Download PDF / 265 KB - Porsche

porsche.at

Download PDF / 265 KB - Porsche

Seite 72

Christophorus 327

Christophorus 327

Seite 73

Historie

Bilder für die Ewigkeit

Ein Fernsehteam hat erstmals einen Porsche 550 Spyder

bei der Mille Miglia begleitet und die ganz besondere

Italien-Rundfahrt im Film festgehalten. Produziert wurden

sogar Aufnahmen aus der Cockpit-Perspektive.

Text

Michael Sönke

Fotografie

Hardy Mutschler


Seite 74

Christophorus 327

Zu Zeiten, als es bei der Mille Miglia noch im Renntempo zur

Sache ging, waren Inboard-Kameras ferne Zukunft. Wort- und

fotoreich wurde Europas berühmtestes Straßenrennen der Nachwelt

überliefert. Hautnah produziertes Filmmaterial ist daher

schwer zu finden. Nun gibt es bewegte Bilder. Ein Team um die

Südwestrundfunk-Redakteurin Tina Fuchs hat einen Porsche

550A Spyder begleitet.Während der 1000 Meilen saß ein Kameramann

immer wieder auf dem Platz des Beifahrers.Wenn nun der

Porsche die Konkurrenz überholt, heult der Vierzylinder-Boxer

im Film laut auf. Geschichte und Gegenwart verschmelzen.

So muss es gewesen sein, damals 1954, als die beiden Schwaben

Hans Herrmann und Herbert Linge in ihrem 550 A Spyder ihre

Klasse gewannen, in diesem wilden Straßenrennen, das von Brescia

nach Rom und zurück führte. Gefahren wurde also eine einzige,

tausend Meilen lange Runde – und zwischen 1927 und 1957

so schnell es eben ging. Den Rekord stellte 1955 Stirling Moss auf,

der die Strecke mit seinem Mercedes 300 SLR in zehn Stunden

und sieben Minuten zurücklegte. Das entspricht einem Schnitt

von 157 km/h!

Alles im Blick:

Der Porsche 550 A Spyder als Kamerawagen – und

Museums-Chef Klaus Bischof als Steuermann

Heute sind die Teilnehmer dieser Italien-Rundfahrt nicht mehr

ganz so schnell unterwegs. Drei Tage vergehen bei der seit 1977

ausgetragenen „Mille Miglia storica“, bis die Teilnehmer Brescia

auf ihrem Weg über die nahezu historische Route wieder erreicht

haben. Übernachtungspausen sind eingeplant, und im Gegensatz

zu früher ganz langsame Ortsdurchfahrten. „Damit viele Menschen

die schönen Autos ausgiebig betrachten können“, weiß Klaus

Bischof, der Leiter des Porsche-Museums. Startberechtigt sind

nur Fahrzeugtypen, die bei der originalen Mille Miglia am Start

waren. Das Feld von mehr als 300 Teilnehmern ist insofern durchaus

authentisch.

A


Seite 76

Christophorus 327

Im Fokus:

Hans Herrmann (oben), einst Klassensieger

bei der Mille Miglia, schaute in Brescia vorbei

Einst war die Mille Miglia Europas wildestes

Straßenrennen. Heute geht es während

der 1000 Meilen gemächlicher zu. Damit

viele Menschen die schönen Autos ausgiebig

betrachten können.

so Bischof. Während in den gemächlichen Ortsdurchfahrten mancher

Teilnehmer wegen Überhitzung pausieren musste, zeigte der

550 Spyder keinerlei Ermüdungserscheinungen. „Luft kocht nicht,

so wurde uns immer gesagt“, meinte Bischof angesichts des Motorkonzepts

lächelnd.

Bischof stellte für die TV-Aufnahmen den silbernen 550 A Spyder

des Porsche-Museums zur Verfügung. Mit Herrmann/Linge als

Besatzung? Nein, für diese beiden Rennfahrer hätte das heute eher

gemächliche Tempo keine große Herausforderung dargestellt.

Hans Herrmann beließ es bei einer Sitzprobe in Brescia. „Der 550

Spyder, Porsches erster richtiger Rennwagen, ist ein sehr liebenswertes

Auto“, sagte Herrmann, „er ist unglaublich handlich mit

guten Bremsen, gutem Motor und gutmütigem Fahrverhalten. Vor

allem auf kurvenreichen Strecken konnten wir mit dem kleinen

Rennwagen in die Phalanx der hubraumstarken Fahrzeuge einbrechen.“

Angesichts der Startnummer kommen Erinnerungen

an Brescia auf: „Nummer 351 – wir mussten um 3.51 Uhr in der

Frühe losfahren.“

Der ehemalige Rennmechaniker Bischof setzte sich als Herrmanns

Stellvertreter ans Steuer des historischen Porsche. Und schnell

wurde klar: „Je länger er bewegt wird, desto wohler fühlt er sich“,

Der historische Spyder hat sich als Kamerawagen bewährt. „Endlich

weiß man, wie es damals wirklich war“, erklärt ein zufriedener

Klaus Bischof. „Moment“, widerspricht Herbert Linge in Stuttgart,

„die Szene mit der Bahnschranke konntet ihr nicht aufnehmen.“

Die rasende Fahrt unter einer Bahnschranke hindurch hat den Einsatz

von Herrmann/Linge bekannter gemacht als der sportliche

Erfolg als Klassensieger und Sechster im Gesamtklassement. Linge

erzählt: „Kurz vor Pescara kamen wir bei hohem Tempo, vielleicht

waren es 160 km/h, um eine Kurve vor einem Bahnübergang.

Erst da sahen wir, dass sich eine Bahnschranke senkte und schon

fast geschlossen war. Hans hat mir auf den Helm gehauen, ich

sollte mich ducken. Nur gut, dass der Schrankenwärter vor lauter

Schreck vergaß, weiterzukurbeln.“ Und? „Na ja, ganz knapp vor

dem Dampfzug sind wir unter der Schranke hindurchgesaust.“

Ein Bild der spektakulären Szene ist gemalt worden. Im Film lassen

sich Momente wie diese nicht nachstellen. In diesem Fall müssen

Worte reichen.

B

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine