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Christophorus 317

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Text

Elmar Brümmer

Fotografie

Uli Heckmann

Fahren

Die Sanftheit der Toskana und ein Cayman S in freier Wildbahn.

Beißt sich das? Na, wenn schon. Kontraste sind gewollt

beim neuen Sport-Coupé von Porsche, sie schärfen die Sinne.

Cayman in natura

Fahr den Cayman doch mal vor die Wand! Ganz wörtlich, das ist zu ahnen, darf das

Ansinnen des Lichtbildners in diesem Fall wohl nicht genommen werden. Wir bleiben vor

der Mauer, aber auf der Lauer. Der Cayman stellt sich quer. Eine Pose, die ihm ganz gut

steht. Es wird die erste Aufnahme für diese Serie, mit ihr beginnt auch das Wetteifern

zwischen dem Sportwagen und dieser Landschaft. Weshalb diese Geschichte zu einem

klassischen Hintergrund-Bericht wird. Sowie zu einer Umkehr aller Toskana-Attribute.

Denn plötzlich steht die glatte Linienführung des Cayman für die Harmonie und die

Authentizität des Siener Landes für das raue Wilde. Um diese Faszination der Gegensätzlichkeiten

herauszuarbeiten, musste das Auto einfach vor diesem Relief aus rissigen Natursteinen

stehen. Der Cayman in natura.

A


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Christophorus 317

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Spielerisch geht der reinrassige Zweisitzer mit diesen Gegebenheiten um, die nur scheinbare

Widersprüche sind. Unsere Momentaufnahmen bleiben zunächst an der Oberfläche,

ganz bewusst. Wir erleben unterschiedlichste Texturen, changierende Farben, ungewöhnliche

Stoffe. Es ist, als ob das Sport-Coupé schnurstracks in die Mode-Welt der italienischen

Vogue eintaucht. Deren Ästhetik lebt vom Unangepassten, und davon leben auch

der Cayman und die Umgebung von Siena. Wenn Urwüchsigkeit der beste Begriff für die

Gegend ist, ist unbändige Kraft der treffende Ausdruck für die Topographie des jüngsten

Porsche. Er weiß sich selbst in Szene zu setzen. Und tummelt sich in beinahe spielerischer

Bewegung bereitwillig in diesem Spannungsfeld.

Ganz ohne Zypressen geht es nie. Aber die Unvermeidlichkeit sorgt für eine besondere

Aufführung im Licht-Spiel-Theater rund um das Örtchen Castelnuovo Berardenga. Ein

Provinz-Radrennen hatte unseren Cayman zum Ausweichen in eine Allee gezwungen.

Auf dem hellen Schotter legen sich die Umrisse der flankierenden Baumriesen quer. Für

die einen sind es nur Schatten, für die anderen entsteht so der längste Zebrastreifen der

Welt. Die Illusion wird zur Illustration. Dramatische Effekte, die ganz ohne Kunstlicht auskommen

könnten. Doch das Geheimnisvolle wohnt diesem Cayman in Cobaltblaumetallic

inne, weshalb das weiche Nachmittagslicht durch harte Halogenspots gezielt verstärkt

wird. Wieder entspricht das Auto damit dem natürlichen Ambiente. Ein dramatischer

Scherenschnitt ist das Resultat. Toskana abstrakt.

A

Der Wonne entgegen:

Vom Klischee bleibt der Cayman völlig unbeeindruckt


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Grüner wird’s nicht:

Schon rein farblich sympathisieren Sportwagen und Landschaft

Schnell zeichnet sich ab, dass Autobauer offenbar prima mit Landschaftsarchitekten

mithalten können. Jeder interpretiert den

Purismus auf seine Weise – so, dass am Ende Eleganz steht. Glänzend

zieht der Cayman wie ein Schweif durch die Skala der Erdtöne,

wirkt bisweilen wie eine außer-irdische Erscheinung in den

Feldern rissiger Rinde. Aber stets wirkt es so, als ob zwischen

Landschaft und Auto ein unausgesprochener Respekt herrscht.

Tupferartig gibt die Sonne der Karosserie immer wieder einen

Stich – ein Porsche mit Sternchen.

Alle Eigenschaften, die das Reptil im Auto ausmachen, können

sich auf dem Weg ins Chianti-Gebiet mühelos entfalten. Und nicht

bloß ein Biss-chen. Die beschwingten Kurven, die scharfen Knicke

nach steilen Abfahrten, die zur Beschleunigung einladenden Hügel

nimmt er in seinen Rhythmus auf. Das dem Cayman durch das

vom Mittelmotorkonzept gegebene kraftvolle Durchzugsvermögen

und die ausgesprochene Drehfreudigkeit bewähren sich im

permanenten Wechselspiel. Die Mitte zum Zweck. Das neue Fahrwerk

mit sportlich ausgelegten Stabilisatoren und eine kürzer

ausgelegte Übersetzung des ersten und zweiten Ganges tun ein A


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Belichtungs-Messer:

Ganz natürlich beginnt der Cayman zu strahlen

Übriges. Attenzione! Mit Lieblichkeit braucht man Motorenfachmann

Jürgen Kapfer, Cayman-Projektleiter Jan Roth und dem

Karosserie-Experten Ralf Göbel daher nicht unbedingt kommen.

Die Porsche-Techniker, die die Vorstellung des Cayman im Hotel

Borgo San Felice begleiten, wollen ihr Auto doch nicht umsonst

scharf gemacht haben. Keine Sorge. Der Cayman lässt sich nicht

nur fordern, er fordert auch heraus. In der italienischen Leib- und

Leber-Gegend gilt der Anspruch auch für die Benutzung der Heckklappe:

Wieviel Flaschen Chianti Classico entsprechen 410 Litern

Kofferraumvolumen?

Kraft und Ausdauer sind zwei unabdingbare Voraussetzungen,

wenn es um Leidenschaft geht. Die Eigenständigkeit des Cayman

kann das nur unterstützen. Wenn die natürliche Ungezwungenheit

auf technische Perfektion trifft, hat das eins zur Folge: Die Unruhe

wird zum Antrieb. So sucht sich der Cayman seine Fluchtpunkte.

Im Nu wird er zum Chamäleon. Der Landstrich ist jetzt voller Sanftheit,

das Sport-Coupé startet ins Kontrastprogramm durch.Wie

und warum es so gut in die Landschaft voller Lebenskraft passt,

ergibt sich im Gegenlicht, es modelliert den Porsche-Athleten A


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Christophorus 317

Schräg von der Seite:

Auch der sanfte Umgang mit dem Cayman hat seine Reize

wie eine Skulptur. Ganz ungefiltert und trotzdem markant. Schräg

von der Seite angucken kann auf diese Art zu einer unheimlich

positiven Angelegenheit werden. Der Zufall als Regisseur eröffnet

ungekannte Ein- und Ausblicke.

Vor der Geometrie frisch gepflügter Felder werden die Konturen

der Fahrzeugdesigner plastisch, der Cayman ist sich einig mit der

Heimat der Etrusker. Die starke Dachwölbung, eine flach abfallende

Frontpartie, das sich streckende und in die kräftigen

Schultern der Kotflügel übergehende Heck, all das findet sein Abbild

in der Natur der Terre di Siena, die von Kennern poetisch so beschrieben

wird: „Ein Kunstwerk aus Himmel und Hügeln, weiten

Räumen und Geometrien. Eine Welt, die nur auf den ersten Blick

statisch erscheint, in Wirklichkeit ist alles in ständiger Bewegung.“

Die Essenz der Toskana, die Essenz des Cayman. Prägnante Perspektiven.

Wo gerade noch zartgrüne Olivenhaine das Ambiente bestimmten,

dominieren jetzt alle Sandtöne der Pantone-Palette. Gebrannte

Erde. Aus Wärme und Kühle ergeben sich goldene Momente, nicht

nur für den Fotografen. Farben haben auch Temperamente. Scharf

umrissen gleitet der Cayman aus einer Unterführung in den nächsten

Gegensatz. Der Fahrer verliert ein paar Nanosekunden mehr

beim Umschalten als das Sechs-Gang-Getriebe: Was ist hier

eigentlich stärker, das visuelle oder das tatsächliche Erlebnis? Auf

diesem Flecken Erde lebt der Cayman vom permanenten Wechsel

zwischen Stimmung und Bestimmung.

Es gilt, perspektivisch zu lenken. Große Weiten, intimer Zauber.

Wo das Land mal nicht reicht, nimmt man den Himmel dazu. Die

Panorama-Heckscheibe lädt zu dieser Vision ein, die es abzuspeichern

gilt. Im Gedächtnis transportiert sich der Cayman weiter. B

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