Leseprobe - Pearson Studium

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3.2 Bindegewebe

■ Lymphozyten wandern, wie die freien Makrophagen,

durch den Körper. Ihre Anzahl steigt an verletztem

Gewebe deutlich an; einige von ihnen können sich in

Plasmazellen verwandeln. Plasmazellen produzieren

Antikörper, Proteine, die für die Immunabwehr von Bedeutung

sind.

■ Neutrophile Granulozyten sind phagozytotische Blutzellen,

die kleiner sind als die Monozyten. Sie wandern

in geringer Anzahl durch das Bindegewebe. Im Falle

von Verletzungen oder Infektionen locken Substanzen,

die von Mastzellen und Monozyten freigesetzt werden,

Neutrophile und Eosinophile jedoch in großen Mengen

an. Eosinophile Granulozyten sind auf die Abtötung von

Wurmparasitenlarven spezialisiert.

Bindegewebefasern

Im Bindegewebe findet man drei Arten von Fasern: kollagene,

retikuläre und elastische Fasern. Alle drei Arten

werden von den Fibroblasten produziert, indem sich die

von ihnen synthetisierten Proteinketten in der Matrix zu

Fasern verbinden. Fibrozyten sind für den Erhalt der Fasern

verantwortlich.

■ Kollagenfasern sind lang, gerade und unverzweigt (siehe

Abbildung 3.12). Es sind die häufigsten und stärksten

Fasern im Bindegewebe. Jede Kollagenfaser besteht

aus drei faserigen Proteinfibrillen, die wie die Stränge

eines Seiles umeinander gewunden sind. Wie ein Seil

ist auch Kollagen sehr flexibel, doch in Längsrichtung

sehr fest. Zug in Längsrichtung nennt man Spannung,

die Widerstandsfähigkeit dagegen Zugfestigkeit. Sehnen

(siehe Abbildung 3.15a) bestehen fast ganz aus Kollagenfasern;

sie verbinden die Skelettmuskulatur mit Knochen.

Typische Bänder (Ligamente) sehen genauso aus;

sie verbinden jedoch Knochen miteinander. Durch die

parallele Anordnung kollagener Fasern in Sehnen und

Bändern können diese enormen Kräften widerstehen;

unkontrollierte Muskelkontraktionen oder Knochenbewegungen

führen eher zu einem Knochenbruch als

zu einem Sehnenriss.

■ Retikuläre Fasern (lat.: reticulum = das kleine Netz) enthalten

auch Kollagenfibrillen. Sie sind jedoch netzartig

miteinander verbunden. Retikulinfasern sind dünner als

Kollagenfasern; sie bilden ein verzweigtes, verwobenes

Netzwerk, das stabil, aber trotzdem flexibel ist. Diese

Fasern kommen besonders häufig in Organen wie der

Leber und der Milz vor, wo sie ein dreidimensionales

Grundgerüst, das Stroma, bilden. Es stützt das Parenchym,

also die Funktionszellen, dieser Organe (siehe

Abbildung 3.12a und 3.14c). Da die Fasern ein Netzwerk

bilden und nicht in nur einer Richtung angeordnet sind,

können sie Kräften von verschiedenen Seiten widerstehen.

Sie können daher die relative Position der Zellen,

Blutgefäße und Nerven des Organs stabilisieren, trotz

Bewegungen und der Schwerkraft.

■ Elastische Fasern enthalten das Protein Elastin. Elastische

Fasern sind verzweigt und wellig; nach einer

Dehnung von bis zu 150 % ihrer Größe im entspannten

Zustand ziehen sie sich wieder auf ihre ursprüngliche

Länge zurück. Elastische Bänder enthalten mehr elastische

als kollagene Fasern. Sie sind relativ selten, doch

man findet sie da, wo Elastizität gefragt ist, z. B. als Bänder

(Ligg. flava) zwischen zwei benachbarten Wirbeln

(siehe Abbildung 3.15b).

(a)

Mesenchymzellen (b) Mesenchymzellen Blutgefäß

Abbildung 3.13: Histologie embryonalen Bindegewebes. Aus diesem Bindegewebe entstehen alle anderen Arten von Bindegewebe. (a) Mes enchym. Es

erscheint als erstes Bindegewebe im Embryo (Lichtmikroskop, 1036-fach). (b) Gallertiges Bindegewebe (Wharton-Sulze). Das Präparat wurde der Nabelschnur

eines Neugeborenen entnommen (Lichtmikroskop, 650-fach).

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