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CHRISTOPHORUS | 354 CHRISTOPHORUS | 354

DIE NEUE

OFFENHEIT

Text Peter Weidenhammer

Falttechnik wird zu einem

anmutigen Schauspiel: Das innovative

Flächenspriegelverdeck für das neue

911 Cabriolet ermöglicht eine durchgängige,

coupéähnliche Dachlinie.

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13 Sekunden dauert das Schauspiel und es funktioniert

auch während der Fahrt bis Tempo 50. Das Faszinierende dabei:

Nichts bläht sich auf, kein Flattern stört – das neue

911-Verdeck hat es buchstäblich in sich.

911 CARRERA CABRIOLET (TYP 991)

Motor: Sechszylinder-Boxer-Motor

Hubraum: 3436 cm 3

Leistung: 257 kW (350 PS)

Max. Drehmoment: 390 Nm bei 5600/min

0 – 100 km/h: 5,0 (4,8*) s

Höchstgeschwindigkeit: 286 (284*) km/h

CO2-Emission: 217 (198*) g/km

Verbrauch

innerorts: 13,1 (11,4*) l/100 km

außerorts: 7,0 (6,7*) l/100 km

kombiniert: 9,2 (8,4*) l/100 km

* mit Porsche-Doppelkupplungsgetriebe

A

„Anmut ist eine bewegliche Schönheit.“ Friedrich

Schiller und ein Cabriodach? Warum

nicht. Auch Technik kann anmutig sein.

Und schön. Und faszinierend. Wie das Verdeck

des neuen Elfers. Ästhetik in Reinkultur.

Der Satz des Dichters bringt es auf den

Punkt.

Das 911 Carrera Coupé, die Ikone des Sportwagendesigns,

ist der Maßstab. Mit nahezu

identischer Linienführung spannt sich das

geschlossene Stoffdach in elegantem Bogen

vom Frontscheibenrahmen bis zum Verdeckkastendeckel.

Weder zeichnen sich

Spriegel unter dem Stoff ab noch gibt es Partien,

die das fließende Design unterbrechen.

Selbst die heizbare Glasheckscheibe ist mit

einem neuen Verfahren praktisch flächenbündig

und nur mit einer minimalen Fuge in

die Bespannung integriert. „Das war unser

Ziel“, sagt Dr. Heinz Soja, einer der Väter

des neuen Verdecks, „die Silhouette des

Coupés mit dem klassischen Verdeck des

Cabriolets.“

Mit dem Druck auf die Öffnungstaste beginnt

die Schönheit sich zu bewegen und

wird anmutig. Das Dachvorderteil hebt sich

majestätisch waagerecht über die Köpfe der

Insassen, schwebt in einer Kurve Richtung

Heck, legt sich über den Rest des Verdecks,

um sanft im Verdeckkasten zu landen und

zur Hälfte unter dem Deckel zu verschwinden.

Auf dem Rückweg kommt zur Anmut

erneut die maximale Präzision. Auf 1,70

Meter Länge reckt sich die entfaltende Stoffmütze

Richtung Frontscheibe und trifft

doch in einem zielgenauen Andockmanöver

mit den Zentrierfingern die wenige Zentimeter

schmalen Trichter im Scheibenrahmen.

13 Sekunden dauert das Schauspiel

und es funktioniert auch während der Fahrt

bis Tempo 50. Das Faszinierende dabei:

Nichts bläht sich auf, kein Flattern stört – das

neue 911-Verdeck hat es buchstäblich in sich.

Schönheit und Anmut sind das Zeugnis

eines völlig neuen Dachprinzips. Porsche hat

das Flächenspriegelverdeck erfunden.

Spriegel nennt man die Querstangen, die

in jeder Verdeckkonstruktion für Stabilität

sorgen und auf denen sich die Außenhaut

abstützt. „Ein Flächenspriegel“, erklärt Detlev

Ranft, Teamleiter Dachsysteme des 991

Cabriolet, „ist im Grunde nichts anderes

als eine verbreiterte Spriegelstange.“ Die

innovative Technik ermöglicht erstmals die

zuvor nicht erreichbare coupéhafte Dachwölbung

des geschlossenen Stoffverdecks, die zudem

aerodynamische Vorteile hat. Das komplette

Stoffdach – mit Ausnahme der Seitenteile

– spannt sich über eine feste Dachfläche

aus vier einzelnen Segmenten, die unmittelbar

aneinander anschließen. Die vier Elemente

sind der vordere Dachrahmen sowie

zwei Flächenspriegel und das Heckfenster.

Zwischen den Flächenspriegeln und dem

Verdeckbezug besteht nur soweit eine Verbindung,

dass sich die vier Segmente in der

bewährten Z-Faltung beim Öffnen des Verdecks

formgleich übereinanderlegen können.

Durch dieses einzigartige Konzept beansprucht

das geöffnete Dachpaket aus Verdeckstoff,

Dachrahmen, Flächenspriegeln

und Heckscheibe mit rund 23 Zentimetern

Höhe und etwa 55 Zentimetern Länge nur

minimalen Bauraum. Während der vordere

Teil des Verdecks in geöffnetem Zustand

sichtbar bleibt, deckt – wie bisher – der

sichelförmige Verdeckkastendeckel den hinteren

Teil ab. Anders als beim Vorgänger

reicht dieser jetzt bis zum Spoiler. Dadurch

entfällt eine Karosseriefuge vom Heckdeckel

und das Heck wirkt noch eleganter.

Mit Ausnahme der Glasscheibe bestehen

alle formgebenden Segmente aus dem leichtesten

Metall, das im Serienautomobilbau

eingesetzt wird – Magnesium. Auch ein

Großteil der Gestelllenker ist aus Magnesium

gefertigt. Nur die seitlichen Lenker, die

Antriebshebel und der hintere Spannspriegel

bestehen aus Aluminium. „Eine Entwicklungsprämisse

für das neue Verdeck unseres

Sportwagens war die Umsetzung maximaler

Gewichtseinsparung bei einem Mehr an

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DAS WINDSCHOTT IST

NUN FEST IN DEN FOND-

BEREICH INTEGRIERT UND

LÄSST SICH PER KNOPF-

DRUCK AUTOMATISCH

AUFSTELLEN.

Kundennutzen“, sagt Dr. Heinz Soja. Ein

wuchtiges Dach erhöht den Schwerpunkt

des gesamten Autos – Gift für die Fahreigenschaften

eines Sportwagens. Das Gewicht

des Verdecks liegt trotz Längenzuwachs und

deutlich gesteigertem Komfort auf dem Niveau

des Vorgängermodells. „Auch deshalb

kam für uns nur ein Stoffverdeck und kein

festes Klappdach in Frage.“ Und weil Porsche-Kunden

einen offenen Sportwagen

haben wollen, der auch geschlossen nach

Cabriolet aussieht.

M

Mit der stabilen Mütze über dem Kopf genießen

die Insassen einen Klima- und Geräuschkomfort,

der dem des Coupés näher

kommt als je zuvor. So ist der Außenstoff

vollflächig mit einer Dämmmatte unterfüttert.

Die Dachsegmente sind innen mit

formstabilen Himmelverkleidungen abge-

deckt, die ein behagliches Innenraumgefühl

vermitteln. Auch die Seitenteile sind vollständig

mit Stoff bedeckt, sodass bei geschlossenem

Verdeck keine technischen

Bauteile sichtbar sind. Auch die Kopffreiheit

entspricht in etwa der im Coupé.

Das wahre Wunderwerk des Flächenspriegelverdecks

sieht man nur während der Verdeckbetätigung

– die Kinematik. Dabei

wirkt sie nicht einmal sehr kompliziert,

kommt mit weniger Gestängeteilen aus als

manches konventionelle Dach. „Einfach,

robust und leicht – das ist das Schwierige daran,“

sagt Detlev Ranft. Um alle Bauteile so

auszulegen, dass sie im Verbund die angestrebte

Bewegungsbahn beschreiben und

sich auch von Längs- und Querkräften nicht

vom Kurs abbringen lassen, das forderte den

Konstrukteuren ihr gesamtes innovatives

Know-how ab. „Verdecke sind eine der Porsche-Kernkompetenzen.

Verdeckkonzepte

werden bei uns in der Porsche-Vorentwicklung

erarbeitet, bevor sie gemeinsam mit

einem Systementwicklungspartner zur Serienreife

gebracht werden“, so Dr. Heinz Soja.

Alle Elemente des Skeletts sind kinematisch

fest miteinander gekoppelt – der Vergleich mit

einem Uhrwerk liegt nahe, denn: So wie ein

hochpräziser mechanischer Zeitmesser lediglich

ein einziges Federwerk hat, benötigt auch

das neue Flächenspriegelverdeck auf jeder

Seite nur einen Antrieb für den kompletten

Bewegungsablauf. Auch das ist weniger, als

manch andere Konstruktion benötigt. Intelligenter

Porsche-Leichtbau eben. 140 bar

Nenndruck, erzeugt von einer elektrischen

Pumpe, genügen den beiden Hydraulikzylindern

für ihre Arbeit. Beim Verschluss des

Verdecks am Frontscheibenrahmen setzt Porsche

auf eine Weiterentwicklung des bewährten

elektrischen Zentralverschlusses in

der Mitte, der von seitlichen Zentrierzapfen

unterstützt wird.

Die Kinematik ließ sich berechnen – das

Stoffverdeck nur ungenügend. „Wie der Stoff

sich genau faltet, kann man nur grob in der

Theorie vorhersagen – den Rest muss man an

realen Aufbauten erproben“, sagt Detlev

Ranft. Auf die Handarbeit erfahrener Sattler

konnten die Ingenieure bei der Entwicklung

des zukunftsweisenden Dachs nicht verzichten.

An zahlreichen Musterverdecken entstand

so in unzähligen Arbeitsstunden ein

Netzwerk aus Bändern und Steuerschnüren,

das den Verdeckstoff und die seitlichen Teile

des Innenhimmels in jeder Phase des Bewegungsablaufs

gezielt dirigiert.

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911 (TYP 991), CO2-Emission: 229 g/km (Carrera S Cabriolet) bis 212 g/km (Carrera), Verbrauch: 9,7 l/100 km (Carrera S Cabriolet) bis 9,0 l/100 km (Carrera)

911 (TYP 997), CO2-Emission: 326 g/km (GT3 RS 4.0) bis 242 g/km (Carrera Black Edition), Verbrauch: 13,8 l/100 km (GT3 RS 4.0) bis 10,3 l/100 km (Carrera Black Edition)

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