CHRISTOPHORUS - Meilenwerk

porsche.at

CHRISTOPHORUS - Meilenwerk

CHRISTOPHORUS | 357

ENTENBÜRZEL

ENTENBÜRZEL

CHRISTOPHORUS | 357

Die Bürzel-Trilogie:

911 Carrera RS 2.7,

911 Sport Classic und

911 Carrera S in

SportDesign Paket-Optik

Duck Tales

Eleganz und Funktionalität des Entenbürzels kommen

auf Motorhauben deutlich besser zur Geltung als in der Natur.

Nach den limitierten Versionen 911 Carrera RS 2.7 und

911 Sport Classic bietet Porsche diesen markanten Heckspoiler

im neuen Elfer erstmals offiziell als SportDesign Paket an.

Text Götz Leyrer

Fotografie Markus Bolsinger

PORSCHE FOTOLINK

Anleitung Seite 12

86

87


CHRISTOPHORUS | 357

ENTENBÜRZEL

ENTENBÜRZEL

CHRISTOPHORUS | 357

40-Jahr-Jubiläum:

Der 911 Carrera RS 2.7

debütierte als bis

dahin sportlichster

Elfer auf dem Pariser

Autosalon 1972

88

89


CHRISTOPHORUS | 357 ENTENBÜRZEL

ENTENBÜRZEL

CHRISTOPHORUS | 357

D

er Duden weiß nichts vom Porsche-

Bürzel. Die Begriff-Suche beantwortet

der Regelwächter der deutschen Sprache

schlicht mit: Bürzel, der; (Schwanzwurzel,

bes. von Vögeln). Keine Rede vom –

nach dem Hinterteil Donald Ducks – wohl bekanntesten

Bürzel, den Porsche für den 911 erfunden hat.

Die Bezeichnung Entenbürzel geht vermutlich auf den

Porsche-Vertrieb zurück, dem der Spoiler zunächst

missfällt und der den 911 Carrera RS 2.7 gar als unverkäuflich

bezeichnet. Zitat: „Das sieht doch aus wie ein

Entenbürzel.“ Der Name ist geboren. Auf dem Autosalon

Paris 1972 präsentiert, ist der RS als sportliche Krönung

der 911-Reihe der erste, der sich aerodynamischer

Hilfsmittel bedient und nach dem 356 wieder die traditionsreiche

Bezeichnung Carrera trägt. Damals lobt

die Fachpresse: „Das schnellste deutsche Serienauto,

210 PS stark und vor allem dank eines Heckbirzels so

auffällig, daß niemals ein Zweifel daran aufkommt, was

gerade vor einem fährt.“

Porsche bot den RS

in drei Varianten an:

Touring, Sport und

Rennversion

Der Bürzel, korrekt mit ü geschrieben, gilt seitdem als

Kennzeichen besonderer Elfer, weshalb es auch nicht zu

massenweiser Verbreitung kommt. Der aktuelle 911

präsentiert sich mit einem Heckspoiler, der sich bei

niedrigen Geschwindigkeiten in der Motorhaube versteckt

und ab 80 km/h automatisch ausfährt.

90

91


CHRISTOPHORUS | 357

ENTENBÜRZEL ENTENBÜRZEL

CHRISTOPHORUS | 357

Der 911 Carrera RS 2.7 ist 1972 als sportliche Krönung der Elfer-Reihe

der erste, der sich aerodynamischer Hilfsmittel bedient und nach dem 356

wieder die traditionsreiche Bezeichnung Carrera trägt.

Beim Carrera RS der siebziger Jahre ist der Bürzel

obligatorisch. Auszug aus einem Testbericht von damals:

„Man kann ihn nicht abbestellen, aber das will

auch niemand. Über seinen aerodynamischen Effekt

hinaus dient dieser Kunststoffspoiler jetzt schon als

Wahrzeichen des Carrera. Von der Sache her sorgt das

markante Detail am Ende des Autos für einen verringerten

Luftwiderstand.“

Das zweite Mitglied im Bürzel-Klub ist der 911 Sport

Classic, den Porsche auf der Frankfurter IAA 2009 zum

ersten Mal zeigt. Nur 250 Exemplare dieser Kleinserie

laufen vom Band. Sie zählt damit zu den exklusivsten

Varianten der 911-Historie. Alle 911 Sport Classic sind

grau lackiert, mit dunkel abgesetzten Dekorstreifen.

Dazu passend rollen sie auf einer Neuinterpretation der

berühmten Fuchsfelge. Das Doppelkuppeldach und das

um 44 Millimeter verbreiterte Heck sorgen für einen eigenständigen

Auftritt. Und schließlich glänzt das Sondermodell

auch noch mit spezieller Antriebstechnik.

Sein 3,8 Liter großer Boxer-Motor liefert dank überar-

Eine stillgelegte Maschinenfabrik

am Ufer

des Zürichsees offenbart

sich als ideale

Kulisse für klassische

Automobile jeden

Jahrgangs: Der Geist

der Entenbürzel wird

in Horgen in das erste

Meilenwerk der

Schweiz kanalisiert.

Dachterrasse und ein

geplantes Hotel bieten

beste Sicht auf das

natürliche Klassik-

Revier der Schweiz:

die Goldküste

beitetem Ansaugtrakt und modifizierter Zylinderköpfe

300 kW (408 PS) – 23 Pferdestärken mehr als beim 911

Carrera S, auf dem er basiert.

Beim neuen 911 kann der Käufer den Bürzel als Extra

aus dem Porsche-Exclusive-Angebot ordern. In der

Preisliste steht das SportDesign Paket, dessen auffälligstes

Merkmal wieder der Entenbürzel darstellt. Der

steht, wie sein Urgroßvater, unbeweglich im Wind und

gibt dem Porsche-Heck eine eigene Note. Wobei der

Begriff SportDesign Paket nur bedingt zutrifft. Denn

der Bürzel verleiht dem Elfer nicht nur ein spezifisches

Aussehen, er hat auch einen aerodynamischen Effekt. In

Verbindung mit der ebenfalls modifizierten Bugverkleidung,

die sich durch mächtige Lufteinlässe und eine

tiefer gezogene Spoilerlippe auszeichnet, reduzieren

sich die Auftriebswerte an beiden Achsen. Frontspoiler

und Bürzel bilden ein im Windkanal sorgfältig aufeinander

abgestimmtes Team, weshalb man die beiden

Komponenten auch nicht einzeln bestellen kann.

Des Bürzels aerodynamische Wirkung wissen schon die

Testfahrer in den siebziger Jahren zu schätzen. Die

92 93


CHRISTOPHORUS | 357

ENTENBÜRZEL ENTENBÜRZEL

CHRISTOPHORUS | 357

Die Bürzel-Elfer der Neuzeit haben den Kick, der den

Heckmotor-Porsche von allen anderen Sportwagen unterscheidet,

nicht verloren. Sie servieren ihn nur ziviler.

stärkere Belastung der Antriebsräder führe beim RS 2.7

dazu, dass die konzeptionsbedingte Neigung des

Carrera zum Übersteuern in sehr schnellen Kurven

praktisch nicht mehr in Erscheinung trete. Was allerdings

nichts daran ändert, dass der Bürzel-Ahn ein

Auto für Fahrer ist, die wissen, was sie tun. In bestimmten

Momenten übersteuert der Carrera und verlangt daher

einen sehr konzentrierten Fahrer. Das gilt heute, wo

wir von in 40 Jahren immer weiter perfektionierten

Porsche verwöhnt werden, noch immer. Womöglich in

verstärktem Maß, weil die völlige Absenz elektronischer

Fahrhilfen, früher eine Selbstverständlichkeit,

nun wieder eine ganz neue Erfahrung darstellt.

Der RS kann ein wilder Hund sein, der nicht spielen,

sondern zuschnappen will, und der nur einem Herrn gehorcht,

der ihm eindeutig zeigt, wer das Sagen hat.

Dafür sorgt schon der Charakter seines Motors. Der

gegenüber den zivileren Elfer-Modellen von 2,4 auf

2,7 Liter gesteigerte Hubraum und die daraus resultierenden

154 kW (210 PS) klingen aus heutiger Sicht

nicht umwerfend, aber der Fahreindruck liefert ein anderes

Bild. Schließlich müssen sie nur rund 1000 Kilogramm

in Bewegung setzen, was eine explosionsartige

Beschleunigung zur Folge hat. In nur 5,7 Sekunden von

null auf 100 km/h – damit unterbietet der Carrera RS

sogar die doppelt so teure italienische Sportwagen-

Ikone Ferrari 365 GTB 4 Daytona (6,1 Sekunden). Der

Schub, endend erst bei 240 km/h, ruft beim Fahrer das

Gefühl hervor, von einem Katapult abgefeuert zu werden.

Er muss sich in der ersten Beschleunigungsphase

ganz darauf konzentrieren, mit dem Schalten nachzukommen,

um nicht in den bei 7300 Touren einsetzenden

Abregler zu geraten.

Trotz seiner Leistungsfähigkeit ist der Carrera-Sechszylinder

weit davon entfernt, ein kapriziöser Sportmotor

zu sein. Wer es wünscht, kann gelassen mit niedriger

Drehzahl im fünften Gang bummeln und trotzdem

beim Tritt auf das zierliche Gaspedal jederzeit mit spontan

einsetzender Beschleunigung rechnen. Die Hubraumvergrößerung

gegenüber dem regulären Elfer-

Motor hat den Drehmomentverlauf deutlich verbessert,

die Kraftentfaltung erfolgt kontinuierlich und gleichmäßig

über den gesamten Drehzahlbereich. Ein Wolf,

der gern auch mal im Schafspelz auftritt.

Das Laufgeräusch besteht aus einem heiseren Sägen, es

vibriert wie die Stimme von Lee Marvin nach dem fünften

Whiskey. Der RS vermittelt filterlos das Gefühl,

Bestandteil einer hochgezüchteten Mechanik zu werden,

deren Funktion so präsent ist, dass der Carrera zu

einem bis in die letzten Nervenenden erfahrbaren Erlebnis

der Kraft wird. Es ist die Essenz des Porsche-

Fahrens, ein Dressurakt, dessen Bewältigung eine nicht

zu unterschätzende, aber gerade deshalb so befriedigende

Anstrengung bedeutet.

Die Bürzel-Elfer der Neuzeit haben diesen besonderen

Kick, der den Heckmotor-Porsche von allen anderen

Sportwagen dieser Welt unterscheidet, nicht verloren.

Sie servieren ihn nur auf weniger hemdsärmelige Art

und demonstrieren damit, welch erstaunliche Ergebnisse

die konsequente Weiterentwicklung dieses einzigartigen

Fahrzeugkonzepts gebracht hat. Schon der

Sport Classic kann unter allen Bedingungen deutlich

schneller sein als der Ur-Carrera. Aber seine Fahrdynamik

wirkt verbindlicher. Der wassergekühlte Sechszylinder

hat immer noch die typische Aussprache, aber

Das SportDesign

Paket ist seit Kurzem

als Zusatzausstattung

von Exclusive für alle

neuen 911 erhältlich

911 (TYP 991), CO2-Emission: 236 g/km bis 194 g/km; Verbrauch (kombiniert): 10,0 l/100 km bis 8,2 l/100 km

Z-HELIX, das edle, kreisrunde

Lichtobjekt mit spiralförmiger

Modellbahn.

Ein exklusives Technik-Schmuckstück

für Ihr Wohnzimmer oder Büro.

sie ist frei von jenen mechanisch-rauen Geräuschen, die

das ursprüngliche Triebwerk auszeichneten. Das Boxer-

Konzept sorgt für eine seidige Laufkultur, als müsse

sich die Maschine nicht im geringsten anstrengen, um

den Elfer im Handumdrehen in höchste Geschwindigkeitsbereiche

zu pusten. Die Fahreigenschaften haben

alle dem Carrera RS 2.7 noch innewohnenden Tücken

verloren, und das hat rein gar nichts damit zu tun, dass

mittlerweile elektronische Fahrhilfen obligatorisch geworden

sind. Es ist allein das Ergebnis sorgfältiger

Fahrwerksentwicklung, dass der Elfer zu einem so gutmütigen,

präzise zu fahrenden Auto geworden ist. Wer

den 911 in Form des Sport Classic fährt, fragt sich, was

man da hinsichtlich der Fahrdynamik noch besser machen

kann.

Aber man kann – Porsche hat es mit dem neuen Elfer

bewiesen. Der läuft 300 km/h mit einer Contenance,

die seinem Großvater schon bei 200 km/h verloren ging.

Er setzt in den Fahreigenschaften wieder einmal neue

Maßstäbe. Und obwohl er größer geworden ist, obwohl

er einen bisher nicht bekannten Komfort bietet, die alten

Tugenden sind ihm geblieben. Auch dafür steht als äußeres

Zeichen der Bürzel am Heck.

94

Aus heutiger Sicht erscheinen die 5,7 Sekunden nicht

mehr überwältigend, schließlich schafft der 911 Sport

Classic den Standardsprint in 4,6 Sekunden, und der

jüngste Entenbürzel-Porsche in Form des Carrera S mit

Doppelkupplungsgetriebe reduziert diese Zeit auf

4,3 Sekunden (mit gedrückter Sport-Plus-Taste 4,1 Sekunden).

Aber dabei geht es nicht nur um Zahlen.

Im RS 2.7 ist die Beschleunigung geprägt vom durchdringenden

Sound des luftgekühlten Boxer-Motors.

MANUFAKTUR FÜR

DESIGN-MODELLOBJEKTE

C-TECHNIK Software GmbH

Im Vogelsang 9

74861 Neudenau, Deutschland

Tel. + 49 - (0) 62 98 - 93 65 30

info@c-technik.de

c-modell.de

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine