Leseprobe - Pearson Studium

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3.2 Bindegewebe

Knorpel kommt es weder zu appositionellem noch zu interstitiellem

Wachstum; nach einer schweren Verletzung kann

Knorpel sich nicht regenerieren.

KNORPELTYPEN Es gibt drei Hauptknorpeltypen: hyaliner

Knorpel, elastischer Knorpel und Faserknorpel.

■ Hyaliner Knorpel (griech.: hyalos = durchsichtiger,

glasartiger Stein; Glas) ist der häufigste Knorpeltyp. Die

Matrix des hyalinen Knorpels enthält dicht gepackte

Kollagenfasern vom Typ II. Obwohl er fest und dabei

etwas flexibel ist, ist dies der anfälligste Knorpeltyp. Da

sich die Kollagenfasern der Matrix nicht gut anfärben

lassen, sind sie im Lichtmikroskop nicht immer sichtbar

(Abbildung 3.18a). Die Knorpelzellen liegen in sog.

isogenen Gruppen zusammen. Die Matrix zwischen und

um die Zellen einer isogenen Gruppe wird territoriale

Matrix genannt. Die Matrix zwischen zwei isogenen

Gruppen wird als interterritoriale Matrix bezeichnet.

Beispiele für diesen Knorpeltyp beim Erwachsenen

sind 1. die Verbindung zwischen den Rippen und dem

Sternum, 2. die Knorpelspangen der großen Atemwege

und 3. der Gelenkknorpel, der gegenüberliegende

Knochenflächen innerhalb der Gelenke, wie Knie oder

Ellenbogen, überzieht.

■ Elastischer Knorpel enthält elastische Fasern, die ihn

extrem belastbar und flexibel machen. Unter anderem

bildet elastischer Knorpel die Ohrmuschel (Aurikula

oder Pinna; siehe Abbildung 3.18b), die Epiglottis, den

äußeren Gehörgang und die kleinen Knorpel (Cartilago

cuneiformis) des Kehlkopfs. Obwohl das Knorpelgewebe

an der Nasenspitze sehr flexibel ist, ist man sich nicht

darüber einig, ob es sich dabei um „echten“ elastischen

Knorpel handelt, da er weniger elastische Fasern enthält

als etwa der an der Ohrmuschel oder der Epiglottis.

■ Faserknorpel hat wenig Grundsubstanz, nicht unbedingt

ein Perichondrium, und die Matrix ist mit reichlich

kräftigen Kollagenfasern versehen (siehe Abbildung

3.18c). Faserknorpelplatten befinden sich in hochbelasteten

Bereichen, wie etwa zwischen den Wirbeln, in

der Symphyse, in den Menisken und im Ansatz- und

Gleitareal von Sehnen (Gleitsehnen). Sie fangen Druck

ab, dämpfen Stöße und reduzieren Reibungsverluste.

Die Kollagenfasern sind entlang der Richtung der Belastung

am jeweiligen Ort ausgerichtet. Knorpel heilt

langsam und schlecht; verletzte Menisken können die

normale Beweglichkeit stören und ihre Funktion nur

noch eingeschränkt übernehmen.

Knochen

Da der histologische Aufbau von Knochen oder ossärem

Gewebe (lat.: os = das Gebein, der Knochen) in Kapitel 5 im

Detail besprochen wird, beschränkt sich dieser Abschnitt

auf die Beschreibung signifikanter Unterschiede zwischen

Knorpel und Knochen. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede

sind in Tabelle 3.2 zusammengefasst. Etwa ein

Drittel der Knochenmatrix besteht aus Kollagenfasern. Ergänzt

werden diese durch eine Mischung verschiedener

Kalziumsalze, hauptsächlich Kalziumphosphat und geringeren

Mengen an Kalziumkarbonat. Diese Kombination

verleiht dem Knochen sehr bemerkenswerte Eigenschaften.

Für sich allein sind Kalziumsalze fest, aber eher brüchig.

Kollagenfasern sind schwächer, aber relativ flexibel. Im

Knochen sind die Mineralsalze um das Kollagengerüst herum

angeordnet. Das Ergebnis ist eine stabile, leicht flexible

Struktur, die ausgesprochen bruchfest ist. Die Struktur des

Knochens kann mit der von Stahlbeton verglichen werden.

Der allgemeine Aufbau der Knochenstruktur ist in Abbildung

3.19 dargestellt. Lakunen innerhalb der Matrix ent-

Merkmal Knorpel Knochen

Zellen Chondrozyten in Lakunen Osteozyten in Lakunen

Matrix

Glykosaminoglykane, wie Chondroitinsulfat,

Proteoglykane

Unlösliche Kalziumphosphat- und -karbonatkristalle

als Hydroxylapatit

Fasern

Kollagenfasern (Typ I und II), elastische

Fasern und retikuläre Fasern in unterschiedlicher

Zusammensetzung

Vornehmlich Kollagenfasern (Typ I)

Durchblutung

Überzug

Stabilität

Keine (hyaliner, elastischer Knorpel);

schwach (Faserknorpel)

Perichondrium (Ausnahme: Gelenkknorpel),

zweischichtig

Eingeschränkt: lässt sich drücken, biegen,

reißt nur schwer

Sehr gut

Periost, zweischichtig

Hoch: Widersteht Biegekräften bis zum Bruchpunkt

Wachstum Interstitiell und appositionell appositionell und enchondral (innerhalb des Knorpels)

Regenerationsfähigkeit Eingeschränkt Sehr ausgeprägt

Sauerstoffverbrauch Gering Hoch

Nährstoffversorgung Per Diffusion durch die Matrix Per Diffusion durch das Zytoplasma und Flüssigkeit in

den Kanalikuli

Tabelle 3.2: Knorpel und Knochen im Vergleich.

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