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Pilgerweg - Stiftung Diakoniewerk Kropp

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<strong>Pilgerweg</strong>


<strong>Pilgerweg</strong><br />

Internationales Bildhauersymposium<br />

26. April bis 9. Mai 2004<br />

auf dem Gelände des<br />

<strong>Diakoniewerk</strong>s <strong>Kropp</strong><br />

aus Anlass des 125jährigen Bestehens der<br />

<strong>Stiftung</strong> <strong>Diakoniewerk</strong> <strong>Kropp</strong><br />

1


2<br />

Chronik<br />

Im März 2003 begannen die Vorbereitungen für ein Kunstprojekt, mit dem die <strong>Stiftung</strong> <strong>Diakoniewerk</strong><br />

<strong>Kropp</strong> anlässlich ihres 125-jährigen Jubiläums ein Zeichen setzen wollte. Geplant<br />

wurde ein Bildhauersymposium, dass auf dem Gelände der <strong>Stiftung</strong> stattfinden sollte. Schon<br />

längere Zeit bestand der Wunsch, die Häuser des <strong>Diakoniewerk</strong>es, die in einem ca. 50 Hektar<br />

großen Landschaftspark eingebettet sind, durch einen gestalteten Weg erlebbar miteinander<br />

zu verbinden. Durch diesen symbolischen Pfad sollte nicht nur die Zusammengehörigkeit<br />

aller Bewohnerinnen, Bewohner und Mitarbeitenden der Einrichtung deutlich werden, sondern<br />

auch eine Brücke nach außen gebaut werden, die die Bedeutung der <strong>Stiftung</strong> und ihr<br />

Einsatz für die „Schwachen“ in unserer Gesellschaft für die Menschen, die um das <strong>Diakoniewerk</strong><br />

leben und sich mit dem Wirken dort verbunden fühlen, unterstreichen. Für die Planung<br />

und Durchführung des Projektes wurde der Schobüller Bildhauer und Künstler Ulrich Lindow<br />

gewonnen, der in den vergangenen Jahren viele Gestaltungsaufgaben für die <strong>Stiftung</strong> <strong>Diakoniewerk</strong><br />

ausgeführt hat. Mit ihm gemeinsam wurde das Symposium unter dem Namen<br />

›<strong>Pilgerweg</strong>‹ vorbereitet.<br />

Zunächst legte eine Arbeitsgruppe aus der Hauskonferenz die Wegführung fest, die in ihrem<br />

Verlauf durch sieben von Künstlerinnen und Künstlern gestalteten Stationen gekennzeichnet<br />

werden sollte. Beginnend vor dem Haus Kana sollte der Weg durch die Johannesallee führen,<br />

des weiteren durch die Gertrud-Koch-Straße bis zum Mutterhaus Patmos und von dort zurück<br />

durch die Grünanlagen an den Häusern Salem, Hebron und Bethlehem entlang bis zur letzten<br />

Station vor der Kapelle.<br />

Jeder der sieben Plätze sollte durch Skulpturen gestaltet werden. Als Material für die Bildhauerarbeiten<br />

wurden Findlinge gewählt. Diese aus dem äußersten Norden Europas mit<br />

der Eiszeit nach Schleswig-Holstein gewanderten Hartgesteinsbrocken findet man in den<br />

Kiesgruben um <strong>Kropp</strong> und überall in der Gegend tauchen sie als Gestaltungsmaterial in den<br />

Dörfern und Gemeinden auf. So sollte schon über das einheimische Material ein Erkennungsmerkmal<br />

geschaffen werden.


Als nächstes erfolgte die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler. Alle sollten sich auszeichnen<br />

durch ihr bisher geschaffenes Werk, durch ihre Erfahrung und Teilnahme an früheren<br />

Symposien und durch ihre Fähigkeit zwischen ihren Skulpturen und den ausgewählten Orten<br />

eine spannungsreiche Beziehung herzustellen. Ein weiterer Gesichtspunkt war, eine Beziehung<br />

zwischen Schleswig-Holstein als Grenzland zwischen Nord- und Ostsee und seiner<br />

Nachbarstaaten aufzuzeigen.<br />

Eingeladen wurden letztendlich<br />

Eileen Mc Donagh - Irland;<br />

Hiroshi Koyama - gebürtig aus Japan, jedoch seit über 20 Jahren in Schweden lebend;<br />

Mindaugas Navakas - Litauen;<br />

Paul Schneider, aus dem Saarland, ältester Teilnehmer und Mitbegründer der ersten Bildhauersymposien<br />

überhaupt in den 50iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts und aus<br />

Schleswig-Holstein<br />

Zuzana Hlináková, gebürtige Tschechin,<br />

Johannes Michler und<br />

Ulrich Lindow selbst.<br />

Alle sieben Künstlerinnen und Künstler genießen ein hervorragendes Renommee und sind in<br />

ihrer Laufbahn mehrfach ausgezeichnet worden.<br />

Der nächste und vielleicht entscheidende Schritt war die Finanzierung dieses aufwendigen<br />

Unternehmens sicherzustellen. So wurde ein Konzept und ein Finanzierungsplan erstellt, auf<br />

dessen Grundlage Anträge an verschiedene öffentliche und private Kulturfördereinrichtungen<br />

gestellt. Gleichzeitig fanden in <strong>Kropp</strong> Gespräche mit Vertretern der öffentlichen Gemeinde,<br />

der Wirtschaft, der Kirchengemeinde und der Vereine statt, um möglichst viele Gruppen<br />

für dieses Projekt zu gewinnen und gegebenenfalls einzubinden. Diese Gespräche waren von<br />

Beginn an fruchtbar und es zeigte sich sofort eine große Bereitschaft, das Bildhauersymposium<br />

zu unterstützen und konstruktiv zu begleiten. Auch die angeschriebenen Kulturstiftungen<br />

waren bereit, das geplante Vorhaben finanziell zu unterstützen.<br />

3


4<br />

Nachdem alle eingeladenen Künstlerinnen und Künstler ihre Teilnahme zugesagt hatten,<br />

konnte mit der konkreten Planung und Organisation begonnen werden.<br />

An Hand von Fotos und Lageplänen der vorgesehenen Plätze suchte sich jede(r) Teilnehmende<br />

seinen Ort aus, schickte Zeichnungen und Beschreibungen der ausgearbeiteten Ideen und<br />

machte Angaben zur Größe und Form der Findlinge, die bearbeitet werden sollten. Die drei<br />

in Schleswig-Holstein lebenden Bildhauer Zuzana Hlináková, Johannes Michler und Ulrich<br />

Lindow übernahmen die Aufgabe, ihre und die Steine der auswärtigen Kolleginnen und Kollegen<br />

in den Kiesgruben der Gegend um <strong>Kropp</strong> zu suchen und zu finden. Glücklicherweise<br />

erklärte sich das Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“ bereit, bei dem Transport und<br />

der Aufstellung auf der Arbeitswiese zu helfen. Auch die Kiesgrubenbesitzer Jürgen Harder,<br />

Westerrönfeld, und Harald Ewers, Selk, trugen durch großzügiges Spenden der Findlinge zum<br />

Gelingen des Projektes bei.<br />

Der Raiffeisen-Markt, <strong>Kropp</strong>, stellte Paletten zur Verfügung, die Malerfirma Michael Thome,<br />

<strong>Kropp</strong>, stiftete Planen für Behelfszelte und so konnte Mitte April mit der Einrichtung der Arbeitsplätze<br />

begonnen werden. Strom- und Wasseranschlüsse mussten verlegt werden. Die<br />

Unterkunft für alle sieben Teilnehmenden im ehemaligen Ärztehaus der <strong>Stiftung</strong> musste<br />

vorbereitet werden. Bei allen Vorbereitungsarbeiten halfen das Team der Diakoniestiftung<br />

um den technischen Leiter, Herrn Schröder, und um dem Leiter der Gärtnerei, Herr Fuhr, mit<br />

großem Engagement.<br />

Am 24./25. April reisten die Künstlerinnen und Künstler zum Teil von weit her an, alles war<br />

bestens vorbereitet und am Sonntag Abend wurden alle Teilnehmende von den Vertretern der<br />

<strong>Stiftung</strong> <strong>Diakoniewerk</strong> <strong>Kropp</strong>, Vertretern der Gemeinde, der Kirchengemeinde und der Verein<br />

des Dorfes mit einem gemeinsamen Abendessen in <strong>Kropp</strong> begrüßt.<br />

Früh am Montag Morgen wurde dann unter den Augen zahlreicher Besucher und in Anwesenheit<br />

einer Reihe von Pressevertretern mit der Arbeit begonnen. Zunächst mussten mit<br />

erheblichem technischem Aufwand zwei große vier Tonnen schwere Steine zur Hälfte durch-


gesägt werden. Eigens hierfür war die Baufirma Bernd Eichner, Treia, angereist und hatte eine<br />

mobile Diamantseilsägenkonstruktion erdacht. Staunend konnten die Besucherinnen und<br />

Besucher miterleben, wie in relativ kurzer Zeit die Hartgesteine mit geraden Schnitten geteilt<br />

wurden. In der Zwischenzeit durchforschte Paul Schneider die Ewers-Kiesgruben in Selk, um<br />

die zahlreichen Findlinge für sein aufwendiges Projekt zusammenzutragen. Von Beginn an<br />

herrschte eine begeisterte Arbeitsatmosphäre und bald verwandelte sich die bei dem einen<br />

oder anderen am Anfang vorhandene Skepsis in Bezug auf die Künstlerarbeit in Bewunderung<br />

für die Disziplin und Konzentration mit der die Bildhauer zu Werke gingen.<br />

Das gemeinsame Wohnen im ehemaligen Ärztehaus machte ein gemeinsames frühes Aufstehen<br />

leicht und nach einem üppigen Frühstück waren danach die Symposiumsteilnehmerinnen<br />

und -teilnehmer gegen 8.00 Uhr morgens auf der Arbeitswiese anzutreffen. Nur<br />

durch eine kurze Mittagspause unterbrochen wurde dann bis in die Abendstunden hinein<br />

gearbeitet.<br />

Jeden Tag konnten Besucher, Schulklassen, Kindergartengruppen, Mitarbeitende und Wohngruppen<br />

aus der Einrichtung und interessierte Anwohner miterleben, wie unter Einsatz von<br />

Diamanttrennsägen, Schleifmaschinen, Hammer und Meißel, die Granitfindlinge die von den<br />

Künstlern gesuchten Formen einnahmen. Immer wieder entwickelten sich nebenbei Gespräche,<br />

bei denen man sich mit einzelnen Bildhauern über Ideen, Gehweisen und Arbeitstechniken<br />

austauschen konnte. Auch ein von den Mitarbeitenden des <strong>Diakoniewerk</strong>es organisierter<br />

Grillabend mit Gästen aus der öffentlichen Gemeinde und der Kirchengemeinde brachte<br />

Begegnung und Austausch mit den Künstlern.<br />

Den 1. Maifeiertag nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem gemeinsamen<br />

Ausflug. Der Dom zu Schleswig und das Landesmuseum in Schloss Gottorf waren erste Ziele.<br />

Anschließend ging es nach Tondern/Dänemark, wo im Museum eine beeindruckende Aus-<br />

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6<br />

stellung des finnischen Bildhauers Kain Tapper alle begeisterte. Die nächste Station waren die<br />

Emil-Nolde-Bilder in seinem Haus in Seebüll, und zum Abschluss der Fahrt waren die Künstlerinnen<br />

und Künstler zu Gast bei Familie Lindow in Schobüll.<br />

Der Beginn der ersten Maiwoche war, neben dem Fortgang der Arbeit, schon bestimmt von<br />

den Vorbereitungen der Plätze zum Aufstellen der Skulpturen. Fundamente mussten vorbereitet<br />

werden. Für den geplanten Brunnen von Eileen Mc Donagh musste ein Rücklauf- und<br />

Speicherbecken gebaut werden. Hiroshi Koyama brauchte Steine aus der Kiesgrube für eine<br />

ergänzende Steinsetzung zu seiner zweiteiligen Skulptur. Paul Schneider hatte inzwischen<br />

siebenundzwanzig Findlinge um sich versammelt und war dabei, die letzten der zwölf<br />

geplanten Steine zu schleifen. Ulrich Lindow, der neben der Leitung und Organisation des<br />

Symposiums an einem eigenen Projekt, bestehend aus sieben Findlingen arbeitete, fand dennoch<br />

immer die Zeit, sich gemeinsam mit Herrn Schröder um alles zu kümmern. Mindaugas<br />

Navakas schliff und polierte unverdrossen von morgens bis abends seinen großen Granitfindling,<br />

Zuzana Hlináková arbeitete sich zäh zum Ende ihrer dreiteiligen Skulptur und Johannes<br />

Michler ergänzte seinen aus einem geteilten Stein entstandenen Rastplatz durch einen aus<br />

Eisenrohr gefertigten Stuhl. Noch einmal gab es für die Künstlerinnen und Künstler einen<br />

offiziellen Empfang, diesmal im Rathaus der Gemeinde in <strong>Kropp</strong> als Gäste des Bürgermeisters,<br />

des Bürgervorstehers und der Mitglieder der Ratsfraktionen mit einer Eintragung in das<br />

Gästebuch der Gemeinde und einem gemeinsamen Essen.<br />

Am Freitag, 7. Mai, wurde mit dem Aufstellen der fertigen Arbeiten begonnen. Wieder halfen<br />

dabei die Bundeswehr, der Bauhof <strong>Kropp</strong> mit einem Radlader, und die Gärtnergruppe<br />

des <strong>Diakoniewerk</strong>es war auch zur Stelle. Störendes Buschwerk musste beseitigt werden,


Mutterboden wurde bewegt, Rollrasen verlegt und das Gelände gestaltet. Nachdem am<br />

Sonnabend Mittag auch als Letztes die Steine von Zuzana Hlináková auf ihrem endgültigen<br />

Platz standen, war alles für die festliche Eröffnung des <strong>Pilgerweg</strong>es am Sonntag rechtzeitig<br />

fertig geworden.<br />

Der Abschluss des Symposiums wurde mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der Dorfkirche<br />

in <strong>Kropp</strong> begonnen, unter Mitwirkung von Bischof Dr. Knuth, der Diakonischen Gemeinschaft<br />

und Herrn Pastor Jackisch. Im Anschluss an eine Festrede der Schleswig-Holsteinischen<br />

Kultusministerin, Frau Ute Erdsiek-Rave, machten sich zahlreiche Gäste bei inzwischen<br />

schönstem Maiwetter unter dem Geleit des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr <strong>Kropp</strong><br />

auf einen gemeinsamen Rundweg über den neuen Pilgerpfad durch das Gelände des <strong>Diakoniewerk</strong>es.<br />

An jeder der sieben Stationen erläuterte der jeweilige Künstler sein Werk und so endete<br />

schließlich die beeindruckende Prozession am Anfang und Ende des <strong>Pilgerweg</strong>es vor der<br />

Kapelle und dem Haus Kana, wo von dem Kana-Team unter Leitung von Frau Meyer und den<br />

Mitarbeitenden der Zentralküche, unter Leitung von Herrn Kruse, die im übrigen in den vergangenen<br />

zwei Wochen die Bildhauer liebevoll und großzügig mit Essen und Trinken versorgt<br />

hatten, eine Suppe für alle Gäste vorbereitet worden war.<br />

Damit endete ein gelungenes Symposium, das bestimmt war durch gemeinsames und gemeinschaftliches<br />

Tun mit dem Ziel, ein die Menschen verbindendes Zeichen zu setzen.<br />

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8<br />

Holy well (Heiliger Brunnen)<br />

Eileen Mc Donagh · Irland<br />

1974/79 School of Art, Regional Technical College, Sligo.<br />

Foundation Certificate in Visual Art.<br />

Diploma in Sculpture.<br />

1979/80 Art Teachers Certificate, Limerick School of Art/Design.<br />

1980/86 Art Teacher City Dublin VEC.<br />

1989/90 Aufenthalt in Japan<br />

Seit 1982 Teilnahme an zahlreichen Symposien in USA, Europa, Japan, Indien<br />

2004 Gewählte Stipendiatin der <strong>Stiftung</strong> Aosdana, Irland<br />

Eileen Mc Donagh steht mit ihrer Arbeit am Anfang des <strong>Pilgerweg</strong>es. Sie hat in einen Findling<br />

ein rechteckiges Becken gearbeitet und dessen Boden und Seitenflächen sorgfältig geschliffen.<br />

In diesem Becken sammelt sich Wasser und fließt über die Kante an der dem Betrachter<br />

zugeneigten Seite des Steins zurück in einen Kreislauf.<br />

Über sieben Trittsteine im Rasen nähert man sich dem Brunnen.<br />

Bei dem Titel ihrer Arbeit bezieht sich Eileen Mc Donagh auf eine alte irische Tradition. Zahlreiche<br />

natürliche Quellen, die als Wasserstellen und Viehtränken dienten, wurden zu heiligen<br />

Quellen geweiht, denen man heilende und reinigende Kräfte zusprach. Die sieben Trittsteine<br />

erinnern an japanische Teezeremonien. Sie fordern beim Betreten auf zur Sammlung und<br />

Besinnung während man sich der Quelle nähert, um sich symbolisch zu reinigen, bevor man<br />

den Tempel betritt.<br />

Wasser ist der Urstoff alles Lebendigen. Christen empfangen durch das Wasser den Taufsegen.


10<br />

Steinbild, genannt Sternbild<br />

Paul Schneider · Saarland<br />

1927 geboren in Saarbrücken<br />

1948-51 Studium an der Staatlichen Werkakademie Kassel<br />

1952-53 Studium an der Kunsthochschule Staedel Frankfurt<br />

seit 1953 als freischaffender Bildhauer tätig<br />

1958 Studienaufenthalte in Italien und Griechenland<br />

seit 1969 Teilnahme an zahlreichen internationalen Bildhauersymposien<br />

1972 Ostertreffen der St. Margarethener Bildhauer in Tirgu Ju (Rumänien)<br />

an Brancusis Tisch des Schweigens<br />

1976-78 Mitarbeit bei der Gestaltung der Fußgängerzone in Saarbrücken<br />

St.Johann, Umzug nach Bietzen bei Merzig<br />

1984 Kunstpreis der Stadt Saarbrücken<br />

1991 Ehrengast der Villa Massimo, Rom<br />

1997/98 Preisträger des Sparda-Bank-Preises für Kunst im Öffentlichen Raum<br />

2000 Albert-Weisgerber-Preis der Stadt St. Ingbert<br />

Meine Skulptur stellt Ordnung dar, orientiert an der Baumallee (Johannesallee - Gertrud-<br />

Koch-Straße). Mit siebenundzwanzig Steinen, Granitfindlingen aus dieser Region, bestreite<br />

ich die Anordnung der Steine. Zwölf davon habe ich mit einem Hochglanzschliff versehen,<br />

einer wurde beschriftet, auf einem habe ich die Grundrißzeichnung der Anlage eingemeißelt,<br />

und die übrigen dreizehn habe ich unbearbeitet gelassen.<br />

Die Allee und der Fußweg werden rechtwinklig überquert. Dem stumpfen Winkel der Straßenführung<br />

ist Rechnung getragen. Die Zahl neun spielt in meiner Arbeit eine dominante<br />

Rolle, und ich habe sie in diesem Fall drei mal genommen, also siebenundzwanzig. Die Bezeichnung<br />

»Sternbild« zu »Steinbild« abgeleitet ist mir eingefallen, da ich glaube, dass Sie<br />

am nächtlichen Himmel diese Konstellation finden werden, allerdings mit einem Fernglas<br />

und viel Geduld mit sich selbst und dem Himmel. Auf jeden Fall habe ich mich bemüht, die<br />

kosmische Ordnung hier in <strong>Kropp</strong> sichtbar zu machen.


12<br />

Mutterstein<br />

Hiroshi Koyama · Japan/Schweden:<br />

1955 geboren in Kyoto, Japan<br />

1976 Abschluss Akashi Technical College, Japan<br />

1978 Studium bei Kinzo Nishimura, Japan<br />

1987 Umzug nach Sweden<br />

seit 1978 Ausstellungen in Japan, Skandinavien und Frankreich<br />

Die Skulptur von Hiroshi Koyama steht auf dem Rasen vor dem Mutterhaus »Patmos«. Koyama<br />

hat einen länglichen Findling in zwei Teile gesägt. Anschließend hat er die Innenseiten<br />

und Kanten beider Teile poliert und sie senkrecht und zu den Seiten versetzt einander gegenüber<br />

gestellt. Die beiden Formen erinnern so an ein zweiflügeliges Tor, das nach japanischer<br />

Manier seitwärts verschoben, sich öffnen bzw. schließen lässt.<br />

Vor sein »Tor« hat der Künstler auf einer Achse mit der Eingangstür zum Mutterhaus die<br />

Bogenform dieser Tür aus kleineren Findlingen auf dem Rasen als Form nachgelegt. Seine<br />

Arbeit hat Hiroshi den Müttern gewidmet. Die aus Steinen nachgelegte Form der Eingangstür<br />

erinnert an ein Grab. Sein steinernes Tor davor öffnet (oder schließt?) sich, markiert einen Weg<br />

zum Haus der Mütter.


14<br />

Stein von meinem Herzen<br />

Mindaugas Navakas · Litauen<br />

1952 geboren in Kaunas, Litauen<br />

1970-77 Studium der Architektur und Bildhauerei an der staatlichen<br />

Kunstakademie Litauen<br />

seit 1986 Ausstellungen im In- und Ausland<br />

seit 1977 Teilnahme an internationalen Bildhauersymposien<br />

Die Arbeit des litauischen Bildhauers Mindaugas Navakas ist ein großer Findling, den er ganz<br />

unspektakulär an den Rand der Festwiese vor dem Haus Salem gelegt hat. Navakas hat den<br />

mächtigen Stein weitgehend in seiner Form belassen und alle Seiten auf Hochglanz poliert.<br />

So ist aus dem Rohling eine schimmernde, spiegelnde Skulptur geworden, die die ganze Tiefe<br />

und Farbigkeit des Granits enthüllt, Licht und Wärme aufnimmt und wieder abgibt und einen<br />

großen optischen und haptischen Reiz aussendet.


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Rast<br />

Johannes Michler · Kiel<br />

1954 geboren in Burg/Dithmarschen<br />

1976-81 Studium der Bildhauerei an der Muthesius-Hochschule in Kiel<br />

seit 1980 Einzel-und Gruppenausstellungen und Teilnahme an Symposien<br />

1985-93 Gastdozenturen in Schweden und Norwegen<br />

1985 Stipendium des Landes Schleswig-Holstein<br />

1986 Assistent bei Ulrich Rückriem<br />

1987 Gottfried-Brockmann-Preis der Landeshauptstadt Kiel<br />

1993 Stipendium ›Cité Internationale des Arts‹ Paris<br />

2001 K-Netz-Award 2001, Kulturnetz Schleswig-Holstein<br />

Ein Ort am Wegesrand. Der Wanderer unterbricht seine Reise und lässt sich auf einem Stein<br />

nieder. Aus dieser schlichten Vorstellung heraus ist meine Arbeit entwickelt.<br />

Ein horizontaler Schnitt teilt den Stein. Die obere Hälfte ist soweit seitlich verschoben, dass<br />

eine »Sitzfläche« entsteht. Zugleich gibt der rohe Findling an der fein geschliffenen Schnittfläche<br />

seine innere Schönheit preis. Scheinbar mühelos stützt eine stuhlförmige Stahlkonstruktion<br />

den überhängenden Teil. Die Situation wird dadurch etwas absurd aber zugleich<br />

einladend. Folgt man der Aufforderung, setzt sich, spürt und ertastet Temperatur und Gewicht,<br />

Oberflächen und Formen, verschiebt sich langsam die Wahrnehmung. Der Stein wird<br />

vom Gegenstand der Betrachtung zum sicheren Ort, an dem man verweilen, auf seinen Weg<br />

schauen oder in einen Tagtraum abschweifen kann.


18<br />

Atmende Steine<br />

Zuzana Hlináková · Kiel<br />

1956 geboren in Piestany, Tschechien<br />

1977-80 Studium an der Pädagogischen Hochschule in Kiel<br />

1980-86 Studium an der Muthesius-Hochschule in Kiel<br />

1986/87 Stipendium der Stadt Kiel und des Landes Schleswig-Holstein<br />

seit 1981 Ausstellungen, Symposien und Arbeiten im öffentlichen Raum<br />

Zuzana Hlináková hat für die sechste Station eine Gruppe von drei Findlingsskulpturen geschaffen,<br />

die sie auf einer leicht angeböschten Kuppe auf der Fläche zwischen den Häusern<br />

Pniel, Eben Ezer und Nazareth zueinandergestellt hat.<br />

Sie hat alle Steine mit dem Spitzmeißel bearbeitet und so den weichen Formen und Flächen<br />

eine offene Struktur gegeben. So scheinen die Steine in Bewegung zu sein. Ihr Inneres kehrt<br />

sich nach außen, sie atmen.<br />

Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört<br />

Nimmst du Ihnen den Atem, so schwinden sie hin<br />

und kehren zurück zum Staub der Erde.<br />

Lehrauftrag an der Fachhochschule Kiel, Fachbereich Architektur<br />

in Eckernförde<br />

Sendest du deinen Geist aus,<br />

so werden sie alle erschaffen,<br />

und du erneuerst das Antlitz der Erde.<br />

(Psalm 104, 29/30)


20<br />

Sieben Steine zum Lobe Gottes<br />

Ulrich Lindow · Schobüll<br />

1949 geboren in Mölln, Kreis Lauenburg (Schleswig-Holstein)<br />

1973-78 Studium der Bildhauerei in Kiel<br />

1976-77 Mitglied der Künstlergruppe »Galerie Lornsenstraße« in Kiel<br />

1978-79 Aufenthalt in der Michael-Karolyi-Fondation in Vence, Südfrankreich<br />

1983 Stipendium der Cité Internationale in Paris<br />

seit 1987 Atelier in Schobüll/Nordfriesland<br />

1981-97 Lehrer an der Muthesius-Hochschule, Kiel<br />

1990-96 Gastprofessur daselbst<br />

1999 Stipendium im Künstlerhaus Rostock<br />

seit 1976 Teilnahme an internationalen Bildhauersymposien.<br />

Zahlreiche Ausstellungen und Auftragsarbeiten für Kunst<br />

im öffentlichen Raum, für Kirchen und kirchliche Einrichtungen.<br />

Arbeiten befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen<br />

Lindows sieben gestaltete Findlinge vor der Kapelle beziehen sich auf Symbole und<br />

Zahlen in der christlichen Ikonographie:<br />

1. Stein für die Zahl vier (Zahl der Weltschöpfung: vier Elemente, vier Himmelsrichtungen,<br />

vier Jahreszeiten, vier Evangelisten)<br />

2. Stein für die Zahl zwei: Anfang und Ende, Tag und Nacht, Sonne und Mond,<br />

Altes und Neues Testament<br />

3. Stein für die Sonne: Genesis<br />

4. Stein für die Zahl zwölf: Monate, Apostel, Tierkreis<br />

5. Stein für die Zahl drei: Dreifaltigkeit, Auge Gottes im Dreieck<br />

6. Stein, Flügel mit sieben Federn: die heilige Zahl sieben ist Summe von drei (Gott) und vier<br />

(Welt), nach sechs Schöpfungstagen ist der siebente ein Ruhetag; sieben Gaben des heiligen<br />

Geistes<br />

7. Stein für den Mond und die Sterne (Genesis)


22<br />

1<br />

2<br />

3<br />

Stationen des <strong>Pilgerweg</strong>es<br />

Kana hebräisch: kanah – das heißt: etwas Röhrenförmiges, Schilfrohr<br />

und wohlriechendes Gewürz, ohne Wasser vertrocknen sie.<br />

Kana bedeutet: Hochragendes und Wohlriechendes, wächst um das<br />

Wasser, Quelle des Lebens<br />

Nain hebräisch: naim<br />

das heißt: genießen, sich freuen, lieblich, gut, schöner Ort, Freude,<br />

Wohlergehen, Gütigkeit<br />

Nain bedeutet: Ein schöner, lieblicher Ort der Freude, des Wohlergehens,<br />

ja – des Genießens und der Gütigkeit<br />

Zoar Vom Hebräischen za . ar – das heißt: klein, gering, entehrt, verachtet,<br />

stets Gegensatz zu einer ehrenvollen Stellung, aber in Wandlung<br />

Zoar bedeutet: Als Teil einer Ganzheit wird das Geringe erwählt<br />

Kapernaum hebräisch: cophär nachum · cophär heißt: reinigen, vergeben,<br />

loskaufen · nachum heißt: ruhen, ändern<br />

Kapernaum bedeutet: Reinigen und loskaufen, ruhen, den Verlauf<br />

der Dinge ändern<br />

Bethesda hebräisch: beth chäsda<br />

beth heißt: Haus, Familie, Ort · chäsäd heißt: Sich zu gegenseitiger<br />

Hilfe versammeln, Güte, Huld, Freundlichkeit<br />

Bethesda bedeutet: Wie in einer Familie sich begegnen in menschlichem<br />

Füreinander<br />

Bethanien hebräisch: beth anin<br />

beth heißt: Haus; Ort, Familie · anin von anah heißt: zuwenden,<br />

im Sinne von antworten, elend sein, sich bemühen, singen<br />

Bethanien bedeutet: Ort des Umwendens – im Antworten auf<br />

Elend, das zum Himmel schreit, unter Mühen – ein neues Lied<br />

Gibea Vom Hebräischen: gabah<br />

das heißt: hoch sein, hoch machen, erheben, hochwüchsig sein,<br />

hoch wachsen, emporragen, erhaben<br />

Gibea bedeutet: Der Erhabene erhebt<br />

Mutterhaus (Patmos) Offen ist die Tür<br />

vom Drinnen nach draußen<br />

vom Draußen nach drinnen<br />

zum Gehen und Kommen


4<br />

5<br />

6<br />

7<br />

Salem hebräisch: schalem – das heißt: Ganzheit, unversehrter Zustand,<br />

Frieden, Wohlsein, bewahren, wiederherstellen, vollenden<br />

Salem bedeutet: Unversehrt Frieden haben<br />

Hebron vom Hebräischen: chabar – das heißt: locken, verbündet sein,<br />

Gefährte, Einheit<br />

Hebron bedeutet: Glückliche Wiedervereinigung von Getrenntem<br />

Nazareth vom Hebräischen: nazar – das heißt: bewahren, behüten, beachten,<br />

sinnliche Wahrnehmung und Fürsorge, Erhaltung, Lebensglück<br />

Nazareth bedeutet: Fürsorglich wird das zu Bewahrende beachtet<br />

und erwirbt sich Lebenssteigerung<br />

Bethlehem hebräisch: beth lächäm · beth heißt: Haus, Familie<br />

lächäm heißt: Brot, Nahrung, Lebensunterhalt, essen, Verbindung ·<br />

beth lächäm heißt: Haus des Brotes<br />

Bethlehem bedeutet: Alle im Haus kommen zusammen zum<br />

Mahlzeithalten<br />

Eben Ezer hebräisch: äbän ezär · äbän heißt: Stein mit Härte und Festigkeit<br />

und ist Symbol Gottes ezär heißt: helfen, Unterstützung und<br />

immerist es Gott, von dem man annimmt, dass er zu Hilfe kommt.<br />

Eben Ezer bedeutet: Gott hilft mit Festigkeit<br />

Bethel hebräisch: beth-el · beth heißt: Haus, Ort, Heiligtum, Familie<br />

el heißt: Gott, Gottheit · der Name el heißt: Macht, Stärke,<br />

… el ist gütig, greift ein, befreit, segnet<br />

Bethel bedeutet: Alle, die im Haus des machtvoll, gütigen Gottes<br />

sind, werden von dieser Gottheit befreit und gesegnet<br />

Pniel hebräisch: pniel · pana heißt: wenden, sich zu- oder ab-wenden,<br />

es wendet sich · el heißt: Gott<br />

Pniel heißt und bedeutet: Gott wendet sich zu mit Ernst,<br />

Wohlwollen und Festigkeit, diese Zuwendung bringt neues Leben<br />

23


24<br />

Dank<br />

Wir danken für die Unterstützung bei der Durchführung<br />

des Künstlersymposiums »<strong>Pilgerweg</strong>«:<br />

Amtsverwaltung <strong>Kropp</strong><br />

Bauhof der Gemeinde <strong>Kropp</strong><br />

Eichner Bau, Treia<br />

Elektro Hansen, <strong>Kropp</strong><br />

EON Hanse, Schuby<br />

Jessen Bau, Schleswig<br />

Kiesgrube Jürgen Harder, Westerrönfeld<br />

Kieswerk Harald Ewers, Selk<br />

Landschaftsbau/Gartengestaltung Hoffmann, Jagel<br />

Malergeschäft Michael Thome, <strong>Kropp</strong><br />

Raiffeisenmarkt, <strong>Kropp</strong><br />

Sanitär H.-G. Ehlers, <strong>Kropp</strong><br />

Schleswiger Asphaltwerk, Jagel<br />

Verein für Handel, Handwerk und Gewerbe - HHG - , <strong>Kropp</strong><br />

Wasserbeschaffungsverband Treene, Wittbek<br />

Finanzielle Unterstützung:<br />

Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur, Kiel<br />

Evangelische Darlehensgenossenschaft eG, Kiel<br />

Kirchenbauverein für Nordelbien, Schleswig<br />

Sparkassen-Kulturstiftung Schleswig-Flensburg, Schleswig<br />

2004 © Herausgegeben von der <strong>Stiftung</strong> <strong>Diakoniewerk</strong> <strong>Kropp</strong><br />

Johannesallee · 24848 <strong>Kropp</strong> · info@diakonie-kropp · www.diakonie-kropp.de<br />

Fotos: Andreas Birresborn · Sandra Klatt · <strong>Stiftung</strong> <strong>Diakoniewerk</strong> <strong>Kropp</strong>, Marc Härtel<br />

Konzept, Gestaltung und Layout: Rainer Kühnast, Ulrich Lindow, Husum/Schobüll<br />

Druck: Druckerei Hansen, Husum


Ortszentrum<br />

<strong>Kropp</strong><br />

Siloah<br />

7<br />

Kapelle Bethel<br />

Kana<br />

Kirche <strong>Kropp</strong><br />

Pella Eben Ezer<br />

Sarepta<br />

Reading<br />

Verwaltung<br />

Pniel<br />

1<br />

Nain<br />

6<br />

Gärtnerei<br />

Eden<br />

Nazareth<br />

Alt<br />

Bethlehem<br />

Der <strong>Pilgerweg</strong><br />

zur B77<br />

Hebron<br />

Johannesallee<br />

Bethlehem<br />

5<br />

Zentralküche<br />

2<br />

4<br />

Tagesklinik<br />

Gibea<br />

Zoar<br />

Salem<br />

Magazin Fachkrankenhaus<br />

Kapernaum<br />

Bethesda<br />

Techn. Abteilung<br />

Emmaus<br />

Tagespflege<br />

Mamre<br />

Pflegedirektion<br />

Bethanien<br />

Gertrud-Koch-Straße<br />

nach Erfde<br />

Mutterhaus Patmos<br />

3<br />

zur B77

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