Die Gabe der Freude - Pfarreiforum

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Kirchlicher Beruf Zum Priester berufen Mit allen Menschen Gott suchen Eigentlich deutete in meiner Jugendzeit nichts darauf hin, dass ich einmal in die engere Nachfolge Christi treten würde. Geboren und aufgewachsen im Toggenburg, habe ich nach der Schule mein Elternhaus verlassen und bin in die Fremde gezogen, zwischendurch zurückgekehrt, um den Beruf des Bäckers zu erlernen. Danach kam ein Neuaufbruch mit einer Zweitausbildung im kaufmännischen Bereich in Zürich. Der Gedanke, in die Päpstliche Schweizergarde einzutreten, begleitete mich von Kindheit an. Nach anfänglichem Zögern nahm ich 1992 meinen Dienst im Vatikan auf. «Es waren Widerstände da» Ursprünglich wollte ich nach zwei Jahren in die Schweiz zurückkehren und eine Familie gründen. Noch in Rom spürte ich aber, dass es für mich auch einen anderen Weg geben könnte, nämlich den, Christus nachzufolgen im Dienst der Kirche. Anfänglich wehrte ich mich dagegen; es waren Widerstände da, und ich hatte auch keine Ahnung, wie diese Nachfolge konkret aussehen könnte. In den langen, stillen Zeiten des Dienstes als Schweizergardist begann ich mich intensiver mit dieser Frage auseinander zu setzen. Allmählich sah ich klarer und während einer Exerzitienwoche wurde mir deutlich, welchen Weg ich gehen wollte: Priester werden. Nach meiner Rückkehr aus Rom begann ich mit der Ausbildung. Zunächst absolvierte ich in Ebikon die Matura, um anschliessend in München und Innsbruck Philosophie und Theologie zu studieren. Seit August arbeite ich in der Seelsorgeeinheit Balgach- Widnau-Diepoldsau/Schmitter und bereite mich nun auf meinen Beruf als Priester vor. Freundschaft mit Gott Andreas Schönenberger, Priesteramtskandidat in der Seelsorgeeinheit Balgach- Widnau-Diepoldsau/Schmitter Wenn ich zurückschaue, ist die Entscheidung, Jesus Christus nachzufolgen eine Konsequenz meiner bisherigen Geschichte. In meinem Elternhaus habe ich einiges vom christlichen Glauben vermittelt bekommen, dennoch waren nie Zwänge da, dies oder jenes tun zu müssen. Gott seinerseits hat mir auch dann noch die Treue gehalten, wenn mir mein Weg nicht mehr klar erschien. Seine Führung zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Er hat mich immer zur rechten Zeit mit Menschen zusammentreffen lassen, die mir in meiner jeweiligen Situation ein grosser Segen waren. So sind Freundschaften entstanden, zunächst eine tiefere Freundschaft mit Gott, aber auch Freundschaften mit Menschen, die, wie ich, von Gottes Liebe ergriffen sind. Ruf – Aufbruch – Wandel © PfarreiForum/Regina Kühne Es ist dieser Gott, der mir hilft, Zweifel zu überwinden, der mich nicht fallen lässt, der mich begleitet in guten Zeiten, aber auch dann, wenn es nicht so rund läuft. Er ist es, der mich gerufen hat, mein Christsein zu leben, inmitten der Menschen. Dieses Gerufensein bedeutet für mich ein stetiges Aufbrechen und Aufdem-Weg-sein; es heisst auch, offen zu sein für inneres Wachsen und Reifen. Auch wenn ich zweifle und hinterfrage, darf ich trotzdem immer auch hoffen und vertrauen. Mir scheint, Berufung ist nie etwas Abgeschlossenes, wir sind stets neu auf dem Weg zum Ziel, das Gott selber ist. Er hat uns seinen menschgewordenen Sohn, Jesus Christus, an die Seite gestellt; erst durch ihn können wir – konnte ich – meinen Weg klarer erkennen. Er ist mein ständiger und treuer Begleiter; er ist es, der mich trägt in Krisen und der mich Gott preisen lässt. Er ist für mich zum einzigen Abenteuer geworden, das sich wirklich lohnt. Das zu erkennen, war die grösste Entdeckung in meinem Leben. Gott ganz gehören Ich möchte noch etwas erwähnen: Ich verstehe meine Berufung als Berufung zu einem eheloses Leben. Der Pflichtzölibat ist für mich nicht bloss ein verordnetes Diktum der Kirche, das ich als Priester in Kauf nehmen muss. Nein! Ich habe mich bewusst für die Ehelosigkeit entschieden. Sie ist Ausdruck meiner Grundhaltung, ganz Gott zu gehören. Bei allen Schwierigkeiten, welche diese Lebensform mit sich bringt, spüre ich dennoch Zufriedenheit und Gelassenheit. Kraft dazu schöpfe ich unter anderem aus einem Wort von Frère Roger Schutz: «Gott ist derjenige, von dem ich lebe und den ich mit allen suche!» Hinweis Gallus-Opfer: Am 16. Oktober wird die Kollekte für die Theologiestudierenden des Bistums aufgenommen. 3

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