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CHRISTOPHORUS | 355

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PORSCHE FOTOLINK

Anleitung Seite 16

AUF DIE

PLÄTZE ...

Der neue Panamera GTS ist nicht nur ein souveräner Langläufer. Er beherrscht auch

den Sprint auf der Rennstrecke. Der Rennfahrer Eric Zwart, der noch in der GP-Serie mit historischen Formel-1-

Autos fährt, ist ebenfalls in beiden Disziplinen zu Hause – und zeigt sich beim Allroundtest in Südspanien

begeistert vom sportlichsten Porsche-Viertürer.

Text Peter Ruch Fotografie Patrick Staud

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Konzentration vor der ersten Fahrt im neuen Panamera GTS:

Eric Zwart bleibt auch in ungewohnten Situationen ruhig – vielleicht liegt es

ja daran, dass er lange in Asien lebte, auch in einem Kloster. ...

FERTIG ...

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E

ric Zwart lacht. „Keine Ahnung, wie

viele Runden ich hier auf dem Circuito

Alberto Ascari schon gefahren

bin“, sagt er dann, „es müssen Tausende

sein.“ Einverstanden. Den Sohn des

Besitzers des Ascari-Rundkurses in Südspanien

nach seinen Erfahrungen auf

dem familieneigenen Rundkurs zu fragen,

zeugt von einer gewissen Dämlichkeit. Was aber daran liegen

könnte, dass das Hirn von Eric Zwarts Beifahrer einer

heftigen Belastungsprobe ausgesetzt ist, während dieser

den Panamera GTS durch den Nachbau des Nordschleifen-

Karussells knallt. Man sollte dann keine Fragen stellen,

sondern einfach nur den Mund halten. Wie sich das für einen

Beifahrer ja eigentlich auch gehört, wenn er auf „einer

der anspruchsvollsten Rennstrecken der Welt“ (so der ehemalige

Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso über den

5,4 Kilometer langen Circuito Alberto Ascari in der Nähe

von Ronda) unterwegs ist.

Eric Zwart ist Schotte. Oder Niederländer. Derzeit ist er

gerade Spanier, er arbeitet als Track-Manager für seinen

Vater Klaas Zwart, den Gründer des Ascari-Resorts. Eric

war schon Hubschrauber-Pilot, Thai-Boxer, Rennfahrer.

Mit der Rennerei hat er erst mit 20 begonnen – und seinem

Vater kurz darauf mitgeteilt, dass er wohl nicht schnell genug

sei. Unterdessen ist Eric Zwart 30, und manchmal bereut

er es so ein bisschen, dass er wohl zu vorschnell aufgegeben

hatte, an seine Chance in der Formel 3 zu glauben.

Heute fährt Zwart erfolgreich in der Boss-GP-Serie, in der

mit historischen Formel-1-Rennwagen und harten Bandagen

gekämpft wird, er nimmt mit viel Spaß an der Radical-

Rennserie teil, und er fuhr auch mit ansprechenden Resultaten

in der GT3-Meisterschaft.

Die nötige Erfahrung besitzt Eric Zwart, er kennt die unterschiedlichsten

Fahrzeuge, doch er fährt gerade zum

ersten Mal einen Panamera. Ihm gefällt das Prozedere zu

Beginn im Porsche: Als er den Motor startet, wird er durch

ein kurzes Hochdrehen begrüßt. Die ersten zwei, drei Kurven

fährt er noch ganz friedlich. Doch im hinteren Teil der

... LOS!

ALS ZWART DEN MOTOR

STARTET, WIRD ER DURCH

EIN KURZES HOCHDREHEN

BEGRÜSST.

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DIE ZWEI WESEN DES

PANAMERA GTS UND DES

ERIC ZWART: RENNTEMPO

UND CRUISEN.

Strecke legt er an Geschwindigkeit zu. Er spricht nicht viel,

begnügt sich mit kurzen, anerkennenden Sätzen wie: „Ein

ehrliches Auto.“ Oder: „Kein Problem.“ Oder: „Beeindruckend.“

Oder: „Der hält aber gut.“

Ab der zweiten Runde geht er dann an die Grenzen, und

der Panamera GTS nimmt sicher jede Kurve. Eric Zwart

lächelt, wenn ihm eine der schwierigen Passagen, etwa die

Eau Rouge, dem Vorbild in Spa-Francorchamps exakt

nachempfunden, wieder besonders gut gelungen ist. Ja, er

kennt den Rundkurs, und ja, man merkt als Beifahrer, dass

er schnell viel Vertrauen in den Porsche gefasst hat. Nach

einem halben Dutzend schneller Runden biegt er wieder an

die Box ab. Zwart bleibt noch ein bisschen sitzen, betrachtet

den Innenraum des Panamera GTS genauer, seine feinen

Finger fahren über das Alcantara.

S

päter wird er sagen: „Ich bin überrascht,

wie schnell ich volles Vertrauen

hatte in den GTS. Schon nach wenigen

Kurven hatte ich ein gutes Gespür

für das Fahrzeug, wusste, wie es

sich verhält, wie es reagiert – und das ist

ein gutes Gefühl. Genügend Power, sehr

gutes Drehmoment, tolles Getriebe, ausgezeichnete

Bremsen – sensationell für ein Straßenfahrzeug

mit vier Sitzplätzen.“ Eric Zwart ist nicht einer, der vorschnell

mit Superlativen um sich wirft, er hat länger in

Asien gelebt, um seine Mitte zu finden, und so wie er fährt,

so spricht er auch: ruhig, konzentriert.

ERWARTUNGSVOLL:

ERIC ZWART WECHSELT DAS

TEMPO – ABSCHIED

VON DER RENNSTRECKE,

ABFAHRT ZUM RENDEZVOUS.

WER REGELMÄSSIG AUF

DER RENNSTRECKE FÄHRT,

IST MIT DEN KERAMIK-

BREMSEN GUT BEDIENT.

Die in Andalusien anwesenden Porsche-Ingenieure vernehmen

das Urteil von Zwart mit Genugtuung. Genau das

war ja das Ziel für den Panamera GTS: Er soll nicht nur ein

souveräner Reisewagen sein, sondern auch auf der Rennstrecke

Spaß machen. Dafür haben sie in die Trick kiste gegriffen.

22 kW (30 PS) mehr leistet der 4,8-Liter-V8 als im

Panamera S/4S, also 316 kW (430 PS) bei 6500/min. Das

maximale Drehmoment liegt jetzt bei 515 Newtonmetern

bei 3500 – 6500/min. Der Zuwachs an Leistung entsteht

unter anderem über angepasste Ventilfedern mit erhöhter

Vorspannung sowie über zwei schärfere Nockenwellen.

Diese sind notwendig, weil Porsche dem Panamera GTS

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GESUCHT UND

GEFUNDEN:

AUGENBLICKE EINER

ANNÄHERUNG.

massiv mehr Ansaugluft zuführt, über ein sogenanntes

Ram-Air-System. Da gibt es im Vorderwagen zwei zusätzliche

Luftschächte (deswegen auch das Sport-Design-Bugteil),

die sich bei 3500/min öffnen, dann kann der Motor

tiefer atmen. „Und die Fahrleistungen?“, fragt Zwart. Aber

gerne: Höchstgeschwindigkeit 288 km/h, den Sprint von

0 auf 100 km/h schafft der Panamera GTS in 4,5 Sekunden.

VERWANDTE SEELEN:

SIE SIEHT DIE DETAILS,

ER DEN FAHRSPASS.

o richtig begeistert ist Zwart vom

S

Fahrwerk. Da ist natürlich der Allradantrieb.

Und das Porsche Torque

Vectoring Plus (PTV Plus), das mit

einer variablen Momentenverteilung

an den Hinterrädern arbeitet sowie mit

einer elektronisch geregelten Hinterachs-Quersperre,

die das Einlenkverhalten

bei sportlicher Fahrweise optimiert. Im Normalniveau

der Luftfederung liegt der Panamera GTS zehn

Millimeter tiefer als die anderen Panamera-Modelle, die

Dämpfung ist straffer (aber nicht unkomfortabel) ausgelegt.

Das Porsche Active Suspension Management

(PASM) kann durch Niveauregulierung, Höhenverstellung,

die Verstellung der Federrate und des Stoßdämpfersystems

für eine zusätzliche Steigerung der Fahrdynamik

sorgen. Der Panamera GTS ist zudem serien mäßig mit

dem Sport Chrono Paket ausgerüstet, das neben dem normalen

Modus auch die Möglichkeiten Sport und Sport

Plus anbietet. Ein Prachtstück ist der ausfahrende Vier-

Wege-Heckspoiler, der bereits vom Panamera Turbo bekannt

ist.

Eric Zwart muss nicht überlegen, er wählt Sport Plus, dann

greift das Stabilisierungsprogramm PSM betont spät ein,

es ist sowohl mehr Längs- wie auch Querdynamik möglich.

„Erstaunlich, wie agil dieses Fahrzeug beim Anbremsen

bleibt“, sagt er, „und die Lenkpräzision ist für ein so großes

Fahrzeug wirklich außergewöhnlich.“ Er fragt dann noch:

„Ich nehme an, unser Wagen ist mit Keramikbremsen ausgerüstet?“

Da hat Zwart recht – und er meint: „Ja, wenn

man sein Fahrzeug regelmäßig auf der Rennstrecke bewegt,

dann würde ich diese Bremsen empfehlen.“

MIT EINEM PANAMERA GTS

IST MAN AUCH ABSEITS DER

RENNSTRECKE BESTENS

ANGEZOGEN.

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MOTORSOUND

ODER RUHE: EIN

WUNSCHKONZERT

AUF KNOPFDRUCK.

Szenenwechsel: Es ist Freitagabend in Ronda, noch ist das

andalusische Städtchen ruhig, die Bewohner gehen hier erst

spät zum Essen, nicht vor 22 Uhr. Gepflegt, in aller Ruhe

fährt Eric Zwart mit seiner Begleiterin Maria vom Circuito

Alberto Ascari die 15 Kilometer nach Ronda – die junge

Dame ist begeistert von der Ruhe im Porsche. Der Fahrer

lacht wieder, schaltet zwei Gänge herunter, lässt den Achtzylinder

auf Touren kommen: Jetzt ist mächtig Motor-

Sound im Auto. Zwart versucht der jungen Dame den

Sound Symposer zu erklären – jenes System, das die Porsche-Ingenieure

schon im neuen 911 (Typ 991) eingebaut

haben. Es leitet Luftschwingungen der Ansaugkanäle über

eine Membran direkt in die A-Säule, damit die Passagiere

ein ganz besonderes Klangerlebnis haben. Doch Maria ist

wenig beeindruckt, ihr hatte das Cruisen zuvor besser gefallen.

Zwart, ganz Gentleman, lässt wieder Ruhe einkehren

– auch das geht auf Knopfdruck.

TREFFPUNKT RONDA:

DER PANAMERA GTS

ZU BESUCH IN DER

KLEINSTADT DER

SPANISCHEN PROVINZ

MÁLAGA.

PANAMERA GTS

Motor: Achtzylinder-V-Motor

Hubraum: 4806 cm 3

Leistung: 316 kW (430 PS)

Max. Drehmoment: 515 Nm bei 3500 – 6500/min

0 – 100 km/h: 4,5 s

Höchstgeschwindigkeit: 288 km/h

CO2-Emission: 256 (251*) g/km

Verbrauch

innerorts: 16,1 (15,8*) l/100 km

außerorts: 8,0 (7,8*) l/100 km

kombiniert: 10,9 (10,7*) l/100 km

* mit rollwiderstandsoptimierten

19-Zoll-All-Season-Reifen

Aber er hatte ja schon vorher auf der Rennstrecke das Vergnügen.

Zwart hatte da mit dem Schalter in der Mittelkonsole

gespielt, der an der vierflutigen Sportauspuffanlage

zusätzliche Austrittsöffnungen freigibt und damit für

ein noch volleres Klangbild sorgt. Doch die Sportauspuffanlage

mit einem vergrößerten Rohrdurchmesser sorgt

auch für weniger Gegendruck und somit für eine Leistungssteigerung.

Wobei: Das sind nicht die Dinge, die Maria wirklich interessieren.

Dafür ist sie begeistert von anderen Details im

Panamera GTS. Ihre Finger streichen über die Kopfstützen,

in die der Schriftzug GTS eingestickt ist, über die Ledersitze,

über das Alcantara auf den Armauflagen und am

Dachhimmel. Sie sieht Dinge wie den edlen Schriftzug

Panamera GTS auf den Einstiegsleisten – nicht, dass diese

Feinheiten Eric Zwart egal wären, aber er interessiert sich

gerade mehr für die Beschleunigungsanzeige. Denn sein

Blick folgt bereits wieder der Straße, die hinausführt aus

Ronda. Er würde jetzt eigentlich lieber noch eine Runde

über die bestens ausgebauten Landstraßen rund um die

Kleinstadt drehen. Er fährt ja schließlich zum ersten Mal

einen Panamera.

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911 (TYP 991), CO2-Emission: 229 g/km bis 194 g/km, Verbrauch (kombiniert): 9,7 l/100 km bis 8,2 l/100 km

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