Landtag Brandenburg P-AASFF 5/42-1 Protokoll - Teil 1

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Landtag Brandenburg P-AASFF 5/42-1 Protokoll - Teil 1

Landtag Brandenburg P-AASFF 5/42-1

5. Wahlperiode

Ausschuss für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie

Protokoll - Teil 1

42. Sitzung (öffentlich)

21. August 2013

Potsdam - Haus des Landtages

09.00 Uhr bis 13.05 Uhr

Vorsitz:

Birgit Wöllert (DIE LINKE)

Protokoll:

Stenografischer Dienst

Anwesende Ausschussmitglieder:

Detlef Baer (SPD)

Dr. Andreas Bernig (DIE LINKE)

stellvertretend Beate Blechinger (CDU)

Helga Böhnisch (DIE LINKE)

Andreas Büttner (FDP)

Prof. Dr. Sieglinde Heppener (SPD)

stellvertretend René Kretzschmar (DIE LINKE)

Sylvia Lehmann (SPD)

Ursula Nonnemacher (GRÜNE/B90)

Roswitha Schier (CDU)

Monika Schulz-Höpfner (CDU)

Birgit Wöllert (DIE LINKE)

Datum der Ausgabe: 20.09.2013


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Ausschuss für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie 21.08.2013

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Tagesordnung:

Teil 1

1. Fachgespräch zum Thema „Lösung von Ausbildungsverhältnissen von

Jugendlichen“

Teil 2

2. Information über den Sachstand zum Landesintegrationskonzept und zum Unterbringungskonzept

für Flüchtlinge, Asylbewerberinnen und Asylbewerber

des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie

3. Ergebnisse der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) am 6./7. Juni

2013 in Fulda - Information des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und

Familie

4. Beschlussfassung über die Durchführung einer Anhörung zur Änderung des

Landesgleichstellungsgesetzes und des Brandenburgischen Hochschulgesetzes

- Gesetzentwurf der Landesregierung (Drucksache 5/7724) - gemäß

§ 81 GOLT (vorbehaltlich der Einbringung in und Überweisung durch den

Landtag)

5. Flächendeckende und kontinuierliche Unterstützungsangebote für pflegende

Familien entwickeln und aufbauen - Bericht des Ministeriums für Arbeit, Soziales,

Frauen und Familie gemäß Landtagsbeschluss vom 29. August 2012

(Drucksache 5/5854-B)

6. Sozialbestattungen - Antrag der CDU-Fraktion einschließlich Beantragung

Rederecht für einen Vertreter der Bestatter-Innung Berlin-Brandenburg e. V.

7. Verschiedenes

7.1 Anliegen der Ausschussmitglieder

7.2 Wichtiger Schriftwechsel/Ereignisse seit letzter Ausschusssitzung

7.3 Vorbereitung der nächsten Ausschusssitzung


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Ausschuss für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie 21.08.2013

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Aus der Beratung:

Die Vorsitzende Wöllert (DIE LINKE) eröffnet die 42. Sitzung des Ausschusses für

Arbeit, Soziales, Frauen und Familie und begrüßt alle Anwesenden. Sie weist darauf

hin, dass der Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport mit eingeladen wurde. Der

Abgeordnete Thomas Günther (SPD) sei als Mitglied des Ausschusses für Bildung,

Jugend und Sport dieser Einladung gefolgt und nehme an dem Fachgespräch teil.

Die Vorsitzende schlägt vor, die Tagesordnung so anzupassen, dass Frau

Dr. Lemmermeier, mit deren Eintreffen gegen 11 Uhr zu rechnen sei, nach Tagesordnungspunkt

1 zu Tagesordnungspunkt 5 zu Gehör komme, da sie im Anschluss

auf einer Veranstaltung mit Kommunen erwartet werde.

Im Ausschuss herrscht Einverständnis über diese Änderung. Da sich keine weiteren

Änderungswünsche erheben, wird über die so geänderte Tagesordnung abgestimmt

und sie einstimmig angenommen.

Die Vorsitzende teilt unter Hinweis darauf, dass das Protokoll der letzten Sitzung

elektronisch übersandt worden sei, mit, dass sich keine Einwendungen erhoben hätten,

und erkundigt sich, ob sich am heutigen Tage Einwände erhöben. Dies ist nicht

der Fall. Der Ausschuss bestätigt das Protokoll einstimmig.

Die Vorsitzende stellt die neue Fachreferentin für den Bereich Kinder, Jugend, Soziales,

Gesundheit, Familien- und Gleichstellungspolitik der Fraktion DIE LINKE, Nina

Waskowski, vor und führt des Weiteren aus, dass der Fachpolitische Sprecher für

Ausbildung der Fraktion DIE LINKE, Herr Kretzschmar, Rederecht im Ausschuss erhalte,

während sie sich auf die Sitzungsleitung beschränken werde.

Betreffs der Anwesenheit teilt die Vorsitzende mit, dass Herr Schaeffler seine Teilnahme

am Fachgespräch abgesagt habe.

Unter Hinweis auf das beim Landtag geführte Interessenregister führt sie aus, dass

man ein Fachgespräch mit Vertretern der Industrie- und Handelskammern und der

Handwerkskammer führe und damit der Geschäftsordnung gerecht geworden sei.

Auch diesbezüglich herrscht Einvernehmen im Ausschuss.


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Zu TOP 1:

Fachgespräch zum Thema „Lösung von Ausbildungsverhältnissen

von Jugendlichen“

Zum Tagesordnungspunkt 1 erteilt die Vorsitzende als erster Rednerin Frau Dr. Uhly

das Wort.

Frau Dr. Uhly (BIBB - Bundesinstitut für Berufsbildung):

(Erläuterung anhand von Folien - siehe Anlage 3)

Eine Redezeit von nur fünf Minuten zu dem Thema ist eine große Herausforderung.

Ich habe das Problem schon zu lösen versucht, indem ich ein umfangreicheres Papier

abgegeben habe, das auch Sonderauswertungen - speziell für Brandenburg -

enthält, die in unserem Datenreport nicht enthalten sind. Des Weiteren habe ich

sechs Folien, die ich in den fünf Minuten vorzustellen versuche, um wenigstens einen

groben Überblick zu geben.

Kurz zu meiner Person: Ich führe am Bundesinstitut für Berufsbildung Analysen auf

Basis der Berufsbildungsstatistik der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder

durch, mache dort die Dauerbeobachtungen, indikatorengestützte Berufsbildungsberichterstattungen

auch zum Thema vorzeitige Vertragslösung.

Das BIBB analysiert diese Daten regelmäßig. Sie fließen in den Datenreport zum

Berufsbildungsbericht ein. Anfang des Jahres - ich muss kurz darauf eingehen, weil

damit klar wird, warum ich auf bestimmte Dinge in dem Kurzstatement eingehe - sind

in dem Artikel der „Welt“ unsere Analysen aufgegriffen worden. Das hat eine regelrechte

Presseflut hervorgerufen.

Ich habe hier einige Pressemitteilungen und Überschriften aus der Presse aufgegriffen.

Diese Darstellung - nicht in allen Medien, aber vielen - sind irreführend, und zwar

in zweifacher Hinsicht: Zum einen wird dort, wo Vertragslösungsdaten benutzt werden,

immer von Ausbildungsabbruch gesprochen. Die zweite Irreführung: Es wird

einseitig den Auszubildenden zugeschrieben; die Auszubildenden sind die Abbrecher.

Das ist ein Bild, was nicht allein in der Presse vorherrscht. Das ist eine verengte

Sicht auf ein komplexes Phänomen - die Vertragslösungen -, hinter dem viel mehr

steckt.

Was ist die zentrale Datenquelle? Das ist die Berufsbildungsstatistik der Statistischen

Ämter des Bundes und der Länder. Da haben wir eine umfassende Datenbasis, bei

welcher wir viele Differenzierungen vornehmen können, weil es eine Totalerhebung

ist, die jährlich durchgeführt wird. Allerdings muss man einschränkend sagen: Erfasst

sind vorzeitige Vertragslösungen und nicht Ausbildungsabbrüche. Das ist deshalb

wichtig, weil wir aus einer älteren Studie, die aus dem Jahr 2002 stammt, und aus

jüngeren Studien oder Analysen, die in einzelnen Regionen und Kammerbereichen

durchgeführt wurden, wissen, dass ca. die Hälfte der Jugendlichen mit Vertragslösung

sehr zeitnah schon einen neuen Ausbildungsvertrag im dualen System abschließt

und von diesen Jugendlichen eine Mehrheit im gleichen Beruf bleibt.


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Hinter Vertragslösungen stecken oftmals Betriebswechsel, zum Teil Berufswechsel,

zum Teil Ausbildungsabbrüche. Das Problem soll nicht kleingeredet werden, aber wir

müssen genau wissen, worüber wir reden.

Wir hatten im Jahr 2007 eine Verbesserung der Datenlage. Leider haben wir immer

noch keine echten Verlaufsdaten und können den Verbleib von Jugendlichen nach

einer Vertragslösung nicht analysieren. Wir wissen noch nicht, wenn die Jugendlichen

von einem Beruf in den anderen gehen, ob der Wechsel mit einem Ausbildungserfolg

in dem neuen Beruf endet. Dies geht nicht aus den Daten der Berufsbildungsstatistik

auf der Bundesebene hervor. Die Kammern haben da zum Teil differenziertere

Daten und können Sonderanalysen vornehmen.

Uns fehlen in dieser Statistik weitgehend Betriebsmerkmale. Deshalb fehlt eine Differenzierung

der Vertragslösungsquoten nach Betriebsmerkmalen.

Der aktuelle Datenstand auf der Bundesebene betrifft das Jahr 2011. Die 2012er Daten

werden, wenn der Plan erfüllt wird, am Donnerstag vom Statistischen Bundesamt

veröffentlicht. Dann bekommt das BIBB die Daten zur Freigabe und kann auswerten.

Einzelne Länder haben schon den Datenstand vom Jahre 2012. Auf Bundesebene

haben wir den Datenstand natürlich erst dann, wenn jedes Land die Daten vollständig

freigegeben hat.

Ein schneller Überblick über die Datenlage: Ich habe hier eine Zeitreihe ab 1994.

Das hat etwas damit zu tun, dass man seitdem die Lösungsquoten nach einem bestimmten

Modell berechnen kann. Man sieht die bundesweite Lösungsquote und

stellt fest, sie in einem Schwankungsbereich von 20 und 25 % liegt. Brandenburg war

lange in diesem Schwankungsbereich. 2007 fehlen uns aufgrund der Umstellung Daten,

da keine veröffentlicht worden sind; da gab es Meldungsprobleme. Seit 2008 hat

die Lösungsquote in Brandenburg diesen Schwankungsbereich verlassen. Nun liegt

er zwischen 27 und 30 %, was dem Durchschnitt der ostdeutschen Länder entspricht,

also nicht auffällig ist.

Im Vergleich mit den bundesweiten Entwicklungen ist es der übliche Schwankungsbereich

der letzten Dekade. Ich kann das hier nicht näher darstellen, aber in Datenreporten

- ich bin in meiner Ausarbeitung darauf eingegangen - sehen wir einen deutlichen

Zusammenhang mit der Angebots-Nachfrage-Relation. Wenn sich die Lage

am Ausbildungsstellenmarkt aus Sicht der Jugendlichen verbessert, also mehr Angebote

in Relation zur Nachfrage vorhanden sind, steigt immer die Vertragslösungsquote.

Man kann es sich damit erklären, dass, wenn mehr Alternativen zur Verfügung

stehen, eher Verträge gelöst werden, da die Jugendlichen in Ausbildungszweige, die

sie präferieren, wechseln können.

Zu den Strukturmerkmalen: Ich kann nicht auf jede einzelne eingehen, daher nur so

viel: Seit 2007/2008 können wir die Lösungsquote nach dem Schulabschluss auswerten.

Die Lösungsquote variiert deutlich nach dem Schulabschluss. Je höher der

Schulabschluss, desto niedriger die Vertragslösungsquote. Hier würde ich nur sagen:

Es ist wichtig, dass man es nicht allein dem Schulabschluss oder der Leistungsfähig-


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keit der Jugendlichen zuschreibt. Wir wissen, dass Jugendliche mit Hauptschulabschluss

eher nicht ihren Wunschberuf realisieren können und eher auf instabilere

Ausbildungsplätze kommen. Man kann es nicht einseitig dem Schulabschluss zuschreiben,

aber der hat einen deutlichen Effekt.

Zwischen den Bundesländern gibt es einen Schwankungsbereich von 21 %, in Baden-Württemberg

und Bayern zum Beispiel bis ca. 34 %. Ländereffekte stellt man

auch fest, wenn man andere Variable kontrolliert, wie den Schulabschluss der Jugendlichen

in dem jeweiligen Land oder die Möglichkeiten der Berufsausbildung. Die

Lösungsquote variiert erheblich nach Berufen. Sie liegt bundesweit zwischen unter

4 % bis über 50 %. Anhand der hier abgebildeten Statistik und der statistischen Analysen

in dem Papier habe ich es noch weitergehender zu beschreiben versucht. Wir

können nur Hinweise auf Ursachen finden und nicht wirklich eine Kausalanalyse vornehmen.

Wenn man alle Studien einbezieht, die seit Ende der 80er-, Anfang der 90er

Jahre vorgenommen wurden - ich habe dabei die deutschen und die Schweizer Studien

herangezogenen -, kann man versuchen, einen schnellen Überblick über die

Ursachen für vorzeitige Vertragslösungen bei den Jugendlichen zu geben.

Zum einen sind das die Ausbildungsfähigkeit, Ausbildungsbereitschaft, das Berufswahlverhalten.

Das sind Dinge, die genannt werden, wenn man die Unternehmen,

die Arbeitgeber oder die Ausbilder befragt. Das ist aber eine verengte Sicht. Als Pendant

kann man die Ausbildungsfähigkeit und -bereitschaft sowie das Rekrutierungsverhalten

der Betriebe sehen.

Viele Umfragen haben ergeben, dass der Umgang mit Konflikten eine zentrale Rolle

für das Vertragslösungsgeschehen spielt. Auch die institutionelle Einrichtung, wie

man mit Konflikten umgeht, wird einen Effekt auf das Vertragslösungsgeschehen haben.

Die Berufsschulen tauchen relativ wenig auf, wenn man nach Ursachen für Vertragslösungen

fragt. Konflikte an den Schulen werden selten genannt. Einen gewissen

Effekt hat natürlich das Thema Ausbildungsqualität.

Rahmenfaktoren beeinflussen das Ganze: die Lage am Ausbildungsstellenmarkt sowie

berufliche Faktoren: Werden Berufe als attraktiv angesehen? Wie ist die Vergütung

in den Berufen, und wie die wirtschaftliche Lage? Betriebsschließungen sind

zum Teil Ursache von Vertragslösungen. Übernahmequoten dürften ebenfalls Faktoren

sein. Ich habe gesehen, dass dort, wo die Vertragslösungsquoten hoch sind,

auch die Arbeitslosenquote relativ hoch ist. Diese Rahmenfaktoren muss man berücksichtigen.

Dies hier ist die Schlussfolie. Hinter vorzeitigen Vertragslösungen stecken verschiedene

Phänomene. Die Ursachen sind daher komplex.

Aus meiner Sicht ist eine Erweiterung der Perspektiven notwendig: Nicht jede Vertragslösung

ist ein Scheitern der Jugendlichen. Das gibt es, ist aber eine sehr einseitige

Sicht.


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Maßnahmen sollten deshalb nicht nur bei den Jugendlichen ansetzen. Da gibt es

wichtige Ansatzpunkte, wie Berufsorientierung, Unterstützung bei Leistungsschwierigkeiten,

aber das dürfen nicht die einzigen sein. Wenn man das Vertragslösungsrisiko

mindern möchte, muss man an der Ausbildungsfähigkeit aller Akteure ansetzen.

Die Ausbildungsqualität in den Betrieben und der Umgang mit Konflikten sind wichtige

Themen. In einzelnen Berufen kann man bei der Attraktivität der Berufe ansetzen.

Insgesamt sollte man mehr die Frage stellen: Was macht Ausbildungsplätze stabil?

Und nicht nur: Was macht Jugendliche zu Ausbildungsabbrechern?

Vorsitzende:

Frau Dr. Uhly, vielen Dank. - Nun übergebe ich das Wort Ihrem Nachbarn, Herrn

Wagon. Bitte schön.

Herr Wagon (Bundesagentur für Arbeit):

In der Analyse können wir weitgehend an die Präsentation von Frau Dr. Uhly anschließen

und das Problem vielleicht noch etwas tiefer gehend betrachten. Wir haben

bei der Lösungsquote zu Recht immer darauf hingewiesen, dass nicht jede Auflösung

negativ ist. Wir haben zum Beispiel spezielle, überbetriebliche Maßnahmen, bei

denen wir uns erhoffen, dass nach dem ersten Ausbildungsjahr in den überbetrieblichen

Maßnahmen ein Umstieg in den ersten Arbeitsmarkt erfolgt, nämlich in Betriebe

des ersten Arbeitsmarktes. Insofern sind bestimmte Lösungsquoten durchaus gewollt

und in unserem System so angelegt, dass wir Übergänge haben.

Nichtsdestotrotz sehe ich es schon so, dass wir in den Datenlagen - auch mit den

Verschlechterungen - dringenden Handlungsbedarf haben. Wir haben das in unserer

schriftlichen Einschätzung (Anlage 4) dargelegt.

Ich will in den fünf Minuten Punkte hervorheben, die von besonderer Relevanz sind.

Es beginnt im Grunde mit dem Themenfeld Ausbildungsmarkt in Brandenburg, den

ich jetzt nicht vertieft ansprechen will. Wir als Bundesagentur für Arbeit haben aktuell

eine weitgehend ausgeglichene Situation in unserem Datenbestand zwischen den

Bewerbern und den Ausbildungsplätzen, die noch nicht besetzt sind. Aber entscheidend

ist: Wir können nicht einfach nur sehen: Wir haben Ausbildungsplätze und Jugendliche,

und jetzt bringen wir die mal zusammen. Denn das Wahlverhalten der

jungen Menschen ist auch an der Zukunftsfähigkeit einer Ausbildung orientiert: Gibt

es hohe Übernahmequoten nach der Ausbildung in bestimmten Sektoren? Oder wie

sicher ist eine Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung? Duale Ausbildung muss

sich beweisen, indem auf sie eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung folgt,

die dazu beiträgt, dass der Lebensunterhalt selbstständig gesichert werden kann.

Wir sind nach unseren Analysen der Auffassung, dass rund ein Viertel der Jugendlichen,

die die Ausbildung aufgeben, nicht mehr in eine Ausbildung hineinkommt. Das


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sind sogenannte Drop-out-Strukturen; da besteht das hohe Risiko der Langzeitarbeitslosigkeit.

Deswegen ist die Politik der Bundesagentur darauf angelegt, den jungen

Leuten eine zweite, dritte Chance zu geben, um sie mittels Qualifizierung doch

noch in den Arbeitsmarkt zu bringen. Da haben wir in Brandenburg ein hohes Risiko.

Zur betrieblichen Sicht: Jede Auflösungsquote birgt ein finanzielles Risiko für den

Betrieb. Im Durchschnitt entstehen dem Betrieb 7 000 Euro Ressourcenverluste,

wenn eine Auflösung erfolgt.

Wir haben in den Branchen sehr unterschiedliche Lösungsquoten. Das beginnt in

bestimmten Handwerksbereichen. Der Hotel- und Gaststättenbereich ist in besonders

hohem Maße mit Auflösungsquoten vertreten. Aber es gibt Handwerksbereiche,

bei denen man denken sollte, dass eine hohe Nachfrage nach Ausbildungsverträgen

besteht. Zum Beispiel denkt beim Dachdeckerhandwerk jeder, dort bestehe - auch

schon während der Ausbildung - eine gute Finanzierung und der Beruf sei sehr gefragt.

Trotzdem finden wir bei jungen Menschen die Einstellung vor, dass es nicht als

sehr positiv empfunden wird, an sechs Tagen in der Woche auf dem Bau zu stehen

und in den Sommermonaten die Arbeiten zu verrichten.

Damit komme ich zu einem zentralen Themenfeld: Die Qualität und die Ausbildungsbedingungen

in den Betrieben sind entscheidende Faktoren. Ich schätze es sehr positiv

ein, dass der DEHOGA-Bereich (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) begonnen

hat, eine Zertifizierung von Betrieben vorzunehmen, die für eine Ausbildung

besonders geeignet sind. Diese Zertifizierung ist notwendig.

Ich glaube, es wurden in der Vergangenheit viele junge Menschen beispielsweise

durch Informationen aus ihrem Freundes- und Verwandtenkreis abgeschreckt, die

ausgesprochen negativ auf Ausbildungen in bestimmten Branchen zurückblicken.

Daher muss die Arbeitgeberschaft Sorge für eine vernünftige Qualität der Ausbildung

tragen.

Von zentraler Bedeutung ist die Kommunikation. Konflikte werden häufig nicht erkannt.

Deswegen haben wir in unserem Zukunftsprogramm die Idee einer engen

Vernetzung: ein Netzwerk mit den Berufsschulen, mit den Kammern, mit den jungen

Menschen, den Jobcentern, den Agenturen. Diese enge Vernetzung ist notwendig.

Herr Baaske hat dort in Coaching-Prozessen darüber hinaus gehende neue Ansätze

geplant, die sehr hilfreich sind, um rechtzeitig zu erkennen, wo Defizite sind.

Aus Sicht der Bundesagentur - da blicken wir auch auf die Erfahrung in anderen

Bundesländern zurück - ist ein entscheidender Bereich eine strukturierte Berufsorientierung

ab der 7. Klasse in allen Schultypen, und zwar nicht nur in den Oberschulen,

sondern auch in den Gymnasien, denn wir haben hohe Abbrecherquoten auch bei

Auszubildenden aus dem Gymnasialbereich. Wir benötigen analog der Berufswahlstruktur

sehr unterschiedliche Kenntnisse der jungen Menschen. Ich habe den

Wunsch, dass in Brandenburg, wo man ja sehr darauf setzt, dass die Schulleiter das

in ihrem Bereich als Kompetenz an die Jugendlichen herantragen, eine strukturiertere

Organisation geschaffen wird, die nachhält, was hier für Vorstellungen existieren.


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Ich glaube, dass die Berufsorientierung der jungen Menschen fundierter ist, wenn wir

ab der 7. Klasse standardisiert Praktikumsphasen in den Schulen haben.

Es gibt Bundesländer - diese Anregung möchte ich geben -, in denen die jungen Leute

eine Stärkeanalyse bekommen, wenn sie zur Berufsberatung gehen oder Kammern

aufsuchen. Ihnen haben die Lehrer eine Stellungnahme zur Einschätzung der

Stärken der jungen Leute mitgegeben, unabhängig vom Notendurchschnitt und Notenspiegel,

aus der hervorgeht, wo bestimmte Kompetenzen der Jugendlichen liegen.

Es ist für den Berufswahlprozess hilfreich, wenn Dritte, die mitberaten, eine gute

Grundlage haben. Dazu könnte eine solche Stellungnahme der Lehrer dienen.

Die entscheidenden Schwierigkeiten liegen nach unseren Erkenntnissen im weiteren

Verlauf der Berufsausbildung, in Problemen, die in den Betrieben unmittelbar auftauchen,

die aber auch im schulischen Bereich liegen. Deswegen ist die Vernetzung

aller Hilfsangebote dringend notwendig.

Wir müssen eine erweiterte Berufsorientierung für bestimmte Personenkreise wie

Lernbehinderte, Lernbeeinträchtigte weiter voranbringen. Wir haben ja heute Nachmittag,

Herr Baaske, einen Termin, wo wir einen guten vertraglichen Ansatz wählen.

Ich glaube, dass ehrenamtliche Coaching- und Mentorenangebote auf einem guten

Weg sind, gerade schwächere Jugendliche zu begleiten. Die Netzwerkstruktur mit

den Arbeitgeberverbänden ist ausgesprochen sinnvoll und sollte unterstützt werden.

Ich glaube, dass eine rechtzeitige Einbindung der jungen Menschen in die Ausbildung

zweckmäßig ist. Vielfach sagt der Betrieb im August oder September auf einmal

ab, weil er einen geeigneteren Bewerber gefunden hat, und der junge Mensch

sagt: „Na, ich nehme jetzt irgendwas!“, und dann haben wir höhere Auflösungsquoten.

Die rechtzeitige Bindung der Betriebe durch Zusagen der Arbeitgeber wäre hilfreich.

Es gehört natürlich eine Perspektive dazu, dass die jungen Menschen nach

der Ausbildung - an der zweiten Schwelle - eine Chance haben, sozialversicherungspflichtig

beschäftigt zu werden.

Herr Rath (Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg

e. V.):

Vielen Dank für die Gelegenheit, eine Stellungnahme abzugeben. Die von Ihnen gestellten

Fragen zeigen, dass Sie sich mit dem Thema intensiv beschäftigt haben.

Eine sehr interessante Sache ist uns dabei aufgefallen - dazu wird Frau Zinke etwas

sagen. Aus unserer Sicht sind vorzeitige Lösungen von Ausbildungsverhältnissen

von Jugendlichen ohne plausible Gründe volkswirtschaftlich betrachtet eine Verschwendung

wertvoller Ausbildungsressourcen, die nicht hingenommen werden dürfen

und soweit wie möglich reduziert werden müssen. Das ist unsere Grundauffassung.

Die Ihnen vorgelegte Stellungnahme (Anlage 5) enthält auch einige Zahlen

dazu. Das sind natürlich Zahlen des BIBB, die wir zitiert haben. Aber an einem Punkt

haben wir die Nase vorn: Ich habe am Montag die aktuellen Zahlen über die Ver-


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tragsauflösungen für 2012 vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg bekommen, sie

sind in der Anlage enthalten.

Als Beispiel: Die vorzeitigen Vertragsauflösungen in Brandenburg sind - das kann

man als gute Nachricht kundtun - von 29,7 % auf 29,2 % gesunken - sehr gering,

aber wir bewegen uns in die richtige Richtung.

Bei den vorzeitigen Vertragsauflösungen - differenziert nach Berufen - kann man sehen

- darauf hat Herr Wagon uns zum ersten Mal bei einer Sitzung in unserem Hause

hingewiesen -, dass Berufe wie Mechatroniker oder Industriemechaniker in Berlin

oder Elektroniker/Betriebstechnik oder Mechatroniker von allen Berufen die geringsten

Auflösungsquoten haben. Wir erklären uns das auch aus dem Sachverhalt - zu

dem wir verschiedene Indizien haben, aber keine wissenschaftlichen Daten -, dass

es gerade bei den industriellen Ausbildungsbetrieben, die tarifgebunden sind bzw.

die einen Haustarifvertrag haben oder sich an Tarifverträge halten, auffällig geringe

Vertragslösungsquoten gibt. Wir erklären uns das unter anderem damit, dass wesentliche

Bindungselemente und Gründe, keinen Vertrag aufzulösen, in tariflichen

Ausbildungsvergütungen liegen, in den tariflich geregelten Übernahmen in Beschäftigung

nach erfolgreichem Berufsabschluss, in der hohen Qualität der Ausbildung und

der Ausbilder, aber auch in den betrieblichen Ansprechpartnern, wie sie in den Betriebsräten

und den Jugend- und Auszubildendenvertretungen vorhanden sind, die

noch im Vorfeld der Schlichtungstätigkeiten der Kammern tätig werden können.

Wir denken, dass all dies einen Beitrag dazu leistet, vorzeitige Vertragslösungen zu

minimieren.

Um dies für Betriebe, die nicht tarifgebunden sind, zu erreichen, gibt es entsprechende

Möglichkeiten. Wir haben deshalb im Landesausschuss für Berufsbildung im März

letzten Jahres zusammen mit dem Landesausschuss für Berufsbildung und dem

Ausbildungskonsens der Kammern die Empfehlung an die Betriebe ausgesprochen,

tarifvertragliche oder branchenübliche Ausbildungsvergütungen zu zahlen und die

Absenkung der Ausbildungsvergütung, die theoretisch möglich ist, nicht mehr anzuwenden,

auch nicht in den Fällen, in denen dies möglich wäre. Wir empfehlen den

Betrieben, alle erfolgreich Ausgebildeten in Beschäftigung zu übernehmen. Man

kann dies erst einmal mit einem befristeten Vertrag tun. Das ist auf Ihrer Seite nicht

so beliebt, aber es gibt ja Möglichkeiten für Betrieb und Auszubildenden, sich langsam

zu binden.

Wir haben - ich habe Ihnen das in den Anlagen (Anlage 5) abgedruckt - uns im Landesauschuss

für Berufsbildung intensiv mit dem Thema beschäftigt. Was kann man

tun, um Ausbildungsabbrüche aus nicht plausiblen Gründen zu senken? Wir hatten

dazu den alternierenden Vorsitzenden des Landesausschusses Mecklenburg-

Vorpommern zu Gast. Dort wurde eine sehr intensive Untersuchung durchgeführt,

die auch optisch sehr gut aufbereitet ist. Aber wir haben gesagt, die Erkenntnisse,

die dort in langer Arbeit ermittelt worden sind, gelten im Prinzip auch für Brandenburg,

und es kommt aus unserer Sicht darauf an, zu schauen, wo man zusätzliche

Maßnahmen zur Senkung der Ausbildungsvertragslösungsquote ergreifen kann. Dazu

werden aber insbesondere die Kammern noch etwas sagen.


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Zum Schluss: Natürlich gibt es auch plausible Gründe für Vertragslösungen, wie die

Insolvenz des Betriebes. In vielen Fällen, wenn sich Jugendliche für ein Studium beworben

haben und geeignet sind, dieses erfolgreich zu bestehen, absolvieren sie

erst einmal, weil sie vielleicht über den Numerus Clausus keinen Studienplatz bekommen

haben, eine Ausbildung und nehmen dann doch ein Studium auf. So etwas

sollte man, denke ich, nicht verhindern.

Außerdem gibt es weitere Gründe für eine Lösung, beispielsweise wenn der Auszubildende

stiehlt, gewalttätig wird oder wiederholt ohne Grund der Ausbildung fernbleibt.

Außerdem der Tod des Auszubildenden - das hätte ich nie gedacht - in Brandenburg

zwar zahlenmäßig gering, aber es kommt vor. Des Weiteren schließe ich

aus der Erfahrung, die ich habe: Wenn ein Auszubildender ein besseres Angebot hat

- sei es im Beruf, in demselben Beruf, in derselben Region oder in anderen Regionen

-, das sich auf die Ausbildungsbedingungen, die Höhe des Ausbildungsentgeltes

usw. bezieht, dann kann man ihm das aus meiner Sicht nicht persönlich vorwerfen.

Es ist schade, wenn es so ist, aber dann muss man eben im politischen Raum aktiv

werden, um das Image der Ausbildung in Brandenburg zu erhöhen und noch mehr

Betriebe dazu zu bringen, Highlights zu setzen.

Abschließend noch eine persönliche Erfahrung, die Herr Spieß und ich teilen: Ich

nenne den Betrieb nicht, aber ich möchte es hier einmal ansprechen, weil es mich

wirklich geärgert hat. Es handelt sich um einen Betrieb, den es bereits in der DDR

gab und den es immer noch gibt, der inzwischen Produktionsstätten auf zwei Kontinenten

hat und der sehr spezialisiert und sehr erfolgreich ist. Er ist nicht tarifgebunden

und bildet in jedem Jahr - Herr Spieß weiß es genau - mehrere Jugendliche aus.

Er besteht darauf, nicht nur die abgesenkte Ausbildungsvergütung um 20 % reduziert

zu zahlen, und Zuschüsse zum Essen und zur Unterkunft ebenfalls von der tariflichen,

eingetragenen Ausbildungsvergütung abzusenken. Herr Baaske, Sie sollten

vielleicht diesen Menschen, da er ein Leuchtturm in seiner Region ist, einmal persönlich

aufsuchen und ihm sagen: „Zahle die tarifliche Ausbildungsvergütung, auch

wenn du nicht tariflich gebunden bist, und lege diese 120 Euro Verpflegungszuschuss

und die 160 Euro für die Unterkunft mit drauf. Dann tust du etwas für das

Image der Ausbildung in der Region und versuchst nicht, die Kammern und uns zu

verklagen, dies alles von der eingetragenen Vergütung abzuziehen.“ - So sieht an

einem Beispiel die Realität in diesem Lande aus, wie ich sie wahrnehme.

Vorsitzende:

Vielen Dank, Herr Rath. Jetzt haben Sie eine Vorlage für den DGB gegeben.

(Herr Rath: So sind wir!)

Frau Zinke, bitte.


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Frau Zinke (Deutscher Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg):

Ich kann nahtlos an das anknüpfen, was Herr Wagon und Frau Dr. Uhly erörtert haben.

Unsere Datenbasis entspricht exakt der offiziellen Datenbasis, deshalb habe ich

die Zahlen nicht noch einmal aufgeführt. Sie liegen Ihnen ohnehin bereits vor.

Wir haben zusätzlich im letzten Jahr eine Umfrage - das ist unser Ausbildungsreport -

zur DGB-Jugend Berlin-Brandenburg durchgeführt. Diese wird Ihnen nach Ende der

Sitzung ausgeteilt werden. Darin haben wir nach Motivationen, Begründungen und

der Zufriedenheit mit der Ausbildung gefragt. Die meisten Auszubildenden sind - um

dies vorauszuschicken - im Großen und Ganzen mit der Ausbildung zufrieden. Es

gibt Ausnahmen. Über ein Drittel der jungen Menschen, die eine Ausbildung abgebrochen

haben, tun dies, weil sie mit der Ausbildung unzufrieden sind. Etwas weniger

tun dies, weil sie sagen: Ich hätte mir unter dem Beruf etwas anderes vorgestellt. Das

wird vielleicht bei einigen Köchen der Fall sein, die mal Fernsehköche gesehen haben;

aber bei vielen Köchen liegt es doch sehr stark an den Arbeitsbedingungen sowie

daran, dass viele gezwungen werden, ihr Handwerkszeug, ihre Messer usw.,

selbst zu kaufen. Da liegt leider in den Ausbildungsbetrieben noch sehr viel im Argen,

und ich würde mich sehr freuen, wenn man da etwas genauer hineinschauen würde.

(Präsentation - siehe Anlage 6)

Unsere Hauptthese ist die, dass die Brandenburger Unternehmen selbst ausbildungsfähig

werden müssen. Das heißt, die klassische duale Ausbildung sollte das

Modell der Zukunft sein. Darum werden wir europa- und weltweit beneidet, und es ist

sehr schade, dass derzeit so wenige Unternehmen wie noch nie ausbilden, obwohl

alle nach Fachkräften lechzen. Da ist noch „Luft“ drin.

Wir haben uns angeschaut, in welchen Berufen vorwiegend aufgelöst wird. Das ist

ein Aspekt, der heute noch nicht genannt wurde, deshalb ist es die einzige Zahl, die

ich jetzt erläutere. Wir haben die höchste Lösungsquote von über 50 % bei Köchinnen

und Köchen, und wir haben über 47 % bei Frisörinnen und Frisören, was natürlich

etwas mit Berufsaussichten und Übernahmequoten zu tun hat, aber auch mit der

Ausbildungsvergütung. Wenn Sie sich im Tarifregister die Ausbildungsvergütungen in

einzelnen Berufen anschauen, so werden Sie unschwer feststellen, dass wir einen

großen Bruch zwischen Handwerk und Industrie haben. Im Handwerk wird durchweg

eine geringere Ausbildungsvergütung bezahlt. Es spielt für junge Leute, die lange

Zeit zu Hause gelebt haben und immer noch zu Hause leben müssen, schon eine

Rolle, ob sie ein paar Hundert Euro mehr oder weniger haben, zumal, wenn Sie sich

anschauen, dass der Ausbildungsbeginn im Durchschnitt bei 19 Jahren liegt. Das

sind Leute, die man sehr schwer mit diesen sehr geringen Beträgen abspeisen kann.

Wir haben übrigens in unserem Ausbildungsreport festgestellt - das ist die Vorlage

für die DEHOGA -, dass im DEHOGA-Bereich oft die Auszubildenden Ersatz für reguläre

Arbeitskräfte sind. Uns sind namhafte Unternehmen in Brandenburg bekannt,

in denen jeder dritte Beschäftigte ein Auszubildender ist; es gibt aber durch die Bank

Quoten von über 10 %, und auch das ist schon zu viel. Damit kann man keine ordnungsgemäße

Ausbildung durchführen.


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Auch bei uns gibt es die These, dass Vertragsauflösungen nicht nur an den Jugendlichen

liegen, sondern dazu gehören immer mindestens Zwei. Die Jugendlichen

selbst nehmen die Rolle der Kammern in Konfliktfällen sehr kritisch wahr. Sie haben

oft das Gefühl, dass sich die Kammern nicht um eine neutrale Position bemühen,

sondern von vornherein sagen, der Arbeitgeber habe Recht. Ich kann nicht nachvollziehen,

wie wahr oder unwahr das ist. Bei Konflikten kommt es ja auch immer darauf

an, wie sie wahrgenommen werden.

Ich möchte eine Geschichte aus München als Anregung nennen. In München gibt es

eine gemeinsame Beratungsstelle des Kreisjugendrings mit dem DGB, gerade für

auszubildende Jugendliche. Dort hat man es geschafft, dass etliche Konflikte als

Konflikte behandelt worden sind und nicht unbedingt mit Schuldzuschreibungen. Ich

halte das für ein sehr gutes Modell und könnte mir vorstellen, dass es auch für Brandenburg

etwas Ähnliches geben könnte.

Schlichtungsausschüsse, die paritätisch besetzt werden, wären eine andere Möglichkeit.

Diese werden von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gefordert. In den

meisten Kammern gibt es diese Schlichtungsausschüsse nach unserem Informationsstand

jedoch nicht.

Einen weiteren Punkt möchte ich zum Schluss noch kurz ansprechen. Dort, wo junge

Menschen zufrieden sind, „knubbelt“ es sich. Wenn eine Sache nicht stimmt, stimmen

meist die anderen auch nicht. Wenn die Arbeitszeiten nicht stimmen, dann

stimmt auch oft die Behandlung nicht, oder junge Menschen müssen Sicherheitsschuhe

und Ähnliches selbst bezahlen, wohingegen sich herausstellt, dass, wenn ein

Tarifvertrag gilt und ein Betriebsrat vorhanden ist sowie ein kooperativer Führungsstil

gepflegt wird, andere Dinge ebenfalls stimmen. Es ist leider so. Wenn es an einer

Stelle hakt, dann hakt es auch an anderen Ecken. Von daher unser Appell, gleichlautend

mit dem Appell der Unternehmerverbände an die Beschäftigten in diesem Fall,

sich dafür einzusetzen, dass Betriebsräte gewählt werden und sich die Betriebe tarifvertraglich

binden. Auch dies führt sehr stark zu besserer Ausbildung und einer besseren

Fachkräftesicherung im Land. - Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Vorsitzende:

Vielen Dank, Frau Zinke. Ich bitte Herrn Spieß für die Industrie- und Handelskammer

Potsdam das Wort zu ergreifen.

Herr Spieß (Industrie- und Handelskammer Potsdam):

Herzlichen Dank für das Wort und für die Einladung, hier ein Statement abzugeben.

Ich stelle fest, dass im Moment sehr viele Bälle in der Luft sind, und ich glaube nicht,

dass sich alle halten werden können und wahrscheinlich einige Tore geschossen

werden, aber die getätigten Ausführungen geben Anlass, darauf zu reagieren.


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Ich möchte mich zunächst dafür bedanken, dass vonseiten des BIBB ganz klar dargestellt

wurde, was Vertragslösungen und was Kündigungen sind, denn diese Begriffe

gehen in der Diskussion sehr stark durcheinander, und eine klare Definition ist sicherlich

hilfreich. Ich möchte daran erinnern, dass der Gesetzgeber im Berufsbildungsgesetz

ausdrücklich vorsieht, dass wir eine viermonatige Probezeit haben. Wir

sollten diese Probezeit, die Lösungen, die dort auftreten, nicht immer so betrachten,

als ob sie schlimm wären. Mir ist eine Lösung während der Probezeit dreimal lieber

als eine Kündigung im fünften Monat. Es muss die Möglichkeit bestehen, sich im Unternehmen

auszuprobieren, zu schauen, ob die Berufswahl, die getroffen wurde, die

richtige ist. Deshalb gibt es eine Probezeit.

Wir haben auch Lösungen aufgrund von Mehrfachbewerbungen. Ich möchte daran

erinnern, dass wir gerade im Bereich Berlin-Brandenburg in der Situation sind, dass

die Hauptstadt eine sehr große Sogwirkung ausübt, und wir sehen, dass Jugendliche

bei gut ausgebauter Infrastruktur im Land sehr schnell dazu neigen, in der Region

einen Ausbildungsvertrag abzuschließen, den wir als zuständige Stelle eintragen

müssen. Gleichwohl ist es dem Jugendlichen freigestellt, sich noch woanders zu bewerben.

Er kann aber im August oder Anfang September nur einen Vertrag erfüllen,

und wir - das kann ich sagen, weil ich aus der Praxis komme und selbst lange Zeit

Ausbilder war - haben dann immer das Problem, dass uns Unternehmen anrufen und

sagen: Wir haben unseren Ausbildungsplatz nicht besetzen können, weil der Jugendliche

nicht gekommen ist, obwohl er den Vertrag unterzeichnet hat. Oder wir stellen

fest, dass Jugendliche eine Ausbildung beginnen und sich parallel für ein Studium

bewerben. Dazu ebenfalls eine Zahl: 30 % der Jugendlichen, die eine duale Ausbildung

beginnen, haben eine Hochschulzugangsvoraussetzung. Wer möchte es den

Jugendlichen verdenken, sich parallel noch für ein Studium zu bewerben? Kommt die

Zulassung, ist der Ausbildungsvertrag ebenfalls gelöst. Ich denke, das hat auch etwas

mit freiheitlicher Demokratie und anderen Aspekten zu tun, zum Beispiel mit

freier Berufswahl. Dies wirkt in diese Zahlen hinein.

Wenn wir uns dann aber die Ausbildungssituation anschauen, wie sie sich im Moment

darstellt, so haben wir tausende freie, nicht besetzte betriebliche Ausbildungsplätze,

zumindest in Brandenburg. Wir haben bei den Kollegen nochmals nachgefragt.

Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt über 1 500 Plätze, die nicht besetzt sind. Das

verstärkt natürlich den Drang der Jugendlichen, sich eventuell noch etwas anderes

zu suchen, um dann zu sagen: Ich habe dort wahrscheinlich höhere Chancen.

Wir haben natürlich Problembranchen, die immer wieder einmal der Kritik stehen.

Der HOGA-Bereich wurde bereits genannt. Ich möchte aber daran erinnern, dass wir

den Unternehmen in der HOGA-Branche vor Jahren ausdrücklich unseren Dank

ausgesprochen haben, als es darum ging, in der demografischen Entwicklung Jugendlichen

überhaupt eine Chance auf eine Ausbildung zu geben. Das haben wir

getan, und wenn immer noch im Raum herumgeistert, dass es dort zehn Auszubildende,

einen Ausbilder und zwei Angestellte gibt, so gehört das der Vergangenheit

an. Selbst in der Vergangenheit war das sehr kritisch. Das ist jetzt nicht mehr so. Wir

haben nach dem Berufsbildungsgesetz die Aufgabe, die Eignung festzustellen, und

diese setzt voraus, dass eine entsprechende Anzahl an Fachpersonal vorhanden ist.

Ansonsten gibt es keine Eignung und wir tragen die Verträge nicht ein.


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Außerdem wurde schon mehrfach gesagt, wenn Jugendliche bei Tim Mälzer sehen,

wie toll der Beruf des Koches ist, und sie dann aber die Woche über in der Küche

stehen, dann ist das eventuell eine andere Welt.

Damit sind wir bei einer Sache, an die ich gern erinnern möchte: Der Landtag hat im

Jahr 2008 ein Konzept verabschiedet, in dem es heißt: „Die Berufs- und die Studienorientierung

ist im Land Brandenburg flächendeckend umzusetzen.“ Ich zweifle an,

dass dieser Ansatz erfüllt wurde. Ich weiß, dass ich mir damit keine Freunde mache;

aber wir sehen, dass diese Dinge nicht flächendeckend umgesetzt sind. Wir haben

als Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern in Partnerschaft mit

dem Bildungsministerium, der Vereinigung der Unternehmensverbände sowie der

Bundesagentur für Arbeit einen Verein gegründet, das Netzwerk „Zukunft. Schule

und Wirtschaft für Brandenburg e. V.“, in dem wir diese Dinge nach vorn bringen

möchten. Ich habe einige Flyer dazu mitgebracht, vielleicht geben wir sie kurz herum.

(Es werden Unterlagen verteilt. - siehe Anlage 7)

Außerdem haben wir dort ein wichtiges Segment geschaffen: eine Auszeichnung

„Schule mit hervorragender Berufs- und Studienorientierung". Im Land Brandenburg

könnten sich 330 Schulen an dieser Initiative beteiligen. Sie könnten sich eine solche

Plakette anmachen - jede Schule ist inzwischen auch vor dem demografischen Hintergrund

angetreten, um Schüler zu werben - und sich an diesem Wettbewerb beteiligen.

Wir müssen feststellen, dass sich von 330 Schulen 75 beworben haben. In den

75 Schulen brauchen wir wahrscheinlich nicht mehr hinzuschauen. Dort funktioniert

die Berufs- und Studienorientierung, was sehr gut ist. Aber es stellt sich schon die

Frage: Was ist in den anderen Schulen? Hatten sie keine Zeit, die Bewerbungsunterlagen

abzugeben, oder fehlen dort eventuell gewisse Aktivitäten? Ich weiß es nicht.

Das könnte man einmal untersuchen. Diese Dinge sollten verstetigt werden.

Dahinein passt genau - Herr Wagon hatte es schon angeführt - der sogenannte Berufswahlpass,

der bundesweit umgesetzt wird. Ich glaube, dieser Ordner kostet etwas

über 5 Euro - sicherlich eine große Investition für das Land bei der derzeitigen

Haushaltslage. Aber wenn ich dann sehe, dass die Jugendlichen glücklicherweise

nachwachsen und wir eigentlich in jeder 7. Klasse einen Berufswahlpass verteilen

müssten, um damit zu arbeiten, und dann wieder ins Land schaue, ist das ebenfalls

nicht flächendeckend umgesetzt und ich denke, hier gibt es auf alle Fälle Handlungsbedarf,

weil ein Jugendlicher, der eine vernünftige Berufs- und Studienorientierung

absolviert hat, nach unserer Auffassung garantiert nicht so schnell die Ausbildung

hinwirft, denn er weiß, worauf er sich nach erfolgreicher Berufs- und Studienorientierung

einlässt.

Wir haben uns zu diesem Themenfeld ebenfalls mit den Kollegen in Mecklenburg-

Vorpommern auseinandergesetzt. Die Kollegen der dortigen IHKs haben dazu eine

Broschüre entwickelt und die Zahlen erhoben. Dazu möchte ich nichts wiederholen.

Die Gründe für Lösungen sind im Berufsbildungsgesetz definiert. Es gibt zwölf Gründe,

die man aufführen kann. Sie sind regional von den Prozenten her relativ konstant.


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Es gibt wenige Unterschiede, aber ich denke, es bringt uns nicht so richtig weiter,

wenn wir immer nur Zahlen vergleichen, sondern Berufs- und Studienorientierung

könnten eine Lösung sein, um die Quoten insgesamt zu senken.

Ich möchte auch noch einmal darauf hinweisen, dass es ein Kerngeschäft der Ausbildungsberater

ist, auch wenn es gerade von Gewerkschaftsseite, liebe Frau Zinke,

anders gesehen wurde. Die Ausbildungsberater nehmen sehr wohl Probleme in der

Ausbildung auf; es ist ihr Job. Wenn es Probleme in der Ausbildung gibt, gibt es eine

Kategorie „Wiederholungsbesuche“. Dort sind wir vor Ort dabei und versuchen, diese

Probleme zu lösen. Es gibt bei den Industrie- und Handelskammern, wenn es überhaupt

nicht weitergeht, Schlichtungsausschüsse, die wir natürlich ungern einberufen.

Wir möchten die Probleme selbstverständlich im Vorfeld lösen, aber wenn es nicht

weitergeht, gibt es dort auch die entsprechende Institution, um Probleme zu lösen.

Das Ehrenamt wurde ebenfalls angesprochen. Die IHKs arbeiten sehr eng mit dem

Senior Experten Service und dem Projekt „Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen“

zusammen. Wenn es dort Problemstellungen gibt, gerade für Jugendliche, die Leistungsdefizite

haben, sind wir sehr schnell dabei, engagierte Ehrenamtliche zu aktivieren,

die Hilfestellung geben, und wir sind dort in sehr engem Kontakt.

Ich könnte noch eine ganze Menge ausführen, aber fünf Minuten sind fünf Minuten,

und man sollte nicht überziehen. - Danke.

Vorsitzende:

Vielen Dank. - Wir setzen fort mit Frau Gatzky für die Handwerkskammer Brandenburg.

Bitte schön.

Frau Gatzky (Handwerkskammer Potsdam):

Vielen Dank. - Sehr geehrte Abgeordnete und Ausschussmitglieder! Sehr geehrte

Damen und Herren! Lösungen von Ausbildungsverträgen sind in allen Bereichen des

dualen Berufsausbildungssystems und in schulischen Berufsbildungsgängen festzustellen.

Ebenso gehört die vorzeitige Beendigung eines Studiums an Hochschulen

zum Alltag an den Bildungseinrichtungen.

Ein Großteil dieser Lösungen ist durchaus sinnvoll und mündet in einen Wechsel des

Ausbildungsberufes oder auch des Ausbildungsortes. Die Lösungen von Berufsausbildungsverträgen

werden von den zuständigen Stellen den Handwerkskammern

nach Bekanntgabe durch den Ausbildungsbetrieb gemeldet. Nur der Ausbildungsbetrieb

gibt uns das bekannt, und es wird bei uns entsprechend den gesetzlichen Vorgaben

registriert und zahlenmäßig ermittelt.

Für die systematische Entwicklung von Ausbildungsabbrüchen durch die zuständigen

Stellen gibt es dagegen weder eine gesetzliche Grundlage noch die Voraussetzungen.


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(Stellungnahme siehe Anlage 8)

Zur ersten aufgeworfenen Frage: Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle

Situation zur vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen ein? Es gibt keine

Unterschiede in den Erhebungen. In der Handwerksordnung und im Berufsbildungsgesetz

ist der gesetzliche Auftrag festgelegt, was von den zuständigen Stellen zu

erheben und zu registrieren ist. Diese Aufgabe wird voll erfüllt und es werden alle

Vertragslösungen registriert und dem Statistischen Landesamt in den gesetzten Fristen

übermittelt.

Seit 2009 erfolgt die Meldung nicht mehr kumulativ, sondern es werden aus unserem

System die Einzeldaten ausgelesen und verschlüsselt übermittelt. Die daraus ermittelten

Zahlen des Statistischen Landesamtes, die dem BIBB weitergeleitet werden,

weichen von den ermittelten Zahlen der Kammern für 2012 zum Beispiel nur sehr

geringfügig ab - es liegt unter 1 % -, und diese wirklich unwesentlichen Abweichungen

konnten bisher auch immer aufgeklärt werden.

Noch einmal auf den Punkt gebracht: Auswertungen nach dem Ausbildungsberuf

sind für uns möglich und werden vorgenommen. Zu welcher Branche allerdings - dies

war ebenfalls ein Unterpunkt der Frage - oder welchem Wirtschaftszweig ein Betrieb

gehört, wird bei uns im Rahmen der Ausbildung nicht erhoben und würde technisch

Probleme bereiten. Wir treffen keine Aussagen zur Ausbildungslösung oder zu Abbrüchen

in einzelnen Branchen, sondern immer nur nach Ausbildungsberufen.

Strittig sind die aus diesen Zahlen ermittelten Quoten und die Bewertung der Zahlen.

Dazu kommt, dass jährlich wiederkehrende öffentliche Diskussionen und Medienmeldungen

unterstellen, dass jede vorzeitige Lösung eines Ausbildungsvertrages

einem Abbruch gleichgestellt wird.

Die Quotenermittlung der Lösungen und die unterschiedlichen Berechnungsmethoden

möchte ich jetzt nicht näher erläutern. Frau Dr. Uhly vom BIBB ist anwesend.

Vom BIBB wird das sogenannte Schichtmodell angewandt, und bei dieser Quotenermittlung

wird eine Antwort auf die Frage gesucht: Wie viele Auszubildende werden

zukünftig, wenn sie im Jahr t begonnen haben, ihren Vertrag lösen? Von den

Handwerkskammern hier im Land wird das Jahresmodell verwendet. Dabei werden

die Zahlen eines Jahres betrachtet. Es wird der Anteil der gelösten Verträge am

Lehrlingsbestand in einem betrachteten Jahr errechnet. Wir geben damit Antwort auf

die Fragestellung: Wie viele Verträge von Auszubildenden wurden in dem betrachteten

Jahr gelöst?

Die beiden Berechnungsmethoden unterscheiden sich in der Fragestellung, der Aussage

und der Berechnung. Beide Methoden sind nicht vergleichbar. Beide Methoden

treffen keine Aussage zu den Ursachen; das ist mir sehr wichtig. Beiden Methoden

ist gemeinsam, dass sie keine Ausbildungsabbrüche errechnen. Aufgrund der Einzeldatenlieferung

sind die zuständigen Stellen sowie die Statistischen Landesämter

in der Lage, den Zeitpunkt der Lösung zu erheben. Gründe aber werden überhaupt

nicht vermerkt, nicht weitergeleitet und vom Statistischen Landesamt nicht erhoben

und können damit nicht ausgewertet werden.


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Dafür gibt es keinen gesetzlichen Auftrag, und damit können aus unserer Sicht die

Gründe nicht systematisch ermittelt werden.

Wie die Darstellungen in sogenannten Verlaufsstatistiken über bestimmte Zeiträume

zusammengefasst werden, bleibt bisher jeder Stelle überlassen. Am Beispiel der

Handwerkskammer Potsdam haben wir die Zeitverläufe für die Gesamtzahlen geschlossen

vorliegen. Als Beispiel sind in den letzten zehn Jahren, die in der Tabelle 2

(Anlage 8) zusammengefasst sind, alle Zeitpunkte ermittelt worden.

Unabhängig von der Art der Quotenermittlung ist festzustellen, dass die Ausbildungsvertragslösungen

in den letzten Jahren gestiegen sind. Zum Beispiel stiegen

nach der einheitlichen Quotenermittlung der Handwerkskammer Potsdam von 2002

bis 2012 die Lösungen von 9,4 auf 15,2 %. Der Anteil der Vertragslösungen während

der Probezeit an der Gesamtzahl der Lösungen stieg von 20 auf 30 %.

Welche Gründe führen zu einer vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen? In

jedem Jahr gibt es wissenschaftliche Untersuchungen zu den Vertragslösungen. Diese

Untersuchungen sind in der Regel regional und sachlich begrenzt. Bekannt sind

uns selbstverständlich die Studien des Landkreises Nordsachsen, der Stadt Leipzig

sowie der Kammern in Leipzig und das Zusammenführen von Zahlenmaterial in

Mecklenburg-Vorpommern. Ich sage bewusst „das Zusammenführen von Zahlenmaterial“,

denn wenn man sich diese Studie von Mecklenburg-Vorpommern ansieht, so

werden hier keine Gründe systematisch dargestellt und analysiert.

Uns ist ebenfalls die bei der Regionaldirektion in Berlin vorgestellte Studie vom PIW

bekannt. Auch hier, muss ich sagen, ist das eine sachlich begrenzte Untersuchung

gewesen, denn es wurden lediglich die Jugendlichen an den Berufsschulen befragt,

warum der Vertrag gelöst wurde. Aber wenn ein Vertrag gelöst wird, sind in der Regel

zwei oder drei Stellen beteiligt, eventuell auch der Betrieb. Um sich ein umfassendes

Bild zu machen, hätte eigentlich der Betrieb mit befragt werden müssen.

Die Handwerkskammern Brandenburgs haben in den letzten Jahren für ihre Zuständigkeiten

das gesetzlich vorzulegende Zahlenmaterial nach ihren eigenen Bedarfen

weiter untersetzt. Hierbei folgen alle drei Handwerkskammern einem abgestimmten

Muster, sodass für bestimmte Bereiche Aussagen vergleichbar sind. Aus der Beratungspraxis

der Ausbildungsberater der Brandenburger Handwerkskammern wurden

Anfang 2013 die Hauptgründe für vorzeitige Lösungen benannt. Die Reihenfolge erfolgt

hierbei nach der Häufigkeit der Aussagen.

Erstens wurde festgestellt, dass die Lehrlinge nicht die geforderten Ausbildungsvoraussetzungen

besitzen. Zweitens: falsche Berufswahl und falsche Vorstellungen von

der Berufswelt, drittens: Fehlzeiten und fehlende Motivation des Lehrlings, viertens:

Schwierigkeiten zwischen Ausbildern und Lehrlingen. Das sind aus unserer Sicht

meist Kommunikationsprobleme. Hier setzen wir mit bestimmten Projekten an. Fünftens:

Qualitätsmängel in der Ausbildung, zum Beispiel der Einsatz in ausbildungsfremden

Tätigkeiten in den Ausbildungsbetrieben. Sechstens gibt es Probleme und

Konflikte in den Berufsschulen, und wir stellen siebtens eine steigende Wechselbereitschaft

der Jugendlichen durch die vielen freien Lehrstellen fest.


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Der achte Punkt wären private und gesundheitliche Probleme. Neuntens sind es -

gerade im Land Brandenburg - finanzielle Probleme durch Fahrtkosten zur Unterkunft

und zum Betrieb oder zur Berufsschule.

Welche Möglichkeiten gibt es, um auf die Zahl vorzeitiger Lösungen von Ausbildungsverhältnissen

Einfluss zu nehmen? Nicht alle Vertragslösungen sind vermeidbar.

In bestimmten Fällen sind Vertragslösungen geboten und sinnvoll. Da es aber in

fast allen Fällen auf zumindest einer Seite zu Enttäuschung und Demotivierung

kommt, muss einer Begrenzung der Lösungsquote höchste Beachtung geschenkt

werden.

Schwerpunkte sind aus unserer Sicht erstens die Lösungen in der Probezeit. Auch

wenn sie erwünscht sind, wenn man in der Probezeit feststellt, dass das nicht der

richtige Beruf ist, müssen sie gesenkt werden. Aus unserer Sicht können sie durch

die Erhöhung der Berufswahlkompetenz aller Schulabgänger gesenkt werden. Eine

systematische und flächendeckende Berufswahlvorbereitung muss an allen Schulen

für alle Schüler möglich sein.

Zweitens: Betriebe und Ausbilder müssen über die Notwendigkeit neuer Ausbildungskonzepte

informiert werden, und ihnen muss Unterstützung gegeben werden.

Jugendliche sind heute nun einmal anders und brauchen Unterstützungsangebote.

Drittens: Die Ausbildungsqualität in den Betrieben muss insgesamt verbessert werden.

Viertens: Der regelmäßige Kontakt zwischen Berufsschule und Betrieb muss gepflegt

werden, um so frühzeitig Leistungsdefizite in der theoretischen Ausbildung zu erkennen.

Diese Zusammenarbeit zwischen Berufsschule und Betrieb müssen wir auf eine

neue Stufe heben. Hier müssen wir neue Qualitäten erreichen.

Wichtig ist für uns, dass das Potenzial der ausbildungsbegleitenden Hilfen intensiver

genutzt wird. Die Ausbildungsbetriebe werden von uns schon umfassend informiert.

Jeder Ausbildungsbetrieb bekommt von uns eine entsprechende schriftliche Information.

Trotzdem heißt es, wenn man nach einem Jahr in den Betrieb kommt und - weil

es Probleme gibt - nachfragt: „Was sind ausbildungsbegleitende Hilfen?“ - „Habe ich

noch nie gehört“.

Wir brauchen - das wäre nach den vielen Diskussionen eine neue Forderung unsererseits

- eine zusätzliche Beratungslehrkraft für Berufsschüler an den Berufsschulen.

Bei nicht betriebsnaher Beschulung sollten unbürokratische finanzielle Unterstützungen

der Jugendlichen möglich sein.

Das Konfliktmanagement aller an der Ausbildung Beteiligten muss verbessert werden.

Damit meinen wir nicht nur die Handwerksunternehmen und Ausbilder, sondern

auch die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung und die Ausbildungsberatung. Für

uns ist wichtig, dass wir uns mit der Ausbildungsberatung besonders um die sogenannten

Risikoverträge kümmern. Risikoverträge sind Ausbildungsverträge mit Jugendlichen,

die nicht im ersten Anlauf einen Ausbildungsvertrag bekommen haben


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oder schon schulische Leistungsdefizite hatten. Natürlich müssen wir unsere eigenen

Unterstützungsmöglichkeiten der Handwerkskammern bekannter machen und offensiver

anbieten. - Vielen Dank.

Vorsitzende:

Vielen Dank, Frau Gatzky. – Wir fahren mit dem Berufsbildungszentrum Frankfurt

(Oder) GmbH fort.

Herr Zinke (bbw Bildungszentrum Frankfurt [Oder] GmbH):

(Erläuterung anhand von Folien - siehe Anlage 9)

Vielen Dank für die Einladung. Das Berufsbildungszentrum Frankfurt (Oder) GmbH

gehört zum Bildungswerk der Wirtschaft in Berlin und Brandenburg. Wir sind der Bildungsträger

der Unternehmerverbände.

Ich spreche hier für das Bildungszentrum in einer gewerblich-technischen Ausrichtung

und kann auch deshalb aus Erfahrung in dieser Richtung sprechen, weil wir

hauptsächlich duale Berufsgänge bei uns im Hause haben.

Über die statistischen Zahlen haben wir schon viel gesprochen. Ich denke, da besteht

relative Einigkeit, dass es eine Abbrecherquote von etwa 30 % gibt, die statistisch

erfasst ist.

Interessant waren die Ausführungen von Herrn Spieß, der fragte, wie groß die Zahl

von Mehrfachverträgen bzw. von Verträgen sei, die doppelt geschlossen werden,

weil man nachher das beste Angebot wählen möchte. Ich habe mich auch auf die

Studien, die in Nordsachsen und Leipzig erstellt wurden, gestützt, wo 300 Betriebe

und Auszubildende befragt worden sind. Ich denke, man kann sich darauf stützen;

die Ergebnisse werden sich nicht sehr ändern, wenn man weitere Befragungen

machte. Darauf basieren meine Annahmen hier.

Knapp die Hälfte der Lösungen der Ausbildungsverhältnisse erfolgt in der Probezeit,

in den ersten vier Monaten. Da stellt sich die Frage: Soll tatsächlich die Probezeit

dafür genutzt werden, um dem Betrieb und den Auszubildenden die Möglichkeit zu

geben, sich zu testen? Ich denke nicht, dass das das adäquate Mittel ist, sondern

eher die letzte Möglichkeit sein sollte, etwa, um noch Unschärfen zu beseitigen.

Ich bin auf Folie 20 und komme auf die Gründe - die waren recht interessant -, aus

denen die Lösungen zustande kommen. Diesbezüglich werden von den Auszubildenden

drei Kernthemen genannt. Zum einen ist es das Betriebsklima und die mangelnde

Kommunikation, zum anderen die ausbildungsfremde Tätigkeit und die Mehrarbeit

in den Betrieben sowie die mangelnde Ausbildungsqualität bis hin zur Unterforderung

in den Betrieben.


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In der Wahrnehmung der Betriebe steht die mangelnde Motivation weit vorn und die

Tatsache, dass die Jugendlichen eine falsche Vorstellung vom Beruf haben. Natürlich

bedingen beide Dinge einander. Wenn der Jugendliche in dem Betrieb nicht ankommt

- sei es durch eine falsche Vorstellung von der Tätigkeit oder aus anderen

Gründen -, hat er keine Motivation, den Beruf zu erlernen. Das führt dann zur Lösung

des Ausbildungsverhältnisses. Wenn in etwa die Hälfte aller Lösungen vonseiten der

Auszubildenden vorgenommen wird und ein Drittel der Ausbildungsverhältnisse von

den Betrieben gelöst wird, kann man nur sagen: Der, der sich zuerst traut, löst das

Verhältnis. So kommt die Statistik zustande. So, wie es aussieht, trauen sich die Jugendlichen

eher als der Betrieb.

Hieran zeigt sich das Defizit in der Berufsorientierung in Brandenburg. Ich stütze

mich zwar auf Daten aus Sachsen bzw. Leipzig, weil Daten für Brandenburg leider

nicht vorliegen, aber ich denke, es würde sich kein anderes Bild zeigen. Ich bin auf

Folie 21 darauf eingegangen. Wir als Bildungsträger sind bei der Berufsorientierung

aktiv. Was wir aber vermissen, ist eine systematische, verlässliche, kontinuierliche

Berufsorientierung im Land Brandenburg mindestens von der 7. bis zur 10. Klasse.

Idealerweise sollte man sogar schon in der 5. Klasse ansetzen. Auf jeden Fall wäre

gut, wenn man die Berufsorientierung systematisch von der 7. bis zur 10. hätte. In

der 7. und 8. Klasse gibt es Programme. Leider lassen wir die Jugendlichen in der 9.

und 10. fallen, dabei ist eine kontinuierliche Berufsorientierung sehr wichtig, denn

man muss erst einmal aus den Schülern herauskitzeln, was sie machen wollen.

Ein Beispiel: Will der Betreffende Metall oder Elektro machen und entscheidet sich

für einen Beruf in der Metallverarbeitung, dann fehlt der nächste Schritt, nämlich in

der 9. Klasse zu vertiefen, welches Berufsbild dahinter steckt, und dann in der

10. Klasse ein Betriebspraktikum zu absolvieren, was letztlich in einen Ausbildungsvertrag

münden kann.

Ein solches Verfahren bietet mehrere Vorteile: zum einen, dass der Betrieb den Jugendlichen

schon während dessen Schulzeit beschnuppern kann und ihn nicht erst in

der Probezeit kennen lernt und damit natürlich auch Vorstellungen à la Tim Mälzer

bei den Jugendlichen auszuräumen. Deshalb sollte an der Stelle angesetzt werden.

Wir hatten dazu schon eine Sitzung bei Frau Dr. Haase und haben dort ein solches

Projekt vorgestellt. Leider gibt es derzeit wohl keine Mittel dafür, was sehr tragisch

ist, weil es Mittel für die spezifische Verbundausbildung gibt. Das sind die Fälle, in

denen die Jugendlichen nicht versorgt wurden und in einer Agentur landen. Und

wenn sie in einer Agentur gelandet und arbeitslos sind und keine Berufsausbildung

haben, wird wieder Geld in die Hand genommen, um sie doch noch in den Arbeitsmarkt

integrieren zu können.

Das ist aus Sicht des bbw ein Kernpunkt, an dem man ansetzen sollte, um die Abbrecherquote

positiv zu beeinflussen. Sicher wird man sie nicht auf null fahren können,

aber man kann sie deutlich positiver beeinflussen.

Einen wichtigen Ansatz möchte ich in meiner kurzen Redezeit noch bringen: Ein

Punkt, den die Auszubildenden brachten, warum sie das Ausbildungsverhältnis lösen,

war, dass sie in den Betrieben ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten und


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sehr zur Mitarbeit herangezogen werden. Aus meinen Erfahrungen als Betriebsleiter

eines Betriebes, den ich vier Jahre geleitet habe, kann ich sagen, dass besonders

die Auszubildenden in der dualen Ausbildung in Ostbrandenburg oftmals als Billigarbeiter

benutzt werden, denn es gibt nur eine Vorgabe im Industrieberuf: Sie müssen

in die Berufsschule gehen - und irgendwann die Prüfung schaffen. Mehr Vorgaben

gibt es nicht. Das ist nicht ausreichend, um einen Qualitätsstandard in die Ausbildung

zu bringen. Hier sollte man darüber nachdenken, ob man ähnlich wie in den Handwerksberufen

in die Richtung geht zu sagen: Es müssen bestimmte fachpraktische

Inhalte mit einem gewissen Qualitätsstandard, der geprüft wird, vermittelt werden,

damit genau das nicht stattfindet. Das sind junge Menschen, die sich noch entwickeln.

Wer solche Ersterfahrungen in einem Betrieb macht, ist eventuell für den Rest

des Lebens geschädigt. - Danke schön.

Vorsitzende:

Danke, Herr Zinke. - Wir fahren mit dem Landesverband der Lehrer an berufsbildenden

Schulen Brandenburg fort. Herr Pehle, bitte.

Herr Pehle (LLBS - Landesverband der Lehrer an berufsbildenden Schulen

Brandenburg):

Sehr geehrte Damen und Herren! Ich bedanke mich recht herzlich im Namen unseres

Partnerverbandes, des Verbands der Lehrer an Wirtschaftsschulen (VLW) Landesverband

Brandenburg e.V., für die Einladung in den Fachausschuss. Die Dinge,

die wir gemeinsam erarbeitet haben (Anlage 10), liegen Ihnen vor. Ich möchte mich

auf ein, zwei Dinge konzentrieren.

Wir haben als Lehrer - logischerweise auch als Fachverbände - das Glück, an unseren

25 Oberstufenzentren mit knapp 2 000 Lehrern an die 70 % aller Jugendlichen

eines Jahrgangs in unseren Oberstufenzentren zu begrüßen. Das beginnt bei der

Berufsvorbereitung und reicht bis zum beruflichen Gymnasium. Wenn man dann wie

ich als Lehrer tätig ist, kann man es sich in einem Wirtschaftssozialkundeunterricht

leisten, nachzufragen, warum das eigentlich so ist.

Wir haben eine ganze Reihe von interessanten und wichtigen Punkten gehört. Eigentlich

wissen wir viel darüber, warum Lehrlinge eine Ausbildung abbrechen. Wir

haben das über einige Schulen hinweg spezifiziert. Dabei kristallisieren sich Gründe

heraus, die wir einerseits schon gehört haben, andererseits vielleicht noch nicht.

Wir haben gehört, dass die Ausbildungsverhältnisse aufgrund eines Wechsels zum

Studium oder zum Wunschberuf gelöst werden. Es gibt eine große Anzahl von Abiturienten.

Die Eltern streben an, dass ihre Kinder auf das Gymnasium gehen. Dann

kommt die Berufs- oder Studienwahl, und das Studium steht nun einmal an oberer

Stelle. Wenn das nachher nicht klappt, sagt man: Gut, ich nehme die Option einer

Lehre wahr. - Nicht zu vergessen: Viele Betriebe haben gerade Abiturienten gern

genommen, weil sie gesagt haben: Sie haben ein gewisses soziales Niveau, und die


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Noten stimmen. - Die Konsequenz ist, dass sie relativ zügig wechseln und sagen: Ich

möchte zum Studium. - Die Chance auf Rücknahme, dass sie sagen „Okay, ich bleibe

in meinem Ausbildungsbereich“ ist relativ gering. Wir werden sie nach fünf, sechs

Jahren wiederfinden, wenn sie in ihrem Studium vielleicht das Gleiche gemacht haben,

der Mechatroniker in den Maschinenbau geht, und das ist von der Sache her

nicht schlecht.

Dann haben wir Ausbildungsverhältnisse aufgrund äußeren Drucks. Meine Schüler

haben schon gesagt, dass die Eltern gelenkt haben, wobei sie auch sagen „Junge,

mach‘ mal das“ oder „Mach‘ das lieber nicht, du findest danach keine Arbeit“. Wir haben

die empirischen Zahlen gehört.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass, wenn Jugendliche am Anfang noch nicht

so richtig wissen wohin, durch die Berufsberatung in einem gewissen Sinne gesteuert

werden, und dann merken sie: Durch den positiven Druck, den ich dort erfahren habe,

kommt der Beruf zustande, und dann gefällt er mir doch nicht. - Dann haben wir

hier einen Bruch in der beruflichen Karriere.

Wir haben uns noch einmal Gedanken gemacht: Warum sind die Ausbildungsverhältnisse

gelöst worden? Wir haben viele Punkte zusammengetragen. Die Frage ist

natürlich, wie es in den Betrieben aussieht. Hier ist wichtig - ich denke, ein Großteil

der Betriebe sichert dies -, dass diejenigen, die ausbilden, dazu befähigt sind.

Unsere Lehrlinge haben bemängelt, dass im betrieblichen Bereich konkrete Ausbildungspläne

nicht so recht vorhanden seien. Sie wollen in gewissem Sinne abhaken:

Was haben wir denn? - Damit könnten ausbildungsfremde Tätigkeiten - Rasenmähen

usw. - vermieden werden.

Es wird immer ein Feedback vom Betreuer des Betriebes angemahnt, dass nachgefragt

wird, wie die schulischen Leistungen sind etc.

Viele Jugendliche haben nicht den Mut, Missstände anzusprechen, sondern sagen

„Okay, ich mache es ganz einfach.“ Irgendwann ist es zu viel, und dann kommt es

zur Kündigung.

Die billigen Arbeitskräfte haben wir schon angesprochen, das darf man nicht unterschätzen.

Darauf wird bei Befragungen der Auszubildenden immer wieder hingewiesen.

Wir als Lehrer stellen - das bemerken die Betriebe auch - Defizite in Deutsch, Mathematik,

im Sozialverhalten - Pünktlichkeit etc. - fest. Werden solche Kompetenzen

auf einmal verlangt, gibt es ein Problem.

Wir sollten uns nicht viel vormachen: Die Punkte, die ich am Anfang aufgezählt habe,

müsste man ein wenig nach hinten drängen, denn immer, wenn wir Auszubildende

fragen, wo es brennt, heißt es: beim Gehalt. - Wenn eine Gruppe der Jugendlichen

300 Euro und die andere 600 oder 700 Euro bekommt, dann ist dort eine Spanne,


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die ein Wechseln relativ leicht macht. Die bleiben sicherlich in ihrem Beruf - weil eine

Straße weiter vielleicht der Friseur X noch mehr bezahlt.

Einen letzten Punkt: Wir müssen uns klarwerden, dass unsere Auszubildenden älter

werden. Wie war es früher? Wir sind in relativ jungen Jahren in die Lehre gegangen.

Heute sitzt man als Lehrer zum Teil Ausbildenden gegenüber, die genauso alt sind.

Das zeigt zumindest die Spanne, die Bandbreite der Ausbildungen. Viele haben Kinder,

die versorgt werden müssen. Sie haben weite Fahrtstrecken zu bewältigen etc.

Es muss überlegt werden, an welchen Stellen gedreht werden kann, zum Beispiel auf

der betrieblichen Seite. Und es muss überlegt werden: Wie kann vom Land dort Unterstützung

kommen? Da werden wir noch in weitere Diskussionen einsteigen.

Das Konzept, wie man Ausbildungsabbrüche verhindert, war ein Punkt: Wie machen

es die Betriebe? Wir als Schule haben gefragt: Wie machen wir es denn? - Hier

müsste man prüfen: Wie bekommen wir die Berater in die Schulen? Wenn Lehrer

das noch extra machen sollen, müssen Ressourcen dafür freigesetzt werden. Es gibt

viele Initiativen, zum Beispiel den Expert Service - ich habe den Kollegen einmal herangeholt

-, wo gestandene Leute die Gründe für Ausbildungsabbrüche zu finden versuchen

und dann den Jugendlichen begleiten. In diesem oder im letzten Jahr hat es

wohl 15 Begleitungen gegeben. Es gibt also Initiativen. In diese Richtung sollten wir

weiterarbeiten. Wir als Verbände sind daran interessiert, dort noch viel zu machen,

und in Partnerschaft finden wir da schon eine Lösung. - Danke schön.

Vorsitzende:

Danke, Herr Pehle. - Für die DEHOGA spricht Frau Wettley.

Frau Wettley (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband Brandenburg e. V.):

Ich freue mich, hier im Namen der DEHOGA sprechen zu dürfen. Ich bin im DEHO-

GA-Verband Brandenburg für den Bereich Berufsbildung zuständig und führe selbst

ein Hotel in Potsdam, das Steigenberger Hotel, kann damit auch als Unternehmer

dazu sprechen, wie wir ausbilden und welche Probleme wir dabei haben. Insofern bin

ich sehr froh, diese Gelegenheit wahrnehmen zu können.

Frau Dr. Uhly, ich möchte mich erst einmal für Ihre Folie 2, „Ursachen“, bedanken,

wo Sie die drei Bereiche, die wir haben, so schön dargestellt haben: Jugendliche,

Betriebe, Ausbilder - Vertragslösungsrisiko. Unsere Branche ist heute schon mehrfach

angesprochen worden, wobei gesagt wurde, dass wir das absolute schwarze

Schaf sind. Ich bin sehr dankbar, dass Herr Spieß einerseits gesagt hat, dass wir in

den vergangenen Jahren sehr viel Auszubildende aufgenommen haben, die keinen

Ausbildungsplatz gefunden haben. Jetzt hat sich infolge des demografischen Wandels

das Rad wesentlich gedreht, sodass wir heute Auszubildende bei uns haben,

die bei weitem nicht mehr die Anforderungen erfüllen, wie wir sie vor Jahren noch

stellen konnten.


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Entgegen dem, was immer in der Presse veröffentlicht wird, hat die DEHOGA dieses

Problem erkannt. Uns ist bewusst, dass wir in diesem Bereich sehr viel tun müssen.

Lassen Sie mich mit dem Gebiet der Betriebe/Ausbilder beginnen. Sie sprachen die

Ausbildungsfähigkeit der Betriebe an. Die ist in unserer Branche sehr unterschiedlich;

das wissen wir. Große Hotels sind da sehr gut aufgestellt, kleinere Unternehmen,

Landgasthöfe etc. bei weitem nicht so gut. Aus diesem Grund hat die DEHOGA den

Wegweiser für Ausbilder herausgebracht, der mehr als ein Handwerkszeug ist. Jedem,

der sich nicht intensiv damit befasst und nicht wie wir große Unternehmen

Schnittstellen im Betrieb hat, die mit so etwas arbeiten können, wird ein Handbuch an

die Hand gegeben, mit dem man wirklich sehr gut ausbilden kann und wo die Ausbildungsinhalte,

über die wir heute schon sehr oft gesprochen haben, genau aufgegliedert

und dargestellt sind.

Zum Rekrutierungsverhalten: Wir führen seit Jahren gemeinsam mit der IHK Ausbildungstage

- eine Art Speeddating - durch, wo wir unsere Ausbildungsberufe vorstellen.

Segen und Fluch zugleich sind all die Fernsehshows usw. Das hat einen Hype in

unserer Branche gebracht, aber ein vollkommen verkehrtes Bild von diesem Beruf

vermittelt. Wir versuchen das durch unser Rekrutierungsverhalten etwas abzubauen.

Wir führen Praktika mit Schülern in den Betrieben durch. Da haben wir das Problem,

dass das vom Gesetzgeber her leider nicht durchgängig geht: Die Schüler dürfen nur

von Montag bis Freitag und von 8 bis 16 Uhr arbeiten. Das ist nicht das Leben. Wir

haben keine gesetzliche Möglichkeit, zu sagen: Lasst sie doch wenigstens am Samstag

arbeiten, denn das ist unser Beruf. - Das Jugendschutzgesetz muss eingehalten

werden, aber warum haben wir nicht die Möglichkeit, den Schülern auch zu sagen:

Arbeiten Sie bitte einmal am Wochenende! - Denn das ist ja das, was den meisten

dann schwerfällt. Sie sind bei Beginn der Lehre völlig überrascht, dass sie auf einmal

am Wochenende arbeiten müssen. In den Praktika dürfen sie es von den Schulen

her nicht. Ich rege an, hier Überlegungen anzustellen.

Vielfach wurde der Tarif angesprochen. Uns ist bewusst, dass der Tarif der Auszubildenden

ein wesentliches Merkmal ist, aber - bin ich der Meinung - nur eines. Wir

müssen genauso schauen, wie der Tarif nach der Ausbildung aussieht. Das Verhältnis

der Ausbildungsvergütung zur späteren Vergütung muss so sein, dass sich der

Jugendliche sagt: Davon kann ich eine Familie ernähren. Unsere Branche ist da wieder

das schwarze Schaf, aber mit unserem letzten Tarifabschluss sind wir ein ganzes

Stück nach vorn gegangen. Wir haben erkannt, in welche Richtung es gehen muss.

Zur Lobbyarbeit: Machen wir uns nichts vor: Die Tätigkeiten in unserem Dienstleistungsbereich

finden in unserer Gesellschaft bei weitem nicht die Anerkennung, die

sie verdienen. Wir sind Dienstleister, und so werden wir von vielen Gästen behandelt.

Das ist etwas, was wir nicht abstellen können. Aber es ist nicht förderlich, wenn ein

Jugendlicher während der Probearbeit oder in den ersten drei, vier Ausbildungsmonaten

erfährt, wie sich Gäste gegenüber Mitarbeitern mitunter verhalten. Daran müssen

wir stark arbeiten. Sie brauchen heute nur den Fernseher anzuschalten, und was

sehen Sie da? Wie man sich am besten beschweren kann. Das ist etwas, was wir in


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unsere Ausbildung integrieren müssen: Wie verhalte ich mich in solchen Fällen? Da

ist eine vollkommen andere Qualität eingetreten.

Ganz wichtig halte ich für unseren Bereich - da zählen wir eher zu den Spitzenreitern

-, was wir an Wettbewerben durchführen und an Maßnahmen ergreifen, um die

Jugendlichen zu qualifizieren. Bei uns gibt es die Landesmeisterschaften und die

deutschen Meisterschaften, die einen hohen Stellenwert haben. Wir investieren sehr

viel in die Ausbildung der Jugendlichen, um ihnen zu zeigen, welche Karrieremöglichkeiten

sie in unserer Branche haben. Ich habe als normale Restaurantfachfrau -

das war mein Ausbildungsberuf - angefangen und bin jetzt seit über 20 Jahren Hoteldirektorin.

Es gibt diese Möglichkeiten; wir müssen sie nur entsprechend transportieren.

Die sehr negative Presse, die wir immer wieder haben, führt allerdings nicht

dazu, dass Jugendliche begeistert zu uns kommen.

Zu den Mehrfachbewerbungen der Jugendlichen um Ausbildungen: Wir haben innerhalb

der Potsdamer Hotels das System entwickelt, dass wir einander die Namen

nennen. Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Doppelungen da kommen. Da

wissen wir: Aha, die werden nicht kommen. - Der 1. August ist immer eine Art

Glückstag: Wer erscheint und wer nicht?

Die ersten vier Monate der Probezeit werden sehr aktiv genutzt. Nach zwei Monaten

gibt es das erste Gespräch, wo wir feststellen, ob es das Richtige ist oder nicht. Innerhalb

der ersten vier Monate werden Ausbildungsverhältnisse in der Regel vom

Arbeitgeber gelöst, weil wir feststellen, dass wir den falschen Auszubildenden haben.

Oder wir sehen, dass er mit dieser Tätigkeit am Wochenende, in den Spätschichten

nicht zurechtkommt, was man sehr schnell merkt, wenn immer freitags die Krankenscheine

kommen. Wochenendarbeit ist für uns schwer durchzusetzen. Nach den vier

Monaten haben Sie es als Arbeitgeber nicht leicht oder tun es besser gar nicht mehr.

Ich muss sagen, dass wir mit der IHK sehr gut zusammenarbeiten, wenn sich solche

Probleme aufzeigen, indem wir mit dem Berufsberater dort sprechen und überlegen,

was wir tun können.

Was uns wirklich fehlt, ist ein direktes Zusammenwirken mit den Eltern. Darauf hinzuwirken

haben wir oft versucht. Die Schere klafft weit auseinander: Es gibt Eltern,

die sehr an der Ausbildung ihrer Kinder interessiert sind. Es gibt aber Eltern, die sich

nicht dafür interessieren. Das mag an den Verhältnissen liegen, aus denen die Jugendlichen

kommen. Deshalb versuchen wir, schon an den Schulen intensiv Kontakt

zu ihnen aufzunehmen und aufzuzeigen, was das Schöne an unserem Beruf ist - ich

behaupte immer noch, dass es der schönste Beruf ist, den es gibt -, und zu zeigen,

welche Möglichkeiten man anschließend hat.

Nach Abschluss der Ausbildung werde speziell ich bzw. wird mein Hotel immer kritisiert,

dass wir niemanden übernehmen. Da muss ich sagen: Das stimmt. Aber das

liegt daran, dass eine Übernahme zur Folge haben würde, dass ich jemanden entlassen

muss, da die Betriebszugehörigkeit bei uns bei über zwölf Jahren liegt;

16 Jahre ist das Hotel alt. Aber innerhalb unseres Konzerns - die DEHOGA strebt

das für andere an - erhält man, wenn man mindestens die Abschlussnote 2 hat, garantiert

einen Arbeitsplatz.


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Das Positive an unserer Branche ist doch: Sie finden immer Arbeit, weil wir „ein Produkt“

sind, das man nicht auslagern kann. Uns kann man nicht nach Polen oder

Tschechien auslagern. Das muss hier, vor Ort erledigt werden.

Wenn in den Betrieben dementsprechend gearbeitet wird, werden wir - der felsenfesten

Überzeugung bin ich - nicht immer diese schlechten Zahlen haben, sondern im

Zusammenspiel kann man Verbesserungen erreichen. Ich kann Ihnen nur versichern,

dass die DEHOGA dieses Problem absolut erkannt hat und wir innerhalb der Berufsgruppe

bei der Berufsbildung zu Patenschaften mit kleineren Betrieben übergehen,

um ihnen zu helfen und zu zeigen, wie sie gut ausbilden können.

Zur Berufsschule haben wir einen sehr engen Kontakt. Sie sprachen an, dass die

Zeugnisse nicht vorgelegt werden. Es ist Standard in vielen Betrieben, dass das

Zeugnis immer vorgelegt werden muss, um Kenntnis zu erlangen, was der Auszubildende

in der Berufsschule macht. Auch hier stellen wir fest, dass man, wenn der

Auszubildende montags immer zu spät kommt und freitags eher geht, weiß, woran

das liegt. Aber das sind Dinge, an denen wir arbeiten müssen. Wir tragen die Verantwortung

für die Ausbildung. Daher sehen wir unsere soziale Aufgabe darin, mit

den Jugendlichen so zu arbeiten, dass sie ihre Ausbildung erfolgreich abschließen.

Vorsitzende:

Danke, Frau Wettley. - Wenn wir jetzt ins Gespräch kommen, bitte ich mit Blick auf

die Zeit, dass immer nur die antworten, die etwas zur Sache haben, damit wir nicht

alle noch einmal hören.

Jetzt bitte ich alle anderen Abgeordneten um Verständnis, dass Frau Schier beginnt,

weil sie noch in den Hauptausschuss gehen möchte.

Abgeordnete Schier (CDU):

Mir gehen einige Dinge durch den Kopf, ich habe viel gelernt. Ich habe gelernt, dass

Auflösungen etwas Gutes und nicht etwas Schlechtes sind.

Ich danke der letzten Rednerin. Ich habe selbst einen Sohn, der im Gaststättengewerbe

arbeitet. Es gibt, glaube ich, überall schwarze Schafe, und es gibt überall gute

Beispiele. Der DEHOGA-Verband steht immer am Pranger, aber ich will für ihn eine

Lanze brechen. Es geht um eine Dienstleistung, die wir alle gern in Anspruch nehmen,

die aber niemand so gern erbringen will. Jeder muss wissen, dass man in diesem

Bereich Sonnabend und Sonntag arbeiten muss.

Ich habe zwei Fragen, die erste an Frau Dr. Uhly. Markant ist, dass die Abbrecherquote

von Brandenburg seit 2008 steigt. Worauf führen Sie das zurück?


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Herr Wagon, Sie schreiben in Ihrem Papier und haben es noch einmal gesagt, dass

ein Viertel derjenigen, die ihre Ausbildungsverträge lösen, nicht ins Studium geht o-

der eine andere Ausbildung macht, sondern verschwindet. Unsere Priorität sollte darauf

liegen: Was müssen wir tun, um dieses Viertel aufzufangen, damit uns die Betreffenden

nicht verloren gehen?

Abgeordnete Lehmann (SPD):

Ich möchte mich bei Ihnen allen herzlich bedanken, auch Dank dafür sagen, dass Sie

das Problem so vielschichtig dargestellt haben. Nicht jede Auflösung eines Ausbildungsvertrages

ist unbedingt ein großes Drama, sondern ist ein natürlicher Vorgang.

Gefreut habe ich mich über die Ausführungen von Herrn Rath, dass die Vereinigung

der Unternehmensverbände noch einmal die tarifliche Vergütung, aber auch die tarifliche

Regelung zur Übernahme angesprochen hat. Das ist für mich ein Zeichen dafür,

dass die Sozialpartnerschaft in Brandenburg recht gut funktioniert.

Meine Frage lautet: Inwieweit spielt bei der Berufsberatung, Berufsorientierung die

Geeignetheit für einen Beruf eine Rolle? Hier denke ich insbesondere an gesundheitliche

Aspekte. Zu meiner Zeit hat man auch die gesundheitlichen Voraussetzungen

betrachtet, beispielsweise war es, wenn man in den Bereich der Kita ging, wichtig,

eine gesunde Wirbelsäule zu haben, weil man kleine Kinder häufig tragen muss usw.

Inwieweit spielt die Geeignetheit, spielen gesundheitliche Aspekte eine Rolle in der

Berufsberatung? Wer diese Frage am besten beantworten kann, möge es tun.

Eine Frage an Herrn Spieß: Sie haben das Netzwerk „Zukunft. Schule und Wirtschaft“

und den Berufswahlpass angesprochen. Ich habe den Berufswahlpass schon

einmal mit großer Freude an eine siebte Klasse übergeben. Haben Sie mit dem

Netzwerk evaluiert, wie mit diesem Berufswahlpass gearbeitet wird? Er ist nur erfolgreich

und macht nur Sinn, wenn Schule, Schüler und Eltern damit arbeiten. Ich habe

ein wenig Bedenken, ob das in der Praxis so intensiv gemacht wird. Sie hatten beklagt,

dass wir nicht ausreichend Berufswahlpässe für alle siebten Klassen hätten.

Gibt es da eine Evaluation, und wie wird damit gearbeitet?

Abgeordnete Prof. Dr. Heppener (SPD):

Mir geht es in erster Linie auch um dieses Viertel und darum, dass Langzeitarbeitslose

womöglich hier die Weichen für ihr Leben stellen.

Herr Wagon, Sie haben in Ihrer schriftlichen Stellungnahme die Hoffnung ausgesprochen,

dass das Risiko eines Abbruchs bei den Teilnehmern einer berufsvorbereitenden

Bildung sinken werde. Meine erste Frage lautet: Wie sieht es jetzt aus? Die haben

eine berufsvorbereitende Phase und eine Ausbildungsvorbereitung. Wie stellt

sich das dann im Ausbildungsprozess dar?


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Meine zweite Frage: Sie sprechen über Angebote für Auszubildende ohne Hauptund

Förderabschluss als förderbedürftige junge Menschen. Da schlagen Sie vor,

dass dann eine außerbetriebliche Ausbildung fortgesetzt wird. Gibt es schon Erfahrungen,

oder muss man dort lenkend eingreifen?

Meine dritte Frage: In meinem Wahlkreis sagen mir vor allen Dingen kleinere Unternehmen,

die ausbilden: Es wird ein Ausbildungsvertrag geschlossen, aber dann beginnt

die Berufsschule, die mit einem weiten Weg verbunden ist, und die Auszubildenden

bleiben plötzlich weg. Ist das eine allgemeine Erscheinung, dass man, was

die Berufsschulausbildung angeht, nachsteuern müsste und dass wir noch viel Luft

haben, was das Ehrenamt und die Patenschaften für bestimmte Auszubildende in

den Betrieben angeht? Eventuell müssten wir Wege finden, um das Prinzip der Patenschaft

noch mehr auszubauen. Gegebenenfalls kann man sich an die Seniorenbeiräte

vor Ort wenden, wo wir Menschen haben, die dazu in der Lage wären.

Abgeordneter Büttner (FDP):

Frau Dr. Uhly, Herr Wagon hatte in seinen Vorstellungen zu den Berufspraktika

7. und 8. Klasse - ich glaube, Sie haben das auch gemacht - schon darauf hingewiesen:

Wenn wir eine qualifizierte Berufswahl haben wollen, dann brauchen wir natürlich

eine ausgeweitete Berufsorientierung, aus meiner Sicht am besten klassenstufenbezogen.

Ich würde gern von Ihnen eine Bewertung hören, wie eine Verknüpfung

von Schule und Wirtschaft mit verpflichtenden Maßnahmen für Berufsorientierung die

Situation verbessert und zur Stabilisierung von Ausbildungsverhältnissen beitragen

kann.

Herr Wagon, meine zweite Frage richtet sich an Sie: Nach den Informationen des

MASF liegt die Lösungsquote bei betriebsnahen und außerbetrieblichen Ausbildungen

mit 41 % bzw. 37 % über denen der betrieblichen Ausbildung. Könnten Sie sagen,

worauf das zurückzuführen ist und wie Politik und Wirtschaft in Kombination an

der Stelle gegenwirken können?

Meine dritte Frage richtet sich an Herrn Zinke: Sie haben in Ihrer Präsentation die

Studie im Auftrag der Landratsämter Nordsachsen und Leipzig angeführt. Vielleicht

habe ich es überlesen, ich habe es nicht gefunden. In dieser Studie wurde festgestellt,

dass die Hälfte der Abbrecher nachträglich festgestellt hat, dass die Lösung

des Ausbildungsverhältnisses überhaupt nicht notwendig gewesen sei. Welche Möglichkeiten

sehen Sie, über Etablierung von Ausbildungsmediation oder Ähnliches diese

Lösungsquoten zu verringern, gerade wenn 50 % sagen, dass die Lösung des

Verhältnisses vermeidbar gewesen wäre?

Vorsitzende:

Herr Wagon bitte.


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Herr Wagon (Bundesagentur für Arbeit):

Ich versuche die Themen jetzt soweit abzudecken, wie ich meine, eine vernünftige

Aussage dazu treffen zu können. Wenn Sie das Viertel der jungen Menschen ansprechen,

die die Ausbildung total abbrechen und keine weiteren Aktivitäten entwickeln,

wieder in Ausbildung zu kommen, dann mag das sehr unterschiedliche Gründe

haben. Das sind zum Teil sehr personenbezogene Elemente. Ich bin der Auffassung:

In diesen Fällen brauchen wir ein enges Netzwerk zwischen den Schulen. Es sind

teilweise - das ist zu Recht gesagt worden - finanzielle Gründe. Es sind Schwangerschaften,

die häufig zu einer Nichtweiterführung der Ausbildung führen. Die Flexibilität

im Ausbildungsbereich - es müssen Teilzeitangebote gerade für Alleinerziehende

während der Ausbildung zur Verfügung stehen - ist in Brandenburg noch nicht gut

ausprägt. Da haben wir Potenzial. Aus meiner Sicht müssen diesem Personenkreis

zeitnah sozialintegrative Leistungen angeboten werden. Da gibt es durch Mentorenstrukturen

und Netzwerke richtige Ansätze, aber die müssen wir umsetzen.

Ich bin davon überzeugt, dass Modelle wie Jugendberufsagenturen nützen, wo die

Jugendlichen wissen, dass sie dort von der Beratung aus dem gewerkschaftlichen

Bereich bis zu Informationen von den Kammer ein breites Angebot finden. Die Schule

ist eingebunden. Die Jugendlichen wissen, wohin sie sich wenden müssen, damit

ihnen ergebnisorientiert Unterstützung zuteil wird. Das ist ganz entscheidend. Diesem

Viertel müssen wir uns zuwenden. Wir können angesichts des Fachkräftebedarfs

in Brandenburg nicht auf einen Teil der jungen Menschen verzichten, sondern

müssen sie zu einer abgeschlossenen Ausbildung führen. Insofern ist das ein zentrales

Themenfeld. Deswegen haben wir in unserer Stellungnahme auch noch einmal

auf die notwendigen Netzwerkstrukturen hingewiesen.

Mit der Berufsberatung versuchen wir im Vorfeld nicht nur die persönliche Eignung,

sondern auch die gesundheitliche Eignung festzustellen. Für bestimmte Berufe müssen

im Vorfeld nach wie vor medizinische Untersuchungen absolviert werden, bevor

eine Ausbildung aufgenommen werden kann. Ich würde nicht die Hand dafür ins

Feuer legen, dass das immer zu 100 % erfolgt, aber es ist sehr wichtig, darauf zu

achten: Sind die gesundheitlichen Voraussetzungen gegeben, dass die Ausbildung

erfolgreich durchgeführt werden kann? Dazu muss ein Testverfahren durchgeführt

werden. Wir haben bei jungen Menschen, die Behinderungen haben, umfangreiche

Testverfahren, die bei uns auch durch die Ärztlichen Dienste eingeleitet werden, um

festzustellen, was wir den jungen Menschen zumuten können.

Es besteht häufig die Neigung, in den kaufmännischen Bereich zu gehen, weil da die

gesundheitlichen Anforderungen nicht so hoch sind. Allerdings sind dort die Übernahmen

in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung an der zweiten Schwelle

deutlich geringer als im gewerblich-technischen Bereich.

Zum Berufswahlpass kann Herr Spieß etwas sagen, aber ich kann auch Erfahrungen

aus anderen Bundesländern einbringen. Natürlich brauchen Sie Eltern, Schule und

die Schüler. Eine strukturierte Vorgehensweise, um die breite fachliche, berufliche

Perspektive zu vermitteln, ist für eine vernünftige Berufsorientierung zwingend notwendig.

Fragt man die jungen Menschen, so stellt man fest, dass die Mädchen und


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Jungen Kenntnis von vielleicht zehn, zwölf Ausbildungsberufen haben. Insofern finde

ich es nicht originell, dass wir in Brandenburg nur einen Zukunftstag haben und keinen

Girls‘ Day und Boys‘ Day, denn die Notwendigkeit, die geschlechterspezifische

Zuordnung von Berufen aufzubrechen, besteht auch in Brandenburg. Das lässt sich

durch einen Zukunftstag allgemein nicht so verankern, wie es erforderlich wäre.

Deswegen ist meine Anregung, den geschlechterspezifischen Aspekt in Brandenburg

stärker zu betrachten.

Zu den berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen: In den Berufsvorbereitungsmaßnahmen

haben wir mittlerweile sehr gute Ansätze. Wir bieten den Jugendlichen, die

keine Berufsreife haben, in den berufsvorbereitenden Maßnahmen sehr unterschiedliche

Berufsfelder an, wo sie die Schwerpunkte kennenlernen und sich dann orientieren

können, was für sie beruflich in Betracht kommt.

Wir haben die Einstiegsqualifikation, für die wir sehr werben. Wenn die jungen Leute

noch keine Berufsreife haben, können sie im Betrieb eine Einstiegsqualifikation von

einem halben bis zu einem Dreivierteljahr machen - zum Teil wird das auf Ausbildungszeiten

angerechnet - und dann in die Ausbildung bei diesem Betrieb gehen.

Wir wollen in Brandenburg gemeinsam mit den Kammern, Herr Rath, eine Öffnung

erreichen, um mehr Einstiegsqualifikationen für junge Leute zu realisieren, weil wir in

der Vergangenheit die Erfahrung gemacht haben: Berufsvorbereitende Maßnahmen

ohne Praktikumsphasen in Betrieben sind nicht hinreichend erfolgreich.

Daran will ich gleich anschließen. Wir haben zum Teil außerbetriebliche Qualifizierungsmaßnahmen,

bei denen wir die Ausbildung komplett finanzieren, immer mit

dem Ziel, schon nach dem ersten Jahr einen Übergang in Betriebe zu erreichen.

Häufig gelingt das bei dem Personenkreis noch nicht im notwendigen Umfang. In der

Vergangenheit wurden integrative Maßnahmen durchgeführt, wobei der Bildungsträger

die Komplettausbildung realisiert hat. Die Ergebnisse in diesen Bereichen waren

nicht zufriedenstellend, sondern mangelhaft, um ehrlich zu sein. Deswegen führen

wir diese Maßnahmen seit zwei, drei Jahren in Brandenburg nur noch in Kooperation

mit Betrieben durch. Wir sind fest davon überzeugt - da wir die Erfahrung auch im

Bundesgebiet gemacht haben -, dass wir da deutlich höhere Übergangsraten in die

entsprechende sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nach der Ausbildung erreichen

können. Es ist in Brandenburg schon ein Thema, dass 60 % der Jugendarbeitslosigkeit

bei Menschen zu verzeichnen sind, die eine Ausbildung abgeschlossen

haben. Das ist ein sehr kritisches Feld.

Der Schwerpunkt der Auflösungsquote liegt im Handwerksbereich. Wir können Ihnen

gern eine Übersicht zusenden, auf der Sie die einzelnen fachlichen Teile genau sehen

können. Herr Rath sagte, es gibt gerade im industriellen Bereich Aufgabenfelder,

wo geringe Auflösungsquoten zu verzeichnen sind. Das zeigt, dass offenbar gute

Auswahlprozesse erfolgt sind. Bei der IHK sind die Auflösungsquoten prozentual geringer

als in den Handwerksbereichen.


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Die Brandenburger Daten weisen aus, dass 52 % der Vertragsauflösungen 2011 im

ersten Ausbildungsjahr und 33,7 % im zweiten stattfanden. Das zeigt die Notwendigkeit,

auch bei den arbeitsplatzbegleitenden Hilfen - Nachhilfeunterricht für die jungen

Leute - in den berufsfachlich orientierten Schulen nachzulegen. 13,5 % beträgt die

Auflösungsquote im dritten Ausbildungsjahr. Auch das ist ein kritisches Feld. Kurz vor

der Ziellinie - im vierten Ausbildungsjahr - bricht noch ein knappes Prozent ab. Das

zeigt: Es ist nicht nur ein Thema des Beginns der Ausbildung, sondern es zieht sich

durch die gesamte Ausbildung. Wir müssen Vernetzungsstrukturen in der gesamten

Ausbildungsphase für die jungen Leute sicherstellen.

Frau Dr. Uhly (BIBB - Bundesinstitut für Berufsbildung):

Wenn ich es richtig sehe, sind mir im Wesentlichen zwei Fragen gestellt worden. Ich

würde nur kurz zu dem eben Gesagten - das ist auch in dem umfassenderen Papier

von mir enthalten - anmerken: In Brandenburg sind im Vergleich zu anderen Bundesländern

relativ viele späte Vertragslösungen zu verzeichnen. Relativ wenige der Vertragslösungen

lagen in der Probezeit.

Im Handwerksbereich gebe es hohe Lösungsquoten, wurde eben gesagt. Die Lösungsquote

im Handwerk ist im Durchschnitt höher als der von Industrie und Handel

(IH), aber auch in vielen IH-Berufen finden sich höchste Lösungsquoten. Industrie

und Handel haben nur sehr viele Berufe, die sehr niedrige Vertragslösungsquoten

aufweisen. Nicht nur DEHOGA, sondern auch andere einfachere Dienstleistungstätigkeiten

weisen hohe Vertragslösungsquoten auf.

Eingangs wurde gefragt, warum es seit 2008 einen Anstieg der Vertragslösungsquote

in Brandenburg gab. Wir haben ursprünglich - und hatten in diesem Zeitraum eine

große Umstellung der Statistik - sehr intensiv diskutiert, ob das ein Effekt der Umstellung

sei und ob Meldefehler enthalten seien. Es gab am Anfang Hinweise darauf,

dass nach einem Jahr der Betrieb gewechselt wird, was die Kammern als Vertragslösung

gemeldet hatten, obwohl von vornherein feststand - ich glaube, in der Brandenburger

Landwirtschaft ist das vorgesehen -, dass der Jugendliche wechselt. Das haben

wir stark diskutiert, haben Hinweise darauf gegeben, dass wir diese Phänomene

nicht als Vertragslösungen erfassen wollen, sodass ich davon ausgehen kann, dass

derzeit keine Meldefehler vorliegen.

Die Erhöhung tritt nicht infolge einer Berechnungsweise in Erscheinung. Das einzige,

was mir bei der Betrachtung dieser statistischen Daten auffällt - die Vertreter aus

dem Land kennen die Marktverhältnisse, die sich stark verändert haben, besser -, ist,

dass es einen Sprung in den Vertragslösungsdaten gibt. Vielleicht müssen Betriebe

angesichts der veränderten Marktlage auf weniger präferierte Auszubildende zurückgreifen,

und infolgedessen werden Verträge gelöst. Die Entwicklung am Ausbildungsstellenmarkt

ist von zentraler Bedeutung.

Man muss aber sagen, dass Verträge, die nie angetreten wurden, in der Statistik

nicht erfasst sind. Die Berufsbildungsstatistik erfasst nur Ausbildungsverträge, die

angetreten wurden; der Jugendliche muss mindestens einen Tag vor Ort gewesen


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sein. Alles andere wird nicht gemeldet. Das hat man gemacht, um die Aggregatstatistik

nicht zu überfrachten, da sie sonst wirkte, als habe man große Mengen neuer

Auszubildender.

Eine andere zentrale Frage war die nach der Berufsorientierung und deren Einschätzung.

Für den Bereich, in dem Vertragslösungen darauf zurückgehen, dass Jugendliche

falsche Vorstellungen vom Beruf hatten, ist eine Berufsorientierung natürlich

sinnvoll. Man muss über die Berufe informiert sein, um einen Beruf wählen zu können.

Die Analyse der Stärken der Jugendlichen gehört dazu. Die Berufsorientierung

muss auch im Sinne von „Wo sind die Stärken der Jugendlichen?“, „Wo haben sie

gute Berufsaussichten?“ erfolgen. Wenn Berufsorientierung allerdings im Sinne von

„Wie sind die Marktverhältnisse?“, „In welchen Berufen findet man keine Jugendlichen

mehr?“ erfolgt, könnte dies erhöhend auf die Vertragslösungsquote wirken.

Wenn Berufsorientierung wirklich Berufsorientierung ist, wird sie sicher die Vertragslösungsquoten

senken können. Sie darf aber nicht so ausgestaltet sein, dass man

nach Wünschen des Marktes Jugendliche in Berufe drängt, in die sie nicht wollen.

Das wird kontraproduktiv wirken und die Vertragslösungsquote vermutlich erhöhen.

Zur Berufsvorbereitung noch eine Anmerkung: Ich kann die Anfängerkohorte 2008 im

dualen System etwas ausführlicher analysieren. Da kann man sehen, dass die Teilnehmer

an Berufsvorbereitungen ein höheres Vertragslösungsrisiko haben. Das ist

aber keine Evaluation der Berufsvorbereitung, sondern eine Auswahl an Personen.

Deshalb muss man vorsichtig sein; das ersetzt keine Evaluation der Maßnahmen.

Zumindest kann man sagen, dass die Berufsvorbereitung das Vertragslösungsrisiko

bei diesen Jugendlichen nicht senkt. Eine solche Tendenz zeigt sich zumindest nicht

in den Daten.

Eine Anmerkung: Es ist immer wieder von der „Abbrecherquote“ die Rede. Dieser

Begriff wird verwendet, weil ein Vertragsverhältnis abgebrochen wird, aber immer

werden nur die Jugendlichen als die Abbrecher bezeichnet. Das sehe ich auch in der

hier zitierten Leipziger Studie, in deren Gliederung es „Betriebe, Schule, Abbrecher“

heißt. Das Kapitel „Jugendliche“ ist einfach mit „Abbrecher“ überschrieben. Es wäre

schön, wenn man es aus der Welt bekäme, immer nur eine Seite als „die Abbrecher“

zu bezeichnen.

Vorsitzende:

Danke für diese Klarstellung. - Herr Spieß, bitte.

Herr Spieß (Industrie- und Handelskammer Potsdam):

Zu der Frage von Frau Lehmann bezüglich der Evaluierung der Berufswahlpässe und

ob sie erfolgreich angewandt würden: Eben gab es ein Statement vonseiten des

BIBBs - Sie freuen sich darüber, ich kann mich darüber nicht so freuen. Man sollte

natürlich evaluieren. Wir tun dies, indem wir mit den abgeordneten Lehrern, die im

Rahmen des „Netzwerks Zukunft“ an den Außenstellen aktiv sind, sprechen.


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Dort gibt es Lehrer, die aktiv im Unterrichtsgeschehen sind, die diese Berufswahlpässe

einsetzen. In zwölf weiteren Bundesländern werden die Berufswahlpässe eingesetzt,

und von dort gibt es Erfolgsmeldungen. Aber es wäre die Mühe wert, diese

Dinge genauer zu evaluieren. Aber das macht Arbeit, braucht Ressourcen. Ich kann

nur sagen: Wir brauchen, um in dieser Phase flächendeckend weiterzukommen, unser

„Netzwerk Zukunft. Schule und Wirtschaft für Brandenburg“ und natürlich personelle

Ressourcen. Es gibt lange Diskussionen, wie es dort weitergehen könnte. Das

kann nicht für das gesamte Land Brandenburg mit zweieinhalb Personalstellen geleistet

werden. Das ist illusorisch.

Des Weiteren brauchen wir mehr Kontinuität. Deshalb hatte ich ausgeführt, dass die

Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammern, Unternehmensverbände,

Ministerien gesagt haben: Wir haben Interesse, dieses ganze Feld nach vorn zu

bringen, brauchen aber mehr Kontinuität. Wir benötigen flächendeckend ab der

7. Klasse einen kontinuierlichen Prozess, um Berufsorientierung nach vorn zu bringen,

um dann eventuell evaluieren und dann sagen zu können: Wir haben Erfolg gehabt,

indem Jugendliche sich treffsicherer ihren Studienwunsch erfüllen oder treffsicherer

die duale Ausbildung beginnen.

Herr Zinke (bbw Bildungszentrum Frankfurt [Oder] GmbH):

Vielleicht vorab, weil Sie sagen, dass ein gewisser Anteil vermeidbar gewesen wäre:

Ich bin seit sieben Jahren ehrenamtlich als Schiedsmann im Amtsbereich Lebus tätig

und kann sagen: Sicher ist das ein Mittel, mit dem einiges - insbesondere in der ersten

Zeit - vermeidbar ist. Gerade in den ersten Tagen und Wochen in den Betrieben

sollte auf das geachtet werden, was in dem Jugendlichen vorgeht, wie das Verhältnis

zu den Kollegen und den zuständigen Ausbildern im Betrieb ist. Da ist viel möglich.

Um ein Beispiel dazu zu bringen und damit ein wenig Werbung für die Qualität in der

Ausbildung zu machen: Wir als gewerblich-technischer Bildungsträger machen nur

Ausbildung im Rahmen einer Verbundausbildung. Das bedeutet: Wir haben Kooperationsverträge

mit Betrieben. Der Betrieb gibt uns den Auftrag, dem Auszubildenden

bestimmte fachpraktische Dinge zu vermitteln. Dafür bezahlt der Betrieb. Diese Qualität

sichert eine Abbrecherquote bei diesen Verbundausbildungsverträgen von nicht

mehr als etwa 3 %. Da ist eine ganz andere Qualität, da findet eine ganz andere

Kommunikation statt, als wenn der Jugendliche sich nur im Internet über den Beruf

informieren kann. Da stößt man im Internet an Grenzen, denn man kann nicht riechen,

nicht schmecken, nicht ausprobieren, sondern sieht nur bunte Bilder. Ich denke,

man kann hier auch durch Mediation, indem man die beiden Seiten zusammenzubringt,

einiges geraderücken.

Kurz zur Qualität: Nicht nur in der Ausbildung, sondern auch in der Berufsorientierung

- hier wurden die ausbildungsbegleitenden Hilfen genannt - ist die Mentalität

„Geiz ist geil“ sehr verbreitet. Ich sage es knallhart: Die Ausschreibungen richten sich

immer nur auf den Billigsten und nicht nach der Qualität. Das tut wirklich weh. Es

wird einiges unternommen, es werden Mittel dafür eingesetzt, jedoch guckt man nicht

nach der Nachhaltigkeit, betrachtet nicht, ob das in dieser Weise Sinn macht oder ob


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da nicht ein Euro draufgelegt werden sollte, um es überhaupt zu machen, oder ob es

nicht lieber weggelassen werden sollte, wenn wir es in der Art und Weise machen.

Es ist ganz wichtig, dass hier verstärkt darauf geschaut wird, dass nachhaltig ist, was

da an Aktionen getätigt wird. Es ist nicht empfehlenswert, abzuhaken, nachdem die

Ausschreibung gelaufen ist und sich jemand gefunden hat, der die Ausbildung durchführt,

sondern es muss kontrolliert werden, wie es dann läuft.

Vorsitzende:

Danke. - Jetzt machen wir noch eine Runde, in der jede Fraktion einmal an der Reihe

ist. - Frau Nonnemacher.

Abgeordnete Nonnemacher (GRÜNE/B90):

Auch von mir herzlichen Dank für die sehr interessanten Ausführungen von allen Vortragenden.

Ich habe mehrere Fragen. Die ersten beiden richten sich an Frau

Dr. Uhly. Frau Dr. Uhly, Sie haben ausgeführt, dass die Lösungsquote bei mehr Angeboten

an Ausbildungsplätzen steigt. Das ist eigentlich selbsterklärend.

Aber die Frage ist doch die nach den deutlichen Unterschieden zwischen Ost- und

Westdeutschland. Wir haben gesehen, dass die durchschnittliche Lösungsquote in

den alten Bundesländern niedriger ist als in den ostdeutschen Bundesländern. Wir

haben in Brandenburg nicht mehr dieses schreckliche Ungleichgewicht zwischen Angebot

und Nachfrage bei den Ausbildungsplätzen. Aber wie erklärt sich die höhere

ostdeutsche Lösungsquote vor diesem Hintergrund?

Zweitens: Sie hatten gesagt, die Lösungsquote ist dort besonders hoch, wo die Arbeitslosigkeit

hoch ist. Das würde mit den Differenzen alte Bundesländer/neue Bundesländer

besser korrelieren, aber da hätte ich gerne noch einmal beantwortet, worin

sich das begründet. Das ist mir nicht klar geworden.

Die zweite Frage richtet sich an die beiden Vertreter der Kammern. Frau Zinke hatte

Schlichtungsausschüsse in den Kammern ins Gespräch gebracht, um bestimmte

vermeidbare Lösungen gleich dort zu bearbeiten. Dazu hätte ich von Ihnen beiden

gerne eine Stellungnahme, genauso zu dem Vorschlag zur Zertifizierung von Ausbildungsbetrieben,

den Herr Wagon und Herr Zinke ins Gespräch gebracht haben. Das

war bei Ihren Ausführungen bisher noch nicht vorgekommen.

Die dritte Frage richtet sich an Herrn Zinke. Mehrere Vortragende hatten darauf hingewiesen,

dass die Auszubildenden deutlich älter sind als in früheren Jahren - ich

glaube, Frau Zinke hatte gesagt, 19 Jahre im Durchschnitt bei Ausbildungsbeginn -

und dass wir es verstärkt mit Azubis zu tun haben, die schon junge Eltern sind, Alleinerziehende

und solche Geschichten. Was können wir da verbessern oder wo liegen

Defizite, um für solche besonders schwierigen Auszubildenden zum Beispiel

Teilzeitausbildungen anzubieten oder Unterstützung zu geben für junge Eltern oder


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für alleinerziehende junge Mütter, damit die ihre Ausbildung erfolgreich abschließen

können?

Abgeordneter Kretzschmar (DIE LINKE):

Ich hätte eigentlich eine ganze Menge Fragen. Ein paar wurden jetzt schon beantwortet.

Ich will mich auf einige spezielle Dinge beschränken. Herr Spieß, Sie hatten

besonders auf eine Verbesserung der Berufsorientierung in Schulen und im Allgemeinen

abgehoben. Da wäre meine konkrete Nachfrage, die sich an Herrn Wagon

richtet: Gibt es Erfahrungen, was diese Berufsorientierung mit dem späteren Erleben

eines Auszubildenden zu tun hat, wie viel Übereinstimmung es beispielsweise zwischen

einem Schülerpraktikum und dem späteren Erleben, das dann ein Auszubildender

hat, gibt? Nach meinen Erfahrungen gibt es da relativ wenige Gemeinsamkeiten.

Die Frage ist, ob es da irgendwelche Varianten gibt, mit denen das überprüft

wird, ob Sie da einmal genauer hingucken, Anforderungen speziell an Unternehmen

haben, die ein Schülerpraktikum anbieten.

Dann eine Frage an Frau Dr. Uhly. Mich überrascht ein bisschen, dass es keine geschlechtsspezifischen

Unterschiede bei den Lösungsquoten gibt. Lese ich das aus

den gesamten Zahlen richtig heraus? Ursprünglich hätte ich erwartet, dass gerade

bei Frauen eventuell eine höhere Lösungsquote durch Schwangerschaften etc. besteht.

(Zurufe)

- Ja. Das ist eine Nachfrage. Gibt es in diesem Bereich gute Möglichkeiten, dass man

beispielsweise nach einer Schwangerschaft wieder in ein bestehendes Ausbildungsverhältnis

einsteigen kann, oder gibt es vielleicht Anschlussverträge? Es würde mich

interessieren, ob es da spezielle Auffangmöglichkeiten gibt. Das waren die beiden

Fragen, die mir besonders wichtig sind.

Vorsitzende:

Danke. Die Unruhe gab es jetzt, glaube ich, aufgrund eines kleinen Missverständnisses.

- Herr Baer, bitte.

Abgeordneter Baer (SPD):

Meine erste Frage, die ich hatte, hat Frau Nonnemacher schon formuliert. Die ging

auch an Frau Dr. Uhly in Sachen Arbeitslosigkeit und die Verbindung damit. Dazu

hätte ich gerne noch etwas gehört. Aber übrig ist bei mir noch eine Frage geblieben,

die ich an Frau Wettley richte. Von mehreren der hier Vortragenden ist das Problem

der Mehrfachbewerbungen angesprochen worden, was scheinbar in vielen Betrieben

ein Problem darstellt. Habe ich Sie richtig verstanden, Frau Wettley, dass der

DEHOGA hier in Potsdam ein System des Datenaustauschs von Bewerberdaten betreibt?


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(Frau Wettley [DEHOGA]: Nein! - Herr Rath [UVB]: Nein!)

Vorsitzende:

Danke. Das lässt sich sicherlich nachher schnell klären. - Frau Schulz-Höpfner, bitte.

Abgeordnete Schulz-Höpfner (CDU):

Ich habe eine Frage zum Bereich der Berufsschulen an Herrn Pehle. Es ist ja so,

dass man - es gab Presseberichte dazu - aufgrund der demografischen Entwicklung

in bestimmten Bereichen nicht mehr genug Auszubildende für die Berufsschulklassen

hat. Mich interessiert: Welche Probleme, Auswirkungen und Notwendigkeiten sehen

Sie im Zuge dieser Entwicklung? Denn es wird zu einer Konzentration kommen. Wir

hatten vorhin gehört, dass es durchaus Probleme für die Auszubildenden gibt, was

Fahrtkosten und derartige Dinge betrifft. Da wird eine höhere Flexibilität bei den Auszubildenden

vorausgesetzt. Das darf man nicht vergessen.

Die zweite Frage richtet sich an Herrn Wagon. Es gab in der Vergangenheit Abgrenzungsprobleme

zwischen insbesondere Optionskommunen und den Regionaldirektionen,

wenn es um das Thema Ausbildung ging. Sind diese Probleme behoben, oder

gibt es da Lösungsansätze? Ich denke, ein Teil des Problems wird sich im Zuge der

demografischen Entwicklung vielleicht sowieso auflösen. Aber es wird sich nicht in

Gänze auflösen lassen. Wie ist die Situation an dieser Stelle im Moment?

Vorsitzende:

Danke. - Wir kommen zur Antwortrunde. Ich schlage gleich einmal die Reihenfolge

vor, damit es schneller geht: Frau Dr. Uhly, Herr Spieß, Frau Gatzky, Herr Zinke,

Herr Wagon, Frau Wettley und Herr Pehle.

Frau Dr. Uhly (BIBB - Bundesinstitut für Berufsbildung):

Die erste Frage war die nach dem Unterschied zwischen Ost und West und dem Zusammenhang

mit der Arbeitslosenquote. Einschränkend muss ich sagen: Aus den

vorliegenden Daten kann man keine exakte Ursachenanalyse betreiben. Die Befragungsdaten

würde ich nicht eins zu eins übernehmen, weil viele wechselseitige

Schuldzuschreibungen sind. Was die Berufsbildungsstatistik angeht, habe ich für die

Anfängerkohorte 2008 einen Datensatz, wo ich Verträge, die gelöst werden und nicht

gelöst werden, unterscheiden kann. Daran mangelt es vielen Studien, um wirklich die

Ursachen zu analysieren. Mit der Berufsbildungsstatistik kann ich das dank der Umstellung

auf Individualdaten machen. Die Anfängerkohorte 2008 ist die erste, da habe

ich Daten, wo ich viel abdecken kann an Zeiträumen, in denen Vertragslösungen geschehen

sind. All die Variablen, die in dieser Statistik enthalten sind - liegen die Un-


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terschiede Ost/West oder Brandenburg zum Rest in den Berufen, in der Vorbildung

der Auszubildenden, Handwerk, Industrie und Handel, Stärke? - habe ich kontrolliert.

Der Ländereffekt bleibt. Dann war mir aufgefallen: Ich kann zur Berufsbildungsstatistik

die Arbeitslosenquoten dazuspielen, weil ich mittlerweile den Arbeitsagenturbezirk

habe. Ich habe die Arbeitslosenquote von 2009 zu diesem Datensatz der Anfängerkohorte

2008 zugespielt und gesehen, dass dann der Ländereffekt Brandenburg verschwunden

war, er war nicht mehr signifikant. Ich will nicht sagen, dass die Arbeitslosigkeit

an sich einen Effekt auf das Vertragslösungsgeschehen hat, aber als Indikator

für die wirtschaftliche Lage. Ich habe leider keine Daten zu den Betriebsschließungen

und Vertragslösungen gefunden. Bundesweit gehen 12 % der Vertragslösungen

auf Betriebsschließungen zurück. Ich habe leider aus dem Bundesdatensatz

keine Kenntnisse, wie das in den einzelnen Ländern aussieht, ob die wirtschaftliche

Stabilität ein Effekt sein kann. Es könnte aber in Kleinbetrieben der Kostendruck

sein. Darüber müssen wir reden. Ich habe die Betriebsgröße leider nicht in der Statistik,

aber aus verschiedenen Studien und anderen Analysen wissen wir, dass in

Kleinbetrieben das Vertragslösungsrisiko wesentlich höher ausfällt. Da braucht man

nicht Schelte auf Kleinbetriebe zu betreiben, sondern man muss die Bedingungen

anschauen. Ich denke, in vielen Dienstleistungsbereichen ist der Kostendruck hoch,

es ist wenig Personal da. Man muss sich vielleicht einmal genauer anschauen, wie

man unter bestimmten Bedingungen stabile Ausbildungsverhältnisse schaffen kann.

Wir behandeln immer das duale System, also ein monolithisches System, aber wir

haben vor Ort sehr unterschiedliche Bedingungen. Ob das Ost-West-Unterschiede

erklären kann, weiß ich nicht; dafür reichen meine Daten nicht. Ich erhoffe mir Rückkopplung

von denen, die tiefere regionale Kenntnisse haben.

Zur Arbeitslosenquote: Auch sie beeinflusst als Indikator für Stabilität - wie die wirtschaftlichen

Rahmenbedingungen überhaupt - das Vertragslösungsgeschehen.

Zu geschlechterspezifischen Vertragslösungsquoten: Bundesweit ist im Durchschnitt

kein großer Unterschied erkennbar, wohl aber in einzelnen Berufen. Ich entwickle

gerade ein Modell, mit dem wir Berufseffekte prüfen werden. Mir ist aufgefallen, dass

Frauen in Männerberufen eine höhere Vertragslösungsquote aufweisen - wenn wir

als Männerberufe solche bezeichnen, wo Männer unter den Auszubildenden dominieren.

Bei männlichen Auszubildenden wiederum ist die Vertragslösungsquote in

von Frauen dominierten Berufen höher. Auf keinen Fall sollte man Jugendlichen davon

abraten, vom anderen Geschlecht dominierte Berufe zu erlernen.

Es ist schwer, aus der Statistik Ursachen geschlechterspezifischer Unterschiede in

einzelnen Berufen und Lösungsstrategien abzuleiten, da wir bei Vertragslösungen

nicht zwischen diesen Abbrüchen und Berufs- oder Betriebswechseln differenzieren

können. Eine Studie auf Basis der BIBB-Übergangsstudie hat höhere Anteile bei

Frauen ergeben; untersucht wurde, wie viele Ausbildungen innerhalb der ersten 36

Monate ohne Abschluss beendet wurden. Auch bei einer Befragung von Jugendlichen

zu Übergängen konnte man auswerten, wie viele Ausbildungen ohne Abschluss

beendet werden: insgesamt 12 %. Vertragslösungen sind nicht darunter gerechnet;

deshalb ist die Quote da niedriger: Manche wechseln den Vertrag, beenden die Ausbildung

aber mit Abschluss.


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Davon wechseln allerdings auch viele wieder in irgendeine Art von Ausbildung hinein;

ich glaube, ungefähr 30 bis 50 % ins duale System. Ich habe die Zahl nicht genau

im Kopf, ich habe die Studie nicht gemacht.

Sie haben nach Möglichkeiten für Frauen gefragt, die eine Ausbildung unterbrechen.

Mir fehlt die Datengrundlage, um das einschätzen zu können. Was aber auffällt - das

gilt nicht nur für Brandenburg -, sind die verschwindend geringen Datenmeldungen

bei der Teilzeitberufsausbildung. Um Meldefehler auszuschließen, haben wir immer

betont, dass Teilzeitberufsausbildungen gemeldet werden sollen. Das wird offensichtlich

in der Praxis kaum umgesetzt. Ich glaube, in Brandenburg wurden mir für 2011

nur neun Verträge für Teilzeitberufsausbildungen gemeldet - das kann man also gar

nicht zählen. Sicher muss man generell - nicht nur für Frauen - überlegen, wie man

Flexibilität erreicht. Auch für männliche Auszubildende mit Kindern kann das attraktiv

sein. Das scheint noch nicht zu funktionieren.

Herr Spieß (Industrie- und Handelskammer Potsdam):

Die Industrie- und Handelskammern haben Schlichtungsausschüsse. Das ist eine

vorgerichtliche Einrichtung unter Aufsicht des Berufsbildungsausschusses. Wir versuchen

dort, im Vorfeld Probleme zu lösen. Die Qualität in der Ausbildung spielt eine

Rolle, und man kann die Schlichtungsausschüsse nicht losgelöst von den Berufsbildungsausschüssen

betrachten. Dort sind ebenfalls paritätische Besetzungen vorgeschrieben.

Wir sind im Austausch; wir diskutieren Defizite, die in Unternehmen vorkommen,

aber auch Mängel in der Bildungs- oder Ausbildungsreife bei Jugendlichen.

Wenn es bei der dualen Ausbildung zu Konflikten kommt und der Ausbildungsberater

nicht mehr helfen kann, wird der Schlichtungsausschuss aktiv. Das geht deutlich zurück,

sicherlich aufgrund der demografischen Entwicklung.

Bei uns wird es sehr schnell praktisch. Wenn Werkzeug geklaut oder - im Hotel- und

Gaststättengewerbe - ein tiefgekühlter Rehrücken, wird der Schlichtungsausschuss

aktiv. Da helfen Analysen wenig, sondern da menschelt es; da wird Ausbildung

schnell bunt und man ist im wahren Leben.

Die Zertifizierung von Ausbildungsbetrieben ist in einzelnen Branchen sicher ein

Thema. Wir haben die fachliche Ausbildungseignung nach der Ausbilder-

Eignungsverordnung und dem Berufsbildungsgesetz festzustellen, den Ausbildungsort

zu prüfen, die Ausbildungsrahmenpläne zu betrachten - all diese Dinge passieren.

Aber - das ist positiv- es gibt auch den Brandenburgischen Ausbildungskonsens. Wir

- Herr Minister Baaske ist dabei - zeigen Jugendlichen gerne vor Ort in den Unternehmen,

wie gut die duale Ausbildung sein kann. Das ist fast wie Berufsorientierung

über die Medien; wir suchen uns unterschiedliche Branchen aus, um die Vielfalt der

dualen Ausbildung abzudecken. Wir danken es den Unternehmen mit Titeln wie „anerkannter

Ausbildungsbetrieb“.

Herr Kretzschmar, zum Thema Berufsorientierung: Ich hatte Flyer ausgelegt; wir haben

gut dokumentiert, welche Kategorien wir im Rahmen des Netzwerkes anbieten.

Man denkt immer: Man muss den Jugendlichen nehmen und dann bekommen wir


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das schon hin. Aber Berufsorientierung ist vielschichtig und wir fangen damit an,

dass wir die Lehrer über die Berufe informieren. Deshalb gibt es zum Beispiel in diesem

Netzwerk eine Kategorie Berufsorientierungstournee: Wir versuchen die Lehrer

dafür zu begeistern, sich bestimmte Berufe vor Ort im Unternehmen anzuschauen.

Auf der folgenden Berufsorientierungstournee „Junior“ nimmt der Lehrer die Schüler

mit und erklärt, was in diesem oder jenem Unternehmen passiert. Dasselbe machen

wir im Rahmen der Schüler-Ingenieur-Akademien.

Berufsorientierung ist eines der Kernfelder, wenn es darum geht, Jugendliche zu begeistern;

sie steigert die Treffsicherheit bei der Wahl des richtigen Berufs. Praktika

sind wichtig. Im Rahmen des vom Land mit initiierten Projektes „Externes Ausbildungsmanagement

EXAM“ - dafür dem Ministerium herzlichen Dank - wurde ein Berufsorientierungsportal

eingerichtet, und wir haben alle Unternehmen, die die Ausbildungseignung

haben, motiviert, Praktika anzubieten, damit die Jugendlichen sehen,

wie eine Ausbildung aussehen könnte. Ich hoffe immer, dass die Praktika die Betriebsrealität

abbilden. Es wäre fatal, wenn jemand in der Gastronomie den ganzen

Tag nur Teller wäscht. Ich weiß, dass sich die Unternehmen viel Mühe geben, denn

wenn sie in Lehrstellenbörsen Praktika anbieten, ist der ernsthafte Wille da, einen

Jugendlichen auszubilden: Man will ihm nicht zeigen, wie unattraktiv, sondern wie

attraktiv der Beruf ist. Wenn andererseits jemand während eines Praktikums feststellt,

dass er sich den Beruf anders vorgestellt hat, dann haben wir etwas erreicht:

Ein Abbruch wird verhindert, er geht woanders hin.

Ab der siebten Klasse hat man mehrere Schuljahre die Möglichkeit - wir hoffen, im

Austausch mit der Familie -, den richtigen Beruf zu wählen. Dabei hilft den Jugendlichen

der Berufswahlpass.

Frau Gatzky (Handwerkskammer Potsdam):

Der Gesetzgeber erlaubt Handwerkskammern leider nicht die Errichtung von Schlichtungsausschüssen;

das dürfen nur Innungen. Es gibt zwar eine Verordnung oder

Richtlinie dafür, aber wir haben zurzeit keine Innung, die einen Schlichtungsausschuss

hat. Das hängt sicher mit der Leistungsfähigkeit der Innung zusammen. Aus

diesem Grund müssen wir andere Wege gehen. Das ist für uns zum einen der Senior

Experten Service, zum anderen arbeiten wir eng mit Lehrlingswarten zusammen.

Aber das ist nicht das geschlossene Verfahren, das das Berufsbildungsgesetz (BBiG)

den Industrie- und Handelskammern ermöglicht.

Zur Zertifizierung von Ausbildungsbetrieben: Wir haben kein spezielles Zertifizierungsverfahren.

Bei uns wird jeder Betrieb begutachtet, wenn er neu ausbildet. Dann

werden die persönliche und die fachliche Eignung des Ausbilders sowie die Eignung

der Ausbildungsstätte geprüft. Ähnlich wie im IHK-Bereich zeichnen wir - in der Regel

im Dezember jedes Jahres - besonders gute Betriebe im Rahmen des Leistungswettbewerbs

des Handwerks aus. Ich verweise auf den stark beworbenen Brandenburgischen

Ausbildungspreis für Betriebe, die sich besonders intensiv in der Ausbildung

engagieren.


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Obwohl das nicht zu der Frage gehört, noch eine Ergänzung zu den Schwangerschaften:

Im Handwerk führen Schwangerschaften in 90 bis 95 % der Fälle nicht zur

Aufhebung eines Ausbildungsvertrages, sondern der Vertrag wird - mit Unterbrechung

- fortgesetzt. Unter Umständen wird die Möglichkeit der Teilzeitausbildung genutzt.

Da wir festgestellt haben, dass es so wenige Teilzeitausbildungsverhältnisse gibt, ist

auf Folgendes hinzuweisen: Das wird uns in der Regel gar nicht gemeldet. Man versucht,

gemeinsam mit der Berufsschule bestimmte Wege zu finden.

Vorsitzende:

Vielen Dank für die kurzen Ausführungen. - Ich bitte jetzt Herrn Zinke, das Wort zu

ergreifen.

Herr Zinke (bbw Bildungszentrum Frankfurt [Oder] GmbH):

Die Frage der Zertifizierung der Ausbildung im Hinblick auf die Qualität ist schon gestellt

worden. Das muss man branchenspezifisch sehen. Ich vertrete hauptsächlich

den Bereich Metall und Elektro, der durchaus „stoffintensiv“ ist. Wir sind der Meinung,

dass die Auszubildenden mit bestimmten fachpraktischen Themen auf einem gewissen

Qualitätsniveau vertraut gemacht werden müssen. Wenn das Bildungszentrum

entsprechend zertifiziert ist, sollten vom Auszubildenden dort bestimmte Stunden

absolviert werden, damit tatsächlich die Qualität der Ausbildung gesichert wird und

nicht eine rein prüfungsorientierte Ausbildung stattfindet. Der Auszubildende sollte

nicht nur auf die Prüfung „geeicht“ werden nach dem Motto: „Da musst du durch.

Wenn du das fertig hast, dann funktioniert das schon.“ Das ist der Hintergrund meines

Ansatzes gewesen.

Nächstes Thema: Wie können junge Mütter besser qualifiziert werden? Darüber wird

bei uns im bbw intensiv diskutiert. Wir wollen für verschiedene Berufe eine modularisierte

Ausbildung mit dem Ziel von Teilqualifikationsabschlüssen anbieten. Wir sprechen

gerade mit den Arbeitsagenturen darüber, wie wir insoweit vorankommen können.

Das geht sogar so weit, dass man in manchen Bereichen gar nicht unbedingt

einen kompletten Beruf benötigt. Man muss aber aufpassen, weil die Gefahr mitschwingt,

dass Betriebe dazu neigen, nur noch auf Teilqualifizierungen zu setzen, da

das vielleicht günstiger ist und schneller geht. Das ist ein großes Thema, das vorangebracht

wird. Jeder einzelne Abschluss ist von der IHK anerkannt und bietet die

Möglichkeit - wenn man alle Einzelabschlüsse hat -, sich zur Prüfung anzumelden.

Vorsitzende:

Herr Zinke, ich habe Sie nicht so verstanden, dass Sie mehr Leute wollen, die keinen

Berufsabschluss haben.


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Herr Zinke (bbw Bildungszentrum Frankfurt [Oder] GmbH):

Ich sage nur: Man muss darauf achten, es so auf den Weg zu bringen, dass man

nicht in diese Richtung abrutscht.

Vorsitzende:

Okay. Das wäre sonst bei mir falsch angekommen. - Wir setzen fort mit Herrn Wagon

und Frau Wettley, die die Fragen bestimmt schnell beantworten können.

Herr Wagon (Bundesagentur für Arbeit):

Ich möchte zunächst noch einmal auf die Frage von Herrn Kretzschmar eingehen.

Natürlich muss ein Praktikum im Betrieb vernünftig vorbereitet sein; ein junger

Mensch kann dort nicht einfach hineinrauschen. Im Übrigen gibt es dazu eine detaillierte

Checkliste - diese können wir Ihnen gern zusenden -, die nicht nur für die jungen

Menschen, sondern auch für die Betriebe und die Schulen gilt. Es beginnt mit

der Vorbereitungsmaßnahme Praktikum. Man kann dort nicht einfach anfangen, sondern

es müssen für den Betrieb bestimmte Themen geklärt sein. Die Durchführungsphase

muss mit einzelnen Checkpunkten vernünftig nachgehalten werden; eine

Nacharbeitsphase schließt sich an. Die Checkliste, die es, wie gesagt, nicht nur für

die jungen Menschen, die ein Praktikum beginnen, sondern auch für die Betriebe und

die Schulen gibt, ist ein Produkt, das gemeinsam von Schule, Wirtschaft und Bundesagentur

entwickelt worden ist. Daran wird deutlich, dass für die jungen Menschen

Praxisphasen von besonderer Bedeutung sind.

Zum nächsten Punkt - Ausbildungsvermittlung - ein allgemeiner Hinweis: Wir haben

in Brandenburg zugelassene kommunale Träger in der Grundsicherung. Berufsberatung

und Berufsorientierung bieten wir kraft Gesetzes - SGB III - in all diesen Regionen

selbstverständlich mit den Agenturen an.

Jetzt zu der konkreten Frage nach der Ausbildungsvermittlung: Diese muss von zugelassenen

kommunalen Trägern beauftragt werden. Die Agentur bekommt einen

Auftrag und ein Entgelt für die Dienstleistung. Dieser Auftrag ist bisher nur in Potsdam-Mittelmark

erteilt worden. Herr Minister Baaske hatte sich schon im Vorfeld besonders

dafür eingesetzt, dass diese Verzahnung gut läuft, und bereits dafür geworben,

dass das in den anderen Landkreisen geschieht. Sie sollten sich nach Abschluss

des Prozesses - im September oder Oktober - die Daten der zugelassenen

kommunalen Trägerstrukturen ansehen. Denn eine Ausbildung endet nicht an der

Landkreisgrenze, sondern wir verzeichnen eine hohe interregionale Mobilität der jungen

Menschen. Der Landkreis ist viel zu eng aufgestellt, wenn Prozesse in andere

Regionen hineingehen, wenn notwendig, sogar über Bundesländergrenzen hinaus.

Wir haben schon gehört: Aufgrund der unterschiedlichen Tarifstrukturen haben unsere

jungen Leute häufig Interesse daran, in Berlin zu arbeiten; denn dort erzielen sie in

der Regel höhere Einkommen.


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Last, not least kann ich Ihnen eine Sorge nehmen: Ich kenne keinen einzigen Fall, in

dem wir nach einer Betriebsschließung, etwa wegen Insolvenz, Auszubildende mit

Hilfe der Kammern oder der Unternehmensverbände nicht in anderen Betrieben hätten

unterbringen können. Das ist bisher immer gelungen. In der Praxis steht kein junger

Mensch auf der Straße - das ist nur eine theoretische Möglichkeit -, wenn sein

Betrieb in die Insolvenz geht. Ich erwarte weiterhin diese gute Zusammenarbeit, damit

uns das auch künftig gelingt. Gerade in der schwierigen Phase im Solarbereich

ist es wichtig, dass uns die Unternehmensverbände und die Kammern dabei unterstützen,

junge Leute in der Ausbildung zu halten.

Vorsitzende:

Frau Zinke möchte zu diesen Ausführungen eine Anmerkung machen.

Frau Zinke (Deutscher Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg):

Ich möchte das, was Herr Wagon gesagt hat, aus der Sicht der Auszubildenden unterstreichen.

Er hat sich sehr zurückhaltend ausgedrückt; mir ist es erlaubt, mich ein

bisschen deutlicher auszudrücken.

Im Moment haben wir die Situation, dass beispielsweise Kinder von Hartz-IV-

Empfängern - ich spreche jetzt so vulgär, wie man auf der Straße spricht - nicht normal

in die Berufsberatung hineinkommen. Die Berufsberatung ist ein Angebot der

Arbeitsagentur; das muss von den Job-Centern eingekauft werden.

Wir haben in Brandenburg ein Problem mit der kommunalen Trägerschaft und würden

es nicht ungern sehen, wenn die Trägerschaft bis zu einem gewissen Grad rückübertragen

würde. Aber das ist nur ein ganz dezenter Hinweis. Es ist für ein Job-

Center immer schwierig, wenn es eine Leistung einkaufen muss, und das macht es

dann für die jungen Leute schwierig.

Vorsitzende:

Danke für den Hinweis. - Frau Wettley, bitte.

Frau Wettley (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband Brandenburg e. V.):

Herr Baer, es ist nicht so, dass wir einen Datenaustausch haben. Aber es gab dieses

Jahr ein Ereignis, über das wir uns sehr gefreut haben. Wir holten am 5. August

2013- zufällig kam Herr Baaske über den Platz - alle Azubis der Potsdamer Hotels an

das Brandenburger Tor, um sie zusammen zu fotografieren. Dabei waren alle Direktoren

der Häuser. Wir stellten dann fest, dass wir viele kannten; sie hatten sich bei

verschiedenen Hotels beworben. Face to face sind sie uns alle wiederbegegnet. Wir

haben diese Aktion ins Leben gerufen, weil wir nach drei Jahren das gleiche Foto


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machen wollen, um festzustellen, wie viele wir dann noch haben. Es ist durchaus

eine Motivation für die Jugendlichen, sich dort hinzustellen und zu sagen: Ja, wir sind

diejenigen!

Von den Fußgängern, die vorbeigegangen sind, haben wir übrigens viel Zuspruch

erhalten.

Aber unsere Aktion ging eigentlich mehr in die Richtung, zu sehen, wie viele dieser

Jugendlichen wir nach drei Jahren noch haben, und uns selbst auf die Fahne zu

schreiben: Wir wollen sie alle bis zum Ende der Ausbildung bei uns haben. Das war

der Grund. Es ist nicht so, dass wir die Daten austauschen.

Herr Pehle (LLBS - Landesverband der Lehrer an berufsbildenden Schulen

Brandenburg):

Es wurde nachgefragt, ob Ausbildungsabbrüche auch mit der Konzentration von Berufsschulen

oder Oberstufenzentren zu tun haben. Sie wissen, im Land Brandenburg

kommt es zu einer weiteren Konzentration an Oberstufenzentren für bestimmte Berufe.

Das ist eine Folge des demografischen Wandels. Die Frage ist, wie weit man das

Thema befördert. Das Oberstufenzentrum ist ein Dienstleister für die theoretische

Ausbildung. Die Frage ist: Wie kann man das umsetzen? Wenn man sich die Verteilung

der Berufe in den verschiedenen Landkreisen ansieht, dann ist es schon beinah

zwingend zu sagen: Wir müssen schauen, wie wir bestimmte Berufe konzentrieren.

Wenn in einem Landkreis nur drei Maler und in dem anderen Landkreis nur vier Maler

auszubilden sind, dann ist es ganz natürlich, dass die Schulen und das Ministerium

einen Weg suchen, wie man die noch fachgerecht beschulen kann.

Es funktioniert zum Teil, wenn man an Landesfachklassen mit einer höheren Qualifikation

im Ausgangsamt denkt. Diese Auszubildenden sind auf das Problem schon

eingestellt. Bei etwas geringer Qualifizierten und bei geringer Bezahlten kann es zu

Abbrüchen führen. Wir müssen uns Gedanken machen, wie man das umsetzen

kann. Spontan fällt mir ein, an Oberstufenzentren könnte man - wenn es so weit ist,

das müssen dann die Landkreise übernehmen - beispielsweise Wohnheime bereithalten

oder Fahrtkostenzuschüsse zahlen. Jetzt denke ich nicht an das Land, sondern

an die Betriebe; denn der Betrieb will ja seine Auszubildenden halten, die sollen

ja wieder zurückkommen. Das wäre vielleicht noch eine Anregung.

Wenn eine betriebsnahe Beschulung gewünscht wird, muss man Ressourcen bereitstellen.

Das Land muss überlegen: Will ich das? Dann muss man wiederum sagen:

Geben Sie dem MBJS die entsprechende Ausstattung, die dann bei den Oberstufenzentren

ankommt. Wir können dann bestimmte Ressourcen zur Verfügung stellen.

Dies sind nur einige Punkte, um bestimmte Verbesserungen zu erreichen. Aber wir

sind sicherlich weiter im Gespräch und schauen, dass - mit den Strukturreformen, die

angesagt sind - Lösungen gefunden werden.


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Vorsitzende:

Danke, Herr Pehle. - Der Minister hat um das Wort gebeten. Ich glaube, er war auch

auf dem Foto des DEHOGA, wie das hier gerade klang.

Minister Baaske:

Ich kam wirklich nur zufällig des Weges und wurde dann dazu gebeten. Es war übrigens,

Frau Wettley, eine gute Gelegenheit, einmal zu versuchen, das, was der Datenschutz

uns verbietet, auf diese Art und Weise hinzubekommen. Ich kann mich gut

erinnern: Als ich vor 23 Jahren im Landratsamt angefangen habe, war das so, dass

wir in der Schulbehörde ganz genau wussten, wo die Schulabgänger der Vorjahre

geblieben sind, weil die Berufsschulen und die Ausbildungsbetriebe melden mussten,

ob die Kids noch da sind oder nicht. Das fehlt uns heute leider. Ich habe immer wieder

vernommen: Die Daten sind nicht da; wir wissen dies nicht, wir wissen jenes

nicht. Es war ja vielfach heute ein Schulterzucken an diesem Tisch.

Gleichwohl ist uns allen klar: Wenn fast ein Drittel der Jugendlichen die Ausbildung

abbricht - das ist eine Sache, die noch gar nicht angesprochen wurde -, kann man

das statistisch vielleicht nicht immer erfassen. Sie haben gesagt, wenn sich die Jugendlichen

auf drei Ausbildungsstellen bewerben, dann ist das für Sie nachher nur

ein Vertrag. Am Ende sind es aber zwei, für die der Ausbildungsbetrieb keinen Azubi

genommen hat. Wenn er nach einem halben oder einem Jahr geht, ist das eine verlorene

Ausbildungsstelle, weil sie nicht nachbesetzt werden kann. Das ist ein Punkt,

der nicht außer Acht gelassen werden darf, weil uns damit wirklich gute Ausbildungsplätze

verloren gehen von Betrieben, die offensichtlich ausbilden wollen. Darum ist

jeder, der von Anfang an oder auf dem Weg die Ausbildung abbricht, ein Verlust im

ganzen System. Darum müssen wir alles Mögliche tun, um das zu verhindern. In Zukunft

müssen wir, glaube ich, allesamt ein Stück weit besser werden.

Amazon hat in der vergangenen Woche Schlagzeilen gemacht, auch Zalando, die

sitzen ja mit einer großen Firma gleich hier um die Ecke, weil die gesagt haben: Wir

sehen uns jetzt einmal ein paar Kunden an, die bei uns ständig reklamieren. Ich gebe

zu: Ich kaufe Schuhe nicht im Internet. Sich einen Job im Internet zu suchen halte ich

für ziemlich verwegen.

Deshalb müssen wir bei der Berufsorientierung besser werden. Ich kann Ihnen in

diesem Lande Schulen zeigen, die seit Jahren nicht einen einzigen Schüler auf dem

Weg zur zehnten Klasse verloren haben, zum Beispiel die Oberschule in Angermünde

oder die in Kirchmöser. Seit Jahren ist dort dank der Berufsorientierung nicht ein

einziger Schüler ohne Abschluss und Ausbildungsvertrag von der Schule abgegangen.

Schon in der siebten Klasse geht es um die Frage: Metall, Holz, Maschine - was

mache ich? In der neunten Klasse wissen sie dann nicht nur die Branche, sondern in

der Regel auch, welcher Betrieb sie ausbilden wird. Wenn dort die Chemie nicht

stimmt, sucht man innerhalb der Branche nach einem anderen Betrieb. Auf diese

Weise muss man nicht unterwegs überlegen, was man anders machen könnte.


Landtag Brandenburg P-AASFF 5/42-1 S. 46

Ausschuss für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie 21.08.2013

42. (öffentliche Sitzung) Stenogr. Dienst/ri-wz

Mit einer besseren Berufsorientierung - wie diese Schulen sie vormachen - kämen

wir wesentlich besser voran.

Dass nicht jeder Ausbilder der beste Pädagoge ist, haben wir heute mehrfach gehört,

und jeder von uns kennt Beispiele. Da gilt es sicherlich, einiges besser zu machen.

Es gibt die verschiedensten Qualifizierungsmaßnahmen - von den Kammern, von

den Verbänden, von uns. Man sollte sie nutzen, um die Qualität der Ausbildung zu

verbessern.

Ein Letztes, Herr Wagon: Wir haben den „Zukunftstag“ nicht umsonst so bezeichnet.

Ich hätte das nicht gesagt, wenn ich zu diesem Thema nicht von meinen eigenen

Abgeordneten Beifall gehört hätte. Wir haben ein Problem damit, Mädchen für MINT-

Berufe zu begeistern, aber genau so sehr damit, Jungs in die Kita oder in die Pflege

zu kriegen. Deswegen wollten wir einen Tag für Jungs und für Mädchen, wie es auch

seit drei Jahren der Bund macht. Damit nicht der Anschein erweckt wird, das sei ein

allgemeiner Berufsorientierungstag, möchte ich Ihnen aus dem Flyer vorlesen:

„Auch in diesem Jahr bietet euch der Zukunftstag eine tolle Möglichkeit, einen

ganz anderen Blickwinkel auf die Arbeitswelt zu bekommen. Mädchen sind

eingeladen, sich ein Bild von der typisch männlichen Berufswelt zu machen,

Jungen dürfen sich in typisch weiblichen Berufen ausprobieren.“

Wenn es dann immer noch klassenweise Jungen in die Autowerkstatt zieht, müssen

wir gucken, ob wir die Vorbereitung des Berufsorientierungs- oder Zukunftstags in

den Schulen verbessern können. Aber wir können nicht generell sagen, dass Mädchen

mehr MINT machen müssen, wenn wir auch Jungs in - derzeit noch - typisch

weiblichen Berufen brauchen.

Schönen Dank allen, die heute mitgewirkt haben. Ich denke, wir gehen mit einer

Menge Erfahrung aus dieser Runde heraus.

Vorsitzende:

Auch ich danke all unseren Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern. Das

Protokoll der heutigen Beratung bekommen Sie zugesendet, sobald es in der nächsten

Ausschusssitzung bestätigt wurde. Wir machen nun eine kurze Pause.

(Dieses Protokoll wurde durch Beschluss des Ausschusses gemäß § 83 Satz 3 GOLT in der 43. Sitzung

am 18. September 2013 bestätigt.)


Landtag Brandenburg P-AASFF 5/42-1 S. 47

Ausschuss für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie 21.08.2013

42. (öffentliche Sitzung) Stenogr. Dienst/ri-wz

Anlagen

Anlage 1:

Anlage 2:

Anlage 3:

Anlage 4:

Anlage 5:

Anlage 6:

Anlage 7:

Anlage 8:

Anlage 9:

Anlage 10:

Anlage 11:

Liste der Gesprächsteilnehmer zum Fachgespräch

Fragenkatalog zum Fachgespräch

Stellungnahme und PowerPoint-Präsentation des Bundesinstitutes für

Berufsbildung

Stellungnahme der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Berlin-

Brandenburg

Stellungnahme der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin

und Brandenburg e. V. (UVB)

PowerPoint-Präsentation des Deutschen Gewerkschaftsbundes

Flyer der Industrie- und Handelskammer Potsdam

Stellungnahme des Handwerkskammertages des Landes Brandenburg

PowerPoint-Präsentation des bbw Bildungszentrums Frankfurt (Oder)

GmbH

Stellungnahme des Landesverbandes der Lehrer an berufsbildenden

Schulen Brandenburg (LLBS)

Schriftliche Vorabinformation des Ministeriums für Arbeit, Soziales,

Frauen und Familie zu Lösungsquoten


Anlage -4

Landtag Brandenburg 19.08.2013

AUSSCHUSS FÜR ARBEIT, SOZIALES, FRAUEN UND FAMILIE

Fachgespräch im Ausschuss für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie

„Lösung von Ausbildungsverhältnissen von Jugendlichen"

Mittwoch, 21. August 2013, Landtag Brandenburg

Teilnehmer:

Dr. Alexandra Uhly

Dieter Wagon

Cornelia Schwarz

BIBB - Bundesinstitut für Berufsbildung

Bundesagentur für Arbeit

Regionaldirektion Berlin-Brandenburg

3. Ralf-Michael Rath UVB - Vereinigung der

Unternehmensverbände

in Berlin und Brandenburg e. V.

4. Doro Zinke Deutscher Gewerkschaftsbund

Bezirk Berlin-Brandenburg

5, Wolfgang Spieß Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der

Industrie- und Handelskammern in

Brandenburg

6. Eva-Maria Gatzky Handwerkskammertag des Landes

Brandenburg

7 Henry Zinke bbw Bildungszentrum Frankfurt (Oder)

GmbH

8. Thomas Pehle LLBS - Landesverband der Lehrer an

berufsbildenden Schulen Brandenburg

9. Gond ra VVettley Deutscher Hotel- und Gaststättenverband

Brandenburg e. V.


Anlage

Landtag Brandenburg Stand: 27.05.2013

AUSSCHUSS FÜR ARBEIT, SOZIALES, FRAUEN UND FAMILIE

Fachgespräch im Ausschuss für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie

„Lösung von Ausbildungsverhältnissen von Jugendlichen"

Mittwoch, 21. August 2013, Landtag Brandenburg

Lfd.

Nr.

Einreichende

Fraktion

Vorbemerkung:

Fra enkatalo

Fragen

Bitte, wenn möglich, um Differenzierung bei den unterschiedlichen

Formen der vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen, d. h.

Ausbildungsabbrüchen, Ausbildungswechsel u. a.

1. SPD

DIE LINKE

Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle Situation zur

vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen ein?

- Datenlage (möglichst geschlechtsdifferenziert und branchenspezifisch)

- Ursachen für Unterschiede in den Erhebungen des BIBB und

der Dachverbände der Kammern

2. SPD

DIE LINKE

Welche Gründe führen zu einer vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen

von Jugendlichen

3. SPD

DIE LINKE

Welche Möglichkeiten gibt es, um Einfluss zu nehmen auf die Zahl

vorzeitiger Lösungen von Ausbildungsverhältnissen?

- Beratungs- und Unterstützungsangebote zur Vermeidung von

Ausbildungsabbrüchen vorbeugend im Rahmen von Berufsorientierung

und ausbildungsbegleitend

- Steigerung von Transparenz und Übersichtlichkeit am Ausbildungsmarkt

für die Auszubildenden, z. B. durch IHK- und HWKübergreifende

Informationen zu Lehrstellen und Unterstützungsangeboten

im Land (Instrumente des Ausbildungskonsens)

- Verbesserung der Ausbildungsbedingungen, insbesondere Organisation

der Ausbildung durch die Unternehmen (Unterschiede

in Branchen)

- Erhöhung der Attraktivität von Ausbildungen

- Rolle von Mobilitätsbedingungen und der Höhe der Ausbildungsvergütung

4. GRÜNE/B90 Welche Konzepte wenden Ausbildungsbetriebe an, um Ausbildungsabbrüche

zu verhindern?

5. GRÜNE/B90 Gibt es in Brandenburg genügend Ausbildungsstätten für „Umsteigerinnen':

damit Ausbildungsverhältnisse im zweiten Anlauf abgeschlossen

werden können?

6. GRÜNE/B90 Welche Angebote gibt es für Auszubildende ohne Haupt- oder Förderschulabschluss,

wenn sie eine Berufsausbildung abgebrochen

haben?


Ef"'

1 /I. AUG. 2113

-7. s-A2.6-4

14,34.frf izeheir

Stellungnahme des BIBB zu Fragen anlässliclide-s— ac ---g-dsfir-cichs im

Ausschuss für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie

"Lösung von Ausbildungsverhältnissen von Jugendlichen"

21. August 2013, Landtag Brandenburg

Anlage 3

Dr. Alexandra Uhly

Bundesinstitut für Berufsbildung

Fragen der Fraktionen

„1) Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle Situation zur vorzeitigen Lösung von

Ausbildungsverhältnissen ein?

a) Datenlage (möglichst geschlechtsdifferenziert und branchenspezifisch)

b) Ursachen für Unterschiede in den Erhebungen des BIBB und der Dachverbände der

Kammern

2) Welche Gründe führen zu einer vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen von

Jugendlichen?"

Anmerkungen: Die Stellungnahme bezieht sich vor allem auf die Fragen 1 und 2 der Fraktionen. Es werden

jedoch auch Aspekte angesprochen, die in den Fragen 3 und 4 enthalten sind; siehe hierzu insbesondere

Fußnote 8 und Anlage 4 (Auswahl an Praxisbeispielen).

Anlagen

Anlage 1:

Anlage 2:

Berechnung der Lösungsquote

Tabellen

Tabelle 1: Vorzeitige Vertragslösungen nach Ländern und Zeitpunkt der Lösung 2011

Tabelle 2: Vorzeitige Vertragslösungen und Vertragslösungsquote, Brandenburg und Bundesgebiet

1994 bis 2011

Tabelle 3: Vertragslösungsquoten nach Zuständigkeitsbereichen und Ländern 2011

Tabelle 4: Vertragslösungsquoten nach Personenmerkmalen der Auszubildenden und

Zuständigkeitsbereichen, Brandenburg und Bundesgebiet 2011

Tabelle 5: Die 10 dualen Ausbildungsberufe mit den höchsten Lösungsquoten, Neuabschlüsse und

Lösungsquote Brandenburg sowie Bundesgebiet 2011

Tabelle 6: 25 duale Ausbildungsberufe mit im Bundesvergleich auffallend hohen

Vertragslösungsquoten, Neuabschlüsse und Lösungsquote Brandenburg sowie

Lösungsquote Bundesgebiet 2011

Tabelle 7: Vertragslösungsquoten, Angebots-Nachfrage-Relation am Ausbildungsstellenmarkt und

Arbeitslosenquote 2011, nach Bundesländer

Anlage 3: Studien zu vorzeitigen Vertragslösungen — eine Auswahl

Anlage 4:

Synopse mit einer Auswahl an Praxisbeispielen zur Vermeidung von vorzeitigen

Vertragslösungen (Maßnahmen, die während der Ausbildung ansetzen)


1) „Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle Situation zur

vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen ein?"

Anlage 3

zu a) Datenlage

Vorbemerkungen zur Datengrundlage

Zentrale Datenquelle für die Analyse vorzeitiger Vertragslösungen ist die Berufsbildungsstatistik der

statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12.; kurz: Berufsbildungsstatistik).

Eine Auswertung dieser Daten fließt regelmäßig in die Berufsbildungsberichterstattung des Berufsbildungsberichtes

und des BIBB-Datenreports zum Berufsbildungsbericht ein. Die Berufsbildungsstatistik

wird als jährliche Totalerhebung durchgeführt. Sie erlaubt weitgehende Differenzierungen in

regionaler und beruflicher Hinsicht; Auswertungen können auch differenziert nach Personenmerkmalen

der Auszubildenden — wie Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Vorbildung — vorgenommen werden.

Leider erfasst die Berufsbildungsstatistik abgesehen vom Ort der Ausbildungsstätte und der Zugehörigkeit

der Ausbildungsstätte zum öffentlichen Dienst keine weiteren Betriebsmerkmale n, sodass

die Lösungsquoten nicht nach entsprechenden betrieblichen Merkmalen differenziert werden

können.

Hinsichtlich des Themenfeldes vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen und Ausbildungsabbrüche

ist festzuhalten, dass die Berufsbildungsstatistik „nur" vorzeitige Vertragslösungen erfasst (siehe

hierzu Anlage 1 zum Indikator Vertragslösungsquote, kurz: Lösungsquote). Vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge

sind definiert als vor Ablauf der im Berufsausbildungsvertrag genannten Ausbildungszeit

gelöste Ausbildungsverträge. Mit solchen Vertragslösungen sind unterschiedliche Phänomene erfasst.

Aus Sicht der Auszubildenden kann es sich um Betriebs- und/oder Berufswechsel oder um endgültige

Ausbildungsabbrüche handeln; Letztere können einen Ausstieg aus der dualen Berufsausbildung

oder aus der Ausbildung insgesamt darstellen.' Vorzeitige Vertragslösungen stellen jedoch häufig

keine endgültigen Ausbildungsabbrüche dar, denn ca. die Hälfte der Auszubildenden mit vorzeitig

gelöstem Ausbildungsvertrag schließt in relativ kurzer Zeit nach der Vertragslösung erneut einen Ausbildungsvertrag

in einem der dualen Ausbildungsberufe nach BBiG bzw. HwO ab 4 — verbleibt also in

der dualen Berufsausbildung. Leider erfasst die Berufsbildungsstatistik auch nach der Umstellung auf

eine Individualdatenerfassung und der Erweiterung des Merkmalkatalogs (Artikel 2a Berufsbildungsreformgesetz

2005, in Kraft seit 2007) nicht den Verbleib der Jugendlichen mit vorzeitig gelöstem

Ausbildungsvertrag. Zum einen musste der Merkmalkatalog begrenzt bleiben (Bürokratieabbau) und

zum anderen ist der Verbleib bei den meldenden Stellen (zuständige Stellen) nicht immer bekannt.

Auf Basis der gemeldeten vorherigen dualen Berufsausbildung kann zwar betrachtet werden, wie

viele der Auszubildenden mit einem begonnenen Ausbildungsvertrag „Vertragswechsler/-innen" sind.

Da aber nicht erfasst ist, wann die vorherige duale Berufsausbildung ohne Abschluss beendet wurde

und in welchem Ausbildungsberuf sie erfolgte, kann kein Bezug zu den gemeldeten Vertragslösungen

hergestellt werden. Leider fand die Einführung einer Personennummer für die Auszubildenden, die

die Verknüpfung der Daten mehrerer Berichtsjahre und somit eine Nachverfolgung des Verbleibs der

Auszubildenden innerhalb des dualen Systems erlaubt hätte, aus Datenschutzbedenken auch keine

Unterstützung. Somit lassen sich auf Basis der Berufsbildungsstatistik vorzeitige Vertragslösungen

nicht in Vertragswechsel (Betriebs- und Berufswechsel) und Abbrüche differenzieren. Derzeit kann

auf Basis der Berufsbildungsstatistik keine Abbruchquote ermittelt werden. Es ist jedoch davon

auszugehen, dass die Abbruchquote deutlich geringer ausfällt als die Lösungsquote. 5

'Ausführliche Erläuterungen zur Berufsbildungsstatistik und zu dem Online-Datensystem DAZUBI des BIBB auf

Basis der Berufsbildungsstatistik findet man hier: http://www.bibb.de/dokumente/pdf/a21 dazubi daten.pdf;

Hinweise zu Datenauffälligkeiten findet man hier: http://www.bibb.de/dokumente/pdf/a21 dazubi berichtsjahre.pdf.

2 Der Wirtschaftszweig ist zwar Erhebungsmerkmal nach § 88 BBiG, allerdings meldet das Handwerk diesen

(noch) nicht.

3 Aus Sicht der Ausbildungsbetriebe können sie ebenso unterschiedliche Bedeutungen aufweisen.

4

Vgl. z. B. Schöngen (2003); Piening/Hauschildt/Heinemann/Rauner (2012)

5 Da der Themenkomplex vorzeitige Vertragslösungen und Ausbildungsabbruch von großem Interesse ist,

2


Empirische Befunde: Entwicklungen und Strukturen

Zur Entwicklung im Zeitverlauf

Der Anteil vorzeitig gelöster Ausbildungsverträge an den begonnenen Ausbildungsverträgen

(Lösungsquote) schwankt seit Anfang der 1990er-Jahre zwischen 20% und 25% (vgl. Tabelle 2,

Anhang). Im Bundesdurchschnitt ist die Lösungsquote im Berichtsjahr 2011 — wie auch schon im

Vorjahr — angestiegen. Wie auch schon in der Vergangenheit zu beobachten war, steigt die

Lösungsquote in Zeiten einer Erhöhung der Angebots-Nachfrage-Relation (Entspannung am

Ausbildungsstellenmarkt aus Sicht der Auszubildenden). Eine Zeitreihenanalyse zu den

Veränderungsraten der Lösungsquoten und der Veränderungsrate der Angebots-Nachfrage-Relation

bestätigt diesen Zusammenhang'. Ob sich ein längerfristiger Trend steigender Lösungsquoten ergibt,

kann derzeit noch nicht eingeschätzt werden. Derzeit liegt die Lösungsquote noch im

Schwankungsbereich der letzten Dekaden.

Der für den Längsschnitt (im Zeitverlauf) beobachtete Zusammenhang zwischen Ausbildungsstellenmarktlage

und Lösungsquote zeigt sich jedoch im Querschnittsvergleich der Länder weniger deutlich.

Die Angebots-Nachfrage-Relation und die Lösungsquote der Länder korrelieren in geringerem Maße

(s. u.); Länder mit günstigerer Marktlage aus Sicht der Ausbildungsnachfragenden weisen nicht generell

höhere Lösungsquoten auf und umgekehrt. Siehe hierzu auch Abschnitt 2.

Für Brandenburg fallen die Lösungsquoten seit der Revision der Berufsbildungsstatistik höher aus als

in den Jahren zuvor. Die Lösungsquote schwankt dort seit dem Berichtsjahr 2008 zwischen rd. 27%

und 30% (LQ„„)• Derzeit liegen keine Hinweise darauf vor, dass dieser Anstieg durch Meldefehler

begründet ist. Auch kann ausgeschlossen werden, dass er aufgrund der veränderten

Berechnungsweise der Lösungsquote (siehe Anlage) verursacht ist, denn auch nach der alten

Berechnungsweise der Lösungsquote (LQ ait) ist dieser Anstieg zu beobachten.

Bundesweit wie auch in Brandenburg zeigen sich folgende Strukturen hinsichtlich der Vertragslösungen

bzw. der Lösungsquote:

SF 3

• 2011 wurden bundesweit 149.760 Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst; 4.449. davon in

Brandenburg (vgl. Tabelle 1, Anhang). Die Mehrheit der vorzeitigen Vertragslösungen finden

innerhalb der ersten 12 Monate nach Vertragsbeginn statt (im Bundesdurchschnitt mehr als

60%; ein Drittel bereits in der Probezeit). Ca. ein Viertel aller Vertragslösungen erfolgen

bundesweit im zweiten Jahr nach Vertragsbeginn, später erfolgen nur noch 10% aller

Vertragslösungen. In Brandenburg fällt der Anteil der Vertragslösungen während der

Probezeit an allen Vertragslösungen etwas geringer (ca. 26%) und der Anteil der

Vertragslösungen im zweiten Jahr nach Beginn des Ausbildungsvertrages (ca. 31%) und

später (ca. 12%) etwas höher aus als im Bundesdurchschnitt.

• Die Lösungsquote variiert deutlich zwischen den Ländern und Zuständigkeitsbereichen (vgl.

Tabelle 3, Anhang). Die Ländereffekte bleiben größtenteils auch bei Kontrolle weiterer

Variablen der Berufsbildungsstatistik bestehen. Die Lösungsquote Brandenburgs fällt mit

29,9% höher aus als der Bundesdurchschnitt (24,4%).

werden verschiedene Erhebungen des BIBB auch für Sekundäranalysen genutzt. Auswertungen des BIBB-

Quatifizierungspanels, der BIBB-Erhebung über Kosten und Nutzen der betrieblichen Berufsausbildung oder der

BIBB-Übergangsstudie können interessante Befunde rund um den Themenkomplex liefern. Die verschiedenen

Erhebungen erfassen allerdings unterschiedliche Sachverhalte bzw. Variablen und lassen unterschiedliche

Auswertungsmethoden zu, sodass der Vergleich der verschiedenen Befunde nicht trivial ist. Eine

Sonderauswertung der BIBB-Übergangsstudie kommt zu dem Ergebnis, dass 12% der befragten Jugendlichen

eine erste duale Berufsausbildung im ursprünglichen Beruf innerhalb der ersten 36 Monate ohne Abschluss

beendet haben. Hierbei handelt es sich jedoch auch nicht um eine Abbruchquote im oben genannten Sinne,

siehe hierzu: http://www.bibb.de/dokumente/pdf/a21 dazubi indikatoren-vertragsloesungen-und-nichterfolgreichbeendete-ausbildung

juli-2013.pdf.

6 Vgl. Uhly, Alexandra (2013): Vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen. In: Bundesinstitut für Berufsbildung

(Hrsg.): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2013, Kapitel A4.7, Bonn.

3


• Die Lösungsquote variiert deutlich nach Schulabschluss der Auszubildenden (vgl. Tabelle 4,

Anhang). Je niedriger der Schulabschluss, desto höher ist die Lösungsquote. Allerdings darf

dieser Befund nicht uneingeschränkt kausal interpretiert werden. Die höhere Lösungsquote

bei den Auszubildenden mit maximal Hauptschulabschluss ist nicht alleine dem

Schulabschluss zuzuschreiben, denn Jugendliche mit geringeren Schulabschlüssen können

seltener ihren Wunschberuf realisieren, es kann auch angenommen werden, dass sie eher

instabilere Ausbildungsplätze erhalten. Kontrolliert man in multivariaten Analysen weitere

Merkmale (wie z. B. Beruf, Zuständigkeitsbereich etc.), dann verringert sich der Effekt des

Schulabschlusses, er bleibt allerdings deutlich bestehen.

• Die Lösungsquote der Frauen ist im duaren System insgesamt nur geringfügig höher als die

der Männer; in einzelnen Berufen oder Zuständigkeitsbereichen bestehen allerdings deutlichere

geschlechtsspezifische Unterschiede (vgl. Tabelle 4, Anhang).

• Die Lösungsquote bei ausländischen Auszubildenden (ohne deutschen Pass) ist höher als bei

denjenigen mit deutschem Pass (vgl. Tabelle 4, Anhang), dieser Effekt geht bei Kontrolle

weiterer Variablen (wie Schulabschluss, Beruf etc.) aber zurück. In Brandenburg fallen die

Lösungsquoten der Ausbildungsverträge mit ausländischen Auszubildenden auffallend hoch

aus, dies allerdings bei relativ geringer Fallzahl (231 ausländische Auszubildende mit

begonnenem Ausbildungsvertrag in 2011).

• Die Lösungsquote variiert erheblich nach Berufen (vgl. Uhly 2013, Tabelle A4.7-4 Datenreport

zum Berufsbildungsbericht). Sehr hohe Lösungsquoten von bundesweit bis zu 51% zeigen

sich bei Dienstleistungsberufen im Bereich allgemeiner Dienste wie Bewirten, Reinigen,

Lagern, Transportieren. Sehr niedrige Lösungsquoten von ca. 4% — 7% zeigen sich neben den

Berufen des Zuständigkeitsbereichs Öffentlicher Dienst vor allem in wissensintensiven

Dienstleistungsberufen (sekundäre Dienstleistungsberufe) und einigen technischen

Produktionsberufen der Industrie'. Für Brandenburg zeigen sich ähnliche Unterschiede in

den Lösungsquoten zwischen den verschiedenen Ausbildungsberufen (Berufe mit höchsten

LQ vgl. Tabelle 5, Anhang). Betrachtet man Abweichungen der Lösungsquoten in

Brandenburg von der Quote im Bundesdurchschnitt zeigen sich auffallend hohe

Lösungsquoten in Brandenburg — bei insgesamt jedoch geringen Vertragszahlen - in den

Berufen Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in, Kraftfahrzeugservicemechaniked-in,

Tierpfleger/-in, und Elektroniker/-in für Automatisierungstechnik (vgl. Tabelle 6, Anhang).

Auch bei einigen Ausbildungsberufen mit etwas höheren Neuabschlusszahlen fallen die

Lösungsquoten in Brandenburg deutlich höher aus als im Bundesdurchschnitt; es sind dies

die Berufe Landwirt/-in, Tischler/-in, Kraftfahrzeugmechatroniker/-in, Metallbauer/-in,

Kaufmann/ Kauffrau im Groß- und Außenhandel, Industriekaufmann/-kauffrau,

Zahnmedizinische/-r Fachangestellte/-r und Automobilkaufmann/-kauffrau.

Zu weiteren Details siehe auch:

Uhly, Alexandra (2013): Vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen. In: Bundesinstitut für

Berufsbildung (Hrsg.): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2013, Kapitel A4.7, Bonn. URL:

http://datenreport.bibb.de/media2013/BIBB Datenreport 2013.pdf

Außerdem steht als Ergänzung zum Datenreport zum Berufsbildungsbericht das Online-Datensystem

DAZUBI des BIBB zur Verfügung (www.bibb,cle/dazubi); mit der DAZUBI-Rubrik „Datenblätter"

(http://www.bibb.de/de/5490.htm) können die Lösungsquoten für die einzelnen Ausbildungsberufe

und Länder abgerufen werden; Ausnahme bilden nur die dualen Ausbildungsberufe für Menschen mit

Behinderung (§66 BBiG bzw. §42m Hw0), die dort nur als Gesamtgruppe abgerufen werden können.

7 Zur Differenzierung der Dienstleistungsberufe siehe: Gericke, Naomi (2013): Berufsstrukturelle Entwicklungen

in der dualen Berufsausbildung. In: Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): Datenreport zum

Berufsbildungsbericht 2013, Kapitel A4.4, Bonn und httpl/www.bibb.de/dokumente/udVa21 dazubi berufsliste-pdl

2011.0f.

4


Anlage 3

zu b) „Ursachen für Unterschiede in den Erhebungen des BIBB und der

Dachverbände der Kammern"

Das BIBB erhebt keine Vertragslösungsdaten. Die Daten zu den vorzeitigen Vertragslösungen stammen

aus der Berufsbildungsstatistik, die von den statistischen Ämtern erhoben wird (§§ 87 und 88

BBiG). Die Daten werden von den zuständigen Stellen (z. B. Kammern) bzw. deren Datendienstleister

an die statistischen Ämter gemeldet. Falls mit der Frage gemeint war, warum Lösungsquoten von

deutlich unterschiedlicher Höhe veröffentlicht sind: Teilweise werden (insbesondere von den zuständigen

Stellen) auch Lösungsquoten veröffentlicht, bei denen die Zahl der Vertragslösungen eines

Berichtsjahres in Relation zum Bestand an Auszubildenden eines Berichtsjahres gesetzt wird. Da das

Vertragslösungsrisiko mit Dauer des Ausbildungsverhältnisses stark zurückgeht (ca. zwei Drittel aller

Vertragslösungen finden in den ersten 12 Monaten nach Vertragsbeginn statt), ist diese Quote nicht

geeignet, das Vertragslösungsrisiko abzubilden. Denn im Bestand an Auszubildenden sind aus den

Vorjahren nur noch diejenigen enthalten, deren Ausbildungsverträge nicht schon vor dem Berichtsjahr

gelöst oder auf andere Weise beendet wurden. Im Bestand der Auszubildenden sind also

diejenigen mit geringerem Lösungsrisiko überrepräsentiert, deshalb fällt diese Quote wesentlich

niedriger aus als die durch das BIBB und das statistische Bundesamt berechnete Quote. Zudem ist die

mit Bestandszahlen berechnete Quote inhaltlich nur schwer zu interpretieren, die für 2011

berechnete Quote gibt den rechnerischen Anteil der Vertragslösungen 2011 an allen seit ca. 2007

begonnenen Ausbildungsverträgen, die nicht schon vor 2011. gelöst oder auf andere Weise beendet

wurden, an.

Deshalb berechnet das BIBB die Lösungsquote als Anteil der vorzeitig gelösten Ausbildungsverträge

an den begonnenen Ausbildungsverträgen. Die Berechnungsweise des BIBB („Schichtenmodell") ist

ein bewährtes Rechenmodell, um ex ante näherungsweise zu berechnen, wie viele der begonnenen

Ausbildungsverträge im Laufe der Zeit vorzeitig gelöst werden (zu Details der Berechnungsweise

siehe Anlage 1).

2) Welche Gründe führen zu einer vorzeitigen Lösung von

Ausbildungsverhältnissen von Jugendlichen

Die folgenden Ausführungen beruhen auf (noch) unveröffentlichten Analysen des BIBB (Uhly 2013)

und sind als vorläufige Ergebnisse zu betrachten.

Die Gründe für Vertragslösungen sind vielfältig und mitunter komplex. Sie reichen von Betriebsschließungen

und gesundheitlichen Gründen, revidierten Berufswahl- oder Rekrutierungsentscheidungen

bis hin zu Konflikten zwischen Ausbildern und Auszubildenden. Die Berufsbildungsstatistik

erhebt keine Gründe für die vorzeitigen Vertragslösungen. Die Daten der Berufsbildungsstatistik erlauben

in begrenztem Maße die Analyse von Erklärungsfaktoren für Vertragslösungen (s. u.). Neben

den Daten der Berufsbildungsstatistik liegen zur Einschätzung der Ursachen von vorzeitigen

Vertragslösungen verschiedene sozialwissenschaftliche Erhebungen vor (siehe Anlage 3). Die meisten

dieser Erhebungen befragen (ehemalige) Auszubildende, Akteure der Ausbildungsbetriebe oder der

Berufsschulen direkt nach den Ursachen von vorzeitigen Vertragslösungen. Dies ist allerdings nur

begrenzt geeignet, um die Ursachen von Vertragslösungen zu analysieren. Denn die Antworten sind

stark durch die Perspektive der jeweils Befragten geprägt, stellen auch ex post Legitimationen dar

und bergen die Gefahr von wechselseitigen Schuldzuschreibungen.

Insgesamt kommen die verschiedene Studien, die seit den 1980er-Jahren durchgeführt wurden, zu

ähnlichen Ergebnissen. Werden (ehemalige) Auszubildende befragt, nennen diese überwiegend

betriebliche Gründe wie Kommunikationsprobleme bzw. Konflikte mit den Ausbildern und

Vorgesetzten, eine mangelhafte Ausbildungsqualität (Beschäftigung statt Ausbildung, mangelnde

Vermittlung von Ausbildungsinhalten); außerdem nennen sie Arbeitsbedingungen wie unbezahlte

5


Überstunden, ungünstige Arbeitszeiten und Urlaubsregelungen. Berufsbezogene Gründe werden vor

allem von denjenigen genannt, die angaben, dass sie ihren Wunschberuf nicht realisieren konnten

oder andere Vorstellungen vom Beruf hatten.

Betriebe/Ausbilder geben vor allem Gründe an, die sie den Auszubildenden zuordnen; eine

mangelhafte Berufsorientierung bzw. Berufswahl, eine mangelnde Leistungsbereitschaft (Fehlzeiten,

unzureichende Identifikation mit Betrieb, mangelndes Durchhaltevermögen) und mangelnde

Leistungsfähigkeit (unzureichende Leistung im Betrieb, Überforderung).

Obwohl dies in der Literatur schon lange kritisiert wird, fokussiert man sich bei der Frage der

Maßnahmen zur Vermeidung vorzeitiger Vertragslösungen immer noch stark auf die Jugendlichen

bzw. Auszubildenden. Maßnahmen sollten jedoch nicht alleine bei den Jugendlichen und der Frage

nach deren Ausbildungsfähigkeit und -bereitschaft sowie deren Berufswahlfähigkeit ansetzen,

ebenso muss die Frage nach der Ausbildungsfähigkeit und -bereitschaft der Betriebe sowie deren

Rekrutierungsverhalten in den Blick genommen werden. Zudem scheinen Konflikte — insbesondere

zwischen Auszubildenden und Ausbilder sowie Vorgesetzten — eine zentrale Rolle zu spielen, sodass

auch Maßnahmen zur Konfliktbewältigung erforderlich sind. 8

Ebenso kann angenommen werden, dass die Attraktivität der Berufe eine Rolle für das Vertragslösungsgeschehen

spielt. Was den Einfluss der Vergütung betrifft, so zeigt sich allerdings kein starker

Zusammenhang; zumindest wenn man die durchschnittliche tarifliche Ausbildungsvergütung

betrachtet. Zwischen den Ausbildungsberufen, für die aus der BIBB-Datenbank der tariflichen

Ausbildungsvergütung Daten zur durchschnittlichen tariflichen Vergütung (getrennt nach Ost- und

Westdeutschland) vorliegen, ergibt sich ein signifikanter negativer Zusammenhang zwischen der

durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung und der Lösungsquote in 2011 (Korrelation nach

Pearson -0.472 9). Die Tarifvergütung „erklärt" somit ca. 22% der Varianz der Lösungsquoten zwischen

den Berufen. In einer multivariaten Analyse verringert sich der Effekt der Vergütung bei Kontrolle des

Anteils von Auszubildenden mit maximal Hauptschulabschluss, des Zuständigkeitsbereichs und des

Berufssektors etwas, er bleibt aber bestehen. Die Ausbildungsvergütung (und künftige Einkommensperspektiven)

spielen somit eine — wenn auch keine dominierende — Rolle für das Vertragslösungsgeschehen.

Neben den bislang genannten Ursachen von Vertragslösungen spielen Kontextfaktoren, die die Entscheidungen

der Jugendlichen und Betriebe beeinflussen, eine Rolle. Als ein solcher Kontextfaktor

kann die Lage am Ausbildungsstellenmarkt betrachtet werden. Wie bereits dargestellt, besteht ein

positiver Zusammenhang zwischen der Veränderungsrate der Angebots-Nachfrage-Relation und der

Veränderungsrate der Lösungsquote la. Dies kann damit begründet werden, dass bestehende Ausbildungsverträge

mit einer Verbesserung der Alternativen aus Sicht der Auszubildenden eher gelöst

werden. Allerdings konnte dieser deutliche Zusammenhang nur im Längsschnitt beobachtet werden.

Tabelle 7 (Anlage) enthält die Vertragslösungsquoten, Angebots-Nachfrage-Relation am

Ausbildungsstellenmarkt und Arbeitslosenquote 2011 für die einzelnen Bundesländer. Im

Querschnittsvergleich der Länder zeigt sich für das Jahr 2011 nur ein relativ schwacher positiver

Zusammenhang zwischen Angebots-Nachfrage-Relation und Lösungsquote, der zudem nicht

signifikant ist; im einfachen bivariaten linearen Regressionsmodell „erklärt" die Angebots-Nachfrage-

Anlage 3

s

Neben Maßnahmen, die präventiv bereits im Prozess der Berufswahl ansetzen, wie das BMBF-Programm BOB

zur Verbesserung der Berufsorientierung, den 5GB III-Maßnahmen zur Berufseinstiegsbegleitung und der

Berufseinstiegsbegleitung im Rahmen der BMBF-Initiative „Abschluss und Anschluss — Bildungsketten bis zum

Ausbildungsabschluss", sind in der Anlage 4 Praxisbeispiele zusammengestellt, die während der Ausbildung

ansetzen. Diese Synopse mit einer Auswahl entsprechender Praxisbeispielen zur Vermeidung von vorzeitigen

Vertragslösungen wurde kürzlich anlässlich eines BIBB-Workshops zum Thema erstellt.

9 Alle genannten Korrelationskoeffizienten sind Korrelation nach Pearson.

13 Siehe hierzu: Uhly, Alexandra (2013): Vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen. In: Bundesinstitut für

Berufsbildung (Hrsg.): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2013, Kapitel A4.7, Bonn.

6


Anlage 3

Relation 11 nur 13,7% der Varianz der Lösungsquote zwischen den Bundesländern. Dies kann zum

einen damit begründet werden, dass der Effekt der Marktlage nicht eindeutig ist. Denn man kann —

neben dem bereits angesprochenen positiven Zusammenhang — auch negative Effekte der Angebots-

Nachfrage-Relation auf die Vertragslösungsquote erwarten. Es kann vermutet werden, dass je

günstiger die Marktlage aus Sicht der Auszubildenden ist, umso eher der Wunschberuf realisiert

werden kann und umso seltener Auszubildende den Ausbildungsvertrag lösen werden.

Zum andern kann dies damit begründet werden, dass weitere Kontextfaktoren eine Rolle für die

Höhe und Entwicklung der Vertragslösungsquote spielen; wie beispielsweise die wirtschaftliche Entwicklung

oder die Arbeitslosenquote. So zeigt sich auch für 2011 im Bundesländervergleich eine

deutliche Korrelation zwischen der durchschnittlichen jährlichen Arbeitslosenquote (bezogen auf alle

zivile Erwerbspersonen) und der Lösungsquote von 0.751, die signifikant ist; im einfachen bivariaten

linearen Regressionsmodell „erklärt" 1Z die Arbeitslosenquote 56,4% der Varianz der Lösungsquote

zwischen den Bundesländern. 13

Die Stabilität von Ausbildungsplätzen hängt auch von der wirtschaftlichen Dynamik und der Stabilität

der Ausbildungsbetriebe ab. Nach einer BIBB-Studie aus dem Jahr 2002 (Schöngen 2003), bei der

Auszubildende mit vorzeitig gelöstem Ausbildungsvertrag befragt wurden, sind ca. 12% der Vertragslösungen

durch Betriebsschließungen, Konkurse bzw. Verlagerungen verursacht.

11 Verwendet wurde die ANR net, nach der neuen (erweiterten Definition); aber auch die ältere (engere)

Definition der ANR führt zu einem ähnlichen Ergebnis; ebenso andere Ausbildungsstellenmarktlage-

Indikatoren.

12

Statistisch zeigt sich dieser deutliche Zusammenhang im Regressionsmodell mit nur einer „unabhängigen"

Variablen, der aber nicht kausal sein muss; möglicherweise bewirkt eine andere Größe die nicht im Modell

aufgenommen ist — diesen statistischen Zusammenhang.

13

Der Effekt weiterer Variablen wurde hierbei noch nicht kontrolliert.

7


Anlage 3

Anlagen

Anlage 1: Berechnung der Lösungsquote

Die Vertragslösungsquote (kurz: Lösungsquote) ist einer der Erfolgs-/Misserfolgsindikatoren zur

dualen Berufsausbildung. Allerdings stellt nicht jede vorzeitige Vertragslösung einen

Ausbildungsmisserfolg dar. Dennoch dürften mit Vertragslösungen i.d.R. zumindest Ineffizienzen

verbunden sein. Im schlimmsten Fall führen Vertragslösungen zu einem Ausstieg aus der

Berufsausbildung.

Von Interesse ist, wie hoch das Risiko ist, dass ein begonnener Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst

wird. Das BIBB berechnet die Lösungsquote nach dem sogenannten Schichtenmodell (Quotensurnnnerverfahren).

Die so berechnete Lösungsquote ist als Näherungswert für den Anteil der gelösten

Ausbildungsverträge an allen begonnenen Ausbildungsverträgen des jeweiligen Berichtsjahres zu

verstehen. Da im jeweils aktuellen Berichtsjahr noch nicht bekannt ist, wie viele der begonnenen

Verträge in den folgenden Jahren gelöst werden, wird ein Näherungswert berechnet. Diese näherungsweise

Berechnung erfordert eine komplexe Formel (hier für das Berichtsjahr 2011 dargestellt):

vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge in 2011 mit Beginn in 2011

1,(2neu = begonnene Ausbildungsverträge 2011

* 100

vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge 2011mit Beginn in 2010

100

begonnene Ausbildungsverträge in 2010

vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge 2011mit Beginn in 2009

* 100

begonnene Ausbildungsverträge in 2009

vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge 2011mit Beginn in 2008 oder früher

begonnene Ausbildungsverträge in 2008

* 100

Wie ist diese Formel zu verstehen?

Zunächst wird für alle im aktuellen Berichtsjahr (z. B. in 2011) begonnenen Ausbildungsverträge ermittelt,

wie viele in 2011 vorzeitig gelöst wurden (erste Teilquote). Man weiß, dass sich der Anteil

gelöster Verträge noch erhöhen wird, da in den folgenden Jahren auch noch Verträge, die in 2011

begonnen hatten, vorzeitig gelöst werden. Wie viele das sein werden, ist noch unbekannt. Man kann

aber stellvertretend Werte aus der Vergangenheit verwenden:

Stellvertretend für die in 2011 begonnenen Verträge, die in 2012 gelöst werden: in 2011 gelöste Verträge,

die in 2010 begonnen hatten (2. Teilquote; Verträge, die ein Jahr nach Beginn gelöst werden);

stellvertretend für die in 2011 begonnenen Verträge, die in 2013 gelöst werden: in 2011 gelöste Verträge,

die in 2009 begonnen hatten (3. Teilquote);

stellvertretend für die in 2011 begonnenen Verträge, die in 2014 oder später gelöst werden: in 2011

gelöste Verträge, die in 2008 oder früher begonnen hatten (3. Teilquote).

Man muss jeweils auf die begonnenen Verträge des entsprechenden Beginnjahres quotieren, da die

Zahl der begonnenen Verträge von Jahr zu Jahr schwankt. Ein bewährtes Rechenmodell um ex ante

näherungsweise zu berechnen, wie hoch der Anteil der Verträge ausfällt, der im gleichen Jahr oder

später vorzeitig gelöst werden.

Die Berechnungsweise des Schichtenmodells ist komplex. Die Interpretation der Lösungsquote ist

jedoch relativ einfach. Sie gibt den rechnerischen Anteil der gelösten Verträge an allen begonnenen

8


Anlage 3

Ausbildungsverträgen des jeweiligen Berichtsjahres an; dies allerdings „nur" als Näherungswert.

Ist der Näherungswert valide?

Solange sich das Vertragslösungsgeschehen innerhalb eines Zeitraums von drei bis vier Jahren nicht

stark verändert, führen die stellvertretend verwendeten Größen zu keinen größeren Verzerrungen.

Für die Anfängerkohorte 2008 konnte erstmals ein Lösungsanteil ex post ermittelt werden. Es ergibt

sich ex post für die Ausbildungsanfänger und -anfängerinnen ein Wert (21,5%), der sehr nahe am für

das Berichtsjahr 2008 ex ante berechneten Wert gemäß dem Schichtenmodell (22,3%) liegt'''. Die

Berechnung nach dem Schichtenmodell hat sich somit bewährt.

Warum wird ein Näherungswert berechnet?

Will man möglichst aktuelle Vertragslösungsquoten berechnen, so kann nur ein Näherungswert ermittelt

werden. Seit der Umsteilung der Berufsbildungsstatistik auf eine Individualdatenerfassung

kann man alternativ auch ex post die Lösungsquote ermitteln (erstmals für die Anfängerkohorte

2008). Hierzu muss dann nicht die komplexe Formel des Schichtenmodells angewandt werden. Allerdings

kann ein Lösungsanteil ex post nur mit einem deutlichen Zeitverzug ermittelt und veröffentlicht

werden. Die Werte für das Berichtsjahr 2011 (aktueller Datenstand) lägen dann frühestens

Mitte/Ende 2015 vor.

Hat die Neuberechnung der BIBB-Lösungsquote nach der Revision der Berufsbildungsstatistik zu höheren

Lösungsquoten geführt?

Das BIBB hat die Berechnungsweise der Lösungsquote infolge der Revision der Berufsbildungsstatistik

durch Artikel 2a Berufsbildungsreformgesetz von 2005 (in Kraft seit 1. April 2007) verbessert. Die

Berufsbildungsstatistik erlaubt die Berechnung der Lösungsquote nach dem Schichtenmodell seit

dem Berichtsjahr 1994. Seit dem Berichtsjahr 2009 kann eine verbesserte Berechnungsweise des

Schichtenmodells erfolgen. Die Verbesserung besteht vor allem darin, dass genaue Angaben dazu

vorliegen, wann ein gelöster Ausbildungsvertrag begonnen hatte und so die korrekte Bezugsgröße an

begonnenen Verträgen ermittelt werden kann. Die verbesserte Berechnungsweise führt nicht zu

einer Erhöhung der Lösungsquote; in den Umstellungsjahren fällt die Lösungsquote nach der neueren

Berechnungsweise eher noch geringer aus als die Berechnung des Schichtenmodells nach der älteren

— auf Aggregatdaten bezogene — Formel. Nur aus Vergleichsgründen (bei längeren Zeitreihen) wird

teilweise noch die ältere Berechnungsweise verwendet (zur Formel für die ältere Berechnungsweise

siehe: htto ://www. bi bb.de/de/w1k59780. htm).

Hinweis: Für das Berichtsjahr 2007 wurden durch die statistischen Ämter keine Vertragslösungsdaten

veröffentlicht, da im Zuge der weitreichenden Änderungen der Berufsbildungsstatistik

Meldeprobleme bestanden.

Die Lösungsquote ist keine Abbruchquote — wie sie beispielsweise für Studierende an Hochschulen

berechnet wird. Es kann angenommen werden, dass die Abbruchquote deutlich unterhalb der

Lösungsquote liegt. Eine Abbruchquote kann auf Basis der Berufsbildungsstatistik (derzeit) nicht

ermittelt werden (s. o.).

14

Aus verschiedenen methodischen Gründen wurden für den Kohortendatensatz 2008 — auf dessen Basis der

Lösungsanteil ex post berechnet wurde — nur die Erstanfänger/-innen einer dualen Berufsausbildung

einbezogen. Bei der ex ante Berechnung gemäß dem Schichtenmodell wurden alle begonnenen

Ausbildungsverträge einbezogen (auch derjenigen, die schon vorher einen Vertragswechsel hatten). Zudem

konnte mit dem Datenstand Berichtjsahr 2011 für die ex post Berechnung noch nicht alle Vertragslösungen der

Anfängerkohorte 2008 einbezogen werden, da auch in 2012 und später noch einige (wenige)

Ausbildungsverträge dieser Kohorte vorzeitig gelöst werden. Deshalb ist eine gewisse Abweichung der Quote

auch zu erwarten.

9


Anlage 3

Anlage 2: Tabellen

Tabelle 1: Vorzeitige Vertragslösungen nach Ländern und Zeitpunkt der Lösung l 2011

(absolut und in % 2 )

Vorzeitige Vertrags-

lösungen insgesamt

in der

Probezeit

nach 5 bis

12

Monaten

nach 13

bis 24

Monaten

nach 25

bis 36

Monaten

nach

mehr als

36

Monaten

abs.

Baden-Württemberg 17.250 100 33,2 32,8 24,0 8,6 1,4

Bayern 21.894 100 34,0 32,5 24,1 8,2 1,2

Berlin 7.044 100 34,0 32,0 23,7 8,5 1,9

Brandenburg 4.449 100 26,1 31,3 30,9 9,8 1,9

Bremen 1.521 100 37,2 30,7 22,6 7,9 1,6

Hamburg 4.341 100 35,7 31,1 24,3 7,2 1,7

Hessen 10.011 100 32,9 31,6 24,6 9,1 1,7

Mecklenburg- 3.828 100 34,3 28,8 24,3 10,1 2,6

Vorpommern

Niedersachsen 15.285 100 37,3 30,8 22,4 8,0 1,4

Nordrhein-Westfalen 31.755 100 33,7 30,6 25,3 9,0 1,4

Rheinland-Pfalz 8.331 100 33,2 31,2 24,8 9,2 1,5

Saarland 2.517 100 33,8 30,8 24,4 9,2 1,9

Sachsen3 6.543 100 30,7 30,7 25,8 10,3 2,5

Sachsen-Anhalt 4.626 100 31,4 27,1 27,1 11,9 2,5

Schleswig-Holstein 6.258 100 35,6 29,4 24,6 8,7 1,7

Thüringen 4.104 100 32,2 28,9 25,4 11,4 2,1

Bundesgebiet 149.760 100,0 33,7 31,1 24,7 8,9 1,6

1 Zeitraum zwischen Beginn und Lösung (in Monaten).

2 Anteil der Lösungen, bei denen der Ausbildungsbeginn eine bestimmte Anzahl an Monaten zurückliegt, an allen Lösungen

(es handelt sich nicht um die Lösungsquote und auch nicht um echte Verlaufsdaten).

Quelle: "Datenbank Auszubildende" des Bundesinstituts für Berufsbildung auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik

der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31. Dezember), Berichtsjahr 2011. Absolutwerte aus

Datenschutzgründen jeweils auf ein Vielfaches von 3 gerundet; der Insgesamtwert kann deshalb von der Summe der

Einzelwerte abweichen.

10


Aniaz:riw: 3

Tabelle 2: Vorzeitige Vertragslösungen und Vertragslösungsquote 1 in % der begonnenen

Ausbildungsverträge, Brandenburg und Bundesgebiet 1994 bis 2011

Jahr

Bundesgebiet insgesamt

Brandenburg

lA tti LQ„eul La.el LQ„,„'

1994 23,6 20,0

1995 22,7 18,9

1996 21,3 21,1

1997 20,5 22,1.

1998 21,3 23,0

1999 22,1 22,9

2000 23,7 22,9

2001 23,7 22,5

2002 24,1 24,9

2003 21,9 21,8

2004 21,0 23,1

2005 19,9 21,5

2006 19,8 22,9

2007 2

2008 21,5 28,0

2009 22,6 22,1 28,8 27,4

2010 23,3 23,0 28,3 26,8

2011 24,5 24,4 31,5 29,9

1 Berechnet nach dem sogenannten Schichtenmodell des BIBB. Im Zuge der Revision der Berufsbildungsstatistik konnte die

Berechnungsweise der Lösungsquote verbessert werden; die neue Berechnungsweise (LQ,„,) ist erst ab 2009 möglich.

2 Für 2007 wurden aufgrund erheblicher Meldeprobleme keine Lösungsdaten veröffentlicht. Werte vor und nach 2007

können aufgrund weitreichender Umstellungen in der Berufsbildungsstatistik nicht unmittelbar miteinander verglichen

werden.

Quelle: "Datenbank Auszubildende" des Bundesinstituts für Berufsbildung auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik

der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31. Dezember), Berichtsjahre 1994 bis 2011.

Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung.

11


Anlage 3

Tabelle 3: Vertragslösungsquoten in % der begonnenen Ausbildungsverträge (1.0, nea1 nach

Zuständigkeitsbereichen 2 und Ländern 2011

Land IH Hw ÖD Landw. 3 FB Ha usw. 3 Insgesamt

Baden-Württemberg 18,3 27,2 5,5 19,4 23,7 25,0 20,9

Bayern 18,3 27,1 3,6 14,4 24,8 17,1 21,1

Berlin 30,2 46,9 8,4 33,0 28,2 40,3 33,6

Brandenburg 28,3 38,1 7,8 32,3 25,2 23,5 29,9

Bremen 3 20,6 36,5 5,3 3,1 19,6 18,5 23,5

Hamburg' 25,4 40,2 5,5 22,8 29,3 8,1 28,2

Hessen 21,8 28,0 8,9 25,8 22,9 - 23,2

Mecklenburg -Vorpommern 33,8 40,1 7,4 31,8 22,0 40,8 33,9

Niedersachsen 22,5 27,6 4,8 21,8 21,3 22,4 23,6

Nordrhein-Westfalen 20,3 31,8 7,4 22,1 23,3 28,1 23,5

Rheinland-Pfalz 22,6 34,7 8,3 30,0 23,7 30,1 26,5

Saarland 23,8 41,6 6,5 31,1 18,0 21,4 29,0

Sachsen 3 28,2 33,7 5,5 1,8 23,0 4,8 27,5

Sachsen-Anhalt 29,7 38,0 4,5 30,5 23,5 32,8 31,0

Schleswig-Holstein 25,6 31,9 2,2 31,3 23,4 - 27,2

Thüringen 27,7 36,8 3,0 28,4 29,9 36,1 29,6

Bundesgebiet insgesamt 22,1 31,1 6,1 22,1 23,7 25,3 24,4

- In Hessen und Schleswig-Holstein keine Meldungen für den Zuständigkeitsbereich Hausw., hierzu meldet IH.

1 Schichtenmodell des BIBB nach neuer Berechnungsweise; in % der begonnenen Ausbildungsverträge; zur Berechnung des

Anteils fließen Daten aus den 4 letzten Berichtsjahren ein.

2 Zuordnung nach Zuständigkeit für die jeweiligen Ausbildungsberufe; IH: Industrie und Handel, Hw: Handwerk, ÖD:

Öffentlicher Dienst, Landw.: Landwirtschaft, FB: Freie Berufe, Hausw.: Hauswirtschaft.

3 Die auffallend niedrigen Werte in der Landwirtschaft in Bremen sowie Sachsen und der Hauswirtschaft in den Ländern

Hamburg und Sachsen sind mit großer Wahrscheinlichkeit auf Meldefehler zurückzuführen und stellen vermutlich eine

deutliche Untererfassung dar.

Quelle: "Datenbank Auszubildende" des Bundesinstituts für Berufsbildung auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik

der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31. Dezember), Berichtsjahre 2008 bis 2011.

Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung.

12


A n

Tabelle 4: Vertragslösungsquoten (LQneu in %) 1 nach Personenmerkmalen der

Auszubildenden und Zuständigkeitsbereichen 2, Brandenburg und Bundesgebiet 2011

Personenmerkmal 1H Hw ÖD Landw. FB Hausw. Insgesamt

Brandenburg

Männlich 27,4 37,0 6,6 29,7 21,2 * 29,8

Weiblich 29,8 41,5 8,7 37,9 25,6 25,5 30,1

Mit deutscher 28,2 37,7 7,8 32,3 25,2 23,5 29,7

Staatsangehörigkeit

Ohne deutsche 41,4 62,2 * 46,3

Staatsangehörigkeit 3

Ohne Hauptschulabschluss 4 39,1 47,5 36,8 23,6 18,9 38,8

Mit Hauptschulabschfuss 4 39,4 43,6

* 34,8 52,0 32,0 40,4

Mit Realschulabschluss 4 27,6 35,5 13,6 30,7 29,5 29,4

Mit Studienberechtigung 4 17,5 22,9 5,4 20,0 18,7 17,2

Bundesgebiet insgesamt

Männlich 21,5 29,3 7,9 21,2 25,4 25,6 24,1

Weiblich 23,0 36,1 5,1 25,1 23,6 25,3 24,9

Mit deutscher 21,7 30,7 6,1 22,0 23,5 25,0 24,0

Staatsangehörigkeit

Ohne deutsche 29,2 36,3 7,2 29,9 25,8 31,8 30,9

Staatsangehörigkeit

Ohne Hauptschulabschluss 4 37,7 42,3 8,8 29,6 45,2 28,9 38,6

Mit Hauptschulabschluss 4 34,7 35,5 13,2 26,0 31,1 25,8 34,5

Mit Realschulabschluss 4 20,0 24,9 6,5 17,1 22,5 17,9 21,0

Mit Studienberechtigund 12,3 20,9 4,9 14,8 21,2 10,5 13,6

- Es liegen keine begonnenen Ausbildungsverträge mit der entsprechenden Personengruppe vor.

1 Schichtenmodell des BIBB nach neuer Berechnungsweise; in % der begonnenen Ausbildungsverträge; kleine Fallzahlen

können zu Verzerrungen der LQ führen, deshalb wurde diese bei Neuabschlusszahlen kleiner 20 nicht ausgewiesen (*).

2 Zuordnung nach Zuständigkeit für die jeweiligen Ausbildungsberufe.

3 In Brandenburg insgesamt nur 231 begonnene Ausbildungsverträge mit ausländischen Auszubildenden.

Geringfügige Oberschätzung der Lösungsquote nach Schulabschlüssen aufgrund eines größeren Anteils fehlender Angaben

zum Schulabschluss im Berichtsjahr 2008, insbesondere im Bereich IH.

Quelle: "Datenbank Auszubildende" des Bundesinstituts für Berufsbildung auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik

der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31. Dezember), Berichtsjahre 2008 bis 2011.

Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung.

13


Tabelle 5: Die 10 dualen Ausbildungsberufe l mit den höchsten Lösungsquoten,

Neuabschlüsse n und Lin Brandenburg sowie Bundesgebiet insgesamt 2011

Neuabschlüsse

2

Region 2011

Brandenburg

Gebäudereiniger/-in (Hw) 30 67,1

Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker/-in (ggf. mit 24 60,2

Vorgänger)

Gerüstbauer/-in (IH/Hw) 21 56,6

Friseur/-in (Hw) 216 54,7

Restaurantfachmann/-fachfrau (ggf. mit Vorgänger) 228 50,4

Fleischer/-in (1H/Hw) 30 49,2

Pferdewirt/-in (Lw) 57 48,6

Tierpfleger/-in (IH) 30 47,7

Kraftfahrzeugservicemechaniker/-in (IH/Hw) 30 47,6

Koch/Köchin (IH/HwEx) 519 47,4

Bundesgebiet insgesamt

Restaurantfachmann/Restaurantfachfrau (IH/HwEx} 4.443 51,0

Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice (IH/HwEx) 522 50,9

Fachkraft für Schutz und Sicherheit (IH) 996 49,5

Koch/Köchin (IH/HwEx) 12.201 49,4

Servicekraft für Schutz und Sicherheit (IH) 240 47,0

Kosmetiker/Kosmetikerin (IH/HwEx) 354 45,0

Gebäudereiniger/Gebäudereinigerin (Hw) 1.347 44,3

Friseur/Friseurin (Hw) 12.462 44,2

Fachkraft im Gastgewerbe (IH/HwEx) 3.195 44,0

Berufskraftfahrer/Berufskraftfahrerin (IH/HwEx) 3.264 43,7

1 Duale Ausbildungsberufe nach BBiG/HwO jeweils (gegebenenfalls) inklusive Vorgängerverordnung/-beruf mit mindestens

20 bzw. 300 begonnenen Ausbildungsverträgen 2011 in Brandenburg bzw. im Bundesgebiet insgesamt. IH = Industrie und

Handel; IHEx = Hw-Beruf in Industrie und Handel ausgebildet Hw = Handwerk; HwEx = IH-Beruf im Handwerk ausgebildet;

ÖD = Öffentlicher Dienst; Lw = Landwirtschaft; FB = Freie Berufe.

2 Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge sind definiert als die in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse nach

Berufsbildungsgesetz (BBiG) oder Handwerksordnung (HwO) eingetragenen Berufsausbildungsverträge, die im jeweiligen

Kalenderjahr begonnen haben und die bis zum 31. Dezember nicht gelöst wurden; dabei werden nur solche

Ausbildungsverhältnisse erfasst, die auch angetreten wurden. Aus Datenschutzgründen ist die Neuabschlusszahl jeweils auf

ein Vielfaches von 3 gerundet.

3 Schichtenmodell des BIBB nach neuer Berechnungsweise; in % der begonnenen Ausbildungsverträge.

Quelle: "Datenbank Auszubildende" des Bundesinstituts für Berufsbildung auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik

der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31. Dezember), Berichtsjahre 2008 bis 2011.

Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung.

14


Anlage 3

Tabelle 6: Die 25 dualen Ausbildungsberufe mit im Bundesvergleich auffallend hohen

Vertragslösungsquoten 1, Neuabschnisse 2 und LQ„ u3 Brandenburg sowie Lösungsquote

Bundesgebiet 2011

Region

Neuabschlüssez

Brandenburg

2011

LQneu

Brandenburg

Karosserie- und Fahrzeugbaumechanikeil-in (IH/Hw) 24 60,2% 26,7

Tierpfleger/-in (IH) 30 47,7% 20,7%

Elektroniker/-in für Automatisierungstechnik (IH /HwEx) 24 30,4 4,8

Gebäudereiniger/-in (Hw) 30 67,1% 44,3

Kaufmann/Kauffrau für Spedition und 90 36,9% 16,9%

Logistikdienstleistung (IH)

Gerüstbauer/-in (IH/Hw) 21 56,6 37,9

Landwirt/-in (1w) 117 32,4% 15,0%

Forstwirt/-in (Lw) 33 23,1% 6,5%

Tischler/-in (Hw) 126 43,3% 26,8%

Baugeräteführer/-in (IH/HwEx) 21 40,8% 24,9%

Kraftfahrzeugservicemechaniker/-in (IH/Hw) 30 47,6% 31,8%

Tierwirt/-in (Lw) 54 41,9 26,3

Metallbearbeiter/-in (§ 42m HwO) (Hw) 21 45,1 30,4

Fleischer/-in (IH/Hw) 30 49,2% 34,6%

Mediengestalter/ -in Digital und Print (IH/Hw) 63 33,9%

19,3%

Holzbearbeitungsmechaniker/-in (IH/HwEx) 21 4 27,7%

Kraftfahrzeugmechatroniker/-in (11-I/Hw) 549 33,9% 21,6%

Metallbauer/ in (Hw/IHEx) 132 44,5% 32,3%

Kaufmann/Kauffrau im Groß- und Außenhandel 204 25,3% 13,6%

(I H/HwEx)

Industriekaufmann/-kauffrau (IH/HwEx) 195 19,2% 8,0%

Werkzeugmechaniker/-in (IH /HwEx) 36 18,8% 7,9%

Holzmechaniker/-in (IH /HwEx) 54 43,1% 32,5%

Friseur/-in (Hw) 216 54,7% 44,2%

Zahnmedizinische/-r Fachangestellte/-r (FB) 105 36,0% 25,6%

Automobilkaufmann/-kauffrau (IH/HwEx) 108 28,4% 18,1%

LQneu

Bundesgebiet

insgesamt

'Duale Ausbildungsberufe nach BBiG/HwO jeweils (gegebenenfalls) inklusive Vorgängerverordnung/-beruf mit mindestens

20 begonnenen Ausbildungsverträgen 2011 in Brandenburg mit den größten Abweichungen von LQ„,,„Brandenburg zu

LO.„„Bundesweit. IH = Industrie und Hande1;11-1Ex = Hw-Beruf in Industrie und Handel ausgebildet Hw = Handwerk; HwEx =

1H-Beruf im Handwerk ausgebildet; ÖD = Öffentlicher Dienst; Lw = Landwirtschaft; FB = Freie Berufe.

Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge sind definiert als die in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse nach

Berufsbildungsgesetz (BBiG) oder Handwerksordnung (HwO) eingetragenen Berufsausbildungsverträge, die im jeweiligen

Kalenderjahr begonnen haben und die bis zum 31. Dezember nicht gelöst wurden; dabei werden nur solche

Ausbildungsverhältnisse erfasst, die auch angetreten wurden. Aus Datenschutzgründen ist die Neuabschlusszahl jeweils auf

ein Vielfaches von 3 gerundet.

3 Schichtenmodell des BIBB nach neuer Berechnungsweise; in % der begonnenen Ausbildungsverträge.

Quelle: "Datenbank Auszubildende" des Bundesinstituts für Berufsbildung auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik

der statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31. Dezember), Berichtsjahre 2008 bis 2011.

Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung.

15


An'age

Tabelle 7: Vertragslösungsquoten (LO -,neu

in %), Angebots-Nachfrage-Relation am

Ausbildungsstellenmarkt und Arbeitslosenquote 2011, nach Bundesländer

Region ANR„ 12 ALQ3

Mecklenburg-Vorpommern 33,9 106,4 12,5

Berlin 33,6 90,7 13,3

Sachsen-Anhalt 31,0 98,1 11,6

Brandenburg 29,9 93,1 10,7

Thüringen 29,6 99,6 8,8

Saarland 29,0 95,1 6,8

Hamburg 28,2 93,7 7,8

Sachsen 27,5 96,9 10,6

Schleswig-Holstein 27,2 92,3 7,2

Rheinland-Pfalz 26,5 91,8 5,3

Niedersachsen 23,6 87,8 6,9

Nordrhein-Westfalen 23,5 89 8,1

Bremen 23,5 91,3 11,6

Hessen 23,2 92,6 5,9

Bayern 21,1 100,0 3,8

Baden-Württemberg 20,9 95,1 4,0

Bundesgebiet insgesamt 24,4 93,4 7,1

1 LO.„„: Schichtenmodell des BIBB nach neuer Berechnungsweise; in % der begonnenen Ausbildungsverträge, Quelle:

"Datenbank Auszubildende" des Bundesinstituts für Berufsbildung auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der

statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31. Dezember), Berichtsjahre 2008 bis 2011.

2 AN Fi ne.: Angebots-Nachfrage-Relation am Ausbildungsstellenmarkt; neue (erweiterte) Definition, Quelle: Ulrich, J.G.

u.a. (2012): Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt gerät ins Stocken. Bonn 2012;

http://www.bibb.cie/dokumente/pdf/a21 beitrag naa-2012. pdf (Abweichungen zum Datenreport 2012 und zu

http://www.bibb.de/de/59142.htm aufgrund von nachträglichen Korrekturen der BA-Daten).

3 ALQ: Arbeitslosenquote bezogen auf alle zivile Erwerbspersonen (Jahresdurchschnitt 2011), Quelle: Bundesagentur

für Arbeit; http://statistik.arbeitsagentur.de/Statistikdaten/Detaii/201112ftia4/monats-jahresuuoten/monatsjahresquoten-d-O-pdf.pdf

16


Anlage 3: Studien zu vorzeitigen Vertragslösungen -

BIBB

eine Auswahl

Schöngen, Klaus (2003): Lösung von Ausbildungsverträgen — schon Ausbildungsabbruch? Ergebnisse

einer Befragung des Bundesinstituts für Berufsbildung. In: Informationen für die Beratungs- und

Vermittlungsdienste der Bundesanstalt für Arbeit (25), S. 5-19.

Alex, Laszlo; Menk, Angela; Schiemann, Manfred (1997): Vorzeitige Lösung von

Ausbildungsverträgen. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 26(4), S. 36 - 39.

Alex, Laszlo; Schiemann, Manfred (1991): Befragung Jugendlicher zur vorzeitigen Auflösung von

Ausbildungsverträgen. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 20 (4), S. 9 - 14.

Weitere Studien

Piening, Dorothea; Hauschildt, Ursel; Heinemann, Lars; Rauner, Felix (2012): Bericht zur Studie:

„Hintergründe vorzeitiger Lösungen von Ausbildungsverträgen aus Sicht von Auszubildenden und

Betrieben in der Region Leipzig. Universität Bremen. Im Auftrag der Landratsämter Nordsachsen und

Leipzig sowie der Stadt Leipzig (in Kooperation mit der Hw- und IH-Kammer Leipzig).

Piening, Dorothea; Hauschildt, Ursel; Rauner, Felix (2010): Lösung von Ausbildungsverträgen aus der

Sicht von Auszubildenden und Betrieben. Universität Bremen (A+B Forschungsbericht Nr. 6/2010). Im

Auftrag der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland.

TNS EMNID (2001): Befragung von Abbrechern, Ausbildern und Berufskolleglehrern zum Thema

Ausbildungsabbruch. Report für die Projektbeiratssitzung. Projektergebnisse im Rahmen von Ziellauf

(Initiative zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen im Handwerk).

Bohlinger, Sandra (2003): Ausbildungsabbruch im Handwerk. Strukturen vorzeitiger Vertragslösungen

nach dem ersten Ausbildungsjahr. Bielefeld (Dissertation). Vertragslösungen im nordrheinwestfälischen

Handwerk im Jahr 2000.

Bohlinger, Sandra (2002): Ausbildungsabbruch. Einblicke in eine vermeintliche Randerscheinung des

deutschen Bildungssystems. Aachen. Vertragslösungen im nordrhein-westfälischen Handwerk im Jahr

2000 und Ergebnisse der Beratungen im Rahmen von Ziellauf.

Schweiz

Stalder, Barbara E; Schmidt, Ey] (2006): Warum Lehrverträge aufgelöst werden. Studie zum Thema

Lehrvertragsauflösung und deren Folgen. In: Panorama : Bildung, Beratung, Arbeitsmarkt, Deutsche

Ausgabe(2), S. 13 - 14. Studie LEVA Kanton Bern.

Stamm, M. (2012): Zur Rolle des Betriebs beim Ausbildungsabbruch. Zeitschrift für Berufs- und

Wirtschaftspädagogik 108: 18-27. Projekt DRILL bzw. STABIL (Stabile Lehrverträge — die Rolle des

Ausbildungsbetriebs).

Weitere Literaturhinweise

Woll, Christian; Prüstel, Sabine; Linten, Markus (2013): Auswahlbibliografie "Vorzeitige Lösung von

Ausbildungsverträgen". Zusammenstellung aus: Literaturdatenbank Berufliche Bildung

(www.ldbb.de ), Stand: Februar 2013 (Version 1.0); http://www.deeavet.cle/

media/PDF allgemein/Auswahlbibliografie-ausbildungsabbruch.pdf

17


Anlage 4: Synopse mit einer Auswahl an Praxisbeispielen zur Vermeidung von vorzeitigen Vertragslösungen

(Maßnahmen, die während der Ausbildung ansetzen)


StUA- Praxisworkshop: Vertragslösungen / Ausbildungsabbrüche, 25.06.2013 im 13113B

Vorhaben / Adressaten

Azubis /Jugendliche

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StUA-Praxisworkshop: Vertragslösungen / Ausbildungsabbrüche, 25.062013 im BIBB

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Vorhaben / Adressaten

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Nachhilfe Begleitung

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Sonstiges

Förderung /

Reichweite

Ausbildung sichern - Abbrüche

vermeiden, Land Berlin

Mentoring,

Tandem

13 Einzelvorhaben,

Berlin, ESF

11 Standorte,

Beratung, individuelle

Wirtschafts- und

Ausbildungsbetreuung, Schleswig-

Holstein

Begleitung, mobile

Beratung

Arbeitsministerium

Schleswig-Holstein, ESF

fallorientierte Beratung

Training zur

Ausbildungs-Coaching für Migranten,

KUBI Ffm

und Begleitung,

Coaching

Prüfungsvor-

bereitung

Persönlichkeits

entwicklung

Stadt Frankfurt,

Flughafen-Stiftung

Hotline gegen Ausbildungsabbruch, Pro

Arbeit Rosenheim

Telefonhotline,

Beratung

Sparkassenstiftung

Rosenheim

Betriebe und Azu bis

Ausbildungsberater der Kammern

Beratung der

Auszubildenden

Beratung der

Ausbildenden

BBiG (Aufgabe der

Kammern)

Beratung für

Matching,

Assistierte Ausbildung Baden-

Württemberg (Der Paritätische und

Diakonie)

intensive Begleitung,

Coaching, Beratung

Betriebe,

Ausbildungs-

Organisation

Begleitung vor

und während

der Ausbildung

14 Standorte,

Arbeitsministerium Ba-

Wü, BA, ESF)

AB 3.1 Lippegaus-Grünau / Neises, 06/13 2 Bundesinstitut für Berufsbildung


StUA-Praxisworkshop: Vertragslösungen / Ausbildungsabbrüche, 25.06.2013 im BIBB

Vorhaben / Adressaten

Praxismodelle zur Vermeidung von Vertrag /

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Professionelle

Kernangebe

ehrenamt-

Beratung Theorie, liche

und Begleitung _ _ Nachhilfe Begleitung

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. brüchen - Beispiele

Dienstleistung

(Betrieb /

;Berufsschule)

Sonstiges

Förderung /

Reichweite

z. B. NRW mit 44

Projekten und 520

Teilzeitberufsausbildung

Beratung,

sozialpädagogische

Begleitung, Coaching

Beratung für

Betriebe

Begleitung

beim Einstieg;

organisatorische

Unterstützung

Teilnehmerplätzen

(MAIS-NRW, ESF);

Schleswig-Holstein mit

4 Standorten (UNI,

ESF)

Erfolgreich gemeinsam ausbilden (lN

VIA Deutschland}

Beratung und

individuelle

Unterstützung,

Ausbildungsbe-gleitung,

Vermittlung

Stützunterricht

Beratung

Ausbildungsorganisation

Vermittlung

von

Ausbildungspaten

4 Standorte

bundesweit

Glücksspirale,

Eigenmittel

Start-u p

Begleitete Ausbildung, AVM gGmbH,

VHS-Rüsselsheim

Prävention und

Intervention,

sozialpädagogische

Betreuung, Beratung

Nachhilfe,

Prüfungsvor-

bereitung

Veranstaltungen in

den Berufsschulen,

Beratung für

Betriebe

Begleitung vor

der

Ausbildungsaufnahme

Stadt Rüsselsheim,

Kreis Groß-Gerau

Azubi-

Hamburger Mediationsservice

Ausbildung, asm e.V.

Beratung

Mediation,

Klärungsgespräche

(Azubi,

Betrieb)

Beratung,

Vermittlung

zwischen Betrieb

und Berufsschule

Stammtisch,

Azubi-

Seminare,

Diversity-

Trainings

Stadt Hamburg (ESF)

AB 3.1 Lippegaus-Grünau / Neises, 06/13 3 Bundesinstitut für Berufsbildung


StUA- Pra: Vertragslösungen / Ausbildungsabbrüche, 25.06 im BIBB

Vorhaben / Adressaten

Praxismodel zur Verrne

Professionelle

Beratung

und Begleitung

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Dienstleistung

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Berufsschule)

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Förderung /

Reichweite

Konfliktberatung

Bleib dran, Universität Bremen

Beratung, Vermittlung,

N etzwerkarbeit

Konflikt-

training

verortet in der

Berufsschule

Stadt Bremen, ESF

Bleib dran, BBQ Berufliche Bildung und

Fördergesellscahft der HWK-Freiburg

(Erst)Beratung,

Unterstützung bei

Konflikten und

Problemen, Vermittlung

weiterer Hilfen

Mediation,

Kriseninter-

vention

Beratung,

Unterstützung zur

Verbesserung der

Ausbildungsqualität

Stadt Freiburg

Betriebe / Ausbilder

Qualifizierung des

Ausbildungspersonals

von

Stark für Ausbildung, ZWH und D11-1K-

Bildungs GmbH

KMU, Blended-

Learning-Kurse

Ausbilderhandbuch

BMWi

Ziellauf, WHKT und LGH

Lernbaustei-ne

"Konflikte

meistern"

Medienpool:

Filme, Serious-

Garne, E-Learning-

Kurs

Trainings,

Broschüren,

Begleitmaterialien

BMAS, EU, ESF, NRW

Qualitäts-

Zertifizierung "Exzellente Ausbildung",

Hoteldirektorenvereinigung

Deutschland

siegel,

Qualitätssicherung

AB 3.1 Lippegaus-Grünau / Neises, 06/13 4 Bu ndesinstitut für Berufsbildung


StUA-Praxisworkshop: Vertragslösungen / Ausbildungsabbrüche, 25.06.2013 im BIBB

Praxismodelle zur Vermeidung von Vertragslösungen / Ausbildungsabbrüchen - Beispiele

Vorhaben / Adressaten

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Theorie,

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Kernangebote

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Dienstleistung

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Begleitun ent

- Berufsschule) Sonstiges

Förderung /

Reichweite

diverse Maßnahmen zur

betrieblichen

Onbaording von Auszubildenden

Sozialisation neuer

Auszubildender

Aktivitäten der

Unternehmen

BIBB-Modellversuchsförderschwerpunkt "Neue Wege in die

duale Ausbildung - Heterogenität als Chance für die

Fachkräftesicherung"

BIBB-Modellversuchsförderschwerpunkt

"Qualitätsentwicklung und -sicherung in der betrieblichen

Berufsausbildung"

Jobstarter, 6. Förderrunde: "Unterstützungsstrukturen für

Betriebe zur unmittelbaren Ausbildungsintegration von

Jugendlichen"

jeweils mehrere

Modellversuchsstandorte

bundesweit

Start der

Projekte ab

August 2013

Quelle: Selbstdarstellungen

auf

Websites

Bundes-

programme

Initiativen der

Länder

Initiativen der

Kommunen /

Sonstige

Förderung

AB 3.1 Lippegaus -Grünau / Neises, 06/13 5 Bundesinstitut für Berufsbildung


Dr. Alexandra Uhly, Bundesinstitut für Berufsbildung

Fachgesprächs im Ausschuss für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie in Brandenburg zum Thema

"Lösung von Ausbildungsverhältnissen von Jugendlichen"

Potsdam, 21. August 2013

Kontakt: E -

Mail: uhly@bibb.de; Tel.: 0228 1071905

AB 2.1 Berufsbildungsangebot und -nachfrage / Bildungsbeteiligung (Dr. Alexandra Uhly)

Bundesinstitut DiBB Forschen

B rat n

für Berufsbildung UV

Zukunft gestalten


hohe Abbruchquote

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Die Weit 25.01.2013

Darstellungen in der Presse sind irreführend! (Medienwirksame

Darstellung empirischer Befunde)

Nicht nur in der Presse: Vorherrschendes Bild über Jugendliche als

„die Ausbildungsabbrecher" ist eine einseitige und verengte Sicht

auf das komplexe und vielfältige Phänomen „vorzeitige

Vertragslösungen"

AB 2.1 Berufsbildungsangebot und -nachfrage / Bildungsbeteiligung (Dr. Alexandra Uhly)

Bundesinstitut

für Berufsbildung

EIBB Forschen

, Beraten

Zukunft gestatten


1. Datenlage

Berufsbildungsstatistik (Erhebung zum 31.12.)

zentrale Datenquelle: Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des

Bundes und der Länder (Erhebung zum 31.12. kurz: Berufsbildungsstatistik

bzw. BBS)

Umfassende Datenbasis (jährliche Totalerhebung der

Ausbildungsverträge und Prüfungen)


➢ Verbesserungen

Erfasst: vorzeitige Vertragslösungen; nicht Ausbildungsabbrüche!

der Datenlage (Neuerungen seit 2007, Artikel 2a

Berufsbildungsreformgesetz), aber: leider keine echten

Verlaufsdaten;

Vertragswechsel und Ausbildungsabbrüche können nicht

unterschieden werden.

> Außerdem fehlen Betriebsmerkmale weitgehend.

> Aktueller Datenstand: 2011; demnächst veröffentlicht das

statistische Bundesamt die Daten für das Berichtsjahr 2012.

AB 2.1 Berufsbildungsangebot und -nachfrage / Bildungsbeteiligung (Dr. Alexandra Uhly)

Bundesinstitut Bi BB

für Berufsbildung

.

Forschen

BZue leautnek gestalten


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bundesweit: LQ im üblichen

Schwankungsbereich der

letzten Dekaden: 20% -

25%

(Schwankungen im Zsh. mit der

Entwicklung der ANR)

I 1 1 1 1 1 I I 1 1

1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010


Ostdeutschland

(2011: 30,7%)

Brandenburg

(29,9%)

—Bundesgebiet

insgesamt (24,4%)

*LQait, ab 2009: LQ -neu

Datenquelle: "Datenbank Auszubildende" des Bundesinstituts für Berufsbildung auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der

statistischen Ämter des Bundes und der Länder (Erhebung zum 31. Dezember), Berichtsjahre 1991 bis 2011. Berechnungen des

Bundesinstituts für Berufsbildung; für 2007 wurden aufgrund erheblicher Meldeprobleme keine Lösungsdaten veröffentlicht.

Werte vor und nach 2007 können aufgrund weitreichender Umstellungen in der Berufsbildungsstatistik nicht unmittelbar

miteinander verglichen werden.

1. Befund BBS: Lösungsquote (LQ) im Zeitverlauf

LQ: rechnerischer Anteil vorzeitig gelöster Ausbildungsverträge an allen

begonnenen Ausbildungsverträgen (bewährter Näherungswert)

AB 2.1 Berufsbildungsangebot und -nachfrage / Bildungsbeteiligung (Dr. Alexandra Uhly)

Forschen

Bundesinstitut B B Eg Beraten

für Berufsbildung

- Zukunftgestalten


1. Befunde BBS: LQ - Strukturen

➢ LQ

LQ nach Personenmerkmalen (Azubis) und Berufen/-gruppen

variiert deutlich nach Schulabschluss der Auszubildenden (je niedriger

der Schulabschluss, desto höher die LQ). Ohne HSA: 38,6% HSA: 34,5%, Real:

21,0%, Studienb.: 13,6% Achtung: die höheren LQ bei maximal Hauptschulabschluss ist nicht

alleine dem Schulabschluss zuzuschreiben, denn Jugendliche mit geringeren Schulabschlüssen

konnten seltener Wunschberuf realisieren oder erhalten eher instabileren Ausbildungsplätzen.



LQ der Frauen sind im dualen System insgesamt nur geringfügig höher als die der Männer; in

einzelnen Zuständigkeitsbereichen/Berufen fällt dieser Unterschied größer aus.

LQ bei ausländischen Auszubildenden etwas höher als bei denjenigen mit deutschem Pass.

Dieser Effekt geht bei Kontrolle weiterer Variablen wie Schulabschluss, Beruf etc. aber stark

zurück. In Brandenburg fällt dieser Unterschied größer aus (bei insgesamt aber sehr wenigen

ausländischen Auszubildenden)

LQ variiert nach Zuständigkeitsbereichen (Hw, Hausw, FB, IH, Lw; ÖD). Auch hierbei gilt: der

Effekt ist nicht alleine dem Zuständigkeitsbereich zuzuschreiben (bei Kontrolle der Vorbildung der

Azubi wird z.B. der Unterschied zwischen Hw und IH geringer).

➢ LQ variiert deutlich nach Bundesländer zw. ca. 21% (BW/BY) und ca. 34%

BE/MV; die Ländereffekte bleibt auch unter Kontrolle anderer Variablen der BBS.

➢ LQ variiert erheblich nach Berufen, zw. bundesweit unter 4% bis über 50%.

AB 2.1 Berufsbildungsangebot und -nachfrage / Bildungsbeteiligung (Dr. Alexandra Uhly)

Bundesinstitut

für Berufsbildun g IU/

Forschen

DiEgEg . Be aten

Zukunft gestalten



Ursachen

Wovon hängt das Risiko einer Vertragslösung ab?

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Jugendliche

*Ausbildungsfähigkeit/

-bereitschaft

• Berufswahlverhalten

• weitere Personeneigenschaften

Betriebe/Ausbilder

•Ausbildungsfähigkeit/

-bereitschaft

* Rekrutierungsverhalten

• weitere Merkmale

Umgang mit

Konflikten

Vertragslösungsrisiko

Beruf (Attraktivität; Arbeits-/

Ausbildungsbedingungen)

Berufsschule

ANR (Ausbildungsstellenmarktlage)

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Wirtschaftslage/Beschäftigungslage

AB 2.1 Berufsbildungsangebot und -nachfrage / Bildungsbeteiligung (Dr. Alexandra Uhly)

Bundesinstitut BiBB .

Forschen

Be aten

für Berufsbildung • Zukunft gestalten


1

Schlussfolgerung

Hinter Vertragslösungen stehen unterschiedliche Phänomene;

Ursachen sind komplex und vielfältig

• Erweiterung der Perspektive und eine Trennung der

verschiedenen Arten/Aspekten von Vertragslösungen

erforderlich (leider im Rahmen der BBS (derzeit) nicht möglich)

Nicht jede Vertragslösung ist ein Scheitern der

Jugendlichen!

• Maßnahmen sollten nicht alleine bei den Jugendlichen und der

Frage nach deren Berufswahl- oder Ausbildungsfähigkeit ansetzen

Ausbildungsfähigkeit aller Akteure, Ausbildungsqualität, Umgang

mit Konflikten, Attraktivität der Berufe, etc.

Stabilität von Ausbildungsplätzen/Ausbildungsverhältnissen?

AB 2.1 Berufsbildungsangebot und -nachfrage / Bildungsbeteiligung (Dr. Alexandra Uhly)

BB

Beraten

Bundesinstitut D i

Forschen

für Berufsbildung

J- Zukunft gestalten


Anlag

Schriftliche Stellungnahme der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg

anlässlich des Fachgesprächs zum Thema „Lösung von

Ausbildungsverhältnissen von Jugendlichen" am 21.08.2013 im Ausschuss

für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie des Landtags Brandenburg

Stand: 15 08.2013 RDBB — Dieter Wagon, Vorsitzender der Geschäftsführung

Bundesagentur für Arbeit

Regionatdirektian

Berlin-Brandenburg

1.) Wie schätzen Sie die Situation und aktuelle Entwicklung zur vorzeitigen Lösung von

Ausbildungsverträgen ein?

Die Entwicklung bei den vorzeitigen Vertragslösungen im Land Brandenburg ist leider

nicht erfreulich.

Nach aktuellen Daten aus dem Bundesinstitut für Berufsbildung betrug die Lösungsquote

2011 in Brandenburg 29,9% (Bund 24,2%) und ist damit gegenüber dem Jahr 2010 noch

einmal angestiegen. (Brandenburg 2010 = 26,8%, Bund 2010 = 23,0%).

Dieser überdurchschnittliche Anstieg von einem, mit Blick auf den Bundeswert, ohnehin

überdurchschnittlich hohen Niveau bietet Anlass zur Sorge und ist auch der Hintergrund

dafür, dass die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit (BA)

im Zukunftsprogramm Berlin-Brandenburg „Gemeinsam für die Region" auch das Thema

„Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen" hoch auf die Agenda gesetzt hat.

Dabei ist zunächst anzumerken, dass nicht hinter jeder Vertragslösung ein sogenannter

Ausbildungsabbruch steckt.

Es gibt durchaus auch Lösungen, die sogar erwünscht sind, z.B. wenn eine außerbetriebliche

Ausbildung zugunsten einer betrieblichen Ausbildung gelöst wird.

Auch führt eine vorzeitige Vertragslösung nicht immer zu Brüchen im Lebenslauf. Manche

junge Menschen steigen unmittelbar danach erneut in eine Berufsausbildung oder in andere

Bildungswege ein, aber auch das bedeutet Diskontinuität für den jungen Menschen

und das Unternehmen.

Die statistischen Angaben, die uns vorliegen, können zwischen denjenigen, die nach einer

Vertragslösung ihren beruflichen Werdegang nahtlos fortsetzen und denjenigen, denen

das nicht gelingt, leider nicht unterscheiden.

Aus Ergebnissen von Befragungen, die jedoch nicht spezifisch für das Land Brandenburg

vorliegen, wissen wir jedoch, dass ca. einem Viertel der jungen Menschen, die eine Berufsausbildung

vorzeitig beenden, kein Einstieg in weitere berufliche oder sonstige Bildung

gelingt. Hier besteht die Gefahr, dass diese jungen Menschen sehr lange oder sogar auf

Dauer außerhalb des Bildungssystems verbleiben. Dies bedeutet, dass bei dieser Personengruppe

ein hohes Risiko für Langzeitarbeitslosigkeit oder zumindest für „unsichere

Beschäftigungen" besteht. Deshalb ist es entscheidend, hier anzugreifen und möglichst

fundierte Berufswahlentscheidungen als entscheidende Wegmarke zu initiieren.

Aus Sicht der Betriebe ist anzumerken, dass die vorzeitige Lösung eines Ausbildungsvertrages

immer eine „Fehlinvestition" ist und einen erheblichen Ressourcenverlust nach sich

zieht. Nach einer Untersuchung des BIBB sind den Betrieben bis zum durchschnittlichen

Zeitpunkt einer Vertragslösung Nettokosten von knapp 7.000 € entstanden, dieser Betrag

kann bei bestimmten Berufen sogar über 18.000 € ausmachen.

Auch hier besteht das hohe Risiko, dass sich diese Betriebe nach solch negativen Erfahrungen

frustriert aus der Berufsbildung zurückziehen und eine ohnehin niedrige Ausbildungsbetriebsquote

weiter verschlechtert. In Zeiten, in denen sich in Brandenburg in eini-


gen Bereichen ein Fachkräfteengpass oder schon eingetreten ist, ist dies eine schlechte

Entwicklung.

Bei den vorliegenden Daten zu vorzeitigen Lösungen von Ausbildungsverhältnissen fällt

auf, dass sich die Lösungsquoten innerhalb von Berufen bzw. Branchen stark unterscheiden.

Diese Unterschiede sind weit auffälliger als landesspezifische Unterschiede in den

Lösungsquoten.

Als Beispiel für sehr hohe Lösungsquoten seien in Brandenburg der Beruf Koch mit einer

Lösungsquote von 47,4% und der Beruf Anlagenmechaniker mit einer Lösungsquote von

39,1% genannt.

Dagegen beträgt in Brandenburg die Lösungsquote beim Beruf Industriemechaniker nur

14,8% und beim Bankkaufmann nur 6,4%.

Ebenso sind Klein- und Kleinstbetriebe deutlich häufiger von Ausbildungsabbrüchen betroffen,

ebenso wie auf Seiten der Auszubildenden junge Menschen mit einfachen Schulabschlüssen

häufiger ihre Ausbildung vorzeitig beenden.

Bei der Entwicklung von Strategien, um die Quote der vorzeitigen Vertragslösungen zu

senken, bietet es sich deshalb an, den Fokus zuerst auf bestimmte Branchen bzw. Betriebsstrukturen

zu legen.

Zu den Unterschieden in der Datenlage des BIBB und der Kammern:

Da die BA keine eigenen Daten zum Thema vorzeitige Vertragslösungen erheben kann,

nutzt die BA die Daten, die über das BIBB und die statistischen Landesämter zur Verfügung

gestellt werden.

Die Unterschiede dieser Angaben zu den Erhebungen der Kammern können am besten

von diesen Institutionen selbst beantwortet werden.

2.) Welche Gründe führen zu einer vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen

von Jugendlichen?

Zu den Gründen von vorzeitigen Lösungen von Ausbildungsverträgen liegen keine gesicherten

statistischen Daten vor.

Daher ziehen wir unsere Erkenntnisse aus Befragungen von Auszubildenden, die vom

BIBB oder aus regionalen Studien des IAB oder anderer Akteure stammen.

Auszubildende nennen als Grund für den Ausbildungsabbruch, dass die Ausbildung ihnen

nicht zugesagt hat bzw. nennen Probleme mit Ausbildern, Lehrern oder Kollegen oder

persönliche Gründe.

Dagegen nennen Auszubildende die Anforderungen in der Berufsausbildung und die Erreichbarkeit

von Betrieb oder Berufsschule eher selten als Grund für einen Abbruch.

Anders sehen dies die Betriebe. Befragt man Arbeitgeber nach dem Grund für eine vorzeitige

Lösung des Ausbildungsvertrages, werden häufig unzureichende Leistungen, fehlende

Motivation bzw. hohe Fehlzeiten genannt.

Dagegen werden Konflikte zwischen Ausbildern und Auszubildenden seltener als Grund

für die Vertragslösung benannt.

3.) Welche Möglichkeiten gibt es, um Einfluss zu nehmen auf die Zahl der vorzeitigen

Vertragslösungen?

Auf Seiten der jungen Menschen wird eine falsche Berufswahl („Diese Ausbildung war

nicht das Richtige") häufig als Grund für den Ausbildungsabbruch genannt


Ansatzpunkt ist hier deshalb die frühzeitige Berufsorientierung gezielt und systematisch

durchzuführen, um damit die jungen Menschen und ihr Umfeld zu befähigen, realistische

Perspektiven zu entwickeln und fundierte Entscheidungen zu treffen.

In Brandenburg gibt es zusätzlich zum Berufswahlunterricht in der Schule und den berufsorientierenden

Veranstaltungen der Agenturen für Arbeit zahlreiche Projekte der vertieften

Berufsorientierung, an denen sich die BA in Kooperation mit dem Land beteiligt.

In diesen Projekten geht es u.a. darum, dass die Teilnehmer über praktische Erfahrungen

die konkreten Ausbildungsbedingungen in bestimmten Berufsfeldern kennen lernen. Sie

erhalten so die Chance, ihre Talente und Stärken selbst zu entdecken, aber auch auszuschließen,

was gar nicht passt.

Diese Programme werden weiter geführt, sollen aber zukünftig noch systematischer ausgerichtet

werden. Wichtig ist für uns, dass Qualitätsstandards der Berufsorientierung vereinbart

und nachgehalten werden. Berufsorientierung muss aus unserer Sicht in allen

Schultypen erfolgen, da auch die Zahl der Studienabbrüche eher hoch ist.

Neben dem Land und der BA sind alle anderen Akteure am Ausbildungsmarkt gefordert,

sich beim Thema Berufsorientierung zu engagieren und einzubringen, um Schülerinnen

und Schülern eine realistische Vorstellung der Berufswelt zu vermitteln.

Darüber hinaus werden junge Menschen, die Schwierigkeiten beim Übergang in eine Ausbildung

haben, mit Maßnahmen der Berufseinstiegsbegleitung individuell und intensiv unterstützt

und nach Aufnahme einer Ausbildung weiter betreut, um einer Vertragslösung

vorzubeugen.

Auch hier ist das Ziel, diese Maßnahmen weiter zu führen, zur Finanzierung gibt es aktuell

Abstimmungsgespräche mit dem Land und dem Bund.

Ebenso tragen alle Maßnahmen zur Berufsvorbereitung ihren Teil dazu bei, dass das Risiko

eines Abbruchs einer Berufsausbildung verringert wird.

Um eine zusätzliche Stabilisierung der Teilnehmer einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme

beim Übergang in eine betriebliche Ausbildung zu erreichen, werden die Teilnehmer

zukünftig nach Eintritt in eine Berufsausbildung weiter unterstützt und betreut und

haben damit einen bekannten und vertrauten Ansprechpartner, der bei Problemen unterstützen

und vermitteln kann.

Wir versprechen uns davon, dass das Risiko eines Abbruchs bei dieser Personengruppe

sinken wird.

Eine der besten Möglichkeiten, das Risiko eines späteren Ausbildungsabbruchs zu senken,

ist eine betriebsnahe Berufsvorbereitung im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung,

quasi als „Praktikum" in einem ausbildenden Betrieb. Der sogenannte „Klebeeffekt" ist

deutschlandweit recht hoch. Sie trägt dazu bei, dass junge Menschen, deren Eignung für

eine Ausbildung unsicher ist, über die direkte Erfahrung im Betrieb ihre Berufswahlentscheidung

überprüfen und absichern können. Aber auch Betriebe sich ein unmittelbares

Bild von jungen Menschen mit weniger guten Zeugnissen machen können, die aber vor

Ort durch Einsatz und Motivation überzeugen. Wir wünschen uns, dass mehr Betriebe

insbesondere jungen Menschen mit Startschwierigkeiten, die ohne eine solche Vorbereitung

den Anforderungen einer Berufsausbildung nicht gerecht werden können, die Chance

erhalten, im Betrieb gefördert und vorbereitet zu werden.

Durch die persönliche Berufsberatung der jungen Menschen in den Agenturen für Arbeit,

in denen die Berufswahl und Eignung individuell abgeklärt werden und durch die darauf


asierende individuelle Ausbildungsvermittlung wird sichergestellt, dass Betrieb und Bewerber

möglichst gut zueinander passen.

Und das gelingt auch gut, denn interessanterweise ergeben spezifische Befragungen,

dass selbst in den Fällen, in denen eine Ausbildung später wieder gelöst wird, die meisten

Betriebe zu Beginn der Ausbildung wenig Zweifel an der Eignung der Auszubildenden hatten.

Ebenso deutete auch aus Sicht der Auszubildenden zu Beginn der Ausbildung wenig auf

eine spätere Vertragslösung hin, die weitaus größere Zahl der späteren Abbrecher haben

ihre Ausbildung mit Optimismus begonnen.

Das bedeutet, dass es in den Fällen, in denen es später zu einer Auflösung kommt, erst

im Verlauf der Berufsausbildung Schwierigkeiten oder Probleme auftauchen, die entweder

für den Auszubildenden oder den Betrieb die Fortführung der Ausbildung unmöglich machen.

Daher ist es entscheidend, solche Schwierigkeiten und Probleme frühzeitig zu erkennen

und diesen möglichst frühzeitig entgegen zu wirken. Hier sehen wir als wichtigen Ansatzpunkt

die Vernetzung aller an der Berufsausbildung Beteiligten, damit vorhandene Unterstützungs-

und Hilfeangebote rechtzeitig greifen können.

Beratungs- und Unterstützungsangebote sowohl für Arbeitgeber als auch für Auszubildende

gibt es viele, von der Ausbildungsberatung der Kammern, der Berufsberatung der

Agenturen für Arbeit (AA), bis zu ausbildungsbegleitenden Hilfen der AA und Jobcenter

(JC), die die Auszubildenden mit Nachhilfe und sozialpädagogischer Begleitung unterstützen.

Außerdem gibt es in den Regionen z.T. ehrenamtliche Coaching- oder Mentoringangebote

für Auszubildende.

Aber diese Angebote können nur greifen, wenn entweder der Auszubildende oder der

Ausbilder erstens die Problemlage erkennt, zweitens über die Hilfeangebote weiß und drittens

die Unterstützung dann auch in Anspruch nimmt.

Deshalb hat die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg im Rahmen des Zukunftsprogramms

Berlin-Brandenburg „Gemeinsam für die Region" in allen Brandenburger Regionen

die Bildung eines Netzwerkes zur spezifischen Unterstützung der Auszubildenden und

der Betriebe angestoßen.

In diesem Netzwerk verknüpfen sich alle an der Berufsausbildung Beteiligte - Kammern,

Berufsschulen, Arbeitgeberverbände, AA und JC, Innungen, regionale Verwaltungen, wie

z.B. Schulämter usw. und tragen dafür Sorge, dass Unterstützungs- und Beratungsangebote

für Auszubildende und Betriebe überall bekannt sind und es zu einem Austausch der

Beteiligten bei Problemen kommt.

Das soll dazu beitragen, dass bei Problemen frühzeitig interveniert wird und diese ausgeräumt

werden und das Risiko des Scheiterns sinkt.

Die großen Unterschiede bei den Lösungsquoten der einzelnen Berufe lassen aber

auch den Schluss zu, dass es branchenspezifische Gründe für die Lösung von

Ausbildungsverträgen gibt.

Es überrascht nicht, dass bestimmte Branchen, z.B. Hotel und Gastronomie, in denen

die Arbeitszeiten unregelmäßig und auch in den Abendstunden oder am Wochenende

liegen, höhere Lösungsquoten haben als andere Branchen.


Gleichzeitig sind dies aber auch die Branchen, in denen sich einerseits ein hoher

Fachkräftebedarf abzeichnet und andererseits in Brandenburg die Akquise von

Auszubildenden zunehmend schwieriger wird.

Hier scheint es auf Seiten der Betriebe besonders wichtig zu sein, Ausbildungsbedingungen

zu schaffen, die Auszubildende an den Betrieb binden.

Dazu können z.B. Unterstützungsangebote zur Förderung der Mobilität gehören.

In diesen Branchen ist es außerdem wichtig, dass die Auszubildenden erleben,

dass ihre Qualifizierung ernst genommen wird und angemessene Vergütungen in

der Ausbildung gezahlt werden. Sobald hier bei den Auszubildenden der Eindruck

entsteht, dass sie quasi nur als billige Arbeitskräfte angesehen werden, steigt die

Gefahr einer Lösung des Ausbildungsvertrages.

4.) Welche Konzepte wenden Ausbildungsbetriebe an, um Ausbildungsabbrüche zu

verhindern?

Ist zu beantworten durch die Vertreterinnen und Vertreter der Unternehmen.

5.) Gibt es in Brandenburg genügend Ausbildungsstätten für „Umsteiger", damit Ausbildungsverhältnisse

im zweiten Anlauf geschlossen werden können?

Da es in Brandenburg zunehmend offene Berufsausbildungsstellen gibt, steht grundsätzlich

jungen Menschen, die einen Vertrag vorzeitig gelöst haben, ein Angebot an Ausbildungsstellen

zum „Umstieg" zur Verfügung.

Wichtig ist dabei eine gute Beratung, bei der zuvor Eignung und Motivation abgeklärt werden,

um ein erneutes Scheitern mit weiterem Motivationsverlud zu verhindern.

Dabei haben die jungen Menschen, die einen Ausbildungsvertrag gelöst haben oder von

ihrem Betrieb gekündigt worden sind, mehrere Anlaufstellen.

Außer der Beratung der Kammern nehmen viele Jugendliche Kontakt mit der Berufsberatung

der Agentur auf, die über Alternativen berät und im Rahmen der individuellen Ausbildungsvermittlung

den jungen Menschen erneut einen Ausbildungsbetrieb vermittelt.

Um einen guten Anschluss an eine folgende Berufsausbildung zu gewährleisten, können

förderungsbedürftige jungen Menschen nach der vorzeitigen Lösung eines Ausbildungsvertrages

bis zur Wiederaufnahme einer Folgeausbildung mit ausbildungsbegleitenden

Hilfen gefördert werden.

Das trägt dazu bei, dass die Teilnehmer in den theoretischen Anforderungen, trotz der Lösung

des Vertrages, nicht den Anschluss verlieren.

6.) Welche Angebote gibt es für Auszubildende ohne Haupt- und Förderabschluss,

wenn sie eine Berufsausbildung abgebrochen haben?

Wenn sich bei förderungsbedürftigen jungen Menschen, z.B. jungen Menschen ohne

Haupt- und Förderschulabschluss ergibt, dass die Fortsetzung einer Berufsausbildung in

einem Betrieb trotz der ausbildungsbegleitenden Hilfen aussichtslos ist, kann die Berufsausbildung

mit Förderung durch die Agenturen für Arbeit oder Jobcenter auch außerbetrieblich

fortgesetzt werden.


Anlage 5-

EINGEGANGEN

1 9. AUG. 2013

Erledigt ....(57.447 KA I AV

4/4 »LA - r.‚ita /1-

UVB

UNTERNEHMENSVERBÄNDE

BERLIN-BRANDENBURG

Landtag Brandenburg

Ausschuss für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie

Fachgespräch 21.8.2013:

Lösung von Ausbildungsverhältnissen

von Jugendlichen

Stellungnahme der UVB

19. August 2013


Anlage 5-

Landtag Brandenburg

Ausschuss für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie

Fachgespräch zum Thema: „Lösung von Ausbildungsverhältnissen von Jugendlichen"

am 21.8.2013

Stellungnahme der UVB

1.

Vorzeitige Lösungen von Ausbildungsverhältnissen von Jugendlichen ohne plausible

Gründe sind volkswirtschaftlich betrachtet eine Verschwendung wertvoller

Ausbildungsressourcen, die nicht hingenommen werden dürfen und soweit wie

möglich reduziert werden müssen.

2.

Vorzeitige Lösungen von Ausbildungsverhältnissen finden in den neuen Bundesländern

häufiger als in den alten Bundesländern statt. Das statistische Bundesamt

weist eine Ausbildungs-Lösungsquote für die alten Bundesländer von 23,2 %, für

die neuen Bundesländer und Berlin von 30,7 % aus (Werte 2011). Das Amt für

Statistik Berlin-Brandenburg weist für Berlin 33,3%, für Brandenburg 29,2 % aus

(Werte im Jahr 2012).

3.

In den neuen Bundesländern finden vorzeitige Lösungen von Ausbildungsverhältnissen

häufiger in Handwerksberufen statt als in den Berufen, die den Industrieund

Handelskammern zugeordnet sind. Bei den Handwerksberufen beträgt die

Lösungsquote in Berlin 47,4 %, in Brandenburg 38,0 %, bei den Berufen der Industrie-

und Handelskammern beträgt die Lösungsquote in Berlin 30,4%, in Brandenburg

26,9% (Werte 2012, siehe Anlage).

4.

Vorzeitige Lösungen von Ausbildungsverhältnissen nach einzelnen Berufen zeigen

enorme Unterschiede.

In Berlin hat die Lösungsquote nach Ausbildungsberufen den höchsten Wert bei

Friseuren mit 65,5 °A), gefolgt von den Rechtsanwaltsfachangestellten mit 55,1%,

den Malern und Lackierern mit 54,3% und den Fachleuten für Systemgastronomie

mit 54,1%. Die niedrigsten Werte haben Mechatroniker mit 8.1% und Industriemechaniker

mit 6,5%

In Brandenburg hat die Lösungsquote nach Ausbildungsberufen den höchsten

Wert bei Friseuren und Restaurantfachleuten mit jeweils über 50%, gefolgt von

den Köchen mit 47,4% und den Metallbauern mit 44,5%. Die niedrigsten Werte

haben Mechatroniker mit 14.6%, Bankkaufleute mit 6,4%, Elektroniker Betriebstechnik

mit 5,7% und Verwaltungsangestellte mit 5,3%. (Werte 2011)

5.

Ferner liegen zwar keine gesicherten Daten, wohl aber viele Einzelhinweise dazu

vor, daß in industriellen Ausbildungsbetrieben, die tarifgebunden sind bzw. die einen

Haustarifvertrag haben, die Lösungsquoten niedriger sind als in anderen Betrieben.


Anlage .5-

Daraus kann geschlossen werden, das tarifliche Ausbildungsvergütungen, Vereinbarungen

zur Übernahme in Beschäftigung nach erfolgreichem Berufsabschluß,

hohe Qualität der Ausbildung und der Ausbilder, aber auch betriebliche Ansprechpartner

in Konfliktfällen wie ein Betriebsrat bzw. eine Jugend- und Auszubildendenvertretung

(JAV) wichtige Elemente sind, die einen Beitrag dazu leisten können,

vorzeitige Lösungen von Ausbildungsverhältnissen zu minimieren.

6.

Diese positiven Elemente zur Senkung der Zahl der vorzeitigen Lösungen von

Ausbildungsverhältnissen setzen aber nicht unbedingt eine Tarifbindung voraus.

Deshalb hat der Ausbildungskonsens Brandenburg und der Landesausschuß für

Berufsbildung des Landes Brandenburg vor eineinhalb Jahren, am 21.3.2012, u.a.

folgende Empfehlung veröffentlicht:

Ausbildungsvergütung und Übernahme in Beschäftigung

Nach dem Berufsbildungsgesetz hat der Ausbildungsbetrieb seinem Auszubildenden eine angemessene

Ausbildungsvergütung zu zahlen. Nach der Rechtsprechung ist eine Ausbildungsvergütung

dann noch angemessen, wenn sie nicht tiefer als 20 % unter der vergleichbaren tariflichen

Ausbildungsvergütung liegt.

Nach der Rechtsprechung besteht ferner kein Anspruch auf eine Übernahme in Beschäftigung bei

dem ausbildenden Betrieb nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung (in einigen Branchen ist

eine anschließende befristete Übernahme tarifvertraglich geregelt).

In den Zeiten, in denen die Zahl der Bewerber/innen die Zahl der angebotenen betrieblichen Ausbildungsplätze

übertroffen hat, war es bildungs- und arbeitsmarktpolitisch verantwortbar und auch

zielführend, über den eigentlichen betrieblichen Nach-wuchsbedarf hinaus Jugendliche auszubilden,

die so zusätzlich Ausgebildeten nicht in anschließende Beschäftigung zu übernehmen und aus

Kostengründen auch von der Absenkungsmöglichkeit bei der Ausbildungsvergütung Gebrauch zu

machen, wenn dies nicht durch tarifliche Bindungen oder andere Branchenverabredungen ausgeschlossen

war.

Inzwischen hat sich das Verhältnis der angebotenen Ausbildungsplätze und der Be-werber/innen

um einen Ausbildungsplatz verändert.

Hinzu kommt, dass Betriebe in wirtschaftlich prosperierenden Regionen Deutsch-lands mit besseren

Ausbildungs- und anschließenden Übernahmebedingungen verstärkt überregional Ausbildungsplatzbewerber/innen

suchen und auch finden.

Deshalb sollten Ausbildungsbetriebe in der Region die Höhe der Ausbildungsvergütung und die

Übernahme der Ausgebildeten in Beschäftigung künftig besser zur Imagebildung „Ausbildung in

Berlin-Brandenburg" nutzen.

Empfehlung des Ausbildungskonsenses und des LAB:

Der Ausbildungskonsens und der LAB unterstreichen die Bedeutung tariflich abgesicherter

Ausbildungsvergütungen. Der Ausbildungskonsens und der LAB empfehlen den Betrieben,

tarifvertragliche oder branchenübliche Ausbildungsvergütungen zu zahlen und die Absenkung

der Ausbildungsvergütung nicht mehr anzuwenden, auch nicht in den Fällen, in denen

dies rechtlich möglich wäre. Und sie empfehlen den Betrieben, alle erfolgreich Ausgebildeten

in Beschäftigung zu übernehmen.

7.

Der Landesausschuß für Berufsbildung des Landes Brandenburg hat den inhaltlichen

Schwerpunkt seiner Sitzung vom Mai 2013 dem Thema Vorzeitige Vertragslösungen

gewidmet. Dazu hatte der LAB den arbeitgeberseitigen Vorsitzenden des

LAB Mecklenburg-Vorpommern, Herrn Trepte eingeladen, der die Ergebnisse des

„Bündnisses für Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit Mecklenburg-Vorpommern zu

„Vorzeitige Ausbildungsvertragslösungen reduzieren" referierte (s. Anlage).

Als Ergebnisse der Analyse, des Vortrags und dessen Diskussion im LAB wurde

folgendes festgestellt:

Entscheidend ist zunächst erst einmal, eine größere Transparenz bei den Auflösungsgründen

herzustellen und auch die Problemgruppen, d.h. die Jugendlichen

zu identifizieren, bei denen vorzeitige Vertragslösungen ohne plausible Gründe

sehr wahrscheinlich sind. In Mecklenburg-Vorpommern und wohl auch in Bran-

2


Anlage S-

denburg sind es die Jugendlichen ohne Schulabschluß. Zur Vorbeugung gegen

vorzeitige Vertragslösungen sind eine noch systematischere, frühzeitigere und betriebsnähere

Berufsorientierung, eine noch individuellere Berufsberatung und eine

noch passgenauere Vermittlung entscheidend. Eine wichtige Rolle kann auch eine

rechtskreisübergreifende, einheitliche Berufsberatung (ohne Differenzierung nach

Kunden der Arbeitsagenturen und der Job Center bzw. kommunalen Einrichtungen)

spielen. Ferner spielen in beiden Flächenländern Mobilitätsprobleme, also die

Erreichbarkeit des Ausbildungsbetriebs, insbesondere zu Tagesrandzeiten, aber

auch die Erreichbarkeit der Berufsschule bzw. die Unterbringung vor Ort, eine Rolle.

Die Erfahrungen des Projekts EXAM (externes Ausbildungsmanagement) zeigen,

daß eine Begleitung von insbesondere kleinen Ausbildungsbetrieben und deren

Auszubildenden vorzeitige Vertragslösungen mindern.

8.

Plausible vorzeitige Auflösungen von Ausbildungsverhältnissen sind z.B. folgende:

Insolvenz des Betriebs

- Aufnahme eines Studiums durch den Auszubildenden

- Kündigungen des Auszubildenden aufgrund schwerer Verstöße im Ausbildungsbetrieb

(z.B. Diebstahl, körperliche Gewalt, wiederholtes Fernbleiben

der Ausbildung ohne Grund etc.)

- Tod des Auszubildenden

Die zuständigen Stellen in Brandenburg erfassen die Gründe für vorzeitige Auflösungen

von Ausbildungsverhältnissen.

Anlagen:

Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Vorzeitig gelöste Ausbildungsverhältnisse in

Berlin / in Brandenburg im Jahr 2012 nach Ausbildungsbereichen, Geschlecht und

Ausbildungsjahren sowie Zeitpunkt der Lösung.

Vortrag „Vorzeitige Ausbildungsvertragslösungen reduzieren" des arbeitgeberseitigen

alternierenden Vorsitzenden des LAB Mecklenburg-Vorpommern im LAB

Brandenburg am 30.5.2013.

3


.

Anlage 5--

Vorzeitig gelöste Ausbildungsverhältnisse in Berlin im Jahr 2012 nach Ausbildungsbereichen

sowie Zeitpunkt der Lösung

Vorzeitig gelöste Ausbildungsverhältnisse

Vorzeitige Lösungen in Relation zu

.

I

1 davon im ... Ausbildungsjahr

1

I Bestand an

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I

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2 442 1682 760 1312 597 399 34 766 47,4 20,5 20,0 21,8

Landwirtschaft 126 102 24 59 42 25 - 33 41,2 16,5 17,2 14,2

•i

öffentlicher Dienst 65 31 34 25 12 28 - 25 10,2 3,4 5, 1 2,6

Freie Berufe 1 437 60 377 298 108 31 - 191 22,4 9,8 18,2 9,1

•Hauswirlschaft 2) 1 22 1 21 10 10 2 - 8 16,7 6,6 2,0 7,5

Insgesamt 1 6 851 4 056 2 795 3 969 2 005 838 39 2 332 33,3 14,7 15,8 13,4

Industrie und Handel'" 100 58,0 42,0 • 60, 3 30,2 9,4 0, 1 34,8 • X X X

Handwerk 100 68,9 31,1 53,7 28,5 16,3 1,4 31,4 X X X X

Landwirtschaft 1 100 81,0 19,0 46,8 33,3 19,8 - 26,2 X X X X

öffentlicher Dienst 1 100 47,7 52,3 38,5 18,5 43,1 - 38,5 X X X X

Freie Berufe 100 13,7 • 85,3 68,2 24,7 • 7,1 - 43,7 X X X . X

Hauswirtschaft 2) ....... ...... ' 100 4,5 95,5 45,5 45,5 9,1 36,4 X X . X X

Insgesamt I 100 59,2 40,8 57,9 29,3 12,2 0,6 34,0 X

1) einsch(. Banken, Versicherungen, Gast- und Verkehrsgewerbe - 2) nur im städtischen Bereich - 3) berechnet nach dem Schichtenmodell

des Bundesinstituts für Berufsbildung (vgl. Erläuterungen) - 4) Bestand am Ende des Vorjahres

Vorzeitig gelöste Ausbildungsverhältnisse in Brandenburg im Jahr 2012 nach Ausbildungsbereichen,

Geschlecht und Ausbildungsjahren sowie Zeitpunkt der Lösung

Ausbildungsbereich

ins- 1

gesamt 1

1

1 1

männrieh

2

Vorzeitig gelöste Ausbildungsverhältnisse

1 weib-

1 lieh

1

1 3

1.

1 4

davon im ... Ausbildungsjahr

T

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I

2. 3. 4 .

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1 In der

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6

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Vorz. Lösungen In Relation zu

Bestand an

Auszubildenden'

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10 11

Industrie und Handel' ) ..... 2 300 1375 925 1249 715 317 19 613 26,9 11,4 10,7 12,5

Handwerk 1235 913 322 695 352 173 15 401 38,0 15,2 14,4 18,0

Landwirtschaft 175 115 60 106 57 12 - 57 31,6 11,4 10,6 13,5

Öffentlicher Dienst 30 16 14 12 8 10 6 7,1 2,1 3,2 1,6

Freie Berufe .„.............,..... 183 26 157 127 38 18 - 72 28,1 10,8 17,3 10,1

Hauswirtschaft 27 4 23 9 14 4 - 6 20,0 69 8,2 6,7

Insgesamt 3 950 2 449 1501 2 198 1184 534 34 1155 29,2 11,8 11,7 12,1

12

Industrie und Handel s) 100 59,8 40,2 54,3 31,1 13,8 0,8 26,7 x x x x

100 73,9 26,1 56,3 28,5 14,0 1,2 32,5 x x x x

Landwirtschaft 100 65,7 34,3 60,6 32,6 6,9 - 32,6 x x x x

öffentlicher Dienst 100 53,3 46,7 40,0 26,7 33,3 - 20,0 x x x x

Freie Berufe .... ....... .....„ .. 100 14,2 85,8 69,4 20,8 9,8 - 39,3 x x x x

Hauswirtschaft 100 14,8 85,2 33,3 51,9 14,8 - 22,2 x x x x

Insgesamt 100 62,0 38,0 55,6 30,0 13,5 69 29,2 x x x x

1 einschl. Banken, Versicherungen, Gast- und Verkehrsgewerbe

2 berechnet nach dem Schichtenmodell des Bundesinstituts für Berufsbildung (vgl. Erläuterungen)

3 Bestand am Ende des Vorjahres

4


Mecklenburg

Vorpommern

Ministerium für Wirtschaft,

Bau und Tourismus

Arbeitsgruppe "Vorzeitige Vertragslösungen"

1


Mecklenburg L.41

Vorpommern ."Ye- ei

1

Ministerium für Wirtschaft.

Bau undrourisinos

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Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"


Mecklenburg

Vorpommern

Ministerium für Wirtscimft.

Bau und Tourismus

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"

3


Mecklenburg

Vorpommern

Ministerium teirWirtschaft.

Bau und Tourismus

Auftrag aus dem Fachkräftebündnis

1. Hauptrunde des Bündnisses für Arbeit und Wettbewerbsfähigkeit MV am

18.06.2012:

Verabschiedung Bericht der Bündnispartner zum aktuellen Umsetzungsstand

Handlungsfeld 1 – Jugendliche optimal auf das Berufsleben vorbereiten und

in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integrieren, Ziffer 1.7" —÷

Einrichtung einer Arbeitsgruppe unter Beteiligung der zuständigen

Fachressorts, den zuständigen Stellen, der Bundesagentur für Arbeit und den

betroffenen Fachverbänden und –gewerkschaften

Aufgabe:

Analyse der Gründe für hohe Lösungsquoten in einzelne

Ausbildungsberufen

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"


Mecklenburg

Vorpommern

Ministerium fcr Wirtschaft.

Bau und Tourismus

Arbeitsschwerpunkte

Transparenz in die Gründe für vorzeitige Vertragslösungen bringen

D arstellung der vorhandenen Instrumente, um auf vorzeitige Vertrags-

lösungen zu reagieren

>Entwicklung von Strategien um vorzeitige Vertragslösungen zu

verhindern

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"

5


Mecklenburg

Vorpommern

Min i teriu M für Wirtschaft.

Bau und Tourismus

Mitglieder der AG „Vorzeitige Vertragslösungen"

BA, RD Nord

0

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"

6


Mecklenburg

Vorpommern

Ministerium fri, Wirtschaft

Bau und Tourismus

Lösungsquoten vorzeitig gelöster

Ausbildungsverträge 2010 in den Ländern

31,5

28,0

27,1 26,8

25,4

23;0

23,1

22,2 22,6 22,2

19 5

20,4

18.0

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"


Mecklenburg

Vorpommern

Ministerium für Wirtschaft

Bau und Tourismus

Lösungsquoten vorzeitig gelöster

Ausbildungsverträge in Mecklenburg

Vorpommern

28,0

25,1 25,5

23,0

22,4 22.6 23 ' 3

18 .0

19,7

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13) (b

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Bundesdurchschnitt: 23,0 %

0 0

19 19 (2

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"

Lez

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Mecklenburg

Vorpommern

Ministerium für Wirtschaft.

Sau und Tourismus

Verteilung der 4.040 im Jahr 2010 vorzeitig gelösten

Ausbildungsverhältnisse nach Berufsbereichen

202

Pflanzenbauer, Tie

Fischereiberufe

0)

Fertigungsberufe

0)

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"


Mecklenburg

Vorpommern '771

Ministerium füriiirtscisaft.

Bau und Tourismus

Verteilung der 4.040 im Jahr 2010 vorzeitig gelösten

Ausbildungsverträge nach Ausbildungsbereichen

183 28 \ 131 2 1 79

1.076- \

Industrie und Handel Handwerk

ai Öffentlicher Dienst

Freie Berufe

Landwirtschaft

Hauswirtschaft

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"

(

1 0


Mecklenburg

Vorpommern

Ministerium für Wirt sehief

Bau und Tourismus

Verteilung der 4.040 im Jahr 2010 vorzeitig gelösten

Ausbildungsverträge nach Ausbildungsjahren sowie in

Probezeit

der

2.500

2.146

2.000

1.500

1.233

1.000

621

500

1. Ausbildungsjahr 2. Ausbildungsjahr 3. Ausbildungsjahr 4. Ausbildungsjahr

in der Probezeit

J>

ö

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"


Mecklenburg

Vorpommern

Ministerium für Wirtschaft

Bau und Tourismus

§88

Abs. 1

Nr. 1,

Abs. 2

(1) Die jährliche Bundesstatistik erfasst für die Auszubildendem... vorzeitig

gelöste E3erufsausbildungsverhältnisse mit Angabe von Ausbildungsberuf

Geschlecht. Ausbildungsjahr, Auflösung in der Probezeit ...

(2) Auskunftspflichtig sind die zuständigen Stellen.

NICHT ERFASST:

DER AUFLÖSUNGSGRUND

(1) Während der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis jederzeit

ohne Einhalten einer Kündigungsfrist gekündigt werden.

§ 22

Abs.

1 und 2

(2) Nach der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis nur gekündigt

werden aus einem wichtigen Grund ohne Einhalten einer Kündigungsfrist,

von Auszubildenden mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen, wenn sie

die Berufsausbildung aufgeben oder sich für eine andere Berufstätigkeit

ausbilden lassen wollen.

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"


Mecklenburg

Vorpommern

Ministerium fur Wctsehaft.

Bau und Touremus

L

Erfassungsgründe für die Lösung von Ausbildungsverträgen bei den zuständigen Stellen

vor Beginn Probezeit während der Ausbildung

vor Beginn in der

aus wichtigem

Probezeit

Grund


BBiG regelt Lösungen im

dargestellten zeitlichen

Rahmen der Ausbildung

BIG regelt Losungen

während der Ausbildung nur

aus den dargestellten

Gründen


sich daraus ergebende

inzelerfassung der Gründe

im Verzeichnis der

Ausbildungsverhältnisse

aus wichtigem

Grund (fristlos)

Verfehlungen

Azubi

Verfehlungen

Ausbildender

mangelnde

Eignung des

Azubis

(fristgemäß)

Aufnahme

schulischer

Ausbildung/

Studium

Berufswechsel

Betriebswechsel/

Betriebsstilllegung

Wechsel von

außerbetrieblich in

betriebliche

Ausbildung

im

Einverneh en

Aufhel s-

vertrat

Sonstige

* Tod des

Azubis

* Kündigung

Stufenausbildung

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"


Mecklenburg

Vorpommern

Ministerium für Wirtschaft,

Bau und Tourismus

Lösungen von Berufsausbildungsverträgen 2011 im IHK-Bereic

Gründe

Lösungen

gesamt

Vor Beginn 243

Probezeit 785

Verfehlungen Azubi 472

Verfehlungen Ausbildender 0

Mangelnde Eignung des Azubis 81

Aufnahme schulischer Ausbildung/Studium 13

Berufswechsel 75

Betriebsstilllegung/Betriebswechsel 82

Wechsel in betriebliche Ausbildung 23

Aufhebungsvertrag 802

Sonstige, Tod, Wechsel andere Kammer 77

Gesamt 2.653

Wiedereintragung

bei der

selben IHK

76

157

48

0

25

0

52

46

18

271

33

726

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"

14


Mecklenburg

Vorpommern

Ministerium für Wirtsaatt,

Bau undrourismus

A

Durchschnittlich jedes 4. vorzeitig gelöste

Ausbildungsverhältnis

wird bei der selben IH

fortge

u eingetragen

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"

Foto: s, hofschiaegertPuelio.de

15


Mecklenburg

Vorpommern -

Ministerium furWtrtschaft

Bau undTauftsmus

Lösungen von HOGA-Berufsausbildungsverträgen 2011 im

IHK-Bereich

Gründe

Gastronomie

Wiedereintragung

bei der

selben IHK

Vor Beginn 68 18 i

Probezeit 293 66

erfehlungen Azubi 141 13

erfehlungen Ausbildender 0 0

Mangelnde Eignung des Azubis 24 2

ufnahme schulischer Ausbildung/Studium 2 0

Berufswechsel 32 20

Betriebsstillegung/Betriebswechsel 41 10

echsel in betriebliche Ausbildung 6 5

Aufhebungsvertrag /alle Lösungen im

Einverständnis 323 103

Sonstige, Tod, Wechsel andere Kammer 25 6

Gesamt 955 243

z.

0

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"

sie

(C1

cD

16


Mecklenburg

Vorpommern Wi

Ministerium für Wutschaft,

Bau und TOUfiSlltt5

UL I

Schulabschlüsse der registrierten BAV für das Ausbildungsjahr 2011 in

der IHK zu Rostock

Schulabschlüsse

Mit Abitur oder Fachholschulreife

Gesamt Gastronomie

in in %

27 4

Mittlere Reife

fit Berufsreife oder ohne

bschluss

45

28

11

Bericht der Arbeitsgruppe "Vorzeitige Vertragslösungen"


Mecklenburg

Vorpommern

Ministerium für Wirtschaft

Bau und Tourismus

45,0

Lösungsquoten vorzeitig gelöster Ausbildungsverträge im Jahr

2010 nach schulischer Vorbildung in Mecklenburg-Vorpommern

38.8

41,7

30,0

30,4

0)

c


c)-)

Co

15,0

\-0

SC'

‘3,2»nrt

lieffi-155

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G X‘W'SS

N\°C\\ C

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e

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h\IOCXISG\1

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tive‘ta

,r..3039S,

e

11

Quelle. Statistscnes E3unaesa

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"

18


Mecklenburg

Vorpommern Y.

Ministerium felNinschaft

Bau und Tourismus

Entwicklung der Anzahl der Schülerinnen und Schüler von, der

Jahrgangsstufe (1. Ausbildungsjahr) zur 2. Jahrgangsstufe

(2. Ausbildungsjahr)

Berufliche Schulen des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Schulart: Berufsschule /Teilzeit (ohne berufsvorbereitende Maßnahmen)

Schuljahr

2007/08

1 .

2.

Jahrgangsstufe Schuljahr Jahrgangsstufe Rückgang

14.443 2008/09 13.543 900

Abweichung in

6 ,

2

2008/09'

2009/101

2010/11

12.130 2009/10 11.508 622

9.652 2010/11 8.925 727

8.823 2011/12 8.119 704)

eile: Schulstatistik der beruflichen Schulen der Schuljahre 2007/2008 bis 2010/2011

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"

19


Mecklenburg

Vorpommern

Ministerium für Wirtschaft,

Bau und Tourismus

Drei Tagungen der Arbeitsgruppe

Bisheriges Ergebnis:

Transparenz in die Auflösungsgründe weitgehend hergestellt

Identifizierung der Problerngruppe: Jugendliche ohne

Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss (Berufsreife) haben größten

Anteil an vorzeitigen Vertragslösungen; Schülerinnen/Schüler mit mittlerer

Reife jedoch nicht aus den Augen verlieren!

Branchenbezogene Betrachtung: Dienstleistungsbranche,

insbesondere der HOGA-Bereich besonders von vorzeitigen

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"

20


Mecklenburg

Vorpommern

Minkterium für Wirtschaft,

Bau und Tourismus

Ausblick auf das weitere Vorgehen

Strategien zur Vermeidung vorzeitiger Vertragslösungen

Vor Ausbildungsbeginn

z.B. frühzeitige/betriebsnahe BO (Praktika, Schülerexkursionen in

Unternehmen, Ferienjobs usw.); individuelle Berufsberatung, passgenaue

Vermittlung

Nach Ausbildungsbeginn

Anwendung vorhandener Instrumente (z.B. Beratung durch Kammern, Ausbau

des Projektes „VerA-Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen";

Berufseinstiegsbegleitung, Lehrkräfte an den Berufsschulen

Qualifizierung der Ausbilderinnen/Ausbilder

Entwicklung eines betriebseigenen Frühwarnsystems

von Vertragsauflösungen Projekt „praelab" der BA

(Vorstellung in AG am 06.02 2013)

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige Vertragslösungen"

Ziel: Vermeidun

21


Mecklenburg

Vorpommern

Ministerium für Wirtschaft,

Bau und Tourismus

Danke für Ihre Aufmerksamkeit

Bericht der Arbeitsgruppe „Vorzeitige 'Vertragslösungen"

22


EINGEGANGEN

2 0. AUG. 2013

f7

Edeligt 7-i g rer. (q5c. ..

Lösung von Ausbildungs-

verhältnissen von Jugendlichen

Anhörung, Brandenburger Landtag am 21.08.2013

Doro Zinke, Vorsitzende DGB Berlin Brandenburg

Lösung von Ausbildungsverhältnissen von Jugendhchen 1


Die Brandenburger Unternehmen

müssen selbst ausbildungsfähig

werden.

Lösung von Ausbildungsverhältnissen von Jugendlichen 2


Die Auflösungsquote in den neuen Ländern (ohne Berlin)

liegt bei 29,9%

In den alten Länder (mit Berlin) liegt die Auflösungsquote

bei 23,6%

Mit 29,7% liegt die Auflösungsquote in Brandenburg

knapp unter dem Durchschnitt der neuen Länder

Leider sind die „bekannten" Branchen die Spitzenreiter:

Friseurhandwerk und DEHOGA

Quelle: "Datenbank Auszubildende" des Bundesinstituts für Berufsbildung

Lösung von Ausbildungsverhältnissen von Jugendlichen 3


Die Ausbildungsreporte der DGB Jugend haben

aufgezeigt, dass im DEHOGA Bereich die Auszubildenden

meistens preiswerter Ersatz für reguläre Arbeitskräfte sind.

Gleiches gilt auch für das Friseurhandwerk, hier gibt es

derzeit noch nicht mal einen gültigen Tarifvertrag

Die Unternehmen in Brandenburg müssen für eine bessere

Qualität in der Ausbildung sorgen. Vertragsauflösungen

liegennicht nur an den Jugendlichen.

Lösung von Ausbildungsverhältnissen von Jugendlichen 4


Kritisch ist die Auseinandersetzung für die Jugendlichen

im Konfliktfall, denn die zuständigen Stellen sorgen meist

nicht für eine Problemlösung.

In den meisten Kammern in Brandenburg gibt es keine

Schlichtungsausschüsse für Streitigkeiten zwischen

Auszubildenden und Ausbildenden, obwohl die

Arbeitnehmerseite dies fordert.

Es sollte eine unabhängige Stelle geben, die sich insbesondere

für die Rechte der Auszubildenden einsetzt.

Lösung von Ausbildungsverhältnissen von Jugendlichen 5


Anlage 7-

NETZWERKZUKUNFT

Schu{e + Wirtschaft für Brandenburg

EINIGEGANGEN

EriE.:dlat

Unser Beitrag

zur Qualitätssicherung

der Berufs- und Studienorientierung

21. AUG. 2013

.4 2e

Brandenburger Schulen auf Erfolgskurs

SCHULE MIT

HERVORRAGENDER

BERUFS- UND

STUDIENORIENTIERUNG

Siegelschulen 2009, 2011 und 2013

auf einen Blick

NETZWERKZUKUNFT

Schule + Wirtschaft für erandenburg

Eine Initiative des Netzwerk Zukunft. Schule und Wirtschaft für Brandenburg e.V.

Potsdam Ostbrandenburg WB

P7221::=

Bundtsagentur far Arbell

RegfonaldirelguLan

Adin.Brandenburg

Investiilon in

Ihre Zukunft

in Handwerkskammer ( ä Handwerkskammer Handwerkskammer Frankfurt (Oder) BRkNNO6ENBLHG EUROPÄISCHE UNION

Potsdam Cottbus Ni/ Region Ostbrandenburg 1,....r1..1 .1, Europäischer Sozialioods

Dieses Projekt wird durch das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport

aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes Brandenburg gefördert


NETZWERKZUKUNFT

Schute + Wirtschaft für Brandenburg

Übersicht der Siegelschulen

Kammerbezirk Cottbus

Förderschulen

✓ Johann-Heinrich-Pestalozzi-Schule, Cottbus (2011)

✓ Johann-Heinrich-Pestalozzi-Schule, Finsterwalde (2011)

Oberschulen

✓ Theodor-Fontane-Oberschule, Burg (2011)

✓ Sachsendorfer Oberschule, Cottbus (2009 und 2011)

✓ Oberschule Finsterwalde, Finsterwalde (2011)

✓ Friedrich-Hoffmann-Oberschule, Großräschen (2009 und 2011)

✓ Oberschule „Johannes Clajus", Herzberg (2011)

✓ Oberschule „Am Wehlenteich", Lauchhammer (2009 und 2011)

✓ Oberschule „Ehm Welk", Lübbenau (2009 und 2011)

✓ Oberschule an der Schanze, Luckau (2011)

✓ Oberschule „Ernst Legal", Schlieben (2011)

✓ Oberschule Schönefeld, Schönefeld (2009 und 2013)

✓ Bernhard-Kellermann-Oberschule, Senftenberg (2011)

✓ Berufsorientierende Oberschule, Spremberg (2013)

✓ Oberschule Prösen, Röderland (2013)

Gesamtschulen

✓ Musikbetonte Gesamtschule „Paul Dessau", Zeuthen (2011)

Gymnasien

✓ Bohnstedt-Gymnasium, Luckau (2013)

✓ Elsterschloss-Gymnasium, Eisterwerder (2013)

Oberstufenzentren mit Gymnasialer Oberstufe

✓ Berufliches Gymnasium am OSZ Elbe-Elster, Elsterwerder, (2009 und 2011)

Kammerbezirk Ostbrandenburg

Förderschulen

✓ Kleeblatt-Schule, Seelow (2009 und 2011)

✓ Clara-Zetkin-Schule, Strausberg (2013)

✓ Nordend-Schule, Eberswalde (2011)

Oberschulen

✓ Ehm-Welk-Oberschule, Angermünde (2009 und 2011)

✓ Albert-Schweitzer-Oberschule, Beeskow (2011)

✓ Johann-Wolfgang-von-Goethe-Schule, Eberswalde (2009 und 2011)

✓ Karl-Sellheim-Schule, Eberswalde (2011)

✓ Oberschule „Johannes R. Becher", Erkner (2011)

✓ Oberschule Fredersdorf, Fredersdorf (2011)

✓ Peter-Joseph-Lenn-Oberschule, Hoppegarten (2011)

✓ Oberschule Letschin, Letschin (2009 und 2011)

✓ Oberschule Schlaubetal, Müllrose (2011)

✓ Oberschule „Anne Frank",Strausberg (2009 und 2013)

✓ Oberschule Templin, Templin (2011)

✓ Oberschule „Ulrich v. Hutten", Frankfurt/Oder (2009 und 2013)

✓ Europaschule, Werneuchen (2011)


NETZWERKZUKUNFT

Schule + Wirtschaft Für Brandenburg

Gesamtschulen

✓ Private Gesamtschule der FAW gGmbH, Petershagen (2013)

Oberstufenzentrum mit Gymnasialer Oberstufe

✓ Oberstufenzentrum Märkisch-Oderland, Strausberg (2009 und 2011)

Kammerbezirk Potsdam

Förderschulen

✓ Schule am Waldblick, Blankenfelde-Mahlow (2009 und 2011)

✓ Allgemeine Förderschule, Perleberg (2009)

✓ Schule am Nuthetal, Potsdam (2013)

✓ Schule am Akazienhof, Falkensee (2011)

Oberschulen

✓ Krause-Teschetschog-Oberschule, Bad Belzig (2009 und 2011)

✓ Solar-Oberschule, Beelitz (2011)

✓ Oberschule "Herbert Tschäpe", Blankenfelde-Mahlow (2011)

✓ Berufsorientierte Oberschule Kirchmöser, Brandenburg (2009 und 2011)

✓ Otto-Tschirch-Oberschule, Brandenburg (2011)

✓ Oberschule, Brück (2009 und 2011)

✓ Otto-Unverdorben-Oberschule, Dahme/Mark (2009 und 2011)

✓ Werner-von-Siemens-Oberschule, Gransee (2009 und 2013)

✓ Oberschule „Albert Schweitzer", Hennigsdorf (2011)

✓ Wiesenschule, Jüterbog (2011)

✓ Goethe-Oberschule, Kremmen (2011)

✓ Carl-Diercke-Schule, Kyritz (2011 und 2013)

✓ Grund- und Oberschule „Heinrich Julius Bruns", Kloster Lehnin (2011)

✓ Oberschule Löwenberg, Löwenberger Land (2011)

✓ Oberschule „Käthe Kollwitz", Potsdam (2009 und 2011)

✓ Oberschule, Premnitz (2009 und 2011)

✓ Freiherr-von-Rochow-Schule, Pritzwalk (2009 und 2011)

✓ Exin-Oberschule, Zehdenick (2009 und 2011)

✓ Jean-Clermont-Oberschule, Oranienburg (2013)

✓ Freie Oberschule Baruth, Baruth/Mark (2013)

✓ Oberschule „Alexander Puschkin", Neuruppin (2013)

✓ Gottlieb-Daimler-Oberschule, Ludwigsfelde (2013)

Gymnasien

✓ Sally-Bein-Gymnasium, Beelitz (2011)

✓ Von-Saldern-Gymnasium, Brandenburg (2011)

✓ Friedrich-Gymnasium, Luckenwalde (2009 und 2011)

✓ Leonardo da Vinci-Campus, Nauen (2011)

✓ Fontane-Gymnasium, Rangsdorf (2009 und 2011)

✓ Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium, Rathenow (2011)

✓ Marie-Curie-Gymnasium, Ludwigsfelde (2013)

✓ Hermann-von-Helmholtz-Gymnasium, Potsdam (2013)


NETZWERKZUKUNFT

Schule + Wirtschaft für Brandenburg

Die Auszeichnung ist eine Würdigung des besonderen Engagements und der

Leistungsfähigkeit von Schulen des Landes Brandenburg, die

• in hervorragender Weise ihre Schülerinnen und Schüler im Prozess der Berufs- und

Studienorientierung begleiten,

• sie durch individuelle Förderung in ihrer Kompetenzentwicklung auf die Berufs- und

Studienwahl vorbereiten,

• sie beim Übergang in eine Berufsausbildung, in ein Studium oder eine andere Form der

beruflichen Bildung unterstützen,

• Schule und Unterricht in besonderem Maß für Praxiserfahrungen und Kooperationen mit

externen Partnern öffnen,

• und entsprechend ihrer Schulform und regionaler Rahmenbedingungen eine nachhaltige

Verankerung der Berufs- und Studienorientierung in ihrem Schulprofil darlegen können.

Mit dem Schuljahr 2012/13 wurde die Verfahrensweise geändert:

• Die Auszeichnung erfolgt für Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien als Schulen mit

„hervorragender Berufs- und Studienorientierung", Förderschulen erhalten die Auszeichnung

wie bisher für "hervorragende Berufsorientierung".

• Die Auszeichnung wird ab jetzt jeweils auf 4 Jahre befristet verliehen. Hieraus ergeben sich

die nachfolgenden Änderungen.

• Schulen, die sich erstmalig um eine Auszeichnung bewerben bzw. noch nie ausgezeichnet

wurden, können sich wie zuvor in einem 2-stufigen Verfahren bewerben.

• Schulen, die die Auszeichnung nach 4 Jahren weiterhin führen möchten, können sich in

einem weniger aufwändigen Verfahren rezertifizieren lassen, d.h Schulen mit einer Auszeichnung

aus 2009 in diesem Jahr, Schulen, die zuletzt in 2011 ausgezeichnet wurden,

in 2015.

Wir danken allen Jurymitgliedern für ihre Unterstützung!

Netzwerk Zukunft.

Schule und Wirtschaft für Brandenburg e.V.

Breite Straße 2d

14467 Potsdam

Tel. 0331 2011-679

Fax 0331 2010-999

zentral@netzwerkzukunft.de

www.netzwerkzukunft.de

Vorstandsvorsitz: Wolfgang Spieß, IHK Potsdam

Geschäftsführung: Beate Günther

Vereinsregister: Potsdam Nr. 6879 P

als gemeinnützig im Bereich der Bildung anerkannt

EUROPAISCHE UNION

Europäischer Sockefonds

LAND

BRANDENBURG

Investition in Ihre Zukunft

Gefördert durch das Ministerium für Bildung, Jugend

und Sport aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds

und des Landes Brandenburg


A

5 I NETZWERK ZUKUNFT

Schule + Wirtschaft für Brandenburg

Aktivitäten

gemeinsam

nachhaltig

gestalten

Gründungsmitglieder und Partner

Potsdam

LAND

BRANDENBURG

Minisludern lur Bildung

Jugend und Sporl

Industrie- und Handelskammer

Cottbus

ed)

Handwerkskammer

Potsdam

e im Ostbrandenburg

j

Handwerkskammer Frankfurt (Oder)

. Handwerkskammer

Region Ostbrandenburg Cottbus

Bundesagentur für Arbeit

UVB

JIM.14111.SVOIIIANDl

0401.5AnAhOtneUPS

Operativer Partner der

7 Landesarbeitsgemeinschaft

SCHULEWIRTSCHAFT

Berlin und Brandenburg


t

NETZWERKZUKUNFT

Schule + Wirtschaft für Brandenburg

Anlage. .7

Auswahl unserer Arbeitsschwerpunkte:

- Berufsorientierungstourneen (BOT)

Informations- und Fortbildungsangebot für Lehrkräfte, Berufsberater und weitere

Multiplikatoren



Seit 2006 51 Tourneen in allen Regionen Brandenburgs mit ca. 4.500 Teilnehmenden

Aktuelle Themen z.B.:

„Ausbildung in Teltow-Fläming II" Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen in der

Region Teltow-Fläming, Mai-Oktober 2013

„Perspektive: Grün!" Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen in grünen und

umweltbezogenen Berufen (Region Ostbrandenburg, April bis Oktober 2013)

„Ausbildungs- und Berufschancen in Oberhavel II"

(Region Oberhavel, Schuljahr 2013/14)

„Mit Genuss ins Arbeitsleben - Ausbildungs- und Berufschancen in der

Ernährungswirtschaft" (Region Potsdam, Potsdam-Mittelmark, Schuljahr 2013/14)

m*, Studienorientierungstourneen (5tucli-BOT)

Angebot für Lehrkräfte, Berufsberater sowie interessierte Schülerinnen und Schüler mit

Schwerpunkt der Ausbildungs- und Studienangebote für Abiturienten, z.B.

„Studieren in Ostbrandenburg und Berlin" (Region Ostbrandenburg, Schuljahr

2012/13)

- Berufsorientierungstourneen

Die BOT für Schülerinnen und Schüler, z.B.

„Ausbildung in Teltow-Fläming II" (Landkreis Teltow-Fläming, Schuljahr 2013/14)

„Deine Ausbildung in Neuruppin und Fehrbellin"

(Region Ostprignitz-Ruppin, Schuljahr 2013/14)

- Eltern als Berufsberater

Veranstaltungsreihe als Unterstützung der Eltern bei der Berufs- und Studienorientierung

ihrer Kinder (2010, 2011, 2012 und 2013, wird fortgesetzt);

begleitende Elternbriefe mit Tipps zu weiteren Informationen und Kontakten

Beiträge zur MINT- Initiative Berlin-Brandenburg:

m), Schüler-Ingenieur-Akademien:

Gemeinsame Projekte von Schulen, Hochschulen und Unternehmen für interessierte

Schülerinnen und Schüler der Sek II; Aktuell mit der Partner-Hochschule Wildau:

„Telematik VI: Bau und Programmierung eines Roboters" Region Teltow-Fläming

„RoBoTool: Planung und Bau eines Roboterarm-Prototyps für den Einsatz

auf einer unbemannten Planetensonde"

Region Dahme-Spreewald und Berlin-Adlershof

V

Sdeer-Ingenl:dr-Altarlemle

21.► Lehrkräftefortbildung und Beratung zum Einsatz

des PC-gestützten Wirtschaftsplanspiels und beaciv ,i7, -Arrrauw__-2-2 r

Teilnahme am bundesweiten Schülerwettbewerb

Vorwiegend für Schülerinnen und Schüler der SEK I, Sek II mit Spielstufe Advanced

Die "beachrnanager", d.h. eine Gruppe von mehreren Schülerinnen und Schülern,

gründen als Geschäftsführer ein Unternehmen, das Surfbretter und Tretboote vermietet.

Vermittlung unternehmerischen Grundwissens und Praxisbezug durch Kontakte zu

Tourismus-Betrieben in den Regionen.

Mehrere Pilot-Vorhaben seit 2009

Seit dem Schuljahr 2012/13:

Partner des bundesweiten Projektes der

Bundesarbeitsgemeinschaft

SCHULEWIRTSCHAFT

Sponsor auf Bundesebene:


elp•

NETZWERKZUKUNFT Anke 7-

Schule + Wirtschaft für Brandenburg

7w* Mitwirkung im MINT-Netzwerk Berlin und Brandenburg

wir Initiativen als operativer Partner der

g Landesarbeitsgemeinschaft

Landesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT

SCHULEWIRTSCHAFT

Berlin und Brandenburg:

Berlin und Brandenburg

Initiierung, Koordinierung und Unterstützung

Regionaler Arbeitskreise SCHULEWIRTSCHAFT im Land Brandenburg

Aktuell bestehen 16 Arbeitskreise SCHULEWIRTSCHAFT im Land Brandenburg

Mitarbeit in der Bundesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT

- Mitwirkung im Verbundprojekt Netzwerk SCHULEWIRTSCHAFT

Ostdeutschland

r".4 Netzwerk

Projektphase 2011-2013 mit dem Schwerpunkt:

%%JFSCHULEWIRTSCHAFT

StartChancen: benachteiligte Jugendliche fördern

Ostdeutschland

Beispiel: Mentoring für Förderschüler,

in der Kleeblatt-Schule Seelow in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis

SCHULEWIRTSCHAFT Märkisch Oderland und der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) -

Region Ostbrandenburg,

Transfer zur Nicolai-Oberschule in Brandenburg a.d.Havel,

Unterstützung: Partnerprojekte und Arbeitskreis Brandenburg

Länderübergreifender Erfahrungsaustausch, z.B. mit Partnern aus Mecklenburg-

Vorpommern

MINT-Wettbewerb „MIT erneuerbaren Energien GESTALTEN" (Schuljahr 2012/13)

Die Werner-von-Siemens-Oberschule aus Gransee gewinnt den Hauptpreis

- Beiträge zur Qualitätssicherung von Berufs - und Studienorientierung:

Auszeichnung der allgemeinbildenden Schulen aller Schulformen () SCHULE MIT

ab Sek I mit hervorragender Berufs- und Studienorientierung

HERVORRAGENDER

gemeinsam vergeben von den Mitgliedern und Partnern im

BERUFS- UND

Netzwerk Zukunft aus dem Wirtschafts- und Bildungsbereich;

STUDIENORIENTIERUNG

Letzte Auszeichnung: Juni 2013; nächste Auszeichnung: Sommer 2015

Ehrung von Betrieben und Einrichtungen mit ausgezeichneter

Berufsorientierung als Partner der Schulen,

jährlich gemeinsam ausgeschrieben und vergeben durch die

IHK Ostbrandenburg, die Handwerkskammer Frankfurt (Oder)-

Region Ostbrandenburg und dem Netzwerk Zukunft

2013

ünf envernen ree w•gmalk ■mlor

8. tot- ündS.denery.rifflunp

Workshop- Angebot:

Diskurs zum gemeinsamen Verständnis einer hilfreichen, systematischen und an den

Interessen und Fähigkeiten der Jugendlichen orientierten Berufs- und Studienorientierung:

Was zeichnet diese aus? Welchen Beitrag können die Akteure im Land Brandenburg dazu

leisten?

»ts. Der Berufswahlpass – Vertrieb, Beratung, Fortbildung

- 2013: Vertrieb von ca. 18.000 BWP

- Fortbildungsangebote zum Einsatz des BWP vor Ort

- Entwicklung von Materialien zur curricularen Einbindung des BWP

in den Fachunterricht

- Unterstützung des BWP-Einsatzes an Gymnasien, insbesondere im

Seminarkurs „Studien- und Berufsorientierung" der Sek II

- Mitwirkung in der Bundesarbeitsgemeinschaft Berufswahlpass

- Erfahrungstransfer in andere Bundesländer und zu polnischen Partnern

- Unterstützung von Kampagnen, Messen und anderen Aktivitäten,

z.B.

Ausbildungsmessen,

Projekt „Komm auf Tour",

Zukunftstag für Mädchen und Jungen im Land Brandenburg


NETZWERK ZUKUNFT

Schule + Wirtschaft für Brandenburg

An iage

Netzwerk Zukunft.

Schule und Wirtschaft für Brandenburg e.V.

Breite Straße 2d

14467 Potsdam

Tel. 0331 2011-679

Fax 0331 2010-999

zentral@netzwerkzukunft.de

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Vorstandsvorsitz: Wolfgang Spieß, IHK Potsdam

Geschäftsführung: Beate Günther

Vereinsregister: Potsdam Nr. 6879 P

als gemeinnützig im Bereich der Bildung anerkannt

Außenstellen des Netzwerk Zukunft

Brandenburg Betina Runge runge@netzwerkzukunft.de

Cottbus Angela Unger unger@netzwerkzukunft.de

Eberswalde Elke Otto otto@netzwerkzukunft.de

Frankfurt (0.) Torsten Weyer weyer@netzwerkzukunft.de

Perleberg Harald Schmidt hschmidt@netzwerkzukunft.de

Liane Krüger krueger@netzwerkzukunft.de

Wünsdorf Cristine Carstensen carstensen@netzwerkzukunft.de

Sachstand August 2013

Die Arbeit des Netzwerk Zukunft wird gefördert

durch das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport

aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds

und wird unterstützt durch die Mitglieder des Vereins.

Investition In Ihre Zukunft

1111 LAND

EUROPÄISCHE UNION

EuropDscher Sozollfonds

BRANDENBURG

Einzelne Vorhaben und Projekte werden gesondert gefördert und unterstützt. Hinweise dazu entnehmen Sie

bitte den Projektinformationen und unseren Angaben im Internet www.netzwerkzukunft.de

Wir danken allen Mitgliedern und Partnern für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung!


EINGEGANGEN

ErI.,d:ct

1 5, AUG. 2013

R S EIL 66

/Se grAciiiV

Anlage 8'

Handwerkskammertag

Land Brandenburg

Fachgespräch zum Thema „Lösungen von Ausbildungsverhältnissen von Jugendlichen" am

21. August 2013 im Ausschuss für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie des Landtages

Brandenburg

Vorbemerkung

Lösungen von Ausbildungsverträgen sind in allen Bereichen des dualen Berufsausbildungssystems

und in schulischen Berufsbildungsgängen festzustellen ebenso gehört die vorzeitige Beendigung

eines Studiums an Hochschulen und Universitäten zum Alltag an den Bildungseinrichtungen. Ein

Großteil dieser Lösungen ist durchaus sinnvoll und mündet in einen Wechsel des

Ausbildungsberufs/Studiengangs oder auch des Ausbildungsorts/Studienorts.

Die Lösungen von Berufsausbildungsverträgen werden von den zuständigen Stellen, den

Handwerkskammern, entsprechend der gesetzlichen Vorgaben registriert und zahlenmäßig ermittelt.

Für die systematische Ermittlung von Ausbildungsabbrüchen durch die zuständigen Stellen gibt es

dagegen weder eine gesetzliche Grundlage noch die Voraussetzungen.

Lfd. Nr. 1

Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle Situation zur vorzeitigen Lösung von

Ausbildungsverhältnissen ein?

Datenlage

Ursachen für Unterschiede in den Erhebungen BiBB und Dachverbänden der Kammern

Antwort:

Es gibt keine Unterschiede in den Erhebungen.

In der Handwerksordnung und im Berufsbildungsgesetz ist der gesetzliche Auftrag festgelegt, was von

den zuständigen Stellen zu erheben und zu registrieren ist. Diese Aufgabe wird voll erfüllt. Es werden

alle Vertragslösungen registriert und dem Statistischen Landesamt in den gesetzten Fristen

übermittelt. Seit 2009 erfolgt die Meldung nicht mehr kumulativ, sondern es werden aus unseren

Systemen die Einzeldaten ausgelesen und verschlüsselt übermittelt. Die daraus ermittelten Zahlen

des Statistischen Landesamtes, die dem BiBB weitergeleitet werden, weichen von den ermittelten

Zahlen der Kammern für 2012 nur sehr geringfügig ab (unter 1 Prozent) und diese wirklich

unwesentlichen Abweichungen konnten bisher immer aufgeklärt werden.

Von den Handwerkskammern werden in einem einheitlichen Tabellenformat die Zahlen auf den

einzelnen Ausbildungsberuf heruntergebrochen. Als Beispiel beinhaltet die vorgelegte Tabelle 1 die

Vergleichszahlen des Handwerks für den 31.12.2012. Eine Geschlechtsdifferenzierung liegt für den

jeweiligen Ausbildungsberuf vor. Aussagen zu Branchen können nicht gemacht werden. Da hierfür

keine Definition vorliegt und ebenso keine Zuordnung der Ausbildungsberufe.

Strittig sind die aus diesen Zahlen ermittelten Quoten und die Bewertung der Zahlen. Dazu kommt,

dass jährlich wiederkehrende öffentliche Diskussionen und Medienmeldungen unterstellen, dass jede

vorzeitige Lösung eines Ausbildungsvertrages ein Ausbildungsabbruch ist.

Dies führte in der Vergangenheit nicht selten zur Infragestellung des gesamten Ausbildungssystems.

Die wirklichen Sachverhalte werden nur unzureichend diskutiert.

Jugendliche in der handwerklichen Ausbildung werden dabei aus unserer Sicht stigmatisiert und die

hohe Ausbildungsleistung der Handwerksbetriebe gerät zu Unrecht in Misskredit.

Seite 1 von 4


Zur Quotenermittlung der Lösungen - Berechnungsmethoden

Das BiBB wendet in den letzten Jahren das sogenannte Schichtenmodell an. Dabei wird eine

Kohorte (ca. 3 bis 4 Jahre) betrachtet. Das Schichtenmodell gibt den geschätzten Anteil der in Zukunft

gelösten Verträge einer Kohorte, die im Jahr t begonnen hat, an.

Dies soll eine Antwort geben auf die Fragestellung:

Wie viele Auszubildende werden zukünftig, wenn sie im Jahr t begonnen haben, ihren Vertrag lösen?

Von den Handwerkskammern wird das Jahresmodell verwendet.

Dabei werden die Zahlen eines Jahres betrachtet. Es wird der Anteil der gelösten Verträge am

Lehrlingsbestand in einem betrachteten Jahr errechnet.

Wir geben damit Antwort auf die Fragestellung:

Wie viele Verträge von Auszubildenden wurden in dem betrachteten Jahr gelöst?

Die beiden Berechnungsmethoden unterscheiden sich in der Fragestellung, der Aussage und der

Berechnung. Beide Methoden sind nicht vergleichbar. Beide Methoden machen keine Aussagen zu

den Ursachen.

Beiden Modellen gemeinsam ist, dass beide keine Ausbildungsabbrüche errechnen.

Aufgrund der Einzeldatenlieferung sind die zuständigen Stellen und auch die statistischen

Landesämter in der Lage, den Zeitpunkt der Lösung zu erheben. Gründe aber werden, wenn

überhaupt vermerkt, nicht von den Statistischen Landesämtern und damit auch nicht vom BiBB

erhoben und auch nicht ausgewertet. Dafür gibt es keinen gesetzlichen Auftrag und damit können aus

unserer Sicht die Gründe auch nicht systematisch ermittelt werden.

Wie die Darstellung in sogenannten Verlaufsstatistiken über bestimmte Zeiträume zusammengefasst

werden, bleibt jeder Stelle bisher überlassen. Am Beispiel der Handwerkskammer Potsdam haben wir

die Zeitverläufe für die Gesamtzahlen geschlossen vorliegen. Als Beispiel sind die letzten 10 Jahre in

der Tabelle 2 zusammengefasst.

Wir setzen für eine Quotenermittlung die Gesamtzahl der Lösungen eines Jahres zur Gesamtzahl der

Ausbildungsverhältnisse des Jahres ins Verhältnis.

Unabhängig von der Art der Quotenermittlung ist festzustellen, dass die Ausbildungsvertragslösungen

in den letzten Jahren gestiegen sind.

Zum Beispiel stiegen nach der einheitlichen Quotenermittlung der Handwerkskammer Potsdam von

2002 bis 2012 die Lösungen von 9,4 Prozent auf 15,2 Prozent. Der Anteil der Vertragslösungen

während der Probezeit an der Gesamtzahl der Lösungen stieg von 20 auf 30 Prozent.

Lfd. Nr. 2

Welche Gründe führen zu einer vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen von

Jugendlichen?

Antwort:

Für das Erfassen der Gründe gibt es keinen gesetzlichen Auftrag. In jedem Jahr gibt es

wissenschaftliche Untersuchungen zu den Vertragslösungen. Diese Untersuchungen sind in der Regel

regional begrenzt. Bekannt sind uns selbstverständlich die Studien des Landkreises Nordsachsen, der

Stadt Leipzig sowie der Kammern in Leipzig und das Zusammenführen von Zahlenmaterial in

MecklenburgNorpommern in 2012.

In der erst genannten Studie, die auf einer umfassenden Befragung aller an der Ausbildung Beteiligten

setzte, fanden wir unsere gemachten Beobachtungen weitestgehend bestätigt.

Seite 2 von 4


Die Handwerkskammern Brandenburgs haben in den letzten Jahren für ihre Zuständigkeiten das

gesetzlich vorzulegende Zahlenmaterial nach ihren eigenen Bedarfen weiter untersetzt. Hierbei folgen

wir einem abgestimmten Muster, so dass für bestimmte Bereiche Aussagen vergleichbar sind.

Aus der Beratungspraxis der Ausbildungsberater der Brandenburger Handwerkskammern wurden

Anfang 2013 die Hauptgründe für vorzeitige Lösungen benannt (Reihenfolge nach Häufigkeit):

- Nicht vorhandene Ausbildungsvoraussetzungen des Lehrlings

- Falsche Berufswahl und falsche Vorstellungen von der Berufswelt

- Fehlzeiten und fehlende Motivation des Lehrlings

Schwierigkeiten zwischen Ausbildern und Lehrlingen (meist Kommunikationsprobleme)

- Qualitätsmängel in der Ausbildung (ausbildungsfremde Tätigkeiten)

- Probleme und Konflikte in der Berufsschule

- Steigende Wechselbereitschaft der Jugendlichen durch viele freie Lehrstellen

Private und gesundheitliche Probleme

- Finanzielle Probleme durch Fahrkosten/ Unterkunft.

Diese aufgeführten Gründe spiegeln sich auch in den durch das BiBB ermittelten Hauptgründen

wieder.

So nannte Frau Dr. Uhly vom BiBB am 11.04.2013 in einem Vortrag beim DHKT folgende

Hauptgründe für Lösungen von Ausbildungsverträgen:

- Eine mangelnde Ausbildungsfähigkeit/-bereitschaft der Jugendlichen

Falsches Berufswahlverhalten der Jugendlichen

- Eine mangelnde Ausbildungsfähigkeit/-bereitschaft der Betriebe

- Der Umgang mit Konflikten im Betrieb

- Die Situation der Berufsschule

- Eine gute Ausbildungsstellenmarktlage für Jugendliche, gepaart mit einer dann steigenden

Wechselbereitschaft

- Insolvenz bzw. Schließung des Ausbildungsbetriebs.

Im Juni 2013 wurde eine weitere BiBB-Studie veröffentlicht, danach beenden 12 Prozent ihre erste

Ausbildung ohne erfolgreichen Abschluss. Relativ viele Jugendliche wechseln während ihrer dualen

Ausbildung den Betrieb, wobei es sich also nicht um eine erfolglose Beendigung der dualen

Ausbildung handelt. Es wurde festgestellt, dass die jährlich ermittelte Quote der Vertragslösungen

(2011: 24,4 Prozent) deutlich höher ist als die Quote der tatsächlichen Abbrecher.

Lfd. Nr.3

Welche Möglichkeiten gibt es, um Einfluss zu nehmen auf die Zahl vorzeitiger Lösungen von

Ausbildungsverhältnissen?

Antwort:

Nicht alle Vertragslösungen sind vermeidbar. In bestimmten Fällen sind Vertragslösungen auch

geboten und sinnvoll. Da aber in fast allen Fällen es auf zumindest einer Seite zu Enttäuschung und

Demotivierung kommt, muss einer Begrenzung der Lösungsquote höchste Beachtung geschenkt

werden:

Lösungen in der Probezeit senken durch die Erhöhung der Berufswahlkompetenz aller

Schulabgänger - systematische und flächendeckende Berufswahlvorbereitung an allen

Schulen für alle Schüler

Betriebe und Ausbilder über die Notwendigkeit neuer Ausbildungskonzepte informieren und

Unterstützung geben — Jugendliche sind heute „anders" und brauchen

Unterstützungsangebote

- Ausbildungsqualität in den Betrieben insgesamt unterstützen und verbessern

Seite 3 von 4


AnfacT:

- regelmäßiger Kontakt zwischen Berufsschule und Betrieb pflegen, um so frühzeitig

Leistungsdefizite in der theoretischen Ausbildung zu erkennen

- Potenzial der ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) intensiver nutzen -

Ausbildungsbetriebe umfassend informieren und

ausbildungsbegleitende Hilfen an die Berufsschulstrukturen koppeln

zusätzliche Beratungslehrkräfte für Berufsschüler an den Berufsschulen einsetzen

- bei nicht betriebsnaher Beschulung unbürokratische finanzielle Unterstützung der

Jugendlichen geben

- Konfliktmanagement aller an der Ausbildung Beteiligten verbessern (Handwerksunternehmen,

Ausbilder, Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung, Schule, Ausbildungsberatung)

- Ausbildungsberatung bei „Risikoverträgen" systematisch einsetzen

- Unterstützungsmöglichkeiten der Handwerkskammern bekannter machen und offensiv

anbieten.

Lfd. Nr. 4

Welche Konzepte wenden Ausbildungsbetriebe an, um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden?

Antwort:

- Betriebe beteiligen sich an der Berufsorientierung von Schülern, bieten Praktikumsplätze an

um über die Anforderungen, Arbeitsbedingungen und den Arbeitsalltag zu informieren

Handwerksunternehmen bieten die Möglichkeit der Einstiegsqualifizierung an, so dass auch

leistungsschwächere Jugendliche sich über Berufsinhalte usw. genau ein Bild machen können

- Lehrlinge werden zu abH aufgefordert

- Zielprämien werden für gute Leistungen ausgelobt

- Auslandsaufenthalte werden über die Handwerkskammer vermittelt

- Ausbildungsberatung wird frühzeitig in Anspruch genommen

Ausbilder nutzen die Ausbilderworkshops des Externen Ausbildungsmanagements (EXAM)

Lfd. Nr. 5

Gibt es in Brandenburg genügend Ausbildungsstätten für Umsteigerinnen, damit

Ausbildungsverhältnisse im zweiten Anlauf abgeschlossen werden können?

Antwort:

Es gibt genügend Lehrstellenangebote, um Ausbildungsverhältnisse im Handwerk fortzusetzen. Eine

Herausforderung bildet die passgenaue Vermittlung unter Berücksichtigung der individuellen

Erfordernisse.

Unterstützung bieten die Handwerkskammern durch Mitarbeiter des Projektes „Passgenaue

Vermittlung" bei allen Kammern.

Lfd, Nr. 6

Welche Angebote gibt es für Auszubildende ohne Haupt- oder Förderschulabschluss, wenn sie

eine Berufsausbildung abgebrochen haben?

Antwort:

Es gibt keinen vorgeschriebenen formalen Zugangsvoraussetzungen für die Berufsausbildung.

Sollte die Agentur für Arbeit für Förderschüler eine REHA-Ausbildung

für notwendig halten, gelten hierfür bei betrieblicher Ausbildung die gleichen

Unterstützungsmöglichkeiten wie in den übrigen Ausbildungsberufen. Besteht die Notwendigkeit einer

gesonderten Kammerregelung, wird diese erarbeitet und der Ausbildungsbetrieb erhält in Abstimmung

mit der Agentur für Arbeit zusätzliche Unterstützungsangebote. Eine Ausbildung nach einer

Kammerregelung für behinderte Menschen ist für den Ausbildungsbetrieb, den Ausbilder und die

Berufsschule eine große Herausforderung.

Seite 4 von 4


Auszubildende und vorzeitig gelöste Ausbildungsverhältnisse

Handwerkskammern des Landes Brandenburg

Handwerkskammer...

Auszubildende

am 31. Dezember 2012

Anzahl

der

Anzahl

der

Ausbil -

Vorzeitig gelöste Ausbildungsverhältnisse

in der Zeit vom 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2012

Ausbildavon

dar davon

dungs- dungs-

insgesamt

.

insgesamt

im ... Ausbildungsjahr Aus - statten betriebe

im ... Ausbildungsjahr

länder

gesamt männl. weibl. 1. 2. 3. 4. gesamt männl. weibl. 1. 2. 3. 4.

dar.

in der

Probezeit

Cottbus 1.802 1.379 423 595 491 516 200 22 1.035 845 310 212 98 180 88 40 2 118

Frankfurt/Oder 2.269 1.831 438 660 636 717 256 20 1.186 992 431 335 96 227 127 68 9 128

Potsdam 3.381 2.712 669 1.009 946 1.033 393 40 1.795 1.467 514 381 133 280 142 78 14 154

insgesamt 7.452 5.922 1.530 2.264 2.073 2.266 849 82 4.016 3.304 1.255 928 327 687 357 186 25 400

Ges

Handwerkskammer Potsdam • Chadottenstraße 34 - 36 • 14467 Potsdam 1 von 1


gj Handwerkskammer

Potsdam

Vorzeitig gelöste Berufsausbildungsverhältnisse

Stand: 31. Dezember des jeweiligen _ Jahres

vorzeitig gelöste Berufsausbildungsverhältnisse

davon

cy,_

Kai.- Auszubildende

darunter

jahre gesamt Anteil 9ö- %- %- °Ainsgesamt

an

1. Anteil %-

während

2. Anteil 3. Anteil 4. Anteil

Lehrjahr an Anteil Lehrjahr an Lehrjahr an Lehrjahr an

gesamt

der

insges. Probezeit an insges. insges. insges.

insges.

2002 7.948 746 9,4% 331 44,4% 150 20,1% 208 27,9% 184 24,7% 23 3.0%

2003 7.313 609 8,3% 272 44,7% 122 20,0% 168 27,6% 157 25,8% 12 1.9%

2004 6.823 523 7,7% 87 16,6% 87 16,6% 147 28,1% 243 46,5% 46 8,8%

2005 6.434 409 6,4% 196 47,9% 79 19,3% 127 31,1% 74 18,1% 12 2,9%

2006 6.187 472 7,6% 234 49,6% 99 21,0% 137 29,0% 89 18,9% 12 2,5%

2007 6.075 649 10,7% 292 45,0% 151 23.3% 249 38,4% 97 14,9% 11 1,7%

2008 5.602 589 10,5% 319 54,2% 170 28,9% 166 28,2% 100 17,0% 4 0,7%

2009 4.913 614 12,5% 294 47,9% 172 28,0% 196 32,0% 110 18,0% 13 2,1%

2010 4.207 554 13,2% 295 53,2% 166 30,0% 149 26,9% 101 18,2% 1,6%

2011 3.662 544 14,9% 303 55,7% 179 32,9% 163 30,0% 71 13,1% 7 1,3%

2012 3.381 514 15,2% 280 54,5% 154 30,0% 142 27,6% 78 16,2% 14 2,7%

Handwerkskammer Potsdam • Charlottenstraße 34 - 36 • 14467 Potsdam 1 von 1


w Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

I I .1

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

bbw Bildungszentrum Frankfurt (Oder) GmbH

Arbeitsskript zum Fachgespräch im Ausschuss für Arbeit, Soziales,

Frauen und Familie

„Lösung von Ausbildungsverhältnissen von Jugendlichen"

21.08.2013 — Landtag Brandenburg

Henry Zinke

Geschäftsführer bbw Bildungszentrum Frankfurt (Oder) GmbH

■ www.bbw-frankfurt-oderale ■


1. Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle

Situation zur vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen

ein?

SPD

Die Linke

Daten Folie 2

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

Entwicklung der Zahl der Auszubildenden, der neu abgeschlossenen

und der vorzeitig gelösten Ausbildungsverträge in Brandenburg von

2002 bis 2011

60.000

50.000

40.000

30.000

20.000

10.000

0

Auszubildende

3.358

neu abg eschios sens Ausbildungsvertrage

12.124

vorzeitig gelöste Aus bi klung svertrage

4-449

2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

Quelle: Amt für Statistik Berlin Brandenburg, Statistisches Bundesamt.

■ www.bbw-fra nkfu rt-od ende ■


1. Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle

Situation zur vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen

ein?

SPD

Die Linke

Daten Folie 3

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

Lösungsquote nach Ausbildungsbereichen in Brandenburg 2011

29.9

23.5

7 .8

Industrie u

Handel

Handwerk

Landwirtschaft

Öffentl.

Dienst

Freie

Berufe

Hauswirtschaft

Quelle: Statistisches Bundesamt.

■ www.bbw-frankfurt-oder.de ■


1. Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle

Situation zur vorzeitigen Lösung von Ausbildungsur

verhältnissen ein?

SPD

Die Linke

Daten Folie 4

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

I 1 4 4

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

Freseire(Hw:l

urai KRO'lleuib3 (11-1)

über 50

K8r.lifp I IH3 4741

464 5

Trn4h3e-11-41

hiOtalr3Chlfrult:11111

Lösungsquote na ch

Ausbildungsberufen

in Brandenburg 2011

(nur Berufe mit 100 und mehr

Neuabschlüssen im Jahr 2011)

Maler 4ind Lacjoere ,e1w? 1.1111111111111111M.

Fachkräfte um aikeptmwerbe

34.8

Anlarpmfrmei. SsmitAr-3-13ezurtga-,Klargi chn.(1 - 1v..3

3.53.1

Fazmagerwlanilte 373

K ∎2+ffeh,latterneKlialronikv 0+03 1

ZahliMüditinor,heFeicharrgr_stedibu

36

elerulskraftvarle III-11

Lalltlerne.]

Verkaulg , 01,C.

Eleb L,1e2, 1.4el

Fach4.rg' ,ZI 113r I_ agerlügimile

oliverufe

33,1

72 4

31 2

Für Friseure. und Restaurantfachleute wurden

Losungsquoten von über 513 Prozent berechnet.

Diese werden vom BIBB nicht ausgewiesen, da

die Wahrscheinlichkeit eines Artefakts u a.

aufgr und von Meldeproblemen nicht

ausgeschlossen werden kann_

Anm. Hur: Handwerk, FB. Freie Berufe, PF-L Industrie und I-iandel.

Quelle Bundesinstitut für Berufsbildung, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg.

■ www.bbw-frankfurt-odencle •


1. Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle

Situation zur vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen

ein?

SPD

Die Linke

Daten Folie 5

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

alle berufe 29.9

Kauf1euse fuT Bum kom reunkation 29.6

Tiefbautacrseteier I IS-11 29.7

Medizi nieissla F9Chargelelle Ob) 26.9

Lösungsquote nach

Ausbildungsberufen

in Brandenburg 2011

(nur Berufe mit 100 und mehr

Neuabschlüssen im Jahr 2011)

K aufla u4aim Emzelharnfel 26,1

Ka dleuto im Gra- und Au ßenhandel (IH) 254

Borukaufleuteill-1)

24

Industrlekaufieute (IH)

19:2

FaCtie-Corrnabker

15'

leduallslemeghander 1111 I. 14,8

Mechaltoriiker SIF .111 14,5

Banigitaulleute I1s-11 1111

r *pereDstezmo.1-1 b

Vardwallbangs,ac-flergestaSI;OD;, IM 5,3

Anm.. EB: Freie Berufe, IH; Industrie und Handel. ÖD: Öffentlicher Dienst.

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg.

■ www.bbw-frankfurt-odende ■


1. Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle

Situation zur vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen

ein?

SPD

Die Linke

Daten Folie 6

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

alle berufe

aufleue3ur 11 urukorn reenka bon I.

Tief baulacnarbeer

Fachar4e5lele ;VW

111111M11111111111111

25.9

29.EI

291

Lösungsquote nach

Ausbildungsberufen

in Brandenburg 2011

(nur Berufe mit 100 und mehr

Neuabschlüssen im Jahr 2011)

KAufkgruta%rn. Einzelhandel (11-11.

2a,1

Kauflouis im Cite.ß- und Au ßenhandel (1/-4)

25.4

BWlukaaneule {11-i)

hdusheleaugleute (IH

M11111•1131 24

192

Fachin, ermat .fiter (IH I.

19

inautuiemecrharidmr 11H)

14,a

Mechatronik.er

14.5

9ankke9fieule lIHl 5,4

tichlreniker -OetneoslerInIK (FH,

f

Verxellungtfar-langesteilse;IDD ■ 5.3

Anm.. FB. Freie Berufe, IH: Industrie und Handel. ÖD: Öffentlicher Dienst.

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, Amt für Statistik Berlin-Brandenburd.

■ www.bbw-frankfurt-odende ■


1. Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle

Situation zur vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen

ein?

SPD

Die Linke

Daten Folie 7

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

Vertragslösungen nach Ausbildungsjahren in Brandenburg

2002 bis 2011

2,0 1,1 2 ,8 1 *6 1,0 3,7 1,6 0,5 0.7

25,8 26,8

29,1

25,$ 23,3

15,9 15,4 13,5

27,7

36,6

38,0

40,6

39,6

36,4

35.0

35,6

34,1

27,5

33,0

39,3

33,6

43,3

50,3 52,1

2002

2003

2004

2005

2005

2008

2009

2010 2011

1. Ausbildungsjahr AZ Ausbildungsjahr 3. Ausbild un9s$hr 4. Ausbildungsjahr

Anm.: Bei den Angaben in der Abbildung handelt es sich nicht um Lösungsquoten, sondern um

Anteile der Lösungen in den einzelnen Ausbildungsjahren an allen Lösungen.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, eigene Berechnungen.

■ www.bbw-frankfurt-odende ■


1. Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle

Situation zur vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen

ein?

Daten — Lösungsquote nach Branchen- und

Kammerzugehörigkeit

Branchenzugehöri gkeit

11

Pferdewirt 0,7%

Gärtner 6,0%

Landwirt 1,7%

K&perpflegegewerbe 9,0%

Sonstige Gewerbe und kaufmännische Berufe 3,7%

Gesundheits- und Reinigungsgewerbe 4,3%

Nahrungsmittelgewerbe 2,7%

Kfz-Gewerbe 3.7%

Elektro- und Metallgewerbe 11,4%

Bau-. Ausbau- und Holzgewerbe 9,0%

IT/ Elektrotechnik! Medien 3,0%

HoGa 9,4%

Metall/Holz/ Glas 6,7%

Handel 11,4%

Dienstleistung 13,0%

Verkehr/ Logistik

Bau 3,9%

SPD

Die Linke

Folie 8

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

0,0% 2,5% 5,0% 7,5% 10,0% 12,5%

Abb. 4: Abbrecherzahlen nach Kammerbereich und Berufsgruppen (N=300)

Quelle: Eine Studie im Auftrag der Landratsämter Nordsachsen und Leipzig sowie der Stadt Leipzig 0912012

■ www.bbw-frankfurt-odende ■


1. Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle

Situation zur vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen

ein?

SPD

Die Linke

Daten — Branchenverteilung geschlechtsdifferenziert Folie 9

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH


Banken und

Versicherungen

Gärtner 6,0%

Banken und

Versicherungen

Pferdewirt

Tierwirt

Landwirt

Sonstige Gewerbe und

ka ufman nische Berufe

Gesu ndheits- und

Reinigungsgewerbe

3,51%

11=1

6.14%

Kä rperpflegewerbe

10.6%

Nahrungsmittelgewerbe

Sonstige Gewerbe und

kaufmannieche Berufe

Kfz-Gewerbe

11.4%

Gesundheite- und

Reinigungsgewerbe

Nahrungamittelgewerbe

Bau-. Ausbauund

Holzgewerbe

117 Elektrotechnik/ Median

HoGa

Handel

Dienstleistung

Bau

Verkehr/ Logistik

Elektro- und

Metallgewerbe

Bau-, Ausbauund

Holzgewerbe

FT/ Bleie rotechnikf Medien

HoGa

10,9%

Metall/ Holz/ Glas

27,3%

Handel

22,7%

Dienstleistung

I cts%

Bau 1,75%

1 0,6% Verkehr/ Logistik

14,91%

0% 30% 0% 5% 10% 15%

Abb. 8: Branchenverteilung der befragten

weiblichen Auszubildenden (A1=133)

Abb. 9: Branchenverteilung der befragten

männlichen Auszubildenden (N-117)

Quelle: Eine Studie im Auftrag der Landratsämter Nordsachsen und Leipzig sowie der Stadt Leipzig 09/2012

■ www.bbw-frankfurt-odende ■


1. Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle

Situation zur vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen

ein?

Daten —

Zeitpunkt

SPD

Die Linke

der Vertragslösungen Folie 10

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

50% —

vor Beginn

der Ausbildung

Im 1. Ausbil

dungsjahr

während der

Probezeit

im 1. Ausbildungsjahr

nach der

Probezeit

im 2. Aus- im 3. Aus- Im 4. Ausbildungsjahr

bildungsjahr bildungsjahr

Abb. 5: Zeitpunkt der Vertragslösungen gesamt (N.-=301)

Rund zwei Drittel der Vertragslösungen finden bereits im ersten Ausbildungsjahr statt, dabei knapp die Hälfte während

der Probezeit. Diese Verteilung gilt berufsübergreifend — mit zwei gewichtigen Ausnahmen: im HWK-Bereich im

Körperpflegegewerbe sowie im 1HK-Bereich im Hotel- und Gaststättengewerbe finden auch im dritten Ausbildungsjahr

noch knapp 30 % bzw. 20 % der Vertragslösungen statt (Abb. 5, Abb. 6 und Abb. 7). Darüber hinaus kommen

immerhin knapp 10 % — im Kfz-Gewerbe sogar über 20 % — der Ausbildungs-verhältnisse erst gar nicht zustande, da

die Auszubildenden im Vorfeld mehrfach einen Ausbildungsvertrag unterzeichnet haben oder die Ausbildung erst gar

nicht antreten. Eine Untersuchung des BIBB fand heraus, dass 2003 im Bundesdurchschnitt 4 `)/0 aller Abbrecher/-

innen zu dieser sogenannten Gruppe der „Verwaltungsartefakten" gehörte. (Schöngen 2003, 7) Neuere Daten liegen

seitdem nicht vor, da die bundesweiten Erhebungen nur die Ausbildungsverhältnisse erfasst, die auch tatsächlich

angetreten wurden (vgl. bspw. BiBB 2011, 180). Gleichwohl kann angesichts des demografischen Wandels davon

ausgegangen werden, dass der Befund dieser Studie keine regionale Ausnahme darstellt.

Quelle: Eine Studie im Auftrag der Landratsämter Nordsachsen und Leipzig sowie der Stadt Leipzig 09/2012

■ www.bbw-Frankfurt-odencre ■


1. Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle

Situation zur vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen

ein?

SPD

Die Linke

Daten — Zeitpunkt der Vertragslösungen Folie 11

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

1

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

50% —

40% —

1 1

0% 1 I

1

vor Beginn im 1. Ausder

Aus- bitdungsjahr

bildung während der

Probezeit

30% —

20% —

10% —

Branchenzugehörigkeit

Elektro• und Metallgewerbe

Kfz- Gewerbe

Körperpflegegewerbe

I ■

I I

im 1. Aus- im 2. Aus- Im 3. Aus- Im 4. Aus-

WIdungsjahr blidungsjahr WIdungsjahr WIdungsjahr

nach der

Probezeit

50%—

50% —

40% —

30% —

20% —

sranchenzugehöreelt

Dloneneletung

❑ Handel

■ HoGe

.1 ■

vor Beginn Im 1. Aue- Im i. Aus- im 2. Atte. Im 2. Aue- Im d.Aus-

. . . ,


der Aus-

WIdung

Abb. 6: Zeitpunkt der Vertragslösungen nach Berufsgruppen der HWK (N=75)

10% —

0%

1

lar7 n

Wenslehr bIldungslahr WIdungsjahr lAdungsfahr WIdungsjahr

während dor nach Ablauf

Probezelt der Probezelt

Abb. 7: Zeitpunkt der Vertragslösungen nach Berufsgruppen der 11-11( (N=150)

Quelle: Eine Studie im Auftrag der Landratsämter Nordsachsen und Leipzig sowie der Stadt Leipzig 09/2012

■ www.bbw-frankfurt-odende ■


1. Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle

Situation zur vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen

ein?

SPD

Die Linke

Daten — Lösungsquote im Ländervergleich Folie 12

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

Lösungsquote nach Bundesländern 2011

Mecklenburg-Vorpo mmern

Berlin

Sachsen-Anhalt

Brandenburg

Thüringen

Saarland

Harnburg

Sachsen

Schleswig-Holstein

Rheinland-Pfalz

Deutschland

Niedersachsen

Brem en

Nordrhein-Westfalen

Hessen

Bayern

Ba de n-Wü rtte m berg

21,1

20,9

31,0

29,9

29,6

29,0

■ 28,2

27,5

27,2

26,5

24,4

23,5

23 : 5

23,5

23,2

33,9

33,6

Alte Länder 23,2

Neue Länder und Berlin 30.7

Quelle: Statistisches Bundesamt

r IAB Sachsen-Anhalt-Thüringen

• www.bbw-frankfurt-oder.de


1. Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle

Situation zur vorzeitigen Lösung von Ausbildungsverhältnissen

ein?

SPD

Die Linke

Daten — Kommentar zu den Daten Folie 13

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

Auch wenn es nicht ganz einfach ist gesicherte Daten zu dem Thema zu bekommen, zweigen die

vorhandenen Statistiken ein eindeutiges Bild.

• Die Abbruchquote beträgt rund 30%, d.h. ca. 1/3 aller Ausbildungsverhältnisse in BB werden wieder

gelöst, davon nur ca. 8% vor Beginn der eigentlichen Ausbildung, dafür aber fast die Hälfte bereits in

der 4 monatigen Probezeit

■ www.bbw-frankfurt-odende ■


HWK

SPD

Die Linke


■ von meiner Sofie

111 von Seiten des Betriebes

■ von beiden Selten

Abb. 34: Initiator/--in der Vertragslösung (alle Auszubildende; N=254)

11-1K

„Grüne Berufe"

35,71%

2. Welche Gründe führen zu einer vorzeitigen Lösung

von Ausbildungsverhältnissen?

Initiator/-in der Vertragslösung Folie 14

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

Abb. 35: Initiator/-in der Vertragslösung aus Sicht

der Auszubildenden differenziert nach Branchen

111 von meiner Seite

von Seiten des Betriebes



von beiden Seiten

Quelle: Eine Studie im Auftrag der Landratsämter Nordsachsen und Leipzig sowie der Stadt Leipzig 09/2012

a www.bbw-frankfurt-odende I


2, Welche Gründe führen zu einer vorzeitigen Lösung

vo Ausbildungsverhältnissen?

SPD

Die Linke

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

Au Sicht der Betriebe und Azubis Folie 15

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

Branchen

Anzahl

Botrlobe

Ausachlaggebenclor Abbruchgrund

(Botriabo)

Anzahl

Azubis

Ausechlaggobender Alsbruchgrund

(Azubla)

Ke n I nteresse/ mangel

nda Mottwatb n

D er Aasbi erwies sich

als ungeeignet

Verstöße gegen d le

Betriebs o rd nu rg

15 urue guopeqo

uepumm ixin

gezegifi

M angelnd e Passu ng zw.

Bet ri eb und Azubi

Kcnflikte mit Ausbilder,

Meister oderChef

Mangelnd e Vermittlu n g

der I nhalte

Bau (Ausbauund

Holzgewerbe)

Elektro- und

Metallgewerbe

27 2,03 1,95 3,22 2,26 9 ase 2,67 3,22 3,22

34 2,04 2,58 2,68 2,55 17 2,20 2,71 2,41 2,82

Kfz- Gewerbe 11 2,30 1,90 2,45 2,30 13 2,25 1,92 1,50 1,91

Nahrungsmittelgewerbe

8

2,14 2,63 2.83 2,63 8 3.75 2,63 3.75 3.87

Gesundheitaund

Reinigungsgewerbe

13 1,62 2,15 2,46 1,77 13 1.64 2,25 2,64 2,83

Ktrperpflegegewerbe

24

3,64 2,41 3,35 2,61 14 1,62 2,02 3,00 2,62

Sonstige Gewerbe

und kaufmannische

Berufe

11 2,18 3,60 2,50 3,10 11 1,73 2,55 2.73 3,27

Tab. 10: Gegenüberstellung der ausschlaggebenden Gründe für den Ausbilarungsabbruch aus

Sicht der Betriebe und der AeAnibildenaren der HVI7K-Branchen (Angabe der Mittelwerte; 1=trifft

gar nicht zu. .5=trifft voll zu)

Quelle: Eine Studie im Auftrag der Landratsämter Nordsachsen und Leipzig sowie der

Stadt Leipzig 09/2012

■ www.bbw-frankfurt-odencle ■


2. Welche Gründe führen zu einer vorzeitigen Lösung

von Ausbildungsverhältnissen?

SPD

Die Linke

Aus Sicht der Betriebe und Azubis Folie 16

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

Branchen

(N)

Ausschlaggebender Abbruchgrund

(Betriebe)

Ausschlaggebender Abbruchgrund

(Azubis)

Konflikt mit

Ausbilder

oder Chef

Falsche

Vorstellungen

vorn

Beruf

Kein

Interesse/

keine Motlvation

Man geln- de Vermittlung

der

Inhalte

Konflikt mit

Ausbilder

oder Chef

Nachlassendes

Interesse

Verkehr/ Logistik 11 1,71 1,00 1,29 2,27 3,09 1,91

Bau 3 1,22 2,78 2,00 2,87 3,00 4,00

Dienstleistung 34 1,35 2,42 2,28 3,39 3,41 1,41

Handel 45 2,03 2,36 3,16 2,93 2,95 1,74

Metall/ Holz/ Glas 10 1,88 2,75 2,13 2,00 2,22 2,30

HoGa 36 2,4 3,16 2,84 2,80 3,37 2,24

1T/ Elektrotechnik/

Medien

7 2,14 4,14 3,57 4,00 2,71 2,86

7äb. 11: Gegenüberstellung der ausschlaggebenden Gründe für den Ausbildungsabbruch aus Sicht

der Betriebe und der Auszubildenden der IHK-Branchen (Angabe der Mittelwerte; 1=trifft gar nicht zu,

5=trifft voll zu)

Quelle: Eine Studie im Auftrag der Landratsämter Nordsachsen und Leipzig sowie der

Stadt Leipzig 09/2012

■ wwvv.bbw-frankfurt-odende ■


2. Welche Gründe führen zu einer vorzeitigen Lösung

vo Ausbildungsverhältnissen?

SPD

Die Linke

Au Sicht der Betriebe und Azubis Folie 17

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

3

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Frankfurt (Oder) GmbH

Berufsgruppe

(N)

Ausschlaggebender Abbruchgrund

(Betrlebe)

ihn

"

Ausschlaggebender Abbruchgrund

(Azubis)

Entfernung zur

Be rufssp ule

Geringe Ausblidungsvergütung

U ngünstige

Arbeitszeiten

Ungünstige U rl aubsregelungen

Konflikte mit Ausbilder

oder Ch ef

Azubi war für Beruf

ungeeignet

Verstöße gegen die

Betriebsordnun g

Azubi war nicht

mot ivie rt

Fal sche Vorstell ungen

vom Beruf

Konflikte mit Ausbilder

oder Ch ef

Gartenrauberufe

13 223 2,62 2,9 2,31 2,08 6 3 2 3,5 2,5 2,8

Landwirtschaffi.

Berufe

12 2,67 2,36 2,8 2,17 2,33 7 3,6 3,43 1,71 2,29 1,7

Total 25 2.44 2,5 2,8 2,24 2,2 13 3,31 2,77 2,54 2,38 2,2

Tab. 12: Ausschlaggebende Gründe für den Ausbildungsabbruch aus Sicht der Auszubildenden und

der Betriebe der "Grünen Berufe" (Angabe der Mittelwerte; 1=trifit gar nicht zu, 5=trifft voll zu)

Quelle: Eine Studie im Auftrag der Landratsämter Nordsachsen und Leipzig sowie der

Stadt Leipzig 09/2012

■ www.bbw-frankfurt-odencle ■


2. Welche Gründe führen zu einer vorzeitigen Lösung

von Ausbildungsverhältnissen?

SPD

Die Linke

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Aus Sicht der Auszubildenden (3 zentrale Gründe) Folie 18

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1. Kommunikationsprobleme und Betriebsklima

Von herausragender Bedeutung ist aus der Sicht der Auszubildenden ein gravierendes Defizit an

Kommunikationsfähigkeit und sozialer Kompetenz auf Seiten der Ausbilder/-innen und Vorgesetzten.

Die Ausbildungs- und Arbeitsprobleme bleiben dadurch weitestgehend unausgesprochen.

Nicht selten fühlen sich Auszubildende mit ihren Versuchen, ihre Ausbildungsprobleme zu besprechen,

zurückgewiesen. Diese Einschätzungen verteilen sich auf die oben genannten Branchen entsprechend

der Höhe ihrer Abbruchraten.

25,0% —

20,0% —

15,0% —

io,o% -

5,0% —

12,86%

22,74%

23,36%

23,73%

17,31%

Die Frage, inwieweit sie regelmäßige

Rückmeldung bezüglich des

Ausbildungsverlaufs und -erfolgs durch den/die

Ausbilder/-in erhalten, bejahten lediglich ein

Drittel der Auszubildenden, ein weiteres Drittel

reagierte unschlüssig und der Rest verneinte

diese Frage (Abb. 36).

0,0%

trifft gar trifft be- unent- trifft weit- trifft

nicht zu grenzt zu schieden gehend zu völlig zu

Abb. 36: Verteilung der Antworten von Auszubildenden in Sachsen zu „Mit meinem

Ausbilder spreche ich regelmäßig über meinen Ausbildungsverlauf."

(Quelle: Sächsische Landesinitiative QEK 2012)

Quelle: Eine Studie im Auftrag der Landratsämter Nordsachsen und Leipzig sowie der Stadt Leipzig 09/2012

■ www.bbw -frankfurt-odende ■


2. Welche Gründe führen zu einer vorzeitigen Lösung

von Ausbildungsverhältnissen?

SPD

Die Linke

Aus Sicht der Auszubildenden (3 zentrale Gründe) Folie 19

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der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

• I Ä

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2. Beschäftigung statt Ausbildung

Einen vergleichbar hohen Einfluss auf die Abbruchbereitschaft hat die ausbildungsfremde

Beschäftigung sowie ein unverhältnismäßig hohes Maß an Mehrarbeit.

3. Ausbildungsqualität

Bezeichnend ist, dass sich die Ausbildungsabbrecher/-innen von der Ausbildung und ihren

Anforderungen nicht über-, sondern eher unterfordert und sich in überdurchschnittlichem Maße

mit nicht qualifizierenden Arbeiten beschäftigt fühlen. Addiert man die Gruppe derer, welche die

Möglichkeit zum Wechsel in ein Studium oder einen für sie anspruchsvolleren Beruf vollzogen

haben, dann wird deutlich, dass es unter den Ausbildungsabbrecher/-innen ein erhebliches

Potenzial an Auszubildenden gibt, die an der Anhebung der Ausbildungsqualität und an

weiterführenden beruflichen Karrieren ein Interesse haben.

Quelle: Eine Studie im Auftrag der Landratsämter Nordsachsen und Leipzig sowie der Stadt Leipzig 09/2012

■ www.bbw-frankfurt-oder.de •


2. Welche Gründe führen zu einer vorzeitigen Lösung

von Ausbildungsverhältnissen?

SPD

Die Linke

Kommentar zu den Gründen Folie 20

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der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

bbw Bildungszentrum

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• Ca. die Hälfte der Verträge wird durch die Auszubildenden selbst gelöst, was von ihnen besonders

begründet wird mit schlechtem Betriebsklima, mangelnder Kommunikation, ausbildungsfremde

Tätigkeiten, Mehrarbeit und mangelnder Ausbildungsqualität bis hin zur Unterforderung

• Die Betriebe geben als Gründe an, mangelnde Motivation der Azubis, aber auch, dass die

Jugendlichen eine falsche Vorstellung vom Beruf hatten.

• Hier zeigt sich das Defizit in der vertieften Berufsorientierung. Die Schüler selbst geben an, dass Sie

sich in erster Linie durch Internetrecherche über ein Berufsbild informieren. An der Stelle kommt das

Internet an seine Grenzen und sollte entsprechende Beachtung bei der Politik finden.

Quelle: Eine Studie im Auftrag der Landratsämter Nordsachsen und Leipzig sowie der

Stadt Leipzig 09/2012

■ www.bbw-frankfurtodende ■


3. Welche Möglichkeiten gibt es, um Einfluss zu

nehmen auf die Zahl vorzeitiger Lösungen von

Ausbildu ngsverhältnissen?

SPD

Die Linke

Vorbeugung durch vertiefte Berufsorientierung (BO) Folie 21

bbw Bildungswerk

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Berlin und Brandenburg

111

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

• Die Mittel, welche derzeit zur Verfügung gestellt werden, um junge Menschen zu betreuen, wenn Sie keine

Berufsausbildung beginnen konnten oder auch für unversorgte Abbrecher, sollte umverteilt werden hin zu einen

nachhaltigen Berufsorientierung mit System, mind. Von der 7. bis zur 10. Klasse, besser sogar ab der 5. Klasse.

• Heute können wir Jugendliche im Rahmen des BO-Projekts „VVINBO" (wirtschaftsnahe Berufsorientierung) nur

beginnen für bestimmte Berufe zu interessieren, da es dieses Projekt nur für die 7. und 8. Klassen gibt.

• Es fehlte eine weiterführende vertiefte BO in der 9. und 10. Klasse, welche auf die Ergebnisse der BO in der 7.

und 8. Klasse aufbaut

• 7. Klasse: Potentialanalyse

• 8. Klasse: Werkstatthüpfen („sich ausprobieren")

• 9. Klasse: Vertiefung der Interessen in den jeweiligen Werkstatt mit dem Ziel schrittweise einem Berufsbild

näher zu kommen

• 10. Klasse: Betriebspraktikum in dem Berufsbild

• Bsp. Durch die Potentialanalyse wird eine Neigung zu Metall- und Elektroberufen ermittelt, dann kann sich

der Schüler in der 8. Klasse ausprobieren und bemerkt, dass Metallberufe ihm mehr liegen wie

Elektroberufe — genau hier endet leider die BO, aufgrund fehlender Landesmittel — wenn es jetzt

weitergehen würde wir oben beschrieben könnten wir in der 9. Klasse in den Metallwerkstätten zusammen

mit dem Schüler herauskitzeln, welcher Metallberuf ihm am meisten interessiert und liegt (z.B.

Konstruktionsmechaniker). Zur Abrundung dieser Orientierung absolviert der Schüler ein Betriebspraktikum

in einem Unternehmen, sozusagen in echter „ungefilterter Umgebung". Dadurch ergibt sich die

unmittelbare Möglichkeit und Chance, dass das Betriebspraktikum direkt in einen Ausbildungsvertrag

mündet zum Vorteil beider Seiten. Der Unternehmer kauft nicht die Katze im Sack und der Schüler weiß

was ihn erwartet und es wurde eine Brücke in den Betrieb gebaut. Denn es ist nicht zu unterschätzen,

dass viele Schüler große Hemmungen haben sich in einem Betrieb persönlich vorzustellen und den

Bewerbungsprozess aktiv voranzubringen.

■ www.bbve-frankfurt-oder.de ■

Le)


3. Welche Möglichkeiten gibt es, um Einfluss zu

nehmen auf die Zahl vorzeitiger Lösungen von

Ausbildu ngsverhältnissen?

SPD

Die Linke

Vorbeugung durch vertiefte Berufsorientierung (BO) Folie 22

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

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• Für diese vertiefte Berufsorientierung gibt es bereits ein Konzept mit dem Namen „Azubi Shuttle", welches im

Trägerverbund (bbw, ÜAZ, DAA) entwickelt wurde und dadurch die Möglichkeit schafft, dass sehr viele

Berufsfelder angeboten werden können, von Industrieberufen über Bauberufe bis hin zu kaufmännischen

Berufen.

• Dieses Konzept wurde bereits im Mai diesen Jahres beim MASF bei Frau Dr. Haase vorgestellt, leider ohne

Erfolg, da es dafür keine Mittel gebe. Das ist besonders tragisch unter dem Aspekt, dass Mittel im spezifischen

Verbund nicht abfließen. Die spezifische Verbundrichtlinie soll Schüler auffangen, welche ja unversorgt geblieben

sind, sprich keine Berufsausbildung beginnen konnten bzw. begonnen hatten und abgebrochen haben. Leider ist

diese Richtlinie nicht sehr glücklich ausgeführt und geht so an den Bedarfen der Region vorbei, was dazu führt,

dass die Mittel dort nicht abfließen.

• Jeden Euro den man verpasst in eine geeignete Prävention zu stecken, muss man 3-fach und mehr in der

Nachsorge ausgeben, mit meist schlechterem Endergebnis und viel verlorener Zeit.

• Besorgniserregend empfinde ich auch den 2. angeführten Grund, weshalb viele Azubis ihr Ausbildungsverhältnis

lösen (siehe Folie 19). Hier geht es darum, dass viele Azubis verstärkt bis ausschließlich zu ausbildungsfremden

Tätigkeiten in den Betrieben herangezogen werden und das auch noch oft mit unbezahlter Mehrarbeit verbunden

wird, was die Jugendlichen schnell demotiviert. Quasi werden Sie als „billige" Arbeitskräfte eingesetzt. Hier zeigt

sich eine besondere Schwäche in unserem dualen System, wo es nur die Vorgabe gibt, dass die Azubis die

Berufsschule (meist OSZ) besuchen müssen, aber es keinerlei Vorgaben gibt besonders in technischen Berufen,

dass bestimmte fachpraktische Grundlagen obligatorisch vermittelt werden müssen, quasi um einen gewissen

Qualitätsstandard in der Ausbildung zu gewährleisten. Bei HWK-Berufen gibt es ja diese obligatorischen

Vorgaben, jedoch bei IHK Berufen fehlen diese Vorgaben aus meiner Sicht. Ich bekomme immer wieder mit, wie

Betriebe nur deshalb Azubis nehmen, um Sie als „Billigarbeiter" auszubeuten. Da die Schüler noch nicht volljährig

sind, sollte dieser Aspekt, auch zum Schutz dieser sich noch in der Entwicklung befindlichen jungen Menschen,

eine besondere Beachtung finden.

. www.1) bw-fra nkf urt-od ende ■


4. Welche Konzepte wenden Ausbildungsbetriebe an,

um Ausbildungsabbrüche zu verhindern?

GRÜNE/

B90

Folie 23

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

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• Das ist eine klassische Frage für Unternehmervertreter, da ich selbst 4 Jahre einen Industriebetrieb mit 120

Mitarbeiter geführt habe und wir dort auch Ausbildung betrieben haben, kann ich dazu Folgendes ausführen:

• Es gibt quasi kein wirklich niedergeschriebenes Konzept, sondern eher das Rezept einer erfolgreichen

Personalpolitik. Es fängt an, dass man sich Zeit nehmen muss bei der Auswahl der Kandidaten, wenn man

dann im Vertragsverhältnis steht, dann müssen die Konditionen dem regionalen Niveau entsprechen, der

im betrieb verantwortliche Ausbilder sollte darauf achten, dass die Arbeitszeiten sich im Rahmen

vertraglichen Rahmen bewegen.

• Der Kontakt zur Berufsschule und zum Bildungszentrum (bei Verbundausbildung) sollte optimal gestaltet

werden, um hier auf entsprechende Entwicklungen und Anzeichen recht zeitig reagieren zu können (z.B.

massive Verschlechterung in den Noten).

• Der Azubi sollte aktiv ins Betriebsleben integriert werden, auch wenn er Anfangs noch nicht so oft im

Betrieb ist. Das ist sehr wichtig für die Psyche und Motivation des jungen Menschen. Hier sind besonders

die Führungskräfte gefragt.

• www.bbw-frankfurt-odende •


5. Gibt es in Brandenburg genügend Ausbildungsstätten

für „Umsteigerinnen", damit Ausbildungsverhältnisse

im zweiten Anlauf abgeschlossen

werden können?

GRÜNE/

B90

Folie 24

bbw Bildungswerk

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Berlin und Brandenburg

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• Diese Frage kann ich so nicht beantworten, da nicht ganz klar ist für mich, wo diese Frage hinzielt bzw. wie Sie

genau gemeint ist. Das können wir sicher im Gespräch am 21.08. klären.

r www.bbw-frankfurt-oder.de


6. Welche Angebote gibt es für Auszubildende ohne

Haupt- oder Förderschulabschluss, wenn sie eine

Berufsausbildung abgebrochen haben?

GRÜNE/

B90

Folie 25

bbw Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

• Kann ich im Fachgespräch beantworten

■ www.bbw-frankfurt-oder.de ■


w Bildungswerk

der Wirtschaft in

Berlin und Brandenburg

8 8 Ä 1

bbw Bildungszentrum

Frankfurt (Oder) GmbH

Vielen Dank für Ihr

Interesse!

■ www.bbw-frankfurt-oder.de ■


Anlage 40

Landesverband der Lehrer an berufsbildenden Schulen

Brandenburg e.V.

Fachverband im dbb beamtenbund und tarifunion brandenburg

LLBS Brandenburg e.V. Berliner Straße 78, 16761 Hennigsdorf EINGEGANGEN 15.08,2013

1 5. AUG, 2013

FJ S-- -42.6.

Erledigt beeil fri-i4u:tie

Landtag Brandenburg

-I- trA9-.gP

Ausschuss für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie

Postfach 60 10 64

14410 Potsdam

Fachgespäch zum Thema "Lösung von Ausbildungsverhältnissen

von Jugendlichen"

LLBS

Brandenburg e. V.

Postanschrift

Berliner Straße 78

16761 Hennigsdorf

Tel/Fax: 03302/203866

E-Mail: vorstand@llbs.de

www.11bs.de

Sitz Potsdam

Gerlachstr. 33

14480 Potsdam

Sehr geehrte Frau Wöllert,

nochmals vielen Dank für die Einladung zum oben genannten

Fachgespräch.

In Vorbereitung übersende ich Ihnen unsere schriftliche Stellungnahme

zu Ihrer weiteren Verwendung.

Mit freundlichen Grüßen

Vorsitzender

Herr Thomas Pehle

Berliner Straße 78

16761 Hennigsdorf

Tel. 03302 5469-24

Fax 03302 5469-20

Thomas.Pehle@libs.de

1. stellv. Vorsitzender

Herr Eckhard Vierjahn

Berliner Allee 6

14662 Friesack

Tel. 033235 442-00

Fax 033235 442-22

Thomas Pehle

Landesvorsitzender LLBS Brandenburg e.V.

Geschäftsführer

Herr Axel Schmook

Altenkirch-Weg 6-6

14542 Werder

Tel. 03327 668716

Fax.03327 668760

Bankverbindung

Deutsche Bank 24

Potsdam

BLZ 120 700 24

Kto.-Nr. 30 71 17 200

Vereinsregister Potsdam

VR 144 P

Steuernummer

046/143/01010


0

Landesverband der Lehrer an berufsbildenden Schulen

Brandenburg e.V.

Fachverband im dbb beamtenbund und tarifunion brandenburg

LLBS Brandenburg e.V. Berliner Straße 78, 16761 Hennigsdorf 15.08.2013

Beantwortung des Fragenkataloges

Fachgespräch im Ausschuss für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie

Mittwoch, 21. August 2013

1. Wie schätzen Sie die Entwicklung und die aktuelle Situation zur vorzeitigen

Lösung von Ausbildungsverhältnissen ein?

Etwa 20% der Ausbildungsverträge werden noch vor der Abschlussprüfung wieder

beendet. Das sind bundesweit 100 000 Ausbildungsverträge pro Jahr. (1)

Diese Zahlen stammen aus der Untersuchung von Ausbildungsabbrüchen durch die

Initiative VerA des Senior Experten Service, Bonn.

Auch auf Grund einer stichprobenartigen Umfrage unter den Oberstufenzentren

zeichnet sich ab, dass die Zahl der Abbrecher wächst. Ca. 10% der Azubis eines

Schuljahres brachen die Ausbildung ab.

Der Ausbildungsreport 2012 der DGB Jugend Berlin- Brandenburg kam auf eine

18%ige Abbrecherquote, wobei außerbetriebliche Azubis 24 % und betriebliche

Azubis bei 16% lagen. (2)

Weiter ist festzustellen, dass im Vorjahr vermehrte Kündigungen in der Probezeit -

vor allem vom Betrieb aus vorgenommen wurden.

Es ist erkennbar, dass wenig Bereitschaft gezeigt wird, in Dienstleistung tätig zu

werden (speziell Gastronomie - sehr viele freie Ausbildungsplätze).

Eine Ursache von Ausbildungsabbrüchen ist sicher auch im Sozialverhalten der

Schüler begründet, die z.B. die Vorgesetztenrollen der Meister, Küchenchefs oder

Firmeninhaber nicht widerspruchslos hinnehmen.

Aber nicht jeder Ausbildungsabbruch bedeutet gleichzeitig das Ende der

Berufsausbildung. Vielmehr führen unterschiedliche Gründe zum Wechsel oder

Aufgabe.

2. Welche Gründe führen zu einer vorzeitigen Lösung von

Ausbildungsverhältnisse von Jugendlichen?

3. Welche Möglichkeiten gibt es, um Einfluss zu nehmen auf die Zahl

vorzeitiger Lösungen von Ausbildungsverhältnissen?

Im Ausbildungsreport der DGB- Jugend wurden mit 37% Konflikte mit den

Ausbildern, 32% persönliche Gründe und 30% andere Vorstellungen vom

Ausbildungsberuf als Gründe für einen vorzeitigen Abbruch angegeben.

LLBS Brandenburg e.V. Seite 1


'70

Landesverband der Lehrer an berufsbildenden Schulen

Brandenburg e.V.

Fachverband im dbb beamtenbund und tarifunion brandenburg

Unter der Vielzahl von Gründen, die Ausbildung abzubrechen, sind Prüfungsangst,

Überforderung, Probleme in der Fachpraxis oder -theorie, Unzufriedenheit mit dem

Beruf, Ausbildern oder Lehrern zu finden.

Unseres Erachtens kann man drei Gruppen von Abbrechern ausmachen:

a) Lösung des Ausbildungsverhältnisses auf Grund des Wechsels zum

Studium oder anderem Wunschberuf

Vornehmlich Abiturienten, die auf einen Studienplatz warten, sind in dieser Kategorie

zu finden. Sie greifen auf die Option eines Ausbildungsplatzes, gern auch in ihrer

Studienrichtung, zurück. Nach Zusage der Universität/Fachhochschule wird das

Ausbildungsverhältnis gelöst.

Aber auch Azubis mit Berufsbildungsreife und erweiterter Berufsbildungsreife lösen

das Ausbildungsverhältnis, falls der eigentliche Wunschberuf aus unterschiedlichen

Gründen (das kann auch das Alter sein) der nicht im ersten Anlauf erreichbar war,

nun offeriert wird. Hier spielen Mehrfachwerbungen eine Rolle. Betriebe haben nach

Absage von anderen Bewerbern nun eine Stelle frei.

In dieser Gruppe ist die Chance eines Einflusses auf Rücknahme der Kündigung

äußerst gering.

b) Lösung des Ausbildungsverhältnisses auf Grund von äußeren "Druck"

1) Druck von Eltern:

Die Eltern beeinflussen die Karriere Ihres Kindes und schlagen ihnen Berufe vor, die

ins soziale Umfeld passen oder anderweitig ihren Vorstellungen entsprechen. Eine

Berücksichtigung des Kinderwunsches spielt hierbei eine untergeordnete Rolle.

2) Druck durch Ämter

Die Beratung in den Arbeitsagenturen oder Berufsberatungscentern erfolgt u.U. in

eine Richtung, die die Jugendlichen eigentlich vordergründig nicht wollen. Das kann

auch an einer individuellen Orientierungs- oder Willenlosigkeit liegen. Gründe

können aber auch sein, dass ein Beruf im Wohnort oder näheren Bereich

vorgeschlagen wird (Entfernung als Hauptkriterium), der nicht ausreichend auf die

Neigungen des Jugendlichen abgestimmt ist.

LLBS Brandenburg e.V. Seite 2


'0

Landesverband der Lehrer an berufsbildenden Schulen

I. 4s- 1

Brandenburg e.V.

Fachverband im dbb beamtenbund und tarifunion brandenburg

Hier sehen wir bedingte Chancen, mit der nötigen fachlichen Begleitung Einfluss zu

nehmen.

c. Lösung des Ausbildungsverhältnisses aus verschiedenen Gründen

In anderen Fällen wurden die Jugendlichen im Vorfeld richtig beraten und konnten

Ihre Vorstellungen und Neigungen einbringen. Bei diesen ist eine Willensbildung

beispielsweise durch Praktika in der 10 Klasse erfolgt.

Die Auszubildenden wollen nun aus unterschiedlichen Gründen ausscheiden. Hier

sehen wir genügend Potential, steuernd einzugreifen.

Gründe der Lösung von Ausbildungsverhältnissen:

A) Die Auszubildenden

- haben im Unternehmen keinen speziellen Ansprechpartner (meist ohne

AdA-Schein).

- haben keinen konkreten Ausbildungsplan im betrieblichen Bereich, der ihnen

Unterstützung bietet.

- erhalten kein Feedback vom Betreuer oder dieser zeigt kein Interesse an

z.B. schulischen Leistungen

B) Die Auszubildenden

- haben keinen Mut, Missstände anzusprechen bspw. arbeiten mehr als

erlaubt (6 Tage ohne Ausgleich, oder häufig 10 Stunden) oder

- werden regelmäßig zu ausbildungsfremden Tätigkeiten (Rasenmähen, etc)

herangezogen

C) Die Auszubildenden werden unmittelbar als billige Arbeitskraft eingesetzt

- Einsatz als vollwertige Mitarbeiter ohne fachliche Einweisung

- müssen in Stoßzeiten (z.B. Weihnachtsgeschäft) oder bei Krankheit von

Kollegen

- müssen allein und ohne Erklärung Aufgaben lösen, mitarbeiten

- werden häufig aus betrieblichen Erfordernissen aus der Schule genommen

(regulär sollen Azubis zusätzlich zum normalen Personal eingestellt

sein)

D) Die Auszubildenden haben grundsätzliche Defizite in Mathe, Deutsch und oft auch

im Sozialverhalten (Pünktlichkeit, Höflichkeit usw.).

LLBS Brandenburg e.V. Seite 3


40

Landesverband der Lehrer an berufsbildenden Schulen

Brandenburg e.V.

Fachverband im dbb beamtenbund und tarifunion brandenburg

E) Die Auszubildenden kommen mit ihrem Gehalt nicht aus. Sie verschulden sich,

nehmen Zweitjobs an und können/wollen sich nicht mehr sich auf die eigentliche

Ausbildung konzentrieren.

Zu berücksichtigen ist gerade beim letzten Punkt, dass unsere Auszubildenden

immer älter werden. Das hohe Durchschnittalter von 19 Jahren hat natürlich Einfluss

auf die Lebensbiografien der Azubis und ist nicht mehr vergleichbar mit denen von

vor 20 Jahren. Zum Teil wurden und werden Familien gegründet, eine eigene

Wohnung wurde bezogen oder die Eltern werden auf Grund von Erwerbslosigkeit

unterstützt. Auf Grund der Fahrwege wird z.T. auch ein Auto zwingend benötigt.

4. Welche Konzepte wenden Ausbildungsbetriebe an, um

Ausbildungsabbrüche zur verhindern?

Hier können wir als LLBS nur Empfehlungen geben:

- Anpassung der Entgelte für Azubis

- feste Ansprechpartner in den Firmen

- aufgestellte Ausbildungspläne sollten der innerbetrieblichen Kontrolle standhalten

- engere Zusammenarbeit mit Institutionen: z.B. Initiative VerA bei Senior Experten

Service/Bonn

- mehr Engagement der Firmen bei der Teilnahme an Ausbildertagen der Schulen

4a) Konzepte für das Land/Schule

Eine gezielte Berufsorientierung scheint immer wichtiger zu werden. Häufig wissen

Schüler nicht, welche Anforderungen der Beruf mit sich bringt. Eine mögliche

Regelmäßigkeit und die Integration fester Stunden in den Unterrichtsplan der SEK (-

Schulen sollte angedacht werden. Dies könnten verpflichtende Vollzeit- Praktika mit

Schülerstatus o.ä. sein.

Die Vielzahl von Ausbildungsberufen mit unterschiedlichen Fachrichtungen sollte

regelmäßig überdacht und unter Einbeziehung überregionaler Gremien abgestimmt

werden. Eine betriebs- und wohnortnahe Beschulung sollte aber unbedingt

berücksichtigt werden.

5. Gibt es in Brandenburg genügende Ausbildungsstätten für

"Umsteigerinnen", damit Ausbildungsverhältnisse im zweiten Anlauf

abgeschlossen werden können?

Nach einer stichprobenartigen Befragung von ca. 60 Azubis im Metall- und Kfz-

Gewerbe gaben die 10 Umsteiger an, dass diese auf Eigeninitiative eine neue

Lehrstelle fanden. Spezielle Ausbildungsstätten für "Umsteiger" bieten aus deren

LLBS Brandenburg e.V. Seite 4


4O

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Brandenburg e.V.

Fachverband im dbb beamtenbund und tarifunion brandenburg

Sicht keine Alternative. Im Gespräch geben sie außerdem an, dass die

überbetrieblichen Ausbildungsstätten für sie keine Option wären

Unterstützung sollte aber organisiert werden, da der Anlauf hin zu einer zweiten

Ausbildungsstelle steinig sein kann.

6. Welche Angebote gibt es für Auszubildende ohne Haupt- oder

Förderschulabschluss, wenn sie eine Berufsausbildung abgebrochen haben?

Innerhalb eines Oberstufenzentrums sind die Vermittlungsmöglichkeiten begrenzt. In

der Praxis kann ein Sozialarbeiter — so vor Ort beschäftigt - den! die Jugendlichen

unterstützen, beraten und begleiten. Voraussetzung ist hier, dass die Jugendlichen

sich öffnen.

Beratungskompetenz haben auch unsere Fachlehrerinnen und Fachlehrer, da diese

das Potential des Azubis einschätzen können und Verbindungen zu den Betrieben

halten. Auf die schon vorhandenen Unterstützungsangebote für Azubis, Lehrerinnen

und Lehrer sowie Betriebe sei an dieser Stelle nochmals hingewiesen.

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Thomas Pehle

Landesvorsitzender LLBS Brandenburg e.V.

Quellen:

(1) Ausbildungsreport 2012 der DGB Jugend Berlin- Brandenburg

(2) Initiative VerA beim Senior Experten Service (SES), Bonn

http://vera.ses-bonn.de/

LLBS Brandenburg e.V. Seite 5


EINGEGANGEN

Anlage 44

MASF

1 6. AUG. 2013

R9 s--.42.47

Erieilat .eoke J4,414747

42. Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie am 21.08.2013

TOP 1 Fachgespräch „Lösung von Ausbildungsverhältnissen von Jugendlichen"

Zahl der vorzeitigen Vertragslösungen nach dem Zeitpunkt der Lösung [nach Ausbildungsjahren (AJ)]

1. AJ 2. AJ 3. AJ 4. AJ darunter

während der

Probezeit

2009 2.215 2006 816 83 1.180

2010 2,249 1.468 731 25 1.167

2011 2.318 1.498 600 33 1.159

Z 6.782 4.972 2.147 141 3.506

Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Stichtag je 31.12.

Nach dem Durchschnitt der Jahre 2009-2011 vollzog sich der weit überwiegende Teil der Vertragslösungen

(rund 48 Prozent) im ersten Ausbildungsjahr, davon ca. zur Hälfte (25 Prozent) bereits in der Probezeit. Im

zweiten Ausbildungsjahr verließen noch rund 35 Prozent ihren Ausbildungsbetrieb. In den letzten

Ausbildungsjahren - also in der Regel kurz vor der Prüfung - brachen 17 Prozent ihre Ausbildung ab.

Lösungsquoten in Brandenburg nach Ausbildungsbereich 2010-2012

insg.

Industrie und

Handel

Davon nach Ausbildungsbereichen

Handwerk Landwirt- Offentlicher

schalt Dienst

Freie

Berufe

Hauswirtschaft

2010 26,8 26,7 29,7 27,4 5,5 26,5 27,5

2011 29,9 28,3 38,1 32,3 7,8 25,2 23,5

2012 22,0 26,9 38,0 31,6 7,1 28,1 20,0

Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Stichtag je 31.12.

Lösungsquoten in Brandenburg nach Art der Ausbildung gemäß Schichtenmodell 2010-2012

Art der

Ausbildung

Lösungsquote 2010 Lösungsquote 2011 Lösungsquote 2012

betrieblich 23,0 26,6 27,4

außerbetrieblich 31,1 36,5 37,1

bertriebsnahe 50,2 51,9 41,7

Insgesamt 26,8 29,9 29,2

Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Stichtag je 31.12.

Lösungsquoten in Brandenburg nach Geschlecht gemäß Schichtenmodell 2010-2012

Geschlecht Lösungsquote 2010 Lösungsquote 2011 Lösungsquote 2012

männlich 25,1 29,8 29,4

weiblich 29,4 30,1 29,1

Insgesamt 26,8 29,9 29,2

Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Stichtag je 31.12.


Lösungsquoten in Brandenburg nach Ausbildungsbereich und Zuständiger Stelle 2010-2012

Ausbildungsbereich

Zuständige Stelle

Lösungsquote

2010

Lösungsquote

2011

Industrie und Handel 26,7 28,3 26,9

Cottbus 12,9 17,8 19,8

Ostbrandenburg 28,0 28,8 24,1

Potsdam 33,9 33,8 32,4

Lösungsquote

2012

Handwerk 29,7 38,1 38,0

Cottbus 30,9 41,2 37,9

Frankfurt/Oder Region Ostbrandenburg 27,6 40,9 43,2

Potsdam 30,6 34,4 34,6

Landwirtschaft 27,4 32,3 31,6

Landesamt für Verbraucherschutz,

27,4 32,3 31,6

Landwirtschaft und Flurneuordnung

Öffentlicher Dienst 5,5 7,8 7,1

Ministerium des Innern 4,4 5,7 7,8

Ministerium der Justiz und für

4,2 20,3 12,0

Europaangelegenheiten

Deutsche Rentenversicherung

Berlin-Brandenburg

0,0 0,0 -

AOK Berlin und Brandenburg 37,6 2,1 3,0

Landesbetrieb Landesvermessung u.

14,5 0,0

Geobasisinformation Brandenburg

Bundesversicherungsamt, Bonn 0,0 21,1 5,3

Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg 10,2 17,9 10,8

Bundesverwaltungsamt, Köln 0,0 25,0 -

Bundesministerium für Verkehr, Bau

0,0 16,7 -

und Stadtentwicklung, Bonn

Wehrbereichsverwaltung Ost, Strausberg 0,0 0,0 -

Freie Berufe 26,5 25,2 28,1

Landesärztekammer Brandenburg 27,0 26,9 28,4

Landesapothekerkammer Brandenburg 9,1 18,2 18,4

Ländernotarkasse Leipzig 14,3 25,0 42,9

Rechtsanwaltskammer Brandenburg 27,3 5,3 30,0

Steuerberaterkammer Brandenburg 17,1 30,8 30,7

Landestierärztekammer Brandenburg 28,3 24,3 17,3

Landeszahnärztekammer Brandenburg 36,3 36,0 31,8

Hauswirtschaft 27,5 23,5 20,0

Landesamt für Verbraucherschutz,

27,5 23,5 20,0

Landwirtschaft und Flurneuordnung

Insgesamt 26,8 29,9 29,2

Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Stichtag e 31.12.


41

TOP 10 der Berufe mit den höchsten und niedrigsten Lösungsquoten (LQ) 2011 - gilt auch für

Brandenburg:

Quelle: BIBB, Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2013

10 Berufe mit den höchsten Lösungsquoten, 2011 insgesamt

Ausbildungsberufe mit den höchsten Bereich Neuabschlüsse LQneu

Lösungsquoten

Restaurantfachleute IH 4,443 51,0

FK für Möbel- Küchen- und Umzugsservice IH 522 50,9

Fachkraft für Schutz und Sicherheit IH 996 49,5

Koch IH/HwEx 12.201 49,4

Servicekraft für Schutz und Sicherheit IH 240 47,0

Kosmetiker IH/HwEx 354 45,0

Gebäudereiniger Hw 1.347 44,3

Friseur Hw 12.462 44,2

Fachkraft im Gastgewerbe IH 3.195 44,0

Berufskraftfahrer IH 3.264 43,7

* Berufe mit mind. 300 begonnenen Verträgen in 2011; IH: Industrie und Handel, Hw: Handwerk, HwEx: IH-Beruf im Handwerk

Datenquelle: Berufsbildungsstatistik (31.12.)

10 Berufe * mit den niedrigsten Lösungsquoten, 2011 insgesamt

Ausbildungsberufe mit den niedrigsten Bereich Neuabschlüsse LQneu

Lösungsquoten

Verwaltungsfachangestellte ÖD 5.136 3,7

Fachangestellte für Medien- und ÖD/IH 564 4,1

Informationsdienste

Elektroniker für Automatisierungstechnik IH 1,821 4,8

Fluggerätemechaniker IH 699 5,7

Bankkaufleute IH 13.662 6,1

Techn. Systemplaner IH/HwEx 696 6,1

Techn. Produktdesigner IH/HwEx 2.130 6,2

Forstwirt Lw 603 6,5

Fachangestellte für Bürokommunikation ÖD 804 6,6

Chemikant IH 1.806 6,9

* Berufe mit mind. 300 begonnenen Verträgen in 2011; IH: Industrie und Handel, Hw: Handwerk, HwEx: IH-Beruf im Handwerk, OD:

Öffentlicher Dienst, Lw: Landwirtschaft

Datenquelle: Berufsbildungsstatistik (31.12.)

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