Die Gabe der Freude - Pfarreiforum

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Die Gabe der Freude - Pfarreiforum

8. Oktober – 28. Oktober

14/2005

MONAT DER WELTMISSION

Die Gabe der Freude

Nichts hält ihn auf! Die Freude

bricht aus ihm heraus. Sein

Gesicht sagt eigentlich alles...

Das Bild dieses Buben aus dem peruanischen

Amazonasgebiet auf dem Plakat

zum Monat der Weltmission drückt unsere

Zuversicht als getaufte Christen aus. Es

steht für das Bedürfnis, von unserer innersten

Überzeugung zu erzählen. Dazu

braucht es keine grossen Reden, schon

eher Lebensfreude und Vertrauen. Grund

dafür ist der Glaube, der unser Herz, unser

Sehen und unser Handeln verändert.

Glauben verleiht Flügel, damit wir wagen,

unsere Welt mitzugestalten. An erster Stelle

aber steht die Gabe der Freude. Diese Freude

ist offenkundig, denn es bereitet mehr

Freude zu schenken als beschenkt zu werden.

Wer anders als Jesus Christus, der uns

zu den Menschen sendet, kann uns im täglichen

Leben die Energie zu dieser Lebensfreude

geben! Glauben verändert. So lautet

der Slogan zum Monat der Weltmission.

Glauben verändert unseren Blickwinkel.

Durch den Glauben lernen wir, die Welt

mit den Augen Jesu zu sehen und unser

Denken und Handeln zu verändern.

Br. Bernard Maillard OFMCap

Direktor Missio Schweiz-Liechtenstein

Seiten 4+5:

Vor dem Stabwechsel im Bistum

1


Mission

Glauben verändert

Die Kampagne von Missio Schweiz-

Liechtenstein zum Monat der Weltmission

Die neue Missio-Kampagne steht unter

dem Titel «Glauben verändert». Im Missionsmonat

Oktober stellt Missio die

Kirche im peruanischen Amazonasgebiet

vor und lädt Christinnen und Christen

ein, der verändernden Kraft des

Glaubens im eigenen Leben Raum zu

schaffen.

«Indem ich den Glauben hier lebte, lernte

ich, dass er nicht etwas in sich Abgeschlossenes

ist. Glaube ist nicht eine Lehre,

sondern Lebenserfahrung. Wer den

Glauben zusammen mit den Leuten hier

erfährt, verändert sich zwangsläufig.»

Glauben verändert. Davon ist Victor de la

Peña, Bischof des Vikariats Requena im

peruanischen Amazonasgebiet, überzeugt.

Die Erfahrungen von Bischof

Victor und der Christinnen und Christen

aus Peru sind der Ausgangspunkt für die

diesjährige Kampagne zum Monat der

Weltmission im Oktober. Sie steht unter

dem Titel «Glauben verändert». Das Leben

der Menschen an den Flüssen des

Amazonas ist sehr einfach und wird bestimmt

von den Notwendigkeiten des

Alltags. Zwar lässt die grosszügige Natur

niemanden verhungern. Die Armut aber

ist wegen fehlender wirtschaftlicher Entwicklung,

ungenügenden Bildungsmöglichkeiten

und mangelnder Gesundheitsversorgung

allgegenwärtig.

Im peruanischen Amazonasgebiet spielt

sich das Leben am und auf dem Wasser

ab.

© Missio Schweiz-Liechtenstein

Leute im Gespräch mit Bischof Victor de la Peña, Jenaro Herrera, Peru.

Die Bedürfnisse erkennen

Daran, dass es immer irgendwo an etwas

fehlt, hat sich Bischof Victor in den über

dreissig Jahren seines Wirkens im Vikariat

gewöhnt. Trotzdem oder gerade deshalb

hilft er zusammen mit engagierten Laien

und den wenigen Priestern und Ordensschwestern

wo er kann. Er hat gelernt, dass

alle zusammen auch mit bescheidenen

Mitteln etwas erreichen können. Dabei

stehen immer die Menschen im Mittelpunkt.

«Wir sagen den Verantwortlichen

von Familien und Gemeinschaften sowie

den Behörden: Ihr müsst versuchen, die

Bedürfnisse eurer Kinder zu erkennen. Ihr

müsst da sein, wenn sie krank sind oder

wenn sie weinen, ihr müsst ihre Nöte sehen.

Was hat Gott angesichts des Elends

getan? Hat er einfach die Hände in den

Schoss gelegt? Nein, er hat Mose beauftragt,

sein Volk zu retten. Auch wir müssen

nach dem Beispiel von Mose handeln!»

Gott selbst verändert

Bischof Victor und die peruanischen

Christinnen und Christen zeigen, dass

Leben und Glauben zusammengehören.

Immer und überall gilt: Glaube ist gelebter

Glaube oder er existiert nicht. Es ist

der gelebte Glaube, der die Menschen verändert.

Indem sie sich am heilenden Handeln

Jesu und an seiner Frohen Botschaft

orientieren, lassen sie sich von innen her

verwandeln. So meint der Slogan glauben

verändert zuerst den Menschen, der

durch den Glauben von Grund auf verändert

und umgeformt wird. Er zielt aber

auch auf die Veränderung und Umgestaltung

von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen,

ökologischen oder politischen Situationen

und Bedingungen. Diese Veränderungen

bewirken Frauen und Männer,

die aus dem Glauben handeln. Letztlich

aber ist es Gott selbst, der in den Menschen

handelt und auf diese Weise die

Welt nach seinem Plan verändert.

Zeuginnen und Zeugen werden

Wenn der Monat der Weltmission in diesem

Jahr unter dem Thema «Glauben veränder

steht, ist das eine Einladung an die

Gläubigen in der Schweiz und in Liechtenstein,

glaubwürdige Zeuginnen und Zeugen

zu werden für eine Kirche, die sich als

Gemeinschaft in der Nachfolge Jesu Christi

versteht und seiner menschen- und lebensfreundlichen

Botschaft verpflichtet

ist. Deshalb ist die Kollekte, die für die

Bistümer in den finanziell benachteiligten

Regionen der Welt aufgenommen wird,

mehr als ein einfacher Ausdruck der Solidarität

zwischen den Ortskirchen. Sie

schafft weniger bemittelten christlichen

Gemeinschaften die Möglichkeit, ihren

Glauben im eigenen kulturellen Umfeld

leben und feiern und so Zeugnis für die

Frohe Botschaft geben zu können.

Urban Schwegler, Missio

2

© Missio Schweiz-Liechtenstein


Kirchlicher Beruf

Zum Priester berufen

Mit allen Menschen Gott suchen

Eigentlich deutete in meiner Jugendzeit

nichts darauf hin, dass ich einmal

in die engere Nachfolge Christi

treten würde. Geboren und aufgewachsen

im Toggenburg, habe ich nach der Schule

mein Elternhaus verlassen und bin in die

Fremde gezogen, zwischendurch zurückgekehrt,

um den Beruf des Bäckers zu erlernen.

Danach kam ein Neuaufbruch

mit einer Zweitausbildung im kaufmännischen

Bereich in Zürich. Der Gedanke,

in die Päpstliche Schweizergarde einzutreten,

begleitete mich von Kindheit an.

Nach anfänglichem Zögern nahm ich

1992 meinen Dienst im Vatikan auf.

«Es waren Widerstände da»

Ursprünglich wollte ich nach zwei Jahren in

die Schweiz zurückkehren und eine Familie

gründen. Noch in Rom spürte ich aber, dass

es für mich auch einen anderen Weg geben

könnte, nämlich den, Christus nachzufolgen

im Dienst der Kirche. Anfänglich wehrte ich

mich dagegen; es waren Widerstände da,

und ich hatte auch keine Ahnung, wie diese

Nachfolge konkret aussehen könnte. In den

langen, stillen Zeiten des Dienstes als

Schweizergardist begann ich mich intensiver

mit dieser Frage auseinander zu setzen. Allmählich

sah ich klarer und während einer

Exerzitienwoche wurde mir deutlich, welchen

Weg ich gehen wollte: Priester werden.

Nach meiner Rückkehr aus Rom begann ich

mit der Ausbildung. Zunächst absolvierte

ich in Ebikon die Matura, um anschliessend

in München und Innsbruck Philosophie

und Theologie zu studieren. Seit August arbeite

ich in der Seelsorgeeinheit Balgach-

Widnau-Diepoldsau/Schmitter und bereite

mich nun auf meinen Beruf als Priester vor.

Freundschaft mit Gott

Andreas Schönenberger, Priesteramtskandidat

in der Seelsorgeeinheit Balgach-

Widnau-Diepoldsau/Schmitter

Wenn ich zurückschaue, ist die Entscheidung,

Jesus Christus nachzufolgen eine

Konsequenz meiner bisherigen Geschichte.

In meinem Elternhaus habe ich einiges

vom christlichen Glauben vermittelt

bekommen, dennoch waren nie Zwänge

da, dies oder jenes tun zu müssen. Gott

seinerseits hat mir auch dann noch die

Treue gehalten, wenn mir mein Weg nicht

mehr klar erschien. Seine Führung zieht

sich wie ein roter Faden durch mein Leben.

Er hat mich immer zur rechten Zeit

mit Menschen zusammentreffen lassen,

die mir in meiner jeweiligen Situation ein

grosser Segen waren. So sind Freundschaften

entstanden, zunächst eine tiefere

Freundschaft mit Gott, aber auch

Freundschaften mit Menschen, die, wie

ich, von Gottes Liebe ergriffen sind.

Ruf – Aufbruch – Wandel

© PfarreiForum/Regina Kühne

Es ist dieser Gott, der mir hilft, Zweifel zu

überwinden, der mich nicht fallen lässt,

der mich begleitet in guten Zeiten, aber

auch dann, wenn es nicht so rund läuft.

Er ist es, der mich gerufen hat, mein

Christsein zu leben, inmitten der Menschen.

Dieses Gerufensein bedeutet für

mich ein stetiges Aufbrechen und Aufdem-Weg-sein;

es heisst auch, offen zu

sein für inneres Wachsen und Reifen.

Auch wenn ich zweifle und hinterfrage,

darf ich trotzdem immer auch hoffen

und vertrauen. Mir scheint, Berufung ist

nie etwas Abgeschlossenes, wir sind stets

neu auf dem Weg zum Ziel, das Gott selber

ist. Er hat uns seinen menschgewordenen

Sohn, Jesus Christus, an die Seite

gestellt; erst durch ihn können wir –

konnte ich – meinen Weg klarer erkennen.

Er ist mein ständiger und treuer Begleiter;

er ist es, der mich trägt in Krisen

und der mich Gott preisen lässt. Er ist für

mich zum einzigen Abenteuer geworden,

das sich wirklich lohnt. Das zu erkennen,

war die grösste Entdeckung in meinem

Leben.

Gott ganz gehören

Ich möchte noch etwas erwähnen: Ich

verstehe meine Berufung als Berufung zu

einem eheloses Leben. Der Pflichtzölibat

ist für mich nicht bloss ein verordnetes

Diktum der Kirche, das ich als Priester in

Kauf nehmen muss. Nein! Ich habe mich

bewusst für die Ehelosigkeit entschieden.

Sie ist Ausdruck meiner Grundhaltung,

ganz Gott zu gehören. Bei allen Schwierigkeiten,

welche diese Lebensform mit

sich bringt, spüre ich dennoch Zufriedenheit

und Gelassenheit. Kraft dazu

schöpfe ich unter anderem aus einem

Wort von Frère Roger Schutz: «Gott ist

derjenige, von dem ich lebe und den ich

mit allen suche!»

Hinweis

Gallus-Opfer: Am 16. Oktober wird

die Kollekte für die Theologiestudierenden

des Bistums aufgenommen.

3


Vor dem Stabwechsel

Bistum

Nach dem Rücktrittsgesuch von Bischof Ivo Fürer –

Ein Forum-Gespräch

An der Spitze des Bistums steht ein Wechsel bevor. Bischof Ivo hat das

«Pensionierungsalter» erreicht und dem Papst den Rücktritt angeboten. Die

Annahme des Gesuchs durch den Vatikan wird demnächst erwartet. Die Zeit

des Stabwechsels möchte das PfarreiForum mit einer eigens zusammengestellten

Gesprächsrunde begleiten. Ihr gehören an: Rosmarie Koller-Schmid, Präsidentin

des Katholischen Frauenbundes St. Gallen/Appenzell, Markus Urech-

Pescatore, Präsident des Kirchenverwaltungsrates Rorschach, Roland Strässle,

Pfarrer von St. Gallen-St. Fiden. Das Forum-Gespräch soll in gleicher Zusammensetzung

in den nächsten Ausgaben weitergeführt werden.

Kirchenratspräsident, Frauenvertreterin,

Pfarrer – die drei Gesprächsteilnehmer

sehen den Bischof aus unterschiedlicher

Perspektive. Haben sie bei ihrer Arbeit

überhaupt mit ihm zu tun? Durchaus,

versichern sowohl Rosmarie Koller-

Schmid als auch Roland Strässle. Bei beiden

ist es kaum eine Woche her, dass sie

mit dem St. Galler Bischof zusammen

waren.

Erfahrungen mit dem Bischof

«Es war in Quarten, am Ende eines Weiterbildungskurses

für Seelsorger. Da

nahm Ivo Fürer beim Auswertungsgespräch

teil», sagt Pfarrer Strässle. Und wie

von selbst sei da die Rede auf die Zukunft

der Diözese gekommen. «Auf sein Rücktrittsgesuch

erwartet der Bischof eine

Antwort aus Rom, die auf Mitte Oktober

erfolgen könnte.» In Quarten habe man

einmal mehr die Nähe des Bischofs zu

seinen Seelsorgern gespürt. Genau so wie

am «pastoralen Mittagstisch», zu dem er

regelmässig seine Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter in unterschiedlicher Zusammensetzung

einlädt.

Rosmarie Koller war mit einer Delegation

des Frauenbundes bei Ivo Fürer. «Solche

Gespräche finden jedes Jahr statt. Für uns

sind sie sehr wertvoll, wir können unsere

Anliegen mit dem Bischof besprechen.

Zum Beispiel, die Erwartungen der Ortsvereine

an ihre geistliche Begleitung (Präses).»

Rosmarie Koller ist auch Mitglied

des Seelsorgerats, erlebt den Bischof also

noch in einer andern Rolle. «Dort spürt

man, dass er sich wohl beraten lassen

will; umgekehrt aber wird auch deutlich,

dass er das letzte Wort hat.»

Die Teilnehmer der Forum-Runde

Markus Urech-Pescatore, Jahrgang 1960,

Präsident des Kirchenverwaltungsrates

Rorschach/Rorschacherberg. Prorektor der

Interstaatlichen Maturitätsschule für

Erwachsene.

© PfarreiForum/Regina Kühne

Rosmarie Koller-Schmid, Jahrgang 1954,

seit dem Mai 2004 Präsidentin des

Katholischen Frauenbundes St. Gallen-

Appenzell. Wohnhaft in Steinegg AI,

Familienfrau.

© PfarreiForum/Regina Kühne

Roland Strässle, Jahrgang 1937, Priesterweihe

1964, Pfarrer von St. Gallen-

St. Fiden, ausserdem priesterlicher

Mitarbeiter in der katholischen Pfarrei

St. Gallen-Rotmonten.

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© PfarreiForum/Regina Kühne


Diplomatisch, diskursiv

So nah wie die Präsidentin des Frauenbundes

und der Pfarrer erlebt Markus

Urech-Pescatore den Bischof nicht. Als

Präsident des Kirchenverwaltungsrates ist

für ihn nicht die bischöfliche Verwaltung,

sondern der Administrationsrat die

Oberbehörde. Er hat den Bischof das

letzte Mal am 8. Mai von nahem gesehen,

bei der Erinnerungsfeier an den Untergang

des Gallusklosters vor 200 Jahren.

Dort hat er erfahren, dass es in einem

solchen Amt diplomatisches Fingerspitzengefühl

braucht. «Mich hat beispielsweise

gestört, dass die Geistlichen ausgezogen

sind, noch bevor die Vertreter des

Staates ihre Ansprachen gehalten haben.»

Aber auch Markus Urech hat den Bischof

noch in einer andern Rolle kennen gelernt.

Als früherer Rektor des Seminars

Rorschach gehörte er zur Rektoren-Runde,

die alle zwei Jahre vom Bischof und

dem evangelischen Kirchenratspräsidenten

zu Tisch geladen wurden. «Dort gabs

jeweils eine ungezwungene Aussprache

über schulische Fragen wie etwa den Religions-

oder Ethikunterricht. Bei solchen

Gesprächen zeigte sich der Bischof von

seiner diskursiven Seite.»

Noch zeitgemäss?

Fragt sich, wie zeitgemäss das Bischofsamt

ist. Ob es sich einem modernen

Menschen erschliesst, plausibel erscheint.

Rosmarie Koller hat da keine Mühe: «Für

mich stimmt das Amt.» Es sei einleuchtend,

dass eine geistliche Ordnung wie

die Kirche einen spirituellen Leiter an der

Spitze brauche. Was Rosmarie Koller allerdings

mit einem ihr wichtigen Nachsatz

versieht: «Natürlich steht und fällt

das Amt mit der Person, die es ausübt.»

Genau so findet auch Markus Urech, dass

die hierarchische Struktur der Kirche

sinnvoll sei: «Papst und Bischof verkörpern

die Einheit der Kirche, machen sie

sichtbar nach aussen; das ist wichtig bei

einem derart grossen, vielgliedrigen Gebilde.»

Kollegialität praktiziert

Roland Strässle stimmt dieser Sicht zwar

durchaus zu, meint aber, dass das Bischofsamt

unterschiedlich ausgeübt werden

kann: «Man kann es monarchisch, auf

die eigene Person hin, zuspitzen; man

kann ihm aber auch eine kollegiale Ausgestaltung

geben.» Gerade hierin

sieht Strässle das besondere Verdienst

von Ivo Fürer: Er habe

von Kollegialität nicht nur geredet,

sondern sie praktiziert, in

den ungezählten Gesprächsrunden,

zu denen er in den letzten

zehn Jahren eingeladen hatte. In

dieser Richtung müsste sich seiner

Meinung nach auch das

Amt weiterentwickeln. Bischof

Ivo habe die administrativen

Aufgaben im Ordinariat verteilt,

bei den Räten Rat geholt

und danach seine Entscheidungen

getroffen. Dies habe in den

letzten zehn Jahren Bistum und

Bischof gleichzeitig geprägt. «Er

wirkt freudig, aufgestellt,

scheint sein Amt mit leichter

Hand auszuüben und ist gerade

dadurch stets am Puls der Zeit.»

«Uns Frauen gegenüber ist der

Bischof stets offen. Der Frauenbund

hat unter ihm eine gute

Zeit erlebt. Uns freuts natürlich

auch, dass im Ordinariat Frauen

vertreten sind: im Amt der Kanzlerin,

der Kommunikationsbeauftragten und

der Leiterin des Amtes für Katechese.»

Welche Kirchenverfassung?

Beim Wechsel im Bischofsamt wird dem

Katholiken seine Kirchenverfassung bewusst,

vor allem auch im Unterschied zu

jener der reformierten Kirche. Wenn beispielsweise

ein reformierter Kirchenratspräsident

zu wählen ist, dann tritt das

Kirchenparlament zusammen und wählt

nach dem üblichen demokratischen Prozedere.

In der katholischen Kirche ist es

anders; da wird der Bischof in der Regel

von Rom eingesetzt. Und auch das Wahlrecht,

das St. Gallen (als seltene Ausnahme

besitzt), darf lediglich vom Domkapitel

(13 Domherren) und nicht von einem

breiten Parlament ausgeübt werden. Hätte

das reformierte Modell für die drei

Mitglieder des Forum-Gesprächs eine geheime

Anziehungskraft?

Nicht für Rosmarie Koller. Sie kann mit

der heutigen Struktur der Kirche grundsätzlich

gut leben; auch wenn die Frauen

einzelne Sachfragen anders beurteilen als

der Bischof. Sie findet, dass sich mit Bischof

und Frauenbund zwei starke Partner

gegenüberstehen, die einander aber

respektieren.

© PfarreiForum/Regina Kühne

Der Bischofsstuhl in der Kathedrale

St. Gallen.

Für Markus Urech, den Kirchenratspräsidenten,

gibt es klar zwei unterschiedliche

Ansätze: «In der demokratisch gewählten

Kirchenverwaltung gehen wir von den Finanzen

aus; die Seelsorger stehen in einer

andern, der hierarchischen Linie.» Dieses

zweigleisige, katholische System könne

durchaus positiv sein.

Für grössere Flexibilität

Roland Strässle meint, dass die Kirchenverfassung

eine grössere Flexibilität zuliesse,

als sie heute in der katholischen

Kirche gelebt wird: «Die paulinischen

Gemeinden waren weit weniger vertikal

strukturiert als die judenchristlichen. Die

katholische Kirchenstruktur beruft sich

genau so wie die reformierte auf das Neue

Testament. Die katholische Kirche entwickelte

sich auf einen schwerfälligen

Zentralismus hin, die Kirchen der Reformation

haben Mühe, sich auf ein gemeinsames

Glaubensbekenntnis zu einigen

und suchen heute ihre Identität. Beide

Strukturen haben ihre Vor- und Nachteile;

wichtig jedoch ist die Einsicht, dass sie

in ihrer historisch gewachsenen Gestalt

veränderbar sind – oder wären.» (or)

5


Familie

«Kess-erziehen»: Ein Weg für Eltern und Erziehende

Kooperativ-ermutigend-sozialsituationsorientiert

Geht das: Kinder erziehen ohne

Schimpfen, Schreien und Ausrasten?

Ohne sich in eine endlose Kette von

Konflikten zu verhaken? Gelassen gar

und mit ruhigen Nerven? Immer mehr

Eltern finden darauf Antworten durch

den Kurs «Kess-erziehen».

Elterntrainings unterscheiden sich vom

Ansatz und den Inhalten her sehr voneinander.

Mit «Kess-erziehen» wurde ein

Elternkurskonzept entwickelt, das auf der

Individualpsychologie von Alfred Adler

basiert. Auch wenn im Kurs selbst religiöse

Fragen nicht explizit angesprochen

werden, geht der Elternkurs von einem

christlichen Menschenbild aus. Christa

Koller, Mutter von drei Kindern im Alter

von acht, sieben und fünf Jahren, hat einen

Kess-Kurs in Gossau besucht.

PfarreiForum: Was hat Sie bewogen, den

Elternkurs zu besuchen?

Christa Koller: Im Berufsleben gibt es für

neue Aufgaben Weiterbildungen. Dies ist

beim Elternwerden nicht so. Da wird man

Kursangebot

Der Elternkurs «Kess-erziehen» wird

von der Fachstelle Partnerschaft –

Ehe – Familie des Bistums St. Gallen

angeboten.

Kursdaten: Donnerstag, 10./17./24.

November und 1./8. Dezember 2005

in Teufen. Montag, 20./27. März,

3./27. April und 4. Mai 2006 in Gossau.

Dieses Kursangebot kann auch in

anderen Pfarreien durchgeführt werden.

Nähere Informationen bei:

Fachstelle Partnerschaft – Ehe – Familie,

Madeleine Winterhalter-Häuptle,

Frongartenstr. 11, 9000 St. Gallen,

Telefon 071 223 68 66, E-Mail:

apef-sg@bluewin.ch.

einfach in die neue Aufgabe hineingeworfen.

Deshalb suchte ich nach Anregungen

für den Erziehungsalltag. Der Kess-Kurs

war ein willkommenes Angebot.

Welche Erwartungen hatten Sie an den

Kurs?

Christa Koller: Mit drei Kindern gibt es

im Alltag immer wieder Situationen, in

denen ich unsicher bin und nicht weiss,

wie ich mich verhalten soll. Auch wollte

ich ausgefahrene Wege verlassen. Ich war

gespannt, wie andere Mütter und Väter

mit schwierigem Verhalten ihrer Kinder

umgehen. Ich wünschte mir zudem mehr

Gelassenheit im Umgang mit den Kindern.

Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Christa Koller: Die Ideen, die vermittelt

wurden, konnte ich umsetzen, auch wenn

nicht alles neu für mich war. Ich konnte

mir gewisse Erkenntnisse wieder bewusst

machen wie zum Beispiel das Mitteilen

von «Ich-Botschaften». Aber es gab auch

Anregungen, die neu für mich waren, etwa

der Ansatz, dem Kind die Folgen seines eigenen

Handelns zuzumuten.

Was ist Ihnen besonders in Erinnerung

geblieben?

Christa Koller: Besonders geschätzt habe

ich, wenn wir im Kurs von ganz konkreten

schwierigen Situationen ausgegangen

sind und miteinander Lösungen gesucht

haben. Es hat auch einfach gut getan, im

Austausch mit den anderen Eltern zu erfahren:

Ich bin nicht allein. Die anderen

kochen auch nur mit Wasser! Ich konnte

viel von den anderen Müttern und Vätern

lernen. Zudem war das Elternhandbuch,

das wir erhalten haben, eine wertvolle

Ergänzung zum Kurs.

Es ist ein Jahr her, seit Sie den Kurs besucht

haben: Was konnten Sie im Alltag umsetzen?

Christa Koller: Da gibt es einige Anregungen,

die mir geholfen haben. Zum

© Ulrich Anderegg/pro juventute-thema

Ein wichtiges Grundbedürfnis der Kinder

ist das Zugehörigkeitsgefühl. «Kess-erziehen»

zeigt auf, wie dieses Grundbedürfnis

gefördert werden kann, aber auch wie

respektvoll Grenzen gesetzt werden können.

Beispiel waren Machtkämpfe bei uns immer

wieder ein Thema. Es ist nicht so,

dass diese heute gar nicht mehr vorkommen,

aber die Anregung, den Kindern in

einer solchen Situation Wahlmöglichkeiten

anzubieten, hat die Machtkämpfe

entschärft.

Grundsätzlich kann ich sagen, dass der

Kurs dazu beigetragen hat, gelassener zu

werden. Heute hilft mir die Erkenntnis,

dass es in der Erziehung keine Patentlösungen

gibt, dass es Situationen gibt, die

ich durchtragen muss, oder dass es einfach

Tage gibt, die schwierig sind. Dann achte

ich vermehrt darauf, dass ich auch mir

Sorge trage. Mein eigenes Befinden ist eine

wichtige Voraussetzung, um respektvoll

mit den Kindern umzugehen.

Interview: Madeleine Winterhalter-

Häuptle, Fachstelle Partnerschaft –

Ehe – Familie, St. Gallen

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Akzente des Glaubens

Liturgischer Kalender

Oktober:

Monat der Weltmission

Sonntag, 9. Oktober

28. Sonntag im Jahreskreis (A)

Erste Lesung: Jes 25, 6–10a.

Zweite Lesung: Phil 4, 12–14. 19. 20.

Evangelium: Mt 22, 1–14.

Samstag, 15. Oktober

Röm 4, 13. 16–18, Lk 12, 8–12.

Theresa von Avila, Kirchenlehrerin

(†1582).

Sonntag, 16. Oktober

29. Sonntag im Jahreskreis (A)

Hochfest des Heiligen Gallus,

Patron des Bistums St. Gallen

Erste Lesung: Jes 45, 1. 4–6.

Zweite Lesung: 1 Thess 1, 1–5b.

Evangelium: Mt 22, 15–21.

Dienstag, 18. Oktober

2 Tim 4, 10–17b, Lk 10, 1–9.

Lukas, Evangelist.

Donnerstag, 20. Oktober

Röm 6, 19–23, Lk 12, 49–53.

Wendelin, Einsiedler im Saarland.

Freitag, 21. Oktober

Röm 7, 18–25a, Lk 12, 54–59.

Ursula und Gefährtinnen, Märtyrinnen

in Köln († um 304).

Sonntag, 23. Oktober

30. Sonntag im Jahreskreis (A)

Erste Lesung: Ex 22, 20–26.

Zweite Lesung: 1 Thess 1, 5c–10.

Evangelium: Mt 22, 34–40.

Freitag, 28. Oktober

Eph 2, 19–22, Lk 6, 12–19.

Simon und Judas Thaddäus, Apostel.

Der heilige Wendelin

Zum Gedenktag am 20. Oktober

Wendelin wurde um 555

geboren und war der

Überlieferung nach ein

iroschottischer Königssohn. Er soll

auf dem Heimweg von einer Wallfahrt

nach Rom in der Nähe von

Trier auf eine Gruppe Laien gestossen

sein, die wie in einem Kloster

lebten. Wendelin fühlte sich von

diesem Leben angezogen und blieb

in der Gegend von Trier. Die Liebe

zu Christus hatte ihn ergriffen. Er

blieb Vater und Mutter fern, verzichtete

auf Vaterland und Krone

und zog sich als Einsiedler in den

Wald zurück. Niemand wusste wer

er war und woher er kam. Er hatte

sich die Worte des Apostels Paulus

zu eigen gemacht: «Das Törichte in

der Welt hat Gott erwählt, um die

Weisen zu schande zu machen, damit

kein Mensch sich rühmen kann

vor Gott» (vgl. 1 Kor 26–31). Als er

einmal auf dem Weg zur Kirche einen

Edelmann um eine kleine Gabe

bat, schalt ihn dieser aus und sagte,

er möge wenigstens die Schweine

hüten, wenn er essen wolle. Obgleich

Wendelin viel lieber in seine

Einsamkeit zurückgekehrt wäre, sah

er in diesen Worten den Willen

Gottes. Er willigte in aller Demut

ein und wurde Schweinehirt. Bald

darauf vertraute man ihm eine

Kuhherde an. Zuletzt waren es

Schafe, die er auf die Weide führen

musste. Einmal kam der Herr der

Herde unerwartet vorbei und war

erzürnt, dass Wendelin sich so weit

entfernt hatte und ihm das zum

Verzehr bestimmte Tier nicht rechtzeitig

werde bringen können. Doch als

der Erboste in seinen Hof zurückkam,

war Wendelin bereits dort. Tief erschrocken

bat er Wendelin um Vergebung und

baute ihm eine Zelle in der Nähe des

benachbarten Klosters Tholey. Dessen

Mönche wählten Wendelin zu ihrem Abt,

obwohl er nicht Priester war. Er starb 617

in Tholey im Ruf der Heiligkeit. In der

Kunst wird er dargestellt als Hirte, oft

auch mit Schafen und Schweinen, und als

Pilger. Er ist der Patron der Hirten und

© akg-images, Berlin

Der heilige Wendelin, Patron der Bauern.

Herden, der Schäfer und Bauern. Er wird

um Fürbitte angerufen gegen Viehseuchen,

für gedeihliches Wetter und gute

Ernte. So hat vor wenigen Jahren der

Christliche Bauernbund des Kantons

St. Gallen bei der drohenden Maul- und

Klauenseuche ein Gebet zu ihm um

Abwendung von Krankheit und Seuche

unter dem Vieh verbreitet.

Evelyne Graf

7


In ihrer Medienmitteilung weisen die

Ratsmitglieder zusammen mit dem Bischof

auf die Tradition der jüdischchristlichen

Sieben-Tage-Woche mit einem

regelmässig wiederkehrenden Unterbruch

der Arbeit hin: «Ein gemeinsam

gehaltener Ruhetag entlastet davon, permanent

leisten, gestalten und entscheiden

zu müssen.» Sie warnen vor falschen Hoffnungen,

Beruf, Familie und Freizeit durch

flexible Arbeitszeiten leichter miteinander

koordinieren zu können. Hingegen

ermögliche ein gemeinsamer Ruhetag gemeinsame

Erholung. Der Seelsorgerat ist

überzeugt, «dass der Sonntagskultur gerade

in der Welt der Arbeit eine hohe Bedeutung

zukommt. Der Wert eines gesellschaftlich

vorgegebenen Ruhetags sollte

nicht leichtfertig aufgegeben werden.»

Nachrichten

Seelsorgerat des Bistums:

Sonntagskultur fördern

Der Wert des Sonntags ist dem Seelsorgerat

des Bistums St. Gallen ein

wichtiges Anliegen. Er hat deshalb

ablehnend Stellung genommen zum

revidierten Arbeitsgesetz, welches

am 27. November zur Abstimmung

kommt. Das neue Gesetz sieht eine

Ausweitung des Sonntagsverkaufs

an grossen Bahnhöfen vor.

Der Seelsorgerat, ein repräsentatives

Organ von Laien und Seelsorgern der

Diözese, berät den Bischof in Fragen der

Seelsorge. An seinen letzten Sitzungen

befasste sich der Rat eingehend mit dem

Wert des Sonntags und der anstehenden

Abstimmung über das revidierte Arbeitsgesetz.

«Nach intensiver Meinungsbildung

empfiehlt das Gremium zusammen

mit Bischof Ivo Fürer den Stimmbürgerinnen

und Stimmbürgern, die Revision

des Arbeitsgesetzes zurückzuweisen»,

heisst es in einer Stellungnahme des

Seelsorgerates.

Gemeinsamer Ruhetag

Nur noch Werktage?

Der Seelsorgerat ist sich bewusst, «dass

sich der Stellenwert des Sonntags in der

Gesellschaft verändert hat. Der Rat

möchte aber nicht, dass einer weiteren

Aushöhlung des arbeitsfreien Sonntags

Vorschub geleistet wird. Er sieht in einer

Ausdehnung der Einkaufsmöglichkeiten

an grösseren Bahnhöfen und Flughäfen

langfristig die Gefahr, dass aus dem

Sonntag ein normaler Werktag wird»,

halten die Ratsmitglieder fest. Sie wollen

für den Wert des Sonntags auch über die

Abstimmung hinaus einstehen und sich

aktiv für den Schutz der Sonntagskultur

einsetzen. (inf./eg)

Zum Thema: Die Schweizer Bischofskonferenz

und der Schweizerische

Evangelische Kirchenbund haben im

Blick auf die Abstimmung am 27.

November über das revidierte Arbeitsgesetz

gemeinsam eine Orientierungshilfe

erarbeitet. Sie trägt den

Titel «Sonntag schützen, Gemeinschaft

stärken». Die Broschüre wird

gratis abgegeben und kann bestellt

werden bei: www.kath.ch/sbk

oder info-sbk@bluewin.ch

Die Pfadfinder St. Laurentius in Flawil

haben eine Feuerstelle neben dem

Pfarreizentrum gebaut.

© Andrea Dönni

72-Stunden-Aktion

In vielen Ortschaften der Ostschweiz

sah man sie Mitte September: Kinder

und Jugendliche mit türkis-farbenen

T-Shirts und dem Logo der 72-Stunden-

Aktion. Jugendliche, die anpackten und

mit viel Erfindungsgeist soziale Projekte

umsetzten. Mit rund 40 Gruppen und

1450 Teilnehmer/innen in den Kantonen

AI/AR/GL/SG wurden die Erwartungen

der regionalen Koordination voll erfüllt.

In der ganzen Schweiz waren rund 20 000

Jugendliche für das gemeinnützige Projekt

aktiv: Dabei hiess es vom 15. bis 18.

September ein soziales, gemeinnütziges

und nachhaltiges Projekt zu realisieren,

von dem die Jugendlichen selbst erst

beim Startschuss erfahren hatten.

In Jonschwil zum Beispiel organisierten

Jugendliche der Gruppe Mingos ein

«Multikulti Fäscht» mit elf Nationen unter

dem Motto «mitenand & fürenand».

Handfest angepackt wurde auch in Flawil:

Die Pfadfinder Laurentius fällten einen

Baum, ebneten den Untergrund und

bauten eine Feuerstelle mit Sitzplätzen.

Verschönert wurde die Stelle mit gespendeten

Blumen für ein Beet. In Oberuzwil

waren sich die Pfadis einig: «Es ist lässig

und macht Spass, eine Treppe für den

Kindergarten zu bauen!» Daneben bewältigten

die rund 40 Pfadis Bi-Pi noch viele

weitere Aufgaben, die ihnen vor Ort gestellt

worden sind: Zwetschgen sammeln

beim Bauern, Beeren verlesen oder einen

Spielplatz instand setzen.

Die Jugendlichen engagierten sich ohne

wenn und aber. Ihr 72-stündiges soziales

Engagement fand viel Anerkennung.

Andrea Dönni, Co-Leiterin der Animationsstelle

kirchliche Jugendarbeit (akj)

in Gossau

8


Mit dem Wind des Wandels

Alfred Dubach, Leiter des Pastoralsoziologischen Instituts, geht in Pension

Seit 1984 leitet Alfred Dubach das

Schweizerische Pastoralsoziologische

Institut (SPI) in St. Gallen. Nach über

20 Jahren geht er mit dem Erreichen

der Altersgrenze von 65 auf Ende Oktober

in Pension. Er blickt auf eine reiche

Forschungstätigkeit im Dienst der

Kirche zurück. Zentral dabei war die

Frage: Wie kann die Kirche in einer

sich immer schneller wandelnden Gesellschaft

anschlussfähig bleiben?

Alfred Dubach, 1940 in Sursee geboren,

studierte Theologie, Philosophie und Soziologie

in Luzern, Paris, Rom und Freiburg

in der Schweiz. Während seiner Studien

in Rom war das Zweite Vatikanische

Konzil (1961–1965) in vollem Gange. Im

Germanicum, wo er wohnte und studierte,

lernte er neben zahlreichen Kardinälen

den grossen Konzilstheologen Karl Rahner

und den heutigen Papst, Joseph Ratzinger,

persönlich kennen. «Ich erlebte die intensiven

Auseinandersetzungen dieser Theologen

mit den grossen Fragen des Konzils.

Dabei ging es darum, wie das «Aggiornamento»,

das «Heutig-werden» der Kirche,

das Papst Johannes XXIII. so sehr am Herzen

lag, bewirkt werden konnte.

Grundanliegen

Inspiriert vom frischen Wind des Konzils,

das den Dialog mit der modernen Gesellschaft

suchte, schrieb Alfred Dubach seine

Doktorarbeit zum Thema «Glaube in säkularer

Gesellschaft». Nach seiner Tätigkeit

als Religionslehrer in Luzern kam der

jung verheiratete Vater von zwei Kindern

1970 als Praktikant zum Pastoralsoziologischen

Institut nach St. Gallen. 1984

übernahm er dessen Leitung. Die neuen

Ideen des Konzils beschäftigten auch die

Kirche Schweiz: Wie kann sich die Kirche

an die veränderten gesellschaftlichen Situationen

anpassen? Für Alfred Dubach

war diese Frage das Grundanliegen in seiner

Forschungstätigkeit beim SPI.

Antworten

Alfred Dubach, Leiter des Schweizerischen Pastoralsoziologischen

Instituts: «Die Sehnsucht nach Lebenssinn ist heute

grösser geworden.»

Mit verschiedenen religionssoziologischen

Forschungsprojekten, deren Ergebnisse

als Studien veröffentlicht wurden,

versuchte Institutsleiter Dubach der Kirche

Antworten für ihr pastorales Handeln

vorzulegen. Erstaunliches Ergebnis: Heute

ist gerade bei jungen

Menschen eine

wachsende religiöse

Sensibilität vorhanden.

Dies auf dem

Hintergrund einer

Welt, in der das Risiko

des Scheiterns in Job,

Partnerschaft und Lebensentwurf

grösser

geworden ist. In einer

pluralistisch gewordenen

Gesellschaft ist es

gut, wenn die Kirche

mit ihren Angeboten

auf die Lebensbedürfnisse

ganz verschiedener

Menschen antworten

kann. Die Kirche

findet Anklang,

wenn es ihr gelingt aufzuzeigen, was der

christliche Glaube zu einem gelingenden

Leben beizutragen vermag.

Wandel

© Pfarreiforum/Regina Kühne

Mit seiner Forschungstätigkeit und den

daraus entstandenen Publikationen ist

das Pastoralsoziologische Institut so etwas

wie ein pastorales Kompetenzzentrum

für die Kirche Schweiz geworden.

«Ich hoffe, wir haben im Laufe der Zeit

für die Kirche Windmühlen gebaut» sagt

Alfred Dubach unter Hinweis auf ein taoistisches

Zitat: «Wenn der Wind des Wandels

weht, bauen die einen Mauern und

die anderen Windmühlen.» Ein solch

hilfreiches Instrument ist auch das vor

kurzem veröffentlichte Buch von Alfred

Dubach und Brigitte Fuchs, Professorin

für Religionspädagogik, «Ein neues Modell

von Religion». Darin wird der Wandel

der religiösen Landschaft am Ende

des letzten Jahrhunderts analysiert. Ein

Fazit: Heute wird Religiosität individualistischer,

dafür aber bewusster gelebt.

Evelyne Graf

Hinweis: Weitere Infos zum Schweizerischen

Pastoralsoziologischen Institut (SPI) und den

veröffentlichten Studien: www.kath.ch/spi.

Pastoralsoziologisches

Institut

mit neuer Leiterin

Judith Könemann aus Telgte bei

Münster in Westfalen leitet ab November

das Schweizerische Pastoralsoziologische

Institut (SPI) in

St. Gallen. Die Theologin wurde vom

Verwaltungsrat des SPI gewählt und

tritt die Nachfolge von Alfred Dubach

an. Sie schloss ihre Studien in

Pastoraltheologie und Pastoralsoziologie

mit dem Doktorat an der Universität

Münster ab. Hauptberuflich

war sie bisher in der Diözese Osnabrück

als Ausbildungsleiterin für die

religionspädagogische Ausbildung

der angehenden Gemeinde- und Pastoralreferenten

und -referentinnen

tätig. Der Verwaltungsrat des SPI ist

überzeugt, dass mit Judith Könemann

eine fachlich wie menschlich

kompetente Institutsleiterin die Aufgabe

von Alfred Dubach weiterführen

wird. Das SPI ist eine Einrichtung

des Katholischen Konfessionsteils

des Kantons St. Gallen in Verbindung

mit der Schweizer Bischofskonferenz

(SBK). (com/eg)

9


Agenda

JUWA 2005

5. Einsiedler «Junge Wallfahrt»

Bereits zum fünften Mal laden Abt Martin

Werlen und die Klostergemeinschaft

von Einsiedeln junge Erwachsene ab 16

Jahren aus der gesamten Deutschschweiz

und dem nahen deutschsprachigen Ausland

zu einer besonderen zweitägigen

Wallfahrt nach Einsiedeln ein. Die «Junge

Wallfahrt» – kurz Juwa – bietet Gelegenheit,

den Glauben an die Person und Botschaft

Jesu Christi zu vertiefen und neu

zu entdecken. Höhepunkte neben der

Fusswallfahrt sind eine stimmungsvolle

nächtliche Eucharistiefeier, katechetische

Workshops und Ateliers sowie ein Podiumsgespräch

zum Thema «Christ sein

heute». Die diesjährige Juwa ist zugleich

Nachtreffen zum Weltjugendtag 2005 in

Köln. Datum: 7./8. Oktober.

Anmeldung und weitere Informationen:

www.juwa-einsiedeln.ch; Tel. 079 562 43 62.

Vorlesungen HSG

Grosse Heilige der Schweiz

An der Universität St. Gallen (HSG) finden

öffentliche Vorlesungen statt zum

Thema «Grosse Heilige der Schweiz»:

7. November: Der Heiligenhimmel der

Kathedrale St. Gallen; 14. November:

Gallus, Otmar, Notker, Eusebius, Magnus;

21. November: Wiborada und Marguerite

Bays; 28. November: Bruder

Klaus; 5. Dezember: Heiligenfeste und

Volksfrömmigkeit; 12. Dezember: Unscheinbare

Heilige und zeitgemässe Heiligenverehrung.

Referent ist Thomas

Reschke, katholischer Universitätsseelsorger.

Jeweils montags, 20.15–21.45 Uhr im

Hörsaal A112, vom 7. November bis zum

12. Dezember.

Weitere Informationen: www.akademikerhaus.ch

oder Tel. 071 222 95 10.

«Gloria»-Kirchen-Messe

Egal ob eine Kirchenrenovation ansteht,

ein neues Priestergewand benötigt wird

oder ein handgeschnitztes Holzkreuz

angeschafft werden soll: Die Kirchen-Messe

«Gloria» bietet die Möglichkeit, Produkte

und Dienstleistungen des christlichen

Alltags zu prüfen, zu vergleichen und zu

kaufen.

Kirchen-Messe in Dornbirn

Vom 13. bis zum 15. Oktober findet zum

sechsten Mal die Kirchen-Messe «Gloria»

in Dornbirn statt. Sie wird vom Basler

Bischof Kurt Koch eröffnet und ist täglich

von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Kirchenmesse

mit den 200 Ausstellern bietet

die Möglichkeit, Produkte und Dienstleistungen

des christlichen Alltags zu

prüfen, zu vergleichen und zu kaufen.

Ausserdem bietet die Fachmesse auch

Gelegenheit, mit vielen Menschen aus der

Kirche ins Gespräch zu kommen, den

Blick über die Religion hinaus zu weiten

und christliches Schaffen in seinen vielen

Facetten kennen zu lernen. Zugleich sind

viele Persönlichkeiten zu Gast in Dornbirn,

darunter der Pastoraltheologe Paul

M. Zulehner, der evangelische Bischof

Herwig Sturm und der Radio-Vatikan-

Chef Eberhard von Gemmingen. Sie alle

halten Vorträge, die im Messe-Eintrittspreis

inbegriffen sind.

Das detaillierte Programm ist unter

www.messegloria.info ersichtlich oder kann

bei der Dornbirner Messe angefordert werden

unter Tel. 0043 5572 305-324.

Informationsveranstaltungen

Gymnasium Untere Waid, Mörschwil

Am 9. und am 16. November bietet das

katholische Gymnasium Untere Waid in

Mörschwil für Schülerinnen und Schüler

der 6. Primar- und der 2./3. Sekundarschulklassen

Schnuppernachmittage an.

Foto: zvg.

Beginn: 13.30 Uhr, Ende 16 Uhr. Für Eltern

werden am 30. November, am 12. Januar

und am 13. Februar, jeweils 19.30

Uhr bis 21.00 Uhr, Informationsabende

durchgeführt, an denen auch Fragen

rund um das Schulgeld, die Tagesschule,

die Voraussetzungen für den Besuch der

Schule und die Aufgabenbetreuung beantwortet

werden. Das Gymnasium Untere

Waid ist eine eidgenössisch anerkannte

Maturitätsschule in Mörschwil

am Ostrand der Stadt St. Gallen. Sie ist

mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Stadtbus

Linie 11 oder Postauto) erreichbar.

Weitere Infos unter Tel. 071 866 17 17,

E-Mail info@unterewaid.ch oder

Homepage www.unterewaid.ch.

Vortrag

«Auf der Suche nach der christlichen

Spiritualität»

Der Abt von Einsiedeln, Martin Werlen,

hält einen öffentlichen Vortrag zum Thema

«Auf der Suche nach der christlichen

Spiritualität». Datum: Dienstag, 25. Oktober,

um 19.30 Uhr. Ort: Begegnungszentrum

in 8730 Uznach.

Informationen: Pfr. Josef Manser,

Tel. 055 280 21 80, E-Mail jmanser@

bluewin.ch.

Gallustag 2005

Gallusfeiern am Sonntag,

16. Oktober, in St. Gallen

Der Gallustag in der Kathedrale St. Gallen

beginnt am Samstagabend, 15. Oktober,

mit einer ersten sonntäglichen Eucharistiefeier

um 17.30 Uhr. Am Sonntag

ist Eucharistiefeier mit Gallus-Wein-Segnung

um 9 Uhr. Das Pontifikalamt mit

Bischof Ivo Fürer und Festprediger Abt

Berchtold Müller aus Engelberg wird um

11 Uhr gefeiert. Der Domchor, der Münsterchor

Konstanz, ein Solistenquartett

sowie Musiker des Sinfonieorchesters

St. Gallen singen und spielen die Messe

As-Dur von Franz Schubert. Um 17.30

Uhr ist Pontifikalvesper, um 19.30 Uhr

die letzte sonntägliche Eucharstiefeier.

Die städtische Gallusfeier beginnt um

18.30 Uhr in der Tonhalle. Sie findet in

enger Zusammenarbeit mit der Universität

St. Gallen statt. «Netzwerk Stadt» ist

das Thema verschiedener Statements über

Stadtmodelle und Stadtutopien. (inf.)

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Radiotipps

Kolumne

Medientipps

Tele Ostschweiz

«Gedanken zur Zeit»

Persönlichkeiten präsentieren «Gedanken

zur Zeit». Sie dauern etwa 90

Sekunden und werden von TVO jeweils

am Samstag um 18.55 Uhr und

dann stündlich bis am Sonntag, letztmals

um 11.55 Uhr, ausgestrahlt. Am

8./9. Oktober mit Christian Leutenegger,

Diakon, St. Gallen-St. Fiden; am

15./16. Oktober mit Hans Ruedi Fischer,

St. Gallen/Wildhaus; am 22./23.

Oktober mit Pfarrer Georg Schmucki,

Niederuzwil.

Radio aktuell

92,9 MHz (99,2 MHz im Kabelnetz)

«Prisma»

Kirchliches Magazin «Prisma»,

jeden Sonntag von 8.15 bis 8.30 Uhr.

Redaktion: Roger Fuchs.

«Gedankestrich»

Täglich um 11.45 Uhr, Wiederholung

später im Tagesprogramm. Es sprechen

am 8. und 9. Oktober Daniel

Klingenberg, St. Gallen; vom 10. bis

16. Oktober Charlie Wenk, St. Gallen-

Halden; vom 17. bis 23. Oktober Zeno

Cavigelli, Leiter Caritas, St. Gallen;

vom 24. bis 30. Oktober Helena Graf,

St. Gallen.

Radio Ri

100,8 MHz (Via Kabel 105,7 MHz)

Kirchliches Magazin «Prisma»,

Jeden Sonntag um 11 Uhr.

Redaktion: Roger Fuchs.

Radio Zürisee

102,2 MHz (im Linthgebiet)

Jeden Sonntag um 8.25 Uhr Kurzsendung

«Gott und die Welt».

Ein Pfarrer rät zum Zweifel

Der reformierte Pfarrer Fredy Staub gehört

zu den bekanntesten so genannten

Evangelisten in der Schweiz. Zehntausende

haben ihm bei Grossveranstaltungen

zugehört, sind ihm bei Vorträgen und Seminaren

begegnet, haben seine Schriften

gelesen. Sein neustes, in diesem Jahr erschienene

Buch trägt den Titel «Glauben?

Vergiss es! – Warum sich Zweifeln lohnt».

Was ist da mit dem Gottesmann passiert?

Wie schätzt er heute die Situation von

Christentum und Kirche ein? Ein Porträt

von Eduard Abel.

Sonntag, 9. Oktober, 8.30 Uhr, und

Donnerstag, 13. Oktober, 15 Uhr, DRS2

Spiritualität lebt nur,

wenn ihr Taten folgen

Schon als Basler Theologiestudent interessierte

sich Ruedi von Sinner für Christinnen

und Christen anderer Kontinente

und Kulturen. Wie leben sie ihren Glauben?

Was ist für sie Christentum? Nun

lehrt er selbst in Brasilien Ökumene und

ist dort in der Entwicklungszusammenarbeit

tätig. Was lernt er von den Menschen

Brasiliens, was können sie von ihm lernen?

Judith Wipfler hat den reformierten

Theologen in Sao Leopoldo besucht und

ihn über die Zukunft der Ökumene befragt.

Sonntag, 16. Oktober, 8.30 Uhr, und

Donnerstag, 20. Oktober, 15 Uhr, DRS2

Religion –

vom Bekenntnis zum Patchwork?

Alfred Dubach war während 20 Jahren Leiter

des Schweizerischen Pastoralsoziologischen

Instituts (SPI) in St. Gallen und erforschte

den religiösen und kirchlichen

Wandel in der Schweiz (Bericht Seite 9).

Das religiöse Verhalten der Menschen hat

sich in diesen Jahren stark verändert. Heutige

Gläubige orientieren sich kaum noch

an religiösen Institutionen. Sie folgen oft

ihren persönlichen Deutungsmustern, fassen

Religion als Privatsache auf und mischen

sich ihr Bekenntnis aus verschiedenen

Traditionen zusammen. In ethischen

Fragen berufen sie sich mehr auf Menschenrechte

als auf heilige Schriften.

Weicht der Bekenntnisglaube einer Patchworkreligion?

Heidi Kronenberg im Gespräch

mit dem Theologen Alfred Dubach.

Sonntag, 23. Oktober, 8.30 Uhr, und

Donnerstag, 27. Oktober, 15 Uhr, DRS2

Thomas Schnelling,

Pastoralassistent in Bütschwil

«Engel voller Hoffnung»

Da tappt ein Engel mit energischem

Schritt durch die Zeit. Er hat dabei den

Kopf nach hinten gewendet und schaut

nach unten. Denn an seinem Kleid hängt

etwas. Eine kleine Schelle, wie sie etwa an

Narrenhemden zu finden ist. Der Blick des

Engels ist fürsorglich heiter, so, als freue er

sich von Herzen über sein kleines Anhängsel.

Und auch das lächelt. Lächelt über

das ganze Gesicht.

Fast unglaublich erscheint uns heute

dieses Engel-Bild, das Paul Klee im Jahr

1939, dem letzten Jahr vor seinem Tod,

gezeichnet hat. Nationalsozialismus, Emigration

in die Schweiz, Krieg und der

Ausbruch einer lebensbedrohlichen Krankheit

sind als Hintergrund seiner «Engelerfahrungen»

zu erahnen.

Tief aus seinem Inneren steigt dieser Engel

auf als ein für ihn unverfügbares Gegenüber

und wandelt ihn von Innen her.

Während sein Äusseres von seiner unheilbaren

Krankheit aufgefressen wird.

Es ist die unfassbare Heiterkeit dieses Engels,

die fasziniert. Dabei besitzen Engel

doch etwas Heiliges, ja, Ehrwürdiges.

Dieser Engel aber, sein «Schellen-Engel»,

wirkt menschlich, einer wie wir. Auch er

darf sich verändern, er ist unfertig, hat

und macht Fehler, muss erst noch erwachsen

werden. Und genau diese Nähe zu uns

Menschen macht ihn so berührend für uns

selber. Wie es Paul Klee selbst beschrieb:

« . . . da ist alles wie bei uns, nur englisch.»

Ist es das, was nicht nur Paul Klee an Engeln

so fasziniert: Dass sie uns bei all den

Unsicherheiten und Schrecken unseres

täglichen Lebens dennoch sicher und aufgehoben

fühlen lassen? So – als hätten die

Engel eine wunderbare Ahnung von dem

Grossen, das uns alle befreit und rettet.

Foto: zvg.

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Menschen unter uns

Elfi Broz und Monika Spirig, Heerbrugg

Die Köchinnen

des «Mittagsclubs»

14/05

AZB 9450 Altstätten

Elfi Broz (links) und Monika Spirig: «Noch nie ist uns das Kochen für die Seniorinnen

und Senioren zu viel geworden.»

© Gaby Spirig

Sie haben sich im Pfarreirat in Heerbrugg

kennen gelernt und sind gute

Freundinnen geworden: Elfi Broz

und Monika Spirig. Seit fünf Jahren kochen

sie jeden zweiten Dienstag für etwa

35 Seniorinnen und Senioren des «Mittagsclubs»,

der ein beliebter Treffpunkt

für ältere Menschen geworden ist. Für ein

komplettes Menü mit Dessert und Getränken

wird ein kostendeckender Preis

von Fr. 11.50 erhoben. Die beiden Köchinnen

arbeiten ehrenamtlich. Nicht

nur das Essen, auch das «Ambiente»

muss stimmen: Der Jahreszeit und der

Zeit im Kirchenjahr entsprechend

schmücken sie die Tische, zum Beispiel

mit Sonnenblumen aus dem Pfarrgarten,

mit Osternestchen oder adventlichen

Zweigen. An Festtagen wird besonders

schön gedeckt, bei Geburtstagen und an

Weihnachten gibts ein kleines Geschenk,

beim Jahreswechsel bäckt Monika Spirig

für jede und jeden einen Neujahrszopf.

Der Einsatz der beiden Köchinnen ist beachtlich:

Der Einkauf für das Essen muss

getätigt, die Dekorationen hergestellt

werden, dann folgt das Kochen und Servieren.

Um 9 Uhr beginnen sie, um 15

Uhr, wenn alles abgewaschen und aufgeräumt

ist, verlassen sie das Pfarreiheim.

In ihrem Herzen spüren sie eine tiefe

Freude . . . Für Elfi Broz, die verwitwet ist,

drei erwachsene Kinder hat und noch die

Ausbildung zur Pflegefachfrau absolviert

hat, gibt es ein Leitmotiv aus dem Evangelium,

das sie sich zu eigen gemacht hat:

«Was ihr einem meiner geringsten Brüder

getan habt, das habt ihr mir getan.»

An dieses Jesuswort erinnert sie sich oft,

wenn sie für die Seniorinnen und Senioren

kocht, ihnen begegnet, mit ihnen

lacht, sich um sie kümmert – und nicht

nur dann...Für Monika Spirig, die verheiratet

ist und zwei erwachsene Kinder

hat, ist das Wort zentral: «Liebe deinen

Nächsten wie dich selbst.» Sie freut sich,

wenn sie Gutes tun und mit ihrer Kreativität

zum Wohlbefinden anderer beitragen

kann. Beide sind sich einig: «Uns

geht es so gut, und daher setzen wir uns

gerne für andere ein. Im Mittagsclub

achten wir aufeinander, nehmen Anteil

am Leben der Seniorinnen und Senioren

und fragen nach, wenn einmal jemand,

der sonst regelmässig kommt, fernbleibt.

Und unser Dienst wird von allen

sehr geschätzt, auch von den Seelsorgern.»

Evelyne Graf

Das «PfarreiForum» im Internet:

www.pfarreiforum.ch

Inhaltsverzeichnis

Die Gabe der Freude Seite 1

Mission: Glauben verändert Seite 2

Zum Priester berufen Seite 3

Vor dem Stabwechsel

im Bistum Seiten 4+5

Familie: «Kess-erziehen» Seite 6

Liturgischer Kalender Seite 7

Sonntagskultur fördern Seite 8

Alfred Dubach:

Mit dem Wind des Wandels Seite 9

Agenda Seite 10

Medientipps Seite 11

Impressum

Herausgeber: Verein Pfarrblatt im Bistum St. Gallen

Webergasse 9, 9004 St. Gallen

Redaktion: Evelyne Graf,

Webergasse 9, Postfach 659, 9004 St. Gallen

Telefon 071 230 05 31, Telefax 071 230 05 32

E-Mail pfarreiforum@free.mhs.ch

www.pfarreiforum.ch

Satz/Layout: rva Druck und Medien AG, Altstätten

Druck: rva Druck und Medien AG, Altstätten

Auflage: 78 000, erscheint 17 im Jahr

Einzelabonnemente (nur Mantel) können bei der

Redaktion bestellt werden.

Adressänderungen beim Pfarramt Ihres Wohnortes

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