B Morphologie - palacha`s web
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B <strong>Morphologie</strong><br />
Inhaltsverzeichnis<br />
0 Die sprachlichen Ebenen<br />
Innerhalb des Sprachsystems kann man verschiedene Ebenen unterscheiden.<br />
Alle Ebenen bestehen aus einer Gesamtheit von konstruierenden Elementen,<br />
die zueinander in unterschiedlichen Beziehungen stehen.<br />
Wir unterscheiden zwei Seiten des sprachlichen Zeichens: die Seite der<br />
Form und die Seite der Bedeutung. Die beiden Seiten des sprachlichen Zeichens<br />
gehören zu unterschiedlichen Ebenen:<br />
• Formseite: phonologische Ebene<br />
graphische Ebene<br />
• Bedeutungsseite: semantische Ebene<br />
Die kleinsten Einheiten der phonologischen Ebene werden distinktive phonologische<br />
Merkmale genannt. Die Bündel distinktiver Merkmale bilden<br />
Phoneme, die kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten.<br />
Die graphische Ebene steht in einer Wechselbeziehung zur phonologischen<br />
Ebene. Das kleinste Element auf der graphischen Ebene ist das distinktive<br />
graphische Merkmal (z.B. Strich, Kreis u.a.). Ein Bündel distinktiver graphischer<br />
Merkmale bilden die Buchstaben. Zwischen der graphischen und der<br />
phonologischen Ebene besteht eine mehr oder weniger ausgeprägte Parallelität,<br />
aber man kann nicht von einer 1:1-Entsprechung beider Ebenen sprechen. Oft<br />
wird ein Phonem mit unterschiedlichen Graphemen (Buchstaben) bezeichnet,<br />
oder ein und derselbe Buchstabe kann unterschiedliche Phoneme bezeichnen.<br />
Die Ebenen des sprachlichen Zeichens sind folgende:<br />
• die morphematische Ebene<br />
• die lexikalische Ebene<br />
• die syntaktische Ebene<br />
• die textuale Ebene<br />
Die kleinste bedeutungstragende Einheit auf der morphematischen Ebene ist<br />
das Morphem. Diese Ebene wird durch elementare sprachliche Zeichen gebildet.<br />
Sie werden auf höherer Ebene miteinander kombiniert und erfüllen verschiedene<br />
Aufgaben.<br />
Die lexikalische Ebene besteht aus relativ selbständigen sprachlichen Zeichen.<br />
Die kleinste Einheit dieser Ebene ist das Lexem. Zu den Lexemen gehö-
42<br />
Grammatik<br />
ren Wörter, bestehend aus Morphemen, aus Morphemkomplexen oder aus festen<br />
Wortgruppen (Phraseologismen). Auf der syntaktischen Ebene bestehen<br />
zwischen den Einheiten der lexikalischen Ebene (Lexeme) unterschiedliche<br />
Beziehungen. Die niederen Einheiten werden hier zu höheren Ein heiten verbunden.<br />
Die Haupteinheiten dieser Ebene sind Wortgruppe (Syntagma) und<br />
Satz.<br />
Auf der textualen Ebene hat man mit kommunikativen Handlungen – Textemen<br />
– zu tun. Mit dieser Ebene befasst sich die Textgrammatik.<br />
Die Morphemebene<br />
Auf der Ebene des Morphems unterscheiden wir drei Arten von Morphemen:<br />
• Basis- (Grund-) oder Stamm-Morpheme<br />
• Wortbildungsmorpheme und<br />
• Flexionsmorpheme<br />
Untersuchen wir die oben genannten Begriffe an einem Beispiel:<br />
In der Wortform (des) Tischlers unterscheiden wir folgende Arten des Morphems:<br />
Tisch Basis - (Grund-) oder Stamm-Morphem<br />
-ler wortbildendes Morphem<br />
-s grammatisches Morphem, Flexionsmorphem (Genitiv Singular)<br />
• Grund- oder Wortbildungsmorpheme konstruieren die lexikalische Bedeutung,<br />
grammatische Morpheme konstruieren die grammatische Bedeutung.<br />
Zwischen lexikalischen und grammatischen Zeichen gibt es Gemeinsamkeiten<br />
und Unterschiede. Wir können sie oft nicht sauber voneinander<br />
trennen.<br />
• Lexikalische Zeichen bezeichnen Beziehungen:<br />
Katzen – fangen – Mäuse<br />
Sohn – ähnlich – Vater<br />
Bei grammatischen Beziehungen kann es sich um unterschiedliche Verhält nisse<br />
handeln:<br />
• zwischen Gegenständen und den Merkmalen der Realität:<br />
Die Wand (Gegenstand) ist hoch (Merkmal)<br />
Der Junge (Gegenstand, Person) zeichnet (Merkmal, Tätigkeit)<br />
• zwischen Sachverhalten:<br />
Der Junge besteigt den Zug, denn er fährt nach Hause.
• zwischen Sachverhalt und Redesituation:<br />
Hoffentlich (sicher/natürlich/selbstverständlich) kann er die Aufgabe lö sen.<br />
Untersuchen wir, aus welchen Komponenten folgender Satz besteht:<br />
Die Kinder gehen auf den Sportplatz.<br />
Das Wort Kind hat eine benennende Funktion. Das Suffix -er (durch den bestimmten<br />
Artikel die unterstützt) gibt einen Hinweis auf Numerus (Plural), Kasus<br />
(Nominativ) und teilweise auf das Genus (Neutrum).<br />
Das Verb gehen besteht aus einem:<br />
• lexikalischen Morphem {geh-}, das die Aufgabe hat, die Tätigkeit zu benennen.<br />
• grammatischen Morphem {-en}, das Tempus und Modalität angibt. usw.<br />
Auf der lexikalischen Ebene haben wir mit Lexemen zu tun. Ein Lexem ist die<br />
kleinste relativ selbständige bedeutungstragende Einheit, die im Sprachgebrauch<br />
frei reproduzierbar ist. Zu den Lexemen gehören aber auch Wortpaare,<br />
feste Verbalverbindungen, feste Nominalverbindungen und völlig isolierte Einheiten.<br />
Zentrales Element der lexikalischen Ebene ist das Wort.<br />
Das Wort ist der kleinste selbständige, potentiell isolierbare Redeteil, der<br />
als Einheit des phonetischen und grammatischen Baues und des Inhaltes<br />
charakterisiert ist und sowohl hinsichtlich seines Lautkörpers als auch seiner<br />
Bedeutung mit den übrigen Einheiten der Sprache in Beziehung steht.<br />
[Schmidt, W. 1967, S. 13]<br />
Auf der syntaktischen Ebene haben wir mit unterschiedlichen Einheiten zu tun.<br />
Unter Wortgruppen oder Syntagmen verstehen wir ein Satzglied, das aus<br />
zwei oder mehreren autosemantischen Wörtern besteht. Zwischen den beiden<br />
Wörtern bestehen subordinierende Beziehungen. Vgl.:<br />
• Substantivgruppen:<br />
• verbale Wortgruppen:<br />
• Adjektivgruppen:<br />
der gute Mensch<br />
der Stolz des Schülers auf seine Leistung<br />
Er beauftragt ihn, sich der Frage zu widmen.<br />
(der) auf seinen alten Freund wartende (Junge).<br />
Wortgruppen unterscheiden sich von Lexemen und Sätzen durch folgende<br />
Merkmale:<br />
Wortgruppen sind als syntaktische Konstruktionen komplexe Zeichen bzw.<br />
Zeichenkombinationen. Sie haben Form und Bedeutung.<br />
Als Teile von Sätzen spiegeln sie Sachverhalte wider.<br />
43
44<br />
Grammatik<br />
Im Gegensatz zu Sätzen verfügen sie nicht über Prädikativität (Einordnung<br />
in Zeit), Modalität und Intention (Sprechabsicht). Sie haben jedoch als kommunikative<br />
Einheiten bestimmte ko mmunikative Bedeutungselemente.<br />
Sie können Eigenschaften (z.B. der süße Wein) oder Relationen (die von vielen<br />
diskutierte Frage) ausdrücken.<br />
Der Satz ist die kleinste selbständige kommunikative Einheit. Er ist durch<br />
seine Abgeschlossenheit gekennzeichnet. Das Teilgebiet der Sprachwissenschaft,<br />
das die Beziehungen innerhalb des Satzes untersucht, ist die Syntax.<br />
Der Text besteht aus Sätzen. Er hat ebenfalls eine Form- und eine Inhaltsseite.<br />
Eine wichtige Rolle spielt bei Texten der Aufbau, die Textkomposition.<br />
(Hier handelt es sich unter anderem um die Komposition des Makrotextes,<br />
Mikrotextes und Absatzes.) Die neuesten linguistischen Forschungen widmen<br />
auch der inhaltlichen Seite des Textes eine erhöhte Aufmerksamkeit.<br />
(nach SOMMERFELDT , K.-E., STARKE, G: 1988, S. 11 ff.)<br />
0.1 Sprachwissenschaftliche Disziplinen<br />
Die verschiedenen Ebenen der Sprache werden durch die einzelnen sprachwissenschaftlichen<br />
Disziplinen untersucht.<br />
Die Bedeutungsseite sprachlicher Zeichen ist Gegenstand der Semantik oder<br />
Semasiologie.<br />
Bei der Formseite kann man zwischen lautlicher und graphischer Ebene unterscheiden.<br />
Mit der lautlichen Ebene befasst sich die Phonetik, mit der Funktion<br />
der Laute (Phoneme) die Phonologie.<br />
Mit der Beschreibung der graphischen Ebene befasst sich die Graphemik o-<br />
der Graphematik, während sich die Orthographie mit den präskriptiven Regeln<br />
der richtigen oder korrekten Schreibung befasst.<br />
Gegenstand der Lexikologie sind vor allem Form und Bedeutung der Lexeme<br />
(lexikalische Ebene) und der lexikalischen Morpheme (morphema tische<br />
Ebene).<br />
Nicht einfach ist es, den Gegenstand der Grammatik zu bestimmen. Wir<br />
unterscheiden folgende Ebenen der Grammatik:<br />
• Morphematische Ebene: die formbildenden Morpheme<br />
• Lexikalische Ebene: die Wortarten, die grammatischen Kategorien der<br />
Autosemantika (Substantiv, Verb, Adjektiv u.a.) sowie der Synsemantika<br />
(Präpositio nen, Konjunktionen, Hilfsverben, Artikel u.a.)<br />
• Syntaktische Ebene: syntaktische Konstruktionen<br />
• Textuale Ebene: grammatische Erscheinungen bei der Bildung von Texten<br />
Betrachtet man die Grammatik als Lehre vom Bau der Sprache, dann wird sie<br />
in <strong>Morphologie</strong> und Syntax gegliedert.
Gegenstand der <strong>Morphologie</strong> sind die Wortarten, ihre Formveränderungen,<br />
ihre lexikalischen und grammatischen Bedeutungen. Gegenstand der Syntax<br />
sind der Aufbau und die Typologie der Sätze.<br />
0.2 Wortklassen<br />
Die Wörter einer Sprache lassen sich nach bestimmten Kriterien ordnen, die<br />
wir als Wortart oder Wortklasse (’partes orationis’, ’part of speech’ u.a.) bezeichnen.<br />
Die Merkmale zur Einordnung der Wörter sind entweder in ihrer<br />
Form oder in ihrer Bedeutung zu suchen.<br />
Die Klassifikation der Wortarten gehört zu den meist diskutierten Fragen der<br />
deutschen Grammatik. In der deutschen Sprache der Gegenwart existieren<br />
gleichzeitig verschiedene Wortartsysteme. Sie unterscheiden sich nach der Anzahl<br />
und Benennung der Wortarten.<br />
Insgesamt können wir drei Definitionsverfahren unterscheiden:<br />
• das distributionelle Verfahren<br />
• das semantische Verfahren<br />
• das flexematische Verfahren<br />
Das distributionelle Verfahren klassifiziert die Wörter nach ihren Umgebungen,<br />
ihrer »Distribution«, in der sie im Satz vorkommen können. Dafür werden<br />
sogenannte »Distributionsrahmen« oder »Substitutionsrahmen« aufgestellt und<br />
definiert. „Eine syntaktische Klassifizierung der Wortarten fordert zunächst die<br />
Einsetzung bestimmter Substitutionsrahmen:<br />
Der … arbeitet fleißig.<br />
Der Lehrer … fleißig.<br />
Er sieht einen …Lehrer.<br />
Der Lehrer arbeitet …<br />
Nach dem Prinzip der Distribution kann in den Rahmen (1) nur ein Substantiv,<br />
in den Rahmen (2) nur ein Verb, in den Rahmen (3) nur ein Adjektiv, in den<br />
Rahmen (4) nur ein Adverb eingesetzt werden.“ (He lbig/Buscha 1994: 19)<br />
Dieses Prinzip wurde verwirklicht in der Deutschen Grammatik – Ein Lehrbuch<br />
für den Ausländerunterricht von Gerhard HELBIG und Joachim BUSCHA,<br />
die folgende Wortklassen unterscheiden:<br />
1) Verb<br />
2) Substantivwörter<br />
a) Substantiv<br />
b) substantivische Pronomina<br />
3. Adjektiv (einschließlich Zahladjektiv)<br />
4. Adverb (einschließlich Adjektiv-Adverb)<br />
5. Funktionswörter I: Artikelwörter (einschließlich der adjektivischen Pronomina)<br />
45
46<br />
Grammatik<br />
6. Funktionswörter II: Fügewörter<br />
a) Präpositionen<br />
b) Konjunktionen<br />
7. Funktionswörter III: (adverbähnliche Wörter)<br />
a) Partikeln<br />
b) Modalwörter<br />
c) Satzäquivalente (einschließlich Interjektionen)<br />
Die Unterschiede zu den herkömmlichen 10 Wortarten ergeben sich aus den<br />
angewandten syntaktischen Kriterien. Es fehlen in dieser Grammatik die Numeralien<br />
und die Pronomen als autonome Wortklassen, da sie verschiedene<br />
syntaktische Funktionen ausüben. Die syntaktische Wortklasse der Artikelwörter<br />
hat einen wesentlich größeren Umfang als die herkömmliche Wortart Art i-<br />
kel. Als selbständige Wortklassen werden die Part ikeln und die Modalwörter<br />
auf Grund ihrer syntaktischen Besonderheiten ausgegliedert.<br />
Das semantische Verfahren geht bei der Einordnung der Wörter in bestimmte<br />
Klassen von der Wortartbedeutung aus. Die Wortartbedeutung stellt eine<br />
verallgemeinerte Bedeutung auf einer höheren Abstraktionsebene dar. Ve r-<br />
gleicht man z.B. die Klassen der Substantive, Verben oder Adjektive, kann man<br />
feststellen, dass sie sich durch sehr allgemeine Merkmale unterscheiden. Diese<br />
allgemeine Bedeutung, auf Grund der man die Wörter einordnen kann, nennt<br />
man kategoriale Bedeutung. So lassen sich etwa die drei Hauptwortarten, das<br />
Substantiv, das Adjektiv und das Verb auf Grund folgender kategorialer Bedeutungen<br />
unterscheiden:<br />
Wortart<br />
Substantiv<br />
Verb<br />
Adjektiv<br />
kategoriale Bedeutung<br />
»Gegenstand»<br />
»Prozess»<br />
»Merkmal»<br />
Das flexematische Verfahren verwendet z.B. Ulrich ENGEL in seiner Deutschen<br />
Grammatik. Es ist eine klare und übersichtliche, „aber auch die oberflächlichste“<br />
(Engel 1996: 17) Methode. Man trennt fürs erste die flektierbaren<br />
und die unflektierbaren Wortarten. Dadurch erhält man zwei große Klassen von<br />
Wörtern. Flexion nennt man die regelmäßige Veränderung bestimmter Wörter.<br />
Die Wörter werden im Deutschen hauptsächlich mit Hilfe von Endungen flektiert,<br />
zu denen oft ein Umlaut oder Ablaut tritt. Diese Flexionsendungen nennen<br />
wir mit U. ENGEL Flexeme. Es gibt spezielle Flexionsendungen für Numerus,<br />
Kasus, Genus, Person und Komparation.<br />
Unter Flexion versteht man die regelmäßigen Veränderungen der flektierbaren<br />
Wörter. Flexionsmittel sind im Deutschen grammatische Endungen (Suffixe),<br />
die gelegentlich mit Umlaut bzw. Ablaut kombiniert werden können. Innerhalb<br />
der Flexion unterscheidet man Deklination, Konjugation und Komparation.<br />
Auf Grund des Kriteriums der Flexion gibt es zwei große Gruppen von
Wörtern: die veränderlichen oder flektierbaren (konjugier-, deklinier- und<br />
komparierbaren) und die nicht veränderlichen Wörter, die er Partikeln nennt.<br />
Ein neues Klassifikationsschema nach den Kriterien der Flektierbarkeit und<br />
der Art der Flexion hat Hans Glinz in seiner ‚Fünf-Wortarten-Lehre’ präsentiert.<br />
Die folgende Abbildung zeigt dieses Schema (nach Linke/Nussbaumer/Portmann<br />
1994: 76):<br />
Wörter (Lexeme)<br />
47<br />
flektierbar<br />
nicht flektierbar<br />
konjugierbar<br />
(insbesondere Tempus)<br />
deklinierbar<br />
(insbesondere Kasus)<br />
festes Genus<br />
variables Genus<br />
komparierbar nicht komparierbar<br />
2 Flexionsreihen 1 Flexionsreihe<br />
Verb<br />
Nomen<br />
(Substantiv)<br />
Adjektiv<br />
Begleiter<br />
und<br />
Stellvertreter<br />
(Artikel und<br />
Pronomen<br />
Partikel<br />
(Adverbien,<br />
Präpositionen,<br />
Konjunktionen)<br />
Nach der Art der Flexion (morphologisches Kriterium) lassen sich also die<br />
Wörter einteilen in:<br />
• deklinierbare Wörter (Substantive, Adjektive, Artikel, Pronomen)<br />
• konjugierbare Wörter (Verben)<br />
• komparierbare Wörter (Adjektive)<br />
• Partikeln, d.h. nicht flektierbare Wörter (Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen,<br />
Interjektionen, Partikel)<br />
Deklinierbar sind diejenigen Wörter, die im Kasus (Nominativ, Genitiv, Dativ<br />
und Akkusativ) gekennzeichnet werden können:<br />
ich, meiner, mir, mich<br />
der Vater, des Vaters, dem Vater, den Vater<br />
mein Vater, meines Vaters, meinem Vater, meinen Vater
48<br />
Grammatik<br />
Es gibt konjugierbare Wörter, d.h. solche Wörter, die nach der Person verändert<br />
werden können:<br />
ich schlafe, du schläfst, er schläft,<br />
wir schlafen, ihr schlaft, sie schlafen<br />
Die konjugierbaren Wörter drücken bestimmte zeitliche Beziehungen aus:<br />
ich gehe, ging, bin/war gegangen, werde gehen<br />
Die konjugierbaren Wörter nennen wir Verben.<br />
Es gibt Wörter, die komparierbar sind:<br />
schnell, schneller, der schnellste/am schnellsten<br />
gut, besser, der beste/am besten<br />
Eine weitere Klasse der Wörter ist weder konjugier- noch deklinierbar. Aufgrund<br />
ihrer Bedeutung und Verwendung im Satz werden sie als Adverbien<br />
(heute, abends, da ...), Präpositionen (an, auf, in ...) oder Interje ktionen (Oh!<br />
Au! Pfui! ...) bezeichnet.<br />
Ulrich ENGEL (1996: 18 f.) modifiziert die ‚Fünf-Wortklassen-Lehre’ und<br />
schlägt folgende Wortklassen (Wortarten) vor:<br />
Verben. Sie haben ein Finitparadigma: geht, gehen, ging, geh, ginge;<br />
Nomina. Sie haben ein konstantes Genus und lassen sich gewöhnlich nach dem<br />
Kasus deklinieren: der Mann, des Mannes, die Männer, den Männern;<br />
Determinative . Sie sind Begleiter des Nomens: der Mann, die Frau, das Kind;<br />
Adjektive können immer zwischen Determinativ und Nomen stehen: (das)<br />
kleine (Kind);<br />
Pronomina bezeichnen Größen und können eine Nominalphrase ersetzen: er,<br />
jemand, keiner;<br />
Präpositionen sind Partikeln, die einen Nomen in einem spezifischen Kasus<br />
bei sich haben können: an, auf, bei u.a.;<br />
Subjunktoren leiten Nebensätze ein: dass, weil u.a.;<br />
Konjunktoren können zwischen gleichrangigen Wörtern oder Sätzen stehen:<br />
aber, denn, und u.a.;<br />
Adverbien können im Aussagesatz vor dem finiten Verb stehen: dort, hier,<br />
manchmal u.a.;<br />
Modalpartikeln können im Aussagesatz vor dem finiten Verb stehen und als<br />
Antworten auf Entscheidungsfragen (Ja-Nein-Fragen) dienen: freilich, sicherlich<br />
u.a.;<br />
Rangierpartikeln können im Aussagesatz vor dem finiten Verb stehen, aber<br />
nicht als Antworten auf Fragen dienen: eigentlich, erstaunlicherweise u.a.;<br />
Gradpar tikeln können im Aussagesatz zwischen Konjunktor und Vorfeldelement<br />
stehen: (Und) sogar (er hat daran teilgenommen);<br />
Kopulapartikeln verbinden sich mit Kopulaverben wie sein, bleiben
Satzäquivalente sind Partikeln, die Sätze vertreten können: ja, danke, wau;<br />
Abtönungspartikeln sind solche Partikeln, die weder „vorfeldfähig“ noch erfragbar<br />
noch negierbar noch häufbar sind: doch, eben, wohl;<br />
Insgesamt sind es fünfzehn distributionell definierte Wortklassen, in die sich<br />
nahezu jedes Wort einordnen lässt.<br />
0.3 Die Zahl der Wortarten<br />
Die Zahl der Wortarten schwankt in der Geschichte der Grammatik und in der<br />
Fachliteratur. ARISTOTELES unterschied zwei Klassen von Wörtern, die gleichzeitig<br />
Satzgliedcharakter hatten. Dann taucht die Drei- und Vierzahl auf, seit<br />
dem zweiten Jahrhundert die Achtzahl. Chr. ADELUNG (18. Jh.) nennt zehn<br />
Wortklassen. W. ADMONI unterscheidet in seinem Deutschen Sprachbau dreizehn<br />
»Redeteile«.<br />
In den Schulgrammatiken ist es üblich, zehn oder neun Wortarten zu lehren,<br />
je nachdem, ob man den Artikel als eigene Wortklasse oder zum Pronomen<br />
zählte. Die für die Schule verbindlichen Wortarten wurden von der Kultusministerkonferenz<br />
am 26.02.1982 festgelegt<br />
Unter den genannten 9 (10) stellen einige im Grunde keine besondere Wortart<br />
dar:<br />
Das Numerale ist seinem Wesen nach ein Substantiv oder Adjektiv der<br />
Menge oder Adverb:<br />
• Substantiv: Hunderte von Studenten<br />
• Adjektiv: der erste Sportler, zum zweiten Mal<br />
• Adverb: Er hat es dreimal gesagt<br />
Der Artikel hat keinen Eigenwert. Er dient als Kennzeichen des Substantivs<br />
und seiner Flexion. Weitere Funktionen des Artikels sind:<br />
• Gegenüberstellung der Bestimmtheit und Unbestimmtheit: der Student --<br />
ein Student.<br />
• Generalisierung gegenüber Individualisierung: Das Buch / Ein Buch ist ein<br />
nützliches Geschenk.<br />
• Bekanntheit gegenüber Unbekanntheit: Ein Mann kommt ins Zimmer. Der<br />
Mann ist mein Freund.<br />
Das Pronomen steht für ein Substantiv oder ein Adjektiv, hat aber keinen eigenen<br />
syntaktischen Wert. In vielen Grammatiken werden einige Pronomina als<br />
Adjektive behandelt. Man spricht von:<br />
• adjektivischen Interrogativpronomen: welcher Freund<br />
• adjektivischen Demonstrativpronomen: dieser Freund<br />
• adjektivischen Indefinitpronomen: irgendein Freund<br />
• adjektivischen Possessivpronomen: mein Freund<br />
49
50<br />
Grammatik<br />
Präpositionen und Konjunktionen haben einiges Gemeinsame; sie verändern<br />
ihre Form nicht und beide drücken örtliche, zeitliche und logische Verhält nisse<br />
aus. Sie dienen beide der Fügung. J. ERBEN fasst sie beide als Fügewort zusammen.<br />
Adjektiv und Adverb fassen manche Grammatiker als »Beiwort« zusammen.<br />
Das Adjektiv steht beim Substantiv, das Adverb beim Verb.<br />
0.4 Überblick über die Wortarten im Deutschen<br />
Für die deutsche Sprache gibt es keine einheitliche Klassifizierung der Wortarten.<br />
Die am wenigsten umstrittenen Wortarten sind das Verb und das Substanti<br />
v.<br />
Viele Linguisten betrachten die Numeralien (Zahlwörter) als eine selbständige<br />
Wortart. Andere Linguisten, so etwa G. HELBIG und J. BUSCHA weisen Numeralien<br />
aufgrund ihres überwiegend syntaktischen Verhaltens der Wortart Adjektiv zu.<br />
Große Unterschiede gibt es auch im Hinblick auf die Gliederung der Pronomen,<br />
Adverbien, Partikeln und Artikel. In einigen Grammatiken wird der Artikel<br />
als Begleiter des Substantivs behandelt. HELBIG, BUSCHA und U. ENGEL u.a.<br />
behandeln die Kategorie des Adjektivs als eine besondere Art der Artikelwörter. In<br />
der traditionellen Grammatik (Schulgrammatik) werden im Deutschen folgende<br />
Wortarten unterschieden:<br />
Konjugierbare Wörter<br />
Wortart Beispiele: wichtige semantische Merkmale:<br />
Verb essen, laufen, handeln, werfen;<br />
haben, sein; dürfen, können,<br />
Bezeichnung von Tätigkeiten,<br />
Vorgängen und Zuständen<br />
Flektierbare Wortklassen:<br />
Substantiv/<br />
Nomen<br />
Mann , Frau, Kind, Inge,<br />
Hans; Buch, Geist; Wien<br />
Bezeichnung von Lebewesen,<br />
Sachen und Abstraktionen<br />
Artikel der, die, das; die; ein, eine gibt das Genus an<br />
Adjektiv klein, groß, hübsch, kalt Bezeichnung von Eigenschaften<br />
Pronomen<br />
Numerale<br />
ich, du er, sie, es; mein, dein,<br />
sein; dieser, jener; wer, was;<br />
jemand, nichts<br />
eins, zwei, fünf; der erste;<br />
erstens; zweit; ein Drittel;<br />
viele, wenige, einige<br />
Begleiter, Stellvertreter des Substantivs;<br />
Hinweis auf Lebewesen,<br />
Sachen<br />
Bezeichnung für eine bestimmte<br />
Anzahl, Menge oder für einen<br />
Platz in der Reihe
51<br />
Unflektierbare Wortklassen:<br />
Adverb (inkl.<br />
Partikeln)<br />
Präposition<br />
Konjunktion<br />
da, hier, oben; heute gestern<br />
vielleicht; deshalb, trotzdem,<br />
möglicherweise<br />
an, auf, bei, für, hinter in,<br />
nach, ohne, seit, über, von,<br />
vor, wegen, zu<br />
und, aber, oder; weil, da;<br />
entweder – oder, nicht nur –<br />
sondern auch<br />
Bezeichnung für Umstände des<br />
Ortes, der Zeit, der Art und Weise<br />
u. dgl.<br />
Kennzeichnung von Beziehungen<br />
des Ortes, der Zeit, der Richtung,<br />
des Grundes usw.<br />
verbindet Wörter, Satzteile und<br />
Sätze; koordinierende, subordinierende<br />
Konjunktionen<br />
Interjektion ach, au, hurra, pfui Ausdruck von Gefühlen
52<br />
Grammatik<br />
1 Das Verb<br />
Das Verb (lateinisch Verbum = »das Wort«) ist die einzige konjugierbare Wortart.<br />
Die Konjugation ist die Veränderung nach Person, Numerus (Zahl), Tempus<br />
(Zeit), Modus (Aussageweise) und Genus verbi (Aktiv und Passiv). Weitere<br />
Arten der Flexion sind die Deklination und die Komparation. Ihre semantische<br />
Leistung liegt darin, dass sie Handlungen (lesen, essen), Vorgänge (regnen,<br />
fallen, sinken) und Existenz (blühen, geschehen, stehen) bezeichnen.<br />
Zu den Verben können entweder finite Formen oder ein Partizip II gebildet<br />
werden.<br />
Im finiten Bereich gibt es folgende Formen:<br />
• Indikativ (Aktiv und Passiv) in den sechs Tempora<br />
• Konjunktiv (Aktiv und Passiv) in den sechs Temp ora<br />
• Imperativ<br />
Im infiniten Bereich lassen sich folgende Formen bilden:<br />
• Infinitiv I (Aktiv und Passiv)<br />
• Infinitiv II (Aktiv und Passiv)<br />
• Partizip I<br />
• Partizip II<br />
Die infiniten Formen sind unveränderlich, sie können nicht konjugiert we rden.<br />
Sie lassen sich aber deklinieren, soweit sie in eine andere Klasse übergetreten<br />
sind. Sie werden dann als Attribute des Substantivs verwendet und als Adjektive<br />
dekliniert. Infinitive werden dekliniert, wenn sie nominalisiert sind:<br />
der lesende Schüler<br />
das gelesene Buch<br />
während des Lesens<br />
cítajúci žiak<br />
precítaná kniha<br />
pocas cítania<br />
Verben bezeichnen Tätigkeiten, Vorgänge und Zustände.<br />
• Tätigkeitsverben sind z.B.: essen, laufen, fahren, lesen, schreiben<br />
• Vorgangsverben: frieren, regnen, scheinen, schneien, wehen, wirbeln<br />
• Zustandsverben: hungern, kranken, leben, leiden, schlafen<br />
„Die prototypische Funktion von VERBEN ist die Bildung des Prädikatsausdrucks.“<br />
(IDS: 49). Verben eröffnen ’Leerstellen’, die durch Ergänzungen<br />
(Aktanten, Komplemente) bestimmter Klassen erfüllt werden können oder<br />
müssen.
53<br />
1.1 Klassifizierung der Verben<br />
Man kann die deutschen Verben nach verschiedenen Gesichtspunkten einteilen:<br />
nach morphologischen, syntaktischen und semantischen Kriterien.<br />
1. Nach morphologischen Kriterien unterscheidet man:<br />
∗ regelmäßige (schwache) und<br />
∗ unregelmäßige (starke) Verben<br />
2. Nach syntaktischen Kriterien unterscheidet man:<br />
a) nach dem Verhältnis im Prädikat:<br />
∗ Vollverben und<br />
∗ Hilfs verben<br />
b) nach dem Verhältnis zum Subjekt:<br />
∗ persönliche und<br />
∗ unpersönliche Verben;<br />
c) nach dem Verhältnis zum Objekt:<br />
∗ transitive und<br />
∗ intransitive Verben;<br />
3. Nach semantischen Kriterien unterscheidet man:<br />
∗ Tätigkeitsverben<br />
∗ Vorgangsverben<br />
∗ Zustandsverben.<br />
1.1.1 Regelmäßige und unregelmäßige Verben<br />
Die regelmäßigen Verben bilden ihr Präteritum mit dem Suffix -te oder -ete<br />
und das Partizip II mit dem Suffix -t oder -et.<br />
sagen<br />
arbeiten<br />
sagte<br />
arbeitete<br />
gesagt<br />
gearbeitet<br />
Die unregelmäßigen Verben ändern im Präteritum und Partizip II ihren Stammvokal<br />
in gesetzmäßiger Weise in drei Stammformen: Infin itiv – Präteritum –<br />
Partizip II. Sie bilden ihr Part izip II mit dem Suffix -en.<br />
singen<br />
geben<br />
stehen<br />
tun<br />
sang<br />
gab<br />
stand<br />
tat<br />
gesungen<br />
gegeben<br />
gestanden<br />
getan
54<br />
Grammatik<br />
Unregelmäßig sind:<br />
a) die Hilfsverben: sein, haben, werden<br />
b) die Modalverben: dürfen, können mögen, müssen, sollen, wollen und das Vollverb<br />
wissen<br />
c) die sog. gemischten Verben: denken, kennen usw. und drei unregelmäßige<br />
»starke« Verben: gehen, stehen, sein, tun<br />
d) viele Vollverben.<br />
Im Unterschied zu den regelmäßigen Verben gibt es bei den unregelmäßigen<br />
Verben einen zusätzlichen Wandel des Stammvokals in der 2. und 3. Person<br />
Singular Präsens:<br />
a) entweder einen Umlaut (a > ä, o > ö, au > äu) oder<br />
b) einen Wechsel von e > i, vereinzelt auch ä und ö zu i oder ie:<br />
backen<br />
stoßen<br />
laufen<br />
geben<br />
erlöschen<br />
gebären<br />
du bäckst<br />
du stößt<br />
du läufst<br />
du gibst<br />
du erlischst<br />
du gebierst<br />
Alle Verben, die vor dem Infinitivsuffix ein -ier, -el, -er, -ig und -lich haben,<br />
sind regelmäßig:<br />
demonstrieren, lächeln, ändern, kündigen, verwirklichen<br />
Die meisten Verben, die im Infinitiv einen umgelauteten Stammvokal haben,<br />
sind regelmäßig. Ausnahmen sind folgende Ve rben:<br />
(v)erlöschen erlosch erloschen<br />
gebären gebar geboren<br />
(be)trügen betrog betrogen<br />
lügen log gelogen<br />
erwägen erwog erwogen<br />
1.1.2 Andere Verbklassifikationen<br />
Weitere Subklassen lassen sich gemäß der Perfektbildung und der Passivfähigkeit<br />
festlegen. Nach der Kombinatorik d.h. Verbindbarkeit mit anderen Wortklassen<br />
können die Verben in weitere Subklassen gegliedert werden: in reflexive<br />
und nicht-reflexive, weiterhin in Vollverben (Hauptverben), Hilfsverben<br />
(Nebenverben) und Funktionsverben. Drittens lassen sich die Verben auf Grund<br />
ihrer Valenz klassifizieren.
1.1.2.1 Klassifikation nach der Perfektbildung<br />
Man kann zu nahezu allen Verben Perfektformen bilden indem zum Part izip II<br />
des Vollverbs das Auxiliarverb haben oder sein tritt:<br />
Max hat ein Tor geschossen.<br />
Max ist gekommen.<br />
Die meisten Verben bilden das Perfekt mit dem Auxiliar haben, viele mit sein.<br />
Nur wenige Verben können ihr Perfekt sowohl mit haben als auch mit sein bilden.<br />
1.1.2.2 Klassifikation nach der Passivfähigkeit<br />
Zu vielen Verben können Passivformen gebildet werden. Passivkonstruktionen<br />
werden mit dem Auxiliarverb werden oder sein und mit dem Partizip II des<br />
betroffenen Vollverbs gebildet:<br />
Die Tür ist geschlossen. vs. Die Tür wird geschlossen.<br />
Manche Grammatiken unterscheiden auch das sog. bekommen- und gehören-<br />
Passiv:<br />
Wer schlecht ist, gehört bestraft. So ein Lärm gehört doch verboten!;<br />
Das Geschäft bekommt die Ware geliefert.<br />
1.1.2.3 Klassifikation nach der Reflexivität<br />
Man unterscheidet obligatorisch reflexive Verben, die ausschließlich mit dem<br />
Reflexivpronomen sich vorkommen (sich schämen), partimreflexive bzw. reflexiv<br />
gebrauchte Verben, die mit anderen Ergänzungen kombiniert werden<br />
können (sich kämmen – jemanden kämmen)<br />
1.1.3 Klassifikation nach der Kombinierbarkeit<br />
Nach diesem Kriterium kann man Vollverben (Hauptverben) und Hilfsverben<br />
(Nebenverben) unterscheiden.<br />
Hilfsverben sind solche Verben, die immer in Verbindung mit anderen Verben<br />
auftreten. Zu den Hilfsverben gehören die Auxiliarverben, die Modal- und Modalitätsverben,<br />
die Infinitiv- und Partizipverben sowie die Funktionsverben.<br />
• Auxiliarverben: haben, sein<br />
• Modalverben: dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen<br />
• Modalitätsverben: drohen, gedenken, pflegen, scheinen, vermögen, versprechen<br />
• Infinitivverben: es gibt, es gilt, fühlen, spüren und weitere<br />
• Partizipverben: kommen, fliegen<br />
• Funktionsverben: bringen, stellen, gelangen usw.<br />
55
56<br />
Grammatik<br />
1.1.4 Bedeutungsunterschiede bei transitiven und intransitiven Verben<br />
Das Perfekt (und das Plusquamperfekt) wird mit Hilfe der Hilfsverben haben<br />
und sein + Partizip II gebildet.<br />
Das Hilfsverb haben steht bei:<br />
• allen transitiven Verben:<br />
Er hat die Suppe gegessen.<br />
• intransitiven Verben, die Zustände ausdrücken:<br />
Er hat zwölf Stunden geschlafen.<br />
• reflexiven Verben:<br />
Er hat sich gewaschen.<br />
• unpersönlichen Verben:<br />
Es hat geblitzt.<br />
Das Hilfsverb sein steht bei:<br />
• intransitiven Verben, die eine Fortbewegung und eine Ve ränderung des Zustandes<br />
ausdrücken<br />
Er ist gelaufen, gekommen, gefahren.<br />
Hans ist eingeschlafen, aufgestanden.<br />
• den Verben sein, werden und bleiben:<br />
Er ist hier gewesen, geblieben.<br />
In einigen Fällen gibt es bei der Verwendung von haben und sein territoriale<br />
Unterschiede:<br />
Ich habe gesessen, gestanden, gelegen.<br />
Ich bin gesessen, gestanden, gelegen.<br />
[Mittel- und Norddeutschland]<br />
[Süddeutschland, Österreich]<br />
Transitiver und intransitiver Gebrauch des gleichen Verbs führt oft zum Wechsel<br />
zwischen haben und sein bei den zusammengesetzten Tempora der entsprechenden<br />
Ve rben.<br />
brechen<br />
fahren<br />
Er hat die Ehe gebrochen.<br />
Die Wasserleitung ist gebrochen.<br />
Ich habe den Wagen in die Garage gefahren.<br />
Ich habe meinen Freund zum Bahnhof gefahren.<br />
Er ist nach Wien gefahren.
fliegen<br />
heilen<br />
schmelzen<br />
spritzen<br />
trocknen<br />
verderben<br />
zerbrechen<br />
Er hat die Maschine sicher geflogen.<br />
Der Pilot hat die Fluggäste nach New York geflogen.<br />
Wir sind nach Madrid geflogen.<br />
Der Arzt hat den Patienten geheilt.<br />
Die Wunde ist gut geheilt, verheilt.<br />
Die Hitze hat das Eis geschmolzen.<br />
Das Eis ist in der Hitze/durch die Hitze geschmolzen.<br />
Er hat das Gras gespritzt.<br />
Das Wasser ist auf den Weg gespritzt.<br />
Sie hat das Kleid im Wäschetrockner getrocknet.<br />
Das Kleid ist im Wäschetrockner schnell getrocknet.<br />
Schlechte Bücher haben die Jugend verdorben.<br />
Das Fleisch ist verdorben.<br />
Mutter hat das Glas zerbrochen.<br />
Das Glas ist zerbrochen.<br />
Intransitive Verben der Bewegung bilden ihr Perfekt mit sein, wenn mit der<br />
Bewegung Lage- oder Ortsveränderung gemeint ist. In anderen Fällen steht das<br />
Hilfsverb haben:<br />
bummeln<br />
flattern<br />
hinken<br />
sch<strong>web</strong>en<br />
spritzen<br />
tanzen<br />
schwimmen<br />
Er hat den ganzen Tag gebummelt. (= trödeln, langsam arbeiten)<br />
Er ist in der Stadt gebummelt.<br />
Der Vogel ist durch das Zimmer geflattert.<br />
Die Fahnen haben im Wind geflattert.<br />
Seit dem Autounfall hat er leicht gehinkt.<br />
Er ist an einem Stock über die Straße gehinkt.<br />
Der Adler hat oben in der Luft gesch<strong>web</strong>t.<br />
Der Luftballon ist langsam in die Höhe gesch<strong>web</strong>t.<br />
Das Fett in der Pfanne hat gespritzt.<br />
Das Fett ist aus der Pfanne gespritzt.<br />
Zur Eröffnung des Festabends hat die ganze Klasse getanzt.<br />
Der Junge ist vor Freude durchs Zimmer getanzt.<br />
Sie hat eine Stunde geschwommen.<br />
Sie ist über den Fluss geschwommen.<br />
Bei intransitiven Verben, die eine allmähliche Wandlung ausdrücken, herrscht<br />
oft Schwanken im Gebrauch von haben oder sein:<br />
Er ist (hat) gealtert.<br />
Ihre Haare sind (haben) gebleicht.<br />
57
58<br />
Grammatik<br />
1.1.5 Starke und unregelmäßige Verben<br />
1.1.5.1 Starke Verben nach Ablautgruppen<br />
Gruppe I:<br />
Dem Stammvokal des Infinitiv/Präsens entsprechen andere, aber untereinander<br />
gleiche Vokale im Präteritum und Partizip II.<br />
Infinitiv Präteritum Partizip II slowakische Entsprechung<br />
ei ie(i) ie(i)<br />
beißen biss gebissen hrýzt<br />
bleiben blieb i. geblieben zostat<br />
bleichen blich i. geblichen zblednút, vyblednút<br />
gedeihen gedieh i. gediehen darit sa<br />
gleichen glich geglichen rovnat sa<br />
gleiten glitt i. geglitten klznut sa, klzat sa<br />
greifen griff gegriffen siahnut, uchopit<br />
kneifen kniff gekniffen uštipnút, štípat<br />
leiden litt gelitten trpiet<br />
leihen lieh geliehen požicat<br />
meiden mied gemieden vyhýbat sa<br />
pfeifen pfiff gepfiffen hvízdat<br />
preisen pries gepriesen chválit, velebit<br />
reiben rieb gerieben triet<br />
reißen riss gerissen trhat<br />
reiten ritt i. geritten íst na koni, jazdit<br />
scheiden schied geschieden rozlúcit, lúcit sa<br />
scheinen schien geschienen svietit, zdat sa<br />
schleichen schlich geschlichen plazit sa<br />
schleifen schliff geschliffen brúsit<br />
schmeißen schmiss geschmissen hodit<br />
schneiden schnitt geschnitten rezat, krájat, strihat<br />
schreiben schrieb geschrieben písat<br />
schreien schrie geschrieen kricat<br />
schreiten schritt i. geschritten krácat<br />
schweigen schwieg geschwiegen mlcat<br />
speien spie gespie(e)n pluvat<br />
steigen stieg i. gestiegen stúpat<br />
streichen strich gestrichen hladit<br />
streiten stritt gestritten bojovat, priet sa<br />
treiben trieb getrieben hnat<br />
verzeihen verzieh verziehen odpustit<br />
weichen wich gewichen ustúpit, vyhýbat sa<br />
weisen wies gewiesen ukázat<br />
e a a<br />
stehen stand i./h. gestanden stát
e o o<br />
bewegen bewog bewogen pohnút niekoho<br />
k niecomu<br />
dreschen drosch gedroschen mlátit<br />
fechten focht gefochten šermovat<br />
flechten flocht geflochten pliest<br />
heben hob gehoben zdvihnút, dvíhat<br />
melken molk gemolken dojit<br />
quellen quoll gequollen prýštit, pramenit, napuchnút<br />
scheren schor geschoren strihat<br />
schmelzen schmolz i. geschmolzen topit sa<br />
schwellen schwoll i. geschwollen 1 pucat, puchnút<br />
<strong>web</strong>en wob gewoben tkat<br />
au o o<br />
saufen soff gesoffen slopat<br />
saugen sog gesogen cicat, sat<br />
ie (i) o o<br />
biegen bog gebogen ohnút, ohýbat<br />
bieten bot geboten ponúknut, ponúkat<br />
fliegen flog i. geflogen lietat<br />
fliehen floh i. geflohen utiect<br />
fließen floss i. geflossen tiect<br />
frieren fror gefroren mrznút<br />
genießen genoss genossen užívat<br />
gießen goss gegossen liat<br />
glimmen glomm geglommen tliet<br />
klimmen klomm i. geklommen liezt, šplhat sa<br />
kriechen kroch i. gekrochen liezt, plazit sa<br />
schieben schob geschoben posunovat<br />
schießen schoss geschossen strielat<br />
schließen schloss geschlossen zatvorit<br />
sprießen spross i. gesprossen pucat<br />
stieben stob gestoben prášit sa<br />
triefen troff getroffen kvapkat<br />
verdrießen verdross verdrossen mrziet<br />
verlieren verlor verloren stratit<br />
wiegen wog gewogen vážit<br />
ziehen zog gezogen tiahnut, tahat<br />
i u u<br />
schinden geschunden driet<br />
a o a<br />
erschallen erscholl i. erschallen zazniet<br />
schallen schallte/scholl geschallt zniet<br />
59<br />
1 Schwaches Partizip II in der Wendung: die Brust (vor Stolz) geschwellt.
60<br />
Grammatik<br />
a o o<br />
erwägen erwog erwogen uvážit<br />
gären gor gegoren kysnút, kvasit<br />
ö o o<br />
löschen losch geloschen hasit<br />
schwören schwor geschworen prisahat<br />
ü o o<br />
lügen log gelogen luhat<br />
trügen trog getrogen klamat<br />
Gruppe II:<br />
Dem Stammvokal des Infinitiv/Präsens entspricht der gleiche im Partizip II, ein<br />
anderer im Präteritum.<br />
Infinitiv/Präsens Präteritum Partizip II<br />
a ie (i) a<br />
blasen blies geblasen fúkat, trúbit<br />
braten briet gebraten piect, smažit<br />
fallen fiel i. gefallen spadnút<br />
fangen fing gefangen chytit, chytat<br />
halten hielt gehalten držat<br />
lassen ließ gelassen nechat<br />
Raten riet geraten radit, hádat<br />
schlafen schlief geschlafen spat<br />
a u a<br />
backen backte/buk gebacken piect<br />
fahren fuhr i. gefahren cestovat<br />
graben grub gegraben kopat<br />
laden lud geladen nakladat, nabíjat<br />
schaffen schuf geschaffen tvorit<br />
schlagen schlug geschlagen tlct, bit<br />
tragen trug getragen niest<br />
wachsen wuchs i. gewachsen rást<br />
waschen wusch gewaschen umývat, prat<br />
e a e<br />
essen aß gegessen jest<br />
fressen fraß gefressen žrat<br />
geben gab gegeben dat<br />
genesen genas i. genesen uzdravit sa<br />
geschehen geschah i. geschehen stat sa<br />
lesen las gelesen cítat<br />
messen maß gemessen merat<br />
sehen sah gesehen vidiet, hladiet
61<br />
vergessen vergaß vergessen zabudnút<br />
treten trat i. getreten stúpat, krácat<br />
o a o<br />
kommen kam i. gekommen príst<br />
o ie o<br />
stoßen stieß gestoßen strcit, strkat<br />
u ie u<br />
rufen rief gerufen volat<br />
au ie au<br />
hauen hieb 2 gehauen bit, sekat<br />
laufen lief i. gelaufen utekat<br />
ei ie ei<br />
heißen hieß geheißen menovat sa<br />
Gruppe III<br />
Jede Stammform hat einen anderen Stammvokal.<br />
Infinitiv/Präsens Präteritum Partizip II<br />
i a u<br />
binden<br />
dingen<br />
band<br />
dang<br />
gebunden<br />
gedungen<br />
viazat<br />
najat, najímat<br />
dringen drang i. gedrungen vniknút, vnikat<br />
finden fand gefunden nájst<br />
gelingen gelang i. gelungen podarit sa<br />
klingen klang geklungen zniet<br />
ringen rang gerungen zápasit<br />
schlingen schlang geschlungen vinút<br />
schwinden schwand i. geschwunden miznút<br />
schwingen<br />
singen<br />
schwang<br />
sang<br />
geschwungen<br />
gesungen<br />
kývat<br />
spievat<br />
sinken sank i. gesunken klesat<br />
springen sprang i. gesprungen skocit, skákat<br />
stinken stank gestunken smrdiet<br />
trinken trank getrunken pit<br />
winden<br />
wringen<br />
wand<br />
wrang<br />
gewunden<br />
gewrungen<br />
vinút, krútit<br />
žmýkat<br />
zwingen zwang gezwungen nútit<br />
2 Die Präteritumform hieb gilt als gehoben und wird nur selten verwendet. Häufiger ist<br />
die schwache Form haute. Die Ableitungen abhauen, umhauen, verhauen sind ebenfalls<br />
meist schwach.
62<br />
Grammatik<br />
i a O<br />
beginnen begann begonnen zacat<br />
gewinnen gewann gewonnen získat, vyhrat<br />
rinnen rann i. geronnen tiect, rinút sa<br />
schwimmen schwamm i./h. geschwommen plávat<br />
sinnen sann gesonnen premýšlat<br />
spinnen spann gesponnen priast<br />
e a o<br />
befehlen befahl befohlen rozkazovat<br />
bergen barg geborgen skrývat<br />
bersten barst i. geborsten puknút<br />
brechen brach gebrochen lámat<br />
empfehlen empfahl empfohlen odporucit, odporúcat<br />
erschrecken erschrak i. erschrocken zlaknút sa<br />
gelten galt gegolten platit, mat platnost<br />
helfen half geholfen pomáhat<br />
nehmen nahm genommen vziat, brat<br />
schelten schalt gescholten nadávat<br />
sprechen sprach gesprochen hovorit<br />
stechen stach gestochen pichnút, pichat<br />
stehlen stahl gestohlen kradnút<br />
sterben starb i. gestorben zomriet<br />
treffen traf getroffen zasiahnut<br />
verderben verdarb verdorben skazit sa, hynút<br />
werben warb geworben uchádzat sa, najímat<br />
werden (ward) wurde i. geworden stat sa<br />
werfen warf geworfen hodit<br />
i (ie) a e<br />
bitten bat gebeten prosit<br />
liegen lag h./i. gelegen ležat<br />
sitzen saß h./i. gesessen sediet<br />
e i a<br />
gehen ging i. gegangen íst<br />
ä i a<br />
hängen hing gehangen visiet<br />
ä a o<br />
gebären gebar geboren (po)rodit<br />
1.1.5.2 Unregelmäßige Verben<br />
haben hatte gehabt mat<br />
tun tat getan robit<br />
brennen brannte gebrannt horiet
63<br />
kennen kannte gekannt poznat<br />
nennen nannte genannt menovat<br />
rennen rannte i. gerannt rýchle utekat<br />
senden sandte gesandt posielat<br />
(sendete)<br />
(gesendet), (vysielat)<br />
wenden wandte gewandt obrátit<br />
(wendete)<br />
(gewendet)<br />
bringen brachte gebracht priniest<br />
denken dachte gedacht mysliet<br />
dürfen durfte gedurft smiet<br />
können konnte gekonnt môct, vediet<br />
mögen mochte gemocht môct, chciet<br />
wissen wusste gewusst vediet<br />
1.1.6 Mischtypen von regelmäßiger und unregelmäßiger Konjugation<br />
F<br />
Einige ursprünglich unregelmäßige Verben haben im gegenwärtigen Deutsch<br />
regelmäßige Formen. In einem Mischtyp steht einem unregelmäßigen Präteritum<br />
ein regelmäßiges Partizip II oder umgekehrt gegenüber. Man kann dabei<br />
folgende Typen unterscheiden:<br />
1. Regelmäßiges Präteritum – unregelmäßiges oder regelmäßiges Partizip II:<br />
dingen dingte (selten) gedingt oder gedungen mliet<br />
mahlen mahlte gemahlen<br />
salzen salzte gesalzt oder gesalzen<br />
spalten spaltete gespaltet oder gespalten<br />
In der ursprünglichen Bedeutung erscheint gewöhnlich das regelmäßige, in der<br />
übertragenen Bedeutung das unregelmäßige Partizip II:<br />
Die Suppe ist gesalzt/gesalzen/versalzen. Polievka je presolená.<br />
ein gesalzener Witz ostrý vtip<br />
gesalzene Preise mastné ceny<br />
2. Unregelmäßiges oder regelmäßiges Präteritum – unregelmäßiges Partizip II:<br />
backen buk (veraltet) backte gebacken<br />
hauen hieb/haute gehauen<br />
melken melkte (selten: molk) gemelkt/gemolken<br />
Der Bäcker buk/backte frisches Brot.<br />
Er hat frisches Brot gebacken.<br />
aber: Der Schnee/der Lehm backt/backte an den Stiefeln. (= lepit sa)<br />
Der Schnee hat gebacken. Der Schnee ist an meinen Schuhen festgebackt. Sneh je prilepený<br />
na moje topánky.
64<br />
Grammatik<br />
3. Regelmäßiges oder unregelmäßiges Präteritum – regelmäßiges Partizip II:<br />
fragen fragte (selten: frug) gefragt<br />
schallen schallte (selten: scholl geschallt (aber: verschollen)<br />
stecken steckte/stak gesteckt<br />
4. Regelmäßiges oder unregelmäßiges Präteritum – regelmäßiges oder unregelmäßiges<br />
Partizip II:<br />
gären<br />
glimmen<br />
klimmen<br />
küren<br />
melken<br />
saugen<br />
schleißen<br />
schnauben<br />
sieden<br />
stieben<br />
triefen<br />
<strong>web</strong>en<br />
gärte<br />
gor<br />
glimmte<br />
glomm (geschr.)<br />
klimmte<br />
klomm<br />
kürte<br />
kor (veraltet, gehoben)<br />
melkte<br />
molk<br />
saugte<br />
sog<br />
schleißte<br />
schliss<br />
schnaubte<br />
schnob (veraltet)<br />
siedete<br />
sott<br />
(stiebte)<br />
stob<br />
triefte<br />
troff (geschr.)<br />
<strong>web</strong>te<br />
wob<br />
gegärt 3<br />
gegoren<br />
geglimmt<br />
geglommen (geschr.)<br />
geklimmt<br />
geklommen<br />
gekürt<br />
gekoren (veraltet)<br />
gemelkt<br />
gemolken (auch unter 2.)<br />
gesaugt<br />
gesogen<br />
geschleißt<br />
geschlissen<br />
geschnaubt<br />
geschnoben (veraltet)<br />
gesiedet<br />
gesotten<br />
(gestiebt)<br />
gestoben<br />
getrieft<br />
getroffen (geschr.)<br />
ge<strong>web</strong>t<br />
gewoben<br />
Bei diesen Mischtypen können regelmäßige und unregelmäßige Formen ohne<br />
Bedeutungsunterschied nebeneinander stehen. Die regelmäßige Form ist hier<br />
jünger und gewöhnlich häufiger.<br />
Oft beschränken sich die unregelmäßigen Formen auf die gehobene Sprache:<br />
Sie <strong>web</strong>te einen Kleiderstoff.<br />
Die Sonne wob / <strong>web</strong>te goldene Fäden in das Laub.<br />
Der Berg ist von Sagen umwoben. Vrch je opradený povestami.<br />
3 in übertragener Bedeutung
In anderen Fällen tritt die regelmäßige Form nur in übertragener Wendung auf:<br />
Der Wein gor / gärte; hat gegoren / gegärt.<br />
Es gärte unter den Völkern schon vor der Revolution.<br />
Ein weiterer Mischtyp entsteht dadurch, dass regelmäßige und unregelmäßige<br />
Konjugationsformen unterschiedliche Bedeutungen darstellen:<br />
bewegen<br />
pflegen<br />
schaffen<br />
schleifen<br />
weichen<br />
wiegen<br />
bleichen<br />
(er )schr ecken<br />
hängen<br />
Der Wind bewegte die Äste.<br />
Die Nachricht bewegte die Welt. [= in Bewegung setzen]<br />
Wir alle waren zu Tränen bewegt.<br />
Wer hat dich zu dieser Entscheidung bewogen. [= veranlassen]<br />
Die Mutter pflegte das Kind. [= sich kümmern um etwas, jemanden]<br />
Er pflegte ins Theater zu gehen. [= er geht oft, regelmäßig ins Theater]<br />
Er pflegte/pflog Umgang mit klugen Menschen. [= sich abgeben mit]<br />
Er hielt es so, wie er es immer gepflogen hatte. [= gewöhnlich tun]<br />
Wir haben heute viel geschafft. [= arbeiten]<br />
Er hat das Paket zur Post geschafft. [= wegbringen]<br />
Der Dichter schuf ein großes Kunstwerk. [= hervorbringen]<br />
Dieses Bild hat Dürer geschaffen [= gestalten, hervorbringen]<br />
Das lange Abendkleid schleifte am Boden.<br />
Der Reiter wurde vom Pferd geschleift.<br />
Die Festung wurde geschleift.<br />
Das Glas wird geschliffen.<br />
Die Frau weichte die Wäsche ein.<br />
Sie wichen der Übermacht.<br />
Die Mutter wiegte das Kind in den Schlaf.<br />
Hast du die Birnen gewogen?<br />
Die Sonne hat die Wäsche gebleicht. [bleich/hell machen]<br />
Die Farbe ist verblichen. [bleich/hell werden]<br />
Der Hund hat das Kind erschreckt.<br />
Das Kind ist vor dem Hund erschrocken.<br />
Das Mädchen hängte die Kleider in den Schrank.<br />
Die Kleider hingen im Schrank.<br />
1.2 Die infiniten Verbformen<br />
Man unterscheidet im Deutschen zwei infinite Verbformen:<br />
• den Infinitiv und<br />
• das Partizip<br />
65
66<br />
Grammatik<br />
F<br />
1.2.1 Der Infinitiv<br />
Infinitiv I ist mit der ersten Stammform identisch. Im Wörterbuch werden die<br />
Verben in der Form des Infinitivs angegeben. Der Infinitiv I wird durch das<br />
Suffix -en (-n) gebildet.<br />
geben, sehen, nehmen<br />
wechseln, lächeln, ändern, zittern<br />
aber: tun, sein<br />
In der gesprochenen Sprache kommt es allerdings zu einer Verkürzung des<br />
regulären -en zu -n: bestelln, hörn, baun, gehn, fliehn u.a.<br />
In der gesprochenen Alltagssprache, insbesondere nach einem Verschlusslaut,<br />
erfolgt häufig eine lautliche Ausgleichung der Endung an den Stammauslaut.<br />
Man hört oft gebm oder gebn für geben, dank η oder dankn für danken.<br />
Der Infinitiv hat keine eigene Bedeutung. Ein Verb im Infinitiv hat seine inhärente<br />
lexikalische Bedeutung aber keine »strukturelle« Bedeutung.<br />
Im Deutschen unterscheidet man den einfachen Infinitiv und den Infinitiv mit<br />
zu:<br />
Er kann lesen.<br />
Er beginnt zu lesen.<br />
Wir lernen zeichnen.<br />
Er hat Lust zu zeichnen.<br />
Der Infinitiv II (Infinitiv Perfekt) wird mit dem Partizip II des Verbs und dem<br />
Infinitiv I des Hilfsverbs haben bzw. sein gebildet:<br />
gesagt haben<br />
gereist sein<br />
gesprochen haben<br />
gekommen sein<br />
1.2.1.1 Infinitiv Passiv<br />
Zu beiden Aktivformen gibt es bei passivfähigen Verben die entsprechenden<br />
Passivformen. Man unterscheidet dabei zwischen Vorgangs- und Zustandspas -<br />
siv.<br />
Der Infinitiv des Vorgangspassivs wird mit dem Partizip II des Verbs plus<br />
Infinitiv I bzw. Infinitiv II des Hilfsverbs werden gebildet:<br />
gesucht werden<br />
gesucht worden sein<br />
Der Infinitiv des Zustandspassivs bildet man mit dem Partizip II des Verbs<br />
und mit dem Hilfsverb sein:<br />
geöffnet sein<br />
geöffnet gewesen sein
67<br />
Im Deutschen gibt es also folgende Infinitivformen:<br />
Infinitiv Aktiv: (zu) öffnen, kommen<br />
geöffnet haben, gekommen sein<br />
Infinitiv Passiv: geöffnet werden<br />
geöffnet worden sein<br />
geöffnet sein<br />
geöffnet gewesen sein<br />
Der Infinitiv kommt in der Regel in Verbindung mit einem finiten Verb vor:<br />
Ich will<br />
Ihr wollt<br />
Sie wollen<br />
finite Verbformen<br />
heute ins Kino gehen.<br />
Der Infinitiv kann vielseitig verwendet werden: als Teil des Verbkomplexes, als<br />
Ergänzung zum Verb oder als Attribut eines Nomens oder eines Adjektivs.<br />
1.2.1.2 Infinitiv als Teil eines Verbkomplexes<br />
Als reiner Infinitiv (Infinitiv ohne zu) kommt er bei den Modalverben und bei<br />
werden und lassen (Ausnahme: brauchen), bei fahren, finden, hören, kommen,<br />
schicken u.a. vor:<br />
Hans kann/will/muss/soll/wird viel lesen.<br />
Helene lässt sich die Haare schneiden.<br />
Alle fahren/gehen heute schwimmen.<br />
Ich fand sie auf der Couch liegen.<br />
Sie hilft der Mutter kochen.<br />
Ich höre sie kommen.<br />
Ich habe die Tür gehen hören.<br />
Kommst du noch ein Glas Wein trinken?<br />
Die Mutter schickt Regina einkaufen.<br />
infinite Verbform<br />
Manche Verben (helfen, heißen, hören, fühlen, lehren, schicken u.a.) verlangen<br />
den reinen Infinitiv oder den Infinitiv mit zu :<br />
Er hilft dem Mädchen den Koffer (zu) tragen.<br />
Hier heißt es aufpassen.<br />
Heute heißt es die Zähne zusammen(zu)beißen.<br />
Man hat den Schutt weg(zu)räumen heißen.<br />
Sein Bruder lehrt ihn schwimmen.<br />
Sie wurde gelehrt, beim ersten Hahnenschrei auf(zu)stehen.<br />
Die Mutter schickt die Tochter einkaufen.
68<br />
Grammatik<br />
F<br />
Die Mutter schickt die Tochter, alle nötigen Formulare zur Hochzeit (zu) beschaffen.<br />
Bei den sog. Modalitätsverben (belieben, drohen, gelten, haben, pflegen, vermögen,<br />
versprechen und nach brauchen) steht immer zu + Infinitiv:<br />
Er beliebte nicht an der Sitzung teilzunehmen.<br />
Er drohte die Polizei zu informieren.<br />
Der slowakische Präsident gedachte die Regierung umzubilden. Was gedenken Sie zu tun?<br />
Jetzt gilt es zusammenzuhalten.<br />
Ich habe zu arbeiten.<br />
Großvater pflegt nach dem Essen zu schlafen.<br />
Die Fenster sind zu putzen.<br />
Es steht zu hoffen, dass sie bei dieser Meinung bleiben.<br />
Die Polizei vermochte die Kriminalität nur mit großer Mühe zu bremsen. Niemand vermochte<br />
ihn zu retten.<br />
Sie verspricht ihr zu helfen. Das verspricht, ein schöner Abend zu werden.<br />
Sie weiß das zu würdigen. Als Arzt muss man mit Menschen umzugehen wissen.<br />
Du brauchst nicht mehr zu kommen.<br />
aber: Wer sich betrogen fühlt, braucht vor der Klagefreudigkeit der einschlägigen Anbieter<br />
nicht zurückschrecken. [Zeitungsartikel]<br />
1.2.1.3 Infinitiv als Ergänzung zum Verb<br />
Der Infinitiv hängt direkt vom übergeordneten Verb ab:<br />
Peter geht Eier holen.<br />
Das kleine Kind lernt sprechen.<br />
Der Infinitiv als Attribut zu Nomen oder Adjektiv kommt immer mit zu vor:<br />
Die Lust zu leben.<br />
ihre Absicht, einen guten Roman zu lesen.<br />
seine Enttäuschung, das Mädchen noch nicht getroffen zu haben.<br />
(Sie ist) entsetzt, dieses Verbrechen mitansehen zu müssen.<br />
Bei manchen Verben vertritt der Infinitiv das Part izip II (der sog. »Ersatzinfinitiv«<br />
in der traditionellen Grammatik). Dies gilt in erster Linie für die Modalverben:<br />
Er hat nicht gearbeitet.<br />
Ich bin nach Hause gegangen.<br />
Er ist noch geblieben.<br />
Er hat nicht arbeiten dürfen/mögen/ müssen/sollen/ wollen.<br />
Er hätte nicht zu arbeiten brauchen.<br />
Ich habe (!) nach Hause gehen müssen.<br />
Er hat noch bleiben dürfen.<br />
Auch die Verben helfen, hören, lassen, sehen haben ein infinitivförmiges Partizip<br />
II, sofern sie ein anderes Verb im Infinitiv regieren:<br />
Ich habe ihn gesehen.<br />
Sie hat ihm geholfen.<br />
Ich habe ihn kommen sehen.<br />
Sie hat ihm waschen helfen/geholfen.
Wir haben gesungen.<br />
Man hat uns singen und tanzen lassen.<br />
Nach brauchen steht erwartungsgemäß das infinitivförmige Partizip II mit zu:<br />
Das Kind hat sich vor dem Hund<br />
sehr gefürchtet.<br />
Das Kind hat sich vor dem Hund nicht zu fürchten<br />
brauchen.<br />
Nach fühlen, heißen, machen kommt das infinitivförmige Partizip II nur im archaischen<br />
Sprachgebrauch vor:<br />
Er hat die Katastrophe kommen fühlen oder kommen gefühlt.<br />
Er hatte mich gehen heißen.<br />
Er hat dich das tun heißen.<br />
Du hast mich lachen machen oder lachen gemacht.<br />
1.2.2 Partizipien<br />
Im Deutschen gibt es zwei Partizipien: Partizip I (singend) und Partizip II<br />
(gesungen). Das Slowakische kennt drei Partizipien:<br />
• Partizip Präsens Aktiv: robiaci;<br />
• Präteritales Partizip Aktiv: porobivší (veraltet);<br />
• Partizip Passiv: urobený.<br />
1.2.2.1 Partizip I<br />
Das Partizip I wird im Deutschen durch Anhängen von -(e)nd an den Wortstamm<br />
gebildet:<br />
eilend<br />
gebend<br />
lächelnd<br />
singend<br />
weinend<br />
ponáhlajúc sa, náhliac sa<br />
dávajúc<br />
usmievajúc sa (s úsmevom)<br />
spievajúc<br />
placúc (s placom, placky)<br />
Die slowakischen Entsprechungen des Partizip I sind:<br />
• Ergänzungsglied: Er sitzt hier lesend. Sedí tu cítajúc (a cíta);<br />
• Präpositionale Fügung: Der Junge kam weinend an. Chlapec prišiel s pla com.<br />
• Adverb: Sie sitzt hier schweigend. Sedí tu mlcky (mlciac, a mlcí).<br />
1.2.2.2 Partizip II<br />
Das Partizip II wird bei den regelmäßigen Verben durch das Präfix ge- und<br />
durch Anhängen von -t, (-et) gebildet. Bei den unregelmäßigen Verben wird<br />
das Partizip II durch Anhängen von -en (-n) gebildet:<br />
(ge) + Partizipialstamm + (e) n / (e) t<br />
69
70<br />
Grammatik<br />
Präfix und Suffix sind hierbei als ein diskontinuierliches gra mmatisches Morphem<br />
zu betrachten.<br />
Das Partizipialsuffix lautet bei schwachen Verben -t oder -et, bei starken Ve r-<br />
ben -n oder -en. Die Realisation von e ist phonetisch bedingt.<br />
schwach<br />
fragen ge frag t<br />
arbeiten ge arbeit et<br />
stark<br />
binden ge bund en<br />
laufen ge lauf en<br />
Partizipialpräfix<br />
Ob das Partizipialpräfix gesetzt wird, hängt vor allem von intonatorischen<br />
Gründen ab. Das Partizipialpräfix ge- wird gesetzt, wenn das Verb Initialbetonung<br />
aufweist, also bei:<br />
a) einfachen Verben mit Initialbetonung<br />
b) Präverbfügungen mit abtrennbarem Präverb. Das Partizipialpräfix wird<br />
hier zwischen Präverb und Verbstamm eingefügt.<br />
c) Verbkomposita mit nicht abtrennbarem erstem Kompositionsbestandteil<br />
arbeiten<br />
singen<br />
ausarbeiten<br />
freisprechen<br />
wetteifern<br />
notlanden<br />
handhaben<br />
aus<br />
frei<br />
wett<br />
not<br />
hand<br />
ge<br />
ge<br />
ge<br />
ge<br />
ge<br />
ge<br />
ge<br />
arbeit<br />
sung<br />
arbeit<br />
sproch<br />
eifer<br />
land<br />
hab<br />
Das Partizipialpräfix ge- wird nicht gesetzt bei:<br />
et<br />
en<br />
et<br />
en<br />
• Verben ohne Initialbetonung auf -ieren oder auf anderer nicht-indigener<br />
Basis<br />
• Verben mit nicht abtrennbarem Präfix<br />
• Zusammensetzungen oder Präverbfügungen mit Verben der Gruppen 4.<br />
und 5.<br />
rasieren<br />
interviewen<br />
recyceln<br />
erzählen<br />
beginnen<br />
gewinnen<br />
übersetzen<br />
er<br />
be<br />
ge<br />
über<br />
t<br />
et<br />
t<br />
rasier<br />
interview<br />
recycle<br />
zähl<br />
gonn<br />
wonn<br />
setz<br />
t<br />
t<br />
t<br />
t<br />
en<br />
en<br />
t
abkassieren<br />
anerkennen<br />
auferstehen<br />
handverlesen<br />
ab<br />
an<br />
auf<br />
hand<br />
er<br />
er<br />
ver<br />
kassier<br />
kann<br />
stand<br />
les<br />
t<br />
t<br />
en<br />
en<br />
Bei echten Verbkomposita mit nicht abtrennbarem ersten Kompositionsbestandteil<br />
wird das Partizipialpräfix in der Regel initial gesetzt.<br />
maßregeln<br />
handhaben<br />
ratschlagen<br />
wetteifern<br />
aber<br />
bauchreden<br />
notlanden<br />
staubsaugen<br />
bauch<br />
not<br />
staub<br />
ge<br />
ge<br />
ge<br />
ge<br />
ge<br />
ge<br />
ge<br />
maß<br />
hand<br />
rat<br />
wett<br />
regel<br />
hab<br />
schlag<br />
eifer<br />
red<br />
land<br />
saug<br />
Einige Präfixe kommen sowohl betont und trennbar als auch unbetont und untrennbar<br />
vor. Dazu gehören:<br />
durch-, hinter-, über-, um-, unter-, wider-, wieder-<br />
In vielen Fällen haben die Verben mit trennbaren Präfixen konkrete Bedeutung,<br />
mit untrennbaren Präfixen übertragene Bedeutung:<br />
durchlaufen<br />
durchlaufen<br />
Charlie Chaplin trug immer durchgelaufene Schuhe.<br />
Er hat die Beamtenlaufbahn erfolgreich durchlaufen.<br />
durchfahren<br />
durchfahren<br />
Der Zug ist bis Wien durchgefahren.<br />
Der Zug hat die Stadt durchfahren.<br />
durchschneiden<br />
durchschneiden<br />
Der Bäcker schneidet die Torte durch.<br />
Mehrere Kanäle durchschneiden die Ebene.<br />
übersetzen<br />
übersetzen<br />
Der Fährmann hat die Leute übergesetzt.<br />
Er hat viele Bücher übersetzt.<br />
übersteigen<br />
t<br />
t<br />
t<br />
t<br />
et<br />
et<br />
t<br />
71
72<br />
Grammatik<br />
übersteigen<br />
Der Junge ist vom Dach der Garage auf den Balkon übergestiegen.<br />
Er hatte den hohen Zaun fast überstiegen, als plötzlich ein Hund wütend bellte.<br />
umstellen<br />
umstellen<br />
Sie hat das Möbel umgestellt.<br />
Die Polizisten haben die Stadt umstellt.<br />
unterbreiten<br />
unterbreiten<br />
Sie hatte eine Decke untergebreitet.<br />
Wir haben eine Resolution unterbreitet.<br />
unterstellen<br />
unterstellen<br />
Er hat seinen Wagen in Gehrmanns Garage untergestellt.<br />
Er ist dem Direktor direkt unterstellt.<br />
1.2.3 Verwendung des Partizip I<br />
Das Partizip I kann im Prinzip zu jedem Verb gebildet werden. Beschränkungen<br />
sind immer semantischer Natur (*bekommend, *widerfahrend).<br />
Partizip I kann als vorangestelltes Attribut in Nominalphrasen vorkommen. Es<br />
wird dann wie ein Adjektiv dekliniert:<br />
der spannende Film, des spannenden Films usw.<br />
ein glänzender Erfolg, eines glänzenden Erfolgs usw.<br />
Als Prädikativ hingegen bleibt es unveränderlich:<br />
Der Film ist/war spannend.<br />
Der Erfolg ist/war glänzend.<br />
Das Partizip I als vorangestelltes Attribut kann durch zusätzliche Glieder erweitert<br />
werden:<br />
mein in Wien wohnender Onkel<br />
unser im nächsten Monat ausscheidender Chef<br />
die gestern noch funktionierende Maschine<br />
Das Partizip I kommt in Verbindung mit dem finiten Verb sein (zum Teil auch<br />
bleiben und werden) vor. Hier handelt es sich meistens um den prädikativen<br />
Gebrauch von Partizipien:<br />
Der Film ist spannend.
Die Krankheit ist ansteckend.<br />
Bei der Verbindung von finiten Verbformen mit dem Partizip I handelt es sich<br />
um einen adverbialen Gebrauch des Partizips:<br />
Wir fanden das Mädchen auf der Treppe sitzend.<br />
Sie diskutierte überzeugend.<br />
Das Gerundivum ist eine ähnliche Form wie das Partizip I. Es tritt immer mit<br />
vorangestelltem zu verbunden auf:<br />
ein zu lösendes Problem<br />
ein kaum/schwer zu lösendes Problem<br />
die zu beantwortende Frage<br />
problém, ktorý treba riešit<br />
sotva/tažko riešitelný problém<br />
otázka, na ktorú sa má odpovedat<br />
In einigen Kombinationen entspricht den deutschen Partizipien I im Slowakischen<br />
ein deverbales Adjektiv:<br />
eine bleibende Stätte<br />
die fahrende Habe<br />
schwindelnde Höhe<br />
sitzende Lebensweise<br />
der dauernde Frieden<br />
ein spannender Film<br />
trvalé miesto<br />
hnutelný majetok<br />
závratná výška<br />
sedavý spôsob života<br />
trvalý mier<br />
napínavý film<br />
1.2.4 Verwendung des Partizip II<br />
as Partizip II als Teil des Werbkomplexes dient zur Bildung:<br />
(1) der Perfektformen:<br />
Sie hat das Buch gelesen.<br />
Meine Freunde sind schon weggefahren.<br />
(2) des Zustandspassivs:<br />
Die Aufgabe ist / war gelöst.<br />
Das Geschäft ist / war geschlossen.<br />
Das Geschäft ist geöffnet gewesen.<br />
(3) des Vorgangspassivs:<br />
Die Tür wird / wurde geöffnet.<br />
Der Roman wird / wurde abgeschlossen.<br />
Das Partizip II wird in manchen Verbindungen adjektivisch gebraucht:<br />
Wir sind über sein Benehmen tief betroffen.<br />
Alle waren von der Leistung der Mannschaft enttäuscht.<br />
73
74<br />
Grammatik<br />
Adjektivische Partizipien kommen auch als Adjektivadverbien vor:<br />
Sie ging gekränkt nach Hause.<br />
Er spielt geschickt Tischtennis.<br />
Als Teil der Nominalphrase kommt das Partizip II als vorangestelltes Attribut<br />
vor:<br />
das gelöste Problem<br />
die vor einer Woche eingetroffene Sendung<br />
das verliebte Mädchen<br />
Dem Partizip II entspricht im Slowakischen entweder eine ähnliche Konstruktion<br />
oder es kann in der Form eines Nebensatzes wiedergegeben werden:<br />
der erwartete Besuch<br />
die verlorene Ehre<br />
die vergangene Nacht<br />
der erkrankte Freund<br />
das verschwundene Kind<br />
1.3 Die finiten Verbformen<br />
ocakávaná návšteva<br />
stratená cest, povest<br />
minulá, uplynulá noc<br />
chorý, ochorevší priatel<br />
zmiznuvšie dieta; dieta, ktoré zmizlo<br />
Als Hilfsverben bezeichnen wir jene Verben, die zur Bildung des Prädikats ein<br />
weiteres Wort benötigen. Sie werden in traditionellen und neuesten Grammatiken<br />
unterschiedlich definiert. Viele Linguisten verstehen darunter nur die perfekt-<br />
und passivbildenden Verben (haben, sein, werden), andere rechnen auch<br />
die Modalverben zu den Hilfsverben.<br />
Als Auxiliarverben werden gewöhnlich die perfekt- und passivbildenden<br />
Hilfsverben (haben, sein, werden) aufgefasst.<br />
Er hat einen langen Brief geschrieben.<br />
Hans ist abgereist.<br />
Die Modalverben (brauchen, dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen)<br />
bezeichnen Modalität im weitesten Sinne.<br />
Wir wollen heute ins Theater gehen.<br />
Jetzt darfst du sprechen.<br />
Eine besondere Gruppe bilden die bedeutungsschwachen Funktionsverben<br />
(finden, setzen, bringen), die sich regelmäßig mit Präpositional- oder Nominalphrasen<br />
verbinden, in denen das Nomen ein Geschehen bezeichnet.<br />
Er ist in Schwierigkeiten geraten.<br />
Das neue Theaterstück kam endlich zur Aufführung.
Die Modalitätsverben (drohen, gedenken, pflegen, scheinen, vermögen, versprechen<br />
u.a.) drücken ebenfalls Modalität im weitesten Sinne aus, sofern sie<br />
mit zu + Infinitiv verbunden werden.<br />
Alles scheint in bester Ordnung zu sein.<br />
Das Gebäude drohte einzustürzen.<br />
Die Infinitivverben (es gibt, es gilt, fühlen, gehen, heißen u.a.) sind solche<br />
Verben, die ein anderes Verb im Infinitiv haben.<br />
Es gibt hier nichts zu sehen.<br />
Jetzt gilt es richtig aufzupassen.<br />
Die Partizipverben (kommen, stehen) können mit dem Partizip eines anderen<br />
Verbs auftreten.<br />
Der Vogel kam geflogen.<br />
Er kam angebraust.<br />
Als Vollverben (oder Hauptverben) bezeichnen wir jene Verben, die eine eigene<br />
lexikalische Bedeutung haben und ohne Unterstützung durch ein anderes<br />
Wort das Prädikat bilden können. Die Vollverben bezeichnen Tätigkeiten, Vo r-<br />
gänge und Zustände.<br />
Tätigkeitsverben sind solche Vollverben, bei denen der verbale Prozess von<br />
einem Täter (Agens) ausgeht. Zu dieser Gruppe gehören vor allem die transitiven<br />
Verben, aber auch solche Verben, die einen anderen Kasus (Genitiv, Dativ,<br />
Präpositionalkasus) regieren. Tätigkeitsverben sind also Ve rben mit:<br />
• Akkusativ:<br />
bezeichnen, bedeuten, essen, lesen, trinken<br />
• Genitiv:<br />
sich bemächtigen, sich erbarmen, sich (er)freuen<br />
• Dativ:<br />
begegnen, danken, helfen, vertrauen<br />
• Präpositionalkasus: sich freuen auf etwas, fragen nach etwas, kämpfen für/gegen etwas<br />
Vorgangsverben sind solche Verben, die Veränderungen des Subjekts ausdrücken:<br />
aufblühen, sich ändern, sich erhalten<br />
Innerhalb der Vorgangsverben kann man die kleine Gruppe der Witterungsverben<br />
unterscheiden. Sie werden nur mit dem unpersönlichen es gebildet:<br />
es blitzt, es regnet, es schneit, es taut<br />
Zustandsverben drücken das Andauern des Seins über eine längere Zeitdauer<br />
aus:<br />
bleiben, liegen, schlafen, sitzen, stehen<br />
75
76<br />
Grammatik<br />
Zwischen den einzelnen Klassen gibt es auch Übergänge:<br />
Der Arzt heilt die Wunde/hat die Wunde geheilt.<br />
Die Wunde ist geheilt.<br />
Die Sonne hat den Schnee geschmolzen.<br />
Der Schnee ist geschmolzen.<br />
(Tätigkeit)<br />
(Vorgang)<br />
(Tätigkeit)<br />
(Zustand)<br />
1.3.1 Die Verwendung der Hilfs- und Modalverben<br />
Hilfsverben können mit infiniten Verbformen (Infinitiv und Partizip II) komb i-<br />
niert we rden.<br />
Die Verben haben, sein und werden können sowohl mit dem Infinitiv als<br />
auch mit dem Partizip II verbunden werden. In modernen Grammatiken werden<br />
sie auch Auxiliarverben genannt.<br />
Die Modalverben dürfen, können, mögen, müssen, sollen und wollen können<br />
nur mit dem Infinitiv eines anderen Verbs verbunden auftreten.<br />
Eine kleine Gruppe von Vollverben verhält sich wie die Modalverben, sie teilen<br />
aber nicht alle formalen Besonderheiten der Modalverben. Hierher gehören:<br />
belieben, bleiben, brauchen, drohen, pflegen, scheinen, vermögen, versprechen u.a.<br />
Sie werden auch Modalitätsverben genannt.<br />
Die Funktionsverben verbinden sich regelmäßig mit Substantiven, die ein Ge -<br />
schehen bezeichnen, z.B.: das Wort erteilen<br />
Hilfe leisten<br />
eine Bestätigung erfahren<br />
eine Antwort geben<br />
u.a.<br />
Alle Hilfs- und Funktionsverben sind zugleich auch Vollverben (oder Hauptverben).<br />
Es ist daran zu erkennen, dass sie sich nicht immer mit anderen Verben<br />
verbinden müssen, sondern eine eigene Bedeutung haben können.<br />
Beispiele:<br />
als Auxiliarverb<br />
als Vollverb<br />
haben Wir haben viel gearbeitet. Sie hat einen neuen Hut.<br />
sein Hans ist weggefahren. Hans ist krank.<br />
werden Der Patient wird operiert. Beate wird Lehrerin.<br />
als Modalverb<br />
als Vollverb<br />
mögen Sie möchte mitfahren. Er mag kein Fleisch.<br />
können Sie kann schwimmen. Sie kann Deutsch.<br />
werden Beate wird krank sein.<br />
als Modalitätsverb<br />
als Vollverb<br />
brauchen Er braucht nicht zu kommen. Wir brauchen jetzt Hilfe.
leiben Das Thema bleibt zu diskutieren. Sie bleibt noch zwei Tage in Wien.<br />
drohen Das Haus droht einzustürzen. Dem Land droht eine Wirtschaftskrise.<br />
pflegen Er pflegt zum Essen Wein zu trinken. Sie hat viele Kranke gesund gepflegt.<br />
als Funktionsverb<br />
als Vollverb<br />
stellen Sie hat eine interessante Frage gestellt. Sie hat die Vase auf den Tisch gestellt.<br />
1.3.1.1 Hilfsverben mit Infinitiv und Partizip II<br />
haben + Partizip II dient zur Bildung des Perfekts, Plusquamperfekts und des<br />
Infinitiv II:<br />
Ich habe/hatte einen Brief geschrieben.<br />
Morgen wird er die Arbeit beendet haben.<br />
haben + zu + Infinitiv drückt:<br />
(1) Notwendigkeit<br />
(2) Möglichkeit<br />
(3) Berechtigung aus:<br />
(1) Ich habe die Aufgabe zu schreiben. (= Ich muss die Aufgabe schreiben.)<br />
(2) Was hast du uns zu sagen? (= Was kannst du uns s agen.)<br />
(3) Du hast mir nichts zu befehlen. (= Du bist nicht berechtigt, mir zu befehlen.)<br />
sein + Partizip II dient zur Bildung des Perfekts, Plusquamperfekts und des<br />
Infinitiv II:<br />
Er ist gekommen.<br />
Als Peter weggefahren war, besuchte uns mein Onkel.<br />
Er wird hier gewesen sein.<br />
sein + Partizip II dient zum Ausdruck des Zustandspassivs:<br />
Die Aufgabe ist geschrieben.<br />
Sie ist geimpft.<br />
sein + Infinitiv mit zu dient zum Ausdruck von<br />
(1) Notwendigkeit und<br />
(2) Möglichkeit:<br />
(1) Dieser Wagen ist noch heute zu reparieren.<br />
(= Der Wagen muss noch heute repariert werden.)<br />
(2) Der Fehler ist leicht zu korrigieren.<br />
(= Der Fehler kann leicht korrigiert werden.)<br />
werden + Partizip II dient zum Ausdruck des Vorgangspassivs:<br />
Der Aufsatz wird / wurde korrigiert.<br />
Der Aufsatz ist / war korrigiert worden.<br />
77
78<br />
Grammatik<br />
werden + Infinitiv dient zum Ausdruck des Futur I und Futur II mit modaler<br />
Bedeutung:<br />
Wir werden noch heute Abend nach Wien fahren.<br />
Er wird diese Aufgabe in zwei oder drei Monaten gelöst haben.<br />
1.3.1.2 Hilfsverben mit Infinitiv<br />
dürfen<br />
a) Bedeutungsvariante: »die Erlaubnis / Be rechtigung / Möglichkeit haben«.<br />
Das darfst du nicht tun. To nesmieš robit.<br />
Er darf keinen Alkohol mehr trinken. Už nesmie pit alkohol.<br />
Sie durfte daran nicht teilnehmen. Nesmela sa na tom zúcastnit.<br />
Negiertes dürfen drückt immer ein Verbot oder eine Aufforderung aus:<br />
Du darfst keine Angst haben! Neboj sa!<br />
Darüber darfst du dich nicht wundern! Tomu sa necuduj!<br />
b) Bedeutungsvariante: subjektive »Vermutung«; »Annahme«<br />
Das dürfte er aber gewusst haben. To urcite vedel, to musel vediet.<br />
Das dürfte ein Irrtum sein. To je asi omyl.<br />
Die Variante (b) ist auf das Präteritum Konjunktiv beschränkt.<br />
können<br />
a) Bedeutungsvariante: »die Möglichkeit haben«<br />
Anja kann nicht kommen. Anja nemôže príst.<br />
Man kann hier schwimmen, das Wasser ist warm genug.<br />
b) Bedeutungsvariante: »die Fähigkeit haben«, »im Stande sein«<br />
Er kann gut Ski laufen. Vie dobre lyžovat.<br />
Viele Leute hier können weder lesen noch schreiben.<br />
c) Bedeutungsvariante: »Vermutung«<br />
Sie können mit Ihrer Behauptung Recht haben.<br />
Sie können daran gar nicht denken.<br />
d) Bedeutungsvariante: »Erlaubnis haben«<br />
Sie können jetzt gehen.<br />
Er ist schon achtzehn, er kann schon allein ins Kino gehen.
79<br />
mögen<br />
a) Bedeutungsvariante: »den Wunsch haben«<br />
[In dieser Bedeutungsvariante wird heute für das Präsens die Form möchte<br />
verwendet, die aber die Gegenwart bezeichnet. Mit Konjunktiv Präsens ist diese<br />
Variante nicht mö glich.]<br />
Ich möchte in diesem Jahr viel reisen.<br />
Ich möchte gern dazu etwas sagen.<br />
b) Bedeutungsvariante: »Vermutung«; »Annahme«<br />
Du magst Recht haben.<br />
Er mag vieles versprechen, er wird doch nichts zu Stande bringen.<br />
c) Bedeutungsvariante: »Bestimmung«<br />
Hier werden die Formen mag (Präsens) und möchte (Konjunktiv I) in folgenden<br />
Fällen verwendet:<br />
• In negierten und restriktiven Äußerungen (neben möchte):<br />
Ich mag darüber nicht reden.<br />
• In formelhaften Wendungen. Möge erscheint in selbständigen Sätzen:<br />
Das Zeichen y möge die zu suchende Größe bezeichnen.<br />
Das Parlament möge Folgendes beschließen.<br />
Die entsprechenden Formen des Konjunktiv I wirken milder im Ton.<br />
d) Bedeutungsvariante: »Aufforderung«<br />
[Hier wird mögen in der indirekten Rede als höfliche Ausdrucksform verwendet.]<br />
Man hat mir gesagt, ich möge auf den Direktor warten.<br />
Man bat ihn, er möge seinen Mantel ausziehen.<br />
e) Bedeutungsvariante: »jemandem etwas wünschen«. Hier ist der Konjunktiv I<br />
verbindlich:<br />
Der Himmel möge dich beschützen.<br />
Möge er seinen guten Willen beweisen.<br />
f) Bedeutungsvariante: »unwirksamer Gegengrund«. Diese Variante wird in<br />
Konzessivsätzen verwendet. mögen verleiht hier dem Konzessivsatz einen<br />
hypothetischen Nebensinn:<br />
Sie mag tun, was sie will, es ist ihm nichts recht. Cokolvek (ona) robí, on s nicím nie je<br />
spokojný.<br />
Er mag noch so schön daherreden, wir glauben ihm nicht.
80<br />
Grammatik<br />
F<br />
g) Bedeutungsvariante: »Ausdruck der »Unsicherheit», »Ratlosigkeit» des<br />
Sprechers«<br />
Wen mag er wohl meinen?<br />
Wen mochte er wohl meinen?<br />
Er fragte, wer wohl gemeint sein möchte.<br />
In welcher Stadt der Schweiz mag er wohl nicht gewesen sein?<br />
müssen<br />
a) Bedeutungsvariante: »gezwungen sein«; »veranlasst sein«<br />
Du musst ins Geschäft gehen, wenn du Brot kaufen möchtest.<br />
Sie hat plötzlich abreisen müssen.<br />
Die Negation von müssen wird oft durch brauchen ausgedrückt:<br />
Du brauchst nicht mitzukommen.<br />
Du hättest nicht mitzukommen brauchen.<br />
b) Bedeutungsvariante: »Vermutung«; »Gewissheit«<br />
Du musst es wissen/gewusst haben.<br />
Sie musste das wissen/gewusst haben.<br />
Bei der Negation kann hier brauchen + zu verwendet werden:<br />
Er muss es nicht gewusst haben.<br />
Er braucht es nicht gewusst zu haben.<br />
sollen<br />
a) Bedeutungsvariante: »Auftrag«; »Pflicht«<br />
Du sollst ihm den Brief übergeben.<br />
Sie sollen sich schnell untersuchen lassen.<br />
Ich soll noch heute arbeiten (weil es mir mein Chef befohlen hat.)<br />
aber: Ich muss noch heute arbeiten (weil ich morgen eine Prüfung habe).<br />
b) Bedeutungsvariante: »Behauptung«; Wiedergabe der Äußerung eines Dritten,<br />
oft mit Skepsis des Sprechers verbunden.<br />
Er soll krank sein/krank gewesen sein.<br />
Sie sollte krank sein/krank gewesen sein. (Konjunktiv II, selten)<br />
Ein Unteroffizier der Bundeswehr soll Untergebene misshandelt haben. (= Man sagt, dass<br />
er sie misshandelt hat.)<br />
c) Bedeutungsvariante: »Aufforderung« (in der indirekten Rede).<br />
Man sagte ihm, er solle sie besuchen.<br />
(Aus der direkten Rede: Besuche sie!)
Mir wurde empfohlen, ich soll an der Konferenz teilnehmen.<br />
d) Bedeutungsvariante: »zukünftig«. In dieser Variante kommt sollen nur im<br />
Prä teritum vor.<br />
Es sollte sich noch rächen, dass er dagegen nichts unternommen hatte.<br />
e) Bedeutungsvariante: »hypothetisch«. Diese Variante kommt in Konditionalsätzen<br />
nur im Konjunktiv II vor.<br />
Falls du ihn sehen solltest, grüße ihn von mir.<br />
Solltest du ihn sehen, grüße ihn von mir.<br />
f) Bedeutungsvariante: »tendenzgebend«. Diese Variante kommt nur in Fragesätzen<br />
vor.<br />
Sollte das vielleicht nicht in Ordnung sein?<br />
Solltest du davon nicht gewusst haben?<br />
Auf diese Frage wird im Allgemeinen eine positive Antwort erwartet.<br />
Anmerkung: Dem slowakischen vraj, asi u.a. entspricht im Deutschen oft das Modalverb<br />
müssen oder sollen + Infinitiv II. Vgl.<br />
Es muss viel gekostet haben. Urcite to stálo vela penazí.<br />
Sie soll schon weggefahren sein. Vraj už odcestoval.<br />
Damit werden Sie wohl nicht gerechnet haben. S tým ste asi nepocítali.<br />
Sie muss es doch gehört haben. Urcite, pravdepodobne o tom už pocula.<br />
wollen<br />
a) Bedeutungsvariante: »Wunsch/Absicht haben«<br />
Sie will das neue Kleid kaufen.<br />
Sie wollte das neue Kleid kaufen.<br />
b) Bedeutungsvariante: »zukünftig«. Diese Variante drückt im Unterschied zu<br />
werden »Wille«, »Absicht« aus.<br />
Ich will hier bleiben, bis du zurückkommst.<br />
Er will morgen nach Wien fahren.<br />
Oft wird die zukünftige Handlung von einem anderen Zeitpunkt aus ges ehen;<br />
dann wird das Präteritum von wollen verwendet:<br />
Wir wollten eben weggehen, als er an die Tür klopfte.<br />
c) Bedeutungsvariante: »Aufforderung«<br />
Wir wollen nun unseren Tee austrinken.<br />
Willst du uns vielleicht etwas sagen?<br />
81
82<br />
Grammatik<br />
d) Bedeutungsvariante: »hypothetisch«. Diese Variante verwendet man in<br />
Konditional- und Komparativsätzen:<br />
Es würde sehr lange dauern, wollten wir alle Möglichkeiten genau überprüfen.<br />
Es sieht so aus, als wolltest du auf dein Recht verzichten.<br />
e) Bedeutungsvariante: »Bestimmung«<br />
Der vorliegende Aufsatz will Fragen behandeln, die sich aus den neuesten medizinischen Erkenntnissen<br />
ergeben.<br />
f) Bedeutungsvariante: »Notwendigkeit«. Diese Variante wird hauptsächlich<br />
mit nichtpersonalem Subjekt und dem Infinitiv des Zustandspassivs verwendet.<br />
Die Arbeit will gemacht sein. (= muss gemacht werden.)<br />
Der komplizierte Prozess will gemeistert sein. (= muss gemeistert werden.)<br />
1.4 Die Modalitätsverben<br />
Die Modalitätsverben verhalten sich im Allgemeinen wie Modalverben, teilen<br />
aber nicht alle formalen Besonderheiten dieser Verben. Die Modalitätsverben<br />
verbinden sich mit zu + Infinitiv eines anderen Verbs. Die wichtigsten Modalitätsverben<br />
sind:<br />
bleiben, brauchen, drohen, dürfen, gedenken, können, mögen, pflegen, scheinen,<br />
vermögen, versprechen<br />
usw.<br />
Beispiele:<br />
bleiben<br />
brauchen<br />
drohen<br />
gedenken<br />
haben<br />
pflegen<br />
scheinen<br />
sein<br />
Die Kompetenzfragen zwischen dem Rektorat und dem Dekanat bleiben<br />
zu diskutieren.<br />
Er braucht heute nicht zu arbeiten.<br />
Sabine braucht am Sonntag nicht zu kommen.<br />
Die Stadt droht von der Außenwelt abgeschnitten zu werden.<br />
Die Lage droht sich zuzuspitzen.<br />
Der slowakische Präsident gedachte die Regierung umzubilden.<br />
Er hatte die Regierung umzubilden gedacht.<br />
Wir haben noch viel zu tun.<br />
Wir hätten noch die Fenster zu streichen gehabt.<br />
Sie pflegt nach dem Essen einen Sherry zu trinken.<br />
Susanne pflegt mich jeden Samstag zu besuchen.<br />
Es scheint kalt zu werden.<br />
Der Patient scheint Fieber zu haben.<br />
Die Aufgabe ist zu lösen.<br />
Die Aufgabe wäre ohne weiteres zu lösen gewesen.
83<br />
stehen<br />
versprechen<br />
vermögen<br />
wissen<br />
usw.<br />
Es steht zu hoffen, dass wir von ihm noch heute eine Nac hricht er halten.<br />
Es steht nicht zu erwarten, dass sich die Kriegsteilnehmer noch in diesem<br />
Jahr einigen.<br />
Es verspricht ein wunderschöner Tag zu werden.<br />
Er verspricht ein guter Schwimmer zu werden.<br />
Er vermag sich durchzusetzen.<br />
Man vermag sich kaum vorzustellen, wie es nach diesem Krieg im Nahen<br />
Osten aussehen soll.<br />
Der Präsident hat den Putsch des Militärs nur mit Mühe zu verhindern<br />
vermocht.<br />
Sie weiß viel zu erzählen.<br />
Er wusste sich vor seinen Verfolgern nicht zu retten.<br />
1.5 Funktionsverben<br />
Funktionsverben üben vorwiegend eine grammatisch-syntaktische Funktion<br />
aus. Sie haben ihre ursprüngliche Bedeutung weitgehend oder vollständig eingebüßt.<br />
Sie verbinden sich regelmäßig mit Präpositional- oder Nominalphrasen,<br />
in denen das Nomen (gewöhnlich in der Form von Präpositionalgruppen oder<br />
Akku sativen) ein Geschehen bezeichnet. Träger der Bedeutung des Prädikats<br />
ist also nicht das Verb, sondern das Nomen. Die wichtigsten Funktionsverben<br />
im Deutschen sind:<br />
abstatten, anschneiden, ausüben, bekommen, bleiben, bringen, geben, finden,<br />
führen, machen, leisten, nehmen, setzen, stellen, treffen<br />
usw.<br />
Die wichtigsten Funktionsverben mit reiner Akkusativphrase sind:<br />
abstatten einen kurzen Besuch abstatten = besuchen<br />
anschneiden eine Frage/ein heikles Thema/<br />
Problem anschneiden<br />
geben<br />
erteilen<br />
erfahren<br />
finden<br />
den Auftrag geben<br />
eine Antwort geben<br />
einen Rat geben<br />
Unterricht geben<br />
das Wort erteilen<br />
eine Bestätigung erfahren<br />
eine Korrektur erfahren<br />
eine Veränderung erfahren<br />
eine Verbesserung erfahren<br />
Aufnahme finden<br />
Beachtung finden<br />
= beauftragen<br />
= beantworten<br />
= raten<br />
= unterrichten<br />
= bestätigt werden<br />
= korrigiert werden<br />
= verändert werden<br />
= verbessert werden<br />
= aufgenommen werden<br />
= beachtet werden
84<br />
Grammatik<br />
führen<br />
leisten<br />
machen<br />
treffen<br />
Berücksichtigung finden<br />
eine Erklärung finden<br />
Glauben finden<br />
den Tod finden<br />
Verwendung finden<br />
einen Kampf führen<br />
ein Gespräch führen<br />
eine Verhandlung führen<br />
das Protokoll führen<br />
Ersatz leisten<br />
Hilfe leisten<br />
Widerstand leisten<br />
Zahlung leisten<br />
die Angaben machen<br />
eine Probe machen<br />
einen Versuch machen<br />
eine Entscheidung treffen<br />
eine Verabredung treffen<br />
= berücksichtigt werden<br />
= erklärt werden<br />
= geglaubt werden<br />
= sterben<br />
= verwendet werden<br />
= kämpfen<br />
= sprechen<br />
= verhandeln<br />
= protokolliere<br />
= ersetzen<br />
= helfen<br />
= sich widersetzen<br />
= zahlen<br />
= angeben<br />
= probieren<br />
= versuchen<br />
= entscheiden<br />
= sich verabreden<br />
Die wichtigsten Funktionsverben mit Präpositionalgefüge sind:<br />
bleiben<br />
bringen<br />
in Abhängigkeit bleiben (von)<br />
in Gefahr bleiben<br />
in Betrieb bleiben<br />
in Verbindung bleiben<br />
Zum Abschluss bringen<br />
zur Aufführung bringen<br />
zur Vollendung bringen<br />
zum Ausdruck bringen<br />
in/zur Anwendung bringen<br />
zu Ende bringen<br />
zur Kenntnis bringen<br />
in Ordnung bringen<br />
zur Ruhe bringen<br />
zum Schluss bringen<br />
in Verwirrung bringen<br />
zur Verzweiflung bringen<br />
ums Leben bringen<br />
zur Vernunft bringen<br />
in Verlegenheit bringen<br />
= abhängen<br />
= gefährdet sein<br />
= betrieben werden<br />
= verbunden sein<br />
= abschließen<br />
= aufführen<br />
= vollenden<br />
= ausdrücken<br />
= anwenden<br />
= beenden<br />
= bekannt geben<br />
= ordnen<br />
= beruhigen<br />
= schließen<br />
= verwirren<br />
= verzweifeln<br />
= (töten)<br />
zur Sprache bringen<br />
führen zu Ende führen = beenden<br />
geraten in Angst geraten
in Sorge geraten<br />
in Wut geraten<br />
kommen zur Aufführung kommen<br />
zur Entscheidung kommen<br />
zum Vortrag kommen<br />
zur Anwendung kommen<br />
in Bewegung kommen<br />
nehmen in Anspruch nehmen<br />
Abschied nehmen<br />
in Arbeit nehmen<br />
setzen in Brand setzen<br />
sich zur Ruhe setzen<br />
aufs Spiel setzen<br />
stellen unter Beobachtung stellen/stehen<br />
unter Kontrolle stellen/stehen beweisen<br />
unter Beweis stellen<br />
stehen unter Aufsicht stellen/stehen<br />
versetzen in Angst versetzen = ängstigen<br />
ziehen in Erwägung ziehen = erwägen<br />
Für Funktionsverbgefüge gilt:<br />
= aufgeführt werden<br />
= entschieden werden<br />
= vorgetragen werden<br />
= angewandt werden<br />
= beanspruchen<br />
= sich verabschieden<br />
= bearbeiten<br />
= anzünden<br />
= Rentner werden<br />
= (riskieren)<br />
(1) Die substantivische Komponente kann weder erfragt noch pronominalisiert<br />
werden. Der Regisseur brachte das Theaterstück zur Aufführung. *Wohin<br />
brachte er das Theaterstück. *Dorthin.<br />
(2) Das Funktionsverbgefüge hat nicht dieselbe Bedeutung wie das parallele<br />
Vollverb. Vgl. zur Aufführung bringen und das Vollverb bringen.<br />
(3) Die verbale Komponente kann oft durch ein anderes Funktionsverb ersetzt<br />
werden. Die Bedeutung des Gesamtkomplexes ändert sich dabei. Vgl.: unter<br />
Kontrolle stellen/stehen; in Bewegung kommen/bringen/halten/sein.<br />
(4) Das Funktionsverb kann oft mit anderen substantivischen Ausdrücken zu<br />
einem Funktionsverbgefüge verbunden werden: zum Abschluss/zur Aufführung/in<br />
Bewegung kommen. (Vgl. LÜHR 1995: 103)<br />
Mit dem Funktionsverbgefüge ist es auch im Deutschen möglich, die Aktionsart<br />
zu variieren, z.B.:<br />
anerkannt werden – Anerkennung finden (Hervorhebung der Dauer)<br />
Funktionsverbgefüge füllen im Sprachsystem im besonderen Lücken im<br />
Sprachsystem aus. (vgl. LÜHR 1995: 104)<br />
85
86<br />
1.6 Modus und Tempus<br />
Grammatik<br />
1.6.1 Das Tempus<br />
Im Deutschen unterscheidet man sechs Tempusformen. Nach der Art ihrer Bildung<br />
können wir sie einteilen in:<br />
(1) einfache Tempusformen: a) Präsens<br />
b) Präteritum<br />
(2) zusammengesetzte Tempusformen: c) Perfe kt<br />
d) Plusquamperfekt<br />
e) Futur I<br />
f) Futur II<br />
Die sechs Tempora werden sowohl im Indikativ als auch im Konjunktiv (Aktiv<br />
und Passiv) verwendet.<br />
Die Bildung der Tempora kann mit folgendem einfachem Modell dargestellt<br />
werden:<br />
Aktiv Passiv Tempora<br />
Infinitiv I lesen gelesen werden Präsens, Präteritum<br />
Infinitiv II gelesen haben gelesen worden sein Perfekt, Plusquamperfekt<br />
Futur I = werden + Infinitiv I<br />
(Ausdruck der Modalität: Modalverb + Infinitiv I)<br />
Futur II = werden + Infinitiv II<br />
(Ausdruck der Modalität: Modalverb + Infinitiv II)<br />
1.6.2 Verwendung der Tempusformen<br />
Im Deutschen unterscheidet man sechs grammatische Tempora. Diese Tempusformen<br />
drücken unterschiedliche Bedeutungen aus. Den sechs grammatischen<br />
Tempora entsprechen aber nicht sechs grammatische Bedeutungen in linearer<br />
Zuordnung.<br />
1. Zeitinhalte können nicht nur durch grammatische Tempusformen, sondern<br />
auch durch lexikalische Mittel ausgedrückt werden.<br />
Er schreibt (jetzt) einen Brief.<br />
Er schreibt ihr (morgen) einen Brief.<br />
2. Tempusformen können nicht nur Zeitinhalte, sondern auch modale Inhalte<br />
ausdrücken.<br />
Da werden Sie sich (wohl) geirrt haben.
87<br />
Tempusformen werden absolut und relativ gebraucht.<br />
1.6.2.1 Die absolute Zeitbedeutung<br />
Unter absoluter Zeitbedeutung verstehen wir die zeitliche Beziehung zwischen<br />
Redemoment (= Sprechzeit) und dem dargestellten Sachverhalt (= Aktzeit).<br />
Der Sprecher hat im Kommunikationsprozess die Möglichkeit, das Geschehen<br />
– vom Redemoment aus – als gegenwärtig, vergangen oder zukünftig darzustellen.<br />
An der Darstellung absoluter Zeitbedeutungen sind alle Tempusformen beteiligt.<br />
Präsens<br />
a) aktuelles Präsens [Hauptbedeutung]<br />
Das Präsens drückt gegenwärtiges Geschehen aus. Sprechzeit und Aktzeit fallen<br />
in der Gegenwart zusammen. Die Aktualität des Geschehens kann durch<br />
weitere temporale Mittel betont werden:<br />
Sie studiert (jetzt) in Nitra.<br />
Ich lese (gerade, seit einer Stunde) einen interessanten Roman.<br />
b) generelles (atemporales) Präsens<br />
Das Präsens drückt Allgemein gültiges aus. Es wird gebraucht z.B. in wissenschaftlich-logischen<br />
(a), empirisch-generellen Aussagen (b) gebraucht<br />
(a) Wasser kocht bei 100 Grad.<br />
(a) 3 hoch 2 ist 9.<br />
(b) Die Erde kreist um die Sonne.<br />
(b) Es ist nicht alles Gold, was glänzt.<br />
(b) Der Mensch ist ein sprachbegabtes Lebewesen.<br />
c) futurisches Präsens<br />
Das Präsens bezeichnet zukünftiges Geschehen. Die Eindeutigkeit kann auch<br />
durch weitere temporale Mittel verstärkt werden.<br />
Wir kommen (bald) zurück.<br />
= Wir werden bald zurückkommen.<br />
Morgen kommt der Kaminfeger.<br />
d) historisches oder dramatisches Präsens<br />
Einen Sonderfall des aktuellen Präsens stellt das historische Präsens dar, bei<br />
dem vergangene Sachverhalte dargestellt werden. Die Vergangenheitsbedeutung<br />
muss hier durch eine obligatorische Temporalangabe (gestern, neulich,<br />
im Jahre 1914 u.a.) oder durch einen entsprechenden Kontext deutlich werden:
88<br />
Grammatik<br />
Schon als junger Student fällt unser Jubilar durch seine originellen Forschungsansätze auf.<br />
1914 bricht der erste Weltkrieg aus.<br />
Auch Thomas von Aquino spricht nur mit höchster Hochachtung von Augustin.<br />
Präteritum<br />
Das Präteritum besagt, dass die dargestellten Sachverhalte in der Vergangenheit<br />
liegen. Es wird vor allem bei der Darstellung zusammenhängender Sachverhalte<br />
verwendet. Das Präteritum ist insbesondere das Tempus des zusammenhängenden<br />
Berichtes, der Erzählung.<br />
Ich kratze und bürstete, atmete den Staub ein, hustete, rieb die Augen, es juckte in den Ohren<br />
...[Köpf]<br />
Perfekt<br />
a) Das Perfekt dient zur Darstellung von etwas Vergangenem. Es wird vor allem<br />
zur Darstellung abgeschlossener (vollzogener) Geschehnisse verwendet,<br />
die für die Gesprächsbeteiligten von Belang sind:<br />
Er hat (gestern) ein neues Auto gekauft.<br />
Was hast du den ganzen Tag gemacht?<br />
Elke hat sich auf die Prüfung gut vorbereitet.<br />
Er hat es mir eben gesagt.<br />
Wir haben ihn kommen hören.<br />
b) In Bezug auf die Gegenwart des Sprechers oder Schreibers können längst<br />
vergangene Ereignisse, deren Folgezustand anhält, durch das Perfekt ausgedrückt<br />
werden:<br />
Kolumbus hat Amerika entdeckt.<br />
c) Perfekt kann ein zukünftiges Geschehen bezeichnen, das man unter einem<br />
bestimmten Zeitpunkt als abgeschlossen vorstellt. In dieser Bedeutung ersetzt<br />
das Perfekt das Futur II:<br />
Morgen Abend um diese Zeit haben wir es geschafft.<br />
Nächsten Monat hat das junge Ehepaar die Wohnung eingeric htet.<br />
d) In der Umgangssprache wird das Perfekt auch als Tempus der zusammenhängenden<br />
Erzählung benutzt:<br />
Der Papagei ist weggeflogen. Wir haben gewartet, dass er wiederkommt, aber er ist nicht gekommen.<br />
Da haben wir den Käfig verkauft.
89<br />
Plusquamperfekt<br />
Das Plusquamperfekt bezeichnet vergangenes Geschehen, das als abgeschlossen<br />
dargestellt wird. Mit dem Plusquamperfekt können die Geschehnisse nicht<br />
als bis in die Gegenwart reichend dargestellt werden.<br />
Als absolutes Tempus kommt das Plusquamperfekt selten vor:<br />
Wir hatten einen Ausflug nach Wien geplant.<br />
Denken heißt Danken, hatte M. Heidegger gesagt.<br />
Kolumbus hatte 1492 Amerika entdeckt.<br />
Im süddeutschen Sprachraum erscheint statt des Plusquamperfekts oft ein doppeltes<br />
Perfekt :<br />
Ich habe dort angerufen gehabt.<br />
für standardsprachlich: Ich hatte dort angerufen.<br />
Ich bin eingeschlafen gewesen.<br />
für standardsprachlich: Ich war eingeschlafen.<br />
Diese Form ist in der Schriftsprache nicht zulässig.<br />
Futur I<br />
a) Das Futur I bezeichnet zukünftiges Geschehen:<br />
Wir werden (morgen) unsere Tante besuchen.<br />
Er wird noch heute einen Brief schreiben.<br />
Hier ist Futur I mit dem Präsens austauschbar:<br />
Ich besuche morgen meine Tante.<br />
Er schreibt noch heute einen Brief.<br />
b) Das Futur I kann vermutetes Geschehen in der Gegenwart bezeichnen. In<br />
diesem Falle hat es modale Bedeutung (Absicht, Vermutung, Aufforderung):<br />
Von morgen an werde ich nicht mehr rauchen. [Absicht]<br />
Er wird (jetzt) im Büro sein. [Vermutung]<br />
Du wirst jetzt deine Schularbeiten machen. [Aufforderung]<br />
c) Das Futur I kann energischen Befehl ausdrücken:<br />
Du wirst diese Aufgabe machen. (Du musst/sollst die Aufgabe machen.)<br />
Ihr werdet die Angelegenheit noch heute regeln. (= Ihr sollt die Angelegenheit noch<br />
heute regeln.)
90<br />
Grammatik<br />
4.1.1.1.1 Futur II<br />
a) Das Futur II drückt ein für die Zukunft als abgeschlossen geltendes Geschehen<br />
aus. Zur Realisierung dieser Variante sind jedoch weitere temporale<br />
Mittel (bald, morgen, am 20. Dezember u. dgl.) notwendig, sonst liegt modale<br />
Be deutung vor:<br />
Morgen wird er die Arbeit beendet haben.<br />
Gegenüber: Er wird die Arbeit beendet haben. [Vermutung]<br />
Eine Abgeschlossenheit, die in der Zukunft liegt, kann durch das Perfekt zum<br />
Ausdruck kommen:<br />
In einer Stunde werde ich das Buch gelesen haben.<br />
→ In einer Stunde habe ich das Buch gelesen.<br />
b) Das Futur II drückt ein Geschehen in der Vergangenheit aus, das mit einem<br />
Modalfaktor (Vermutung) verbunden ist:<br />
Er wird die Stadt verlassen haben.<br />
Dieser Mann wird in seinem Leben viel erfahren haben.<br />
1.6.2.2 Die relative Zeitbedeutung<br />
Die relative Zeitbedeutung ergibt sich aus der temporalen Abhängigkeit mehrerer<br />
Sachverhalte. In einem zusammengesetzten Satz (Satzgefüge) können folgende<br />
temporale Beziehungen ausgedrückt werden:<br />
1) Gleichzeitigkeit<br />
2) Vorzeitigkeit<br />
3) Nachzeitigkeit<br />
Gleichzeitigkeit<br />
Das Geschehen im Haupt- und Nebensatz verläuft gleichzeitig. In beiden Teilsätzen<br />
wird in der Regel das gleiche Tempus verwendet. Gleichzeitigkeit wird<br />
durch folgende Konjunktionen ausgedrückt.<br />
wenn - ked, kedykolvek sobald, sowie, wie - len co<br />
als - ked sooft - kedykolvek<br />
solange<br />
- kým<br />
Als ich gestern Zeit hatte, besuchte ich meine Freundin. Ked som mal vcera trochu casu,<br />
navštívil(a) som svoju priatelku.<br />
Wenn es regnet, gehe ich nicht spazieren.<br />
Wir waren im Theater, während/als es regnete.
Nachzeitigkeit<br />
Das Geschehen im Nebensatz verläuft nach dem Geschehen im Hauptsatz. Im<br />
Haupt- und Nebensatz kann auch Präsens bzw. Präteritum stehen, wenn im<br />
Hauptsatz das Perfekt bzw. Plusquamperfekt gebraucht wird:<br />
Sie bringt das Kind zur Großmutter, bevor sie zur Arbeit geht.<br />
[HS – Präsens]<br />
Er erreichte sein Ziel,<br />
Er blieb in Berlin,<br />
[HS – Präteritum]<br />
[NS – Präsens]<br />
ehe die Sonne unterging.<br />
bis er mit seinem Studium fertig war.<br />
[NS – Präteritum]<br />
Er hatte sein Ziel erreicht, ehe die Sonne unterging.<br />
[HS Plusquamperfekt] [NS – Präteritum]<br />
Vorzeitigkeit<br />
Beim Ausdruck der Vorzeitigkeit (Nebensatzgeschehen vor Hauptsatzgeschehen)<br />
gibt es relativ stabile Regeln.<br />
a) Im Nebensatz steht in der Regel das Perfekt, wenn im Hauptsatz das Präsens<br />
steht:<br />
Wenn alle gekommen sind, können wir uns an die Arbeit machen.<br />
b) Im Hauptsatz kann auch das Futur I als absolutes Tempus stehen:<br />
Wenn ich das Buch gefunden habe, gebe ich es dir sofort zurück.<br />
Wenn ich das Buch gefunden habe, werde ich es dir sofort zurückgeben<br />
c) Wenn im Hauptsatz das Präteritum verwendet wird, erscheint im Nebensatz<br />
in der Regel das Plusquamperfekt :<br />
Nachdem er das Buch gelesen hatte, ging er ins Kino.<br />
[NS – Plusquamperfekt]<br />
[HS – Präteritum]<br />
Die Mutter brachte das Kind ins Bett, nachdem es eingeschlafen war.<br />
[HS – Präteritum]<br />
[NS – Plusquamperfekt]<br />
Die Zeitverhältnisse zwischen Sachverhalten können also durch folgende lexikalische<br />
Mittel ausgedrückt werden:<br />
91
92<br />
Grammatik<br />
Innerhalb der Satzverbindungen<br />
oder zwischen Sätzen Im Satzgefüge<br />
Adverbien und Adjektive subordinierende Konjunktionen<br />
Gleichzeitigkeit gerade, dabei, gleichzeitig während, als, indessen, solange<br />
Nachzeitigkeit dann, dabei, darauf, später, bald, bevor, ehe, bis<br />
nachher<br />
Vorzeitigkeit vorher nachdem, als, wenn, sobald,<br />
seit(dem)<br />
1.7 Der Modus<br />
Der Modus ist eine grammatische Kategorie des Verbs. Er dient zum Ausdruck<br />
der Modalität. Der Sprecher drückt mit seiner subjektiven Stellungnahme Wirklichkeit<br />
und Nichtwirklichkeit, Bedingtheit, Notwendigkeit, Gewissheit und<br />
Ungewissheit, Vermutung, Forderung, Möglichkeit oder Unmöglichkeit des<br />
Ge schehens aus. Die unterschiedlichen Modalitäten kann man einerseits mit<br />
Hilfe unterschiedlicher sprachlicher Mittel, wie Modalwörter, Modal wendungen,<br />
z.B. meines Erachtens, in der Tat, wahrscheinlich u.a., andererseits<br />
mit Hilfe der Modi des Verbs ausdrücken. Im Deutschen unterscheidet man<br />
drei Arten des Modus:<br />
• den Indikativ<br />
• den Konjunktiv (und den Konditional)<br />
• den Imperativ<br />
1.7.1 Der Indikativ<br />
Der Indikativ ist die Grundform der Modi. Er bezeichnet aber nicht nur das tatsächlich<br />
Gegebene, sondern er drückt auch Vorgestelltes und zu Ve rwirklichendes<br />
aus:<br />
(1) Die Erde dreht sich um die Sonne. [reales Geschehen]<br />
(2) Wenn ich Zeit habe, gehe ich heute ins Theater. [vorgestelltes Geschehen]<br />
(3) Du gibst mir doch bitte das Buch? [zu verwirklichendes Geschehen]<br />
1.7.2 Konjunktiv<br />
Der Konjunktiv drückt im Deutschen ein Geschehen als vermittelt, als nicht<br />
wirklich im weitesten Sinne aus.
Formen des Konjunktivs<br />
Von der Form her unterscheidet man Konjunktiv I (gebildet aus dem Präsensstamm)<br />
und Konjunktiv II (gebildet aus dem Präteritalstamm).<br />
1.7.2.1 Konjunktiv I<br />
Im Präsens wird der Konjunktiv I von der 1. Stammform, der ein -e angefügt<br />
wird, gebildet. An dieses -e- werden die Endungen der Person und des Numerus<br />
angehängt.<br />
(ich)<br />
(du)<br />
(er), (sie)<br />
(wir)<br />
(ihr)<br />
(sie)<br />
suche<br />
suchest<br />
suche<br />
suchen<br />
suchet<br />
suchen<br />
lächle<br />
lächlest<br />
lächle<br />
lächeln<br />
lächlet<br />
lächeln<br />
nehme<br />
nehmest<br />
nehme<br />
nehmen<br />
nehmet<br />
nehmen<br />
habe<br />
habest<br />
habe<br />
haben<br />
habet<br />
haben<br />
sei<br />
sei(e)st<br />
sei<br />
seien<br />
seiet<br />
seien<br />
Perfekt: er habe gesucht, getragen / sei gesucht worden, getragen worden<br />
Futur I: er werde suchen, tragen / werde gesucht, getragen werden<br />
Futur II: er werde gesucht, getragen haben/werde gesucht, getragen worden sein<br />
1.7.2.2 Konjunktiv II<br />
werde<br />
werdest<br />
werde<br />
werden<br />
werdet<br />
werden<br />
Konjunktiv II wird aus der präteritalen Form gebildet, wobei an den Stamm ein<br />
e angehängt wird. Die umlautfähigen Vokale der starken Verben werden umg e-<br />
lautet.<br />
Aktiv:<br />
Präteritum Konjunktiv II Präteritum Konjunktiv II<br />
ich suchte<br />
du suchtest<br />
er suchte<br />
wir suchten<br />
ihr suchtet<br />
sie suchten<br />
ich suchte<br />
du suchtest<br />
er suchte<br />
wir suchten<br />
ihr suchtet<br />
sie suchten<br />
ich nahm<br />
du nahmst<br />
er nahm<br />
wir nahmen<br />
ihr nahmt<br />
sie nahmen<br />
ich nähme<br />
du nähmest<br />
er nähme<br />
wir nähmen<br />
ihr nähmet<br />
sie nähmen<br />
Perfekt und Plusquamperfekt<br />
Aktiv:<br />
ich habe/hätte gesucht/getragen<br />
du habest/hättest gesucht/getragen<br />
er habe/hätte gesucht/getragen<br />
wir haben/hätten gesucht/getragen<br />
ihr habet/hättet gesucht/getragen<br />
sie haben/hätten gesucht/getragen<br />
Passiv:<br />
ich sei/wäre gesucht/getragen worden<br />
du seiest/wärest gesucht/getragen worden<br />
er sei/wäre gesucht/getragen worden<br />
wir seien/wären gesucht/getragen worden<br />
ihr seiet/wäret gesucht/getragen worden<br />
sie seien/wären gesucht/getragen worden<br />
93
94<br />
Grammatik<br />
Der Konditional ist eine besondere Form des Konjunktivs. Man unterscheidet<br />
zwei Formen des Konditionals:<br />
Konditional I:<br />
Konditional II:<br />
er würde kommen<br />
er würde gesucht haben<br />
Konditional II wird weniger verwendet als Konditional I, da er durch den Konjunktiv<br />
des Plusquamperfekts ersetzt werden kann:<br />
Ich würde gesucht haben<br />
Ich hätte gesucht<br />
1.7.2.3 Gebrauch der Konjunktive<br />
[Konditional II]<br />
[Konjunktiv des Plusquamperfekts]<br />
In der deutschen Sprache der Gegenwart unterscheidet sich die Form des Konjunktivs<br />
im Aktiv bei schwachen Verben nicht von der des Indikativs. Bei den<br />
starken und unregelmäßigen Verben mit umlautfähigem Stammvokal tritt<br />
durchgängig ein Umlaut auf. Der Konjunktiv ist außerdem durch das grammatische<br />
Morphem -e in allen Personen gekennzeichnet:<br />
• mit Umlaut: er gäbe, könnte, möchte, läse, müsste, täte usw.<br />
• ohne Umlaut: er bliebe, liefe, schliefe, sollte, wollte u.a.<br />
In der Gegenwart werden daher die Formen des Konjunktiv II sehr häufig<br />
durch Umschreibungen mit würde + Infinitiv (Konditional) ersetzt. Diese Umschreibung<br />
wird vor allem für den Konjunktiv des Präteritums verwendet.<br />
Wir würden doch etwas unternehmen, aber uns fehlt dazu das Geld.<br />
Wir könnten euch das Fahrrad leihen, wenn es gebraucht würde.<br />
[Konjunktiv Präteritum Passiv]<br />
Die Umschreibung würde + Infinitiv wird in folgenden Fällen gebraucht:<br />
(1) Wenn die Formen des Konjunktiv II nicht eindeutig von der des Indikativ<br />
Präteritum unterschieden sind:<br />
Wenn ich mehr Geld hätte, kaufte ich ein Auto.<br />
→ ...., würde ich ein Auto kaufen.<br />
Wir investierten mehr, wenn uns der ausländische Investor unterstützte.<br />
→ ..., wenn uns der ausländische Investor unterstützen würde.<br />
Wenn er mehr schaffen würde, würde er mehr Geld verdienen.<br />
[Statt: schaffte und verdiente)<br />
(2) Die unregelmäßigen Formen einiger Verben werden als ungebräuchlich, ungewöhnlich<br />
oder altertümlich empfunden. Dies trifft vor allem in der Umgangssprache<br />
zu:
efehlen beföhle (befähle)<br />
beginnen begönne (begänne)<br />
bergen bürge (bärge)<br />
empfehlen empföhle (empfähle)<br />
gelten gölte gälte<br />
gewinnen gewönne (gewänne)<br />
helfen<br />
hülfe<br />
schelten schölte<br />
schwimmen schwömme (schwämme)<br />
spinnen spönne (spänne)<br />
stehen stünde (stände)<br />
stehlen stöhle (stähle)<br />
sterben stürbe (stärbe)<br />
verderben verdürbe<br />
werben würbe<br />
werfen würfe<br />
(3) Für die Modalverben (außer werden) gelten folgende Konjunktiv II-Formen<br />
(wir geben die Formen in der dritten Person Singular an):<br />
dürfen dürfte<br />
können könnte<br />
mögen möchte<br />
müssen müsste<br />
sollen sollte<br />
wollen wollte<br />
brauchen bräuchte brauchte<br />
Zur Anwendung der Konjunktive<br />
Konjunktiv I und Konjunktiv II haben ihre bevorzugten Anwendungsbereiche.<br />
Sie werden in erster Linie in der indirekten Rede und in den Komparativsätzen<br />
mit als/als ob verwendet. Im Folgenden werden die wichtigsten Anwendungsbereiche<br />
der Konjunktivformen angeführt.<br />
Konjunktiv I<br />
a) Indirekte Rede<br />
Indirekte Rede ist die vermittelte Wiedergabe fremder Aussagen. Neben Konjunktiv<br />
I werden zur Kennzeichnung der indirekten Rede auch Konjunktiv II<br />
und Indikativ gebraucht.<br />
Konjunktiv I dient in der Literatursprache als Norm für die neutrale Wiedergabe:<br />
Die Presseagentur teilte mit, dass die Lage gefährlich sei.<br />
95
96<br />
Grammatik<br />
Da hätten die Dörfler nicht einsehen können, warum bei ihnen der Quadratmeter Land mehr<br />
als zwei Mark kosten solle. [Der Spiegel 26/1995: 74]<br />
Die Forscher aus Essen nennen dafür mehrere Gründe. Wer im Ausland investiert und präsent<br />
sei, könne Produktions- und Transportkosten sparen. Gleichzeitig erschließe er neue<br />
Märkte. Das mache die teueren Arbeitsplätze in Deutschland häufig erst finanzierbar. [Die<br />
Zeit]<br />
Hier können neben dem Konjunktiv I auch der Indikativ und der Konjunktiv II<br />
verwendet werden. Zwischen den Verwendungsweisen ergeben sich oft bestimmte<br />
stilistische Unterschiede. Es muss auch beachtet werden, ob es sich<br />
hier um einen mündlichen oder einen schriftlichen Text handelt.<br />
Der Konjunktiv I steht in der Regel fakultativ, wenn die mittelbare Wiedergabe<br />
angekündigt wird:<br />
Er sagte uns, dass er komme/kommt/käme.<br />
Sie schreibt, dass er viel zu tun habe/hat/hätte.<br />
Der Konjunktiv I ist obligatorisch, wenn keine direkte Wiedergabe angekündigt<br />
ist:<br />
Es sei die letzte Gelegenheit.<br />
Dies sei sein fester Entschluss.<br />
In diesen Sätzen ist der Konjunktiv I obligatorisch; es kann aber auch der Konjunktiv<br />
II verwendet werden:<br />
Das wäre die letzte Gelegenheit.<br />
Dies wäre sein fester Entschluss.<br />
Der Indikativ wird dann normgerecht, wenn sich der Sprecher/Schreiber mit<br />
dem Inhalt des Gesagten identifiziert.<br />
1.7.2.4 Nebensatzformen der indirekten Rede<br />
Die indirekte Rede steht in Form von eingeleiteten Nebensätzen (mit Endstellung<br />
des finiten Verbs) oder in Form von uneingeleiteten Nebensätzen (mit<br />
Zweitstellung des finiten Verbs). Einen Unterschied gibt es nach den Satzarten,<br />
in denen das finite Verb auftritt.<br />
(1) Der indirekte Aussagesatz ist als eingeleiteter oder uneingeleiteter Nebensatz<br />
möglich. Einleitungswort ist die Konjunktion dass:<br />
Sie sagte mir, dass sie sich einen neuen Pullover gekauft habe/hat.<br />
Sie sagte mir, sie habe sich einen neuen Pullover gekauft.<br />
(2) Der indirekte Fragesatz ist nur als eingeleiteter Nebensatz möglich. Einleitungswörter<br />
sind:
• Interrogativpronomina: wer, was, wessen, wem, wen<br />
• Interrogativadverbien: wie, wann, wo<br />
• die Konjunktion ob (bei der indirekten Entscheidungsfrage)<br />
Er fragte sie, wen sie gesehen habe.<br />
wann sie die Tante besucht habe.<br />
ob ihr Bruder sie besucht habe.<br />
(3) Der indirekte Aufforderungssatz ist in eingeleiteter oder uneingeleiteter<br />
Form möglich. Zur Unterscheidung zum Aussagesatz ist zusätzlich das Modalverb<br />
sollen oder mögen nötig. Einleitungswort ist ebenfalls die Konjunktion<br />
dass.<br />
Er bat ihn, dass er ihm das neue Buch geben möge/solle.<br />
Er bat ihn, er möge/solle ihm das neue Buch geben.<br />
b) Voluntativer Konjunktiv<br />
Der Konjunktiv I drückt Wünsche, Absichten, Ratschläge und Empfehlungen<br />
aus. Hier wird der Konjunktiv I besonders in der gehobenen Sprache gebraucht.<br />
Seine Verwendung ist heute veraltet und wird oft durch den Indikativ verdrängt:<br />
Koste es, was es wolle! Nech to stojí cokolvek!<br />
Er lebe hoch! Nech žije!<br />
Man nehme 250 g Mehl, 1 Ei und etwas Salz ... Zoberte 250 g masla, jedno vajce a trochu<br />
soli ...<br />
Möge Ihnen das Glück stets gewogen sein!<br />
c) Ausdruck des Vergleichs<br />
Durch den Konjunktiv I kann ein Vergleich in Komparativsätzen mit als ob<br />
ausgedrückt werden. Bedeutungsunterschiede zum Konjunktiv II und Indikativ<br />
sind kaum zu erkennen.<br />
Es war, als ob er ins Zimmer gegangen sei / wäre / ist.<br />
Mir war, als ob es geklingelt habe/hätte/hat.<br />
Hier ist auch eine uneingeleitete Form möglich:<br />
Es war, als sei ...<br />
Mir war, als habe ich ...<br />
1.7.2.5 Konjunktiv II<br />
a) irreales Konditionalgefüge<br />
Der Konjunktiv II (Konjunktiv Präteritum, Konjunktiv Perfekt ) signalisiert<br />
unerfüllte, unerfüllbare (irreale) Bedingungen. In dieser Funktion steht er im<br />
97
98<br />
Grammatik<br />
Haupt- und im Nebensatz und kann nicht durch den Konjunktiv I ersetzt werden:<br />
F<br />
Wenn ich mehr Geld hätte, könnte ich nach Paris reisen.<br />
Wenn es mehr Schnee gäbe, könnten wir rodeln.<br />
aber: Wenn es mehr Schnee gibt, können wir rodeln.<br />
Wenn du mehr geschlafen hättest, wärest du nicht so müde.<br />
Wird der Konjunktiv des Präteritums verwendet, ist der dadurch ausgedrückte<br />
Bedingungszusammenhang auf die Gegenwart und Zukunft bezogen:<br />
Wenn er käme, könnten wir zusammen ins Kino gehen.<br />
Wird der Konjunktiv des Plusquamperfekts verwendet, wird der Bedingungszusammenhang<br />
auf die Vergangenheit bezogen:<br />
Ich wäre (beinahe) fast zu spät gekommen. Takmer by som bol prišiel neskoro.<br />
Wer hätte nicht gern an dieser Tagung teilgenommen? Kto by sa nebol rád zúcastnil na<br />
tejto konferencii.<br />
Das hätte sie nicht sagen sollen. To nemala hovorit.<br />
b) indirekte Rede<br />
Der Konjunktiv II – ebenso wie der Konjunktiv I – kann in indirekter Rede<br />
verwendet werden. Hier drückt er eine gewisse Distanz zum Gesagten aus:<br />
Er sagte mir, sein Freund wäre/sei/ist nicht gesund.<br />
Der Diktator sagte, er wäre/sei/ist für den Frieden.<br />
(Der Konjunktiv II wird hier nur umgangssprachlich verwendet. Schriftsprachlich<br />
wird er nur als Ersatz für Konjunktiv I-Formen, die mit dem Indikativ identisch<br />
sind, verwendet.)<br />
c) irrealer Vergleich<br />
Der Konjunktiv II kann einen (meistens irrealen) Vergleich oder eine Folge<br />
ausdrücken:<br />
Es scheint, als ob er Recht gehabt hätte.<br />
Konjunktiv I in der Schriftsprache: ..., als ob er Recht gehabt habe.<br />
Mir war, als hätte ich etwas Wichtiges verloren.<br />
Hier steht Konjunktiv II, da Konjunktiv I (habe ich) mit dem Indikativ identisch<br />
ist.
1.7.2.6 Konjunktiv und Zeitbedeutung<br />
Die Konjunktivformen haben nicht die gleichen temporalen Bedeutungen wie<br />
die entsprechenden Formen des Indikativs. Durch den Konjunktiv II werden<br />
Unterschiede zwischen Präsens, Perfekt und Präteritum – Plusquamperfekt,<br />
zwischen »Ve rlauf« und »Abschluss« des dargestellten Sachverhaltes (Ge -<br />
schehens, Prozesses) ausgedrückt:<br />
Wenn er heute zu uns käme.<br />
Wenn ich mehr Geld hätte, könnte ich einen<br />
Opel kaufen.<br />
Er benahm sich, als befinde/befände er<br />
sich auf einem fremden Planeten.<br />
Er benahm sich, als sei/wäre er auf einen<br />
neuen Planeten geraten.<br />
Wenn er Zeit hätte, ginge er spazieren.<br />
Wenn er Zeit gehabt hätte, wäre er spazieren<br />
gegangen.<br />
1.7.3 Der Imperativ<br />
[zukunftsbezogen]<br />
[bezogen auf die Gegenwart]<br />
[Gleichzeitigkeit gegenüber dem<br />
Hauptsatzgeschehen]<br />
[Vorzeitigkeit gegenüber dem<br />
Hauptsatzgeschehen]<br />
[Gegenwart, Realisierbarkeit des<br />
bedingten Geschehens]<br />
[Vergangenheit; drückt nicht-realisiertes<br />
bedingtes Geschehen aus.]<br />
Der Imperativ (Befehlsform) dient zum Ausdruck von Aufforderungen (Bitten,<br />
Ratschlägen, Empfehlungen, Appellen, Aufrufen, Weisungen, Verboten u.a.).<br />
Der Imperativ tritt nur in der 2. Person Singular und Plural, in der 1. Person<br />
Plural und in der Höflichkeitsform (3. Person Plural) auf.<br />
Der Imperativ bei schwachen Verben:<br />
1.<br />
2.<br />
3.<br />
Singular<br />
such(e)!<br />
arbeite!<br />
Plural<br />
suchen wir!<br />
sucht!<br />
suchen Sie!<br />
Der Imperativ bei starken Verben:<br />
1.<br />
2.<br />
3.<br />
Singular<br />
komm!<br />
nimm!<br />
Plural<br />
kommen wir!<br />
kommt!<br />
kommen Sie!<br />
arbeiten wir!<br />
arbeitet!<br />
arbeiten Sie!<br />
nehmen wir!<br />
nehmt!<br />
nehmen Sie!<br />
Bei den unregelmäßigen Verben ändert sich der Stammvokal e auf i. Im heutigen<br />
Sprachgebrauch stehen nebeneinander oft zwei konkurrierende Formen.<br />
Vgl.:<br />
99
100<br />
Grammatik<br />
lesen:<br />
helfen:<br />
u.a.<br />
lies!<br />
hilf!<br />
lese!<br />
helfe!<br />
In der gesprochenen Sprache wird die Endung -e in zweiter Person Singular<br />
ausgelassen (trag(e), lauf(e)). Nach -eln, -ern, -ig und nach gewissen schwer<br />
aussprechbaren Konsonanten ist aber das -e obligatorisch:<br />
lächeln: lächle; angeln: angle<br />
meckern: meck(e)re; stochern: stochere<br />
beendigen: beendige; beleidigen: beleidige<br />
atmen: atme; umarmen: umarme; wachsen: wachse; zeichnen: zeichne<br />
Nach -d, -t sowie nach Reibelauten (nicht aber nach Zischlauten und -s) endet<br />
die Imperativform ebenfalls auf -e:<br />
arbeiten: arbeite; bieten: biete; laden: lade; reden: rede<br />
lachen: lach(e); streifen: streife<br />
Außer dem Imperativ können auch andere Sprachmittel zum Ausdruck einer<br />
Aufforderung dienen:<br />
Präsens Indikativ: Hans sagt uns den Namen dieses Vogels! Du bleibst hier!<br />
Futur I:<br />
Du wirst heute aber lernen!<br />
Infinitiv:<br />
Gut aufpassen! Lauter sprechen!<br />
Partizip II<br />
Stillgestanden! Aufgepasst!<br />
Einige Wörter: Achtung! Ruhe! Vorwärts! Los! Zurück!<br />
Einige Modalverben:<br />
wollen<br />
sollen<br />
1.8 Genus verbi<br />
Wir wollen jetzt kurz ein anderes Problem berühren.<br />
Du sollst früh zu Bett gehen.<br />
Wir sollten seine Worte ernst nehmen.<br />
Genus verbi („Geschlecht“ des Verbs) ist eine grammatische Kategorie des<br />
Verbs, die sich in zwei grammatischen Mitteln realisieren kann: dem Aktiv und<br />
dem Passiv. Sie ermöglicht es dem Sprecher, einen Sachverhalt als agensbezogen<br />
(täterbezogen) oder nicht-agensbezogen (nichttäterbezogen) darzustellen.<br />
Alle Verben können im Aktiv auftreten. Eine Passivbildung ist nur etwa bei<br />
50 % der deutschen Verben möglich. Die sprachliche Darstellung im Aktivsatz<br />
ist im Allgemeinen täterbezogen. Im Aktivsatz wird der Urheber der Handlung<br />
genannt und als grammatisches Subjekt manifestiert. „Den Kernbestand der<br />
passivfähigen Verben bilden jene transitiven Verben, die semantisch agensbewirkte,<br />
übergreifende Handlungen bezeichnen.“ (Somme r-<br />
feldt/Starke 1988: 94)
Um das Wesen des Genus verbi übersichtlich zu erfassen, lassen sich Aktiv und<br />
Passiv oppositionell gegenüberstellen. Einem typischen Satz liegt eine Agens-<br />
Patiens-Ralation zugrunde, die durch drei semantische Kategorien gekennzeichnet<br />
ist (vgl. ebenda):<br />
einen Prozess (Tätigkeit – zielgerichtet)<br />
ein Agens (Täter, Bewirker, Quelle einer Handlung)<br />
und ein Patiens (Antreffpunkt einer Handlung, passivischer Pol<br />
der Tätigkeitsrelation)<br />
Aktiv<br />
Die Jury überreicht dem Künstler den Preis.<br />
werden-Passiv Dem Künstler wird der Preis von der Jury überreicht.<br />
sein-Passiv<br />
Dem Künstler ist der Preis überreicht.<br />
bekommen-Passiv Der Künstler bekommt den Preis überreicht.<br />
Den grammatischen Rollenaustausch können wir vereinfacht darstellen:<br />
Aktiv:<br />
Passiv<br />
1.8.1 Aktiv<br />
Agens Prozess Patiens<br />
Subjekt Verb Akkusativobjekt<br />
im Nominativ<br />
Subjekt Verb fakultatives<br />
im Nominativ<br />
Präpositionalobjekt<br />
Das Aktiv ist das Grundgenus. Die Darstellung eines Geschehens ist im Aktiv<br />
im Allgemeinen agensbezogen. Im Aktiv wird der Täter genannt und durch das<br />
syntaktische Subjekt repräsentiert.<br />
Ich lese den Roman.<br />
Das Wasser fließt schnell.<br />
Ich wohne in Nitra.<br />
[Handlung, Tätigkeit]<br />
[Vorgang]<br />
[Zustand]<br />
Aktive Verben können auch in Sätzen ohne Subjekt auftreten:<br />
Mir ist schlecht.<br />
Mich fröstelt.<br />
Mich schwindelt.<br />
Im Aktiv können auch nichtagensbezogene Sachverhaltsbezeichnungen dargestellt<br />
werden:<br />
Das Glas zerbricht.<br />
Die Wäsche trocknet.<br />
101
102<br />
Grammatik<br />
1.8.2 Passiv<br />
Im Passiv bezeichnet das Subjekt des Satzes in der Regel die Person oder den<br />
Gegenstand, auf den das Geschehen (die Handlung) gerichtet ist:<br />
Der Sohn wird vom Vater gelobt.<br />
Das Geschäft ist/war heute den ganzen Tag geöffnet.<br />
Nach der Zahl der Glieder unterscheidet man:<br />
• eingliedrige Passivkonstruktionen<br />
• zweigliedrige Passivkonstruktionen<br />
• dreigliedrige Passivkonstruktionen<br />
1.8.2.1 Eingliedrige Passivkonstruktion<br />
Die eingliedrige Passivkonstruktion besteht aus der Passivform des Verbs und<br />
aus dem unpersönlichen es als formalem syntaktischem Subjekt.<br />
Es wird gesungen.<br />
Es wird getanzt.<br />
1.8.2.2 Zweigliedrige Passivkonstruktion<br />
Die zweigliedrige Passivkonstruktion besteht aus der Passivform des Verbs und<br />
einem Subjekt. Dieses Subjekt ist substituierbar, d.h. es kann durch ein Substantiv<br />
oder Pronomen ausgedrückt werden. Hier spricht man von persönlichem<br />
Passiv mit Angabe des Agens.<br />
Ich werde gerufen<br />
Du bist gerufen worden<br />
Er war gerufen worden<br />
som volaný<br />
bol si volaný<br />
bol býval [za]volaný<br />
1.8.2.3 Dreigliedrige Passivkonstruktion<br />
Die dreigliedrige Passivkonstruktion enthält eine passive Verbform, ein substituierbares<br />
syntaktisches Subjekt und ein durch Präposition (von oder durch) angeschlossenes<br />
Agens. Es ist ein persönliches Passiv ohne Angabe des Agens.<br />
Er wird vom Lehrer gelobt.<br />
Der Schüler wird vom Lehrer gelobt.<br />
Passivkonstruktionen, die aus dem Aktiv abgeleitet werden:<br />
Der Schüler schreibt die Aufgabe.<br />
Die Aufgabe wird (von dem Schüler) geschrieben.<br />
Der Sohn hilft dem Vater.<br />
Dem Vater wird (von dem Sohn) geholfen.
Agensergänzungen (als Satzglied) werden im Passiv durch Präpositionalobjekte<br />
ausgedrückt. Nach K.-E. SOMMERFELDTs Angaben wird die Mehrzahl der<br />
Fälle (75 %) mit der Präposition von anges chlossen, zu etwa 25 % wird die<br />
Präposition durch gebraucht.<br />
Bei der Transformation eines Aktivsatzes in einen Passivsatz gelten für die<br />
Ergänzungen folgende Regeln.<br />
1) Akkusativobjekt wird zu Nominativ<br />
Man meldete den Besuch.<br />
→ Der Besuch wurde gemeldet.<br />
Es wurde der Besuch gemeldet.<br />
2) Dativobjekt bleibt Dativobjekt<br />
Er schmeichelte ihr.<br />
→ Ihr wurde (von ihm) geschmeichelt.<br />
Es wurde ihr (von ihm) geschmeichelt.<br />
3) Genitivobjekt bleibt Genitivobjekt<br />
Er gedachte des Verstorbenen.<br />
→ Des Verstorbenen wurde (von ihm) gedacht.<br />
Es wurde (von ihm) des Verstorbenen gedacht.<br />
4) Präpositionalobjekt bleibt Präpositionalobjekt<br />
Er wartete auf die Gäste.<br />
→ Auf die Gäste wurde (von ihm) gewartet.<br />
Es wurde auf die Gäste (von ihm) gewartet.<br />
5) Nominativ wird durch von + Dativ oder durch + Akkusativ ersetzt:<br />
Die Erde wird durch die Sonne erwärmt,<br />
Der Anschlag wurde von Terroristen verübt.<br />
6) Am Satzanfang wird das unpersönliche Subjekt man durch es ersetzt oder<br />
entfällt völlig:<br />
Man glaubt mir nicht.<br />
→ Es wird mir nicht geglaubt.<br />
Oft wird mir nicht geglaubt.<br />
1.8.3 Tempusformen des Aktivs und Passivs<br />
Präsens<br />
Aktiv<br />
der Lehrer fragt mich<br />
Passiv<br />
ich werde vom Lehrer gefragt<br />
103
104<br />
Grammatik<br />
der Lehrer fragt dich<br />
der Lehrer fragt ihn (sie, es)<br />
der Lehrer fragt uns<br />
der Lehrer fragt euch<br />
der Lehrer fragt sie<br />
Präteritum<br />
der Lehrer fragte mich<br />
der Lehrer fragte dich<br />
der Lehrer fragte ihn/sie<br />
der Lehrer fragte uns<br />
der Lehrer fragte euch<br />
der Lehrer fragte sie<br />
Perfekt<br />
der Lehrer hat mich gefragt<br />
der Lehrer hat dich gefragt<br />
der Lehrer hat ihn/sie gefragt<br />
der Lehrer hat uns gefragt<br />
der Lehrer hat euch gefragt<br />
der Lehrer hat sie gefragt<br />
Plusquamperfekt<br />
du wirst vom Lehrer gefragt<br />
er (sie, es) wird vom Lehrer gefragt<br />
wir werden vom Lehrer gefragt<br />
ihr werdet vom Lehrer gefragt<br />
sie werden vom Lehrer gefragt<br />
ich wurde vom Lehrer gefragt<br />
du wurdest vom Lehrer gefragt<br />
er/sie wurde vom Lehrer gefragt<br />
wir wurden vom Lehrer gefragt<br />
ihr wurdet vom Lehrer gefragt<br />
sie wurden vom Lehrer gefragt<br />
ich bin vom Lehrer gefragt worden<br />
du bist vom Lehrer gefragt worden<br />
er/sie ist vom Lehrer gefragt worden<br />
wir sind vom Lehrer gefragt worden<br />
ihr seid vom Lehrer gefragt worden<br />
sie sind vom Lehrer gefragt worden<br />
der Lehrer hatte mich gefragt ich war vom Lehrer gefragt worden<br />
der Lehrer hatte dich gefragt du warst vom Lehrer gefragt worden<br />
der Lehrer hatte ihn/sie gefragt er/sie war vom Lehrer gefragt<br />
worden<br />
der Lehrer hatte uns gefragt wir waren vom Lehrer gefragt<br />
worden<br />
der Lehrer hatte euch gefragt ihr wart vom Lehrer gefragt worden<br />
der Lehrer hatte sie gefragt sie waren vom Lehrer gefragt<br />
worden<br />
Futur I<br />
der Lehrer wird mich fragen<br />
der Lehrer wird dich fragen<br />
der Lehrer wird ihn/sie fragen<br />
usw.<br />
ich werde vom Lehrer gefragt werden<br />
du wirst vom Lehrer gefragt werden<br />
er/sie wird vom Lehrer gefragt werden
105<br />
Futur II<br />
der Lehrer wird mich gefragt haben<br />
der Lehrer wird dich gefragt haben<br />
usw.<br />
ich werde vom Lehrer gefragt worden sein<br />
du wirst vom Lehrer gefragt worden sein<br />
1.8.3.1 Vorgangspassiv<br />
Die durch werden + Partizip II gebildete Passivform bezeichnet meist etwas<br />
Prozessuales:<br />
Das Fleisch wird gebraten.<br />
Das Fenster wird (jetzt) geöffnet.<br />
1.8.3.2 Zustandspassiv<br />
Das Zustandspassiv dient zur Bezeichnung von Zuständen:<br />
Das Fenster war (den ganzen Tag) geöffnet.<br />
Das Geschäft ist heute geöffnet.<br />
Überblick über das Zustandspassiv in allen Tempora im Singular und Plural<br />
I. sein II. war III. ist gewesen<br />
I. aufbauen II. baute auf III. hat aufgebaut<br />
Präsens<br />
Perfekt<br />
Das Haus ist aufgebaut.<br />
Die Häuser sind aufgebaut.<br />
Das Haus ist aufgebaut gewesen.<br />
Die Häuser sind aufgebaut gewesen.<br />
Präteritum<br />
Das Haus war aufgebaut.<br />
Die Häuser waren aufgebaut.<br />
Futur I<br />
Das Haus wird aufgebaut sein.<br />
Die Häuser werden aufgebaut sein.<br />
Infinitiv I Passiv<br />
aufgebaut sein<br />
Plusquamperfekt<br />
Das Haus war aufgebaut gewesen.<br />
Die Häuser waren aufgebaut gewesen.<br />
Futur II<br />
Das Haus wird aufgebaut gewesen sein.<br />
Die Häuser werden aufgebaut gewesen sein.<br />
Infinitiv II Passiv (Infinitiv Perfekt Passiv)<br />
aufgebaut gewesen sein<br />
1.8.4 Umschreibung des Passivs<br />
Im Deutschen gibt es eine Reihe von Konstruktionen, die zum Vorgangspassiv<br />
in paradigmatischen Beziehungen stehen, durch die das Vorgangspassiv ersetzt<br />
werden kann.
106<br />
Grammatik<br />
1.8.4.1 Umschreibung des Passivs ohne modale Nuancierung<br />
Durch das Indefinitpronomen man:<br />
Man hat uns diesen Brief geschickt. (Dieser Brief ist uns geschickt worden.)<br />
Durch Konstruktionen mit reflexiven Ve rben bei nichtpersonalem Subjekt:<br />
Die Tür öffnet sich. (Die Tür wird geöffnet.)<br />
Der Schlüssel findet sich. (Der Schlüssel wird gefunden.)<br />
Durch Funktionsverbgefüge:<br />
der Werkstoff kommt zur Anwendung.<br />
das Gefüge erfährt eine Veränderung.<br />
der Betrag kam/gelangte zur Auszahlung.<br />
Der neue Roman hat Anerkennung gefunden.<br />
Durch bekommen, erhalten, kriegen + Partizip II :<br />
das bekommt er ausgezahlt<br />
ich habe es geschenkt bekommen<br />
die Parzelle bekommt er zugewiesen<br />
Er bekommt/erhält/kriegt das Buch ausgehändigt<br />
wir erhielten es soeben mitgeteilt<br />
(= wird angewendet)<br />
(= wird verändert)<br />
(= wurde ausgezahlt)<br />
= Der neue Roman ist anerkannt<br />
worden.<br />
(= das wurde ihm ausgezahlt)<br />
(= es wurde mir geschenkt)<br />
(= sie wird ihm zugewiesen)<br />
(= Das Buch wird ihm ausgehändigt)<br />
(= uns wurde es soeben mitgeteilt)<br />
1.8.4.2 Umschreibung des Passivs mit modaler Nuancierung<br />
Konstruktionen mit sein + zu + Infinitiv :<br />
Sie können durch Passivkonstruktionen und die Modalwörter können, mögen,<br />
sollen ersetzt werden:<br />
Der Anzug ist noch zu reinigen.<br />
Die Fragen sind noch heute zu beantworten.<br />
Modalitätsverben bleiben, gehen, stehen, sich lassen :<br />
(= Der Anzug muss/kann noch gereinigt<br />
werden.)<br />
(= Die Fragen müssen noch heute beantwortet<br />
werden.)<br />
Der Brief bleibt noch zu beantworten.<br />
Das Schloss steht/ist nicht mehr zu reparieren.<br />
Das steht zu befürchten.<br />
(= muss beantwortet werden.)<br />
(= kann nicht mehr repariert we r-<br />
den.)<br />
(= muss befürchtet werden.)
107<br />
die Konstruktion es gibt + zu + Infinitiv :<br />
Bei uns gibt es viel Interessantes zu sehen.<br />
die Konstruktion sich lassen + Infinitiv :<br />
Der Kaffee lässt sich nicht trinken.<br />
Der Anzug lässt sich noch reinigen.<br />
(= kann viel Interessantes gesehen werden.)<br />
(= kann nicht getrunken werden)<br />
(= kann noch gereinigt werden)<br />
Reflexive Verbausdrücke können anstelle des Passivs verwendet werden<br />
Der Schlüssel hat sich gefunden.<br />
Die Tasche trägt sich schlecht.<br />
Das Holz sägt sich gut.<br />
1.8.4.3 Einschränkungen der Passivfähigkeit<br />
(= Der Schlüssel wurde gefunden.)<br />
(= Die Tasche lässt sich schlecht<br />
tragen)<br />
(= lässt sich gut sägen)<br />
Verben des Habens: bekommen, besitzen, enthalten, erhalten, haben, kriegen,<br />
verfügen über etwas u.a.<br />
*Das wurde von mir bekommen.<br />
sondern: Das habe ich bekommen.<br />
Auch Verben, die materiellen oder geistigen Besitz bezeichnen, bilden gewöhnlich<br />
kein Passiv:<br />
(?) Mehr als die Hälfte des Bestandes wird von der deutschen Telekom besessen.<br />
besser: Der Bestand gehört der deutschen Telekom.<br />
Der Bestand ist im Besitz der deutschen Telekom.<br />
Hier kommt das Passiv nur gelegentlich vor:<br />
Am häufigsten werden Hüte und Taschen verloren (besser: gehen verloren).<br />
Ein Passiv ist immer da möglich, wo das Zustandekommen oder Aufhören der<br />
Besitzverhältnisse eine aktive Handlung ist:<br />
Hier werden die meisten Fleischwaren verkauft.<br />
Ihm wurde diese Auszeichnung verliehen.<br />
Modalverben, sowie Verben, die den Besitz von Kenntnissen oder Fähigkeiten<br />
bezeichnen, bilden in der Regel kein Passiv:<br />
*Das wird von ihm gekonnt/gewusst/beherrscht<br />
sondern: Er kann/weiß/beherrscht das.
108<br />
Grammatik<br />
Passivformen kommen oft nur in der psychologischen und pädagogischen Literatur<br />
vor:<br />
Diese Regeln werden von den meisten Schülern gekonnt/ gewusst / beherrscht.<br />
Üblich ist das Passiv bei Verben, die geistige Handlungen bezeichnen:<br />
Das wird erraten / vermutet / gedacht / überlegt.<br />
Es darf wieder gedacht werden. (Die Zeit)<br />
F<br />
In Sätzen, in denen Tiere oder Gegenstände als Urheber des Geschehens erscheinen,<br />
darf kein Passiv stehen:<br />
*Dort wird jedes Jahr von demselben Storchenpaar gebrütet.<br />
sondern: Dort brütet jedes Jahr dasselbe Storchenpaar.<br />
*Im Frühjahr wird von dem Fluss über die Ufer getreten<br />
sondern: im Frühjahr tritt der Fluss über die Ufer.<br />
Zu vermeiden ist das Passiv dann, wenn der Passivsatz missverständlich ist:<br />
(?) Von Anja wird schnell geschrieben.<br />
Der Satz ist doppeldeutig: a) Anja schreibt schnell.<br />
b) Über Anja schreibt man schnell.<br />
Reflexive Verben bilden gewöhnlich kein Passiv:<br />
*Er wird von sich gewaschen.<br />
sondern: Er wäscht sich.<br />
aber: Das Kind wird von der Mutter gründlich gewaschen.<br />
*Meist wird sich vor durchgreifenden Maßnahmen gescheut.<br />
richtig: Meist scheut man sich vor durchgreifenden Maßnahmen.<br />
1.9 Valenzklassen des Verbs<br />
Unter syntaktischer Valenz versteht man die Fähigkeit des Verbs (sowie des<br />
Substantivs und des Adjektivs), bestimmte Leerstellen um sich herum zu eröffnen,<br />
die besetzt werden können oder müssen. Man geht von der Annahme aus,<br />
dass es im Satz Elemente gibt, die andere Elemente regieren, sowie auch solche,<br />
die regiert werden. Das regierende Element heißt Regens (im Plural: Regentien)<br />
oder Valenzträger, das regierte (untergeordnete) Element heißt Dependens<br />
(im Plural: Dependentien) oder Valenzpartner. Da der Satz hiera r-<br />
chisch aufgebaut ist, kann ein Dependens ebenfalls weitere Elemente regieren.<br />
Die vom Regens direkt oder indirekt regierten Elemente nennt man Satelliten.<br />
Die vom Dependens (Valenzträger) abgängigen Satzglieder nennt U. ENGEL<br />
Ergänzungen, G. HELBIG und K.-E. SOMMERFELDT Aktanten, die IDS-<br />
Grammatik Kompl emente.
Valenzklassen basieren auf der lexikalischen Bedeutung der Verbstämme,<br />
berücksichtigen aber auch syntaktische Merkmale. Valenzmäßig kann man die<br />
Verben danach einteilen,<br />
a) wie viele Ergänzungen (Aktanten, Mitspieler, Komplemente) sie an sich<br />
binden,<br />
b) ob es sich dabei um obligatorische oder fakultative Ergänzungen handelt,<br />
sowie<br />
c) nach ihrer syntaktischen Rolle bzw. morphologischen Gestalt.<br />
Stark vereinfacht können wir folgende Valenzklassen aufstellen:<br />
1) Verben ohne Ergänzungen (avalente Verben) sind z.B. die Witterungsverben:<br />
Es blitzt. Es schneit. Es regnet.<br />
2) Verben mit einer obligatorischen Ergänzung (monovalente Verben):<br />
Sn – V<br />
Die Pflanze geht ein.<br />
Das Kind schläft.<br />
3) Verben mit einer obligatorischen und einer fakultativen Ergänzung (bivalente<br />
Verben):<br />
Sn – V – /Sa/<br />
Die Mutter kauft (Milch) ein.<br />
Mein Freund liest (ein Buch).<br />
Sn – V – /pS/<br />
Er flucht über die Arbeitsbummelanten.<br />
Sn – V – /NS/<br />
Er ärgert sich (darüber), dass er sie nicht getroffen hat.<br />
4) Verben mit zwei obligatorischen Ergänzungen:<br />
Sn – V – pS<br />
Der Dozent verweist auf das neue Buch.<br />
Der Vater denkt an seinen Sohn.<br />
Sn – V – Sa<br />
Der Fleischer wiegt die Wurst.<br />
Der Lehrstuhl braucht einen neuen Mitarbeiter.<br />
109
110<br />
Grammatik<br />
Sn – V – Adj<br />
Mein Freund denkt praktisch.<br />
Er nimmt diese Idee wichtig.<br />
Sn – V – NS/Inf<br />
Der Arzt meint, dass er den Kranken retten kann.<br />
Der Arzt meint, das Kind retten zu können.<br />
5) Verben mit zwei obligatorischen und einer fakultativen Ergänzung (trivalente<br />
Verben):<br />
S n – V – /S d / – S a<br />
Die Schüler beantworten (dem Lehrer) die Fragen.<br />
Der Lehrer erzählt (den Kindern) eine Geschichte.<br />
6) Verben mit drei obligatorischen Ergänzungen:<br />
S n – V- S a – pS<br />
Der Polizist hindert den Einbrecher an der Flucht.<br />
Mutter stellt den Stuhl in die Ecke.<br />
Der Lehrer widmet der Klasse viel Zeit.<br />
Die Sememe (lexikalisch-semantische Varianten) eines Verbs können unterschiedlichen<br />
Klassen angehören:<br />
Der Besucher nennt seinen Namen.<br />
Der Meister nennt seine Kollegin<br />
eine gute Hausfrau.<br />
1.10 Rektion der Verben<br />
- 2 obligatorische Ergänzungen<br />
- 3 obligatorische Ergänzungen<br />
Unter Rektion der Verben verstehen wir ihre Fähigkeit, ein von ihnen abhängiges<br />
Glied (Substantiv oder Pronomen) in einem bestimmten Kasus zu fordern.<br />
Der von der Rektion geforderte Kasus heißt Casus obliquus (abhängiger Kasus).<br />
Der von der Rektion unabhängige Kasus, der Subjektsnominativ, ist der<br />
Casus rectus, der unabhängige Kasus. Manche Verben können auch zwei verschiedene<br />
Kasus regieren.<br />
1.10.1 Verben mit dem Akkusativ<br />
1. Die meisten Verben werden mit dem Akkusativ gebraucht:<br />
Er baut ein Haus. Wir bitten unseren Nachbarn.<br />
Er pflanzt einen Baum. Ich liebe meine Geschwister.<br />
Der Bauer pflügt den Acker. Der Professor lobt den Studenten.
Ich erreiche mein Ziel. Sie kennen die Probleme.<br />
2. Einige unpersönliche Verben: Diese Verben haben das unpersönliche Subjekt<br />
es und ein Akkusativobjekt, meist ein Akkusativpronomen. Es folgt<br />
meistens ein dass-Satz oder eine Infinitivkonstruktion.<br />
Es ärgert mich, dass ... Es langweilt den Schüler, dass ...<br />
Es beleidigt uns, dass ... Es macht mich froh (traurig, fertig), dass ...<br />
Es beunruhigt ihn, dass ... Es stößt mich ab, dass ...<br />
Es erschreckt mich, dass ... Es wundert mich, dass ...<br />
Es freut den Kunden, dass ...<br />
usw.<br />
3. Die meisten Verben, besonders mit den untrennbaren Vorsilben be-, ver-,<br />
zer-:<br />
Er bekommt die Stellung nicht. Wir verstehen dich nicht.<br />
Wir besuchen unsere Freunde. Er zerreißt die Rechnung.<br />
Er bereiste viele Länder. Der Sturm zerbrach die Fenster.<br />
Sie verließ das Zimmer. usw.<br />
4. Die Wendung es gibt und haben als Vollverb:<br />
Es gibt keinen Beweis dafür. Wir haben einen Garten.<br />
Es gibt heute nichts zu essen. Er hatte das beste Zeugnis.<br />
Die folgende Liste enthält die gebräuchlichsten Verben mit A kkusativobjekt:<br />
Nach den untrennbaren Vorsilben be-, er- und zer- steht im Deutschen ein Akkusativobjekt.<br />
be- beachten dbat na<br />
beantworten<br />
odpovedat na, zodpovedat co<br />
begehen<br />
dopustit sa coho<br />
behandeln<br />
zapodievat sa cím<br />
beneiden jdn um etw. závidiet komu co<br />
beraten<br />
poradit komu<br />
berühren<br />
dotknút sa coho<br />
besprechen<br />
hovorit o com<br />
betreffen<br />
týkat sa koho/co<br />
betreten<br />
vstúpit do coho<br />
er- ergreifen chopit sa coho<br />
ersteigen<br />
vystúpit na co<br />
erstreben<br />
usilovat sa o co<br />
ver- verachten pohrdat kým, cím<br />
verdanken etw. jdm<br />
vdacit komu za co<br />
111
112<br />
Grammatik<br />
verhindern<br />
vermeiden<br />
verstehen<br />
zabránit comu<br />
vyhýbat sa komu/comu<br />
rozumiet komu/koho, co<br />
Einige Verben mit dem trennbaren Präfix verlangen im Deutschen ebenfalls ein<br />
Akkusativobjekt: jdn angehen. týkat sa koho/coho, jdn anrufen zavolat/zatelefonovat<br />
komu , etwas anrühren dotýkat sa coho, jdn ansehen, anschauen dívat<br />
sa na koho, etwas anstreben usilovat sa o co u.a.<br />
Stoffnamen stehen im Deutschen im Akkusativ. Im Slowakischen steht hier der Genitivus<br />
partitivus: Hol Wasser und Holz! Prines vody a dreva!<br />
Nach vielen Bewegungsverben steht im Slowakischen der Instrumental: den Kopf<br />
bewegen/drehen pohybovat/krútit hlavou; Er hat für ihn keinen Finger gerührt. Nepohol<br />
pre neho ani prstom; Speer/Diskus werfen hádzat oštep(om), disk(om).<br />
Unterschiede gibt es nach sog. subjektlosen Verben:<br />
es friert mich, mich friert<br />
es gibt keinen anderen Weg<br />
es schaudert mich/mir<br />
es schwindelt mich/mir<br />
es/das wundert mich<br />
je mi zima<br />
niet inej cesty<br />
trasiem sa hrôzou, od hrôzy<br />
mám závrat<br />
tomu sa divím<br />
Es gibt eine Reihe von Verben mit dem Akkusativobjekt, ihre slowakischen<br />
Entsprechungen werden durch andere Mittel gebildet. Hier nur einige Beispiele:<br />
abholen, jdn<br />
aufgeben<br />
fortsetzen<br />
fragen, jdn nach etwas<br />
fürchten<br />
gestehen<br />
glauben<br />
heiraten, jdn<br />
spielen (Klavier)<br />
überqueren<br />
vergessen<br />
1.10.2 Verben mit dem Dativ<br />
íst po koho<br />
vzdat sa koho/coho<br />
pokracovat v com<br />
pýtat sa koho na co<br />
bát sa koho/coho<br />
priznat sa k comu<br />
verit comu<br />
oženit sa/vydat sa za koho<br />
hrat na (klavír)<br />
prejst cez co<br />
zabudnút na co/co<br />
Die folgende Liste enthält die gebräuchlichsten Verben mit dem Dativ:<br />
ähneln podobat sa na Sie ähnelt ihrer Mutter sehr.<br />
angehören byt príslušníkom Er gehört dieser Partei an.<br />
antworten odpovedat komu Antworte mir schnell!<br />
ausweichen vyhnút sa coho Er wich dem Auto aus.
efehlen rozkazovat Der Zöllner befiehlt dem Reisenden, den Koffer zu öffnen.<br />
begegnen stretnút (sa) s Er ist seiner Freundin begegnet.<br />
bevorstehen cakat, ocakávat Eine schwere Prüfung steht dem Stud enten noch bevor.<br />
danken dakovat Ich danke Ihnen herzlich für die Einladung.<br />
dienen slúžit Er dient diesem Herrn.<br />
drohen hrozit, vyhrážat Dem Staat droht die Inflation.<br />
einfallen príst na um Was fällt dir ein? Der Name fällt mir nicht ein.<br />
entgegengehen íst oproti Er geht seinem Gast freundlich entgegen.<br />
entgegnen odvetit, odpovedat<br />
Der Minister entgegnete dem Journalisten, dass ...<br />
entsagen zriect sa coho Du musst deinen hohen Ansprüchen entsagen.<br />
entsprechen vyhoviet Wir können deinem Wunsch entsprechen.<br />
erwidern odvetit Ich erwiderte dem Richter, dass ...<br />
folgen nasledovat koho Du solltest deinem Freund folgen.<br />
gefallen pácit sa Das Mädchen gefällt dem Jungen.<br />
gehören patrit Wem gehört dieses Heft?<br />
gelingen podarit sa Es ist ihm gelungen.<br />
genügen stacit Zwei Wochen Urlaub genügen mir nicht.<br />
gleichen podobat sa Das Kind gleicht dem Vater.<br />
gratulieren blahoželat Ich gratuliere Ihnen herzlich zum Geburtstag.<br />
helfen pomôct Das Mädchen hilft der Mutter. Darf ich Ihnen in den Mantel/aus<br />
dem Mantel helfen?<br />
missfallen nepácit sa Der neue Film hat den Kritikern missfallen.<br />
misslingen nepodarit sa Der Versuch ist dem Chemiker misslungen.<br />
nähern, sich priblížit sa Der Wagen näherte sich der Unfallstelle.<br />
nützen<br />
osožit, prospievat<br />
Der Rat nützt ihm nicht viel.<br />
raten radit Ich habe ihm geraten, gesünder zu essen.<br />
schaden škodit Zigaretten schaden der Gesundheit.<br />
schmecken chutnat Schokoladeeis schmeckt allen Kindern.<br />
trauen dôverovat Er traut seinen Augen nicht.<br />
unterstehen byt podriadený Der Lehrstuhl soll dem Dekanat nicht unterstehen.<br />
vertrauen dôverovat Der Chef vertraut seiner Sekretärin.<br />
verzeihen odpustit Ich verzeihe dir.<br />
widersprechen odporovat Ich habe ihm sofort widersprochen.<br />
113<br />
Mit dem Dativ stehen viele Verben mit den trennbaren Vorsilben an-, bei-, nach-,<br />
vor- und zu-: sich jdm anschließen pridat sa ku komu; einer Veranstaltung beiwohnen<br />
zúcastnit sa na podujatí, jdm beistehen podporovat koho, jdm/einer Sache beistimmen<br />
súhlasit s cím, einer Partei/Organisation beitreten vstúpit do nejakej strany/organizácie,<br />
die Unterlagen dem Gesuch beilegen priložit podklady k žiadosti,<br />
dem Chef beistimmen súhlasit so šéfom; dem Mädchen nachsehen/nachblicken dívat<br />
sa za dievcatom/po dievcati, jdm nacheilen/gehen/laufen u.a. ponáhlat sa/íst/ bežat<br />
za kým; einer Sache nachforschen pátrat po veci, jdm Übles nachreden ohovárat
114<br />
Grammatik<br />
koho, jdm nachrufen volat za kým, nachkommen (Er kommt seinen Verpflichtungen<br />
immer nach. Splní si vždy svoje povinnosti.) u.a.<br />
Nach Verben mit dem untrennbaren Präfix ent- steht häufig der Dativ: dem Gedächtnis<br />
entfallen vypadnút z pamäti, wir entnahmen seinen Worten, dass ... vyrozumeli<br />
sme z jeho slov, že ...<br />
Nach Verben mit dem trennbaren Präfix vor-: einer Krankheit vorbeugen predíst<br />
chorobe; Er steht diesem Amt vor. Je na cele úradu.; Ich ziehe einen guten Roman<br />
dem Film vor. Dávam prednost dobrému románu pred filmom. u.a.<br />
Mit Verben mit dem trennbaren Vorsilbe zu-: Der Verkäufer wendet sich dem neuen<br />
Kunden zu. Predavac sa obráti na zákazníka.; weiterhin die Verben jdm zugehen poslat,<br />
jdm zuhören pocúvat, jdm zureden prihovárat, jdm zusehen prizerat sa.<br />
1.10.3 Verben mit dem Dativ und Akkusativ<br />
Im Allgemeinen bezeichnet das Dativobjekt eine Person, das Akkusativobjekt<br />
eine Sache. Die folgenden Verben können mit dem Dativ- und mit dem Akkusativobjekt<br />
gebraucht werden. Oft steht allerdings nur das Akkusativobjekt:<br />
Er beantwortet dem Sohn die Frage.<br />
Er beantwortet die Frage.<br />
Die folgende Liste enthält die gebräuchlichsten Verben mit Dativ- und Akkusativobjekt.<br />
Es sind überwiegend Verben der Mitteilung, Verben des Gebens und<br />
Nehmens sowie einige reflexiv gebrauchte Verben:<br />
abgewöhnen odvyknút Mutter will dem Sohn das Rauchen abgewöhnen.<br />
Ansehen vidiet, dovidiet Man kann der alten Frau die schwere Krankheit ansehen.<br />
Anvertrauen zverit Er hat dem Lehrling die Werkstattschlüssel anvertraut.<br />
Aufdrängen<br />
nanútit, vnucovat<br />
sa<br />
Mit ihrer Macht über die Schulen wollen die Kultusminister<br />
den Deutschen eine unausgegorene Reform aufdrängen.<br />
(Welt)<br />
beantworten odpovedat Ich beantworte dir gern die Frage.<br />
beilegen,<br />
priložit<br />
Wir legen/fügen dem Brief die Rechnung bei.<br />
beifügen<br />
rozkazovat Man kann keinem Polizisten befehlen zu töten. (Tagesspiegel)<br />
befehlen<br />
beimessen pripisovat význam<br />
Wir messen der Gefahr keine Bedeutung bei.<br />
beweisen dokázat Er bewies dem Schüler den mathematischen Lehrsatz.<br />
bewilligen povolit Das Amt hat dem Ehepaar ein Kredit bewilligt.<br />
bieten poskytnút Ich bot ihm keinen Anlass zum Streit.<br />
borgen požicat Ich habe ihm das Buch geborgt, nicht geschenkt.
ingen priniest Er brachte mir einen Korb mit Äpfeln.<br />
empfehlen odporúcat Ich habe dem Reisenden ein gutes Hotel empfohlen.<br />
entfallen vypadnút z Es ist mir dem Gedächtnis entfallen.<br />
entgleiten vyklznut z Es ist mir den Händen entgleiten.<br />
entsagen zriect sa coho Er hat allem Glück entsagt.<br />
entnehmen vybrat; v yrozumiet<br />
Wir können deinen Worten keinen Sinn entnehmen.<br />
entwenden odcudzit Ein Unbekannter hat dem Gast die Brieftasche entwendet.<br />
entziehen odopriet, odnat Der Polizist entzog dem Fahrer den Führerschein.<br />
erlauben dovolit Wir erlauben den Schülern das Rauchen in den Pausen.<br />
eröffnen otvorit Er hat uns den Weg eröffnet.<br />
erzählen rozprávat Ich erzähle dir jetzt die ganze Geschichte.<br />
geben dat Er gab mir die Hand.<br />
gönnen žicit, dopriat Jetzt könnte sie sich/ihm Ruhe und Erholung gönnen.<br />
leihen požicat Er hat mir den Plattenspieler geliehen.<br />
liefern dodávat Die Fabrik liefert der Firma die Ware.<br />
mitteilen oznámit Er teilte mir die Geburt seines Sohnes mit.<br />
rauben kradnút Die Räuber raubten dem Boten das Geld.<br />
reichen podat Er reichte den Gästen die Hand.<br />
sagen povedat Ich sagte ihm deutlich meine Meinung.<br />
schenken darovat Ich schenke ihr ein paar Blumen.<br />
schicken poslat Meine Eltern haben mir ein Paket geschickt.<br />
schulden dlhovat Die Europäer schulden der Türkei Hilfe – vor allem aber<br />
Ehrlichkeit. (Welt)<br />
schreiben písat Er schrieb dem Chef einen unfreundlichen Brief.<br />
senden poslat Wir senden Ihnen anliegend die Antragsformulare.<br />
stehlen kradnút Unbekannte Täter haben dem Bauern zwölf Schafe gestohlen.<br />
übel nehmen zazlievat Einem Kranken darf man nichts übel nehmen.<br />
überlassen prenechat Er überließ mir während der Ferien seine Wohnung.<br />
unterbreiten predložit Er unterbreitete der Regierung einen Vorschlag.<br />
Untersagen zakázat Japan ist einer der wenigen Staaten, die eine Familienplanung<br />
mit der Pille untersagen. (Welt)<br />
unterziehen podrobit Man soll Bosnien einer internationalen Kontrolle unterziehen.<br />
verbieten zakázat Er hat seinem Sohn das Motorradfahren verboten.<br />
verleihen požicat, udelit Man verlieh dem Schriftsteller den Nobelpreis.<br />
Verschweigen zamlcat Der Angeklagte verschwieg dem Verteidiger die Wahrheit.<br />
versprechen slúbit Ich habe ihm 200 Mark versprochen.<br />
verweigern odmietat Die Firma verweigert den Angestellten das Urlaubsgeld.<br />
vorziehen uprednostnit Wir ziehen eine Diskussion dem Streit vor.<br />
115
116<br />
Grammatik<br />
wegnehmen zobrat spät Er hat mir die Schreibmaschine wieder weggenommen.<br />
zeigen ukázat Er zeigte dem Besucher seine Bildersammlung.<br />
zukommen lassen poskytnút, Wir lassen der Firma das neue Muster zukommen.<br />
poslat<br />
zumuten<br />
pripisovat, Das kannst du dem Präsidenten nicht zumuten.<br />
predpokladat<br />
zurechnen pripocítat Der Kaufmann hat dem Preis die Transportspesen zugerechnet.<br />
1.10.4 Verben mit zwei Akkusativobjekten<br />
Nur wenige Verben werden mit zwei Akkusativen gebraucht. Die wichtigsten<br />
sind: kosten, lehren, nennen, schelten, schimpfen.<br />
nennen nazvat, volat Ich nenne ihn Fritz.<br />
kosten stát Das Essen kostet mich 100 Mark.<br />
lehren ucit Er lehrt mich 4 das Lesen.<br />
schelten hrešit, nadávat Sie schilt ihn einen Faulpelz.<br />
schimpfen 5 nadávat Vater schimpfte den Jungen einen Feigling.<br />
1.10.5 Verben mit Akkusativ- und Genitivobjekt<br />
Zu dieser Gruppe gehören die Verben des Rechtes und die Verben des besonderen<br />
Sagens:<br />
anklagen obžalovat Man klagt ihn des Meineids an.<br />
berauben okradnút Der Dieb beraubte ihn des Geldes.<br />
beschuldigen obvinit Man beschuldigte ihn eines Diebstahls.<br />
bezichtigen obvinit Er bezichtigt ihn der Unehrlichkeit.<br />
überführen usvedcit Die Polizei überführte den Autofahrer der Trunkenheit am<br />
Steuer.<br />
verdächtigen upodozrievat Man verdächtigte den Zeugen der Lüge.<br />
versichern 6 ubezpecit Er versicherte ihn seiner Verschwiegenheit.<br />
verweisen vypovedat,<br />
vyhostit<br />
Der Spieler wurde nach einer harten Attacke gegen XY mit<br />
einer gelb-roten Karte des Feldes verwiesen.<br />
würdigen 7 hodnotit, cenit Er würdigte mich keines Grußes, keines Blickes, keines<br />
Wortes.<br />
4 umgangssprachlich auch mir.<br />
5 umgangssprachlich.<br />
6 gehoben<br />
7 gehoben
1.10.6 Verben mit dem Genitivobjekt<br />
Diese Verben werden heute nur selten gebraucht. Die Genitivergänzung tritt in<br />
der deutschen Gegenwartssprache nur noch bei etwa fünfzehn Ve rben auf, die<br />
meistens reflexiv verwendet werden. Bei manchen Verben ist statt des Genitivobjekts<br />
ein Präpositionalobjekt üblich geworden (z.B. sich jenes Vorfalls erinnern<br />
– sich an jenen Vorhall erinnern; er spottete seiner/über ihn).<br />
annehmen, sich predpokladat, Wir haben uns dieser Angelegenheit angenommen.<br />
ujat sa<br />
annehmen, sich starat sa Er nimmt sich dieses Menschen an.<br />
bedienen, sich použit co Er bediente sich grober Ausdrücke.<br />
bemächtigen, sich zmocnit sa Das Militär bemächtigte sich der Staatsgewalt.<br />
besinnen, sich 8 premýšlat Er hat sich eines Besseren besonnen.<br />
bedürfen (bedarf,<br />
bedurfte)<br />
potrebovat co Es bedarf einer Erklärung. Der Krankenbesuch bedurfte der<br />
Genehmigung des Chefarztes.<br />
entbehren byt neopodstatnený<br />
Diese Nachricht entbehrt jeder Grundlage.<br />
enthalten, sich zdržat sa coho Die Kollegin sollte sich des Rauchens enthalten.<br />
entheben<br />
odobrat komu Er wurde seines Amtes enthoben.<br />
co<br />
entledigen, sich zbavit sa koho/coho<br />
Er hat sich dieses Auftrages entledigt.<br />
erbarmen, sich zlutovat sa nad Der Professor erbarmte sich des unglücklichen Studenten.<br />
erfreuen, sich tešit sa comu Sie erfreute sich bester Gesundheit.<br />
erinnern, sich pamätat sa Sie erinnerte sich dieses Vorfalls nicht.<br />
gedenken<br />
pripomínat si<br />
na<br />
Der Bundestag will am 17. Juni der Toten gedenken. (Quelle:<br />
Welt 1998)<br />
rühmen, sich vychvalovat sa Er rühmt sich seines Wissens.<br />
schämen, sich hanbit sa za Wir schämen uns deines Benehmens.<br />
1.10.7 Verben mit dem Nominativ<br />
Die Verben sein, werden, bleiben und scheinen können außer dem Subjekt noch<br />
einen zweiten Nominativ bei sich haben:<br />
Die Biene ist ein Insekt.<br />
Mein Sohn wird später Arzt.<br />
Der Herr mit der Brille scheint der Direktor zu sein.<br />
Die Turnhalle bleibt noch eine Zeit lang eine Unterkunft für Obdachlose.<br />
117<br />
8 aber: sich besinnen auf etwas = etwas in die Erinnerung zurückrufen
118<br />
Grammatik<br />
In den Sätzen mit sein und werden wird oft das unpersönliche Subjekt das oder<br />
es gebraucht, auch wenn ein Bezug auf bestimmte Personen oder Sachen besteht.<br />
Das konjugierte Verb richtet sich nach dem zweiten Nominativ:<br />
Ein Herr mit Brille trat ein. Das war der Direktor.<br />
Die Frau hat zwei Kinder geboren. Es sind eineiige Zwillinge.<br />
Wir besichtigen die Neubauten. Das werden die Beamtenwohnungen.<br />
Dort kommen drei kleine Mädchen. Es sind Geschwister.<br />
1.10.8 Verben mit präpositionalem Objekt<br />
Viele Verben werden mit einer festen Präposition gebraucht, der ein Objekt in<br />
einem bestimmten Kasus (Dativ oder Akkusativ) folgt. Die Präposition und das<br />
Objekt bilden zusammen das Präpositionalobjekt.<br />
Es gibt keine Regeln dafür, welches Verb mit welcher Präposition gebraucht<br />
wird und in welchem Kasus das Objekt steht. Verb, Präposition und Kasus sollten<br />
deshalb zusammen geübt werden.<br />
1.10.9 Die gebräuchlichsten Verben mit Präposition<br />
an + Akkusativ<br />
anknüpfen an die anderen/an ein Ereignis nadviazat sa na<br />
anpassen (sich) an die anderen prispôsobit (sa) na<br />
denken den Vater, an dich mysliet<br />
erinnern, sich/jdn an die Reise spomenút si na<br />
gewöhnen, sich/jdn an das Klima privykat (si) na<br />
glauben an Gott; an die Zukunft verit v koho/co<br />
halten, sich<br />
herangehen, sich<br />
an die Regeln<br />
an ein Problem<br />
riadit sa cím<br />
pristupovat k comu<br />
machen, sich an die Arbeit dat sa do coho<br />
schreiben an den Vater, an das Institut písat komu<br />
wenden, sich an den Vater obrátit sa na koho<br />
an + Dativ<br />
arbeiten<br />
beteiligen, sich<br />
an der Dissertation<br />
an der Verantwortung<br />
pracovat na<br />
podielat sa<br />
einbüßen an Ansehen utrpiet na com<br />
erkennen, jdn an der Stimme (s)poznat podla<br />
erkranken an Grippe ochoriet na co<br />
frieren an den Händen mat zimu na com<br />
hindern, jdn an der Arbeit prekážat komu pri com<br />
leiden an einer Krankheit trpiet na<br />
liegt jdm an einem Rat záleží mu na ...
119<br />
liegt, es an der Leitung záleží na tom<br />
mangelt, es, jdm an an Geld chýbat komu co<br />
operieren jdn an dem (am) Kopf operovat komu co<br />
rächen, sich an den Feinden pomstit (sa)<br />
schreiben an einem Roman písat co<br />
sterben an einer Krankheit umriet na<br />
teilnehmen an der Versammlung zúcastnit sa na<br />
zweifeln an der Aussage des Zeugen pochybovat o<br />
auf + Akkusativ<br />
achten auf die Fehler dbat na co<br />
ankommen<br />
berufen, sich<br />
beziehen, sich<br />
auf den Versuch/auf die Genauigkeit<br />
auf den Anspruch<br />
auf die Entdeckung<br />
závisiet od koho/coho<br />
odvolávat sa na<br />
vztahovat sa na<br />
drängen auf einen Abschluss naliehat na<br />
es kommt an auf die Entscheidung záleží od<br />
es kommt jdm an auf diesen Termin ide o<br />
freuen, sich auf die Ferien tešit sa na<br />
halten auf Ordnung dbat na<br />
hoffen auf die Geldsendung dúfat v co<br />
konzentrieren, sich<br />
stützen<br />
auf den Vortrag<br />
auf eine Annahme<br />
sústredit sa na<br />
opierat sa o koho/co<br />
verlassen, sich auf dich; deine Zusage spoliehat sa na<br />
vertrauen auf die Freunde; die Zukunft dôverovat komu<br />
verzichten auf die Belohnung zriect sa coho<br />
vorbereiten, sich/jdn auf die Prüfung pripravovat sa na<br />
warten auf den Brief cakat na<br />
zählen auf dich rátat, pocítat s kým<br />
auf + Dativ<br />
beharren, auf der Meinung zotrvávat na com<br />
beruht, es/das auf der Annahme spocíva na com<br />
bestehen auf der Forderung zotrvávat na com<br />
fußt, es/das auf der Annahme spocíva to na com<br />
bei + Dativ<br />
beklagen, sich bei dem Chef stažovat sa u koho<br />
beschweren, sich bei dem Direktor stažovat sa u koho<br />
entschuldigen, sich bei dem Kollegen ospravedlnit sa komu<br />
erkundigen, sich bei dem Beamten pýtat sa/vypytovat sa<br />
u koho
120<br />
Grammatik<br />
aus + Dativ<br />
befreien, sich<br />
aus der Gefahr<br />
oslobodit (sa) z coho<br />
bestehen<br />
aus diesen Elementen<br />
pozostávat z coho<br />
ergeben, sich<br />
aus den Untersuchungen<br />
vyplývat z coho<br />
folgen, resultieren<br />
schließen aus etw. aus seinem Standpunkt robit závery z coho<br />
für + Akkusativ<br />
bedanken, bei jdm für die Hilfe podakovat sa za<br />
bürgen für den Freund; die Qualität zarucit za<br />
danken, jdm für die Blumen dakovat za<br />
entschuldigen, sich für den Irrtum ospravedlnit sa<br />
garantieren, jdm für den Wert der Sache rucit za<br />
halten, jdn für einen Betrüger považovat za<br />
interessieren, sich für das Buch zaujímat sa o co<br />
kämpfen für den Freund bojovat za<br />
rächen, sic h für das Unrecht pomstit (sa)<br />
sorgen für die Kinder starat sa<br />
sterben für eine Idee zomriet<br />
in + Akkusativ<br />
einmischen, sich in die Sache miešat sa do coho<br />
fügen, sich in die Situation vžit sa do coho<br />
geraten in eine schwierige Lage; in Wut dostat sa do<br />
schicken, sich (es) in in die Situation vžit sa do coho<br />
schneiden (sich) in den Fingern porezat si (prst)<br />
umwechseln in Kronen, in Euro zamenit co za<br />
verlieben, sich in ein Mädchen, einen Jungen zamilovat sa do koho<br />
vertiefen, sich in ein Buch prehlbit (sa) do<br />
in + Dativ<br />
irren, sich in dem Datum; in dem Glauben mýlit sa v com<br />
bestehen in der Annahme, darin spocívat v com;<br />
handeln in einer Sache konat v com<br />
gegen + Akkusativ<br />
einschreiten gegen die Skins zakrocit proti komu<br />
erheben, sich gegen den Feind povstat proti komu<br />
kämpfen gegen die Feinde bojovat proti comu<br />
tauschen etwas gegen etwas, gegen Euro zamenit co za co<br />
verstoßen gegen die Vorschriften previnit sa proti comu
wehren, sich gegen den Feind bránit sa proti komu /comu<br />
nach + Dativ<br />
aussehen nach Sturm vyzerat na<br />
duften nach Rosen voniat cím<br />
dürsten nach Ruhm bažit po com<br />
erkundigen, sich nach dem Pass vypytovat sa na co<br />
fragen, jdn nach dem Weg pýtat sa na, informovat<br />
sa o co<br />
sehnen, sich nach der Heimat túžit po com<br />
streben nach Reichtum hnat sa za<br />
umsehen, sich um einen freien Platz pozriet sa za cím<br />
mit + D<br />
anfangen mit dem Essen zacat s<br />
ärgern, sich mit den Nachbarn hnevat (sa) na<br />
aufhören mit dem Unsinn prestat s<br />
beginnen mit der Begrüßung zacat s<br />
beschäftigen, sich/jdn mit dem Problem zaoberat sa cím<br />
kämpfen mit den Freunden bojovat s<br />
rechnen mit deiner Hilfe pocítat s cím<br />
sprechen mit der Freundin hovorit s kým<br />
streiten, sich mit den Erben hádat sa s kým<br />
unterhalten, sich mit dem Freund zabávat sa s kým<br />
zu tun haben, etwas mit dem Mann; dem Beruf robit, mat do cinenia s<br />
über + Akkusativ<br />
ärgern, sich<br />
aufregen, sich<br />
über die Mitarbeiter<br />
über jede Kleinigkeit<br />
hnevat sa na koho/co<br />
hnevat sa/rozculovat<br />
sa/rozhorcovat sa nad cím<br />
beschweren, sich über den Kollegen stažovat sa na<br />
empören über jede Kleinigkeit rozculovat sa/ rozhorcovat<br />
sa nad cím<br />
freuen, sich über das Geschenk mat radost/tešit sa z coho<br />
herrschen über ein Land vládnut nad<br />
lachen über den Komiker smiat sa nad<br />
nachdenken über den Plan premýšlat o<br />
schimpfen über den Sohn nadávat na<br />
spotten über seine Taten vysmiat sa komu<br />
sprechen über ein Thema hovorit o<br />
staunen über die Leistung divit sa comu<br />
unterhalten, sich über ein Thema bavit sa s kým<br />
121
122<br />
Grammatik<br />
verfügen über das Geld disponovat cím<br />
wundern, sich über die Technik cudovat sa nad kým/cím<br />
um + Akkusativ<br />
anhalten um die Hand (po)žiadat o co<br />
bemühen, sich um die Zulassung usilovat sa o co<br />
beneiden jdn um seine Erfolge zvidiet komu co<br />
ersuchen jdn um Auskunft požiadat, poprosit o co<br />
bringen jdn um sein Geld pripravit koho o co<br />
kümmern, sich um solche Dinge starat sa o co<br />
bewerben, sich um ein Stipendium uchádzat sa o co<br />
bitten, jdn um einen Rat žiadat koho o co<br />
fürchten, sich um das Leben bát sa o koho/co<br />
handeln, sich (es) um das Kind; das Geld ide o koho/co<br />
kämpfen um jeden Fußbreit Boden bojovat za<br />
kümmern, sich um den Gast starat sa o co<br />
sorgen, sich um die Familie starat sa o co<br />
streiten, sich um das Vermögen vadit sa pre<br />
trauern um den Vater smútit za kým<br />
weinen um einen Verstorbenen plakat za kým<br />
unter + Dativ<br />
leiden unter dem Lärm trpiet pod<br />
verstehen unter dem Begriff rozumiet pod cím<br />
von + Dativ<br />
sprechen von einem Erlebnis hovorit o com<br />
abhalten, jdn von der Arbeit zdržiavat koho pri com<br />
abhängen, es<br />
von den Eltern; von den Umständen<br />
závisiet od koho/ coho<br />
ausgehen von der Tatsache, davon vychádzat z coho<br />
ausruhen, sich von den Anstrengungen odpocinút si od coho<br />
befreien, sich/jdn von den Fesseln vyslobodit sa z coho<br />
erholen, sich von der Arbeit zotavit sa z coho<br />
ernähren, sich von Fleisch živit sa cím<br />
halten, etwas/nichts von dem Mann; von dem Plan považovat za<br />
scheiden lassen, sich von ihrem Mann rozviest sa s kým<br />
strotzen von Gesundheit kypriet cím<br />
verabschieden, sich von den Freunden rozlúcit sa s kým<br />
vor + Dativ<br />
bevorzugen jdn/ etwas vor dem Roman dávat prednost komu/
comu pred kým/cím<br />
ekeln, sich vor dem Essen hnusit sa/protivit sa<br />
erschrecken vor dem Hund zlaknút sa koho/coho<br />
fürchten, sich<br />
hüten, sich<br />
vor der Auseinandersetzung<br />
vor Ansteckung<br />
bát sa koho/coho<br />
varovat sa pre cím<br />
scheuen, sich vor der Arbeit bát sa koho/coho<br />
schützen, sich/jdn vor der Gefahr chránit (sa) pred cím<br />
warnen, jdn vor der Gefahr varovat koho pred cím<br />
zu + Dativ<br />
anhalten jdm zu dieser Arbeit podnietit, povzbudit<br />
auffordern jdn zum Kampf vyzvat<br />
anregen, jdn zu neuen Taten podnietit koho k comu<br />
berechtigen, jdn zu dieser Entscheidung oprávnovat koho na co<br />
dienen zu diesem Zweck slúžit comu<br />
entschließen, sich zu diesem Kleid rozhodnút sa pre co<br />
führen zu einem Ergebnis viest k<br />
gehören<br />
greifen<br />
kommen<br />
zu einer Gruppe<br />
zur Feder<br />
zu Kräften<br />
123<br />
patrit k comu<br />
stiahnut za<br />
nadobudnút co, príst k comu<br />
raten, jdm zu diesem Studium radit komu co<br />
anspornen jdn zu besseren Leistungen povzbudit k comu<br />
1.11 Aktionsart des Verbs<br />
Die Aktionsart ist eine Kategorie des Verbs, die die Ve rlaufsweise und Abstufung<br />
des Geschehens charakterisiert. Die Differenzierung des Geschehens<br />
kann zeitlich (Ablauf, Vollendung, Anfang, Übergang, Ende) und inhaltlich<br />
(Veranlassen, Intensität, Wiederholung u.a.) erfolgen.<br />
Nach der Kategorie der Aktionsart unterscheidet man imperfektive und perfektive<br />
Verben.<br />
A. Die imperfektiven oder durativen Verben bezeichnen den Verlauf des Geschehens<br />
ohne zeitliche Abgrenzung. Hierzu gehören:<br />
• die iterativen Verben. Sie drücken eine Wiederholung des Geschehens aus,<br />
z.B.:<br />
flattern poletovat, tropfen kvapkat, zittern triast sa<br />
• die intensiven Verben drücken die Intensität des Geschehens aus, z.B.:<br />
brüllen revat, rasen zúrit; uhánat, saufen slopat, sausen uhánat
124<br />
Grammatik<br />
• die diminutiven Verben, die Verben der Verkleinerung, z.B.:<br />
lächeln usmievat sa, tröpfeln kvapkat, streicheln hladkat, tänzeln tancovat, skackat<br />
B. Die perfektiven Verben drücken die zeitliche Begrenzung des Geschehens<br />
aus. Bei den Verben unterscheiden wir:<br />
• ingressive Verben. Sie bezeichnen den Beginn eines Geschehens:<br />
abfahren odcestovat, aufblühen rozkvitat, losgehen odíst, einschlafen zaspat<br />
• egressive Verben. Sie bezeichnen die Endphase des Geschehens:<br />
aufhören prestat, erjagen ulovit, verblühen odkvitat, beenden dokoncit<br />
Nach anderen semantischen Kriterien kann man noch unterscheiden zwischen:<br />
• kausativen Verben (Deverbativa). Sie drücken ein Bewirken, Veranlassen<br />
zur Handlung aus:<br />
tränken, legen, setzen, stellen<br />
• faktitiven Verben (Denominativa). Sie drücken ein Versetzen in einen neuen<br />
Zustand aus:<br />
füllen<br />
leeren<br />
lösen<br />
(= voll machen)<br />
(= leer machen)<br />
(= loswerden)<br />
• mutativen Verben. Sie drücken einen Übergang von einem Zustand in einen<br />
anderen Zustand ohne zeitliche Begrenzung aus:<br />
reifen (= reif werden)<br />
erkranken (= krank werden)<br />
rosten (= rostig werden)<br />
In der deutschen Sprache gibt es für die Aktionsarten keine grammatische Kategorie<br />
des Verbs (bzw. nur in beschränktem Maße). Die Aktionsart kann aber<br />
mit morphologischen und syntaktischen Mitteln gekennzeichnet werden (siehe<br />
auch Funktionsverben). Es sind hauptsächlich folgende lexikalische und grammatische<br />
Mittel:<br />
• Kennzeichnung durch die lexikalische Bedeutung des Verbs:<br />
schlafen [durativ] – brüllen<br />
[intensiv]<br />
• Kennzeichnung durch die Mittel der Wortbildung (Suffixe, Präfixe, innere<br />
Flexion u.a.):<br />
blühen [durativ]<br />
– erblühen [ingressiv] – verblühen [egressiv]
sitzen [durativ] – setzen [kausativ]<br />
• Kennzeichnung durch syntaktische Konstruktionen, z.B.:<br />
a) Er schwitzt. Er kommt ins Schwitzen.<br />
Zacína sa potit.<br />
Sie kocht. Sie ist beim Kochen.<br />
(Práve) varí.<br />
Er stirbt. Er liegt im Sterben.<br />
Umiera.<br />
Der Rose Die Rose steht in Blüte.<br />
blüht. Ruža je v kvete.<br />
Sie geht weg.<br />
Sie ist im Begriff wegzugehen.<br />
Práve sa chystá odíst.<br />
b) die Maschine in Bewegung setzen<br />
spustit stroj, dat stroj do chodu<br />
die Arbeit zu Ende führen<br />
dokoncit robotu<br />
Wir hören auf zu rauchen.<br />
Prestaneme fajcit.<br />
Wir hören jeden Tag um 16 Uhr auf zu<br />
arbeiten.<br />
Denne ukoncievame prácu o 16 hodine.<br />
Er pflegt jeden Abend spazieren zu gehen.<br />
Vecerom chodieva na prechádzku.<br />
Beginn (ingressiv)<br />
momentan<br />
Dauer (imperfektiv)<br />
Dauer (imperfektiv)<br />
ingressiv<br />
Beginn (ingressiv)<br />
Ende (egressiv)<br />
Ende (egressiv)<br />
125<br />
Wiederholung (iterativ)<br />
Wiederholung (iterativ)<br />
Durch Adverbien kann die Verlaufsweise eines Geschehens ebenfalls ausgedrückt<br />
werden:<br />
Es klingelte plötzlich.<br />
Sie spricht unaufhörlich.<br />
Ich habe ihn oft, mehrmals besucht.<br />
Zrazu zazvonilo.<br />
Stále hovorí.<br />
Viackrát som ho navštívil.<br />
Anmerkung<br />
Das Slowakische unterscheidet perfektive und imperfektive Verben (dokonavé,<br />
nedokonavé slovesá). In dieser Hinsicht kann man im Deutschen nicht über den<br />
Aspekt (slovesný vid) als grammatische Kategorie sprechen. Die Vollendetheit<br />
oder Nichtvollendetheit sind Komponenten der lexikalischen Bedeutung, sie werden<br />
hier daher im Rahmen der Aktionsart behandelt.
126<br />
Grammatik<br />
2 Das Substantiv<br />
2.1 Merkmale des Substantivs<br />
Das Substantiv (lat. substantivus = »für sich selbst Bestand habend«) ist neben dem<br />
Verb die wichtigste Wortart. Substantiva machen etwa die Hälfte des deutschen<br />
Wortschatzes aus. Sie werden auch »Hauptwörter«, »Dingwörter« oder »Nennwörter«<br />
genannt. Andere Autoren bevorzugen den Terminus »Nomen«, „weil er international<br />
wesentlich weiter verbreitet ist.“ [ENGEL 1996: 500]<br />
„Die prototypische Funktion des SUBSTANTIVS besteht in seinem zentralen Beitrag<br />
zum Ausdruck von Argumenten, während die prototypische Funktion von Verben der<br />
Ausdruck des Prädikats ist.“ (IDS: 28)<br />
Substantiva sind Wörter, die entweder maskulines, feminines oder neutrales Genus<br />
haben. Das Genus ist das wichtigste Merkmal des Substantivs, das es von den anderen<br />
Wortarten unterscheidet. „Im Grenzbereich liegen die Nomina, die auf Partizipien<br />
zurückgehen und deren Genus in Grenzen variabel ist“ [ebenda], z.B.: der/die<br />
Vorsitzende, Vorgesetzte u.a.<br />
Substantiva bezeichnen Lebewesen (Mensch, Student; Hund, Katze), Gegenstände<br />
(Tisch, Haus), Prozesse (das Lesen, das Schreiben, die Erziehung), Be ziehungen<br />
(Liebe, Hass, Verhältnis), Eigenschaften der Realität (Größe, Tiefe, Demokratie,<br />
Willkürherrschaft) u.a.<br />
Das Substantiv wird im Deutschen mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben.<br />
2.2 Klassifikation der Substantive<br />
Zur Klassifikation der Substantive werden oft ihre semantischen Merkmale (Seme)<br />
verwendet. Zur Einteilung der Substantiva in semantische Subklassen verwenden wir<br />
in Anlehnung an K.-E. SOMMERFELDT folgende Seme:<br />
• das kategoriale Sem der Gegenständlichkeit<br />
• subkategoriale Seme: a) Seme der Eigennamen<br />
b) Seme der Gattungsnamen (Seme der 1. Stufe)<br />
• die subkategorialen Seme der Konkretheit und Abstraktheit (Seme der 2. Stufe)<br />
• die subkategorialen Seme der Individualität und Zählbarkeit, der Unikalität, der<br />
Stofflichkeit (Seme der 3. Stufe)<br />
• die subkategorialen Seme der Belebtheit und Unbelebtheit
(Einteilung in lexikalisch-semantische Klassen)<br />
127<br />
Eigennamen<br />
Gattungsnamen<br />
belebte geographische Konkreta Abstrakta<br />
Franz<br />
Wien<br />
zählbare Kollektiva Unika Stoffnamen<br />
Individuativa<br />
belebte<br />
unbelebte belebte unbelebte<br />
Student Stuhl Herde Flotte Mond Gold Liebe<br />
Aufgrund des oben aufgeführten Stammbaumdiagramms 9 können wir resümieren:<br />
Die meisten Substantive haben eine verallgemeinerte Bedeutung. Sie widerspiegeln<br />
nicht die einzelnen Lebewesen, Gegenstände, Prozesse oder Erscheinungen,<br />
sondern sie verallgemeinern sie.<br />
In den gängigen slowakischen Grammatiken werden die Substantive nach semantischen<br />
und grammatischen Kriterien in dreierlei Hinsicht klassifiziert:<br />
• Konkreta und Abstrakta (primäre und sekundäre Substantive)<br />
• Substantive, die Lebewesen und Nicht-Lebewesen bezeichnen<br />
• Appellativa und Propria<br />
Die Klassifizierung der Maskulina ist insofern wichtig, da es wesentliche Unterschiede<br />
im Deklinationsparadigma nach den Kriterien der Belebtheit und Nicht-<br />
Belebtheit gibt.<br />
Die Substantive, die durch ihre Bedeutung Klassen von Erscheinungen widerspiegeln,<br />
werden eingeteilt in Eigennamen und in Gattungsnamen.<br />
Ein Teil der Substantive sind Eigennamen. Eigennamen zeichnen sich u.a. durch eine<br />
Beschränkung im Artikelgebrauch, zum Teil durch Abweichungen in der Flexion<br />
(z.B. kein Dativ-e, oft keine Genitivendung) aus.<br />
1. Zu den Eigennamen gehören:<br />
1.1. Personennamen (Vor- und Familiennamen): Hans, Horst, Peter; Brecht, Goethe,<br />
Herder, Thomas Mann<br />
1.2. geographische Namen: (Länder-, Städte-, Straßen-, Gebäudenamen), z.B. die<br />
Donau, Berlin, Heinrich-Heine-Straße, Domplatz, Zillehaus<br />
1.3. historische Eigennamen, z.B. der Dreißigjährige Krieg, die Schlacht vor Verdun<br />
9 Vgl. Stepanowa/Helbig 1978, 98, Sommerfeldt, K. E./Starke, G. S. 1988, 110.
128<br />
Grammatik<br />
1.4. Namen für Artefakte (Titel von Büchern, Zeitungen, Bildern, Filmen, Namen<br />
von Schiffen, Fahrzeugen u.a.), z.B. Die Buddenbrooks, Der Spiegel, Die Sixtinische<br />
Madonna, Der blaue Engel, die Deutschland (als Schiffsname)<br />
2. Zu den Gattungsbezeichnungen oder Appellativa gehören:<br />
2.1. Konkreta: Bezeichnungen von Lebewesen: Mann, Frau, Hund, Maus, Fisch<br />
2.2. Stoffbezeichnungen, z.B. Eisen, Glas, Marmor, Zement<br />
2.3. Sammelbezeichnungen oder Kollektiva, z.B. Familie, Volk, Nation, Obst, Gemüse,<br />
Gehölz<br />
2.4. Abstrakta, z.B. Treue, Freiheit.<br />
Die von Verben abgeleiteten Nomina werden im Allgemeinen Nomina actionis,<br />
Nomina acti , Nomina agentis, Nomina patientis, Nomina instrumenti, Nomina<br />
loci u.a. genannt.<br />
Nomina actionis (Tätigkeitsbezeichnungen) benennen Vorgänge, Handlungen: Erholung,<br />
Genesung; Fahrt, Flucht.<br />
Nomina acti benennen Ergebnisse von Vorgängen oder Handlungen: Auslese,<br />
Zeichnung. Viele Nomina acti sind doppeldeutig: Sie benennen sowohl den Vorgang<br />
als auch dessen Ergebnis. Sie sind also Nomina actionis und Nomina acti zugleich:<br />
Darstellung (Beschreibung als Ergebnis und Beschreibung als Prozess), Klassifikation<br />
u.a.<br />
Nomina agentis benennen den Urheber oder den Ausführer einer Handlung: Lehrer,<br />
Forscher, Dirigent u.a. Urheber und Ausführer entsprechen in einem aktivischen<br />
Satz dem Subjekt des Satzes und lassen sich mit Hilfe eines Relativsatzes paraphrasieren:<br />
ein Lehrer ist einer, der lehrt;<br />
ein Forscher ist einer, der forscht;<br />
ein Dirigent ist einer, der dirigiert.<br />
Nomina patientis benennen Personen, die Gegenstand, Objekt oder Opfer einer<br />
Handlung sind: Lehrling, Prüfling, Findling u.a. Sie entsprechen dem Subjekt in einem<br />
passivischen Satz und lassen sich mit Hilfe eines Relativsatzes ausdrücken:<br />
ein Lehrling ist derjenige, der gelehrt wird;<br />
ein Prüfling ist einer, der geprüft wird;<br />
ein Findling ist einer, der gefunden wurde.<br />
Die Substantiva werden im Deutschen mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben.<br />
Trotz dieser grammatischen Kennzeichnung bereitet das Erkennen der Substantiva in<br />
einigen Fällen Schwierigkeiten. Dies ergibt sich daraus, dass die Grenzen zwischen<br />
dem Substantiv und anderen Wortarten fließend sind, vgl. ernst nehmen – Ernst machen,<br />
heute Abend – diesen Abend u.a. Im Deutschen können außerdem fast alle<br />
Wörter substantiviert werden, vgl. schreiben – das Schreiben, heute – das Heute, sein<br />
– das Sein, ich – das Ich u.a.
Zur Identifizierung des Substantivs müssen oft mehrere Kriterien herangezogen werden.<br />
Folgende Kriterien sind zur Unterscheidung des Substantivs von anderen Wortarten<br />
wichtig:<br />
• die Wortartbedeutung: Substantive drücken »Gegenständlichkeit« aus,<br />
• die Deklinierbarkeit : die morphologischen Kategorien des Genus, des Kasus und<br />
des Numerus,<br />
• die Fähigkeit, einen Artikel bei sich zu haben.<br />
2.3 Kategorien des Substantivs<br />
2.3.1 Das Genus des Substantivs<br />
Das Genus ist das wesentliche Merkmal, das das Substantiv von anderen Wörtern<br />
unterscheidet: Jedes Substantiv hat entweder maskulines, feminines oder neutrales<br />
Genus.<br />
Im Deutschen, ebenso wie im Slowakischen, unterscheidet man drei Genera:<br />
das Maskulinum (»männliches« Geschlecht)<br />
das Femininum (»weibliches« Geschlecht)<br />
das Neutrum («sächliches« Geschlecht)<br />
Das Genus der Substantive wird durch den bestimmten Artikel (der, die, das; die)<br />
oder durch andere Determinatoren (dieser, jene, welches u.a.) gekennzeichnet:<br />
Maskulinum: der/dieser Mann, Junge, Tisch, Baum, Ast, Ozean<br />
Femininum: die/jene Frau, Milch, Tasche, Mappe, Lampe<br />
Neutrum: das/welches Kind, Auto, Kino, Modell, Buch, Bett.<br />
Das Genus der Substantive stimmt nicht immer mit dem natürlichen Geschlecht überein.<br />
das Mädchen, das Weib, das Fräulein, das Frauenzimmer, der Backfisch, die Drohne<br />
[männliche Biene; in der Fachsprache der Imker der Drohn], der Weisel [Bienenkönigin],<br />
die Wache, das Mannequin<br />
Das natürliche Geschlecht (Sexus) spielt im Deutschen gegenüber dem grammatischen<br />
Genus nur eine geringe Rolle. Nur bei einigen Gruppen von Substantiven kann<br />
das Genus vom natürlichen Geschlecht her bestimmt werden. Dies sind:<br />
Personenbezeichnungen:<br />
Einige Verwandtschaftsnamen:<br />
der Cousin die Cousine der Opa die Oma<br />
der Enkel die Enkelin der Sohn die Tochter<br />
der Neffe die Nichte der Vater die Mutter<br />
der Onkel die Tante<br />
129
130<br />
Berufsbezeichnungen:<br />
Grammatik<br />
der Dozent die Dozentin der Koch die Köchin<br />
der Friseur die Friseuse der Lehrer die Lehrerin<br />
Bei einigen Berufsbezeichnungen fehlt oft eine entsprechende feminine Be zeichnung:<br />
Sie ist Professor für Physik.<br />
Sie ist Ingenieur.<br />
Neuerdings wird die feminine Form durch Binnengroßschreibung des »i« markiert:<br />
Liebe StudentInnen [lies: Studentinnen und Studenten]<br />
KollegInnen<br />
Bei einigen Tiernamen wird zwischen den beiden Geschlechtern durch das Suffix -in<br />
unterschieden:<br />
der Bär<br />
der Löwe<br />
die Bärin<br />
die Löwin<br />
Bei einigen Tiernamen ist die gemeinsame Bezeichnung Neutrum, die Männchen<br />
sind Maskulina, die Weibchen sind Feminina und die Jungtiere sind Neutra.<br />
s Huhn<br />
s Pferd<br />
s Rind<br />
s Schwein<br />
kura<br />
kôn<br />
dobytok<br />
ošípaná<br />
r Hahn<br />
r Hengst<br />
r Stier<br />
r Eber<br />
kohút<br />
žrebec<br />
býk<br />
kanec<br />
e Henne<br />
e Stute<br />
e Kuh<br />
e Sau<br />
sliepka<br />
kobyla<br />
krava<br />
ošípaná<br />
s Küken<br />
s Fohlen<br />
s Kalb<br />
s Ferkel<br />
kurca<br />
žriebä<br />
tela<br />
prasiatko<br />
In einigen Fällen ist für das männliche und weibliche Tier nur ein Wort vorhanden:<br />
der Adler, der Karpfen, die Maus, das Wiesel (lasica), r Weisel (vcelia matka), der Spatz<br />
In der deutschen Gegenwartssprache ist es kaum möglich, zur Genusbestimmung für<br />
die Mehrzahl der Substantiva praktikable Regeln zu geben. Bei vielen Substantiven<br />
muss der Artikel mit dem Substantiv gelernt werden:<br />
der Kopf die Hand das Kinn<br />
der Löffel die Gabel das Messer<br />
Es lässt sich aber in vielen Fällen ein teils semantisch, teils formal motiviertes Re gelsystem<br />
aufstellen. Aufgrund der Bedeutung<br />
1. Maskulina<br />
(1) Bezeichnungen von männlichen Lebewesen – vor allem die Gattungsbezeichnungen<br />
größerer Lebewesen – und Berufen:<br />
r Mann, r Vater; r Bär, r Hirsch, r Löwe, r Tiger; r Sportler, r Künstler, r Schreiner (= Möbelmacher)
F<br />
F<br />
F<br />
F<br />
(2) Geräte, die man als „Handelnde“ betrachten kann:<br />
r Bohrer, r Deckel, r Schlüssel, r Wecker<br />
(3) Namen der Jahreszeiten, Monate und Wochentage:<br />
r Frühling, r Sommer, r Herbst, r Winter; r Januar, r November; r Montag, r Sonnabend<br />
aber: e Woche, s Jahr<br />
(4) die Namen der Himmelsrichtungen, Winde und Niederschläge:<br />
r Norden, r Westen; r Föhn, r Monsun, r Taifun; r Hagel, r Regen, r Schnee, r Tau<br />
(5) die Namen der Spirituosen, Kaffeesorten, Tabakwaren:<br />
r Wein, r Sekt; r Doppelkorn, r Kognak, r Slibowitz, r Wodka, r Whisky; r Schnaps (aber:<br />
s Bier, s Feuerwasser)<br />
r Eduscho, r Hochland, r Tchibo<br />
r Feinschnitt, r Krüll<br />
(6) Automarken, Namen von Expresszügen:<br />
r BMW, r Fiat, r Mercedes, r Porsche, r Fabia, r Volkswagen; r Istropolitan, r Intercity,<br />
r »Rheingold«<br />
(7) die Namen von Mineralien und Gesteine:<br />
r Basalt, r Feldspat, r Granit, r Quarz, r Schiefer, r Sand<br />
aber: e Kreide, s Rotliegende [ältere Abteilung des Perms], s Harz<br />
(8) die Bergnamen und ein Teil der Gebirgsnamen:<br />
r Brocken, r Olymp, r Monte Rosa, r Vesuv, r Ätna, r Elbrus, r Gerlach; r Harz,<br />
r Kaukasus, r Himalaja, r Jura, r Montblanc, r Spessart<br />
Einige auf -a endende Bergnamen sind Feminina: e Sierra Nevada, e Hohe Tatra,<br />
e Marmolata, e Schepsalana, ebenso e Eiffel, e Rhön, e Haardt<br />
Viele Gebirgsnamen sind Pluraliatantum:<br />
e Alpen, e Anden, e Kordilleren, e Karpaten, e Pyrenäen<br />
2. Feminina<br />
(1) Bezeichnungen von weiblichen Lebewesen:<br />
e Frau, e Henne, e Geiß, e Ricke<br />
aber: r Backfisch, s Mädchen, s Fräulein, s Weib<br />
(2) die Schiffs- und Flugzeugnamen:<br />
e Deutschland, e Bismarck, e Nautilus, e Mary Celeste; e Boeing, e Cessna, e TU 164<br />
aber: r Fliegende Holländer, r Kaiser Wilhelm der Große; r Airbus, r Jet, r Jumbo, r Starfighter<br />
131
F<br />
F<br />
132<br />
Grammatik<br />
(3) die Namen der Bäume und vieler Blumen:<br />
e Akazie, e Birke, e Buche, e Eibe, e Eiche, e Kiefer, e Linde, e Tanne, e Zypresse; e Blume,<br />
e Dahlie, e Nelke, e Rose, e Orchidee<br />
aber: r Ahorn, r Lorbeer, r Nussbaum<br />
(4) die Namen der Zigarettensorten:<br />
e Astor, e Havanna, e Kent, e Camel, e Lord, e Milde Sorte, e Mars, e Stuyvesant<br />
(5) die substantivischen Zahlen:<br />
e Eins, e Zwölf, e Fünfundzwanzig, e Million, e Milliarde<br />
(6) die meisten deutschsprachigen Flussnamen und die fremdsprachigen Flussnamen<br />
auf -a und -e:<br />
e Donau, e Elbe, e Saale, e Spree, e Oder, e Elster, e Weser,<br />
e Werra; e Moskwa, e Wolga, e Rhone, e Seine, e Themse<br />
Ausnahmen sind Flüsse keltischen Ursprungs sowie die Namen ausländischer<br />
Flüsse:<br />
r Don, r Euphrat, r Jenissei, r Indus, r Inn, r Main, r Lech, r Neckar, r Rhein; r Dnepr,<br />
r Ganges, r Kongo, r Amazonas, r Nil, r Mississippi, r Paraná, r Po, r Jang tse, r Tiber,<br />
r Tigris, r Indus<br />
3. Neutra<br />
(1) Bezeichnungen von nicht erwachsenen Lebewesen:<br />
s Kind, s Fohlen, s Ferkel, s Küken, s Kalb, s Lamm<br />
(2) die Namen von Hotels, Kinos und Cafés:<br />
s Berlin, s Capitol, s Astoria<br />
(3) die meisten chemischen Elemente:<br />
s Aluminium, s Chlor, s Eisen, s Gold, s Kupfer, s Kalzium, s Radium, s Selenium, s Uran 10<br />
aber: r Phosphor, r Schwefel, r Sauerstoff [weil: der Stoff]<br />
(4) die Namen von physikalischen Einheiten, von Buchstaben, Noten, Farben und<br />
Sprachen:<br />
s Ampere, s Kilowatt; s Ypsilon; s Grün, s Rot; s Deutsche, s Slowakische<br />
(5) die Namen von Wasch- und Reinigungsmitteln:<br />
s Persil, s Omo, s Ariel, s Pril<br />
10 aber: der Uran (= Planet).
F<br />
F<br />
F<br />
F<br />
(6) die Namen der Kontinente, Länder, Inseln und Orte:<br />
(das schwarze) Afrika, das demokratische Westeuropa, (das moderne) Schweden, (das heutige)<br />
Tschechien, (das nördliche) Rügen, das (hunderttürmige) Prag, (das überbevölkerte)<br />
Tokio, s Elsass, sBurgenland, (das kämpferische) Tschetschenien, (das schöne)<br />
Thüringen<br />
aber: r Irak, r Iran, r Jemen, rKuwait, rLibanon, rPeloponnes, rSudan, rTschad; rBalkan,<br />
r Darß;<br />
e Antarktis, e Arktis; e Bretagne, e Champagne; e Dobrudscha, e Riviera; e Krim,<br />
e Lombardei, eMandschurei, eWachau, eLausitz, ePfalz, eProvence; eGobi, eSahara;<br />
e Mongolei, e Schweiz, e Slowakei, e (ehemalige) Sowjetunion, e Tschechei, e Türkei,<br />
e Ukraine; ebenso: e Europäische Union (EU);<br />
Einige Namen sind Pluraliatantum: e USA, e Niederlande; e Dar danellen, e Karpaten,<br />
e Kurilen.<br />
Aufgrund ihrer Form:<br />
1. Maskulina sind:<br />
(1) Deverbativa mit Nullsuffix:<br />
r Anzug, r Bau, r Betrieb, r Empfang, r Gang, r Lauf, r Rat, r Satz,<br />
r Schlag, r Sprung, r Trank<br />
(2) Substantive auf -er, -ler, -ner, -ig, -ling, -pf, -s:<br />
r Dampfer, r Lehrer, r Tischler, r Amerikaner; r Essig, r Pfennig; r Lehr ling, r Säug ling, r Zwilling;<br />
r Kampf, r Zopf; r Fuchs, r Schnaps, r Knirps<br />
(3) Fremdwörter auf -ant, -ent, -är, -et, -eur (-ör) 11 , -ist, -loge, -or, -us:<br />
r Demonstrant, r Student, r Millionär, r Athlet, r Ingenieur, r Artist, r Gynäkologe, r Doktor<br />
aber: s Genus<br />
2. Feminina sind:<br />
(1) Viele einsilbige Substantive:<br />
e Bank, e Gans, e Hand, e Kraft, e Last, e Magd, e Pacht, e Stadt, e Wand,<br />
e Not; e Kuh, e Nuss, e Schnur, e Wurst; e Braut, e Faust, e Haut, e Laus<br />
(2) Deverbativa auf –t:<br />
e Fahrt, e Macht, e Saat, e Bucht, e Flucht, e Gruft, e Kunst, e Sucht<br />
aber: r Dienst, r Durst, r Frost,; s Gift<br />
(2) die meisten Substantive auf -e:<br />
e Lampe, e Liebe, e Rose, e Tante; Aufgabe, Bleibe, Liege<br />
11 aber: das Interieur<br />
133
F<br />
F<br />
F<br />
F<br />
F<br />
134<br />
Grammatik<br />
aber: r Bote, r Glaube, r Hase, r Käse; s Ende, s Getreide<br />
(3) Substantive auf –ei (-ere,-elei), -heit, -keit, -igkeit, -schaft, -ung:<br />
e Bücherei, e Konditorei, e Malerei<br />
e Feinheit, e Freiheit, e Krankheit<br />
e Fähigkeit, e Geselligkeit, e Kleinigkeit<br />
e Eigenschaft, e Freundschaft, e Gesellschaft<br />
e Betreuung, e Haftung, e Zeitung<br />
(4) Fremdwörter auf -age, -anz, -ät, -ie, -ik, -ion, -ur:<br />
e Blamage, e Etage, e Sabotage; e Ambulanz; e Diät, e Fakultät, e Qualität; e Differenz,<br />
e Frequenz; e Galerie, e Kopie, ePatisserie; e Grammatik, eKlinik; e Konjugation, e Nation,<br />
e Dressur<br />
aber: s Genie, s Abitur, s Futur<br />
3. Neutra sind:<br />
(1) Diminutiva auf -chen und -lein; alle Substantiva mit den Ableitungssuffixen -icht<br />
und -tum:<br />
s Häuschen, s Mädchen; s Büchlein, s Kindlein, Vöglein; s Dickicht; s Fürstentum, s Eigentum<br />
aber: r Irrtum, r Reichtum (nur 2 Substantive!)<br />
(2) Kollektiva mit Ge -:<br />
s Gebäck, s Gebirge, s Gebüsch, s Gestirn, s Geäst<br />
aber: r Gebrauch, r Gedanke, r Gewinn; e Gebäre, e Gebühr, e Geburt, e Gebärde, e Geduld,<br />
e Gefahr, e Geschichte<br />
(3) substantivierte Infinitive:<br />
s Essen, s Gehen, s Geschehen, s Leben, s Sprechen, s Turnen<br />
(4) Fremdwörter auf -ett, -il, -in, -ma, -o, -(m)ent, -um:<br />
s Büfett, s Kabinett; s Ventil; s Benzin; s Dogma, s Drama, s Komma; s Kino, s Konto; s Dokument,<br />
s Engagement; s Zentrum<br />
aber: r Zement<br />
Namen der Sterne und Sternbilder haben dasselbe Genus wie das betreffende Wesen<br />
oder Ding, nach dem sie benannt sind:<br />
r Jupiter, r Saturn, r Drache, r Große Bär; e Kassiopeia, e Waage, e Venus; s Chamäleon, s Dreieck<br />
Wenn das Genus nicht festzustellen ist, steht meist das maskuline:<br />
r Algol, r Fomalhaut, r Sirius<br />
aber: e Wega, e Kapella, e Gemma, e Beteigeuze
Merke: Substantive auf -nis sind Neutra oder Feminina:<br />
e Besorgnis obava, e Empfängnis pocatie, e Erkenntnis poznatok, e Erlaubnis povolenie,<br />
e Kenntnis vedomost, e Wildnis divocina, e Wirrnis zmätok, s Ereignis udalost; Feminin<br />
sind einige vor allem im Plural gebrauchte Wörter auf –nis: e Ersparnis, e Erschwernis<br />
usw.<br />
s Bekenntnis priznanie, vyznanie, s Bedürfnis potreba, s Begräbnis pohreb, s Bündnis zväzok,<br />
pakt, s Ergebnis výsledok, s Erlebnis zážitok, s Erzeugnis výrobok, s Geheimnis tajomstvo,<br />
s Geständnis priznanie, s Hindernis prekážka, s Missverständnis nedorozumenie,<br />
s Zeugnis vysvedcenie usw.<br />
Die sechs Nomen mit Ge- + -nis sind immer Neutra: s Gefängnis väzenie, s Geheim nis tajomstvo,<br />
s Gedächtnis pamät , s Gelöbnis slávnostný slub, s Geschehnis udalost,<br />
s Geständnis priznanie.<br />
Nomina auf -nis mit dem Präfix Ver- sind Neutra: s Verhältnis pomer, s Verhängnis osud,<br />
s Verlöbnis zasnúbenie, s Vermächtnis odkaz, s Verständnis porozumenie, s Verzeichnis<br />
zoznam. Ausnahmen sind e Verderbnis skaza und e Verdammnis zatratenie. Beide haben<br />
eine spezifische religiöse Bedeutung.<br />
Substantive auf -mut sind maskulin (r Edelmut šlachetnost, ušlachtilost, r Freimut úprimnost,<br />
r Gleichmut vyrovnanost r Hochmut pýcha, namyslenost, r Missmut rozmrzenost,<br />
r Übermut – bujnost, samopašnost, r Unmut mrzutost, nevôla, r Wagemut odvaha, smelost)<br />
oder feminin (e Anmut pôvab, caro, e Armut chudoba, e Großmut velkorysost,<br />
e Langmut trpezlivost, zhovievavost, e Schwermut trudnomyselnost, zádumcivost,<br />
e Wehmut bôl, žial, zármutok).<br />
Schwankend ist das Genus der mit -meter zusammengesetzten Bezeichnungen für Maßeinheiten:<br />
der/das Millimeter, Kilometer, aber: r Geometer, r Gasometer; s Barometer,<br />
s Thermometer; Ebenso verhalten sich Zusammensetzungen mit -messer: r Landvermesser,<br />
r Geschwindigkeitsmesser (weil: die Geschwindigkeit messen), s Küchenmesser (das Messer)<br />
2.3.1.1 Doppeltes Genus<br />
Im Deutschen gibt es einige Substantive, die mit doppeltem Genus gebraucht werden.<br />
Wir können hier folgende Gruppen unterscheiden:<br />
(1) Schwankendes Genus. Es sind Substantive mit gleicher Form und gleicher Bedeutung,<br />
aber unterschiedlichem Genus:<br />
der/ selten die Abscheu<br />
das/der Barock<br />
der/das Bonbon<br />
der/das Dotter<br />
der/das Gulasch<br />
der/das Halfter<br />
der (Ö.)/das Joghurt<br />
der/das Katheder<br />
der/das Knäuel<br />
der (Ö.)/das Keks<br />
der/das Liter<br />
das/der Marzipan<br />
der/das Meter<br />
der/das Pony<br />
der/das Radar<br />
der/das Silo<br />
das/der Teil<br />
der/das Verhau<br />
das/der Zepter<br />
135
136<br />
Grammatik<br />
(2) Homonyme . Substantive mit gleicher Form, verschiedener Bedeutung und verschiedenem<br />
Genus. Die wichtigsten sind<br />
Singular:<br />
Plural:<br />
der Balg [Fell] Bälge koža<br />
das/der Balg [ungezogenes Kind] Bälge(r) fagan<br />
der Band [Buch] Bände zväzok<br />
die Band [Musikgruppe] Bands kapela, banda<br />
das Band [etwas zum Binden] Bande<br />
Bänder<br />
puto<br />
stuha, stužka<br />
der Bauer [Landwirt] Bauern rolník<br />
der/das Bauer [Käfig] Bauer klietka<br />
der Bulle [Stier] Bullen býk, bujak<br />
die Bulle [Urkunde] Bullen bula<br />
der Bund [Vereinigung] Bünde zväz(ok), spojivo, putá<br />
das Bund [etwas Gebundenes] Bunde zväzok, otep (slamy)<br />
der Erbe [Erbberechtigter] Erben dedic<br />
das Erbe [Erbgut] ∅ dedicstvo<br />
der Flur [Korridor] Flure chodba, predizba<br />
die Flur [Feld] Fluren niva, plán, pole<br />
der Gehalt [Wert] ∅ obsah, nápln<br />
das Gehalt [Lohn] Gehälter mzda, plat<br />
der Golf [Meeresbucht] Golfe záliv, zátoka<br />
das Golf [Golfspiel] ∅ golf<br />
der Heide [Nichtchrist] Heiden pohan<br />
die Heide [baumlose Ebene] Heiden pastvina, planina, step<br />
der Hut [Kopfbedeckung] Hüte klobúk<br />
die Hut [Vorsicht] ∅ ochrana, záštita<br />
der Junge [männliches Kind] Jungen chlapec<br />
das Junge [männliches Tier] Jungen mláda<br />
der Kiefer [Kieferknochen] Kiefer celust, sánka<br />
die Kiefer [Nadelbaum] Kiefern borovica<br />
der Kristall [Stoffform] Kristalle kryštál<br />
das Kristall [geschliffenes Glas] ∅ krištál, krištálové sklo<br />
der Kunde [Käufer] Kunden zákazník<br />
die Kunde [Nachricht] Kunden správa, zvest, novina<br />
der Leiter [Vorgesetzter] Leiter vedúci<br />
die Leiter [Gerät zum Steigen] Leitern rebrík<br />
der Mangel [Fehler] Mängel nedostatok<br />
die Mangel [Wäscherolle] Mangeln mangel<br />
die Mark [Währungseinheit] ∅ marka<br />
[Grenzland] Marken hranica, medza, pohranicie
das Mark [Knocheninneres] ∅ dren, kostná dren<br />
der Mast [Schiffbaum] Masten/ Maste stlp, žrd, stožiar<br />
die Mast [Intensivfütterung] ∅ výkrm, krmenie, krmivo<br />
der Moment [Augenblick] Momente okamih<br />
das Moment [Faktor] Momente moment, faktor, príc ina<br />
der Morgen [Tageszeit] ∅ ráno<br />
das Morgen [Zukunft] ∅ budúcnost<br />
der Pony [Frizur] Ponys ofina<br />
das Pony [kleines Pferd] Ponys pony, poník<br />
der Positiv [Adjektivform] ∅ pozitív (1. st. príd. mien)<br />
das Positiv [Photographie] Positive pozitív<br />
der Reis [Pflanze] ∅ ryža<br />
das Reis [Schössling] Reiser prútie<br />
der Schild [Schutzwaffe] Schilde štít, pavéza<br />
das Schild [Erkennungszeichen] Schilder vývesný štít, firemná tabula<br />
der See [Binnengewässer] Seen jazero<br />
die See [Meer] Seen more<br />
das Steuer [Lenkrad] Steuer volant, kormidlo<br />
die Steuer [Abgabe an den Staat] Steuern dan<br />
das Steuer [Lenkvorrichtung] Steuer volant<br />
der Stift [spitzes Schreibgerät] Stifte ceruza<br />
das Stift [geistliche Körperschaft] Stifte kláštor<br />
der Strauß [Vogelart]<br />
[Blumengebinde]<br />
Strauße<br />
Sträuße<br />
pštros<br />
kytica<br />
der Tau [Niederschlag] ∅ rosa<br />
das Tau [Seil] Taue lano<br />
der Tor [einfältiger Mensch] Toren blázon, hlupák<br />
das Tor [große Tür] Tore brána, vráta<br />
der Verdienst [Lohn] Verdienste zárobok<br />
das Verdienst [Leistung] Verdienste zásluha<br />
der Weise [kluger Mensch] Weisen mudrc<br />
die Weise [Methode, Manier] Weisen spôsob<br />
(3) Homonyme. Substantive mit gleicher Form, gleichem Genus und verschiedener<br />
Bedeutung. Die wichtigsten sind:<br />
r Akt, es, e<br />
r Ball, s, Bälle<br />
e Bank, Bänke<br />
dejstvo, akt<br />
lopta<br />
lavica<br />
r Akt, es, en<br />
r Ball, s, Bälle<br />
e Bank, -en<br />
das Tuch, es, e súkno s Tuch, es, "er šatka<br />
úradný spis<br />
ples<br />
banka<br />
(4) Substantive mit verschiedener Form, verschiedener Bedeutung und verschiedenem<br />
Genus:<br />
137
138<br />
Grammatik<br />
der Akt [Handlung]<br />
die Akte [Schriftstück]<br />
das Deck [Schiffsoberfläche]<br />
die Decke [zum Bedecken; obere Raumoberfläche<br />
das Etikett [Aufschrift]<br />
die Etikette [Umgangsformen]<br />
der Niet [Verbindungsstück]<br />
die Niete [fehllos]<br />
der Rabatt [Preisvergünstigung] die Rabatte [schmales Beet, Kleideraufschlag]<br />
das Rohr [Pflanzenteil; Hohlzylinder] die Röhre [Körperorgan, Geräteteil]<br />
der Spalt [schmale Öffnung]<br />
aber: die Gletscherspalte<br />
der Spross [Pflanzentrieb]<br />
der Streifen [Band]<br />
das Tablett [Geschirrbrett]<br />
der Typ [Eigenart, Gattung]<br />
die Spalte [Zeitungskolumne]<br />
die Sprosse [Teil der Leiter]<br />
die Streife [Patrouille]<br />
die Tablette [Medikament in Plätzchenform]<br />
die Type [gegossener Druckbuchstabe]<br />
2.3.2 Der Numerus des Substantivs<br />
Im Deutschen gibt es zwei Numeri: den Singular und den Plural. Der Singular (die<br />
Einzahl) drückt etwas einmal Vorhandenes, Ungegliedertes aus, der Plural (die<br />
Mehrzahl) dagegen etwas mehrfach Vo rhandenes, Gegliedertes.<br />
Einige Substantive können entsprechend ihrer Bedeutung nur im Singular (Sin gularetantum)<br />
oder nur im Plural (Pluraliatantum) stehen.<br />
Singulariatanten sind:<br />
• Stoffbezeichnungen: Gummi, Kupfer, Gold, Chlor, Sand; Bier, Mehl, Milch, Tee, Kaffee<br />
• Manche Sammelnamen (Kollektiva): Menschheit, Bevölkerung; Vieh, Wild; Obst, Gemüse;<br />
Zubehör<br />
• Manche Abstrakta: Fleiß, Mut, Absenz, Benehmen<br />
• Bestimmte Benennungen für Vorgänge: das Gähnen, das Lesen, das Gelächter,<br />
das Geschimpf(e).<br />
Wenn man einzelne Stoffarten und einige Abstrakta unterscheiden will, ist bei einigen<br />
Stoffnamen (besonders in der Fachsprache) eine Pluralform möglich. Dieser Plural<br />
kann oft mit anderen lexikalischen Mitteln (meist durch Wortbildung) ausgedrückt<br />
werden:<br />
r Bau Bauten stavba – budovy<br />
e Bevölkerung Bevölkerungsschicht, Bevölkerungsschichten<br />
obyvatelstvo – vrstva/vrstvy obyvatelstva<br />
s Fleisch Fleischwaren mäso – mäsové výrobky<br />
s Gepäck Gepäckstücke batožina<br />
s Getreide Getreidekorn, Getreidekörner obilné zrno/zrná<br />
s Holz Holzart, Holzarten druh dreva<br />
s Obst Obstart, Obstarten ovocie – druhy ovocia<br />
r Regen Regenfälle dážd – dažde, zrážky
Schmuck Schmucksachen ozdoba – šperky<br />
r Schnee Schneemassen sneh – sneženie<br />
r Wein Weinsorten víno – druhy vína<br />
r Weizen<br />
Weizensorten;<br />
Weizenkörner<br />
(Die Pluralformen Hölzer, Weine sind auch mö glich)<br />
pšenica – druhy pšenice<br />
pšenicné zrnká<br />
Ebenso sind bei manchen Abstrakta pluralfähige Nebenformen möglich:<br />
s Alter Altersstufe / Altersstufen vek<br />
r Ärger Ärgernis / Ärgernisse zlost, pohoršenie<br />
e Furcht Befürchtungen strach – obavy<br />
r Beruf Berufsarten povolanie – druhy povolania<br />
s Bestreben Bestrebungen úsilie – snahy<br />
r Betrug Betrügereien podvod – podvádzanie<br />
r Dank Danksagung / Danksagungen vdaka, vdakyvzdanie<br />
r Kummer Kümmernisse žial, starost – starosti, obavy<br />
s Lob Lobsprüche chvála – pochvalné výroky<br />
r Rat Ratschlag / Ratschläge rada – rady, návrhy<br />
r Streit Streitigkeit / Streitigkeiten spor – hádky, škriepky<br />
r Tod Todesfälle smrt – úmrtia<br />
s Unglück Unglücksfall / Unglücksfälle neštastie – nehody<br />
r Verdacht Verdachtsmoment / Verdachtsmomente; podozrenie<br />
Verdachtsfall/Verdachtsfälle<br />
s Vergnügen Vergnügung/Vergnügungen zábava – zábavy, zábavné podujatia<br />
s Verhalten Verhaltensweise / Verhaltensweisen správanie, spôsob správania<br />
r Zank Zänkereien zvada – škriepky<br />
• die Eigennamen:<br />
Thomas Mann, Friedrich Schiller, Faust, Prag, Dresden, Jena, Schillers »Räuber«, das<br />
Rennpferd Ajax<br />
Eigennamen werden im Plural dann gebraucht, wenn es sich um mehrere Vertre ter<br />
des gleichen Namens handelt:<br />
die Müllers, die Habsburger, die beiden Amerika<br />
Pluraliatantum sind:<br />
Substantive, die nur im Plural stehen können, z.B.:<br />
• einige geographische Bezeichnungen:<br />
Alpen, Anden, Antillen, Hebriden, Karpaten; Niederlande, USA; Azoren<br />
• Personenbezeichnungen:<br />
Eltern, Gebrüder, Geschwister, Leute<br />
139
140<br />
• manche Bezeichnungen für Zeiträume:<br />
Grammatik<br />
Ferien, Weihnachten 12 , Ostern, Flitterwochen, Pfing sten<br />
• manche Krankheitsbezeichnungen:<br />
Blattern, Masern, Pocken, Röteln<br />
• Sammelbegriffe in Handel und Wirtschaft:<br />
Chemikalien, Kurzwaren, Lebensmittel, Rauchwaren, Möbel, Spirituosen<br />
• kaufmännische Begriffe:<br />
Aktiva, Passiva, Alimente, Einkünfte, Finanzen, Immobilien, Kosten, Personalien, Spesen, Tagegelder,<br />
Unkosten, Zinsen<br />
• sonstige Substantive:<br />
Ränke, Schliche, Umtriebe; Gliedmaßen, Makkaroni, Memoiren, Realien, Shorts, Spaghetti, Tropen,<br />
Trümmer<br />
Das deutsche Pluraliatantum Geschwister kommt im Slowakischen sowohl im Singular<br />
als auch im Plural vor (súrodenec, súrodenci).<br />
Viele slowakische Pluraliatantum sind im Deutschen einfache Substantive, also keine<br />
Pluraliatantum. Die wichtigsten sind folgende:<br />
dvere<br />
hodiny<br />
kliešte<br />
noviny<br />
nožnice<br />
pl úca<br />
prsia<br />
sane<br />
ústa<br />
vráta<br />
e Tür<br />
e Uhr<br />
e Zange<br />
e Zeitung<br />
e Schere<br />
e Lunge<br />
e Brust<br />
r Schlitten<br />
r Mund<br />
s Tor<br />
peniaze<br />
šaty<br />
okuliare<br />
meniny<br />
nohavice<br />
husle<br />
fúzy<br />
dejiny<br />
kvasnice<br />
s Geld<br />
s Kleid<br />
e Brille<br />
r Namenstag<br />
e Hose<br />
e Violine, e Geige<br />
r Schnurrbart<br />
e Geschichte<br />
e Hefe<br />
2.3.2.1 Die Formen des Plurals im Deutschen<br />
Die Deklination im Plural ist im Deutschen sehr einfach, da nur der Dativ die Flexionsendung<br />
-n enthält. Diese Flexionsendung wird an den Nominativ des Plurals angefügt.<br />
Wenn aber der Nominativ Plural auf -n oder -s ausgeht bzw. fremde Pluralmorpheme<br />
erhält, entfällt das Kennzeichen -n des Dativs.<br />
Nach der Art der Pluralbildung, d.h. der Bildung des Nominativs im Plural, können<br />
wir die Substantive in fünf Gruppen einteilen:<br />
12 aber: Weihnachten ist schön. Auch „die Weihnacht“: Jemandem eine gesegnete<br />
Weihnacht wünschen.
F<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Typ 1 Typ 2 Typ 3 Typ 4 Typ 5<br />
ohne Umlaut<br />
Suffix -O -e -er -en -s<br />
die Lehrer<br />
der Lehrer<br />
den Lehrern<br />
die Lehrer<br />
mit Umlaut<br />
die Vögel<br />
der Vögel<br />
den Vögeln<br />
die Vögel<br />
die Tage<br />
der Tage<br />
den Tagen<br />
die Tage<br />
die Bäche<br />
der Bäche<br />
den Bächen<br />
die Bäche<br />
die Lieder<br />
der Lieder<br />
den Liedern<br />
die Lieder<br />
die Männer<br />
der Männer<br />
den Männern<br />
die Männer<br />
die Frauen<br />
der Frauen<br />
den Frauen<br />
die Frauen<br />
(die Schäden)<br />
(der Schäden)<br />
(den Schäden)<br />
(die Schäden)<br />
die Parks<br />
der Parks<br />
den Parks<br />
die Parks<br />
Typ 1. Ohne Endung (bei umlautfähigem Stammvokal mit/ohne Umlaut. Zu dieser<br />
Gruppe gehören:<br />
a) die meisten Maskulina auf -el, -en, -er:<br />
ohne Umlaut:<br />
Tadel, Hobel, Strudel, Tunnel<br />
Balken, Braten, Haken, Schatten, Wagen; Groschen, Kolben, Kno chen, Posten; Kuchen,<br />
Schuppen; Daumen, Gaumen; Anker, Ad ler, Bagger, Dampfer; Donner, Koffer, Sommer<br />
mit Umlaut: (22 Substantive):<br />
Apfel [Plural: Äpfel], Handel, Nagel, Mangel, Mantel, Sattel, Schnabel, Vogel; Faden,<br />
Garten, Graben, Hafen, Kasten, Laden, Schade(n), Boden, Bogen 13 , Ofen; Acker, Hammer,<br />
Schwager, Vater; Bruder<br />
bei nicht-umlautfähigem Stammvokal:<br />
Ärmel, Bügel, Deckel, Esel, Kessel, Spiegel; Besen, Felsen; Finger, Fehler, Leiter<br />
Ausnahmen sind:<br />
r Bauer, s(n), n; r Bayer, n, n; r Gevatter, s, n; r Hader 14 , s, n; r Muskel, s, n; r Stachel,<br />
s, n; r Vetter, s, n; r Lorbeer, s, en<br />
b) zwei Feminina:<br />
die Mutter (die Mütter), die Tochter (die Töchter)<br />
aber: die Muttern (= umschließender Teil einer Schraube, slow. matice)<br />
c) Neutra auf -el, -en, -er; -chen, -lein, -sel:<br />
ohne Umlaut:<br />
Kabel, Mittel, Schnitzel; Becken, Eisen, Kissen, Zeichen; Fenster, Gewässer, Lager, Messer;<br />
Häuschen; Büchlein; Streusel<br />
mit Umlaut:<br />
Kloster (Pl. Klöster)<br />
141<br />
13 die Pluralformen von r Bogen: Bögen = oblúky (mostové), die Bogen = hárky papiera<br />
14 r Hader, Pl. e Hadern = handra, süddeutsch/österreichisch
F<br />
142<br />
Grammatik<br />
d) Substantive mit dem Präfix Ge-, die auf -e enden:<br />
das Gebäude (Plural: die Gebäude), das Gebirge (die Gebirge)<br />
Typ 2. Suffix -e<br />
a) Einsilbige Maskulina mit nicht-umlautfähigem Stammvokal:<br />
Berg, Brief, Film, Fisch, Schritt, Dieb, Freund<br />
Mit umlautfähigem Stammvokal (etwa 230 Substantive):<br />
Arzt, Ast, Bach, Ball, Draht, Fall, Gast, Hals, Kamm, Kampf, Platz, Saal (Pl. Säle), Satz, Schrank,<br />
Schwanz, Stall; Bock, Frosch, Frost, Hof, Korb, Rock, Sohn, Stock, Ton; Busch, Duft, Fluss, Grund,<br />
Hut, Krug, Kuss, Schluss, Strumpf, Stuhl, Wunsch, Zug; Baum, Brauch, Kauf, Lauf, Schlauch, Traum,<br />
Zaun<br />
Ohne Umlaut:<br />
Aal, Arm, Fund, Grad, Halm, Tag; Bord, Docht, Dolch, Dom, Mond, Mord, Stoff, Thron, Tod; Flur,<br />
Huf, Hund, Punkt, Ruf, Schuh<br />
Mehrsilbige Maskulina:<br />
Mit umlautfähigem Stammvokal:<br />
Mit Umlaut:<br />
Anfang, Anlas, Antrag, Betrag, Einwand, Verstoß; Ausdruck, Genus, Geruch<br />
Ohne Umlaut:<br />
Abend, Monat, Erfolg, Besuch, Verlust, Versuch<br />
Mit nicht-umlautfähigem Stammvokal:<br />
Kürbis, Bericht, Entscheid, Vergleich<br />
Wörter, die auf -ig und -ling enden:<br />
König, Lehrling, Liebling<br />
c) Etwa 40 einsilbige Feminina mit Umlaut:<br />
Angst, Axt, Bank, Gans, Hand, Kraft, Macht, Magd, Nacht, Naht, Stadt, Wand;<br />
Not;<br />
Frucht, Gruft, Gunst, Kluft, Kuh, Kunst, Luft, Lust, Nuss, Schnur, Sucht, Wurst, Zunft;<br />
Braut, Faust, Haut, Laus, Maus, Sau<br />
Merke: Hand – Hände, aber: von Handen gehen (íst od ruky)<br />
Bank – Banken = banky<br />
Macht – Mächte 15<br />
Nacht – Nächte, aber: Weihnachten<br />
15 aber: Vollmachten = plné moci
Einige mehrsilbige Substantive:<br />
Ankunft, Ausflucht (aber: Flucht, -en), Geschwulst, Herkunft, Unter kunft, Zusammenkunft<br />
d) Einsilbige Neutra ohne Umlaut:<br />
Bein, Beil, Blech, Boot, Fest, Gas, Gift, Haar, Jahr, Kreuz, Kinn, Maß, Meer, Moor, Netz, Paar, Pferd,<br />
Pfund, Pult, Reh, Reich, Rohr, Salz, Schaf, Schiff, Schwein, Seil, Spiel, Stück, Tier, Tor, Werk, Zelt,<br />
Ziel<br />
Mit Umlaut nur: Chor – Chöre, Floß – Flöße<br />
Einige mehrsilbige Wörter:<br />
Besteck, Beispiel, Gebiet, Gedicht, Gefühl, Gepäck, Gebot, Gefühl, Gelenk, Gepäck, Geschäft, Geschenk,<br />
Gesetz, Getränk, Jahrzehnt, Merkmal, Metall, Organ, Urteil, Verbot, Verdienst, Verhör<br />
Wörter fremder Herkunft:<br />
Ideal, Exemplar, Objekt, Paket, Problem, Prozent, Talent<br />
Feminina und Neutra auf -nis (mit Verdopplung des s) und auf -sal:<br />
e Kenntnis – Kenntnisse; s Ergebnis – Ergebnisse, s Verhältnis – Ver hältnisse, s Zeugnis – Zeugnisse;<br />
s Schicksal, -e<br />
Typ 3. Suffix -er<br />
a) Einige Maskulina:<br />
Mit Umlaut (11):<br />
Dorn, 16 Gott, Mann, Mund, Ort (Plural auch Orte), Rand, Strauch, Wald, Wurm, Irrtum, Reichtum<br />
Ohne Umlaut (3): Geist, Leib, Schi (Ski)<br />
b) Keine Feminina<br />
c) Einsilbige Neutra:<br />
Ohne Umlaut (22):<br />
Bild, Brett, Ei, Feld, Geld, Glied, Kind, Kleid, Licht, Lid, Lied, Nest, Reis (= prút), Rind, Schild,<br />
Schwert, Weib<br />
außerdem: Gemüt, Geschlecht, Gesicht, Gespenst<br />
Mit Umlaut (39 Wörter):<br />
Amt, Bad, Band, Blatt, Buch, Dach, Dorf, Fach, Fas, Glas, Grab, Gras, Gut, Haupt, Haus, Holz, Horn,<br />
Huhn, Kalb, Korn, Kraut, Lamm, Land, Loch, Mahl (auch: Mahle), Maul, Pfand, Rad, Schloss, Tal,<br />
Tuch 17 , Volk, Wams, Wort 18<br />
143<br />
16 Dorn hat zwei Pluralformen: Dornen und seltener Dörner. In der Sprache der Technik ist<br />
auch die Pluralform Dorne (= trn, prebíjac, bodec) möglich.<br />
17 aber: Tuche = látky<br />
18 aber: Worte = slová
F<br />
144<br />
Grammatik<br />
außerdem: Denkmal, Gehalt, Gemacht, Gewand, Spital<br />
Maskulina und Neutra auf -tum:<br />
r Reichtum, r Irrtum; s Eigentum, s Fürstentum<br />
Typ 4: -en / -n<br />
a) Maskulina der sog. »schwachen« Deklination und des Mischtyps:<br />
Substantive auf -e, die Lebewesen bezeichnen:<br />
Bote, Erbe, Junge, Kunde, Affe, Bulle, Hase, Falke, Löwe; Biologe, Chinese, Russe, Slowake, Tscheche,<br />
Vietnamese<br />
Substantive auf -ant, -ent, -ist, -at, -et, -om u.a.:<br />
Demonstrant, Emigrant; Absolvent, Präsident, Student; Chauvinist, Nationalist, Polizist, Populist;<br />
Adressat, Bürokrat; Päderast<br />
Athlet, Poet, Prophet, Planet;<br />
Agronom, Ökonom;<br />
Doktorand, Stenograph, Chirurg, Pilot, Vagabund, Päderast u.a.<br />
Substantive mit konsonantischem Auslaut der sog. »schwachen« Deklination:<br />
Bär, Christ, Fürst, Held, Herr, Hirt, Mensch, Narr, Prinz, Zar, Soldat, Leopard, Papagei, Polyp<br />
Folgende Maskulina des Singulartyps 1:<br />
Dorn, Fleck, Lorbeer, Mast, Muskel, Nerv, Pantoffel, Pfau, Schmerz, Schreck, See, Staat, Stachel,<br />
Strahl, Typ, Untertan, Vetter<br />
Doppelformen (9 Substantive):<br />
Gebräuchliche Formen seltene, ältere Formen<br />
Frieden Friede (kein Plural) pokoj, mier<br />
Funke Funken iskra<br />
Gedanke Gedanken myšlienka<br />
Glaube (kein Plural) Glauben viera<br />
Haufen Haufe (dichterisch) kopa<br />
Name Namen meno<br />
Samen Same semeno<br />
Schaden (Pl. Schäden) Schade (archaisch) škoda<br />
Wille Willen vôla<br />
Die »Mischtypen» (Genitiv -s, Plural -en; 20 Wörter):<br />
Ahn, Dorn, Hader, Lorbeer, Mast, Muskel, Nerv, Pantoffel, Pfau, Schmerz, Schreck, See, Staat, Stachel,<br />
Strahl, Typ, Untertan, Vetter, Zins<br />
aber: r Hader, s/ø = hádka, Fleck (Flecke auch Flecken)
Fremdwörter auf -or, -us, -(is)mus:<br />
Autor, Doktor, Professor; Diskus 19 , Mythus; Kapitalismus, Organismus<br />
b) Die meisten Feminina – mit einer Gruppe einsilbiger Wörter:<br />
Bahn, Frau, Uhr, Welt, Kindheit, Mannschaft, Vertretung<br />
c) Sieben Neutra:<br />
Auge, Bett, Ende, Hemd, Herz, Leid, Ohr<br />
Typ 5: -s<br />
a) Viele Fremdwörter, besonders aus dem Englischen und Französischen:<br />
r Boy, r Park, s Girl, s Team; s Appartement, s Niveau, s Tableau, s Tablett<br />
b) Substantive, die auf Vokale enden (außer -e):<br />
s Echo, s Foto, s Motto, r Zoo; r Paprika, rPyjama, rWodka, r Opa, e Oma, e Sofa, eKobra,<br />
s Zebra; r Uhu; r Attaché, s Café, s Komitee, s Resümee; r Kolibri, r Vati, eMutti, s Alibi, s Taxi;<br />
r Kakadu; s Regime, s Atelier, s Milieu<br />
u.a.<br />
c) Kurzwörter:<br />
r Akku, e Lok, e Mutti, r Pulli, r Vati; r Lkw, r Pkw<br />
d) Einige Wörter aus der Seemannsprache und Meteorologie:<br />
s Deck, s Haff (Pl. Haffs oder Haffe) r Pier, s Wrack; s Hoch, s Tief<br />
e) Familiennamen, wenn sie die ganze Familie bezeichnen:<br />
die Müllers (= die Familie Müller), die Schulzens (= die Familie Schulze)<br />
f) Umgangssprachliche Formen sind:<br />
Jungens, Jungs (Standard: die Jungen), die Kerls (= Kerle), Kumpels (Kum pel), Onkels (Onkel),<br />
Fräuleins (Fräulein), Mädels (Mädel)<br />
Maskulina und Neutra, die Menge, Maß und Gewicht bezeichnen, bleiben nach Zahlwörtern<br />
– im Gegensatz zum Slowakischen – endungslos:<br />
zwei Glas Bier<br />
fünf Stück Seife<br />
zwei Paar Schuhe<br />
zweiunddreißig Grad Wärme<br />
dreißig Mann Besatzung<br />
zwei Pfund Fleisch<br />
dva poháre piva<br />
pät kusov mydla<br />
dva páry topánok<br />
tridsatdva stupnov tepla<br />
tridsat mužov posádky<br />
kilo mäsa<br />
145<br />
19 Plural: Disken oder Diskusse.
F<br />
146<br />
Grammatik<br />
Feminina als Maß- und Mengenbezeichnungen werden meist in den Plural gesetzt:<br />
drei Flaschen Wein<br />
fünf Tassen Kaffee<br />
zwei Franken (Schweiz)<br />
tri flaše vína<br />
pät šálok kávy<br />
dva franky (švajciarske)<br />
aber: um fünf Uhr, zehn Mark (auch zehn Marken)<br />
2.3.2.2 Pluralbildung der Fremdwörter<br />
Außer den oben genannten Möglichkeiten sind, besonders in der Fachsprache, die ursprünglichen<br />
Pluralformen erhalten geblieben. Die wichtigsten Suffixe fre mder Herkunft<br />
sind:<br />
-a: s Abstraktum – Abstrakta, s Lexikon – Lexika/Lexikons, s Prak tikum – Praktika/Praktiken,<br />
s Verbum – Verba/Verben, s Visum – Visa Visen;<br />
-a: (mit Vokaländerung): s Genus – Genera, s Opus – Opera, s Tempus – Tempora,<br />
s Pronomen – Pronomina/Pronomen;<br />
-es: (mit Vokaländerung): r Index – Indizes/Indexe, e Varix – Varizes/Varizen;<br />
-i: s Intermezzo – Intermezzi, rModus – Modi, r Musikus – Musici, sSoli – Soli,<br />
r Terminus – Termini, s Tempo – Tempi/Tempos<br />
-ien: s Adverb – Adverbien, sFossil – Fossilien, sMaterial – Materialien, s Prinzip –<br />
Prinzipien<br />
-ta: s Stigma – Stigmata/Stigmen, sSyntagma – Syntagmata/Syntagmen, sThema –<br />
Themen /Themata<br />
2.3.3 Der Kasus<br />
Der Kasus dient der syntaktischen Verknüpfung von Wörtern im Satz. Man unterscheidet<br />
den:<br />
• reinen Kasus und<br />
• präpositionalen Kasus<br />
Das Kind ist da.<br />
Die Eltern des Kindes sind verreist.<br />
Er schreibt seinem Bruder einen Brief.<br />
Wir warten auf euch.<br />
Im Deutschen werden vier reine Kasus unterschieden:<br />
• der Nominativ,<br />
• der Genitiv,<br />
• der Dativ und<br />
• der Akkusativ<br />
(Nominativ)<br />
(Nominativ, Genitiv)<br />
(Dativ, Akkusativ)<br />
(präpositionaler Kasus)
Formal gesehen gibt es zwischen dem Nominativ und Akkusativ nur im Maskulinum<br />
einen Unterschied. Der Nominativ und der Akkusativ der Feminina und der Neutra<br />
sind formal identisch.<br />
In der deutschen Sprache der Gegenwart werden die präpositionalen Kasus immer<br />
häufiger gebraucht.<br />
Er schreibt seinem Freund einen Brief.<br />
Den Brief schreibt er an seinen Freund.<br />
2.4 Deklinationsarten<br />
In den folgenden Deklinationstabellen werden nur Kasusmorpheme für die Darstellung<br />
herangezogen.<br />
Im Singular kann man folgende Hauptarten feststellen:<br />
Hauptarten<br />
Stark schwach ∅-Deklination<br />
Maskulina Neutra Maskulina Feminina<br />
N. der Tag das Glück der Hase die Frau<br />
G. des Tages des Glücks des Hasen der Frau<br />
D. dem Tag(e) dem Glück dem Hasen der Frau<br />
A. den Tag das Glück den Hasen die Frau<br />
die meisten Maskulina,<br />
alle Neutra<br />
einige Maskulina,<br />
viele Fremdwörter) 20<br />
alle Feminina,<br />
wenige Maskulina,<br />
Wörter auf -ismus)<br />
Bei den starken Maskulina und bei Neutra erscheint im Genitiv das Kasusmorphem -(e)s:<br />
des Vaters, des Waldes, des Tages; des Kindes, des Hauses<br />
Bei den schwachen Maskulina erscheint die Kasusendung -(e)n. Zu dieser Gruppe<br />
gehören Substantive, wie:<br />
r Bär, r Bauer, r Christ, r Fink, r Fürst, r Graf, r Held, r Hirt, r Herr, r Leopard, r Narr, r Mensch,<br />
r Nachbar, r Narr, r Prinz, r Spatz, r Zar<br />
Zur schwachen Deklination gehören Substantive, die auf –ad, -ant, -e, -ent, -et, -ik,<br />
-oph und -ist enden:<br />
r Kamerad, r Adjutant, r Demonstrant, r Frequentant; r Pole, r Slowake, r Tscheche;<br />
r Gynäkologe, r Pädagoge; r Dirigent, r Präsident, r Student; r Athlet, r Poet; r Katholik;<br />
r Anarchist, r Maschinist, r Populist, r Sozialist<br />
und einige Sachnamen:<br />
r Automat, r Planet, r Diamant, r Telegraf, r Erdtrabant, r Telegraf, r Komet, r Satellit<br />
147<br />
20 Nach Sommerfeldt, K.E., Starke, G. S. 116.
148<br />
Grammatik<br />
Eine besondere Gruppe bilden neun Substantive. Sie werden nach folgendem Muster<br />
dekliniert:<br />
Singular Plural<br />
N. der Name(n) die Namen<br />
G. des Namens der Namen<br />
D. dem Namen den Namen<br />
A. den Namen die Namen<br />
Unregelmäßig wird auch das Wort das Herz dekliniert:<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Singular<br />
das Herz<br />
des Herzens<br />
dem Herz(en)<br />
das Herz<br />
Plural<br />
die Herzen<br />
der Herzen<br />
den Herzen<br />
die Herzen<br />
Die Form im Dativ dem Herzen ist gegenüber der Form dem Herz gehoben; die Form<br />
dem Herz ist alltäglicher.<br />
Bei Fremdwörtern auf -s, -ß, -x und -st wird der Genitiv formal nur bei Eindeutschung<br />
auf -es (des Komplexes, des Prozesses) markiert. Doppelformen weisen<br />
folgende Substantive auf:<br />
des Atlas/Atlasses, des Index/Indexes, des Elektrolyts/ Elektrolyten, des Kakerlaks/ Kakerlaken,<br />
des Magnets/Mag neten, des Papageis/Papageien, des Partisans/Partisanen, des Satyrs/Satyrn,<br />
des Tribuns/Tribunen, des Triumvirs/ Triumvirn<br />
2.4.1.1 Deklination substantivierter Partizipien und substantivierter<br />
Adjektive<br />
Bei der Deklination substantivierter Partizipien nach Adjektiven, Possessivpronomen<br />
und adjektivisch gebrauchten Zahlwörtern ist folgendes zu beachten:<br />
kein Kranker keine Kranken<br />
unser Reisender unsere Reisenden<br />
ein Beauftragter ø ø<br />
ø Beauftragte<br />
zwei Arbeitende<br />
vier Reisende<br />
einige Kranke<br />
viele Erzählende<br />
der Beauftragte die Beauftragten<br />
Reisende<br />
Reisenden
2.5 Deklination der Eigennamen<br />
149<br />
F<br />
2.5.1 Personennamen<br />
a) Personennamen haben meistens Nullartikel. Als Attribut stehen sie im Genitiv mit<br />
der Endung -s oder im Dativ mit der Präposition von:<br />
Wir lesen die Gedichte Bertolt Brechts.<br />
Wir lesen Bertolt Brechts Gedichte.<br />
Wir lesen die Gedichte von Bertolt Brecht.<br />
b) Im Singular bilden sie den Genitiv mit -s, wenn der Name noch nicht durch ein<br />
vorhergehendes Wort als Genitiv gekennzeichnet ist:<br />
die Ermordung Caesars, die Gegner Octavians<br />
die Eltern Gretels<br />
die prätentiöse Rhetorik Catos<br />
der Vater Karl-Joachims<br />
Wir lesen Peters Briefe.<br />
Lehrer Müllers Unterricht, der Unterricht Lehrer Müllers<br />
aber: der Unterricht des Lehrers Müller<br />
Bei mehreren Namen einer Person erhält – im Gegensatz zum Slowakischen –nur der<br />
letzte eine Endung:<br />
die Fugen Johann Sebastian Bachs Fúgy Johanna Sebastiana Bacha<br />
Thomas Bernhards ’Heldenplatz’<br />
Personennamen mit vorangestelltem Adjektiv stehen heute meist ohne -s:<br />
Die Gedichte des jungen Bertolt Brecht<br />
Die Leiden des jungen Werther<br />
Goethe selbst schrieb: Die Leiden des jungen Werthers<br />
Der Genitiv kann durch Umschreibung mit Präposition ersetzt werden:<br />
der Brief von Irene<br />
Romane von Agatha Christie<br />
Bei Familiennamen mit Präposition erhält in der Regel der Familienname eine Flexionsendung:<br />
die Opern Carl Maria von Webers<br />
Wird der Beiname noch deutlich als Ortsname empfunden, dann dekliniert man den<br />
Vornamen:<br />
der Parzival Wolframs von Eschenbach<br />
die Gedichte Walters von der Vogelweide<br />
die Anschrift Alfreds zur Mühlen
150<br />
Grammatik<br />
Personennamen auf -s, -z, -x stehen im vorangestellten Genitiv ohne Endungs-s −<br />
geschrieben mit Apostroph − oder im Dativ mit von:<br />
Wir lesen Hans Sachs’ Schwänke.<br />
Wir lesen die Schwänke von Hans Sachs.<br />
Ich lese den Brief von Thomas.<br />
c) Für Personennamen im Plural gilt folgendes:<br />
Die weiblichen Vornamen mit -e bilden den Plural mit -en:<br />
die Lotten, die Hilden, die Marien<br />
Alle anderen weiblichen und auch männlichen Vornamen auf Vokal hängen -s an:<br />
Zwei Annas, vier Irmgards, zwei Ruths, zwei Bettis und drei Andreas besuchen die vierte Klasse.<br />
Männliche Vornamen, die auf Konsonanten enden, hängen -s an oder bleiben endungslos:<br />
die Wilhelms, die Werner, die Klaus<br />
Familiennamen erhalten im Plural ein -s, können aber auch undekliniert bleiben. Ohne<br />
Artikel müssen sie ein -s erhalten:<br />
die Grimm(s), die Müller(s), die Huber(s), die Hebbel, die Fiedler<br />
Müllers und Hubers besuchen uns am Sonntag.<br />
Namen fremder Herkunft, insbesondere die aus dem Altgriechischen und Lateinischen,<br />
behalten in religiösen Texten häufig ursprünglichen Kasusendungen bei:<br />
die Himmelfahrt Mariens neben Mariae Himmelfahrt<br />
Himmelfahrt Jesu und Krönung Mariä<br />
2.5.2 Geographische (erdkundliche) Namen<br />
Bei erdkundlichen Namen schwankt die Setzung des Genitiv -s. Es ist zu setzen bei<br />
artikellosen Namen, aber auch bei solchen Namen steht er mit Artikel (Maskulina<br />
und Neutra):<br />
die Ufer des Rhein(s)<br />
die Wirtschaft Österreichs, die Binnengewässer Finnlands<br />
die Größe Asiens, innerhalb Europas, der Waldreichtum Thüringens<br />
innerhalb Wiens, er wohnt südlich Berlins, oberhalb Dresdens, einschließlich Passaus<br />
Fremde erdkundliche Namen nehmen ein Genitiv -s nur an, wenn sie eingedeutscht<br />
sind oder häufig verwendet werden:<br />
des Tibers, des Nil(s), die Bewohner des Irak (Iraks)<br />
der Kiefernwald des Darß<br />
Das Plural-s wird heute meist abgestoßen:
F<br />
die beiden Frankfurt<br />
die zwei Amerika<br />
Nach Adjektiven, die eine Himmelsrichtung bezeichnen, steht meistens der Ge nitiv<br />
mit -s oder es steht von + Dativ:<br />
er wohnt südlich Wiens oder Wien<br />
er wohnt südlich von Wien<br />
Bei Namen auf -s, -ß, -z, -x wird gewöhnlich der Genitiv mit von + Dativ umschrieben,<br />
oder es wird die Gattungsbezeichnung vor den Namen gesetzt:<br />
die Sehenswürdigkeiten von Paris<br />
die Sehenswürdigkeiten der Stadt Paris<br />
die Pariser Sehenswürdigkeiten<br />
Völkernamen<br />
Völkernamen enden im Nominativ Singular in der Regel auf -e oder -er.<br />
der Pole, der Russe, der Slowake; der Chinese, der Vietnamese; der Indianer, der Spanier<br />
Völkernamen auf -e werden schwach dekliniert; auch im Plural haben sie die Endung<br />
-n:<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Singular<br />
der Franzose<br />
des Franzosen<br />
dem Franzosen<br />
den Franzosen<br />
Plural<br />
die Franzosen<br />
der Franzosen<br />
den Franzosen<br />
die Franzosen<br />
Völkernamen, die auf -er enden, haben im Genitiv ein -s, in allen anderen Kasus und<br />
im Plural (außer dem Dativ Plural) sind sie endungslos:<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Singular<br />
der Römer<br />
des Römers<br />
dem Römer<br />
den Römer<br />
Plural<br />
die Römer<br />
der Römer<br />
den Römern<br />
die Römer<br />
aber: der Bayer, des Bayern, dem Bayern, den Bayern, die Bayern; der Ungar, des Ungarn, dem<br />
Ungarn, den Ungarn, die Ungarn<br />
Fremde Völkernamen, die auf einen Vokal enden, bilden den Genitiv Singular und<br />
den Plural mit oder ohne -s:<br />
des Bantu(s), die Bantu(s); des Eskimo(s), die Eskimo(s); des Papua(s), die Papua(s); des Zulu(s),<br />
die Zulu(s)<br />
151
152<br />
Buchtitel und Gebäudenamen:<br />
Grammatik<br />
Titel von Büchern, Dichtungen, Zeitungen und Gebäudenamen müssen ebenfalls dekliniert<br />
werden:<br />
die Vertonung des »Erlkönigs«; die Redaktion des »Kuriers«; in den »Vier Jahreszeiten« (= Hotel<br />
in München)<br />
Bei vorangehenden Verfassernamen fällt ein zum Titel gehörender Artikel weg:<br />
Kleists »Zerbrochener Krug«; Grillparzers »Armer Spielmann«<br />
Will man den Titel nicht „verletzen“, dann muss ein Appellativum vorangestellt werden:<br />
Ausschnitte aus Grillparzers »Der Arme Spielmann«; im Hotel »Vier Jahreszeiten«<br />
2.6 Valenzmodelle der Substantivgruppe<br />
Das Substantiv als Teil des nominalen Prädikats ist Valenzträger des Satzes, in anderen<br />
syntaktischen Rollen als Kern einer Wortgruppe ist es ebenfalls Valenzträger.<br />
Mit anderen Worten: die vom Substantiv eröffneten Leerstellen können mit unterschiedlichen<br />
sprachlichen Mittel besetzt werden. Die wichtigsten sprachlichen Mittel<br />
dafür sind folgende: 21<br />
• Substantiv im Genitiv<br />
• präpositionales Substantiv<br />
• Possessivpronomen<br />
• relatives Adjektiv<br />
• Infinitivgruppe<br />
• Nebensatz<br />
2.6.1.1 Substantiv im Genitiv<br />
Der Genitiv kann verschiedene semantische Rollen repräsentieren, wie z.B.:<br />
• Träger des Geschehens: die Arbeit des Hausmeisters<br />
• Träger eines Vorganges: das Fallen der Blätter<br />
• Träger eines Zustandes: der Schlaf des Jungen, der Stolz des<br />
Sportlers auf seinen Sieg<br />
• Ziel einer Tätigkeit: die Verabschiedung des Beschlusses<br />
Der Genitiv kann vor oder hinter dem Kern der Substantivgruppe stehen. Im Vo rfeld<br />
tritt der Genitiv meist in folgenden Fällen auf:<br />
Eigennamen (Vor- und Familiennamen, geographische Namen, Verwandtschaftsbezeichnungen):<br />
Peters Freundin, Marias Buch<br />
21 Sommerfeldt/Schreiber 1977, S. 19.
Titel-, Funktions- und Rangbezeichnungen;<br />
des Priesters Predigt<br />
des Kapitäns Befehl<br />
Obligatorisch ist die Voranstellung des Genitivs in manchen Ableitungen von zweiwertigen<br />
Adjektiven:<br />
der des Lesens Unkundige<br />
der der Auszeichnung Würdige 22<br />
Normalerweise steht der Genitiv hinter dem Substantiv:<br />
die Tür des Hauses<br />
der Eingang des Schlosses<br />
die Bemühungen des Schülers<br />
2.6.1.2 Präpositionales Substantiv<br />
Am häufigsten tritt das Substantiv mit der Präposition von unter folgenden Bedingungen<br />
auf:<br />
• Bei einem attributiven Substantiv im Singular und Plural mit Nullartikel:<br />
ein Hauch von Zufriedenheit<br />
ein Heer von Zuschauern<br />
das Geburtshaus von Schiller<br />
• In der Umgangssprache wird die Präposition häufig auch bei Substantiven mit<br />
dem Artikel oder mit einem Adjektiv oder Partizip verwendet:<br />
das Buch von meinem besten Freund – das Buch meines besten Freundes<br />
• Ein Substantiv kann eine oder mehrere Ergänzungen mit Präposition regieren:<br />
die Freude an (den Geschenken)<br />
die Furcht vor (der Dunkelheit)<br />
die Freundschaft mit (einem Kollegen), zu (dem Nachbarn)<br />
der Gebrauch des Dudens als Nachschlagewerk durch den Schüler<br />
die Diskussion zwischen den Schülern und dem Lehrer über das aktuelle Problem<br />
Substantive mit einer präpositionalen Ergänzung sind gewöhnlich nachgestellt. In<br />
bestimmten Fällen kann das Substantiv mit Präposition vorangestellt sein, vgl.:<br />
die von außerhalb Kommenden<br />
die auf den Freund Wartenden<br />
die auf das Konzert Neugierigen<br />
153<br />
22 ebenda, S. 20.
154<br />
Grammatik<br />
Die folgende Liste enthält die wichtigsten Nomina, die ein präpositionales Attribut<br />
haben können. Einige Substantive können mehrere Komplemente mit Präpositionen<br />
regieren (z.B. Frage nach/an; Kampf für/gegen; Hilfe an/für).<br />
Ähnlichkeit mit podobnost s<br />
Angebot an ponuka komu<br />
Angst vor strach pred<br />
Auswahl unter výber z<br />
Bedarf an dopyt po<br />
Begehren nach túžba po<br />
Bitte um prosba o<br />
Druck auf tlak na<br />
Empfänglichkeit für náchylnost<br />
Entschuldigung für ospravedlnenie<br />
za<br />
Fahrt nach cesta do<br />
Forderung nach požiadavka o<br />
Frage nach, an otázka, problém<br />
Freude an/auf/über/wegen radost z<br />
Furcht vor strach z<br />
Genugtuung für zadostucinenie za,<br />
kvôli<br />
Gier nach náruživost<br />
Glückwunsch an, zu blahoželanie<br />
komu, z príležitosti<br />
Gruß an pozdrav komu<br />
Hass gegen/auf (gespr.) nenávist<br />
Hilfe an, für pomoc komu<br />
Interesse an, für záujem o<br />
Kampf für, gegen boj o, za<br />
Krieg um vojna za<br />
Liebe zu láska k<br />
Lieferung an dodávka komu<br />
Lob für pochvala, chvála<br />
Lust auf chut, túžba po<br />
Mahnung an pripomienka, výzva<br />
Meinung über názor o<br />
Misstrauen gegenüber nedôvera<br />
voci<br />
Mitteilung an správa komu, oznámenie<br />
Neid auf závist, nežiclivost<br />
Opfer für obet za<br />
Preis für cena za<br />
Rat an, für pomoc, rada<br />
Ruf nach výzva<br />
Schande für hanba za<br />
Schutz vor, gegen ochrana pred<br />
Spaß an zábava<br />
Stolz auf pýcha na<br />
Streben nach snaha, úsilie o<br />
Treue zu vernost komu<br />
Trost für útecha za<br />
Verwandtschaft mit príbuzenstvo s<br />
Vorurteil gegen predsudok, zaujatost<br />
Warnung an, vor výstraha pred<br />
Wunsch nach túžba po<br />
Zustimmung zu súhlas<br />
Zutrauen zu dôvera komu<br />
2.6.1.3 Relative Adjektive<br />
Relative Adjektive werden von Namen, Stoffbezeichnungen, Gegenstandsbezeichnungen<br />
usw. gebildet. Häufig bezeichnen sie den Träger von Prozessen.<br />
(...):<br />
das Organonmodell von Bühler<br />
der Rat der Schwester<br />
der Rat des Arztes<br />
die Hilfe des Bruders<br />
das Bühlersche Organonmodell<br />
der schwesterliche Rat<br />
der ärztliche Rat<br />
die brüderliche Hilfe
155<br />
2.6.1.4 Infinitivgruppen und Nebensätze<br />
Infinitivgruppen und Nebensätze sind Ergänzungen zu gewissen Substantiven.<br />
Semantisch drücken sie »Inhalte« von Geschehens- oder Eigenschafts -<br />
begriffen aus:<br />
die Bemühung, das Auto schnell zu verkaufen<br />
die Behauptung, die Aufgabe gelöst zu haben<br />
die Notwendigkeit, dass wir diese Aufgabe lösen<br />
2.6.2 Modelle der Substantivgruppe<br />
Im „Wörterbuch zur Valenz und Distribution deutscher Substantive“ werden<br />
folgende Modelle angegeben:<br />
1. Substantive ohne Ergänzungen<br />
das Donnern, das Blitzen<br />
2. Substantive mit einer Ergänzung<br />
Die Ergänzung bezeichnet vorwiegend den Träger des Merkmals, das in der<br />
Grundform durch einen Genitiv ausgedrückt wird:<br />
die Krankheit des Patienten<br />
die Arbeit des Vaters<br />
Die Varianten werden durch ein Possessivpronomen, durch ein relatives Adverb<br />
oder durch Umschreibung mit von ausgedrückt:<br />
seine Krankheit<br />
seine Arbeit<br />
die väterliche Arbeit<br />
die Arbeit von dem Vater<br />
Substantive mit zwei Ergänzungen<br />
Hierher gehören die meisten von transitiven Verben abgeleiteten Substantive.<br />
Das Hauptmodell ist:<br />
S – Sg – pS (p = durch, von)<br />
die Beschreibung des Vorfalls durch den Zeugen<br />
die Beobachtung des Verkehrs durch den Polizisten<br />
Manche Substantive lassen sich auf intransitive Verben zurückführen. Das<br />
Modell dieser Gruppe ist:<br />
S – Sg – pS (mehrere Präpositionen sind möglich)<br />
der Abstand des Autos von der Bordsteinkante<br />
der Aufenthalt des Kindes bei den Bekannten<br />
Das Possessivpronomen kann generell den Genitiv ersetzen:
156<br />
Grammatik<br />
die Beschreibung des Vorfalls durch den Zeugen<br />
" seine Beschreibung des Vorfalls<br />
der Aufenthalt des Kindes bei den Bekannten<br />
" sein Aufenthalt bei den Bekannten<br />
Substantive mit drei Ergänzungen<br />
Dreiwertige Substantive bilden meist solche Deverbativa, die neben einer Ergänzung<br />
im Akkusativ zwei Ergänzungen mit präpositionalen Fügungen haben.<br />
Das Hauptmodell der dreiwertigen Substantiva kann dargestellt werden:<br />
S – Sg – pS(1) – pS(2)<br />
der Gebrauch des Dudens als Nachschlagewerk durch den Schüler<br />
das Gespräch des Vaters mit den Kindern über die Urlaubsreise<br />
die Hilfe des Freundes für das Kind beim Fahrradflicken<br />
oder: S – Sg – pS – NS/Inf<br />
die Klage des Mannes gegen den Nachbarn darauf, dass er die Rückstände begleicht<br />
die Klage des Mannes gegen den Nachbarn darauf, die Rückstände zu begleichen<br />
3 Der Artikel<br />
Der Artikel steht beim Substantiv und kennzeichnet das Genus, den Kasus<br />
und den Numerus. Der bestimmte Artikel hat sich aus dem Demonstrativpronomen,<br />
der unbestimmte Artikel aus dem Zahlwort entwickelt.<br />
Die Duden-Grammatik unterscheidet den Artikel im engeren Sinne und Artikelwörter.<br />
Im engeren Sinne kann man im Deutschen drei Arten des Artikels<br />
identifizieren:<br />
• den bestimmten oder definiten Artikel (der, die das)<br />
• den unbestimmten oder indefiniten Artikel (ein, eine)<br />
• den Null- oder Zeroartikel.<br />
Die Artikelwörter stehen vor dem Substantiv und bilden mit diesem eine unauflösliche<br />
Einheit. Dies zeigen das Stellungsmuster und die Verschiebprobe<br />
(vgl. Duden: 394 f.):
157<br />
a) Stellungsmuster:<br />
das<br />
ein<br />
dieses<br />
jenes<br />
welches<br />
dasjenige<br />
dasselbe<br />
mein<br />
jedes<br />
manches<br />
alle<br />
beide<br />
kein<br />
usw.<br />
b) Verschiebeprobe<br />
moderne[s]Haus<br />
(modernen) Häuser<br />
Der ehrliche Politiker hat ein luxuriöses Haus. – Ein luxuriöses Haus hat der ehrliche Politiker.<br />
Nach G. Helbig und J. Buscha (1994: 357) werden zu den Artikelwörtern gerechnet:<br />
a) der bestimmte Artikel (der, die, das), der unbestimmte Artikel (ein) und der<br />
Nullartikel;<br />
b) das adjektivische Demonstrativpronomen (dieser, jener, derjenige, derselbe,<br />
dieser/jener selbe, ein solcher, solch ein),<br />
c) das adjektivische Possessivpronomen (mein, dessen, deren, wessen);<br />
d) das adjektivische Interrogativpronomen (welcher, welch ein);<br />
e) das adjektivische Indefinitpronomen bzw. Indefinitnumerale (jeder, jedweder,<br />
mancher, aller, einiger, etlicher, mehrere, irgendwelcher, kein, irgendein).<br />
3.1 Funktionen des Artikels<br />
Der Artikel dient als Beziehungsmittel im Satz. Er bezeichnet das Genus und<br />
kennzeichnet Kasus und Numerus des Substantivs. Der Artikel hat als o eine<br />
grammatische Funktion. Vgl.:<br />
Kennzeichnung des Genus: der Leiter vedúci die Leiter rebrík<br />
Kennzeichnung des Kasus: der Schüler žiak dem Schüler žiakovi<br />
Kennzeichnung des Numerus: der Schüler žiak<br />
die Schüler žiaci
158<br />
Grammatik<br />
Wortbildende Funktion. Mit Hilfe des Artikels kann im Deutschen jede Wortart<br />
substantiviert werden:<br />
das Geben, das Lesen, das Schreiben;<br />
das Rot der Wangen;<br />
das Ich, das Du; das Wenn, das Wie, das Aber<br />
Textuelle Funktion. Der Artikel dient zur Kennzeichnung der Bekanntheit und<br />
Unbekanntheit. Die Bekanntheit kann darin gegründet sein, dass die betreffende<br />
Größe b ereits erwähnt worden ist:<br />
Auf der Straße steht ein Auto. Das Auto ist gelb.<br />
Ich sehe einen Mann kommen. Der Mann ist mein Freund.<br />
Fehlt solche Vorerwähntheit, wird gewöhnlich der unbestimmte Artikel gebraucht:<br />
Ein Auto steht auf der Straße.<br />
Einen Mann sehe ich kommen.<br />
Die Bestimmtheit oder Unbestimmtheit eines Gegenstandes kann auch situationsgemäß<br />
angegeben werden:<br />
Das Haus soll abgerissen werden. (Es geht um ein auf Grund der Beobachtungen<br />
bekanntes Haus)<br />
Ein Haus soll abgerissen werden. (Ein Haus aus der Menge der Häuser)<br />
Der bestimmte (definite) Artikel<br />
Bestimmte Gegenstände, die in unserem Kulturkreis zum »Weltwissen« gehören,<br />
werden als Einzelexemplare ausgedrückt:<br />
Die Erde dreht sich um die Sonne.<br />
Der Mond ist ein Himmelskörper.<br />
Wenn sie aber nicht als Einzelexemplare gemeint sind, wird der unbestimmte<br />
Artikel gebraucht:<br />
Im Weltall gibt es viele Sonnen.<br />
Der Jupiter hat viele Monde.<br />
Bei distributiv verwendeten Maßeinheiten:<br />
Dieses Rindfleisch kostet fünfzehn Mark das Kilo. (= je Kilo)<br />
Sie besucht uns zweimal die Woche. (= jede Woche zweimal)<br />
Der unbestimmte Artikel wird aber verwendet, wenn die Maßeinheiten nicht<br />
distributiv verwendet sind:<br />
Ein Kilo kostet fünfzehn Mark.<br />
In einer Woche hat sie uns zweimal besucht. (aber nicht jede Woche)
159<br />
Der bestimmte Artikel wird noch gebraucht:<br />
Bei Namen von Gebirgen, Bergen, Seen, Flüssen und Gestirnen:<br />
die Alpen, der Gerlach, der Stille Ozean, der Bodensee, die Elbe, der Rhein, der Mars, der<br />
Jupiter, die Erde, die Venus<br />
Bei einigen Länder- und Landschaftsnamen:<br />
die (ehemalige) Sowjetunion, die Schweiz, die Türkei, die BRD; der Sudan, der Irak, der<br />
Iran, der Jemen, der Senegal; das Burgenland, die Lausitz, die Steiermark, der Thurgau,<br />
das Vogtland<br />
Bei pluralischen Ländernamen:<br />
die Vereinigten Staaten von Amerika (die USA), die Niederlande<br />
Bei Landschaftsnamen auf -ie, -e, -a und bei Landschaftsnamen mit einem<br />
Adjektiv:<br />
die Normandie, die Bretagne, die Riviera; die Hohe Tatra, der Ferne Osten<br />
Bei einigen geographischen Namen, Landschaften, Inseln u.a.:<br />
der Balkan, der Darß, die Krim, die Pfalz, das Elsass,<br />
Bei Namen von Zeitungen und Zeitschriften:<br />
Er liest den »Spiegel«.<br />
Wir bestellen das »Profil«.<br />
Der bestimmte Artikel hat ein Flexionsparadigma. Im Gegensatz zum unbestimmten<br />
Artikel verfügt der bestimmte Artikel über Pluralformen, die nur<br />
kasus- aber nicht genusdifferenziert sind.<br />
Singular<br />
Plural<br />
mask. fem. neutr.<br />
N. der die das die<br />
G. des der des der<br />
D. dem der dem den<br />
A. den die das die<br />
Der unbestimmte (indefinite) Artikel<br />
Der unbestimmte Artikel signalisiert, dass der betreffende Gegenstand nicht<br />
näher bekannt ist:<br />
Ein dicker Mann stand ihm gegenüber.<br />
Ein roter Wagen stand neben dem Gehsteig.<br />
Bei den Eigennamen dient der unbestimmte Artikel dazu, eine unbestimmte<br />
Menge von Leuten mit gemeinsamen Merkmalen zu bezeichnen.
160<br />
Grammatik<br />
Ein Einstein hätte es nicht lösen können.<br />
Ein gewisser Herr Meier möchte dich sprechen.<br />
Singular<br />
mask. fem. neut.<br />
N. ein eine ein<br />
G. eines einer eines<br />
D. einem einer einem<br />
A. einen eine ein<br />
3.1.1 Der Nullartikel<br />
Bei Personenbezeichnungen (Vor-, Nach- und Rufnamen u.a.):<br />
Helmut, Franz; Meier, Tucholsky; Harry, Dingo<br />
Der Nullartikel steht bei Substantiven, die eine unbestimmte Menge eines<br />
Stoffes bezeichnen:<br />
Er trinkt gern Bier und Wein.<br />
Stahl ist ein hartes Metall.<br />
Bei Abstrakta, die allgemein einen Zustand, Vorgang oder Eigenschaften bezeichnen:<br />
Er hat viel Geld. Wir haben Geduld. Heute haben wir wenig Zeit. Im überfüllten Hörsaal<br />
herrschte absolute Stille. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.<br />
Bei ein igen festen Verbindungen:<br />
Das kommt nicht in Frage.<br />
Er hat Atem geholt.<br />
Unser Projekt ist von großer Bedeutung.<br />
Bei bloßer Nennung eines Wortes:<br />
Wie schreibt man Philosophie?<br />
Wie dekliniert man Nachbar?<br />
In präpositionalen Konstruktionen werden bestimmte Verbindungen ohne<br />
Artikel gebraucht:<br />
an Bord, auf See, bei Tisch, gegen Mittag, nach Wunsch, ohne Zweifel, von Herzen, über<br />
Nacht, um Haaresbreite, zu Bett<br />
Der Nullartikel steht bei Substantiven im Plural, wenn bei entsprechender<br />
Singularform der unbestimmte Artikel gewählt wü rde.<br />
Otto liest ein Buch.<br />
Otto liest ø Bücher.
161<br />
3.1.2 Verschmelzung von Präposition und Artikel (Kontraktion)<br />
Die Präpositionen an, bei, in, zu verschmelzen mit folgendem dem zu am,<br />
beim, im und zum.<br />
am Montag, beim Onkel, im Museum<br />
Die Präposition zu verschmilzt mit der zu zur:<br />
zur Post, zur Tante<br />
In der Umgangssprache verschmelzen die Präpositionen hinter, unter, vor,<br />
über mit dem folgenden dem zu hinterm, unterm, vorm, überm:<br />
hinterm Garten, unterm Tisch, vorm Kino, überm Haus<br />
Die Präpositionen an, auf, durch, für, hinter, über, vor verschmelzen – vor allem<br />
in der Umgangssprache – mit folgendem das zu ans, aufs, durchs, fürs,<br />
hinters, vors, übers:<br />
aufs Dach steigen, sich ans Werk machen, durchs Feld, fürs Brot, hinters Haus, übers Land<br />
u.a.
162<br />
4 Das Adjektiv<br />
Das Adjektiv (das Eigenschaftswort, lat. Nomen adiectivum = »beigefügtes Nomen«)<br />
ist nach dem Substantiv und dem Verb die drittgrößte Wortart. Die Adjektive machen<br />
etwa ein Sechstel des Gesamtwortschatzes der deutschen Gegenwartssprache aus. In<br />
manchen Grammatiken wird das Adjektiv auch Beiwort oder Eigenschaftswort genannt.<br />
In den traditionellen Grammatikkonzeptionen wird das Adjektiv semantisch<br />
definiert:<br />
Adjektive bezeichnen Merkmale, Eigenschaften oder Relationen, die man an<br />
Gegenständen oder Erscheinungen beobachten kann.<br />
Man übersieht dabei, dass die gleiche semantische Funktion nicht selten durch andere<br />
sprachliche Mittel, z.B. durch ein vorangestelltes Substantiv: z.B. Direktor Meier<br />
oder durch Wortgruppen, z.B. der Ritter ohne Furcht und Tadel, ausgedrückt werden<br />
kann. Ulrich ENGEL definiert daher die Wortart Adjektiv nach formalen Kriterien:<br />
Adjektive sind Wörter ohne konstantes Genus, die zwischen Determinativ und<br />
Nomen stehen können. (ENGEL: 1996: 556)<br />
Adjektive dienen prototypisch als Attribute, als Modifikatoren des zentralen Elements<br />
(eines Substantivs, substantivierten Adjektivs oder substantivierten Verbs)<br />
einer Nominalphrase.<br />
Das Adjektiv wird im Bereich des Verbs als Satzadjektiv gebraucht und bleibt in<br />
der Regel undekliniert (prädikativ oder adverbial).<br />
Der Schüler ist fleißig.<br />
Der Schüler lernt fleißig.<br />
Im Bereich des Substantivs wird das Adjektiv als Attribut gebraucht und fast immer<br />
dekliniert. Es kongruiert mit dem Bezugssubstantiv in Numerus, Kasus und Genus.<br />
der fleißige Student<br />
die fleißigen Studenten<br />
Adjektive können auch kompariert werden. Durch Komparation werden die Dinge<br />
oder Erscheinungen in Bezug auf Eigenschaften oder Relationen verglichen.<br />
der fleißigere Student<br />
Er ist fleißiger als sein Freund.<br />
4.1 Klassifikation der Adjektive<br />
4.1.1 Lexikalisch-semantische Klassifikation<br />
Man unterscheidet qualitative und relative Adjektive. Die Unterschiede zwischen<br />
den beiden Arten liegen in fo lgenden Bereichen.
1. Qualitative Adjektive bezeichnen ein charakteristisches Merkmal eines Le bewesens,<br />
Gegenstandes oder Sachverhaltes. Relative Merkmale geben das Ve r-<br />
hältnis eines durch das Beziehungswort bezeichneten Dinges zu einem anderen<br />
an:<br />
qualitativ:<br />
relativ:<br />
grüner Wald, herrliches Wetter, hohes Haus<br />
väterliches Haus, philosophische Frage<br />
Qualitative Adjektive sind meist komparierbar, relative nicht.<br />
3. Relative Adjektive sind meistens Ableitungen von Substantiven oder Adverbien.<br />
Die qualitativen Adjektive lassen sich nach ihrer Bedeutung in folgende Klassen einteilen:<br />
• Bezeichnungen der Form: eiförmig, ellipsenförmig, krumm, oval, viereckig,<br />
• Bezeichnungen der Farbe: rot, grün, gelb, braun, lila,<br />
• Bezeichnungen der räumlichen Ausdehnung: hoch, tief, lang, hoch gewachsen,<br />
• Bezeichnungen des Geschmacks: süß, sauer, herb, gallenbitter, pikant,<br />
• Wertangaben: billig, bitter, edel, teuer.<br />
Relative Adjektive bezeichnen folgende Beziehungen:<br />
• Beziehungen zu Personen: Schiller'sche Dramen, Goethische Gedichte<br />
• Geographische Beziehungen: französische Weine, deutsches Bier, ungarische Salami<br />
• Be ziehungen zu Abstrakta: eine dichterische Frage, ein philosophisches Problem<br />
Anmerkung: Den slowakischen Adjektiven, die Beziehungen zu Lebewesen, wie etwa líšcí,<br />
zajací, býcí; otcov, matkin u.a. ausdrücken, entsprechen im Deutschen Komposita bzw.<br />
Konstruktionen mit dem Genitiv, vgl.: líšcí brloh Fuchsbau, zajací chrbát Hasenrücken,<br />
vtácie hniezdo Vogelnest, vtácí spev Vogelgesang; otcov priatel Vaters Freund; matkin syn<br />
Mutters Sohn, der Sohn der Mutter.<br />
Vielen Relativadjektiven entsprechen ebenfalls Zusammensetzungen, vgl.: denné svetlo<br />
Tageslicht, polná kvetina Feldblume, hydinová farma Geflügelfarm, zajatecký tábor Gefangenenlager,<br />
dievcenská postava Mädchengestalt u.a.<br />
4.1.2 Morphologisch-syntaktische Subklassen<br />
Nach ihrer syntaktischen Verwendung und morphologischen Gestaltung (Flektierbarkeit,<br />
Graduierbarkeit) können wir drei Gruppen von Adjektiven unterscheiden:<br />
1. Adjektive, die attributiv, prädikativ und adverbial verwendbar sind. Hier gibt es<br />
weitere drei Untergruppen:<br />
a) Adjektive, die graduierbar und deklinierbar sind, z.B.:<br />
klein, groß, fest, gut, hoch, billig, schmal, fremd, böse<br />
163
164<br />
b) Adjektive, die deklinierbar, aber nicht graduierbar sind. Es sind vor allem qualitative<br />
Adjektive, z.B.:<br />
fertig, heilbar, stimmhaft, tödlich<br />
c) Adjektive, die weder graduierbar noch deklinierbar sind. Dazu gehören viele<br />
Farbadjektive und Zahladjektive:<br />
lila, rosa, beige [bE:ž], orange [ ?RãZ«]; zwei, drei, mancherlei, ein bisschen<br />
F<br />
2. Adjektive, die nur attributiv verwendbar sind:<br />
der innere, der äußere, der heutige, der gestrige, der morgige, der hiesige, der dortige, der Vorige<br />
Hier kann man zwei Gruppen unterscheiden:<br />
a) Adjektive, die deklinierbar und graduierbar sind. Dazu gehören einige Lokaladjekt<br />
ive, die in der Regel nur den Superlativ bilden können, z.B.:<br />
äußerer (Rand) – äußerster (Rand)<br />
untere (Teile) – die untersten (Teile)<br />
b) Adjektive, die deklinierbar, aber nicht graduierbar sind. Hierzu gehören vor allem<br />
relative Adjektive, z.B.:<br />
gesellschaftlich, staatlich, polnisch, heutig, gestrig<br />
3. Adjektive, die nur prädikativ verwendbar sind. Hierzu gehören nur Adjektive, die<br />
weder flektierbar noch graduierbar sind, z.B.:<br />
Angst, einerlei, eingedenk, egal, feind, gram, schade, schuld<br />
Die Wortpaare: recht und billig, null und nichtig<br />
Sie war/blieb ihm noch lange feind. = feindlich gesinnt<br />
Es ist schade, dass sie nicht kommen kann.<br />
aber: Er ist ihr Freund.<br />
Es soll dein Schade (Schaden) nicht sein.<br />
Im Unterschied zum Slowakischen ändert sich das deutsche Adjektiv beim prädikativen<br />
Gebrauch nicht:<br />
Der Tag ist schön.<br />
Die Rose ist schön.<br />
Das Fenster ist schmutzig.<br />
Die Männer sind stark.<br />
Er fühlt sich gesund<br />
Wir fühlen uns gesund.<br />
Den je pekný.<br />
Ruža je pekná.<br />
Okno je špinavé.<br />
Muži sú silní.<br />
Cíti sa zdravý.<br />
Cítime sa zdraví.
F<br />
F<br />
Von dieser Regel gibt es einige Ausnahmen:<br />
1. Wenn das Adjektiv im prädikativen Gebrauch mit dem bestimmten Artikel steht:<br />
Diese Lösung war richtig<br />
aber: Diese Lösung war die Richtige.<br />
2. Wenn das Adjektiv im Superlativ oder mit am erscheint:<br />
Diese Lösung war die richtigste.<br />
Diese Lösung war am richtigsten.<br />
3. Wenn im prädikativen Gebrauch eine Ordinalzahl – meist mit dem bestimmten<br />
Artikel versehen – erscheint:<br />
Hans war heute wieder der erste.<br />
aber: Hans war Erster/Zweiter/Dritter. (etwa bei öffentlichen Wettkämpfen)<br />
4.2 Deklination der Adjektive<br />
Die attributiven Adjektive können je nach dem syntaktischen Zusammenhang zu<br />
mehreren Deklinationstypen gehören. Traditionell unterscheidet man:<br />
a) starke oder pronominale Deklination (Deklination nach Nullartikel)<br />
b) schwache oder nominale Deklination<br />
c) Deklination nach unbes timmtem Artikel<br />
Deklination nach Nullartikel<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Singular<br />
Maskulinum Femininum Neutrum<br />
großer Erfolg große Stadt Großes Fenster<br />
großen Erfolgs großer Stadt großen Fensters<br />
großem Erfolg großer Stadt großem Fenster<br />
großen Erfolg große Stadt großes Fenster<br />
165<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Plural<br />
große<br />
großer<br />
großen<br />
große<br />
Erfolge<br />
Erfolge<br />
Erfolgen<br />
Erfolge<br />
Städte<br />
Städte<br />
Städten<br />
Städte<br />
Fenster<br />
Fenster<br />
Fenstern<br />
Fenster<br />
Adjektive, die nach deren, dessen stehen, werden ebenso flektiert.<br />
Adjektive nach einige, etliche, mehrere folgen im Plural ebenfalls diesem Typ, also:<br />
einige große Städte<br />
mehrere neue Bücher
166<br />
Deklination der Adjektive nach dem bestimmten Artikel<br />
Singular<br />
Maskulinum Femininum Neutrum<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
der<br />
des<br />
dem<br />
den<br />
große<br />
großen<br />
großen<br />
großen<br />
Erfolg<br />
Erfolgs<br />
Erfolg<br />
Erfolg<br />
die<br />
der<br />
der<br />
die<br />
große<br />
großen<br />
großen<br />
große<br />
Stadt<br />
Stadt<br />
Stadt<br />
Stadt<br />
das<br />
des<br />
dem<br />
das<br />
große<br />
großen<br />
großen<br />
große<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
die<br />
der<br />
den<br />
die<br />
Plural<br />
großen<br />
großen<br />
großen<br />
großen<br />
Erfolge<br />
Erfolge<br />
Erfolgen<br />
Erfolge<br />
Städte<br />
Städte<br />
Städten<br />
Städte<br />
Fenster<br />
Fenster<br />
Fenstern<br />
Fenster<br />
Fenster<br />
Fensters<br />
Fenster<br />
Fenster<br />
Adjektive nach derjenige, derselbe, dieser, jener, mancher, welcher und im Plu ral<br />
irgendwelche, alle, solche folgen diesem Deklinationstyp.<br />
derjenige gute Schüler; derselbe bekannte Student; mancher historische Hintergrund, in manchem<br />
schwierigen Fall; welches berühmten Schriftstellers gedenken wir heute?<br />
So mancher deutscher Reisebüromanager weiß darum noch nicht, wie er es seinen Kunden erklären<br />
soll, dass ... Die Zeit 25.11.1999<br />
Nach manche, (irgend)welche, solche werden die Adjektive im Plural wie nach dem<br />
Nullartikel im Plural flektiert.<br />
Beispiele: der Titel mancher neuer Bücher<br />
die Meinung mancher älterer (oder älteren) Leute<br />
Deklination der Adjektive nach dem unbestimmten Artikel<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Maskulinum Femininum Neutrum<br />
großer Erfolg eine große Stadt ein<br />
großen Erfolgs einer großen Stadt eines<br />
großen Erfolg einer großen Stadt einem<br />
großen Erfolg eine große Stadt ein<br />
ein<br />
eines<br />
einem<br />
einen<br />
Deklination im Plural: wie nach Nullartikel.<br />
großes<br />
großen<br />
großen<br />
großes<br />
Fenster<br />
Fensters<br />
Fenster<br />
Fenster<br />
Adjektive, die nach manch (ein), solch (ein), welch (ein), irgendein stehen, werden<br />
im Singular ebenso flektiert.<br />
manch großer Baum, manch schlechte Erfahrung, manch unbedachtes Wort; in manch<br />
schwierigem Fall; die Meinung manch berühmter Leute<br />
4.2.1 Besonderheiten bei der Deklination<br />
1. Zwei oder mehr aufeinander folgende Adjektive haben die gleichen Deklinationsendungen:
der gute, fleißige und zuverlässige Student<br />
ein guter, fleißiger und zuverlässiger Student<br />
mit gutem, kühlem Wein<br />
2. Adjektive nach kein, mein, dein, sein, unser, euer werden im Singular stark (wie<br />
nach dem unbestimmten Artikel), im Plural aber schwach (wie nach dem bestimmten<br />
Artikel) dekliniert:<br />
Singular:<br />
Plural:<br />
kein guter Wein keine guten Weine<br />
deine neue Freundin deine neuen Freundinnen<br />
ihr neues Buch ihre neuen Bücher<br />
3. Nach manch, solch, welch, viel, wenig wird das folgende Adjektiv regelmäßig<br />
stark dekliniert:<br />
welch schöner Tag; viel gutes Sortiment; mit wenig guter Qualität<br />
4. Nach alle, beide, keine werden die Adjektive und Partizipien in der Regel<br />
schwach dekliniert:<br />
alle neuen Bücher; beide guten Freunde; keine neuen Ideen<br />
..., wenn du keine dumme Streiche machtest ... [Arnim]<br />
5. Nach andere, einige, etliche, mehrere, verschiedene, viele, wenige werden Adjektive<br />
im Nominativ und Akkusativ fast nur noch stark, im Genitiv vorwie gend<br />
schwach dekliniert:<br />
viele wertvolle Bücher<br />
andere/einige/mehrere/verschiedene/neue Bücher<br />
der Besitz mehrerer/einiger/verschiedener neuer Bücher<br />
die Angehörigen verschiedener ethnischer Gruppen<br />
die Meinung einiger führender Klimaforscher<br />
6. Im Genitiv Plural kann das Adjektiv nach beide sowohl stark als auch schwach<br />
dekliniert werden:<br />
der Wert beider bekannten/bekannter Bilder<br />
die Gruppen beider politischen Lager<br />
7. Nach irgendwelche, manche, sämtliche, solche, welche werden die folgenden Adjektive<br />
immer häufiger schwach dekliniert:<br />
mancher berühmte Koch<br />
manche neuen Zeitungen auch: manche neue Zeitungen<br />
manche ängstliche herzzerreißende Ereignisse [Armin]<br />
sämtliche politischen Initiativen<br />
Gebühren für fast sämtliche öffentliche Dienstleistungen<br />
bei solcher guten Qualität<br />
167
168<br />
8. Die Wörter derartig, einzeln, einzig werden wie Adjektive behandelt. Die nachfolgenden<br />
Adjektive werden daher auf gleiche Weise (stark) dekliniert:<br />
einzelne gute Leistungen<br />
ein einziges großes Talent<br />
9. Wenn das Adjektiv mit dem Substantiv eine enge Einheit bildet (z.B. ungarischer<br />
Wein, französischer Kognak ), wird das weitere Adjektiv dieser Gruppe untergeordnet<br />
und das zweite Adjektiv wird im Dativ Singular Maskulinum/Neutrum<br />
stark dekliniert:<br />
mit gutem ungarischen Wein<br />
bei ausgezeichnetem französischen Kognak<br />
10. Nach den Personalpronomen mit Ausnahme von wir, ihr wird das Adjektiv wie<br />
nach dem unbestimmten Artikel dekliniert:<br />
ich armer Student<br />
dir armem Studenten<br />
11. Nach wir und ihr wird das Adjektiv im Nominativ wie nach dem bestimmten, im<br />
Akkusativ wie nach dem Nullartikel dekliniert:<br />
Wir armen Menschen! [Herder]<br />
Lebt wohl, ihr armen Kinder! [Brentano]<br />
Predigen lassen sie gegen uns arme Kriegsleute, ... [G. Keller]<br />
In vielen Fällen sind endungslose Formen der Adjektive erhalten, z.B.:<br />
• in geographischen Namen: Alt Töplitz, Altwien oder Alt-Wien, Klein Auheim,<br />
Neu-Ulm, Neustrelitz, Neusiedlersee<br />
• in erstarrten Wendungen: schön Wetter, auf gut Glück (naverímboha!), Kölnisch<br />
Wasser<br />
• bei nachgestelltem, attributiven Gebrauch: Campari bitter, Röslein rot. Gelegentlich<br />
auch: Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern [Schiller]<br />
• bei prädikativ und adverbial gebrauchten Adjektiven: das Essen war gut, sie<br />
sieht gut aus<br />
Eine Orientierung zur Ermittlung der Pluralendungen soll folgende Tabelle erleichtern:<br />
alle<br />
všetci<br />
beide<br />
obidvaja<br />
keine jungen Leute žiadni<br />
diese<br />
títo<br />
meine, unsere<br />
moji, naši<br />
viele<br />
vela<br />
wenige fleißige Studenten málo
zwei, drei, zehn<br />
manche<br />
niektorí<br />
solche junge(n) Männer takí<br />
welche<br />
ktorí<br />
dvaja, traja, desiati<br />
4.3 Komparation (Graduierung) der Adjektive<br />
Durch die morphologische Kategorie der Komparation des Adjektivs werden mehrere<br />
Dinge, Begriffe oder Wesen, Zustände oder Tätigkeiten miteinander verglichen.<br />
Im Deutschen werden folgende Komparationsstufen unterschieden:<br />
• die Grundstufe oder der Positiv: schön, hoch, gut<br />
• die erste Steigerungsstufe oder der Komparativ: schöner, höher, besser<br />
• die zweite Steigerungsstufe oder der Superlativ (auch Meist- oder Höchststufe):<br />
(der, die, das) schönste, höchste, beste<br />
Die einzelnen Komparationsformen werden durch folgende morphologische Mittel<br />
gebildet:<br />
Positiv Komparativ Kennzeichnung Superlativ Kennzeichnung<br />
hell heller Morphem -er hellst- Morphem -st<br />
dunkel dunkler Morphem -er, dunklest- Morphem -st<br />
e-Ausstoßung<br />
lang länger Morphem -er<br />
Umlaut<br />
längst- Morphem -st,/<br />
-e-Ausstoßung<br />
Umlaut<br />
heißest- Morphem -est<br />
• Der Positiv bezeichnet die Grundstufe des Adjektivs. Er ist unmarkiert und hat<br />
keine spezielle Endung. Er drückt die Gleichheit zweier Größen aus. Als Ve r-<br />
gleichsgrößen werden die Konjunktionen so (ebenso/genauso) – wie verwendet:<br />
Peter ist fleißig. Fritz ist auch fleißig.<br />
Peter ist so (ebenso/genauso) fleißig wie Fritz.<br />
Durch den Positiv kann auch ein negativer Vergleich ausgedrückt werden:<br />
Peter ist nicht so fleißig wie Fritz.<br />
(Er ist eventuell faul)<br />
• Der Komparativ (1. Steigerungsstufe) wird durch Anhängen der Endung -er an<br />
dem Plural gebildet und dient zum Ausdruck der Ungleichheit zweier miteinander<br />
verglichenen Größen. Hochsprachlich erscheint als zur Einführung des Ve r-<br />
gleichsmaßes:<br />
Peter ist fleißiger als Fritz.<br />
Ich bin älter als du.<br />
169
170<br />
Der Komparativ kann sowohl Steigerung als auch Minderung gegenüber dem „normalen“<br />
Wert ausdrücken. Vgl.:<br />
Er ist fleißiger als sein Freund. (Steigerung)<br />
Es ist eine leichtere Aufgabe. (Minderung)<br />
Der Komparativ kann noch durch Wörter wie weit, bei weitem, immer, noch (viel),<br />
weitaus u.a. verstärkt werden:<br />
Er ist weit älter als seine Frau.<br />
Der Schaden ist viel größer ...<br />
Es ist weitaus ansehnlicher ...<br />
• Der Superlativ (2. Steigerungsstufe) drückt den höchsten Grad des Ve rgleiches<br />
aus. Er wird mit -est (nach d, t, s, ß, x, tz, z, st) oder -st gebildet.<br />
Er ist der größte Champion.<br />
Juli ist der heißeste Monat des Jahres.<br />
Für den Umlaut gibt es keine allgemeinen Regeln. Umlaut im Komparativ und Superelativ<br />
haben die folgenden Adjektive:<br />
alt: älter, am ältesten<br />
arg: ärger, am ärgsten; ärgsten<br />
arm: ärmer, am ärmsten<br />
dumm: dümmer, am dümmsten<br />
fromm: frömmer, am frömmsten (selten ohne Umlaut)<br />
gesund : gesünder, am gesündesten (selten ohne Umlaut)<br />
groß: größer, am größten<br />
grob: gröber, am gröbsten<br />
groß: größer, am größten<br />
hart: härter, am härtesten<br />
hoch: höher, am höchsten<br />
jung : jünger, am jüngsten<br />
kalt: kälter, am kältesten<br />
klug: klüger, am klügsten<br />
krank: kränker, am kränksten<br />
kurz: kürzer, am kürzesten<br />
lang : länger, am längsten<br />
nah: näher, am nächsten<br />
scharf: schärfer, am schärfsten<br />
schwach: schwächer, am schwächsten<br />
schwarz: schwärzer, am schwärzesten<br />
stark: stärker, am stärksten<br />
warm: wärmer, am wärmsten
Mit oder ohne Umlaut werden die Komparationsformen zu folgenden Adjektiven<br />
gebildet:<br />
bang: bänger, am bängsten neben banger, am bangsten<br />
blass: blässer, am blässesten neben blasser, am blassesten<br />
karg: kärger, am kärgsten neben karger, am kargsten<br />
krumm: krümmer, am krümmsten neben krummer, am krummsten<br />
nass: nässer, am nässesten neben nasser, am nassesten<br />
krumm: krümmer, am krümmsten neben krummer, am krummsten<br />
rot: röter, am rötesten neben roter, am rotesten<br />
schmal: schmäler, am schmälsten neben schmaler, am schmalsten<br />
• Die Graduierung kann durch das Präfix aller- verstärkt werden:<br />
Er ist der allerfleißigste von euch.<br />
Mit den allerbesten Empfehlungen ...<br />
Weitere Besonderheiten bei der Graduierung<br />
Die Adjektive mit umlautfähigem Stammvokal werden gewöhnlich im Ko mpara tiv<br />
und Superlativ ohne Umlaut gebraucht. Nur einige einsilbige Adjekt ive haben im<br />
Komparativ und Superlativ Umlaut (siehe oben!)<br />
Bei Adjektiven auf -el, -en und -er fällt oft im Komparativ das -e- aus:<br />
dunkel dunkler aber: dunkleste [auch: dunkelste]<br />
bescheiden bescheidener/bescheidner<br />
offen<br />
offener/offner<br />
teuer<br />
teuerer/teurer<br />
Unregelmäßig werden gebildet:<br />
gut besser (der, die, das) beste<br />
hoch höher (der, die, das) höchste<br />
nah(e) näher (der, die, das) nächste<br />
viel(e) mehr (der, die, das) meiste<br />
Bei zusammengesetzten Adjektiven wird gewöhnlich der zweite Teil gesteigert:<br />
die altmodischsten Kleider<br />
Hat das zweite Glied relative Selbständigkeit bewahrt, werden zusammengesetzte<br />
Adjektive im ersten Glied gesteigert:<br />
das dichtestbevölkerte Land<br />
die höchstgelegene Stadt<br />
Einige Lokaladjektive können in der Regel nur den Superlativ bilden, z.B.:<br />
Positiv<br />
Komparativ Superlativ<br />
171
172<br />
der äußere ø der äußerste<br />
der innere ø der innerste<br />
der vordere ø der vorderste<br />
der hintere ø der hinterste<br />
der untere ø der unterste<br />
der obere ø der oberste<br />
4.3.1 Deklination der Adjektive im Komparativ und Superlativ<br />
Adjektive im Komparativ und Superlativ werden nach denselben Regeln flektiert wie<br />
ihre Grundformen:<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
der<br />
des<br />
dem<br />
den<br />
die<br />
der<br />
der<br />
die<br />
das<br />
des<br />
dem<br />
das<br />
kleinere<br />
kleineren<br />
kleineren<br />
kleineren<br />
kleinere<br />
kleineren<br />
kleineren<br />
kleinere<br />
kleinere<br />
kleineren<br />
kleineren<br />
kleinere<br />
Schüler<br />
Schülers<br />
Schüler<br />
Schüler<br />
Schülerin<br />
Schülerin<br />
Schülerin<br />
Schülerin<br />
Kind<br />
Kinds<br />
Kind<br />
Kind<br />
4.4 Rektion der Adjektive<br />
ein<br />
eines<br />
einem<br />
einen<br />
eine<br />
einer<br />
einer<br />
eine<br />
ein<br />
eines<br />
einem<br />
ein<br />
kleinerer<br />
kleineren<br />
kleineren<br />
kleineren<br />
kleinere<br />
kleineren<br />
kleineren<br />
kleinere<br />
kleineres<br />
kleineren<br />
kleineren<br />
kleineres<br />
Schüler<br />
Schülers<br />
Schüler<br />
Schüler<br />
Schülerin<br />
Schülerin<br />
Schülerin<br />
Schülerin<br />
Kind<br />
Kinds<br />
Kind<br />
Kind<br />
Adjektive können auf Grund ihrer Bedeutung und syntaktischen Funktion mit anderen<br />
Wörtern in Verbindung treten. Hier ergeben sich folgende Möglichkeiten:<br />
1. Adjektiv mit Genitiv:<br />
bewusst byt si vedomý coho Der Politiker ist seiner Aufgabe bewusst. oder: der<br />
seiner Aufgabe bewusste Politiker<br />
fähig byt schopný coho Er war dieser Tat fähig. oder: der dieser Tat fähige<br />
Mensch<br />
froh tešit sa z coho Er ist seines Sieges/über seinen Sieg froh.<br />
gewiss byt si istý cím Der Gelehrte ist seiner Sache gewiss.<br />
kundig znalý, skúsený Er ist des Slowakischen kundig.<br />
ledig oslobodený Wir sind aller Schulden ledig.<br />
mächtig ovládajúci Er ist des Slowakischen mächtig.<br />
müde byt unavený od Er ist des Wartens müde.<br />
coho<br />
schuldig byt vinný cím Der Mann ist des Diebstahls schuldig.<br />
sicher, (sich) byt si istý cím Er ist seines Lebens nicht sicher.<br />
überdrüssig unavený z Ich bin deiner überdrüssig. Už si ma omrzel.
verdächtig byt vinný cím Er ist des Diebstahls verdächtig.<br />
wert hodný coho Sein Entschluss ist aller Achtung wert.<br />
würdig hodný coho Dieser Schüler ist der Auszeichnung würdig.<br />
2. Adjektiv mit Dativ :<br />
abhold<br />
ähnlich<br />
neprajný<br />
byt podobný<br />
Er ist großen Versprechungen immer abhold gewesen.<br />
Er ist dem Vater ähnlich.<br />
behilflich nápomocný Der Student war der alten Frau (beim Aussteigen)<br />
behilflich.<br />
bekannt známy Der mir bekannte deutsche Künstler; die allen<br />
böse<br />
egal<br />
eigen<br />
nahnevaný na koho<br />
jedno, rovný<br />
vlastný, osobitý<br />
bekannte Tatsache<br />
Er ist mir böse.<br />
Mir ist es völlig egal.<br />
Dies ist ihm eigen.<br />
ergeben oddaný, verný Er ist dem Herrscher ergeben.<br />
fremd byt cudzí komu Er ist mir fremd.<br />
geläufig bežný, obvyklý Dieses Sprichwort ist mir geläufig.<br />
gemäß primeraný Das wäre euch nicht gemäß.<br />
gemeinsam spolocný ein allen Bürgern gemeinsamer Wille<br />
gerecht zvládnut co Er ist den Aufgaben nicht gerecht geworden. Nezvládol<br />
úlohy.<br />
gram nahnevaný na koho Man kann ihm nicht gram sein.<br />
hold byt naklonený Er ist dem Rechnen nicht hold.<br />
hörig byt oddaný Er ist einem Dogma/dem Marxismus hörig.<br />
recht byt po vôli Es ist mir recht.<br />
treu byt verný komu Der Mann ist seiner Frau treu.<br />
überdrüssig mat dost coho Ich bin des Suchens/das Suchen überdrüssig.<br />
überlegen mat prevahu nad Sie ist ihm überlegen.<br />
kým<br />
willkommen byt vítaný Ihr seid hier immer willkommen.<br />
wohlgesinnt naklonený Der Chef war ihr immer wohlgesinnt.<br />
zugetan oddaný, naklonený Er ist seiner Frau zugetan.<br />
zuwider protivný Diese Art der Politik ist mir zuwider.<br />
3. Adjektiv mit Akkusativ:<br />
breit široký Die Tür ist einen Meter breit.<br />
dick tlstý Es ist einen Meter dick.<br />
gewohnt byt navyknutý na co Der alte Mann ist die tägliche Pflege gewohnt.<br />
groß vysoký Der Mann ist 2 m groß.<br />
hoch vysoký einen Zoll hoch, keine 10 m hoch<br />
lang dlhý eine Elle lang, einen guten Meter lang<br />
wert mat hodnotu Die Halskette ist keinen Pfifferling/keine Mark wert.<br />
173
174<br />
4. Adjektiv mit Dativ und Akkusativ:<br />
schuldig dlžný Der Sohn ist dem Vater Dank schuldig. oder: der seinem Vater<br />
Dank schuldige Sohn<br />
5. Adjektiv und präpositionale Gruppe:<br />
an + Akkusativ:<br />
gebunden an seine Schwester viazaný na<br />
gewöhnt an die Arbeit zvyknutý na<br />
an + Dativ :<br />
arm an Vitamin chudobný na<br />
gesund an Leib und Seele zdravý na<br />
interessiert an diesem Konzept zainteresovaný<br />
irr(e) an diesem Mann pochybovat o kom<br />
jung an Jahren mladý vekom<br />
krank an Herz chorý na<br />
reich an Kohlenhydrat bohatý na<br />
schuld an allem všetkému na prícine<br />
auf + Akkusativ:<br />
angewiesen auf seine Hilfe<br />
byt odkázaný na<br />
aufmerksam auf die Geschichte<br />
dávat pozor na<br />
begierig auf neue Informationen žiadostivý; zvedavý<br />
böse auf ihre Nachbarin nahnevaný na<br />
eifersüchtig auf ihren Mann byt žiarlivý na<br />
gefasst auf die Änderungen byt pripravený na<br />
gespannt auf deine/Ihre Meinung zvedavý na<br />
neidisch auf seinen Erfolg/seinen Freund závidiet komu co<br />
neugierig auf den neuen Roman byt zvedavý na<br />
stolz auf seinen Erfolg byt pyšný na<br />
wild auf Schokolade byt divý za cím<br />
wütend auf seinen Nachbarn zúrivý, rozzúrený<br />
auf + Dativ :<br />
blind auf einem Auge slepý na co<br />
lahm auf einem Bein krivý na<br />
taub auf beiden Ohren hluchý na co<br />
aus + Dativ:<br />
ersichtlich<br />
gebürtig<br />
Die Erlebnisse sind aus dieser<br />
Darstellung ersichtlich<br />
aus Passau<br />
zjavný, zrejmý z<br />
rodený, pochádza z
ei + Dativ:<br />
behilflich bei Exportgeschäften pomôct, byt nápomo cný pri<br />
beliebt bei seinem Volk oblúbený<br />
unbeteiligt (an)/bei dieser Sache nezúcastnený<br />
für + Akkusativ:<br />
empfänglich Der Wissenschaftler ist für eine Anerkennung/für<br />
prístupný comu<br />
ein Lob empfänglich.<br />
geeignet Der Stoff ist für einen Vortrag geeignet. vhodný na co<br />
reif eine Neuerung zrelý na co<br />
gegen + Akkusativ:<br />
ausfällig Der Junge wurde in letzter Zeit sehr ausfällig<br />
útocný, arogantný<br />
gegen seinen Lehrer.<br />
beständig Der Stoff ist gegen Hitze beständig. odolný voci<br />
empfindlich Der Stoff ist gegen Bestrahlung empfindlich.<br />
citlivý na<br />
fest<br />
Der Mantel ist gegen die stärkste Kälte pevný, odolný<br />
fest.<br />
gefeit gegen eine Versuchung chránený, obrnený proti<br />
gleichgültig gegen alle Vorschläge lahostajný voci<br />
grausam Die Krieger waren gegen den eroberten krutý<br />
Stamm grausam.<br />
immun<br />
Er ist gegen ständige Beschimpfungen imúnny<br />
seiner Gegner immun.<br />
nachsichtig Die Mutter ist gegen ihre Kinder oft nachsichtig.<br />
benevolentný<br />
unerbittlich Gegen Betrüger ist er unerbittlich. neúprosný<br />
gegenüber + Dativ :<br />
gleichgültig Die Frau ist ihrem Mann gegenüber lahostajný k/voci<br />
gleichgültig.<br />
zurückhaltend gegenüber seinen Kollegen zdržanlivý<br />
voreingenommen gegenüber berufstätigen Frauen zaujatý voci<br />
vorteilhaft gegenüber kommerziellen Fluglinien výhodný<br />
in + Akkusativ:<br />
verliebt Die Studentin ist in ihren Lehrer verliebt. zamilovaný do<br />
in + Dativ:<br />
bewandert in Computertechnik zbehlý v com<br />
einig in dieser Sache jednotný, svorný<br />
erfahren in der Behandlung schwieriger Kinder skúsený<br />
175
176<br />
geschickt in allen handwerklichen Arbeiten šikovný<br />
gewandt in Fechten obratný v com<br />
nachlässig in seiner Kleidung nedbalý<br />
mit + Dativ:<br />
befreundet mit ihm, diesem Mann spriatelený<br />
behaftet Sie ist mit einem schlechten Ruf/mit einem postihnutý cím<br />
Makel behaftet.<br />
böse mit der Nachbarin, mit ihr byt rozhnevaný s kým<br />
einverstanden mit dem Vorschlag, mit dir súhlasit s kým/cím<br />
fertig mit der Arbeit hotový s cím<br />
vergleichbar mit ähnlichen Projekten porovnatelný<br />
verheiratet mit einem jungen Mann, mit ihr/ihm ženatý/vydatá<br />
zufrieden mit deiner Leistung spokojný s cím<br />
nach + Dativ:<br />
durstig Der Student ist nach Wissen/ Unterhaltung smädný po com<br />
durstig.<br />
hungrig nach Liebe hladný po com<br />
über + Akkusativ:<br />
ärgerlich über dieses Ereignis, darüber byt nahnevaný na<br />
einig über den Preis jednotný<br />
erfreut über deinen Besuch mat radost z coho<br />
erstaunt über seine Taten cudovat sa comu<br />
froh über diese Lösung, darüber tešit sa z coho<br />
glücklich über seine Erfolge byt štastný z coho<br />
traurig über sein Schicksal byt smutný<br />
trostlos über seine Verluste zúfalý, bezútešný<br />
untröstlich über den Tod des Freundes zúfalý<br />
verbittert über die Entscheidung strpcený<br />
zornig über seinen Freund hnevat sa na<br />
um + Akkusativ:<br />
besorgt um das Kind byt ustarostený o<br />
schade um die vielen Anstrengungen škoda coho<br />
verlegen um eine Antwort, um eine Ausrede byt v pomykove pre<br />
von + Dativ:<br />
abhängig von der Industrie závislý od<br />
begeistert von seiner Mannschaft nadšený cím<br />
benommen von dem Schrecken, dem Unfall omámený z<br />
besessen von den neuen Ideen posadnutý z
entzückt von ihrer Schönheit nadšený cím<br />
fern von der Straße daleko od<br />
frei Er ist von Vorurteilen frei. zbavený coho<br />
krank<br />
von Sehnsucht<br />
byt chorý od<br />
müde<br />
der Arbeit<br />
unavený z<br />
überzeugt von seinem Recht presvedcený<br />
voll von Menschen plný kým/cím<br />
vor + Dativ<br />
rot vor Neid cervený od<br />
blass vor Ärger bledý od<br />
steif vor Kälte nehybný, stuhnutý<br />
zu + Dativ :<br />
aufgelegt Mein Freund ist zum Scherzen aufgelegt. mat náladu na co<br />
oder: Mein zum Scherzen aufgelegter<br />
Freund.<br />
bereit zur Abfahrt pripravený na co<br />
entschlossen zum Kampf odhodlaný k<br />
fähig zu dieser Tat, dazu schopný na<br />
geeignet Er ist zum Schauspieler geeignet. vhodný na<br />
gehörig Die Felder sind zu seinem Hof gehörig. patriaci k comu<br />
geneigt zu seinem Schüler byt naklonený<br />
freundlich zu allen Menschen priatelský<br />
5. Adjektiv und Adverb: heimisch, (sich) befindlich<br />
Er ist hier/da/dort heimisch.<br />
das sich dort befindliche Lager<br />
Verschiedene Adjektive, die den Dativ regieren, können alternativ mit für erscheinen:<br />
angenehm, heilsam, interessant, klar, möglich, nützlich, peinlich, unbegreiflich, unentbehrlich,<br />
verständlich<br />
Nach der Anzahl der obligatorischen und fakultativen Ergänzungen kann man die<br />
Adjektive in folgender Weise klassifizieren:<br />
1. nullwertige Adjektive<br />
kalt, bedeckt, finster, dunkel, …<br />
2. obligatoris ch einwertige Adjektive<br />
charakterfest, schwindlig, …<br />
3. zweiwertige Adjektive<br />
177
178<br />
3.1. Adjektive mit zwei obligatorischen Ergänzungen<br />
abträglich, ähnlich, gewärtig, ledig, …<br />
3.2. Adjektive mit einer obligatorischen und einer fakultativen Ergänzung<br />
liebenswürdig, interessiert, bange, …<br />
4. dreiwertige Adjektive<br />
4.1. obligatorisch dreiwertige Adjektive<br />
schuldig, überdrüssig, müde<br />
4.2. Adjektive mit einer obligatorischen und zwei fakultativen Ergänzungen<br />
dankbar, einverstanden, …<br />
4.3. Adjektive mit zwei obligatorischen und einer fakultativen Ergänzung<br />
behilflich, wert, einig, …<br />
5 Zahladjektive<br />
Numeralien (Zahlwörter) bezeichnen Mengen oder einen Platz in einer Reihe und<br />
werden auf Grund dieser Gemeinsamkeit in ihrer Bedeutung zu einer Wortart zusammengefasst.<br />
Nach der Verwendung im Satz und Merkmalen der Flexion kann man<br />
• Zahladjektive (fünf, fünfte Klasse),<br />
• Zahlsubstantive (die Eins, ein Drittel, eine Milliarde),<br />
• Zahladverbien (fünfmal, fünftens) und<br />
• Indefinitpronomen (alle, viele, wenige, manche)<br />
unterscheiden, also Numeralien anderen Wortarten zuordnen.<br />
Man unterscheidet:<br />
1. Kardinalzahlen (Grundzahlwörter)<br />
2. Ordinalzahlen (Ordnungszahlwörter)<br />
3. Bruchzahlen<br />
4. Vervielfältigungszahlen<br />
5. Gattungszahlen<br />
6. Distributivzahlen<br />
5.1 Kardinalzahlen<br />
Die Kardinalzahlen (Grundzahlen) bezeichnen eine Menge oder Anzahl von Personen<br />
oder Sachen. Sie sind eigentlich Zahladjektive, von denen die anderen Zahlwörter<br />
abgeleitet werden. Die Kardinalia sind:<br />
0-9 10-19 20-90 100-900
F<br />
F<br />
0 null<br />
1 eins<br />
2 zwei<br />
3 drei<br />
4 vier<br />
5 fünf<br />
6 sechs<br />
7 sieben<br />
8 acht<br />
9 neun<br />
10 zehn<br />
11 elf<br />
12 zwölf<br />
13 dreizehn<br />
14 vierzehn<br />
15 fünfzehn<br />
16 sechzehn<br />
17 siebzehn<br />
18 achtzehn<br />
19 neunzehn<br />
Höhere Kardinalia sind:<br />
20 zwanzig<br />
30 dreißig<br />
40 vierzig<br />
50 fünfzig<br />
60 sechzig<br />
70 siebzig<br />
80 achtzig<br />
90 neunzig<br />
(ein)tausend 1000<br />
zweitausend 2000<br />
zehntausend 10 000<br />
hunderttausend 100 000<br />
zweihunderttausend 200 000<br />
eine Million 1 000 000<br />
eine Milliarde 1 000 000 000<br />
eine Billion<br />
= 1000 Milliarden<br />
eine Billiarde = 1000 Billionen<br />
eine Trillion<br />
= 1000 Billiarden<br />
eine Trilliarde,<br />
eine Quadrillion<br />
usw.<br />
100 (ein)hundert<br />
200 zweihundert<br />
300 dreihundert<br />
400 vierhundert<br />
500 fünfhundert<br />
600 sechshundert<br />
700 siebenhundert<br />
800 achthundert<br />
900 neunhundert<br />
Verbindung der Zahlen 1-9 mit den Zahlen über 20:<br />
21 einundzwanzig<br />
87 siebenundachtzig<br />
99 neunundneunzig<br />
101 (ein)hundert(und)ein(s)<br />
222 zweihundertzweiundzwanzig<br />
1996 (ein)tausendneunhundertsechsundneunzig<br />
Als Jahreszahl wird 1996 allerdings folgendermaßen gelesen:<br />
1996 neunzehnhundertsechsundneunzig<br />
Die Kardinalia bleiben in der Regel unflektiert; nur zwei und drei haben im Genitiv<br />
die Endung -er, wenn kein Artikel davor steht.<br />
Wir begrüßen die Anwesenheit zweier/dreier Präsidenten.<br />
aber: Wir begrüßen die Anwesenheit der zwei /der drei Präsidenten.<br />
Die Erlebnisse dreier Freunde.<br />
aber: Die Erlebnisse seiner drei Freunde.<br />
179
180<br />
Die Kardinalia von zwei bis zwölf erhalten im Dativ die Endung -en, wenn kein Artikel<br />
davor steht:<br />
Das Kind ist auf allen vieren gekrochen. Diet a liezlo po štyroch.<br />
Ich habe mit zweien aus meiner Gruppe gesprochen.<br />
Der unbestimmte Artikel ein, eine, ein kann als Zahlwort gebraucht werden. Er wird<br />
dann beim Sprechen betont.<br />
Nur einer von zehn Schülern war anwesend.<br />
Die Kardinalzahlen werden attributiv und prädikativ gebraucht.<br />
5.1.1 Deklination der Kardinalia<br />
F<br />
Vollständig wird nur ein dekliniert, und zwar wie ein Adjektiv stark, wenn es ohne<br />
Artikel und Pronomen steht, s chwach, wenn ein Artikel oder ein Pronomen dabeisteht:<br />
einer, der eine<br />
eines, das eine<br />
mit Hilfe des einen<br />
Die Form ein(e)s wird verwendet:<br />
• als allein stehendes Wort: eins plus zwei<br />
zwei Augen sehen mehr als eins<br />
• am Ende einer Zahlgruppe: hundert(und)eins<br />
• bei Zeitangaben ohne den Zusatz Uhr: um eins, gegen eins<br />
Die Form ein gebraucht man:<br />
• vor Zehnern: einundzwanzig<br />
• vor Bruchzahlen: ein Viertel,<br />
dividiert durch ein Viertel<br />
• vor Uhr: es ist ein Uhr<br />
• gewöhnlich vor bis und oder: auf ein bis zwei Tage<br />
Zwei und drei<br />
Sie werden im Genitiv dekliniert, wenn nicht ein vorangehendes Wort den Kasus<br />
kennzeichnet:<br />
aus dreier Mund<br />
aber: die Aussage dieser drei Zeugen<br />
Kardinalzahlen werden groß geschrieben, wenn sie als Substantive gebraucht werden.<br />
Eine Null hinter einer Ziffer bedeutet einen Zehnerabstand.
F<br />
Der Schüler bekam eine Eins für seine Arbeit.<br />
Endlich schlug die Glocke Zwölf.<br />
Ebenfalls groß geschrieben werden:<br />
(die, eine) Million, -en, Milliarde, -n, Billion, -en<br />
Bei dem Geschäft hat er drei Millionen verdient.<br />
Die Kardinalzahlen bilden Substantive auf -er und entsprechende attributiv gebrauchte<br />
unbeugbare Adjektive ebenfalls auf -er.<br />
die Einer, Zehner;<br />
in den dreißiger Jahren, der vierziger Jahrgang,<br />
eine 64er Bildröhre<br />
Mit dem Suffix -er werden z.B. Bezeichnungen für Geldstücke, Geldscheine gebildet<br />
(ein Zwanziger ist z.B. ein Zwanzig -Mark-Schein , ein Zehner ist ein Zehn-Mark-<br />
Schein, gelegentlich Zehnpfennigstück.)<br />
Hunderte, Tausende stovky, tisícky<br />
Hundert und tausend werden manchmal als Substantive gebraucht und stark dekliniert:<br />
Seit dem Erdbeben leben noch Hunderte in Baracken.<br />
Million, Milliarde, Billion milión, miliarda, bilión<br />
werden immer als Substantive gebraucht und als solche schwach (wie Feminina)<br />
dekliniert:<br />
Auf der Erde leben über fünf Milliarden Menschen.<br />
Null nula<br />
die Zahl 0 wird ebenfalls als Substantiv gebraucht und als solche schwach (wie Feminina)<br />
23 dekliniert:<br />
Das Thermometer steht auf Null.<br />
Er ist eine Null.<br />
aber: null Fehler im Diktat, null Grad (= Gefrierpunkt), null Uhr<br />
zehn Minuten (10 Minuten( nach 24 Uhr, Der Vertrag ist null und nichtig.<br />
Zahlen mit der festen Endung -er sind deklinierbar:<br />
Man spricht oft von dem raschen Wirtschaftswachstum in den Fünf zigern. (= in den 50er Jahren)<br />
Bewundernswert war die sportliche Leistung eines Achtzigers. (= eines Mannes zwischen 80<br />
und 90 Jahren)<br />
181<br />
23 Merke: Die Bezeichnung eines Kartenspiels ist der oder das Null. Z.B.: Null spielen.
182<br />
beide, beides oba, obidva, obidvaja, obe, obidve<br />
entspricht der Zahl zwei, bezieht sich aber zurück auf schon erwähnte Personen oder<br />
Sachen (beide) oder Zusammenhänge (beides). Die Endungen sind die des bestimmten<br />
Artikels:<br />
Ich habe mit dem Personalchef und dem Abteilungsleiter gesprochen; beide haben mir die Stellung<br />
zugesagt.<br />
ein Paar pár<br />
bedeutet zwei Personen oder Sachen, die zusammengehören:<br />
Die beiden heirateten heute; sie sind ein hübsches Paar.<br />
ein paar niekolko<br />
bedeutet einige Personen oder Sachen.<br />
Ich habe ein paar Blumen gekauft.<br />
ein Duzend tucet<br />
bedeutet zwölf gleichartige Personen oder Sachen:<br />
Ein Duzend Eier sind zwölf Eier.<br />
ganz und halb celý; pol, polovica, polovicka<br />
Sie werden nur nach dem bestimmten Artikel dekliniert. Mit Namen von Städten<br />
oder Ländern bleiben sie undekliniert:<br />
die ganze Welt<br />
Ganz Nitra war anwesend.<br />
in halb Böhmen<br />
Mathematische Grundoperationen werden wie folgt gelesen:<br />
3 + 4 = 7 drei und /plus vier ist (gleich) sieben<br />
5 – 4 = 1 fünf minus/weniger vier ist (gleich) eins<br />
5 x 3 = 15 fünf mal drei / fünf multipliziert mit drei ist (gleich) fünfzehn<br />
6 : 2 = 3 sechs geteilt/dividiert durch zwei ist (gleich) drei; sechs durch zwei ist<br />
(gleich) drei<br />
52 = 25 fünf hoch zwei / fünf zum Quadrat ist (gleich) fünfundzwanzig<br />
3 3 = 27 drei hoch drei ist siebenundzwanzig<br />
= 5 zweite Wurzel/Quadratwurzel aus fünfundzwanzig ist (gleich) fünf<br />
=3 dritte Wurzel/Kubikwurzel aus siebenundzwanzig ist (gleich) drei<br />
1,21 eins Komma einundzwanzig
5.2 Ordinalzahlen<br />
a) Ordinalzahlen (Ordinalia, Ordnungszahlwörter) kennzeichnen die Reihenfolge.<br />
Sie werden von zwei bis neunzehn mit der Nachsilbe -te, von zwanzig an mit der<br />
Nachsilbe -ste gebildet.<br />
b) Man schreibt die Ordinalzahlen entweder in Ziffern und Punkt (der 2.) oder in<br />
Buchstaben (der zweite). Sie werden immer mit der entsprechenden Adjektivendung<br />
gesprochen und gelesen.<br />
c) Die Frage nach einer Ordinalzahl lautet der wie vielte?<br />
der, die, das<br />
erste<br />
zweite<br />
dritte<br />
vierte<br />
......<br />
siebente<br />
.......<br />
neunzehnte<br />
zwanzigste<br />
tausendste<br />
million[s]te<br />
5.2.1 Deklination der Ordinalia<br />
Ordinalzahlen werden wie ein Adjektiv dekliniert.<br />
Ich habe heute mein zweites Examen bestanden.<br />
Beim Pferderennen wurde er Erster.<br />
Der 1. Januar/Jänner (Der erste Januar) ist ein Feiertag.<br />
Karl I. (= Karl der Erste) wurde im Jahre 800 zum Kaiser gekrönt.<br />
der erste = am Anfang einer Reihe<br />
der letzte = am Ende einer Reihe<br />
Die ersten Besucher bekamen gute Plätze, die letzten mussten stehen.<br />
Wenn in einem vorhergehenden Zusammenhang zwei Personen oder Sachen gleichen<br />
Geschlechts erwähnt werden, gebraucht man zur besseren Unterscheidung der erstere<br />
und der letztere:<br />
Der Geselle und der Meister stritten sich. Der erstere fühlte sich unterdrückt, der letztere<br />
(fühlte sich) ausgenutzt.<br />
5.3 Bruchzahlen<br />
Sie dienen zur Benennung von gleichen Teilen, bzw. Mengen von gleichen Teilen.<br />
Bruchzahlen werden aus Ordinalzahlen in der Regel mit dem Suffix -el gebildet und<br />
183
184<br />
bezeichnen einen Teil eines Ganzen. Sie können als Adjektive und als Substantive<br />
gebraucht werden:<br />
½ – ein halb, das Halbe<br />
¼ – ein Viertel<br />
1/8 – ein Achtel, ein achtel Kilo<br />
1/ 102 – Hundertzweitel,<br />
Gemischte Zahlen, d.h. Verbindungen von ganzen Zahlen mit Bruchzahlen, werden<br />
folgendermaßen geschrieben und gelesen:<br />
5 3 /5 – fünf drei Fünftel<br />
3 5 /8 – drei fünf Achtel<br />
Aus größeren Zahlen, die auf 1 enden, kann man immer einen Nenner bilden. Wenn<br />
dieses Element als letztes gesprochen wird, heißt es Eintel:<br />
1/101 – ein (Ein)hundert(und)eintel<br />
Als Maßeinheiten gebrauchten Bruchzahlen werden im Plural nicht dekliniert:<br />
ein Gewinn von drei Zehntel des Gesamtbetrages<br />
5.4 Vervielfältigungszahlen<br />
Vervielfältigungszahlen bezeichnen Angaben, die in gleicher Weise immer wieder<br />
vorkommen. Man bildet sie aus den Kardinalzahlen durch das Suffix -fach.<br />
drei<br />
anderthalb + fach =<br />
viel<br />
dreifach<br />
anderthalbfach<br />
vielfach<br />
Sie können als Adverb (undekliniert) oder als Adjektiv (dekliniert) verwendet werden:<br />
als Adverb: Die Tür ist dreifach gesichert.<br />
als Adjektiv: Man muss den Antrag in fünffacher Ausfertigung vorlegen.<br />
doppelt dvojitý, dvojnásobný, dvakrát<br />
d.h. etwas ist doppelt vorhanden.<br />
Als Adjektiv:<br />
als Adverb:<br />
doppelte Buchführung – podvojné úctovníctvo<br />
doppelte Sorgen – dvojnásobné starosti<br />
Er sieht alles doppelt – všetko vidí dvojmo<br />
Zweifach und doppelt sind oft bedeutungsgleich.<br />
ein zweifaches/doppeltes Verbrechen
F<br />
5.5 Gattungszahlen<br />
Gattungszahlen bezeichnen die Zahl der Eigenschaften, die einer Größe zugeordnet<br />
ist. Sie werden aus der Kardinalzahl mit dem Suffix -erlei gebildet.<br />
zweierlei<br />
dreierlei<br />
dvojaký<br />
trojaký<br />
auf dreierlei Art und Weise.<br />
Das Geschäft führte zweierlei Arten von Sesamöl.<br />
Dies ist mir einerlei. (= egal) [Wilhelm Busch]<br />
5.6 Distributivzahlen<br />
Die Distributivzahlen bezeichnen einzelne Ele mente numerisch definierter Teilmenge.<br />
Man bildet sie mit je, zu + Kardinalzahl.<br />
je drei<br />
je einer<br />
po tri<br />
jednotlivo, po jednom<br />
eine Mark je Stück kus za (jednu) marku<br />
Ihr bekommt je sieben Bücher.<br />
aber: Geht zu zweit, zu dritt, zu viert! Chodte spolu (po dvoch, v dvojiciach)…! usw.<br />
6 Das Pronomen<br />
Mit der Bezeichnung Pronomen (auch Fürwort, lat. pro nomine = »für ein Nomen«)<br />
werden verschiedene Arten von Stellvertretern von Substantiven zusammengefasst.<br />
Die Wortart Pro nomen realisiert folgende Funktionen:<br />
1. Pronomen verweisen auf bestimmte Lebewesen, Gegenstände und Sachverhalte.<br />
Diese Beziehungen werden aus Satz- bzw. Textzusammenhängen sowie aus der<br />
Sprechsituation sichtbar.<br />
2. Die Pronomen können die Rolle von Verbindungselementen im Text ausüben.<br />
3. Pronomen funktionieren als Stellvertreter oder Begleiter eines Nomens, bzw. einer<br />
Nominalgruppe.<br />
Pronomen unterscheiden sich von anderen Wortarten durch folgende grammatische<br />
Merkmale:<br />
• sie sind deklinierbar<br />
• sie sind nicht artikelfähig<br />
• sie sind nicht komparierbar<br />
6.1 Klassifizierung der Pronomen<br />
Auf Grund ihrer Bedeutung und Form werden die Pronomen in folgende Arten eingestellt:<br />
185
186<br />
1. Personalpronomen (persönliche Fürwörter): ich, du er, wir<br />
2. Possessivpronomen (besitzanzeigende Fürwörter): mein, dein, sein, unser<br />
3. Indefinitpronomen (unbestimmte Fürwörter): man, jemand, niemand, mancher,<br />
etwas, kein<br />
4. Demonstrativpronomen (hinweisende Fürwörter): dieser, jener, der, die, das<br />
5. Relativpronomen (bezügliche Fürwörter): der, die, das, welcher, welche, welches,<br />
was<br />
6. Interrogativpronomen (Fragefürwörter): wer?, was?, wie?, welche?, was für<br />
ein?<br />
7. Reflexivpronomen (rückbezügliche Fürwörter): sich<br />
Die meisten Pronomina werden dekliniert:<br />
Sie (meine Freundin) besucht mich heute.<br />
Ich kaufe ihr Blumen und bedanke mich für ihren Besuch.<br />
Die Uhr, die ich gestern gekauft habe, ist schon kaputt.<br />
6.1.1 Personalpronomen<br />
Die Personalpronomen oder Partnerpronomen „bezeichnen die unmittelbar an einem<br />
Gespräch Beteiligten.“ (ENGEL 1996: 649) Im Singular und im Plural unterscheidet<br />
man drei Personalpronomen:<br />
Singular<br />
ich (1. Person Singular) bezeichnet in der Regel den Sprecher selbst.<br />
du (2. Person Singular) bezeichnet in der Regel die angesprochene Person.<br />
er, sie, es bezeichnen die dritte Person im Singular.<br />
Plural<br />
wir (1. Person Plural) bezeichnet eine Personengruppe, für die gesprochen wird.<br />
ihr bezeichnet die 2. Person im Plural.<br />
sie bezeichnet die dritte Person im Plural.<br />
In der dritten Person Singular richten sich die Personalpronomen nach dem Ge nus<br />
des Substantivs (er – sie – es).<br />
Die Höflichkeitsform wird durch die 3. Person Plural gekennzeichnet (sie – Sie).<br />
Deklination der Personalpronomen<br />
Singular:<br />
N.<br />
G<br />
D.<br />
A.<br />
1. Person 2. Person 3. Person<br />
ich du er sie es<br />
meiner deiner seiner ihrer seiner<br />
mir dir ihm ihr ihm<br />
mich dich ihn sie es
Plural:<br />
N.<br />
G<br />
D.<br />
A.<br />
1. Person 2. Person 3. Person Höflichkeitsform<br />
wir ihr<br />
sie<br />
Sie<br />
unser euer ihrer<br />
Ihrer<br />
uns euch ihnen<br />
Ihnen<br />
uns euch sie<br />
Sie<br />
Anmerkung: In der Standardsprache werden statt wegen und willen + Personalpronomen<br />
folgende Formen gebraucht:<br />
meinetwegen meinetwillen kvôli mne, pre mna<br />
deinetwegen deinetwillen kvôli tebe, pre teba<br />
seinetwegen seinetwillen kvôli nemu, pre neho<br />
ihretwegen ihretwillen kvôli nej, pre nu<br />
uns(e)retwegen uns(e)retwillen kvôli nám, pre nás<br />
euretwegen euretwillen kvôli vám, pre vás<br />
ihretwegen ihretwillen kvôli nim, pre nich<br />
Die Formen wegen mir, wegen uns usw. sind allgemein umgangssprachlich, die Form<br />
wegen meiner usw. ist landschaftlich und veraltet.<br />
6.1.1.1 Zur Verwendung des Personalpronomens »es«<br />
Das Pronomen es hat verschiedene Verwendungsweisen.<br />
a) Das Pronomen es dient als Stellvertreter eines Substantivs:<br />
Das Fenster ist schmutzig. Wir müssen es putzen.<br />
b) Das Pronomen es kann Adjektive oder ganze Satzteile vertreten:<br />
Er spricht sehr leise. Man kann es kaum verstehen.<br />
c) Das Pronomen es ist Platzhalter (vorgesetztes Subjekt) eines Satzgliedes (Subjekt,<br />
Objekt) und kann am Anfang des Satzes stehen. Dadurch ermöglicht es eine<br />
besondere betonte Endstellung anderer Satzglieder und zugleich eine Zweitstellung<br />
der finiten Verbformen:<br />
Es war einmal ein König.<br />
Es kommen noch schwere Zeiten.<br />
d) Das Pronomen es als Korrelat (Platzhalter) steht im Hauptsatz eines Satzgefüges<br />
und verweist auf einen nachgestellten Nebensatz oder eine satzwertige Infinitivkonstruktion:<br />
Mich hat es sehr enttäuscht, dass du mich nicht angerufen hast.<br />
Der Dozent sah es als gutes Zeichen an, dass die Studenten zufrieden waren.<br />
187
188<br />
e) Es ist ein rein formales Subjekt in Sätzen, die Witterungserscheinungen, Geräusche,<br />
Zeitangaben u.a. bezeichnen:<br />
Es schneit. Es nieselt. Es ist kalt, neblig, trübe.<br />
Es klopft, klingelt.<br />
Es ist Abend, Nachmittag.<br />
usw.<br />
6.1.2 Possessivpronomen<br />
Das Possessivpronomen (lat. possessivus – »den Besitz anzeigend«) deutet auf den<br />
Besitzer im weitesten Sinne hin. Es wird aus dem Genitiv des entsprechenden Personalpronomens<br />
abgeleitet:<br />
ich " mein, du " dein, er " sein, sie " ihr<br />
wir " unser, ihr " euer, sie " ihr<br />
Das Possessivpronomen weist darauf hin, dass etwas jemandem gehört:<br />
Hans – sein Buch; Inge – ihr Heft; wir – unsere Bücher;<br />
ihr – eure Freunde; die Schüler – ihre Lehrerin<br />
Wenn grammatisches und natürliches Geschlecht nicht übereinstimmen, kann die<br />
Wahl des Possessivpronomens schwanken:<br />
Das Mädchen besucht seine / ihre Freundin.<br />
In der 3. Person Singular wird nach dem Genus (sein, ihr) des Besitzers unterschieden.<br />
Possessivpronomen werden überwiegend wie Adjektive gebraucht und dekliniert.<br />
Ihre Deklination entspricht der Deklination des unbestimmten Artikels:<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Singular<br />
Maskulinum Femininum Neutrum<br />
mein Vater meine Mutter mein<br />
meines Vaters meiner Mutter meines<br />
meinem Vater meiner Mutter meinem<br />
meinen Vater meine Mutter mein<br />
Kind<br />
Kindes<br />
Kind<br />
Kind<br />
Plural<br />
meine<br />
meiner<br />
meinen<br />
meine<br />
Kinder<br />
Kinder<br />
Kindern<br />
Kinder<br />
Das Possessivpronomen wird gelegentlich mit dem vorangehenden bestimmten Artikel<br />
verwendet:<br />
Wie geht es deinem Bruder / deiner Schwester?<br />
- Dem meinen /der meinen geht es gut.<br />
Das Possessivpronomen kann im prädikativen Gebrauch dekliniert oder undekliniert<br />
verwendet werden:<br />
Der Mantel ist mein. Nein, das ist meiner.
Das slowakische Possessivpronomen svoj, svoja, svoje, svoji wird im Deutschen<br />
durch die entsprechenden Possessivpronomina ausgedrückt:<br />
ich – mein<br />
du – dein<br />
er – sein<br />
sie – ihr<br />
es – sein<br />
wir – uns<br />
ihr – euch<br />
sie – ihr<br />
die Höflichkeitsform:<br />
Ich lese<br />
Du grüßt<br />
Er nimmt<br />
Sie grüßt<br />
Es putzt<br />
Wir essen<br />
Ihr grüßt<br />
Sie erfüllen<br />
mein Buch.<br />
deinen Freund.<br />
seinen Koffer.<br />
ihren Freund.<br />
seine Schuhe.<br />
unser Brot.<br />
eure Freunde.<br />
ihre Pflicht.<br />
svoju knihu<br />
svojho priatela<br />
svoj kufor<br />
svojho priatela<br />
svoje topánky<br />
svoj chlieb<br />
svojich priatelov<br />
svoju povinnost<br />
Sie – Ihr Sie essen Ihre Suppe. svoju polievku<br />
6.1.3 Indefinitpronomen<br />
Das Indefinitpronomen (lat. indefinitus = »unbestimmt’) steht für Personen oder Sachen,<br />
die nach Art und Anzahl nicht näher bestimmt sind. Die Unbestimmtheit kann<br />
bei einigen Indefinitpronomen noch durch irgend- verstärkt werden:<br />
irgendetwas nieco irgendwie nijako<br />
irgendjemand niekto irgendwo niekde<br />
Auf Personen beziehen sich folgende Indefinitpronomen:<br />
man „clovek“ jeder každý<br />
jemand niekto jedermann každý<br />
niemand nikto irgendjemand hocikto<br />
irgendeiner hocikto<br />
Auf Sachen beziehen sich folgende Indefinitpronomen:<br />
etwas<br />
nichts<br />
irgendetwas<br />
nieco<br />
nic<br />
hocico<br />
Auf Personen oder Sachen beziehen sich folgende Indefinitpronomen:<br />
alle každý viele vela<br />
alles niekto einzelne jednotliví<br />
etliche mnohí, viacerí keiner žiaden<br />
jeder každý (irgend)ein nejaký<br />
irgendwelcher nejaký, niektorý<br />
Indefinitpro nomen können substantivisch und adjektivisch gebraucht werden:<br />
Jemand hat das Spiel verdorben.<br />
Wenige Menschen waren nur begeistert.<br />
189
190<br />
Die Indefinitpronomen alles, etwas, nichts unterliegen im Ge brauch keinen Formveränderungen.<br />
Die anderen Indefinitpronomen werden dekliniert:<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Singular<br />
Mask. Fem.<br />
jeder jede<br />
jedes jeder<br />
jedem jeder<br />
jeden jede<br />
Neutr.<br />
jedes<br />
jedes<br />
jedem<br />
jede<br />
jeder, jedermann, jeglicher každý, akýkolvek<br />
Plural<br />
alle<br />
aller<br />
allen<br />
alle<br />
Er fragte nach allem und jedem.<br />
Er war zu jedermann zu freundlich.<br />
Mir ist jeglicher Appetit vergangen.<br />
(jeglicher ist ein veralteter Ausdruck.)<br />
jemand niekto – Gegenwort: niemand nikto<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
jemand<br />
jemandes<br />
jemand / jemandem<br />
jemand / jemanden<br />
niemand<br />
niemandes<br />
niemand/niemandem<br />
niemand/niemanden<br />
Wie jemand wird auch niemand dekliniert.<br />
Deklination des unbestimmten Pronomens man<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
man<br />
-<br />
einem<br />
einen<br />
Was man gerne tut, fällt einem nicht schwer.<br />
Die Indefinitpronomen werden mit kleinen Anfangsbuchstaben geschrieben auch<br />
wenn sie als Substantive verwendet werden:<br />
Ich sage dir etwas. Ist dort jemand?<br />
Nur wenige haben das Gedicht auswendig gelernt.<br />
Nach etwas, vieles, wenig, alles, manches, nichts werden Adjektive wie Substantive<br />
gebraucht und mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben:<br />
Ich wünsche Euch alles Gute.<br />
Hier kannst du viel Interessantes und Schönes sehen.<br />
Die einzelnen Indefinitpronomen sind folgende:<br />
all, alle, alles všetok, všetko, každý
F<br />
All das Glück und Leid dieser Welt ...<br />
Alle waren anwesend.<br />
Wir haben alles getan.<br />
andrer (andere, anderes) druhý, iný, inakší<br />
anderer Meinung sein<br />
ein Bein über das andere schlagen<br />
ein anderes Leben<br />
ein (eine, ein(e)s) jeden, nejaký – Gegenwort: keiner žiaden<br />
eine der größten Messen<br />
mit einem der Jungen<br />
nach Aussage von einem, der dabei war<br />
Sie tranken noch ein(e)s. (= z.B. noch ein Glas Bier)<br />
Er traf keinen der Mitspieler<br />
etwas (irgendetwas) nieco – Gegenwort: nichts nic<br />
es zu etwas bringen (= etwas werden)<br />
Hier raschelt (irgend)etwas.<br />
Etwas und nichts bleiben immer unflektiert.<br />
ein bisschen, das bisschen trocha, troška<br />
Ein bißchen Brot, mit ein bißchen Geduld<br />
Mit dem bißchen läßt sich nichts anfangen.<br />
Es regnet ein bißchen.<br />
einige, etliche, ein paar nieco, mnoho, viacero, niekolko<br />
Ich weiß einiges / etliches darüber.<br />
(etliches ist ein veralteter Ausdruck)<br />
ein paar schöne Stunden<br />
aber: ein Paar (= zwei) braune Handschuhe<br />
gewiss urcitý<br />
Ein gewisser Herr Müller fragte gestern nach dir.<br />
Sie hat das gewisse Etwas.<br />
Sie verfügt über einen gewissen Charme.<br />
mancher, manche, manches niektorý, niekolko<br />
So mancher Mann akzeptiert Gleichstellung der Frau nicht.<br />
Manche Frauen sind durch Haushalt und Beruf überfordert.<br />
191
192<br />
einige, mehrere, sämtliche, viele, wenige; niekolko, viacerí, všetok, vela<br />
Einige / viele / wenige Menschen warten vor dem Geschäft.<br />
Gib mir noch ein wenig Brot.<br />
Sämtliche Atomkraftwerke sollten stillgelegt werden.<br />
Wer und was werden in der Umgangssprache als Indefinitpronomen im Sinne von<br />
(irgend)jemand, (irgend)etwas verwendet.<br />
Ist wer da?<br />
Suchst du wen / was?<br />
kein, keine, kein žiadny, nijaký<br />
Die unbestimmten Pronomen kein, keine, kein werden im Singular wie der unbestimmte,<br />
im Plural wie der bestimmte Artikel dekliniert:<br />
Singular<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Plural<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Maskulinum Femininum Neutrum<br />
kein guter Mann<br />
keine gute Frau kein gutes Kind<br />
keines guten Mannes keiner guten Frau keines guten Kindes<br />
keinem guten Mann keiner guten Frau keinem guten Kind<br />
keinen guten Mann keine gute Frau kein gutes Kind<br />
Maskulinum Femininum Neutrum<br />
keine guten Männer keine guten Frauen keine guten Kinder<br />
keiner guten Männer keiner guten Frauen keiner guten Kinder<br />
keinen guten Männern keinen guten Frauen keinen guten Kindern<br />
keine guten Männer keine guten Frauen keine guten Kinder<br />
Allein stehend wird es wie der bestimmte Artikel dekliniert:<br />
Keiner von seinen Bekannten hat ihn angerufen.<br />
Keines seiner Kinder war anwesend.<br />
6.1.4 Demonstrativpronomen<br />
Die Demonstrativpronomen (lat. demonstrare = »auf etwas hinweisen«) weisen auf<br />
etwas hin, was im Redezusammenhang vorhergehend oder nachfolgend genannt<br />
worden ist. Sie dienen zur Identifikation von Personen, Sachen oder Sachverhalten.<br />
Vgl.:<br />
Am vergangenen Freitag waren wir in Wien. Dieser Tag bleibt uns noch lange in Erinnerung.
Demonstrativpronomen sind:<br />
der, die, das<br />
dieser, diese, dieses<br />
verweist auf Näherliegendes<br />
jener, jene, jenes<br />
verweist auf Fernerliegendes<br />
solcher, solche, solches<br />
derselbe, dieselbe dasselbe<br />
derjenige, diejenige, dasjenige<br />
selbst, selber<br />
in der Bedeutung »sogar» ist es<br />
Adverb<br />
ten, tá. to<br />
tento, táto, toto<br />
onen, ona, ono<br />
taký, taká, také<br />
ten istý, tá istá, to isté<br />
ten, tá, to<br />
sám<br />
Die Demonstrativpronomen werden nach folgendem Muster dekliniert:<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Singular<br />
Mask. Fem. Neutr.<br />
der die das<br />
dessen deren dessen<br />
dem den dem<br />
den die das<br />
dieser, diese, dieses ten, tá, to<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Singular<br />
Mask. Fem. Neutr.<br />
dieser diese dieses<br />
dieses dieser dieses<br />
diesem dieser diesem<br />
diesen diese dieses<br />
Zusammengesetzte Formen:<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Plural<br />
die<br />
deren/derer<br />
denen<br />
das<br />
Plural<br />
diese<br />
dieser<br />
diesen<br />
diese<br />
Singular<br />
Mask. Fem. Neutr.<br />
derjenige diejenige dasjenige<br />
desjenigen derjenigen desjenigen<br />
demjenigen derjenigen demjenigen<br />
denjenigen diejenige dasjenige<br />
Plural<br />
diejenigen<br />
derjenigen<br />
denjenigen<br />
diejenigen<br />
193<br />
6.1.5 Zurückweisendes Demonstrativpronomen<br />
Das Demonstrativpronomen steht für eine vorerwähnte Person oder Sache:<br />
Kennst du diesen Mann? – Nein, den kenne ich nicht.<br />
Dieser Wagen ist preisgünstig. – Ich möchte auch einen solchen haben.
194<br />
Dem Demonstrativpronomen kann oft ein substantivisches Attribut angeschlossen<br />
werden:<br />
Die Konzeption des Präsidenten und die seiner Begleiter ...<br />
Die neutralen Formen das und dieses (verkürzt dies) beziehen sich oft nicht auf Vorerwähntes,<br />
sondern fassen verbale Aussagen zusammen:<br />
Er besucht uns heute. Das (dies) hat er versprochen.<br />
Dieser weist auf Näherstehende (zuletzt genannte), jener auf das davor genannte hin:<br />
Hans hat zwei Brüder, Ralf und Rolf. Dieser ist zwölf, jener elf Jahre alt.<br />
Die Paarung diese(r) und jene(r) tritt überwiegend im schriftlichen Sprachgebrauch<br />
auf:<br />
6.1.6 Vorausweisende Demonstrativpronomen<br />
Das Demonstrativpronomen steht für eine nicht genannte Person, die durch einen Relativsatz<br />
bestimmt wird:<br />
Wir gedenken derer, die für unsere Sportler viel getan haben.<br />
Wir rufen alle Sportler und solche, die es werden wollen.<br />
Nach dem Demonstrativpronomen derjenige steht der Relativsatz als Zwischensatz:<br />
Diejenigen, die die Antwort kennen, erhalten einen Preis.<br />
Der Genitiv Plural des Demonstrativpronomens die hat Doppelformen. Bei Rückverweis<br />
steht deren, bei Vorausverweis steht derer:<br />
Wir sammeln Obst und Gemüse. Es gab deren viel.<br />
Wir gedenken derer, die für unsere Sache viel geleistet haben.<br />
Die Pronomen derselbe, dieselbe, dasselbe werden nur im Sinne von andererselbe<br />
gebraucht:<br />
Sie hatte dasselbe Kleid wie ihre Freundin an.<br />
Identität<br />
Sie hatte das gleiche Kleid wie ihre Freundin an.<br />
Ähnlichkeit<br />
6.1.7 Relativpronomen<br />
Das Relativpronomen (lat. relatum = »auf etwas bezogenes«) bezieht Nebensätze auf<br />
Personen oder Sachbezeichnungen oder (als weiterführende Nebensätze) auf den gesamten<br />
Inhalt des übergeordneten Satzes:<br />
Ich bringe dir das Buch, das ich gestern gekauft habe.<br />
Der Mann, mit dem ich gesprochen habe, ist ein berühmter Schauspieler.
Die Schülerin, deren Vater im Sprechzimmer wartet, ist schon operiert worden.<br />
Die Kinder, die bei uns waren, sind alle gute Sportler.<br />
Relativpronomen sind:<br />
der, die, das ten, tá, to Sie können je nach syntaktischem Zusammenhang<br />
auch Artikel bzw. Demonstrativpronomen<br />
sein.<br />
welcher, welche,<br />
welches<br />
ktorý, kto rá,<br />
ktoré<br />
Diese Pronomen werden in der deutschen Sprache<br />
der Ge genwart immer seltener gebraucht.<br />
wer, was kto, co Beide haben syntaktische Funktion und werden<br />
daher substantivisch gebraucht.<br />
Relativpronomen werden auch in Verbindung mit Präpositionen verwendet:<br />
Das Mädchen, auf das ich vor dem Kino wartete, kam später.<br />
Es ist eine Leistung, auf die du stolz sein kannst.<br />
Die Geschichte, von der wir jetzt sprechen, ereignete sich vor einem Jahr.<br />
Besonders das Relativpronomen was wird im modernen Sprachgebrauch im verallgemeinernden<br />
Sinn bevorzugt. Es bezieht sich meist nicht auf ein konkre tes Substantiv<br />
oder Pronomen, sondern auf den Inhalt des Satzes:<br />
Wir besprechen dieses Thema, was mir sehr gefällt.<br />
Nichts, was geschieht, geschieht ohne Ursache.<br />
6.1.8 Interrogativpronomen<br />
Die Interrogativpronomen (lat. interrogare = »fragen«) dienen dazu, nach Personen<br />
oder Sachen zu fragen. Sie dienen zur Einleitung von direkten und indirekten Fragen.<br />
Interrogativpronomen sind: wer?, was?, was für ein?, welcher?<br />
substantivische Interrogativpronomen:<br />
wer?<br />
was?<br />
welcher?, welche?, welches?<br />
kto?<br />
co?<br />
ktorý?, ktorá?, ktoré?<br />
adjektivische Interrogativpronomen:<br />
was für ein?<br />
was für eine?<br />
was für ein?<br />
was für?<br />
aký?<br />
aká?<br />
aké?<br />
akí?<br />
Wer? fragt nach Personen: Wer ist da?<br />
Was? fragt nach Sachen oder Was ist das? Was machst du?<br />
Sachverhalten:<br />
195
196<br />
Was für<br />
ein?<br />
Welcher?<br />
fragt nach Merkmalen<br />
einer Person oder Sache:<br />
fragt bei der Auswahl<br />
aus einer Menge:<br />
Deklination von wer und was:<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Deklination von welcher<br />
N.<br />
G.<br />
D.<br />
A.<br />
Femin i-<br />
num<br />
welche?<br />
welcher?<br />
welcher?<br />
welche?<br />
Was bist du für ein Mensch? Was für einen<br />
Computer möchtest du kaufen?<br />
Welchen Film hast du gestern gesehen?<br />
Welches Buch möchtest du?<br />
Person<br />
wer?<br />
wessen?<br />
wem?<br />
wen?<br />
Nicht-<br />
Person<br />
was?<br />
wessen?<br />
-<br />
was?<br />
Singular<br />
Maskulinum<br />
welcher?<br />
welches?<br />
welchem?<br />
welchen?<br />
Neutrum<br />
welches?<br />
welches?<br />
welchem?<br />
welches?<br />
Bei was für ein wird nur das ein dekliniert:<br />
Was für ein Mensch ist er?<br />
Was ist das für eine Geschichte?<br />
Für was für einen Menschen hältst du mich eigentlich?<br />
Plural<br />
welche?<br />
welcher?<br />
welchen?<br />
welche?<br />
Der Genitiv von was für ein wird nicht gebraucht. Hier stehen Formen des<br />
Pronomens welcher:<br />
Welcher Meinung bist du?<br />
Welcher Art sind die untersuchten Gebiete?<br />
Im selbständigen Gebrauch von steht wird im Nominativ Singular das Genus<br />
markiert:<br />
Da steht ein Herr/eine Frau. Was für einer/eine?<br />
In der Standardsprache können die Wörter für und was getrennt stehen:<br />
Was für ein Student ist da? – Was ist das für ein Student?<br />
Was für Ausreden sind das? – Was sind das für Ausreden?<br />
6.1.9 Reflexivpronomen<br />
Das Reflexivpronomen (lat. reflexivum = »das Rückwärtsgewendete«) weist auf das<br />
Subjekt des Satzes zurück. Das Subjekt bezeichnet dabei meist den Träger des Ge -
schehens. Das Reflexivpronomen hat nur in der 3. Person eine eigene Form, nämlich<br />
sich.<br />
In einer reflexiven Konstruktion sind das syntaktische Subjekt und das Akkusativbzw.<br />
Dativobjekt identisch. Vgl.:<br />
Die Mutter kämmt den Sohn.<br />
(Subjekt)<br />
(Akkusativobjekt)<br />
Die Mutter kämmt sich.<br />
(Subjekt)<br />
(Akkusativobjekt)<br />
Ich kämme mich.<br />
Die Mutter wäscht dem Sohn das Haar.<br />
(Subjekt) (Dativobjekt) (Akkusativobjekt)<br />
Die Mutter wäscht sich das Haar.<br />
(Subjekt) (Dativobjekt) (Akkusativobjekt)<br />
Ich wasche mir das Haar.<br />
In den anderen Personen steht das Personalpronomen:<br />
D.<br />
A.<br />
Singular Plural<br />
1. Pers. 2. Pers. 3. Pers. 1. Pers. 2. Pers. 3. Pers.<br />
mir dir sich uns euch sich<br />
mich dich sich uns euch sich<br />
Er freut sich.<br />
Ich wasche mich.<br />
Beim letzten Klassentreffen erinnerten wir uns an die schönen gemeinsam verbrachten Tage.<br />
Verwendung des deutschen und des slowakischen Reflexivpronomens:<br />
ich wasche mich<br />
du wäschst dich<br />
er wäscht sich<br />
wir waschen uns<br />
ihr wascht euch<br />
sie waschen sich<br />
umývam sa<br />
umývaš sa<br />
umýva sa<br />
umývame sa<br />
umývate sa<br />
umývajú sa<br />
Die Höflichkeitsform ist:<br />
ich wasche mir die Hände<br />
du wäschst dir die Hände<br />
er wäscht sich die Hände<br />
wir waschen uns die Hände<br />
ihr wascht euch die Hände<br />
sie waschen sich die Hände<br />
umývam si ruky<br />
umývaš si ruky<br />
umýva si ruky<br />
umývame si ruky<br />
umývate si ruky<br />
umývajú si ruky<br />
Sie waschen sich umývate sa Sie waschen sich die Hände umývate si ruky<br />
Das Reflexivpronomen bezieht sich auf einen Dativ oder einen Akkusativ des übergeordneten<br />
Satzes.<br />
Er befahl dem Jungen, sich zu waschen.<br />
Wir baten sie, sich zu entfernen.<br />
Das Reflexivpronomen kann reziprok (= wechselbezüglich) sein. D.h. es stellt eine<br />
wechselseitige Beziehung zwischen mehreren Subjekten her:<br />
197
198<br />
sich bewegen, sich begegnen, sich beistehen,<br />
sich beleidigen, sich fliehen, sich grüßen,<br />
sich umarmen, sich unterstützen, sich verklagen,<br />
sich versöhnen, sich treffen, sich zürnen<br />
usw.<br />
Sie umarmten einander.<br />
Sie umarmten sich.<br />
Bei Verbformen, die sowohl reflexiv als auch reziprok gebraucht werden können,<br />
muss man bei reziprokem Gebrauch einander oder sich gegenseitig verwenden, um<br />
Missverständnisse zu vermeiden.<br />
Die beiden gönnten sich nichts.<br />
(d.h. gönnten sich selbst nichts.)<br />
Die beiden gönnten einander nichts.<br />
(d.h. jeder von beiden gönnte dem anderen nichts.)<br />
Merke: Nach Verbindung des Pronomens einander mit Präpositionen entstehen Adverbien,<br />
wie aufeinander, auseinander, durcheinander, füreinander, hintereinander, miteinander usw.<br />
Sie verhalten sich in Verbindung mit Verben wie trennbare Vorsilben.<br />
Das Ehepaar geht auseinander.<br />
Das Ehepaar ist auseinander gegangen.<br />
6.1.9.1 Stellung des Reflexivpronomens im Satz<br />
Es muss immer möglichst weit vorn im Satz stehen, und die Beziehung muss eindeutig<br />
sein:<br />
Oft mussten sich die Völker ihre Freiheit erst erkämpfen.<br />
Das Reflexivpronomen wird immer – auch in der Anrede – klein geschrieben.<br />
Zum Schluss sei die Klassifikation der Pronomina im Deutschen von Eroms (2000:<br />
29) angeführt:<br />
dem Artikel<br />
stark<br />
schwach<br />
unflektiert<br />
mit best. Art.<br />
Sg.<br />
mit unbest.<br />
Art., Sg.<br />
ohne Artikel,<br />
Sg.<br />
vorangestellt<br />
nachgestellt<br />
solch + + + – + + + +<br />
aller + – + + – + + –<br />
mancher + – + – + + + –<br />
welcher + – + – – +
anderer + + – + + – – +<br />
beide + + – + – + – +<br />
jeder + + – – + + – +<br />
jeglicher + + – – + + – +<br />
dieser + – – – – +<br />
jener + – – – – +<br />
einiger + – – – – +<br />
etlicher + – – – – +<br />
mehrere + – – – – +<br />
der + – – – – +<br />
wer – was + – – – – +<br />
derjenige + + (2. Teil) – – – +<br />
derselbe + + (2. Teil) – – – +<br />
mein + + + – – +<br />
dein ... + + + – – +<br />
einer + + – – – +<br />
keiner + – – – – +<br />
ich + entfällt<br />
du ... +<br />
jedermann + Sonder -<br />
jemand + fälle<br />
niemand +<br />
199
200<br />
7 Das Adverb<br />
Zur Wortart ADVERB gehören Ausdrücke, deren prototypische Funktion darin besteht,<br />
die mit Prädikaten unterschiedlicher Komplexität verbundene Charakterisierungsleistung<br />
oder die Proposition zu charakterisieren. Formal betrachtet ist das Adverb<br />
(das Umstandswort, lat. adverbium = »zum Verb Hinzutretendes«) eine nicht<br />
flektierbare und nur beschränkt graduierbare Wortart.<br />
Es bezeichnet:<br />
• lokale (lat. locus = Ort) Umstände<br />
• temporale (lat. tempus = Zeit) Umstände<br />
• kausale (lat. causa = Grund) Umstände<br />
• modale (lat. modus = Art und Weise) Umstände<br />
Es bestimmt auf diese Art Verben, Adjektive, Partizipien und Substantive näher.<br />
Adverb beim Verb:<br />
Adverb beim Substantiv:<br />
Dort bin ich immer gern eingekehrt.<br />
das Haus dort, das Denkmal links<br />
Die traditionelle Wortart „Adverb“ ist eine heterogene grammatische Kategorie.<br />
Nach Sommerfeld und Starke (1988: 159) legen der Beschreibung dieser Wortart drei<br />
Subklassen zugrunde:<br />
• Die reinen Adverbien sind in der Regel unflektiert und erststellenfähig, Satzglieder<br />
(Adverbialbestimmungen) bzw. Satzgliedteile (links, rechts, gestern, folglich<br />
u.a.)<br />
• Die Modalwörter sind in der Regel unflektiert und im Konstativsatz erststellenfähig.<br />
Sie drücken die Einschätzung eines Sachverhaltes aus (z.B. vielleicht, schade,<br />
bedauerlicherweise u.a.)<br />
• Partikeln sind unflektiert, sie sind nie Satzglieder und nie allein erststellenfähig<br />
(ja, doch, nur, bloß, etwa, mal u.a.)<br />
7.1 Unterschied zwischen Adjektiv und Adverb<br />
Das Adverb kann oft mit dem prädikativen Attribut, mit dem Modalwort und mit der<br />
Partikel verwechselt werden. Ein Unterschied zwischen ihnen besteht in folgenden.<br />
Ein Adverb bezieht sich immer auf das Prädikat, das prädikative Attribut auf Subjekt<br />
oder Objekt. Das Modalwort bringt eine „Einstellung“ auf den gesamten Inhalt<br />
des Satzes zum Ausdruck. Vgl.:<br />
Er isst den Kuchen schnell. = ADVERB<br />
? Er isst den Kuchen. Das Essen geschieht schnell.<br />
Er isst den Kuchen heiß. = PRÄDIKATIVES ATTRIBUT<br />
? Er is st den Kuchen. Der Kuchen ist heiß.<br />
Er isst den Kuchen vermutlich/wahrscheinlich. = MODALWORT<br />
? Es ist vermutlich/wahrscheinlich so, dass er Kuchen isst.
Adjektive werden dem Substantiv vorangestellt und dekliniert. Wenn Adverbien<br />
beim Substantiv stehen, werden sie diesem nachgestellt und bleiben unverändert.<br />
• Adverb: Die Auseinandersetzung gestern<br />
• Adjektiv: die gestrige Auseinandersetzung<br />
7.2 Arten von Adverbien<br />
Temporaladverbien auf die Frage wann? – geben einen bestimmten Zeit punkt oder<br />
Zeitabschnitt an. Die wichtigsten Tempora ladverbien sind:<br />
bald skoro immer vždy<br />
damals vtedy jetzt teraz<br />
dann potom morgen zajtra<br />
einst kedysi morgen früh zajtra ráno<br />
frühmorgens vcasráno, zrána morgens zrána<br />
gestern vcera nimmer mehr už nikdy<br />
gestern Nachmittag vcera popoludní übermorgen pozajtra<br />
nun teraz von heute an oddnes<br />
soeben práve von nun an odteraz<br />
vorgestern predvcerom wieder(um) opät, zas<br />
hernach<br />
potom<br />
Beispielsätze:<br />
Einst lebte im Dunkelsteinerwald eine Hexe.<br />
Heute gibt es dort weder eine Hexe noch einen Wald.<br />
Vor kurzem wurde dort eine Wohnanlage errichtet.<br />
Neulich traf ich Frau Huber beim Einkaufen.<br />
Temporaladverbien auf die Frage wie lange? – bezeichnen eine zeitliche Dauer:<br />
allezeit<br />
bis dahin<br />
jahrelang<br />
pausenlos<br />
seit jeher<br />
stets<br />
unaufhörlich<br />
zeitlebens<br />
Beispielsätze:<br />
vždy, hocikedy<br />
dotial, do toho casu<br />
dlhé roky, po celé roky<br />
bez prestávky<br />
odjakživa<br />
vždy<br />
nepretržite, stále<br />
za svojho života, cez celý svoj život<br />
Zeitlebens bemühte er sich, ein guter Mensch zu sein.<br />
Jahrelang kümmerte er sich um seine kranke Mutter.<br />
Allezeit bereit, ist das Motto der Feuerwehr.<br />
Temporaladverbien auf die Frage wie oft? – bezeichnen wiederholtes Ge schehen:<br />
201
202<br />
ab und zu z casu na cas manchmal obcas, niekedy<br />
alljährlich každorocne mitunter niekedy, obcas<br />
bisweilen niekedy, dakedy, semtam,<br />
oft<br />
casto<br />
kedy-tedy<br />
dann und wann obcas, tu a tam stets stále<br />
gelegentlich obcas, sem-tam täglich denne<br />
häufig casto zuweilen niekedy, obcas<br />
manchmal niekedy<br />
Beispielsätze:<br />
Bisweilen kam es vor, dass die Studenten nicht zu den Seminaren er schienen.<br />
Ab und zu haben sie eine glaubwürdige Entschuldigung.<br />
Lokaladverbien auf die Frage wo? – bezeichnen Ort oder Lage.<br />
außen und innen vonku a vnútri irgendwo nikde<br />
da tu links, rechts nalavo, napravo<br />
draußen vonku nirgends nikde<br />
drinnen vnútri oben hore<br />
hüben und drüben tu (u nás) überall všade<br />
hier tu unten dole<br />
hinten vzadu vorn vpredu<br />
weit und breit široko – daleko<br />
Beispielsätze:<br />
Das Auto: vorn ist die Windschutzscheibe<br />
hinten ist die Heckscheibe<br />
drinnen und draußen befinden sich Metallteile<br />
Lokaladverbien auf die Frage woher? – bezeichnen die Herkunft:<br />
dorther<br />
irgendwoher<br />
überallher<br />
von oben (nach unten)<br />
von oben (herab)<br />
von unten her<br />
von da aus<br />
von drüben<br />
Beispielsätze:<br />
odtial<br />
odniekial<br />
zovšadial, zo všetkých strán<br />
zhora (dole)<br />
zhora (dole)<br />
zdola (sem)<br />
odtial<br />
stamodtial<br />
Wenn man verzweifelt ist, hofft man auf Hilfe von irgendwoher und ak zeptiert sie von über allher<br />
– auch wenn sie nicht von dorther kommt, von wo man sie am ehesten erwartet hat.
Lokaladverbien auf die Frage wohin – bezeichnen Ziel und Richtung:<br />
abwärts dolu, nadol irgendwohin dakam, niekam, kamsi, volakam<br />
aufwärts nahor, smerom hore nach links nalavo<br />
bergab z kopca (dole) nach unten (smerom) dole<br />
bergauf do kopca rückwärts (na)spät<br />
dahin tam seitwärts stranou<br />
fort prec überallhin všade<br />
hierhin sem von oben dole<br />
herab<br />
hinaus von vorwärts vpred<br />
weg prec<br />
Die Vase passt hinein.<br />
Trag die Vase bitte zum Tisch hinüber.<br />
Bei einer Wanderung muss man bergauf und bergab gehen.<br />
Wichtig sind im Deutschen die Lokaladverbien her und hin. Das Lokaladverb her<br />
bezeichnet die Richtung zum Sprecher, das Lokaladverb hin bezeichnet die umg e-<br />
kehrte Richtung, vom Sprecher weg:<br />
komm her!<br />
Geh hin!<br />
Pod sem!<br />
Chod ta(m)!<br />
Die Lokaladverbien werden mit Präpositionen verbunden, die die Richtung einer<br />
Fortbewegung exakt markieren können. Diesen Lokaladverbien entspricht im Slowakischen<br />
gewöhnlich eine einzige Bezeichnung. Vgl.:<br />
herauf hore, nahor hinauf<br />
herunter dole, nadol hinunter<br />
herein gehen dovnútra hinein kommen<br />
heraus von hinaus<br />
herüber na druhú stranu hinüber<br />
2.4 Modaladverbien antworten auf die Frage wie?, auf welche Art und Weise?, wodurch?<br />
anders inác, inakšie fast<br />
äußerst krajne ganz celkom<br />
besonders najmä ganz und gar úplne<br />
dadurch tým genug dost<br />
derart tak gern rád<br />
dergestalt takto höchst nanajvýš, v zvrchovanej miere<br />
durch und durch skrz – naskrz, úplne kaum sotva<br />
durchaus napospol, naskrz meistenteils najviac<br />
ein wenig trochu sehr velmi<br />
überaus nadmieru so tak<br />
203
204<br />
ungefähr asi, približne wenig málo<br />
völlig úplne wohl asi<br />
ziemlich dost zu príliš<br />
etwa asi, snád zusammen dovedna, dohromady<br />
Das Kind war derart/so aufgeregt, dass es kaum noch antworten konnte.<br />
Dadurch wurde die Veranstaltung unterbrochen.<br />
Kausale Adverbien bezeichnen Grund-Folge-Beziehungen zwischen Sachverhalten.<br />
Adverbien des Grundes im engeren Sinne antworten auf die Frage warum?, weshalb?,<br />
weswegen?, wieso?<br />
daher<br />
dazu<br />
deshalb<br />
folglich<br />
krankheits(halber)<br />
mithin<br />
somit<br />
trotzdem<br />
preto<br />
k tomu, na to<br />
preto<br />
teda, (a) preto<br />
kvôli (chorobe)<br />
a tak, teda<br />
a tak, teda<br />
napriek, jednako, predsa<br />
Krankheitshalber/geschäftshalber bleibt das Geschäft geschlossen.<br />
Daher/deshalb/folglich müssen die Kunden bis Montag warten.<br />
Adverbien der Bedingung antworten auf die Frage unter welcher Bedingung?<br />
erforderlichenfalls<br />
notfalls<br />
schlimmstenfalls<br />
sonst<br />
v prípade potreby, ak bude treba<br />
ak bude treba, ked to musí byt<br />
prinajhoršom, nanajvýš, v najhoršom prípade<br />
inác, inak<br />
Notfalls/schlimmstenfalls/erforderlichenfalls muss er am Montag operiert werden.<br />
Adverbien der Einschränkung antworten auf die Frage trotz welchen Umstandes?<br />
dennoch<br />
predsa<br />
dessen ungeachtet bez ohladu na to<br />
gleichviel<br />
jedno, nezáleží na tom<br />
gleichwohl<br />
práve tak<br />
trotzdem<br />
predsa<br />
Die Wirtschaftslage ist katastrophal, trotzdem/dennoch/gleichwohl/des sen ungeachtet streiten<br />
die Vertreter der politischen Parteien wegen verschiedenster Kleinigkeiten.
Auch die zu den Bedeutungsgruppen angeführten Fragewörter gehören zu den<br />
Adverbien. Sie heißen Frage- oder Interro gativadverbien.<br />
7.3 Form und Herkunft der Adverbien<br />
Man unterscheidet einfache, abgeleitete und zusammengesetzte Adverbien. Einfache<br />
Adverbien lassen sich nicht weiter in Morpheme zerlegen:<br />
so tak weg prec<br />
gern rád sonst inác, okrem toho<br />
fort dalej, prec nun teraz<br />
bald skoro<br />
u.a.<br />
Abgeleitete Adverbien enthalten außer dem Wortstamm noch ein in verschiedenen<br />
Wörtern wiederkehrendes Suffix:<br />
-lei:<br />
-lings:<br />
-maßen:<br />
-s:<br />
-(e)stens:<br />
-wärts:<br />
-weise:<br />
einerlei, vielerlei, derlei, solcherlei, keinerlei<br />
blindlings, rittlings, rücklings, jählings<br />
bekanntermaßen, erwiesenermaßen, folgendermaßen<br />
morgens, mittags, abends, nachts, montags<br />
höchstens, meistens, frühestens, spätestens<br />
abwärts, aufwärts, heimwärts, rückwärts<br />
ausnahmsweise, beispielsweise, teilweise<br />
Die in der DDR in die Macht eingesetzte Generation war zum Teil erwiesenermaßen antifaschistisch<br />
oder reklamierte dies zumindest für sich. DIE ZEIT Nr. 24, 06.06.1997<br />
Zusammengesetzte Adverbien können aus Wörtern verschiedener Wortarten bestehen:<br />
Substantiv + Präposition: treppauf, tagsüber, reihum, ringsum<br />
Pronomen + Substantiv: mancherorts, jederzeit, dergestalt<br />
Pronomen oder<br />
Adverb<br />
+ Präposition: hervor, hingegen, deswegen<br />
Adverbien, die aus Pronomen oder Adverb + Präposition bestehen, werden auch<br />
unter der Bezeichnung Pronominaladverbien zusammengefasst.<br />
7.4 Pronominaladverbien<br />
Die Pronominaladverbien sind eine besondere Gruppe von Adverbien, die Prowort-<br />
Charakter haben und sich auf vorher Genanntes und Nachfolgendes beziehen. Ihr<br />
Prowort-Charakter verbindet die Pronominaladverbien einerseits mit den Pronomen,<br />
„andererseits nähern sie sich auf Grund ihrer satz- und textverflechtenden Rolle auch<br />
den Konjunktionen.“ (Sommerfeldt/Starke 1988: 161).<br />
Die Pronominaladverbien lassen sich in demonstrative, interrogative, relative, indefinite<br />
Klassen unterteilen (ebenda):<br />
205
206<br />
semantische<br />
Adverb<br />
reines<br />
pronominales Adverb<br />
Gruppe<br />
demonstrativ interrogativ relativ indefinit<br />
Ort aufwärts hier wo wo irgendwo<br />
Zeit mittags dann wann wo irgendwann<br />
Grund krankheitshalber daher weshalb weshalb<br />
Die interrogativen Pronominaladverbien stehen am Satzanfang und signalisieren eine<br />
Ergänzungsfrage. Sie können aber auch einen Nebensatz einleiten:<br />
Warum tut er das? (direkte Frage)<br />
Ich weiß nicht, warum er das getan hat? (indirekte Frage)<br />
7.5 Präpositionaladverbien<br />
Präpositionaladverbien sind Verbindungen der Adverbien da(r), hie(r) und wo(r) mit<br />
vorwiegend lokalen Präpositionen, d.h. Präpositionen mit dem 3. und 4. Fall.<br />
Von wem sprechen Sie? – Ich spreche von meiner Tante (von ihr).<br />
• Es handelt sich hier um eine Person.<br />
Wovon sprechen Sie? – Ich spreche von dem neuen Roman (davon).<br />
• Hier handelt es sich um eine Sache.<br />
Die wichtigsten Pronominaladverbien im Deutschen sind:<br />
a) Frageadverbien:<br />
bei pri com Wobei bist du gerade?<br />
durch cím Wodurch ist er eigentlich so scheu geworden?<br />
für za co, o co Wofür interessiert sie sich?<br />
gegen proti comu Wogegen hilft dieses Arzneimittel?<br />
wo + mit (s) cím Womit hast du das Kleid gereinigt?<br />
nach za cím Wonach hat sie dich gefragt?<br />
von o com Wovon redest du eigentlich?<br />
vor coho, pred cím Wovor fürchtest du dich?<br />
zu k comu Wozu brauchst du das?<br />
an na co, na com Woran denkst du noch immer?<br />
auf na co, na com Worauf warten wir noch?<br />
aus z coho Woraus besteht dieser Stoff?<br />
wor + in v com Worin besteht der Unterschied zwischen ...?<br />
über o com, nad cím Worüber habt ihr gesprochen?<br />
um o co Worum handelt es sich?
) Pronominaladverbien:<br />
bei pri tom Kann ich dir dabei helfen?<br />
durch tým Dadurch können Probleme entstehen<br />
für za to, o to Dafür bekommt man nichts.<br />
gegen proti tomu Dagegen ist nichts einzuwenden.<br />
hinter za tým Es ist nicht viel dahinter.<br />
mit (s) tým du sollst endlich damit aufhören.<br />
nach za tým Er streckte schon die Hand danach aus.<br />
da + neben pri tom, vedla toho Ich stand daneben, als es geschah.<br />
von o tom Wer will noch etwas davon? [von dieser Speise]<br />
vor toho, pred tým Ich habe dich davor gewarnt.<br />
zu k tomu Wir können Sie doch dazu einladen.<br />
zwischen medzi tým Es ist viel Unkraut dazwischen.<br />
an na to, na tom Daran kann keiner mehr etwas ändern.<br />
auf na to, na tom Du kannst dich darauf verlassen.<br />
aus z toho Was soll daraus werden?<br />
dar + in v tom Darin irrst du dich gründlich.<br />
über o tom, nad tým Ich freue mich sehr darüber.<br />
um o to Er bat mich darum, ihn zu entschuldigen.<br />
unter pod tým Was verstehen Sie darunter?<br />
207<br />
an na to, na tom Hieran schließt sich ein weiteres Zimmer.<br />
auf na to, na tom Hierauf folgte die Diskussion.<br />
aus z toho Hieraus folgt, dass ...<br />
bei pri tom Hierbei kam zur Sprache, dass ...<br />
durch tým Hierdurch wird mitgeteilt, dass ...<br />
für za to, o to Dies ist hierfür nicht zu gebrauchen.<br />
gegen proti tomu Hiergegen führen wir folgende Gründe an.<br />
hier + in v tom Hierin müssen wir Ihnen Recht geben.<br />
mit (s) tým Hiermit bestätigen wir, dass ...<br />
nach za tým Hiernach folgt eine Passage.<br />
über o tom, nad tým Hierüber sprechen wir noch.<br />
unter pod tým Hierunter fallen folgende Beispiele.<br />
von o tom, z toho Hiervon nehme man einen Teil weg.<br />
zu k tomu Hierzu möchten wir bemerken, dass ...
208<br />
dar- wird in der gesprochenen Sprache zu dr- gekürzt: dran, drauf, draus, drin,<br />
drüber, drum, drunter.<br />
An dem Motor ist was dran. (= ist in Ordnung)<br />
An dem Mädchen ist nichts dran (Es hat keine äußerlichen oder innerlichen Vo rzüge)<br />
Ich war drauf und dran, alles hinzuwerfen.<br />
Alles geht drunter und drüber. (Alles geht planlos, ohne eine bestimmte Ordnung vor<br />
sich)<br />
7.6 Syntaktische Leistung des Adverbs<br />
1. Das Adverb tritt als Adverbialbestimmung zum Verb, substantiviert kann es auch<br />
Subjekt oder Objekt sein:<br />
Er arbeitet hier.<br />
Er schreibt oft.<br />
Das Gestern liegt hinter uns, denk an das Morgen!<br />
2. Das Adverb kann wie das Adjektiv Gliedteil, d.h. Attribut sein:<br />
der Brief hier<br />
der Film gestern<br />
alle Freunde zusammen<br />
3. Manche Adverbien können auf Grund ihrer Bedeutung »verbindende« Aufgaben<br />
haben, d.h. sie sind Konjunktionaladverbien (siehe Kapitel Konjunktionen)<br />
Vorweg fahren die Autos, dann folgen die Motorräder.<br />
4. Viele ursprüngliche Adverbien sind zu Präpositionen geworden:<br />
an, auf, aus, bei, in (< ein) mit, ob, um, vor, zu<br />
8 Die Modalwörter<br />
Sie können durch ein Fragewort erfragt werden. Der Spre cher oder Schreiber schätzt<br />
mit Hilfe der Modalwörter seine Aussage ein oder drückt seine emo tionale Einstellung<br />
dazu aus.<br />
allenfalls<br />
allerdings<br />
angeblich<br />
anscheinend<br />
begreiflicherweise<br />
erstaunlicherweise<br />
möglicherweise<br />
prípadne, v danom prípade<br />
prirodzene, samozrejme, pravdaže<br />
údajne, vraj<br />
podla všetkého, pravdepodobne<br />
prirodzene, pochopitelne<br />
napodiv, na pocudovanie<br />
možno, pravdepodobne<br />
Er ist krank, deshalb kann er selbstverständlich/natürlich/sicher/wahr scheinlich/vermutlich/vielleicht<br />
nicht zum Unterricht kommen.
Bedauerlicherweise/betrüblicherweise/beklagenswer terweise/leider muss ich heute zu Hause bleiben.<br />
Die Modalwörter unterscheiden sich von den Adverbien nicht morphologisch, aber in<br />
ihrem syntaktischen Bezugsbereich und Semantik.<br />
Er kommt pünktlich zur Schule. (Adverb) – objektive Art und Weise des Geschehens<br />
Er kommt vermutlich zur Schule. (Modalwort) – subjektive Einschätzung des Geschehens.<br />
Modalwörter lassen sich durch einen übergeordneten Satz paraphrasieren.<br />
Er kommt vermutlich. – Ich vermute, dass er kommt.<br />
Er kommt schnell. – *Es ist schnell, dass er kommt.<br />
(Falls beim Adverb eine Paraphrase möglich ist, dann nur mit einem wie- Satz,<br />
nicht mit einem Dass-Satz.)<br />
Es ist schnell, wie er kommt.<br />
Auf eine Entscheidungsfrage kann man allein mit einem Modalwort antworten. (Auf<br />
eine Ergänzungsfrage mit dem Adverb):<br />
Kommt er? Vermutlich. Leider. *Schnell.<br />
Wie kommt er? Schnell. Pünktlich. *Leider.<br />
Die Negationspartikel nicht steht nach dem Modalwort, aber vor den Adverbien.<br />
Er kommt nicht pünktlich. (Adverb)<br />
Er kommt vermutlich nicht. (Modalwort)<br />
Die meisten Modalwörter kommen nicht in Imperativsätzen und in Wunschsätzen<br />
vor, können nicht komprimierte und koordiniert werden.<br />
Mit den Modalwörtern kann der Sprecher in der Redesituation ausdrücken, wie er<br />
den Sachverhalt beurteilt, und zwar wie er die Gültigkeit des Sachverhalts einschätzt<br />
– sicher, gewiss, bestimmt, natürlich, vermutlich und wie er den Sachverhalt psychisch<br />
einschätzt – leider, unglücklicherweise, lieber, am liebsten, hoffentlich.<br />
Modalwörter können häufig durch inhaltlich gleiche Präpositionalgruppen ausgetauscht<br />
werden.<br />
keinesfalls – auf keinen Fall<br />
zweifellos – ohne Zweifel<br />
voraussichtlich – aller Voraussicht nach<br />
Subklassen der Modalwörter: (Differenzierbarkeit nach dem Sprecher- oder Subjektbezug)<br />
Der Fahrer hat den Bus wahrscheinlich überholt. – Sprecherbezug = Es ist wahrscheinlich<br />
für den Sprecher, dass der Fahrer überholt hat.<br />
209
210<br />
Der Fahrer hat leichtsinnigerweise überholt. – Subjektbezug = Es ist leichtsinnig vom<br />
Fahrer, dass er überholt hat.<br />
Er hat angeblich angerufen. – Subjekt – Agens = Er gibt an, dass er angerufen hat.<br />
Subklassifizierung ergibt sich aus der Art der in ihnen ausgedrückten Sprechereinstellung.<br />
• Gewissheitsindikatoren: zweifellos, fraglos, tatsächlich<br />
• Hypothesenindikatoren: sicher, bestimmt, gewiss<br />
• Distanzindikatoren: angeblich, vorgeblich, vermutlich<br />
• Emotiva: leider, gottseidank, erfreulicherweise<br />
• Bewertungsindikatoren: vorsichtigerweise, unsinnigerweise, leichtfertiger weise<br />
8.1 Semantische Klassifikation der Modalwörter<br />
Modalwörter, die die Realität der betreffenden Beziehung beurteilen:<br />
a) Kennzeichnung von Wirklichkeit und Nichtwirklichkeit<br />
• Überzeugung von der Richtigkeit: sicherlich, bekanntlich<br />
• Überzeugung von der Unwirklichkeit: keineswegs, mitnichten<br />
• Mit Einschränkung: allerdings, freilich<br />
b) Graduierung des Zweifels<br />
• Zweifel mit Berufung auf einen anderen offensichtlichen Tatbestand: offenbar,<br />
anscheinend<br />
• Zweifel mit Berufung auf die Meinung anderer Personen: angeblich, schwerlich<br />
2. Modalwörter, die die emotionale Einstellung des Sprechers ausdrücken:<br />
• Freude: glücklicherweise, hoffentlich<br />
• Bedauern, Trauer: leider, bedauerlicherweise<br />
9 Die Partikeln<br />
Partikeln (lat. pars = »Teil«, Diminutivum particula = »Teilchen«) sind eine relativ<br />
geschlossene aber heterogene Klasse von etwa 40 Wörtern, die man weder syntaktisch<br />
noch semantisch eindeutig abgrenzen kann. Sie sind nicht flektierbar, sie erfüllen<br />
keine syntaktischen Funktionen, d.h., sie sind nicht satzgliedfähig und deshalb<br />
können sie nicht allein vor dem finiten Verb im Kernsatz stehen. Partikeln werden<br />
besonders in der Alltagssprache häufig verwendet. Ein sprachtypisches Merkmal ist<br />
ihre Polyfunktionalität.<br />
In der Fachliteratur wird der Partikelbegriff mit unterschiedlicher Bedeutung verwendet.<br />
Es gibt die enge Auffassung, die unter dem Begriff Partikel solche Teile des<br />
Satzes versteht, „die einen bestimmten Satzgliedwert haben, ohne dass man sie zu<br />
den eigentlichen Satzgliedern oder den attributiven Bestimmungen zählen kann.“
[W. Jung 1967: 11] Es gibt auch eine weite Auffassung, bei der der Begriff Partikel<br />
alle unveränderlichen Wörter umfasst (U. Engel, F. Schanen). In der Duden-<br />
Grammatik werden die Partikeln als selbständige Klasse der unflektierbaren Wortarten<br />
behandelt. K.-E. Sommerfeldt (1988: 163 ff.) zählt die Partikeln zu den Adverbien.<br />
Für die Abgrenzung von den (reinen) Adverbien und den Modalwörtern ko m-<br />
men folgende Merkmale in Frage:<br />
1. Partikeln sind synsemantisch, d.h. sie verfügen über keine lexikalische Bedeutung.<br />
2. Sie sind nicht satzgliedfähig, sondern nur Teile von Satzgliedern.<br />
3. Weil sie keine Satzglieder sind, sind sie im Kernsatz allein nicht erststellenfähig.<br />
Der Schüler ist heute krank. – Heute ist der Schüler krank. (Adverb)<br />
Der Schüler ist vermutlich krank. – Vermutlich ist der Schüler krank. (Modalwort)<br />
Der Schüler ist ja krank. *Ja ist der Schüler krank. (Partikel)<br />
4. Die Partikeln sind als selbständige Antworten nicht mö glich.<br />
Wann war der Schüle krank?<br />
Gestern. ADVERB<br />
Wie krank war gestern der Schüler?<br />
*Ziemlich. PARTIKEL<br />
5. „Modalwörter antworten auf Satzfragen, Adverbien auf Satzgliedfragen, Partikeln<br />
auf überhaupt keine Fragen“ (Helbig/Buscha 1994: 475):<br />
Kommt er heute?<br />
(Satzfrage)<br />
Wann kommt er heute?<br />
(Satzgliedfrage) Spät.<br />
Vermutlich.<br />
*Spät.<br />
*Nur<br />
*Vermutlich.<br />
Nur.<br />
6. Partikeln sind meinst unbetont.<br />
9.1 Syntaktische Klassifizierung der Partikeln<br />
G. Helbig und J. Buscha unterteilen die Partikeln in Subklassen danach, zu welchen<br />
anderen Wortarten sie treten können. Auf diese Weise lassen sich folgende Subklassen<br />
unterscheiden:<br />
1. Partikeln, die zu Nomina (Substantiven und Adjektiven), zu Verben und Adverbien<br />
treten können:<br />
Der Zug hält sogar in dieser Stadt.<br />
Er träumt sogar.<br />
Seine Art und Weise ist sogar bewundernswert.<br />
Er hat ihn sogar dort nicht in Ruhe gelassen.<br />
211
212<br />
Solche Partikeln sind:<br />
aber, auch, beinahe, bereits, bloß, eben, erst, etwa, gerade, geradezu, ja, nahezu, nicht einmal,<br />
noch, nur, schon<br />
2. Partikeln, die zu Nomina (Substantiven und Adjektiven) und Adverbien treten<br />
können:<br />
Sie ist ganz ihre Mutter.<br />
Ich meine es ganz ernst.<br />
Es war eine ganz sinnlose Tat.<br />
Weitere Partikeln: besonders, fast<br />
3. Partikeln, die zu Verben, Adjektiven und Adverbien treten können:<br />
Sie hat sich sehr geschämt.<br />
Die Diskrepanz ist sehr stark.<br />
Dort verdient man sehr gut.<br />
Ähnliche Partikeln sind: doch, durchaus, immer, so, zu<br />
4. Partikel, die zu Adjektiven und Adverbien treten können:<br />
Er ist weit fleißiger als sein Bruder.<br />
Er studiert weit fleißiger als sein Freund.<br />
Ähnliche Partikeln sind: etwas, höchst, recht, überaus, viel, weitaus, ziemlich<br />
5. Partikeln, die zu Substantiven und ursprünglichen Adverbien treten können:<br />
Zumal die Vorlesungen will sie nicht besuchen.<br />
Zumal hier hat er sich nicht blicken lassen.<br />
Ähnliche Partikeln sind: also, nicht, nun, überhaupt.<br />
6. Partikeln, die nur zu Verben treten können:<br />
Was machst du denn?<br />
Komm mal her! Geh mal hin!<br />
Ähnlich: also, nicht, nun, überhaupt<br />
(Vgl. G. Helbig, J. Buscha 1994: 477 ff.)<br />
9.2 Subklassen der Partikeln<br />
Die IDS-Grammatik unterscheidet folgende Gruppen von Partikeln:<br />
Abtönungspartikeln sind weder erstellenfähig, noch erfragbar noch negierbar noch<br />
häufbar: ja, denn, doch, eben, halt, nur, wohl<br />
Intensitätspartikeln wirken als Intensitätsmodifikatoren bei Adjektiven und Adverbien:<br />
sehr, überaus, ungemein u.a.
Fokuspartikeln: allein, auch, erst, höchst, noch, nur, recht, schon, selbst, weitaus.<br />
Konnektivpartikeln stellen inhaltliche spezifische Relationen zwischen Sätzen her:<br />
allerdings, aber, also, folglich, freilich, beziehungsweise, dennoch u.a.<br />
9.2.1 Abtönungspartikeln<br />
Abtönungspartikeln (Einstellungspartikel, Würzwort) kennzeichnen die Stellung des<br />
Sprechers zum Gesagten. Sie beziehen sich nicht auf einzelne Satzglieder, sondern<br />
„auf den gesamten Satz, sie sind im Satz integriert.“ (Weydt 1969: 68) Ihre Funktionen<br />
liegen nicht auf der semantischen, sondern auf kommunikativer Ebene. Sie sind<br />
auf bestimmte Satzarten festgelegt und über diese Satzarten an bestimmte Intentionen<br />
– Wunsch, Drohung, Fragehandlung – gebunden.<br />
Die zentrale Gruppe der Abtönungspartikeln aber, auch, bloß, denn, doch, eben, etwa,<br />
halt, ja, mal, nur, schon, vielleicht ist nicht erststellenfähig, und hat Homonyme<br />
in anderen Wortklassen. (Konjunktionen, Adverb, Modalwort). Daneben existiert<br />
periphere Gruppe von Abtönungspartikeln im weiteren Sinne, die erststellenfähig<br />
sind (dabei nicht in andere Wortklasse eintreten) und keine Homonyme in anderen<br />
Wortklassen haben: allerdings, immerhin, eigentlich, jedenfalls, überhaupt.<br />
Liste von Abtönungspartikeln (unbetont)<br />
aber ale, ved halt nuž, teda<br />
also teda ja hej, ved<br />
auch tiež, aj, dokonca mal nože<br />
bloß len, práve nicht ani<br />
etwa asi, azda nun no, ved<br />
denn -že nur iba, len<br />
doch predsa, avšak schon priam<br />
durchaus celkom vielleicht asi, snád<br />
eigentlich vlastne wohl asi<br />
betonte Abtönungspartikeln<br />
ja hej eigentlich vlastne<br />
bloß práve ruhig samozrejme<br />
denn ved schon urcite<br />
doch predsa überhaupt vôbec<br />
eh wohl azda, zaiste<br />
9.2.1.1 Morphologische Eigenschaften der Abtönungspartikeln<br />
Abtönungspartikeln sind unflektierbar.<br />
9.2.1.2 Syntaktische Eigenschaften<br />
Abtönungspartikeln bilden keine Phrasen, sind aber nach bestimmten Regeln komb i-<br />
nierbar:<br />
213
214<br />
Du kannst fei ruhig zum Essen bleiben.<br />
Ja da muss man sich doch einfach hinlegen.<br />
Findest du das denn vielleicht schön?<br />
Abtönungspartikeln können nicht im Vorfeld stehen und sind nicht erfragbar. Sie<br />
sind größtenteils unbetont, einige treten auch als betonte Formen auf.<br />
Du spinnst ja / *ja!<br />
Lass dich hier ja / *ja nicht wieder blicken!<br />
9.2.1.3 Semantische und funktionale Eigenschaften<br />
Abtönungspartikeln operieren auf Einstellungen des Sprechers/Schreibers und der<br />
Adressaten und tragen dazu bei, Äußerungen in Handlungszusammenhänge zu integrieren.<br />
Auf diese Weise können sie auch gesprächssteuernd wirken.<br />
Zwischen Abtönungspartikeln und bestimmten Satzmodi bestehen regelhafte Beziehungen.<br />
Abtönungspartikeln sind „satzmodussensitiv“. So kommt z.B. die Abtönungspartikel<br />
denn nur im Fragemodus vor (Was machst du denn?), die betonten<br />
Abtönungspartikeln ruhig, bloß oder ja nur im Aufforderungsmodus (Komm ruhig<br />
rein. Lass bloß die Finger weg von diesem Kerl! Du bist ja ganz nass!).<br />
(Siehe IDS-Grammatik Bd. 1, S. 903 ff.)<br />
Abtönungspartikeln können in allen Modi vorkommen, es gibt aber gewisse Selektionsbeschränkungen.<br />
Die Partikeln ja und doch können beispielsweise in Interrogativsätzen<br />
nicht auftreten.<br />
Man kann folgende Zuordnungen von Abtönungspartikeln zu Modi dicendi beobachten<br />
(nach IDS 907 ff.):<br />
Abtönungspartikeln bzw. Kombinationen von Abtönungspartikeln im Aussage-<br />
Modus:<br />
aber; auch, doch, eben, eigentlich, halt, ja, mal, schon, wohl; denn ruhig auch, denn wohl, doch<br />
einfach, eben einfach, halt eben, halt einfach, doch schon, ja auch, ja eben, ja einfach, ja mal, nun<br />
mal, wohl auch, denn doch, doch wohl u.a.<br />
Beispiele:<br />
Die Welt sei eben chaotisch und zufällig. (Quelle: Kindler Literaturlexikon)<br />
Es ist eben Taschengeld. (Welt)<br />
Außerdem ist halt Sommerpause, es herrscht Hektik in der Branche, die Arbeitsplätze werden neu<br />
verteilt. (Quelle: Welt 1999)<br />
Wir haben in Bayern ja auch viel mehr Lehrstellen als woanders. (Welt)<br />
Im Frage-Modus<br />
a) in Ergänzungsfragen:<br />
auch, bloß, denn, eigentlich, etwa, mal, schon; schon auch, denn auch, denn wohl, denn eigentlich,<br />
denn etwa, denn nur; denn schon
Beispiele:<br />
In welcher Kleidung fühlt ihr euch denn wohl? (Welt)<br />
Warum hat er das auch gemacht?<br />
b) in Entscheidungsfragen:<br />
auch, denn, eigentlich, etwa, mal. nicht, vielleicht; denn auch, denn eigentlich, denn etwa, denn<br />
wohl<br />
Beispiele:<br />
Du könntest ja ruhig mal etwas freundlicher sein.<br />
Wir müssen unsere Schwierigkeiten eben halt auch zugeben<br />
c) In Aufforderungssätzen können folgende Abtönungspartikeln bzw. Kombinationen<br />
von Abtönungspartikeln vorko mmen:<br />
bloß; doch, eben, einfach, halt, ja, mal, nur, schon; doch bloß, doch nur; halt eben, auch ja, bloß ja,<br />
nur ja, nur mal, halt schon, halt mal, eben mal, einfach mal<br />
Beispiele:<br />
Dass du ja um 11 Uhr hier bist!<br />
Mach doch mal das Fenster auf!<br />
Und ruf nur ruhig an, wenn du noch Probleme hast.<br />
d) In Wunschsätzen können folgende Partikeln und Kombinationen von Partikeln<br />
vorkommen.<br />
bloß, doch, nur; doch bloß, doch nur; einfach mal<br />
Beispiele:<br />
Wenn er doch endlich käme! (IDS 909)<br />
Das dürfte doch nur zweite Wahl sein.<br />
Heische-Modus<br />
bloß, ja<br />
Beispiele:<br />
Man versuche ja nicht, ihn von seiner Meinung abzubringen! (IDS 909)<br />
… damit man bloß nicht als unkritisch, naiv und fortschrittsgläubig gilt. (Welt)<br />
Exklamativ-Modus<br />
aber, doch, aber auch<br />
Beispiele:<br />
Die haben sich aber auch t oll engagiert! (IDS 909)<br />
215
216<br />
9.2.2 Intensitätspartikeln<br />
Als Intensitätspartikeln (Steigerungspartikel, Intensifikator) bezeichnet man „eine<br />
Klasse von Partikeln, die die von einem Adjektiv oder Adverb ausgedrückte Charakterisierung<br />
intensivierend-steigernd oder abschwächend-abstufend modifizieren.“<br />
(IDS)<br />
Sie haben semantische Ähnlichkeit mit den Fokuspartikeln, haben aber eine andere<br />
Distribution als diese: sie stehen unmittelbar vor dem modifizierten Lexem, das<br />
– im Unterschied zu den Fokuspartikeln – kein Substantiv sein kann.<br />
Die Intensitätspartikeln haben eine vergleichbare Funktion mit manchen flektierbaren<br />
Adjektiven (außergewöhnlich, enorm, völlig, total). Im Unterschied zu den Partikeln<br />
können diese auch ein Nomen modizieren (z.B. eine ziemliche Schweinerei).<br />
Liste von Intensitätspartikeln<br />
einigermaßen akosi, nakolko überaus velmi<br />
besonders zvlášt, obzvlášt ungemein mimoriadne<br />
etwas trocha weitaus omnoho, daleko<br />
kaum ledva, sotva zu príliš, prirecht<br />
skutocne ziemlich<br />
sehr<br />
velmi<br />
Beispiele<br />
Sie war sehr/ungemein/überaus zufrieden.<br />
Sie war zu glücklich.<br />
Die Ausdrücke besonders, sehr, ungemein, ziemlich können auch als Adverb verwendet<br />
werden:<br />
Sie leidet sehr/besonders/ziemlich.<br />
Die Ausdrücke sehr, ziemlich können als Antwortpartikeln (Responsive) gebraucht<br />
werden:<br />
A: Leidest du? Bist du unglücklich?<br />
B: Sehr/Ziemlich.<br />
(IDV S. 56)<br />
9.2.3 Fokuspartikeln<br />
Mit den Fokuspartikeln (auch Gradpartikel, Skalarpartikel) wie sogar, bereits, nur,<br />
selbst wird eine Einstufung des Gesagten bzw. bestimmter hervorgehobener Aspekte<br />
des Gesagten auf Skalen vorgenommen. Sie können vor oder nach ihrem Bezugsausdruck<br />
stehen – oder auch in Distanzstellung zu diesem –, aber nicht allein im Vorfeld.<br />
Der Bezugsausdruck ist intonatorisch hervorgehoben.
Die Fokuspartikeln haben außerdem noch die Funktion, „die Bezeichnung der hervorgehobenen<br />
Elemente oder Wortgruppen in bezug auf kontextuelle Erwartungen<br />
subjektiv zu begrenzen. (SCHANEN 1995: 195)<br />
Die Fokuspartikeln beziehen sich nicht auf den gesamten Satz, sondern auf ein bestimmtes<br />
Bezugsglied im Satz.<br />
1. Sogar ich habe Peter zum Geburtstag gratuliert.<br />
2. Ich habe sogar Peter zum Geburtstag gratuliert.<br />
3. Ich habe Peter sogar zum Geburtstag gratuliert.<br />
Fokuspartikeln stehen in der Regel vor dem Bezugsausdruck, einige können aber<br />
auch unmittelbar nach dem Bezugsausdruck stehen. Auch Distanzstellung vom Bezugsausdruck<br />
kommt vor.<br />
Nur zwei Jahre muss er sitzen.<br />
Zwei Jahre nur muss er sitzen.<br />
Zwei Jahre muss er nur sitzen.<br />
Fokuspartikeln sind nicht selbständig verwendbar und können nicht allein im Vorfeld<br />
eines Kernsatzes stehen.<br />
Fokuspartikeln zeigen keine Beschränkungen hinsichtlich der Sprechhandlung und<br />
der Satzart, aber hinsichtlich der Bezugsglieder im Satz können sie Nominalgruppen<br />
– selbst der Arzt, Präpositionalgruppen – selbst beim schlechten Wetter, Nebensätze –<br />
selbst wenn schlechtes Wetter ist, Prädikativa – er ist sogar Direktor sein.<br />
9.2.3.1 Semantische Funktion der Fokuspartikeln<br />
Die eigentliche semantische Funktion von Fokuspartikeln ist die Gradierung. Ein<br />
Sachverhalt kann unter Bezugnahme auf Erwartungen und Einschätzungen des Sprechers/Hörers<br />
gradiert auf einer Skala eingestuft werden. So wird in der folgenden<br />
Äußerung die Wichtigkeit, die dem Beispiel im Gesprächszusammenhang zukommt,<br />
als relativ niedrig eingestuft.<br />
Dieser Satz ist nur ein Beispiel.<br />
Einige Fokuspartikeln haben auch limitierende Funktion: der in einer Äußerung ausgedrückte<br />
Sachverhalt wird als oberer oder unterer Grenzfall in einer Skala möglicher<br />
Fälle ausgezeichnet.<br />
Bei dieser Konkurrenz wird Dieter Baumann höchstens Vierter.<br />
Bei seiner Topform sollte Dieter Baumann wenigstens Vierter werden.<br />
Die Verwendung von Fokuspartikeln ist mit spezifis chen Hintergrundannahmen von<br />
Sprechern und Hörern verbunden. Aus der Äußerung<br />
Selbst Peter hat die Prüfung bestanden<br />
217
218<br />
lässt sich folgern, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Peter die Prüfung besteht, als<br />
gering eingeschätzt wurde und damit wohl die Prüfung als verhältnismäßig leicht<br />
anzusehen ist.<br />
Liste von Fokuspartikeln<br />
allein iba gerade práve<br />
allenfalls nanajvýš lediglich iba, len<br />
annähernd približne mindestens<br />
aspon, najmenej<br />
auch dokonca noch ešte<br />
ausgerechnet<br />
práve schon už<br />
bereits práve, už selbst aj, dokonca<br />
besonders zvlášt, obzvlášt<br />
sogar ba, aj, dokonca<br />
bloß len, práve wenigstens<br />
aspon<br />
erst až, iba zumindest<br />
aspon, prinajmenšom<br />
gar<br />
velmi, vôbec<br />
9.2.4 Konnektivpartikeln<br />
Konnektivpartikeln (Konjunktionaladverb, Konnektivadverb, Rangierpartikel) sind<br />
diejenigen unflektierbaren Lexeme, die als satzverknüpfende Einheiten (Konnektoren)<br />
fungieren, im Unterschied zu diesen aber in den zweiten Satz integriert sind. Sie<br />
stellen dabei wie Adverbien, Junktoren und Präpositionen spezifische inhaltliche<br />
Relationen zwischen zwei Sachverhalten her, wie z.B. konzessiv (trotzdem, dennoch),<br />
adversativ (demgegenüber, allerdings, jedoch, hingegen) temporal (inzwischen,<br />
währenddessen, hernach) u.a. Diese Partikeln können im Vorfeld und im Mittelfeld<br />
des zweiten Satzes stehen.<br />
Zu den Konnektivpartikeln kann man folgende unflektierbaren Einheiten zählen:<br />
abermals, allenfalls, allerdings, also, ander(e)nfalls, anschließend, ansonsten, auch, bald – bald,<br />
beispielsweise, bestenfalls, bloß, dabei, folglich, freilich, gleichwohl, gleichzeitig, immerhin, infolgedessen,<br />
inzwischen, sonst, vor allem, unterdessen, weder – noch, zudem<br />
In der vorliegenden Grammatik werden sie jedoch als Konjunktionaladverbien behandelt.<br />
9.3 Semantische Leistungen der Partikeln (Auswahl)<br />
Die folgende Liste enthält Partikeln, bei denen offensichtliche funktionale Leistungen<br />
erkennbar ist.
Partikel Grundbedeutung Beispiele Andere<br />
Funktionen<br />
aber Abweichung, Einschränkung<br />
Du bist aber ein Typ. Fokuspartikel<br />
Heute nicht, aber morgen. Konjunktor<br />
allein Einschränkung, Der Gedanke allein ist Fokuspartikel<br />
Begrenzung<br />
schrecklich.<br />
Sie wohnt in diesem Haus Adverb<br />
allein.<br />
Ich hoffte auf ihn, allein ich<br />
wurde bitter enttäuscht.<br />
Konjunktor (gehoben)<br />
auch signalisiert etwas Was er auch glauben mag. Du Fokuspartikel,<br />
Mitgemeintes<br />
bist aber stur!<br />
Er gab mir auch nicht (= nicht Adverb<br />
einmal) einen Cent.<br />
Sowohl er als auch sein Chef<br />
sind große Gauner.<br />
beinahe<br />
bloß<br />
denn<br />
Einschränkung des<br />
Bezugswortes<br />
Einschränkung,<br />
Begrenzung<br />
Das scheint beinahe ein unmögliches<br />
Unterfangen zu<br />
sein.<br />
Ja, beinahe.<br />
Damit man bloß nicht als<br />
unkritisch, naiv und fortschrittsgläubig<br />
gilt.<br />
Hätte ich bloß aufgepasst!<br />
Das Kind liegt bloß (= ist<br />
nicht zugedeckt).<br />
Was macht er bloß?<br />
Ihr könnt ruhig in die Stadt<br />
gehen, bloß/nur müsst ihr um<br />
zehn zu Hause sein.<br />
Was machst du denn?<br />
Ich leihe ihm nichts mehr, er<br />
müsste sich denn (= unter<br />
der Voraussetzung, dass)<br />
gründlich geändert haben.<br />
Öfter denn je (= mehr denn<br />
je).<br />
Konjunktor (sowohl<br />
– als auch,<br />
nicht nur – sondern<br />
auch)<br />
Adverb<br />
Fokuspartikel<br />
Adjektiv<br />
Adverb<br />
Konjunktor<br />
Signal der Rechtfertigung<br />
Abtönungspartikel<br />
Adverb<br />
Korrelator (vera l-<br />
tet)<br />
219
220<br />
doch<br />
Gegensatz, Adversativ<br />
Du hast doch zugestimmt!<br />
Er sagte, er würde es ihr nicht<br />
sagen, aber er hats doch<br />
gemacht.<br />
Sie ist doch kein Kind mehr!<br />
Konjunktor<br />
Adverb<br />
Fokuspartikel<br />
durchaus Verstärkung Diese These ist durchaus Fokuspartikel<br />
richtig.<br />
eben Hervorhebung Das ist eben so. Fokuspartikel<br />
Die Umgebung von Kiel ist Adjektiv<br />
ziemlich eben.<br />
Sie war eben (= soeben, Adverb<br />
gerade) hier.<br />
erst Präzisierung der<br />
Zeitdauer, Steigerung<br />
Er besucht uns erst morgen.<br />
Warte erst mal.<br />
Fokuspartikel<br />
etwa<br />
Einschränkung des<br />
folgenden Bezugswortes<br />
Verstärkung<br />
Erst (= zuerst) kommst du an<br />
die Reihe, dann er. Erst mit<br />
vierzig Jahren hat er geheiratet.<br />
Etwa in einer Woche.<br />
etwa faustgroß<br />
Wenn er etwa doch noch<br />
kommt. Ist das etwa nicht<br />
seine Schuld.<br />
etwas Abschwächung Die Aufgabe war etwas<br />
schwer.<br />
Ich will dir etwas sagen.<br />
fast<br />
ganz<br />
Einschränkung des<br />
Bezugswortes<br />
1. Verstärkung<br />
2. Einschränkung<br />
Fast alle eingeladenen Gäste<br />
sind gekommen.<br />
Ich habe es fast vergessen.<br />
Er ist ganz sein Vater.<br />
Die Speisekammer ist ganz<br />
leer.<br />
Wir brauchen für die Arbeit<br />
einen ganzen Mann.<br />
Adverb (zuerst),<br />
Fokuspartikel<br />
Intensitätspartikel<br />
Indefinitpronomen<br />
Fokuspartikel<br />
Fokuspartikel<br />
Adjektiv<br />
gar Frage mit Zweifel Du hast das gar vergessen? Fokuspartikel<br />
Der Boden ist gar. Die kocht<br />
das Fleisch gar.<br />
Adjektiv
gerade<br />
Nebenbei gesagt<br />
Präzisierung<br />
Es ist gar nicht so schlimm.<br />
Ich gehe mal gerade in den<br />
Garten.<br />
Gerade dieses Problem konnten<br />
wir nicht lösen.<br />
Der Rock ist gerade geschnitten.<br />
Adverb (gar<br />
nicht, gar zu +<br />
Adjektiv)<br />
Fokuspartikel<br />
Adjektiv<br />
Temporaladverb<br />
halt Hervorhebung Sei halt nicht so grob. Abtönungspartikel<br />
höchst<br />
Verstärkung, Steigerung<br />
Die Aufgabe ist höchst interessant.<br />
Es ist höchste Zeit.<br />
immer Steigerung Hast du noch immer nicht<br />
genug?<br />
Immer wenn wir ausgehen,<br />
regnet es.<br />
Fokuspartikel<br />
Adjektiv (Superlativ<br />
von hoch)<br />
Adverb<br />
ja Zustimmung Ja, wir sind schon da. Antwortpartikel<br />
Das ist mir ja eine schöne<br />
Bescherung.<br />
Abtönungspartikel<br />
noch Hinzufügung<br />
Steigerung<br />
Einschränkung eines<br />
Zeitpunktes<br />
Ich hätte noch eine Frage.<br />
Diese Aufgabe ist noch komplizierter.<br />
Er besucht uns noch heute.<br />
Fokuspartikel<br />
nun<br />
nur<br />
Hinweis auf eine<br />
neue Etappe<br />
Abschwächung,<br />
Einschränkung<br />
Du bist noch jung dafür.<br />
Dafür habe ich weder Zeit<br />
noch Geld.<br />
Inzwischen hat es sich nun<br />
herausgestellt, dass …<br />
Von nun an waren sie Freunde.<br />
Geh nur!<br />
Nur brave Mädchen kommen<br />
in den Himmel!<br />
Da kann man nur staunen.<br />
recht Abschwächung Die Aufgabe ist recht interessant.<br />
Er ist der rechte Mann für<br />
diese Aufgabe.<br />
Temporaladverb<br />
Konjunktor (weder<br />
– noch)<br />
Temporaladverb<br />
Fokuspartikel<br />
Adverb<br />
Fokuspartikel<br />
Adjektiv<br />
221
222<br />
schon<br />
sehr<br />
emotionale Verstärkung<br />
einer Aussage,<br />
Einschränkung u.a.<br />
Verstärkung, Steigerung<br />
Wenn ich mich recht entsinne<br />
…<br />
Ich kann mir schon denken,<br />
was du willst.<br />
Wem nützt das schon?<br />
Er ist schon gekommen.<br />
Er hat sehr viel gelitten.<br />
Er fürchtet sich sehr.<br />
selbst Verstärkung Selbst wenn er wollte, könnte<br />
er das nicht tun.<br />
Du hast es selbst (= persönlich)<br />
gesagt.<br />
sogar<br />
überhaupt<br />
Adverb<br />
Fokuspartikel<br />
Adverb (bereits)<br />
Fokuspartikel<br />
Adverb<br />
Adverb<br />
Verstärkung einer Wir wurden sogar mit dem Fokuspartikel<br />
Aussage<br />
Auto abgeholt.<br />
Vera llgemeinerung Wie ist es überhaupt passiert? Fokuspartikel<br />
Er ist überhaupt selten zu Adverb<br />
Hause.<br />
viel Steigerung Ein viel versprechender Anfang.<br />
Intensitätspartikel<br />
Er trinkt viel.<br />
Adverb<br />
Ich wünsche dir viel Glück.<br />
In vieler Hinsicht hat er Recht.<br />
Zahlwort,<br />
Zahladjektiv<br />
vielleicht Zweifel Bist du vielleicht krank? Abtönungspartikel,<br />
Geltungspartikel<br />
Ein Mann von vielleicht fünfzig Adverb<br />
Jahren.<br />
weitaus Verstärkung Eine weitaus bessere Wissensbasis.<br />
Intensitätspartikel<br />
ziemlich 1. Hervorhebung<br />
2. annähernd, ungefähr<br />
Ich kenne ihn ziemlich gut.<br />
Ich bin mit der Arbeit ziemlich<br />
fertig.<br />
Intensitätspartikel<br />
zu<br />
Überschreitung einer<br />
Norm<br />
Ich kann es mit ziemlicher<br />
Sicherheit sagen.<br />
Du bist zu spät gekommen.<br />
Ich hätte Lust zu singen.<br />
Ich fahre zu meiner Tante.<br />
zumal Hervorhebung Sie geht gern in die Berge,<br />
zumal im Sommer.<br />
Er kommt gern, zumal (= da,<br />
weil) er allein ist.<br />
Adjektiv<br />
Partikel<br />
Infinitivpartikel<br />
Präposition<br />
Partikel<br />
Subjunktor
10 Die Präposition<br />
Präpositionen (lat. praepositio = »das Vorangestellte«) sind von unveränderbarer<br />
Gestalt, d.h. unflektierbar, sie verknüpfen Wörter und Wortgruppen und stehen innerhalb<br />
von Satzgliedern. Sie fordern von Substantiven und Pronomen, bei denen sie<br />
stehen, einen bestimmten Kasus. Sie stehen gewöhnlich vor dem Wort, das sie regieren.<br />
Sie bilden eine geschlossene Klasse von etwa 200 Lexemen.<br />
Die Präpositionen bezeichnen verschiedene Verhältnisse.<br />
a) Lokale Verhältnisse (Fragen: wo?, woher?, wohin?):<br />
ab, abseits, an, auf, außerhalb, bei, durch, entlang, gegen, gegenüber, hinter, in, inmitten, längs,<br />
nach, neben, über, um, unter, von, vor, zu, zwischen<br />
Das Buch liegt auf dem Tisch. Wir waren gestern bei euch. Der Lehrer schreibt an die Tafel.<br />
b) Temporale Verhältnisse (Fragen wann?, seit wann?, bis wann?, wie lange?, wie<br />
oft?):<br />
ab, an, auf, aus, bei, bis, gegen, hinter, in, mit, nach, seit, über, um, unter, von, vor, während,<br />
zu zwischen<br />
Ab dem 18. Lebensjahr ist man volljährig. Er kommt gegen Abend. Sie bleibt von Weihnac h-<br />
ten bis Neujahr bei uns. Die Theatervorstellung beginnt immer um sieben Uhr.<br />
c) Kausale Verhältnisse (Fragen: warum?, weshalb?, weswegen?):<br />
c1) rein kausale Verhältnisse<br />
an, aus, durch, nach, über, vor, um – willen, unter vermöge, vor, wegen<br />
Die Studentin kann vor Aufregung kaum sprechen. Sie fuhren zur Erholung in die Hohe Tatra. Um<br />
der Wahrheit willen muss er ein Geständnis machen.<br />
c2) den unzureichenden Grund:<br />
bei, trotz, ungeachtet<br />
Trotz des Regens gehen wir spazieren. Ungeachtet der Tatsache/der Tatsache ungeachtet …<br />
d) Finale Verhältnisse (Fragen: wozu?, in welcher Absicht?):<br />
auf, für, zu<br />
e) Modale Verhältnisse (Frage: wie?):<br />
auf, außer, bei, in, mit, unter, zu<br />
f) Das Mittel (Frage: wodurch?, womit?):<br />
u.a.<br />
durch, kraft, mit<br />
223
224<br />
10.1 Form und Stellung der Präposition<br />
Präpositionen können ein- oder mehrteilig sein.<br />
• Die meisten Präpositionen bestehen aus einem Wort und stehen in der Regel vor<br />
dem Bezugswort:<br />
vor dem Haus, in die Schule, hinter dem Garten, um zwei Uhr<br />
• Zweiteilige Präpositionen schließen das Bezugswort ein:<br />
um der Mutter willen, von Kindheit an, von Jugend auf<br />
• Zwei Präpositionen stehen grundsätzlich hinter dem Bezugswort:<br />
halber, zuliebe<br />
des Anstandes halber, gewisser Umstände halber; dir zuliebe, meinem Freund zuliebe<br />
• Einige Präpositionen können dem Bezugswort voran- oder nachstehen:<br />
entgegen, gemäß, entlang, nach, ungeachtet, entsprechend, wegen, gegenüber, zufolge<br />
wegen des Glatteises, des Glatteises wegen<br />
entlang der Straße, der Straße entlang<br />
zufolge des Vertrages, des Vertrages zufolge<br />
gegenüber mir, mir gegenüber<br />
• Einige Präpositionen können mit dem bestimmten Artikel zu einer Wortform verschmelzen:<br />
am Dach, ans Fenster, beim Fußballspiel, im Himmel,<br />
ins Bett, zum Bäcker, zur Küche<br />
• In festen Verbindungen und in Redewendungen:<br />
fürs Erste, am Ende, übers Herz bringen, aufs Äußerste gefasst sein<br />
Präpositionen fordern von Substantiven und Pronomen, bei denen sie stehen, einen<br />
bestimmten Kasus (Rektion). Man unterscheidet Präpositionen, die den Genitiv, Dativ<br />
und Akkusativ regieren.<br />
10.1.1 Präpositionen mit dem Genitiv<br />
abseits, abzüglich, anfangs, angesichts, anlässlich, anstatt, an Hand/anhand, an Stelle/anstelle,<br />
auf Grund/aufgrund, einschließ lich, außerhalb, beiderseits, betreffs, bezüglich,<br />
diesseits, exklusive, halber, hinsichtlich, infolge, inklusive, inmitten, jenseits, kraft, längs, laut,<br />
mangels, namens, oberhalb, seitens, trotz, um ... willen, unbeschadet, ungeachtet, unterhalb,<br />
unweit, vermöge, vorbehaltlich, während, wegen, zeit, zufolge, zugunsten, zuungunsten, zuzüglich,<br />
zwecks
Beispiele:<br />
abseits vedla, odtial, stranou, po obidvoch stranách<br />
Abseits der großen Eisenbahnlinien liegt das Dorf Vent.<br />
angesichts zoci-voci, so zretelom na<br />
angesichts der Gefahr<br />
Angesichts niedriger Zinsen am Kapitalmarkt investieren die Kleinanleger lieber in die Börsenpapiere<br />
von Unternehmen. (Die Zeit 1999)<br />
anstatt, statt namiesto, za<br />
Ich komme anstatt seiner.<br />
beiderseits vedla, opodial, stranou<br />
Beiderseits der Grenzen stauen sich die Autos.<br />
diesseits z tejto strany, pred, jenseits z druhej strany, za<br />
Diesseits der Landesgrenzen gelten noch die alten Ausweise.<br />
halber pre<br />
krankheitshalber, meinethalben<br />
infolge pre<br />
Infolge der Schneeverwehungen haben die Züge Verspätung.<br />
inmitten uprostred<br />
Inmitten dieser Unordnung kann man nicht arbeiten.<br />
kraft mocou, z moci, na základe<br />
Er handelte kraft seines Amtes.<br />
jmdn kraft des Gesetzes verurteilen odsúdit koho na základe zákona<br />
laut podla<br />
laut Ihres Schreibens, laut Erlass<br />
mangels kvôli, pre<br />
Er wurde mangels ausreichender Beweise freigesprochen.<br />
mittels pomocou oder der Instrumental (7. Fall)<br />
Die Gebühren wurden mittels Stempelmarken entrichtet.<br />
um – willen kvôli, pre<br />
um der Mutter/des Vaters willen<br />
ungeachtet bez ohladu na<br />
ungeachtet der Schwierigkeiten/des Misserfolges oder der Schwierigkeiten/des Misserfolges ungeachtet<br />
unterhalb pod, poniže<br />
Unterhalb des Bergdorfs soll eine Straße gebaut werden.<br />
225
226<br />
unweit nedaleko, blízko<br />
Unweit der Autobahnausfahrt finden Sie ein Gasthaus.<br />
während pocas, za<br />
während des Studiums<br />
wegen kvôli, za úcelom, aby<br />
Wegen eines Herzfehlers durfte er nicht Tennis spielen.<br />
Zwecks besserer Koordination wurden die Ministerien zusammengelegt.<br />
Einige Präpositionen können sowohl mit dem Genitiv als auch mit dem Dativ verbunden<br />
werden:<br />
innerhalb, längs, mangels, trotz, statt, während, zufolge<br />
innerhalb vnútri, v (priebehu)<br />
innerhalb eines Tages, innerhalb (von) fünf Jahren<br />
längs pozdlž, popri<br />
längs des Flusses selten: längs dem Fluss<br />
mangels pre<br />
mangels eines Beweises/dem Beweis; mangels finanzieller Unterstützung<br />
trotz napriek, navzdor; nehladiac na to, že ...<br />
trotz des Verbots/dem Verbot, trotz allen Bemühens selten: trotz allem Bemühen<br />
statt (anstatt) namiesto<br />
statt des Vaters/dem Vater<br />
stattdessen namiesto toho<br />
während pocas, cez, behom, po dobu<br />
während des Jahres/dem Jahr, des Urlaubs; während zwei Monaten<br />
zufolge podla, na<br />
zufolge seines Wunsches, häufiger ist aber die Präposition nachgestellt mit dem Dativ:<br />
seinem Wunsch zufolge podla želania, na želanie<br />
10.1.2 Präpositionen mit dem Dativ<br />
ab, aus, außer, bei, dank, entgegen, entsprechend, gegenüber, gemäß, mit, nach, nebst, samt,<br />
seit, von, zu, zufolge<br />
ab od, zo<br />
Ich habe die Reise ab Nitra gebucht.<br />
Ab drittem (ugs. dritten) April, ab morgen, ab nächster Woche, ab 14 Jahren<br />
aus z, zo<br />
Er trat aus dem Haus.
Er hat seinen Bruder aus Eifersucht erschlagen.<br />
Sie hat Kinder aus der zweiten Ehe.<br />
Eheringe sind meistens aus Gold.<br />
außer z, zo, mimo, okrem<br />
außer Betrieb setzen<br />
außer Landes sein<br />
Außer Milch und Honig nahm der Kranke nichts zu sich.<br />
feste Wendungen: außer Atem; außer Betrieb; außer Gefahr; etwas außer Acht lassen; jemand<br />
ist außer sich (= sehr aufgeregt sein)<br />
bei pri, u, za<br />
Perchtoldsdorf liegt bei Wien.<br />
bei schönem Wetter, beim Lesen<br />
Ich war beim Arzt.<br />
feste Wendungen: bei Nacht und Nebel; bei schönem Wetter; jemanden beim Wort nehmen; etwas<br />
bei Strafe verbieten<br />
dank vdaka, zásluhou<br />
Dank dem Zureden seiner Mutter schaffte er das Abitur. Er konnte das Problem dank seiner Erfahrung<br />
lösen.<br />
entgegen proti, napriek<br />
Entgegen den allgemeinen Erwartungen siegte die Oppositionspartei.<br />
dem Befehl entgegen<br />
entsprechend podla, v súlade s<br />
Er hat seiner Ansicht entsprechend gehandelt.<br />
Entsprechend ihrer Vorstellung von südlichen Ländern haben die Reisenden nur leichte Kleidung<br />
mitgenommen.<br />
gegenüber oproti, voci<br />
Gegenüber der Post finden sie verschiedene Reisebüros.<br />
Dir gegenüber habe ich immer die Wahrheit gesagt.<br />
gemäß podla, v súlade<br />
Das Gesetz wurde den Vorschlägen der Kommission gemäß geändert.<br />
Gemäß der Straßenverkehrsordnung ist der Angeklagte schuldig.<br />
mit s, so oder der reine Instrumental (7. Fall)<br />
Ich gehe mit meiner Schwester ins Kino.<br />
Wir heizen mit Gas.<br />
Er hat das sicher nicht mit Absicht getan.<br />
Mit der Zeit wurde sie ungeduldig.<br />
nach po, podla, do<br />
Die Überfahrt nach England war sehr stürmisch.<br />
227
228<br />
Die Kompassnadel zeigt immer nach Norden.<br />
Fahren Sie nach links und dann geradeaus.<br />
Nach Ostern will er uns besuchen.<br />
Meiner Meinung nach ist der Satz richtig.<br />
nebst spolu s, dovedna<br />
Er verkaufte ihm das Haus nebst Garage. (= zusammen mit der Garage; meist ohne Artikel)<br />
seit od, už<br />
Seit Weihnachten habe ich euch nicht mehr gesehen.<br />
Seit der Geburt seiner Tochter interessiert er sich für Kinder.<br />
von od, z, zo<br />
Ich bin gerade von Schottland zurückgekommen.<br />
Ich danke Ihnen für den Brief vom 20.03.1995.<br />
Vom Fernsehturm aus kann man die Berge sehen.<br />
Er wusste von Anfang an Bescheid.<br />
feste Wendungen: von heute auf morgen; in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch; von Tag zu<br />
Tag; von Ort zu Ort<br />
zu k, ku, na, pre, po, za<br />
Am Freitag komme ich zu dir.<br />
Zu Weihnachten bleiben wir zu Hause.<br />
Zum Beweis möchte ich folgende Zahlen bekannt geben: ...<br />
Wir haben jetzt schon zum vierten Mal mit ihm gesprochen.<br />
feste Wendungen ohne Artikel: zu Hause sein; zu Besuch kommen; zu Gast sein; zu Fuß gehen;<br />
zu Mittag/zu Abend essen; zu Bett gehen; zu Boden fallen; zu Hilfe kommen; zu Gott beten;<br />
zu Ansehen/zu Ruhm/zu Ehre kommen; zu Ende sein/kommen; zu Tisch kommen/ sitzen<br />
feste Wendungen mit Artikel: zur Rechten/zur Linken eines anderen stehen/sitzen; die<br />
Nacht zum Tag machen; etwas zum Frühstück essen<br />
zufolge podla, na základe<br />
Der Diagnose des Arztes zufolge kann der Beinbruch in zwei Monaten geheilt werden.<br />
10.1.3 Präpositionen mit dem Akkusativ<br />
bis, durch, entlang, für, gegen, ohne, um, wider<br />
bis do, po<br />
Bis Hamburg sind es noch etwa 650 Kilometer.<br />
Wir gingen bis an den Rand des Abgrunds.<br />
bis nächsten Donnerstag, bis vorige Ostern; bis Mittwoch, den 2. November<br />
durch cez, kvôli, skrz, proti, prostredníctvom<br />
Wir gingen durch den Wald.<br />
Er hatte durch einen Unfall seinen rechten Arm verloren.
Das Konzert wurde durch das Fernsehen übertragen.<br />
entlang pozdlž, popri 24<br />
Sie gingen den Bahnsteig entlang.<br />
Das Schiff fuhr den Fluss entlang.<br />
für pre, za, na<br />
Der Blumenstrauß ist für die Gastgeberin.<br />
Bitte geh für mich aufs Finanzamt.<br />
Für sein Alter ist er noch sehr rüstig.<br />
Er schrieb den Text Wort für Wort ab.<br />
gegen proti, voci, za, okolo<br />
Er schlug mit der Faust gegen die Tür.<br />
Wir kommen gegen 23 Uhr oder erst gegen Mitternacht.<br />
Nicht alle Ärzte sind gegen das Rauchen.<br />
ohne bez<br />
Ohne Auto können sie diesen Ort nicht erreichen.<br />
Ohne ihren Mann ist sie völlig hilflos.<br />
um okolo, za, v, o<br />
Um den Turm (herum) standen viele Bäume.<br />
Um 20 Uhr beginnen die Nachrichten.<br />
Vier Menschen sind bei dem Unfall ums Leben gekommen.<br />
wider proti<br />
Er hat wider Willen zugestimmt. (= gegen seinen Willen)<br />
Wider Erwarten hat er die Stellung bekommen.<br />
Wider besseres Wissen verurteilte er den Angeklagten.<br />
229<br />
10.1.4 Präpositionen mit dem Dativ oder mit dem Akkusativ<br />
Neun Präpositionen können mit dem Dativ und Akkusativ verbunden werden:<br />
an, auf, hinter, in,<br />
neben, unter, über,<br />
vor, zwischen<br />
in die Schule gehen<br />
in der Schule sein<br />
na, pri, za, v/vo,<br />
vedla, pod, nad,<br />
pred, medzi<br />
íst do školy<br />
byt v škole<br />
Lage wo? – Dativ<br />
Richtung wohin? – Akkusativ<br />
Der Akkusativ steht, wenn eine Bewegung oder eine Tätigkeit zielgerichtet aus einem<br />
Bereich in einen anderen führt:<br />
in den Park gehen, ein Weg führt in den Park;<br />
24 aber am Ufer entlang. Hier ist entlang keine Präposition, sondern Adverb.
230<br />
die Vase auf den Tisch stellen,<br />
Wird der Bereich nicht verlassen, steht der Dativ:<br />
im Park spazieren, ein Spaziergang im Park, ein Weg im Park / in den Park<br />
Bei Temporalangaben steht weitgehend der Dativ:<br />
am Mittwoch, im Herbst, im Januar<br />
Es gibt Schwankungsfälle, wo beide Möglichkeiten zugelassen sind. Ausschlaggebend<br />
ist dabei der Standpunkt des Sprechers oder Senders:<br />
das Pferd an einen/einem Ast fest binden;<br />
die Zweige hängen über den/dem Bach;<br />
der Kranke wird in die/der Klinik aufgenommen<br />
Manche Verben können zielgerichtetes oder nicht-zielgerichtetes Geschehen bezeichnen:<br />
Wir sind über die Wolken geflogen.<br />
Wir sind über den Wolken geflogen.<br />
Mit der unterschiedlichen Rektion der Präpositionen mit dem Genitiv und Dativ ist<br />
oft die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Existenzform oder Stilebene verbunden:<br />
trotz des Fehlers (G) – trotz dem Sturm (Dativ, ugs.)<br />
außer des Landes gehen (G) – außer dem Haus arbeiten<br />
laut des Gesetzes (G, gehoben) – laut dem Brief (D)<br />
ebenso: binnen, mangels<br />
10.1.5 Präpositionen fremder Herkunft<br />
Es gibt eine Reihe von Präpositionen fremder Herkunft, die insbesondere in der<br />
Fachsprache verwendet werden. Die wichtigsten sind folgende:<br />
à = zu po/za ein Stück à 5 Mark<br />
exklusive =ausschließlich okrem, bez exklusive Porto (=Postgebühr)<br />
inklusive = einschließlich vrátane inklusive aller Restaurationen<br />
pro = für/je za 10 Mark pro Person<br />
punkto = betreffend punkto Geld (das Geld betreffend)<br />
vis-à-vis = gegenüber oproti vis-à-vis dem Kino<br />
11 Die Konjunktion<br />
Die Konjunktionen (Bindewörter, Fügewörter, Junktoren, lat. coniugare = verbinden)<br />
dienen dazu, Wörter, Wortgruppen oder Teilsätze aneinander zu fügen. Sie sind nicht<br />
flektierbar, haben keinen Satzgliedwert und regieren keinen Kasus von Substantiven.
Konjunktionen helfen Beziehungen des Nebeneinanders<br />
des Ausschlusses<br />
des Gegensatzes<br />
des Grundes<br />
der Zeit<br />
der Folge<br />
der Bedingung<br />
des Zwecks<br />
der Art und Weise<br />
des Mittels<br />
des Vergleichs herzustellen.<br />
Ihrem Fügungswert nach unterscheidet man zwei Arten von Konjunktionen:<br />
a) Koordinierende (nebenordnende, beiordnende) Konjunktionen (Konjunktoren):<br />
• verbinden grammatisch gleichwertige Wörter und Wortgruppen<br />
Vater und Mutter, die junge Frau und der elegante Mann.<br />
• verbinden Sätze gleichen Grades, d.h. Hauptsätze oder gleichgeordnete Nebensätze:<br />
Ich habe heute die Prüfung bestanden, und morgen bekomme ich das Zeugnis.<br />
Der Lehrer erwartet, dass alle Schüler vorbereitet sind und dass sie im Unterricht mitarbeiten.<br />
b) Subordinierende (unterordnende) Konjunktionen (Subjunktoren):<br />
• leiten einen Nebensatz ein und kennzeichnen seine Unterordnung<br />
Mein Neffe freut sich, wenn ich mit ihm spiele.<br />
11.1 Abgrenzung der Konjunktionen von Adverb und Präposition<br />
Wie koordinierende Konjunktionen, können auch Pronominaladverbien Bezie hungen<br />
zwischen Sätzen und Wortgruppen ausdrücken.<br />
Aber: Adverbien sind nähere Bestimmungen des Verbs, Konjunktionen nicht. Dem<br />
Pronominaladverb folgt die finite Verbform unmittelbar:<br />
Ibrahim lebt jetzt in der Slowakei, denn er möchte Slowakisch lernen.<br />
Einige subordinierende Konjunktionen und Präpositionen lauten gleich:<br />
• Konjunktion: Warte, bis ich zurück bin.<br />
• Präposition: bis Montag, bis morgen/seit meiner Kindheit, seit gestern<br />
231
232<br />
11.2 Die koordinierenden (nebenordneten) Konjunktionen<br />
Sie drücken aus:<br />
a) Kopulative (aufzählende) Beziehungen:<br />
und a zudem okrem toho<br />
auch tiež einerseits – andererseits na jednej strane – na<br />
druhej strane<br />
außerdem okrem toho, navyše erst – dann najprv – potom<br />
dann potom nicht nur – sondern auch aj – aj<br />
sowie len co; ako aj sowohl – als auch ako – tak i<br />
überdies okrem toho weder – noch ani – ani<br />
Sowohl der Vater als auch die Mutter sollten sich um das Kind kümmern.<br />
weder hier noch dort<br />
Nicht nur, weil er ein guter Arzt ist, sondern auch, weil er ein Menschenkenner ist, ist er so beliebt.<br />
Vorträge und Reden sowie zahlreiche Veröffentlichungen.<br />
Es ist abwegig, ja sogar falsch.<br />
• Folgende Konjunktionaladverbien bzw. mehrgliedrige Konjunktionen kennzeichnen<br />
die Anreihung bzw. die Aufzählung:<br />
ferner bližšie bald – bald hned – hned<br />
dann potom teils – teils jednak – jednak<br />
endlich konecne einerseits – andererseits jednak – jednak<br />
weiter dalej schließlich zároven<br />
hernach zatým, nato zuletzt naposledy<br />
Teils neue, teils alte Bücher werden verkauft.<br />
Teils (bald)/ einerseits schwärmen die Schwalben, teils (bald)/ andererseits sammeln sie sich.<br />
• Alternative (unterscheidende) Beziehungen:<br />
oder alebo entweder – oder bud – alebo<br />
Dein Vater oder deine Mutter muss kommen.<br />
Entweder du arbeitest mit, oder du lässt uns in Ruhe.<br />
• Adversative (gegensätzliche) Beziehungen:<br />
aber<br />
allein<br />
sondern<br />
doch<br />
jedoch<br />
ale<br />
avšak, ale; iba<br />
ale<br />
predsa<br />
lenže, však<br />
Sie gehen spazieren, aber wir müssen arbeiten.<br />
Der Park ist schön, doch/jedoch ihm fehlt die Pflege.
Er ist nicht Mitglied, sondern Gast dieses Kreises.<br />
Er ist sehr tüchtig, allein/nur ihm fehlt die Erfahrung.<br />
• Folgende Konjunktionaladverbien haben adversative oder konzessive (einräumende)<br />
Bedeutung:<br />
dennoch<br />
gleichwohl<br />
indessen<br />
vielmehr<br />
trotzdem<br />
zwar<br />
nichtsdestoweniger<br />
predsa, napriek tomu<br />
predsa<br />
ale, však<br />
ba co viac<br />
predsa však<br />
síce<br />
predsa<br />
• Spezifizierende (erläuternde) Beziehungen:<br />
nämlich<br />
totiž<br />
bzw. – beziehungsweise resp. – respektíve<br />
d. i. – das ist t.j. – to jest<br />
d.h. – das heißt<br />
t.j. – to jest<br />
z.B. – zum Beispiel napr. – napríklad<br />
• Kausale (begründende) Beziehungen:<br />
denn<br />
lebo<br />
Ich benötige Geld, denn ich möchte verreisen.<br />
Alle anderen Grund-Folge-Beziehungen, ebenso wie temporale und lokale Be -<br />
ziehungen, müssen bei Koordination durch Adverbien hergestellt werden. Z.B.<br />
• lokale Koordination:<br />
da<br />
dort<br />
darauf<br />
hie und da<br />
hüben – drüben<br />
diesseits – jenseits<br />
Hüben wie drüben wird Wein angebaut<br />
tu<br />
tam<br />
na tom<br />
tu i tam<br />
tu i tam; na tej i na druhej strane<br />
z tej i z druhej strany<br />
temporale Koordination:<br />
da tu eher skôr, prv<br />
dann potom zuvor skôr, prv než<br />
darauf potom vorher predtým<br />
danach potom indem zatial kým<br />
indes(sen) medzitým, zatial<br />
233
234<br />
Wir wollen zuerst essen, dann ins Kino gehen.<br />
• kausale Koordination:<br />
also teda nämlich totiž<br />
anderenfalls inác sonst inác, okrem toho<br />
daher preto, teda darum preto<br />
darum preto dazu k tomu; na to<br />
demnach preto teda zwar – aber síce; pravda – ale<br />
deshalb preto trotzdem hoci, napriek tomu<br />
Er ist gut gelaunt, er hat nämlich am Lotto gewonnen. Bei dieser Operation muss man sehr vorsichtig<br />
sein, anderenfalls können Komplikationen auftreten. Sie kann sehr gut singen und will deshalb<br />
Sängerin werden.<br />
11.3 Die subordinierenden (unterordnenden) Konjunktionen<br />
• Adversative (gegenseitige) Subordination:<br />
während<br />
kým<br />
Ich holte den Arzt, während der Nachbar bei dem Verletzten blieb.<br />
(Kommt in gleicher Form auch als Präposition vor.)<br />
• Spezifizierende (erläuternde) Subordination:<br />
insofern (als) pokial damit aby<br />
insoweit (als) pokial dass aby<br />
inwiefern<br />
pokial<br />
Inwiefern diese Aussage den Tatsachen entspricht, kann ich im Moment nicht beurteilen.<br />
• Kausale (begründende) Subordination:<br />
da kedže obgleich hoci, co aj<br />
weil pretože obschon hoci, co aj<br />
zumal (da) kedže obwohl hoci, co aj<br />
umsomehr – umsoweniger<br />
cím viac – cím me-<br />
obzwar<br />
hoci, co aj<br />
dass nej, tým<br />
so dass, zu takže trotzdem hoci, napriek<br />
tomu<br />
nehladiac na<br />
(to), že<br />
als dass ked ungeachtet (dessen),<br />
dass<br />
falls ak, keby wenn auch hoci<br />
im Falle (dass), ak, v tom prípade wenn schon hoci<br />
Sofern ak wenngleich hoci; co aj<br />
Wenn ked wiewohl i ked, hoci<br />
wo nicht kde nie damit, dass tým, že
vorausgesetzt (dass) za predpokladu, že um zu + Inf. aby<br />
Wir verabschiedeten uns, weil der Zug kommt.<br />
Trotzdem es den Kindern verboten war, spielten sie am Wasser.<br />
Sie spielten am Wasser, obwohl/obgleich es verboten war.<br />
Er eilt, damit er den Anschlusszug noch erreicht.<br />
Wir besuchten ihn gern, zumal/da/um so mehr als auch zahlreiche Per sönlichkeiten des literarischen<br />
Lebens als Gäste erwartet wurden.<br />
• Modale Subordination:<br />
als ako keby, akoby kaum dass sotvaže<br />
als ob ako keby, akoby ohne dass bez toho, aby, a ani<br />
als wenn ako keby, akoby (an)statt dass namiesto (toho) aby<br />
gleichwie tak ako; práve tak ohne zu ani, a ani<br />
sowie len co (an)statt zu (na)miesto aby<br />
wie ako indem tým, že<br />
wie wenn akoby dadurch, dass tým, že<br />
soviel pokial damit, dass aby<br />
(in)sofern pokial, kým, ak je – desto cím – tým<br />
(in)soweit pokial je – um so cím – tým<br />
(in)wiefern pokial, nakolko je – nachdem podla toho, ci<br />
geschweige<br />
dass<br />
tobôž že<br />
(ob)<br />
Ich wecke ihn, indem ich läute.<br />
Es ist so gekommen, wie es kommen musste.<br />
Mir ist, als ob ich etwas vergessen hätte.<br />
Je mehr er weiß, desto/um so bescheidener ist er.<br />
Er lud ihn zu einer Reise ein, statt dass wir ihn darum bitten mussten.<br />
Ich habe sie nicht einmal gesehen, geschweige dass ich sie gesprochen hätte.<br />
• Temporale Subordination:<br />
als ked sooft kedykolvek<br />
ehe skôr než während zatial co/kým<br />
bevor skôr než wenn ked, kedykolvek<br />
nachdem potom co wie ako<br />
seit(dem)<br />
sobald<br />
solange<br />
odvtedy co<br />
akonáhle<br />
pokým<br />
indes<br />
unterdes<br />
zatial co<br />
kým<br />
235
236<br />
Sie drücken aus:<br />
Gleichzeitigkeit<br />
Vorzeitigkeit:<br />
Nachzeitigkeit:<br />
• Lokale Subordination:<br />
Als er kam, begrüßten wir ihn.<br />
Seit(dem) er die Abteilung leitet, wird planvoll gearbeitet.<br />
Ich werde ihn besuchen, sooft er es wünscht.<br />
Wenn die Uhr schlägt, lugt ein Kuckuck durch das Türchen.<br />
Wie er kommt, stehen die Schüler auf.<br />
Nachdem er gefrühstückt hatte, hörte er die Nachrichten.<br />
Sobald die Uhr geschlagen hatte, trat er ins Zimmer.<br />
Ehe/bevor ich das nicht gesehen habe, glaube ich es nicht.<br />
Für lokale Beziehungen gibt es keine subordinierenden Konjunktionen. Lokalsätze<br />
werden durch Relativadverbien wo, woher, wohin u.a. eingeleitet:<br />
Koblenz liegt dort, wo die Mosel in den Rhein mündet.<br />
Ich gehe, wohin du mich schickst.<br />
Ich komme, woher ihr auch kommt.<br />
• Unterordnung einer Aussage:<br />
Die Konjunktion dass kann eine vollständige Aussage (im Nebensatz) unterordnen.<br />
Dass du kommst, ist mir bekannt.<br />
Mir ist bekannt, dass du kommst.<br />
• Unterordnung einer Entscheidungsfrage:<br />
ob<br />
ci<br />
Ich weiß nicht, ob ich es schaffe.<br />
Die Frage, ob das Experiment gelingen wird, bewegt uns alle.<br />
12 Die Interjektion<br />
Die Interjektionen (Empfindungswort, lat. interiecere = »dazwischenwerfen«) sind<br />
keine Wortart im eigentlichen Sinne. Sie haben Satzwert aber keine Satzform.<br />
Alle Interjektionen sind unveränderlich. Die Interjektion gibt Gemüts- und Willensregungen<br />
wieder. Interjektionen müssen von anderen sprachlichen Ausdrücken durch<br />
Satzzeichen getrennt werden.<br />
• Interjektionen drücken Empfindungen aus:<br />
ei!, au!, oho!, pfui!, aha!, haha!, brrr!<br />
hm!, juchhe! ächs, ätsch!<br />
Ätsch! er hat uns auch schön geheißen! [Wieland: Geschichte der Abderiten]<br />
• Interjektionen ahmen Schall und Klang nach:
hoppla!, miau!,knaks!, quak!, piff, paff, puff!, knacks! kling, klang!, klipp, klapp!<br />
Es geht alles so klipp und klapp wie ein Fibelvers.[Fontane: Vor dem Sturm]<br />
• Manche Interjektionen sind Zurufe:<br />
brr!, ja!, nein!, doch!<br />
Neben den echten Interjektionen werden Verbstämme, Substantive, Adjektive, Adverbien<br />
und Wortgruppen als Interjektionen verwendet:<br />
halt!, brav!; Donner und Doria!; pfui Deible!<br />
Donner und Doria! Diesen Gelust müssen sie niederschlucken. [Schiller: Fiesco]<br />
12.1 Zur Rechtschreibung der Interjektionen<br />
Der lange Vokal enthält ein h, wenn er betont ist. Er wird ohne h geschrieben, wenn<br />
er unbetont ist:<br />
ah!, eh!, oh!, bah!, pah!, puh!, muh!, o Gott!, o weh!<br />
Ohne h am Ende stehen folgende Interjektionen:<br />
ha!, ho!, hu!, hü!, hallo!, hurra!, hussa!: o je!, herrje!, ojemine!, juch<br />
Beispiele:<br />
Das Messer ist gewetzt, das Wild umsetzt, ein reicher Fang, hussa zum letzten Gang! [Eichendorff:<br />
Viel Lärmen um Nichts]<br />
Ei herrje, was man doch für Neuigkeiten erfahren kann, wenn man am Wege vorspricht! [Raabe:<br />
Der Schüdderump<br />
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