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Christophorus 308

Christophorus 308

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Text

Michael Browning

Fotografie

Peter Watkins ⁄ Split Image

Fahren

Nur Mut

Wer Lust darauf hat, sich und seinen Cayenne einer Mut-Probe zu unterziehen, ist im

High Country richtig. Die Fahrt durch das eindrucksvollste australische Gebirge

verlangt im Land der Goldgräber auch heute noch echte Pionier-Taten – hinter dem

Steuer. Der Cayenne hat seinen Claim abgesteckt.


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Ein schöner Bergrücken kann entzücken: Spektakuläres Auf

und Ab im High Country des Bundesstaates Victoria

Augen-Weide: Die zusammen 790 PS der beiden Cayenne

treffen auf zwei natürliche Pferdestärken

In schiefen, aber zweifellos leidenschaftlich gemalten Buchstaben

steht es auf dem Schild: Ein irdisches Paradies. Während

wir mit unseren Cayenne auf Wolkenhöhe über eine ockerfarbene

Schneise kurz unterhalb der Gipfel der Alpen Victorias

hinweggleiten, können wir dem kaum widersprechen. Umgeben

von majestätischen blauen Gipfeln und Tälern fühlen wir

uns dieser einschüchternden, spektakulären Umgebung gegenüber

gleichermaßen als Eroberer und Ausgesetzte.

Wir befinden uns in Australiens High Country, der Heimat der

legendären australischen Berg-Cowboys, den Mountain Cattlemen.

Diese Pioniere wurden Mitte des 19. Jahrhunderts Viehzüchter,

als Glücksjäger von überall auf der Welt nach Victoria

strömten, um Gold und ein besseres Leben zu suchen. Auch

heute noch dominieren die Berg-Cowboys das Leben im High

Country. Obwohl sie noch immer im Dezember ihre Tiere aus

den Tälern für den Sommer in die Berge treiben und sie im April

mit dem ersten Schneefall wieder herunter bringen, schwindet

ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von der Viehzucht ständig.

Die Größe der Herden ist beschränkt, insgesamt genießen nur

noch etwa 6000 Tiere die jährliche Reise in die Berge, und das

saftige Gras dort.

Die Berge sind deshalb aber nicht völlig vereinsamt.Während

die Zahl der Cowboys zurückgeht, wächst die Zahl einer

neuen Art von Abenteurern. Statt auf fügsamen Bergpferden,

mit charakteristischen Ölkleidern und breitkrempigen Hüten

kommen diese neuen Herren der Gebirgswelt mit Geländewagen

über die schwindelerregenden, oft rauen Bergwege, die

zu den verlassenen Minen, Grenzorten und Heimstätten der

ersten Siedler führen. Der Cayenne ist wie gemacht für die

landschaftlichen Gegebenheiten des High Country, in denen er

alle seine Stärken voll zur Geltung bringen kann. Er verfügt

über genügend Raum, um eine ganze Familie oder eine Gruppe

von Freunden bequem und sicher aus der Stadt in die herrliche

Einsamkeit zu transportieren. Andererseits hat er auch die

Beweglichkeit und Stärke eines Bergpferds, um mit allen natürlichen

Hindernissen fertig zu werden.

In nur 90 Minuten Fahrzeit hat man die Geschäftigkeit der

Metropole Melbourne hinter sich gelassen. Die Saison für das

High Country beginnt am Donnerstag vor dem Pferderennen

um den Melbourne Cup Anfang November und endet an dem

Wochenende Anfang Juni, an dem traditionell der Geburtstag

der Queen gefeiert wird. Dazwischen bietet eine Tour in das

eindrucksvollste australische Gebirge auch für Geländewagen-

Anfänger eine Vielzahl von aufregenden Möglichkeiten, das

Abenteuer zu suchen. Das Fahren im offenen Gelände hat freilich

so wenig mit den alltäglichen, aus der Stadt gewohnten

Fahrweisen zu tun, dass Unerfahrene zunächst erst einmal eingeschüchtert

werden. Aber es käme einem Verbrechen gleich, es

in diesem bergigen Wunderland nicht wenigstens zu versuchen.

Nur Mut!

Mansfield, das am Fuße von Victorias nordöstlicher Gebirgsregion

liegt, bietet sich als Ausgangspunkt für die Erkundung

diesen Teils des High Country an. Viele australische Porsche-

Besitzer kennen die hübsche lebhafte Stadt als das Tor zum

Wintersportort Mount Buller im gleichnamigen Nationalpark.

Der Cayenne erlaubt es, kurz vor dem Parkeingang auf die

unbefestigte Mount-Stirling-Rundstraße abzubiegen. Sobald

die ersten Steigungen erklommen sind, befinden wir uns im

Reich der Cattlemen. GanzeWälder von rötlichen Eukalyptusbäumen

und farnartigen Gewächsen säumen den Weg hinauf

zu Grasflächen, wo Herden wohl genährter Kühe ihre idyllischen

Sommerferien genießen.

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Nicht selten begegnet man hier oben authentischen Berg-Cowboys.

Statt Rinder auf neue Weideplätze zu treiben, führen sie

heute zumeist Touristen auf Reittouren. Bruce McCormack ist

in fünfter Generation Australier. Seine Familie, die ursprünglich

aus Tipperary in Irland stammt, war eine der ersten, die

sich 1866 in der Region niederließ. Wie viele der frühen Siedler

kamen sie, um die schnell wachsende Gemeinschaft von Minenarbeitern

mit Rind- und Hammelfleisch zu versorgen. Noch

heute sind die McCormacks Farmer mit 440 Hektar Land

und etwa 250 Rindern. Bruce und seine Frau Debra können

nur dank zusätzlicher Einnahmequellen überleben. Besonders

prekär war die Situation, als nach den verheerenden Buschfeuern

2003 nur noch 14 Familien im Country ihre Weiderechte

behalten konnten. Eine willkommene Zusatzeinnahme

waren die Nebenrollen des Familienoberhauptes in den beiden

Folgen des Filmes „Man from Snowy River“. Den Kinostreifen

folgte eine wahre Flut von Touristen, die das Erbe der Pionierzeit

erkunden wollten. Bis heute ist dieses Interesse ungebrochen.

Natürlich gibt es noch viele andere lohnende Ziele neben der

Region um den Mount Stirling. Wir steuern unsere Cayenne

deshalb auf die südlich gelegenen wilden Bergketten und Hoch-

Schluchtenflitzer: Ein Cayenne im Konvoi der

berühmten Mountain Cattlemen

ebenen der victorianischen Alpen zu. Ein Allrad-Paradies, zu

dem das verschlafene Städtchen Dargo ein idealer Ausgangspunkt

ist. Stolz nennt der Ort ein historisches Hotel, einen Gemischtwarenladen,

ein Motel und eine Weinkellerei sein Eigen.

Die Menschen in der Gegend leben heute hauptsächlich von

der Walnuss-Ernte. Die Boom-Zeiten aber liegen weit zurück:

Im Jahr 1860 wurde im Crooked River Gold gefunden, innerhalb

weniger Jahre wurden Hunderte reichhaltiger Goldadern

entdeckt. Die goldenen Zeiten sind längst verblasst, auch bei

Talbotville erinnert nichts mehr an die belebte Siedlung, die einmal

mehr als 2000 Einwohner und fast 200 Kneipen und Bars

zählte. Der Ort, an drei Seiten vom Fluss begrenzt, bietet sich

heute als hervorragender, grasiger und ruhiger Lagerplatz an.

Wie gut der Name „gekrümmter Fluss“ gewählt ist, zeigt sich,

wenn man ihm stromaufwärts in Richtung des verlassenen

Bergwerks Good Hope folgt: 24 Mal muss man auf dem kaum

acht Kilometer langen Weg das steinige Flussbett überqueren.

Ein Glück also, dass sich der Cayenne auch zum Wassersport

eignet. Das höhenvariable Porsche Active Suspension System

(PASM) sorgt in stehenden Gewässern bis zu einer Wasserhöhe

von 550 mm für die Abdichtung. Die Überquerung des

Crooked River kommt eher einer schnellen Autowäsche gleich

– bei der man zusätzlich die Aussicht genießen kann. Das

System ist Teil der Standardausstattung des Turbos und kann

beim Cayenne S nachgerüstet werden. Manche der Ufer fallen

sehr steil ab, doch auch das ist für einen Cayenne mit seinem

geringen Wendekreis und den zentral und hinten zuschaltbaren

Differentialsperren kein Hindernis.

Nebel des Schauens: Der Cayenne fährt

mit leuchtendem Beispiel voran

Schwimm-Abzeichen: Der Crooked River verlangt der

Cayenne-Flotte viel ab, aber sie hält dicht

Unter einem Hut: Bruce McCormack (rechts) übersetzt

die Familientradition in die Moderne

Wenn man sich am Fluss bei Talbotville erstmal satt gesehen

hat, kann man eigentlich nur noch eine Richtung einschlagen:

In die Berge hinauf! DerWeg erscheint zunächst zu steil, um ihn

überhaupt befahren zu können. Es gibt fast keinerlei Möglichkeit,

anzuhalten, bevor das obere Ende des Wegs erreicht ist,

dafür aber lose Felsbrocken und fast senkrecht aufragende Abhänge.

Unsere beiden Cayenne aber verfügen über das Porsche

Traction Management (PTM), das die einzelnen Räder mit der

jeweils optimalen Zugkraft versorgt. Dank der Hill-Holder-

Funktion können wir sogar ausgerechnet auf der steilsten Stelle

des Anstiegs stoppen, um ein merkwürdig aussehendes Felskänguruh

mit schwarzem Gesicht zu fotografieren. Der Wagen

steht felsenfest, wortwörtlich.

Die Cynthia Ridge Road führt uns zunächst spektakulär über

einen langen Bergrücken, vom dem aus wir die alles überragende

Pinnacle-Felsformationen samt Aussichtsturm bestaunen

können, von dem aus nach Buschfeuern Ausschau gehalten

wird. Später fahren wir, es scheint fast vertikal bergab zu gehen,

ins Flusstal von Wonnangatta mit seinen weiten Grasflächen

hinab. Obwohl der Weg steil ist, bleiben wir fast sorglos.Wir

hatten nämlich zuvor auf der selben Strecke schon einen noch

gefährlicheren und felsigeren Abhang überwunden, den Billy

Goat Bluff Track. Nach diesem Abhang hat das Wort steil eine

ganz neue Bedeutung für uns.

Beim Bergab-Fahren hat das Bremsmoment des Cayenne-

Motors wegen der niedrigen Übersetzung von 2,7 zu 1 im

niedrigen Gang eine Wirkung wie sonst nur die besten allradangetriebenen

Dieselfahrzeuge. Gleichzeitig überprüft das

Porsche Stability Management (PSM) ständig, dass der Wagen A


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Heiß gemacht: Lagerfeuer, nicht bloß

der Romantik wegen

Gestatten, Ihre Majestät: Die gigantischen Stringybark-

Eukalyptusbäume sind die Wahrzeichen des High Country

Nass gemacht: Der Fluss der Goldgräber

wird zur Waschstraße

nicht vom eingeschlagenen Weg abkommt. Die Bremse an

jedem einzelnen Rad wird individuell kontrolliert und dosiert,

um das Ausbrechen des Wagens beim Bergab-Fahren zu verhindern.

Einen Abhang hinunterzufahren, der zu steil wäre,

um aufrecht zu stehen, ohne selbst auf gefährlichem losem

Geröll das Bremspedal zu berühren, ruft gemischte Gefühle

hervor. Es ist gleichzeitig unheimlich wie beruhigend. Ergo:

Unheimlich beruhigend.

Wonnangatta ist ein Mekka für Reisende mit Geländewagen,

die sich auf die Suche nach dem ursprünglichen Leben der

Pioniere gemacht haben. Nur ein Friedhof, Obstbäume und

ein atemberaubend schöner Ulmenwald erinnern heute noch an

die wechselhafte Geschichte des Ortes, die wegen eines Skandals

und ungelöster Mordfälle aus dem Jahr 1917 Besucher bis

heute fasziniert.

Besondere Orte zu verlassen ist nie einfach, im Fall von Wonnangatta

stimmt das sogar im doppelten Sinne. Als nämlich der

raue, steinige und erbarmungslos steile Zeka-Bergweg angelegt

wurde, hat offensichtlich niemand einen Gedanken an

Schnelligkeit oder Bequemlichkeit verloren. Wenigstens wird

durch den Cayenne die physische Tortur erträglich. Die auf

dem Rücksitz sitzenden Mitreisenden lächelten sogar während

des gesamten langen und quälenden Aufstiegs.

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Murray River

Hay Narrandera

Wagga

Wagga

New South Wales

Echuca

Wodonga

Bendigo

Mt. Kosciusko

Mansfield Mt. Buller

Victoria

Talbotville

Licola Dargo

Melbourne

Ballarat

Heyfield

Geelong

Wonnangatta

River

River

Snowy

Canberra

Wollongong

Sydney

TASMANSEE

Grafik: RWS

0 300 km

Wegweisend: Das Team von Porsche Cars Australia hat sich

seine eigene Route ausgearbeitet

Information

Schließlich erreichen wir die unbefestigte, aber schnell zu befahrende

Piste, die die Howitt-Hochebene durchquert. Nach

dem 1600 Meter hoch gelegenen Flugplatz von Snowy Plains

führt die Strecke uns zum Endpunkt unseres Bergabenteuers

ins ehemalige Goldgräber-Zentrum Licola hinab. Im Gegensatz

zu den meisten überall einsatzfähigen Geländewagen hört

der Spaß aber nicht in dem Moment auf, wenn man wieder auf

Asphalt fährt.

Unsere Cayenne, die gerade erst über steinige Bergwege geklettert

waren und Flüsse durchwatet hatten, zeigten jetzt noch

eine andere Seite ihrer Persönlichkeit. Auf der wunderbar geschwungenen

abschüssigen Straße, die Licola mit dem Holzverschiffungshafen

in Heyfield verbindet, brummten die beiden

4,5-Liter-V8-Motoren im Gleichklang.

Reiten im High Country:

McCormack’s Mountain Valley Trail Rides

www.mountainvalleytrailrides.com

High Country Horses

www.highcountryhorses.com.au

Alpine National Park:

www.parkweb.vic.gov.au (Link „Alpine National Park“)

Landkarten der Region:

www.feathertopmapping.biz

Ein letzter Gruß der Sportwagen ans Gelände. Verbunden mit

einer klaren, frohen Botschaft: Ein neues Paradies für den

Cayenne ist entdeckt.

B

Auslauf-Runde: Die steppenartige Ebene um die

Wonnangatta Station fördert den Kreisverkehr im Gelände

Minen-Spiel: Die Rundreise durch das australische

High Country nimmt in Licola ein gutes Ende

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