Landtag Brandenburg Drucksache 5/8039 - Brandenburg.de

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Landtag Brandenburg

5. Wahlperiode

Drucksache 5/8039

Antwort

der Landesregierung

auf die Kleine Anfrage 3147

des Abgeordneten Axel Vogel

Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Drucksache 5/7899

Wortlaut der Kleinen Anfrage 3147 vom 09.09.2013

Forstwirtschaftliche Nutzung in den Uferzonen von Seen

An den Ufern des Haussees und des Moderfitzsees in der Ortslage von Himmelpfort

wurden im diesem Frühjahr die Uferzonen prägende uralte Kiefern und Erlen eingeschlagen.

Bis auf wenige Ausnahmen waren die Bäume ohne erkennbare Schäden

und standsicher, ihr wirtschaftlicher Wert aufgrund vieler Äste gering. Himmelpfort ist

ein staatlich anerkannter Erholungsort im Naturpark Uckermärkische Seen. Der Reiz

der Landschaft besteht aus dem Zusammenspiel von Seen und Wäldern mit hohem

Anteil von Altbäumen. Uferzonen mit Altbäumen wie den hier eingeschlagenen knorrigen

Kiefern und Erlen sind sowohl für den Tourismus als auch für den Naturschutz

von sehr hohem Wert.

Ich frage die Landesregierung:

1. Wie bewertet die Landesregierung die Bedeutung der Uferzonen von Seen und

Flüssen in Brandenburg für die Tourismuswirtschaft?

2. Welche gesetzlichen Vorschriften oder Richtlinien für die forstliche Bewirtschaftung

im Landeswald an Uferzonen von Seen gibt es? Wie ist hierin geregelt, dass auf

touristische Belange angemessen Rücksicht zu nehmen ist?

3. Wurden vor dem Holzeinschlag in einem für den Tourismus so „ortsbildprägend“

bedeutsamen Gebiet Gespräche mit kommunalen Vertretern geführt? Wenn nein,

warum nicht?

4. Sind weitere Holzeinschläge insbesondere von Altbäumen an den Ufern der Seen

in und um Himmelpfort geplant?

5. Wie ist die Entnahme ökologisch wertvoller Altbäume mit der Zertifizierung des

Landeswaldes nach PEFC Standard in Einklang zu bringen?

Namens der Landesregierung beantwortet der Minister für Infrastruktur und Landwirtschaft

die Kleine Anfrage wie folgt:

Frage 1: Wie bewertet die Landesregierung die Bedeutung der Uferzonen von Seen

und Flüssen in Brandenburg für die Tourismuswirtschaft?

Zu Frage 1: Uferzonen üben einen besonderen Reiz aus und haben beispielsweise

für das Landschaftsbild eine besondere Bedeutung. Damit erhöht sich die touristische

Bedeutung. Gleichzeitig obliegt den Eigentümern der Uferzonen eine Verkehrssicherungspflicht,

die sie dazu zwingt, die Benutzung öffentlicher Gewässer oder

Datum des Eingangs: 08.10.2013 / Ausgegeben: 14.10.2013


Wege entlang der Uferzonen gefahrfrei zu gewährleisten. Die Touristen vertrauen

wiederum darauf, sich an diesen Stellen keiner Gefahr durch umstürzende Bäume

oder herabfallende Äste auszusetzen.

Frage 2: Welche gesetzlichen Vorschriften oder Richtlinien für die forstliche Bewirtschaftung

im Landeswald an Uferzonen von Seen gibt es? Wie ist hierin geregelt,

dass auf touristische Belange angemessen Rücksicht zu nehmen ist?

Zu Frage 2: Spezielle gesetzliche Vorschriften oder Richtlinien für die forstliche Bewirtschaftung

von Wald an Uferzonen gibt es nicht. Generell obliegt dem Eigentümer

die gesetzliche Verkehrsicherungspflicht (vgl. Antwort auf Frage 1). Für Wälder mit

besonderen Waldfunktionen sind die für den Wald im Eigentum des Landes Brandenburg

verbindlichen Behandlungshinweise bei der Bewirtschaftung zu beachten.

Im Bereich Himmelpfort ist für die Wälder der Uferbereiche u.a. die Waldfunktionen

„Erholungswald, Intensitätsstufe 3“ ausgewiesen. Im Bereich der landeseigenen

Wälder erfolgt daher die Bewirtschaftung dieser Uferzonen gemäß der Behandlungshinweise

in der Kartieranleitung für die Waldfunktionen des Landes Brandenburg

(http://www.brandenburg.de/sixcms/media.php/4055/efs34.pdf). Dort ist beispielsweise

festgelegt, dass markante Einzelbäume unter Beachtung der Verkehrssicherungspflicht

zu erhalten sind. Der Wald am Haussee ist von der Bundeswasserstraße

„Haussee“ und von Wohngrundstücken eingeschlossen. Außerdem verläuft am Ufer

ein intensiv genutzter Wanderweg. Am gesamten Ufer befinden sich verpachtete Anlegeplätze

für Motorboote. Der Wald am Moderfitzsee grenzt an eine Ortsverbindungsstraße,

die auch als Wander- und Radweg genutzt wird. An den Ufern beider

Seen bestehen erhöhte Anforderungen an die Verkehrssicherung, da verschiedene

Interessengruppen den Wald und die angrenzenden Bereiche nutzen.

Frage 3: Wurden vor dem Holzeinschlag in einem für den Tourismus so „ortsbildprägend“

bedeutsamen Gebiet Gespräche mit kommunalen Vertretern geführt? Wenn

nein, warum nicht?

Zu Frage 3: Vor dem Beginn der Einschlagsarbeiten hat die Stadt Fürstenberg/Havel

mit Schreiben vom 25.02.2013 die Landeswaldoberförsterei Steinförde aufgefordert,

die Verkehrssicherheit an der Straße von Himmelpfort nach Pian durch Eingriffe in

dem Baumbestand herzustellen. Diese Straße befindet sich u. a. am Ufer des Moderfitzsees.

Zwischen den Verantwortlichen der Stadt Fürstenberg/Havel und des Landesbetriebes

Forst Brandenburg (LFB) gibt es regelmäßig Gespräche. Im März 2013

und am 16.06.2013 fanden Gespräche zwischen dem Bürgermeister und dem Leiter

der Landeswaldoberförsterei Steinförde statt. Die Einschlagsarbeiten an Haus- und

Moderfitzsee waren u. a. Thema dieser Gespräche. Die Verantwortlichen der Stadt

Fürstenberg/Havel haben diese Einschlagsarbeiten nach deren Abschluss weder

mündlich noch schriftlich beim LFB beanstandet. Weiterhin hat der zuständige Revierförster

die Öffentlichkeit über die Notwendigkeit des geplanten Holzeinschlags

informiert. Diese Information erfolgte vor Beginn der Arbeiten über die lokale Presse

in der Märkischen Allgemeinen und in der Gransee Zeitung.

Frage 4: Sind weitere Holzeinschläge insbesondere von Altbäumen an den Ufern der

Seen in und um Himmelpfort geplant?

Zu Frage 4: Weitere Einschlagsmaßnahmen werden im Rahmen der mittelfristigen

10-Jahres-Planung durchgeführt. Im Uferbereich der Himmelpforter Seen, entlang


von Wegen und Straßen, sind in diesem Sommer wieder Bäume erkrankt oder abgestorben.

Deshalb werden im kommenden Herbst und Winter weitere Bäume gefällt

werden müssen. Der genaue Umfang wird im Oktober 2013 bei der Kontrolle der

Verkehrssicherung ermittelt. Abgestorbene oder kranke Altbäume werden nur gefällt,

wenn sie eine Gefahr darstellen.

Frage 5: Wie ist die Entnahme ökologisch wertvoller Altbäume mit der Zertifizierung

des Landeswaldes nach PEFC Standard in Einklang zu bringen?

Zu Frage 5: Der Erhalt ökologisch wertvoller Altbäume war schon immer Gegenstand

einer nachhaltigen Waldwirtschaft. Das Methusalem-Projekt (Erhalt von Totholz) der

Landesforstverwaltung dient diesem Zweck. Aus dem Grund der Verkehrssicherung

kann die Entnahme von Altbäumen unumgänglich sein. Sowohl der Erhalt von Altbäumen,

als auch die Beseitigung von Gefahren stehen im Einklang mit der Zertifizierung

des Landeswaldes nach dem PEFC-Standard.

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