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Christophorus 331

Christophorus 331

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Text

Elmar Brümmer

Fotografie

Jerry B. Soare

Es ist der blanke Purismus, mit dem sich das Porsche Design-Studio aufs

Wasser wagt. Die als Auftragsarbeit konzipierte Yachten-Familie für die

amerikanische Luxusmarke Fearless überzeugt durch die Kombination aus

Ästhetik und Leistung. Vom edlen wie intelligenten Materialmix bis hin

zum kühnen Schwung ist ein unverwechselbares Motorboot entstanden.

Davon wünscht man sich mehr auf der Aquabahn.

Design

Ocean’s

Nine Eleven


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Der Hinweis wird zunächst als rein sachdienlich empfunden. „Sie

brauchen nichts weiter zu tun, als zu gucken und zu hören“, sagt

Testpilot Jason Edmonds und deutet einladend auf den cremefarbenen

Ledersitz zu seiner Linken. Sollte er dabei zwinkern,

bleibt es hinter der verspiegelten Sonnenbrille verborgen. Es handelt

sich um eine versteckteWarnung, das wird schnell klar. Kaum

sind er und sein Boot in ihrem Element, erschließt sich auch, warum

das Porsche Design-Studio so viel Energie in die ergonomische

Gestaltung des Sitzes gesteckt hat, der sich– elektrisch bedienbar–

mit seinen hohen Wangen fest um den Körper des Beifahrers

schließt. Einen Gurt sucht man vergebens, das verstößt hier gegen

die Ehre. Zwischen dem Sitz und dem Gast entwickelt sich bald

eine enge Beziehung. Man könnte sie als krampfhaft bezeichnen.

Wer sich alsYachtbauer den Namen „Fearless“ gibt, wird an diesem

Versprechen gemessen.

Motorbootfahren ist ein besonderesVergnügen, im Porsche-Tempo

beschleunigen sich Gefühle und Herzschlag entsprechend. Die

Chronik des angekündigten Staunens beginnt bereits am Bootssteg

der Marina von Miami Beach, wo die Fearless 28 (die Zahlenkombination

steht für die Bootslänge in Fuß – gut achteinhalb

Gentleman, start your engine: Schlanke 2268 Kilogramm bringt

die Fearless 28 ins Wasser, 340 Liter fasst der Tank

Meter) für die Probefahrt festgemacht hat. Es gibt immer nur eine

Gelegenheit, einen guten ersten Eindruck zu machen, und diese

Yacht versteht die Chance zu nutzen.Wäre es nicht etwas zu despektierlich,

könnte man von einem zu Wasser gelassenen Carrera GT

sprechen. Der charakteristischeV-Rumpf spiegelt sich glänzend im

smaragdgrünenWasser, wie zum Gruß hebt sich keck der spitze Bug,

der kühne Schwung des Hecks vermittelt Souveränität. Ein Teakholzstreifen

teilt die Motorabdeckung aus perforiertem Aluminium.

MiamiVice, nur rasanter–und eleganter.

DieWegstrecke von derWerft in Sarasota an die Atlantikküste hat

die Fearless 28 hauptsächlich auf einem Bootsanhänger verbracht.

Mehrfach mussteTestpilot Jason auf dem Highway anhalten, weil

andere Autofahrer ihm Lichtzeichen gaben und hupten. Am Straßenrand

klärte sich die Angelegenheit stets auf ähnlicheWeise.„Nein,

nein, Sie haben kein Problem am Auto –wir wollten einfach nur mal

das Boot näher betrachten.“Von der Autobahn zur Aquabahn.

Die wahre Bestimmung der Fearless 28 entfaltet sich just hinter

dem Kanal, der den Ozean und die Biscayne Bay miteinander

verbindet. Hinter der Brücke zum Festland öffnet sich die Bucht,

synchron dazu zieht Jason den Gashebel nach hinten. Die Analog-

Instrumente, deren Anmutung sich puristisch am Sportwagen-

Cockpit orientiert, registrieren das mit begeistertem Ausschlag –

bis hin zur Spitze von 150 km ⁄ h. Die gefühlte Geschwindigkeit auf

dem Wasser entspricht etwa Tempo 300 mit dem Auto. Ohne Gurt,

wie erwähnt.Was dann dramatisch erscheint, wenn sich das Boot

mit aufragendem Bug in eine Kurve legt und sich die Innenseite fast

auf Wasserlinie befindet. Die Entschiedenheit des Steuermanns A

Mit der Leidenschaft für Stil und

Leistung sind das Porsche Design-Studio

und Fearless Yachts in ihrem Element.

Purismus in der Gestaltung und Anspruch

in der Technik schlagen eine Brücke vom

Automobil- zum Bootsbau.


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und die Reaktion des Bootes sorgen für Furchtlosigkeit. Kurven

sind ohnehin das Beste im Leben, nicht nur Leistungskurven. Das

erhabene Gefühl, dass sich das Wasser vor einem teilt, steigert sich

zu einem 360-Grad-Erlebnis, wenn sich der Testpilot entschließt,

einen exakten Kreis zu drehen. Zum Nabel der Welt wird vorübergehend

Fisher Island, die Miami vorgelagerte Insel der Prominenten.

Sollte Boris Becker gerade zu Hause sein, könnte er erleben,

wie man mit einem PorscheWellen macht.

Im Prinzip gilt beim Bootsbau die gleiche Aufgabenstellung wie

bei der Rennwagenfertigung: Mehr Leistung, weniger Gewicht.

Die Fearless 28, die mit Acht-oder Zehnzylinder-Motoren zu haben

ist, welche nicht von Porsche, sondern von Mercury und Ilmor

stammen, schafft zusätzlich den Spagat zwischen der gewollten

Lebhaftigkeit und der gewünschten Sanftheit. Die Bootsbauer aus

Florida verlassen sich in ihrer Zusammenarbeit mit dem Porsche

Design-Studio daher auf Wahlsprüche, nicht auf Werbeslogans.

„Die Kunst der Ingenieure besteht darin, unsere Visionen zu verwirklichen“,

sagt Jeffrey Binder, der CEO von Fearless International,

Inc. Seine Vision ist nicht, nur ein weiteres schnittiges Boot auf den

Markt zu bringen: „Wir möchten vielmehr eine Luxusmarke für

dasWasser schaffen. Und wir sind uns der Tradition und der Ideale

des Porsche Design-Studios bewusst. Dies ist für unsVerpflichtung.“

„Showtime“, ruft Jason gegen denWind, und lenkt quer zur Route

der Kreuzfahrtschiffe. Wir nehmen Kurs auf Downtown Miami.

Der Hochhausturm, in dem Porsche Latin America residiert, dient

als Leuchtturm. Links und rechts fliegen Hafenkais, Gangways

und Ladekräne vorbei. Der Testpilot lässt das Boot über die Wellenkämme

springen, eine reine Machtdemonstration. Als ob er

zeigen will, dass es sich nicht um ein Showboat, sondern ein Powerboot

handelt. Es gilt, den Ehrentitel „Der Hai“ aus der Fachpresse

zu rechtfertigen. Von der Gischt ist trotzdem nichts zu spüren im

mit feinemTeakholzboden ausgekleideten Cockpit. Und selbst die

Unterhaltung mit den Gästen in der zweiten (Sitz)Reihe ist problemlos

möglich.„Es ist ein sehr trockenes und sehr ruhiges Boot“,

sagt Chris Elmes, und darauf ist er stolz. Auf der Visitenkarte des

Fachmanns aus dem Süden Englands, der jahrelang in Südfrankreich

gelebt hat und nun in South Florida Teil einer Revolution im

Bootsbau ist, steht „Naval Architect“. Das trifft das Tun des Fach-

Ingenieurs sehr genau.

Im Zusammenspiel mit dem Porsche Design-Studio in Zell am See

ist es den Yacht-Experten gelungen, das attraktive Erscheinungsbild

mit einer ungeheuren Stabilität zu verbinden. Die ausgeklügelte

Materialmischung aus Glasfaser und Karbon sorgt für eine

steifere Form des Rumpfes. Eine nahtloseTechnik, die nur wenige

Fachleute beherrschen. Eine Reling gibt es nicht, und schon deshalb

hat die Fearless eine unverwechselbare Optik. Sehr erwünschter

Nebeneffekt: Ein schwänzelndes Heck wird durch die charakteristische

Formgebung ausgeschlossen, auf demWasser ist dieses

„fishtailing“ so unerwünscht wie bei Sportwagen. Immer wieder

verbinden sich bei dieser Auftragsarbeit des Porsche Design-Studios

die Disziplinen Boots- und Automobilbau. Aus dem Sprachgebrauch

von Jeffrey Binder und seinem Partner Chuck DeAngelo

ist dasWort „maritimisieren“ nicht mehr wegzudenken. Sie sind A


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stolz auf die selbst erfundene Vokabel, kommt sie doch dem Ideenund

Technologietransfer sehr nahe. Auf dem Wasser verliert die

Fearless-Yacht gegenüber der Animation aus dem Studio nichts an

Eleganz, sie gewinnt eher. Raffinesse, das gehört zu den Prinzipien

von Roland Heiler, dem Geschäftsführer des Porsche Design-Studios,

darf nicht auf Außenwirkung beschränkt bleiben. Deshalb

hat der Entstehungsprozess der Yacht mit rein technischen Aspekten

begonnen. Binder: „Der Unterschied zu anderen liegt deshalb

nicht allein im Stil, sondern in der Leistungsfähigkeit des Bootes.

Porsche Design und uns verbindet die Leidenschaft, ein exzellentes

Produkt anzubieten.“

Die Flut von Eindrücken von der Probefahrt unterstreicht den

ebenso einfachen wie anspruchsvollen Grundsatz, der die Entstehungsgeschichte

des Fearless-Projektes kennzeichnet: Nur in sich

perfekte Teile werden für denYachtbau verwendet. Die große Linie

Hebel-Wirkung: Mit rechts entlockt der Kapitän der

Zehnzylinder-Motorenvariante 550 Pferdestärken

schließt die Liebe zum Detail mit ein. So findet sich auf beiden Seiten

des Bootes ein Tankeinlass, damit man an jedem Hafensteg festmachen

kann. Solcher Komfort ist bei einem Preis von 300 000

US-Dollar an aufwärts inklusive.

„Die Fearless 28 ist unser Neunelfer“, sagt Manager Binder, und

diese Botschaft taugt – in Anlehnung an den Filmklassiker – zum

plakativen Beinamen: Ocean’s 911.

B

Fearless 68:

Wieder eine Klasse für sich

Auch die Fearless Yacht 68 trägt die Handschrift des Porsche Design-

Studios. Die Luxusyacht weist neben einer futuristischen Linienführung

ein hohes Maß an Purismus,Wendigkeit und Stil auf – bei einer gleichzeitig

gewichtsparenden Konstruktionsweise. Die 1500 PS starken

Motoren sorgen für ein besonders sanftes Fahrgefühl.

Die komfortable Innenausstattung wird in Zusammenarbeit mit den

Designern nach den Vorstellungen des Kunden maßgefertigt. Das Unterdeck

der über 20,5 Meter langen und knapp fünf Meter breiten Yacht

lässt sich in zwei oder drei Kajüten einteilen. Für den Innenausbau werden

elastische Träger verwendet, die geräusch- und schwingungsdämpfend

wirken. Mit einem großen Hardtop-Sonnendach kann eine angenehme

Freiluftatmosphäre hergestellt werden.

www.fearlessyachts.com

www.porsche-design.com

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