DER PETKO-DANCE - Porsche Tennis Grand Prix

porsche.tennis.de

DER PETKO-DANCE - Porsche Tennis Grand Prix

020 Tennis

Tennis

021

Eine Deutsche im Vormarsch

Der Petko-Dance

Die Frau kommt an, auf und neben dem Platz. Andrea Petkovic spielt sich in der

Weltrangliste nach oben – und in die Herzen der Fans. Ihr starker Auftritt bei den

Australian Open war nur der Anfang.

von Claus-Peter Andorka

I

hre Galavorstellung in der Rod

Laver Arena in Melbourne stellte

Andrea Petkovic vor unerwartete

Probleme. „Ups, ich muss ja noch

mein Hotel verlängern“, fiel ihr während

der Pressekonferenz nach ihrem

Sieg gegen Maria Sharapova plötzlich

ein. Das Appartement bei den Australian

Open war nur für eine Woche

gebucht. Ihr erster Viertelfinaleinzug

bei einem Grand-Slam-Turnier

brachte nicht nur ihre Reiseplanung

durcheinander – auch sie selbst fühlte

sich etwas neben der Spur: „Ich laufe

ein bisschen durch die Gegend wie

Andrea im Wunderland.“

Die Gefahr, dass sie nach dem bislang

größten Erfolg ihrer Karriere die

Orientierung verliert, ist vergleichsweise

gering. Andrea Petkovic, 23

Jahre jung, weiß genau, was sie will.

„Ich bin wieder ein gutes Stückchen

näher an die Spitze gerückt. Das

spornt mich an, noch besser zu werden.

Die Reise im Profitennis hat für

mich gerade erst begonnen“, sagt

sie. Dieses Selbstvertrauen, das sie

zur Freude der Zuschauer nach Siegen

auch mit ihrem „Petko-Dance“

ausdrückt, hatte sie nicht immer.

Früher hat sie oft gezweifelt, ob sie

es wirklich schaffen werde, einmal

zu den Besten zu gehören. Doch diese

Zweifel hat sie überwunden: „Die

Jammerei liegt hinter mir.“


022 Tennis

„Ich laufe ein bisschen durch die Gegend wie Andrea im Wunderland.“

Hinter der Zufriedenheit und Gelassenheit,

die Andrea Petkovic auf

dem Platz ausstrahlt, steckt harte

Arbeit. Bevor sie am zweiten Weihnachtsfeiertag

ins Flugzeug nach

Australien stieg, hat sie sich sechs

Wochen lang in der Akademie der

ehemaligen Daviscup-Spieler Alexander

Waske und Rainer Schüttler

auf die neue Saison vorbereitet. Die

erste Belohnung für die Plackerei im

Kraftraum und beim Zirkeltraining

war der Finaleinzug beim Grand-

Slam in Brisbane. „Es ist schön,

wenn sich harte Arbeit auszahlt“,

sagt sie und schmunzelt: „In Sachen

Fitness gehöre ich wahrscheinlich

zu den Top Ten.“

Dort will sie irgendwann auch in

der Weltrangliste landen. Was ihr

dazu im Moment noch fehlt? „Die

Beständigkeit auf hohem Niveau,

die mentale Ausdauer, bei absolut

jedem Turnier in der Endphase

mitmischen zu können“, sagt sie.

Aber richtig weit weg sind für sie

im Augenblick „nur vier, fünf Spielerinnen,

etwa Serena Williams und

Kim Clijsters – dahinter ist eigentlich

alles möglich“.

Auch wenn sie im Tennis in diesem

Jahr noch mehr Gas geben will – ihr

Politikstudium soll darunter nicht

leiden. „Ich brauche das“, sagt sie.

„Nach acht Stunden Tennis will ich

lesen, wer bei der Französischen Revolution

dabei war.“

So geht der Petko-Dance: Andrea Petkovic zelebriert nach Siegen, wie hier beim Erfolg gegen Maria Sharapova, ihren eigenwilligen Tanz

2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

Wie Spielerinnen planen

Klare

VORGABEn

B

ei der Saisonplanung

der Tennisstars spielen

nicht nur persönliche

Vorlieben eine Rolle. Die

WTA macht den Spielerinnen

klare Vorgaben, an

die sie sich halten müssen.

„Der Turnierplan der

einzelnen Spielerinnen ist

mittlerweise doch schon

sehr vorbestimmt“, sagt

Anke Huber, ehemalige

Weltklassespielerin und

heutige Sportliche Leiterin

des Porsche Tennis

Grand Prix. „Zu meiner

aktiven Zeit waren wir

da noch etwas freier in

unserer Entscheidung.“

Die Top Ten-Spielerinnen

müssen sich gegenüber

der WTA jeweils bis

Ende November auf die

Turniere festlegen, die sie

im folgenden Jahr spielen

werden.

Die vier Grand-Slam-

Turniere sind damals

wie heute die wichtigsten

Eckpfeiler in der Turnierplanung

der Spielerinnen:

Melbourne

Paris

Wimbledon

New York

Um diese Saisonhöhepunkte

herum suchen

sie sich die Turniere aus,

die sie gerne spielen

wollen – oder müssen.

Die Turniere in

Indian Wells

Miami

Madrid

Peking

sind sogenannte Mandatory

Tournaments.

Alle Spielerinnen, die auf

Grund ihres Weltranglistenplatzes

für diese

Turniere qualifiziert sind,

müssen sie auch spielen.

Als Premier 5 Tournaments

genießen auch

Dubai

Rom

Toronto

Cincinnati

Tokio

einen Sonderstatus. Die

Top 20-Spielerinnen

müssen pro Saison bei

mindestens vier dieser

Turniere antreten und

jedes Turnier mindestens

alle zwei Jahre spielen.

Bei der Wahl der restlichen

Turniere spielen

vor allem persönliche

Vorlieben eine Rolle: die

Stadt, aber auch der

Belag, auf dem gespielt

wird, beeinflussen die

Entscheidung. Und

natürlich die Erfolge, die

eine Spielerin dort schon

hatte. „Wo man einmal

gut gespielt hat, schlägt

man immer wieder gerne

auf“, sagt Anke Huber

Tennis

023

aus eigener Erfahrung.

Der Porsche Tennis

Grand Prix passt offensichtlich

ideal in die

Turnierplanung der

besten Spielerinnen der

Welt. „Bei uns fühlen sich

alle besonders wohl und

kommen deshalb immer

wieder gerne zurück nach

Stuttgart“, so Anke Huber.

Diese Wertschätzung

drücken die Stars nicht

nur durch ihr regelmäßiges

Erscheinen aus:

Im Jahr 2010 haben

die Tennisstars den

Porsche Tennis

Grand Prix zum

dritten Mal zu

ihrem Lieblingsturnier

auf der

WTA-Tour gewählt,

seitdem der Grand-

Prix in der Porsche-

Arena stattfindet.

Und sicher nicht zum

letzten Mal. Die Liste

der gemeldeten Top-

Spielerinnen ist jedenfalls

wieder lang.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine