man, jemand, niemand, mancher,<br />

etwas, kein<br />

4. Demonstrativpronomen (hinweisende Fürwörter): dieser, jener, der, die, das<br />

5. Relativpronomen (bezügliche Fürwörter): der, die, das, welcher, welche, welches,<br />

was<br />

6. Interrogativpronomen (Fragefürwörter): wer?, was?, wie?, welche?, was für<br />

ein?<br />

7. Reflexivpronomen (rückbezügliche Fürwörter): sich<br />

Die meisten Pronomina werden dekliniert:<br />

Sie (meine Freundin) besucht mich heute.<br />

Ich kaufe ihr Blumen und bedanke mich für ihren Besuch.<br />

Die Uhr, die ich gestern gekauft habe, ist schon kaputt.<br />

6.1.1 Personalpronomen<br />

Die Personalpronomen oder Partnerpronomen „bezeichnen die unmittelbar an einem<br />

Gespräch Beteiligten.“ (ENGEL 1996: 649) Im Singular und im Plural unterscheidet<br />

man drei Personalpronomen:<br />

Singular<br />

ich (1. Person Singular) bezeichnet in der Regel den Sprecher selbst.<br />

du (2. Person Singular) bezeichnet in der Regel die angesprochene Person.<br />

er, sie, es bezeichnen die dritte Person im Singular.<br />

Plural<br />

wir (1. Person Plural) bezeichnet eine Personengruppe, für die gesprochen wird.<br />

ihr bezeichnet die 2. Person im Plural.<br />

sie bezeichnet die dritte Person im Plural.<br />

In der dritten Person Singular richten sich die Personalpronomen nach dem Ge nus<br />

des Substantivs (er – sie – es).<br />

Die Höflichkeitsform wird durch die 3. Person Plural gekennzeichnet (sie – Sie).<br />

Deklination der Personalpronomen<br />

Singular:<br />

N.<br />

G<br />

D.<br />

A.<br />

1. Person 2. Person 3. Person<br />

ich du er sie es<br />

meiner deiner seiner ihrer seiner<br />

mir dir ihm ihr ihm<br />

mich dich ihn sie es


Plural:<br />

N.<br />

G<br />

D.<br />

A.<br />

1. Person 2. Person 3. Person Höflichkeitsform<br />

wir ihr<br />

sie<br />

Sie<br />

unser euer ihrer<br />

Ihrer<br />

uns euch ihnen<br />

Ihnen<br />

uns euch sie<br />

Sie<br />

Anmerkung: In der Standardsprache werden statt wegen und willen + Personalpronomen<br />

folgende Formen gebraucht:<br />

meinetwegen meinetwillen kvôli mne, pre mna<br />

deinetwegen deinetwillen kvôli tebe, pre teba<br />

seinetwegen seinetwillen kvôli nemu, pre neho<br />

ihretwegen ihretwillen kvôli nej, pre nu<br />

uns(e)retwegen uns(e)retwillen kvôli nám, pre nás<br />

euretwegen euretwillen kvôli vám, pre vás<br />

ihretwegen ihretwillen kvôli nim, pre nich<br />

Die Formen wegen mir, wegen uns usw. sind allgemein umgangssprachlich, die Form<br />

wegen meiner usw. ist landschaftlich und veraltet.<br />

6.1.1.1 Zur Verwendung des Personalpronomens »es«<br />

Das Pronomen es hat verschiedene Verwendungsweisen.<br />

a) Das Pronomen es dient als Stellvertreter eines Substantivs:<br />

Das Fenster ist schmutzig. Wir müssen es putzen.<br />

b) Das Pronomen es kann Adjektive oder ganze Satzteile vertreten:<br />

Er spricht sehr leise. Man kann es kaum verstehen.<br />

c) Das Pronomen es ist Platzhalter (vorgesetztes Subjekt) eines Satzgliedes (Subjekt,<br />

Objekt) und kann am Anfang des Satzes stehen. Dadurch ermöglicht es eine<br />

besondere betonte Endstellung anderer Satzglieder und zugleich eine Zweitstellung<br />

der finiten Verbformen:<br />

Es war einmal ein König.<br />

Es kommen noch schwere Zeiten.<br />

d) Das Pronomen es als Korrelat (Platzhalter) steht im Hauptsatz eines Satzgefüges<br />

und verweist auf einen nachgestellten Nebensatz oder eine satzwertige Infinitivkonstruktion:<br />

Mich hat es sehr enttäuscht, dass du mich nicht angerufen hast.<br />

Der Dozent sah es als gutes Zeichen an, dass die Studenten zufrieden waren.<br />

187


188<br />

e) Es ist ein rein formales Subjekt in Sätzen, die Witterungserscheinungen, Geräusche,<br />

Zeitangaben u.a. bezeichnen:<br />

Es schneit. Es nieselt. Es ist kalt, neblig, trübe.<br />

Es klopft, klingelt.<br />

Es ist Abend, Nachmittag.<br />

usw.<br />

6.1.2 Possessivpronomen<br />

Das Possessivpronomen (lat. possessivus – »den Besitz anzeigend«) deutet auf den<br />

Besitzer im weitesten Sinne hin. Es wird aus dem Genitiv des entsprechenden Personalpronomens<br />

abgeleitet:<br />

ich " mein, du " dein, er " sein, sie " ihr<br />

wir " unser, ihr " euer, sie " ihr<br />

Das Possessivpronomen weist darauf hin, dass etwas jemandem gehört:<br />

Hans – sein Buch; Inge – ihr Heft; wir – unsere Bücher;<br />

ihr – eure Freunde; die Schüler – ihre Lehrerin<br />

Wenn grammatisches und natürliches Geschlecht nicht übereinstimmen, kann die<br />

Wahl des Possessivpronomens schwanken:<br />

Das Mädchen besucht seine / ihre Freundin.<br />

In der 3. Person Singular wird nach dem Genus (sein, ihr) des Besitzers unterschieden.<br />

Possessivpronomen werden überwiegend wie Adjektive gebraucht und dekliniert.<br />

Ihre Deklination entspricht der Deklination des unbestimmten Artikels:<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Singular<br />

Maskulinum Femininum Neutrum<br />

mein Vater meine Mutter mein<br />

meines Vaters meiner Mutter meines<br />

meinem Vater meiner Mutter meinem<br />

meinen Vater meine Mutter mein<br />

Kind<br />

Kindes<br />

Kind<br />

Kind<br />

Plural<br />

meine<br />

meiner<br />

meinen<br />

meine<br />

Kinder<br />

Kinder<br />

Kindern<br />

Kinder<br />

Das Possessivpronomen wird gelegentlich mit dem vorangehenden bestimmten Artikel<br />

verwendet:<br />

Wie geht es deinem Bruder / deiner Schwester?<br />

- Dem meinen /der meinen geht es gut.<br />

Das Possessivpronomen kann im prädikativen Gebrauch dekliniert oder undekliniert<br />

verwendet werden:<br />

Der Mantel ist mein. Nein, das ist meiner.


Das slowakische Possessivpronomen svoj, svoja, svoje, svoji wird im Deutschen<br />

durch die entsprechenden Possessivpronomina ausgedrückt:<br />

ich – mein<br />

du – dein<br />

er – sein<br />

sie – ihr<br />

es – sein<br />

wir – uns<br />

ihr – euch<br />

sie – ihr<br />

die Höflichkeitsform:<br />

Ich lese<br />

Du grüßt<br />

Er nimmt<br />

Sie grüßt<br />

Es putzt<br />

Wir essen<br />

Ihr grüßt<br />

Sie erfüllen<br />

mein Buch.<br />

deinen Freund.<br />

seinen Koffer.<br />

ihren Freund.<br />

seine Schuhe.<br />

unser Brot.<br />

eure Freunde.<br />

ihre Pflicht.<br />

svoju knihu<br />

svojho priatela<br />

svoj kufor<br />

svojho priatela<br />

svoje topánky<br />

svoj chlieb<br />

svojich priatelov<br />

svoju povinnost<br />

Sie – Ihr Sie essen Ihre Suppe. svoju polievku<br />

6.1.3 Indefinitpronomen<br />

Das Indefinitpronomen (lat. indefinitus = »unbestimmt’) steht für Personen oder Sachen,<br />

die nach Art und Anzahl nicht näher bestimmt sind. Die Unbestimmtheit kann<br />

bei einigen Indefinitpronomen noch durch irgend- verstärkt werden:<br />

irgendetwas nieco irgendwie nijako<br />

irgendjemand niekto irgendwo niekde<br />

Auf Personen beziehen sich folgende Indefinitpronomen:<br />

man „clovek“ jeder každý<br />

jemand niekto jedermann každý<br />

niemand nikto irgendjemand hocikto<br />

irgendeiner hocikto<br />

Auf Sachen beziehen sich folgende Indefinitpronomen:<br />

etwas<br />

nichts<br />

irgendetwas<br />

nieco<br />

nic<br />

hocico<br />

Auf Personen oder Sachen beziehen sich folgende Indefinitpronomen:<br />

alle každý viele vela<br />

alles niekto einzelne jednotliví<br />

etliche mnohí, viacerí keiner žiaden<br />

jeder každý (irgend)ein nejaký<br />

irgendwelcher nejaký, niektorý<br />

Indefinitpro nomen können substantivisch und adjektivisch gebraucht werden:<br />

Jemand hat das Spiel verdorben.<br />

Wenige Menschen waren nur begeistert.<br />

189


190<br />

Die Indefinitpronomen alles, etwas, nichts unterliegen im Ge brauch keinen Formveränderungen.<br />

Die anderen Indefinitpronomen werden dekliniert:<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Singular<br />

Mask. Fem.<br />

jeder jede<br />

jedes jeder<br />

jedem jeder<br />

jeden jede<br />

Neutr.<br />

jedes<br />

jedes<br />

jedem<br />

jede<br />

jeder, jedermann, jeglicher každý, akýkolvek<br />

Plural<br />

alle<br />

aller<br />

allen<br />

alle<br />

Er fragte nach allem und jedem.<br />

Er war zu jedermann zu freundlich.<br />

Mir ist jeglicher Appetit vergangen.<br />

(jeglicher ist ein veralteter Ausdruck.)<br />

jemand niekto – Gegenwort: niemand nikto<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

jemand<br />

jemandes<br />

jemand / jemandem<br />

jemand / jemanden<br />

niemand<br />

niemandes<br />

niemand/niemandem<br />

niemand/niemanden<br />

Wie jemand wird auch niemand dekliniert.<br />

Deklination des unbestimmten Pronomens man<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

man<br />

-<br />

einem<br />

einen<br />

Was man gerne tut, fällt einem nicht schwer.<br />

Die Indefinitpronomen werden mit kleinen Anfangsbuchstaben geschrieben auch<br />

wenn sie als Substantive verwendet werden:<br />

Ich sage dir etwas. Ist dort jemand?<br />

Nur wenige haben das Gedicht auswendig gelernt.<br />

Nach etwas, vieles, wenig, alles, manches, nichts werden Adjektive wie Substantive<br />

gebraucht und mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben:<br />

Ich wünsche Euch alles Gute.<br />

Hier kannst du viel Interessantes und Schönes sehen.<br />

Die einzelnen Indefinitpronomen sind folgende:<br />

all, alle, alles všetok, všetko, každý


F<br />

All das Glück und Leid dieser Welt ...<br />

Alle waren anwesend.<br />

Wir haben alles getan.<br />

andrer (andere, anderes) druhý, iný, inakší<br />

anderer Meinung sein<br />

ein Bein über das andere schlagen<br />

ein anderes Leben<br />

ein (eine, ein(e)s) jeden, nejaký – Gegenwort: keiner žiaden<br />

eine der größten Messen<br />

mit einem der Jungen<br />

nach Aussage von einem, der dabei war<br />

Sie tranken noch ein(e)s. (= z.B. noch ein Glas Bier)<br />

Er traf keinen der Mitspieler<br />

etwas (irgendetwas) nieco – Gegenwort: nichts nic<br />

es zu etwas bringen (= etwas werden)<br />

Hier raschelt (irgend)etwas.<br />

Etwas und nichts bleiben immer unflektiert.<br />

ein bisschen, das bisschen trocha, troška<br />

Ein bißchen Brot, mit ein bißchen Geduld<br />

Mit dem bißchen läßt sich nichts anfangen.<br />

Es regnet ein bißchen.<br />

einige, etliche, ein paar nieco, mnoho, viacero, niekolko<br />

Ich weiß einiges / etliches darüber.<br />

(etliches ist ein veralteter Ausdruck)<br />

ein paar schöne Stunden<br />

aber: ein Paar (= zwei) braune Handschuhe<br />

gewiss urcitý<br />

Ein gewisser Herr Müller fragte gestern nach dir.<br />

Sie hat das gewisse Etwas.<br />

Sie verfügt über einen gewissen Charme.<br />

mancher, manche, manches niektorý, niekolko<br />

So mancher Mann akzeptiert Gleichstellung der Frau nicht.<br />

Manche Frauen sind durch Haushalt und Beruf überfordert.<br />

191


192<br />

einige, mehrere, sämtliche, viele, wenige; niekolko, viacerí, všetok, vela<br />

Einige / viele / wenige Menschen warten vor dem Geschäft.<br />

Gib mir noch ein wenig Brot.<br />

Sämtliche Atomkraftwerke sollten stillgelegt werden.<br />

Wer und was werden in der Umgangssprache als Indefinitpronomen im Sinne von<br />

(irgend)jemand, (irgend)etwas verwendet.<br />

Ist wer da?<br />

Suchst du wen / was?<br />

kein, keine, kein žiadny, nijaký<br />

Die unbestimmten Pronomen kein, keine, kein werden im Singular wie der unbestimmte,<br />

im Plural wie der bestimmte Artikel dekliniert:<br />

Singular<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Plural<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Maskulinum Femininum Neutrum<br />

kein guter Mann<br />

keine gute Frau kein gutes Kind<br />

keines guten Mannes keiner guten Frau keines guten Kindes<br />

keinem guten Mann keiner guten Frau keinem guten Kind<br />

keinen guten Mann keine gute Frau kein gutes Kind<br />

Maskulinum Femininum Neutrum<br />

keine guten Männer keine guten Frauen keine guten Kinder<br />

keiner guten Männer keiner guten Frauen keiner guten Kinder<br />

keinen guten Männern keinen guten Frauen keinen guten Kindern<br />

keine guten Männer keine guten Frauen keine guten Kinder<br />

Allein stehend wird es wie der bestimmte Artikel dekliniert:<br />

Keiner von seinen Bekannten hat ihn angerufen.<br />

Keines seiner Kinder war anwesend.<br />

6.1.4 Demonstrativpronomen<br />

Die Demonstrativpronomen (lat. demonstrare = »auf etwas hinweisen«) weisen auf<br />

etwas hin, was im Redezusammenhang vorhergehend oder nachfolgend genannt<br />

worden ist. Sie dienen zur Identifikation von Personen, Sachen oder Sachverhalten.<br />

Vgl.:<br />

Am vergangenen Freitag waren wir in Wien. Dieser Tag bleibt uns noch lange in Erinnerung.


Demonstrativpronomen sind:<br />

der, die, das<br />

dieser, diese, dieses<br />

verweist auf Näherliegendes<br />

jener, jene, jenes<br />

verweist auf Fernerliegendes<br />

solcher, solche, solches<br />

derselbe, dieselbe dasselbe<br />

derjenige, diejenige, dasjenige<br />

selbst, selber<br />

in der Bedeutung »sogar» ist es<br />

Adverb<br />

ten, tá. to<br />

tento, táto, toto<br />

onen, ona, ono<br />

taký, taká, také<br />

ten istý, tá istá, to isté<br />

ten, tá, to<br />

sám<br />

Die Demonstrativpronomen werden nach folgendem Muster dekliniert:<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Singular<br />

Mask. Fem. Neutr.<br />

der die das<br />

dessen deren dessen<br />

dem den dem<br />

den die das<br />

dieser, diese, dieses ten, tá, to<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Singular<br />

Mask. Fem. Neutr.<br />

dieser diese dieses<br />

dieses dieser dieses<br />

diesem dieser diesem<br />

diesen diese dieses<br />

Zusammengesetzte Formen:<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Plural<br />

die<br />

deren/derer<br />

denen<br />

das<br />

Plural<br />

diese<br />

dieser<br />

diesen<br />

diese<br />

Singular<br />

Mask. Fem. Neutr.<br />

derjenige diejenige dasjenige<br />

desjenigen derjenigen desjenigen<br />

demjenigen derjenigen demjenigen<br />

denjenigen diejenige dasjenige<br />

Plural<br />

diejenigen<br />

derjenigen<br />

denjenigen<br />

diejenigen<br />

193<br />

6.1.5 Zurückweisendes Demonstrativpronomen<br />

Das Demonstrativpronomen steht für eine vorerwähnte Person oder Sache:<br />

Kennst du diesen Mann? – Nein, den kenne ich nicht.<br />

Dieser Wagen ist preisgünstig. – Ich möchte auch einen solchen haben.


194<br />

Dem Demonstrativpronomen kann oft ein substantivisches Attribut angeschlossen<br />

werden:<br />

Die Konzeption des Präsidenten und die seiner Begleiter ...<br />

Die neutralen Formen das und dieses (verkürzt dies) beziehen sich oft nicht auf Vorerwähntes,<br />

sondern fassen verbale Aussagen zusammen:<br />

Er besucht uns heute. Das (dies) hat er versprochen.<br />

Dieser weist auf Näherstehende (zuletzt genannte), jener auf das davor genannte hin:<br />

Hans hat zwei Brüder, Ralf und Rolf. Dieser ist zwölf, jener elf Jahre alt.<br />

Die Paarung diese(r) und jene(r) tritt überwiegend im schriftlichen Sprachgebrauch<br />

auf:<br />

6.1.6 Vorausweisende Demonstrativpronomen<br />

Das Demonstrativpronomen steht für eine nicht genannte Person, die durch einen Relativsatz<br />

bestimmt wird:<br />

Wir gedenken derer, die für unsere Sportler viel getan haben.<br />

Wir rufen alle Sportler und solche, die es werden wollen.<br />

Nach dem Demonstrativpronomen derjenige steht der Relativsatz als Zwischensatz:<br />

Diejenigen, die die Antwort kennen, erhalten einen Preis.<br />

Der Genitiv Plural des Demonstrativpronomens die hat Doppelformen. Bei Rückverweis<br />

steht deren, bei Vorausverweis steht derer:<br />

Wir sammeln Obst und Gemüse. Es gab deren viel.<br />

Wir gedenken derer, die für unsere Sache viel geleistet haben.<br />

Die Pronomen derselbe, dieselbe, dasselbe werden nur im Sinne von andererselbe<br />

gebraucht:<br />

Sie hatte dasselbe Kleid wie ihre Freundin an.<br />

Identität<br />

Sie hatte das gleiche Kleid wie ihre Freundin an.<br />

Ähnlichkeit<br />

6.1.7 Relativpronomen<br />

Das Relativpronomen (lat. relatum = »auf etwas bezogenes«) bezieht Nebensätze auf<br />

Personen oder Sachbezeichnungen oder (als weiterführende Nebensätze) auf den gesamten<br />

Inhalt des übergeordneten Satzes:<br />

Ich bringe dir das Buch, das ich gestern gekauft habe.<br />

Der Mann, mit dem ich gesprochen habe, ist ein berühmter Schauspieler.


Die Schülerin, deren Vater im Sprechzimmer wartet, ist schon operiert worden.<br />

Die Kinder, die bei uns waren, sind alle gute Sportler.<br />

Relativpronomen sind:<br />

der, die, das ten, tá, to Sie können je nach syntaktischem Zusammenhang<br />

auch Artikel bzw. Demonstrativpronomen<br />

sein.<br />

welcher, welche,<br />

welches<br />

ktorý, kto rá,<br />

ktoré<br />

Diese Pronomen werden in der deutschen Sprache<br />

der Ge genwart immer seltener gebraucht.<br />

wer, was kto, co Beide haben syntaktische Funktion und werden<br />

daher substantivisch gebraucht.<br />

Relativpronomen werden auch in Verbindung mit Präpositionen verwendet:<br />

Das Mädchen, auf das ich vor dem Kino wartete, kam später.<br />

Es ist eine Leistung, auf die du stolz sein kannst.<br />

Die Geschichte, von der wir jetzt sprechen, ereignete sich vor einem Jahr.<br />

Besonders das Relativpronomen was wird im modernen Sprachgebrauch im verallgemeinernden<br />

Sinn bevorzugt. Es bezieht sich meist nicht auf ein konkre tes Substantiv<br />

oder Pronomen, sondern auf den Inhalt des Satzes:<br />

Wir besprechen dieses Thema, was mir sehr gefällt.<br />

Nichts, was geschieht, geschieht ohne Ursache.<br />

6.1.8 Interrogativpronomen<br />

Die Interrogativpronomen (lat. interrogare = »fragen«) dienen dazu, nach Personen<br />

oder Sachen zu fragen. Sie dienen zur Einleitung von direkten und indirekten Fragen.<br />

Interrogativpronomen sind: wer?, was?, was für ein?, welcher?<br />

substantivische Interrogativpronomen:<br />

wer?<br />

was?<br />

welcher?, welche?, welches?<br />

kto?<br />

co?<br />

ktorý?, ktorá?, ktoré?<br />

adjektivische Interrogativpronomen:<br />

was für ein?<br />

was für eine?<br />

was für ein?<br />

was für?<br />

aký?<br />

aká?<br />

aké?<br />

akí?<br />

Wer? fragt nach Personen: Wer ist da?<br />

Was? fragt nach Sachen oder Was ist das? Was machst du?<br />

Sachverhalten:<br />

195


196<br />

Was für<br />

ein?<br />

Welcher?<br />

fragt nach Merkmalen<br />

einer Person oder Sache:<br />

fragt bei der Auswahl<br />

aus einer Menge:<br />

Deklination von wer und was:<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Deklination von welcher<br />

N.<br />

G.<br />

D.<br />

A.<br />

Femin i-<br />

num<br />

welche?<br />

welcher?<br />

welcher?<br />

welche?<br />

Was bist du für ein Mensch? Was für einen<br />

Computer möchtest du kaufen?<br />

Welchen Film hast du gestern gesehen?<br />

Welches Buch möchtest du?<br />

Person<br />

wer?<br />

wessen?<br />

wem?<br />

wen?<br />

Nicht-<br />

Person<br />

was?<br />

wessen?<br />

-<br />

was?<br />

Singular<br />

Maskulinum<br />

welcher?<br />

welches?<br />

welchem?<br />

welchen?<br />

Neutrum<br />

welches?<br />

welches?<br />

welchem?<br />

welches?<br />

Bei was für ein wird nur das ein dekliniert:<br />

Was für ein Mensch ist er?<br />

Was ist das für eine Geschichte?<br />

Für was für einen Menschen hältst du mich eigentlich?<br />

Plural<br />

welche?<br />

welcher?<br />

welchen?<br />

welche?<br />

Der Genitiv von was für ein wird nicht gebraucht. Hier stehen Formen des<br />

Pronomens welcher:<br />

Welcher Meinung bist du?<br />

Welcher Art sind die untersuchten Gebiete?<br />

Im selbständigen Gebrauch von steht wird im Nominativ Singular das Genus<br />

markiert:<br />

Da steht ein Herr/eine Frau. Was für einer/eine?<br />

In der Standardsprache können die Wörter für und was getrennt stehen:<br />

Was für ein Student ist da? – Was ist das für ein Student?<br />

Was für Ausreden sind das? – Was sind das für Ausreden?<br />

6.1.9 Reflexivpronomen<br />

Das Reflexivpronomen (lat. reflexivum = »das Rückwärtsgewendete«) weist auf das<br />

Subjekt des Satzes zurück. Das Subjekt bezeichnet dabei meist den Träger des Ge -


schehens. Das Reflexivpronomen hat nur in der 3. Person eine eigene Form, nämlich<br />

sich.<br />

In einer reflexiven Konstruktion sind das syntaktische Subjekt und das Akkusativbzw.<br />

Dativobjekt identisch. Vgl.:<br />

Die Mutter kämmt den Sohn.<br />

(Subjekt)<br />

(Akkusativobjekt)<br />

Die Mutter kämmt sich.<br />

(Subjekt)<br />

(Akkusativobjekt)<br />

Ich kämme mich.<br />

Die Mutter wäscht dem Sohn das Haar.<br />

(Subjekt) (Dativobjekt) (Akkusativobjekt)<br />

Die Mutter wäscht sich das Haar.<br />

(Subjekt) (Dativobjekt) (Akkusativobjekt)<br />

Ich wasche mir das Haar.<br />

In den anderen Personen steht das Personalpronomen:<br />

D.<br />

A.<br />

Singular Plural<br />

1. Pers. 2. Pers. 3. Pers. 1. Pers. 2. Pers. 3. Pers.<br />

mir dir sich uns euch sich<br />

mich dich sich uns euch sich<br />

Er freut sich.<br />

Ich wasche mich.<br />

Beim letzten Klassentreffen erinnerten wir uns an die schönen gemeinsam verbrachten Tage.<br />

Verwendung des deutschen und des slowakischen Reflexivpronomens:<br />

ich wasche mich<br />

du wäschst dich<br />

er wäscht sich<br />

wir waschen uns<br />

ihr wascht euch<br />

sie waschen sich<br />

umývam sa<br />

umývaš sa<br />

umýva sa<br />

umývame sa<br />

umývate sa<br />

umývajú sa<br />

Die Höflichkeitsform ist:<br />

ich wasche mir die Hände<br />

du wäschst dir die Hände<br />

er wäscht sich die Hände<br />

wir waschen uns die Hände<br />

ihr wascht euch die Hände<br />

sie waschen sich die Hände<br />

umývam si ruky<br />

umývaš si ruky<br />

umýva si ruky<br />

umývame si ruky<br />

umývate si ruky<br />

umývajú si ruky<br />

Sie waschen sich umývate sa Sie waschen sich die Hände umývate si ruky<br />

Das Reflexivpronomen bezieht sich auf einen Dativ oder einen Akkusativ des übergeordneten<br />

Satzes.<br />

Er befahl dem Jungen, sich zu waschen.<br />

Wir baten sie, sich zu entfernen.<br />

Das Reflexivpronomen kann reziprok (= wechselbezüglich) sein. D.h. es stellt eine<br />

wechselseitige Beziehung zwischen mehreren Subjekten her:<br />

197


198<br />

sich bewegen, sich begegnen, sich beistehen,<br />

sich beleidigen, sich fliehen, sich grüßen,<br />

sich umarmen, sich unterstützen, sich verklagen,<br />

sich versöhnen, sich treffen, sich zürnen<br />

usw.<br />

Sie umarmten einander.<br />

Sie umarmten sich.<br />

Bei Verbformen, die sowohl reflexiv als auch reziprok gebraucht werden können,<br />

muss man bei reziprokem Gebrauch einander oder sich gegenseitig verwenden, um<br />

Missverständnisse zu vermeiden.<br />

Die beiden gönnten sich nichts.<br />

(d.h. gönnten sich selbst nichts.)<br />

Die beiden gönnten einander nichts.<br />

(d.h. jeder von beiden gönnte dem anderen nichts.)<br />

Merke: Nach Verbindung des Pronomens einander mit Präpositionen entstehen Adverbien,<br />

wie aufeinander, auseinander, durcheinander, füreinander, hintereinander, miteinander usw.<br />

Sie verhalten sich in Verbindung mit Verben wie trennbare Vorsilben.<br />

Das Ehepaar geht auseinander.<br />

Das Ehepaar ist auseinander gegangen.<br />

6.1.9.1 Stellung des Reflexivpronomens im Satz<br />

Es muss immer möglichst weit vorn im Satz stehen, und die Beziehung muss eindeutig<br />

sein:<br />

Oft mussten sich die Völker ihre Freiheit erst erkämpfen.<br />

Das Reflexivpronomen wird immer – auch in der Anrede – klein geschrieben.<br />

Zum Schluss sei die Klassifikation der Pronomina im Deutschen von Eroms (2000:<br />

29) angeführt:<br />

dem Artikel<br />

stark<br />

schwach<br />

unflektiert<br />

mit best. Art.<br />

Sg.<br />

mit unbest.<br />

Art., Sg.<br />

ohne Artikel,<br />

Sg.<br />

vorangestellt<br />

nachgestellt<br />

solch + + + – + + + +<br />

aller + – + + – + + –<br />

mancher + – + – + + + –<br />

welcher + – + – – +


anderer + + – + + – – +<br />

beide + + – + – + – +<br />

jeder + + – – + + – +<br />

jeglicher + + – – + + – +<br />

dieser + – – – – +<br />

jener + – – – – +<br />

einiger + – – – – +<br />

etlicher + – – – – +<br />

mehrere + – – – – +<br />

der + – – – – +<br />

wer – was + – – – – +<br />

derjenige + + (2. Teil) – – – +<br />

derselbe + + (2. Teil) – – – +<br />

mein + + + – – +<br />

dein ... + + + – – +<br />

einer + + – – – +<br />

keiner + – – – – +<br />

ich + entfällt<br />

du ... +<br />

jedermann + Sonder -<br />

jemand + fälle<br />

niemand +<br />

199


200<br />

7 Das Adverb<br />

Zur Wortart ADVERB gehören Ausdrücke, deren prototypische Funktion darin besteht,<br />

die mit Prädikaten unterschiedlicher Komplexität verbundene Charakterisierungsleistung<br />

oder die Proposition zu charakterisieren. Formal betrachtet ist das Adverb<br />

(das Umstandswort, lat. adverbium = »zum Verb Hinzutretendes«) eine nicht<br />

flektierbare und nur beschränkt graduierbare Wortart.<br />

Es bezeichnet:<br />

• lokale (lat. locus = Ort) Umstände<br />

• temporale (lat. tempus = Zeit) Umstände<br />

• kausale (lat. causa = Grund) Umstände<br />

• modale (lat. modus = Art und Weise) Umstände<br />

Es bestimmt auf diese Art Verben, Adjektive, Partizipien und Substantive näher.<br />

Adverb beim Verb:<br />

Adverb beim Substantiv:<br />

Dort bin ich immer gern eingekehrt.<br />

das Haus dort, das Denkmal links<br />

Die traditionelle Wortart „Adverb“ ist eine heterogene grammatische Kategorie.<br />

Nach Sommerfeld und Starke (1988: 159) legen der Beschreibung dieser Wortart drei<br />

Subklassen zugrunde:<br />

• Die reinen Adverbien sind in der Regel unflektiert und erststellenfähig, Satzglieder<br />

(Adverbialbestimmungen) bzw. Satzgliedteile (links, rechts, gestern, folglich<br />

u.a.)<br />

• Die Modalwörter sind in der Regel unflektiert und im Konstativsatz erststellenfähig.<br />

Sie drücken die Einschätzung eines Sachverhaltes aus (z.B. vielleicht, schade,<br />

bedauerlicherweise u.a.)<br />

• Partikeln sind unflektiert, sie sind nie Satzglieder und nie allein erststellenfähig<br />

(ja, doch, nur, bloß, etwa, mal u.a.)<br />

7.1 Unterschied zwischen Adjektiv und Adverb<br />

Das Adverb kann oft mit dem prädikativen Attribut, mit dem Modalwort und mit der<br />

Partikel verwechselt werden. Ein Unterschied zwischen ihnen besteht in folgenden.<br />

Ein Adverb bezieht sich immer auf das Prädikat, das prädikative Attribut auf Subjekt<br />

oder Objekt. Das Modalwort bringt eine „Einstellung“ auf den gesamten Inhalt<br />

des Satzes zum Ausdruck. Vgl.:<br />

Er isst den Kuchen schnell. = ADVERB<br />

? Er isst den Kuchen. Das Essen geschieht schnell.<br />

Er isst den Kuchen heiß. = PRÄDIKATIVES ATTRIBUT<br />

? Er is st den Kuchen. Der Kuchen ist heiß.<br />

Er isst den Kuchen vermutlich/wahrscheinlich. = MODALWORT<br />

? Es ist vermutlich/wahrscheinlich so, dass er Kuchen isst.


Adjektive werden dem Substantiv vorangestellt und dekliniert. Wenn Adverbien<br />

beim Substantiv stehen, werden sie diesem nachgestellt und bleiben unverändert.<br />

• Adverb: Die Auseinandersetzung gestern<br />

• Adjektiv: die gestrige Auseinandersetzung<br />

7.2 Arten von Adverbien<br />

Temporaladverbien auf die Frage wann? – geben einen bestimmten Zeit punkt oder<br />

Zeitabschnitt an. Die wichtigsten Tempora ladverbien sind:<br />

bald skoro immer vždy<br />

damals vtedy jetzt teraz<br />

dann potom morgen zajtra<br />

einst kedysi morgen früh zajtra ráno<br />

frühmorgens vcasráno, zrána morgens zrána<br />

gestern vcera nimmer mehr už nikdy<br />

gestern Nachmittag vcera popoludní übermorgen pozajtra<br />

nun teraz von heute an oddnes<br />

soeben práve von nun an odteraz<br />

vorgestern predvcerom wieder(um) opät, zas<br />

hernach<br />

potom<br />

Beispielsätze:<br />

Einst lebte im Dunkelsteinerwald eine Hexe.<br />

Heute gibt es dort weder eine Hexe noch einen Wald.<br />

Vor kurzem wurde dort eine Wohnanlage errichtet.<br />

Neulich traf ich Frau Huber beim Einkaufen.<br />

Temporaladverbien auf die Frage wie lange? – bezeichnen eine zeitliche Dauer:<br />

allezeit<br />

bis dahin<br />

jahrelang<br />

pausenlos<br />

seit jeher<br />

stets<br />

unaufhörlich<br />

zeitlebens<br />

Beispielsätze:<br />

vždy, hocikedy<br />

dotial, do toho casu<br />

dlhé roky, po celé roky<br />

bez prestávky<br />

odjakživa<br />

vždy<br />

nepretržite, stále<br />

za svojho života, cez celý svoj život<br />

Zeitlebens bemühte er sich, ein guter Mensch zu sein.<br />

Jahrelang kümmerte er sich um seine kranke Mutter.<br />

Allezeit bereit, ist das Motto der Feuerwehr.<br />

Temporaladverbien auf die Frage wie oft? – bezeichnen wiederholtes Ge schehen:<br />

201


202<br />

ab und zu z casu na cas manchmal obcas, niekedy<br />

alljährlich každorocne mitunter niekedy, obcas<br />

bisweilen niekedy, dakedy, semtam,<br />

oft<br />

casto<br />

kedy-tedy<br />

dann und wann obcas, tu a tam stets stále<br />

gelegentlich obcas, sem-tam täglich denne<br />

häufig casto zuweilen niekedy, obcas<br />

manchmal niekedy<br />

Beispielsätze:<br />

Bisweilen kam es vor, dass die Studenten nicht zu den Seminaren er schienen.<br />

Ab und zu haben sie eine glaubwürdige Entschuldigung.<br />

Lokaladverbien auf die Frage wo? – bezeichnen Ort oder Lage.<br />

außen und innen vonku a vnútri irgendwo nikde<br />

da tu links, rechts nalavo, napravo<br />

draußen vonku nirgends nikde<br />

drinnen vnútri oben hore<br />

hüben und drüben tu (u nás) überall všade<br />

hier tu unten dole<br />

hinten vzadu vorn vpredu<br />

weit und breit široko – daleko<br />

Beispielsätze:<br />

Das Auto: vorn ist die Windschutzscheibe<br />

hinten ist die Heckscheibe<br />

drinnen und draußen befinden sich Metallteile<br />

Lokaladverbien auf die Frage woher? – bezeichnen die Herkunft:<br />

dorther<br />

irgendwoher<br />

überallher<br />

von oben (nach unten)<br />

von oben (herab)<br />

von unten her<br />

von da aus<br />

von drüben<br />

Beispielsätze:<br />

odtial<br />

odniekial<br />

zovšadial, zo všetkých strán<br />

zhora (dole)<br />

zhora (dole)<br />

zdola (sem)<br />

odtial<br />

stamodtial<br />

Wenn man verzweifelt ist, hofft man auf Hilfe von irgendwoher und ak zeptiert sie von über allher<br />

– auch wenn sie nicht von dorther kommt, von wo man sie am ehesten erwartet hat.


Lokaladverbien auf die Frage wohin – bezeichnen Ziel und Richtung:<br />

abwärts dolu, nadol irgendwohin dakam, niekam, kamsi, volakam<br />

aufwärts nahor, smerom hore nach links nalavo<br />

bergab z kopca (dole) nach unten (smerom) dole<br />

bergauf do kopca rückwärts (na)spät<br />

dahin tam seitwärts stranou<br />

fort prec überallhin všade<br />

hierhin sem von oben dole<br />

herab<br />

hinaus von vorwärts vpred<br />

weg prec<br />

Die Vase passt hinein.<br />

Trag die Vase bitte zum Tisch hinüber.<br />

Bei einer Wanderung muss man bergauf und bergab gehen.<br />

Wichtig sind im Deutschen die Lokaladverbien her und hin. Das Lokaladverb her<br />

bezeichnet die Richtung zum Sprecher, das Lokaladverb hin bezeichnet die umg e-<br />

kehrte Richtung, vom Sprecher weg:<br />

komm her!<br />

Geh hin!<br />

Pod sem!<br />

Chod ta(m)!<br />

Die Lokaladverbien werden mit Präpositionen verbunden, die die Richtung einer<br />

Fortbewegung exakt markieren können. Diesen Lokaladverbien entspricht im Slowakischen<br />

gewöhnlich eine einzige Bezeichnung. Vgl.:<br />

herauf hore, nahor hinauf<br />

herunter dole, nadol hinunter<br />

herein gehen dovnútra hinein kommen<br />

heraus von hinaus<br />

herüber na druhú stranu hinüber<br />

2.4 Modaladverbien antworten auf die Frage wie?, auf welche Art und Weise?, wodurch?<br />

anders inác, inakšie fast<br />

äußerst krajne ganz celkom<br />

besonders najmä ganz und gar úplne<br />

dadurch tým genug dost<br />

derart tak gern rád<br />

dergestalt takto höchst nanajvýš, v zvrchovanej miere<br />

durch und durch skrz – naskrz, úplne kaum sotva<br />

durchaus napospol, naskrz meistenteils najviac<br />

ein wenig trochu sehr velmi<br />

überaus nadmieru so tak<br />

203


204<br />

ungefähr asi, približne wenig málo<br />

völlig úplne wohl asi<br />

ziemlich dost zu príliš<br />

etwa asi, snád zusammen dovedna, dohromady<br />

Das Kind war derart/so aufgeregt, dass es kaum noch antworten konnte.<br />

Dadurch wurde die Veranstaltung unterbrochen.<br />

Kausale Adverbien bezeichnen Grund-Folge-Beziehungen zwischen Sachverhalten.<br />

Adverbien des Grundes im engeren Sinne antworten auf die Frage warum?, weshalb?,<br />

weswegen?, wieso?<br />

daher<br />

dazu<br />

deshalb<br />

folglich<br />

krankheits(halber)<br />

mithin<br />

somit<br />

trotzdem<br />

preto<br />

k tomu, na to<br />

preto<br />

teda, (a) preto<br />

kvôli (chorobe)<br />

a tak, teda<br />

a tak, teda<br />

napriek, jednako, predsa<br />

Krankheitshalber/geschäftshalber bleibt das Geschäft geschlossen.<br />

Daher/deshalb/folglich müssen die Kunden bis Montag warten.<br />

Adverbien der Bedingung antworten auf die Frage unter welcher Bedingung?<br />

erforderlichenfalls<br />

notfalls<br />

schlimmstenfalls<br />

sonst<br />

v prípade potreby, ak bude treba<br />

ak bude treba, ked to musí byt<br />

prinajhoršom, nanajvýš, v najhoršom prípade<br />

inác, inak<br />

Notfalls/schlimmstenfalls/erforderlichenfalls muss er am Montag operiert werden.<br />

Adverbien der Einschränkung antworten auf die Frage trotz welchen Umstandes?<br />

dennoch<br />

predsa<br />

dessen ungeachtet bez ohladu na to<br />

gleichviel<br />

jedno, nezáleží na tom<br />

gleichwohl<br />

práve tak<br />

trotzdem<br />

predsa<br />

Die Wirtschaftslage ist katastrophal, trotzdem/dennoch/gleichwohl/des sen ungeachtet streiten<br />

die Vertreter der politischen Parteien wegen verschiedenster Kleinigkeiten.


Auch die zu den Bedeutungsgruppen angeführten Fragewörter gehören zu den<br />

Adverbien. Sie heißen Frage- oder Interro gativadverbien.<br />

7.3 Form und Herkunft der Adverbien<br />

Man unterscheidet einfache, abgeleitete und zusammengesetzte Adverbien. Einfache<br />

Adverbien lassen sich nicht weiter in Morpheme zerlegen:<br />

so tak weg prec<br />

gern rád sonst inác, okrem toho<br />

fort dalej, prec nun teraz<br />

bald skoro<br />

u.a.<br />

Abgeleitete Adverbien enthalten außer dem Wortstamm noch ein in verschiedenen<br />

Wörtern wiederkehrendes Suffix:<br />

-lei:<br />

-lings:<br />

-maßen:<br />

-s:<br />

-(e)stens:<br />

-wärts:<br />

-weise:<br />

einerlei, vielerlei, derlei, solcherlei, keinerlei<br />

blindlings, rittlings, rücklings, jählings<br />

bekanntermaßen, erwiesenermaßen, folgendermaßen<br />

morgens, mittags, abends, nachts, montags<br />

höchstens, meistens, frühestens, spätestens<br />

abwärts, aufwärts, heimwärts, rückwärts<br />

ausnahmsweise, beispielsweise, teilweise<br />

Die in der DDR in die Macht eingesetzte Generation war zum Teil erwiesenermaßen antifaschistisch<br />

oder reklamierte dies zumindest für sich. DIE ZEIT Nr. 24, 06.06.1997<br />

Zusammengesetzte Adverbien können aus Wörtern verschiedener Wortarten bestehen:<br />

Substantiv + Präposition: treppauf, tagsüber, reihum, ringsum<br />

Pronomen + Substantiv: mancherorts, jederzeit, dergestalt<br />

Pronomen oder<br />

Adverb<br />

+ Präposition: hervor, hingegen, deswegen<br />

Adverbien, die aus Pronomen oder Adverb + Präposition bestehen, werden auch<br />

unter der Bezeichnung Pronominaladverbien zusammengefasst.<br />

7.4 Pronominaladverbien<br />

Die Pronominaladverbien sind eine besondere Gruppe von Adverbien, die Prowort-<br />

Charakter haben und sich auf vorher Genanntes und Nachfolgendes beziehen. Ihr<br />

Prowort-Charakter verbindet die Pronominaladverbien einerseits mit den Pronomen,<br />

„andererseits nähern sie sich auf Grund ihrer satz- und textverflechtenden Rolle auch<br />

den Konjunktionen.“ (Sommerfeldt/Starke 1988: 161).<br />

Die Pronominaladverbien lassen sich in demonstrative, interrogative, relative, indefinite<br />

Klassen unterteilen (ebenda):<br />

205


206<br />

semantische<br />

Adverb<br />

reines<br />

pronominales Adverb<br />

Gruppe<br />

demonstrativ interrogativ relativ indefinit<br />

Ort aufwärts hier wo wo irgendwo<br />

Zeit mittags dann wann wo irgendwann<br />

Grund krankheitshalber daher weshalb weshalb<br />

Die interrogativen Pronominaladverbien stehen am Satzanfang und signalisieren eine<br />

Ergänzungsfrage. Sie können aber auch einen Nebensatz einleiten:<br />

Warum tut er das? (direkte Frage)<br />

Ich weiß nicht, warum er das getan hat? (indirekte Frage)<br />

7.5 Präpositionaladverbien<br />

Präpositionaladverbien sind Verbindungen der Adverbien da(r), hie(r) und wo(r) mit<br />

vorwiegend lokalen Präpositionen, d.h. Präpositionen mit dem 3. und 4. Fall.<br />

Von wem sprechen Sie? – Ich spreche von meiner Tante (von ihr).<br />

• Es handelt sich hier um eine Person.<br />

Wovon sprechen Sie? – Ich spreche von dem neuen Roman (davon).<br />

• Hier handelt es sich um eine Sache.<br />

Die wichtigsten Pronominaladverbien im Deutschen sind:<br />

a) Frageadverbien:<br />

bei pri com Wobei bist du gerade?<br />

durch cím Wodurch ist er eigentlich so scheu geworden?<br />

für za co, o co Wofür interessiert sie sich?<br />

gegen proti comu Wogegen hilft dieses Arzneimittel?<br />

wo + mit (s) cím Womit hast du das Kleid gereinigt?<br />

nach za cím Wonach hat sie dich gefragt?<br />

von o com Wovon redest du eigentlich?<br />

vor coho, pred cím Wovor fürchtest du dich?<br />

zu k comu Wozu brauchst du das?<br />

an na co, na com Woran denkst du noch immer?<br />

auf na co, na com Worauf warten wir noch?<br />

aus z coho Woraus besteht dieser Stoff?<br />

wor + in v com Worin besteht der Unterschied zwischen ...?<br />

über o com, nad cím Worüber habt ihr gesprochen?<br />

um o co Worum handelt es sich?


) Pronominaladverbien:<br />

bei pri tom Kann ich dir dabei helfen?<br />

durch tým Dadurch können Probleme entstehen<br />

für za to, o to Dafür bekommt man nichts.<br />

gegen proti tomu Dagegen ist nichts einzuwenden.<br />

hinter za tým Es ist nicht viel dahinter.<br />

mit (s) tým du sollst endlich damit aufhören.<br />

nach za tým Er streckte schon die Hand danach aus.<br />

da + neben pri tom, vedla toho Ich stand daneben, als es geschah.<br />

von o tom Wer will noch etwas davon? [von dieser Speise]<br />

vor toho, pred tým Ich habe dich davor gewarnt.<br />

zu k tomu Wir können Sie doch dazu einladen.<br />

zwischen medzi tým Es ist viel Unkraut dazwischen.<br />

an na to, na tom Daran kann keiner mehr etwas ändern.<br />

auf na to, na tom Du kannst dich darauf verlassen.<br />

aus z toho Was soll daraus werden?<br />

dar + in v tom Darin irrst du dich gründlich.<br />

über o tom, nad tým Ich freue mich sehr darüber.<br />

um o to Er bat mich darum, ihn zu entschuldigen.<br />

unter pod tým Was verstehen Sie darunter?<br />

207<br />

an na to, na tom Hieran schließt sich ein weiteres Zimmer.<br />

auf na to, na tom Hierauf folgte die Diskussion.<br />

aus z toho Hieraus folgt, dass ...<br />

bei pri tom Hierbei kam zur Sprache, dass ...<br />

durch tým Hierdurch wird mitgeteilt, dass ...<br />

für za to, o to Dies ist hierfür nicht zu gebrauchen.<br />

gegen proti tomu Hiergegen führen wir folgende Gründe an.<br />

hier + in v tom Hierin müssen wir Ihnen Recht geben.<br />

mit (s) tým Hiermit bestätigen wir, dass ...<br />

nach za tým Hiernach folgt eine Passage.<br />

über o tom, nad tým Hierüber sprechen wir noch.<br />

unter pod tým Hierunter fallen folgende Beispiele.<br />

von o tom, z toho Hiervon nehme man einen Teil weg.<br />

zu k tomu Hierzu möchten wir bemerken, dass ...


208<br />

dar- wird in der gesprochenen Sprache zu dr- gekürzt: dran, drauf, draus, drin,<br />

drüber, drum, drunter.<br />

An dem Motor ist was dran. (= ist in Ordnung)<br />

An dem Mädchen ist nichts dran (Es hat keine äußerlichen oder innerlichen Vo rzüge)<br />

Ich war drauf und dran, alles hinzuwerfen.<br />

Alles geht drunter und drüber. (Alles geht planlos, ohne eine bestimmte Ordnung vor<br />

sich)<br />

7.6 Syntaktische Leistung des Adverbs<br />

1. Das Adverb tritt als Adverbialbestimmung zum Verb, substantiviert kann es auch<br />

Subjekt oder Objekt sein:<br />

Er arbeitet hier.<br />

Er schreibt oft.<br />

Das Gestern liegt hinter uns, denk an das Morgen!<br />

2. Das Adverb kann wie das Adjektiv Gliedteil, d.h. Attribut sein:<br />

der Brief hier<br />

der Film gestern<br />

alle Freunde zusammen<br />

3. Manche Adverbien können auf Grund ihrer Bedeutung »verbindende« Aufgaben<br />

haben, d.h. sie sind Konjunktionaladverbien (siehe Kapitel Konjunktionen)<br />

Vorweg fahren die Autos, dann folgen die Motorräder.<br />

4. Viele ursprüngliche Adverbien sind zu Präpositionen geworden:<br />

an, auf, aus, bei, in (< ein) mit, ob, um, vor, zu<br />

8 Die Modalwörter<br />

Sie können durch ein Fragewort erfragt werden. Der Spre cher oder Schreiber schätzt<br />

mit Hilfe der Modalwörter seine Aussage ein oder drückt seine emo tionale Einstellung<br />

dazu aus.<br />

allenfalls<br />

allerdings<br />

angeblich<br />

anscheinend<br />

begreiflicherweise<br />

erstaunlicherweise<br />

möglicherweise<br />

prípadne, v danom prípade<br />

prirodzene, samozrejme, pravdaže<br />

údajne, vraj<br />

podla všetkého, pravdepodobne<br />

prirodzene, pochopitelne<br />

napodiv, na pocudovanie<br />

možno, pravdepodobne<br />

Er ist krank, deshalb kann er selbstverständlich/natürlich/sicher/wahr scheinlich/vermutlich/vielleicht<br />

nicht zum Unterricht kommen.


Bedauerlicherweise/betrüblicherweise/beklagenswer terweise/leider muss ich heute zu Hause bleiben.<br />

Die Modalwörter unterscheiden sich von den Adverbien nicht morphologisch, aber in<br />

ihrem syntaktischen Bezugsbereich und Semantik.<br />

Er kommt pünktlich zur Schule. (Adverb) – objektive Art und Weise des Geschehens<br />

Er kommt vermutlich zur Schule. (Modalwort) – subjektive Einschätzung des Geschehens.<br />

Modalwörter lassen sich durch einen übergeordneten Satz paraphrasieren.<br />

Er kommt vermutlich. – Ich vermute, dass er kommt.<br />

Er kommt schnell. – *Es ist schnell, dass er kommt.<br />

(Falls beim Adverb eine Paraphrase möglich ist, dann nur mit einem wie- Satz,<br />

nicht mit einem Dass-Satz.)<br />

Es ist schnell, wie er kommt.<br />

Auf eine Entscheidungsfrage kann man allein mit einem Modalwort antworten. (Auf<br />

eine Ergänzungsfrage mit dem Adverb):<br />

Kommt er? Vermutlich. Leider. *Schnell.<br />

Wie kommt er? Schnell. Pünktlich. *Leider.<br />

Die Negationspartikel nicht steht nach dem Modalwort, aber vor den Adverbien.<br />

Er kommt nicht pünktlich. (Adverb)<br />

Er kommt vermutlich nicht. (Modalwort)<br />

Die meisten Modalwörter kommen nicht in Imperativsätzen und in Wunschsätzen<br />

vor, können nicht komprimierte und koordiniert werden.<br />

Mit den Modalwörtern kann der Sprecher in der Redesituation ausdrücken, wie er<br />

den Sachverhalt beurteilt, und zwar wie er die Gültigkeit des Sachverhalts einschätzt<br />

– sicher, gewiss, bestimmt, natürlich, vermutlich und wie er den Sachverhalt psychisch<br />

einschätzt – leider, unglücklicherweise, lieber, am liebsten, hoffentlich.<br />

Modalwörter können häufig durch inhaltlich gleiche Präpositionalgruppen ausgetauscht<br />

werden.<br />

keinesfalls – auf keinen Fall<br />

zweifellos – ohne Zweifel<br />

voraussichtlich – aller Voraussicht nach<br />

Subklassen der Modalwörter: (Differenzierbarkeit nach dem Sprecher- oder Subjektbezug)<br />

Der Fahrer hat den Bus wahrscheinlich überholt. – Sprecherbezug = Es ist wahrscheinlich<br />

für den Sprecher, dass der Fahrer überholt hat.<br />

209


210<br />

Der Fahrer hat leichtsinnigerweise überholt. – Subjektbezug = Es ist leichtsinnig vom<br />

Fahrer, dass er überholt hat.<br />

Er hat angeblich angerufen. – Subjekt – Agens = Er gibt an, dass er angerufen hat.<br />

Subklassifizierung ergibt sich aus der Art der in ihnen ausgedrückten Sprechereinstellung.<br />

• Gewissheitsindikatoren: zweifellos, fraglos, tatsächlich<br />

• Hypothesenindikatoren: sicher, bestimmt, gewiss<br />

• Distanzindikatoren: angeblich, vorgeblich, vermutlich<br />

• Emotiva: leider, gottseidank, erfreulicherweise<br />

• Bewertungsindikatoren: vorsichtigerweise, unsinnigerweise, leichtfertiger weise<br />

8.1 Semantische Klassifikation der Modalwörter<br />

Modalwörter, die die Realität der betreffenden Beziehung beurteilen:<br />

a) Kennzeichnung von Wirklichkeit und Nichtwirklichkeit<br />

• Überzeugung von der Richtigkeit: sicherlich, bekanntlich<br />

• Überzeugung von der Unwirklichkeit: keineswegs, mitnichten<br />

• Mit Einschränkung: allerdings, freilich<br />

b) Graduierung des Zweifels<br />

• Zweifel mit Berufung auf einen anderen offensichtlichen Tatbestand: offenbar,<br />

anscheinend<br />

• Zweifel mit Berufung auf die Meinung anderer Personen: angeblich, schwerlich<br />

2. Modalwörter, die die emotionale Einstellung des Sprechers ausdrücken:<br />

• Freude: glücklicherweise, hoffentlich<br />

• Bedauern, Trauer: leider, bedauerlicherweise<br />

9 Die Partikeln<br />

Partikeln (lat. pars = »Teil«, Diminutivum particula = »Teilchen«) sind eine relativ<br />

geschlossene aber heterogene Klasse von etwa 40 Wörtern, die man weder syntaktisch<br />

noch semantisch eindeutig abgrenzen kann. Sie sind nicht flektierbar, sie erfüllen<br />

keine syntaktischen Funktionen, d.h., sie sind nicht satzgliedfähig und deshalb<br />

können sie nicht allein vor dem finiten Verb im Kernsatz stehen. Partikeln werden<br />

besonders in der Alltagssprache häufig verwendet. Ein sprachtypisches Merkmal ist<br />

ihre Polyfunktionalität.<br />

In der Fachliteratur wird der Partikelbegriff mit unterschiedlicher Bedeutung verwendet.<br />

Es gibt die enge Auffassung, die unter dem Begriff Partikel solche Teile des<br />

Satzes versteht, „die einen bestimmten Satzgliedwert haben, ohne dass man sie zu<br />

den eigentlichen Satzgliedern oder den attributiven Bestimmungen zählen kann.“


[W. Jung 1967: 11] Es gibt auch eine weite Auffassung, bei der der Begriff Partikel<br />

alle unveränderlichen Wörter umfasst (U. Engel, F. Schanen). In der Duden-<br />

Grammatik werden die Partikeln als selbständige Klasse der unflektierbaren Wortarten<br />

behandelt. K.-E. Sommerfeldt (1988: 163 ff.) zählt die Partikeln zu den Adverbien.<br />

Für die Abgrenzung von den (reinen) Adverbien und den Modalwörtern ko m-<br />

men folgende Merkmale in Frage:<br />

1. Partikeln sind synsemantisch, d.h. sie verfügen über keine lexikalische Bedeutung.<br />

2. Sie sind nicht satzgliedfähig, sondern nur Teile von Satzgliedern.<br />

3. Weil sie keine Satzglieder sind, sind sie im Kernsatz allein nicht erststellenfähig.<br />

Der Schüler ist heute krank. – Heute ist der Schüler krank. (Adverb)<br />

Der Schüler ist vermutlich krank. – Vermutlich ist der Schüler krank. (Modalwort)<br />

Der Schüler ist ja krank. *Ja ist der Schüler krank. (Partikel)<br />

4. Die Partikeln sind als selbständige Antworten nicht mö glich.<br />

Wann war der Schüle krank?<br />

Gestern. ADVERB<br />

Wie krank war gestern der Schüler?<br />

*Ziemlich. PARTIKEL<br />

5. „Modalwörter antworten auf Satzfragen, Adverbien auf Satzgliedfragen, Partikeln<br />

auf überhaupt keine Fragen“ (Helbig/Buscha 1994: 475):<br />

Kommt er heute?<br />

(Satzfrage)<br />

Wann kommt er heute?<br />

(Satzgliedfrage) Spät.<br />

Vermutlich.<br />

*Spät.<br />

*Nur<br />

*Vermutlich.<br />

Nur.<br />

6. Partikeln sind meinst unbetont.<br />

9.1 Syntaktische Klassifizierung der Partikeln<br />

G. Helbig und J. Buscha unterteilen die Partikeln in Subklassen danach, zu welchen<br />

anderen Wortarten sie treten können. Auf diese Weise lassen sich folgende Subklassen<br />

unterscheiden:<br />

1. Partikeln, die zu Nomina (Substantiven und Adjektiven), zu Verben und Adverbien<br />

treten können:<br />

Der Zug hält sogar in dieser Stadt.<br />

Er träumt sogar.<br />

Seine Art und Weise ist sogar bewundernswert.<br />

Er hat ihn sogar dort nicht in Ruhe gelassen.<br />

211


212<br />

Solche Partikeln sind:<br />

aber, auch, beinahe, bereits, bloß, eben, erst, etwa, gerade, geradezu, ja, nahezu, nicht einmal,<br />

noch, nur, schon<br />

2. Partikeln, die zu Nomina (Substantiven und Adjektiven) und Adverbien treten<br />

können:<br />

Sie ist ganz ihre Mutter.<br />

Ich meine es ganz ernst.<br />

Es war eine ganz sinnlose Tat.<br />

Weitere Partikeln: besonders, fast<br />

3. Partikeln, die zu Verben, Adjektiven und Adverbien treten können:<br />

Sie hat sich sehr geschämt.<br />

Die Diskrepanz ist sehr stark.<br />

Dort verdient man sehr gut.<br />

Ähnliche Partikeln sind: doch, durchaus, immer, so, zu<br />

4. Partikel, die zu Adjektiven und Adverbien treten können:<br />

Er ist weit fleißiger als sein Bruder.<br />

Er studiert weit fleißiger als sein Freund.<br />

Ähnliche Partikeln sind: etwas, höchst, recht, überaus, viel, weitaus, ziemlich<br />

5. Partikeln, die zu Substantiven und ursprünglichen Adverbien treten können:<br />

Zumal die Vorlesungen will sie nicht besuchen.<br />

Zumal hier hat er sich nicht blicken lassen.<br />

Ähnliche Partikeln sind: also, nicht, nun, überhaupt.<br />

6. Partikeln, die nur zu Verben treten können:<br />

Was machst du denn?<br />

Komm mal her! Geh mal hin!<br />

Ähnlich: also, nicht, nun, überhaupt<br />

(Vgl. G. Helbig, J. Buscha 1994: 477 ff.)<br />

9.2 Subklassen der Partikeln<br />

Die IDS-Grammatik unterscheidet folgende Gruppen von Partikeln:<br />

Abtönungspartikeln sind weder erstellenfähig, noch erfragbar noch negierbar noch<br />

häufbar: ja, denn, doch, eben, halt, nur, wohl<br />

Intensitätspartikeln wirken als Intensitätsmodifikatoren bei Adjektiven und Adverbien:<br />

sehr, überaus, ungemein u.a.


Fokuspartikeln: allein, auch, erst, höchst, noch, nur, recht, schon, selbst, weitaus.<br />

Konnektivpartikeln stellen inhaltliche spezifische Relationen zwischen Sätzen her:<br />

allerdings, aber, also, folglich, freilich, beziehungsweise, dennoch u.a.<br />

9.2.1 Abtönungspartikeln<br />

Abtönungspartikeln (Einstellungspartikel, Würzwort) kennzeichnen die Stellung des<br />

Sprechers zum Gesagten. Sie beziehen sich nicht auf einzelne Satzglieder, sondern<br />

„auf den gesamten Satz, sie sind im Satz integriert.“ (Weydt 1969: 68) Ihre Funktionen<br />

liegen nicht auf der semantischen, sondern auf kommunikativer Ebene. Sie sind<br />

auf bestimmte Satzarten festgelegt und über diese Satzarten an bestimmte Intentionen<br />

– Wunsch, Drohung, Fragehandlung – gebunden.<br />

Die zentrale Gruppe der Abtönungspartikeln aber, auch, bloß, denn, doch, eben, etwa,<br />

halt, ja, mal, nur, schon, vielleicht ist nicht erststellenfähig, und hat Homonyme<br />

in anderen Wortklassen. (Konjunktionen, Adverb, Modalwort). Daneben existiert<br />

periphere Gruppe von Abtönungspartikeln im weiteren Sinne, die erststellenfähig<br />

sind (dabei nicht in andere Wortklasse eintreten) und keine Homonyme in anderen<br />

Wortklassen haben: allerdings, immerhin, eigentlich, jedenfalls, überhaupt.<br />

Liste von Abtönungspartikeln (unbetont)<br />

aber ale, ved halt nuž, teda<br />

also teda ja hej, ved<br />

auch tiež, aj, dokonca mal nože<br />

bloß len, práve nicht ani<br />

etwa asi, azda nun no, ved<br />

denn -že nur iba, len<br />

doch predsa, avšak schon priam<br />

durchaus celkom vielleicht asi, snád<br />

eigentlich vlastne wohl asi<br />

betonte Abtönungspartikeln<br />

ja hej eigentlich vlastne<br />

bloß práve ruhig samozrejme<br />

denn ved schon urcite<br />

doch predsa überhaupt vôbec<br />

eh wohl azda, zaiste<br />

9.2.1.1 Morphologische Eigenschaften der Abtönungspartikeln<br />

Abtönungspartikeln sind unflektierbar.<br />

9.2.1.2 Syntaktische Eigenschaften<br />

Abtönungspartikeln bilden keine Phrasen, sind aber nach bestimmten Regeln komb i-<br />

nierbar:<br />

213


214<br />

Du kannst fei ruhig zum Essen bleiben.<br />

Ja da muss man sich doch einfach hinlegen.<br />

Findest du das denn vielleicht schön?<br />

Abtönungspartikeln können nicht im Vorfeld stehen und sind nicht erfragbar. Sie<br />

sind größtenteils unbetont, einige treten auch als betonte Formen auf.<br />

Du spinnst ja / *ja!<br />

Lass dich hier ja / *ja nicht wieder blicken!<br />

9.2.1.3 Semantische und funktionale Eigenschaften<br />

Abtönungspartikeln operieren auf Einstellungen des Sprechers/Schreibers und der<br />

Adressaten und tragen dazu bei, Äußerungen in Handlungszusammenhänge zu integrieren.<br />

Auf diese Weise können sie auch gesprächssteuernd wirken.<br />

Zwischen Abtönungspartikeln und bestimmten Satzmodi bestehen regelhafte Beziehungen.<br />

Abtönungspartikeln sind „satzmodussensitiv“. So kommt z.B. die Abtönungspartikel<br />

denn nur im Fragemodus vor (Was machst du denn?), die betonten<br />

Abtönungspartikeln ruhig, bloß oder ja nur im Aufforderungsmodus (Komm ruhig<br />

rein. Lass bloß die Finger weg von diesem Kerl! Du bist ja ganz nass!).<br />

(Siehe IDS-Grammatik Bd. 1, S. 903 ff.)<br />

Abtönungspartikeln können in allen Modi vorkommen, es gibt aber gewisse Selektionsbeschränkungen.<br />

Die Partikeln ja und doch können beispielsweise in Interrogativsätzen<br />

nicht auftreten.<br />

Man kann folgende Zuordnungen von Abtönungspartikeln zu Modi dicendi beobachten<br />

(nach IDS 907 ff.):<br />

Abtönungspartikeln bzw. Kombinationen von Abtönungspartikeln im Aussage-<br />

Modus:<br />

aber; auch, doch, eben, eigentlich, halt, ja, mal, schon, wohl; denn ruhig auch, denn wohl, doch<br />

einfach, eben einfach, halt eben, halt einfach, doch schon, ja auch, ja eben, ja einfach, ja mal, nun<br />

mal, wohl auch, denn doch, doch wohl u.a.<br />

Beispiele:<br />

Die Welt sei eben chaotisch und zufällig. (Quelle: Kindler Literaturlexikon)<br />

Es ist eben Taschengeld. (Welt)<br />

Außerdem ist halt Sommerpause, es herrscht Hektik in der Branche, die Arbeitsplätze werden neu<br />

verteilt. (Quelle: Welt 1999)<br />

Wir haben in Bayern ja auch viel mehr Lehrstellen als woanders. (Welt)<br />

Im Frage-Modus<br />

a) in Ergänzungsfragen:<br />

auch, bloß, denn, eigentlich, etwa, mal, schon; schon auch, denn auch, denn wohl, denn eigentlich,<br />

denn etwa, denn nur; denn schon


Beispiele:<br />

In welcher Kleidung fühlt ihr euch denn wohl? (Welt)<br />

Warum hat er das auch gemacht?<br />

b) in Entscheidungsfragen:<br />

auch, denn, eigentlich, etwa, mal. nicht, vielleicht; denn auch, denn eigentlich, denn etwa, denn<br />

wohl<br />

Beispiele:<br />

Du könntest ja ruhig mal etwas freundlicher sein.<br />

Wir müssen unsere Schwierigkeiten eben halt auch zugeben<br />

c) In Aufforderungssätzen können folgende Abtönungspartikeln bzw. Kombinationen<br />

von Abtönungspartikeln vorko mmen:<br />

bloß; doch, eben, einfach, halt, ja, mal, nur, schon; doch bloß, doch nur; halt eben, auch ja, bloß ja,<br />

nur ja, nur mal, halt schon, halt mal, eben mal, einfach mal<br />

Beispiele:<br />

Dass du ja um 11 Uhr hier bist!<br />

Mach doch mal das Fenster auf!<br />

Und ruf nur ruhig an, wenn du noch Probleme hast.<br />

d) In Wunschsätzen können folgende Partikeln und Kombinationen von Partikeln<br />

vorkommen.<br />

bloß, doch, nur; doch bloß, doch nur; einfach mal<br />

Beispiele:<br />

Wenn er doch endlich käme! (IDS 909)<br />

Das dürfte doch nur zweite Wahl sein.<br />

Heische-Modus<br />

bloß, ja<br />

Beispiele:<br />

Man versuche ja nicht, ihn von seiner Meinung abzubringen! (IDS 909)<br />

… damit man bloß nicht als unkritisch, naiv und fortschrittsgläubig gilt. (Welt)<br />

Exklamativ-Modus<br />

aber, doch, aber auch<br />

Beispiele:<br />

Die haben sich aber auch t oll engagiert! (IDS 909)<br />

215


216<br />

9.2.2 Intensitätspartikeln<br />

Als Intensitätspartikeln (Steigerungspartikel, Intensifikator) bezeichnet man „eine<br />

Klasse von Partikeln, die die von einem Adjektiv oder Adverb ausgedrückte Charakterisierung<br />

intensivierend-steigernd oder abschwächend-abstufend modifizieren.“<br />

(IDS)<br />

Sie haben semantische Ähnlichkeit mit den Fokuspartikeln, haben aber eine andere<br />

Distribution als diese: sie stehen unmittelbar vor dem modifizierten Lexem, das<br />

– im Unterschied zu den Fokuspartikeln – kein Substantiv sein kann.<br />

Die Intensitätspartikeln haben eine vergleichbare Funktion mit manchen flektierbaren<br />

Adjektiven (außergewöhnlich, enorm, völlig, total). Im Unterschied zu den Partikeln<br />

können diese auch ein Nomen modizieren (z.B. eine ziemliche Schweinerei).<br />

Liste von Intensitätspartikeln<br />

einigermaßen akosi, nakolko überaus velmi<br />

besonders zvlášt, obzvlášt ungemein mimoriadne<br />

etwas trocha weitaus omnoho, daleko<br />

kaum ledva, sotva zu príliš, prirecht<br />

skutocne ziemlich<br />

sehr<br />

velmi<br />

Beispiele<br />

Sie war sehr/ungemein/überaus zufrieden.<br />

Sie war zu glücklich.<br />

Die Ausdrücke besonders, sehr, ungemein, ziemlich können auch als Adverb verwendet<br />

werden:<br />

Sie leidet sehr/besonders/ziemlich.<br />

Die Ausdrücke sehr, ziemlich können als Antwortpartikeln (Responsive) gebraucht<br />

werden:<br />

A: Leidest du? Bist du unglücklich?<br />

B: Sehr/Ziemlich.<br />

(IDV S. 56)<br />

9.2.3 Fokuspartikeln<br />

Mit den Fokuspartikeln (auch Gradpartikel, Skalarpartikel) wie sogar, bereits, nur,<br />

selbst wird eine Einstufung des Gesagten bzw. bestimmter hervorgehobener Aspekte<br />

des Gesagten auf Skalen vorgenommen. Sie können vor oder nach ihrem Bezugsausdruck<br />

stehen – oder auch in Distanzstellung zu diesem –, aber nicht allein im Vorfeld.<br />

Der Bezugsausdruck ist intonatorisch hervorgehoben.


Die Fokuspartikeln haben außerdem noch die Funktion, „die Bezeichnung der hervorgehobenen<br />

Elemente oder Wortgruppen in bezug auf kontextuelle Erwartungen<br />

subjektiv zu begrenzen. (SCHANEN 1995: 195)<br />

Die Fokuspartikeln beziehen sich nicht auf den gesamten Satz, sondern auf ein bestimmtes<br />

Bezugsglied im Satz.<br />

1. Sogar ich habe Peter zum Geburtstag gratuliert.<br />

2. Ich habe sogar Peter zum Geburtstag gratuliert.<br />

3. Ich habe Peter sogar zum Geburtstag gratuliert.<br />

Fokuspartikeln stehen in der Regel vor dem Bezugsausdruck, einige können aber<br />

auch unmittelbar nach dem Bezugsausdruck stehen. Auch Distanzstellung vom Bezugsausdruck<br />

kommt vor.<br />

Nur zwei Jahre muss er sitzen.<br />

Zwei Jahre nur muss er sitzen.<br />

Zwei Jahre muss er nur sitzen.<br />

Fokuspartikeln sind nicht selbständig verwendbar und können nicht allein im Vorfeld<br />

eines Kernsatzes stehen.<br />

Fokuspartikeln zeigen keine Beschränkungen hinsichtlich der Sprechhandlung und<br />

der Satzart, aber hinsichtlich der Bezugsglieder im Satz können sie Nominalgruppen<br />

– selbst der Arzt, Präpositionalgruppen – selbst beim schlechten Wetter, Nebensätze –<br />

selbst wenn schlechtes Wetter ist, Prädikativa – er ist sogar Direktor sein.<br />

9.2.3.1 Semantische Funktion der Fokuspartikeln<br />

Die eigentliche semantische Funktion von Fokuspartikeln ist die Gradierung. Ein<br />

Sachverhalt kann unter Bezugnahme auf Erwartungen und Einschätzungen des Sprechers/Hörers<br />

gradiert auf einer Skala eingestuft werden. So wird in der folgenden<br />

Äußerung die Wichtigkeit, die dem Beispiel im Gesprächszusammenhang zukommt,<br />

als relativ niedrig eingestuft.<br />

Dieser Satz ist nur ein Beispiel.<br />

Einige Fokuspartikeln haben auch limitierende Funktion: der in einer Äußerung ausgedrückte<br />

Sachverhalt wird als oberer oder unterer Grenzfall in einer Skala möglicher<br />

Fälle ausgezeichnet.<br />

Bei dieser Konkurrenz wird Dieter Baumann höchstens Vierter.<br />

Bei seiner Topform sollte Dieter Baumann wenigstens Vierter werden.<br />

Die Verwendung von Fokuspartikeln ist mit spezifis chen Hintergrundannahmen von<br />

Sprechern und Hörern verbunden. Aus der Äußerung<br />

Selbst Peter hat die Prüfung bestanden<br />

217


218<br />

lässt sich folgern, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Peter die Prüfung besteht, als<br />

gering eingeschätzt wurde und damit wohl die Prüfung als verhältnismäßig leicht<br />

anzusehen ist.<br />

Liste von Fokuspartikeln<br />

allein iba gerade práve<br />

allenfalls nanajvýš lediglich iba, len<br />

annähernd približne mindestens<br />

aspon, najmenej<br />

auch dokonca noch ešte<br />

ausgerechnet<br />

práve schon už<br />

bereits práve, už selbst aj, dokonca<br />

besonders zvlášt, obzvlášt<br />

sogar ba, aj, dokonca<br />

bloß len, práve wenigstens<br />

aspon<br />

erst až, iba zumindest<br />

aspon, prinajmenšom<br />

gar<br />

velmi, vôbec<br />

9.2.4 Konnektivpartikeln<br />

Konnektivpartikeln (Konjunktionaladverb, Konnektivadverb, Rangierpartikel) sind<br />

diejenigen unflektierbaren Lexeme, die als satzverknüpfende Einheiten (Konnektoren)<br />

fungieren, im Unterschied zu diesen aber in den zweiten Satz integriert sind. Sie<br />

stellen dabei wie Adverbien, Junktoren und Präpositionen spezifische inhaltliche<br />

Relationen zwischen zwei Sachverhalten her, wie z.B. konzessiv (trotzdem, dennoch),<br />

adversativ (demgegenüber, allerdings, jedoch, hingegen) temporal (inzwischen,<br />

währenddessen, hernach) u.a. Diese Partikeln können im Vorfeld und im Mittelfeld<br />

des zweiten Satzes stehen.<br />

Zu den Konnektivpartikeln kann man folgende unflektierbaren Einheiten zählen:<br />

abermals, allenfalls, allerdings, also, ander(e)nfalls, anschließend, ansonsten, auch, bald – bald,<br />

beispielsweise, bestenfalls, bloß, dabei, folglich, freilich, gleichwohl, gleichzeitig, immerhin, infolgedessen,<br />

inzwischen, sonst, vor allem, unterdessen, weder – noch, zudem<br />

In der vorliegenden Grammatik werden sie jedoch als Konjunktionaladverbien behandelt.<br />

9.3 Semantische Leistungen der Partikeln (Auswahl)<br />

Die folgende Liste enthält Partikeln, bei denen offensichtliche funktionale Leistungen<br />

erkennbar ist.


Partikel Grundbedeutung Beispiele Andere<br />

Funktionen<br />

aber Abweichung, Einschränkung<br />

Du bist aber ein Typ. Fokuspartikel<br />

Heute nicht, aber morgen. Konjunktor<br />

allein Einschränkung, Der Gedanke allein ist Fokuspartikel<br />

Begrenzung<br />

schrecklich.<br />

Sie wohnt in diesem Haus Adverb<br />

allein.<br />

Ich hoffte auf ihn, allein ich<br />

wurde bitter enttäuscht.<br />

Konjunktor (gehoben)<br />

auch signalisiert etwas Was er auch glauben mag. Du Fokuspartikel,<br />

Mitgemeintes<br />

bist aber stur!<br />

Er gab mir auch nicht (= nicht Adverb<br />

einmal) einen Cent.<br />

Sowohl er als auch sein Chef<br />

sind große Gauner.<br />

beinahe<br />

bloß<br />

denn<br />

Einschränkung des<br />

Bezugswortes<br />

Einschränkung,<br />

Begrenzung<br />

Das scheint beinahe ein unmögliches<br />

Unterfangen zu<br />

sein.<br />

Ja, beinahe.<br />

Damit man bloß nicht als<br />

unkritisch, naiv und fortschrittsgläubig<br />

gilt.<br />

Hätte ich bloß aufgepasst!<br />

Das Kind liegt bloß (= ist<br />

nicht zugedeckt).<br />

Was macht er bloß?<br />

Ihr könnt ruhig in die Stadt<br />

gehen, bloß/nur müsst ihr um<br />

zehn zu Hause sein.<br />

Was machst du denn?<br />

Ich leihe ihm nichts mehr, er<br />

müsste sich denn (= unter<br />

der Voraussetzung, dass)<br />

gründlich geändert haben.<br />

Öfter denn je (= mehr denn<br />

je).<br />

Konjunktor (sowohl<br />

– als auch,<br />

nicht nur – sondern<br />

auch)<br />

Adverb<br />

Fokuspartikel<br />

Adjektiv<br />

Adverb<br />

Konjunktor<br />

Signal der Rechtfertigung<br />

Abtönungspartikel<br />

Adverb<br />

Korrelator (vera l-<br />

tet)<br />

219


220<br />

doch<br />

Gegensatz, Adversativ<br />

Du hast doch zugestimmt!<br />

Er sagte, er würde es ihr nicht<br />

sagen, aber er hats doch<br />

gemacht.<br />

Sie ist doch kein Kind mehr!<br />

Konjunktor<br />

Adverb<br />

Fokuspartikel<br />

durchaus Verstärkung Diese These ist durchaus Fokuspartikel<br />

richtig.<br />

eben Hervorhebung Das ist eben so. Fokuspartikel<br />

Die Umgebung von Kiel ist Adjektiv<br />

ziemlich eben.<br />

Sie war eben (= soeben, Adverb<br />

gerade) hier.<br />

erst Präzisierung der<br />

Zeitdauer, Steigerung<br />

Er besucht uns erst morgen.<br />

Warte erst mal.<br />

Fokuspartikel<br />

etwa<br />

Einschränkung des<br />

folgenden Bezugswortes<br />

Verstärkung<br />

Erst (= zuerst) kommst du an<br />

die Reihe, dann er. Erst mit<br />

vierzig Jahren hat er geheiratet.<br />

Etwa in einer Woche.<br />

etwa faustgroß<br />

Wenn er etwa doch noch<br />

kommt. Ist das etwa nicht<br />

seine Schuld.<br />

etwas Abschwächung Die Aufgabe war etwas<br />

schwer.<br />

Ich will dir etwas sagen.<br />

fast<br />

ganz<br />

Einschränkung des<br />

Bezugswortes<br />

1. Verstärkung<br />

2. Einschränkung<br />

Fast alle eingeladenen Gäste<br />

sind gekommen.<br />

Ich habe es fast vergessen.<br />

Er ist ganz sein Vater.<br />

Die Speisekammer ist ganz<br />

leer.<br />

Wir brauchen für die Arbeit<br />

einen ganzen Mann.<br />

Adverb (zuerst),<br />

Fokuspartikel<br />

Intensitätspartikel<br />

Indefinitpronomen<br />

Fokuspartikel<br />

Fokuspartikel<br />

Adjektiv<br />

gar Frage mit Zweifel Du hast das gar vergessen? Fokuspartikel<br />

Der Boden ist gar. Die kocht<br />

das Fleisch gar.<br />

Adjektiv


gerade<br />

Nebenbei gesagt<br />

Präzisierung<br />

Es ist gar nicht so schlimm.<br />

Ich gehe mal gerade in den<br />

Garten.<br />

Gerade dieses Problem konnten<br />

wir nicht lösen.<br />

Der Rock ist gerade geschnitten.<br />

Adverb (gar<br />

nicht, gar zu +<br />

Adjektiv)<br />

Fokuspartikel<br />

Adjektiv<br />

Temporaladverb<br />

halt Hervorhebung Sei halt nicht so grob. Abtönungspartikel<br />

höchst<br />

Verstärkung, Steigerung<br />

Die Aufgabe ist höchst interessant.<br />

Es ist höchste Zeit.<br />

immer Steigerung Hast du noch immer nicht<br />

genug?<br />

Immer wenn wir ausgehen,<br />

regnet es.<br />

Fokuspartikel<br />

Adjektiv (Superlativ<br />

von hoch)<br />

Adverb<br />

ja Zustimmung Ja, wir sind schon da. Antwortpartikel<br />

Das ist mir ja eine schöne<br />

Bescherung.<br />

Abtönungspartikel<br />

noch Hinzufügung<br />

Steigerung<br />

Einschränkung eines<br />

Zeitpunktes<br />

Ich hätte noch eine Frage.<br />

Diese Aufgabe ist noch komplizierter.<br />

Er besucht uns noch heute.<br />

Fokuspartikel<br />

nun<br />

nur<br />

Hinweis auf eine<br />

neue Etappe<br />

Abschwächung,<br />

Einschränkung<br />

Du bist noch jung dafür.<br />

Dafür habe ich weder Zeit<br />

noch Geld.<br />

Inzwischen hat es sich nun<br />

herausgestellt, dass …<br />

Von nun an waren sie Freunde.<br />

Geh nur!<br />

Nur brave Mädchen kommen<br />

in den Himmel!<br />

Da kann man nur staunen.<br />

recht Abschwächung Die Aufgabe ist recht interessant.<br />

Er ist der rechte Mann für<br />

diese Aufgabe.<br />

Temporaladverb<br />

Konjunktor (weder<br />

– noch)<br />

Temporaladverb<br />

Fokuspartikel<br />

Adverb<br />

Fokuspartikel<br />

Adjektiv<br />

221


222<br />

schon<br />

sehr<br />

emotionale Verstärkung<br />

einer Aussage,<br />

Einschränkung u.a.<br />

Verstärkung, Steigerung<br />

Wenn ich mich recht entsinne<br />

…<br />

Ich kann mir schon denken,<br />

was du willst.<br />

Wem nützt das schon?<br />

Er ist schon gekommen.<br />

Er hat sehr viel gelitten.<br />

Er fürchtet sich sehr.<br />

selbst Verstärkung Selbst wenn er wollte, könnte<br />

er das nicht tun.<br />

Du hast es selbst (= persönlich)<br />

gesagt.<br />

sogar<br />

überhaupt<br />

Adverb<br />

Fokuspartikel<br />

Adverb (bereits)<br />

Fokuspartikel<br />

Adverb<br />

Adverb<br />

Verstärkung einer Wir wurden sogar mit dem Fokuspartikel<br />

Aussage<br />

Auto abgeholt.<br />

Vera llgemeinerung Wie ist es überhaupt passiert? Fokuspartikel<br />

Er ist überhaupt selten zu Adverb<br />

Hause.<br />

viel Steigerung Ein viel versprechender Anfang.<br />

Intensitätspartikel<br />

Er trinkt viel.<br />

Adverb<br />

Ich wünsche dir viel Glück.<br />

In vieler Hinsicht hat er Recht.<br />

Zahlwort,<br />

Zahladjektiv<br />

vielleicht Zweifel Bist du vielleicht krank? Abtönungspartikel,<br />

Geltungspartikel<br />

Ein Mann von vielleicht fünfzig Adverb<br />

Jahren.<br />

weitaus Verstärkung Eine weitaus bessere Wissensbasis.<br />

Intensitätspartikel<br />

ziemlich 1. Hervorhebung<br />

2. annähernd, ungefähr<br />

Ich kenne ihn ziemlich gut.<br />

Ich bin mit der Arbeit ziemlich<br />

fertig.<br />

Intensitätspartikel<br />

zu<br />

Überschreitung einer<br />

Norm<br />

Ich kann es mit ziemlicher<br />

Sicherheit sagen.<br />

Du bist zu spät gekommen.<br />

Ich hätte Lust zu singen.<br />

Ich fahre zu meiner Tante.<br />

zumal Hervorhebung Sie geht gern in die Berge,<br />

zumal im Sommer.<br />

Er kommt gern, zumal (= da,<br />

weil) er allein ist.<br />

Adjektiv<br />

Partikel<br />

Infinitivpartikel<br />

Präposition<br />

Partikel<br />

Subjunktor


10 Die Präposition<br />

Präpositionen (lat. praepositio = »das Vorangestellte«) sind von unveränderbarer<br />

Gestalt, d.h. unflektierbar, sie verknüpfen Wörter und Wortgruppen und stehen innerhalb<br />

von Satzgliedern. Sie fordern von Substantiven und Pronomen, bei denen sie<br />

stehen, einen bestimmten Kasus. Sie stehen gewöhnlich vor dem Wort, das sie regieren.<br />

Sie bilden eine geschlossene Klasse von etwa 200 Lexemen.<br />

Die Präpositionen bezeichnen verschiedene Verhältnisse.<br />

a) Lokale Verhältnisse (Fragen: wo?, woher?, wohin?):<br />

ab, abseits, an, auf, außerhalb, bei, durch, entlang, gegen, gegenüber, hinter, in, inmitten, längs,<br />

nach, neben, über, um, unter, von, vor, zu, zwischen<br />

Das Buch liegt auf dem Tisch. Wir waren gestern bei euch. Der Lehrer schreibt an die Tafel.<br />

b) Temporale Verhältnisse (Fragen wann?, seit wann?, bis wann?, wie lange?, wie<br />

oft?):<br />

ab, an, auf, aus, bei, bis, gegen, hinter, in, mit, nach, seit, über, um, unter, von, vor, während,<br />

zu zwischen<br />

Ab dem 18. Lebensjahr ist man volljährig. Er kommt gegen Abend. Sie bleibt von Weihnac h-<br />

ten bis Neujahr bei uns. Die Theatervorstellung beginnt immer um sieben Uhr.<br />

c) Kausale Verhältnisse (Fragen: warum?, weshalb?, weswegen?):<br />

c1) rein kausale Verhältnisse<br />

an, aus, durch, nach, über, vor, um – willen, unter vermöge, vor, wegen<br />

Die Studentin kann vor Aufregung kaum sprechen. Sie fuhren zur Erholung in die Hohe Tatra. Um<br />

der Wahrheit willen muss er ein Geständnis machen.<br />

c2) den unzureichenden Grund:<br />

bei, trotz, ungeachtet<br />

Trotz des Regens gehen wir spazieren. Ungeachtet der Tatsache/der Tatsache ungeachtet …<br />

d) Finale Verhältnisse (Fragen: wozu?, in welcher Absicht?):<br />

auf, für, zu<br />

e) Modale Verhältnisse (Frage: wie?):<br />

auf, außer, bei, in, mit, unter, zu<br />

f) Das Mittel (Frage: wodurch?, womit?):<br />

u.a.<br />

durch, kraft, mit<br />

223


224<br />

10.1 Form und Stellung der Präposition<br />

Präpositionen können ein- oder mehrteilig sein.<br />

• Die meisten Präpositionen bestehen aus einem Wort und stehen in der Regel vor<br />

dem Bezugswort:<br />

vor dem Haus, in die Schule, hinter dem Garten, um zwei Uhr<br />

• Zweiteilige Präpositionen schließen das Bezugswort ein:<br />

um der Mutter willen, von Kindheit an, von Jugend auf<br />

• Zwei Präpositionen stehen grundsätzlich hinter dem Bezugswort:<br />

halber, zuliebe<br />

des Anstandes halber, gewisser Umstände halber; dir zuliebe, meinem Freund zuliebe<br />

• Einige Präpositionen können dem Bezugswort voran- oder nachstehen:<br />

entgegen, gemäß, entlang, nach, ungeachtet, entsprechend, wegen, gegenüber, zufolge<br />

wegen des Glatteises, des Glatteises wegen<br />

entlang der Straße, der Straße entlang<br />

zufolge des Vertrages, des Vertrages zufolge<br />

gegenüber mir, mir gegenüber<br />

• Einige Präpositionen können mit dem bestimmten Artikel zu einer Wortform verschmelzen:<br />

am Dach, ans Fenster, beim Fußballspiel, im Himmel,<br />

ins Bett, zum Bäcker, zur Küche<br />

• In festen Verbindungen und in Redewendungen:<br />

fürs Erste, am Ende, übers Herz bringen, aufs Äußerste gefasst sein<br />

Präpositionen fordern von Substantiven und Pronomen, bei denen sie stehen, einen<br />

bestimmten Kasus (Rektion). Man unterscheidet Präpositionen, die den Genitiv, Dativ<br />

und Akkusativ regieren.<br />

10.1.1 Präpositionen mit dem Genitiv<br />

abseits, abzüglich, anfangs, angesichts, anlässlich, anstatt, an Hand/anhand, an Stelle/anstelle,<br />

auf Grund/aufgrund, einschließ lich, außerhalb, beiderseits, betreffs, bezüglich,<br />

diesseits, exklusive, halber, hinsichtlich, infolge, inklusive, inmitten, jenseits, kraft, längs, laut,<br />

mangels, namens, oberhalb, seitens, trotz, um ... willen, unbeschadet, ungeachtet, unterhalb,<br />

unweit, vermöge, vorbehaltlich, während, wegen, zeit, zufolge, zugunsten, zuungunsten, zuzüglich,<br />

zwecks


Beispiele:<br />

abseits vedla, odtial, stranou, po obidvoch stranách<br />

Abseits der großen Eisenbahnlinien liegt das Dorf Vent.<br />

angesichts zoci-voci, so zretelom na<br />

angesichts der Gefahr<br />

Angesichts niedriger Zinsen am Kapitalmarkt investieren die Kleinanleger lieber in die Börsenpapiere<br />

von Unternehmen. (Die Zeit 1999)<br />

anstatt, statt namiesto, za<br />

Ich komme anstatt seiner.<br />

beiderseits vedla, opodial, stranou<br />

Beiderseits der Grenzen stauen sich die Autos.<br />

diesseits z tejto strany, pred, jenseits z druhej strany, za<br />

Diesseits der Landesgrenzen gelten noch die alten Ausweise.<br />

halber pre<br />

krankheitshalber, meinethalben<br />

infolge pre<br />

Infolge der Schneeverwehungen haben die Züge Verspätung.<br />

inmitten uprostred<br />

Inmitten dieser Unordnung kann man nicht arbeiten.<br />

kraft mocou, z moci, na základe<br />

Er handelte kraft seines Amtes.<br />

jmdn kraft des Gesetzes verurteilen odsúdit koho na základe zákona<br />

laut podla<br />

laut Ihres Schreibens, laut Erlass<br />

mangels kvôli, pre<br />

Er wurde mangels ausreichender Beweise freigesprochen.<br />

mittels pomocou oder der Instrumental (7. Fall)<br />

Die Gebühren wurden mittels Stempelmarken entrichtet.<br />

um – willen kvôli, pre<br />

um der Mutter/des Vaters willen<br />

ungeachtet bez ohladu na<br />

ungeachtet der Schwierigkeiten/des Misserfolges oder der Schwierigkeiten/des Misserfolges ungeachtet<br />

unterhalb pod, poniže<br />

Unterhalb des Bergdorfs soll eine Straße gebaut werden.<br />

225


226<br />

unweit nedaleko, blízko<br />

Unweit der Autobahnausfahrt finden Sie ein Gasthaus.<br />

während pocas, za<br />

während des Studiums<br />

wegen kvôli, za úcelom, aby<br />

Wegen eines Herzfehlers durfte er nicht Tennis spielen.<br />

Zwecks besserer Koordination wurden die Ministerien zusammengelegt.<br />

Einige Präpositionen können sowohl mit dem Genitiv als auch mit dem Dativ verbunden<br />

werden:<br />

innerhalb, längs, mangels, trotz, statt, während, zufolge<br />

innerhalb vnútri, v (priebehu)<br />

innerhalb eines Tages, innerhalb (von) fünf Jahren<br />

längs pozdlž, popri<br />

längs des Flusses selten: längs dem Fluss<br />

mangels pre<br />

mangels eines Beweises/dem Beweis; mangels finanzieller Unterstützung<br />

trotz napriek, navzdor; nehladiac na to, že ...<br />

trotz des Verbots/dem Verbot, trotz allen Bemühens selten: trotz allem Bemühen<br />

statt (anstatt) namiesto<br />

statt des Vaters/dem Vater<br />

stattdessen namiesto toho<br />

während pocas, cez, behom, po dobu<br />

während des Jahres/dem Jahr, des Urlaubs; während zwei Monaten<br />

zufolge podla, na<br />

zufolge seines Wunsches, häufiger ist aber die Präposition nachgestellt mit dem Dativ:<br />

seinem Wunsch zufolge podla želania, na želanie<br />

10.1.2 Präpositionen mit dem Dativ<br />

ab, aus, außer, bei, dank, entgegen, entsprechend, gegenüber, gemäß, mit, nach, nebst, samt,<br />

seit, von, zu, zufolge<br />

ab od, zo<br />

Ich habe die Reise ab Nitra gebucht.<br />

Ab drittem (ugs. dritten) April, ab morgen, ab nächster Woche, ab 14 Jahren<br />

aus z, zo<br />

Er trat aus dem Haus.


Er hat seinen Bruder aus Eifersucht erschlagen.<br />

Sie hat Kinder aus der zweiten Ehe.<br />

Eheringe sind meistens aus Gold.<br />

außer z, zo, mimo, okrem<br />

außer Betrieb setzen<br />

außer Landes sein<br />

Außer Milch und Honig nahm der Kranke nichts zu sich.<br />

feste Wendungen: außer Atem; außer Betrieb; außer Gefahr; etwas außer Acht lassen; jemand<br />

ist außer sich (= sehr aufgeregt sein)<br />

bei pri, u, za<br />

Perchtoldsdorf liegt bei Wien.<br />

bei schönem Wetter, beim Lesen<br />

Ich war beim Arzt.<br />

feste Wendungen: bei Nacht und Nebel; bei schönem Wetter; jemanden beim Wort nehmen; etwas<br />

bei Strafe verbieten<br />

dank vdaka, zásluhou<br />

Dank dem Zureden seiner Mutter schaffte er das Abitur. Er konnte das Problem dank seiner Erfahrung<br />

lösen.<br />

entgegen proti, napriek<br />

Entgegen den allgemeinen Erwartungen siegte die Oppositionspartei.<br />

dem Befehl entgegen<br />

entsprechend podla, v súlade s<br />

Er hat seiner Ansicht entsprechend gehandelt.<br />

Entsprechend ihrer Vorstellung von südlichen Ländern haben die Reisenden nur leichte Kleidung<br />

mitgenommen.<br />

gegenüber oproti, voci<br />

Gegenüber der Post finden sie verschiedene Reisebüros.<br />

Dir gegenüber habe ich immer die Wahrheit gesagt.<br />

gemäß podla, v súlade<br />

Das Gesetz wurde den Vorschlägen der Kommission gemäß geändert.<br />

Gemäß der Straßenverkehrsordnung ist der Angeklagte schuldig.<br />

mit s, so oder der reine Instrumental (7. Fall)<br />

Ich gehe mit meiner Schwester ins Kino.<br />

Wir heizen mit Gas.<br />

Er hat das sicher nicht mit Absicht getan.<br />

Mit der Zeit wurde sie ungeduldig.<br />

nach po, podla, do<br />

Die Überfahrt nach England war sehr stürmisch.<br />

227


228<br />

Die Kompassnadel zeigt immer nach Norden.<br />

Fahren Sie nach links und dann geradeaus.<br />

Nach Ostern will er uns besuchen.<br />

Meiner Meinung nach ist der Satz richtig.<br />

nebst spolu s, dovedna<br />

Er verkaufte ihm das Haus nebst Garage. (= zusammen mit der Garage; meist ohne Artikel)<br />

seit od, už<br />

Seit Weihnachten habe ich euch nicht mehr gesehen.<br />

Seit der Geburt seiner Tochter interessiert er sich für Kinder.<br />

von od, z, zo<br />

Ich bin gerade von Schottland zurückgekommen.<br />

Ich danke Ihnen für den Brief vom 20.03.1995.<br />

Vom Fernsehturm aus kann man die Berge sehen.<br />

Er wusste von Anfang an Bescheid.<br />

feste Wendungen: von heute auf morgen; in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch; von Tag zu<br />

Tag; von Ort zu Ort<br />

zu k, ku, na, pre, po, za<br />

Am Freitag komme ich zu dir.<br />

Zu Weihnachten bleiben wir zu Hause.<br />

Zum Beweis möchte ich folgende Zahlen bekannt geben: ...<br />

Wir haben jetzt schon zum vierten Mal mit ihm gesprochen.<br />

feste Wendungen ohne Artikel: zu Hause sein; zu Besuch kommen; zu Gast sein; zu Fuß gehen;<br />

zu Mittag/zu Abend essen; zu Bett gehen; zu Boden fallen; zu Hilfe kommen; zu Gott beten;<br />

zu Ansehen/zu Ruhm/zu Ehre kommen; zu Ende sein/kommen; zu Tisch kommen/ sitzen<br />

feste Wendungen mit Artikel: zur Rechten/zur Linken eines anderen stehen/sitzen; die<br />

Nacht zum Tag machen; etwas zum Frühstück essen<br />

zufolge podla, na základe<br />

Der Diagnose des Arztes zufolge kann der Beinbruch in zwei Monaten geheilt werden.<br />

10.1.3 Präpositionen mit dem Akkusativ<br />

bis, durch, entlang, für, gegen, ohne, um, wider<br />

bis do, po<br />

Bis Hamburg sind es noch etwa 650 Kilometer.<br />

Wir gingen bis an den Rand des Abgrunds.<br />

bis nächsten Donnerstag, bis vorige Ostern; bis Mittwoch, den 2. November<br />

durch cez, kvôli, skrz, proti, prostredníctvom<br />

Wir gingen durch den Wald.<br />

Er hatte durch einen Unfall seinen rechten Arm verloren.


Das Konzert wurde durch das Fernsehen übertragen.<br />

entlang pozdlž, popri 24<br />

Sie gingen den Bahnsteig entlang.<br />

Das Schiff fuhr den Fluss entlang.<br />

für pre, za, na<br />

Der Blumenstrauß ist für die Gastgeberin.<br />

Bitte geh für mich aufs Finanzamt.<br />

Für sein Alter ist er noch sehr rüstig.<br />

Er schrieb den Text Wort für Wort ab.<br />

gegen proti, voci, za, okolo<br />

Er schlug mit der Faust gegen die Tür.<br />

Wir kommen gegen 23 Uhr oder erst gegen Mitternacht.<br />

Nicht alle Ärzte sind gegen das Rauchen.<br />

ohne bez<br />

Ohne Auto können sie diesen Ort nicht erreichen.<br />

Ohne ihren Mann ist sie völlig hilflos.<br />

um okolo, za, v, o<br />

Um den Turm (herum) standen viele Bäume.<br />

Um 20 Uhr beginnen die Nachrichten.<br />

Vier Menschen sind bei dem Unfall ums Leben gekommen.<br />

wider proti<br />

Er hat wider Willen zugestimmt. (= gegen seinen Willen)<br />

Wider Erwarten hat er die Stellung bekommen.<br />

Wider besseres Wissen verurteilte er den Angeklagten.<br />

229<br />

10.1.4 Präpositionen mit dem Dativ oder mit dem Akkusativ<br />

Neun Präpositionen können mit dem Dativ und Akkusativ verbunden werden:<br />

an, auf, hinter, in,<br />

neben, unter, über,<br />

vor, zwischen<br />

in die Schule gehen<br />

in der Schule sein<br />

na, pri, za, v/vo,<br />

vedla, pod, nad,<br />

pred, medzi<br />

íst do školy<br />

byt v škole<br />

Lage wo? – Dativ<br />

Richtung wohin? – Akkusativ<br />

Der Akkusativ steht, wenn eine Bewegung oder eine Tätigkeit zielgerichtet aus einem<br />

Bereich in einen anderen führt:<br />

in den Park gehen, ein Weg führt in den Park;<br />

24 aber am Ufer entlang. Hier ist entlang keine Präposition, sondern Adverb.


230<br />

die Vase auf den Tisch stellen,<br />

Wird der Bereich nicht verlassen, steht der Dativ:<br />

im Park spazieren, ein Spaziergang im Park, ein Weg im Park / in den Park<br />

Bei Temporalangaben steht weitgehend der Dativ:<br />

am Mittwoch, im Herbst, im Januar<br />

Es gibt Schwankungsfälle, wo beide Möglichkeiten zugelassen sind. Ausschlaggebend<br />

ist dabei der Standpunkt des Sprechers oder Senders:<br />

das Pferd an einen/einem Ast fest binden;<br />

die Zweige hängen über den/dem Bach;<br />

der Kranke wird in die/der Klinik aufgenommen<br />

Manche Verben können zielgerichtetes oder nicht-zielgerichtetes Geschehen bezeichnen:<br />

Wir sind über die Wolken geflogen.<br />

Wir sind über den Wolken geflogen.<br />

Mit der unterschiedlichen Rektion der Präpositionen mit dem Genitiv und Dativ ist<br />

oft die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Existenzform oder Stilebene verbunden:<br />

trotz des Fehlers (G) – trotz dem Sturm (Dativ, ugs.)<br />

außer des Landes gehen (G) – außer dem Haus arbeiten<br />

laut des Gesetzes (G, gehoben) – laut dem Brief (D)<br />

ebenso: binnen, mangels<br />

10.1.5 Präpositionen fremder Herkunft<br />

Es gibt eine Reihe von Präpositionen fremder Herkunft, die insbesondere in der<br />

Fachsprache verwendet werden. Die wichtigsten sind folgende:<br />

à = zu po/za ein Stück à 5 Mark<br />

exklusive =ausschließlich okrem, bez exklusive Porto (=Postgebühr)<br />

inklusive = einschließlich vrátane inklusive aller Restaurationen<br />

pro = für/je za 10 Mark pro Person<br />

punkto = betreffend punkto Geld (das Geld betreffend)<br />

vis-à-vis = gegenüber oproti vis-à-vis dem Kino<br />

11 Die Konjunktion<br />

Die Konjunktionen (Bindewörter, Fügewörter, Junktoren, lat. coniugare = verbinden)<br />

dienen dazu, Wörter, Wortgruppen oder Teilsätze aneinander zu fügen. Sie sind nicht<br />

flektierbar, haben keinen Satzgliedwert und regieren keinen Kasus von Substantiven.


Konjunktionen helfen Beziehungen des Nebeneinanders<br />

des Ausschlusses<br />

des Gegensatzes<br />

des Grundes<br />

der Zeit<br />

der Folge<br />

der Bedingung<br />

des Zwecks<br />

der Art und Weise<br />

des Mittels<br />

des Vergleichs herzustellen.<br />

Ihrem Fügungswert nach unterscheidet man zwei Arten von Konjunktionen:<br />

a) Koordinierende (nebenordnende, beiordnende) Konjunktionen (Konjunktoren):<br />

• verbinden grammatisch gleichwertige Wörter und Wortgruppen<br />

Vater und Mutter, die junge Frau und der elegante Mann.<br />

• verbinden Sätze gleichen Grades, d.h. Hauptsätze oder gleichgeordnete Nebensätze:<br />

Ich habe heute die Prüfung bestanden, und morgen bekomme ich das Zeugnis.<br />

Der Lehrer erwartet, dass alle Schüler vorbereitet sind und dass sie im Unterricht mitarbeiten.<br />

b) Subordinierende (unterordnende) Konjunktionen (Subjunktoren):<br />

• leiten einen Nebensatz ein und kennzeichnen seine Unterordnung<br />

Mein Neffe freut sich, wenn ich mit ihm spiele.<br />

11.1 Abgrenzung der Konjunktionen von Adverb und Präposition<br />

Wie koordinierende Konjunktionen, können auch Pronominaladverbien Bezie hungen<br />

zwischen Sätzen und Wortgruppen ausdrücken.<br />

Aber: Adverbien sind nähere Bestimmungen des Verbs, Konjunktionen nicht. Dem<br />

Pronominaladverb folgt die finite Verbform unmittelbar:<br />

Ibrahim lebt jetzt in der Slowakei, denn er möchte Slowakisch lernen.<br />

Einige subordinierende Konjunktionen und Präpositionen lauten gleich:<br />

• Konjunktion: Warte, bis ich zurück bin.<br />

• Präposition: bis Montag, bis morgen/seit meiner Kindheit, seit gestern<br />

231


232<br />

11.2 Die koordinierenden (nebenordneten) Konjunktionen<br />

Sie drücken aus:<br />

a) Kopulative (aufzählende) Beziehungen:<br />

und a zudem okrem toho<br />

auch tiež einerseits – andererseits na jednej strane – na<br />

druhej strane<br />

außerdem okrem toho, navyše erst – dann najprv – potom<br />

dann potom nicht nur – sondern auch aj – aj<br />

sowie len co; ako aj sowohl – als auch ako – tak i<br />

überdies okrem toho weder – noch ani – ani<br />

Sowohl der Vater als auch die Mutter sollten sich um das Kind kümmern.<br />

weder hier noch dort<br />

Nicht nur, weil er ein guter Arzt ist, sondern auch, weil er ein Menschenkenner ist, ist er so beliebt.<br />

Vorträge und Reden sowie zahlreiche Veröffentlichungen.<br />

Es ist abwegig, ja sogar falsch.<br />

• Folgende Konjunktionaladverbien bzw. mehrgliedrige Konjunktionen kennzeichnen<br />

die Anreihung bzw. die Aufzählung:<br />

ferner bližšie bald – bald hned – hned<br />

dann potom teils – teils jednak – jednak<br />

endlich konecne einerseits – andererseits jednak – jednak<br />

weiter dalej schließlich zároven<br />

hernach zatým, nato zuletzt naposledy<br />

Teils neue, teils alte Bücher werden verkauft.<br />

Teils (bald)/ einerseits schwärmen die Schwalben, teils (bald)/ andererseits sammeln sie sich.<br />

• Alternative (unterscheidende) Beziehungen:<br />

oder alebo entweder – oder bud – alebo<br />

Dein Vater oder deine Mutter muss kommen.<br />

Entweder du arbeitest mit, oder du lässt uns in Ruhe.<br />

• Adversative (gegensätzliche) Beziehungen:<br />

aber<br />

allein<br />

sondern<br />

doch<br />

jedoch<br />

ale<br />

avšak, ale; iba<br />

ale<br />

predsa<br />

lenže, však<br />

Sie gehen spazieren, aber wir müssen arbeiten.<br />

Der Park ist schön, doch/jedoch ihm fehlt die Pflege.


Er ist nicht Mitglied, sondern Gast dieses Kreises.<br />

Er ist sehr tüchtig, allein/nur ihm fehlt die Erfahrung.<br />

• Folgende Konjunktionaladverbien haben adversative oder konzessive (einräumende)<br />

Bedeutung:<br />

dennoch<br />

gleichwohl<br />

indessen<br />

vielmehr<br />

trotzdem<br />

zwar<br />

nichtsdestoweniger<br />

predsa, napriek tomu<br />

predsa<br />

ale, však<br />

ba co viac<br />

predsa však<br />

síce<br />

predsa<br />

• Spezifizierende (erläuternde) Beziehungen:<br />

nämlich<br />

totiž<br />

bzw. – beziehungsweise resp. – respektíve<br />

d. i. – das ist t.j. – to jest<br />

d.h. – das heißt<br />

t.j. – to jest<br />

z.B. – zum Beispiel napr. – napríklad<br />

• Kausale (begründende) Beziehungen:<br />

denn<br />

lebo<br />

Ich benötige Geld, denn ich möchte verreisen.<br />

Alle anderen Grund-Folge-Beziehungen, ebenso wie temporale und lokale Be -<br />

ziehungen, müssen bei Koordination durch Adverbien hergestellt werden. Z.B.<br />

• lokale Koordination:<br />

da<br />

dort<br />

darauf<br />

hie und da<br />

hüben – drüben<br />

diesseits – jenseits<br />

Hüben wie drüben wird Wein angebaut<br />

tu<br />

tam<br />

na tom<br />

tu i tam<br />

tu i tam; na tej i na druhej strane<br />

z tej i z druhej strany<br />

temporale Koordination:<br />

da tu eher skôr, prv<br />

dann potom zuvor skôr, prv než<br />

darauf potom vorher predtým<br />

danach potom indem zatial kým<br />

indes(sen) medzitým, zatial<br />

233


234<br />

Wir wollen zuerst essen, dann ins Kino gehen.<br />

• kausale Koordination:<br />

also teda nämlich totiž<br />

anderenfalls inác sonst inác, okrem toho<br />

daher preto, teda darum preto<br />

darum preto dazu k tomu; na to<br />

demnach preto teda zwar – aber síce; pravda – ale<br />

deshalb preto trotzdem hoci, napriek tomu<br />

Er ist gut gelaunt, er hat nämlich am Lotto gewonnen. Bei dieser Operation muss man sehr vorsichtig<br />

sein, anderenfalls können Komplikationen auftreten. Sie kann sehr gut singen und will deshalb<br />

Sängerin werden.<br />

11.3 Die subordinierenden (unterordnenden) Konjunktionen<br />

• Adversative (gegenseitige) Subordination:<br />

während<br />

kým<br />

Ich holte den Arzt, während der Nachbar bei dem Verletzten blieb.<br />

(Kommt in gleicher Form auch als Präposition vor.)<br />

• Spezifizierende (erläuternde) Subordination:<br />

insofern (als) pokial damit aby<br />

insoweit (als) pokial dass aby<br />

inwiefern<br />

pokial<br />

Inwiefern diese Aussage den Tatsachen entspricht, kann ich im Moment nicht beurteilen.<br />

• Kausale (begründende) Subordination:<br />

da kedže obgleich hoci, co aj<br />

weil pretože obschon hoci, co aj<br />

zumal (da) kedže obwohl hoci, co aj<br />

umsomehr – umsoweniger<br />

cím viac – cím me-<br />

obzwar<br />

hoci, co aj<br />

dass nej, tým<br />

so dass, zu takže trotzdem hoci, napriek<br />

tomu<br />

nehladiac na<br />

(to), že<br />

als dass ked ungeachtet (dessen),<br />

dass<br />

falls ak, keby wenn auch hoci<br />

im Falle (dass), ak, v tom prípade wenn schon hoci<br />

Sofern ak wenngleich hoci; co aj<br />

Wenn ked wiewohl i ked, hoci<br />

wo nicht kde nie damit, dass tým, že


vorausgesetzt (dass) za predpokladu, že um zu + Inf. aby<br />

Wir verabschiedeten uns, weil der Zug kommt.<br />

Trotzdem es den Kindern verboten war, spielten sie am Wasser.<br />

Sie spielten am Wasser, obwohl/obgleich es verboten war.<br />

Er eilt, damit er den Anschlusszug noch erreicht.<br />

Wir besuchten ihn gern, zumal/da/um so mehr als auch zahlreiche Per sönlichkeiten des literarischen<br />

Lebens als Gäste erwartet wurden.<br />

• Modale Subordination:<br />

als ako keby, akoby kaum dass sotvaže<br />

als ob ako keby, akoby ohne dass bez toho, aby, a ani<br />

als wenn ako keby, akoby (an)statt dass namiesto (toho) aby<br />

gleichwie tak ako; práve tak ohne zu ani, a ani<br />

sowie len co (an)statt zu (na)miesto aby<br />

wie ako indem tým, že<br />

wie wenn akoby dadurch, dass tým, že<br />

soviel pokial damit, dass aby<br />

(in)sofern pokial, kým, ak je – desto cím – tým<br />

(in)soweit pokial je – um so cím – tým<br />

(in)wiefern pokial, nakolko je – nachdem podla toho, ci<br />

geschweige<br />

dass<br />

tobôž že<br />

(ob)<br />

Ich wecke ihn, indem ich läute.<br />

Es ist so gekommen, wie es kommen musste.<br />

Mir ist, als ob ich etwas vergessen hätte.<br />

Je mehr er weiß, desto/um so bescheidener ist er.<br />

Er lud ihn zu einer Reise ein, statt dass wir ihn darum bitten mussten.<br />

Ich habe sie nicht einmal gesehen, geschweige dass ich sie gesprochen hätte.<br />

• Temporale Subordination:<br />

als ked sooft kedykolvek<br />

ehe skôr než während zatial co/kým<br />

bevor skôr než wenn ked, kedykolvek<br />

nachdem potom co wie ako<br />

seit(dem)<br />

sobald<br />

solange<br />

odvtedy co<br />

akonáhle<br />

pokým<br />

indes<br />

unterdes<br />

zatial co<br />

kým<br />

235


236<br />

Sie drücken aus:<br />

Gleichzeitigkeit<br />

Vorzeitigkeit:<br />

Nachzeitigkeit:<br />

• Lokale Subordination:<br />

Als er kam, begrüßten wir ihn.<br />

Seit(dem) er die Abteilung leitet, wird planvoll gearbeitet.<br />

Ich werde ihn besuchen, sooft er es wünscht.<br />

Wenn die Uhr schlägt, lugt ein Kuckuck durch das Türchen.<br />

Wie er kommt, stehen die Schüler auf.<br />

Nachdem er gefrühstückt hatte, hörte er die Nachrichten.<br />

Sobald die Uhr geschlagen hatte, trat er ins Zimmer.<br />

Ehe/bevor ich das nicht gesehen habe, glaube ich es nicht.<br />

Für lokale Beziehungen gibt es keine subordinierenden Konjunktionen. Lokalsätze<br />

werden durch Relativadverbien wo, woher, wohin u.a. eingeleitet:<br />

Koblenz liegt dort, wo die Mosel in den Rhein mündet.<br />

Ich gehe, wohin du mich schickst.<br />

Ich komme, woher ihr auch kommt.<br />

• Unterordnung einer Aussage:<br />

Die Konjunktion dass kann eine vollständige Aussage (im Nebensatz) unterordnen.<br />

Dass du kommst, ist mir bekannt.<br />

Mir ist bekannt, dass du kommst.<br />

• Unterordnung einer Entscheidungsfrage:<br />

ob<br />

ci<br />

Ich weiß nicht, ob ich es schaffe.<br />

Die Frage, ob das Experiment gelingen wird, bewegt uns alle.<br />

12 Die Interjektion<br />

Die Interjektionen (Empfindungswort, lat. interiecere = »dazwischenwerfen«) sind<br />

keine Wortart im eigentlichen Sinne. Sie haben Satzwert aber keine Satzform.<br />

Alle Interjektionen sind unveränderlich. Die Interjektion gibt Gemüts- und Willensregungen<br />

wieder. Interjektionen müssen von anderen sprachlichen Ausdrücken durch<br />

Satzzeichen getrennt werden.<br />

• Interjektionen drücken Empfindungen aus:<br />

ei!, au!, oho!, pfui!, aha!, haha!, brrr!<br />

hm!, juchhe! ächs, ätsch!<br />

Ätsch! er hat uns auch schön geheißen! [Wieland: Geschichte der Abderiten]<br />

• Interjektionen ahmen Schall und Klang nach:


hoppla!, miau!,knaks!, quak!, piff, paff, puff!, knacks! kling, klang!, klipp, klapp!<br />

Es geht alles so klipp und klapp wie ein Fibelvers.[Fontane: Vor dem Sturm]<br />

• Manche Interjektionen sind Zurufe:<br />

brr!, ja!, nein!, doch!<br />

Neben den echten Interjektionen werden Verbstämme, Substantive, Adjektive, Adverbien<br />

und Wortgruppen als Interjektionen verwendet:<br />

halt!, brav!; Donner und Doria!; pfui Deible!<br />

Donner und Doria! Diesen Gelust müssen sie niederschlucken. [Schiller: Fiesco]<br />

12.1 Zur Rechtschreibung der Interjektionen<br />

Der lange Vokal enthält ein h, wenn er betont ist. Er wird ohne h geschrieben, wenn<br />

er unbetont ist:<br />

ah!, eh!, oh!, bah!, pah!, puh!, muh!, o Gott!, o weh!<br />

Ohne h am Ende stehen folgende Interjektionen:<br />

ha!, ho!, hu!, hü!, hallo!, hurra!, hussa!: o je!, herrje!, ojemine!, juch<br />

Beispiele:<br />

Das Messer ist gewetzt, das Wild umsetzt, ein reicher Fang, hussa zum letzten Gang! [Eichendorff:<br />

Viel Lärmen um Nichts]<br />

Ei herrje, was man doch für Neuigkeiten erfahren kann, wenn man am Wege vorspricht! [Raabe:<br />

Der Schüdderump<br />

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