NEBEN DER SPUR - das Programmheft 2014

pynchon

Das ausführliche Programm des Europäischen Festivals der Reiseliteratur NEBEN DER SPUR

eu

N ben

der

Sp r

Europäisches Festival der Reiseliteratur

5. – 9. JUNI 2014

1


Leicht zu leben ohne Leichtsinn, heiter zu sein

ohne Ausgelassenheit, Mut zu haben ohne Übermut,

Vertrauen und freudige Ergebung zu zeigen ohne

türkischen Fatalismus – das ist die Kunst des Lebens.

Theodor Fontane an Emilie Fontane, 21.10.1868

2


Künstlerische Leitung

Otto Wynen und Dr. Peter Böthig

VORAB

Das Europäische Festival der Reiseliteratur »Neben

der Spur« richtet in diesem Jahr seinen Blick erstmals

nach Westen, genauer: nach Großbritannien. Kein

zweiter deutscher Schriftsteller seiner Zeit hat sich

so lange in Großbritannien aufgehalten wie Theodor

Fontane. Die insgesamt fast vier Jahre zwischen 1844

und 1859 waren seine Wander- und Lehrjahre. England

war das Land seiner Sehnsucht und produktiven

Enttäuschung. Hier weitete er sein Blickfeld, seinen

Kenntnishorizont und sein Welt-Bild.

Indem wir die britische Literatur in den Mittelpunkt

des diesjährigen Festivals stellen, werfen wir einen

Blick in die Zukunft und nutzen Bücher, ganz gleich

ob Romane, Erzählungen und Reportagen als ein Erkenntnismedium

in unsicheren und unübersichtlichen

Zeiten und Situationen. Praktische Lebenshilfe kann

Literatur dabei gewiss nicht leisten; aber sie kann die

Leser darin stärken, mit Ungewissheit umzugehen.

Wir begreifen Literatur aber auch und gleichermaßen

als Unterhaltungsmedium. Sie ermöglicht uns Reisen

durch phantasievolle Wirklichkeiten, ohne dass wir

uns den Strapazen und zuweilen auch Enttäuschungen

des wirklichen Reisens aussetzen müssen. Sie holt

das Abenteuer in unser Leben zurück, uns auf Traumpfaden

zu bewegen und uns Imaginationen hinzugeben.

Insofern sind die Erzählungen vom Reisen die

ideale Lektüre für alle, die lieber zu Hause bleiben.

4 5


Inhalt

Grußwort des Bürgermeisters 8

Programmübersicht 10

Fontane-Preis für Literatur 16

Ein Sommer in London 18

Autoren [alphabetisch] 21

Diskussionen im Museum 52

Lesungen in der Kaminbar 53

Moderatoren 54

Ausstellungen 59

Salon Theodor 68

Fontane-Filmtag 71

Veranstaltungsorte 72

Impressum 75

6 7


Liebe Neuruppinerinnen und Neuruppiner,

sehr geehrte Gäste der Fontanestadt,

mit den dritten Fontane-Festspielen begründen wir in

Neuruppin zweifellos eine Tradition, die sich hoffentlich

auch in den nächsten Jahren fortsetzen lassen

wird. Etwa 40 Veranstaltungen rund um den großen

Schriftsteller und Namensgeber unserer Stadt, Theodor

Fontane, werden am Festival-Wochenende vom

5. – 9. Juni 2014 wieder hunderte Besucher überraschen

und erfreuen, eben »fontanisieren«.

Aufgrund der großen Nachfrage vor zwei Jahren sind

die Fontane-Festspiele in vielerlei Hinsicht gewachsen:

Statt zwei bieten nun drei »Grete Minde«-Aufführungen

zwischen Klosterkirche und Ruppiner See ein

szenisch-musikalisches Spektakel der besonderen Art.

Die Anzahl der organisierten Ausflüge »auf Fontanes

Spuren« hat sich nahezu verdoppelt und eine Vielzahl

von Ausstellungen im Stadtgebiet komplettiert das Angebot.

Auch das Europäische Festival der Reiseliteratur

»Neben der Spur« – 2014 mit ca. 20 Lesungen unter

dem Fokus Großbritannien – wird wieder Anlass für

anregende Gespräche geben. Nutzen Sie hierfür am

Abend gerne den »Salon Theodor« im Museumshof!

Mein besonderer Dank gilt der Schirmherrin der

Fontane-Festspiele Frau Kulturministerin Prof. Dr.-Ing.

Dr. Sabine Kunst, der künstlerischen Leitung für die

hervorragende Organisation der Festspiele sowie den

vielen »kleinen und großen« Förderern und Sponsoren!

Sehr geehrte Gäste, entdecken Sie unsere Kulturstadt

zu Pfingsten 2014 ganz neu und erleben Sie die dritte

Auflage unserer erneut hochkarätig besetzten Fontane-

Festspiele Neuruppin! Herzlich Willkommen!

Jens-Peter Golde

Bürgermeister der Fontanestadt Neuruppin

8 9


Mi 04.06.

17.00 Uhr

Galerie Raumglück

Neuruppin

Do 05.06.

17.00 Uhr

Buchkonsum Neuruppin

19.00 Uhr

Kulturkirche

Neuruppin

Fr 06.06.

10.00 Uhr

Schulen

Neuruppin

Programm vom 04. – 09. juni 2014

10.00 – 19.00 Uhr

Museum

Neuruppin

16.00 Uhr

Galerie am Bollwerk

Neuruppin

Vernissage Walking Dreams

Isabella Berr [Fotografie]

Buchpräsentation Herr von Ribbeck

Edition Rieger

ERÖFFNUNG DER FONTANE-

FESTSPIELE NEURUPPIN

mit Verleihung des Fontane-

Literaturpreises der Stadt Neuruppin

Lesungen Barbara Coudenhove-

Kalergi [A], Stephen Kelman [GB],

Johannes Groschupf [D]

Fontane-Filmtag Rosen im

Herbst [1955], Effi Briest [2009],

Irrungen und Wirrungen [1963],

Frau Jenny Treibel [1975]

Vernissage und Bilderbuchvortrag

John Maynard Tobias Krejtschi

[Illustration]

18.00 Uhr

Siechenhauskapelle

Neuruppin

20.00 Uhr

Museumshof

Neuruppin

22.00 Uhr

Café Hinterhof

Neuruppin

22.00 Uhr

Museumshof

Neuruppin

Sa 07.06.

11.00 Uhr

Museum

Neuruppin

12.30 Uhr

Fontane Buchhandlung

Neuruppin

15.00 Uhr

Fontane Buchhandlung

Neuruppin

17.00 Uhr

Museum

Neuruppin

Eröffnungslesung

Christoph Ransmayr [A]

Atlas eines ängstlichen Mannes

Begrüßung durch Dr. Peter Böthig

und Otto Wynen

Stephen Kelman [GB]

Pigeon English

(M) (Ü) (S) Bernhard Robben

Marko Martin [D]

Die Nacht von San Salvador

(M) Andreas Döring (NDR)

Salon Theodor Musik von

Maximilian Müller und Gespräche

zur Nacht

Podiumsdiskussion

Europas englischer Traum

Philip Oltermann [D], Jürgen

Schlaeger [D], Rudolph Muhs [GB]

(M) Andreas Knaesche (RBB)

Vernissage Herr von Ribbeck

Silke Thal [Illustration]

Barbara Coudenhove-Kalergi [A]

Zuhause ist überall

(M) Sieglinde Geisel (NZZ)

Fredy Gareis [D]

Tel Aviv – Berlin

(M) Andreas Knaesche (RBB)

10 11


18.30 Uhr

Beckers Scheune

Wuthenow

20.00 Uhr

Museumshof

Neuruppin

22.00 Uhr

Resort Mark Brandenburg

Neuruppin

ab 22.00 Uhr

Museumshof

Neuruppin

So 08.06.

John Burnside [GB]

In hellen Sommernächten

(M) (Ü) (S) Bernhard Robben

Peter Wensierski [D]

Die verbotene Reise

(M) Katharina Döbler (Die ZEIT)

Andreas Döring liest aus: Inseln

der Illusion – Briefe aus der Südsee

(1912) von Robert James Fletcher

Salon Theodor Musik mit

Whistle Stop und Gespräche zur

Nacht

17.00 Uhr

Gerda´s Cupcake Café

Neuruppin

18.30 Uhr

Galerie am Bollwerk

Neuruppin

20.00 Uhr

Museumshof

Neuruppin

22.00 Uhr

Resort Mark Brandenburg

Neuruppin

Rainer Merkel [D]

Bo

(M) Hendrik Röder

(Brandenburgisches Literaturbüro)

Priya Basil [GB]

Die Logik des Herzens

(M) (Ü) Bernhard Robben

(S) Nadja Schulz-Berlinghoff

Christopher Brookmyre [GB]

Die hohe Kunst des Bankraubs

(M) (Ü) (S) Bernhard Robben

Nicole Kleine liest aus Miss Jemimas

Journal – Eine Reise durch die

Alpen (1863) von Jemima Morell

11.00 Uhr

Museum

Neuruppin

12.00 Uhr

Kunstraum

Neuruppin

15.00 Uhr

Fontane Buchhandlung

Neuruppin

17.00 Uhr

Tucholsky-Museum

Rheinsberg

Podiumsdiskussion

Europäische Metropolen als

Sehnsuchts- und Zufluchtsorte

Barbara Coudenhove-Kalergi [A],

Marko Martin [D], Rainer Merkel [D]

(M) Fredy Gareis

Vernissage Nicht für die Ewigkeit

Lena Jäckel [Malerei]

Katharina Hartwell [D]

Das Fremde Meer

(M) Marion Brasch (RBB)

Hans Christoph Buch [D]

Nolde und ich. Ein Südseetraum.

(M) Knut Elstermann (RBB)

22.00 Uhr

Museumshof

Neuruppin

Mo 09.06.

11.00 Uhr

Tempelgarten

Neuruppin

13.00 Uhr

Kunstraum

Neuruppin

15.00 Uhr

Beckers Scheune

Wuthenow

Salon Theodor Musik mit

Karl die Große und Gespräche zur

Nacht

Wiglaf Droste [D]

Nomade im Speck

Diskussion: Die Wirklichkeit in der

Kunst – zwischen Dokumentation

und Fiktion

Fabian Hischman [D]

Am Ende schmeißen wir mit Gold

(M) Peter Walther

(Brandenburgisches Literaturbüro)

12 13


17.00 Uhr

Siechenhauskapelle

Neuruppin

18.00 Uhr

Up-Hus Idyll

Neuruppin

(M) Moderator/in

(S) Sprecher/in

(Ü) Übersetzer

Marion Brasch [D]

Wunderlich fährt nach Norden

(M) Knut Elstermann (RBB)

Abschlussfest Fontane-

Festspiele Neuruppin mit der

Band Karl die Große

Änderungen vorbehalten!

www.fontane-festspiele.com

Europäisches Festival der Reiseliteratur

6. – 9. Juni 2014

Einzelkarte 5 € | ermäßigt 3 €

Tageskarte 15 € | ermäßigt 10 €

Festivalkarte 50 € | ermäßigt 30 €

Ermäßigt: Schüler, Studenten, Hartz IV Empfänger,

Sozialhilfeempfänger nach SGB II, Schwerbehinderte

ab 75 % und ausgewiesene Begleitpersonen

Zum dritten Male finden Pfingsten 2014 die Fontane-

Festspiele in Neuruppin zu Ehren Theodor Fontanes

statt. Was einerseits so selbstverständlich klingt, ist

andererseits durch und durch ungewöhnlich: es gibt

nämlich nichts Vergleichbares. Fast keinem der großen

deutschen Dichter sind Festtage oder gar Festivals

gewidmet. Und nun schickt sich eine Kleinstadt

wie Neuruppin an, Fontane-Festspiele zu etablieren.

In der gewaltigen Zeitspanne nahezu eines Jahrhunderts

gewann und vermittelte Fontane in seinen

Werken jene heitere Freiheit, die auch und gerade

zu Beginn des 21.Jahrhunderts als Leitstern einer

ebenso weltgewandten wie weltzugewandten Lebenskunst

dient.

Und so würden wir auch gerne unsere Angebote

verstanden wissen: mit dem Europäischen Festival

der Reiseliteratur Neben der Spur erinnern wir an

den einfühlsamen Reiseschriftsteller und großen

Europäer. An Fontane erinnern heißt für uns, ihn lebendig

machen mit den Stimmen heutiger Autoren,

mit den Werken heutiger Künstler. Mit Neugierde,

Experimentierlust und Sympathie Neues entdecken

und schaffen und an Bewahrenswertes erinnern.

Ein Festival aber ist zugleich auch immer viel mehr

als die einzelnen Bestandteile seines Programms:

was ein Festival auszeichnet, ist seine anregende,

gelassen-heitere Atmosphäre, mit der die Kunst für

einige Tage den Alltag belebt und sie zu Feiertagen

macht. Insofern sind die Fontane-Festspiele buchstäblich

Fontane-Feiertage.

14

15


Begründung der Jury zum

Fontane-Preis für Literatur 2014

Christoph Ransmayrs Buch »Atlas eine ängstlichen

Mannes« ist ein Reisebuch der ganz besonderen Art.

Es ist kein Roman, sondern erfindet ein eigenes Genre,

einen erzählten Atlas der Welt. In siebzig Episoden

reist der Leser mit dem Autor zu den entlegensten

und allernächsten Weltgegenden und zu besonderen

Menschen und Begegnungen. Wie in einem Kaleidoskop

entsteht dabei in hoher poetischer Verdichtung

aus winzigen Begebenheiten ein Bild des Menschen

auf der Welt, von seiner Existenz mit und gegen die

Natur.

Christoph Ransmayr hat hier ein »Lebensbuch«, das

vierzig Jahre Reiseerfahrung umfasst, verdichtet.

Siebzig Begebenheiten aus allen Teilen der Welt,

stets beginnend mit der Formel »Ich sah...«, die aus

der Apokalypse des Johannes stammt, fügen sich

dabei zu einem Weltbuch, das in atemberaubenden

Bildern Leben und Sterben, Glück und Schicksal der

Menschen kartographiert. Das erzählende Ich wird

zum Beteiligten und zum Zeugen der Einzigartigkeit

des menschlichen Lebens.

Ransmayrs Episoden vermischen stilistisch die Formen

der Erzählung, der Anekdote, der Skizze und der

Reportage, sie scheren sich nicht um Genrefragen.

Der Autor ist einer der letzten großen »analogen«

Reisenden, die sich auf das verlassen, was sie sehen

und nicht ergoogelt haben. Stets kann sich der Leser

auf die Genauigkeit und den Seelengehalt der Episoden

verlassen, sich dem inneren Kompass des Autors

anvertrauen.

Ransmayr erzählt von den Lachswasserfällen Ontarios,

vom Stierkampf in Sevilla, von der Gnade des Fischers

seinem einzigen gefangenen Hummer gegenüber,

von den Menschen der Osterinseln und an der

chinesischen Mauer oder von den Entbehrungen einer

laotischen Fischerfamilie. Der reisende Erzähler staunt

über die Welt, kein noch so verdecktes Detail bleibt

ihm verborgen. Das Staunen, aber auch die Angst, die

Welt könnte ihre Erhabenheit, Schönheit und Struktur

verlieren, ist den Geschichten eingeschrieben. Viele

dieser Erzählminiaturen sind kleine Meisterwerke:

dicht, poetisch, anrührend. Immer geht es um den

Menschen, seine Geschichte, sein Schicksal.

»Geschichten ereignen sich nicht. Geschichten werden

erzählt«, schreibt der Autor im Vorwort. Wie Fontane sich

und seinen Lesern die märkische Topografie in ihrer Breite

und ihrer Tiefe erzählend erschloss, so skizziert Ransmayr

in seinem Erzählwerk die Größe und die Schönheit,

die Tiefe und die Tragik des »globalen« Menschen.

Christoph Ransmayr: Atlas eines ängstlichen Mannes

© S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2012

Für die Jury: Dr. Peter Böthig, Dr. Regina Dieterle,

Dr. Delf von Wolzogen, Hendrik Röder,

Prof. Dr. Jürgen Schlaeger CBE FEA

16 17


THEODOR FONTANE Das Leben ein Sturm

Glückliches Land im Süden, dessen großer Dichter

niederschreiben konnte: »das Leben ein Traum«, und

armes, gepriesenes Land du, das du die Seligkeit des

Träumens nicht kennst und immer wach und wirklich

dein Lehen abhaspelst wie im Sturm. Als ich noch jünger

war, da kniet‘ ich bewundernd zu den Füßen der

Tat, da galt mir das Schwert und der Arm, der es führte,

da hing mein Auge an der Kaisergestalt Barbarossas

und mein Herz jubelte auf, wenn ich ihn einziehen

sah in die Tore Mailands, den Welfentrotz unterm Hufschlag

seines Pferdes. Die Knabentage sind dahin. Ich

habe seitdem anderes lieben gelernt: den Geist erst,

dann das Recht und zuletzt die Muße, die Beschauung,

die Vorbereitung auf das, was da kommt. Es ist was in

mir, das mich mit unwiderstehlicher Sehnsucht zu dem

zerlumpten Lazzarone hinzieht, der an der Tempelschwelle,

gebräunt und lächelnd, in den ewig-blauen

Himmel emporschaut; es ist was in mir, was mich den

Diogenes mehr bewundern läßt, als den Mann, der vor

ihm in der Sonne stand, und was – wenn ich zwischen

Extremen wählen soll – mir den Orden von La Trappe

größer und beneidenswerter erscheinen läßt, als die

London-City mit ihrem Leben ein Sturm.

Wir haben ein schönes, vielgesungenes Lied, ein Lied

von der »Hoffnung«, drin das Beste was der Mensch

hat: seine Sehnsucht nach einem Genüge das jenseits

liegt, den dichterischen Ausdruck fand:

Nach einem glücklichen, goldenen Ziel

Sieht man sie rennen und jagen.

Ach, unbewußt und nicht in seinem Sinne schrieb

der Dichter in diesen Zeilen die Geschichte und den

Fluch dieser Stadt, denn ihr Tagewerk ist »rennen

und jagen«, und ihr Ziel ist – Gold; nur eines täuscht

sie – das Glück; es neckt sie wie die Spiegelung den

Wüstenwanderer, und zu dem Verdurstenden spricht

es in seiner letzten Minute: Dein Gold war Sand. Wer

löste das große Rätsel von des Menschen Glück, und

wer lehrte uns, »wie« und »wo« es sicher zu finden?

Aber eines fühlt sich: das Menschenglück ruht wo anders,

als in der Bank von England. Glück! es ist nicht

zu sagen, was du bist, aber es ist zu zeigen, wer dich

hat. Der fromme Geistliche hat dich, der, selbst an den

Trost glaubend, den er eben noch am Lager eines Sterbenden

spendete, nun sinnend durch die Gänge seines

Gartens schreitet und Samen in die Beete streut,

hoffend auf die ewige Frühlingserfüllung. Glück! der

Arzt hat dich, dessen geschickte Hand eine Mutter ihren

Kindern wiedergab und der, heimgekehrt zu seinen

Büchern, weiter forscht in dem Wald überlieferter

Erfahrung. Glück! jene Waschfrau hatte dich, von

der uns Chamisso erzählt, die Freude hatte an ihrem

selbstgesponnenen Sterbehemd und es sonntags anlegte,

wenn sie zur Kirche und Erbauung ging. Glück!

es haben dich alle, die eingedenk, daß wir mehr sind

als ein galvanisierter Leib, ihrem unsterblichen Teile

leben, jeder nach seiner Art.

18 19


Dem Menschen ist das Wissen von dem verlorengegangen,

was ihm not tut. … Dies ameisenhafte Schaffen

bemächtigt sich der Gemüter mit der Ausschließlichkeit

einer fixen Idee und die reiche Menschenseele

mit ihren tausend Kräften und Empfindungen kommt

in die Tretmühle des Geistes und stapft und stapft. Es

fördert vielleicht, nur nicht sich selbst. Des Lebens Reiz

verblasst und die ungeübten Kräfte versagen endlich

ihren Dienst. Weihnachten kommt mit seinen roten Backen

an Äpfeln und Kindern; verlegen lächelnd steht er

vor dem Lichtermeer und denkt an das Meer da draußen,

auf dem seine Schiffe tanzen. Ein Jugendfreund

kommt; »o ging er wieder!« ist alles, was er fühlt. Seine

Schwester stirbt; er erbricht den schwarzgeränderten

Brief und liest und kann nicht weinen. Spät nachts wirft

er sich aufs Lager, die Erinnerung ärmerer Tage beschleicht

ihn, er sieht sich wieder spielen in seines Vaters

Garten und – die Träne kommt. Aber sie gilt nicht

der toten Schwester, sie gilt ihm selbst.

Vorgestellt –

Die Autoren des festivals

Glückliches Volk im Süden, das lacht und träumt!

Armes, reiches Volk mit deinem Leben ein Sturm.

Theodor Fontane: Ein Sommer in London

20 21


So 08.06.2014

18.30 Uhr

Galerie am Bollwerk

An der Seepromenade 10

Neuruppin

PRIYA BASIL (GB)

Die Logik des Herzens

(M) Bernhard Robben

(S) Nadja Schulz-Berlinghoff

Priya Basil geboren 1977 und in Kenia aufgewachsen,

studierte englische Literatur in Bristol und lebt heute

in London und Berlin. Neben ihrem Engagement für

weltweite Waffenkontrolle begründete sie die Aktion

AUTHORS FOR PEACE mit. Ihr Werk wurde für zahlreiche

Preise nominiert, darunter für den renommierten

IMPAC-Preis.

Alle saßen im Gemeinschaftsraum des Mitarbeiterquartiers:

ein kleiner Compound mit Bungalows, eine halbe

Autostunde östlich des Hauptlagers.

Lina erkannte die Gesichter um sie herum, hörte die

Stimmen, spürte, wie jemand ihre Hand nahm – und

hatte doch das Gefühl, gar nicht im Zimmer zu sein. Sie

befand sich noch immer auf dieser Straße und begriff,

dass Dahabs Leichnam vor ihr lag. Was, wenn er mit

einer der Waffen getötet worden war, die aus Nairobi

kamen, in Flugzeugen, die sie selbst benutzt hatte?

War sie nun deswegen schuldig? War sie indirekt verantwortlich

für diesen Mord? Fragen, die sie seit ihrer

Entscheidung für die Hochzeit mit Anil beiseitegeschoben

hatte, drängten sich plötzlich in den Vordergrund.

Sie war in die Sache verwickelt. Daran führte kein Weg

vorbei. Sie war beteiligt, durch alles, was sie wusste,

und alles, was sie unterlassen hatte.

Priya Basil: Die Logik des Herzens

© Schöffling & Co., Frankfurt 2012

22 23


Mo 09.06.2014

17.00 Uhr

Siechenhauskapelle

Siechenstraße 4

Neuruppin

MARION BRASCH (D)

Wunderlich fährt nach Norden

(M) Knut Elstermann

Marion Brasch 1961 in Berlin geboren, arbeitete nach

dem Abitur und einer Ausbildung zum Schriftsetzer

zunächst bei diversen Verlagen und beim Komponistenverband

der DDR, später beim Radiosender DT64,

bei Radio Fritz, Radio Brandenburg und Radio Eins,

wo sie nach wie vor tätig ist.

Zu Hause angekommen, duschte Wunderlich und

kochte sich einen Kaffee. Er hatte einmal einen Film

gesehen, in dem ein Mann mit dem Zug nach Finnland

fuhr. Ein einsamer Mann in einer melancholischen

Landschaft. Ich bin auch einsam und melancholisch,

dachte er, zog seinen alten Schul-atlas aus dem Bücherregal

und legte ihn vor sich auf den Tisch. Finnland ist

gut, dachte er und schlug die Nordeuropa-Karte auf.

Nicht so weit weg, aber weit genug. Außerdem hatte

er in letzter Zeit genug verdient, dass er sich einen

Urlaub würde leisten können. Oder lieber Norwegen?

Sein Freund Hans fuhr jeden Sommer nach Norwegen

zum Angeln. »Kopf leerfischen«, nannte er das. Einmal

hatte er ihn mitgenommen, doch während Hans

alle paar Minuten irgendwas aus dem Wasser zog, fing

Wunderlich keinen einzigen Fisch. Und während sein

Freund seinen Kopf leerfischte, füllte sich der seine mit

schlechter Laune und lärmendem Heimweh.

Marion Brasch: Wunderlich fährt nach Norden

© S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2014

24 25


So 08.06.2014

20.00 Uhr

Museumshof

Fischbänkenstraße 3

Neuruppin

CHRISTOPHER BROOKMYRE (GB)

Die hohe Kunst des Bankraubs

(M) (Ü) (S) Bernhard Robben

Christopher Brookmyre 1968 in Glasgow geboren,

arbeitete als Journalist in London, Los Angeles

und Edinburgh. 1996 erschien sein erster Roman in

England, 2012 erstmals ein Buch in deutscher Übersetzung:

Wer schlafende Hunde weckt. Brookmyre

wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, u.a. mit

dem Sherlock Award for Best Comic Detective Novel.

Dummerweise zogen Geldautomaten überall auf der

Welt immer auch Obdachlosenzeitungsverkäufer an,

deren Nähe jeden Straßenmusiker in den Ruin treiben

konnte. Andy hatte nichts gegen die armen Schweine,

aber Geschäft war Geschäft, und es war nun mal

so, dass man sein etwaiges Wechselgeld nach einer

Konsumorgie auf dem Rückweg zum Parkhaus lieber

dem echten, ausgewiesenen Obdachlosen zusteckt als

dem Pseudohippie-Studenten, der sich ja immerhin

noch die Zwölfsaitige leisten konnte, auf der er No

Surprises herunterklampft. Andy stand zum Glück

zwanzig, dreißig Meter von der Bank entfernt, weit

genug außerhalb des Einflussbereichs des nächsten

Zeitungsverkäufers; also konnte er auf das Geld der

Leute hoffen, die jenen noch nicht erreicht hatten…

In der Mikroökonomie der Straßenmusik gab es also

nur wenige Konstanten… Doch ein Zufallsfaktor hatte

ihm nichts als Ärger gebracht und den Fußgängerverkehr

um seinen Standort herum stärker beschleunigt

als jeder kotzverschmierte Alki mit Buckfast-

Flasche…Seit drei Wochen diente nämlich die Stelle

auf halbem Weg zwischen Handyladen und Bank

diesem schwafelnden Jesus-Junkie mit Rauschebart

als Open-Air-Kanzel.

Christopher Brookmyre: Die hohe Kunst des Bankraubs

© Galiani Verlag Berlin, Berlin 2012

26 27


So 08.06.2014

17.00 Uhr

Kurt Tucholsky

Literaturmuseum

Schloss Rheinsberg

Hans Christoph Buch (D)

Nolde und Ich – Ein Südseetraum

(M) Knut Elstermann

Hans Christoph Buch wurde 1944 in Wetzlar geboren.

Sein Vater war im diplomatischen Dienst und so

wuchs Buch in Wiesbaden, Marseille und Kopenhagen

auf. Im Zentrum seiner Literatur stehen die Probleme

und Spannungen postkolonialer Gesellschaften.

H. C. Buch war immer ein Autor, der sich politisch einmischte

– bis heute reist er als Reporter in die Spannungsgebiete

Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.

Auf der Weiterfahrt zu der einsam gelegenen Insel

Maronne überquerte die Prinz Waldemar den Äquator.

Um dem Saufgelage zu entgehen, mit dem Passagiere

und Mannschaft die Äquatortaufe feierten, zog Nolde

sich in die Kajüte zurück – der Meeresgott Neptun

hatte ihn bereits getauft. Ada stand mit Fräulein Arnthal

am Vordersteven des Schiffs, das wie ein Samuraischwert

die Wogen durchschnitt. Der Mond spiegelte

sich im Schaum der Bugwelle, in der Leuchtalgen

glitzerten; verfolgt von Delphinen, die wie Nixen oder

Najaden auf- und wieder eintauchten, klatschte ein

Schwarm Fliegender Fische auf Deck, als etwas Unvorhergesehenes

geschah: Ein chinesischer Matrose, dem

die Hitze im Maschinenraum den Kopf verdreht hatte,

sprang, Kühlung suchend, über Bord. Die Mannschaft

warf Rettungsringe aus und machte ein Rettungsboot

klar, aber ein im Kielwasser schwimmender Hai durchkreuzte

ihre Bemühungen. Das Meer färbte sich blutrot.

Ada wandte den Blick ab und legte den Arm um

Fräulein Arnthal, die sich, an die Reling geklammert,

würgend übergab.

Hans Christoph Buch: Nolde und Ich – Ein Südseetraum

© Die Andere Bibliothek, Berlin 2013

28 29


Sa 07.06.2014

18.30 Uhr

Beckers Scheune

Dorfstraße 19 A

Wuthenow

JOHN BURNSIDE (GB)

In hellen Sommernächten

(M) (Ü) (S) Bernhard Robben

John Burnside geboren 1955 in Schottland, ist einer

der profiliertesten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur.

Der Lyriker und Romancier wurde vielfach

ausgezeichnet, unter anderem mit dem Corine-

Belletristikpreis des ZEIT-Verlags, dem Petrarca-Preis

und dem Spycher-Literaturpreis.

Das Flugzeug kreiste kurz über der Insel, um dann

nach Süden abzudrehen, und im selben Moment verschwand

die Welt, wie ich sie kannte. Draußen blies

Bieggaålmaj über die Finnmarksvidda heran, ein kalter

Wind, der zuvor über die Mongolei gefegt war und

den Rauch aus den Jurten der Pferdehirten, das Blau

der Steppe gestreift hatte, denn dieser Wind, dieser

Geist, besaß ein Gedächtnis, das Ewigkeiten umspannte,

über alle Örtlichkeiten, Äonen und Jahreszeiten hinaus,

und sich an andere Orte, andere Jahreszeiten erinnerte,

an andere Menschen, die in ihren Siedlungen

schliefen und träumten, überall entlang des Wegs von

hier bis Kamtschatka. Für ihn klangen unsere vielen

Geschichten gleich, selbst die Geschichte, in der ich

vorkam und zu einem Mann reiste, den ich nicht nur

nie gesehen, sondern auch nie für ein für ein Wesen

aus Fleisch und Blut gehalten hatte.

John Burnside: In hellen Sommernächten

© Albrecht Knaus Verlag, München 2012

30 31


Sa 07.06.2014

15.00 Uhr

Fontane-Buchhandlung

Karl-Marx-Straße 83

Neuruppin

BARBARA COUDENHOVE-

KALERGi (A)

Zuhause ist überall

(M) Sieglinde Geisel

Barbara Coudenhove-Kalergi geboren 1932 in Prag,

wurde 1945 als Prager Deutsche vertrieben und lebt

seither in Österreich. Nach Stationen u.a. bei der

Presse, der Arbeiter-Zeitung und bei profil kam sie

Mitte der 1970er Jahre zum ORF. Bis heute ist sie

ständige Kolumnistin der Tageszeitung Der Standard

und unterrichtet Asylwerber.

Der Weg ist endlos. Der Zug ist kilometerlang, wir

sehen weder seinen Anfang noch sein Ende. Einmal

hören wir Schüsse. Was ist los? Versprengte Wlassow-

Soldaten, so heißt es, haben das Ende des Zuges überfallen.

Sie haben zuletzt an der Seite der Tschechen

gegen die Deutschen gekämpft und kurz vor dem Einmarsch

der Sowjets in Prag Hals über Kopf die Stadt

verlassen, Stalins Rache für ihre frühere Zusammenarbeit

mit Nazideutschland fürchtend. Zu recht. Sie werden

später alle an die Sowjetunion ausgeliefert. Fast

keiner von ihnen hat überlebt.

Wir machen kurze Rast in einer leeren Fabrik. Der Tiefpunkt

kommt, als Mamis Hausschuhe den Geist aufgeben.

Diese sitzt jetzt im Straßengraben und weint, zum

ersten Mal. Sie ist fix und fertig. Nie hat sie die Nerven

verloren, nie Angst gezeigt. Und solange sie ruhig und

heiter war, war auch für mich die Welt in Ordnung.

Nun wird mir angst und bange. Was sollen wir jetzt

machen? Wie soll Mami weitergehen ohne Schuhe?

Barbara Coudenhove-Kalergi: Zuhause ist überall

© Zsolnay Verlag, Wien 2013

32 33


Mo 09.06.2014

11.00 Uhr

Tempelgarten

Präsidentenstraße 64

Neuruppin

Wiglaf Droste [D]

Nomade im Speck

Wiglaf Droste geboren 1961 in Herford, ist Satiriker,

Autor und Sänger. Er ist Mitherausgeber der kulinarischen

Vierteljahreszeitschrift Häuptling Eigener

Herd. Zuletzt erschien sein Buch Schalldämpfer.

Wiglaf Droste erhielt 2003 den Ben-Witter-Preis, 2005

den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis und 2013 den

Peter-Hille-Literaturpreis.

Der Reisende

Einen kenne ich, der so nichtsesshaft ist, dass er zwei

Wohnungen hat und trotzdem meistens in keiner von

beiden lebt. Herrlich sei das Reisen, sagt er, man lege

sich als glühendes Eisen in die Herdfeuer der Welt. Die

Herdfeuer brennen aber doch bei den Sesshaften, wie

geht das zusammen? Bestens, sagt der Reisende; gerade

weil er keiner von ihnen ist, mag er Sesshafte gern,

und sie mögen ihn aus demselben Grunde auch.

Er bleibt nie zu lange, und sie bringen soviel zustande,

schwärmt er. Das Leben häuft sich wie von alleine an

bei ihnen, alles ist da, Hundkatzemaus, Auto, Rasensprenger,

Geschirrspüler, Chaos und Gewusel, und für

einen mehr am Tisch ist immer Platz. Die Sesshaften

ziehen Kinder groß, wissen alles über Masern, Mumps

und Meerschweinchen, und wann immer man sie besucht,

sind sie viel zu k.o., um unglücklich zu sein.


Meiden muss der Reisende Einliegewohner, also

solche, die ihr Leben aus Trägheit in Sesshaft verbringen,

viel lieber anderswo wären, sich aber nicht

aufraffen können und dann den Reisenden unfroh,

neidisch nörgelnd und schweinchenschlauhaft anäugeln

und ihn inquisitionieren: »Wovor läufst du

eigentlich weg?

Wiglaf Droste: Nomade im Speck.

© Kolumne in NZZ FOLIO, März 2014

34 35


Sa 07.06.2014

17.00 Uhr

Museum Neuruppin

August-Bebel-Straße 14/15

Neuruppin

FREDY GAREIS [D]

Tel Aviv – Berlin

(M) Andreas Knaesche

Fredy Gareis, 1975 in Alma-Ata, Kasachstan geboren,

arbeitet seit 2007 als freier Journalist. Früh begann

er durch die Welt zu reisen, etwa nach Sibirien, wo

er seiner Familiengeschichte bis an den Himbeersee

folgte. 2010 – 2012 berichtete er als freier Korrespondent

aus Israel und dem Nahen Osten u.a. für Der

Tagesspiegel, Die Zeit und Deutschlandradio.

Mein Rad fühlt sich schwer an unter mir. Es ist ein solides

Teil aus Stahl mit zwölf Gängen, noch gebaut in

Westdeutschland. Die Kette, die Reifen – alles noch

original, also mehr als 20 Jahre alt. Dafür hat es nur 90

Euro gekostet. Ich habe es auf eBay geschossen. Ich

muss mich erst noch daran gewöhnen, navigiere es wie

einen schweren Tanker durch das sanft dahinwogende

Meer aus Menschen, ihre mediterrane Bräune leuchtet

im hellen Schein der Januarsonne.

Wenn das Meir Dizengoff, der erste Bürgermeister Tel

Avivs, sehen könnte, diesen puren Hedonismus, diese

friedvolle Strandbesatzung. Der wollte nämlich das

Gelände am liebsten industriell erschließen. Weil er

sich nicht vorstellen konnte, warum Juden Interesse

am Baden zeigen sollten. Der Journalist Sholem Asch

hingegen schrieb 1937: »Jeder Jude hat zwei Bitten an

Gott: einen Platz im Paradies im Jenseits – und im Diesseits

einen Platz am Strand von Tel Aviv.« Die Stadt als

leuchtender Gegenentwurf zu den grauen und ärmlichen

Schteteln im östlichen Europa.

Fredy Gareis: Tel Aviv – Berlin

© Piper Verlag, München 2014

36 37


So 08.06.2014

15.00 Uhr

Fontane-Buchandlung

Karl-Marx-Straße 83

Neuruppin

KATHARINA HARTWELL (D)

Das Fremde Meer

(M) Marion Brasch

Katharina Hartwell 1984 in Köln geboren, studiert seit

2010 am Deutschen Literatur-institut in Leipzig. Im

selben Jahr erschien ihr Erzählungsband Im Eisluftballon.

Katharina Hartwell war u. a. Gewinnerin des

MDR-Literaturpreises und Stipendiatin der Jürgen-

Ponto-Stiftung und des Landes Hessen. 2013 war sie

Sylter Inselschreiberin. Das Fremde Meer ist ihr erster

Roman.

Bald bemerkt Jasper, dass sich niemand hier in die Augen

schaut. Die Reisenden starren die Wände an, den

Boden und die Decke. Es ist, als könnten sie das Schiff

nicht sehen und auch nicht die, die mit ihnen reisen.

Beinahe fällt Jasper über einen Mann, der auf einem

ausgeblichenen Teppich sitzt und die verwaschenen

Ornamente darauf so eindringlich mustert, als gäben

sie ihm ein Rätsel auf. Der Mann hat den Kopf zur Seite

geneigt, als lausche er einem schwer verständlichen

Bericht. Auch Jasper horcht in den Raum, lauert auf

das kleinste Geräusch, bis ihm die Stille in den Ohren

schmerzt, sie ist ein lautes Summen, sie ist ein schwerer

Stoff. Sogar in ihren Bewegungen sind die Passagiere

lautlos, keine Schritte und kein Schlurfen kündigen

sie an, ihre Füße berühren nicht den Boden. Ihre

Kleidung raschelt nicht, niemand hüstelt, spricht oder

flüstert. Den nächsten menschlichen Schatten packt

Jasper bei den Schultern und fragt ihn, wo genau sie

sich befinden, wohin die Reise geht.

Wieder erhält er keine Antwort.

Katharina Hartwell: Das Fremde Meer

© Berlin Verlag, Berlin 2013

38 39


Mo 09.06.2014

15.00 Uhr

Beckers Scheune

Dorfstraße 19 A

Wuthenow

FABIAN HISCHMANN (D)

Am Ende schmeissen wir mit

Gold

(M) Peter Walther

Fabian Hischmann geboren 1983 in Donaueschingen,

lebt in Berlin. Er studierte Kulturwissenschaften und

Literatur am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.

2011 erhielt er das Bremer Autorenstipendium. Er

veröffentlichte Kurzgeschichten in verschiedenen

Zeitschriften und Anthologien. Am Ende schmeißen

wir mit Gold ist sein Debütroman.

Der ICE rollt über flaches Land. In Niedersachsen halten

wir auf einer Brücke, Signalstörung, eine Gruppe

Kanuten winkt aus dem Strom nach oben.

Als ich zwischen Fulda und Hanau aus einem gekrümmten

Schlaf erwache, schaue ich in die Augen eines

popelnden Kindes. Es sitzt schräg gegenüber und

isst den Schnodder. Sein Blick ist tief und böse.

Das Ende der Sommerferien macht mir Angst.

Frankfurt am Main und seine Hochhäuser rücken

näher, ich schiebe die DVD in den Rechner: Jacques

Cousteau steht am Bug der Calypso und blickt auf den

Ozean.

Mit jedem Halt werden die Bahnhöfe kleiner, die Berge

immer höher.

Der Schaffner kontrolliert mich. Er spricht den regionalen

Dialekt und hat eine leichte Fahne. Vor den

Fenstern wirbeln Pollen, fällt der dichte Nadelwald in

Schluchten. Ich sehe Radfahrer auf steilen Straßen, die

sich etwas beweisen wollen. Frisch geschorene Schafe

dösen am Hang, die Sonne steht hoch und scheint auf

meine nackten Beine. Kurz überlege ich mich einzucremen.

Als würde ich in den Urlaub fahren.

Fabian Hischmann: Am Ende schmeissen wir mit Gold

© Berlin Verlag, Berlin 2014

40 41


Fr 06.06.2014

20.00 Uhr

Museumshof

Fischbänkenstraße 3

Neuruppin

STEPHEN KELMAN (GB)

Pigeon English

(M) (Ü) (S) Bernhard Robben

Stephen Kelman geboren 1976 in Luton, einem

Arbeiterviertel im Norden Londons. Er arbeitete als

Altenpfleger, Lagerarbeiter und Verwaltungsgehilfe.

Mit Pigeon English, seinem ersten Roman, wurde er

2011 für den Man Booker Prize, den wichtigsten britischen

Literaturpreis nominiert. Pigeon English wurde

in fast 30 Länder verkauft.

Ich schwör bei Gott, zuerst dachte ich, ich träume. Es

kam einem gar nicht echt vor. Ich dachte, unter der

Erde wären nur Morast, Knochen und die Geschöpfe,

die dort leben, und als ich die ganzen Tunnels, Lichter

und Leute sah, musste ich mich kneifen. Da war sogar

ein Mann, der Geige spielte. Er hatte lange Haare in

einem Pferdeschwanz, obwohl er ein Mann war. Ichschwör,

das war ein voll lustiges Gefühl. Seid ihr mal

in der U-Bahn gewesen? Da sind überall Tausende von

Menschen, die alle zu schnell gehen. Sie reden nicht

mit dir, sie stoßen dich nur mit ihren Ellbogen aus dem

Weg. Die Treppen, die an runtergeht, bewegen sich,

es sind die gleichen wie die am Flughafen. Man kann

so tun, als wären es Asasabonsams Zähne, die einen

fressen wollen. In die Mitte haben sie so Hindernisse

gemacht, damit man nicht runterrutschen kann. Das

ist ätzend. Ichschwör, wenn ich jemals eine Rolltreppe

ohne Hindernisse sehe, rutsche ich bis ganz nach unten!

Das ist jetzt mein neuer Ehrgeiz.

Stephen Kelman: Pigeon English

© Berlin Verlag, Berlin 2011

42 43


Fr 06.06.2014

22.00 Uhr

Café Hinterhof

R.-Breitscheid-Str. 38

Neuruppin

MARKO MARTIN (D)

Die Nacht von San Salvador

(M) Andreas Döring

Marko Martin wurde 1970 in Burgstädt/Sachsen

geboren, verließ im Mai 1989 als Kriegsdienstverweigerer

die DDR. Wenn er sich nicht gerade auf

Reisen durch allerlei Krisengebiete befindet, lebt und

schreibt Marko Martin in Berlin. Marko Martin ist

Mitglied der Internet-Plattform Die Achse des Guten

sowie des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren

im Ausland.

Wieso Monate? Von Jahren rede ich. Vor und zurück in

dieser gottverfluchten Gegend, Berge und Täler, und

dann doch Militärkontrollen und wir: Aber wir wohnen

seit Jahrzehnten hier, Genossen, wollt ihr uns nicht

glauben, seht mal, da sind unsere Bambushütten und

dort das Kochgeschirr und da auch unsere schönen

Mädchen, sogar Blonde sind dabei, haha. Und danach,

trotzdem die abgefackelten Hütten. Schöne Mädchen,

die nicht wiederkamen. Männer mit Kopfschuss, in ihrem

Blut neben den Kochstellen. Lehmerde, Palmblätter,

Messingkessel. Weibergeschrei, Mücken und immer

wieder diese Monsunregenfälle, die dir alles noch

Verbliebene fortschwemmen. Moras und Geschwüre.

Und nichts von dem, was ihr Romantik nennt, klar?

Und Flüge nach Kalifornien erst recht nicht, ins Land

der Beach Boys. Kennst du die alten Songs, ich bin später

mal dort gewesen, von San Diego bis hoch nçach

Frisco, dann rüber nach Sacramento. Haben keine Ahnung

von nichts, Sonne für hirnlose Köpfe, Creme für

ihre Supermuskeln und in allen Räumen air condition,

damit sie die Wirklichkeit nicht spüren.

Marko Martin: Die Nacht von San Salvador

© Die Andere Bibliothek, Berlin 2013

44 45


So 08.06.2014

17.00 Uhr

Gerdas Cupcake Café

An der Seepromenade 10a

Neuruppin

RAINER MERKEL (D)

Bo

(M) Hendrik Röder

Rainer Merkel 1964 in Köln geboren, hat Psychologie

und Kunstgeschichte studiert und lebt in Berlin.

Von 2008 bis 2009 arbeitete er für Cap Anamur im

einzigen psychiatrischen Krankenhaus Liberias. 2012

erschien seine Reportage Das Unglück der anderen.

Kosovo, Liberia, Afghanistan, 2013 der Roman Bo.

Es war Regenzeit, und alle Straßen außerhalb der

Hauptstadt waren unpassierbare Schlammpisten mit

riesigen Pfützen, und oft verwandelte sich die Straße

in einen kleinen See, aus dem sie, wenn es zu regnen

aufhörte, als fürchterliche Schlammwüste wieder auftauchte.

Selbst die großen Jeeps mit Allradantrieb und

den riesigen Seilwinden an ihren Stoßstangen, mit denen

ssie sich selbst aus dem Matsch ziehen konnten,

kamen dort manchmal nicht weiter. Max umkurvte

zwei Wasserlöcher und schaltete in den ersten Gang,

um sich langsam einen kleinen Hügel hinaufzuquälen.

Das alte, klapprige Taxi ächzte und keuchte, die Windschutzscheibe

wackelte und vibrierte, so dass Max

befürchtete, sie würde aus ihrem Rahmen fallen und

es würden sich Tausende kleine Scherben ins Wageninnere

ergießen. Benjamin schüttelte den Kopf. Zumindest

sah es so aus. »Na, wenn du meinst,« sagte

Max. »Aber ich habe dich gewarnt. Bei dem Auto weiß

man nie. Es kann jeden Moment den Geist aufgeben.«

Er legte seine Hand auf das Armaturenbrett. Er wollte

dem Auto gut zureden. Er wollte ihm Mut machen.

Man musste Geduld mit ihm haben.

Rainer Merkel: Bo

© S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2013

46 47


Fr 06.06.2014

18.00 Uhr

Siechenhauskapelle

Siechenstraße 4

Neuruppin

CHRISTOPH RANSMAYR (A)

Atlas eines ängstlichen Mannes,

Begrüßung: Dr. Peter Böthig/Otto

Wynen

Christoph Ransmayr wurde 1954 in Wels/Oberösterreich

geboren und studierte Philosophie in Wien, wo er

nach Jahren in Irland und auf Reisen wieder lebt. Für

seine Bücher, die bisher in mehr als dreißig Sprachen

übersetzt wurden, erhielt er zahlreiche literarische Auszeichnungen,

unter anderem gemeinsam mit Salman

Rushdie, den Prix Aristeion der Europäischen Union.

Daß dieses unter der Märzsonne glühende, wüste Stück

Land überhaupt in Sicht gekommen war, lag an einem

Hunderte Seemeilen langen Ausweichmanöver, mit

dem der Kapitän die Ausläufer eines riesigen, von Kap

Hoorn ausgehenden Sturmtiefs umschiffen wollte. Die

Dünung, selbst hier und bei strahlendem Himmel immer

noch acht bis zehn Meter hoch, ließ bedrohliche

Rückschlüsse auf die Wellenhöhen und Sturzseen in

unserem ursprünglichen Fahrwasser zu.

Der Name Friedlicher oder Stiller Ozean, hatte der

Kapitän seine allmorgendlichen, über Bordlautsprecher

bis an festgeschraubte Betten und Frühstückstische

übertra genen Durchsagen zu Position, Luftdruck,

Seegang und Kurs beendet, sei schon zur Zeit seiner

ersten Befahrung durch europäische Seeleute bloß der

Name einer vergeblichen Hoffnung gewesen. Der Pazifik,

hier im Süden oder Tausende Seemeilen weiter

in alle Richtungen der Windrose, sei weder stiller noch

friedlicher als andere, auf weniger schöne Namen getaufte

Meere und erhebe sich nicht anders als diese

unter dem Druck von Stürmen und der Anziehungskraft

des Mondes zu Wassergebirgen, die man ohne

Not besser nicht durchquerte.

Christoph Ransmayr: Atlas eines ängstlichen Mannes

© S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2012

48 49


Sa 07.06.2014

20:00 Uhr

Museumshof

Fischbänkenstraße 3

Neuruppin

PETER WENSIERSKI (D)

Die verbotene Reise

(M) Katharina Döbler

Peter Wensierski geboren 1954, arbeitet seit 1993 als

Dokumentarfilmer, Reporter und Buchautor. Seit 1979

hat er als jüngster westlicher Reisekorrespondent jahrelang

aus der DDR berichtet. 2006 hat er mit seinem

Buch Schläge im Namen des Herrn als Erster über die

Missstände in der westdeutschen Heimerziehung der

fünfziger und sechziger Jahre geschrieben.

Nur an ein einziges Mal könne er sich erinnern, als seinem

Bewegungsdrang Grenzen gesetzt wurden.

Mit fünf oder sechs Jahren bin ich einmal alleine bei

meiner Oma gewesen, ohne meine Eltern. Ich hatte

mein erstes Fahrrad mit dabei. Sie ließ mich damit

tagsüber draußen herumfahren. Abends habe ich erzählt,

wo ich überall gewesen war. Sie regte sich auf:

Da warst du doch zwanzig Kilometer weit weg mit dem

Fahrrad, mein Gott, Kind! Und ich erwiderte: Aber

wenn ich beim Hinfahren genau aufpasse, kenn’ ich

doch den Weg. Und so finde ich immer wieder zurück.

Aber sie war so schockiert, dass sie bei meiner Mutter

anrief und bat, mich wieder abzuholen: Das kann ich

nicht verantworten, der Kleine macht was er will.

Er schenkte ihr noch Tee nach.

Wenn ich eine Idee hab’, dann will ich sie auch realisieren!

Und wenn man es einmal geschafft hat, weiß

man doch, dass man es wieder kann. Ob du es wirklich

schaffst, ist vielleicht noch offen. Damals als Kind hab’

ich geglaubt, das kann ich einfach.

Peter Wensierski: Die verbotene Reise

© Deutsche Verlags-Anstalt, München 2014

50 51


Diskussionen im Museum

Europa ist geopolitisch längst nicht (mehr) die Insel der

Seligen, der Kontinent eines paradiesischen Friedens. In

Zeiten globaler Veränderungen muss Europa sich finden

und neu erfinden. Vielleicht ist Europa ja eine bisher

uneingelöste Utopie – für die Europäer selbst wie für die

Menschen, die weltweit aus Krisengebieten fliehen, um

in das gelobte Land Europa zu gelangen. Diese Themen

wollen wir in zwei Diskussionsrunden aufgreifen.

Sa 7. Juni 2014 | 11 Uhr | Museum Neuruppin

Europas englischer Traum

Es diskutieren: Prof. Dr. Jürgen Schläger [Gründungsdirektor

des Großbritannien-Zentrums an der Humboldt-

Universität], Prof. Rudolf Muhs [Historiker, Royal

Holloway University of London], Philip Oltermann

[Korrespondent des Guardian],

Moderation: Andreas Knaesche

So 8. Juni 2014 | 11 Uhr | Museum Neuruppin

Europäische Metropolen als Sehnsuchts- und

Zufluchtsorte

Es diskutieren: Barbara Coudenhove

Kalergi [Autorin], Marko Martin [Autor,

Publizist], Rainer Merkel [Autor],

Moderation: Fredy Gareis

Lesungen

in der Kaminbar

Abendstunden sind Sternstunden des sesshaften

Reisens. Wir laden Sie ein zu zwei nächtlichen

Lesungen in der Kaminbar am Ruppiner See.

Sa 7. Juni 2014 | 22 Uhr

Kaminbar im Resort

Mark Brandenburg

Andreas Döring liest:

ROBERT JAMES FLETCHER

Inseln der Illusion – Briefe

aus der Südsee

So 8. Juni 2014 | 22 Uhr

Kaminbar im Resort Mark Brandenburg

Nicole Kleine liest: JEMIMA MORRELL

Miss Jemimas Journal – Eine Reise

durch die Alpen

52 53


Kurzportraits der Moderatoren,

Sprecher Und ÜBERSETZER

Peter Böthig [*1958] in

Altenburg, Literaturwissenschaftler,

Ausstellungsmacher,

Autor, leitet das Kurt Tucholsky

Literaturmuseum in Rheinsberg,

Alfred Wegener. Meteorologe,

Polarforscher, Geowissenschaftler

2009

Marion Brasch [*1961] in

Berlin, arbeitete als Moderatorin

beim Radiosender DT64, bei

Radio Fritz, Radio Brandenburg

und Radio Eins, wo sie nach wie

vor tätig ist. Ihr erster Roman

Ab jetzt ist Ruhe erschien 2012.

Katharina Döbler ist Autorin

und Journalistin. Sie arbeitet

für den Rundfunk, die Wochenzeitung

die ZEIT und die Monatszeitung

Le Monde diplomatique.

Ihr Roman Die Stille nach

dem Gesang erschien 2010

beim Galiani Verlag.

Andreas Döring [*1954] in

Braunschweig, Autor, Erzähler,

Musiker und Redakteur beim

NDR, Themenschwerpunkt:

Reisen. Seit 2007 ist er Literaturlektor

auf Großseglern. 2011

erschien Mataruas Vermächtnis

– Erzählungen aus der Südsee

beim Kratzke Verlag.

Knut Elstermann [*1960]

freier Moderator und Filmjournalist,

vor allem für ARD-

Hörfunk und -Fernsehen sowie

3sat, ARTE und N24. Sein letztes

Buch Meine Winsstraße ist

2013 im be.bra Verlag erschienen.

Sieglinde Geisel studierte

in Zürich und Berlin Germanistik

und Theologie. Seit 1999 berichtet

sie für die Neue Zürcher

Zeitung (NZZ) über das Kulturleben

in Berlin. 2010 erschien

Nur im Weltall ist es wirklich

still. Vom Lärm und der Sehnsucht

nach Stille, erschienen im

Galiani-Verlag, Berlin.

54

55


Nicole Kleine Schauspielerin,

Theaterpädagogin und

Aktionskünstlerin, zahlreiche

Inszenierungen und Erarbeitung

von Theaterstücken mit

Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

in Bildungseinrichtungen

und Schulen in Berlin

und Brandenburg

ANDREAS KNAESCHE [*1958]

in Berlin. Arbeitet seit 1985 als

freier Journalist vor allem Hörfunk

und Fernsehen des SFB/

heute RBB. Seit Gründung des

RBB im Jahr 2003 Moderator

beim Kulturradio vom RBB.

Bernhard Robben [*1955]

lebt in Brunne/Brandenburg

und übersetzt aus dem Englischen,

u.a. Salman Rushdie,

Peter Carey, Ian McEwan,

Patricia Highsmith und Philip

Roth. 2003 wurde er mit dem

Übersetzerpreis der Stiftung

Kunst und Kultur des Landes

NRW ausgezeichnet, 2013 mit

dem Ledig-Rowohlt-Preis für

sein Lebenswerk geehrt.

Hendrik Röder [*1964] in

Potsdam, Publizist und Herausgeber,

seit 1994 Geschäftsführer

des Brandenburgischen

Literaturbüros, Emmi Bonhoeffer.

Essay, Gespräch, Erinnerung

2006

Nadja Schulz-Berlinghoff

war von 1995 bis 1999

Ensemble-Mitglied der Schaubühne

am Lehniner Platz Berlin.

Sie ist als Sprecherin für ZDF,

ARTE, RBB, Deutschlandradio,

WDR, SWR, MDR, NDR usw.

tätig und hat diverse Hörbücher

gesprochen.

PETER WALTHER [*1965] in

Berlin, Literaturwissenschaftler,

Mitarbeiter im Brandenburgischen

Literaturbüro,

zahlreiche Publikationen, u.a.

über Goethe, Fontane, Thomas

Mann und über Schriftsteller

im Ersten Weltkrieg. Er hat als

Kurator verschiedener Literaturund

Fotografie-Ausstellungen

gewirkt.

56 57


Ausstellungen zu

den Festspielen

Otto Wynen [*1952] im

Rheinland, lebt seit neun

Jahren in Neuruppin, freier

Hörfunk- und Fernsehjournalist

Unsere Fluglinien haben uns schließlich nur die

Reisezeiten in einem geradezu absurden Ausmaß

verkürzt, nicht aber die Entfernungen, die nach wie

vor ungeheuerlich sind. Vergessen wir nicht, daß eine

Luftlinie eben nur eine Linie und kein Weg ist und:

daß wir, physiognomisch gesehen, Fußgänger und

Läufer sind.

Christoph Ransmayr: Die Schrecken des Eises und der Finsternis.

© Frankfurt a.M., Fischer-Taschenbuchverlag 1987

Isabella Berr

»Vielleicht berühren uns diese Bilder, weil sie Ruhe

ausstrahlen. Sie verführen den Betrachter zu Kontemplation

und Loslösung von der ›Wirklichkeit‹

und zeigen eine Welt, in der sämtliche Bildebenen

zu einem einzigen Raum verschmelzen.« Isabella

Berr, 1963 in Schongau geboren, arbeitet seit 1992

als freie Fotografin. Sie rückt ab von der Fotografie

als einer technischen Reproduktion der Realität

und nähert sich teilweise der Malerei. Bedingt

durch eine fotografische Unschärfe steht die malerische

Qualität im Vordergrund. Isabella Berr lebt

und arbeitet in München.

Galerie Raumglück

ISABELLA BERR Walking Dreams

Vernissage Mi 04.06.2014 | 17 Uhr

Ausstellungsdauer 04.06. – 11.07.2014

Öffnungszeiten

Mo – Fr 11 – 18 Uhr

Öffnungszeiten Pfingsten

Sa, So, Mo 15 – 19 Uhr

58

59


Ausstellungen zu

den Festspielen

MORITZ GÖTZE

Deutsche Popart »ist wie der große amerikanische Bruder

poppig bunt, flächig, hat keine Berührungsängste gegenüber

Comics und ist eine Umwälzmaschine für alles von

Avantgarde über Repräsentationskunst bis Krempel«,

schrieb die taz bei einer Vernissage von Moritz Götze in

Frankfurt am Main. Mit seiner Ausstellung in Neuruppin,

mit seinen Bezügen zu Fontane, Preußen und den

Neuruppiner Bilderbögen verschafft er dem ikonographischen

Erbe eine ungewohnte Leichtigkeit. Die Faszination,

die Fontane auch im 21. Jahrhundert ausstrahlt, wird

damit um eine farbenfrohe Facette erweitert.

Kulturkirche Neuruppin

MORITZ GÖTZE Wanderungen, Preussen,

Bilderbogen & die Welt

Ausstellungdauer 08.03. – 30.06.2014

Öffnungszeiten

Di – So 10 – 16 Uhr

TOBIAS KREJTSCHI

Fontanes traurig-schöne Ballade John Maynard wurde

durch die Illustrationen von Tobias Krejtschi zu neuem

Leben erweckt. Mit comicartigen Zeichnungen formt er

ein meisterliches Gesamtkunstwerk von Bild und Text.

»Eine spannende Inszenierung auf der Bilderbuchbühne«,

schreibt DIE ZEIT. Fontane hätte daran seine

helle Freude. Tobias Krejtschi, Jahrgang 1980, studierte

Illustration in Hamburg und arbeitet seither als freischaffender

Illustrator, Autor und Bilderbuchkünstler.

Autorenbegegnung in Kooperation mit dem Friedrich-Bödecker-

Kreis e.V., gefördert aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft,

Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.

Galerie am Bollwerk

TOBIAS KREJTSCHI John Maynard

Vernissage mit Bilderbuchvortrag

06.06.2014 | 16 Uhr

Ausstellungsdauer 06.06. – 02.07.2014

Öffnungszeiten

Di – So 13 – 17 Uhr

60 61


Ausstellungen zu

den Festspielen

DIRK MAHLER

Der natürliche Mensch will leben, will weder fromm

noch keusch noch sittlich sein, lauter Kunstprodukte

von einem gewissen, aber immer zweifelhaft bleibenden

Wert, weil es an Echtheit und Natürlichkeit

fehlt. … und dies ist wohl der Grund, warum meine

Frauengestalten alle einen Knax weghaben. Gerade

dadurch sind sie mir lieb.

Theodor Fontane an Professor Colmar Grünhagen (10. Oktober 1895)

Bernhard-Brasch-Platz

DIRK MAHLER Sie haben alle

einen Knax

Open-Air-Ausstellung

Vernissage: 22.05.2014 | 19 Uhr

Ausstellungsdauer

23.05. – 27.06.2014

Diskussion Mo 09.06.2014 | 13 Uhr

Die Wirklichkeit in der Kunst –

zwischen Dokumentation und Fiktion

(M) Otto Wynen

LENA JÄCKEL

»Gibt es ein wahres Bild von der Wirklichkeit? Kann

ich meinen Augen trauen, mich auf meine Wahrnehmung

verlassen? Von der Fotografie glaubt man

gemeinhin, sie bilde Wirklichkeit ab. Aber ist nicht

jedes Foto nur ein Ausschnitt der Welt und damit eine

Inszenierung?« Der Betrachter von Lena Jäckels Bildern

kann auf den ersten Blick nicht unterscheiden,

ob er vor einem Gemälde oder vor einem Foto steht.

Sie erzeugen ein Spannungsfeld in dem sich – ganz

nach Sichtweise – Wirklichkeit auflöst oder überhaupt

erst geschaffen wird.

Kunstraum Neuruppin

LENA JÄCKEL Nichts für die Ewigkeit

Vernissage So 08.06.2014 | 12 Uhr

Ausstellungsdauer 08.06 – 27.07.2014

Öffnungszeiten

Mi – Sa 15 – 18 Uhr

So und Feiertag 11 – 13 Uhr

und nach Vereinbarung

62 63


Ausstellungen zu

den Festspielen

URSULA ECKERTZ-POPP

Die Fotografin Ursula Eckertz-Popp folgte den

Pfaden, die Theodor Fontane in seinen Wanderungen

liebevoll beschrieb. Das Erlebte und Gesehene

entschädigte sie für die teilweise abenteuerlichen

und mühsamen Reisen; sie verliebte sich in die

märkische Landschaft und ihre Dörfer. Aber natürlich

war und ist auch die Mark Brandenburg kein

Freilichtmuseum. »Zerstörung, Abriss und Aufbau

begleiten uns durch die Geschichte«, schreibt sie.

USCHI JUNG

Großformatige Leinwände kontrastieren postkartengroße

Papierarbeiten. Folienobjekte stehen Formen

aus Pappe gegenüber. Teure Farbpigmente konkurrieren

mit lichtempfindlichen Fluoreszenzfarben. Müll

oder Fundstücke imitieren Vertrautes und führen uns

auf falsche Fährten. Wert haben, Wert geben ist zentraler

Schwerpunkt der Ausstellung von Uschi Jung.

Altes Gymnasium Neuruppin

URSULA ECKERTZ-POPP Auf Theodor Fontanes

Wegen durch die Mark Brandenburg

Vernissage: 22.05.2014 | 18 Uhr

Ausstellungsdauer 23.05. – 19.07.2014

Öffnungszeiten

Mo, Di, Do 12 – 18 Uhr

Fr 12 – 17 Uhr, Sa 9 – 12 Uhr

Ateliergalerie Bilderbogenpassage

USCHI JUNG Temporär

Öffnungszeiten (Festspiele):

Mi 04.06. – Mo 09.06. 11 – 17 Uhr

So 08.06. 15 – 17 Uhr

64 65


Ausstellungen zu

den Festspielen

SILKE THAL

Silke Thal arbeitet ungemein akribisch. Bevor sie die

42 Aquarelle zu dem Buch Herr von Ribbeck anfertigte,

recherchierte sie vor Ort zur Geschichte des

berühmten Birnenbaumes und zum Dorf Ribbeck im

Havelland. Sie wollte, dass die Häuser und Gärten für

Ortskundige wiedererkennbar sind, während sie die

Ballade lesen. »Die Technik der wasserfesten Tuschmalerei

habe ich mit dem Aquarell kombiniert. Es ist

für mich eine besondere Herausforderung, Lebendigkeit

ohne die Möglichkeit einer nachträglichen

Korrektur auf dem Papier zu manifestieren.«

Your Ear – will be clear

Zu einem literarischen deutsch-englischen Kunstprojekt

hatte die Künstlerin Katrin Mason-Brown

Grundschüler aus Wusterhausen auf den von Fontane

beschriebenen Rohr´schen Gutshof nach Ganzer

geladen. In mehreren Wochen entstanden Reime in

englischer Sprache, die die Schüler in verschiedenen

Techniken druckten und illustrierten. Spielerisch

führte Katrin Mason-Brown die Kinder an den

geschichtsträchtigen Gutshof, die Sprache Fontanes

und die Kunst heran. Zu sehen ist die Ausstellung

während der Fontane-Festspiele in Neuruppin.

Buchkonsum

SILKE THAL Herr von Ribbeck

Buchpräsentation Do 05.06.2014 | 17 Uhr

Fontanebuchhandlung

SILKE THAL Herr von Ribbeck

Vernissage Sa 07.06.2014 | 12.30 Uhr

Ausstellungsort

siehe Tagespresse

66 67


Salon Theodor

Eintritt frei

Die Fontane-Festspiele gehen in diesem Jahr in die

dritte Runde – und das Programm wächst. Trotzdem

wollen wir kein Mega-Event werden, kein Festival,

bei dem man von Termin zu Termin hetzt. Die Qualität

der Fontane-Festspiele und von Neuruppin als

Festspielort ist der sehr intime Charakter des Festivals.

Schauspieler, Musiker, Autoren und Besucher

begegnen sich auf Schritt und Tritt. Und wer in den

Abendstunden noch bei Live-Musik und einem Glas

Wein, nette Gespräche führen möchte, findet im Salon

Theodor gewiss noch Gleichgesinnte.

Inzwischen kennen ihn viele in Neuruppin, Maximilian

Müller. Die meisten wahrscheinlich unter dem

Vornamen Max. Immer häufiger tauchte der vorher

»Namenlose« bei Veranstaltungen auf und spielte

auf eine so hinreißende Weise Klavier oder Piano,

dass oft die Gespräche verstummten und man nur

noch seinen Improvisationen lauschen wollte.

Whistle Stop musiziert in der Tradition irischer Folkmusik.

Mit zwei Gitarren, einem Banjo, der irischen

Whistle und dem Cajon schaffen es die drei Musiker,

Fernweh nach der grünen Insel zu wecken. Ihr Repertoire

erschöpft sich nicht ausschließlich in Zitaten der

Stücke irischer Bands oder Balladen längst vergangener

Zeiten, sondern wartet auch mit eigenen Songs

auf.

Maximilian

Fr 6. Juni

ab 22 Uhr

Museumshof

Whistle Stop

Sa 7. Juni

ab 22 Uhr

Museumshof

68 69


Salon Theodor

Eintritt frei

Fontane-Filmtag

Eintritt frei

Die sechsköpfige Band Karl die Große hat sich an der Hochschule

für Musik und Theater in Leipzig um die Sängerin und

Songwriterin Wencke Wollny geformt. Ihre Musik lässt sich als

Pop mit jazzigen Anklängen beschreiben. Die ausschließlich

eigenen, sehr poetischen und eingängigen deutschen Texte

haben gesellschaftliche Relevanz und spiegeln den Zeitgeist

einer jungen Generation wieder.

Karl die GroSSe

So 8. Juni ab 22 Uhr

Museumshof

Am Montag, 9. Juni spielen die Musiker von Karl die

Große noch einmal um 18 Uhr zum Abschlussfest der

Fontane-Festspiele im Up-Hus-Idyll – diesmal von

Groove bis Jazz.

Fontane-Verfilmungen sind – salopp gesagt – ein

Thema für sich. Und besonders natürlich: Effi Briest.

Jede Generation bekam ihren Effi-Film und dabei

wirkten jeweils die großen Film- und Regiestars ihrer

Epoche mit, von Gustaf Gründgens bis Rainer Werner

Fassbinder, von Marianne Hoppe bis Julia Jentsch.

Die Romane Theodor Fontanes sind präzise Milieustudien

– was die Regisseure daraus machten, können

bei uns sehen. Wir präsentieren gleich vier Fontane-

Verfilmungen. Erleben Sie eine Reise durch 60 Jahre

Filmgeschichte.

Fr 6. Juni | 10 – 19 Uhr | Museum Neuruppin

10 Uhr Effi Briest [2009]

13 Uhr Irrungen, Wirrungen [1963]

15 Uhr Frau Jenny Treibel [1975]

17 Uhr Rosen im Herbst [1955]

70 71


Veranstaltungsorte

Fontane-Geburtshaus

Fontane-Denkmal

Bahnhofstraße

DB

1 Altes Gymnasium Neuruppin

Am Alten Gymnasium 1 3

2 Bernhard-Brasch-Platz

3 Café Hinterhof

Rudolf-Breitscheid-Straße 38

4 Der BuchKonsum Antiquariat

Friedrich-Ebert-Straße 15

5 Fontane-Buchhandlung

Karl-Marx-Straße 83

6 Galerie Raumglück

Präsidentenstraße 8

7 Galerie am Bollwerk

An der Seepromenade 10

8 Gerda´s Cupcake Café

An der Seepromenade 10a

9 Klosterkirche

Niemöllerplatz

10 Kulturkirche Neuruppin

Karl-Marx-Straße 88

11 Kunstraum Neuruppin

Friedrich-Engels-Straße 37

12 Museumshof

Fischbänkenstraße 3

13 Museum Neuruppin

August-Bebel-Straße 14/15

14 Resort Mark Brandenburg

An der Seepromenade 21

15 An der Seepromenade

16 Siechenhauskapelle im Up-Hus-Idyll

Siechenstraße 4

17 Tempelgarten

Präsidentenstraße 64

18 Temporär in der Bilderbogenpassage

Karl-Marx-Straße 33/34

Franz-Künstler-Straße

Bullenwinkel

Fehrbelliner Straße

17

Heinrich-Heine-Straße

August-Bebel-Straße

Präsidentenstraße

6

2

Rudolf-Breitscheid-Straße

13

Schäferstr.

Wichmannstraße

Lazarettstr.

Karl-Marx-Strraße

Schulplatz

Bernhard-

Brasch-

Platz

3

Schifferstraße

Schinkelstr.

Friedrich-Ebert-Str.

18

4

Fontaneplatz

1

Schulzenstr.

Virchowstr.

Am Alten Gym.

Friedrich-Engels-Straße

Präsidentenstraße

*

5

Erich-Mühsam-Str.

Scharländerstr.

B.-Brasch-Str.

Bergstraße

Regatterstraße

11

Klosterstraße

Postsraße

10

R.-Koch-Str.

9

Rosenstr.

Karl-Marx-Straße

Fischbänkenstraße

12

16

An der Seepromenade

15

i

Steinstraße

Kommissonsstraße

8

7

Seestraße

Siechenstr.

Ruppiner See

73

14


Das Europäische Festival der Reiseliteratur Neben

der Spur wird gefördert von der Stadtwerke Neuruppin

GmbH, der Neuruppiner Wohnungsgesellschaft

mbH, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung

und Kultur des Landes Brandenburg, der Fontanestadt

Neuruppin, der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin,

dem Brandenburgischen Literaturbüro, der Bundeszentrale

für politische Bildung, der Stiftung für den

Landkreis Ostprignitz-Ruppin, der ZEIT-Stiftung

Ebelin und Gerd Bucerius, der Fontanebuchhandlung

Neuruppin, dem Kurt Tucholsky Literaturmuseum,

der Berliner Fahr-Service GbR und dem British

Council.

Gefördert durch

Impressum

Fontane-Festspiele gUG (haftungsbeschränkt)

Geschäftsführerin Uta Bartsch

Präsidentenstraße 47 | 16816 Neuruppin

Tel. 0 33 91 . 458 459 | Fax 03391 . 458 446

info@fontane-festspiele.com

www.fontane-festspiele.com

Redaktion Otto Wynen, Dr. Peter Böthig, Uta Bartsch

Gestaltung Katharina Bülow, Veronika Žohová | Raumglück

Druck diedruckerei.de

Fotonachweise

Gisela Strauß, Priya Basil, Tatyana Kronbichler | Marion Brasch, Jörg

Steinmetz | Christopher Brookmyre, Chris Close | Hans Christoph

Buch, Reinhard Karl | John Burnside, Helmut Fricke | Barbara

Coudenhove-Kalergi, kollektiv fischka/Kramar | Wiglaf Droste, Axel

Martens | Fredy Gareis, Svenja Kleinschmidt | Katharina Hartwell,

Tobias Bohm | Fabian Hischmann, Rabea Edel | Stephen Kelman,

Jonathan Ring | Marko Martin, privat | Rainer Merkel, Gaby Gerster |

Christoph Ransmayr, Magdalena Weyrer | Peter Wensierski, Wensierski/Der

Spiegel

S. 69 Fotos: oben links [Effi Briest] ©Constantin Film Verleih GmbH,

oben rechts [Jenny Treibel] Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv Babelsberg

| Waltaut Denger, unten links [Rosen im Herbst] ©KINEOS

GmbH, unten rechts [Irrungen, Wirrungen] Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv

Babelsberg |

Foto: M. Lueder, Carola Martin, Veronika Žohová

74 75


Salon Theodor

ab 22 Uhr im Museumshof

Fr 06.06. Maximilian

Sa 07.06. Whistle Stop

So 08.06. Karl die GroSSe

Künstlerische Leitung

Otto Wynen und Dr. Peter Böthig

KONTAKT

Otto Wynen

Telefon 0176 . 396 356 60

fontane-festspiele@gmx.de

www.fontane-festspiele.com

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine