Berufswahlmagazin 6-07_final - Planet Beruf.de

planet.beruf.de

Berufswahlmagazin 6-07_final - Planet Beruf.de

BERUFSREPORT

MESSEN, PRÜFEN, UNTERSUCHEN

Absolute Genauigkeit wird von den Auszubildenden verlangt, die wir in unserem Berufsreport vorstellen.

WERKSTOFFPRÜFER

Den Fähigkeiten von Stahl auf

der Spur

Marten spannt im Labor des

Lehrstuhls für Werkstoffkunde der

Technischen Universität (TU)

Kaiserslautern ein schmales Stück

Stahl in die Spannbacken einer

Prüfmaschine ein. Der Stahl wird für

der eines ICE verwendet. Tobias

startet die Maschine. Der Stahl wird

immer stärker gedehnt, indem die

Spannbacken der Prüfmaschine

langsam auseinanderfahren.

„Vereinfacht ausgedrückt, wollen wir

herausfinden, wie viel Kraft und

Wegstrecke notwendig sind, bis der

Stahl nach der Dehnung nicht mehr

seine ursprüngliche Form annimmt“,

sagt Ausbildungsleiter Dr. Guntram

Wagner. „Daran kann man erkennen,

wie beanspruchbar der Stahl ist.“

Marten (links) und Tobias bereiten die Maschine vor, mit der Proben aus

einem Stück Stahl herausgetrennt werden.

Damit die beiden Azubis den

Zugversuch starten können, haben

sie am Vortag Stahlproben ausgesägt,

gefräst, geschliffen und poliert.

„Je nach Untersuchung muss die

Oberfläche auf eine ganz bestimmte

Art geschliffen und poliert werden“,

erläutert Marten. Werkstoffprüfer

10 BERUFSREPORT


müssen sehr konzentriert und sorgfältig

arbeiten und viel Geduld mitbringen.

Marten beobachtet, wie die

Maschine die Zugkraft immer weiter

steigert, und verfolgt, wie der Stahl

immer stärker gedehnt wird. Die

Maschine zeichnet die Messdaten

mithilfe eines Softwareprogramms

automatisch auf. Die beiden Azubis

haben bereits vor dem Start des

Versuchs eine Basisdatei mit allen

wichtigen Informationen wie beispielsweise

Herkunft, Größe und

Entnahmeposition der Proben eingegeben.

Tobias hat eine Stahlprobe unter das Mikroskop gelegt und prüft am PC

die Struktur des Stahls.

Jeder Versuch wird sorgfältig dokumentiert,

damit die Ergebnisse jederzeit

nachvollziehbar sind. Zwei

Stunden später haben sie alle erforderlichen

Daten ermittelt. Sie drucken

die Dokumentation aus und

überprüfen die Daten. „Werkstoffprüfer

müssen immer wieder ihre

eigene Arbeit überprüfen und äußerst

gewissenhaft arbeiten“, sagt Ausbilder

Wolfgang Guth, der bereits

über eine langjährige Erfahrung als

Werkstoffprüfer verfügt. „Es ist

wichtig, fachlich immer auf dem

Laufenden zu bleiben, weil ständig

neue Werkstoffe entwickelt werden,

an die immer höhere Anforderungen

gestellt werden.“

Mach dir ein Bild vom Arbeitsalltag in diesen Berufen: Im MACH’S

RICHTIG Berufswahlportal unter www.machs-richtig.de, Menüpunkt

„Tagesabläufe“ in der rechten Service-Spalte.

CHEMIKANT

Steuermann für chemische

Reaktionen

Die Produktionsanlage, an der

Heiko arbeitet, ist gigantisch. Das

Gewirr aus Kupferkesseln, Rohren

und Säulen geht über drei

Stockwerke und füllt riesige

Fabrikhallen der Roche Diagnostics

GmbH in Mannheim. An dieser

Anlage stellt der Chemikant gerade

den Wirkstoff Toluolsulfonsäure her.

5 000 Liter pro Schicht. Aus ihm

werden Medikamente hergestellt,

die zum Beispiel Menschen helfen,

die an hohem Blutdruck leiden.

Heiko wiegt gerade die notwendigen

Rohstoffe und füllt sie ab. Er hat tonnenschwere

Fässer mit Ribose, das

ist ein bestimmter Zucker, mit der

Hebebühne hochgefahren und lässt

den Stoff durch einen Trichter in ein

5 000 Liter großes Rührgerät rieseln.

Dann gießt er bestimmte Mengen

an Lösemitteln und Schwefelsäure

dazu und erhitzt das Gerät auf 50

Grad, damit sich die Stoffe gut auflösen.

„Ich muss die Mengen exakt

abmessen“, sagt Heiko. „Sonst können

wir den Wirkstoff nachher nicht

verwenden.“ Daher liest er die

Produktionsblätter, auf denen angegeben

ist, wie ein Stoff produziert

wird, immer wieder genau durch.

Damit die Rohstoffe miteinander reagieren

und der Wirkstoff Toluolsulfonsäure

entsteht, leitet Heiko die

Flüssigkeit in ein Rohrsystem, durch

das die Substanz dann stundenlang

im Kreis bewegt wird. Ist die

Reaktion erfolgt, transportiert Heiko

die Substanz in eine riesige

Zentrifuge. Die Zentrifuge ist ein

technisches Gerät, in dem hier durch

schnelle Drehungen Wirkstoff und

Lösemittel voneinander getrennt

werden. Dann fängt Heiko den

Wirkstoff in großen Behältern auf und

lässt ihn unter großer Hitze trocknen.

Ehe er den Wirkstoff abfüllt, entnimmt

er eine Probe und trägt sie ins

Labor zur Untersuchung.

Heiko in der Werkstatt bei der

Wartung einer Industriepumpe.

BERUFSREPORT 11


MEDIZINISCH-TECHNISCHE RADIOLOGIEASSISTENTIN

Strahlung für die Gesundheit

einsetzen

„Ich lege mich nicht in die Röhre!“,

sagt Lindas Patient voller Angst. Um

die Ursache für die Schwindelgefühle

zu erforschen, braucht sein behandelnder

Arzt 3-D-Bilder des Gehirns,

also dreidimensionale Aufnahmen.

Und die soll Linda nun mithilfe einer

Computertomographie (CT) erstellen.

„Ich bin immer in Ihrer Nähe“,

beruhigt sie den Patienten und fängt

an, mit ihm zu plaudern. Nach einer

Weile ist er bereit, die Untersuchung

über sich ergehen zu lassen.

Während er sich auszieht, bereiten

Linda und eine Kollegin die Aufnahme

vor. Bald wird Linda die

Untersuchung selbstständig durchführen,

aber noch ist sie in der

Ausbildung zur Medizinisch-technischen

Radiologieassistentin am

Universitätsklinikum Mannheim.

Linda ruft die Patientendatei auf, programmiert

das Gerät und stellt die

Strahlendosis ein, wie sie vom Arzt

festgelegt wurde. Dann prüft sie, ob

der Patient richtig gelagert ist. Bevor

sie das CT startet, vergewissert sie

sich noch einmal, dass sie alle

Arbeitsschritte korrekt durchgeführt

hat. „Wir können nur einen Versuch

machen, weil wir unseren Patienten

einer möglichst geringen Strahlendosis

aussetzen möchten“, sagt

Mach dir ein Bild vom

Arbeitsalltag in diesem

Beruf: Im MACH’S

RICHTIG Berufswahlportal unter

www.machs-richtig.de, Menüpunkt

„Tagesabläufe“ in der

rechten Service-Spalte.

Linda. „Da muss man sehr sorgfältig

und konzentriert arbeiten, auch wenn

das Wartezimmer voll ist und die Zeit

einem im Nacken sitzt.“

Gleich kommt der nächste Patient.

Vorher überprüfen Linda und ihre

Kollegin die gewonnenen Bilder,

scannen sie am Computer ein und

ordnen sie dem Patienten zu. Auch in

der Dokumentation dürfen ihnen

keine Fehler unterlaufen.

Linda achtet darauf, dass die Patientin in der richtigen Position unter dem

Bestrahlungsgerät liegt.

„Medizinisch-technische Radiologieassistenten

müssen sowohl gut mit

kranken Menschen umgehen können

als auch technisches Verständnis

mitbringen, denn Bedienung und

Funktion von Diagnose- und Therapiegeräten

sind kompliziert und

werden ständig weiterentwickelt“,

sagt Ausbildungsleiterin Birgit

Schäfer.

NACHGEFRAGT

Wer hat eine Chance?

Haben auch Hauptschülerinnen

und Hauptschüler eine

Chance, in Berufen, in denen

gemessen, geprüft und untersucht

wird, einen Ausbildungsplatz zu erhalten?

In den betrieblichen Ausbildungsgängen Werkstoffund

Baustoffprüfer/-in, Pharmakant/-in, Chemikant/

-in und Vermessungstechniker/-in sind viele Unternehmen

auch mit einem Hauptschulzeugnis zufrieden.

Im Zeugnis sollte in Mathematik, Physik, Biologie und

Chemie aber mindestens die Note Zwei stehen.

Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung im

Beruf Medizinisch-technische/-r Radiologieassistent/-in

vorausgesetzt?

Die Ausbildung in diesem Beruf – wie auch für andere

medizinisch-technische Assistenzberufe – findet an der

Schule und im Krankenhaus statt. Verlangt wird der

mittlere Bildungsabschluss oder eine andere abgeschlossene

zehnjährige Schulbildung, die den

Hauptschulabschluss erweitert.

Rüdiger Seng ist Berufsberater in der Agentur für Arbeit

in Ulm.

12 BERUFSREPORT

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine