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Christophorus 336

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Das Porsche-Museum

Das Porsche-Museum

Architektur

In der Schwebe

Text

Reiner Schloz

Fotografie

Christoph Bauer, Uli Jooß, Roland Halbe

Stuttgarts neue Attraktion steht in Zuffenhausen zum Abheben bereit:

Das Porsche-Museum präsentiert sich als spektakuläres Bauwerk, dessen

Realisierung eine der größten Herausforderungen in der Unternehmensgeschichte

darstellte. Davon profitieren jetzt die Besucher. Sie schweben ein

in eine völlig neue Welt. Und die ist weiß.


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Das Porsche-Museum

Das Porsche-Museum

Kühne Konstruktion: Der Ausstellungskörper sitzt grazil auf dem

Sockel – und wiegt doch 35 000 Tonnen

Die Erwartungs-Haltung ruht auf drei Respekt einflößenden schrägen

Stützen. Der aufgelegte Ausstellungsraum, in dem Besucher

auf außergewöhnliche Weise Porsche-Geschichte hautnah erleben

können, ragt weit über sie hinaus. Fast so, als wolle er gleich abheben,

dabei ist er doch gerade erst angekommen: Das Porsche-

Museum ist eröffnet, und schon der Anblick zieht Passanten in den

Bann. Ganz in Weiß und mit einer riesigen Glasfront wirkt das

Museum dynamisch und geheimnisvoll zugleich. Ein Bauwerk,

das viel über die Zukunft erzählt, obwohl sein Inhalt eigentlich

Geschichte ist. Für Porsche ein standesgemäßes Monument als

Mittler zwischen den Zeiten. Die Faszination Porsche hat wieder

mal eine Form erhalten, die vor allem überrascht. Sie strahlt hinaus

in die Welt und verleiht dem Werksgelände rund um den Porscheplatz

ein völlig anderes Gewicht. Stuttgarts neue Attraktion setzt

deutliche Zeichen. In alle Himmelsrichtungen.

Porsche hat es sich nicht leicht gemacht, als es darum ging, der eigenen

Historie Raum zu geben. Die Entscheidung fiel schließlich

zugunsten des Entwurfs von Delugan Meissl Associated Architects

aus. Darin war der Ausstellungsraum des Porsche-Museums als

ein vom Boden losgelöster dynamisch geformter monolithischer

Körper konzipiert, der über der gefalteten Topografie des Bodenund

Erdgeschossniveaus zu schweben scheint. Für die Wiener

Architekten, nie um außergewöhnliche Lösungen verlegen, war

ihr Ergebnis die logische Interpretation der Porsche-Philosophie.

Diese haben sie gepaart mit den Anforderungen, die sich aus den

gewünschten Nutzungsmöglichkeiten des Museums und dem Ausstellungskonzept

des Stuttgarter Museumsgestalters Professor

Hans-Günter Merz ergaben. Für Porsche bedeutete es vor allem

eine riesige Herausforderung. Für die Planer galt es nämlich, den

skulpturalen Entwurf zu einem realisierbaren Konzept weiterzuentwickeln,

ohne ihn in seinen Proportionen und der architektonischen

Wirkung zu sehr zu verändern.

Kurzum: Vergleichbares war noch nie gebaut worden, in Europa

gibt es nur wenige Spezialisten, die die Lösung des Problems überhaupt

berechnen können. Die große Frage war: wie muss der Stahlträger

des Ausstellungsraums konstruiert sein, damit das unglaubliche

Gewicht sicher auf die drei Stützen verteilt werden kann?

Zumal in den Stützen auch noch Aufzugsschächte, Treppenhäuser

sowie die Versorgungskanäle und -leitungen integriert werden

sollten.

Am Anfang stand ein stabiler Unterbau aus 4000 Tonnen Bewehrungsstahl,

gemixt mit 21000 Kubikmeter Beton, der eigens für

den Bau entwickelt worden war. Die damit schlank ausgebildeten

Stahlbetonstützen stehen schräg und bis zu 60 Meter weit auseinander

unter dem Bauch des Ausstellungskörpers, der bald seinen

Spitznamen„Flieger“hatte. Dessen Gewicht drückt einen allerdings

eher zu Boden: 35000 Tonnen. Seine Trägerkonstruktion besteht

aus rund 6500 Tonnen Stahl und circa 13 000 Einzelstäben.

Der Stahlbau wurde auf 34 Hilfsstützen mit Überhöhungen von bis

zu 20 Zentimetern montiert und nach der Fertigstellung des Gesamtsystems

über Hydraulikpressen abgesenkt, um die Last des A


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Das Porsche-Museum

Das Porsche-Museum

31.März 2006: Der Aushub

umfasst 66 000m 3 Erde

29. August 2006: Die Stahlbetonkerne

werden eingeschalt

23.März 2007: Die drei Stahlbetonkerne

entstehen

4. Juli 2007: Der Rohbau aus

6500 Tonnen Stahl

13.November 2007: Absenkung

der Stahlkonstruktion

31. Juli 2008: 10 000 m 2

Fassade werden verkleidet

5. November 2008: Der

Schriftzug wird angebracht

Dezember 2008: Das neue

Prunkstück am Porscheplatz

Ausstellungskörpers in die Stahlbetonkerne einzuleiten. Ein Vorgang,

dessen erfolgreiches Ende dem 13. November 2007 zugeschrieben

wird. Der Tag, an dem Planer, Architekten und andere

Projektbeteiligte zufrieden feststellen konnten, dass die Konstruktion

noch stabiler ist als man ursprünglich angenommen hatte.Vielleicht

ist dieser 13.November nicht der eigentliche Geburtstag des

Porsche-Museums, aber ein wichtiges Datum in seiner Entstehungsgeschichte

ist er auf jeden Fall.

Weit mehr als 10 000 Tonnen trägt nun jede Stütze. Die Kerne leiten

diese Last ins Erdreich ab – über eine massive Bodenplatte, die auf

135 Bohrpfählen mit jeweils mehr als 25 Meter Länge liegt. Jetzt

steht der Prachtbau, rund 26 000 Quadratmeter groß und obenauf

mit dem spektakulären Flieger, der Spannweiten von fast 70

Metern misst und Entfernungen vom Sockel von bis zu 50 Metern

aufweist. Ecken und Kanten zeichnen das Museum aus, schön verpackt

in ein feines Netz aus weißen Metallrauten. Der Bauch des

Fliegers ist mit rautenförmigen polierten Edelstahlplatten verkleidet,

was ihm Leichtigkeit verleiht. Nichts lässt mehr erahnen,

welche gewaltige Anstrengungen sich hinter der Fassade verbergen.

Christina Becker, unter der Gesamtleitung von Anton Hunger verantwortlich

für das Projekt Porsche-Museum, beschleicht noch

immer ein„komisches Gefühl“beim Anblick dessen, was entstanden

ist. Denn gedanklich ist die Arbeit längst noch nicht abgeschlossen.

Bei ihr und ihrem Team sind „Blut, Schweiß und Tränen“

Das Porsche-Projektteam neues Museum mit Christina Becker

(2. Reihe, 2. von rechts) und Armin Wagner (2. Reihe, links)

geflossen in den vergangenen Jahren. Armin Wagner, Fachmann

aus dem Zentralen Baumanagement bei Porsche und Projektleiter

Bau, erinnert sich an „wilde Träume“ und „schlaflose Nächte“. „Wir

waren immer im Spannungsfeld zwischen Planern, Architekten

und Museumsgestaltern“, sagt Wagner. Dazu die Großbaustelle:

mehr als 100 Firmen waren an dem Abenteuer Porsche-Museum

beteiligt, rund 2500 Baustellenausweise sind seit Baubeginn ausgegeben

worden.„Und jetzt sind wir auf die Reaktionen der Besucher

gespannt“, sagt Christina Becker.

Die Besucher werden voll auf ihre Kosten kommen bei der Entdeckungsreise

durch die Porsche-Historie. Das beginnt – ganz logisch

– schon im Foyer. Ein futuristischer Tresen, der Museumsshop

und das Restaurant sorgen für einen vielversprechenden Empfang.

Der Blick richtet sich fast automatisch nach oben an die auffällige

Decke mit ihren gekreuzten Trägern, die durch Lichtbänder nachgezeichnet

sind.

Den Appetit auf Porsche-Geschichte holt man sich am besten in der

Cafébar, deren Theke und Rückwand dezent hinterleuchtet sind.

Von hier aus lässt sich durch eine große Glaswand gut verfolgen, was

in der Museumswerkstatt so alles gerichtet wird:die Ausstellungsfahrzeuge

und die Auserwählten, die weiterhin im Auftrag des

Rollenden Museums auf historischen Rennen Leistung zeigen. Bewegungsdrang

ist schließlich ebenfalls etwas, was dieses Museum

vermitteln will. Und mit Bewegung beginnt für den Besucher auch

die Begegnung mit den gut 80 ausgestellten Fahrzeugen sowie den

anderen Exponaten. Steil hinauf führt die Rolltreppe, bis sich plötzlich

der Raum öffnet. Auch hier wieder: alles weiß. Wände, Böden,

Träger und Vitrinen. Kein störender Farbtupfer soll den legendären

Sport- und Rennsportwagen in die Quere kommen. Nur Rampen,

Treppen und Galerien teilen diesen Raum, der fast von jedem Punkt

aus eine Komplettansicht der Ausstellung bietet oder zumindest

die Möglichkeit eröffnet, die Fahrzeuge aus vielen Perspektiven zu

betrachten. Ein Rundgang ist zwar vorgesehen, zwingend vorgegeben

ist er nicht. Die Annäherung an Porsche soll eine rein persönliche

Sache bleiben. Dennoch sorgen schiefe Ebenen und schmale

Wege kombiniert mit großzügigen Plätzen dafür, dass der Besucher

dem gedachten Weg fast automatisch folgen wird. Dazu gibt es ein

paar technische Highlights. Die Sound-Duschen, die von der Decke

hängen, zum Beispiel. Oder das 180 Quadratmeter große LED-Podest

mit seinen 380 000 Leuchtdioden.

Portugal

Portugal

Das Porsche-Museum kann es also mit jeder noch so hohen Erwartungshaltung

aufnehmen, die durch den äußeren Anblick geschürt

wird. Das ist genau wie bei den Sportwagen.

B

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