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CHRISTOPHORUS | 359

918 SPYDER

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PORSCHE FOTOLINK

Anleitung Seite 12

Feuer -Land

In der kargen Szenerie des US-Bundesstaates Nevada müssen Steuersysteme,

Klimaanlage und Kühlung des zukünftigen 918 Spyder zeigen, dass der

zweisitzige Mittelmotor-Sportwagen mit Plug-in-Hybridantrieb auch in der

Disziplin Alltagstauglichkeit ein reinrassiger Porsche ist.

Text Lawrence Dietz Fotografie Christoph Bauer

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E

in dezentes Surren. Mehr ist zunächst nicht

zu hören. Lediglich das Ausschlagen der

Instrumentenzeiger verrät, dass der Prototyp

des 918 Spyder bereits zum Leben

erwacht ist. Eine spannungsgeladene Ruhe,

schließlich soll der zukünftige Supersportwagen

eine Systemleistung von annähernd 585 kW (795 PS)

auf die Straße bringen. 80 Kilometer nördlich von Las

Vegas rollen wir im E-Power-Modus rein elektrisch

vom Parkplatz des Valley of Fire State Parks, vorbei an

bizarren roten Gesteinsformationen. Die Felsen scheinen

in der Mittagshitze zu glühen, doch für den Sandstein

fehlt uns der Blick. Augen geradeaus, cool bleiben:

Wir brennen auf die lange Gerade, die sich in diesem

Moment vor den ausgeprägten Kotflügeln des Spyder

auftut. Der Porsche-Techniker auf dem Fahrersitz

wechselt in den Sport-Hybrid-Modus. Er gibt Vollgas.

Der 918 muss sich unter Straßenbedingungen beweisen,

die unterschiedlichsten und zum Großteil extremen

klimatischen Bedingungen meistern. Bis dato hat die

Testmannschaft von 918-Projektleiter Dr. Frank-Steffen

Walliser einen dreiwöchigen Testmarathon durch Arizona

und Kalifornien hinter sich gebracht, die elf Sonnenstunden

täglich optimal ausgenutzt. Die Feuerprobe

fand dabei im Death Valley statt, wo Elektroantrieb und

Verbrennungsmotor zeigen mussten, dass ihr ausgeklügeltes

Zusammenspiel auch bei sengender Hitze funktioniert.

Konkret bedeutet das: Dauerläufe bei Lufttemperaturen

jenseits der 42 Grad, das sind in Fahrenheit

918-Prototypen im

roten Bereich – aber nur rein

landschaftlich gesehen

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schon dreistellige Regionen. Entsprechend heizt sich

auch der Asphalt auf. An die Grenzen gehen, das ist der

tiefere Sinn dieser Erprobungsfahrten. Ganz nebenbei

geht es in den USA auch darum, zu testen wie sich das

918-Triebwerk mit dem in der Zusammensetzung

schwankenden amerikanischen Sprit verträgt.

Benzinmotor, Batterie, Elektromotoren und Getriebe:

Dr. Frank-Steffen Walliser kann das Zusammenspiel

der Hybrid-Komponenten im 918 Spyder in Rekordtempo

auf einem Notizblock skizzieren. Den Anzug hat

der Projektleiter im Schrank gelassen, das T-Shirt ist die

praktischste Arbeitskleidung für einen Testtag. Auch

die Drehknopf-Steuerung am Lenkrad, mit der man

zwischen den Fahrmodi E (E-Power), H (Hybrid),

S (Sport-Hybrid) und R (Race-Hybrid) wählen kann,

ist schnell aufgescribbelt. Das Zusammenspiel macht

uns Beifahrer – ans Steuer der Erprobungsfahrzeuge

dürfen nur die Profis – neugierig. Die Theorie auf dem

Parkplatz ist interessant, aber die Praxis ruft.

Zurück im Cockpit. Beschleunigungsphase. Nicht

mehr leise, alles andere als dezent. Der Dreierpack

aus Verbrennungsmaschine und zwei Elektromotoren

schiebt den Supersportler samt Insassen nach vorn.

V8-Fanfaren untermalen das Ganze im Ton der wilden

Entschlossenheit. Der Porsche scheint sich an die Straße

zu schmiegen, auch über Bodenwellen hinweg, und

durch enge Kurven besteht eine geradezu mystische

Einheit von Auto und Straße. Den Fahrwerksystemen

Tag und Nacht im

Prüfbetrieb: Da tritt die

Schönheit der Natur in

den Hintergrund

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Kilometer und

Daten sammeln – der

Alltag der Testmannschaft

um 918-Projektleiter

Dr. Frank-Steffen

Walliser (li.)

gilt nicht umsonst ein besonderes Augenmerk der Techniker.

Walliser reißt auf freier Strecke das Lenkrad ein

paar Mal beinahe brutal hin und her, um zu zeigen, dass

der Porsche der nahen Zukunft nicht so einfach aus der

Balance zu bringen ist. Uns Beifahrer beeindruckt

immer wieder die Verzögerung, das ungeheure Bremsvermögen

auch so eine Kernkompetenz von Porsche.

Natürlich können wir den 918 Spyder auf unserer Ausfahrt

durch den Nationalpark nicht annähernd an seine

Grenzen bringen, aber oft liegt der eigentliche Reiz

auch in der Andeutung.

Der Geländewagen eines Park-Rangers kommt in Sicht.

Den Fuß vom Gas genommen, schaltet das Hybridmodul

das Benzinaggregat ab, unser Prototyp segelt,

jetzt wieder rein elektrisch, nahezu lautlos an dem Ordnungshüter

vorbei. Knapp 150 km/h soll der Spyder-

Prototyp im Elektrobetrieb schaffen, die Reichweite

mehr als 25 Kilometer betragen.

Betanken kann man den Spyder künftig auch an der

Steckdose. Die Plug-in-Funktion wird es ermöglichen,

die Lithium-Ionen-Hochvoltbatterie innerhalb weniger

Stunden zu laden. Während der Fahrt schaffen das Benzinmotor

und Bremsen zusammen in gerade mal fünf

Minuten, wie ein Porsche-Ingenieur erklärt. So steht

der E-Motor immer wieder für Kurzeinsätze bereit. Ein

kraftvolles Konzept, das sozusagen die Symbiose aus

Effizienz und Emotion darstellt, das die Fahrleistungen

eines Rennwagens mit dem Verbrauch eines sparsamen

Kleinwagens verbindet.

Ein ungewöhnlicher Parkbesucher wie der 918 Spyder

weckt natürlich Aufmerksamkeit bei den Touristen, die

wegen der beeindruckenden Landschaft in Nevadas

ältesten Nationalpark gereist sind. Deren staunende

Gesichter legen nahe, dass das Weissacher Design-

Team ganze Arbeit bei der Gestaltung des Spyder geleistet

haben muss. Im Kontrast zu den von der Natur über

Jahrmillionen geformten Gesteinsformationen wirkt

die von Menschenhand geschaffene technische Skulptur

umso eindringlicher. Die versammelte Schar der Neugierigen

beobachtet gebannt das Schauspiel, wie sich der

918 im Nu manuell in einen echten Spyder verwandelt

und die beiden Dachhälften vorn im Kofferraum verstaut

werden. Aber bei der Hitze des Spätsommers ist das

Vergnügen, offen zu fahren, eher begrenzt.

Wieder am Ausgangspunkt der heutigen Testrunde

durch das Valley angelangt, schälen wir uns aus dem

Monocoque. Porsche-Mitarbeiter stöpseln sofort ihre

Laptops zum Auswerten der während der Fahrt gesammelten

Daten an. Würde dabei auch unser Adrenalinspiegel

gemessen, er läge wohl ziemlich sicher im

roten Bereich. Was ein eindeutiges Kompliment für das

Leistungsvermögen des 918-Prototyps ist.

Fahrwerk, Verzögerung, Beschleunigung – es sind viele einzelne Stärken,

die während der Testfahrten zu einem positiven Gesamteindruck führen. Und erst das

Zusammenspiel von Verbrennungsmaschine und zwei Elektromotoren!

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