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Christophorus 323

Christophorus 323

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Text

Christian Weiss

Fotografie

Christoph Bauer

Super-Bowl

Faszination

Die Buchstabenkombination „RS“ setzt voll auf Angriff und verrät, wo die

Gene des neuen 911GT3 RS herkommen: aus dem Rennsport. Auf der

französischen Teststrecke „Le Ceram“öffnet Porsche zur Begrüßung des

neuesten Sprösslings sein rasantes Familienalbum – GT3, GT3 RS und

GT3 Cup drehen voll auf.

Der Super-Bowl der Sportwagen findet in Mortefontaine statt, rund 30 Fahrminuten nördlich von Paris.

Der Weg führt von der Autobahn A1 mitten in einen malerischen Birkenwald. In dem Hochgeschwindigkeits-Oval

haben Testpiloten nur eins im Sinn: mit Vollgas durch 45 Grad geneigte Steilwandkurven zu

jagen. Dass sich überhaupt ein Fahrzeug auf der Kreisbahn halten kann, scheint unmöglich. Den Gesetzen

der Physik entkommt man nur mit viel Flieh-Kraft. Willkommen im Grenzbereich.

Zusammen 2460 PS warten darauf, losgelassen zu werden. Der orangefarbene und der grüne 911GT3

Cup bilden die Spitze der aus sechs Fahrzeugen bestehenden Porsche-Armada und rahmen zusammen mit

den beiden 911GT3 die jüngsten Sprösslinge ein: In Lauerstellung befinden sich die beiden brandneuen

911GT3 RS. Nicht nur die Buchstabenkombination am Heck verrät die Gene aus dem Rennsport, A

Willkommen im Grenzbereich: Den Gesetzen der Physik entkommt

man in der Steilwand von „Le Ceram“ nur mit viel Flieh-Kraft


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Christophorus 323

Die pure Angriffslust: Im kontrollierten Drift geht es im

Handlingkurs durch die Pylonengasse

auch die Optik kündet von einer rein sportlichen Ausrichtung.

Die Exterieurfarben unterstreichen die Sonderstellung, nämlich

als Basis- und Homologationsfahrzeug, also für die Zulassung des

911GT3 RSR im internationalen GT-Rennsport.

„Die enge Verbindung zwischen Serienmodellen und Rennwagen

hat bei Porsche Tradition“, sagt Porsche-Motorsportchef Hartmut

Kristen und blickt verheißungsvoll in die Ferne.„Der neue GT3 RS

bietet dabei das Beste aus zwei Welten: ein Automobil mit der

Leistungsfähigkeit und dem Fahrerlebnis eines Rennsportwagens,

das alle Anforderungen für straßenzugelassene Sportwagen erfüllt.“

Dass nüchterne Worte von atemberaubenden Fahreindrücken getoppt

werden, hat bei Porsche ebenfalls Tradition.

Bitte einsteigen und fest anschnallen. Im Hochgeschwindigkeits-

Oval gibt es kein Entkommen. Rien ne va plus!

Die Beweisführung gelingt in den sportlichsten 911-Modellen, und

zwar auf dem Beifahrersitz. Am Steuer sitzen Richard Westbrook,

der amtierende Meister des Porsche Michelin Supercup, seine

Fahrerkollegen Richard Lietz und David Saelens, der Werksfahrer

Marc Lieb sowie die UPS-Porsche-Junioren Lance David Arnold

und Jan Seyffarth. Bessere Chauffeure gibt es nicht.

Die Fahrt beginnt. Schnell wird klar, dass der RS, sogar mehr noch

als sein kleiner Bruder GT3, für die Rundstrecke gebaut ist. 20 Kilogramm

weniger bringt er auf die Waage. Aufgrund des Sparprogramms

fehlen die Klimaanlage und das Zweimassenschwungrad.

Durch den Einsatz eines einstellbaren Heckflügels aus Kohlefaser-

Verbundstoff, eines Kohlefaser-Heckdeckels und eines Kunststoff-

Heckfensters wurde nochmals Gewicht reduziert. Das Resultat

ist erlebbar. Nicht nur das Ansprechverhalten, sondern auch die

Beschleunigungswerte haben von der Diät profitiert: Ganze 4,2

Sekunden genügen, um aus dem Stand die 100-km/h-Marke zu

erreichen und den Spurt damit um eine volle Zehntelsekunde

schneller als der GT3 zu absolvieren. Nach 8,5 Sekunden steht die

Tachonadel bei 160 km/h. Bei 5500 Umdrehungen pro Minute

steht das maximale Drehmoment von 405 Newtonmetern zur Verfügung:

Die Leichtbau-Schalensitze vibrieren, der Körper zittert

und der Wald verschwimmt zu einer grünen Fläche. Der Kurvenausgang

ist bereits erreicht; der rote Bereich des Drehzahlmessers

noch lange nicht. Der 415 PS starke Sechszylinder-Motor unter

dem Kohlefaser-Heckdeckel des GT3 RS verlangt nach mehr. Eine

unausgesprochene Bitte, der Richard Lietz nachkommt. Die erste

Ziffer auf der digitalen Geschwindigkeitsanzeige springt um: Eine

gelbe Drei leuchtet auf, dahinter zwei weitere Zahlen. „Erstmalig

bei einem GT3-Fahrzeug wurde beim RS der breitere Hinterwagen

der Carrera 4- und Turbo-Modelle verbaut. Die Spurbreite vergrößerte

sich damit um 44 Millimeter. Das Ergebnis: Speziell auf

der Rundstrecke erlaubt dies extrem hohe Kurvengeschwindigkeiten.“

Die Worte des Motorsportchefs Kristen klingen bei der

Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h nach.

A


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911 GT3 ⁄ GT3RS*

Sportcoupé mit Straßenzulassung;

2Sitzplätze.

Leistung:

Max.Drehmoment:

Literleistung:

Höchstdrehzahl:

Leergewicht DIN:

Zulässiges

Gesamtgewicht:

305kW (415 PS) bei 7600 ⁄ min

405Nm bei 5500 ⁄ min

84,7 kW ⁄ Liter

8400 ⁄ min

1395 kg (GT3) ⁄ 1375 kg (GT3 RS)

1680 kg

Höchstgeschwindigkeit: 310km ⁄ h

Beschleunigung: 0 – 100 km ⁄ h in 4,3 Sek. (GT3)

bzw. 4,2 Sek. (GT3 RS)

* Die technischen Daten können länderspezifisch variieren.

Familienbande: Die Handschrift der Rennabteilung ist bei allen vier Modellen

deutlich zu erkennen – GT3 Cup, GT3, GT3 RS und GT3 RSR (von links)

Die Freude an der Zahl und dem Tempo, das der RS vorlegt, halten nicht lange

vor. Die Porsche-Keramik-Verbundbremse zeigt, was in ihr steckt. Entschleunigung

in seiner packendsten Form. Die Zahlen purzeln in den Keller und Lietz

steuert den Wagen auf den Pylonenkurs im Infield. Im kontrollierten Drift geht

es um die Hütchen; dann geradewegs auf die wartenden Elfer zu. Der Österreicher

strahlt, seinem Beifahrer weicht das Blut aus dem Gesicht.

911 GT3 Cup (Typ 997)

Porsche Michelin Supercup

Einsitziges, seriennahes Rennsportfahrzeug, nicht

straßenzulassungsgeeignet. Geeignet für den Einsatz

in den Porsche-Markenpokalen sowie in den

GT-Kategorien von Rennserien weltweit;

Basis 911Carrera 4 (Vorderwagen, Bodengruppe),

911 (Hinterwagen), GT3 (Motorlagerung).

Bitte umsteigen! Das nächste 400-PS-Erlebnis wartet. „Der GT3 RS ist für

einen Straßensportwagen mehr als beeindruckend“, sagt auch der Supercup-

Champion Westbrook und drängt zur Eile. Er will den Beweis antreten, wie eng

Renn- und Serienfahrzeug beeinander liegen. Als Beleg dient sein Arbeitsgerät.

„Man muss hier voll konzentriert sein“, sagt der Brite, die Konzentration ist

ihm im Gesicht abzulesen. „Es geht bei mehr als 260 km/h im Kreis herum. Da

haben schon einige die Orientierung verloren.“ Er lächelt und haut den Schalthebel

mit einem heftigen Stoß nach vorne. Der erste Gang des sequenziellen Getriebes

ist eingelegt. Das 3,6-Liter-Aggregat im Heck brüllt. Der 911GT3 Cup

schießt auf die Kreisbahn.

Leistung:

Max. Drehmoment:

Literleistung:

Höchstdrehzahl:

Gewichte:

Leistungsgewicht ca.:

294 kW (400 PS) bei 7300 ⁄ min

400 Nm bei 6500 ⁄ min

81,7 kW ⁄ Liter

8400 ⁄ min

ca. 1120 Kilogramm

(mit Öl, Kühlmittel)

3,8 kg ⁄ kW (2,8 kg ⁄ PS)

Bei mehr als 200 km/h stellt sich ein leichter Druck in der Magengegend ein.

Einen Wimpernschlag und eine Beschleunigungsphase später ist davon nichts

mehr zu spüren.„Hände hoch“, sagt Westbrook, ohne den Blick von der grauen

Asphaltbahn, die unter dem Wagen hinwegfliegt, abzuwenden. Ein Scherz? Eher

ein Experiment. Der Aufforderung kann man bei nun mehr als 250 km/h kaum

nachkommen, nicht einmal auf dem Beifahrersitz. Nur mit einiger Anstrengung

gelingt es, die Arme nach oben zu bewegen und sich den Kräften der Physik zu

widersetzen. Im Super-Bowl der Sportwagen gibt es feste Gesetze.

Im Rückspiegel ist die Porsche-Welt ebenfalls in bester Ordnung. Aufgereiht wie

an einer Perlenkette folgt die Verwandtschaft des Leistungssportlers durch die

Steilwand. Zwischen den Wagen liegen nicht wirklich große Abstände, aber eben

die paar Zehntelsekunden, auf die es im (Renn-)Sport ankommt. Wo die feinen

Differenzen zu finden sind, weiß Walter Röhrl, der dem schnellen Sextett im

911Carrera RS 2.7 hinterherjagt: „Entscheidend war immer das Gewicht“, sagt

der ehemalige Rallye-Weltmeister, „dieser Unterschied zieht sich wie ein roter

Faden durch die Modellgeschichte.“ Leistung ist in diesen Kreisen eben ohnehin

etwas Selbstverständliches.

B

911 GT3 RSR (Typ 997)

Einsitziges, seriennahes Rennsportfahrzeug, nicht

straßenzulassungsgeeignet. Basis 911 GT3 RS.

Homologiert: 2006 Spa, 24-Std.-Rennen, Gruppe 2

(nationale Meisterschaften) bzw. Frühjahr 2007

(A.C.O., IMSA, FIA GT); geeignet für weltweiten Einsatz

in GT-Klassen.

Leistung:

Max. Drehmoment:

Literleistung:

Höchstdrehzahl:

Gewicht:

Leistungsgewicht:

357 kW (485 PS) bei 8500 ⁄ min

435 Nm bei 7250 ⁄ min

99,2 kW ⁄ Liter

9000 ⁄ min

1225 kg nach A.C.O.- und

FIA-GT-Reglement

3,3kg ⁄ kW (2,5kg ⁄ PS)

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