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Seite 26 Christophorus 343

Christophorus 343 Seite 27

FRISCHE

BRISE

PREMIERE

CAYENNE S HYBRID

Text

Andreas Steiner

Fotografie

Porsche

Mit dem Cayenne S Hybrid kommt der erste Porsche,

mit dem man segeln kann. Dabei durchdringt den neuen

Antrieb keine Verpflichtung nach einem Schifferpatent,

sondern die Kraft der zwei Herzen.

Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass sich die Nadel des Drehzahlmessers

öfters zur Ruhe begibt: Wer im neuen Cayenne S Hybrid den

Fuß vom Gas nimmt, dem bietet sich das Bild vom Umsturz: Die Nadel

legt sich bei Normal-Null ins Display des Drehzahlmessers. Aber der

Wagen, der rollt. Projektleiter Dr. Michael Leiters weiß, warum er

stehende Motoren im fahrenden Auto favorisiert: „Das spart Sprit, mehr

als 30 Prozent weniger als der neue – normale – Cayenne.“Möglich macht

es das neue Elektroaggregat, das abwechselnd als Elektromotor oder als

Generator in Dienst treten kann. Ergänzend wirken 240 Batteriezellen

der Bauart Nickel-Metallhydrid, die unter dem Kofferraumboden Platz

finden. Regie führt ein Hybrid-Manager – ein Rechnersystem, das klug

genug wäre, um ein Flugzeug zu steuern. Im Cayenne S Hybrid beschäftigt

sich der Rechner mit gut dreimal so vielen Daten wie für einen

konventionellen Motor üblich sind, also rund 20 000 statt rund 6000,die

ausreichend sind, um einen Benzinmotor mit akkuraten Kennfeldern für

Zündung und Einspritzung am Laufen zu halten. Schließlich gibt es im

Cayenne S Hybrid fünf verschiedene Fahrzustände, mit denen der

Antrieb aufwartet.

A

Innenansichten:

Viel Neues im neuen Cayenne


Seite 28

Christophorus 343

1 V6-Motor

2 Leistungselektronik

3 8-Gang-Automatikgetriebe

4 Hochvoltbatterie

5 Wandler mit

Überbrückungskupplung

6 Trennkupplung und

Elektromotor

1

5

3

4

6

2

DATENBLATT

CAYENNE S HYBRID

Hubraum: 2995 cm 3

Gesamtleistung:

279 kW (380 PS)

Max.Drehmoment: 580 Nm

Höchstgeschwindigkeit: 242 km ⁄ h

Beschleunigung: 6,5 s (0–100 km ⁄ h)

Kraftübertragung:

CO 2 -Emissionen:

Verbrauch (NEFZ):

Dreiliter-V6-Kompressormotor und

E-Motor mit permanentem Allradantrieb

193 g ⁄ km

8,2 l ⁄ 100 km

Die technischen Daten können länderspezifisch variieren.

Für den Fahrer bleibt dennoch alles beim Alten. Der Cayenne

fährt völlig normal. Er verfügt über einen Automatik-Schalthebel,

dessen Kommandos sich für das neue Achtganggetriebe

auf „Vorwärts“ oder „Rückwärts“ einschränken lassen. Im

Hintergrund des Antriebsmanagements laufen aber ein paar

fein ausgetüftelte Vorgänge aus dem Almanach der modernen

Regelungstechnik.

Diese fünf Fahrfunktionen sind:

1. rein elektrischer Antrieb: funktioniert bis etwa 60 km ⁄ h

2. regeneratives Bremsen: der elektrische Motor wird

zum Generator und lädt die Batterie

3. Fahren und Laden: der Benzinmotor treibt das

Fahrzeug und den Generator zur Strom-Erzeugung

4. Segeln – so nennt man das schwungvolle Rollen, nachdem

der Benzinmotor in Fahrt „abgelegt“ wurde –

bis Tempo 156 km ⁄ h

5. Start-Stopp-Funktion:Motor aus im Stand,Auto anfahren

in der Regel rein elektrisch; der Verbrennungsmotor

schaltet sich dann später wieder zu

Verblüffend ist der Effekt,dass beinahe die Hälfte des gesamten

Einspareffekts daher rührt, dass der Hybrid-Manager hilft,

den Betriebspunkt des Motors zu verschieben.Das ist ein komplexer

Fall der Thermodynamik. Jeder Benzinmotor rollt mit

relativ ungünstigem Verbrauch, sobald er etwa im Kolonnenverkehr

fast ohne Gas betrieben wird. Er arbeitet dann hart

gegen die fast völlig geschlossene Drosselklappe. Sobald in

diesem Zustand beim Hybrid-Antrieb der Generator zum

Laden der Batterien zuschaltet,verbessert sich dieVerbrauchsbilanz,

da der Motor unter einer etwas weiter geöffneten

Drossel effektiver arbeiten kann.

Außerdem spart das System kräftig, sobald die elektrische

Energie aus der vollen Batterie wieder zurück zum Antrieb

geschickt wird, was dem Verbrennungsmotor möglicherweise

eine Arbeitspause im fahrenden Auto einbringt. Das Hin und

Her von ein paar Millimetern Drosselklappe und ein paar

Ampere aus der Batterie macht 44 Prozent der Ersparnis aus.

Der Dreiliter-V6-Motor des Cayenne S Hybrid verfügt über

einen Kompressor, der seinen Platz im V-Winkel des Motorgehäuses

findet. Gemeinsam sorgen beide für eine eindrucksvolle

Leistungsabgabe: 245 kW (333 PS) und 440 Newtonmeter

sorgen schon alleine für flotte Fahrleistungen. So oft die

288-Volt-Batterie geladen ist, kommt beim Beschleunigen zusätzlich

der elektrische Antrieb zu Hilfe. Dabei addieren sich

zeitweilig die elektrisch abrufbaren 34 kW (47 PS) oder 300

Newtonmeter zu den Leistungen des Verbrennungsmotors.

Geschmeidig gleitend folgt der Cayenne S Hybrid den Kommandos

des Piloten. Auf Wunsch beschleunigt der geräumige

Fünftürer milde bis zornig.Und auch in anderen Details läuft

im Hybrid-Modell manches anders:Der Klimakompressor und

die Servopumpe der Lenkung werden elektrisch angetrieben –

denn beide sollen auch funktionieren,wenn der Motor steht.

In die gleiche Richtung arbeitet das Thermomanagement der

„geschalteten“Wasserpumpe, die bei kaltem Motor kein Kühlmittel

durch den Kreislauf pumpt.Gerade bei einer Stadtfahrt

und im Kurzstreckenbetrieb wird der Motor so schneller warm,

wodurch der Verbrauch noch einmal sinkt. Ein willkommener

Nebeneffekt ist die schnellere Aufheizung des Innenraums.

Alle Hybrid-Technik bietet allerdings immer nur eine Unterstützungsfunktion,

die man nutzen kann, nicht aber muss.

Projektleiter Dr. Michael Leiters:„Es macht so viel Spaß, den

eigenen Verbrauchsrekord ständig erneut zu unterbieten,

dass auch die etwas eiligeren Testfahrer nach und nach willig

auf den gebotenen Sparkurs eingebogen sind. Der Cayenne

konnte sie regelrecht um den Finger wickeln, soviel Charme

entwickelt das technische System.“ Es brechen neue Zeiten

an, und es scheinen spannende zu werden. 288-Volt-Bordspannung

sind garantiert.

B

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