STRASSENBAHN MAGAZIN Aus Berlin für Hessen und Baden (Vorschau)
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6/2014 | Juni € 8,50<br />
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Europas größte Straßenbahn-Zeitschrift<br />
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Die Gelenkwagen der<br />
DWM/Waggon Union<br />
Betriebe<br />
Fahrzeuge<br />
Geschichte<br />
ST7/ST8, Darmstadt<br />
GT8-70 C,<br />
Karlsruhe<br />
GT6-EP,<br />
Karlsruhe<br />
ST11/12/13,<br />
Darmstadt<br />
<strong>Aus</strong> <strong>Berlin</strong> <strong>für</strong><br />
<strong>Hessen</strong> <strong>und</strong> <strong>Baden</strong><br />
120 Jahre Tram in<br />
der Bauhausstadt<br />
Duisburgs Linie 901: Mit der<br />
Tram durchs Montanrevier<br />
Betriebsporträt Dessau:<br />
Es begann mit Gasmotoren<br />
Liberec – Jablonec: Gesicherte<br />
Zukunft <strong>für</strong> Überlandstrecke
Die schönsten<br />
Seiten der Bahn<br />
Das<br />
neue Heft<br />
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Einsteigen, bitte …<br />
Straßenbahn als<br />
Wahlkampfthema?<br />
Stimmen Sie ab<br />
In Hamburg ist die Debatte um die Straßenbahn<br />
zurück. Die CDU-Fraktion<br />
stellte Ende Februar ein Konzept <strong>für</strong> den<br />
Bau eines Stadtbahnnetzes mit knapp<br />
100 Kilometern Länge <strong>für</strong> die Hansestadtvor.<br />
Demnach könnten ausgehend von drei<br />
Haupttrassen bis zum Jahr 2029 womöglich<br />
17 (!) Linien eingerichtet werden. Sie würden<br />
die Verkehrsprobleme im Bereich zwischen<br />
Burgwedel bzw. Poppenbüttel im Norden<br />
<strong>und</strong> Veddel bzw. Billstedt im Süden sowie<br />
zwischen dem Elbeeinkaufszentrum im Westen<br />
<strong>und</strong> der Sieker Landstraße im Osten<br />
entschärfen <strong>und</strong> eine wichtige Ergänzung zu<br />
Hochbahn <strong>und</strong> Busnetz darstellen.<br />
Wir Nahverkehrsfre<strong>und</strong>e freuen uns über<br />
solche Nachrichten <strong>und</strong> denken: „Schön,<br />
haben es die Hamburger endlich auch begriffen!?“<br />
Doch was <strong>für</strong> uns nur konsequent <strong>und</strong><br />
vernünftig erscheint, entpuppt sich auf den<br />
zweiten Blick als politisches Wahlkampf -<br />
thema im Vorfeld der Urnengänge 2014. Der<br />
aktuell amtierende SPD-Bürgermeister Olaf<br />
Sollte der Bau von Straßen- <strong>und</strong> Stadtbahnen ein Wahlkampf -<br />
thema sein?<br />
• Ja, das erhöht die Chance, ihren Bau zu verwirklichen.<br />
• Nein, Wahlkampfversprechen werden fast nie umgesetzt.<br />
• Ob Thema oder nicht, Wahlkämpfe <strong>und</strong> Absichtserklärungen spielen<br />
<strong>für</strong> die Verwirklichung überhaupt keine Rolle.<br />
Stimmen Sie online ab: www.strassenbahn-magazin.de<br />
Scholz schließt den Bau von Stadtbahnen<br />
seit vielen Jahren regelrecht stur aus. Andere<br />
Parteien wittern hier Morgenluft. Und so<br />
verkommt das wichtige Thema Stadt- bzw.<br />
Straßenbahn zu einem politischen Machtspiel.<br />
Meine Kollegen von der Boulevardpresse<br />
überbieten sich in diesem Ränkespiel<br />
in Parteilichkeit <strong>und</strong> Inkompetenz – gegen<br />
Stadtbahnen. Unausgereifte Passagen im<br />
CDU-Papier nehmen sie zum Anlass, alles<br />
zu zerreden; teure, neue Hochbahnpläne<br />
der SPD bejubeln sie hingegen.<br />
Klar ist, dass der Finanzierungsspielraum<br />
des ÖPNV begrenzt ist. Aber zwei Schienenverkehrsmittel<br />
in einer Stadt prinzipiell auszuschließen,<br />
nur um private Vorlieben auszuleben,<br />
ist weder zeitgemäß noch den<br />
Bürgern gegenüber verantwortbar. Zudem<br />
Städte wie <strong>Berlin</strong>, München oder Köln beweisen,<br />
dass gerade das Zusammenspiel von<br />
S-/U-Bahnen mit Stadt-/Straßenbahnen <strong>und</strong><br />
dem Busverkehr den Bedarf optimal deckt.<br />
Doch davon sind auch mehrere norddeutsche<br />
CDU-Politiker leider bis heute<br />
nicht überzeugt – im Gegenteil.<br />
Und so lesen Hamburgs<br />
Bündnisgrünen entsetzt in<br />
der Presse die abfälligen<br />
Wortmeldungen einzelner<br />
CDU-Köpfe contra der Stadtbahnpläne.<br />
Aber hat dieses<br />
sensible Thema eine solche<br />
„Schlammschlacht“ verdient?<br />
Im Schatten der<br />
Hochbahn stand die<br />
Hamburger Straßenbahn<br />
meist, bis sie<br />
schließlich 1978<br />
endgültig eingestellt<br />
wurde. Ob die Bürger<br />
<strong>und</strong> Parteien endlich<br />
die Vorteile eines<br />
Stadtbahnnetzes <strong>für</strong><br />
ihre Stadt erkennen?<br />
LINDSAY BRIDGE<br />
André<br />
Marks<br />
Verantwortlicher<br />
Redakteur<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
3
Inhalt<br />
Inhalt<br />
TITEL<br />
DWM-/WU-Gelenkwagen <strong>für</strong> Darmstadt <strong>und</strong> Karlsruhe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42<br />
Betriebe<br />
Jubilar mit „unjewöhnlicher“<br />
Geschichte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16<br />
120 Jahre Dessauer Straßenbahn – Sie blickt in diesem Jahr auf eine<br />
120-jährige Geschichte zurück – eröffnet im November 1894 als erste ausschließlich<br />
mit Gasmotorwagen betriebene Straßenbahn der Welt, verkehrt<br />
sie seit 1901 elektrisch. Eine Zeit voller Höhen <strong>und</strong> Tiefen …<br />
Einmal durch Montanstadt . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26<br />
Duisburgs Linie 901 im Porträt – Kaum eine andere Linie im Ruhrgebiet<br />
durchfährt so viele völlig unter schiedliche Welten wie sie! Vom beschaulichen<br />
Mülheim geht es auf wackeligen Pfaden durch den Duisburger<br />
Hafen <strong>und</strong> vorbei an fast bedrohlichen Hochöfen, neben denen die Stadt<br />
ganze Wohnviertel platt macht<br />
TITEL<br />
TITEL<br />
Land im Tram-Baufieber . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34<br />
Neubaustrecken in<br />
Algerien – Nach der Stilllegung der letzten Algierer Straßenbahnlinie<br />
(1.055 mm Spurweite) im Dezember 1959 war Algerien jahrzehntelang<br />
straßenbahnfrei. Seit diesem Jahrzehnt gibt es aktuell wieder drei Betriebe<br />
– <strong>und</strong> es sollen ein Dutzend folgen!<br />
Auf schmaler Spur im Neißetal . . . . . . . . . . . . . 36<br />
Der Meterspurbetrieb zwischen Liberec <strong>und</strong> Jablonec – Sie ist die<br />
letzte 1.000-Millimeter-Straßenbahn in der Tschechi schen Republik – am<br />
14. März 2014 verkehrte sie in bisheriger Form vorerst zum letzten Mal.<br />
Nun beginnen auf zwei Abschnitten umfangreiche Modernisierungen <strong>und</strong><br />
Umbauten. Aber was wird dann ab 2015 anders sein?<br />
TITEL<br />
Titelmotiv<br />
Werksaufnahme des Karlsruher<br />
GT6-EP, der noch von DWM geliefert<br />
wurde. Die GT8-EP baute<br />
dann bereits die Waggon Union<br />
GROSSES BILD: SLG. AXEL REUTHER;<br />
KLEINE BILDER RECHTS: J. SCHRAMM (OBEN),<br />
M. KOCHEMS (2); KL. BILDER UNTEN<br />
V.L.N.R.: C. LÜCKER, S. HILKENBACH, T. ANDERS<br />
RUBRIKEN<br />
„Einsteigen, bitte ...“ . . . . . . 3<br />
Bild des Monats . . . . . . . . . . 6<br />
Journal . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8<br />
Nächster Halt . . . . . . . . . . . . 25<br />
Einst & Jetzt . . . . . . . . . . . . . 62<br />
F<strong>und</strong>stück des Monats . . . . . 75<br />
Forum, Impressum . . . . . . . . 80<br />
<strong>Vorschau</strong> . . . . . . . . . . . . . . . 82<br />
„Ende gut ...“ . . . . . . . . . . . 82<br />
Das besondere Bild. . . . . . . . 83<br />
4 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
120 Jahre Straßenbahn in Dessau 16 Duisburgs Linie 901 im großen Porträt 26<br />
Die Fahrzeugentwicklung der Bonner Straßenbahn 56 Würzburgs Straßenbahn vor 20 Jahren 64<br />
Fahrzeuge<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> im Modell<br />
TITEL<br />
Von der Kopie zum Original . . . . . . . . . . . . . . . . . 42<br />
GT6 <strong>und</strong> GT8 der DWM/Waggon Union – Zwischen 1959 <strong>und</strong> 1990<br />
entstanden in <strong>Berlin</strong> insgesamt 194 sechs- <strong>und</strong> achtachsige Gelenktriebwagen.<br />
Fast drei Viertel davon kamen nach Karlsruhe <strong>und</strong> Darmstadt .<br />
Odyssee durch Mitteldeutschland. . . . . . . . . . . . . . . . . 52<br />
Erfurts Tw 121 – Ein Gothawagen in Thüringen? Das klingt nicht ungewöhnlich<br />
– wenn er allerdings am Rande der Rhön im südthüringischen<br />
Schwallungen steht, dann doch!<br />
Spiegelbild des Zeitgeistes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56<br />
Die Fahrzeuge der Bonner Straßenbahn – Über 40 Jahre waren von<br />
1902 bis 1914 beschaffte Altbauwagen unverzichtbar – erst 1957 trafen<br />
die ersten Neubaufahrzeuge in Bonn ein.<br />
Tram fast ohne Worte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76<br />
„Schätze“ aus der Schublade: Oben-ohne-Beiwagen, unvollendete<br />
Kartonmodelle, Rostocker F<strong>und</strong>stücke <strong>und</strong> eine blinkende Westernbahn<br />
Geschichte<br />
Privatprojekt Bayerntram. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64<br />
Die Würzburger Straßenbahn vor 20 Jahren – 1994 stand die Ablösung<br />
der aus Hagen übernommenen Düwag-GT6 in Würzburg kurz bevor.<br />
Auch ein norddeutscher Straßenbahnfre<strong>und</strong> besuchte aus diesem Gr<strong>und</strong> die<br />
Stadt. Doch was erlebte er damals? Und was hat sich seitdem geändert?<br />
Kuriosa am Stadtrand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70<br />
Besonderheiten in <strong>Berlin</strong>-Heinersdorf – Seit 1911 ist die bis 1920<br />
selbstständige Landgemeinde Heinersdorf an das <strong>Berlin</strong>er Straßenbahnnetz<br />
angeschlossen. Im Bereich des heute wieder zum Bezirk Pankow gehörenden<br />
Ortsteiles gibt es dabei einige Sonderfälle in Geschichte <strong>und</strong> Betrieb<br />
Technisches Kleinod zum<br />
Toelleturm in Wuppertal. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72<br />
120. Jubiläum der Barmer<br />
Bergbahn – Am 16. April 1894<br />
nahm sie als erste elektrische Zahnradbahn<br />
Deutschlands den Betrieb<br />
auf – die Bergbahn vom Barmer<br />
Zentrum zum Toelleturm. Nach 65<br />
Jahren musste sie ihren Dienst<br />
quittieren – eine Erinnerung an<br />
diese ungewöhnliche Straßenbahn<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
5
Bild des Monats<br />
Bild des Monats<br />
In der kroatischen Hauptstadt Zagreb bestimmen seit einigen<br />
Jahren 140 vom Firmenkonsortium CROTRAM hergestellte fünfteilige<br />
Niederflurwagen das Bild des Straßenbahnbetriebs. Am<br />
18. März 2014 fotografierte Wolfgang Kaiser den Wagen 2284 im<br />
Einsatz auf Linie 11 am zentralen Platz, der nach dem Volkshelden<br />
<strong>und</strong> Ban (Vizekönig) Josip Jelacic (1801–1859) benannt ist. Das<br />
ganz links erkennbare Reiterstandbild stammt aus dem Jahr 1866.<br />
Der jugoslawische Staatspräsident Tito ließ es 1947 entfernen, nach<br />
<strong>Aus</strong>rufung des unabhängigen Staates Kroatien haben es die Zagreber<br />
1991 wieder aufgestellt. Den Platz passieren in Spitzenzeiten<br />
stündlich bis zu 100 Wagen der Linien 1, 6, 11, 12, 13, 14 <strong>und</strong> 17.<br />
6<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Bild des Monats<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014 7
Meldungen aus Deutschland,<br />
aus der Industrie <strong>und</strong> aus aller Welt<br />
Innerhalb Nordhausens sind die Combino Duo als ganz normale Straßenbahn unterwegs. Die Unterschiede werden<br />
erst beim Systemwechsel am Bahnhof deutlich, wenn die Fahrt mit abgesenktem Stromabnehmer <strong>und</strong> brummendem<br />
Dieselaggregat weitergeht (alle drei Aufnahmen vom 6. August 2013) RONALD GLEMBOTZKY (3)<br />
ONLINE-UMFRAGE<br />
Geteilte Meinungen<br />
zu Streiks im ÖPNV<br />
Im Heft 5/2014 fragten wir die<br />
Leser, wie sie die aktuellen Streikmaßnahmen<br />
im öffentlichen Dienst<br />
<strong>und</strong> deren mögliche Folgen bewerten.<br />
Von den drei möglichen Antworten<br />
stimmten 51 Prozent der sich an der<br />
Umfrage beteiligenden Leser dem<br />
Standpunkt 1 zu: „Ich habe Verständnis<br />
<strong>und</strong> akzeptiere Streiks selbst<br />
dann, wenn sie so ausgeprägt sind,<br />
dass über mehrere Tage keinerlei Busse<br />
<strong>und</strong> Bahnen fahren.“<br />
Der differenzierteren Antwortmöglichkeit<br />
2 „Ich habe Verständnis <strong>für</strong> mit Bedacht<br />
gesetzte Streikmaßnahmen. Das<br />
Lahmlegen kompletter Netze über mehrere<br />
Tage ist aber inakzeptabel“, pflichteten<br />
5,4 Prozent der Leser bei. 43,6<br />
Prozent der Teilnehmer erklärten hingegen,<br />
<strong>für</strong> Streiks generell kein Verständnis<br />
zu haben, weil sich ÖPNV-Nutzer dadurch<br />
von den öffentlichen Verkehrsmitteln<br />
dauerhaft abwenden könnten. SM<br />
Erfolgsgeschichte am Harzrand<br />
10 Jahre Nordhäuser Modell mit Combino Duo<br />
Vor einem Jahrzehnt begann im Nahverkehr<br />
zwischen Nordhausen <strong>und</strong> Ilfeld<br />
ein neues Zeitalter. Mit der Verknüpfung<br />
der bis dato getrennten meterspurigen<br />
Netze von Nordhäuser Straßenbahn <strong>und</strong><br />
Harzquerbahn eröffneten sich neue Perspektiven<br />
<strong>für</strong> Direktverbindungen auf<br />
Schmalspurgleisen am südlichen Rand<br />
des Harzes. Seit dem 1. Mai 2004 wird<br />
das Nordhäuser Modell – in Ableitung<br />
des Vorbildes „Karlsruher Modell“ – als<br />
innovatives Gemeinschaftsprojekt des<br />
Freistaats Thüringen, der Harzer Schmalspurbahnen<br />
GmbH (HSB) <strong>und</strong> der Verkehrsbetriebe<br />
Nordhausen GmbH (VBN)<br />
mit dem durchgängigen Betrieb der Linie<br />
10 mit Zweisystemfahrzeugen vom<br />
Typ Combino Duo zwischen Nordhausen,<br />
Südharz-Klinikum <strong>und</strong> Ilfeld, Neanderklinik<br />
realisiert.<br />
Der Freistaat Thüringen als Aufgabenträger<br />
<strong>für</strong> den Schienenpersonennahverkehr<br />
(SPNV) beauftragte die HSB mit der<br />
Erbringung von SPNV-Leistungen zwischen<br />
Nordhausen <strong>und</strong> Ilfeld. Die HSB<br />
als Linieninhaberin hat wiederum die<br />
VBN als Betreiber des Straßenbahnbetriebes<br />
in Nordhausen beauftragt, den<br />
ganzjährigen <strong>und</strong> durchgängigen Linienbetrieb<br />
in der Region durchzuführen.<br />
Damit garantieren die beteiligten Partner<br />
umsteige- <strong>und</strong> barrierefreie Verbindungen<br />
aus dem ländlichen Raum in<br />
das Nordhäuser Stadtgebiet.<br />
Kern des Verkehrskonzeptes ist ein<br />
attraktiver Taktfahrplan mit einem<br />
Am Bahnhofsvorplatz in Nordhausen sind nicht nur Zusammentreffen von<br />
„normalen“ Combinos mit Triebwagen der Harzer Schmalspurbahnen zu<br />
beobachten, sondern wie hier auch mit Combino Duo<br />
8<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Deutschland<br />
Mischbetrieb von klassischen Eisenbahnfahrzeugen<br />
der HSB <strong>und</strong> Einsätzen<br />
von Zweisystem-Straßenbahnfahrzeugen<br />
der VBN, wobei die Verkehrsleistungen<br />
mit Personal beider Unternehmen<br />
im Wechsel erbracht werden. Hier<strong>für</strong><br />
stehen den VBN drei Triebwagen des<br />
Typs „Combino Duo“ mit den Nummern<br />
201 bis 203 (HSB-intern 187 201 bis<br />
187 203) zur Verfügung. Am Bahnhof<br />
Nordhausen wechseln diese zwischen<br />
dem innerhalb des Stadtnetzes genutzten<br />
elektrischen Betrieb <strong>und</strong> dem Dieselbetrieb.<br />
Rechtlich bewegen sich die<br />
Fahrzeuge – ebenso wie die zum Bahnhofsvorplatz<br />
durchgeb<strong>und</strong>enen Fahrten<br />
von HSB-Dieseltriebwagen – sowohl im<br />
Geltungsbereich der Straßenbahn-Bau<strong>und</strong><br />
Betriebsordnung (BOStrab) als auch<br />
der Eisenbahn-Bau- <strong>und</strong> Betriebsordnung<br />
<strong>für</strong> Schmalspurbahnen (ESBO). Für<br />
den fahrdrahtlosen Betrieb steht zur Erzeugung<br />
der benötigten Elektroenergie<br />
ein 180 Kilowatt starker BMW-Achtzylindermotor<br />
zur Verfügung, der sich mittig<br />
im fahrgestelllosen mittleren Wagensegment<br />
der Combino Duo befindet.<br />
Damit können die 20 Meter langen <strong>und</strong><br />
25 Tonnen schweren Wagen auf bis zu<br />
70 Kilometer pro St<strong>und</strong>e beschleunigen.<br />
Aktuell absolvieren die Zweisystem-<br />
Straßenbahnfahrzeuge werktags 16 <strong>und</strong><br />
wochenends acht Fahrtenpaare nach Ilfeld<br />
<strong>und</strong> zurück.<br />
Festakt zum Jubiläum<br />
Am 30. April 2014 begingen die HSB<br />
<strong>und</strong> VBN mit einem offiziellen Akt gemeinsam<br />
die zehnjährige Umsetzung<br />
des Nordhäuser Modells. Daran nahmen<br />
auch zahlreiche Gäste aus Wirtschaft<br />
<strong>und</strong> Politik teil. Anlässlich des<br />
Jubiläums boten die Partner am 30.<br />
April im frisch sanierten Empfangsgebäude<br />
des Bahnhofs Nordhausen<br />
Nord auch <strong>für</strong> die Öffentlichkeit einige<br />
Höhepunkte. Neben einer Fotoausstellung<br />
zum Nordhäuser Modell, einer<br />
Tram-Modellanlage <strong>und</strong> einem Sonderstempel<br />
der Deutschen Post fand<br />
dort die Neueröffnung des vom Südharzer<br />
Tourismusverband e. V. betriebenen<br />
„Dampfladens“ statt. Dieser<br />
öffnete seine Pforten im HSB-Bahnhofsgebäude<br />
<strong>und</strong> bietet zukünftig neben<br />
einer Vielzahl touristischer Dienstleistungen<br />
auch die Produktpalette<br />
der Harzer Schmalspurbahnen an.<br />
Außerdem fanden am 30. April<br />
mehrere Sonderfahrten statt: So boten<br />
die VBN mit ihrem im vorigen Jahr<br />
2013 in Gera hauptuntersuchten Oldtimer-Straßenbahntriebwagen<br />
23 (Baujahr<br />
1934) vom Bahnhof über Nordhausen<br />
Ost zum Krankenhaus <strong>und</strong><br />
Die Nordhäuser Combino-Flotte weist bei einem Gesamtbestand von<br />
zwölf Wagen mit fünf Bauarten eine bemerkenswerte Typenvielfalt<br />
auf: Während die beiden im Jahr 2000 von der Düwag erstgelieferten<br />
Tw 101 <strong>und</strong> 102 dem Typ Combino Basic angehören, kamen die Wagen<br />
103 <strong>und</strong> 104 als erste Combino Advanced 2002 in Einrichtungsausführung<br />
von Siemens. Weitere drei Combino Advanced folgten als Tw 105<br />
bis 107 im gleichen Jahr in Zweirichtungsausführung. 2004 gingen die<br />
drei Combino Duo 201 bis 203 in Betrieb. Im Jahr 2011 folgten die<br />
Combino Advanced 108 <strong>und</strong> 109 mit abgewandelter Frontgestaltung.<br />
zurück zum Bahnhof Fahrten mit Zustiegsmöglichkeit<br />
an allen Zwischenhalten<br />
an. Am Nachmittag gab es darüber<br />
hinaus zwei Pendelfahrten mit<br />
dem Traditionszug der Harzer Schmalspurbahnen<br />
zwischen Nordhausen Nord<br />
<strong>und</strong> Ilfeld. Der Zug wurde von der<br />
1897 gebauten Mallet-Dampfloko motive<br />
99 5901 gezogen.<br />
MSP<br />
Hamburg<br />
Startschuss zur<br />
U4-Verlängerung<br />
Am 23. April gaben Hamburgs Senator<br />
Frank Horch, der Vorstandsvorsitzende<br />
der Hochbahn, Günter Elste, sowie<br />
Johann Bögl von der Firmengruppe<br />
Max Bögl den Startschuss zum Bau der<br />
Verlängerung der Linie U4. Hamburgs<br />
jüngste U-Bahn-Linie soll in den nächsten<br />
Jahren eine Verlängerung von der<br />
jetzigen Endhaltestelle HafenCity Universität<br />
bis an die Elbbrücken erhalten.<br />
Die Strecke schließt mit einem 940 Meter<br />
langen Tunnel inklusive unterirdischer<br />
Abstellanlage an die vorhandene<br />
Tunnelhaltestelle an. Anschließend verläuft<br />
sie in einem 230 Meter langen<br />
Trog zur zukünftigen Endhaltestelle<br />
Elbbrücken, die direkt an der Elbe in<br />
Hochlage errichtet wird. Dort erschließt<br />
sie das neu entstehende Wohn- <strong>und</strong><br />
Arbeitsquartier r<strong>und</strong> um die Elbbrücken<br />
<strong>und</strong> den Baakenhafen, in dem in<br />
den nächsten Jahren r<strong>und</strong> 2.800 Wohnungen<br />
sowie 20.000 Arbeitsplätze<br />
entstehen sollen. Die Lage der Halte-<br />
Hamburg: In einem 90-Grad-Bogen wird die verlängerte Linie U4 ab dem<br />
Jahr 2018 an die vorhandene Haltestelle anschließen, um sich bereit zum<br />
späteren „Sprung über die Elbe“ zu machen<br />
HOCHBAHN<br />
Düsseldorf<br />
Die Rheinbahn stellte am 30.<br />
April im Rahmen des „Tages gegen<br />
Lärm“ ihr neues Schienenschleiffahrzeug<br />
vor. Es handelt<br />
sich dabei um das erste Exemplar<br />
einer selbst nicht fahrbaren<br />
Maschine vom Typ HSG-City des<br />
Herstellers Vossloh. Das knapp<br />
800.000 Euro teure Gefährt wird<br />
während der Schleifarbeiten von<br />
einem Unimog mit bis zu 50 Kilometer<br />
pro St<strong>und</strong>e geschoben.<br />
Die neue Technik mit 24 passiv<br />
angetriebenen Schleifsteinen<br />
verspricht zukünftig eine wesentlich<br />
schnellere <strong>und</strong> leisere<br />
Behandlung der Schienen. MÜC<br />
Köln-Bonn<br />
Der Verkehrsverb<strong>und</strong> Rhein-<br />
Sieg (VRS) vermeldete <strong>für</strong> 2013 eine<br />
Rekordbilanz. Demnach gab es<br />
530,4 Mio. Fahrten mit Bus <strong>und</strong><br />
Bahn – 1,9 Prozent mehr als 2012<br />
mit 9,98 Mio. Fahrten. Dadurch erwirtschafteten<br />
die Verkehrsunternehmen<br />
im VRS 27,7 Mio. Euro<br />
mehr als 2012 (Plus 4,95 Prozent).<br />
Großen Wert legt der Verb<strong>und</strong> auf<br />
die Weiterentwicklung seiner<br />
Fahrgastinformation. Dabei ist der<br />
Trend zur mobilen K<strong>und</strong>eninformation<br />
ungebrochen, fast<br />
285.000 Nutzer sind damit schon<br />
mobil unterwegs. Pro Tag wird die<br />
App bis zu 80.000 Mal <strong>für</strong> <strong>Aus</strong>künfte<br />
genutzt. Seit April können<br />
Fahrplanauskünfte <strong>für</strong> das Verb<strong>und</strong>gebiet<br />
auch von Google<br />
Maps abgerufen werden. MSP<br />
Jena<br />
Die Jenaer Partybahn präsentiert<br />
sich in neuem Design. Seit<br />
Anfang März 2014 wirbt der mit<br />
spezieller <strong>Aus</strong>schankanlage <strong>und</strong><br />
Tischen modifizierte Triebwagen<br />
666 (Düwag 1968) <strong>für</strong> die Köstritzer<br />
Schwarzbierbrauerei.<br />
Diese löst damit den alten Sponsor,<br />
die Sternquell-Brauerei<br />
Plauen, ab. Anstatt im gewohnten<br />
Grün rollt der im Jahr 2003<br />
aus Heidelberg übernommene<br />
<strong>und</strong> dort unter der Nummer 221<br />
eingesetzte GT6 nun im hellbraunen<br />
Werbekleid zu Sonderfahrten<br />
durch die Universitäts<strong>und</strong><br />
Zeiss-Stadt.<br />
ROY<br />
rz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
9
Aktuell<br />
<strong>Berlin</strong>: Die Linie M2 fährt seit 27. April montags bis freitags abends länger im<br />
5-Minuten-Takt <strong>und</strong> sonnabends zeitiger im 6/7/7-Minuten-Takt, hier Wagen<br />
2045 hinter der Haltestelle Prenzlauer Allee/Ostseestraße JOHANN BECKER<br />
Magdeburg: Anlässlich des Jubiläums „30 Jahre Straßenbahn nach Olvenstedt“<br />
kam am 27. April unter anderem der historische Tatra-Großzug auf der<br />
Linie 3 zum Einsatz, hier zwischen Sternebogen <strong>und</strong> Drosselsteig RONNY DAUER<br />
stelle, die mit einer 136 Meter langen<br />
Glashalle überspannt wird, lässt eine<br />
spätere Verlängerung der U-Bahn-Strecke<br />
über die Elbe zu.<br />
Ab 2018 sollen die ersten Züge die<br />
U-Bahn-Haltestelle anfahren, die dann<br />
auch einen Umstieg zu einer neu errichteten<br />
S-Bahn-Haltestelle der Linie<br />
S3 bietet. Insgesamt sind <strong>für</strong> den Bau<br />
der neuen 1,3 Kilometer langen Strecke,<br />
inklusive der Abstellanlage <strong>und</strong><br />
der Haltestelle, aktuell 180 Millionen<br />
Euro veranschlagt.<br />
JEP<br />
Magdeburg<br />
Streckenjubiläum <strong>und</strong><br />
Tatra-Comeback<br />
Die Arbeitsgruppe Gemeinwesenarbeit<br />
Neu-Olvenstedt (GWA) feierte mit<br />
Unterstützung der Magdeburger Verkehrsbetriebe<br />
GmbH (MVB) <strong>und</strong> der Interessengemeinschaft<br />
historischer Nahverkehr<br />
(IGNah) am 27. April r<strong>und</strong> um<br />
die Haltestelle „Am Stern“ den 30. Jahrestag<br />
der Streckeneröffnung nach Olvenstedt.<br />
Die IGNah bot zum Fest Sonderfahrten<br />
mit Hechtwagen 70 <strong>und</strong><br />
Triebwagen 124 an, zudem fuhr der historische<br />
Tatrazug (Tw 1001 + Tw 1120<br />
+ Bw 2002) zeitweise im Regelbetrieb<br />
auf der Linie 3 von Olvenstedt zur Leipziger<br />
Chaussee. Als Ersatz <strong>für</strong> den defekten<br />
MVB-Fahrschulwagen kam <strong>für</strong><br />
die gefragten Fahrschul-Publikumsfahrten<br />
kurzfristig der Tatra-T6A2-Wagen<br />
1280 zum Einsatz.<br />
Unterdessen muss die MVB derzeit<br />
werktags gelegentlich auf ihre Tatra-<br />
Betriebsreserve zurückgreifen, um alle<br />
Fahrten sicherzustellen. Im Januar<br />
2013 feierlich aus dem Liniendienst<br />
verabschiedet, können die Tatra-Wagen<br />
nun vereinzelt wieder im Stadtbild<br />
auftauchen, wobei der Einsatz nur<br />
sporadisch auf Linie 8 erfolgen soll.<br />
Die MVB halten vorsorglich zwei Zuggarnituren<br />
der Bauart T6A2 als Reserve<br />
im Betriebshof bereit, um einen<br />
Fahrtausfall durch Wagenmangel zu<br />
vermeiden. Eingesetzt werden die Züge<br />
aber nur, wenn kein Niederflurwagen<br />
einsatzbereit ist. Nötig ist der Tatra-Einsatz<br />
vor allem durch einen<br />
Straßenbahnauffahrunfall im Januar –<br />
seitdem fehlen die beiden beteiligten<br />
Unfallwagen dem Betrieb. MSP<br />
<strong>Berlin</strong><br />
Angebotsausweitungen<br />
im BVG-Fahrplan<br />
Nachdem das <strong>Berlin</strong>er Abgeordnetenhaus<br />
im Dezember 2013 beschloss,<br />
die Bestellerentgelte des Landes <strong>Berlin</strong><br />
an die BVG 2014 um vier <strong>und</strong> 2015<br />
um 7,5 Millionen Euro zu erhöhen,<br />
realisiert die BVG in Abstimmung mit<br />
der Senatsverwaltung <strong>für</strong> Stadtentwicklung<br />
<strong>und</strong> Umwelt zahlreiche Angebotsausweitungen.<br />
Die ersten, zum<br />
Ende der Osterferien umgesetzten<br />
Brandenburg: Der Nicolaiplatz als nördliche Verknüpfung des Innenstadtringes erfuhr von Anfang 2012 bis Dezember<br />
2013 eine Umgestaltung. Die barrierefrei gestalteten Haltestellen sind durch eine Änderung der Gleis<strong>und</strong><br />
Straßenführung <strong>für</strong> beide Äste jetzt zusammengefasst <strong>und</strong> außerdem durch Omnibusse befahrbar IVO KÖHLER<br />
Mehrleistungen umfassen im Straßenbahnbereich<br />
<strong>für</strong> die Linien M2 <strong>und</strong> 62<br />
die zeitliche Verlängerung der dichteren<br />
Takte des Tagesverkehrs an Werktagen<br />
in den Abend- <strong>und</strong> Morgenst<strong>und</strong>en.<br />
Auf der Linie 61 wird während<br />
der Sommermonate sonntags bis donnerstags<br />
die Betriebszeit um zwei<br />
St<strong>und</strong>en bis 22 Uhr verlängert. Hinzu<br />
kommen zahlreiche Angebotsverbesserungen<br />
auf Buslinien, darunter die<br />
stark frequentierten Metrobuslinien<br />
M27, M29 <strong>und</strong> M41. Größtenteils<br />
handelt es sich dabei ebenfalls um die<br />
Verlängerungen der Tagesverkehrstakte,<br />
womit den veränderten Lebens- <strong>und</strong> Arbeitsgewohnheiten<br />
<strong>und</strong> dem sich hierdurch<br />
ebenfalls ändernden Verkehrsverhalten<br />
Rechnung getragen wird.<br />
Auf einigen Linien wird während<br />
der Hauptverkehrszeit der Takt weiter<br />
verdichtet. Hier<strong>für</strong> beschaffte die<br />
BVG unter anderem aus Amsterdam<br />
15 gebrauchte Niederflurgelenkbusse.<br />
Für die zum 27. April realisierten<br />
Mehrleistungen schafft die BVG zudem<br />
50 zusätzliche Vollzeitstellen im<br />
Fahrdienst.<br />
In zwei weiteren Stufen setzt die<br />
BVG ab August beziehungsweise Dezember<br />
zusätzliche Verbesserungen<br />
um, von denen dann unter anderem<br />
die Fahrgäste weiterer Straßenbahnlinien<br />
sowie der U-Bahn-Linien U1, U2,<br />
U5, U7 <strong>und</strong> U8 profitieren. Auch hierbei<br />
geht es größtenteils um die zeitliche<br />
<strong>Aus</strong>dehnung der dichteren Taktintervalle<br />
morgens <strong>und</strong> abends. Für zum<br />
Teil ebenfalls wünschenswerte zusätzliche<br />
Fahrten in den Hauptverkehrszeiten<br />
wären zusätzliche Fahrzeuge nötig,<br />
die jedoch nicht verfügbar sind. JBE<br />
Strausberg<br />
Streckenverlängerung?<br />
Im April stellte das beauftragte Planungsbüro<br />
PBV Überlegungen zur Reaktivierung<br />
der Strecke der Strausber-<br />
10<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Deutschland<br />
ger Eisenbahn GmbH (STE) bis zum<br />
Kulturpark im <strong>Aus</strong>schuss <strong>für</strong> Bauen<br />
<strong>und</strong> Verkehr vor. Die da<strong>für</strong> erforderlichen<br />
Investitionen betragen voraussichtlich<br />
über fünf Millionen Euro <strong>und</strong><br />
sind <strong>für</strong> Stadt oder Landkreis ohne zusätzliche<br />
Förderung nicht finanzierbar.<br />
Angeregt hatte die Linkspartei entsprechende<br />
Analysen, weil ein <strong>Aus</strong>tausch<br />
des Fahrbahnbelags auf der<br />
ehemaligen Straßenbahn-Trasse in der<br />
Großen Straße ansteht <strong>und</strong> hierin aus<br />
Parteisicht die Chance <strong>für</strong> einen Wiederaufbau<br />
bestünde. Wie Planer Thomas<br />
Markgraf erklärte, könnte die Verlängerung<br />
der Tram einen erwarteten<br />
Fahrgastverlust durch den künftigen<br />
20-Minuten-Takt der S-Bahn nach<br />
Strausberg-Nord ausgleichen.<br />
Nach PBV-Prognosen wandern<br />
durch die S-Bahn-Taktverdichtung<br />
r<strong>und</strong> 400 Fahrgäste – das entspricht<br />
13 Prozent der Beförderungsfälle –<br />
täglich zur S-Bahn ab. Etwa 200 K<strong>und</strong>en<br />
könnten nach „konservativer“<br />
Schätzung mittels Streckenverlängerung<br />
<strong>für</strong> die STE gewonnen werden,<br />
mit dem geplanten Altstadtcenter an<br />
der Großen Straße weitere 500.<br />
Da insbesondere der „Binnenverkehr“<br />
gestärkt werde, <strong>für</strong> den der<br />
Haustarif der STE gezahlt wird, wäre<br />
zugleich die Tarifergiebigkeit des neuen<br />
Abschnitts höher. Infrastrukturseitig<br />
hätte die STE zwei neue Weichen, 725<br />
Meter Gleis mit Fahrleitung <strong>und</strong> zwei<br />
neue Haltestellen zu errichten.<br />
Statt auf der alten, bis 1970 genutzten<br />
Trasse, die am Pflasterstreifen bis<br />
heute erkennbar ist, würde der Neubau<br />
am westlichen Fahrbahnrand verlaufen.<br />
Zusätzliche Fahrzeuge sind <strong>für</strong><br />
die Verlängerung nicht erforderlich,<br />
die jetzige Wendezeit am Lustgarten<br />
ist ausreichend <strong>für</strong> die verlängerte<br />
Straßenbahnstrecke.<br />
MSP<br />
Bad Schandau: Am letzten<br />
Aprilwochenende setzte die OVPS<br />
im Rahmen der „Bahnerlebnistage“<br />
ihren 1938 ursprünglich <strong>für</strong><br />
Erfurt gebauten Triebwagen 8 mit<br />
einem Gotha-Beiwagen im Linienbetrieb<br />
ein. Üblicherweise wird<br />
der drei Kurse umfassende Regelverkehr<br />
ausschließlich von den<br />
fünf vorhandenen Gothaer T57-<br />
Zweiachsern erbracht. Triebwagen<br />
8 erhält voraussichtlich ab Herbst<br />
2014 eine gr<strong>und</strong>legende Aufarbeitung<br />
mit Kor rosionsbehandlung<br />
<strong>und</strong> Neulack. Momentan befindet<br />
sich Beiwagen 22 (Typ B2-62) in<br />
eigener Werkstatt zur Hauptuntersuchung<br />
MICHAEL SPERL<br />
Dresden<br />
Standseilbahn<br />
wieder in Betrieb<br />
Pünktlich zum Karfreitag nahmen die<br />
Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) ihre<br />
Standseilbahn Loschwitz – Weißer<br />
Hirsch nach umfangreicher Hauptuntersuchung<br />
wieder in Betrieb. Zuletzt sanierten<br />
die DVB die Bahn 1993/94 komplett.<br />
Ihr Zustand war 2004 noch so gut,<br />
dass nur kleine Reparaturen notwendig<br />
wurden. Von Anfang 2014 bis Ostern<br />
nun rollten beide Waggons zur Gr<strong>und</strong>instandsetzung<br />
in die Hallen der Fahrzeugtechnik<br />
Dessau GmbH, wo <strong>für</strong><br />
275.000 Euro umfangreiche Arbeiten<br />
stattfanden. Unterdessen erledigten<br />
Fachleute der DVB Arbeiten an der Infrastruktur,<br />
prüften das 578 Meter lange<br />
Drahtseil <strong>und</strong> wechselten am Viadukt<br />
mit Abtscher <strong>Aus</strong>weiche verschlissene<br />
Holzschwellen. Auch den 199 Kilowatt<br />
starken Gleichstrommotor der Antriebsanlage<br />
demontierten die Mitarbeiter<br />
<strong>und</strong> überholten ihn komplett. In Betrieb<br />
ist die Standseilbahn jetzt wieder täglich,<br />
montags bis freitags jeweils von<br />
6.30 bis 21.30 Uhr, an Wochenenden<br />
<strong>und</strong> Feiertagen startet der Betrieb 2,5<br />
St<strong>und</strong>en später. Die Wagen sind in der<br />
Hauptverkehrszeit alle zehn Minuten<br />
unterwegs, außerhalb <strong>und</strong> am Wochenende<br />
im 15-Minuten-Takt. Bei großer<br />
Nachfrage wird häufiger gefahren. MSP<br />
Duisburg<br />
Haltestellenumbau<br />
<strong>und</strong> Zusatzverkehr<br />
Strausberg: Am Lustgarten könnte die Strecke künftig wie vor 1970 wieder<br />
nordwärts Richtung Kulturpark weiterführen. Tatra KT8D5 sind hier allerdings<br />
nur noch sporadisch im Einsatz zu beobachten TOBIAS MÜCKE<br />
Bis zum Jahr 2020 sollen entlang<br />
der Stadtbahnlinie U79 auch die restlichen<br />
sechs Haltestellen zwischen<br />
Stadtmitte <strong>und</strong> Wanheimerort barrierefrei<br />
umgebaut sein. Die vom Verkehrsverb<strong>und</strong><br />
Rhein-Ruhr bereitgestellten<br />
Gelder mit einer Förderquote<br />
von 85 Prozent <strong>für</strong> den Umbau müssen<br />
allerdings bis zum Jahresende abgerufen<br />
sein. Die Pläne <strong>für</strong> die Umgestaltung<br />
der Haltestelle „Im Schlenk“<br />
sind am weitesten gediehen, wonach<br />
der bisherige Haltepunkt aus zwei<br />
niedrigen Seitenbahnsteigen auf die<br />
andere Seite der Kreuzung als Hochbahnsteig<br />
zwischen den Gleisen verlagert<br />
werden soll. Es existiert bereits<br />
ein Planungsbeschluss des Stadtrates.<br />
Pro Haltestelle wird mit Umbaukosten<br />
in Höhe von drei bis vier Millionen<br />
Euro gerechnet.<br />
Aufgr<strong>und</strong> der wechselweisen Sperrung<br />
der Autobahn A59 zwischen den<br />
Autobahnkreuzen Duisburg <strong>und</strong> Duisburg-Nord<br />
<strong>für</strong> Sanierungsarbeiten auf<br />
der sogenannten <strong>Berlin</strong>er Brücke über<br />
die Ruhr <strong>und</strong> verschiedene Hafenanlagen<br />
hat die Duisburger Verkehrsgesellschaft<br />
AG (DVG) seit 1. Mai den Fahrplan<br />
auf der SL 903 zwischen Walsum,<br />
Watereck, <strong>und</strong> Wanheimerort, Rheintörchenstraße,<br />
auf einen 5-Minuten-<br />
Takt verdichtet. Das bedeutet, es verkehren<br />
vier Bahnen zusätzlich pro<br />
St<strong>und</strong>e in jeder Richtung. Da die DVG<br />
allerdings nicht über die erforderliche<br />
Fahrzeugreserve verfügt, ist dadurch<br />
der Betrieb auf Linie 901 insofern eingeschränkt,<br />
als dass zwischen den<br />
Haltestellen Scholtenhofstraße in Laar<br />
<strong>und</strong> Obermarxloh Schleife seitdem<br />
Busse im Schienenersatzverkehr fahren.<br />
Die freigesetzten Bahnen kommen<br />
auf der Linie 903 zum Einsatz.<br />
Die üblicherweise auch vom Individualverkehr<br />
mitbenutzten Gleiskörper<br />
zwischen Hamborn <strong>und</strong> Bahnhof Meiderich<br />
<strong>und</strong> auf der Ruhrorter Straße in<br />
Kasslerfeld sind <strong>für</strong> den Kraftfahrzeugverkehr<br />
gesperrt, um einen reibungslosen<br />
Straßenbahnverkehr zu gewährleisten.<br />
Die Bauarbeiten sollen bis<br />
voraussichtlich Anfang Oktober dauern.<br />
Die durch die Abweichung vom<br />
eigentlichen Fahrplan entstehenden<br />
Mehrkosten <strong>für</strong> die DVG betragen<br />
r<strong>und</strong> 940.000 Euro, <strong>für</strong> die die Stadt<br />
Duisburg aufkommt.<br />
WRO<br />
München<br />
Spatenstich <strong>für</strong><br />
U-Bahn-Werkstatt<br />
Neben der Allianz Arena in Fröttmaning<br />
entsteht ein neuer Werkstattkomplex<br />
<strong>für</strong> U-Bahn-Gliederzüge. Die<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014 11
Aktuell<br />
München: Visualisierung der geplanten neuen U-Bahn-Werkstatt Fröttmaning<br />
SWM<br />
Bei dem vorgestellten Fahrzeug handelt<br />
es sich um das erste von 18 Stadtbahnfahrzeugen<br />
<strong>für</strong> die chinesische<br />
Stadt Suzhou in der Provinz Jiangsu.<br />
Die elf Millionen Einwohner zählende<br />
Stadt möchte in den nächsten Jahren<br />
ein 80 Kilometer umfassendes Stadtbahnnetz<br />
errichten. Weitere Fahrzeuge<br />
werden von Puzhen <strong>für</strong> die neuen<br />
Strecken in Nanjing (Provinz Jiangsu)<br />
gebaut, dort entstehen zunächst zwei<br />
Linien. Dabei sind in Nanjing die ersten<br />
fahrleitungslosen Abschnitte Chinas<br />
geplant, die dazu verwendete<br />
Technologie stammt vom Bombardier-<br />
Primove System. Für Bombardier steht<br />
mit dieser Partnerschaft das Tor zum<br />
rasant wachsenden chinesischen Nahverkehrsmarkt<br />
offen.<br />
JEP<br />
Stadtwerke München (SWM) bauen<br />
auf dem Gelände der Technischen Basis<br />
der U-Bahn eine zusätzliche Halle<br />
<strong>für</strong> die Wartung, Inspektion <strong>und</strong> Reparatur<br />
von C-Zügen sowie das dazugehörige<br />
Betriebsgebäude. Der Vorsitzende<br />
der MVG-Geschäftsführung <strong>und</strong><br />
gleichzeitig SWM-Geschäftsführer Verkehr<br />
Herbert König, der Ressortleiter<br />
<strong>und</strong> Geschäftsführer Schiene, Raim<strong>und</strong><br />
Paul, sowie Günter Pedall, Leiter der<br />
U-Bahn-Sparte, übernahmen am 26.<br />
März da<strong>für</strong> den symbolischen ersten<br />
Spatenstich. Die Inbetriebnahme soll<br />
Mitte 2015 erfolgen. Die neue Halle<br />
wird über drei Gleise mit Wartungsgruben<br />
verfügen, r<strong>und</strong> 160 Meter lang<br />
<strong>und</strong> etwa 30 Meter breit sein. Dort<br />
können die modernen Gliederzüge im<br />
Ganzen – also ohne aufwendiges<br />
Trennen – bearbeitet werden. Das angegliederte<br />
Betriebsgebäude besteht<br />
aus zwei Stockwerken: Im Untergeschoss<br />
befinden sich Technikräume,<br />
eine mechanische <strong>und</strong> eine elektronische<br />
Werkstatt sowie ein Kleinteilelager;<br />
im Obergeschoss sind unter anderem<br />
Sozial- <strong>und</strong> Sanitärräume sowie<br />
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Noch mehr <strong>Aus</strong>wahl unter<br />
www.strassenbahnmagazin.de/abo<br />
Büros untergebracht. Die Projektkosten<br />
liegen bei knapp 19 Millionen<br />
Euro. Bei der Regierung von Oberbayern<br />
liegt ein Antrag auf Förderung des<br />
Projektes vor. Der Neubau ist zwingend<br />
erforderlich, weil der Wagenpark<br />
der U-Bahn – bis 2015 kommen insgesamt<br />
21 neue C2-Züge – in den nächsten<br />
Jahren weiter anwächst <strong>und</strong> damit<br />
die Kapazitätsgrenze der bisher bestehenden<br />
Werkstätten übersteigt. Für<br />
die C-Züge bietet der neue Komplex<br />
ganz im Norden der technischen Basis<br />
optimale Bearbeitungsmöglichkeiten.<br />
Die neue U-Bahn-Betriebswerkstätte<br />
steht damit <strong>für</strong> den Erfolg <strong>und</strong> die Zukunft<br />
der Münchner U-Bahn. PM<br />
Industrie<br />
CSR Puzhen<br />
Flexity 2 <strong>für</strong> China<br />
als Lizenzbau<br />
Der chinesische Hersteller CSR Puzhen<br />
stellte Anfang April in Nanjing den<br />
ersten in China gebauten 100-Prozent-Niederflur-Triebwagen<br />
der Öffentlichkeit<br />
vor. Bei dem Fahrzeug<br />
handelt es sich um einen Bombardier-<br />
Lizenzbau des Flexity 2. Bombardier<br />
erteilte seinem chinesischen Partner<br />
die Genehmigung zum Bau dieser<br />
Fahrzeuge <strong>für</strong> zehn Jahre. <strong>Aus</strong>gestattet<br />
sind die Fahrzeuge mit Bombardier-<br />
Drehgestellen vom Typ Flexx Urban<br />
3000 sowie der Mitrac-Technologie.<br />
Bombardier Transportation<br />
Bald EBA-Zulassung<br />
<strong>für</strong> Flexity Swift?<br />
Nachdem Bombardier Transportation<br />
am 31. März 2014 alle zur Zulassung<br />
notwendigen Dokumente an das<br />
Eisenbahnb<strong>und</strong>esamt (EBA) übergab,<br />
rechnet der Hersteller bis Dezember<br />
2014 mit einer Zulassung der ersten<br />
Fahrzeuge.<br />
Zu einer längeren Projektlaufzeit in<br />
der Zulassungsphase führten die<br />
während der Projektphase geänderten<br />
Zulassungsvorschriften (neu: Verwaltungsvorschrift<br />
<strong>für</strong> die Genehmigung<br />
zur Inbetriebnahme von Eisenbahnfahrzeugen)<br />
<strong>und</strong> Normen des EBA (Klebenorm,<br />
messtechnischer Nachweis<br />
von Rollierschwingungen <strong>und</strong> ähnliches).<br />
Diese erfordern einen bis zu<br />
vierfach höheren Prüfaufwand <strong>für</strong> externe<br />
Gutachter. Erschwerend kamen<br />
gegenläufige technische Anforderungen<br />
<strong>und</strong> Normanforderungen bei Straßenbahn-<br />
<strong>und</strong> Vollbahnbetrieb hinzu.<br />
Darüber hinaus waren Modifikationen<br />
am Bremssystem, am Schiebetrittsys-<br />
CSR Puzhen/Bombardier: Den ersten Flexity „made in China“ präsentierte<br />
CSR Puzhen am 9. April in Nanjing<br />
BOMBARDIER TRANSPORTATION<br />
Karlsruhe: Der aus Neckarsulm kommende neue Zweisystem-Tw 925 vom<br />
Typ Flexity Swift überquert in Heilbronn den Neckar ROBERT SCHREMPF<br />
12 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Deutschland · Industrie · Weltweit<br />
tem der Türen <strong>und</strong> an den Kupplungen<br />
notwendig. Bis Ende April 2014 waren<br />
28 der 30 bestellten Triebwagen ausgeliefert,<br />
zehn davon sind von der<br />
Technischen Aufsichtsbehörde <strong>für</strong> den<br />
Betrieb gemäß BOStrab unter 750 Volt<br />
<strong>und</strong> 15 Kilovolt im Karlsruher <strong>und</strong><br />
Heilbronner Stadtbahnnetz zugelassen.<br />
Die restlichen 20 Fahrzeuge werden<br />
derzeit technisch auf den EBO-Zulassungsstatus<br />
hochgerüstet. Bis Juni<br />
2014 sollen 16 Fahrzeuge im EBO-Status<br />
<strong>und</strong> darüber hinaus <strong>für</strong> Doppeltraktion<br />
betriebsbereit zur Verfügung stehen.<br />
Anfang August 2014 erwartet die<br />
AVG den 24. Wagen.<br />
ROS/UMÜ<br />
Alstom<br />
600 Vorortzüge<br />
<strong>für</strong> Südafrika<br />
Am 29. April unterzeichneten die<br />
Passenger Rail-Agency of South Africa<br />
(PRASA) <strong>und</strong> das Joint-Venture Gibela,<br />
an dem neben Alstom mit 61 Prozent<br />
die New Africa Rail mit neun Prozent<br />
<strong>und</strong> die Ubumbano Rail mit 30 Prozent<br />
beteiligt sind, die Finanzierungsverträge<br />
über die Lieferung von 600<br />
Vorortzügen X'Ttrapolis Mega nach<br />
Südafrika. Die insgesamt 3.600 Einzelwagen<br />
sollen über einen Zeitraum von<br />
zehn Jahren zur <strong>Aus</strong>lieferung kommen.<br />
Die Züge mit einer Kapazität von bis<br />
zu 1.218 Fahrgästen bestehen bei 131<br />
Meter Länge <strong>und</strong> 2,75 Meter Breite<br />
aus sechs Einzelwagen <strong>und</strong> können<br />
bis zu 120 Kilometer pro St<strong>und</strong>e<br />
schnell fahren.<br />
Der Auftrag umfasst auch den Bau<br />
einer Produktionsstätte in Dunnottar,<br />
50 Kilometer östlich von Johannesburg.<br />
Gibela bietet auch technische<br />
Hilfe <strong>für</strong> PRASA <strong>und</strong> übernimmt die<br />
Versorgung mit Ersatzteilen <strong>für</strong> 18<br />
Jahre. Der Gesamtwert des Vertrags<br />
beträgt umgerechnet vier Milliarden<br />
Euro <strong>und</strong> ist damit der größte Auftrag<br />
in der Geschichte von Alstom.<br />
Die Unterschrift bestätigt das Engagement<br />
Alstoms, sich als eines der<br />
führenden Unternehmen in Wachstumsmärkten<br />
zu etablieren. Die neuen<br />
X'Ttrapolis Mega sind eine auf die<br />
Spurweite von 1.067 Millimeter angepasste<br />
Weiterentwicklung des<br />
X'Ttrapolis von Alstom. Die ersten 20<br />
Züge werden bei Alstom in Lapa (Brasilien)<br />
hergestellt, während die restlichen<br />
580 am neuen Standort von<br />
Dunnottar montiert werden.<br />
Das Projekt wird mehr als 1.500<br />
direkte <strong>und</strong> 33.000 indirekte Arbeitsplätze<br />
in den ersten zehn Jahren schaffen.<br />
Auch französische Alstom-Stand-<br />
orte werden in die Produktion der<br />
Vorortzüge einbezogen.<br />
MSP<br />
<strong>Aus</strong>land<br />
Großbritannien: Manchester<br />
Verlängerte Strecke<br />
in Betrieb<br />
Im März 2014 erfolgte der nächste<br />
Meilenstein im umfangreichen <strong>Aus</strong>bau<br />
des Straßenbahnnetzes von Manchester,<br />
als die neue Endhaltestelle Rochdale<br />
Town Centre in Betrieb ging. Die von<br />
Manchester nach Norden verlaufende<br />
Oldham and Rochdale Line ist mit einer<br />
Gesamtlänge von 22,5 Kilometern fertiggestellt.<br />
Seit Juni 2012 gingen etappenweise<br />
immer wieder neue Streckenabschnitte<br />
in Betrieb. Ab Februar 2013<br />
erreichten die hochflurigen Metrolink-<br />
Trams die temporäre Endhaltestelle<br />
Rochdale Railway Station. Die jetzt<br />
eröffnete Streckenverlängerung vom<br />
Bahnhof Rochdale ins Zentrum des<br />
Städtchens ist zwar nur einige h<strong>und</strong>ert<br />
Meter lang, verläuft aber komplett auf<br />
der Straße <strong>und</strong> kostete 37 Mio. Pf<strong>und</strong>.<br />
Gleich neben der Endhaltestelle der<br />
Tram befindet sich auch der im November<br />
2013 eingeweihte Busbahnhof.<br />
Manchester Metrolink hat damit eine<br />
aktuelle Netzlänge von 78 Kilometern<br />
<strong>und</strong> insgesamt 77 Haltestellen.<br />
Die Arbeiten an der 14,5 Kilometer<br />
langen Manchester Airport Line laufen<br />
gegenwärtig weiter <strong>und</strong> sollen wie geplant<br />
2016 abgeschlossen sein. Seit<br />
Anfang 2014 ist auch die zweite Tramachse<br />
durch die Innenstadt im Bau,<br />
deren Fertigstellung ist <strong>für</strong> 2016/17<br />
vorgesehen.<br />
AT<br />
Frankreich: Reims<br />
Tram vor dem Konkurs<br />
Die Straßenbahn von Reims, seit<br />
16. April 2011 in Betrieb, steht vor<br />
dem finanziellen Ruin. 14 Millionen<br />
Euro betrage das Defizit, das der Betreiber<br />
Transdev <strong>für</strong> die vergangenen<br />
Jahre ausweist <strong>und</strong> das <strong>für</strong> starke<br />
Zweifel an der 2006 vereinbarten öffentlich-privaten<br />
Partnerschaft (PPP)<br />
zur Finanzierung des Straßenbahnprojekts<br />
mit zwei Linien <strong>und</strong> 11,2 Kilometern<br />
Länge sorgt. Für eine Konzession<br />
von 34 Jahren übernahm damals ein<br />
Konsortium – an dem unter anderem<br />
Alstom, Transdev, Bouygues, SNC Lavallin<br />
<strong>und</strong> Bankinstitute betreiligt sind<br />
– Bau <strong>und</strong> Betrieb, rollendes Material<br />
(18 Alstom Citadis-Züge Typ 302) der<br />
Straßenbahn <strong>und</strong> <strong>für</strong> 30 Jahre Unterhalt<br />
der Linien <strong>und</strong> des Busnetzes. Für<br />
Manchester: Am 31. März 2014 rollten zum ersten Mal seit 1932 wieder<br />
Trams im Regeldienst durch Rochdale. Von der Drake Street kommend befuhr<br />
der Tw 3015 den Bogen vor der neuen Endhaltestelle ANDREW THOMPSON<br />
Rotterdam: Der Leichtbautriebwagen 15 gehört zu den im Straßenbahnmuseum<br />
Hillegersberg seit April ausgestellten Fahrzeugen HANS CASTELEIJN<br />
die Finanzierung steht das Konsortium<br />
ein, <strong>für</strong> den Betrieb überweist die Agglomeration<br />
de Reims, der Stadtumlandverband,<br />
zu dem Reims <strong>und</strong> 15<br />
Nachbargemeinden gehören, eine<br />
Pauschale, die <strong>für</strong> 2011 beispielsweise<br />
46,22 Millionen Euro betrug.<br />
Die Nachricht vom Defizit hatte im<br />
September 2013 bereits zu einem<br />
Streik der Beschäftigten <strong>und</strong> zum<br />
Rücktritt von Direktor Alain Bourion<br />
geführt. Die defizitäre Lage der Tram<br />
sorgte auch im Kommunalwahlkampf<br />
2014 <strong>für</strong> Schlagzeilen. Bürgermeisterin<br />
Adeline Hazan (PS) hatte sie als Mittel<br />
zur deutlichen Aufwertung des Stadtbilds<br />
gewürdigt, Vertreter der kommunistischen<br />
Koalitionspartner (Michel<br />
Guillaudeau) bezeichneten sie als<br />
„kostspielig <strong>und</strong> überdimensioniert“.<br />
Der Machtwechsel im Rathaus von<br />
Adeline Hazan (PS) zu Arnaud Robinet<br />
(UMP) hat nun die Problematik eher<br />
verschärft, bei Redaktionsschluss standen<br />
Gespräche der politisch Verantwortlichen<br />
von Umlandverband Mars,<br />
Stadt Reims <strong>und</strong> dem Konsortium an.<br />
Beobachter vermuten, dass der Umlandverband<br />
Mars künftig selbst als<br />
Betreiber fungieren könnte. Im Citura<br />
genannten ÖPNV-Netz von Reims sind<br />
18 Straßenbahnen, 107 Standardbusse,<br />
50 Gelenkbusse <strong>und</strong> 11 Kleinbusse<br />
im Einsatz.<br />
VLC<br />
Niederlande: Rotterdam<br />
Trammuseum in<br />
Hillegersberg eröffnet<br />
Am 5. April eröffneten in Rotterdam<br />
die liberale Stadtbeigeordnete<br />
Jeannette Baljeu, der Tram-Fachbuchautor<br />
Bas Schenk <strong>und</strong> der Museumschef<br />
feierlich das neue Museum<br />
im ehemaligen Betriebshof Hillegersberg.<br />
Die Sammlung umfasst Wagen<br />
der Tramweg Stichting, der Stichting<br />
ROMEO <strong>und</strong> der Rotterdamse Elektrische<br />
Tram N.V. (RET). Als 1969 die letzten<br />
Vierachser der RET außer Betrieb<br />
gingen, hatte das Unternehmen in seinen<br />
Betriebshöfen viel Platz. Zahlreiche<br />
Wagen blieben dort mehrere Jahrzehnte<br />
ungenutzt abgestellt, andere<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014 13
Aktuell<br />
Wien: Auf der Brünner Straße bieten die E 2 + c 5 -Züge noch einen ungewohnten<br />
Anblick. Am 23. April verlässt der Zug 4068 + 1468 im Einsatz auf<br />
der Verstärkerlinie 30 die Haltestelle Anton-Schall-Gasse WOLFGANG KAISER<br />
Wien: Seit 2009 ist die Ring-Tram unterwegs, hier Wagen 4867 im Sommer<br />
2010. Was die Wiener Linien in einer Pressemeldungen verschweigen: Die<br />
Wagen sind im Durchschnitt eher schlecht ausgelastet ANDREAS MAUSOLF<br />
Österreich: Wien<br />
Düwag-Nachbauten erstmals in Floridsdorf<br />
Typ E 2 links der Donau<br />
Erstmals in ihrer mittlerweile 36-jährigen Einsatzzeit kommen die sechsachsigen<br />
Gelenktriebwagen E 2 – Lizenzbauten des Düwag-Typs „Mannheim“ – im<br />
Streckennetz links der Donau zum Einsatz. Seit 31. März 2014 fahren bis zu fünf<br />
E 2 + c 5 -Züge auf der Verstärkerlinie 30, die an Werktagen von 6 bis 9 <strong>und</strong> von 12<br />
bis 19 Uhr die Linie 31 im Streckenabschnitt Floridsdorf – Stammersdorf ergänzt.<br />
Zu diesem Zweck stationierten die Wiener Linien (WL) die E 2 4065 bis<br />
4069 <strong>und</strong> c 5 1464 bis 1468 beim Betriebsbahnhof Floridsdorf. Die ehemaligen<br />
Favoritner Wagen waren in der alten Heimat seit der Kürzung der Linie 67 am<br />
28. Februar (siehe <strong>STRASSENBAHN</strong><strong>MAGAZIN</strong> 5/2014) überzählig. Weitere E 2<br />
<strong>und</strong> c 5 wird Floridsdorf im Laufe des Jahres aus Speising erhalten, denn hier<br />
treffen sukzessive fabrikneue Niederflurwagen Typ A1 ein. Auf der Linie 62, die<br />
heute noch im Mischbetrieb mit A/A1 <strong>und</strong> E 2 + c 5 fährt, wollen die WL dann<br />
ausschließlich Niederflurwagen einsetzen. Mit der Beheimatung von E 2 <strong>und</strong> c 5 in<br />
Floridsdorf verkehren die 119 Trieb- <strong>und</strong> 117 Beiwagen nun in nahezu allen Teilen<br />
des Netzes, <strong>und</strong> zwar auf den Linien D (neun Züge), 1 (zehn Züge), 6 (vier<br />
Züge), 18 (acht Züge), 30 (fünf Züge), 38 (vier Züge), 40 (fünf Züge), 41 (fünf Züge),<br />
58 (fallweise ein Zug), 60 (zehn Züge), 62 (acht Züge), 67 (13 Züge), 71<br />
(zwölf Züge) <strong>und</strong> 72 (zwei Züge bei Bedarf), wobei der Einsatz ausschließlich<br />
mit den zugehörigen Beiwagen c 5 erfolgt. In Folge schrittweiser <strong>Aus</strong>musterung<br />
der Altwagen E 1 ist mit einer weiteren <strong>Aus</strong>weitung des Einsatzgebietes zu rechnen,<br />
denn auch in den kommenden Jahren streben die WL auf den meisten Linien<br />
einen Mischbetrieb aus Hoch- <strong>und</strong> Niederflurwagen an. Die E 2 erhielten erst<br />
in den Jahren 2010/11 eine moderne Choppersteuerung <strong>und</strong> sollen noch mindestens<br />
zehn Jahre lang im Einsatz bleiben.<br />
WK<br />
Ring-Tram weiterhin mit großem Steigerungspotential<br />
Vor fünf Jahren avancierte sie zum Begriff <strong>für</strong> Wien-Touristen: Seither verzeichneten<br />
die Wiener-Linien in der Ring-Tram 300.000 Fahrgäste, die auf bequeme<br />
Weise Wiens schönste Seiten erlebten. Die Trend geht aufwärts: 2013 waren es<br />
70.000 Gäste <strong>und</strong> damit 60 Prozent mehr als 2010. Trotzdem sind die Wagen damit<br />
schwach ausgelastet. Durchschnittlich sind sie zu 30 Prozent besetzt. Seit April<br />
2014 ist die Haltestelle Schwedenplatz zentrale Ein- <strong>und</strong> <strong>Aus</strong>stiegs-Haltestelle, so<br />
dass der von vielen als störend empf<strong>und</strong>ene stetige Fahrgastwechsel entfällt. Täglich<br />
fährt die Ring-Tram nun von 10 bis 17.30 Uhr zu jeder vollen <strong>und</strong> halben St<strong>und</strong>e<br />
ab. Die Tickets sind auch direkt beim Fahrtbegleiter erhältlich.<br />
AMA/AM<br />
fanden als Arbeitswagen eine neue<br />
Verwendung – <strong>und</strong> entgingen so dem<br />
Schneidbrenner. Über viele Jahre existierte<br />
so eine ganze Wagenflotte im<br />
„Dornröschenschlaf“. Daran änderte<br />
sich bis zum Jahr 2000 wenig. Diesem<br />
Umstand ist der heute ungewöhnlich<br />
große Museumswagenbestand Rotterdams<br />
zu verdanken. Da die RET ihre<br />
originalen Beiwagen bis 1965 komplett<br />
verschrottet hatte, entstanden nun übrigens<br />
auch drei neue Beiwagen (1001,<br />
1008 <strong>und</strong> 1020) aus ehemaligen Triebwagen.<br />
Nach mehreren Jahren präsentiert<br />
sich nun auch der Tw 15 teilaufgearbeitet.<br />
Es handelt sich um einen<br />
Leichttriebwagen mit nur 12,5 Tonnen<br />
Leermasse, den Vorläufer heutiger Niederflurwagen<br />
des Herstellers Schindler-<br />
Pratteln aus der Reihe 1 bis 15 der Baujahre<br />
1956/57.<br />
CEIJ<br />
Ungarn: Budapest<br />
Eröffnung M4<br />
Knapp eine Woche vor den ungarischen<br />
Parlamentswahlen eröffneten<br />
die Budapester Verkehrsbetriebe (BKV)<br />
Budapest: Der teils bergmännisch<br />
errichtete U-Bahnhof am Szent Gellért<br />
tér präsentiert sich mit einem<br />
mit Kleinmosaik verkleideten Mittelschiff<br />
ROBERT SCHWANDL<br />
im Beisein des Ministerpräsidenten am<br />
28. März nach mehrjähriger Verzögerung<br />
die vierte Metrolinie. Die 7,4 Kilometer<br />
lange, durchgehend unterirdische<br />
Strecke verbindet den gleichzeitig<br />
ausgebauten Bahnhof Kelenföld im<br />
Südwesten von Buda mit dem wichtigsten<br />
Fernbahnhof der Stadt, dem<br />
Keleti pályaudvar (Ostbahnhof) auf<br />
Pester Seite, wobei sie acht Zwischenstationen<br />
bedient. Der Großteil der<br />
Strecke liegt in tiefen, im Schildvortrieb<br />
aufgefahren eingleisigen Röhren,<br />
die Stationen enstanden jedoch bis<br />
auf Rákóczi tér <strong>und</strong> Szent Gellért tér<br />
(direkt östlich der Donauunterquerung)<br />
größtenteils in offener Bauweise<br />
<strong>und</strong> präsentieren sich somit als großzügige<br />
<strong>und</strong> individuell gestaltete Bauwerke,<br />
wobei an einigen – vor allem<br />
am Móricz Zsigmond körtér – ein gewisser<br />
Einfluss der Münchner U-Bahn<br />
14 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Weltweit<br />
Wagen Nr. 2301 <strong>und</strong> 2302. Neben 60<br />
T4YU + B4YU-Zügen, 51 KT4YU <strong>und</strong><br />
16 Achtachsern vom Typ TMK 2100<br />
sind daher auch die mittlerweile bereits<br />
40 Jahre alten Vierachser vom Typ<br />
TMK 201 weiterhin im Linieneinsatz.<br />
Die als Tw 201 bis 230 geführte Serie<br />
entstand 1974 bei Duro-Dakovic in Slavonski<br />
Brod. Bis zum Jahr 2007 setzte<br />
die ZET die Triebwagen mit jeweils zwei<br />
Beiwagen als Dreiwagenzüge auf den<br />
Linien 11 <strong>und</strong> 12 ein. Als dort die Nienicht<br />
zu übersehen ist. Am Keleti pálya -<br />
udvar besteht eine Umsteigemöglichkeit<br />
zur M2, am Kálvin tér zur M3.<br />
Am Fövám tér ließen die BKV die alte<br />
Haltestelle der Straßenbahnlinie 2<br />
unter dem Brückenkopf der Szabadság<br />
híd komplett umbauen <strong>und</strong> in das Zwischengeschoss<br />
der Metro integrieren.<br />
Ursprünglich war ein Weiterbau in<br />
Richtung Nordosten zum Bosnyák tér<br />
vorgesehen, doch die derzeitige Regierung<br />
bevorzugt den Bau der M5 als<br />
innerstädtische Nord-Süd-Verbindung<br />
der HÉV-Vorortbahnen.<br />
Wie bereits auf der Linie M2 verkehren<br />
auf der neuen M4 durchgehend<br />
begehbare, klimatisierte Züge<br />
des Typs Metropolis von Alstom, anders<br />
als auf der M2 jedoch nur aus<br />
vier Wagen mit 80 Metern Zuglänge.<br />
Die Züge sind <strong>für</strong> den fahrerlosen Betrieb<br />
ausgelegt, jedoch wird mindestens<br />
ein Jahr lang jeweils ein Fahrer in<br />
der provisorisch eingebauten Kabine<br />
anwesend sein. Das Signalsystem erlaubt<br />
30 Züge pro St<strong>und</strong>e. RSC<br />
Schweden: Stockholm<br />
Djurgårdslinie<br />
wird verlängert<br />
Seit August 2010 gibt es in der Innenstadt<br />
von Stockholm wieder regulären<br />
ÖPNV mit der Straßenbahn.<br />
Dabei bedient das Nahverkehrsunternehmen<br />
AB Storstockholms Lokaltrafik<br />
(SL) die 1991 <strong>für</strong> museale Zwecke reaktivierte<br />
Djurgårdslinie (Norrmalmstorg<br />
– Waldemarsudde) mit Niederflurwagen<br />
vom Bombardier-Typ Flexity<br />
Classic, die zuvor von Norrmalmstorg<br />
um zwei Stationen bis Sergels torg<br />
verlängert worden war. Gegenwärtig<br />
ist eine Verlängerung der als Linie 7<br />
verkehrenden ÖPNV-Strecke von Sergels<br />
torg bis T-Centralen im Bau. Dazu<br />
lässt SL auch die Tragfähigkeit der unterirdischen<br />
Fußgängerpassagen bei<br />
Sergels torg dem Gewicht der Straßenbahnwagen<br />
anpassen. Da <strong>für</strong> die<br />
in Etappen geplante Verlängerung der<br />
Prag: Zu Ostern fanden auf der<br />
U-Bahn-Linie A Bauarbeiten statt.<br />
<strong>Aus</strong> diesem Gr<strong>und</strong> schlossen die<br />
Prager Verkehrsbetriebe die Linie<br />
A vom Abend des 18. April bis einschließlich<br />
21. April. Als Ersatzverkehr<br />
fuhr die Straßenbahnlinie X-A<br />
im Takt aller 7,5 Minuten auf der<br />
Strecke Podbaba – Nadrazi Strasnice.<br />
Am 19. April 2014 passierte<br />
T3SUCS-Zug 7134 + 7081 die Manesuv-Brücke<br />
vor der Kulisse der<br />
Prager Burg ONDREJ MATEJ HRUBES<br />
Linie nicht jeweils Wendeschleifen<br />
errichtet werden können, verkehren<br />
Zweirichtungsfahrzeuge. Das Depot ist<br />
<strong>für</strong> die momentan sechs eingesetzten<br />
Straßenbahnwagen zu klein. Deshalb<br />
ist ein Neubau auf dem Industriegelände<br />
Frihamnen/Värtan geplant.<br />
Ebenso ist eine Fortführung der Neubaustrecke<br />
von T-Centralen auf die Insel<br />
Kungsholmen zu einem Neubaugebiet<br />
im Gespräch.<br />
Der Straßenbahnverkehr in Stockholm<br />
war mit der Umstellung des Straßenverkehrs<br />
auf Rechtsverkehr 1967<br />
eigentlich beendet worden. Nach vielen<br />
Jahren ohne Nutzung nahmen<br />
Tramfre<strong>und</strong>e 1991 die Djursgardslinie<br />
als Nostalgielinie 7 wieder in Betrieb.<br />
Seit 2010 fahren die Nostalgietrams<br />
mit dem Liniensignal 7N. EGG/AM<br />
Kroatien: Zagreb<br />
Aktueller Einsatz<br />
der Altwagen<br />
Die Zagreber elektrische Straßenbahn<br />
(ZET) der kroatischen Hauptstadt<br />
beschaffte in den Jahren 2005 bis<br />
2010 beim heimischen Firmenkonsortium<br />
„Crotram“ 140 fünfteilige Niederflurtriebwagen.<br />
Die 32 Meter langen<br />
Fahrzeuge des Typs NT 2200<br />
tragen die Betriebsnummern 2201 bis<br />
2299 sowie 22100 bis 22140. Durch<br />
diese Modernisierung des Fuhrparks<br />
musterten die ZET im genannten Zeitraum<br />
parallel sämtliche Zweiachser,<br />
etliche Tatrawagen der Bauarten T4YU<br />
<strong>und</strong> B4YU sowie die aus Mannheim<br />
übernommenen Düwag-Sechsachser<br />
aus. In den nächsten Jahren soll nun<br />
eine Serie von kürzeren, dreiteiligen<br />
Niederflurwagen weitere Altwagen ersetzen.<br />
<strong>Aus</strong> finanziellen Gründen hat<br />
die ZET bisher aber nur zwei Prototypen<br />
des Typs NT 2300 beschafft – die<br />
Stockholm: Tw 3 fährt am 13. Juni 2013 in die provisorische Endhaltestelle<br />
Sergels torg ein. Ankommende Züge müssen oft mit der Einfahrt warten,<br />
bis die eingleisige Endstelle frei ist<br />
MATTHIAS EMMENEGGER<br />
Zagreb: Die Zeit der Vierachser vom Typ TMK 201 läuft langsam ab. Am<br />
18. März 2014 fahren die Zweiwagenzüge 223 + 707 <strong>und</strong> 215 + 711 nach einer<br />
Betriebsstörung dicht hintereinander in Richtung Savisce WOLFGANG KAISER<br />
derflurwagen vom Typ NT 2200 deren<br />
Aufgaben übernahmen, erhielten die<br />
verbliebenen 18 Triebwagen neue Einsatzpläne<br />
<strong>und</strong> verkehren seither nur<br />
noch mit einem Beiwagen. Bevorzugtes<br />
Einsatzgebiet ist die den Hauptbahnhof<br />
tangierende Ost-West-Durchmesserlinie<br />
2, aber auch auf den Linien 1 <strong>und</strong><br />
12 kann man mit einzelnen Zweiwagenzügen<br />
rechnen. Der Einsatz der<br />
Veteranen beschränkt sich allerdings<br />
auf Schultage.<br />
WK<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
15
Betriebe<br />
Jubilar mit<br />
„unjewöhnlicher“<br />
Geschichte<br />
120 Jahre Dessauer Straßenbahn Sie blickt<br />
in diesem Jahr auf eine 120-jährige Geschichte<br />
zurück – eröffnet im November 1894 als erste<br />
ausschließlich mit Gasmotorwagen betriebene<br />
Straßenbahn der Welt, fährt sie seit 1901 elektrisch.<br />
Eine Zeit voller Höhen <strong>und</strong> Tiefen …<br />
Dessau galt bis zur Zerstörung der<br />
Innenstadt am 7. März 1945 als<br />
eine Perle Anhalts. Die 100 Jahre<br />
zuvor einsetzende Industrialisierung<br />
brachte wirtschaftlichen Aufschwung,<br />
Wachstum, Probleme <strong>und</strong> einen bescheidenen<br />
Wohlstand gleichermaßen mit sich. Namen<br />
wie Hugo Junkers oder das Bauhaus<br />
sind bis heute untrennbar mit Dessau verb<strong>und</strong>en.<br />
In der DDR-Zeit war Dessau die<br />
13. größte Stadt der Republik. Den seit<br />
1. Juli 2007 amtlichen Namen „Dessau-<br />
Roßlau“ haben bis heute nicht alle Einwohner,<br />
aber schon gar nicht alle Gäste <strong>und</strong><br />
Fre<strong>und</strong>e der Stadt verinnerlicht.<br />
Die Einwohner mit ihrer ganz eigenen<br />
M<strong>und</strong>art („mit’s Rad in’n Jarten“) <strong>und</strong> ihren<br />
Eigenarten kann man entweder nur lieben<br />
oder kopfschüttelnd ignorieren. So<br />
geht es vielen Nahverkehrsfre<strong>und</strong>en auch<br />
mit der Dessauer Straßenbahn: In den vergangenen<br />
Jahren fiel der kleine Regelspurbetrieb<br />
mit seinen zwölf Kilometer Streckenlänge<br />
<strong>und</strong> drei verkehrenden Linien<br />
mit einem aktuellen Gesamtbestand von 16<br />
Fahrzeugen meist kaum auf. Trifft man in<br />
Magdeburg <strong>und</strong> Halle, aber durchaus auch<br />
in Halberstadt <strong>und</strong> vor allem natürlich in<br />
Naumburg regelmäßig Straßenbahnfotografen,<br />
so wird der fünfte Trambetrieb in<br />
16 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Dessau<br />
Sachsen-Anhalt vergleichsweise wenig dokumentiert.<br />
Die zehn heute von der Dessauer<br />
Verkehrsgesellschaft (DVG) im Regelbetrieb<br />
eingesetzten NGT6DE aus der<br />
Flexity Classic-Familie von Bombardier<br />
verrichten ihren Dienst eher unauffällig.<br />
Überraschend ist auch die geringe Anzahl<br />
von historischen Wagen – es gibt lediglich<br />
zwei alte Zweiachser. Wertvolle Fahrzeuge<br />
zu erhalten, liegt den Dessauern scheinbar<br />
Straßenbahnalltag in Dessau:<br />
Einer der zehn 2001<br />
von Bombardier in Bautzen<br />
gebauten Niederflurwagen<br />
kommt von der Haltestelle<br />
Hauptpost <strong>und</strong> fährt auf<br />
Linie 4 zur Kreuzbergstraße.<br />
Im Hintergr<strong>und</strong> der Aufnahme<br />
vom 26. Juli 2012 steht<br />
die Johanniskirche<br />
DIRK WITTMANN<br />
bisher weniger? Dabei haben sie in den vergangenen<br />
120 Jahren bereits viel mit ihrer<br />
Straßenbahn erlebt:<br />
Die Anfänge im 19. Jahrh<strong>und</strong>ert<br />
Die ersten Bemühungen zum Bau einer Straßenbahn<br />
in Dessau gehen bis in das Jahr<br />
1876 zurück. Die Stadt hatte damals etwa<br />
20.000 Einwohner <strong>und</strong> war durch die Industrialisierung<br />
im starken Wachstum begriffen.<br />
Entsprechend dem damaligen Stand<br />
der Technik wäre eine Pferdebahn möglich<br />
gewesen. Doch die Sache verlief im Sande.<br />
In der Folgezeit gab es dazu weitere Anläufe<br />
– sie waren ebenso erfolglos wie kurzzeitige<br />
Versuche mit einem Pferdebus.<br />
Im Jahr 1890 hatte die Einwohnerzahl die<br />
40.000 überschritten, der Bau eines Nahverkehrsmittels<br />
erschien immer dringlicher.<br />
In einer Denkschrift schlugen der Geheime<br />
Regierungsrat a. D. Aue <strong>und</strong> Ossian Richter,<br />
der Direktor des Speditionsvereins Wallwitzhafen,<br />
1892 den Bau von<br />
elektrischen Straßenbahnen vor,<br />
die vom Kleinen Markt nach<br />
Roßlau, Jonitz <strong>und</strong> Alten sowie<br />
vom Bahnhof zum Friedhof III<br />
fahren sollten.<br />
Zu diesem Zeitpunkt schaltete<br />
sich die Dessauer Großindustrie<br />
ein. Nach Mitteilungen über Probefahrten<br />
eines Gasmo torwagens<br />
in Dresden schritten die Deutsche<br />
Continental-Gas-Gesellschaft (DCGG)<br />
<strong>und</strong> die <strong>Berlin</strong>-Anhaltische Maschinenbau Aktiengesellschaft<br />
(BAMAG) zur Initiative: Am<br />
5. Januar 1893 beantragten beide Firmen gemeinsam<br />
eine Konzession <strong>für</strong> eine Straßenbahn<br />
mit motorischem Antrieb.<br />
Der Bau der Gasbahn<br />
Am 2. März 1894 gründeten die DCGG <strong>und</strong><br />
BAMAG die Dessauer Straßenbahn-Gesellschaft.<br />
Im Vertrag mit der Stadtverwaltung<br />
vom 9. April 1894 über den Bau einer Straßenbahn<br />
ließ sie die Frage der Antriebsart<br />
noch offen. In der Folgezeit begaben sich Abordnungen<br />
aus Dessau zur Besichtigung des<br />
Gasbahnversuchsbetriebes nach Dresden sowie<br />
nach Gera, wo zu dieser Zeit schon eine<br />
elektrische Straßenbahn verkehrte. Aufgr<strong>und</strong><br />
der anschließend aufgestellten Kalkulationen<br />
entschied sich die Gesellschaft <strong>für</strong> den Gasmotorantrieb<br />
nach dem in Dresden ausgeführten<br />
System Lührig. Die BAMAG war zu<br />
diesem Zeitpunkt aus dem Unternehmen ausgeschieden,<br />
da<strong>für</strong> waren die Gasmotorenfabrik<br />
Deutz als Lieferant der Motoren <strong>und</strong> die<br />
Gas Traction Co. London als Inhaberin der<br />
Patente auf die Gasmotorwagen beigetreten.<br />
Der Bau der Dessauer Straßenbahn begann<br />
Ende April 1894 mit dem Verlegen der<br />
Gleise durch die englische Firma Gas Traction<br />
Co. Parallel entstanden auf damals noch<br />
unbebautem Gelände vor der Stadt neben<br />
dem Friedhof III ein Depot sowie auf dem<br />
Gelände der Gasanstalt in der Nähe des<br />
Bahnhofes <strong>und</strong> als Anbau der Depothalle je<br />
eine Komprimierstation. In beiden Fällen<br />
ließ die Straßenbahngesellschaft kurze<br />
schmiedeeiserne Leitungen zu den Füllständern<br />
an den Endstellen verlegen. Hier konnte<br />
auch Kühlwasser nachgefüllt werden.<br />
Am 17. Oktober 1894 traf der erste Motorwagen<br />
aus Köln bzw. Deutz ein, kurze<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
17
Betriebe<br />
Zeit später folgten acht weitere. Damit erfolgten<br />
zunächst Probefahrten <strong>und</strong> die Unterweisung<br />
des Personals.<br />
OBEN Ein von einer<br />
Lokomotive gezogener<br />
Zug der Gasbahn;<br />
am Schluss<br />
einer der größeren<br />
Sommerwagen<br />
SLG. HEINZ GLODSCHEI (2)<br />
LINKS Ab dem<br />
28. März 1907 fuhr<br />
die Dessauer Straßenbahn<br />
bis auf den<br />
Markt in Roßlau.<br />
Aufgr<strong>und</strong> gegen<br />
Ende des Zweiten<br />
Weltkrieges zerstörter<br />
Brücken endete<br />
der Betrieb in den<br />
heutigen Stadtteil<br />
im April 1945 – die<br />
Gleise dienten<br />
später zum Wiederaufbau<br />
in der Dessauer<br />
Innenstadt<br />
OBEN Auf den<br />
Fahrscheinen der<br />
Dessauer Straßenbahn<br />
war das<br />
Liniennetz schematisch<br />
dargestellt<br />
SLG. SIGURD HILKENBACH<br />
LINKS Die Gleisführung<br />
von Gas- <strong>und</strong><br />
elektrischer Straßenbahn<br />
auf einer Ende<br />
der DDR-Zeit herausgegebenen<br />
Karte<br />
SLG. REINHARD SCHULZ<br />
Der Betrieb der Gasbahn<br />
Die feierliche Eröffnung der ersten ausschließlich<br />
mit Gasmotorwagen betriebenen<br />
Straßenbahn der Welt fand am 14. November<br />
1894 statt. Am nächsten Tag begann<br />
der reguläre Betrieb auf der 2,5 Kilometer<br />
langen Linie von der Linie Post zum Friedhof<br />
III. Dieser Linie folgte bereits am 6. Dezember<br />
die vom Bahnhof über den Markt<br />
zum Leopolddankstift (seit 1927 Museum<br />
<strong>für</strong> Naturk<strong>und</strong>e <strong>und</strong> Vorgeschichte) mit 1,9<br />
Kilometer Länge.<br />
Im Jahr 1895 stellte die Straßenbahngesellschaft<br />
beide Linien in ihrer endgültigen <strong>Aus</strong>dehnung<br />
fertig. Dazu verlängerte sie die erste<br />
Strecke von der Post um 800 Meter durch die<br />
Kaiserstraße bis zum Bahnhof sowie die zweite<br />
Linie vom Leopolddankstift durch die Askanische<br />
Straße um einen Kilometer bis zur<br />
Raffinerie. Damit war die geplante erste Stufe<br />
des Straßenbahnnetzes abgeschlossen, die<br />
Streckenlänge betrug 6,2 Kilometer.<br />
Die neun 1894 zur Eröffnung beschafften<br />
Triebwagen waren von van der Zypen &<br />
Charlier in Köln gebaut worden <strong>und</strong> mit 7-<br />
PS-Motoren der Deutzer Gasmotorenfabrik<br />
ausgestattet. Sie verfügten über zwölf Sitz<strong>und</strong><br />
14 Stehplätze. Unter den als Längsbänke<br />
ausgeführten Sitzplätzen befand sich auf<br />
der einen Seite der Motor <strong>und</strong> auf der anderen<br />
einer der drei Gasbehälter. Außerdem<br />
beschaffte die Straßenbahn gesellschaft noch<br />
zwei offene <strong>und</strong> zwei geschlossene Beiwagen,<br />
einen Bahnmeisterwagen sowie einen<br />
Schneepflug. Gemäß Fahrplan<br />
sollte morgens von 6.30 bis<br />
9.00 Uhr alle 15 Minuten, danach<br />
alle zehn Minuten ein<br />
Wagen fahren. Die letzte<br />
Fahrt war <strong>für</strong> 22 Uhr vom<br />
Bahnhof zum Depot vorgesehen.<br />
Doch es stellte sich<br />
schon bald heraus, dass sich<br />
die großen Erwartungen, die<br />
man in den Gasbahnbetrieb<br />
gesetzt hatte, nicht erfüllen. Achsbrüche,<br />
Entgleisungen, Versagen der Motoren <strong>und</strong><br />
andere Störungen führten fast täglich zu Betriebsunterbrechungen.<br />
Dadurch sanken die<br />
Einnahmen <strong>und</strong> stiegen die Reparaturkosten,<br />
so dass kein wirtschaftlicher Betrieb<br />
möglich war. Der angedachte <strong>Aus</strong>bau des<br />
Streckennetzes <strong>für</strong> den Gasbahnbetrieb unterblieb<br />
deshalb.<br />
Die Beschaffung neuer Triebwagen mit 10-<br />
PS-Motoren ab 1895 <strong>und</strong> der durch die 1895<br />
in Dessau gegründete Deutsche Gasbahn-Gesellschaft<br />
ausgeführte Umbau eines Teils der<br />
Wagen zu Gaslokomotiven, die ab Herbst<br />
1897 mit Beiwagen fuhren, brachte keine<br />
Verbesserung. So gab es in der Stadt immer<br />
18 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Dessau<br />
<strong>Aus</strong> dem Dessauer Hauptbahnhof entstand in den 1920er Jahren diese als Ansichtskarte vertriebene Aufnahme. Die Türme der Johanniskirche,<br />
des Rathauses, der Hauptpost sowie des Museums sind aufgr<strong>und</strong> von DDR-Neubauten heute nicht mehr sichtbar<br />
SLG. SIGURD HILKENBACH<br />
mehr Stimmen <strong>für</strong> einen elektrischen Betrieb.<br />
Daraufhin beschloss die Generalversammlung<br />
der Dessauer Straßenbahn-Gesellschaft<br />
am 25. Februar 1899 die Umstellung<br />
– verb<strong>und</strong>en mit dem Neubau einer<br />
Strecke von der Katholischen Kirche durch<br />
die Albrechtstraße zum Elbhaus.<br />
Der elektrische Betrieb bis 1918<br />
Im Jahre 1900 erfolgten die notwendigen<br />
Umbauarbeiten <strong>und</strong> die Beschaffung von 15<br />
zweiachsigen Elektrotriebwagen mit offenen<br />
Plattformen von einer der in Breslau ansässigen<br />
Waggonbaufirmen. Zehn Beiwagen<br />
der Gasbahn ließ die Dessauer Straßenbahn-Gesellschaft<br />
zur Weiterverwendung<br />
durch die elektrischen Triebwagen anpassen.<br />
Danach endete am 24. März 1901 der<br />
Gasbahnbetrieb.<br />
Nach einem Tag Betriebsruhe <strong>für</strong> Restarbeiten<br />
an den neuen Anlagen nahm die Straßenbahn<br />
am 26. März 1901 den elektrischen<br />
Betrieb auf <strong>und</strong> eröffnete gleichzeitig<br />
die neue Strecke zum Elbhaus. Die Gleise<br />
am Bahnhof waren zuvor so umgebaut<br />
worden, dass die Wagen vom Friedhof III<br />
über Leopolddankstift, Post, Bahnhof,<br />
Markt <strong>und</strong> Leopolddankstift bis zur Raffinerie<br />
durchgehend verkehren konnten.<br />
Die Strecke von der Katholischen Kirche<br />
zum Elbhaus ließ die Straßenbahngesellschaft<br />
1906 bis Roßlau Markt verlängern,<br />
die Inbetriebnahme des 3,5 Kilometer langen<br />
Abschnittes erfolgte am 28. März 1907.<br />
Da<strong>für</strong> beschaffte die Straßenbahn-Gesellschaft<br />
zuvor Anfang 1907 drei weitere<br />
Triebwagen des vorhandenen Typs sowie<br />
vier Beiwagen mit offenen Bühnen aus Breslau.<br />
Zum Wenden der Roßlauer Züge entstanden<br />
am Markt insgesamt drei Gleise.<br />
Aufgr<strong>und</strong> des steigenden Verkehrsaufkommens<br />
bezog die Dessauer Straßenbahn 1911<br />
bzw. 1914 insgesamt je drei Trieb- <strong>und</strong> Beiwagen<br />
mit geschlossenen Bühnen. Hersteller<br />
der Triebwagen war die Gottfried Lindner<br />
AG in Ammendorf bei Halle, Hersteller der<br />
Beiwagen die 1901 aus der Deutschen Gasbahn-Gesellschaft<br />
hervorgegangene Dessauer<br />
Waggonfabrik. Ein weiterer <strong>Aus</strong>bau des<br />
Straßenbahnnetzes erfolgte zunächst nicht.<br />
Die Entwicklung bis 1944<br />
In den 1920er-Jahren richtete die Dessauer<br />
Straßenbahn-Gesellschaft einen umfangreichen<br />
Busverkehr in die Vororte <strong>und</strong> die<br />
Gemeinden des Umlandes ein. Ab 1924 erneuerte<br />
sie aber auch den Wagenpark der Stra-<br />
Wagenzugänge nach Dessau im Zweiten Weltkrieg<br />
Anzahl Typ Ankunft Herkunft Hersteller/Baujahre Nr. in Dessau weitere Angaben<br />
4 Tw 1939 Kaiserslautern Wismar 1914/1916 13'', 15'', 20'', 21'' 1945 drei KV, ex 15'' ab 1947: Tw 22''<br />
3 Bw 1940 Köln-Mühlheim Köln 1908 37''–39'' >108–110 1945 zwei KV, Bw 110 ab 1947: Bw 113''<br />
3 Bw 1940 Köln-Mühlheim Düsseldorf 1906 40''–42'' >111–113 1945 Bw 111 KV, ab 1947: Bw 103'', 104''<br />
7 Tw 1941 Gießen HaWa 1909/1910 6''–12'' 1945 fünf KV, 1947 ex Tw 10'' Umbau in Bw 114''<br />
1 Tw 1941 Trier SSW 1905 ATw ohne Nr. Schleifwagen, vor 8/1945 ausgemustert<br />
20 Tw 1942 Den Haag Werkspoor/La Brugeoise Tw 35–44 1945 sieben KV, Tw 35, 36, 41 ab 1947:<br />
1905–1907 Tw 23'' bis 25''<br />
davon zehn gleich zu Bw umgebaut Bw 117–126 1945 vier KV, übrige ab 1947: Bw 107'' bis 112''<br />
4 Bw 1944 (ab Werk) Uerdingen 1943 101'', 102'' KSW, zwei KV, übrige beide 1970 a<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
19
Betriebe<br />
ßenbahn. So beschaffte sie 13 Triebwagen mit<br />
unterschiedlicher Fahrgestellbauweise von der<br />
Dessauer Waggonfabrik <strong>und</strong> versah je einen<br />
Triebwagen von 1901 <strong>und</strong> 1907 mit geschlossenen<br />
Plattformen, die Beiwagen erhielten<br />
ebenfalls geschlossene Plattformen. Einen Teil<br />
der alten Triebwagen ließ die Gesellschaft zu<br />
Bei- oder Arbeitswagen umbauen. Anfang der<br />
1930er-Jahre führte die Dessauer Straßenbahn<br />
Liniennummern ein. Die Strecke Friedhof III –<br />
Den ex-Gießener Tw 2 fotografierte H. Rose aus Zerbst in den 1950er-Jahren in Dessau als Bw 116.<br />
Zuvor hatte er in der Muldestadt mehrere Umzeichnungen durchlaufen<br />
SLG. REINHARD SCHULZ<br />
Bahnhof – Raffinerie erhielt das Liniensignal<br />
1, die Strecke Raffinerie – Roßlau Markt die<br />
Nummer 3. Lediglich als Verstärker verkehrte<br />
die Linie 2 Markt – Elbhaus.<br />
Dessau entwickelte sich in den 1930er-Jahren<br />
zu einem Industrie- <strong>und</strong> Rüstungszentrum.<br />
Vor allem im Süden der Stadt entstanden neue<br />
Wohngebiete, die Einwohnerzahl wuchs kontinuierlich.<br />
Der Wagenpark der Straßenbahn<br />
reichte <strong>für</strong> das parallel steigende Beförderungsbedürfnis<br />
nicht mehr aus. Da Neufahrzeuge<br />
nicht finanzierbar waren, kamen nach<br />
<strong>Aus</strong>bruch des Zweiten Weltkrieges ältere Wagen<br />
aus anderen Städten nach Dessau – siehe<br />
Kasten. Zur besseren Erschließung der Wohngebiete<br />
im Süden Dessaus ließ die Straßenbahn-Gesellschaft<br />
1942 die Strecke vom<br />
Friedhof III entlang der Heidestraße zur Innsbrucker<br />
Straße <strong>und</strong> 1943 weiter bis zur Tempelhofer<br />
Straße verlängern. Dort entstand die<br />
erste Wendeschleife des Betriebes. Außerdem<br />
erbaute der Straßenbahnbetrieb <strong>für</strong> den erweiterten<br />
Fahrzeugpark an der Innsbrucker<br />
Straße eine neue Wagenhalle. 1944 trafen vier<br />
20 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Dessau<br />
LINKS In den 1970er-<br />
Jahren eine alltägliche<br />
„Parade“: In die Haltestelle<br />
am Hauptbahnhof<br />
einfahrende<br />
Straßenbahn der Linie<br />
1 <strong>und</strong> Stadtbusse neben<br />
einem wartenden<br />
Wagen der Linie 2.<br />
Tw 23 führte an jenem<br />
7. September 1973 die<br />
Bw 112 <strong>und</strong> 123<br />
SIGURD HILKENBACH<br />
RECHTS Das Museum<br />
<strong>für</strong> Naturk<strong>und</strong>e <strong>und</strong><br />
Vorgeschichte gehört<br />
zu den Wahrzeichen<br />
der Stadt. Wolfgang<br />
Kaiser aus Wien verewigte<br />
das ehemalige<br />
Stiftsgebäude nach<br />
dem Mauerfall im<br />
Sommer 1990<br />
Das ab den 1970er-<br />
Jahren verwendete<br />
Logo der Straßenbahn<br />
BERNHARD KUSSMAGK<br />
KSW-Beiwagen werksneu in Dessau ein, wovon<br />
zwei kurz danach irreparable Bombentreffer<br />
erlitten.<br />
Das Kriegsjahr 1945<br />
Die gegen Kriegsende zunehmenden Bombardierungen<br />
Dessaus richteten immer größere<br />
Schäden an Anlagen <strong>und</strong> Fahrzeugen<br />
an. Trotzdem führte die Straßenbahngesellschaft<br />
auch Anfang 1945 den Betrieb weiter<br />
– wenn auch mit Einschränkungen <strong>und</strong> Unterbrechungen.<br />
Der schwerste Bombenangriff<br />
auf Dessau erfolgte am 7. März 1945<br />
<strong>und</strong> führte zur völligen Zerstörung des Zentrums<br />
<strong>und</strong> der angrenzenden Stadtteile. Davon<br />
war auch die Straßenbahn betroffen:<br />
Fast alle Wagen waren beschädigt, viele davon<br />
ausgebrannt, die Gleise <strong>und</strong> Fahrleitungen<br />
in der Innenstadt komplett unbrauchbar<br />
– ein Betrieb unmöglich. In Trümmern lagen<br />
aber auch der Betriebshof in der Heidestraße<br />
sowie das Unterwerk in der Wallstraße. Da<br />
die 1835/36 gebaute Holzbrücke über die<br />
Elbe im März 1945 abgebrannt <strong>und</strong> die Brücken<br />
über die Mulde sowie deren Flutgräben<br />
von der Wehrmacht im April gesprengt waren,<br />
bestand keine Verbindung nach Roßlau.<br />
An eine Wiederaufnahme des Straßenbahnbetriebes<br />
war deshalb nach Kriegsende<br />
zunächst nicht zu denken. Die Strecke Rosenhof<br />
– Roßlau wurde im Sommer 1945<br />
schließlich zur Materialgewinnung <strong>für</strong> die Instandsetzung<br />
der Innenstadtstrecken demontiert.<br />
Mit den von den Beschäftigten der Wag-<br />
Vor dem alten Depot am Friedhof III entstand am 29. Juni 1956 diese Aufnahme eines 1939 aus<br />
Kaiserlautern übernommenen Wagens. Er diente inzwischen als ATw 21<br />
DIETER WALTKING<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
21
Betriebe<br />
Daten & Fakten:<br />
Straßenbahn Dessau<br />
Am 1987 eröffneten Abzweig zur Kreuzbergstraße entstand im Sommer 1994 diese Aufnahme<br />
des 1992 aus Duisburg übernommenen GT8 002 (ex Duisburg 1046). Diese Neubaustrecke<br />
bedient die Dessauer Verkehrs-GmbH heute als Linie 4<br />
WOLFGANG MEIER<br />
Spurweite: . . . . . . . . . . . . . . . . 1.435 Millimeter<br />
Eröffnung Gasbetrieb: . . . . . . . . . . . 14.11.1894<br />
Schließung Gasbetrieb: . . . . . . . . . . 24.03.1901<br />
Eröffnung elektrischer Betrieb:. . . . . 26.03.1901<br />
Max. Netzausdehnung:. . . 1943–45, 14,5 Kilometer<br />
Aktueller Betreiber:<br />
. . . . . . . . . . . . . . Dessauer Verkehrsgesellschaft<br />
Adresse: . . . . . . . . . . . Dessauer Verkehrs GmbH<br />
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . Erich-Köckert-Straße 48<br />
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 06849 Dessau-Roßlau<br />
Telefon: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 03 40/89 90<br />
Netz: . . . . . . . . . . . . . . . www.dvv-dessau.de/v1<br />
Aktuelle Netzlänge: . . . . . . . . . . . . 12 Kilometer<br />
Anzahl Linien:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3<br />
Fahrgastzahl 2012:. . . . . . . . . . . . . . . 2.129.005<br />
Gr<strong>und</strong>takt: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Minuten<br />
Einzelfahrschein: . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,60 Euro<br />
Tageskarte: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,80 Euro<br />
Aktueller Wagenbestand:<br />
• 10 NGT6DE (Bombardier)<br />
• 2 GT8 (Düwag)<br />
• 2 ATw<br />
• 2 HTw: – Tw 28 (Pullman 1928),<br />
in Aufarbeitung<br />
– Tw 30 (Werdau 1925,<br />
Neuaufbau Werdau 1950)<br />
Am 6. Juli 2002 nahm die DVG den Straßenbahnbetrieb auf der neuen Linie zum Junkerspark<br />
in Dessau-Alten auf. Zur Eröffnung der Linie 3 verkehrten neben den damals noch neuen Niederflurwagen<br />
auch die historischen Wagen – die Mitfahrt war frei<br />
KAI MICHAEL NEUHOLD<br />
gonfabrik Dessau reparierten drei Triebwagen<br />
<strong>und</strong> sechs Beiwagen nahm die Straßenbahn<br />
danach am 15. August 1945 den Betrieb zwischen<br />
Friedhof III <strong>und</strong> Museum wieder auf.<br />
Ab dem 28. September 1945 erreichten die<br />
Bahnen auch wieder den Hauptbahnhof.<br />
Entwicklung bis in die 1960er-Jahre<br />
Im Jahr 1946 unterstellte die sowjetische Besatzungsmacht<br />
die Dessauer Straßenbahn<br />
der Provinzialverwaltung des Landes Sachsen-Anhalt,<br />
dem auch die in den Jahrh<strong>und</strong>erten<br />
zuvor als Anhalt-Dessau politisch eigenständige<br />
Stadt <strong>und</strong> Region zugeschlagen<br />
worden war. In der Waggonfabrik Dessau<br />
reparierten die Schlosser bis 1946 insgesamt<br />
neun Trieb- <strong>und</strong> 14 Beiwagen. Nach dem<br />
Wiederaufbau der zerstörten Gleisanlagen<br />
im Süden der Stadt bediente die Straßenbahn<br />
damit ab 1946 auch wieder den Streckenteil<br />
vom Museum bis zur Tempelhofer<br />
Straße. Die übrigen Innenstadtabschnitte<br />
konnten auch nach ihrer Reparatur aufgr<strong>und</strong><br />
des Wagenmangels anfangs nicht befahren<br />
werden. Erst nachdem der VEB<br />
LOWA Werdau fünf auf den Fahrgestellen<br />
zerstörter Wagen neu aufgebaute Triebwagen<br />
nach Dessau geliefert hatte, nahm die<br />
1948 dem Kommunalen Wirtschaftsunternehmen<br />
(KWU) der Stadt angegliederte Straßenbahn<br />
am 1. Mai 1950 auch wieder den<br />
Betrieb auf der Linie 3 vom Hauptbahnhof<br />
über den Markt zur Gärungschemie (ehemals<br />
Raffinerie) auf. Linie 2 verkehrte als<br />
Pendellinie zwischen Markt <strong>und</strong> Rosenhof.<br />
Im Jahr 1951 gliederte die Stadtverwaltung<br />
die Straßenbahn aus dem KWU aus – sie<br />
agierte fortan als VEB Dessauer Verkehrsbetriebe<br />
selbständig. Mit vier LOWA-Trieb- <strong>und</strong><br />
einem LOWA-Beiwagen sowie Gebrauchtfahrzeugen<br />
aus <strong>Berlin</strong> <strong>und</strong> Leipzig gab es bis<br />
Mitte der 1950er-Jahre eine Stabilisierung des<br />
Fahrzeugparks. In den Jahren 1959/1961 trafen<br />
aus Gotha drei DDR-Einheitstriebwagen<br />
als Zweirichtungswagen in Dessau ein, denen<br />
von 1964 bis 1967 acht Trieb- sowie 14 Beiwagen<br />
in Einrichtungsbauart (T2-62/B2-62<br />
bzw. T2-62/65 & B2-62/65) folgten.<br />
Im Jahr 1963 begann der schaffnerlose<br />
Betrieb auf der mit Solowagen betriebenen<br />
Linie Gärungschemie – Rosenhof zunächst<br />
in der Form mit Fahrgastfluss, ab 1964 waren<br />
alle Fahrzeuge mit Zahlboxen <strong>und</strong><br />
Warnlampen ausgerüstet, so dass der vollständige<br />
schaffnerlose Betrieb möglich war.<br />
Ab Mitte der 1960er-Jahre erreichten<br />
der Wiederaufbau des Stadtzentrums <strong>und</strong><br />
der gleichzeitige <strong>Aus</strong>bau des Straßennetzes<br />
<strong>für</strong> den zunehmenden Individualverkehr<br />
auch die von der Straßenbahn befahrenen<br />
Straßen. Entsprechend zentraler Vorgaben<br />
waren <strong>für</strong> Dessau in diesem Zusammenhang<br />
auch die Einstellung der Straßenbahn<br />
<strong>und</strong> der Ersatz durch Busverkehr vorgesehen.<br />
Auf dieser Basis legte der Verkehrsbetrieb<br />
zwischen 1967 <strong>und</strong> 1974 die Strecken<br />
über den Markt, zur Gärungschemie <strong>und</strong><br />
zum Rosenhof still <strong>und</strong> ließ sie abbauen.<br />
22 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Dessau<br />
Nach einer Sonderfahrt entstand am 30. Januar 1993 diese Aufnahme des HTw 30, des Gotha-Wagens 24 sowie zweier Düwag-GT8. Den Gotha-<br />
Wagen übernahm später ein Privatmann, der zuletzt als ATw genutzte GT8 012 ist seit Fristablauf 2013 abgestellt<br />
KARSTEN RICHTER<br />
Nur <strong>für</strong> die mit Drei-Wagen-Zügen im 7,5-<br />
Minuten-Takt befahrene Linie Hauptbahnhof<br />
– Tempelhofer Straße standen die<br />
erforderlichen Gelenkbusse nicht zur Verfügung,<br />
so dass hier die Straßenbahn weiterfahren<br />
musste. Erst mit der Ölkrise war<br />
die Einstellung endgültig vom Tisch. Die<br />
Verkehrsbetriebe ließen nun die Gleise der<br />
verbliebenen Strecke vom Bahnhof zur<br />
Wendeschleife in Dessau Süd erneuern <strong>und</strong><br />
holten gebrauchte Gothawagen aus Magdeburg<br />
sowie später auch aus Schwerin<br />
<strong>und</strong> Dresden in die Stadt. Zu diesen kamen<br />
sogar mehrere Rekowagen dazu. Damit<br />
waren alle Alt- <strong>und</strong> LOWA-Fahrzeuge<br />
schrittweise bis 1978 entbehrlich.<br />
Ab Ende der 1970er-Jahre gab es aber auch<br />
Pläne <strong>für</strong> Neubaustrecken in die westlichen<br />
Stadtgebiete, zum Waggonbau im Norden<br />
Dessaus <strong>und</strong> in das Neubaugebiet an der<br />
Kreuzbergstraße. Doch die finanziellen <strong>und</strong><br />
vor allem personellen Kapazitäten in der DDR<br />
ermöglichten nur den Bau letzterer Strecke.<br />
Die feierliche Einweihung der in der Höhe des<br />
Friedhofes III von der Heidestraße abzweigenden<br />
Linie 2 fand am 30. April 1987 statt.<br />
Die Entwicklung ab 1990<br />
Das Ende der DDR <strong>und</strong> die Deutsche Einheit<br />
brachten auch <strong>für</strong> die Dessauer Straßenbahn<br />
große Veränderungen: Sinkende<br />
Einwohnerzahlen, der Niedergang der<br />
Im Sommer 1994 bediente der GT 009 (ex Duisburgs 1054) auf Linie 1 die Haltestelle Ackerstraße.<br />
Im Jahr 2002 verschrottete die DVG diesen 1964 gebauten Düwag-Wagen WOLFGANG MEIER<br />
Großindustrie <strong>und</strong> die starke Zunahme<br />
des Individualverkehrs ließen die Fahrgastzahlen<br />
erheblich sinken. Hinzu kamen<br />
stark verschlissene Gleisanlagen <strong>und</strong> überalterte,<br />
nicht mehr zeitgemäße Fahrzeuge.<br />
Damit stellte sich die Frage nach der Weiterführung<br />
des Straßenbahnbetriebes.<br />
Nach ausführlicher Diskussion in den<br />
städtischen Gremien <strong>und</strong> Einholung eines<br />
Gutachtens entschied man sich <strong>für</strong> den Erhalt<br />
<strong>und</strong> <strong>Aus</strong>bau der Straßenbahn. Bis<br />
Mitte der 1990er-Jahre ließen die Dessau-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
23
Betriebe<br />
BSZ, Sporthalle<br />
Köthen<br />
Lindenstraße<br />
Medizinisches<br />
Versorgungszentrum<br />
Köthener Str. Zoberberg-<br />
Mitte<br />
Städtisches Klinikum<br />
3<br />
Ellerbreite<br />
Junkerspark Schule Zoberberg<br />
1<br />
3<br />
4<br />
Dessau-Alten<br />
Auenweg<br />
Hauptbahnhof – Dessau-Süd<br />
Hauptbahnhof – Junkerspark<br />
Hauptbahnhof – Sportplatz Kreuzbergstraße<br />
Straßenbahn<br />
Eisenbahnstrecken<br />
1 km<br />
BSZ, Haupteingang<br />
Junkersstr.<br />
Kleine Schaftrift<br />
* Der Ast zum Sportplatz Kreuzbergstraße wird am Wochenende statt von der<br />
Linie 4 von jedem zweiten Zug der Linie 1 in einer Schleifenfahrt bedient.<br />
2014 © Robert Schwandl (aus Schwandl's Tram Atlas Deutschland)<br />
Rodebillestraße<br />
Robert-Bosch-Straße<br />
Anhalt Arena<br />
er Verkehrs-GmbH (DVG) das Bestandsnetz<br />
erneuern <strong>und</strong> einen neuen Betriebshof<br />
an der Erich-Köckert-Straße errichten.<br />
1992 übernahm das Unternehmen aus<br />
Duisburg 14 Düwag-GT8, womit es Ende<br />
des Jahres den gesamten Gotha- <strong>und</strong> Rekowagenpark<br />
ersetzte.<br />
Im Jahr 1997 begann der Neubau der<br />
Strecke vom Museum zum Wohngebiet<br />
Zoberberg im Westen der Stadt. Den ersten<br />
Teilabschnitt bis Kleine Schaftrift<br />
Altener Str.<br />
DESSAU<br />
Hbf<br />
Askanische Str.<br />
Hauptbahnhof<br />
1 3 4<br />
Fritz-Hesse-Str.<br />
August-<br />
Bebel-Pl.<br />
Amalienstraße<br />
Theater<br />
Hauptpost<br />
Friedhofstraße<br />
Am Alten Wasserturm<br />
Wasserwerkstraße<br />
Klughardtstraße<br />
Dessau-Süd<br />
Roßlau<br />
<strong>Berlin</strong><br />
Friedhof III<br />
Betriebshof<br />
1<br />
Kavalierstr. Franzstr. Heidestr. Heidestr.<br />
Museum Nord<br />
Dessau Center<br />
Augustenstraße<br />
Kaufhalle<br />
Am Kreuzberg<br />
Dessauer<br />
Verkehrs GmbH<br />
Damaschkestraße<br />
Peterholzstraße<br />
Dessau-Süd<br />
Tempelhofer Straße<br />
Bitterfeld<br />
Mulde<br />
4 *<br />
Sportplatz<br />
Kreuzbergstraße<br />
nahm die DVG am 31. Oktober 2000 feierlich<br />
in Betrieb, der zweite Teilabschnitt<br />
bis zum Junkerspark folgte am 5. Juli<br />
2002. In dieser Zeit beschaffte das Unternehmen<br />
auch zehn sechsachsige Niederflurwagen,<br />
die heute den täglichen Linienverkehr<br />
bestreiten. Von den GT8 sind<br />
noch ein Wagen <strong>für</strong> den Linien- bzw. Schülerverkehr<br />
sowie zwei Wagen <strong>für</strong> Fahrschul-,<br />
Sonder- <strong>und</strong> Winterdienstzwecke<br />
im Bestand. Von den elf anderen sind sechs<br />
Die Begegnung der Tw 307 <strong>und</strong> 309 hielt Nicolai Schmidt an der Dessauer Hauptpost im Bild fest<br />
Quellen:<br />
• Der Gasbetrieb (System Lührig) <strong>für</strong> Strassenbahnen.<br />
Herausgegeben von der Deutschen<br />
Gasbahn-Gesellschaft m. b. H. in Dessau 1895.<br />
• Ueber die Gasbahn in Dessau von W. v. Oechelhäuser<br />
in Dessau. Sonderabdruck aus Schilling’s<br />
Journal <strong>für</strong> Gasbeleuchtung <strong>und</strong> Wasserversorgung<br />
Jahrgang 1895, Seite 498,<br />
herausgegeben von Dr. H. Bunte. München<br />
1895.<br />
• Bernhard Heese: 60 Jahre Dessauer Straßenbahn<br />
1894 – 15. November 1954, Dessauer<br />
Kulturspiegel 12/1954.<br />
• Straßenbahn-Archiv, Band 4, transpress,<br />
Ost-<strong>Berlin</strong> 1984.<br />
Hinweise gaben außerdem<br />
Rolf-Roland<br />
Scholze <strong>und</strong> Jens Karkuschke,<br />
von denen<br />
spätestens im September<br />
ein Buch über<br />
die Dessauer Straßenbahn<br />
erscheint. Die<br />
Monographie mit<br />
etwa 300 A4-Seiten<br />
Umfang verlegt ein<br />
Verlag aus Dessau.<br />
bereits verschrottet, vier nach Norrköping<br />
verkauft <strong>und</strong> Wagen 001 zur Verschrottung<br />
freigegeben.<br />
Das 120. Jubiläum 2014<br />
Als Auftakt <strong>für</strong> das Festjahr eröffnete am<br />
28. April im Saal der Stadtwerke Dessau eine<br />
<strong>Aus</strong>stellung „120 Jahre Dessauer Straßenbahn<br />
<strong>und</strong> Dessau-Wörlitzer Eisenbahn“. Bis zum<br />
16. Mai waren dort Dokumente <strong>und</strong> Fotografien<br />
zur Geschichte der beiden Verkehrsmittel<br />
präsentiert. Neben derartigen Zeitdokumenten<br />
bereicherten ein originaler Straßenbahnfahrschalter,<br />
Straßenbahnmodelle sowie historische<br />
Dienstbekleidung die Schau. Die wichtigsten<br />
Teile von ihr werden voraussichtlich anlässlich<br />
des Stadtfestes, was die Dessauer als Leopoldsfest<br />
jeweils am ersten Juliwochenende feiern,<br />
sowie Ende September gezeigt.<br />
Am 1. Mai startete zudem ein Fotowett -<br />
bewerb: Bis zum 15. August 2014 sucht die<br />
DVG die schönsten Motive von der Dessauer<br />
Straßenbahn <strong>und</strong> der Dessau-Wörlitzer Eisenbahn.<br />
Im Rahmen der Europäischen Woche<br />
der Mobilität sind vom 16. bis 22. September<br />
auch die Schautafeln bereits erwähnter <strong>Aus</strong>stellung<br />
zu sehen. Höhepunkt des Festjahres<br />
sind Themenfahrten mit historischen Triebwagen<br />
am 15. November. Dann sollen sowohl<br />
Tw 30 auch der bis dahin wieder betriebsfähige<br />
Tw 28 zum Einsatz kommen. Einer von beiden<br />
wird in diesem Jahr außerdem noch anlässlich<br />
der Adventsfahrten am 30. November,<br />
7., 14. sowie 21. Dezember unterwegs sein.<br />
HEINZ GLODSCHEI/ANDRÉ MARKS<br />
24 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Nächster Halt: …<br />
Die Schotten dicht machen? Mit der Schott AG in Mainz kann diese Redewendung keinesfalls in Verbindung gebracht werden. Das Unternehmen prosperiert,<br />
so dass die gleichnamige Haltestelle (hier eine Aufnahme vom 1. Juli 2013) zum Schichtwechsel stets gut frequentiert ist MICHAEL BEITELSMANN<br />
Nächster Halt:<br />
Schott AG<br />
Das im Jahr 1884 in Jena durch Otto Schott,<br />
Ernst Abbe <strong>und</strong> Carl Zeiss gegründete „Glastechnische<br />
Laboratorium Schott & Genossen“<br />
– später firmierend unter Jenaer Glaswerk<br />
Schott & Gen. – ist ein weltweit führender<br />
Hersteller von Spezialgläsern. Durch die Produktion<br />
von hitze- <strong>und</strong> temperaturbeständigem<br />
Borsilikatglas erweiterte sich das Angebot an<br />
technischen Gläsern, beispielsweise <strong>für</strong> Thermometer,<br />
Laborgläser, pharmazeutische<br />
Am pullen <strong>und</strong> Fläschchen, Teegläser sowie Babymilchflaschen.<br />
Später gesellten sich Fernsehkolben<br />
<strong>und</strong> Glaskeramik-Kochflächen hinzu.<br />
Nach der Enteignung des Stammwerkes in<br />
Thüringen 1948 <strong>und</strong> seiner Umwandlung in<br />
einen volkseigenen Betrieb siedelten die Geschäftsleitung<br />
<strong>und</strong> ausgewählte Spezialisten<br />
nach Mainz über. Im Stadtteil Mombach errichtete<br />
Erich Schott 1952 den neuen Firmensitz<br />
der heutigen Schott AG, während das<br />
Stammwerk als VEB Jenaer Glaswerk <strong>für</strong> den<br />
osteuropäischen Markt produzierte. Nach<br />
dem Beitritt der DDR 1990 wurden beide Unternehmen<br />
vereinigt. Heute beschäftigt die<br />
Schott AG weltweit mehr als 15.400 Mitarbeiter,<br />
davon r<strong>und</strong> 5.600 in Deutschland.<br />
Schon früh führte die Mainzer Straßenbahn<br />
am heutigen Firmensitz vorbei. Während<br />
die 1890 eröffnete Dampfstraßenbahn<br />
nach Gonsenheim der Mombacher Straße<br />
folgte, verkehrte ab dem 15. Juli 1904 die<br />
nun elektrifizierte Mainzer Straßenbahn über<br />
Bismarckplatz <strong>und</strong> Waggonfabrik weiter<br />
nach Mombach <strong>und</strong> ab 1906 auch elektrisch<br />
nach Gonsenheim. Nach Ansiedlung der<br />
Schott AG auf einem früheren Exerzierplatz<br />
dienten die damaligen Linien 7 <strong>und</strong> 10 auch<br />
der Beförderung der Beschäftigten des Werkes,<br />
so dass die Haltestelle „Schott AG“ eine<br />
wichtige Funktion besaß. Das 1965 errichtete<br />
<strong>und</strong> 2009 gr<strong>und</strong>legend modernisierte Verwaltungsgebäude<br />
liegt direkt gegenüber der Haltestelle.<br />
Dahinter erstrecken sich die Werksanlagen.<br />
Nachdem 1963 die Linie 7 nach<br />
Mombach eingestellt wurde, verblieben die<br />
Linien 10 bzw. 11 als wichtige Nord-Süd-Verbindung<br />
auf dem nun arg geschrumpften<br />
Mainzer Straßenbahnnetz. Heute verkehren<br />
hier die Linien 50 <strong>und</strong> 51 der Mainzer Verkehrsgesellschaft<br />
AG von Hechts heim, Bürgerhaus<br />
nach Finthen, Römerquelle bzw. Finthen,<br />
Poststraße. MICHAEL BEITELSMANN<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
25
Betriebe<br />
Einmal durch<br />
Montanstadt<br />
Duisburgs Linie 901 im Porträt Kaum eine andere<br />
Linie im Ruhrgebiet durchfährt so viele völlig unter -<br />
schiedliche Welten wie sie! Vom beschaulichen Mülheim<br />
geht es auf wackeligen Pfaden durch den Duisburger<br />
Hafen <strong>und</strong> vorbei an fast bedrohlichen Hochöfen, neben<br />
denen die Stadt ganze Wohnviertel platt macht<br />
26 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Duisburg/Mülheim<br />
Was <strong>für</strong> ein Inferno! Während auf dem<br />
Thyssengelände glühend heiße Schlacke<br />
ausgekippt wird, hält die 901 einsam<br />
an der Matenastraße. Das Bild ist aus<br />
einem Abbruchhaus entstanden, das<br />
mittlerweile ausgebrannt ist<br />
ALLE FOTOS: CHRISTIAN LÜCKER<br />
Keine Eile! Die Linie 901 macht am<br />
Mül heimer Hauptbahnhof ein paar Minuten<br />
Pause, bevor sie ihre r<strong>und</strong> einstündige Fahrt<br />
Richtung Obermarxloh Schleife antritt<br />
Sonderlich schön ist es hier nicht! An<br />
den Wänden prangen gelbe <strong>und</strong><br />
braune Kacheln. Auf den schwarz gefliesten<br />
Boden sind schmächtige Halterungen<br />
montiert, die olivgrüne Sitzschalen<br />
halten. Und vor einigen Jahren haben ein<br />
paar „ganz Pfiffige“ eine Packung feinen<br />
Blatt spinat an die Wand neben den Gleisen<br />
geklatscht. Der Spinat klebt da heute noch.<br />
Willkommen am Mülheimer Hauptbahnhof!<br />
Die Fahrgäste nehmen die eher schnöde<br />
Erscheinung der Tunnelstation kaum wahr:<br />
Sie hetzen meist gestresst zwischen den Zügen,<br />
der Stadtbahnlinie U18 <strong>und</strong> den Straßenbahnlinien<br />
102 <strong>und</strong> 901 hin <strong>und</strong> her.<br />
Letztere werden wir auf ihrer Fahrt nach<br />
Duisburg-Obermarxloh begleiten. Bis dorthin<br />
sind es eine St<strong>und</strong>e Fahrzeit <strong>und</strong> 22 Kilometer,<br />
die die 901 zu einer außergewöhnlichen<br />
Linie machen.<br />
Seit 2000 bis Hauptbahnhof<br />
Der Anfangspunkt Mülheim Hauptbahnhof<br />
entstand in den 1970er-Jahren. Erst 1998 kam<br />
die Tunnelverlängerung unter der Ruhr mit<br />
den Stationen Stadtmitte <strong>und</strong> Schloss Broich<br />
hinzu. Seitdem rauscht die Linie 102 unter der<br />
Innenstadt hindurch. Die Duisburger VerkehrsGesellschaft<br />
(DVG) schickt ihre 901 seit<br />
dem Jahr 2000 ebenfalls durch den Tunnel.<br />
Recht unspektakulär ist der Fahrzeugeinsatz<br />
auf der 901: Hier sind ausschließlich die<br />
speziell <strong>für</strong> Duisburg gebauten vierteiligen<br />
GT10NC-DU unterwegs. Bis zum Verlassen<br />
des Tunnels könnte der Fahrer theoretisch<br />
noch gemütlich ein Butterbrot verdrücken.<br />
Alles, was er tun muss, ist die Start-Taste im<br />
Fahrzeug drücken. Dank der LZB-Technik<br />
macht der Wagen dann alles von alleine: Tü-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
27
Str.<br />
(<br />
(<br />
Betriebe<br />
Es ist zwar eng, passt aber: Zwischen Speldorf <strong>und</strong> Broich schieben sich die langen Stadtbahnwagen<br />
vom Typ GT10NC-DU durch eine Eisenbahnunterführung<br />
Rhein<br />
Friedrich-Ebert-Str.<br />
901<br />
Thyssen<br />
Tor 30<br />
Friedrichsplatz<br />
903<br />
Heckmann<br />
Musfeldstr.<br />
Hermannstr.<br />
Morian<br />
Wolfstr.<br />
Marxloh Pollmann Lohstr. Stift<br />
Wilfriedstraße<br />
Markgrafenstr.<br />
Kaiser-Wilhelm-Str.<br />
Ruhrort Bf<br />
Karlstraße<br />
Tausendfensterhaus<br />
Vinckeweg<br />
901<br />
Thyssen Verwaltung<br />
Matenastraße<br />
Thyssen Kokerei<br />
Beeck Denkmal<br />
Brauerei<br />
Stockumer Str.<br />
Neanderstr.<br />
Laar Kirche<br />
Scholtenhofstr.<br />
Ruhrorter Str.<br />
Albertstr.<br />
Kaßlerfelder Str.<br />
Scharnhorststr.<br />
DUISBURG Duisburg Rathaus<br />
Steinsche Gasse<br />
Platanenhof<br />
Brückenplatz<br />
Siechenhausstr.<br />
901<br />
Auf dem Damm<br />
ren schließen, fahren, bremsen, Türen öffnen.<br />
Also: Los geht’s!<br />
Unter der Ruhr durch<br />
Durch den Ruhrtunnel rollen die auf der<br />
901 eingesetzten Wagen der ersten Haltestelle<br />
– Stadtmitte – entgegen. Für einen<br />
millionenschweren Tunnel ist hier zeitweise<br />
erschreckend wenig los. Der folgende<br />
Abschnitt war <strong>für</strong> die Mülheimer bei der<br />
Eröffnung des Tunnels noch die große Sensation:<br />
Hier geht es unter der Ruhr durch,<br />
(<br />
(<br />
Rhein-Ruhr-Halle<br />
Duisburger Str.<br />
DUISBURG<br />
(<br />
Meiderich<br />
Bahnhof<br />
Duissern<br />
Kaiserpl.<br />
König-Heinrich-<br />
Platz<br />
Kremerstr.<br />
Obermarxloh Schleife<br />
Kopernikusstr.<br />
Hamborn Betriebshof<br />
Kampstr.<br />
Hamborn Rathaus<br />
Emilstraße<br />
Meiderich Süd<br />
U79 ·903<br />
Hamborn Feuerwache<br />
S<br />
903<br />
901<br />
U79<br />
Neumühler Str.<br />
Amsterdamer Straße<br />
Voßstraße<br />
(<br />
DUISBURG<br />
Hbf<br />
Theodor-Heuss-Str.<br />
Landschaftspark Nord<br />
Meiderich Ost<br />
Schweizer<br />
Str.<br />
Lutherpl.<br />
Verlauf der Linie 901 von Mülheim nach Duisburg<br />
Ruhr<br />
DU-Obermeiderich<br />
S2<br />
S1<br />
MH-Monning<br />
112<br />
OB-Sterkrade<br />
Eisenheim<br />
<strong>Aus</strong>zug aus „Schwandl‘s Tram Atlas Deutschland“<br />
<br />
OLGA-Park<br />
Bottrop<br />
S3<br />
S3 S<br />
OB-Landwehr<br />
S<br />
MH-Styrum<br />
Broicher<br />
Mitte<br />
Thüringer Straße<br />
Neue Mitte<br />
Oberhausen<br />
Lipperfeld<br />
Feuerwache<br />
OBERHAUSEN Hbf<br />
Luise-Albertz-Halle<br />
bis der Wagen an der Haltestelle Schloss<br />
Broich wieder zum Stehen kommt. Für die<br />
901 heißt es jetzt: Anlauf nehmen! Mit ordentlichem<br />
Schwung geht es ans Tageslicht.<br />
Rechts lässt sich ein Blick auf die<br />
stellenweise sehr desolate Wagenhalle der<br />
Mülheimer Straßenbahn erhaschen. Meist<br />
zeichnen sich in den Glasscheiben an der<br />
Hallenseite die Umrisse der Mülheimer M-<br />
Wagen oder der Niederflurwagen ab.<br />
Das Rumpeln unter dem GT10NC-DU<br />
verrät: Am Ende der Tunnelrampe trennt<br />
(<br />
Obere Marktstraße<br />
Blücherstraße<br />
Hilgenberg<br />
Gathestr.<br />
MH-Willy-Brandt-Schule<br />
Rennbahn<br />
MÜLHEIM Hbf<br />
DU-Zoo/<br />
Jakobstr. Kolkmann Friedrich-Ebert-Str.<br />
Uni<br />
Hansastr.<br />
Rathausmarkt<br />
Stadtmitte<br />
901 Raffelberg<br />
Speldorf Königstr.<br />
Speldorf Bahnhof<br />
Schloss Broich<br />
Betriebshof<br />
Wilhelmstr.<br />
901<br />
Linie<br />
901<br />
MAN TURBO<br />
Duisburg Obermarxloh – Mülheim Hbf<br />
OBERHAUSEN<br />
MÜLHEIM<br />
an der Ruhr<br />
112<br />
Mülheimer<br />
102<br />
112<br />
(<br />
OB-Osterfeld Süd<br />
102<br />
901 U18<br />
S<br />
104<br />
Wertg.<br />
S2<br />
Gelsenkirchen<br />
Sültenfuß Zehntweg<br />
Dümptener Str.<br />
Bessemerstr.<br />
Marienplatz<br />
Mühlenstr.<br />
Buchenberg<br />
S<br />
Mülheim West<br />
Aktienstr.<br />
Feuerwache<br />
Sandstr.<br />
GRAFIK: ROBERT SCHWANDL<br />
112<br />
sich die 901 von ihrer meterspurigen<br />
Schwester. Die Linie 102 verabschiedet<br />
sich mit einem engen Linksbogen in Richtung<br />
Uhlenhorst, geradeaus befindet sich<br />
außerdem noch die meterspurige Zufahrt<br />
zum Betriebshof. Die Linie 901 fädelt sich<br />
dagegen auf die Duisburger Straße ein <strong>und</strong><br />
hält dort an der Königstraße. Das tat übrigens<br />
auch schon die 1888 eröffnete<br />
Dampf-Straßenbahn von Mülheim-Broich<br />
nach Duisburg.<br />
H<strong>und</strong>erte neue Fahrgäste<br />
Inmitten der Duisburger Straße strebt die<br />
901 die nächste Haltstelle an. Bislang hieß<br />
sie Kolkmann, in diesem Jahr soll sie unter<br />
dem Namen Hochschule neu in Betrieb genommen<br />
werden. Der Namensgeber schießt<br />
gerade rechts der Strecke aus dem Boden:<br />
Auf einem alten Brachgelände wächst der<br />
Campus Mülheim Richtung Himmel, der<br />
der Straßenbahn h<strong>und</strong>erte neue Fahrgäste<br />
bescheren könnte, wenn die Hochschule im<br />
kommenden Jahr komplett fertig ist.<br />
Langsam zuckelt die 901 weiter in Richtung<br />
Speldorf – <strong>für</strong> einen kurzen Moment<br />
heißt es jetzt wieder abtauchen! Die langen<br />
Wagen quetschen sich in einem S-Bogen<br />
unter einer engen Eisenbahnunterführung<br />
durch. Direkt dahinter stoppt die Bahn an<br />
der Haltestelle Speldorf Bahnhof. Danach<br />
geht es nahezu schnurgerade in das Speldorfer<br />
Zentrum. Nach einem kurzen Halt an der<br />
Hansastraße zwischen zum Teil noch prunkvoller,<br />
gründerzeitlicher Bebauung steuert die<br />
Bahn die Haltestelle Speldorf Betriebshof an.<br />
Im Gegensatz zum Bahnhof ist der auch<br />
noch vorhanden, heute aber in Form einer<br />
größtenteils leer stehenden Einkaufspassage.<br />
Für Straßenbahnfre<strong>und</strong>e lohnt sich das <strong>Aus</strong>steigen<br />
trotzdem. Als kleiner Blickfang steht<br />
auf einem meterspurigen Gleisstück nämlich<br />
ein ehemaliger Stuttgarter Zweiachser vor<br />
der Halle, der bis in die 1970er-Jahre in Mülheim<br />
im Linienbetrieb stand (siehe SM 2/<br />
2014, Seite 73).<br />
„Huch, eine Straßenbahn“<br />
Auf diesem Streckenabschnitt steht die Linie<br />
901 übrigens immer wieder verdatterten Autofahrern<br />
gegenüber, weil sich die Linksabbiegespuren<br />
zum Teil auf dem Gleis in Richtung<br />
Mülheim befinden. Auf die Idee, dass ihnen<br />
auch einmal eine Bahn entgegenkommen<br />
könnte, kommen viele Kraftfahrer nicht.<br />
Weiter geht es durch Speldorf, vorbei an der<br />
Haltestelle Jakobstraße führt die Linie zur<br />
Mülheimer Rennbahn. Die versteckt in Fahrtrichtung<br />
rechts hinter den Bäumen. Die 901<br />
fährt immer noch über die Duisburger Straße<br />
bis zur Haltestelle Raffelberg.<br />
Geschafft! An der nächsten Haltestelle<br />
Monning ist die Stadtgrenze erreicht. Bis<br />
das gelbe Ortsschild endlich Duisburg anzeigt,<br />
rollt die Straßenbahn inmitten der<br />
28 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Duisburg/Mülheim<br />
Daten & Fakten:<br />
Duisburgs Linie 901<br />
Betreiber: . . Duisburger Verkehrsgesellschaft AG<br />
Linienverlauf:. . . . . . . Mülheim Hauptbahnhof –<br />
Duisburg, Obermarxloh Schleife<br />
Linienlänge: . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Kilometer<br />
Haltestellen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46<br />
Fahrzeit: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ca. eine St<strong>und</strong>e<br />
Wageneinsatz:. . . . . . . . GT10NCDU, sehr selten<br />
Fahrschul-Tw 1000 (ex GT8)<br />
Tickets: . . . . . . . . . . VRR-Ticket der Preisstufe B,<br />
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Einzelfahrt 5,30 Euro<br />
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Tageskarte 13,– Euro<br />
Hauptstraße durch ein kleines Waldstück<br />
mit großem Parkplatz. Da, wo tagsüber<br />
brave Familien ihr Auto zum Zoobesuch<br />
abstellen, ist auch nachts eine Menge los.<br />
Dann bieten hier allerdings leicht bekleidete<br />
Damen ihre Dienste an.<br />
Vom Zoo in die City<br />
Der „Höhepunkt“ <strong>für</strong> die jüngeren Straßenbahnfahrgäste<br />
ist da wohl eher der Blick<br />
nach rechts. Denn kaum rollt die 901 über<br />
Duisburger Boden, strecken die Giraffen<br />
neugierig ihre Hälse aus dem Gehege: Die<br />
Haltestelle Zoo/Uni ist erreicht.<br />
Hier gibt es abseits der Strecke noch eine<br />
dreigleisige Abstellanlage, in der meistens<br />
ein Wagen pausiert: Zwischen Zoo/Uni <strong>und</strong><br />
Scholtenhofstraße in Laar verkehren die<br />
GT wochentags im 7,5-Minuten-Takt.<br />
Im Innenhafen fährt die 901 über die Schwanentorbrücke.<br />
In dem Speicherhaus ist mittlerweile<br />
das NRW-Landesarchiv eingezogen.<br />
Da<strong>für</strong> hat das Land mitten in das Gebäude<br />
einen riesigen Turm „gepflanzt“<br />
RECHTS Wo was im Duisburger Innenstadttunnel<br />
hält – das erklären Orientierungspläne<br />
Recht zügig wird in diesem Bereich die<br />
Bebauung wieder dichter, bis zur Haltestelle<br />
Schweizerstraße geht es leicht bergab –<br />
abgesehen von verschiedenen Brücken- <strong>und</strong><br />
Tunnelrampen das einzige nennenswerte<br />
Gefälle im Duisburger Netz. Anschließend<br />
strebt die Bahn, noch immer als klassische<br />
Straßenbahn, dem Lutherplatz entgegen.<br />
Unter der Erde schlummert noch ein teures<br />
Geheimnis, von dem kaum ein Duisburger<br />
etwas weiß: ein Geisterbahnhof. Ursprünglich<br />
sollte die Straßenbahn nämlich einmal<br />
bis zum Zoo in den Tunnel verdrängt werden.<br />
Die Linie 901 taucht nun in den 1992<br />
zweigeschossig eröffneten Innenstadttunnel<br />
ab. Zu Planungszeiten hatte man noch große<br />
Zukunftsvisionen. Oben fahren die Linien<br />
nebeneinander in die eine Richtung,<br />
unten in die andere. Am Duisburger<br />
Hauptbahnhof spucken die Wagen der Linie<br />
901 täglich tausende Pendler aus, die<br />
hier unter anderem in die Linie 903 nach<br />
Dinslaken <strong>und</strong> Hüttenheim <strong>und</strong> in die U79<br />
nach Meiderich <strong>und</strong> Düsseldorf umsteigen.<br />
Kunst im Tunnel<br />
Nächster Halt: König-Heinrich-Platz – die<br />
Station der Kaufwütigen. Über dem Bahn-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
29
Betriebe<br />
Auf einer Hafen insel baut die Stadt gerade<br />
zwischen Häusern <strong>und</strong> Straße eine neue Kanalbrücke<br />
zusammen. Sie wird später über<br />
den Kanal geschoben. Bis dahin fährt die 901<br />
über ein Provisorium. Im Hintergr<strong>und</strong> links<br />
steht das Tausendfensterhaus<br />
hof schieben sich die Massen durch die Fußgängerzone<br />
in die Geschäfte. Die meisten<br />
Fahrgäste dürften kaum merken, dass sie in<br />
einem echten Kunstwerk ein- <strong>und</strong> aussteigen.<br />
Der Bahnhof ist nämlich von Gerhard<br />
Richter mitgestaltet worden – er gilt als teuerster<br />
lebender Künstler der Welt. Und so<br />
etwas ausgerechnet im armen Duisburg?!<br />
Auf dem Weg zur Station Rathaus fädelt<br />
sich die 901 schließlich aus dem Doppelstocktunnel<br />
aus <strong>und</strong> taucht direkt neben<br />
dem Rathaus <strong>und</strong> der Salvatorkirche wieder<br />
aus den Katakomben auf. „Mama, was ist<br />
mit dem Kirchturm da? – Der ist kaputt“.<br />
„Ja, das ist richtig.“ Um genau zu sein, ihm<br />
fehlt seit dem letzten Krieg die Turmspitze.<br />
Das scheint die wortkarge Mutter so genau<br />
nicht zu wissen. Etwas besser dran ist die<br />
Schwanentorbrücke: Ihre vier Brückentürme<br />
tragen unverändert bis heute die vierspurige<br />
Hauptstraße inklusive der Linie 901.<br />
Langsam tasten sich der GT10NC-DU hier<br />
Tipps <strong>für</strong> die Mitfahrt<br />
Für die Strecke zwischen Mülheim Hauptbahnhof<br />
<strong>und</strong> Obermarxloh Schleife ist ein VRR-Ticket der<br />
Preisstufe B nötig. Ein Einzelticket gibt es <strong>für</strong> 5,30<br />
Euro, die Tageskarte kostet 13 Euro. Reizvolle Fotomotive<br />
gibt es vor allem in Mülheim-Speldorf, im<br />
Bereich des Duisburger Hafens, zu erreichen an<br />
den Haltestellen Albertstraße, Vinckeweg oder Tausendfensterhaus,<br />
in der Ruhrorter Ortsdurchfahrt<br />
vor. Die Brücke überspannt einen Kanal des<br />
Innenhafens – früher wurde sie deshalb<br />
regelmäßig hochgezgen. Wenn ein großes<br />
Schiff durch wollte, musste die Straßenbahn<br />
warten.<br />
Schnell nach links <strong>und</strong> rechts geschaut:<br />
Am Wasser posieren heute hochmoderne<br />
Bürogebäude <strong>und</strong> zu Museen <strong>und</strong> Bars umfunktionierte<br />
Speicherhäuser. Auf der anderen<br />
Seite schießt der Autoverkehr auf der<br />
Hochfelder Brücke über die Hafenschlucht<br />
hinweg. Es ist die eher schmuddelige Seite<br />
Duisburgs. Ab jetzt fahren wir in den Duisburger<br />
Norden. Er ist eine völlig andere Welt<br />
als der fast schon spießige Süden. Im Norden<br />
tobt die Industrie, der <strong>Aus</strong>länderanteil<br />
ist hoch: Türken, Rumänen, Bulgaren. Hier<br />
ist es normal, dass getunte BMW mit 80 Sachen<br />
durch die Straßen fegen oder selbst junge<br />
Damen mit Kopftuch die Straßenbahnen<br />
am Friedrichsplatz <strong>und</strong> vor der Kulisse der Thyssen-<br />
Hochöfen in Beeck zwischen den Haltestellen<br />
Brauerei <strong>und</strong> Beeck Denkmal. Für Fotos im Abbruchstadtteil<br />
Bruckhausen sollte man am besten<br />
an der Matenastraße aussteigen. Auch wenn es<br />
hier besonders bei Nacht schaurig wirkt – nicht abschrecken<br />
lassen! Die Bruckhausener sind größtenteils<br />
sehr bodenständige <strong>und</strong> offene Menschen.<br />
an den Haltestellen über den Bürgersteig<br />
überholen. An der Albertstraße erreicht die<br />
Linie 901 schließlich vor einem zweispurigen<br />
Kreisverkehr die Hafenbrücken.<br />
Durch den Hafen nach Ruhrort<br />
Ob die schweren Zehnachser heil über die<br />
Brücken kommen? Es kommen leise Zweifel<br />
auf, wenn man sich die Konstruktionen<br />
anschaut. Der Straßenbelag ist unterirdisch,<br />
die Verkehrsinseln verdreckt, die Straßenschilder<br />
teils völlig verschlissen <strong>und</strong> nicht<br />
mehr lesbar. Im Hintergr<strong>und</strong> erheben sich<br />
die riesigen Verladekräne <strong>und</strong> die dampfenden<br />
Schornsteine von Thyssen. Auf mehreren<br />
maroden Bogen- <strong>und</strong> Kastenbrücken<br />
überquert die Bahn die vielen Hafenbecken.<br />
Ein Blick aus dem Fenster: Schiffe, Wasser<br />
<strong>und</strong> Kräne – während sich rechts <strong>und</strong> links<br />
mit lautem Gepolter Autos <strong>und</strong> Lkw an der<br />
30 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Duisburg/Mülheim<br />
Straßenbahn vorbeischieben. Auf einer Zwischeninsel<br />
stoppt die 901 am Vinckeweg. Der<br />
Verkehr schlängelt sich hier um die erste neue<br />
Brücke herum, die gerade an Land zusammengebaut<br />
wird. Über eine provisorische Kanalbrücke<br />
steuert die Bahn die Haltestelle<br />
Tausendfensterhaus an. Das gleichnamige<br />
Gebäude steht direkt neben der Haltestelle.<br />
Zum Fenster nachzählen reicht der Stopp<br />
nicht, deshalb hier die ernüchternde Wahrheit:<br />
Das Haus hat in Wirklichkeit „nur“ 510<br />
Fenster. Trotzdem: Es sieht beeindruckend<br />
aus. Vor der Karlstraße biegt die 901 in einem<br />
engen Bogen in das Herz des Hafenortes<br />
Ruhrort ein. In Richtung Mülheim liegt hier<br />
übrigens der engste Gleisbogen im Netz – die<br />
Straßenbahnen stoßen hier fast an die Grenzen<br />
ihrer Bogenläufigkeit.<br />
Ruhrort ist eingekesselt von Hafen <strong>und</strong><br />
Rhein. Links <strong>und</strong> rechts zieht direkt neben<br />
den Gleisen Vorkriegsbebauung vorbei. In<br />
den idyllischen, maritimen Seitenstraßen<br />
schmiegen sich prächtige Bäume an schmucke<br />
Fassaden. Schließlich wird die Ortsdurchfahrt<br />
so schmal, dass sich die Strecke teilt<br />
<strong>und</strong> die 901 sich ihren Weg durch enge Bögen<br />
durch die Straßen bahnen muss. Am<br />
Friedrichsplatz treffen sich die Gleise wieder.<br />
Links neben der Haltestelle schleppt ein<br />
bärtiger Mann einen Kasten Bier zum<br />
Kiosk. Er hätte auch einen Schluck in der<br />
Kneipe „Endstation“ nehmen können. Ein<br />
letzter Zeuge der Zeit, als hier am Friedrichsplatz<br />
noch die Straßenbahnwagen gewendet<br />
haben.<br />
Ruhrpott-Flair in allen Facetten<br />
Einige Fahrgäste schauen nervös auf die Uhr:<br />
Mist! Der Zug fährt gleich! Zum Glück: Nur<br />
wenige Meter weiter legt die 901 ihren nächsten<br />
Halt am Ruhrorter Bahnhof ein. Der geschotterte<br />
Vorplatz ist meist mit Pfützen<br />
übersät. Hastig stöckeln <strong>und</strong> stapfen die<br />
Fahrgäste über ihn hinweg, um auf einem<br />
einfachen Stumpfgleis die Regionalbahn nach<br />
Oberhausen zu erwischen. Unbeeindruckt<br />
vom morbiden Flair dieses Ortes setzt sich die<br />
Bahn wieder in Bewegung <strong>und</strong> durchfährt<br />
rauschend eine große S-Kurve. Neben der<br />
Strecke dampft ein riesiges Heizkraftwerk,<br />
direkt dahinter fließt der Rhein vorbei. Die<br />
zehn Achsen rollen schneller. Auf gerader<br />
Strecke geht es zur Haltestelle Scholtenhofstraße<br />
in Laar. Hier endet in der Regel jede<br />
zweite Bahn. Direkt neben der Haltestelle<br />
steht noch der letzte Bauernhof Laars. Als er<br />
im Jahr 1861 hochgezogen wurde, dachte in<br />
Laar noch niemand an Zechen, Stahlwerke<br />
oder Straßenbahnen. Die Zechen sind schon<br />
wieder verschw<strong>und</strong>en. Und kurioserweise<br />
wird der Bauernhof wohl auch erleben, wie<br />
Die ein gleisige Ortsdurchfahrt im alten Schifferdorf Ruhrort wird oft gezeigt. Der engste Gleisbogen<br />
im Netz hinter der Karlstraße dagegen kaum. Langsam windet sich die 901 um die Ecke<br />
Auf maroden Brücken überquert die Linie 901 den Duisburger Binnenhafen. Wenn sich hier<br />
noch ein Lkw neben die Stadtbahn quetschen will, wird es ganz schön eng<br />
Mitten in Beeck, aber direkt am Werk! Die<br />
Hochöfen mögen <strong>für</strong> <strong>Aus</strong>wärtige bedrohlich<br />
wirken – aber sie sind typisch <strong>für</strong> Duisburg<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
31
Betriebe<br />
ein Teil Laars wieder verschwindet. Die 901<br />
fährt jetzt in die zweispurige Friedrich-<br />
Ebert-Straße – eng <strong>und</strong> ruhig ist es hier, die<br />
Autos müssen die Umgehungsstraße nutzen.<br />
Hier <strong>und</strong> da tummeln sich Menschen: In<br />
türkischen Gemüsemärkten, den kultigen<br />
Ruhrpott-Trinkhallen, in denen Hassan,<br />
Wolle <strong>und</strong> Co. sich Ayran <strong>und</strong> „Lecker Pilsken“<br />
besorgen, bei „Kulübü“ im türkischen<br />
Treff oder im Sommer einfach mit dem Gartenstuhl<br />
am Straßenrand. Hier erfüllt der<br />
Pott jedes Klischee!<br />
Aber die Idylle trügt: Viele Laarer wissen<br />
noch nicht, dass die Stadt Teile ihrer Heimat<br />
zerstören will. Konkret geht es um den<br />
Straßenzug, durch den die 901 fährt. Zwischen<br />
Laar Kirche <strong>und</strong> dem Ortsausgang<br />
nach Beeck sollen die historisch wertvollen<br />
<strong>und</strong> teils frisch sanierten Häuser entlang<br />
der Straße abgerissen werden, genau wie<br />
sämtliche zum Teil sanierte <strong>und</strong> prachtvolle<br />
Backstein-Bauten an der Thomasstraße<br />
<strong>und</strong> Umgebung. Angeblich wegen hoher<br />
Neben der Strecke …<br />
Duisburg reißt sich<br />
ab: Diese Szene aus<br />
Bruckhausen ist keine<br />
anderthalb Jahre<br />
alt. Trotzdem ist fast<br />
alles auf dem Bild<br />
Geschichte. Der<br />
Hochofen vier ist<br />
abgebaut, die Häuser<br />
in der Dieselstraße<br />
sind verschw<strong>und</strong>en<br />
<strong>und</strong> die<br />
Straße soll zurückgebaut<br />
werden<br />
… liegen noch einige Relikte aus der längst vergangenen<br />
Ära der Meterspurstrecken in Duisburg.<br />
In der Friedrich-Engels-Straße am Pollmann in<br />
Marxloh liegt noch ein kurzes Gleisstück, das schon<br />
von der Straßenbahn aus zu sehen ist. Ein längeres<br />
Stück Meterspurgleis hat noch auf der Matenastraße<br />
im ehemaligen Fischerort Alsum überlebt<br />
– zu erreichen ist es aber nur noch über einen großen<br />
Umweg r<strong>und</strong> um das Thyssen-Werk. Außerhalb<br />
von Laar lässt sich zudem noch Gleisarchäologie in<br />
der Stahlstraße betreiben, dort drücken sich die<br />
schon 1959 stillgelegten Meterspurgleise von Jahr<br />
zu Jahr stärker durch den Asphalt.<br />
Leerstände. Fakt ist: Die meisten Häuser<br />
sind voll bewohnt! Die wenigen leeren<br />
Wohnungen werden aber nicht mehr neu<br />
bezogen. Und Fakt ist auch: Neben Laar<br />
will sich ein Stahlkonzern ausbreiten. Weil<br />
ein gewisser Abstand zur Wohnbebauung<br />
eingehalten werden muss, müssen die Menschen<br />
weichen. Das sind genau die, die<br />
noch jeden Tag an der Haltestelle Laar Kirche<br />
in die 901 steigen.<br />
Treffen an der<br />
Scholtenhofstraße<br />
in Laar, wo wochentags<br />
der 7,5-Minuten-Takt<br />
endet. Die<br />
Hälfte der zum Teil<br />
frisch sanierten<br />
Häuser entlang der<br />
Strecke will die<br />
Stadtverwaltung<br />
abreißen lassen. Im<br />
Hintergr<strong>und</strong> dampft<br />
die Kokerei<br />
Durch Beeck vor einmaliger Kulisse<br />
Mehrere dunkle Werksbrücken <strong>und</strong> dicke<br />
Gasrohren unterquerend verlässt die Straßenbahn<br />
Laar in Richtung Beeck. Durch<br />
mehrere Gleisbögen geht es zu den Haltestellen<br />
Neanderstraße <strong>und</strong> Stockumer Straße.<br />
Mittlerweile ist die 901 in Beeck angekommen.<br />
An der Haltestelle Brauerei zieht<br />
sie an der „König Pilsener“-Brauerei vorbei.<br />
Neben der Strecke schieben ein paar Mädels<br />
vom Balkan eine alte Couch über den Fußweg.<br />
Im Café sitzen ein paar Duisburger,<br />
schlürfen Getränke <strong>und</strong> w<strong>und</strong>ern sich über<br />
diese Szene offenbar kaum. So ist Duisburg<br />
halt. Und das vor einer gigantischen Kulisse:<br />
Durch die Häuserzeilen erheben sich fast<br />
schon bedrohlich die Hochöfen von Thyssen,<br />
ununterbrochen speit ein Kühlturm Dampf in<br />
die Luft, als wolle er beweisen: Duisburg war,<br />
ist <strong>und</strong> bleibt die gute, alte Montanstadt! Hier<br />
leben die Menschen noch mit dem Werk.<br />
Heute ist das kein Problem, die Zeiten, in denen<br />
der Staub noch raschelnd auf das Laub<br />
rieselte, sind vorbei. Hinter der Haltestelle<br />
Beeck Denkmal zieht der Verkehr über eine<br />
verkommene Brücke der A42, die Hinweisschilder<br />
dorthin sind völlig verblichen.<br />
Bruckhausen:<br />
Zwischen Stahlwerk <strong>und</strong> Ruinen<br />
Ab jetzt taucht die 901 in eine völlig andere<br />
Welt ein. Direkt hinter der Autobahnbrücke<br />
mutiert Duisburg zur Geisterstadt. Vor<br />
Hochöfen reihen sich hübsch verzierte Häuser<br />
aus der Gründerzeit. Sie stehen nach subtilem<br />
Druck der Stadtverwaltung alle leer!<br />
Die Fenster sind mit Verschlägen versperrt,<br />
die Türen zugenagelt, die Dächer zum Teil<br />
ausgebrannt. Auf der weiteren Fahrt geht es<br />
durch ein völlig verwüstetes Gebiet. Ein Vorgeschmack<br />
auf Bruckhausen, das direkt hinter<br />
der Haltestelle Thyssen Kokerei beginnt.<br />
Auch hier macht Duisburg Kahlschlag: Der<br />
halbe Stadtteil wird abgerissen. Noch vor<br />
wenigen Jahren war Bruckhausen ein belebtes<br />
Viertel voller Gründerzeitbauten <strong>und</strong><br />
einem gut funktionierenden Multikulti-<br />
Mix. Dann begann die systematische Zerstörung:<br />
Ganze Straßenzüge sind schon verschw<strong>und</strong>en.<br />
Unermüdlich fressen sich die<br />
Bagger durch die Häuserreihen, lassen eine<br />
Stuckfassade nach der anderen mit viel<br />
Staub <strong>und</strong> Lärm zusammenkrachen.<br />
Durch die zersplitterten Fenster der verlassenen<br />
Häuser lässt sich aus der Bahn oft<br />
noch ein Blick in die leeren Gebäude erhaschen.<br />
Währenddessen spuckt das Thyssenwerk<br />
gegenüber Dampfwolken in den Himmel,<br />
Flammen schießen aus den Kaminen.<br />
Besonders nachts ist die Atmosphäre hier<br />
atemberaubend: Wenn quietschende Eisenbahnwaggons<br />
die Schlacke auskippen, färbt<br />
sich der Himmel über Bruckhausen in ein<br />
feuriges Orange <strong>und</strong> hüllt die verlassenen<br />
Straßenzüge in ein mystisches Licht.<br />
Am besten lässt sich das im Bereich der<br />
Haltestelle Matenastraße beobachten. Von<br />
dort ist es auch nicht weit zum Matenatunnel.<br />
Durch den verschlungenen Tunnel fuhr<br />
einst die Meterspur-Straßenbahn unter dem<br />
Thyssengelände hindurch in das ausgelöschte<br />
Dorf Alsum am Rhein. Der mittlerweile<br />
32<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Duisburg/Mülheim<br />
In Bruckhausen vernichten die Bagger ein Haus nach dem anderen. Als wäre das alles völlig normal, rollt Wagen 1025 durch die staubige Luft<br />
an der verruchten Kult-Eckkneipe „Schwarzer Diamant“ vorbei, während der Bagger krachend ein großes Dachteil herunter reißt<br />
geschlossene Tunnel ist noch einsehbar <strong>und</strong><br />
zum Schutz vor Fledermäusen beleuchtet.<br />
Aber was wird aus Bruckhausen, wenn der<br />
halbe Stadtteil verschw<strong>und</strong>en ist? Die ernüchternde<br />
Antwort: Ein Park! In etwa<br />
zwei Jahren hält die 901 hier, wo heute zum<br />
Teil noch Häuser stehen, am Rand des so<br />
genannten Grüngürtels, eingerahmt von<br />
Lärmschutzwänden aus Beton.<br />
Fahrt ins Brautparadies<br />
Auf der Fahrt in Richtung Marxloh wirken<br />
die GT10NC-DU neben den riesigen Werkshallen<br />
fast schon winzig. Rechts ragt die<br />
Thyssen-Verwaltung in den Himmel. Für einen<br />
kurzen Moment ist links ein Blick in die<br />
Halle möglich. Glühende Stahlreste, Dampf<br />
aus jeder Ecke – Ruhrpott, wie er leibt <strong>und</strong><br />
noch immer lebt! Kurz vor Marxloh fährt<br />
die 901 noch einmal an der gigantischen<br />
Kulisse der Thyssen-Werke vorbei.<br />
Schließlich erreichen wir Marxloh. Wegen<br />
des hohen Migrantenanteils sagt der<br />
Duisburger auch gerne mal „Mürxlüh“.<br />
Passt eigentlich – deutsche Geschäfte gibt es<br />
in Marxloh kaum noch. Da<strong>für</strong> Brautkleider<br />
– <strong>und</strong> zwar massenhaft! Fast nirgendwo in<br />
Europa tummeln sich so viele Brautmodengeschäfte<br />
nebeneinander wie hier.<br />
Während bei Alis Brautshop die Kasse<br />
klingelt, klackern auf der Weiterfahrt nach<br />
Obermarxloh die Radsätze: Eine Gleiskreuzung<br />
– um genau zu sein, die einzige Kreuzung<br />
mit der Straßenbahnlinie 903.<br />
Von jetzt an geht es recht flott in Richtung<br />
Endstelle: bis zur Herrmannstraße geradeaus,<br />
unter der A59 durch <strong>und</strong> mit einem<br />
Rechtsbogen auf den eigenen Gleiskörper<br />
inmitten der Hauptstraße. Wenn es nach der<br />
Stadt geht, soll auch hier die Wohnbebauung<br />
verschwinden. Die ganze Siedlung r<strong>und</strong><br />
um den Zinkhüttenplatz soll einem Outlet-<br />
Center weichen.<br />
Betriebshof ist verschw<strong>und</strong>en<br />
Am Seniorenheim Morianstift – zum Glück<br />
hat jeder Wagen ein Niederflurmittelteil –<br />
hält die 901 vor dem ehemaligen Hamborner<br />
Bahnhof aus dem Jahr 1912. Anschlie-<br />
Am Pollmann in<br />
Marxloh kreuzen<br />
sich die Strecken<br />
der Linien 901 <strong>und</strong><br />
903. Das Werbeschild<br />
am Gebäude<br />
ganz links verrät<br />
es: Marxloh macht<br />
aus Frauen Prinzessinnen!<br />
Hier reiht<br />
sich ein Brautmodengeschäft<br />
an<br />
das andere ...<br />
ßend rollen die Wagen durch eher dünn besiedeltes<br />
Gebiet zur Kampstraße. Hier<br />
konnten die Fahrgäste vor Jahrzehnten einmal<br />
in die Meterspurstraßenbahn umsteigen.<br />
Die Gleisreste lagen sogar noch bis<br />
kurz nach der Jahrtausendwende. Ein letzter<br />
Linksbogen: Jetzt sind es nur noch wenige<br />
h<strong>und</strong>ert Meter bis zur verdienten Pause.<br />
Da, wo früher die hübschen Hallen des<br />
Betriebshofs Hamborn standen, bietet heute<br />
Aldi seine Produkte an. Und endlich:<br />
Nach der Kopernikusstraße ist es geschafft!<br />
Die Haltestelle Obermarxloh Schleife ist erreicht.<br />
Drumherum steht lockere Nachkriegsbebauung<br />
– <strong>und</strong> ein Klohäuschen.<br />
Das können die Fahrer nach der Tour gut<br />
gebrauchen … CHRISTIAN LÜCKER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
33
Betriebe<br />
In Algier verfügt die Haltestelle Mouhous über ein drittes Gleis. Gut erkennbar sind auf dieser Aufnahme vom 20. März 2014 die arabische <strong>und</strong><br />
die französische Zielschildbeschriftung der in Frankreich produzierten Straßenbahnwagen<br />
ALLE FOTOS: BERNHARD KUSSMAGK<br />
Land im Tram-Baufieber<br />
Neubaustrecken in Algerien Nach der Stilllegung der letzten Algierer Straßenbahnlinie<br />
(1.055 mm Spurweite) im Dezember 1959 war Algerien jahrzehntelang straßenbahnfrei. Seit<br />
diesem Jahrzehnt gibt es aktuell wieder drei Betriebe – <strong>und</strong> es sollen ein Dutzend folgen!<br />
In diesem Jahrzehnt eröffneten in Algerien<br />
bereits drei Straßenbahnbetriebe: in Algier<br />
am 8. Mai 2011, in Oran am 1. Mai<br />
2013 sowie in Constantine am 4. Juli<br />
2013. Doch das war noch nicht alles, denn in<br />
einem guten Dutzend weiterer Städte sollen<br />
demnächst Straßenbahnen fahren (siehe Grafik).<br />
Die Städte Sidi Bel Abbès (vorgesehen ist<br />
eine Linie), Mostaganem (geplant sind zwei<br />
Linien), Ouargla (eine Linie) <strong>und</strong> Sétif (zwei<br />
Linien) bauen bereits an neuen Netzen, in<br />
den anderen sind sie geplant. In Annaba öffnete<br />
unlängst ein Citadis-Werk, das im April<br />
2014 das erste Fahrzeug fertigstellte.<br />
Die Einwohnerzahl Algeriens wächst sehr<br />
schnell <strong>und</strong> die Städte konzentrieren sich im<br />
fruchtbaren <strong>und</strong> nicht von endloser Wüste<br />
dominierten Norden des Landes. Schnelle,<br />
ökonomische <strong>und</strong> ökologische Beförderung<br />
einer großen Menge von Passagieren bei<br />
deutlicher Reduzierung des Schadstoffe ausstoßenden<br />
Bus- <strong>und</strong> Autoverkehrs sind die<br />
erklärten Ziele der breiten Einführung der<br />
Straßenbahn im Lande. Die Bahnen werden<br />
analog zu den neuen französischen Trambetrieben<br />
durch Straßenrückbau systematisch<br />
auf eigener Trasse geführt – bei gleichzeitiger<br />
Aufwertung der durchfahrenen Straßenzüge.<br />
Die <strong>Aus</strong>gestaltung der Trassierung ist<br />
nicht so hochwertig wie in Frankreich, aber<br />
sie reicht nahe an sie heran. Alle drei Systeme<br />
beschäftigen verhältnismäßig viel Personal.<br />
Es gibt zahlreiche Fahrscheinverkäufer,<br />
es finden umfangreiche Kontrollen statt <strong>und</strong><br />
viele Kreuzungen werden wegen der äußerst<br />
gering ausgeprägten Verkehrsdisziplin der<br />
Autofahrer durch Posten gesichert, da rote<br />
Ampeln in Algerien generell missachtet werden.<br />
Zusammenstöße sind daher ein von<br />
den Straßenbahnverwaltungen beklagtes<br />
großes Problem.<br />
Aktuelles aus Algier <strong>und</strong> Constantine<br />
Wie bereits im Journal 5/2014 gemeldet, erfolgte<br />
am 16. April 2014 in Algier die Verlängerung<br />
der bestehenden <strong>und</strong> ganztägig<br />
im 5-Minuten-Takt bedienten Straßenbahnstrecke<br />
von der Endhaltestelle Mimouni<br />
Hamoud bis Carrefour Café-Chergui. Die<br />
weitere Verlängerung bis Dergana, die die<br />
Linie auf 23 Kilometer Länge bringen wird,<br />
soll im Juni eröffnet werden.<br />
In Constantine besteht die Straßenbahn<br />
derzeit aus einer 7,8 Kilometer langen Linie<br />
mit 10 Haltestellen, die an allen Wochentagen<br />
von 5 bis 22 Uhr im 5-Minuten-Takt<br />
bedient wird. Sie beginnt am Rand des<br />
Stadtzentrums, durchquert dicht besiedelte<br />
Quartiere, überbrückt auf einer eigens<br />
<strong>für</strong> die Tram errichteten Brücke die<br />
Schlucht des Flusses Rhummel <strong>und</strong> führt an<br />
der Mentouri-Universität im Süden der<br />
Stadt vorbei nach Zouaghi Slimane, wo<br />
sich der Betriebshof befindet. Dieser ist<br />
großzügig ausgelegt <strong>und</strong> beherbergt 27 Alstom<br />
Citadis 302, von denen gegenwärtig elf<br />
benötigt werden. Von hier aus wird die Linie<br />
um 2,7 Kilometer zum Flughafen verlängert,<br />
der damit ab 2015 per Tram an die<br />
34 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Mittelmeer<br />
Algerien<br />
GRAFIK: DR. JÖRG HÄSELER<br />
Innenstadt angeschlossen sein wird. Die<br />
Strecke befindet sich im Bau <strong>und</strong> auch die<br />
Planung einer längeren Zweiglinie in die<br />
Neustadt Ali Mendjeli ist bereits weit vorangeschritten.<br />
Pläne in Oran<br />
Mit 32 Haltestellen erschließt die Straßenbahn<br />
mit ihrer 18,7 Kilometer langen Linie<br />
bei 62 Minuten Fahrzeit <strong>und</strong> 4-Minuten-<br />
Takt im Berufsverkehr sowohl den Süden<br />
als auch den Osten der Stadt, in dem sie<br />
einen V-förmigen Verlauf von Senia Université<br />
ins Zentrum <strong>und</strong> von dort zur Gare<br />
Routier Sidi Maarouf beschreibt. In der Innenstadt<br />
führt sie teilweise durch sehr enge<br />
Straßenzüge, die die Stadtverwaltung verkehrsberuhigt<br />
hat. Das große Depot im<br />
Osten wird via 260 Meter langer Hochbahnstrecke<br />
erreicht. Hier sind die 30 Citadis<br />
302 stationiert, von denen bislang 18 benötigt<br />
werden. Am anderen Endpunkt in<br />
Senia Université besteht ein weiteres, kleineres<br />
Depot, das noch nicht benutzt wird.<br />
Von hier aus wird an einer fünf Kilometer<br />
langen Streckenverlängerung zum Flughafen<br />
gebaut, die 2016 eröffnet werden soll.<br />
An der Haltestelle USTO im Osten der<br />
Stadt sind bereits die Weichen <strong>für</strong> eine<br />
16,5 Kilometer lange Neubaustrecke mit 28<br />
Haltestellen nach Bir El Djir eingebaut. Mittelfristig<br />
soll das Straßenbahnnetz 52 Kilometer<br />
lang <strong>und</strong> noch damit umfangreicher<br />
als das 1955 stillgelegte mit 1.055 mm<br />
Spurweite werden, das in seiner maximalen<br />
<strong>Aus</strong>dehnung acht Linien sowie eine Überlandlinie<br />
umfasste. BERNHARD KUSSMAGK<br />
Constantine: An der<br />
Haltestelle Cité<br />
Kheznadar in Constantine<br />
passiert die<br />
Tram durch Posten<br />
gesichert eine querende<br />
Straße, hier<br />
eine Aufnahme vom<br />
18. März 2014<br />
In Oran fährt die<br />
Straßenbahn an der<br />
Haltestelle M'dina<br />
Eldjadida in Mittellage<br />
einer zurückgebauten<br />
Straße<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
35
Betriebe<br />
Auf schmaler<br />
Spur im Neißetal<br />
Der Meterspurbetrieb zwischen Liberec <strong>und</strong> Jablonec Sie ist die letzte 1.000-Millimeter-<br />
Straßenbahn in der Tschechi schen Republik – am 14. März 2014 verkehrte sie in bisheriger<br />
Form vorerst zum letzten Mal. Nun beginnen auf zwei Abschnitten umfangreiche Modernisierungen<br />
<strong>und</strong> Umbauten. Aber was wird dann ab 2015 anders sein?<br />
36 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Liberec – Jablonec<br />
Charakteristische Linienführung<br />
der Überlandstraßenbahn nach<br />
Jablonec (Gablonz) im Tal der<br />
Lausitzer Neiße - hier am Ortseingang<br />
von Prosec (Proschwitz)<br />
mit Tw 23 am 12. März 2014<br />
WOLFGANG MEIER<br />
Am Freitag, dem 14. März 2014, war<br />
der vorläufig letzte Betriebstag auf<br />
der meterspurigen Linie von Liberec<br />
(Reichenberg) nach Jablonec nad<br />
Nisou (Gablonz an der Neiße), der einzig<br />
verbliebenen meterspurigen Überlandstraßenbahn<br />
in der Tschechischen Republik. Doch <strong>für</strong><br />
die von den Linien 5 <strong>und</strong> 11 bediente Strecke<br />
gibt es eine Zukunft: Während einer r<strong>und</strong> einjährigen<br />
Gesamtsperrung lässt das als AG organisierte<br />
kommunale Verkehrsunternehmen<br />
„Dopravní podnik mest Liberce a Jablonce<br />
nad Nisou“ (DPMLJ) den knapp drei Kilometer<br />
langen Abschnitt von Nova Ruda nach<br />
Vratislavice modernisieren <strong>und</strong> teilweise zweigleisig<br />
ausbauen. Außerdem wird der Oberbau<br />
zwischen Zelene udoli <strong>und</strong> Brandl erneuert.<br />
Die meterspurigen Wagen bleiben<br />
während dieser Zeit im Depot, da das übrige<br />
Netz bereits auf Normalspur umgebaut ist.<br />
Der alte <strong>Aus</strong>gangspunkt in Liberec<br />
<strong>Aus</strong>gangspunkt <strong>für</strong> die als Linie 11 geführte<br />
Überlandstraßenbahn war bis zum Jahr 2007<br />
die ursprünglich vom übrigen Innenstadtnetz<br />
isolierte Abfahrtsstelle Fügnerova, eine Parallelstraße<br />
zur Revolucni-Straße, durch welche<br />
die Straßenbahn einst vom Soukenne namesti<br />
(Tuchplatz) aus eingleisig <strong>und</strong> <strong>für</strong> Hin- <strong>und</strong><br />
Rückfahrt in je getrennten Gassen im bis zu<br />
zehn Prozent steilen An- bzw. Abstieg die<br />
Oberstadt erschloss. Durch Gebäudeabrisse<br />
zwischen Altstadt <strong>und</strong> Oberstadt schuf die<br />
Stadtverwaltung den Platz, um die Straßenbahn<br />
ab 1984 neu zu trassieren. Mit der zweigleisigen<br />
Strecke war es möglich, die Fügnerova<br />
im August 2008 direkt an die neue<br />
innerstädtische Stammstrecke anzuschließen<br />
<strong>und</strong> zu einem modernen Umsteigeknoten zwischen<br />
allen Straßenbahnlinien <strong>und</strong> Bussen umzugestalten.<br />
Seit 14. Mai 2007 befindet sich<br />
der Endpunkt der Linie 11 in der Gleisschleife<br />
unterhalb des Eisenbahnviaduktes der Zittau-Reichenberger<br />
Eisenbahn. Damit wird<br />
auch der Reichenberger Hauptbahnhof mit<br />
einer Seehöhe von 375 Meter durch die steil<br />
bis zur Haltestelle Rybnicek in die Unterstadt<br />
abfallende Strecke von der Überlandlinie bedient.<br />
Die 1966 eingeführte Verstärkerlinie<br />
5 endet je nach Bedarf am Viadukt oder an<br />
der Haltestelle Rybnicek, wo eine Betriebsstrecke<br />
zum Depot abzweigt. Ab 1990 wurden<br />
bei Gleiserneuerungen Dreischienengleise<br />
eingebaut, verkehren die übrigen zwei<br />
Linien in Liberec heute doch regelspurig.<br />
Bisherige Modernisierungen<br />
Liberec – Nova Ruda<br />
Nach Eröffnung des zentralen Umsteigeknotens<br />
Fügnerova 2008 ließ der DPMLJ<br />
den innerstädtischen Teils der Überland-<br />
Der mit einem Niederflurmittelteil versehene<br />
Tw 42 kreuzt am 19. Oktober 2013 in Prosec<br />
mit dem Tw 26 nach Jablonec ULLRICH MÜLLER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
37
Betriebe<br />
Durch die schrittweise Umstellung der Reichenberger Straßenbahn von Meter- auf Regelspur<br />
gibt es in Liberec heute auch ungewöhnliche Dreischienenweichen <strong>und</strong> -kreuzungen TINO ANDERS<br />
<strong>Aus</strong> der Geschichte der Überlandstrecke<br />
Bodenbach<br />
In der nordböhmischen Stadt Reichenberg nahm<br />
im Jahr 1897 – im elf Kilometer entfernten Gab -<br />
lonz hingegen drei Jahre später ein jeweils meter<br />
spuriger Straßenbahnbetrieb den Verkehr auf.<br />
Es lag schon damals nahe, die beiden aufstrebenden<br />
Industrie- <strong>und</strong> Handelsstädte auch mit<br />
einer Überlandstraßenbahn miteinander zu verbinden.<br />
Die 1888 eröffnete Lokalbahn Reichenberg<br />
– Gablonz – Tannwald erschien einem<br />
schnellen <strong>und</strong> flexiblen Überlandverkehr langfristig<br />
nicht gewachsen. Doch diese Bestrebungen<br />
scheiterten aus Konkurrenzdenken der<br />
jeweils zuständigen Staatsbahnen Österreich-Ungarns<br />
bzw. der späteren Tschechoslowakei sowie<br />
ab Herbst 1938 auch Deutschlands. Erst 1947<br />
stimmten die neuen Machthaber in Prag einem<br />
solchen Vorhaben zu. Im November 1953 ging<br />
zunächst die 4,5 Kilometer lange Strecke zwischen<br />
Jablonec nad Nisou dolni nadrazi (Gab -<br />
Zittau<br />
Viadukt<br />
11 5<br />
2<br />
Hbf<br />
2 3<br />
Reichenberg /<br />
Liberec<br />
Fügnerova<br />
U Lomu<br />
Nova Ruda<br />
Röchlitz /<br />
Rochlice<br />
Maffersdorf /<br />
Neiße Vratislavice n.N.<br />
5<br />
Lausitzer<br />
Überlandstraßenbahn<br />
Reichenberg - Gablonz<br />
Johannesberg /<br />
Janov<br />
Gablonz /<br />
Jablonec n.N.<br />
Schlag /<br />
Paseky<br />
Brandl<br />
3<br />
Proschwitz /<br />
11<br />
Prosec n.N.<br />
Hbf Depot 1971<br />
aufgelassen<br />
Normalspur<br />
Normalspur in Planung<br />
Meterspur<br />
Meterspur stillgelegt<br />
Depot<br />
Staatsbahn<br />
lonz-Brandl) <strong>und</strong> Prosec nad Nisou (Proschwitz)<br />
in Betrieb, ein Jahr später der Abschnitt bis Vratslavice<br />
(Maffersdorf) <strong>und</strong> schlussendlich bis Reichenberg<br />
am 1. Januar 1955. Seit 26. Dezember<br />
1956 gab es auf der 12,5 Kilometer langen Überlandstraßenbahn<br />
eine durchgehende Verbindung.<br />
Die Verkehrsbetriebe von Liberec <strong>und</strong> Jablonec<br />
stellten je zur Hälfte die <strong>für</strong> den 15-Minuten-Takt<br />
benötigten <strong>und</strong> mit Beiwagen behängten sechs<br />
Zweiachser-Garnituren vom Typ MT6 der Baujahre<br />
1953 <strong>und</strong> älter.<br />
Eine erste Erneuerung der Überlandstrecke<br />
fand zwischen 1972 <strong>und</strong> 1976 statt. Dabei ließen<br />
die Verkehrsbetriebe erste Abschnitte umtrassieren<br />
<strong>und</strong> eine Hochkettenfahrleitung installieren.<br />
Die maximale Fahrgeschwindigkeit betrug anschließend<br />
60 km/h. Seitdem kamen ausschließlich<br />
Tatra-Einrichtungstriebwagen vom Typ T3<br />
zum Einsatz, zuletzt meist modernisierte.<br />
P r a g<br />
Reichenau /<br />
Rychnov<br />
Tannwald<br />
strecke von Liberec bis zur Haltestelle<br />
Nova Ruda in drei Abschnitten zweigleisig<br />
ausbauen. Die zuvor sehr bogenreich trassierten<br />
Gleise entstanden dabei nach neuzeitlichen<br />
Gesichtspunkten zugleich in<br />
gestreckter Linienführung völlig neu. Bis<br />
zur Haltestelle „U Lomu“ (Am Steinbruch)<br />
sind die Gleise dreischienig auf<br />
Y-Stahlschwellen befestigt <strong>und</strong> von dort<br />
aus auf Normalspurholzschwellen, aber<br />
mit Schienen im Meterspurabstand, so<br />
dass zu einem späteren Zeitpunkt eine<br />
Umspurung erfolgen kann. Für diese Modernisierungen<br />
bis Nova Ruda haben die<br />
Verkehrsbetriebe umgerechnet 16,4 Millionen<br />
Euro ausgegeben, überwiegend Fördergelder<br />
der EU.<br />
Von der Station „U Lomu“ ist perspektivisch<br />
eine 1,6 Kilometer lange Neubaustrecke<br />
nach Rochlice (Röchlitz) vorgesehen.<br />
Das Netz der Straßen- <strong>und</strong> Eisenbahnen zwischen<br />
Liberec <strong>und</strong> Jablonec GRAFIK: ULLRICH MÜLLER<br />
38<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Liberec – Jablonec<br />
Am östlichen Ortseingang<br />
von Prosec erreicht<br />
am 18. Oktober<br />
2013 eine Doppeltraktion<br />
von Jablonec die<br />
<strong>Aus</strong>weichsstelle. Rechts<br />
steht ein Blocksignal<br />
ULLRICH MÜLLER<br />
Diese Ortschaft war bereits bis 1960 – allerdings<br />
auf anderem Weg – von der Straßenbahn<br />
erschlossen worden.<br />
Die Baupläne <strong>für</strong> 2014/15<br />
In den nächsten Monaten wird die Strecke<br />
nun bis zum Ortseingang von Vratslavice<br />
(Maffersdorf) zweigleisig ausgebaut. Die beengte<br />
Ortsdurchfahrt bleibt hingegen bis zur<br />
Wendeschleife weiterhin eingleisig, wird aber<br />
ebenfalls erneuert. Außerdem werden einzelne<br />
Trassenabschnitte zwischen Zelene udoli <strong>und</strong><br />
Brandl begradigt <strong>und</strong> die neuen Schienen dabei<br />
ebenfalls auf umspurbaren Y-Schwellen<br />
befestigt. Des Weiteren sind die Verlegung der<br />
<strong>Aus</strong>weiche Prosec skola nach Vratislavice<br />
kyselka <strong>und</strong> der behindertengerechte <strong>Aus</strong>bau<br />
der Haltestelle Brandl zur kombinierten Bus-<br />
/Straßenbahnstation vorgesehen.<br />
Für diese Arbeiten plant der DPMLJ Kosten<br />
in Höhe von umgerechnet etwa 9,4 Millionen<br />
Euro ein, die wiederum großteils von<br />
der EU als Zuschüsse angekündigt sind.<br />
Das bis zur Station „U Lomu“ liegende<br />
Dreischiengleis wird im Rahmen der aktuellen<br />
Arbeiten noch nicht verlängert – allerdings<br />
kommen bis Vratslavice Y-Schwellen<br />
zum Einbau, womit einer Umspurung auf<br />
1.435 Millimeter zu einem späteren Zeitpunkt<br />
weiter zugearbeitet wird. In der Vergangenheit<br />
sanierte Gleisabschnitte <strong>und</strong><br />
Bahnübergänge sind ebenfalls bereits mit<br />
Normalspurschwellen ausgerüstet worden,<br />
so dass diese relativ einfach umgestellt werden<br />
könnten. Die Umspurung der gesamten<br />
Strecke war schon Anfang der 1990er-Jahre<br />
ins Auge gefasst worden. Aber sie unterblieb,<br />
weil die Stadtverwaltung von Jablonec damals<br />
die Abschaffung der Straßenbahn<br />
wünschte.<br />
Die Trassierung<br />
Hinter Nova Ruda erreicht die Überlandstrecke<br />
bei 420 Meter Höhe über dem<br />
Meeresspiegel den Brechpunkt. Von dort<br />
führt sie bergauf/bergab wechselnd stets<br />
Die Straßenbahn in Jablonec<br />
Die am 7. Februar 1900 eröffnete Gablonzer<br />
Straßenbahn erschloss seit dem 10. Mai 1900<br />
das kleine Industriegebiet mit dem Gaswerk in<br />
Brandl. Bis 1950 gab es dort einen Güterumschlag<br />
von der Straßenbahn zur Eisenbahn. In<br />
Gablonz dominierte die Straßenbahn zur Feinverteilung<br />
der von der Glas-, Schmuck- <strong>und</strong> Textil -<br />
industrie hergestellten Produkte mit einem intensiven<br />
Güter- <strong>und</strong> Postverkehr. So besaßen<br />
alle drei Gablonzer Postämter entsprechende<br />
Gleisanschlüsse. Mit dem „Wegzug“ – wie die<br />
Vertreibung der deutschen Bevölkerung meist<br />
offiziell bezeichnet wird – zogen auch Wissen<br />
<strong>und</strong> Arbeitskraft mit, dementsprechend reduzierten<br />
sich Warenabsatz <strong>und</strong> Produktion erheblich.<br />
Der Güterverkehr mit der Straßenbahn<br />
lohnte sich nicht mehr, 1954 kam die endgül -<br />
tige Umstellung auf Lkw. Der Personenverkehr<br />
fand – bis auf den Restbetrieb der Linie 11 –<br />
am 31. März 1964 sein Ende.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
39
Betriebe<br />
In Nova Ruda endete bisher<br />
der zweigleisig ausgebaute<br />
Abschnitt. Gut sichtbar die<br />
Holzschwellen, die eine<br />
spätere Umspurung auf<br />
1.435 mm ermöglichen<br />
ULLRICH MÜLLER (2)<br />
Quellen:<br />
• Anton Schlupek: „Die Straßenbahnen in<br />
Reichenberg <strong>und</strong> Gablonz“, in: „Straßenbahn-Magazin“,<br />
Heft 5/1974.<br />
• Jiri Vogel: „Die Zukunft des ÖPNV in<br />
Liberec (Reichenberg/CSSR)“, in: „Stadtverkehr“,<br />
Heft 3/1985.<br />
• „Gleise in schlechtem Zustand“, in: „Stadtverkehr“,<br />
Heft 2/1991.<br />
• Helge Mai u. a.: „Straßenbahn im Iser -<br />
gebirge“, in: „Stadtverkehr“, Heft 9/1993.<br />
• Gerhard Bauer u. a.: „Straßenbahnen in der<br />
Tschechischen <strong>und</strong> Slowakischen Republik“,<br />
Dresden 1995.<br />
auf eigenem Bahnkörper in Seitenrandlage<br />
der Straßen <strong>und</strong> Wege nach Vratislavice.<br />
Ganz in der Nähe der Haltestelle Kostel<br />
(Kirche) hat in einer kleinen Grünanlage<br />
eine im Original erhaltene Gedenktafel<br />
Internet:<br />
• Transport Gesellschaft Liberec <strong>und</strong><br />
Jablonec – Historie 1895 bis 1981 (in<br />
Deutsch mit historischen Fotos):<br />
www.dpmlj.cz/historie/tramvaje-v-liberci/jablonci<br />
• „Straßenbahnen in Liberec & Jablonec“ in<br />
Deutsch:<br />
www.strassenbahn-liberec.de<br />
• Baustellenfototagebuch mit aktuellen<br />
Aufnahmen:<br />
http://boveraclub.drat.eu/index.php?page=<br />
home&read=2014032921164713<br />
von Franz Joseph I. über die Erhebung<br />
Maffersdorfs 1906 zur Marktgemeinde<br />
die Wirren der Zeit überlebt. In einem<br />
langgestreckten S-Bogen neigt sich die<br />
Strecke danach wieder hinab in das Tal der<br />
Zittauer bzw. Lausitzer Neiße. Am Ortsende<br />
wendet die Verstärkerlinie 5 an der<br />
Haltestelle Vratislavice vyhybna. Die Linie<br />
11 verläuft nun meist auf eigenem Bahnkörper<br />
oder maroden Dorfstraßen sehr romantisch<br />
im mit Obstwiesen <strong>und</strong> verstreuten<br />
Siedlungen durchsetzten Tal der<br />
Lausitzer Neiße. Auf halber Höhe des südlichen<br />
Talhanges begleitet die Staatsbahn<br />
die Straßenbahnstrecke, die aber – um der<br />
Straßenbahn keine Konkurrenz zu machen<br />
– an den meisten Bahnhöfen nicht hält.<br />
Im Bereich von Jablonec<br />
Kurz vor dem Bahnhof Jablonec nad Nisou<br />
dolni nadrazi (Gablonz-Brandl) verlässt die<br />
Straßenbahn in einem steigungsreichen S-<br />
Bogen die Talaue <strong>und</strong> führt in Seitenrandlage<br />
der Hauptverkehrsstraße am Empfangsgebäude<br />
des Bahnhofes Brandl vorbei zur<br />
gleichnamigen <strong>Aus</strong>weiche, die ihren alten<br />
Namen behalten hat. Dann geht es noch<br />
800 Meter in Seitenrandlage weiter, um<br />
40 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Liberec – Jablonec<br />
Die Endschleife in Jablonec. Als Ersatz <strong>für</strong> die 600 Meter entfernt im Zentrum aufgelassene Wagenhalle<br />
entstand hier eine Untersuchungsgrube ohne Überdachung<br />
WOLFGANG MEIER<br />
Neuer Fahrzeugtyp in<br />
der Erprobungsphase<br />
kurz vor der Innenstadt von Jablonec in einem<br />
scharfen Rechtsbogen zur in einer<br />
Grünanlage befindlichen Endschleife abzubiegen.<br />
Einen Anschluss an das Stadtbussystem<br />
gibt es hier nicht, da<strong>für</strong> aber inmitten<br />
der Wendeschleife eine nicht überdachte<br />
Untersuchungsgrube. Bis 1972 führte die<br />
Straßenbahn noch 600 Meter weiter an den<br />
Rand der Innenstadt.<br />
Verkehr <strong>und</strong> Betrieb<br />
Obwohl das durchfahrene Gebiet recht<br />
dünn besiedelt erscheint, füllen sich die<br />
Straßenbahnwagen nicht nur in Vratislavice<br />
<strong>und</strong> an den beiden Endhaltestellen<br />
schnell, sondern auch die Unterwegshalte<br />
sind frequentiert. Das liegt an der in der<br />
Tschechischen Republik geringeren Dichte<br />
von 427 Pkw als 517 in Deutschland<br />
pro 1.000 Einwohner. Bei einem durchschnittlichen<br />
Monatseinkommen von umgerechnet<br />
900 Euro beträgt der Fahrpreis<br />
<strong>für</strong> die einfache Fahrt zwischen Reichen-<br />
Parallel zur Erneuerung der Gleise nach Vratislavice<br />
ist die Beschaffung von zwölf regelspu rigen Niederflurbahnen<br />
des Typs EVO 2 vorgesehen. Derzeit<br />
ist der sechsachsige Gelenkwagen Nr. 86 in der<br />
Erprobungsphase im Fahrgastbetrieb. Die neuen<br />
Bahnen haben eine Länge von 21,95 Meter, eine<br />
Breite von 2,56 Meter <strong>und</strong> bieten Platz <strong>für</strong> 161 Fahrberg<br />
<strong>und</strong> Gablonz 22 Kronen, was 90<br />
Cent entspricht. Die Tageskarte <strong>für</strong> alle Linien<br />
in beiden Verkehrsgebieten einschließlich<br />
der Überlandstrecke kostet 100<br />
Kronen (3,90 Euro).<br />
Bis zum 14. März 2014 waren in fast jedem<br />
Zugverband neu karossierte Tatras<br />
vom Typ T3R.PLF eingesetzt, die seit 2005<br />
aus Fahrzeugen der Typen T2R <strong>und</strong> T3 mit<br />
33 Prozent Niederfluranteil entstanden sind<br />
<strong>und</strong> gegenüber den Originalen einen um<br />
1.000 Millimeter verlängerten Wagenkasten<br />
aufweisen. Sie bieten jeweils 110 Fahrgästen<br />
Platz, je nach Bestuhlung gibt es zwischen<br />
24 <strong>und</strong> 32 Sitzplätze. Auf der Linie<br />
gäste (46 Sitzplätze). Der minimale befahrbare Radius<br />
beträgt 18 Meter, die Höchstgeschwindigkeit<br />
65 km/h. Im Gegensatz zu den über 30 Jahre alten<br />
Tatrawagen dröhnen die ansonsten bequemen Fahrzeuge<br />
innen wie außen, worüber sich bereits erste<br />
Anwohner beschwerten. Die Aufnahme entstand<br />
2013 kurz vor der Zentralhaltestelle Fügnerova.<br />
11 kommen vorrangig die Wagen mit hoher<br />
Sitzplatzzahl zum Einsatz. Aber auch<br />
die beiden letzten in Liberec vorhandenen<br />
Tatra-T2 (Nr. 18 <strong>und</strong> 19 – beide über 50<br />
Jahre alt) kamen bis zum März häufig auf<br />
der Linie 11 zum Einsatz. Ab 17 Uhr sowie<br />
an den Wochenenden verkehrten Solowagen.<br />
Aufgr<strong>und</strong> des schlechten Oberbauzustandes<br />
betrug die technisch mögliche<br />
Höchstgeschwindigkeit noch 40 km/h, die<br />
Durchschnittsgeschwindigkeit bei zuletzt<br />
28 Minuten Fahrzeit 23,6 km/h. Die eingleisige<br />
Strecke wird durch einen Streckenselbstblock<br />
mit vierbegriffigen Lichtsignalen<br />
gesichert.<br />
ULLRICH MÜLLER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
41
Fahrzeuge<br />
Von der Kopie zum<br />
Original aus <strong>Berlin</strong><br />
GT6 <strong>und</strong> GT8 der DWM/Waggon Union <strong>für</strong> Darmstadt <strong>und</strong> Karlsruhe Zwischen 1959<br />
<strong>und</strong> 1990 entstanden in <strong>Berlin</strong> insgesamt 194 sechs- <strong>und</strong> achtachsige Gelenktriebwagen. Fast<br />
drei Viertel davon kamen nach Südhessen <strong>und</strong> Nordbaden. Aber wie haben sich die Gelenkwagen<br />
bewährt <strong>und</strong> wann sind die ersten aus dem Dienst ausgeschieden? Wo sind sie geblieben?<br />
42 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Gelenkwagen der DWM/WU<br />
Mitte der 1950er-Jahre bestand<br />
auch in Westdeutschland ein Bedarf<br />
an neuen Straßenbahnwagen<br />
– viele Städte wollten auf<br />
das leistungsfähige Nahverkehrsmittel nicht<br />
verzichten <strong>und</strong> beschafften neue Fahrzeuge,<br />
um den teils völlig überalterten Betriebsmittelpark<br />
zu ersetzen. Die in dieser Zeit entstandenen<br />
Großraumwagen waren dazu ein<br />
erster, wichtiger Ansatz. Noch mehr Erfolg<br />
versprachen aber <strong>für</strong> Netze ohne Wendeschleifen<br />
als Zweirichtungsfahrzeuge ausgeführte<br />
Gelenktriebwagen. Die von der Düsseldorfer<br />
Waggonfabrik AG (Düwag) ab<br />
1956 gebauten Sechsachser (GT6) sowie die<br />
erstmals 1958 gefertigte achtachsige Version<br />
(GT8) kamen daher genau im richtigen Moment<br />
auf den Markt. Die Verkehrsbetriebe<br />
vieler Städte zeigten sich von den leistungsfähigen<br />
Fahrzeugen sehr angetan. Egal ob<br />
als Ein- oder Zweirichtungswagen ausgeführt<br />
– mit den GT6 <strong>und</strong> GT8 traf die Düwag<br />
einen gewissen Nerv. Die Gelenktriebwagen<br />
trugen so maßgeblich dazu bei, dass<br />
das Unternehmen in der B<strong>und</strong>esrepublik<br />
eine marktbeherrschende Position erlangte.<br />
Konkurrenz-Versuche zur Düwag<br />
Ab Ende der 1950er-Jahre sprangen mehrere<br />
andere deutsche Fahrzeughersteller auf<br />
den „Gelenkwagen-Zug“ der Düwag auf.<br />
Sie fertigten dabei entweder in Lizenz (zum<br />
Beispiel die Waggonfabrik Rastatt <strong>und</strong> die<br />
Arbeitsgemeinschaft der Kasseler Waggonindustrie)<br />
oder entwickelten eigene Gelenktriebwagen<br />
– am bekanntesten sind darunter<br />
die von der Maschinenfabrik Esslingen<br />
gelieferten GT6 bzw. die in großer Stückzahl<br />
gefertigten GT4.<br />
Eigene Wege ging ebenfalls die in <strong>Berlin</strong>-<br />
Borsigwalde ansässige Deutsche Waggon<strong>und</strong><br />
Maschinenfabrik GmbH (DWM). Als<br />
dieses Unternehmen den in Köln geborenen<br />
Eugen Cramer im Juni 1958 zum Leiter des<br />
Konstruktionsbüros ernannte, suchte dieser<br />
rasch nach Möglichkeiten, den von der Düwag<br />
in Düsseldorf erreichten Erfolg nach<br />
<strong>Berlin</strong> zu holen.<br />
Die spezielle Situation der unter den Siegermächten<br />
des Zweiten Weltkrieges aufgeteilten<br />
Stadt brachte <strong>für</strong> diesen Produktionsstandort<br />
mehrere Vorteile mit sich, die Axel<br />
Reuther bereits in seinen Beiträgen über die<br />
Gelenkwagen aus <strong>Berlin</strong> in den Heften 6<br />
<strong>und</strong> 7 des <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>-<br />
Jahrganges 2007 dargestellt hat.<br />
Obwohl Cramer noch Anfang der<br />
1940er-Jahre an der Entwicklung des Einheitsstraßenbahnwagens<br />
(ESW) beteiligt<br />
war <strong>und</strong> sich Ende der 1950er-Jahre über<br />
mangelnde Versuche einer Typisierung von<br />
damals produzierten Straßenbahnwagen beklagte,<br />
war er es, der in <strong>Berlin</strong> die Konstruktion<br />
eines eigenen sechsachsigen Gelenktriebwagens<br />
forcierte. Zwar orientierte<br />
sich die DWM 1958/59 noch an den<br />
Düwag-Wagen <strong>und</strong> fertigte die Tandemantriebe<br />
der Triebdrehgestelle <strong>und</strong> Falttüren<br />
direkt in Lizenz nach Düsseldorfer Vorbild;<br />
das Laufgestell <strong>und</strong> Gelenkportal waren<br />
hingegen <strong>Berlin</strong>er Neuentwicklungen.<br />
Dennoch ähnelten die 1959 von der<br />
DWM gefertigten GT6 den „Originalen“<br />
der Düwag. Dazu trug vor allem die Frontgestaltung<br />
bei, welche ebenfalls durch eine<br />
schräggestellte, sich pfeilförmig nach oben<br />
verjüngende Stirnscheibe geprägt war. Den<br />
elektrischen Teil der Wagen steuerte die<br />
BBC aus Mannheim bei.<br />
Verkehrsbetriebe Karlsruhe<br />
als erster Abnehmer<br />
Erste Interessenten an sechsachsigen Gelenktriebwagen<br />
aus <strong>Berlin</strong> waren die Kölner <strong>und</strong><br />
die Karlsruher Verkehrsbetriebe. Die von der<br />
DWM <strong>für</strong> Betriebe in Nordrhein-Westfalen<br />
produzierten Wagen sollen in diesem Beitrag<br />
weitestgehend ausgeklammert bleiben, da<br />
über die dort eingesetzten Fahrzeuge aktuell<br />
zahlreiche Berichte schon erschienen sind<br />
bzw. demnächst erscheinen sollen.<br />
Einer der Hintergründe <strong>für</strong> die Bestellung<br />
aus Nordbaden dürfte in der Unterneh-<br />
Der 1990 von der Waggon Union<br />
gebaute Tw 9119 vom HEAG-Typ<br />
ST12 war am 4.März 2013 wie<br />
so oft mit einem Beiwagen in<br />
Darmstadt-Kranichstein unterwegs<br />
MICHAEL KOCHEMS<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
43
Fahrzeuge<br />
Die von der DWM als Einrichtungswagen ausgeführten GT6-EP orientierten sich an den Düwag-<br />
GT6 aus den 1950er-Jahren, waren aber Eigenkonstruktionen SLG. AXEL REUTHER (2)<br />
mensgeschichte der DWM versteckt liegen –<br />
die Deutsche Waffen- <strong>und</strong> Munitionsfabrik<br />
war einst auch aus einer Karlsruher Metallpatronenfabrik<br />
hervorgegangen. Gemäß den<br />
Bestimmungen des Versailler Vertrages änderte<br />
die DWM 1922 ihre Firmenbezeichnung<br />
in <strong>Berlin</strong>-Karlsruher Industrie-Werke<br />
AG (BERKA – ab 1936 wieder DWM).<br />
Nach dem Zweiten Weltkrieg firmierte der<br />
Karlsruher Teil der DWM als Industrie-<br />
Die DWM bzw. Waggon Union<br />
Die Ursprünge des hier beschriebenen Gelenkwagenherstellers<br />
liegen in verschiedenen Rüstungsbetrieben,<br />
die sich bereits im Deutschen Kaiserreich<br />
1896 zur Deutschen Waffen- <strong>und</strong> Munitionsfabriken<br />
AG (DWM) zusammengeschlossen hatten. Nach<br />
verschiedenen Umbenennungen – stets im Spiegelbild<br />
der jeweiligen politischen Entwicklungen –<br />
firmierte das <strong>Berlin</strong>er Stammwerk in Wittenau ab<br />
den 1950er-Jahren als „Deutsche Waggon- <strong>und</strong><br />
Maschinenfabriken GmbH“. Es benutzte jedoch<br />
weiterhin das Logo des Rüstungsherstellers, wie<br />
auch die Abkürzung DWM unverändert blieb. Das<br />
Produktionsprofil entwickelte sich hingegen tatsächlich<br />
weg von Kriegsmaterial hin zu<br />
Schienen- <strong>und</strong> Straßenfahrzeugen unterschiedlichster<br />
Art. Stand anfangs die<br />
Reparatur von S-Bahnzügen <strong>und</strong> <strong>Berlin</strong>er<br />
Straßenbahnwagen im Mittelpunkt, so<br />
entstanden später Busse <strong>und</strong> ab 1959<br />
auch Straßenbahngelenktriebwagen <strong>für</strong><br />
Karlsruhe, Köln, Essen <strong>und</strong> Darmstadt.<br />
Im Jahr 1971 fusionierten die DWM<br />
mit der SEAG Waggonbau in Dreis-Tiefenbach<br />
(seit 2000 ein Stadtteil von<br />
Werke Karlsruhe AG (IWK), zwischen <strong>Berlin</strong><br />
<strong>und</strong> Karlsruhe bestanden aber fre<strong>und</strong>schaftliche<br />
Kontakte weiter.<br />
Hatten die Verkehrsbetriebe Karlsruhe<br />
(VBK) zwischen 1954 <strong>und</strong> 1958 zunächst<br />
23 vierachsige Großraumtriebwagen <strong>und</strong><br />
zehn Großraumbeiwagen aus Rastatt bezogen,<br />
so bestellten sie 1958 in <strong>Berlin</strong> fünf<br />
sechsachsige Gelenktriebwagen. Gemäß<br />
Axel Reuther (1) war es dabei ein Wunsch<br />
Netphen) <strong>und</strong> der Rheinstahl Transporttechnik zur<br />
Waggon Union (WU). Firmensitze befanden sich<br />
fortan in <strong>Berlin</strong>-Borsigwalde sowie Netphen (Kreis<br />
Siegen).<br />
Knapp 20 Jahre später kaufte 1990 ABB Henschel<br />
die Waggon Union auf, welche später zunächst<br />
in die Firma ADtranz überging, die wiederum<br />
später im kanadischen Bombardier-Konzern<br />
aufging. Während Bombardier heute in Netphen<br />
bei Siegen seinen Produktionsstandort <strong>für</strong> Drehgestelle<br />
betreibt, ist der Standort <strong>Berlin</strong> heute als<br />
„Fahrzeugwerke Miraustraße (FWM) GmbH“ in<br />
Reinickendorf aktiv.<br />
der VBK, dass die GT6 den im selben Jahr<br />
von der Albtal Verkehrs-GmbH (AVG) in<br />
Düsseldorf bestellten GT6 hinsichtlich Länge<br />
<strong>und</strong> Breite weitestgehend entsprachen.<br />
Reuther schreibt: „Äußerliche Unterschiede<br />
ergaben sich durch den größeren Abstand<br />
zwischen Fensteroberkante <strong>und</strong> Dachunterkante<br />
<strong>und</strong> die im oberen Bereich etwas abgewandelten<br />
Stirnfronten …“ Das von der<br />
DWM entwickelte Gelenkportal ermöglichte<br />
eine größere Durchgangsbreite als bei anderen<br />
Gelenkwagen. Den Bühnenbereich<br />
deckte das <strong>Berlin</strong>er Unternehmen mit einem<br />
hochgezogenen Gummituch ab, das zugleich<br />
als Klemmschutz fungierte. Weitere<br />
technische Details findet man in Reuthers<br />
Text von 2007 (1).<br />
Die <strong>Berlin</strong>er GT6 bewähren sich<br />
Die fünf 1959/60 aus <strong>Berlin</strong> in Karlsruhe<br />
eingetroffenen GT6 bewährten sich sehr<br />
gut. Sie kamen im Schwerpunkt auf der<br />
Stadtbahn Karlsruhe im Albtal zwischen der<br />
Karlsruher Innenstadt <strong>und</strong> Herrenalb zum<br />
Einsatz. Da die VBK von Anfang an von einem<br />
bedarfsweisen Einsatz auf der Albtalbahn<br />
ausgegangen waren, verfügten die als<br />
Tw 142 bis 146 geführten Fahrzeuge ab<br />
Werk über zwei Stirnlampen, eine Sicherheitsfahrschaltung,<br />
eine Warnpfeife sowie<br />
eine elektropneumatische Schützensteuerung<br />
<strong>für</strong> den Einsatz im Zugverband. <strong>Aus</strong><br />
letzterem Gr<strong>und</strong> führten die VBK die Wagen<br />
als GT6-EP – der Zusatz „EP“ verschlüsselte<br />
das Wort „elektropneumatisch“.<br />
In den 1960er- <strong>und</strong> 1970er-Jahren bestellten<br />
die VBK in <strong>Berlin</strong> innerhalb fünf Serien<br />
in Summe weitere 57 Sechsachser. Sie<br />
belegten die Betriebsnummern 147 bis 176<br />
Werkfoto eines <strong>für</strong> Karlsruhe gebauten GT6-EP<br />
Mit den <strong>für</strong> Darmstadt gebauten<br />
GT8 vom HEAG-Typ ST11 warb die<br />
WU 1983 <strong>für</strong> neue K<strong>und</strong>en<br />
44 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Gelenkwagen der DWM/WU<br />
Bei einer <strong>Aus</strong>stellung in Essen<br />
präsentierte die DWM 1960 den<br />
<strong>für</strong> die Verkehrsbetriebe Karlsruhe<br />
gebauten GT6-EP Nr. 143<br />
GERD LEIMBACH, SLG. VDVA<br />
sowie 189 bis 215. Die in den Jahren 1972<br />
<strong>und</strong> 1978 gebauten Wagen trafen in Karlsruhe<br />
dabei mit einem Fabrikschild der<br />
Waggon Union ein, in welcher die DWM<br />
1971 aufgegangen war. Da sie anstatt mit<br />
einer elektropneumatischen Steuerung mit<br />
einer direkten Steuerung versehen waren,<br />
führten die VBK alle 57 zwischen 1961 <strong>und</strong><br />
Die Namen der<br />
Karlsruher GT6-EP<br />
Nummer <strong>Berlin</strong>er Name Sektor<br />
142 Wittenau (Reinickendorf) französisch<br />
143 Britz (Neukölln) amerikanisch<br />
144 Buckow (Neukölln) amerikanisch<br />
145 Rudow (Neukölln) amerikanisch<br />
146 Johannisthal (Treptow) sowjetisch<br />
1978 gebauten Wagen unter der Bezeichnung<br />
GT6-D. Wiesen die fünf GT6-EP eine<br />
Wagenbreite von 2,40 Meter auf, so waren<br />
die GT6 mit direkter Steuerung 2,37 Meter<br />
breit. 30 Fahrzeuge dieses Typs erhielten<br />
zwischen 1975 <strong>und</strong> 1991 ein Mittelteil <strong>und</strong><br />
verkehrten anschließend als GT8.<br />
Die nicht auf der Albtalbahn verwendbaren<br />
GT6-D kamen zunächst auf der am<br />
stärksten belasteten Straßenbahnlinien 1<br />
von Durlach nach Knielingen zum Einsatz.<br />
Nach dem Bau von Wendeschleifen waren<br />
sie jedoch nach <strong>und</strong> nach auf alle Strecken<br />
anzutreffen. Gemeinsam mit den GT6-EP<br />
lösten die GT6-D dadurch bis 1972 alle<br />
Zweiachser der Karlsruher Straßenbahn ab.<br />
Auf der Linie 1 <strong>und</strong> 2 (Durlach – Rheinstrandsiedlung)<br />
verkehrten die Tw 165 bis<br />
173 ab 1983 teilweise in Traktion mit Düwag-Sechsachern.<br />
Später bildeten die VBK<br />
Innenaufnahme eines <strong>für</strong> Karlsruhe gebauten<br />
GT6-EP. Das Gelenk deckt ein Gummituch ab<br />
WERKFOTO, SLG. PAUL-HEINZ PRASUHN, ARCHIV AXEL REUTHER (2)<br />
auch gemischte Züge mit Düwag-Achtachsern.<br />
Gemeinsam mit den achtachsigen Gelenktriebwagen<br />
stellten die GT6 bis zum<br />
Eintreffen der Niederflurwagen in den<br />
1990er-Jahren das Rückgrat der VBK dar.<br />
Das <strong>Aus</strong>scheiden der GT6<br />
Die <strong>Aus</strong>musterung der Karlsruher GT6 begann<br />
(vom 1967 verunfallten Tw 154 abgesehen)<br />
1986 <strong>und</strong> zog sich bis ins Jahr 2000<br />
hin. 1995 lösten neu eintreffende Wagen die<br />
fünf zuvor auch auf den Straßenbahnlinien<br />
Karlsruhes eingesetzten GT6-EP komplett<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
45
Fahrzeuge<br />
Am 17. September 1995 fotografierte<br />
Wolfgang Kaiser einen der 22 im Jahr 1975<br />
durch Einfügen eines Mittelteils zum GT8-D<br />
umgebauten ehemaligen GT6 in der<br />
Karlsruher Innenstadt<br />
ab. Den Tw 142 ließen die VBK im gleichen<br />
Jahr verschrotten, die Tw 143 bis 146 verkaufte<br />
sie 1995 nach Rumänien, wo die<br />
Fahrzeuge im Jahr 2002 in Timisoara nach<br />
insgesamt 43 Dienstjahren ausschieden <strong>und</strong><br />
verschrottet wurden.<br />
Von den GT6-D ließen die VBK in den<br />
1980er- <strong>und</strong> 1990er-Jahren mehrere Exemplare<br />
zu Sonderwagen umbauen. So entstand<br />
beispielsweise 1990 aus dem Tw 155 ein<br />
Fahrradtransportwagen <strong>für</strong> die Albtalbahn<br />
(2005 ausgemustert). Die A-Teile der Tw 158<br />
Xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx<br />
Xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx<br />
Auch bei den <strong>für</strong> die VBK gebauten GT8-D orientierte sich die DWM an der Düwag SLG. AXEL REUTHER<br />
<strong>und</strong> 164 sind hingegen der Ursprung des<br />
sechsachsige Schleifwagens 89 (ab 1994<br />
ATw 489). Das A-Teil von Tw 151 war die<br />
Basis <strong>für</strong> einen vierachsigen Batteriebeiwagen.<br />
Der 1963 gebaute Tw 167 ist hingegen<br />
bis heute als Museumswagen im Zustand<br />
der 1980er-Jahre erhalten <strong>und</strong> als Sechsachser<br />
in Dienst.<br />
Zwischen 1967 <strong>und</strong> 1992 ließen die VBK<br />
andererseits ein Dutzend GT6-D verschrotten<br />
– zehn andere gab das Unternehmen<br />
1995 bzw. 2000 nach Timisoara ab, wo<br />
fünf bis heute verwendet werden. Dabei<br />
handelt es sich um die ehemaligen Tw 166,<br />
168 sowie 170 bis 172.<br />
Die GT8-D der<br />
Verkehrsbetriebe Karlsruhe<br />
Nach dem Erfolg mit den sechsachsigen<br />
Gelenktriebwagen aus <strong>Berlin</strong> bestellten die<br />
VBK Ende der 1960er-Jahre bei der DWM<br />
eine Serie von zwölf achtachsigen GT.<br />
Wieder orientierten sich die dortigen Konstrukteure<br />
an den entsprechenden Wagen<br />
aus Düsseldorf. Im Jahr 1969 trafen die<br />
als GT8-D geführten Fahrzeuge in Nordbaden<br />
ein. Die dreiteiligen Einrichtungs-<br />
Gelenktriebwagen besaßen an Bug <strong>und</strong><br />
Heck konventionelle Drehgestelle, während<br />
die Mittelteile jeweils auf zwei Ja-<br />
46 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Gelenkwagen der DWM/WU<br />
Die Namen der Karlsruher GT6-D (mit Umbaujahr zu GT8-D)<br />
Nr. <strong>Berlin</strong>er Name Sektor<br />
147 Niederschöneweide (Treptow) sowjetisch<br />
148 Adlershof (Treptow) sowjetisch<br />
149 Altglienicke (Treptow) sowjetisch<br />
150 Bohnsdorf (Köpenick) sowjetisch<br />
151 Schmöckwitz (Köpenick) sowjetisch<br />
152 Müggelheim (Köpenick) sowjetisch<br />
153 Rahnsdorf (Köpenick) sowjetisch<br />
154 Friedrichshagen (Köpenick) sowjetisch<br />
155 Oberschöneweide (Treptow) sowjetisch<br />
156 Friedrichsfelde (Lichtenberg) sowjetisch<br />
157 Schöneberg amerikanisch<br />
158 Tiergarten britisch<br />
159 Wedding französisch<br />
160 Kreuzberg amerikanisch<br />
161 Charlottenburg britisch<br />
162 Spandau britisch<br />
163 Wilmersdorf britisch<br />
164 Steglitz amerikanisch<br />
165 Tempelhof amerikanisch<br />
166 Neukölln amerikanisch<br />
167 Reinickendorf französisch<br />
168 Zehlendorf amerikanisch<br />
169 Mitte sowjetisch<br />
170 Treptow sowjetisch<br />
171 Prenzlauer Berg sowjetisch<br />
172 Friedrichshain sowjetisch<br />
173 Köpenick sowjetisch<br />
174 Lichtenberg 1991 sowjetisch<br />
175 Weißensee 1975 sowjetisch<br />
Nr. <strong>Berlin</strong>er Name Sektor<br />
176 Pankow 1975 sowjetisch<br />
189 Staaken (Spandau) 1975 britisch<br />
190 Haselhorst (Spandau) 1975 britisch<br />
191 Siemensstadt (Spandau) 1975 britisch<br />
192 Gatow (Spandau) 1975 britisch<br />
193 Kladow (Spandau) 1975 britisch<br />
194 Schmargendorf (Wilmersdorf) 1975 britisch<br />
195 Lichterfelde (Steglitz) 1975 amerikanisch<br />
196 Lankwitz (Steglitz) 1975 amerikanisch<br />
197 Mariendorf (Tempelhof) 1975 amerikanisch<br />
198 Marienfelde (Tempelhof) 1975 amerikanisch<br />
199 Lichtenrade (Tempelhof) 1975 amerikanisch<br />
200 Pichelsdrof (Spandau) 1975 britisch<br />
201 Moabit (Tiergarten) 1975 britisch<br />
202 Halensee (Wilmersdorf) 1975 britisch<br />
203 Stralau (Friedrichshain) 1975 sowjetisch<br />
204 Eichkamp (Charlottenburg) 1975 britisch<br />
205 Ruhleben (Charlottenburg) 1975 britisch<br />
206 Westend (Charlottenburg) 1975 britisch<br />
207 Hakenfelde (Spandau) 1975 britisch<br />
208 Friedenau (Schöneberg) 1975 amerikanisch<br />
209 Grünau (Köpnick) 1980 sowjetisch<br />
210 Karlshorst (Lichtenberg) 1980 sowjetisch<br />
211 Märkisches Viertel (Reinickendorf) 1980 französisch<br />
212 Wilhelmsruh (Pankow) 1980 sowjetisch<br />
213 Schönholz (Pankow) 1980 sowjetisch<br />
214 Steinstücken (Zehlendorf) 1980 amerikanisch<br />
215 Tegel (Ort) (Reinickendorf) 1980 französisch<br />
kobsdrehgestellen ruhten. Während sich in<br />
den Mittelteilen keine Türen befanden,<br />
griff die DWM in Lizenz in den Köpfen<br />
auf je vier Düwag-Doppelfalttüren zurück.<br />
Den elektrischen Teil steuerte in bewährter<br />
Form die BBC aus Mannheim bei. Ab<br />
Werk verfügten die als Tw 177 bis 188 geführten<br />
Wagen über einen Nockenfahrschalter.<br />
Ähnlich der ersten GT-Serie <strong>für</strong><br />
Karlsruhe betrug die Breite der über Puffer<br />
27.7 Meter langen Fahrzeuge 2.37 Meter.<br />
Gemeinsam mit den GT6-D lösten die<br />
GT8-D die zu diesem Zeitpunkt noch vorhandenen<br />
zweiachsigen Fahrzeuge der<br />
Karlsruher Straßenbahn bis 1972 vollständig<br />
ab. Zum Einsatz kamen sie vor allem<br />
auf der am stärksten belasteten Linie 1<br />
(Durlach – Knielingen), schrittweise aber<br />
auch auf allen anderen Strecken nach BO-<br />
Strab. Wie die GT6 verkehrten viele GT8<br />
später auch in Doppeltraktion mit Düwags.<br />
Nachdem sich 22 im Jahr 1975 mit einem<br />
Mittelteil zu GT8 verlängerte vormalige<br />
GT6 bewährten, unterzogen die VBK 1980<br />
nochmals sieben <strong>und</strong> 1990 einen 30. Sechsachser<br />
dem Umbau zum GT8-D. Damit gab<br />
es insgesamt einmal 42 derartige Fahrzeuge<br />
im Bestand der VBK.<br />
Die Tw 211 <strong>und</strong> 215 unterzog das Unternehmen<br />
1999 einer umfangreichen Modernisierung,<br />
bei der sie u. a. eine elektronische<br />
Choppersteuerung erhielten. Die Typenbezeichnung<br />
dieser beiden Fahrzeuge lautet<br />
seitdem GT8-60C – dabei steht die Zahl <strong>für</strong><br />
die Höchstgeschwindigkeit <strong>und</strong> das „C“ <strong>für</strong><br />
die Chopper-Steuerung.<br />
Die reguläre <strong>Aus</strong>musterung der GT8 begann<br />
ebenfalls 1986. Aktuell verkehren die<br />
14 verbliebenen Wagen lediglich noch auf<br />
der Linie 5 (Rintheim – Rheinhafen) sowie<br />
auf den Schulstraßenbahnlinien 16, 17 <strong>und</strong><br />
18 zur Europäischen Schule; Tw 188 wird<br />
als Museumswagen im Zustand der 1970er-<br />
Jahre erhalten.<br />
Drei Wagen gaben die VBK im Jahr 2000<br />
an die Straßenbahn Timisoara in Rumänien<br />
ab, zehn 2002/03 an die Straßenbahn Minsk.<br />
Nach ihrem Einsatzende in Weißrussland<br />
(2009) begann die Verschrottung der auf<br />
1.524 Millimeter umgespurten Fahrzeuge,<br />
derzeit ist lediglich noch ein Exemplar als<br />
Museumswagen vorhanden. In Rumänien<br />
Der ex Karlsruher Tw 144 war am 2. Mai 1996 in Timisoara unterwegs. In der Schleife AEM am südöstlichen<br />
Stadtrand traf er einen TIMIS-Zug aus der Waggonfabrik Timisoara WOLFGANG KAISER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
47
Fahrzeuge<br />
Die 1975 <strong>für</strong> die Albtalbahn gebauten GT8-EP basierten auf den Düwag-Stadtbahnwagen vom<br />
Typ B – in Seitenmitte eine zeitgenössische Anzeige dieser Fahrzeuge SLG. AXEL REUTHER (2)<br />
kommen noch alle drei aus Karlsruhe übernommene<br />
Wagen zum Einsatz.<br />
Die GT8-EP der Albtal Verkehrs-GmbH<br />
Im Jahr 1975 beschaffte auch die Albtal<br />
Verkehrs-Gesellschaft (AVG) bei der Waggon<br />
Union vier achtachsige Gelenktriebwagen.<br />
Die unter den Betriebsnummern 22 bis<br />
25 geführten GT8-EP schlossen damit an<br />
die in den Jahren 1958 bis 1969 in zwei Lieferserien<br />
von der Düwag gelieferten GT8-<br />
EP an. Die kantigeren WU-Fahrzeuge übernahmen<br />
vor allem Leistungen auf dem 1975<br />
eröffneten Streckenabschnitt Langensteinbach<br />
– Ittersbach der Stadtbahnlinie A.<br />
Dank ihrer elektropneumatischer Steuerung<br />
waren sie mit den älteren Düwag-Wagen<br />
kompatibel. So sind auch Traktionen mit<br />
den Wagen 1 bis 21 möglich.<br />
Die mit den „<strong>Berlin</strong>ern“ eingeführte zitronengelb-hellgrüne<br />
Poplackierung brachte<br />
den Wagen vorübergehend den Spitznamen<br />
„Salatschüssel“ ein. Aufgr<strong>und</strong> ihrer<br />
ähnlich der Seifenablage bei vielen älteren<br />
Badewannen ausgeführten Ellenbogenauflage<br />
unterhalb der Fenster tauften andere<br />
Fahrgäste die Wagen auf „Badewanne“.<br />
Etwa 1987 lösten modernere GT6-80C<br />
<strong>und</strong> GT8-80C die fünf Jahre zuvor in Tw<br />
122 bis 125 umgezeichneten Waggon Union-Achtachser<br />
auf der Albtalbahn <strong>und</strong> der<br />
Hardtbahn ab. Seitdem setzten die VBK die<br />
buchmäßig weiterhin im AVG-Eigentum befindlichen<br />
Fahrzeuge im Karlsruher Straßenbahnnetz<br />
ein. Die im Jahr 2003 abgestellten<br />
Tw 122 <strong>und</strong> 123 dienten zunächst<br />
als Ersatzteilspender, ehe sie VBK <strong>und</strong> AVG<br />
In seiner grün/gelben AVG-Lackierung der 1980er-Jahre zeigt sich hier einer der GT8-EP von<br />
1975 in Ettlingen Stadt. Der ehemalige Tw 22 ist bereits als Tw 122 bezeichnet AVG-ARCHIV<br />
Der 1990 zum Fahrradtransport umgebaute<br />
GT6-D Nr. 155<br />
KLAUS BINDEWALD<br />
WU-Wagen<br />
als Fahrradexpress<br />
Nachdem der AVG genügend Stadtbahnfahrzeuge<br />
zur Verfügung standen, setzte sie sonntags<br />
von Neureut nach Bad Herrenalb einen<br />
Sonderzug als Fahrradexpress ein. Zuerst wurden<br />
dazu zwei Achtachser der AVG verwendet,<br />
der erste <strong>für</strong> die Fahrgäste, der zweite <strong>für</strong> die<br />
Fahrräder. Im Jahr 1990 wurde der sechsachsige<br />
Tw 155 entsprechend <strong>für</strong> den Fahrradtransport<br />
umgerüstet <strong>und</strong> an den weiß lackierten Stadtbahn-Tw<br />
540 angehängt. Dieser Fahrradtransport<br />
war solange erfolgreich, bis der Stadtbahnbetrieb<br />
im Murgtal startete. Dort gibt es<br />
von Freudenstadt bis Rastatt einen schönen<br />
Radweg <strong>und</strong> die Fahrgäste bevorzugten nun<br />
diese Route. Für Fahrgäste ohne Fahrrad war<br />
<strong>und</strong> ist dies allerdings oft eine Zumutung, da die<br />
Fahrräder in den Stadtbahnwagen mindestens<br />
in den ersten Jahren kreuz <strong>und</strong> quer herumstanden.<br />
KLAUS BINDEWALD<br />
im Sommer 2012 verschrotten ließen. Die<br />
Tw 124 <strong>und</strong> 125 sind unter anderem mit einer<br />
Chopper-Steuerung modernisiert inzwischen<br />
als GT8-70C unterwegs. Sie verkehren<br />
heute überwiegend auf den Linien 5 <strong>und</strong><br />
8. Mit den GT8-D gehören sie zu den ältesten<br />
planmäßig eingesetzten Fahrzeugen im<br />
Karlsruher Straßenbahnverkehr.<br />
Die GT6-80C der VBK von 1983<br />
Anfang der 1980er-Jahre bestellten die VBK<br />
eine letzte Gelenktriebwagenserie in <strong>Berlin</strong>.<br />
1983/84 lieferte die Waggon Union die 20 in<br />
Karlsruhe als Tw 501 bis 520 geführten<br />
GT6-80C. Diese Typenbezeichnung verrät<br />
bereits, dass es sich um sechsachsige Gelenkwagen<br />
mit 80 km/h Höchstgeschwindigkeit<br />
<strong>und</strong> Choppersteuerung handelt. Die<br />
elektrische <strong>Aus</strong>rüstung stammte auch bei<br />
den WU-Wagen von der BBC.<br />
Erneut nahm der <strong>Berlin</strong>er Hersteller <strong>für</strong><br />
diesen Stadtbahnwagen „konstruktive Anleihen“<br />
bei der Düwag. So basieren die<br />
GT6-80C auf den hochflurigen Stadtbahnwagen<br />
vom Typ B aus Düsseldorf. Die Waggon<br />
Union führte die 20 Sechsachser allerdings<br />
als Einrichtungswagen aus <strong>und</strong> versah<br />
nur die Bahnsteigsseite (in Fahrtrichtung<br />
rechts) mit Einstiegstüren. Die Front- <strong>und</strong><br />
Heckpartien fertigten die <strong>Berlin</strong>er asymmetrisch,<br />
das Heck erhielt lediglich einen Hilfs-<br />
48 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Gelenkwagen der DWM/WU<br />
führerstand <strong>für</strong> Rangierfahrten. Zum Einsatz<br />
kamen die 20 Fahrzeuge zunächst auf<br />
den AVG-Strecken – bis heute bedienen sie<br />
die Albtalbahn, die Linie Busenbach – Ittersbach<br />
<strong>und</strong> die Hardtbahn (Stadtbahnlinie<br />
A, seit 1994 Linien S1 <strong>und</strong> S11). Die VBK<br />
nutzen sie ab 1987 auch auf der Straßenbahnlinie<br />
2 (Rheinstetten – Durlach), später<br />
auch S2 <strong>und</strong> 5. Zwischen 1985 <strong>und</strong> 2011<br />
gaben die VBK alle 20 Wagen auch buchmäßig<br />
an die AVG ab, während die 25 von<br />
der Düwag 1987/89 <strong>für</strong> die VBK gebauten<br />
GT6-80C alle im Bestand dieses Unternehmens<br />
geblieben sind. Bei der AVG verkehren<br />
die WU-Wagen sowohl solo als auch bei<br />
Bedarf in Doppeltraktion mit anderen achtachsigen<br />
Gelenkwagen.<br />
GT6 <strong>für</strong> Darmstadt – die ST7/ST8<br />
Der als Hessische Eisenbahn-Aktiengesellschaft<br />
(HEAG) gegründete meterspurige<br />
Straßenbahnbetrieb von Darmstadt bestellte<br />
1960 bei der DWM in <strong>Berlin</strong> 13<br />
sechsachsige Gelenktriebwagen. Die<br />
1961/62 ausgelieferten Tw 21 bis 33 erhielten<br />
die Typenbezeichnung ST7. 1963<br />
folgten die sieben von außen fast identische<br />
Tw 91 bis 97, welche die HEAG als<br />
Typ ST8 führte, da in den 13 ersten Wagen<br />
BBC-Fahrschalter, in den ST8 hingegen<br />
von Kiepe gelieferte Steuerungen eingebaut<br />
waren. Aber auch die <strong>Aus</strong>führung<br />
der Türen wich bei den beiden Typen voneinander<br />
ab: Verfügten die ST7 über vierteilige<br />
Türblätter mit Einzelscheiben, so<br />
hatte die DWM die ST8 in Lizenz mit Düwag-Falttüren<br />
versehen.<br />
Bis heute typisch <strong>für</strong> Darmstadt ist der<br />
Beiwagenbetrieb, <strong>für</strong> welchen die HEAG<br />
bis heute auch die GT6 nutzt. Zogen die<br />
OBEN Noch immer Werbung<br />
<strong>für</strong> eine Darmstädter<br />
Zeitung trug<br />
der im rumänischen<br />
Iasi als Tw 337<br />
geführte ehemalige<br />
Tw 28, als er am<br />
10. September 1998<br />
im Verlauf des Bulevardul<br />
Alexandru del<br />
Bun unterwegs war<br />
WOLFGANG KAISER<br />
RECHTS Am 28. März<br />
1992 fotografierte<br />
Jörn Schramm in Darmstadt<br />
einen Wagen<br />
vom Typ ST7 von innen<br />
neuen Gelenkwagen anfangs noch zweiachsige<br />
Beiwagen aus den 1920er-Jahren,<br />
so ersetzten zwölf 1965 gebaute Düwag-<br />
Großraumbeiwagen rasch diese Zweiachser.<br />
Durch den Bau von Wendeschleifen an<br />
allen Endstationen bediente die HEAG mit<br />
den Einrichtungswagen Schritt <strong>für</strong> Schritt<br />
alle Linien. Im Laufe ihrer Einsatzzeit ließ<br />
der Verkehrsbetrieb die GT6 mehrfach<br />
modernisieren. So ertüchtigte die Werk-<br />
Die Namen der Karlsruher GT8-D<br />
Nummer <strong>Berlin</strong>er Name Sektor<br />
177 Borsigwalde (Reinickendorf) französisch<br />
178 Grunewald (Wilmersdorf) britisch<br />
179 Dahlem (Zehlendorf) amerikanisch<br />
180 Nikolassee (Zehlendorf) amerikanisch<br />
181 Wannsee (Zehlendorf) sowjetisch<br />
182 Lübars (Reinickendorf) französisch<br />
statt die in den 1960er-Jahren gebauten<br />
Wagen ab 1994 noch <strong>für</strong> den Einsatz mit<br />
den Niederflurbeiwagen. Nach der Inbetriebnahme<br />
der ersten Niederflurtriebwagen<br />
1998 gab die HEAG zehn Fahrzeuge<br />
der Serie ST7 <strong>und</strong> sechs ST8 ins rumänische<br />
Iasi ab, wo sie bis ca. 2010 im Einsatz<br />
waren. Fast alle von ihnen sind dort inzwischen<br />
verschrottet worden, was nach<br />
einem Brand 1994 in Darmstadt schon<br />
Nummer <strong>Berlin</strong>er Name<br />
Sektor<br />
183 Waidmannslust (Reinickendorf) französisch<br />
184 Hermsdorf (Reinickendorf) französisch<br />
185 Frohnau (Reinickendorf) französisch<br />
186 Tegel (Reinickendorf) französisch<br />
187 Konradshöhe (Reinickendorf) französisch<br />
188 Heiligensee (Reinickendorf) französisch<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
49
Fahrzeuge<br />
Bis in die 1980er-Jahre trafen die in <strong>Berlin</strong> <strong>für</strong> die HEAG gebauten Triebwagen noch per B<strong>und</strong>esbahn in Darmstadt ein. Die Aufnahme vom 2. September<br />
1982 zeigt die Ankunft des Wagens 8209 vom Typ ST11<br />
JÖRN SCHRAMM<br />
den siebten ST8 (Tw 96) ereilt hatte. Für<br />
Sonderverkehre hält die HEAG die drei<br />
übrigen ST7 vor – die Tw 25, 26 <strong>und</strong> 31.<br />
Der Typ ST10 der HEAG<br />
Um ihre letzten zweiachsigen Tw zu ersetzen,<br />
beschloss die HEAG 1976 weitere Gelenktriebwagen<br />
zu beschaffen. Dazu schaute das<br />
Unternehmen erneut nach <strong>Berlin</strong>, wo die<br />
Waggon Union im Jahr zuvor <strong>für</strong> die AVG einen<br />
achtachsigen Stadtbahnwagen gebaut<br />
hatte. Die HEAG orderte acht solcher Wagen<br />
– allerdings als Sechsachser. Ab Dezember<br />
1976 trafen die an die Darmstädter Verhältnisse<br />
angepassten GT in Südhessen ein. Die<br />
als Tw 7601 bis 7608 geführten Wagen (Typ<br />
ST10) weichen neben der Achsanzahl sowohl<br />
hinsichtlich ihrer elektrischen Anlage<br />
als auch Inneneinrichtung von den AVG-<br />
GT8 ab (z.B. größere Gangbreite durch andere<br />
Sitzbreite, Einzelsitze auf der Türseite).<br />
Neu war die von der AEG gelieferte halbautomatische<br />
Fahrschaltersteuerung der Bauart<br />
GEAMATIC-M. Da sich diese bewährte, erhielten<br />
auch mehrere ST7 <strong>und</strong> ST8 eine derartige<br />
Steuerung nachgerüstet. Auf diese älteren<br />
Fahrzeuge übertrug sich nach 1977<br />
auch die bei den ST10 ab Werk aufgebrachte<br />
creme/rotbraune Lackierung.<br />
Der Typ ST11 der HEAG<br />
Als in Darmstadt Anfang der 1980er-Jahre der<br />
Bedarf an neuen Straßenbahnwagen mit großem<br />
Fassungsvermögen wuchs, löste die<br />
HEAG bei der Waggon Union in <strong>Berlin</strong> den<br />
Auftrag zum Bau von sechs achtachsigen Gelenktriebwagen<br />
aus. Gr<strong>und</strong>lage der im Herbst<br />
1982 gelieferten <strong>und</strong> als Typ ST11 geführten<br />
Tw 8209 bis 8214 waren die Sechsachser vom<br />
Typ ST10. Die GT8 verfügen allerdings z.B.<br />
über die von der AEG weiterentwickelte Geamatic-Chopper-Steuerung.<br />
Um einen raschen<br />
Fahrgastwechsel zu ermöglichen, gibt es auch<br />
im Mittelteil der Darmstädter Achtachser Türen.<br />
Ihre ersten Einsatzjahre verbrachten die<br />
ST11 auf der Linie 9, nach dem Eintreffen<br />
weiterer Großraumbeiwagen verkehrten die<br />
GT8 ab 1988 auch im Schlepp mit diesen.<br />
Der Typ ST12 der HEAG<br />
Als sich die deutschen Straßenbahnbetriebe<br />
1989/90 über das Für <strong>und</strong> Wider einer Beschaffung<br />
niederfluriger Wagen austausch-<br />
Der HEAG-Typ ST10 basierte auf dem 1975 gebauten GT8 <strong>für</strong> die AVG<br />
SLG. AXEL REUTHER<br />
Die Namen der<br />
ST11 <strong>und</strong> ST12 in Darmstadt<br />
8209 Ushgorod (Ukraine)<br />
8210 Alkmaar (Nordholland)<br />
8211 Liepaja (Libau in Lettland)<br />
8212 Chesterfield (England)<br />
8213 Troyes (Frankreich)<br />
9115 Bursa (Türkei)<br />
9116 Graz (Steiermark)<br />
9117 Trondheim (Norwegen)<br />
9118 Plock (Polen)<br />
9119 Saanen (Schweiz)<br />
9120 Szeged (Ungarn)<br />
9121 Freiberg (Sachsen)<br />
9122 Brescia (Italien)<br />
9123 Gyönk (Ungarn)<br />
Tw 8214 <strong>und</strong> 9124 ohne Namen; nach der <strong>Aus</strong>musterung<br />
der ST 11 (Tw 8209 bis 8213) gingen<br />
deren Namen auf neu abgelieferte Nf-Tw über.<br />
50 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Gelenkwagen der DWM/WU<br />
Gelenktriebwagen der DWM/WU<br />
<strong>für</strong> Karlsruhe <strong>und</strong> Darmstadt<br />
Bauart Typ Baujahre Stück Tw-Nr. Länge Breite<br />
Karlsruhe – VBK bzw. AVG*<br />
6x-ER GT6-EP 1959 5 142–146 20,4 m 2,40 m<br />
6x-ER GT6-D 1961 10 147–156 20,4 m 2,37 m<br />
6x-ER GT6-D 1963 20 157–176 20,4 m 2,37 m<br />
8x-ER GT8-D 1969 12 177–188 27,7 m 2,37 m<br />
6x-ER GT6-D 1969 11 189–199 20,4 m 2,37 m<br />
6x-ER GT6-D 1972 9 200–208 20,4 m 2,37 m<br />
8x-ER GT8-EP* 1975 4 (1)22–(1)25 26,4 m 2,40 m<br />
Tw 124/125 nach Umbau GT8-70C<br />
6x-ER GT6-D 1978 7 209–215 20,4 m 2,37 m<br />
6x-ER GT6-80C 1983 20 501–520 28,6 m 2,65 m<br />
Darmstadt – HEAG<br />
6x-ER ST7 1961/62 13 21–33 19,9 m 2,30 m<br />
6x-ER ST8 1963 7 91–97 19,9 m 2,30 m<br />
6x-ER ST10 1976/77 8 7601–7608 21,4 m 2,40 m<br />
8x-ER ST11 1982 6 8209–8214 27,1 m 2,40 m<br />
8x-ER ST12 1990/91 10 9115–9124 27,1 m 2,40 m<br />
ten, entschied sich die HEAG 1990 bewusst,<br />
nochmals zehn achtachsige Gelenkwagen<br />
des bewährten Typs bei der WU zu<br />
bestellen. Die zehn Wagen trafen zwischen<br />
Dezember 1990 <strong>und</strong> Juni 1991 aus <strong>Berlin</strong> in<br />
Darmstadt ein, wo sie die Betriebsnummern<br />
9115 bis 9124 erhielten <strong>und</strong> innerhalb des<br />
Typs ST12 geführt werden. Ab Werk trugen<br />
die Achtachser die 1988 eingeführte neue<br />
weiß-blaue Lackierung.<br />
Nach Abstellung der 1969 gebraucht aus<br />
Remscheid übernommenen GT4 bestand<br />
der Wagenpark der HEAG von 1993 bis<br />
zum Eintreffen der LHB-Niederflurwagen<br />
vom Typ „Magdeburg“ (Serie ST13) 1998<br />
ausschließlich aus in <strong>Berlin</strong> von der DWM<br />
bzw. WU gefertigten Gelenkwagen. Die<br />
acht sechsachsigen ST10 <strong>und</strong> in Summe 16<br />
achtachsigen ST11/12 waren technisch dabei<br />
weitgehend einheitlich ausgeführt, was<br />
ihrer Unterhaltung zuträglich war.<br />
In Iasi sind die aus<br />
Darmstadt übernommenen<br />
GT6 vom Typ<br />
ST10 noch im regulären<br />
Dienst – hier ex<br />
Tw 7602 am 27. April<br />
2013 als Tw 278<br />
CHRISTIAN LÜCKER<br />
Der Verbleib der ST10, ST11 <strong>und</strong> ST12<br />
Im Vorfeld der geplanten Verlängerung der<br />
Strecke der Linien 7 <strong>und</strong> 8 bis ans nördliche<br />
Ende Arheilgens (2011 eingeweiht) beschaffte<br />
die HEAG mobilo 2007 insgesamt 18 Niederflurwagen<br />
des Typs ST14. Da die von der<br />
Waggon Union gebauten Fahrzeuge in der<br />
deutschen Straßenbahn-Landschaft damals<br />
bereits „Exoten“ darstellten, war es schwierig<br />
geworden, Ersatzteile zu beschaffen. <strong>Aus</strong><br />
diesem Gr<strong>und</strong> musterte die HEAG mobilo<br />
im Rahmen des im Zusammenhang mit der<br />
Verlängerung innerhalb Arheilgens aufgestellten<br />
Fahrzeugkonzepts alle ST10 <strong>und</strong><br />
ST11 in den Jahren 2007/08 aus.<br />
In Darmstadt verblieben im Bestand der<br />
historischen Fahrzeuge die Tw 7608 (ST10)<br />
<strong>und</strong> 8210 (ST11). Die zum letzteren Typ gehörenden<br />
Wagen 8209 <strong>und</strong> 8214 ließ der<br />
Betrieb zur Gewinnung von Ersatzteilen <strong>für</strong><br />
die ST12 verschrotten. Die übrigen drei<br />
ST11 sowie sieben ST10 gingen – wie schon<br />
ihre Vorgänger von DWM – nach ihrer <strong>Aus</strong>musterung<br />
ins rumänische Iasi. Dort sind sie<br />
heute nach wie vor im Einsatz – im Gegensatz<br />
zu den früheren „<strong>Aus</strong>wanderern“ der<br />
Typen ST7 <strong>und</strong> ST8. Diese gingen dort<br />
2013 fast alle den Weg alten Eisens. Mit<br />
dem Tw 103 (ex Darmstadts Tw 23) in Iasi<br />
wird jedoch ein vierter <strong>für</strong> Darmstadt gebauter<br />
ST7 museal erhalten. Im Bestand der<br />
historischen HEAG-Fahrzeuge befinden<br />
sich nach wie vor die Wagen 25, 26 <strong>und</strong> 31.<br />
ANDRÉ MARKS, JÖRN SCHRAMM<br />
Verwendete Quellen<br />
• Axel Reuther: „Gelenkwagen aus <strong>Berlin</strong>“<br />
in SM 6/2007 – zitiert als Quelle (1)<br />
• Axel Reuther: „Im neuen Design“ in SM<br />
7/2007<br />
• Wikipedia-Seiten zu den VBK- <strong>und</strong> AVG-<br />
Wagen-Typen<br />
Die zehn Achtachser vom Typ ST12 kommen bis heute in Darmstadt zum Einsatz – meist mit<br />
Niederflur-Bw, so hier auch Tw 9124 am 4. März 2013 am Hauptbahnhof<br />
MICHAEL KOCHEMS<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
51
Fahrzeuge<br />
Odyssee durch<br />
Mitteldeutschland<br />
Erfurts Tw 121 Ein Gothawagen in Thüringen? Das klingt nicht ungewöhnlich – wenn er<br />
allerdings am Rande der Rhön im südthüringischen Schwallungen steht, dann doch! Aber wie kam<br />
der Zweiachser in das beschauliche Dörfchen? Das gleicht fast einer Odyssee …<br />
52 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Erfurts Gothawagen 121<br />
Seit Juli 2011 befindet<br />
sich der ehemals Erfurter<br />
Gothawagen im süd -<br />
thüringischen Schwal -<br />
lungen. Mit einer neuen<br />
Lackierung zeigte er<br />
sich hier am 7. Juni 2013<br />
gut in Schuss<br />
RONNY DAUER<br />
Kurz vor seiner Inbetriebnahme in Erfurt entstand im Herbst 1957 diese Aufnahme des fabrikneuen<br />
Tw 121. Die Aluminiumstoßstangen sollen kurz danach entfernt worden sein<br />
HANS WIEGARD<br />
Ab 1980 kam der aus Erfurt übernommene Wagen in Frankfurt (Oder) als Tw 54 zum Einsatz,<br />
hier am 23. März 1981 auf Linie 2 am Platz der Republik<br />
IVO KÖHLER<br />
Gothawagen sind in Thüringen an<br />
sich nichts Besonderes, stellte doch<br />
einerseits die Waggonfabrik in Gotha<br />
von 1894 bis 1967 Straßenbahnwagen<br />
unterschiedlichen Typs her, andererseits<br />
sind bis heute bei den Betrieben in<br />
Erfurt, Jena, Gera, Nordhausen <strong>und</strong> Gotha<br />
mehrere einst in Gotha gebaute Fahrzeuge<br />
vorhanden.<br />
Im beschaulichen Schwallungen am Rande<br />
der Rhön stellt ein Gothawagen allerdings<br />
schon eine Besonderheit dar. Das liegt<br />
nicht nur daran, dass der einst in Erfurt eingesetzte<br />
Tw 121 der einzige Straßenbahnwagen<br />
in Südthüringen ist, sondern auch an<br />
seiner überraschenden Nutzungsgeschichte.<br />
Sie führte das Fahrzeug inzwischen schon in<br />
fünf Städte bzw. Ortschaften.<br />
Der Gotha-Typ „Erfurt 57“<br />
Im Herbst 1957 lieferte der VEB Waggonbau<br />
Gotha unter den Fabriknummern 079 bis<br />
082 vier zweiachsige Triebwagen vom<br />
Gr<strong>und</strong>typ T57 nach Erfurt. Die auf Wunsch<br />
der damaligen Erfurter Verkehrsbetriebe als<br />
Einrichtungswagen ausgeführten Fahrzeuge<br />
stellten eine Sonderausführung dar <strong>und</strong> erhielten<br />
deshalb die Bezeichnung „Erfurt 57“.<br />
Zu ihren Besonderheiten zählte, dass erstmals<br />
bei der T57-Gr<strong>und</strong>bauart Schaffnersitzplätze<br />
mit Zahltisch sowie eine Einbaumöglichkeit<br />
<strong>für</strong> einen Geldwechsler vorhanden<br />
waren. Mit den vier als Tw 121 bis 124<br />
eingereihten Fahrzeugen begann in Erfurt die<br />
Ära der DDR-Einheitswagen der Bauart Gotha.<br />
Nach Anfang der 1970er-Jahre im Raw<br />
<strong>Berlin</strong>-Schöneweide ausgeführten Generalreparaturen<br />
blieben die vier Zweiachser bis<br />
1979/80 im Einsatz, danach musterten sie die<br />
Erfurter Verkehrsbetriebe aus.<br />
Eine neue Nutzung <strong>für</strong> Tw 121<br />
Im Jahr 1980 gelangte der im Vorjahr in<br />
Erfurt abgestellte Tw 121 nach Frankfurt<br />
(Oder), wo ihn die dortigen Verkehrsbe-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
53
Fahrzeuge<br />
Diese Farbaufnahme vom 17. Juni 1988 zeigt den in Frankfurt (Oder) als Tw 54 geführten Zweiachser<br />
mit seiner roten Farbgebung in die Karl-Marx-Straße einbiegend BERNHARD KUSSMAGK<br />
Ab 1993 wurde der Triebwagen in Frankfurt (Oder) mit neuer Lackierung als Partywagen<br />
genutzt, hier am 9. Mai 1998 in der Karl-Marx-Straße<br />
BERNHARD KUSSMAGK<br />
triebe 13 Jahre als Triebwagen 54 II im regulären<br />
Liniendienst nutzten. Danach erfolgte<br />
1993 der Umbau zum Partywagen.<br />
Als solcher erfreute er sich einer großen<br />
Beliebtheit. Als der Betreiber – ein heute<br />
nicht mehr existentes Hotel – sein Engagement<br />
kündigte, endeten diese Einsätze<br />
1997. Im Mai 1998 kam der Wagen noch<br />
einmal bei einem Korso anlässlich des 100.<br />
Jubiläums der Frankfurter Straßenbahn<br />
zum Einsatz, im August 1998 folgte eine<br />
Abschiedsfahrt im Liniennetz der Oderstadt<br />
an der Grenze zu Polen.<br />
Danach übernahm ein Unternehmer aus<br />
Burg im Spreewald den Zweiachser <strong>und</strong><br />
ließ ihn zur Cottbuser Straßenbahn bringen.<br />
Ab 26. September 1998 kam der Partywagen<br />
dort als Privatfahrzeuge mit der<br />
Nummer 99 mehrfach bei Sonderfahrten<br />
sowie als „Cottbuser Café-Bahn“ zum<br />
Einsatz. Der Cottbusverkehr stellte dazu<br />
gegen Rechnung das Fahrpersonal <strong>und</strong> unterhielt<br />
das Fahrzeug technisch. Doch der<br />
Wagen erlangte in Cottbus nie eine so große<br />
Präsenz wie zuvor in Frankfurt (Oder),<br />
so kam es nach Fristablauf am 10. September<br />
2000 zu seiner Außerdienststellung.<br />
Die nächsten zwei Jahre war der Tw<br />
im alten Cottbuser Betriebshof an der <strong>Berlin</strong>er<br />
Straße abgestellt, wo der Verein<br />
„Technorama Niederlausitz e.V.“ ein Museum<br />
plante.<br />
Seit 2002 stets abseits der Schiene<br />
Ab 31. Mai 2002 diente der Zweiachser<br />
mehrere Jahre lang am Cottbuser Flugplatzmuseum<br />
als <strong>Aus</strong>stellungsobjekt, teilweise<br />
auch als Imbisswagen. Am 15. Januar<br />
2010 holte ihn ein neuer Eigentümer<br />
in das nur wenige Kilometer von Cottbus<br />
entfernte Spreewaldörtchen Burg. Dreieinhalb<br />
Monate lang gehörte der Wagen zum<br />
Inventar des dortigen DDR-Museums <strong>und</strong><br />
fungierte als <strong>Aus</strong>stellungsobjekt sowie<br />
Café. Dazu erhielt das in Gotha gebaute<br />
Fahr zeug neue Werbe aufschriften.<br />
Am 1. April 2010 erfolgte die Umsetzung<br />
nach Greiz in Ostthüringen. Ein Antiquitätenhändler<br />
hatte den Straßenbahnwagen erworben,<br />
um ihn im hier ansässigen DDR-<br />
Museum als Café zu nutzen. Doch an<br />
beiden Standorten lief diese Idee nicht so<br />
recht an.<br />
Allerdings sollte es <strong>für</strong> den ehemaligen<br />
Tw 121 nicht die letzte Station sein, denn im<br />
Jahr 2011 war vorgesehen, eine Fabrikhalle<br />
in unmittelbarer Nähe des Wagens abzu-<br />
Während seiner Zeit in Burg im Spreewald<br />
trug der Tw eine Zeit lang nur den in Cottbus<br />
aufgetragenen Schriftzug „Technorama Niederlausitz<br />
e.V.“ unter dem rechten Fahrerseitenfenster.<br />
Seine Cottbuser Wagennummer<br />
prangt bis heute im Liniennummernkasten<br />
des Einrichtungs-T57<br />
RONNY DAUER<br />
54 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Erfurts Gothawagen 121<br />
Mit dem Schriftzug des DDR-Museums Burg (Spreewald) stand der Tw vom März 2010 bis zum Juli 2011 in Greiz in einer ähnlichen Einrichtung.<br />
Selbst die Zielanzeige „Endhaltestelle Krabatweg“ blieb in dieser Zeit unverändert<br />
RONNY DAUER<br />
reißen. Daraufhin suchte sein damaliger Eigentümer<br />
in Greiz einen neuen Platz, den er<br />
nicht fand.<br />
Auf nach Südthüringen!<br />
Als ein Fahrzeughändler <strong>und</strong> Oldtimerliebhaber<br />
aus Schwallungen davon erfuhr, besichtigte<br />
er den Wagen <strong>und</strong> war von ihm<br />
rasch angetan. Er übernahm den Zweiachser<br />
<strong>und</strong> holte ihn nach Südthüringen. Seit<br />
Juli 2011 ziert neben anderen Oldtimern<br />
auch der Triebwagen sein Firmengelände,<br />
das R & S Automobilzentrum an der Hilderser<br />
Straße 3. Auf diese Adresse weisen<br />
inzwischen auch die geänderten Zielanzeigen<br />
des Wagens hin. Mit der „99“ im Liniennummernkasten<br />
lässt aber auch eine der<br />
vorherigen Station aus der bewegten Laufbahn<br />
des Fahrzeuges erahnen. Übrigens: Bei<br />
diesem während der Geschäftszeiten des Unternehmens<br />
öffentlich zugänglichen Straßenbahnwagen<br />
in Schwallungen handelt es<br />
sich um das älteste erhaltene Fahrzeug des<br />
Typs T57 in Einrichtungsausführung. Ob<br />
der Wagen in Zukunft als <strong>Aus</strong>stellungsobjekt,<br />
Café oder Imbiss genutzt wird, steht bisher<br />
noch nicht fest. Ebenso ist offen, ob er<br />
nicht irgendwann sein jetziges Domizil wieder<br />
verlässt – wohin auch immer ...<br />
RONNY DAUER/ANDRÉ MARKS<br />
Daten & Fakten: Tw 121<br />
Hersteller: . . . . . . . . . . . VEB Waggonbau Gotha<br />
Baujahr: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1957<br />
Fabriknummer: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 079<br />
Basistyp: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . T57<br />
Unterreihe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . „Erfurt 57“<br />
<strong>Aus</strong>führung: . . . . . . . . . . . . . Einrichtungswagen<br />
Linieneinsätze: . . . . . . . . . . . . 1957–1979 Erfurt<br />
. . . . . . . . . . . . . . . . 1980–1993 Frankfurt (Oder)<br />
Partywagen:. . . . . . 1993–1998 Frankfurt (Oder)<br />
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1998–2000 Cottbus<br />
<strong>Aus</strong>stellungsobjekt:<br />
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9/2000-5/2002<br />
Betriebshof Cottbus <strong>Berlin</strong>er Straße<br />
. . . . . . . . . . . 5/2002–1/2010 Flugplatz Cottbus<br />
. . . . . . . . . . . . 1 bis 3/2010 DDR-Museum Burg<br />
. . . . . . . . . 4/2010–7/2011 DDR-Museum Greiz<br />
. . . . . . . . . . . . seit 7/2011 privat Schwallungen<br />
In Cottbus warb das in Privateigentum befindliche Fahrzeug als Tw 99 am Wagen <strong>und</strong> im Liniennummernkasten<br />
<strong>für</strong> den Spreewaldbahnhof in Burg. Hier steht der von der Cottbusverkehr GmbH<br />
auf Rechnung gewartete Wagen am 24. Mai 1999 im Betriebshof Schmellwitz ULRICH THOMSCH<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
55
Fahrzeuge<br />
Spiegelbild<br />
des Zeitgeistes<br />
Die ersten <strong>für</strong> die Bonner Pferdebahn von der<br />
Firma van der Zypen & Charlier in Köln-Deutz<br />
beschafften Wagen waren äußerst klein<br />
SIEMENS-ARCHIV, SLG. KARL-HEINZ WIPPERFÜRTH; ARCHIV REUTHER<br />
Die Fahrzeuge der Bonner<br />
Straßenbahn Über 40 Jahre<br />
waren von 1902 bis 1914<br />
beschaffte Altbauwagen unverzichtbar<br />
– erst 1957 trafen<br />
die ersten Neubaufahrzeuge in<br />
Bonn ein. Doch wer hatte die<br />
unverwüstlichen Vorkriegswagen<br />
gebaut? Und wie erfolgte<br />
ihre Ablösung genau?<br />
Nachdem das <strong>STRASSENBAHN</strong><br />
<strong>MAGAZIN</strong> 5/2014 die Geschichte<br />
der Straßenbahn in Bonn vorstellt<br />
hat, widmet sich dieser Beitrag den<br />
dort seit Betriebseröffnung der Pferdebahn am<br />
19. April 1891 <strong>und</strong> Aufnahme des elektrischen<br />
Betriebes 1902 eingesetzten Fahrzeugen.<br />
Die meterspurigen Pferdebahnwagen<br />
Für die meterspurigen Pferdebahnstrecken<br />
hatten die Rheinisch-Westfälische Bahngesellschaft<br />
<strong>und</strong> die Havestadt, Contag &<br />
Companie (H & C) 1891 von der Waggonfabrik<br />
van der Zypen & Charlier in Köln-<br />
Deutz 14 zweiachsige Wagen beschafft. Sie<br />
erhielten die Betriebsnummern 1 bis 14 <strong>und</strong><br />
sind anhand verschiedener erhalten gebliebener<br />
Aufnahmen vergleichsweise gut dokumentiert.<br />
Die vier Wagen 9 bis 12 waren<br />
als Sommerwagen ausgeführt.<br />
In den Jahren 1893 <strong>und</strong> 1896 kamen weitere<br />
zwei (Nr. 24 <strong>und</strong> 25) bzw. drei (Nr. 55<br />
bis 57) Wagen größerer Bauart hinzu. Von<br />
1893 bis 1895 stockte die H & C den Bestand<br />
aufgr<strong>und</strong> des gestiegenen Verkehrsaufkommens<br />
besonders im <strong>Aus</strong>flugsverkehr<br />
um insgesamt zwölf Sommerwagen auf, die<br />
sie gebraucht aus München übernahm (Wagen<br />
Nr. 26 bis 31 sowie 43 bis 48). Im Jahr<br />
1897 kamen aus München auch noch vier<br />
geschlossene Beiwagen an den Rhein (Nr.<br />
64 bis 67). Hersteller aller Münchner Fahr-<br />
56 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Tw <strong>und</strong> Bw der Bonner Straßenbahn<br />
zeuge war die Waggonfabrik Rathgeber.<br />
<strong>Aus</strong> dem elsässischen Kreis Rappoldsweiler<br />
gelangten drei geschlossene Wagen nach<br />
Bonn (Nr. 52 bis 54). Zum Ersatz altersschwacher<br />
<strong>und</strong> zu kleiner Fahrzeuge kaufte<br />
die Stadt nach Übernahme der Pferdebahn<br />
1905 bei van der Zypen noch einmal sechs<br />
vierfenstrige Pferdebahnwagen (69 bis 74).<br />
Die fehlenden 29 Nummern waren durch<br />
Beiwagen der Dampfbahn nach Bad Godesberg<br />
belegt, so dass der Pferdebahnbetrieb<br />
maximal 45 Wagen besaß.<br />
Die Wagenbeschaffungen<br />
von 1902 bis 1918<br />
Am 21. Mai 1902 nahm die Stadtverwaltung<br />
den elektrischen Straßenbahnverkehr<br />
in Bonn auf. Für diesen anfangs ebenfalls<br />
meterspurigen Betrieb hatte sie von der Firma<br />
van der Zypen & Charlier in Köln 1902<br />
acht Trieb- <strong>und</strong> sechs Beiwagen (Tw 1 bis 8<br />
sowie Bw 21 bis 26) eines weit verbreiteten<br />
Typs mit dreifenstrigem Wagenkasten beschafft.<br />
Der elektrische Teil dieser Fahrzeuge<br />
war von den Siemens-Schuckertwerken<br />
gebaut worden.<br />
Als die Firma Siemens & Halske im zweiten<br />
Quartal 1906 die vorhandenen Strecken<br />
von 1.000 auf 1.435 mm umspurte, fand<br />
auch die Umspurung der acht Trieb- <strong>und</strong><br />
sechs Beiwagen statt. Für den Regelspurbetrieb<br />
beschaffte die Stadtverwaltung 1906 parallel<br />
24 regelspurige Triebwagen des Typs<br />
von 1902, die sie als Tw 9 bis 32 in den Bestand<br />
einreihte. Die ehemals meterspurigen<br />
Beiwagen erhielten aus diesem Gr<strong>und</strong> die neuen<br />
Betriebsnummern 101 bis 106. Zehn<br />
1906/07 neu gebaute Beiwagen mit nunmehr<br />
gleichgroßen Seitenfenstern ergänzten den Bestand<br />
als Bw 107 bis 116.<br />
1908 kamen vom vorhandenen Typ noch<br />
einmal acht Triebwagen zur Ablieferung (Tw<br />
33 bis 40), denen 1910 drei etwas längere<br />
Wagen mit drei gleichgroßen Seitenfenstern<br />
folgten (Tw 41 bis 43). Diese waren Zeit ihres<br />
Einsatzes immer nur solo unterwegs.<br />
Mit fünf Triebwagen des Herstellers Herbrand<br />
(Tw 44 bis 48) endete 1914 <strong>für</strong> über<br />
40 Jahre die Beschaffung von Motorwagen.<br />
Van der Zypen lieferte 1918 die letzte Serie<br />
Beiwagen mit fünf Einheiten (Bw 117 bis<br />
121), die über geschlossene Plattformen verfügten.<br />
Auch hier sollten 44 Jahre bis zur<br />
nächsten Neuanschaffung vergehen.<br />
Darüber hinaus besaß die städtische Straßenbahn<br />
einige Dienstfahrzeuge in Form<br />
zweiachsiger Anhängewagen, die als Entstörwagen,<br />
Schneekehre <strong>und</strong> Salzwagen,<br />
Sand- <strong>und</strong> Schleifwagen dienten.<br />
Zweiter Weltkrieg <strong>und</strong><br />
erste Nachkriegsjahre<br />
Die Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg<br />
führten zu erheblichen Schäden an<br />
den Anlagen <strong>und</strong> Fahrzeugen der Bonner<br />
Werksaufnahme des Tw 6 des elektrischen Schmalspurbetriebes 1902. Dieser Typ von van der<br />
Zypen fand bei etlichen Betrieben Verwendung SIEMENS-ARCHIV, SLG. KARL-HEINZ WIPPERFÜRTH; ARCHIV REUTHER<br />
Straßenbahn, die ihren Betrieb zwischen<br />
Oktober 1944 <strong>und</strong> Januar 1945 dadurch<br />
schrittweise einstellen musste.<br />
Von den zu Kriegsbeginn vorhandenen 48<br />
Triebwagen der Baujahre 1902 bis 1914 waren<br />
drei Stück durch Kriegseinwirkung zerstört,<br />
weitere drei Trieb- <strong>und</strong> Beiwagen gingen<br />
1945 durch Brandstiftung verloren, andere<br />
Fahrzeuge hatten unterschiedlich starke Beschädigungen<br />
erlitten – nach ihrer Reparatur<br />
kamen sie nach <strong>und</strong> nach teils mit Neuaufbauten,<br />
die sich an der jeweiligen historischen<br />
Bauform anlehnten, wieder in Betrieb.<br />
Für den Liniendienst standen danach 42<br />
Trieb- <strong>und</strong> 18 Beiwagen zur Verfügung. Fünf<br />
1944 im Rahmen des Reichsleistungsgesetzes<br />
aus Den Haag nach Bonn verfügte Sommerbeiwagen<br />
(FrancoBelge 1895/96) setzte der<br />
Straßenbahnbetrieb ab Juli 1944 <strong>für</strong> den Gemüsetransport<br />
ein, sie wurden nach Kriegsende<br />
in Bonn verschrottet.<br />
Bonn wird B<strong>und</strong>eshauptstadt<br />
Die Wahl der Stadt Bonn zur B<strong>und</strong>eshauptstadt<br />
<strong>und</strong> der danach einsetzende Aufschwung<br />
im zuvor eher beschaulichen Universitätsstädtchen<br />
stellte auch die städtische<br />
Straßenbahn vor große Herausforderungen.<br />
Sie versuchte so gut es ging, mit ihrem veralteten<br />
Wagenpark das steigende Fahrgast-<br />
Bilder von der 1936 aufgegebenen Linie 5 sind selten. 1933 stellt sich das Personal des Tw 19<br />
am Clemens-August-Platz dem Fotografen SOMMER, SLG. CLAUS VAN DEN DRIESCH, ARCHIV HANS-PETER ARENZ<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
57
Fahrzeuge<br />
Die neuen Fahrzeuge ermöglichten ab 1960 die <strong>Aus</strong>musterung nahezu aller alten Wagen, deren<br />
Verschrottung im Betriebshof Beuel stattfand<br />
PETER BOEHM, SLG. AXEL REUTHER<br />
aufkommen in den Griff zu bekommen.<br />
Obwohl schon seit Ende der 1940er-Jahre<br />
<strong>für</strong> die Erneuerung <strong>und</strong> Erweiterung des<br />
Wagenparks dringender Handlungsbedarf<br />
bestanden hätte, verhielt sich die Stadt sehr<br />
lange abwartend <strong>und</strong> verweigerte die Bereitstellung<br />
von Geldern. Nach Ansicht vieler<br />
Stadtpolitiker boten schienenlose Verkehrsmittel<br />
wie Obus <strong>und</strong> Bus die bessere<br />
<strong>und</strong> vor allem preisgünstigere Alternative.<br />
Durch die Stilllegungen einzelner Strecken<br />
<strong>und</strong>/oder deren Umstellung auf Obusse<br />
standen mehr Wagen <strong>für</strong> die überlasteten<br />
Hauptlinien zur Verfügung. Erst Mitte der<br />
1950er-Jahre fiel der Beschluss, die beiden<br />
innerstädtischen Linien beizubehalten <strong>und</strong><br />
gr<strong>und</strong>legend zu modernisieren. 1956 trat<br />
eine neue Betriebsordnung <strong>für</strong> Straßenbahnen<br />
in Kraft, die <strong>für</strong> Wagen mit Holzkasten<br />
<strong>und</strong> ohne Schienenbremsen <strong>und</strong> Sicherheitsverglasung<br />
nur noch einen übergangsweisen<br />
Einsatz bis 1960 vorsah.<br />
Modernisierung mit Großraum<strong>und</strong><br />
Gelenktriebwagen<br />
Als Ersatz <strong>für</strong> die Altwagen waren zunächst<br />
Großraumwagen der Düsseldorfer Waggonfabrik<br />
ausgewählt worden, die seit Beginn<br />
der 1950er-Jahre in zahlreichen Städten<br />
zur Zufriedenheit der Betreiber im Einsatz<br />
waren. Wegen der zahlreichen engen<br />
Gleisbögen <strong>und</strong> der zum Teil befahrenen<br />
sehr schmalen Straßen kamen die auf der<br />
Straßenbahn Bonn – Bad Godesberg – Mehlem<br />
(BGM) eingesetzten Dreiachser <strong>für</strong> die<br />
Linien 1 <strong>und</strong> 2 nicht in Betracht.<br />
Um Erfahrungen mit den neuen Wagen<br />
sammeln zu können, erhielt die Düsseldorfer<br />
Waggonfabrik Ende 1956 den Auftrag<br />
zum Bau von zunächst vier Großraumtriebwagen.<br />
Die Lieferung erfolgte im Juli<br />
1957 (Tw 101 bis 104). Ein Einsatz erfolgte<br />
aufgr<strong>und</strong> zunächst noch fehlender Wendemöglichkeiten<br />
an den Endstellen zunächst<br />
nur im Zusatzverkehr der Linie 1<br />
zwischen Rheindorfer Straße (Depot) <strong>und</strong><br />
Bahnhof (Quantiusstraße).<br />
Ab November 1958 fuhren die Großraumwagen<br />
dann auf der Linie 2 im Mischbetrieb<br />
mit alten Zweiwagenzügen. Die<br />
neuen Fahrzeuge bestanden schon nach relativ<br />
kurzer Zeit ihre Bewährungsprobe. An<br />
Stelle weiterer Großraumwagen bestellte<br />
Bonn aber zunächst zehn sechsachsige Gelenkwagen<br />
bei der Düwag zur Lieferung<br />
1959 (Tw 131 bis 140) <strong>und</strong> in einem zweiten<br />
Schritt, zusammen mit elf achtachsigen<br />
Gelenkwagen <strong>für</strong> die SSB, zur Lieferung<br />
1960 zehn weitere vierachsige Großraumtriebwagen<br />
(Tw 105 bis 114). Mit den zwei<br />
Fahrzeuggrößen konnte nach Ansicht des<br />
Verkehrsbetriebes besser auf die unter-<br />
Der Wagenpark der Bonner Straßenbahn<br />
1. Nummern Nr. ab 1966 Stück Bauart Hersteller Baujahr Verbleib, Bemerkungen<br />
Triebwagen<br />
1–8 – 8 2x van der Zypen/SSW 1902 1902–1906 = 1.000 mm, 1927–1929 Plattformen geschl.; KV: 2,<br />
3; 1, 5, 6 1960 = a; 7, 8 1961 = ATw; 4 1964 =a; 7 1971 = KVB<br />
Köln HTw 407; 8 = DSM Wehmingen = a<br />
9–32 – 24 2x van der Zypen/SSW 1906 24–32 mit verglasten Plattformen ab Werk, Rest 1927 umgebaut.<br />
KV: 24, 25, 29, 31; übrige 1954–1960 = a, außer 13 = 1961 HTw<br />
33–40 – 8 2x van der Zypen/SSW 1908 KV: 36; übrige 1958–1960 = a<br />
41–43 – 3 2x van der Zypen/SSW 1910 KV: 41; übrige 1958 = a<br />
44–48 – 5 2x Herbrand/AEG 1914 1958–1960 = a<br />
101–104 201–204 4 4x ER Düwag/Siemens 1957 202 = 1992 a; übrige drei 1995 nach Sofia verkauft<br />
105–114 205–214 10 4x ER Düwag/Siemens 1960 alle 1995 nach Sofia verkauft<br />
131–140 231–240 10 6x ER Düwag/Siemens 1959 alle 1995 nach Sofia verkauft<br />
A 21 1 2x Fuchs/SSW 1944 1970 aus Düsseldorf übernommen (dort bis 1970 Nr. 15, bis<br />
1956 Nr. 37), 1995 als Ersatzteilspender nach Düsseldorf verkauft<br />
– 9151 1 6EFF ZR Düwag 1991 VÖV-Niederflurwagen, nach Probefahrten 1992 zurück an Hersteller<br />
– 9451–9474 24 6x ER Düwag/Siemens 1994 Niederflurwagen Typ R 1.1<br />
Beiwagen<br />
21–26 – 6 2x van der Zypen 1902 1902–1906 = 1.000 mm, 1906 UN 101–106; 1957–60 = a<br />
107–116 – 10 2x van der Zypen 1906/07 KV 110, 112; Rest 1960 = a<br />
117–121 – 5 2x van der Zypen 1918 KV 118, 120; Rest 1960 = a<br />
181–185 281–285 5 4x ER Düwag 1962 alle 1995 nach Sofia verkauft<br />
– 286–289 4 4x ER Düwag 1967 alle 1995 nach Sofia verkauft<br />
Legende: KV – Kriegsverlust; UN – Umnummerierung<br />
58 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Tw <strong>und</strong> Bw der Bonner Straßenbahn<br />
Etliche Beiwagen behielten bis in die 1950er-Jahre ihre offenen Plattformen. Die Aufnahme aus Graurheindorf vom Oktober 1952 zeigt den Bw 109.<br />
Der im Folgejahr umgebaute Wagen wurde nach einer weiteren Modernisierung 1957 im Mai 1960 verschrottet MANFRED SCHOEN, SLG. HANS-PETER ARENZ<br />
schiedliche <strong>Aus</strong>lastung der beiden Linien<br />
reagiert werden.<br />
Beiwagen schaffen weiteren Platz<br />
Nach dem Eintreffen von fünf Beiwagen (Nr.<br />
181 bis 185) verkehrten ab 1962 fünf Großraumzüge.<br />
Sie ersetzten auf der Linie 1 die Gelenkwagen,<br />
die nun auch auf der Linie 2 eingesetzt<br />
<strong>und</strong> auch dort <strong>für</strong> mehr Platz sorgten.<br />
Großraumzüge mit Beiwagen gab es dort im<br />
Normalfall nicht. Der Mischbetrieb von<br />
Großraum- <strong>und</strong> Gelenkzügen auf der Linie 1<br />
führte mit seinem unterschiedlichen Platzangebot<br />
<strong>und</strong> Personalbedarf immer wieder zu<br />
Problemen. Im Jahr 1967 beschaffte die Stadt<br />
Bonn daher weitere vier Großraumbeiwagen<br />
(Nr. 286–289), sodass es nunmehr möglich<br />
war, den Gr<strong>und</strong>auslauf der Linie 1 mit Großraumzügen<br />
<strong>und</strong> jenen der Linie 2 mit Gelenkwagen<br />
zu bestücken. Die übriggebliebenen<br />
Fahrzeuge verkehrten als Einsatzwagen, wobei<br />
aber die vierachsigen Triebwagen im Normalfall<br />
ohne Beiwagen unterwegs waren. Ab<br />
Ende der 1960er-Jahre konnten die Großraumwagen<br />
in den verkehrsschwachen Zeiten<br />
im schaffnerlosen Betrieb eingesetzt werden,<br />
wenn sie einzeln unterwegs waren. Dies führte<br />
erneut zu Verschiebungen im Wageneinsatz<br />
um Personal zu sparen. Die Sechsachser fuhren<br />
dann auf der Linie 1 <strong>und</strong> die Vierachser<br />
einzeln auf der Linie 2. Diese Aufteilung blieb<br />
auch nach der generellen Einführung des<br />
schaffnerlosen Betriebes 1974 erhalten.<br />
Die neuen Fahrzeuge – technisch alle einheitlich<br />
ausgerüstet – besaßen ein erheblich<br />
größeres Fassungsvermögen als die kleinen<br />
Zweiachser. 16 Sitz- <strong>und</strong> 32 Stehplätzen eines<br />
zweiachsigen Trieb-, die mit einem Beiwagen<br />
um 18 Sitz- <strong>und</strong> bis zu 51 Stehplätzen erhöht<br />
werden konnten, standen 33 (23) Sitz- <strong>und</strong> 75<br />
(96) Stehplätze in einem Vierachser der ersten<br />
Lieferung sowie 35 Sitz- <strong>und</strong> 131 Stehplätzen<br />
in einem Sechsachser gegenüber. Die Zahlen<br />
in Klammern galten <strong>für</strong> den Berufsverkehr, da<br />
ein Teil der Doppelsitze dann zur Schaffung<br />
von mehr Gesamtkapazität übereinander geschoben<br />
werden konnte. Die zweite Lieferung<br />
verfügte über 25 Sitz- <strong>und</strong> 84 Stehplätze<br />
Die alten Fahrzeuge nahm die Stadt nach<br />
Lieferung der Großraum- <strong>und</strong> Gelenkwagen<br />
Ende der 1950er-Jahre nach <strong>und</strong> nach<br />
Als Dienstwagen übernahm Bonn 1970 einen KSW von Düsseldorf, der zumeist als Schleppwagen<br />
<strong>für</strong> den Sandwagen diente. Hier im Oktober 1984 im Betriebhof Graurheindorfer Str. AXEL REUTHER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
59
Fahrzeuge<br />
aus dem Betrieb <strong>und</strong> ließ sie bis auf wenige<br />
<strong>Aus</strong>nahmen verschrotten. Ab Ende 1960<br />
kamen ausschließlich die neuen Wagen zum<br />
Einsatz <strong>und</strong> die Bonner Straßenbahn hatte<br />
quasi ihr zweites „Leben“ begonnen. Der<br />
schon seit 1940 als Arbeitswagen verwendete<br />
Tw 4 der Erstserie wurde 1964 verschrottet,<br />
die Tw 7 <strong>und</strong> 8 im Jahr 1961 in<br />
Arbeitswagen <strong>für</strong> den Rottendienst bzw. als<br />
Entstörwagen umgebaut. Den Tw 7 verkaufte<br />
Bonn 1971 an die Kölner Verkehrsbetriebe,<br />
die aus ihm in den Werkstätten der<br />
Tiroler Zillertalbahn einen historischen<br />
Triebwagen nach Kölner Vorbild mit der<br />
Nummer 407 entstehen ließen. Aufgr<strong>und</strong><br />
der gleichen Bauform der <strong>für</strong> Bonn <strong>und</strong><br />
Köln beschafften ersten Triebwagenserien<br />
war dies problemlos möglich.<br />
Der Tw 8 gelangte in die Sammlung des<br />
Deutschen Straßenbahn-Museums in Sehnde-Wehmingen,<br />
der Tw 13 der Serie von<br />
1906 blieb dank der Initiative einiger Bonner<br />
Straßenbahnfre<strong>und</strong>e erhalten <strong>und</strong> wurde in<br />
den Zustand seiner Anlieferung zurückversetzt.<br />
Er ist nicht fahrfähig vorhanden.<br />
Für die Einrichtungswagen<br />
entstand 1958<br />
in Dottendorf am<br />
Quirinusplatz eine<br />
Wendeschleife im<br />
Schatten des dortigen<br />
Hochbunkers. Ein<br />
Großraumzug mit<br />
Tw 204 wartet 1986<br />
auf die Rückfahrt<br />
nach Rheindorf.<br />
Das Bild unten links<br />
mit Tw 9456 entstand<br />
22 Jahre später von<br />
der gegenüberliegenden<br />
Seite der Schleife.<br />
Mit der neuen Betriebsfarbe<br />
weiß mit<br />
rot gab es ab 2008 in<br />
Bonn wieder werbefreie<br />
Wagen zu sehen<br />
AXEL REUTHER (2)<br />
Die Niederflur-Ära<br />
Ab 1994 kamen 24 dreiteilige Niederflurwagen<br />
<strong>für</strong> Zweirichtungsbetrieb von Düwag<br />
zur <strong>Aus</strong>lieferung. Die 2,40 Meter breiten<br />
Wagen 9451 bis 9474 haben einen Niederfluranteil<br />
von 65 Prozent. Vorne <strong>und</strong><br />
hinten gibt es angetriebene Drehgestelle, der<br />
Mittelwagen läuft auf vier angelenkten Einzelrädern,<br />
die Gelenke sind freischwebend.<br />
Sie erhielten den Spitznamen „Bönnsche<br />
Bütt“, welcher bei der Umfrage einer Tageszeitung<br />
den ersten Platz belegte.<br />
Der Bestellung dieser Wagen vorausgegangen<br />
war in den Jahren 1991/92 ein<br />
glückloser Test mit dem vom Verband Deutscher<br />
Verkehrsunternehmen (VDV) als Einheitswagen<br />
vorgesehenen Niederflurwagen<br />
mit Einzelfahrwerken. Die mit viel Vorschusslob<br />
bedachte Konstruktion erwies<br />
sich als kaum praxistauglich <strong>und</strong> kam über<br />
wenige Präsentationen <strong>für</strong> die Öffentlichkeit<br />
<strong>und</strong> einige nächtlichen Probefahrten nicht<br />
hinaus. 1992 gaben sie die Stadtwerke an<br />
den Hersteller zurück.<br />
Die Niederflurwagen fuhren ab Juli 1994<br />
zunächst auf der Linie 61, da wegen der<br />
Verkürzung bis Bonner Berg hier keine Einrichtungswagen<br />
mehr eingesetzt werden<br />
konnten. Auch die Endstation der Verlängerungsstrecke<br />
Auerberg besaß keine Schleife<br />
mehr. Die Großraumzüge fuhren nun vor -<br />
übergehend auf der Linie 62, wo sie <strong>für</strong> ein<br />
vergrößertes Platzangebot sorgten.<br />
Nach Verlängerung der Linie 62 von<br />
Beuel nach Ramersdorf bzw. Oberkassel<br />
Süd zum Ersatz der mit SSB-Achtachsern<br />
bedienten Linie 64 am 25. September 1994<br />
konnten auch hier nur noch Niederflurwagen<br />
eingesetzt werden. Bis zur kompletten<br />
<strong>Aus</strong>lieferung aller Niederflurwagen fuhren<br />
Großraum- <strong>und</strong> Gelenkzüge bis Dezember<br />
1994 noch als Einsatzwagen. Danach gelangte<br />
der gesamte Bestand von 24 Trieb<strong>und</strong><br />
neun Beiwagen per Schiff nach Sofia.<br />
AXEL REUTHER<br />
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Geschichte<br />
Einst<br />
&Jetzt<br />
Am 15. September 1956 fährt der zu diesem<br />
Zeitpunkt 53 Jahre alte Triebwagen 574 (Typ<br />
G) mit einem nur unwesentlich jüngeren Beiwagen<br />
vom Typ g im 20. Wiener Gemeindebezirk<br />
über den Brigittaplatz. Er bedient die<br />
Verstärkerlinie 31/5, die hier von 1928 bis<br />
1996 mit wechselnden Fahrzielen unterwegs<br />
war. Der mit offenen Plattformen gelieferte<br />
Triebwagen erhielt 1929 eine einfache Kobelverglasung<br />
(„Aquarium“), mit der die Bedienbarkeit<br />
der Handbremskurbel ohne Verlängerung<br />
des Wagenkastens gewährleistet blieb.<br />
Im Gegensatz zum Beiwagen, der erst kurz<br />
vor dem Aufnahmezeitpunkt eine <strong>Aus</strong>besserung<br />
erhielt, präsentiert sich der „Gustl“ noch<br />
mit seinen originalen Scheuerleisten an den<br />
Seitenwänden. Bildbestimmend ist auch die<br />
1950/51 von der Gemeinde Wien erbaute<br />
Wohnhausanlage „Karl-Michal-Hof“, die<br />
sich in der Jägerstraße nach Norden bis zur<br />
Pappenheimgasse erstreckt. Auf der gegenüberliegenden<br />
Straßenseite bietet die Jägerstraße<br />
noch reichlich ländliches Flair.<br />
Anlässlich der Verlängerung der Linie U6<br />
nach Floridsdorf am 4. Mai 1996 führten die<br />
Wiener Linien auch Anpassungen im Straßenbahnverkehr<br />
durch <strong>und</strong> die Linie 31/5 erhielt<br />
die neue Bezeichnung 33. Da sie nun als einzige<br />
Linie die Jägerstraße <strong>und</strong> den Brigittaplatz<br />
bedient, verkehrt sie täglich <strong>und</strong> ganztägig.<br />
Seit September 2011 sind hier neben solo fahrenden<br />
E1-Triebwagen auch kurze Niederflurwagen<br />
Typ A unterwegs. Die aktuelle Aufnahme<br />
zeigt eine dicht bebaute Jägerstraße. Das<br />
im Hintergr<strong>und</strong> erkennbare Hochhaus entstand<br />
Ende der 1970er-Jahre <strong>und</strong> beherbergt<br />
das Technologische Gewerbemuseum (TGM).<br />
Es handelt sich dabei um eine höhere technische<br />
Schule mit r<strong>und</strong> 2.800 Schülern.<br />
TEXT: WOLFGANG KAISER<br />
FOTOS: ALFRED LUFT (EINST) UND<br />
WOLFGANG KAISER (JETZT)<br />
62 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Einst & Jetzt<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
63
Geschichte<br />
Privatprojekt Bayerntram<br />
Die Würzburger Straßenbahn vor 20 Jahren 1994 stand die Ablösung der aus Hagen übernommenen<br />
Düwag-GT6 in Würzburg kurz bevor. Auch ein norddeutscher Straßenbahnfre<strong>und</strong> besuchte<br />
aus diesem Gr<strong>und</strong> die Stadt. Doch was erlebte er damals – <strong>und</strong> was hat sich seitdem geändert?<br />
Der farbig lackierte Tw 242 passierte am 22. März 1994 die Augustinerstraße; im Hintergr<strong>und</strong><br />
ist das Rathaus zu erkennen<br />
FOTOS, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN: STEFAN HINDER<br />
Der 1975 aus Hagen übernommene Tw 272 war 1994 das einzige Fahrzeug mit Doppelscheinwerfern.<br />
Hier verlässt der heutige HTw gerade auf der linken Mainseite die Ludwigsbrücke<br />
Anfang der 1990er-Jahre war ich im<br />
Hinblick auf das Straßenbahn-<br />
Hobby schon gut <strong>und</strong> gerne 20 Jahre<br />
„im Geschäft“. Durch meinen<br />
Wohnort in Norddeutschland hatte ich allerdings<br />
so gut wie nie Gelegenheit gehabt,<br />
Straßenbahnbetriebe in Bayern zu besuchen.<br />
Nur in Würzburg hatte es in den Jahren<br />
1973/74 <strong>für</strong> einige schnelle Schnappschüsse<br />
auf dem Bahnhofsvorplatz gereicht, aufgenommen<br />
während eines Umsteigeaufenthaltes<br />
– wohl jeder Straßenbahnfotograf dürfte<br />
Ähnliches in seinem Repertoire haben.<br />
Im Jahre 1994 kündigten sich bei allen<br />
bayerischen Straßenbahnbetrieben durchgreifende<br />
Änderungen an: Niederflurwagen<br />
waren bestellt, Prototypen in Augsburg <strong>und</strong><br />
München bereits unterwegs, so dass die Betriebe<br />
bald ihr damals gewohntes Gesicht<br />
verlieren würden. Aber nie in München die<br />
klassischen Lenkdreiachser gesehen zu haben?<br />
Nie die in der Welt einmaligen fünfachsigen<br />
Gelenkwagen in Augsburg? Nein,<br />
damit wollte ich mich nicht abfinden.<br />
Also beschloss ich <strong>für</strong> mich das Projekt<br />
„Bayerntram“. Der Plan: eine sechstägige<br />
R<strong>und</strong>reise im März 1994 zu den vier bayerischen<br />
Straßenbahnbetrieben Augsburg,<br />
München, Nürnberg <strong>und</strong> Würzburg. Das<br />
an der Grenze zu Bayern liegende Ulm baute<br />
ich in die Tour gleich mit ein, denn auch<br />
dort wartete Neuland auf mich. In diesem<br />
Heft schildere ich meine Erlebnisse in Würzburg<br />
vor 20 Jahren – am Vorabend drastischer<br />
Veränderungen.<br />
LHB-Wagen nur auf Linie 5<br />
Montag, 21. März 1994: Am frühen Nachmittag<br />
traf ich in Würzburg ein. Der Straßenbahnbetrieb<br />
war derjenige, der schon am<br />
meisten dem heutigen Zustand ähnelte: Die<br />
Neubaustrecke nach Heuchelhof war bereits<br />
Liniennetz Würzburg 1994<br />
1 Sanderau – Grombühl<br />
2 Hbf – Zellerau<br />
3 Hbf – Heidingsfeld<br />
4 Sanderau – Zellerau<br />
5 Heuchelhof, Athener Ring – Grombühl<br />
64 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Würzburg<br />
Der Tw 239 war 1994 einer<br />
der wenigen Wagen mit der<br />
1975 eingeführten gelb-roten<br />
Standardlackierung, hier am<br />
22. März auf der Domstraße in<br />
Richtung Dom fahrend. Hinten<br />
erhebt sich der Rathausturm<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
65
Betriebe<br />
OBEN Der aus Hagen stammende Tw 277<br />
am 21. März 1994 auf der Linie 3 im<br />
Ortskern von Heidingsfeld. Der Sechsachser<br />
gelangte 1998 nach Graudenz<br />
in Betrieb; <strong>und</strong> eigens <strong>für</strong> sie hatte Würzburg<br />
1988/89 – etwa zeitgleich mit Freiburg – als<br />
erster deutscher Betrieb schon Triebwagen<br />
mit einem Niederfluranteil beschafft, die<br />
LHB-Triebwagen 201 bis 214.<br />
Zugegebenermaßen haftete ihnen noch<br />
ein gewisser Versuchscharakter an: Man<br />
hatte noch konventionelle Drehgestelle verwendet,<br />
der Niederfluranteil war daher<br />
klein <strong>und</strong> durch ziemlich steile Treppen <strong>und</strong><br />
Rampen zu erreichen, was wiederum viel<br />
Platz kostete. Aber immerhin: Der Anfang<br />
war gemacht <strong>und</strong> die Wagen versahen zu-<br />
Auf dem Ast in Richtung Zellerau bediente<br />
am 21. März 1994 Schwesterwagen 276<br />
die Haltestelle Talavera. Er kam 1997 mit<br />
anderen Würzburgern nach Arad<br />
66 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Würzburg<br />
Am Kranenkai (Zellerauer Linienast) war im März 1994 der achtachsige Tw 234 (Düwag 1968)<br />
unterwegs. Er wurde 2011 in Salzgitter bei einem Zwischenhändler verschrottet<br />
verlässig ihren Dienst auf der neuen Linie 5,<br />
die nur von diesen Wagen befahren werden<br />
konnte. Denn die Neubaustrecke hatte eine<br />
Neigung von bis zu 9,1 Prozent, <strong>und</strong> der<br />
Rest des Fahrzeugparks bestand aus klassischem<br />
Düwag-Wagen (18 Achtachser <strong>und</strong><br />
zwölf Sechsachser), die wegen ihrer ungebremsten<br />
Laufdrehgestelle da<strong>für</strong> nicht zugelassen<br />
waren.<br />
Die GT8 Nr. 231 bis 248 unterschieden<br />
sich in allerlei Details vom Gewohnten: Wegen<br />
enger Gleisbögen waren ihre Enden<br />
stärker zugespitzt als bei der Normalausführung,<br />
das Mittelteil aus dem gleichen<br />
Gr<strong>und</strong> kürzer. Bemerkenswert auch die<br />
<strong>Aus</strong>rüstung der Einrichtungs-Triebwagen<br />
mit Notführerständen hinten <strong>und</strong> Behelfsausstiegen<br />
vorne <strong>und</strong> hinten links; auf diese<br />
Weise konnten die Wagen zur Not auch<br />
über einen einfachen Gleiswechsel wenden.<br />
Gelegentlich ist <strong>für</strong> diese Bauart (die es<br />
ähnlich auch in Duisburg gab) etwas spöttisch<br />
der Begriff „Anderthalbrichtungswa-<br />
Auf der rechte Mainseite traf Stefan Hinder am sonnigen 22. März 1994 im Bereich der Ludwigsbrücke<br />
den Tw 237 an. Im Hintergr<strong>und</strong> erhebt sich die Festung Marienberg<br />
Wagenpark Würzburg 3/1994 (nur betriebsfähige Wagen des Personenverkehrs)<br />
Tw-Nr. Typ Bauart Hersteller Baujahr Bemerkungen<br />
201–214 GT-E 8x-1R-Gel-Tw Nfm LHB 1988/89 Mittelteil niederflurig<br />
231–240 GT-D8 8x-1/2R-Gel-Tw Düwag 1968 „Anderthalbrichtungswagen“<br />
(Notführerstand hinten, Behelfsausstiege<br />
links); 1982 Umbau aus GT6<br />
241–248 GT-D8 8x-1/2R-Gel-Tw Düwag 1975 „Anderthalbrichtungswagen“<br />
(siehe oben)<br />
270–281 GT-H 6x-1R-Gel-Tw Düwag 1962/63 1975 ex Hagen Tw 70–81; Umbau<br />
aus 2R-Tw (275, 279–281 noch 2R-Tw)<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
67
Betriebe<br />
Auf der Ludwigsbrücke<br />
fotografierte<br />
Bodo Schulz<br />
am 24. September<br />
1999 den achtachsigen<br />
Tw 248. Im<br />
Hintergr<strong>und</strong><br />
erneut die Festung<br />
Marienberg<br />
OBEN Der 1989 von<br />
LHB gebaute achtachsige<br />
Tw 210 erreicht<br />
am 22. März<br />
1994 die Haltestelle<br />
Dallenbergbad. Wie<br />
fast alle Würzburger<br />
Straßenbahnfahrzeuge<br />
trägt er<br />
Ganzreklame, allerdings<br />
in dezentem<br />
weißen Gr<strong>und</strong>lack<br />
gen“ verwendet worden. Wohl zum letzten<br />
Mal war in diesen erst zwischen 1968 <strong>und</strong><br />
1975 gebauten Fahrzeugen der BBC-Feinstufenfahrschalter<br />
mit Unterflurwiderständen<br />
verwendet worden, weswegen die<br />
Wagen über keine Dachwiderstände verfügten.<br />
Die GT6 aus Hagen<br />
Die aus Hagen übernommenen Sechsachser<br />
Nr. 270 bis 281 waren Düwag-Zweirichtungswagen,<br />
die allerdings in Würzburg größtenteils<br />
zu Einrichtungstriebwagen umgebaut<br />
worden waren. Diesen Fahrzeugen galt mein<br />
Hauptinteresse, denn zu ihrem Ersatz waren<br />
bereits 20 neue Niederflurtriebwagen bestellt.<br />
Nach meiner Beobachtung war im März<br />
1994 täglich etwa die Hälfte der zwölf Wagen<br />
im Liniendienst, während der Rest der Hauptverkehrszeit-Verstärkung<br />
oder Reservezwecken<br />
diente. An meinem Anreisetag – es<br />
herrschte permanenter Nieselregen – befuhr<br />
ich die Streckenäste nach Sanderau, Zellerau,<br />
Heidingsfeld <strong>und</strong> zum Hauptbahnhof. Dass<br />
der reizvolle eingleisige Heidingsfelder Streckenast<br />
acht Jahre später eingestellt werden<br />
würde, ahnte damals kaum jemand. Die Linien<br />
1 <strong>und</strong> 4 waren umlaufmäßig in Sanderau<br />
miteinander gekuppelt <strong>und</strong> fuhren ausschließlich<br />
mit Achtachsern.<br />
Ganzreklame allenthalben<br />
Die Linien 2 <strong>und</strong> 3 fuhren ebenfalls im Umlaufverb<strong>und</strong>,<br />
hier kamen jeweils etwa zur<br />
Hälfte Achtachser <strong>und</strong> die ehemals Hagener<br />
Sechsachser zum Einsatz – von letzteren waren<br />
an diesem Tag die Tw 273, 276, 277,<br />
280 <strong>und</strong> 281 unterwegs. Zu meinem Bedauern<br />
trugen schon damals fast alle Würzburger<br />
Straßenbahnwagen Ganzreklame.<br />
Mit der 1975 eingeführten gelb-roten Standardlackierung<br />
fuhren nur noch die Tw<br />
LINKS Wenige Minuten<br />
später passierte<br />
der 1962 von der<br />
Düwag gebaute <strong>und</strong><br />
„wespenfarbig“ mit<br />
Ganzreklame ausgestatte<br />
Tw 271 die<br />
Haltestelle. Der Wagen<br />
kam 1997 ins<br />
ru mänische Arad<br />
232, 234, 239, 241 sowie der Tw 270. Am<br />
folgenden Dienstag, 22. März 1994, überraschte<br />
mich der Morgen mit strahlendem<br />
Sonnenschein. Erneut standen Sanderau, Heidingsfeld<br />
<strong>und</strong> der Innenstadtbereich auf meinem<br />
Plan. Letzterer erwies sich mit seinen engen<br />
Straßen gerade bei Sonnenschein wegen<br />
der Gebäudeschatten als fototechnisch schwierig.<br />
An „Hagenern“ waren diesmal die Tw<br />
270, 271, 272, 274, 275 <strong>und</strong> 279 unterwegs –<br />
also durchweg andere als die am Vortag gesichteten.<br />
Damit hatte ich bis auf den Tw 278<br />
alle Wagen dieser Serie zu Gesicht bekommen.<br />
Gegen Mittag hieß es dann Abschied nehmen<br />
von Würzburg, da mein Tagesziel Stadtbergen<br />
bei Augsburg lautete <strong>und</strong> vorher noch ein<br />
Zwischenstopp in Ulm eingeplant war. „Die<br />
Zeit in Würzburg war etwas knapp, drei St<strong>und</strong>en<br />
<strong>für</strong> Ulm dagegen reichen völlig“, notierte<br />
ich abends in mein Reisetagebuch.<br />
STEFAN HINDER · Fortsetzung folgt<br />
68 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Würzburg<br />
Und 20 Jahre danach?<br />
In Würzburg machten 1996/97 insgesamt 20 neue<br />
Niederflurzüge sämtliche aus Hagener stammenden<br />
GT6 <strong>und</strong> einen Teil der GT8 überflüssig. Etwa zeitgleich<br />
verlängerten die Stadtwerke die Neubaustrecke<br />
von Heuchelhof nach Rottenbauer. Da allerdings<br />
ab 2002 der kurze eingleisige Streckenast zum Heidingsfelder<br />
Ostbahnhof nicht mehr befahren <strong>und</strong> im<br />
Jahre 2013 komplett stillgelegt wurde, hat sich an<br />
der Größe des Würzburger Straßenbahnnetzes gegenüber<br />
1994 praktisch nichts geändert. Verschiedene<br />
Neubaustrecken sind geplant, ihr Bau wurde<br />
bislang aber immer wieder verzögert – einige Projekte<br />
(zum Beispiel den Anschluss des Stadtteils<br />
Frauenland ans Straßenbahnnetz) gab es bereits in<br />
den 1970er-Jahren!<br />
Noch sechs der alten Düwag-Achtachser (Tw 236,<br />
38 <strong>und</strong> 43 bis 46) sind in Betrieb <strong>und</strong> laufen an<br />
Schultagen in der Früh- <strong>und</strong> Mittagsspitze. Sie werden<br />
vorläufig weiter unterhalten. Vermutlich erfolgt<br />
ihr Ersatz mittelfristig in einem Rutsch zusammen<br />
mit den ältesten Niederflur-Tw 201 bis 214, die ja<br />
mittlerweile auch schon 25 Jahre alt sind.<br />
Auf dem ab 2002 nicht mehr bedienten eingleisigen Streckenstück zum Heidingsfelder<br />
Ostbahnhof nahm Lars Naumann kurz vor Einstellung des Betriebes noch den Tw 250 auf<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
69
Geschichte<br />
Kuriosa am Stadtrand<br />
Besonderheiten in <strong>Berlin</strong>-Heinersdorf Seit 1911 ist die bis 1920 selbstständige Landgemeinde<br />
Heinersdorf an das <strong>Berlin</strong>er Straßenbahnnetz angeschlossen. Im Bereich des heute wieder zum<br />
Bezirk Pankow gehörenden Ortsteiles gibt es dabei einige Sonderfälle in Geschichte <strong>und</strong> Betrieb<br />
Im <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 1/2004<br />
beschrieb der Beitrag „In 25 Minuten<br />
vom Alex aufs Dorf“ den heutigen Verlauf<br />
der Linie M2 vom Alexanderplatz<br />
nach <strong>Berlin</strong>-Heinersdorf. Dem Abschnitt<br />
„Heinersdorf entgegen“ entnimmt der Leser,<br />
dass dem nördlichen Linienende zwei eingleisige<br />
Abschnitte, unterbrochen durch einen<br />
kurzen zweigleisigen, vorgelagert sind.<br />
Die Formulierung „ ... signalgeregelt wieder<br />
eingleisig ...“ könnte nun vermuten lassen,<br />
dass das zweigleisige Zwischenstück zu<br />
signalgesicherten Kreuzungen genutzt werden<br />
kann. Dem ist seit mehr als 30 Jahren<br />
nicht mehr so. Der Abschnitt wird zwar mit<br />
begrenzenden Rückfallweichen auf Rechtsstrang<br />
im Richtungsbetrieb durchfahren, ist<br />
aber zugfolgeunwirksam.<br />
Der gesamte Endabschnitt einschließlich<br />
der nicht nutzbaren Kreuzungsstelle bildet<br />
eine eingleisige Strecke im Verständnis der<br />
<strong>Berlin</strong>er Fahrdienstordnung. Mit 1,1 Kilometer<br />
Länge ist sie die längste eingleisige Strecke<br />
im BVG-Netz. Das stellte auch zu Zeiten eines<br />
15-Minuten-Taktes in der Hauptverkehrszeit<br />
selbst bei Unregelmäßigkeiten kaum<br />
ein Problem dar, hingegen trägt der Wegfall<br />
In den 1980er-Jahren bediente die BVB<br />
Heinersdorf mit Tatrawagen vom Typ<br />
KT4D. Ein solcher näherte sich hier der<br />
Haltestelle Romain-Rolland-Straße<br />
LUTZ HABRECHT<br />
70 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
von Zugkreuzungen auf dem zweigleisigen<br />
Zwischenstück erheblich zum Flüssighalten<br />
des Straßenverkehrs in dem extrem stark befahrenen<br />
Hauptstraßenabschnitt bei.<br />
Straßenbahngesellschaft befreite<br />
Gemeinde von Pflicht<br />
Nun sei noch auf ein anderes Heinersdorfer<br />
Kuriosum beim Stichwort „gepflasterte<br />
Straße“ aufmerksam gemacht: Die Bauausführung<br />
des Endabschnitts der Straßenbahnlinie<br />
war Gegenstand des im Jahr 1910<br />
zwischen der Gemeinde Heinersdorf <strong>und</strong><br />
der Großen <strong>Berlin</strong>er Straßenbahn (GBSt)<br />
abgeschlossenen sogenannten Zustimmungsvertrags.<br />
Abweichend von aller Regel<br />
befreite die GBSt per Vertrag die Gemeinde<br />
von den sonst üblichen Pflasterbeiträgen<br />
<strong>und</strong> stellte obendrein kostenlos ein Gr<strong>und</strong>stück<br />
<strong>für</strong> einen (später allerdings nie ausgeführten)<br />
Betriebshof zur Verfügung. Solch<br />
„noble Geste“ erwies die GBSt beim Vorstrecken<br />
ihres Netzes in keinem anderen<br />
<strong>Berlin</strong>er Vorort ...<br />
Maximumwagen mit LOWA-Beiwagen<br />
Bezüglich der <strong>Aus</strong>sagen zum Fahrzeugeinsatz<br />
ist eine kleine Korrektur angezeigt:<br />
Wenn der Autor von Vorkriegsgarnituren<br />
als Vorgängerrollmaterial der Reko-Züge<br />
spricht, bleibt anzumerken, dass mehr als<br />
zehn Jahre lang die Regelzugbildung der<br />
71er-Kurse aus Maximum-Triebwagen mit<br />
einem LOWA-Beiwagen bestand. „Epochemäßig“<br />
waren also Mischgarnituren eingesetzt.<br />
LUTZ HABRECHT<br />
Lesen<br />
Sie noch oder<br />
sammeln<br />
<br />
Sie schon?<br />
Zu den Besonderheiten der damaligen Linie 71 nach Heinersdorf zählte, dass auf ihr eine Zeit<br />
lang Maximumwagen mit LOWA-Beiwagen verkehrten. Hier eine Aufnahme aus der Mitte der<br />
1960er-Jahre noch im Bereich der Friedrichstraße<br />
JOHN STAVE, SLG. SIGURD HILKENBACH<br />
Heinersdorf 1988: Das zweigleisige Zwischenstück in eher kleinstädtischer Umgebung war<br />
damals beidseits noch von Zweibogenweichen begrenzt, aber <strong>für</strong> signalgesicherte Zugkreuzungen<br />
bereits nicht mehr nutzbar<br />
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Geschichte<br />
Um 1903 entstand diese Aufnahme des Zahnradtriebwagens 6 – einem Sommerwagen ohne Verglasung. Im Hintergr<strong>und</strong> ist nicht der Toelleturm,<br />
sondern der <strong>Aus</strong>sichtsturm des Denkmals zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 sichtbar<br />
SLG. SIGURD HILKENBACH<br />
Technisches Kleinod zum<br />
Toelleturm in Wuppertal<br />
120. Jubiläum der Barmer Bergbahn Am 16. April 1894 nahm sie als erste elektrische Zahnradbahn<br />
Deutschlands den Betrieb auf – die Bergbahn vom Barmer Zentrum zum Toelleturm. Nach<br />
65 Jahren musste sie ihren Dienst quittieren. Eine Erinnerung an diese ungewöhnliche Straßenbahn<br />
Stolz meldete die „Barmer Zeitung“ in<br />
ihrer <strong>Aus</strong>gabe vom 16. April 1894:<br />
„Die Eröffnung der Barmer Bergbahn<br />
fand heute morgen fahrplanmäßig<br />
statt. Bei großem Andrang wurde der<br />
erste festlich mit Laubgewinden geschmückte<br />
Wagen um 6.27 Uhr von dem Hauptbahnhof<br />
Barmen, Cleferstraße, abgelassen,<br />
es mußte aber sofort, um die zahlreichen<br />
Passagiere zu befördern, ein zweiter Wagen<br />
abgelassen werden. Das 1. Billet wurde mit<br />
10 Mark bezahlt; im ersten Wagen befanden<br />
sich 40 Personen. Nach 14 Minuten langer<br />
Bergfahrt langten die Wagen am Bahnhof<br />
Toellethurm an, wo sie mit Böllerschüssen,<br />
die der Inhaber des Luftcurhauses, Herr Reichert,<br />
abbrennen ließ, <strong>und</strong> mit lauten Hurrarufen<br />
empfangen wurden.“<br />
Skandalöser Fall bürokratischen<br />
Fortschrittsglaubens<br />
Im Jahre 2014 können keine Fahrgäste<br />
mehr am Toelleturm empfangen werden,<br />
um das 120. Jubiläum der Barmer Bergbahn<br />
zu feiern. Denn nach 65 Jahren eines zu allen<br />
Jahreszeiten zuverlässigen <strong>und</strong> unfallfreien<br />
Fahrbetriebs <strong>und</strong> nach mehrjährigen<br />
kommunalpolitischen <strong>Aus</strong>einandersetzungen<br />
wurde sie am 4. Juli 1959 stillgelegt.<br />
Widerstand aus der Bevölkerung <strong>und</strong> Protestdemonstrationen<br />
hatten dies nicht verhindern<br />
könnten. 1960 wurde die erste<br />
elektrische Zahnradbahn Deutschlands abgebaut<br />
<strong>und</strong> verschrottet.<br />
Was als Beispiel <strong>für</strong> mutigen bürgerlichen<br />
Unternehmungsgeist mit der Eröffnungs-<br />
72 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Barmer Bergbahn<br />
Der Talbahnhof lag zwischen Clefer Straße (heute Am Clef) <strong>und</strong> Kampstraße (heute Saarbrücker Straße). Sein Erscheinungsbild veränderte sich<br />
durch die Erweiterung des Kraftwerks in den 1930-Jahren sowie durch den vereinfachten Wiederaufbau nach 1945 SLG. SIGURD HILKENBACH (2)<br />
fahrt der Bergbahn am 16. April 1894 seinen<br />
Anfang nahm, endete als ein skandalöser<br />
Fall bürokratischen Fortschrittsglaubens<br />
<strong>und</strong> bürgerferner Kommunalpolitik in der<br />
geschichtsvergessenen Abrisseuphorie der<br />
Nachkriegszeit, so urteilen nicht nur Straßenbahnfre<strong>und</strong>e<br />
aus heutiger Sicht.<br />
Reich an technischen Besonderheiten<br />
Es half 1959 nicht, dass die Zahnradbahn<br />
schon sieben Jahre vor der Wuppertaler<br />
Schwebebahn eine verkehrstechnische Innovation<br />
darstellte, indem sie die 1,6 Kilometer<br />
lange Strecke von der Barmer Innenstadt<br />
zu dem 171 Meter höher gelegenen<br />
<strong>Aus</strong>sichtspunkt Toelleturm in zwölf Minuten<br />
bewältigte <strong>und</strong> dabei mit der Stromrückgewinnung<br />
bei der Talfahrt energietechnisch<br />
ihrer Zeit weit voraus war. Zu<br />
ihren technischen Besonderheiten zählte<br />
auch ein System dreier voneinander unabhängiger<br />
Bremsen, das auf der zweigleisigen<br />
Strecke mit dem Zahnstangensystem Riggenbach<br />
bei einer maximalen Steigung von<br />
16,8 Prozent während der gesamten Betriebszeit<br />
die Sicherheit gewährleistet hat.<br />
Der Fahrzeugpark bestand ursprünglich aus<br />
elf Wagen, davon drei kürzere, sogenannte<br />
„Schülerwagen“.<br />
Betrieb bis zum Schluss<br />
mit Originalfahrzeugen<br />
Nach Verlusten im Zweiten Weltkrieg standen<br />
bis zur Einstellung noch sechs Wagen<br />
zur Verfügung, von denen sich vier noch annähernd<br />
im Originalzustand von 1894 befanden.<br />
Die Kriegszerstörungen des Luftangriffs<br />
auf Barmen von 1943 hatten auch<br />
neben der Bergbahnstrecke ihre Spuren hinterlassen<br />
<strong>und</strong> <strong>Aus</strong>flugsziele wie die Stadthalle,<br />
das Planetarium <strong>und</strong> das Luftkurhaus<br />
zerstört bzw. beschädigt. Doch nach 65 Jahren<br />
war die elektrische Zahnradbahn schon<br />
selbst zu einer traditionsreichen technikgeschichtlichen<br />
Attraktion geworden, die immer<br />
noch eine Funktion <strong>für</strong> den Alltags<strong>und</strong><br />
<strong>Aus</strong>flugsverkehr besaß.<br />
Am Bahnhof Toelleturm trafen zu dieser<br />
Zeit neben der Zahnradbahn auch mehrere<br />
Straßenbahnlinien aus Richtung Barmen,<br />
Vor der Einfahrt in den Talbahnhof stehen zwei Bergbahnwagen auf der Brücke über die Bergisch-<br />
Märkische-Eisenbahn „im Stau“. Deren spätere Elektrifizierung 1963/64 diente der Stadt als ein<br />
Argument <strong>für</strong> die Notwendigkeit der Bergbahnstilllegung<br />
DORIS HANNIG, SLG. BARMER BERGBAHN E.V.<br />
Anlässlich der VDVA-Sonderfahrt 1958 begegnen sich an der Haltestelle Talblick drei Fahrzeugtypen:<br />
links der 1949 neu aufgebaute Tw 6, rechts in Fahrtrichtung Toelleturm der 1939<br />
umgebaute Tw 5 <strong>und</strong> der Tw 8 mit offener Plattform im Zustand von 1894<br />
ALFRED SPÜHR<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
73
Geschichte<br />
Der 1888 eröffnete Toelleturm, Endstation der<br />
Zahnradbahn auf den Barmer Südhöhen, 1994<br />
aus 26 Meter Höhe von einem Hubsteiger fotografiert.<br />
Durch die Bäume erkennt man die<br />
Gaststätte „Zur alten Bergbahn“, das ehemalige<br />
Bahnhofsrestaurant<br />
JÜRGEN EIDAM<br />
Ronsdorf/Remscheid <strong>und</strong> Cronenberg/Solingen<br />
zusammen.<br />
Der nachhaltigen Beseitigung von Spuren<br />
der Bergbahn wurde erst 1984 auf Initiative<br />
einer Versicherungs-Pensionärskasse entgegengesteuert.<br />
Sie ließ eine von der Stuttgarter<br />
Zahnradbahn übernommene baugleiche Antriebsachse<br />
als Denkmal aufstellen. Das<br />
Strukturförderprogramm „Regionale 2006“<br />
brachte die Freilegung der etwa einen Kilometer<br />
langen Trasse auf der Waldstrecke <strong>und</strong><br />
deren Markierung mit Granitstelen.<br />
Wie stehen die Chancen <strong>für</strong><br />
einen Wiederaufbau?<br />
Seit einigen Jahren werden mit Hilfe privater<br />
Sponsoren entlang der gesamten Trasse<br />
Informationstafeln aufgestellt. Sie halten die<br />
Erinnerung an die Bergbahn ebenso wach,<br />
wie das ehemalige Bahnhofsgebäude Toelleturm,<br />
das bis heute, äußerlich nahezu unverändert,<br />
als beliebtes Restaurant „Zur alten<br />
Bergbahn“ existiert.<br />
Der 2009 gegründete Verein „Barmer<br />
Bergbahn e.V.“ hat sich langfristig den Wiederaufbau<br />
der Barmer Bergbahn zum Ziel<br />
gesetzt <strong>und</strong> möchte zunächst mit einer wissenschaftlich<br />
f<strong>und</strong>ierten Machbarkeitsstudie<br />
die Möglichkeiten <strong>für</strong> einen Neubau einer<br />
Zahnradbahn in Wuppertal ausloten.<br />
Ein zum Jubiläumsjahr 2014 erschienener<br />
Wandkalender führt die Bergbahn auf ihrer<br />
Fahrt durch die Barmer Anlagen dem heutigen<br />
Betrachter noch einmal vor Augen.<br />
Literatur<br />
JÜRGEN EIDAM<br />
• Jürgen Eidam/Wolfgang R. Reimann: Die Barmer<br />
Bergbahn – Zur Stilllegung der Wuppertaler<br />
Zahnradbahn vor 50 Jahren, Edition<br />
Köndgen, Wuppertal 2009<br />
• Barmer Bergbahn e.V. (Hrsg.): Die Barmer<br />
Bergbahn 1894–1959–2014, Immerwährender<br />
Kalender, Edition Köndgen, Wuppertal 2013<br />
Ein Jahr vor der Stilllegung unternahm 1958<br />
der Verband Deutscher Verkehrs-Amateure<br />
(VDVA) eine Abschiedsfahrt mit der Bergbahn.<br />
Ein begleitender Vierbeiner übt sich an der<br />
Kurbel des Tw 8 vor der Bahnhofsgaststätte<br />
Toelleturm DIETER VOGT, SLG. REINER BIMMERMANN<br />
74 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
F<strong>und</strong>stück des Monats<br />
FOLGE 16<br />
Hamburg<br />
Straßburger Str.<br />
Nein, kein Zebrastreifen der besonderen Art, sondern eines der letzten Gleisstücke von Hamburgs Straßenbahnlinie 8<br />
ist in der Straßburger Straße in Hamburg-Wandsbek zu finden<br />
JENS ODE<br />
Tramtrasse als Parkplatz<br />
Wer im Hamburger Stadtbezirk Wandsbek in der Straßburger Straße einen Parkplatz sucht, der<br />
kommt mit einem Stück Verkehrsgeschichte in Berührung – er muss einen der letzten Gleisreste<br />
der Hamburger Straßenbahn überqueren! Aber welche Linie fuhr hier einst?<br />
Nach schweren Zerstörungen im Zweiten<br />
Weltkrieg kam die Hamburger Straßenbahn<br />
bis Anfang der 1950er-Jahre zum Wohle der<br />
Stadt noch einmal kräftig in Schwung. Ab<br />
dem 24. Juni 1951 führte die Straßenbahnlinie<br />
8 von Dehnhaide wieder nach Farmsen<br />
zur Trabrennbahn. Später folgten Streckenverlängerungen<br />
bis in die Innenstadt <strong>und</strong> sogar<br />
nach Altona.<br />
Im Stadtbezirk Wandsbek nutzte die Straßenbahn<br />
in der Straßburger Straße unabhängig<br />
vom Individualverkehr einen eigenen<br />
Gleiskörper in Mittellage der Straße. Diese<br />
Strecke war relativ bogenarm, so dass hier<br />
der 1951 gelieferte PCC-Probewagen (Tw<br />
3060), der dann später seinen „Brüdern“<br />
nach Brüssel folgte, verkehrte. Das Einzelstück<br />
lief überwiegend als Verstärker zwischen<br />
Straßburger Straße <strong>und</strong> Dehnhaide.<br />
Auch die einzigartigen Umbau-„Gelenkwa-<br />
gen“ (VG bzw. „V8“) fuhren viel auf dieser<br />
Strecke. Der ab 1950 massiv betriebene Straßenausbau<br />
führte bekanntlich zur schrittweisen<br />
Einstellung der Straßenbahn, die<br />
Stadtplaner empfanden sie schlichtweg als<br />
Störfaktor. 1967 war das Liniennetz bereits<br />
auf 213 Kilometer Länge „halbiert“, die Linie<br />
8 ist seit 1960 Geschichte. Eine neue U-<br />
Bahnlinie (U1) nach Wandsbek bzw. später<br />
bis Wandsbek-Gartenstadt sollte nun die<br />
Hauptlast des Verkehrs bewältigen, unzählige<br />
Buslinien kamen hinzu.<br />
Wie so oft in Hamburg wurden nach Einstellung<br />
einer Straßenbahnlinie die Gleise<br />
<strong>und</strong> Oberleitungen schnellstmöglich „entfernt“,<br />
um mehr Platz <strong>für</strong> den Individualverkehr<br />
zu bekommen. Doch bis heute nutzen<br />
nicht einmal vier Buslinien die ehemalige<br />
Trasse. Wie man auf der Aufnahme oben gut<br />
erkennen kann, dient diese inzwischen als<br />
kostenloser Parkplatz. Täglich parken dort<br />
H<strong>und</strong>erte von Autos auf einer Länge von fast<br />
einem Kilometer.<br />
Auf dem sichtbaren Gleisrest verkehren nun<br />
schon seit 54 Jahren keine Straßenbahnen<br />
mehr. Erhalten geblieben sind in Hamburg<br />
aber auch viele Masten der Tram. An ihnen<br />
sind heute Straßenlampen befestigt. Der geübte<br />
Betrachter kann also in Hamburg noch<br />
heute „Straßenbahn-Archäologie“ betreiben.<br />
Insbesondere auf breiten Straßen mit „verdächtigem“<br />
Mittelstreifen oder hängender<br />
Straßenbeleuchtung sind ehemalige Trassen<br />
gut zu erkennen. Ein Potential, das <strong>für</strong> eine<br />
moderne Stadtbahn mit eigenem Gleiskörper<br />
teilweise von großem Vorteil wäre. Die in<br />
Hamburg nicht abreißende Diskussion zur<br />
Wiedereinführung einer Straßen- bzw. Stadtbahn<br />
wird zur kommenden Bürgerschaftswahl<br />
2015 in die nächste R<strong>und</strong>e gehen. JENS ODE<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014<br />
75
n Miniatur-Nahverkehr: Anlagen, Fahrzeuge, Tipps <strong>und</strong> Neuheiten<br />
m sm-modell@geramond.de<br />
Für seine Anlage mit zahlreichen H0-Fahrzeugen von Thüringer Straßenbahnen baute Ullrich Rau aus Tabarz auch diesen Cabrio-Bw, der den Erfurter<br />
Beiwagen 275 zum Vorbild hat. Leider verstarb der Erbauer im Jahr 2012 U. Rau, olga Bandelowa, u. fröhberg (2), h. gieramm (2), R. felgentreu (2)<br />
Tram fast ohne Worte<br />
Die „Schätze“ aus der Schublade n Oben-ohne-Beiwagen, unvollendete Kartonmodelle,<br />
Maßstabsvielfalt, Rostocker F<strong>und</strong>stücke <strong>und</strong> eine blinkende Westernbahn unterm Fahrdraht<br />
Schon 1977 hat Berthold Dietrich-Vandoninck den Bau des Modells des<br />
Münchner Beiwagens vom Typ g begonnen. Bis heute ist es unfertig<br />
Immer wieder erhalten wir Bilder<br />
von Trammodellen unserer<br />
Leser, die aus den verschiedensten<br />
Gründen nicht veröffentlicht<br />
werden. Einmal passen die Modelle<br />
gerade wegen der Themenmischung<br />
nicht, dann fehlen wieder jegliche<br />
Informationen zu den Eigenbauten,<br />
die auch auf Nachfrage von den<br />
Erbauern nicht geliefert werden.<br />
Manchmal sind die eingereichten<br />
Fotos aber schlicht nicht druckbar,<br />
weil sie selbst mit viel Wohlwollen<br />
den Qualitätsmaßstäben nicht entsprechen.<br />
Gelegentlich ist aber auch<br />
die Modellredaktion schuld daran,<br />
dass interessante Bilder einfach mal<br />
übersehen oder über längere Zeit<br />
vergessen werden. Heute holen wir<br />
mal einige dieser „Schätze“ aus der<br />
Schublade <strong>und</strong> stellen sie Ihnen mit<br />
nur wenigen Worten vor.<br />
Karin Sowa-Rau schickte dem SM im<br />
September 2011 das Bild des H0-Modells<br />
einer Cabrio-Tram, die ihr Mann<br />
gebaut hatte. Unsere Bitte um erhellende<br />
Informationen blieb unbeantwortet.<br />
Erst eine weitere Nachfrage<br />
76 strassenbahn magazin 6|2014
Fahrzeugba<br />
Im Maßstab 1:43,5 entstand dieser Kopenhagener Triebwagen 550, den<br />
Ulrich Fröhberg aus Hofgeismar vorwiegend aus Kunststoff baute<br />
Fröhbergs Modelle fahren nicht immer <strong>für</strong> den Vorbild-Verkehrsbetrieb.<br />
„Der New Haven-Bridgeport Transit ist eine Spinnerei von mir“, sagt er<br />
Als blinkender Westernzug fährt das Vorbild dieses 00-Trammodells seit<br />
1962 durchs englische Blackpool. Ein TV-Sender hatte den Bau bezahlt<br />
Bis 2007 fuhr die von Shell bezahlte „Hovertram“ durch Blackpool. Peter<br />
Whiteley baute die 00-Modelle mit etwa 2.000 LEDs pro Fahrzeug<br />
zwei Jahre später brachte die traurige<br />
Nachricht, dass Erbauer Ullrich Rau,<br />
dessen Anlage im SM 12/01 vorgestellt<br />
wurde, im Mai 2012 nach kurzer,<br />
schwerer Krankheit verstorben<br />
ist. Seine Witwe hat inzwischen viel<br />
von der Modelltram verkauft. „Die<br />
kleine Cabrio-Straßenbahn bleibt<br />
allerdings als Andenken in meinem<br />
Besitz“, schloss sie ihre E-Mail.<br />
Vorwiegend aus Karton hat der gelernte<br />
Buchbindermeister <strong>und</strong> SM-Reporter<br />
Berthold Dietrich-Vandoninck<br />
sein Modell eines Münchner Beiwagens<br />
Typ g von 1944 im Maßstab<br />
1:50 gebaut. Beim Vorbild entstand<br />
das Fahrzeug als Wiederaufbau eines<br />
Bw Typ e von 1925. Schon 1977 begann<br />
der Hobbyfre<strong>und</strong> mit dem Bau<br />
des Modells, dessen Räder von einer<br />
H0-Dampflok stammen. Das Foto von<br />
vor etwa 15 Jahren sollte eigentlich<br />
einen Zwischenzustand festhalten,<br />
tatsächlich wurde seitdem aber nicht<br />
mehr weitergebaut. Auch beim dazu<br />
passenden Triebwagen Typ D fehlt<br />
noch das komplette Fahrgestell.<br />
Ulrich Fröhberg hat seit seinem 14.<br />
Lebensjahr schon über 100 Trammodelle<br />
in den unterschiedlichsten Maßstäben<br />
gefertigt. Von 1:15 bis 1:500<br />
hat er schon alles ausprobiert. Zurzeit<br />
entstehen ein Zweiachser aus Kopenhagen<br />
<strong>und</strong> ein Wagen der Straßenbahn<br />
in Paris, beide im Maßstab 1:22.<br />
Für eine umfassende Vorstellung der<br />
fröhbergschen Modelle mangelt‘s<br />
noch an druckbaren Bildern.<br />
Bilder zur falschen Zeit<br />
Genügend gute Fotos hatte uns<br />
dagegen Helmut Gieramm 2012<br />
von einer englischen <strong>Aus</strong>stellung<br />
geschickt. Leider passten die Aufnahmen<br />
unmittelbar nach den Messeberichten<br />
<strong>und</strong> vielen Bildern von<br />
„Kleine Bahn ganz groß“ nicht so<br />
recht zur Themen-Mischung <strong>und</strong> gerieten<br />
in Vergessenheit. Zwei ungewöhnliche<br />
Modelle der Blackpooler<br />
Straßenbahn reichen wir jetzt nach.<br />
Für eine Folge der SM-Serie „F<strong>und</strong>stück<br />
des Monats“ über Gleisreste<br />
der alten Rostocker Linie 4 sandte<br />
René Felgentreu aus <strong>Berlin</strong> auch einige<br />
Bilder mit entsprechenden Straßenbahnmodellen<br />
ein. In den einseitigen<br />
Artikel im SM 11/13 passten<br />
sie damals nicht, hier können wir sie<br />
Ihnen nun aber doch zeigen. jog<br />
1949 erhielt Rostock von der Warnemünder Strandbahn den Flensburger<br />
Tw 22. Das H0-Modell ist ein Bausatz von SM-Autor Guido Mandorf<br />
Auf der Wismarer Werft entstand 1950 der zweiachsige Triebwagen 40<br />
der Rostocker Straßenbahn. Das H0-Modell stammt von Torsten Löbl<br />
strassenbahn magazin 6|2014 77
aßenbahn im Modell<br />
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VDVA-<br />
TAGUNG 2014<br />
n Unsere diesjährige Tagung vom<br />
23. bis 29. August in <strong>und</strong> um Dresden<br />
weist wieder einige Höhepunkte auf:<br />
Die Vortagung bietet Fahrten mit der<br />
Döllnitzbahn Oschatz – Glossen <strong>und</strong><br />
der Döbelner Pferdebahn. In Dresden<br />
<strong>und</strong> Chemnitz werden die Straßenbahnmuseen<br />
besucht.<br />
Einsatz historischer Fahrzeuge in Dresden,<br />
Bad Schandau, Chemnitz <strong>und</strong><br />
Plauen <strong>und</strong> Depotbesichtigungen.<br />
Ferner Besuch der Parkeisenbahnen in<br />
Dresden, Chemnitz <strong>und</strong> Plauen, eine<br />
Dampfschifffahrt auf der Elbe, Fahrten<br />
mit historischen Autobussen, den<br />
Dresdner Bergbahnen <strong>und</strong> Dampf-<br />
Schmalspurbahnen um Dresden.<br />
Ein <strong>Aus</strong>flug nach Görlitz <strong>und</strong> ein<br />
Besuch der Waggonfabrik in Bautzen<br />
beschließt das Programm.<br />
DER VDVA<br />
STELLT SICH VOR<br />
n Der Verband Deutscher Verkehrs-<br />
Amateure wurde 1956 gegründet, um<br />
den Straßenbahn- <strong>und</strong> Nahverkehrs-<br />
Vereinen „ein Dach“ zu bieten. Die<br />
jährliche Tagung mit überregionalem<br />
Erfahrungsaustausch <strong>und</strong> ausgewählten<br />
Nahverkehrs-Exkursionen entwickelte<br />
sich schnell zum Hauptzweck des VDVA.<br />
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10. Juni, Frühbucherrabatt noch bis<br />
25. Mai (bei Zahlung bis 10. Juni).<br />
1988<br />
Im Jahr 1988: Zweiachser <strong>und</strong> KT4D im BVB-Orange teilen sich die Straße mit Trabis, Wartburg <strong>und</strong> W50<br />
1989<br />
Im Jahr 1989: Im November ist die Mauer offen – Wurstbuden machen auf, BVG-Busse kommen nach Ostberlin<br />
<strong>Berlin</strong>er Jahre<br />
Bus <strong>und</strong> Bahn im Zeitraffer n Vom hauptstädtischen Nahverkehr<br />
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Als Kölner, tief im Westen<br />
der Republik beheimat,<br />
kam ich erstmals nach der<br />
Wende 1990 in den Ostteil<br />
des lange geteilten <strong>Berlin</strong>. Natürlich<br />
faszinierten mich sofort die Tram<br />
<strong>und</strong> die S-Bahnen mit ihrem etwas<br />
altmodischen Charme. Wieder zu<br />
Hause, habe ich mir in einem Regal<br />
ein kleines Modul gestaltet. Eine<br />
MZZ-Kulisse eines Bahnhofs mit<br />
anschließender Stahlbrücke erschien<br />
mir typisch berlinerisch <strong>und</strong> bot die<br />
Möglichkeit, eine Straßenszene mit<br />
einer S-Bahn-Strecke <strong>und</strong> typischen<br />
Modellen zu gestalten. Die Kulisse<br />
wurde reliefartig ausgeschnitten <strong>und</strong><br />
bietet so ein bisschen Plastizität.<br />
Beeindruckt hatten mich auch die<br />
Großverb<strong>und</strong>platten, die die Schienen<br />
der Straßenbahn einfassten.<br />
Entsprechend meinem damaligen<br />
Etat als Student <strong>und</strong> dem (nicht)<br />
verfügbaren Modellbahnmaterial<br />
Ihre Arbeit<br />
gewinnt<br />
zeichnete ich die Straßen-<br />
struktur <strong>und</strong> kopierte sie auf einem<br />
Schwarzweißkopierer. Auch heute<br />
noch beeindruckt mich die Authentizität<br />
dieser Gestaltung.<br />
In den folgenden Jahren zog das Modul<br />
mehrfach um <strong>und</strong> wurde immer<br />
wieder mit neuen Modellen „aktualisiert“.<br />
Auf diese Weise kommt es<br />
nun zu einer Zeitreise von mittlerweile<br />
25 Jahren. Das Modul <strong>und</strong> auch<br />
meine Anlage nach Kölner Vorbild<br />
(SM 11/07) habe ich schon auf <strong>Aus</strong>stellungen<br />
gezeigt. PETER BELL<br />
n Haben Sie auch eine Anlage, ein<br />
Modul oder ein Trammodell gebaut?<br />
Dann stellen Sie Ihr Werk doch einmal<br />
den anderen SM-Lesern in Text<br />
<strong>und</strong> Bild vor. Alle unter dieser Rubrik<br />
veröffentlichten Arbeiten werden<br />
mit einem Freiabonnement <strong>für</strong><br />
zwölf SM-<strong>Aus</strong>gaben ausgezeichnet!<br />
Senden Sie ihren Vorschlag an:<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> Modell,<br />
„Ihre Arbeit gewinnt“, Postfach<br />
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sm-modell@geramond.de<br />
78 strassenbahn magazin 6|2014
Anlagenba<br />
1990<br />
2004<br />
Im Jahr 1990: Viel mehr Verkehr – ein Münchener Bus hilft aus, West-<br />
Gebrauchte verdrängen die Trabis. Westbanken starten in Containern<br />
Im Jahr 2004: Die S-Bahnen fährt mit BR 481. BVG-Busse sind gelb. Nur<br />
„Meyer‘s Rostbratwürstchen“ (mit Deppen-Apostroph) gibt‘s weiterhin<br />
2013<br />
h. gieRamm P. Bell (5), olga Bandelowa (2)<br />
Im Jahr 2013: Gelbe Niederflurfahrzeuge GT6N-ZR <strong>und</strong> Flexity bedienen jetzt die Verkehrsbedürfnisse. Ganz links fährt der Autor mit seinem Auto<br />
TLRS zum 11. Mal in Nürnberg<br />
n Werner Jurkowski aus <strong>Berlin</strong> ist<br />
ein Modellstraßenbahner, der es<br />
ganz genau nimmt. Bei seinen H0-<br />
Messingmodellen legt er viel Wert<br />
auf Maßgenauigkeit. Das von ihm<br />
verwendete Rillengleis vom US-<br />
Hersteller Proto:87 kommt mit einer<br />
Rillentiefe von nur 0,35 mm dem<br />
Maßstab 1:87 schon sehr nahe. „Ich<br />
Werner Jurkowski (2. v. r.) zeigte beim<br />
diesjährigen Treffen der „Tramway<br />
and Light Railway Society“ (TLRS)<br />
seine Messingmodelle, die er nach<br />
internationalen Vorbildern gebaut hat<br />
bin bisher wohl der einzige Modellstraßenbahner<br />
in Deutschland,<br />
der mit dem Gleis eine komplette<br />
Anlage gebaut hat“, freut sich der<br />
68-Jährige. Beim nun schon elften<br />
Treffen der deutschen TLRS-Gruppe<br />
in Nürnberg konnte er seine Präzisionsmodelle<br />
den fachk<strong>und</strong>igen Teilnehmern<br />
<strong>und</strong> Besuchern zeigen. jog<br />
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B<br />
B<br />
strassenbahn magazin 6|2014 79
Ihre Seiten: Ergänzungen, Anmerkungen, Kritik <strong>und</strong> Anregung<br />
<br />
ö<br />
:<br />
*<br />
89 – 13 06 99-720<br />
0 89 – 13 06 99-700<br />
redaktion@geramond.de<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
Postfach 40 02 09 · 80702 München<br />
Zu „Umfrage Bielefelds Linie 5“<br />
(SM 4/2014)<br />
Zwei Systeme<br />
unvernünftig<br />
Was <strong>für</strong> eine Stadt von der Größe<br />
Kölns noch vertretbar sein mag, ist <strong>für</strong><br />
Bielefeld unvernünftig. Man sollte keinesfalls<br />
zwei Teilsysteme schaffen. Die Linie<br />
5 sollte als Hochflurlinie gebaut werden.<br />
Martin Heyneck, Minden<br />
Zwei System<br />
rechnen sich<br />
Soweit es nur um die Strecke nach<br />
Heepen geht, betrifft die Einführung eines<br />
zusätzlichen Niederflurnetzes nur die Frage<br />
nach der Wirtschaftlichkeit eines unterschiedlichen<br />
Wagenparks. Deutlich komplexer<br />
wird das Problem aber, wenn man<br />
bedenkt, dass die neue Linie 5 nicht nur<br />
nach Heepen, sondern auch nach Sennestadt<br />
verkehren soll. Dazu müsste sie die<br />
Strecke der Linie 1 zwischen Bethel <strong>und</strong><br />
Senne übernehmen, auf welcher bereits<br />
sieben Haltestellen mit Hochbahnsteigen<br />
vorhanden sind. Wenn kein Mischbetrieb<br />
entstehen soll, müssten diese also wieder<br />
abgetragen werden – zugunsten von lediglich<br />
vier Haltestellen im Brackweder<br />
Zentrum, die noch nicht ausgebaut sind –<br />
angeblich, weil die Verhältnisse (Einkaufsstraße)<br />
es nicht zulassen. Dabei zeigen<br />
Beispiele aus Stuttgart, wie man selbst in<br />
einem solchen Umfeld städtebaulich<br />
verträgliche Lösungen realisieren kann.<br />
Würde man dies auch in Brackwede versuchen,<br />
wäre eine Hochflurlinie nach Sennestadt<br />
möglicherweise doch die bessere<br />
Alternative. So könnten zudem weiterhin<br />
umsteigefreie Verbindungen zum Hauptbahnhof<br />
<strong>und</strong> (wie jetzt schon gelegentlich)<br />
zur Universität angeboten werden. Beides<br />
ist nach der derzeitigen Planung mit der<br />
Linie 5 nicht möglich.<br />
Trotzdem könnte sich langfristig die<br />
Einrichtung eines zusätzlichen Niederflur-<br />
Betriebsteils rechnen, vorausgesetzt, man<br />
baut auch diesen konsequent aus. Hier<br />
wäre eine Möglichkeit die Umstellung<br />
der Linie 3 zwischen Rathaus <strong>und</strong> Sieker<br />
Mitte, wo ebenfalls noch einige Hochbahnsteige<br />
fehlen. Die restliche, komplett<br />
hochflurige Strecke nach Stieghorst<br />
könnte über den Betriebshof in Sieker mit<br />
der Linie 2 verknüpft werden, neben der<br />
4 momentan die Linie mit dem größten<br />
Hochfluranteil <strong>und</strong> einer kürzeren Fahrtzeit<br />
ins Zentrum. Dies wäre erst Recht<br />
von Vorteil, wenn die Linie 3 eines Tages<br />
bis Hillegossen verlängert wird.<br />
Johannes Osing, Essen<br />
Zu „Problem Parallelverkehr“<br />
(SM 3/2014)<br />
Störfaktor<br />
Bahnübergang?<br />
Ich sehe hier keinen Parallelverkehr<br />
mit der S-Bahn, da diese nur das Markkleeberger<br />
Zentrum <strong>und</strong> die Agra erschließt.<br />
Man will wohl eher den BÜ in<br />
Markkleeberg los werden, es gibt Planungen<br />
als neue Endstelle Markkleeberg-Mitte<br />
zu nehmen, da bleibt der<br />
nördliche Teil mit Agra erschlossen. Das<br />
Zentrum würde man der S-Bahn überlassen.<br />
Es gibt aber auch eine Planung, die<br />
Linie 9 am Forsthaus Raschwitz wie die<br />
alte Obuslinie C zum südlichem Ende zu<br />
verlängern, da bleiben die meisten<br />
Wohnbereiche fußläufig erreichbar <strong>und</strong><br />
man könnte das neue Gewerbegebiet erschließen.<br />
Dies würde aber wahrscheinlich<br />
dem Streckenabschnitt Forsthaus Raschwitz<br />
– Markkleeberg-Mitte entfallen<br />
lassen. Da aber die LVB am Hungertuch<br />
nagt, wird diese Verbesserung bestimmt<br />
nicht realisiert.<br />
Beim derzeitigen Takt wäre es ja nicht<br />
schlecht, wenn jede zweite Bahn bis<br />
Markkleeberg-West (Süd) fährt <strong>und</strong> die<br />
anderen in Mitte enden, um diesen Teil<br />
angeschlossen zu lassen.<br />
Lutz Krause, Mockrehna,<br />
OT Audenhain<br />
Einst am Niederrhein<br />
Die 1950er- <strong>und</strong> 1960er-Jahre, die<br />
Zeiten des Wirtschaftsw<strong>und</strong>ers in<br />
Westdeutschland, wecken bei Straßenbahnfre<strong>und</strong>en<br />
eher gemischte Gefühle.<br />
Einerseits war es eine Ära der<br />
Modernisierung – Großraum- <strong>und</strong> Gelenkwagen<br />
lösten die zum Teil noch<br />
aus den Anfangsjahren stammenden<br />
Zweiachser ab. Andererseits war es<br />
die Zeit der „autogerechten Stadt“,<br />
als in der B<strong>und</strong>esrepublik Dutzende<br />
Straßenbahnbetriebe durch angeblich<br />
moderne <strong>und</strong> wirtschaftlichere Dieselbusse<br />
sowie teil- wie zeitweise auch<br />
durch Obusse ersetzt wurden.<br />
Zu den Städten, die ihre Trams trotz<br />
Modernisierung bis Ende der 1960er-<br />
Jahre einstellten, gehören Mönchengladbach,<br />
Rheydt <strong>und</strong> Viersen am Niederrhein.<br />
Noch Anfang der 1950er<br />
bildeten sie das westliche Ende des<br />
großen, zusammenhängenden Straßenbahnnetzes<br />
an Rhein <strong>und</strong> Ruhr.<br />
Wer wollte, konnte von hier aus mit<br />
der Straßenbahn – <strong>und</strong> vielfachem Umsteigen<br />
– über Krefeld, Düsseldorf, Duisburg<br />
(oder Wuppertal) nach Essen, Bochum<br />
<strong>und</strong> sogar bis Dortm<strong>und</strong> reisen,<br />
auch wenn er da<strong>für</strong> einen ganzen Tag<br />
brauchte.<br />
Im April dieses Jahres legten Axel<br />
Ladleif, der langjährige Layouter des<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>, <strong>und</strong> Wolfgang.<br />
R. Reimann, prof<strong>und</strong>er Kenner<br />
der Trambetriebe an Rhein, Ruhr, Emscher<br />
<strong>und</strong> Wupper, gemeinsam einen<br />
Bildband vor, der sich diesen drei Städten<br />
widmet. Warum diesen Dreien?<br />
Zum Einen, weil Mönchengladbach <strong>und</strong><br />
Rheydt jahrelang ein gemeinsames<br />
Netz betrieben, zum Anderen, weil hier<br />
bis 1969 nicht nur moderne Düwag-<br />
Großraum- <strong>und</strong> Gelenkwagen fuhren,<br />
sondern noch so manches schöne alte<br />
Gefährt. Als drittes Argument zählt die<br />
Tatsache, dass sich bisher noch kein lokaler<br />
Verkehrshistoriker diesem Thema<br />
angenommen hatte.<br />
Der Untertitel des Bildbandes „Eine<br />
Foto-R<strong>und</strong>reise durch Mönchengladbach,<br />
Rheydt <strong>und</strong> Viersen“ ist wörtlich<br />
zu nehmen. Die Fotografen sind bzw.<br />
waren samt <strong>und</strong> sonders Ortsfremde,<br />
sie kamen nach Gladbach, um Straßenbahnen<br />
zu fotografieren. Ihr Blick war<br />
unvoreingenommen auf der Suche nach<br />
guten Motiven. Und dieser Blick prägt<br />
mit der Kenntnis der Fotografen <strong>und</strong><br />
Autoren von Fahrzeugen <strong>und</strong> interessanten<br />
Betriebssituationen den Band<br />
gleichermaßen.<br />
Die Aufnahmen lohnen das Betrachten<br />
<strong>und</strong> laden auch zum Verweilen ein,<br />
Axel Ladleif hat da <strong>und</strong> dort ein Motiv<br />
von heute eingestreut, was dem Leser<br />
direkte „Einst & Jetzt“-Vergleiche erlaubt.<br />
Die Autoren zeigen aber eben<br />
nicht nur Trams, sondern auch die Obusse,<br />
die in Rheydt <strong>für</strong> einige Jahre anstelle<br />
der Straßenbahnen verkehrten, sowie<br />
den einen oder anderen interessanten<br />
Dieselbus. Bildqualität <strong>und</strong> Bildwieder-<br />
gabe sind sehr gut. Das Layout ist<br />
klar, die Bildtexte sind knapp, aber informativ.<br />
Was will man mehr von einem<br />
Bildband? STEFAN VOCKRODT<br />
Axel Ladleif, Wolfgang R. Reimann:<br />
Mit der Straßenbahn durchs Wirtschaftsw<strong>und</strong>er<br />
– Eine Foto-R<strong>und</strong>reise<br />
durch Mönchengladbach,<br />
Rheydt <strong>und</strong> Viersen, Hardcover, 132<br />
Seiten, 24 x 22 cm, ca. 200 Farb<strong>und</strong><br />
SW-Fotos sowie Karten, DGEG-<br />
Medien, Hövelhof 2014, ISBN 978-<br />
3-937189-80-2, Preis: 27,80 Euro<br />
80<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014
Nummer 296 • 6/2014 • Juni • 45. Jahrgang<br />
In diesen Fachgeschäften erhalten Sie das <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
Termine<br />
24./25. Mai, Sehne-Wehmingen: Modelltrucker-Treffen<br />
im Hannoverschen<br />
Straßenbahn-Museum. Geöffnet ist an<br />
beiden Tagen von 11 bis 17 Uhr. Nähere<br />
Informationen demnächst auf der Website<br />
www.tram-museum.de<br />
24./25. Mai, Magdeburg: Markt 1814<br />
r<strong>und</strong> um den Ambrosiusplatz in Sudenburg,<br />
Straßenbahnverkehr mit historischen<br />
Wagen auf der Linie 77 zwischen<br />
Museumsdepot Sudenburg <strong>und</strong> Neue<br />
Neustadt, Fahrbetrieb jeweils von 11 bis<br />
17 Uhr, Details unter ignah.net<br />
25. Mai, <strong>Berlin</strong>/Eberswalde: Von <strong>Berlin</strong><br />
mit historischem Omnibus nach Eberswalde,<br />
dort R<strong>und</strong>fahrt mit historischem<br />
Obus; Fahrpreise: Erwachsene 20,– Euro,<br />
Kinder 15 Euro; Voranmeldung erforderlich<br />
unter vorverkauf@dvn-berlin.de<br />
25. Mai, München: Öffnungstag des<br />
MVG-Museums in der Ständlerstraße 20<br />
von 11 bis 17 Uhr<br />
25. Mai, Stuttgart: Besuchstage der<br />
Straßenbahnwelt von 11 bis 17 Uhr. Am<br />
Muttertag (11. Mai) kostenloser Zutritt<br />
<strong>für</strong> alle Damen. Historischer Fahrbetrieb<br />
mit der Straßenbahn-Oldtimerlinie 21<br />
<strong>und</strong> der Oldtimer-Buslinie 23E. Nähere<br />
Informationen unter www.shb-ev.info.<br />
7. Juni, Augsburg: R<strong>und</strong>fahrten von avg<br />
<strong>und</strong> „Fre<strong>und</strong>en der Augsburger Straßenbahn<br />
e.V.“ (F.d.A.S.) mit KSW Nr. 506, bei<br />
technischen Defekten GT 8; Abfahrt Königsplatz,<br />
B2: 14.05, 15.05 <strong>und</strong> 16.05<br />
Uhr, Fahrscheine beim Schaffner im<br />
Wagen, Fahrpreise: Erwachsene 3,– Euro,<br />
Postleitzahlgebiet 0<br />
Thalia-Buchhandlung, 02625 Bautzen,<br />
Kornmarkt 7 · Fachbuchhandlung<br />
Hermann Sack, 04107 Leipzig,<br />
Harkortstr. 7<br />
Postleitzahlgebiet 1<br />
Schweitzer Sortiment, 10117 <strong>Berlin</strong>,<br />
Französische Str. 13/14 · Loko Motive<br />
Fachbuchhandlung, 10777 <strong>Berlin</strong>,<br />
Regensburger Str. 25 · Modellbahnen<br />
& Spielwaren Michael Turberg, 10789<br />
<strong>Berlin</strong>, Lietzenburger Str. 51 · Buchhandlung<br />
Flügelrad, 10963 <strong>Berlin</strong>,<br />
Stresemannstr. 107 · Modellbahn-<br />
Pietsch, 12105 <strong>Berlin</strong>, Prühßstr. 34<br />
Postleitzahlgebiet 2<br />
Roland Modellbahnstudio,<br />
28217 Bremen, Wartburgstr. 59<br />
Postleitzahlgebiet 3<br />
Buchhandlung Decius, 30159 Hannover,<br />
Marktstr. 52 · Train & Play, 30159<br />
Hannover, Breite Str. 7 · Pfankuch<br />
Buch, 38023 Braunschweig, Postfach<br />
3360 · Pfankuch Buch, Kleine Burg<br />
10, 38100 Braunschweig<br />
Postleitzahlgebiet 4<br />
Menzels Lokschuppen, 40217 Düsseldorf,<br />
Friedrichstr. 6 · Goethe-Buchhandlung,<br />
40549 Düsseldorf, Will -<br />
stätterstr. 15 · Modellbahnladen Hilden,<br />
Hofstr. 12, 40723 Hilden · Fach -<br />
buchhandlung Jürgen Donat, 47058<br />
Duis burg, Ottilienplatz 6<br />
Postleitzahlgebiet 5<br />
Technische Spielwaren Karin Lindenberg,<br />
50676 Köln, Blaubach 6-8 ·<br />
Modellbahn-Center Hünerbein, 52062<br />
Aachen, Augustinergasse 14 · Mayersche<br />
Buchhandlung, 52064 Aachen,<br />
Matthiashofstr. 28-30 · Buchhandlung<br />
Karl Kersting, 58095 Hagen, Berg -<br />
str. 78<br />
Postleitzahlgebiet 6<br />
Kerst & Schweitzer, 60486 Frankfurt,<br />
Solmsstr. 75<br />
Postleitzahlgebiet 7<br />
Stuttgarter Eisenbahn-u.Verkehrsparadies,<br />
70176 Stuttgart, Leuschnerstr. 35<br />
· Buchhandlung Wilhelm Messerschmidt,<br />
70193 Stuttgart, Schwabstr.<br />
96 · Buchhandlung Albert Müller,<br />
70597 Stutt gart, Epplestr. 19C · Eisen -<br />
bahn-Treffpunkt Schweickhardt,<br />
71334 Waiblingen, Biegelwiesenstr.<br />
31 · Osiandersche Buch handlung,<br />
72072 Tübingen, Unter dem Holz 25 ·<br />
Buch verkauf Alfred Junginger, 73312<br />
Geis lingen, Karlstr. 14 · Service r<strong>und</strong><br />
ums Buch Uwe Mumm, 75180 Pforzheim,<br />
Hirsauer Str. 122 · Modellbahnen<br />
Mössner, 79261 Gutach, Landstr.<br />
16 A<br />
Postleitzahlgebiet 8<br />
Fachbuchzentrum & Antiquariat Stiletto,<br />
80634 München, Schulstr. 19 ·<br />
Augsburger Lok schuppen, 86199<br />
Augsburg, Gögginger Str. 110 · Verlag<br />
Benedikt Bickel, 86529 Schroben -<br />
hausen, Ingolstädter Str. 54<br />
Postleitzahlgebiet 9<br />
Buchhandlung Jakob, 90402 Nürnberg,<br />
Hefners platz 8 · Modellbahnvertrieb<br />
Gisela Scholz, 90451 Nürnberg,<br />
Nördlinger Str. 13 · Modell spielwaren<br />
Helmut Sigm<strong>und</strong>, 90478 Nürnberg,<br />
Schweiggerstr. 5 · Buchhandlung<br />
Rupprecht, 92648 Vohenstrauß, Zum<br />
Beckenkeller 2 · Fried rich Pustet & .,<br />
94032 Passau, Nibe lun gen platz 1 ·<br />
Schöningh Buchhandlung & ., 97070<br />
Würz burg, Franziskanerplatz 4<br />
Österreich<br />
Buchhandlung Herder, 1010 Wien,<br />
Wollzeile 33 · Modellbau Pospischil,<br />
1020 Wien, Novaragasse 47 · Technische<br />
Fachbuch handlung, 1040 Wien,<br />
Wiedner Hauptstr. 13 · Leporello – die<br />
Buchhandlung, 1090 Wien, Liechtensteinstr.<br />
17 · Buchhandlung Morawa,<br />
1140 Wien, Hackinger Str. 52 · Buchhandlung<br />
J. Heyn, 9020 Klagenfurt,<br />
Kramergasse 2-4<br />
Belgien<br />
Musée du Transport Urbain Bruxellois,<br />
1090 Brüssel, Boulevard de Smet de<br />
Naeyer 423/1<br />
Tschechien<br />
Rezek Pragomodel, 110 00 Praha 1<br />
Klimentska 32<br />
Dänemark<br />
Peter Andersens Forlag, 2640 Hede -<br />
husene, Brandvaenget 60<br />
Spanien<br />
Librimport, 8027 Barcelona, Ciudad<br />
de Elche 5<br />
Großbritannien<br />
ABOUT, GU46 6LJ, Yateley,<br />
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Ob Tag der offenen Tür, Sonderfahrt oder Sym posium:<br />
Veröffentlichen Sie Ihren Termin hier kostenlos.<br />
Fax (0 89) 13 06 99-700 · E-Mail: redaktion@geramond.de<br />
Kinder 1,50 Euro (Mitglieder von Straßenbahnvereinen<br />
frei)<br />
7. Juni, <strong>Berlin</strong>: Führungen durch den Betriebshof<br />
Niederschönhausen mit der<br />
Sammlung historischer Straßenbahnen <strong>und</strong><br />
Busse der BVG, Dietzgenstraße 100 (Straßenbahnlinie<br />
M1 bis Haltestelle Nordend,<br />
Buslinien 107 <strong>und</strong> 124 bis Haltestelle<br />
Dietzgenstr./Mittelstr.), Beginn stündlich<br />
von 10 Uhr bis 15 Uhr; Eintritt: Erwachsene<br />
2,– Euro, Kinder die Hälfte; weitere Informationen<br />
unter www.dvn-berlin.de oder<br />
030/256 33 880<br />
7. Juni, Dresden: Führungen durch das<br />
Straßenbahnmuseum Dresden von 10 bis<br />
16 Uhr, letzte Führung 15 Uhr, Unkostenbeitrag<br />
3,– Euro, siehe www.strassenbahnmuseum-dresden.de<br />
7. Juni, Döbeln: Öffentlicher Fahrtag der<br />
Pferdestraßenbahn jeweils 10 bis 12.30<br />
<strong>und</strong> 14 bis 17 Uhr. Die Fahrten beginnen<br />
am Pferdebahnmuseum, Niederwerder 6.<br />
Das Museum ist Dienstag bis Freitag 10 bis<br />
17 Uhr <strong>und</strong> sonnabends 9.30 bis 12.30<br />
Uhr geöffnet (an Fahrtagen bis 17 Uhr)<br />
7. Juni Freiburg: Die Oldtimerlinie 7 verkehrt<br />
aufgr<strong>und</strong> von Bauarbeiten 2014 auf<br />
der Route Haid/Munzinger Straße – Weingarten<br />
– Technisches Rathaus – Hauptfriedhof<br />
– Hornusstraße – Zähringen/G<strong>und</strong>elfinger<br />
Straße; die Mitfahrt ist kostenfrei,<br />
es werden aber limitierte Spenden-Sonderfahrscheine<br />
zum Erhalt der Wagen angeboten,<br />
Betriebszeit 9.26 bis 17.19 Uhr<br />
7., 14. <strong>und</strong> 21. Juni, Halle (Saale): Die<br />
Hallesche Straßenbahnfre<strong>und</strong>e e.V. laden<br />
Niederlande<br />
van Stockum Boekverkopers, 2512 GV,<br />
Den Haag, Westeinde 57 · Norsk<br />
Modell jernbane AS, 6815 ES, Arnheim,<br />
Kluizeweg 474<br />
von 11 bis 17 Uhr ins Historische Straßenbahndepot<br />
auf die Seebener Straße<br />
191 ein, am 7. Juni zusätzlich Kindertag<br />
mit Verkehrserziehung<br />
7./8. Juni, Nürnberg: Öffnungstag im<br />
Historischen Straßenbahndepot St. Peter<br />
von 10 bis 17.30 Uhr (17 Uhr letzter Einlass),<br />
während der Öffnungszeiten fährt<br />
die historische Burgringlinie 15 entlang<br />
der Nürnberger Altstadt<br />
7. bis 9. Juni, Bad Schandau: Sonderbetrieb<br />
über das Pfingstwochenende mit<br />
historischen Wagen auf der Kirnitzschtalbahn<br />
zum Lichtenhainer Wasserfall<br />
8. <strong>und</strong> 22. Juni, München: Öffnungstag<br />
des MVG-Museums in der Ständlerstraße<br />
20 von 11 bis 17 Uhr<br />
15. Juni, Leipzig: Der „Historische Straßenbahnhof<br />
Leipzig-Möckern“ hat von<br />
10 bis 17 Uhr geöffnet. Stündlich pendelt<br />
im Zubringerverkehr die Linie 29E mit historischen<br />
Wagen zwischen dem Museum<br />
<strong>und</strong> der Innenstadt; Sonderfahrten mit<br />
historischen Wagen. Weitere Informationen<br />
unter:<br />
www.strassenbahnmuseum.de<br />
22. Juni, <strong>Berlin</strong>: Themenfahrten mit historischen<br />
Straßenbahnen; Beginn der<br />
2,5-stündigen R<strong>und</strong>fahrten jeweils 11<br />
<strong>und</strong> 14 Uhr; Fahrpreise: Erwachsene 6,–<br />
Euro, Kinder die Hälfte, Fahrscheine in<br />
den Wagen erhältlich, keine Platzreservierung;<br />
Informationen ca. zwei Wochen vor<br />
der Fahrt unter www.dvn-berlin.de oder<br />
030/256 33 880<br />
Betriebe<br />
Fahrzeuge<br />
Geschichte<br />
www.strassenbahn-magazin.de<br />
Redaktionsanschrift:<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
Postfach 40 02 09 · D-80702 München<br />
Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.720<br />
Fax + 49 (0) 89.13 06 99.700<br />
redaktion@strassenbahn-magazin.de<br />
Verantw. Redakteur:<br />
André Marks, andre.marks@geramond.de<br />
Redaktion:<br />
Michael Krische (Chefredakteur),<br />
Thomas Hanna-Daoud, Martin Weltner<br />
Redaktion Straßenbahn im Modell:<br />
Jens-Olaf Griese-Bande low,<br />
jobandelow@geramond.de<br />
Redaktionsteam:<br />
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Michael Kochems, Bernhard Kuß magk,<br />
Ronald Glembotzky, Hans Immer,<br />
Dr. Martin Pabst, Axel Reuther, Robert Schrempf,<br />
Michael Sperl, Guido Mandorf<br />
Redaktionsassistenz: Brigitte Stuiber<br />
ABO –HOTLINE<br />
Leserservice, GeraMond-Programm<br />
Tel. 0180 – 532 16 17 (14 ct/min.)<br />
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Es gilt Anzeigenpreisliste Nr. 24 vom 1.1.2014<br />
Layout: Karin Vierheller<br />
Litho: Cromika, Verona<br />
Druck: Stürtz GmbH, Würzburg<br />
Verlag:<br />
GeraMond Verlag GmbH,<br />
Infanteriestraße 11a, 80797 München<br />
Geschäftsführung:<br />
Clemens Hahn, Carsten Leininger<br />
Herstellungsleitung:<br />
Sandra Kho<br />
Vertriebsleitung:<br />
Dr. Regine Hahn<br />
Vertrieb/<strong>Aus</strong>lieferung Handel:<br />
MZV, Unterschleißheim<br />
Im selben Verlag erscheinen außerdem:<br />
AUTO CLASSIC TRAKTOR CLASSIC SCHIFF CLASSIC<br />
FLUGMODELL MODELLFAN MILITÄR & GESCHICHTE<br />
FLUGZEUG CLASSIC SCHIFFSMODELL CLAUSEWITZ<br />
Preise: Einzelheft Euro 8,50 (D), Euro 9,50 (A),<br />
sFr. 15,90 (CH), bei Einzelversand zzgl. Porto;<br />
Jahresabopreis (12 Hefte) Euro 91,80 (incl. MwSt.,<br />
im <strong>Aus</strong>land zzgl. Versandkosten)<br />
Erscheinen <strong>und</strong> Bezug: <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
erscheint monatlich. Sie erhalten die Reihe in Deutsch -<br />
land, in Österreich <strong>und</strong> in der Schweiz im Bahnhofs buch -<br />
handel, an gut sortierten Zeitschriftenki os ken, im Fachbuchhandel<br />
sowie direkt beim Verlag.<br />
© 2013 by GeraMond Verlag. Die Zeitschrift <strong>und</strong> alle ihre<br />
enthaltenen Beiträge <strong>und</strong> Abbildungen sind urheberrechtlich<br />
geschützt. Durch Annahme eines Manu skripts erwirbt<br />
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Ver antwortlich <strong>für</strong> den redaktionellen Inhalt: André Marks;<br />
verantwortlich <strong>für</strong> Anzeigen: Rudolf Gruber, beide Infanteriestr.<br />
11a, 80797 München.<br />
ISSN 0340-7071 • 10815<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2014 81
<strong>Vorschau</strong><br />
Liebe Leser,<br />
Sie haben<br />
Fre<strong>und</strong>e, die<br />
sich ebenso<br />
<strong>für</strong> die<br />
Straßenbahn<br />
mit all Ihren<br />
Facetten begeistern<br />
wie Sie? Dann empfehlen<br />
Sie uns doch weiter! Ich freue mich<br />
über jeden neuen Leser<br />
Im Porträt: Die Straßenbahn in Dortm<strong>und</strong><br />
Drei Trambetriebe, viele Fahrgäste <strong>und</strong> zwei getrennte Netze machten jahrzehntelang die Dortm<strong>und</strong>er Straßenbahn aus. Der<br />
Zweite Weltkrieg <strong>und</strong> die Konkurrenz durch Omnibus <strong>und</strong> Obus änderten jedoch Einiges. Das große Porträt stellt die Dortm<strong>und</strong>er<br />
Straßenbahn von der Eröffnung der Pferdestraßenbahn im Juni 1881 über die Aufnahme des elektrischen Verkehrs<br />
vor 120 Jahren <strong>und</strong> dessen Veränderungen bis heute vor – emotionale Erinnerungen an die „Städtische Straßenbahn Dortm<strong>und</strong>“,<br />
die „Bahnen des Landkreises Dortm<strong>und</strong>“, Schnellstraßenbahnen <strong>und</strong> „U-Boote“ der Dortm<strong>und</strong>er Straßenbahn.<br />
Mit der Zeitmaschine<br />
ins Straßenbahnmuseum<br />
Weitere Themen der kommenden <strong>Aus</strong>gabe<br />
Einmal sich in die Vergangenheit versetzen <strong>und</strong> erleben, wie<br />
die im Museum ausgestellten Dinge funktionierten, wie die<br />
Menschen damit umgingen, was sie dachten <strong>und</strong> sagten. Derart<br />
„living history“ können Besucher des Nationalen Straßenbahnmuseum<br />
Crich in England an bestimmten Wochenenden<br />
tatsächlich erleben. Ein Überblick über die Angebote.<br />
Die Schulstraßenbahnlinien<br />
in Karlsruhe<br />
Sie sind in Deutschland einmalig – die Straßenbahnlinien in<br />
Kooperation mit der Europäischen Schule in Karlsruhe. Doch<br />
nicht nur das ist etwas Besonderes, sondern inzwischen auch<br />
ein Teil der eingesetzten Triebwagen. Der Beitrag stellt Hintergründe,<br />
Fahrzeuge <strong>und</strong> den aktuellen Fahrplan vor.<br />
MICHAEL KOCHEMS<br />
BRIAN TURNER<br />
FREUNDE DER NÜRNBERGER <strong>STRASSENBAHN</strong> E.V.<br />
Ein Fenster in die Vergangenheit<br />
Der Pferdebahnwagen 11 ist nicht nur das älteste Fahrzeug<br />
in der Sammlung des Historischen Straßenbahndepots St. Peter<br />
in Nürnberg, sondern zugleich ältester erhaltener Straßenbahnwagen<br />
Süddeutschlands. Nach umfangreichen Untersuchungen<br />
<strong>und</strong> gut einjähriger konservatorischer Behandlung<br />
zeigt er sich nun wieder in Erscheinungsbild der <strong>Aus</strong>lieferung<br />
im Jahr 1881 – ein Fahrzeugporträt.<br />
Eingestellt vor 40 Jahren –<br />
die Straßenbahn durch Freital<br />
Ab Oktober 1902 verkehrte vor den Toren Dresdens die Plauensche<br />
Gr<strong>und</strong>bahn von Löbtau bis Deuben, ab 1906 bis<br />
Hainsberg. Anfangs als eigenständige staatliche Linie betrieben,<br />
bediente sie das 1921 gegründete Freital später als<br />
Dresdner Linie 22, ab 1949 als neue Linie 3. Eine Erinnerung<br />
an die Einstellung der Straßenbahn in Freital vor 40 Jahren.<br />
André Marks,<br />
Verantwortlicher Redakteur<br />
Ende gut …?<br />
April, April! – nicht<br />
nur in Stuttgart<br />
Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB)<br />
jubelte den Lesern ihrer monatlich erscheinenden<br />
K<strong>und</strong>eninformation „Fahrgast-Raum“<br />
auch in diesem Jahr wieder<br />
einen Aprilscherz unter. Demnach hatte<br />
sich im Laufe der ersten Einsatzmonate<br />
der neuen Stadtbahnen vom Typ DT8.12<br />
angeblich herausgestellt, dass deren<br />
Scheinwerfer zu übermäßiger Verschmutzung<br />
durch Staub neigen. Um dem<br />
vorzubeugen, hätten die erfinderischen<br />
SSB-Techniker einen speziellen Windabweiser<br />
entwickelt, der zuvor aufwendigen<br />
Windkanaltests unterzogen worden wäre.<br />
Vom Ergebnis konnten sich die Fahrgäste<br />
am 1. April überzeugen, als der mit<br />
„Windabweisern“ ausgerüstete Versuchsträger<br />
Tw 3521/22 auf der U5 zwischen<br />
Killesberg <strong>und</strong> Leinfelden unterwegs<br />
war: Über den Scheinwerfer klebten<br />
an diesem Tag große schwarze Wimpern!<br />
Vor allem weibliche Passanten sollen<br />
davon sehr angetan gewesen sein.<br />
Trotzdem verkehrte das Fahrzeug am<br />
Folgetag wieder in gewohnter Form.<br />
In Dessau sorgte ein Straßenbahnfre<strong>und</strong><br />
mit einer auf sein Facebook-Profil gestellten<br />
Fotomontage <strong>für</strong> Aufsehen. Er hatte<br />
einen Niederflurwagen der DVG auf das<br />
Foto des Marktplatzes kopiert, als Probefahrt<br />
deklariert <strong>und</strong> angekündigt, dass<br />
die DVG ab 6. April die wiederaufgebaute<br />
Strecke zum Rathaus in Betrieb nehmen<br />
würde. Gut, dass in Deutschland über<br />
den Neubau von Straßenbahnstrecken gesprochen<br />
wird, aber schade, dass es am<br />
Ende ein Aprilscherz war! ANDRÉ MARKS<br />
DAS <strong>STRASSENBAHN</strong>-<strong>MAGAZIN</strong> 7/2014 erscheint am 20. Juni 2014<br />
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w<strong>und</strong>erland«
Das besondere Bild<br />
Das besondere Bild<br />
So ein Platz an der Sonne ist schon eine feine Sache. Ein Klappstuhl,<br />
ein Sonnenschirm – fertig ist der sommerliche Freisitz.<br />
Unter dem Pflaster liegt der Strand! Was soll’s, wenn der Verkehr<br />
r<strong>und</strong>herum auf der <strong>Aus</strong>fallstraße brandet – solange die<br />
Stadtbahnen brav einen Bogen um die Insel der Glückseligkeit machen.<br />
Ist es ein Nahverkehrsfre<strong>und</strong>, der eher extremen Sorte samt<br />
eigener Schiene, oder wird hier eine Straße, die es sichtlich nötig hat,<br />
instandgesetzt?<br />
Nun – der Mann, der hier am heißen 3. August 1999 gut beschirmt<br />
mitten auf der Strecke einen kühlen Kopf behalten musste, arbeitete.<br />
Er arbeitete sogar <strong>für</strong> den geordneten Ablauf des Stadtbahnverkehrs,<br />
obwohl es danach auf den ersten Blick nun wirklich nicht aussah.<br />
Er verteilte vor jeder Überfahrt die Bahnen auf das richtige der<br />
beiden Gleise im Vordergr<strong>und</strong>, die während einer baustellenbedingten<br />
Streckensperrung vorübergehend als Kehranlage dienten. Links die<br />
Linie 4, rechts die Linie 5 – oder wie grad Platz war.<br />
Das besondere Bild<br />
Zum Aufnahmezeitpunkt nähert sich links ein von Triebwagen<br />
6250 geführter Langzug der provisorischen Kehranlage, rechts fährt<br />
ein Zug der Linie 5 im Bereich der damaligen Haltestelle Uhlhornstraße<br />
stadteinwärts nach Stöcken.<br />
Richtung Innenstadt liegt hier in Hannovers Kirchröder Straße<br />
eine zweite Weiche, aber die federt selbsttätig in die richtige Lage<br />
zurück. Nur die andere bediente damals r<strong>und</strong> um die Uhr der Posten,<br />
was wohl billiger war als eine elektrische Weiche, <strong>für</strong> die ja auch<br />
noch die erforderlichen Kontakte ein- <strong>und</strong> eine Steuerung aufzubauen<br />
gewesen wären.<br />
Ob dieser Arbeitsplatz nun traumhaft oder eher das ganze Gegenteil<br />
war, mag jeder Betrachter <strong>für</strong> sich selbst entscheiden. Am Straßenrand<br />
gab es immerhin noch einen kleinen Wohnwagen als Aufenthaltsraum<br />
sowie eine transportable Toilette. Und ohne die den Raum verkürzende<br />
Wirkung eines Teleobjektivs sah die ganze Angelegenheit ohnehin viel<br />
unspektakulärer aus …<br />
TEXT UND FOTO: ACHIM UHLENHUT
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