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Christophorus 348

Christophorus 348 Seite 21

IM

STROM

DER

ZEIT

PORSCHE 918 RSR

Das Coupé mit Hybrid-Antrieb soll als sogenanntes

Rennlabor mehr Erkenntnisse einfahren als Siege.

Text Eckhard Eybl


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EIN HYBRID. IM

ÜBERTRAGENEN WIE

IM TECHNISCHEN SINN

Im 918 RSR werden die Komponenten

Mittelmotor, Rennsport und elektrischer

Schwungradspeicher zu einem Konzept

verdichtet, das mindestens so in Form

ist wie die Venus von Botticelli.


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Christophorus 348

Racing Lab klingt nach Spacelab, da schwingen die

Tiefe des Raums und die Unendlichkeit der Forschung

quasi automatisch mit. Und exakt diesen Eindruck,

das Fehlen enger irdischer Begrenzungen zugunsten

sehr, sehr weiter Auslaufzonen, vermittelt der neue

Porsche 918 RSR.

Dieser RSR ist kein Rennwagen im üblichen Sinn eines

restriktiven Reglements, und er ist auch kein

Superstraßensportwagen, wie er von Zulassungsbehörden

gerne definiert wird.

Der Porsche RSR ist ein Hybrid, im übertragenen wie

im technischen Sinn, ein Zwitter, der Grenzen verschiebt,

weil er Bremsen in Energie verwandelt, einen

Schwungradspeicher mit einem V8-Rennmotor kombiniert,

die turbogleiche Kraft eines Nachbrenners

aus der Vernichtung der eigenen Vorwärtsbewegung

generiert.

Porsche ist der Vater aller Automobile mit Hybrid-

Antrieb, seit Ferdinand Porsche Ende 1900 die Welt

mit seinem Lohner-Porsche „Semper Vivus“ überraschte

und beeindruckte. Gut 110 Jahre danach ist das

Hybrid-Konzept dank Porsche lebendiger denn je. Cayenne

S Hybrid mit Parallel-Vollhybrid, der GT-Rennwagen

911 GT3 R Hybrid mit Schwungradspeicher

sowie der 918 Spyder mit Plug-in-Hybrid spreizen Ferdinand

Porsches Idee vom immer lebendigen Antrieb

von Zero-Emission-Fahrten über ein als Segeln bezeichnetes

antriebsloses Dahingleiten bis hin zur Performance-Steigerung

auf Knopfdruck.

Beim 918 RSR haben die Techniker im Porsche-

Forschungs- und Entwicklungszentrum Weissach die

Ideen des Gründervaters mit der Gegenwart der

Renntechnik und einer visionären Zukunft zu einem

einzigartigen Fahrzeug verblockt: dem Rennlabor

Porsche 918 RSR mit V8-Rennmotor, Sechsgang-

Renngetriebe mit Klauenschaltung, Schwungradspeicher

und Elektromaschinen an der Vorderachse.

Im 918 RSR verschmilzt

die Designsprache des

918 Spyder mit der Technik

des 911 GT3 R Hybrid

Entwicklungszentren wie Weissach haben Verbindungen

in die ganze Welt. Das Netzwerk der Porsche-

Techniker reicht von Zhuhai in China über Daytona

Beach in Florida, die französische Sarthe-Region südwestlich

von Paris rund um Le Mans bis hin zur Eifel.

Alle relevanten Informationen werden mit den Forschungsergebnissen

von Porsche in Automobile verwandelt,

für die beispielhaft die Typenbezeichnung

9-1-1 steht. Der Elfer ist das einzige Automobil überhaupt,

das WM-Rallyes, jede Art von Rennen, jeden


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Christophorus 348

Der elektrische

Schwungradspeicher

nimmt beim Bremsen

Energie auf, die beim

Beschleunigen über die

E-Maschinen an der

Vorderachse für zusätzlichen

Schub sorgt

einzelnen 24-Stunden-Klassiker in Le Mans, Daytona,

Spa und auf der Nordschleife sowie die Wüsten-

Schlacht Paris-Dakar gewinnen konnte.

Im 918 RSR werden nun die Komponenten Mittelmotor

(Porsche 904 GTS, 911 GT1 und Carrera GT),

Rennsport (RS Spyder) und Schwungradspeicher

(911 GT3 R Hybrid) zu einem Konzept verdichtet,

das mindestens so in Form ist wie die Venus von Botticelli.

Zwischen muskulösen Radhäusern duckt sich

eine knappe Kanzel, deren Ausläufer nach hinten wie

der Schweif des Kometen wirkt. Der martialische

Ventilator als Entlüfter für den Motorraum erinnert

ungehemmt an den Porsche 917. Der üppige Heckspoiler

könnte aus der American Le Mans Series

stammen, und tatsächlich stecken darin die Gene des

RS-Spyder-Rennwagens wie auch im V8-Saugmotor

und dem Sechsgang-Renngetriebe.

Auf dem Beifahrersitz rotiert kein Luxusgeschöpf

wegen der fehlenden Mittelkonsole mit berührungsempfindlicher

Oberfläche aus dem 918 Spyder, sondern

ein Schwungradspeicher. Mit maximal 36 000/

min wird in dieser Kuchenform Energie konserviert,

die die beiden Elektromaschinen an den Vorderrädern

frei Haus liefern, sobald der Pilot im linken

Rennschalensitz Kurven anbremst wie Walter Röhrl.

Wo Röhrl dann allerdings dem ökonomischen Fluss

seines genialen Fahrstils vertraut, hilft im 918 RSR

ein roter Power-Knopf. Dann greifen insgesamt

150 kW Leistung den 563 PS des V8-Mittelmotors

unter die Arme beziehungsweise die Vorderräder.

Weil Performance bei Porsche intelligent ist, werden

damit zusätzliche Aufgaben erfüllt. Die jeweils 75

kW zusätzliche Leistung pro Vorderrad ermöglichen

das sogenannte Torque Vectoring mit rad-individueller

Kraftzuteilung. Diese gezielte Beaufschlagung

der einzelnen Räder mit bis zu jeweils 75 kW verbessert

die Agilität und das Lenkverhalten.

Fuhren früher die Herbert Linge, Hans Herrmann

und Rolf Stommelen hinaus, um auf den Rennstrecken

der Welt Erkenntnisse einzufahren für die Ingenieure

daheim, so sind nun alle Techniker Weissachs

mit an Bord dieses 918 RSR, nicht wirklich, aber virtuell

in Form von Sensoren und Telemetriedaten, um

Informationen zu sammeln über die Zukunft der

Verbrennungsmotoren, der E-Maschinen und allen

Möglichkeiten für deren dauerhafte Verbindung.

Somit ist sichergestellt, dass eine Spirale weiter unter

Strom steht, deren erste Windung von Ferdinand

Porsche im Jahr 1900 höchstpersönlich im Lohner-

Porsche gelegt worden ist und deren Idee ihrer Zeit

weit voraus war. Um 110 Jahre, wie der 918 RSR

jetzt beweist.

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