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Christophorus 350

Christophorus 350 Seite 37

Authentisch:

Besonderheiten aus der

Porsche-Tradition fi nden

modern interpretiert

ihren Weg in das aktuelle

Porsche-Design

DESIGN

INNEN-LEBEN

Wenn es um Fahrzeugdesign geht, denkt jeder zuerst an glänzenden Lack und hinreißende Formen.

Im Gespräch mit Michael Mauer, dem Chef von Style Porsche, wird jedoch schnell klar: Charakter ist auch

eine Sache des Innenlebens – und stetigem Wandel unterworfen.

Text Till Daun


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Klassisch:

Zur Porsche-Markenidentität

gehören die in

Tuben untergebrachten

Rundinstrumente

Freigelegt:

Leicht, unverfälscht

und kompromisslos – der

unverkleidete Armaturenträger

DEN 918

IM BLICK

Michael Mauer, Chef von Style Porsche: „Wenn

Sie wissen wollen, wie es in Zukunft im Interieur-

Design bei Porsche weitergehen kann, was uns

interessiert, bewegt und inspiriert, dann sollten Sie

sich einmal den 918 ansehen. Er zeigt als

Grundlage ganz deutlich die Markenidentität –

also Dinge, die man intuitiv sofort einem Porsche

zuordnet. Er hat eine sehr spezifische Produkt-

Identität und er ist darüber hinaus auch ein tolles

Beispiel für unseren Blick in die Zukunft.“


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Der Chefdesigner von Porsche ist ein jugendlicher

Typ, mit humorvollen Augen und entspanntem Auftreten.

Gleichzeitig korrekt gekleidet, Selbstbewusstsein

ausstrahlend, ohne dabei eitel zu wirken, ruhige

Gesten. Die Jahre in der Automobilhochburg Stuttgart

haben einen hörbaren Zungenschlag hinterlassen:

Er spricht dialektfrei, aber mit dem für die Württemberger

typischen gutturalen Verschliff, der Dehnung

und Verschleppung mancher Vokale.

Allzu forsche Fragesteller lässt Michael Mauer zuerst

einmal höflich lächelnd ihr Pulver verschießen, der

Designer sinniert mit gesenktem Blick, ein Kugelschreiber

rollt konzentriert zwischen den Fingerspitzen.

Ein Mann, der sehr aufmerksam zuhören kann.

Auch ein guter Beobachter. Und dann schaut er einem

plötzlich in die Augen, legt Gewicht in die Worte und

formuliert unmissverständlich: „Wenn Sie wissen

wollen, wie es im Interieurdesign bei Porsche weitergehen

kann, was uns interessiert, bewegt und inspiriert,

dann sollten Sie sich einmal den 918 ansehen.

Der 918 zeigt als Grundlage ganz deutlich das Verständnis

der Marke Porsche, er hat eine sehr spezifische

Produkt-Identität und ist darüber hinaus auch

ein tolles Beispiel für unseren Blick in die Zukunft.“

Nun ist es am Zuhörer mit fragendem Blick still dazusitzen.

Michael Mauer sagt mit einem verschmitzten

Lächeln: „Eigentlich ist es doch ganz einfach, zur

Identität der Marke Porsche gehören Dinge, die man

intuitiv sofort einem Porsche zuordnet. Das Zündschloss,

das links vom Lenkrad liegt. Die in Tuben

untergebrachten Rundinstrumente. Das sportliche

Dreispeichen-Lenkrad. Das alles finden Sie in jedem

Porsche-Modell, es hat teilweise eine lange Geschichte

hinter sich, manches gehört vielleicht erst wenige

Jahre zu uns. Aber wie auch immer – es sind Themen,

die typisch Porsche sind. Und auch bleiben werden.“

Mauer streicht vorsichtig eine Designskizze glatt, die

nun den Tisch bedeckt, er will den Unterschied herausarbeiten

zwischen den Identitäten von Marke und

Einzelprodukten: „Mit Produkt-Identität sind Design-Themen

gemeint, anhand derer sich die einzelnen

Modelle voneinander abgrenzen.“ Langsam verstehen

wir, in welche Richtung Mauer zielt: Runde

Lüftungsöffnungen, ein leichtes und reduziertes Layout

– das ist typisch für die Mittelmotor-Sportwagen

von Porsche. Der 911 ist im Cockpit genau so klar,

wirkt aber im Gesamten kräftiger und funktionaler.

Beinahe ungestylt, ein No-Nonsense-Auto.

MIT VIEL

SCHWUNG

Die sichtbare Aluminiumstruktur

des Armaturenträgers. Die Leichtigkeit

der emporstrebenden Mittelkonsole.

Die Mischung aus digitaler Touch- und analoger

Drehknopf-Bedienung.


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Logisch:

Direkte Anwählbarkeit

aller Funktionen ist bei

Porsche Pfl icht

Botschaft angekommen, Mauer nickt zufrieden.

„Exakt. Und wenn Sie zum Beispiel den aktuellen

Cayenne mit seinem Vorgänger vergleichen, können

Sie eine große Dynamik in der Entwicklung erkennen,

die über das reine Gestalten hinausgeht. Wir

haben dem sportlichen Geländewagen Elemente mitgegeben,

die einerseits seine Produkt-Identität eigenständig

betonen – die Haltegriffe in der Tür und an

der Mittelkonsole, das hoch liegende Multimediasystem,

die bis in die Armaturentafel ragenden vertikalen

Lüftungsdüsen –, andererseits aber auch überlegt,

wie wir ihm noch mehr ,Porsche‘ mitgeben können.

Als Ergebnis sitzen Sie richtiggehend ,im‘ Fahrzeug,

statt ,auf‘ dem Auto. Das ist typisch für eine Sportwagenmarke,

und unsere Interpretation unterscheidet

den Cayenne von allen seinen Wettbewerbern.“

Gehört nicht auch die ansteigende Mittelkonsole

selbst zu den Charakteristika des Cayenne? Mauer

antwortet ohne Bedenkzeit: „Ja und Nein. Das ist so

ein Element, das uns seit dem Carrera GT beschäftigt

und das auf einem guten Weg ist, zu einem wesentlichen

Merkmal der Porsche-Markenidentität zu werden.

Im Cayenne ist der Anstieg der Mittelkonsole ja

noch sehr mild – viel prägnanter zeigen wir das im

Panamera.“ Wir haben nun ein Thema angeschnitten,

das in seiner Bedeutung maximale Strahlkraft

entwickelt. Michael Mauer greift zu einer großen

Mappe voller Skizzen und Zeichnungen. „Als wir

den Panamera erdacht haben, war uns klar, dass man

nicht einfach so in ein neues Segment marschiert, in

dem es viele Wettbewerber zu großer Souveränität gebracht

haben, und im Vorbeigehen Erfolge feiern

kann. Der Panamera musste ein ganz besonderes

Statement, ein ganz besonderes Auto werden. Eine

wesentliche Rolle kam dabei dem Interieur zu, denn

in dieser Klasse spielen Funktionalität, Komfort und

Multimedia-Inhalte eine große Rolle.“

Doch wie kam dabei die ansteigende Mittelkonsole

des Carrera GT ins Spiel? „Die hat mich immer fasziniert.

Denken Sie nur an den Schaltknauf aus Balsaholz

– unheimlich leicht, gleichzeitig dieser Kontrast

von Naturmaterial in einer Hightech-Umgebung –

und dazu in direktem Zugriff …“ Lachen am Tisch.

Tatsächlich, der hochgesetzte Schalthebel war damals

ein Merkmal von kleinen Familien-Vans, nicht

von Sportwagen. Obwohl: Extreme Renn-Tourenwagen

besitzen auch häufig einen bis zum Lenkrad ragenden

Schaltstock. Michael Mauer: „Ich finde defi-


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GEDANKEN-

SPIELE

„Ich finde definitiv, dass der hochgesetzte

Schalthebel ein sportliches Merkmal sein kann –

die Frage ist allerdings, wie lange es überhaupt

noch Schalthebel gibt“, sagt Michael Mauer.


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nitiv nicht, dass der hochgesetzte Schalthebel kein

sportliches Merkmal sein kann – wie lange es allerdings

überhaupt noch Schalthebel gibt, ist vielleicht

ein weit spannenderes Thema.“ Mauer grinst und

sagt: „Aber wir wollten doch über den 918 sprechen.

Welche Elemente sprechen Sie denn besonders an?“

Der Autor als Objekt der Marktforschung, das ist ungewöhnlich.

Doch die Überlegung dauert nur Sekundenbruchteile:

die sichtbare Alu-Struktur des Armaturenträgers,

die Leichtigkeit der emporstrebenden

Mittelkonsole, die Mischung aus digitaler Touchund

analoger Drehknopf-Bedienung. „Treffer“, sagt

Michael Mauer und breitet eine Skizze auf dem Tisch

aus. „Der geformte Armaturenträger ohne jegliche

Verkleidung wäre natürlich ein Traum – toller Look,

völlige Leichtigkeit, Verzicht auf Material. Aber das

wird ein harter Weg, bis wir ein solches Interieur zur

Serienreife gebracht haben. Ich würde die aufstrebende

Mittelkonsole als wesentliches Element nennen,

sie ermöglicht es uns, alle Funktionen in einen möglichst

direkten Zugriff zu bringen. Das folgt unserer

Bedienphilosophie, dass alle Funktionen direkt anwählbar

sein sollen. Völlig gleich, ob wir die Mittelkonsole

in einem sehr sportlichen Fahrzeug umsetzen

und stark aus der optischen Leichtigkeit schöpfen

oder einfach die Funktionsfülle moderner Multimedia-Systeme

und Komfort-Features in einem Fahrzeug

wie dem Panamera kontrollieren – die aufstrebende

Mittelkonsole hat bei uns eine größere Karriere

vor sich.“ Man könnte auch sagen: Sie hat nicht nur

Eigenschaften, sondern vor allem Charakter.

MICHAEL MAUER

Seit 2004 ist Michael Mauer,

Jahrgang 1962, Chef von

Style Porsche im Forschungsund

Entwicklungszentrum

in Weissach. „Wir verstehen

uns als Antreiber für

Innovationen“, sagt er über

sein Selbstverständnis als

Designer.

Der Anfang:

Im Carrera GT feierte

die ansteigende

Mittelkonsole Premiere

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