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Plan in Thailand

Ein Überblick

Thailand liegt in Südostasien und grenzt im Westen an Myanmar, im Norden an Laos

sowie südöstlich an Kambodscha. Ein schmaler, lang gezogener Küstenstreifen führt

im äußersten Süden nach Malaysia und bietet sowohl einen Zugang zum Pazifischen

als auch zum Indischen Ozean. Tropischer Regenwald wächst hier noch, der in anderen

Landesteilen mittlerweile überwiegend gerodet worden ist. In den fruchtbaren

Zentralregionen befinden sich auch die wirtschaftlichen Zentren des Landes. Der

Norden dagegen ist bergig und lässt keine intensive Landwirtschaft zu. Hier leben

auch die Bergvölker, die zu den ethnischen Minderheiten des Landes zählen. Seit

1932 ist das Land eine konstitutionelle Monarchie. Das Militär übt einen großen

politischen Einfl uss aus. Autoritäre und demokratisch legitimierte Regierungen

wechselten sich seither an der Macht ab.

Königreich Thailand

Einwohner: 69,5 Mio.

(Deutschland [D]: 82,2 Mio.)

(Schweiz [CH]: 7,7 Mio.)

(Österreich [A]: 8,4 Mio.)

Lebenserwartung: 74 Jahre

D: 80 Jahre / CH: 82 Jahre / A: 81 Jahre

Kindersterblichkeitsrate (unter 5 Jahren):

13 pro 1.000 Lebendgeburten

D: 4 pro 1.000 / CH: 5 pro 1.000 / A: 4 pro 1.000

BNE pro Einwohner*: 4.210 US$

D: 43.330 US$ / CH: 70.350 US$ / A: 46.710 US$

*BNE: Bruttonationalprodukt pro Einwohner

Alphabetisierungsrate bei Jugendlichen:

(15 - 24 Jahre) Frauen: 98 %, Männer 98 %

Hauptstadt: Bangkok

Landesfläche: 513.115 qkm (D: 357.050 qkm)

Amtssprache: Thai

Religion: Buddhismus (95%)

andere Glaubensrichtungen

Zur Situation heute

In den vergangenen zwanzig Jahren hat

das Land einen rasanten wirtschaftlichen

Aufschwung erlebt, der auch zu

einer deutlichen Verbesserung der Lebensverhältnisse

geführt hat. Doch nicht

alle Bevölkerungsgruppen profitieren

gleichermaßen von dieser Entwicklung:

Vor allem im Norden und Nordosten des

Landes sind die Menschen weiterhin

vergleichsweise arm. Diese Spaltung der

Gesellschaft führt bis heute zu schwerwiegenden

innenpolitischen Konfl ikten,

die immer wieder in blutigen Auseinandersetzungen

ausgetragen werden.

Staatsoberhaupt ist König Bhumibol

Adulyadej, der ein hohes Ansehen genießt.

Nach den Parlamentswahlen vom

3. Juli 2011 ist mit Yingluck Shinawatra

das erste Mal eine Frau Premierministerin.


Das Kinderhilfswerk in Thailand

Seit 1981 arbeitet Plan in Thailand. Mittlerweile hat das Kinderhilfswerk die Arbeit

auf Gebiete im Norden und Nordosten des Landes konzentriert und erreichte im

Finanzjahr 2011 (Juli 2010 – Juni 2011) das Umfeld von etwa 10.000 Patenkindern

und ihren Familien. Das Kinderhilfswerk engagiert sich in ländlichen Regionen insbesondere

dort, wo ethnische Minderheiten leben. International prüft Plan Möglichkeiten,

grenzübergreifende Maßnahmen mit Nachbarländern abzustimmen und durchzuführen.

Zudem erweitert das Kinderhilfswerk den Kreis nationaler Partner, die zu

einer langfristigen Zusammenarbeit bereit sind. Schließlich werden die Kontakte zu

den lokalen Behörden in den Gemeinden weiter intensiviert.

Länderstrategie von

2009-2013

Die Länderstrategie von Plan Thailand

bildet den Rahmen für eine beständige

und kontinuierliche Programmarbeit für

den Zeitraum 2009 bis 2013. Sie setzt

verschiedene Ressourcen ein, um die

Lebensumstände und Zukunftsperspektiven

von bedürftigen Kindern und ihren

Familien zu verbessern. Die Länderstrategie

wurde in einem partizipativen

Prozess erarbeitet, an dem Plan-Mitarbeiter,

Kinder, Familien, lokale Gruppen

und Initiativen sowie Mitglieder der

lokalen Regierung beteiligt waren.

Arbeitsansatz von Plan

Der Arbeitsansatz von Plan, die kindorientierte

Gemeindeentwicklung, beruht

auf den Grundrechten von Kindern:

das Recht auf Leben, Entwicklung,

Mitwirkung und Schutz. Kindorientierte

Gemeindeentwicklung bedeutet mit und

für Kinder arbeiten. Kinder, Jugendliche,

ihre Familien und Gemeinden sind an

der Planung und Durchführung von Programmen

und Projekten beteiligt, um

ihre eigene Entwicklung voranzubringen.

Die Gemeinde trägt Verantwortung

für die Programme, damit deren Nachhaltigkeit

gesichert wird, auch nachdem

Plan die Arbeit in diesem Gebiet beendet

hat. Von zentraler Bedeutung ist es

daher, überholte Denkweisen zu ändern

und die Kompetenzen von Gemeindemitgliedern

auszubilden, damit sie

sich mit den Herausforderungen ihrer

Gemeinden aktiv auseinandersetzen

können. Dies trägt dazu bei, strukturelle

Kinderarmut zu beseitigen.

Der Staat spielt eine wichtige Rolle bei

der Umsetzung und Einhaltung der

Kinderrechte. Daher legt Plan Thailand

in seiner Länderstrategie einen besonderen

Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit

mit der Regierung und die

Umsetzung von nationalen Politiken,

die das Wohl der Kinder betreffen. Plan

unterstützt Regierungsstellen darin,

ihre Verpfl ichtung gegenüber den

Gemeindemitgliedern wahrzunehmen

und vorhandene Gesetze und Vorgaben

umzusetzen. Gleichzeitig bestärkt das

Kinderhilfswerk die Menschen in den

Gemeinden, ihre Rechte zu kennen und

einzufordern. Plan setzt sich auch für

ausgegrenzte und benachteiligte Kinder

ein, damit sie ihre Rechte wahrnehmen

und den Kreislauf von Diskriminierung,

gesellschaftlicher Nichtteilhabe und

Kinderarmut durchbrechen können.

Herausforderung:

Mangelnde Bildungsmöglichkeiten

In den Programmgebieten ist der Anteil

derjenigen Kinder, denen keinerlei Bildung

zuteil wird, um ein Vielfaches höher als der

nationale Durchschnitt. Die Hauptgründe

dafür sind das geringe Einkommen, die

weiten Wege zu den Schulen und der

Umstand, dass viele Familien staatenlos sind

und somit keine Papiere besitzen. Außerdem

brechen vergleichsweise viele Kinder

den Schulbesuch vorzeitig ab. Ausgaben

für Schulbücher oder Uniformen und

andere Gebühren machen den ansonsten

kostenfreien Schulbesuch für viele Familien

ethnischer Minderheiten unerschwinglich.

An Schulen in ländlichen Gebieten ist die

Unterrichtsqualität zudem unzureichend.

Es mangelt an Material und Weiterbildungsmöglichkeiten

für Lehrkräfte. Viele

Stellen können aufgrund von Personalmangel

nicht besetzt werden. Auch der

Bereich der frühkindlichen Förderung ist

schlecht ausgebaut: Nur wenige Kinder, die

jünger als drei Jahre alt sind, besuchen eine

entsprechende Einrichtung.

Plan-Programm:

„Qualitative Bildung sichern“

Zusammen mit Schülergruppen einzelner

Pilotschulen werden Konzepte entwickelt,

um die Lernbedingungen und Unterrichtsmethoden

zu verbessern, die wiederum

von anderen Schulen übernommen werden.

Außerdem kooperiert Plan mit dem

Bildungsministerium und anderen Behörden,

um kindgerechte Schulentwicklungspläne

umzusetzen und die Unterrichtsqualität

zu erhöhen. Ein besonderes Anliegen

ist es, Kinder aus Familien ethnischer

Minderheiten, die ihren Schulbesuch abgebrochen

haben, wieder in das Schulsystem

zu integrieren. Ergänzend werden

berufliche Qualifizierungsmaßnahmen

angeboten. Familien, die von HIV/Aids

betroffen sind, erhalten über gemeindebasierte

Bildungsfonds Unterstützung. Plan

schult die Mitglieder der Gemeindekomitees,

die diese Bildungsfonds verwalten.

In den Schulen klären Schülergruppen

ihre Mitschüler über Hygiene auf und

informieren über Gesundheitsvorsorge.

Die Vergabe von Schulmahlzeiten rundet

das Programm ab. Plan sensibilisiert die

Gemeinden für die große Bedeutung der

frühkindlichen Förderung. Frauengruppen

informieren sich entsprechend und klären

andere Schwangere und Mütter in den

Gemeinden auf. Schließlich engagiert sich

das Kinderhilfswerk dafür, die Einrichtungen

zur frühkindlichen Förderung besser

auszustatten.


Herausforderung:

Ausbeutung und Gewalt

Ethnische Minderheiten und Staatenlose

im Norden und Nordosten des Landes

sind gesellschaftlich besonders benachteiligt

sowie Gewalt und Ausbeutung

ausgesetzt. In einigen Gebieten besitzt

etwa ein Viertel aller Kinder keine

Geburtsurkunde. Die Zahl der registrierten

Fälle von Kindesmissbrauch hat

zugenommen. Obwohl verboten, wird

körperliche Züchtigung sowohl in der

Schule als auch in der Familie ausgeübt.

Viele Kinder wissen nicht, dass sie ein

Recht auf Schutz haben, und finden kaum

Hilfsangebote. Das Bewusstsein, einem

Missbrauch ausgesetzt zu sein bzw. einen

Missbrauch auszuüben, ist wenig ausgeprägt.

Viele Eltern verlassen ihre Familien

auf der Suche nach Arbeit mit der Folge,

dass Kinder besonders gefährdet sind, in

ausbeuterische Arbeitsverhältnisse oder

Prostitution zu geraten. Besonders in den

Grenzregionen des Nordens ist Menschenhandel

verbreitet.

Plan-Programm:

„Schutz vor Gewalt und Ausbeutung“

Plan klärt im Rahmen dieses Programms über Kinderschutz auf, führt Schulungen

durch und installiert Kinderschutzmechanismen in den Gemeinden. Es werden Anlaufstellen

aufgebaut, denen medizinisches und psychologisches Personal, Polizisten

sowie Juristen und Gemeindehelfer angehören. Opfer von Gewalt erhalten dort Hilfe

und Schutz. Außerdem werden Kinder und Jugendliche geschult, Formen von Gewalt

und Missbrauch zu erkennen. Sie lernen, wie sie sich schützen können, und entwickeln

Strategien zur Gewaltprävention. Plan wendet sich auch an die Eltern, um sie

für einen kindgerechten und fürsorglichen Umgang zu sensibilisieren. Auf nationaler

Ebene setzt sich das Kinderhilfswerk dafür ein, dass die Rechte von Staatenlosen,

ethnischen Minderheiten und Immigranten in der Gesetzgebung stärker berücksichtigt

werden. Ein zentrales Ziel ist es, möglichst viele Kinder in den Gemeinden in ein

Geburtenregister einzutragen.

Herausforderung:

Mangelnde Partizipationsmöglichkeiten

Seit 2004 sind seitens der Regierung

einige Anstrengungen unternommen

worden, um die Partizipation von Kindern

zu fördern. So wurden zum Beispiel in

vielen Provinzen des Landes Jugendforen

aufgebaut. Auf lokaler Ebene fehlen

derartige Institutionen jedoch weitenteils

und viele Kinder haben nach wie vor

kaum Möglichkeiten, sich an Entscheidungen,

die ihr Leben und ihre Zukunft

betreffen, zu beteiligen. Außerdem sind

benachteiligte Kinder, wie Kinder mit

Behinderungen, oftmals ausgeschlossen.

Demokratische Entscheidungsprozesse

haben sich bisher kaum durchgesetzt.

Und wenn doch, bestimmen Erwachsene

die Themen. Kinder und Jugendliche

haben traditionell an Entscheidungen in

der Gemeinde oder Familie wenig Anteil.

Respekt und Gehorsam prägen den

Umgang mit den Eltern und lassen wenig

Raum für die eigene Entfaltung und

Meinungsbildung.

Plan-Programm: „Gesellschaftliche Teilhabe von Kindern und

Jugendlichen stärken“

Plan stärkt die gesellschaftliche Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, indem

Clubs, Foren und Netzwerke aufgebaut und unterstützt werden. Diese bieten ihnen

die Möglichkeit, ihre Meinungen, Ideen und Wünsche zum Ausdruck zu bringen.

Auch werden junge Menschen in Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge auf Gemeindeebene

eingebunden. Plan klärt darüber auf, dass Kinder das Recht haben, an

gesellschaftlichen Entscheidungen teilzuhaben, und vermittelt Kindern und Jugendlichen,

wie Diskussionen geführt und gemeinschaftliche Entscheidungen gefällt werden.

Über lokale Medien, wie Fernseh- oder Radiosender, teilen Kinder und Jugendliche

ihre Ideen und Anliegen mit Gleichaltrigen aus Nachbarregionen und anderen

Landesteilen. Bildungskampagnen informieren überregional über die Ursachen von

Kinderarmut und zeigen Möglichkeiten auf, Kinder zu stärken.


Herausforderung: HIV/Aids

Obgleich die Infektionszahlen im

Landesdurchschnitt zurückgehen, sind

einige Bevölkerungsgruppen stärker

gefährdet: Über 60 Prozent der Neuinfizierten

im Alter von 15 bis 29 Jahren

sind Frauen. Auch Jugendliche sind

besonders betroffen, da sie die Risiken

einer Infektion häufig unterschätzen.

Dies könnte damit zusammenhängen,

dass inzwischen weniger staatliche

Aufklärungskampagnen durchgeführt

werden. Familien, die mit HIV leben,

werden kaum unterstützt und sehen sich

Diskriminierungen ausgesetzt.

Ethnische Minderheiten in abgelegenen

Gebieten sind ebenso wie Migranten

aus den Nachbarländern wenig aufgeklärt.

Außerdem haben Migranten,

da oft illegal im Land, kaum Zugang

zu Gesundheitseinrichtungen. Häufig

geraten sie aus wirtschaftlicher Not in

die Prostitution.

Plan-Programm:

„Familien und Gemeinden im Kampf gegen HIV/Aids stärken“

Im Rahmen dieses Programms, das in Anlehnung an die Pläne des Gesundheitsministeriums

entwickelt wurde, führt Plan Aufklärungsmaßnahmen durch, die sich besonders

an Frauen und Jugendliche richten. Im Schulunterricht wird das Thema HIV/

Aids inhaltlich aufgearbeitet. Dazu bildet Plan Lehrkräfte entsprechend fort. Über

Radiosendungen oder Theaterstücke tragen Schüler ihr Wissen über die Grenzen der

Schule hinaus. Das Kinderhilfswerk unterstützt Familien, die mit HIV leben, mit Hilfe

Einkommen schaffender Maßnahmen ihre Existenzgrundlage zu verbessern, und

erweitert ihren Zugang zu Gesundheitseinrichtungen. Außerdem werden Kindern

aus betroffenen Familien besondere Bildungsangebote gemacht. Plan möchte so gewährleisten,

dass die Kinder so lange wie möglich zusammen mit ihren Eltern leben

können, und sie gleichsam für ihre Zukunft stärken.

Herausforderung:

Ländliche Armut und fehlende

Berufsperspektiven

Die ethnischen Minderheiten im Norden

und Nordosten des Landes sind

wirtschaftlich sehr benachteiligt. Als

Kleinbauern erwirtschaften viele nur

geringe Erträge. Es steht immer weniger

kultivierbare Fläche zur Verfügung.

Außerdem besitzen nicht alle Familien

eigenes Ackerland. Die Möglichkeiten,

sich berufl ich zu qualifizieren, sind sehr

beschränkt. Entsprechend niedrig ist das

Lohnniveau. Ohne berufl iche Qualifikationen

sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt

jedoch nur gering. Besonders

junge Menschen sehen sich veranlasst,

ihre Heimat auf der Suche nach Arbeit

zu verlassen.

Plan-Programm:

„Die Einkommenssituation verbessern“

Plan bietet in den Programmgebieten berufl iche Qualifizierungsmaßnahmen an,

und ermöglicht den Menschen dadurch, ein besseres Einkommen zu erwirtschaften.

Frauen und Jugendliche erlernen etwa ein Handwerk oder informieren sich über

alternative landwirtschaftliche Anbauprodukte, die sich besonders für den Verkauf

eignen. Zudem werden die Gemeindemitglieder bestärkt, wirtschaftliche Chancen

zu erkennen und Perspektiven für individuelle oder gemeinschaftliche Existenzgründungen

zu entwickeln sowie grundlegende unternehmerische Kompetenzen

auszubilden. In Kooperation mit lokalen Organisationen ermöglicht Plan den Zugang

zu Kleinkrediten und anderen finanziellen Dienstleistungen. Dabei wird besonders

darauf fokussiert, Gruppen zu bilden, die gemeinschaftlich für ihre finanziellen Interessen

eintreten.

Quellen:

Plan International, Auswärtiges Amt

UNDP „Bericht über die menschliche Entwicklung 2011“

UNICEF „State of the World’s Children 2012

Plan International Deutschland e. V. · Bramfelder Straße 70 · 22305 Hamburg

Telefon +49 (0)40 – 611 400 · Fax +49 (0)40 – 611 40 140 · info@plan-deutschland.de · www.plan-deutschland.de

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