Leseprobe - Pearson Studium

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Leseprobe - Pearson Studium

3.2 Bindegewebe

Fibroblasten

hyaliner Knorpel

(a) Perichondrium

Perichondrium

sich teilende

Stammzelle

Chondroblast

Zellen der Zellschicht des

Perichondriums differenzieren

sich zu Chondroblasten.

(b) Appositionelles Wachstum

Diese unreifen

Chondroblasten sezernieren

neue Matrix.

Durch das Wachstum der

Matrix werden die Chondrozyten

eingeschlossen; sie

werden durch neue Zellen,

entstanden durch Zellteilung

der Stammzellen des

Perichondriums, ersetzt.

neue Matrix

unreifer

Chondrozyt

ältere Matrix

reifer

Chondrozyt

Matrix

Chondrozyt

Lakune

neue

Matrix

Chondrozyten teilen sich in der Lakune,

die von Matrix umgeben ist.

(c) Interstitielles Wachstum

Während die Tochterzellen neue Matrix produzieren,

bewegen sie sich auseinander; der Knorpel wächst von

innen heraus.

Abbildung 3.17: Entstehung und Wachstum von Knorpel. (a) Diese lichtmikroskopische Aufnahme zeigt den Aufbau eines kleinen Stückes hyalinen

Kn orpels mit dem umgebenden Perichondrium (beispielsweise Rippenknorpel). (b) Appositionelles Wachstum. Der Knorpel wächst von seiner Außenfläche

aus durch Differenzierung der Fibroblasten zu Chondrozyten in der Zellschicht des Perichondrium. (c) Interstitielles Wachstum. Der Knorpel wächst von

innen heraus, indem sich die Chondrozyten teilen, wachsen und neue Matrix produzieren.

AUS DER PRAXIS

Knorpel und Knieverletzungen

Das Knie ist ein extrem komplexes Gelenk, das sowohl hyalinen als auch Faserknorpel enthält. Der hyaline Knorpel

überzieht die Knochenoberflächen, während Keile von Faserknorpel, die Menisken (Singular: Meniskus), im Inneren

des Gelenks als zusätzliche transportable Gelenkflächen dienen. Bei Sportverletzungen kommt es oft zu Einrissen

der Menisken oder der Haltebänder; der Verlust von Stütze und Abpolsterung belastet den hyalinen Knorpel im

Gelenk noch mehr und die Schädigung des Gelenks nimmt zu. Gelenkknorpel ist nicht nur avaskulär; ihm fehlt

auch ein Perichondrium. Daher heilt er noch langsamer als anderer Knorpel. Operationen führen oft nur zu einer

temporären und unvollständigen Besserung. Aus diesem Grund gibt es z. B. im Handballsport zunehmend Training

zur Steigerung der Propriozeption (Tiefenwahrnehmung). Entsprechend geschulte und trainierte Handballspieler

haben nachweislich ein geringeres Risiko, Meniskus- und Kniebandverletzungen zu erleiden.

Neuere Entwicklungen haben es Forschern ermöglicht, Faserknorpel im Labor zu züchten. Chondrozyten aus dem

Knie verletzter Patienten werden in einem künstlichen Kollagengerüst kultiviert. So entsteht Faserknorpelmasse,

die in die verletzten Gelenke implantiert wird. Im Laufe der Zeit verändert sie ihre Form und wächst, wodurch die

normale Gelenkfunktion wiederhergestellt ist. Diese sehr arbeitsaufwendige Behandlungsmethode wird bei schweren

Gelenkverletzungen angewandt, besonders bei Sportlern. Die Wiederherstellung des hyalinen Gelenkknorpels

ist derzeit nur unzureichend möglich.

straffem Bindegewebe und die innere Zellschicht. Die faserige

Schicht dient als mechanische Stütze und Schutz

und verbindet den Knorpel mit anderen Strukturen. Die

Zellschicht ist für Wachstum und Versorgung des Knorpels

verantwortlich.

KNORPELWACHSTUM Knorpel wächst auf zweierlei Weisen

(Abbildung 3.17b und c): Beim appositionellen Wachstum

teilen sich die Stammzellen der inneren Schicht des Perichondriums

wiederholt. Die am weitesten innen gelegenen

Zellen differenzieren sich zu Chondroblasten, die mit der

Produktion von Knorpelmatrix beginnen. Sobald sie vollständig

von Matrix umgeben sind, differenzieren sie sich

zu Chondrozyten weiter. Bei dieser Art zu wachsen vergrößert

sich der Knorpel langsam durch Ergänzung von der

Außenseite her. Außerdem können sich die Chondrozyten

in der Matrix ebenfalls teilen; ihre Tochterzellen produzieren

zusätzliche Matrix. Dieser Vorgang vergrößert den

Knorpel von innen her, als ob ein Ballon aufgeblasen wird;

man nennt ihn interstitielles Wachstum . In erwachsenem

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