PDF-Download, 6 MB - Potsdam bekennt Farbe

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Jahresbericht zum Unterbringungs- und Betreuungsvertrag

zwischen der Landeshauptstadt Potsdam und dem Diakonischen Werk Potsdam e.V.

Gemeinschaftsunterkunft für ausländische Flüchtlinge

Wohnheim am Nuthetal

An der Alten Zauche 2b

14 478 Potsdam

Träger: Diakonisches Werk Potsdam e.V.

Vertragsbeginn: 15.03.2009

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung:..................................................................................................................... 3

2. Die Bewohner/-innen:................................................................................................... 3

2.1. Minderjährige Unbegleitete Flüchtlinge: ............................................................. 5

2.2. Die Kinder:............................................................................................................. 5

3. Das Personal: ............................................................................................................... 6

3.1. Der Hausmeister: ...................................................................................................... 6

3.2. Der Wachschutz: ................................................................................................... 7

3.3. Die Ehrenamtlichen Unterstützer/-innen: ........................................................... 7

3.4. Praktikum: ............................................................................................................. 7

4. Die Vorbereitungsphase und der Umzug: ................................................................ 7

5. Das Gebäude: ............................................................................................................... 8

5.1. Die Ausstattung der Zimmer: ............................................................................... 8

5.2. Die Unterbringung und Belegung: ....................................................................... 8

5.3. Die Eingewöhnung und das Leben im Wohnheim.................................................. 9

5.4. Die Sicherheit:....................................................................................................... 9

5.5. Die Nachbarschaft und das Wohnumfeld:......................................................... 10

5.6. Feste und Feiern: ................................................................................................ 10

5.7. Todesfälle: ........................................................................................................... 11

6. Der Heimbeirat:........................................................................................................... 11

7. Die sozialpädagogische Arbeit in der Gemeinschaftsunterkunft: .......................... 11

7.1. Die Neuaufnahme von Bewohner/-n/-innen: ......................................................... 12

7.2. Die Aufsicht über die Umsetzung der Hausordnung:...................................... 12

7.2.1.Die Bürozeiten: .................................................................................................. 13

7.3. Wohnungsvermittlungen:................................................................................... 13

8. Das Internetcafe:..................................................................................................... 13

9. Sprachkurse/ Spracherwerb: ................................................................................. 13

10. Die Gruppenangebote:........................................................................................ 14

10.1. Das Fußballtraining: ........................................................................................ 14

10.2. Der International Table:.................................................................................. 14

11. Kooperation und Vernetzung:............................................................................... 14

12. Qualitätsentwicklung:............................................................................................. 15

13. Ausblick: ................................................................................................................. 16

a) Anlagen/ Statistik

b) Anlagen/ Fotos

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Einleitung:

Prägend für das Berichtsjahr war der Umzug der Bewohner/-innen und die

Neueröffnung der Gemeinschaftsunterkunft für ausländische Flüchtlinge am neuen

Standort im „Schlaatz“ in der Trägerschaft des Diakonischen Werkes Potsdam e.V. in

der Woche vom 20.-24.04.2009.

Neben den „Turbulenzen“ des Umzuges , der Verteilung der Zimmer und

Wohnungen war die Einzugswoche auch geprägt von ersten Kontakten zwischen den

Bewohner/innen und der neuen Heimleiterin sowie dem weiteren Kennenlernen der

neuen Mitarbeiter/innen.

Der Abschluss dieser ersten Phase wurde mit einem Sommer- und Eröffnungsfest im

Juli 2009 bei schönem Wetter im Garten des Wohnheimes mit zahlreichen Gästen

gefeiert.

Nachdem die Eingewöhnung im Haus und im Stadtteil absolviert war, die Wahl des

Heimbeirates stattgefunden hatte, verschiedene Institutionen,

Kooperationspartner/innen sowie weitere interessierte Gäste das Haus, die

Mitarbeiter/innen und Bewohner/innen zu ersten Gesprächen aufgesucht hatten und

die Gestaltung des Alltags mehr in der Vordergrund trat verstarb Ende September

leider ein 37- jähriger Bewohner im Wohnheim. In der Folgezeit war die Stimmung im

Haus bei einigen Bewohner/innen durch dieses tragische Ereignis geprägt.

In den letzten Wochen des Jahres entwickelte sich, vor allem auch im Hinblick auf die

Weihnachtszeit und die bevorstehenden Feierlichkeiten, wieder eine freudvollere

Atmosphäre.

Rückblickend lässt sich sagen, dass sich die überwiegende Mehrheit der

Bewohner/innen trotz der schwierigen Lebensbedingungen sehr konstruktiv und

gemeinschaftsfördernd in das Zusammenleben im Haus eingebracht hat. Ebenso war

der Austausch und die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiter/innen sowie der

Heimleiterin sehr kooperativ und von einer freundlichen und respektvollen

Umgangsweise geprägt.

1. Die Bewohner/innen:

Die Bewohner/innen der Gemeinschaftsunterkunft waren mehrheitlich geduldete

Flüchtlinge und Asylbewerber/innen sowie einige bereits anerkannte Flüchtlinge. Sie

kamen aus 25 verschiedenen Ländern, mehrheitlich aus Afrika, dabei waren die

Herkunftsländer Kamerun und Kenia am häufigsten vertreten sowie aus Vietnam.

Weitere stark vertretene Herkunftsregionen waren Nahost, die russische Föderation

sowie das ehemalige „Jugoslawien“.

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Im Berichtsjahr lebten durchschnittlich 148 Bewohner/innen im Wohnheim, davon

waren 82 Männer, 24 Frauen, 17 Jugendliche 1 , 2 Schulkinder, 18 Kleinkinder und 5

Babys. Die Mehrheit der Erwachsenen waren alleinstehende Flüchtlinge, im

Durchschnitt lebten vier „klassische“ Familien mit ihren Kindern sowie 11

Alleinerziehende mit einem oder mehreren Kindern im Wohnheim.

Die Altersstruktur der Bewohner/innen umfasste fast alle Altersgruppen vom

Neugeborenen bis zum ältesten Bewohner mit 63 Jahren. Die Bildungshintergründe

der Flüchtlinge waren ebenfalls heterogen, in einigen Fällen jedoch als

überdurchschnittlich einzuschätzen. Aufgrund des faktischen Arbeits- und

Ausbildungsverbotes führte dies für die Betroffenen zu erheblichen Frustrationen.

Darüber hinaus ist zu bemerken, dass einige der Bewohner/innen bereits seit fünf bis

zehn Jahren in den Gemeinschaftsunterkünften der Stadt Potsdam leben und in

Folge von Standortwechseln mehrfach umziehen mussten. Insbesondere für diese

„Gruppe“ wäre eine verstärkte Wohnungsunterbringung erstrebenswert.

Die Kontakte zwischen den Bewohner/innen waren sehr unterschiedlich, sie reichten

von guten Freundschaften, wohlwollenden nachbarschaftlichen Kontakten bis hin zu

Streitigkeiten und Konflikten zwischen Einzelnen, die jedoch in der Regel geklärt

werden konnten. Die Verständigung zwischen den Bewohner/innen und

Mitarbeiter/innen erfolgte hauptsächlich auf Deutsch, Englisch, Französisch und

Türkisch sowie mit Hilfe von Sprachmittler/innen. Untereinander verständigten sich

die Bewohner/innen ebenfalls auf Deutsch oder Englisch sowie in den verschiedenen

Landessprachen.

Die zentralen Problemstellungen für alle Bewohner/innen waren die stetige

Ungewissheit, die Angst vor der Abschiebung, Perspektivlosigkeit, Unfreiheit,

Rassismus, Diskriminierungen sowie ein Leben am oder unterhalb des

Existenzminimums. Hinzu kamen für einige die „Nicht“-Bewältigung der erlebten

Traumatisierungen aufgrund von Kriegen, Bürgerkriegen, Vertreibungen, sexueller

Gewalt und Folter. Die Reaktionsweisen auf die sich daraus ergebenden emotionalen

Belastungen waren verschieden, sie reichten im positiven Falle von der Entwicklung

individueller oder gemeinschaftlicher Bewältigungsstrategien, bis hin zu Gewalt

gegen sich und andere, Sachbeschädigungen, Erkrankungen, Rückzug, Passivität,

psychischen Beeinträchtigungen oder Erkrankungen sowie verstärktem

Suchtmittelabusus.

Dies erforderte von allen Beteiligten eine große Stresstoleranz sowie ein hohes Maß

an kontrolliertem und reflektiertem Verhalten im täglichen Umgang miteinander.

1 Davon: 16 Unbegleitete Minderjährige Jugendliche

4


1.1. Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge:

Im Berichtsjahr lebten insgesamt 23 Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge (UMF) im

Wohnheim, davon waren etwa ¾ männliche und ¼ weibliche Jugendliche.

In Bezug auf diese spezifische Zielgruppe fanden im Berichtsjahr mit dem Jugendamt

der Stadt Potsdam mehrere Gespräche statt. So wurden beispielsweise vom

Fachbereich Amtsvormundschaften in Kooperation mit den Mitarbeiter/innen im

Wohnheim drei Gesprächstermine mit den betreffenden Jugendlichen und

Dolmetschern direkt im Haus durchgeführt. Die Kooperation und der Austausch mit

dem Jugendamt sowie dem zuständigen Fachbereich wurde von dem

Mitarbeiter/innen als sehr gut wahrgenommen.

In Bezug auf die genannte Zielgruppe wurde besonderes Augenmerk darauf

gerichtet, dass die Jugendlichen möglichst zeitnah nach der Aufnahme im Wohnheim

Sprachkurse besuchten. Hierbei konnten in Kooperation mit dem

Migrationsfachdienst der Diakonie finanzielle Unterstützung sowie

Kostenübernahmen für die Sprachkurse gewährt werden.

Für einen Teil der Jugendlichen konnten ehrenamtliche Begleiter/innen zur

Unterstützung und/oder als Vormünder gewonnen werden. Grundsätzlich denken wir

jedoch, dass gerade für Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge besonderer Schutz

und Fürsorge gewährt werden sollte, dies ist vor dem Hintergrund der personellen

Ausstattung in der Gemeinschaftsunterkunft kaum möglich. Außerdem wäre aus

unserer Sicht sowohl eine spezifische Unterbringungsform analog zur Jugendhilfe

angemessen als auch aus menschenrechtlicher Sicht eine rechtliche Gleichstellung

aller Jugendlichen erstrebenswert. Insbesondere die rechtlichen Vorgaben der UN-

Kinderrechtskonvention sollten hierbei vorbehaltlos Anwendung finden.

1.2. Die Kinder:

Im Berichtsjahr lebten in der Gemeinschaftsunterkunft insgesamt 25 Kinder, davon

waren fünf Babys, 18 Klein- und zwei Schulkinder. Bis auf eines der Kinder konnte für

alle Kinder ab einem Jahr ein Kitaplatz im Stadtbezirk gefunden werden oder die

Kinder gingen bereits in eine Kita vor Ort.

Sehr begrüßt wurde in diesem Kontext der Jugendhilfeplan der Stadt Potsdam, der

einen Kitarechtsanspruch für Migranten/innen Kinder ab einem Jahr festlegte.

Wir denken, dass dies insbesondere für Kinder, die in der Gemeinschaftsunterkunft

lebten förderlich war, da sowohl der Spracherwerb als auch das soziale Miteinander

5


in der Kita sowie der pädagogisch gestaltete Alltag sehr hilfreich für den

Sozialisationsprozess waren.

Neben den tagesstrukturierenden Angeboten wie Kita und Schule wurde zur

Freizeitgestaltung an freizeitpädagogische Angebote des Familienzentrums, des

Abenteuerspielplatzes, Haus der Generationen und Kulturen sowie das Bürgerhaus

vermittelt. Darüber hinaus fanden einzelne Gruppenangebote auch im Wohnheim

statt.

Grundsätzlich waren alle Eltern und alleinerziehende Elterneile sehr bemüht, ihren

Kindern eine fürsorgliche und unterstützende Haltung entgegenzubringen. In einem

Fall wurden jedoch die Erziehungspflichten vernachlässigt, dies konnte im Rahmen

von Gesprächen geklärt werden, in einem anderen Fall wurde aufgrund von

Kindeswohlgefährdung das Jugendamt hinzugezogen.

In den Gesprächen und Kontakten mit den Eltern wurde ein besonderes Augenmerk

auf die Situation und das Wohlergehen der Kinder gerichtet. Insbesondere in diesem

Bereich wäre die Bereitstellung eines/r zusätzlichen Mitarbeiters/in sehr zu

begrüßen.

2. Das Personal:

In der Gemeinschaftsunterkunft sind eine Heimleiterin (100 % RAZ), zwei

Sozialarbeiter/innen ( je 75 % RAZ ) und ein Hausmeister (100% RAZ) beschäftigt.

Außerdem ist eine Mitarbeiterin (50% RAZ) befristet für die Verwaltung und

Ausgabe der Sachspenden angestellt. Die Dienstzeiten der Mitarbeiter/innen sind im

Wechselschichtsystem Montag bis Freitag jeweils von 7.00-19.00 Uhr und werden

per Dienstplan festgelegt. Außerhalb der Dienstzeiten steht für Notfälle ein

Bereitschaftshandy zur Verfügung.

2.1. Der Hausmeister:

Der Arbeitsbereich des Hausmeisters war sehr arbeitsintensiv, vor allem während der

Umzugsphase, aber auch im weiteren Verlauf des Jahres war er stetig im Einsatz.

Seine Aufgaben umfassten Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten im Haus sowie

die Pflege des Garten- und Außengeländes. Außerdem holte er Sachspenden ab und

war für die Anleitung der GZA Mitarbeiter/innen 2 im Wohnheim zuständig. Aufgrund

eigener Migrationserfahrungen wurde er von einigen Bewohner/innen auch gern als

Ansprechpartner für Sorgen und Probleme in Anspruch genommen. Die

2 GZA: Gemeinnützige Zusätzliche Arbeiten

6


Zusammenarbeit mit den pädagogischen Fachkräften war sehr kooperativ und

unterstützend.

2.2. Der Wachschutz:

Der Wachschutz wurde als eigenständiges Unternehmen per Vertrag mit dem

Diakonischen Werk Potsdam e.V. beauftragt, jeweils einen Sicherheitsmitarbeiter

wochentags von 19.00 – 7.00, feiertags und an den Wochenenden je 24 h bereit zu

stellen. Während dieser Dienstzeiten fanden regelmäßige Rundgänge statt, die

Aufgaben waren per Dienstanweisung schriftlich geregelt, besondere Vorkommnisse

wurden in einem Dienstbuch protokolliert. In Notfällen wurden die Heimleiterin bzw.

die Mitarbeiter/innen per Diensthandy informiert.

2.3. Die Ehrenamtlichen Unterstützer/innen:

Ehrenamtliche Unterstützer/innen konnten in Kooperation mit der

Sternkirchengemeinde, der Ausländerseelsorgerin und dem Fachberatungsdienst der

Diakonie gewonnen werden. Diese waren je nach Bedarf beispielsweise bei der

Wohnungssuche, Spracherwerb sowie bei Festvorbereitungen tätig, außerdem, wie

bereits erwähnt, bei der Begleitung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

2.4. Praktikum:

Ab dem 01.10.2009 war eine Praktikantin der evangelischen Fachhochschule Berlin

im Wohnheim tätig. Wesentliche Aufgabenschwerpunkte waren neben der Einführung

und dem Kennenlernen des Praxisfeldes die Begleitung von Bewohner/innen bei

Ämter- und Behördengängen sowie bei der Wohnungssuche. Außerdem waren

Gruppenangebote für Kinder im Vorschulalter Bestandteil des Praktikums.

3. Die Vorbereitungsphase und der Umzug:

Die Vorbereitung der Umzugsphase fand ab Mitte März 2009 durch die beiden neu

eingestellten Sozialarbeiter/innen sowie den Assistenten der Geschäftsführung des

Diakonischen Werkes Potsdam e.V. statt. Hierzu wurden erste Gespräche mit den

Bewohnern/innen im Wohnheim am vorherigen Standort geführt, Kontakt zur

Heimleitung und den Sozialarbeitern/innen aufgenommen sowie Absprachen

getroffen. Außerdem wurde der Umzug geplant und mit den Bewohner/innen

abgestimmt sowie ein erster Belegungsplan erstellt. Der Umzug in das Wohnheim an

den neuen Standort fand in der Woche vom 20.-24.04.2009 statt, für den Transport

wurde eine Umzugsfirma beauftragt, das Be- und Entladen fand mit tatkräftiger

Unterstützung der Bewohner/innen und Mitarbeiter/innen statt.

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Der Hausmeister begleitete den Abschluss der Baumaßnahmen sowie die

Ausstattung der Wohnungen im neuen Objekt, dem jetzigen Standort des

Wohnheims.

4. Das Gebäude:

Das Wohnheim, ein Plattenbau und ehemaliges Lehrlingswohnheim, befindet sich in

zentraler Lage im Stadtteil Schlaatz und wurde vor dem Umzug komplett renoviert.

Es verfügt über 68 Wohneinheiten auf vier Etagen, vier Büroräumen im Erdgeschoss,

einem Gartengelände mit Spielmöglichkeiten sowie Parkplätzen. Die Wohneinheiten

sind barrierefrei und auch für Rollstuhlfahrer/innen über einen Lift zugänglich. Auf

jeder Etage gibt es jeweils zwei Familienwohnungen mit 2,5 Zimmern (à 49,0 qm) und

je eine Einzimmerwohnung (à 33 qm), die übrigen 56 Wohneinheiten verfügen über

1,5 Zimmer (à 33,0 qm), acht Wohnungen haben einen Balkon. Im Keller des Hauses

befinden sich ein Gruppenraum, ein Waschmaschinenraum mit Waschmaschinen

und Trocknern, ein Internetcafe, die Hausmeisterwerkstatt, Lagerräume für

Materialien und Spenden sowie einige Kellerräume, die zum Teil als weitere

Funktionsräume ausgebaut werden.

4.1. Die Ausstattung der Zimmer:

Zur Grundausstattung der Zimmer gehören pro Person jeweils ein Bett, Schrank,

Tisch und Stuhl sowie Bettwäsche und ein Grundsortiment an Küchenzubehör. Jede

Wohneinheit ist einzeln abschließbar und mit einer eigenen Küchenzeile sowie einem

Badezimmer ausgestattet. Dank der Hilfe und Unterstützung zahlreicher

Spender/innen, die Kleinmöbel sowie Sachspenden zur Verfügung stellten, konnten

die Bewohner/innen ihre Zimmer im Laufe der ersten Monate wohnlich gestalten und

nach dem persönlichen Geschmack einrichten.

In jeder Wohnung gibt es Anschlussmöglichkeiten für Telefon und Internet sowie

Zugang zur hauseigenen Satellitenanlage, die neben den kostenfreien Programmen

derzeit mit 20 mehrsprachigen Sendern ausgestattet ist.

4.2. Die Unterbringung und Belegung:

Bei der Unterbringung und Belegung des Wohnheimes wurde versucht, den

Wünschen der Bewohner/innen soweit es die räumlichen Bedingungen ermöglichten

zu entsprechen. Hierzu wurde im Vorfeld von den Mitarbeiterinnen des

Beratungsfachdienstes für Migranten/innen des Diakonischen Werkes Potsdam e.V.

in Kooperation mit den Flüchtlingen eine Liste erstellt, die als Grundlage für die

Belegungsplanung diente. In der Regel wurden die 1,5 Zimmer Wohnungen mit 1-2

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Personen belegt, die 2,5 Zimmer Wohnungen wurden für Familien mit Kindern und

die 1-Zimmer-Wohnungen für Flüchtlinge mit besonderem Rückzugsbedarf zur

Verfügung gestellt.

Die maximale Platzkapazität des Wohnheimes beträgt 180 Plätze.

4.3. Die Eingewöhnung und das Leben im Wohnheim

Nachdem die Einzugswoche vom 20.-24.04.2009 absolviert war und alle

Bewohner/innen ihre Zimmer bzw. Wohnungen bezogen hatten sowie mit der

Grundausstattung und Schlüsseln versorgt waren, fanden zu einem ersten

Kennenlernen etagenweise Versammlungen statt. So wurden auf Einladung der

Heimleiterin und den Mitarbeiter/innen vier Etagenversammlungen durchgeführt, im

Rahmen derer neben einer ersten offiziellen Vorstellung und Begrüßung der

Bewohner/innen offene Fragen zur Hausorganisation, zum Verlauf des Umzuges, der

allgemeinen Zufriedenheit im neuen Umfeld sowie Kritikpunkte besprochen wurden.

Des Weiteren wurde die Hausordnung ausgehändigt und gemeinsam erörtert.

Der Alltag und das Leben im Wohnheim gestaltete sich ebenso vielfältig wie seine

Bewohner/innenschaft. Ein Teil der Bewohner/innen nahm regelmäßig an Sprachoder

Integrationskurse teil, Kinder wurden in die Kitas gebracht, Einkäufe und/oder

Wäsche erledigt, Mahlzeiten zubereitet sowie Ämter- und Behördengänge, Arzt und

Rechtsanwaltstermine wahrgenommen. Es wurden Beratungsstellen aufgesucht,

persönliche Kontakte gepflegt, ein kleiner Teil ging zur Arbeit, die Dienste und

Aufgaben im Wohnheim wurden erledigt, die Mitarbeiter/innen im Büro wurden

aufgesucht, eigenen Aktivitäten und Beschäftigungen wurde nachgegangen, es

wurde gelacht, geweint und gestritten und häufig wurde auch versucht der

Langeweile und dem Nichtstun auf die eine oder andere Art zu entgehen.

4.4. Die Sicherheit:

In Vorbereitung auf den Einzug der Bewohner/innen in das neue Wohnheim, wurde

seitens der Geschäftsführung ein Sicherheitskonzept für das Wohnheim erstellt sowie

Gespräche mit dem Polizeipräsidium Potsdam und der zuständigen Wache in

Babelsberg geführt. Darüber hinaus fand im Juli 2009 eine Begehung des Hauses mit

dem Polizeidirektor, dem Geschäftsführer und der Heimleiterin sowie Gespräche zur

Überprüfung des Sicherheitskonzeptes statt.

Neben dem regelmäßigen Austausch mit der zuständigen Polizeiwache Babelsberg

sowie den Objektschutzkontrollen seitens der Polizei ist nachts, an den Feiertagen

und Wochenenden das Haus mit einem Mitarbeiter eines externen Wachdienstes

besetzt. Im Gebäude selbst ist jede Etage entsprechend mit Brandschutz- und

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Fluchttüren, Rauchmeldern, Feuerlöschern sowie Flucht- und Rettungsplänen

ausgestattet. Im Berichtsjahr wurde eine Brandschutzübung durchgeführt an der

etwa 70 Bewohner/innen teilnahmen.

4.5. Die Nachbarschaft und das Wohnumfeld:

Insbesondere in der Anfangsphase nach dem Umzug gab es einige Beschwerden

seitens der Anwohner/innen, die mehrheitlich auf Ruhestörungen durch einen

Bewohner zurückzuführen waren. Zunächst wurde versucht diese Problematik durch

Gespräche mit dem Verursacher zu klären, da dies zu keinerlei Verhaltensänderung

führte, wurde die Polizei hinzugezogen. Nach dem Auszug des betreffenden

Bewohners gab es nur noch in einzelnen Fällen Ruhestörungen, die sich auf der

Gesprächsebene klären ließen.

Eine weitere Problematik ergab sich aus verbalen Anfeindungen und rassistischen

„Pöbeleien“, durch eine Gruppe von Männern, die sich in unmittelbarer Nähe des

Wohnheims am Getränkemarkt aufhielten. In diesem Kontext wurden mit der Polizei

sowie dem Heimbeirat Gespräche geführt und die polizeirechtlichen Möglichkeiten

diesbezüglich abgeklärt. Deutlich wurde, dass die polizeirechtlichen Maßnahmen

nicht zur Lösung der Problematik ausreichten. Die Bewohner/innen wurden gebeten,

alle Vorkommnisse zu protokollieren und den Mitarbeiter/innen zu melden. Des

Weiteren wurden Gespräche mit den Mitarbeiter/innen des Streetworker-Projekts der

Diakonie geführt, um mögliche Lösungsstrategien abzustimmen. Trotz aller

Bemühungen konnte diese Problematik jedoch nicht abschließend gelöst werden.

Besondere Bestürzung und Ängste bei den Bewohner/innen wurden infolge tätlicher

Übergriffe gegen eine Bewohnerin sowie einen Bekannten bzw. Freund einiger

Bewohner/innen, der in der Nähe des Wohnheims wohnt, ausgelöst. Auch hier

wurden von den Mitarbeiter/innen Gespräche mit der Betroffenen und weiteren

Bewohner/innen geführt sowie die Mitarbeiter/innen des Vereins „Opferperspektive

e.V. “ als Unterstützung hinzugezogen.

Positiv bleibt zu berichten, dass einige Nachbarn sehr wohlwollend und unterstützend

im Kontakt mit Mitarbeiter/innen und Bewohner/innen waren.

4.6. Feste und Feiern:

Im Berichtsjahr wurden im Wohnheim drei größere Feste gefeiert, das Sommer- und

Eröffnungsfest im Juli sowie im Dezember eine Kinderweihnachtsfeier und eine

gemeinsame Weihnachtsfeier am 24.12., bei der auch der Oberbürgermeister und die

Sozialbeigeordnete der Stadt Potsdam sowie der Geschäftsführer des Diakonischen

Werkes zu den Gästen gehörten.

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Zu den Programmpunkten der Weihnachtsfeiern gehörte neben internationalen Speisen, der

Nikolaus bzw. „Väterchen Frost“ mit Geschenken für die Kinder sowie eine Tombola mit

Sachspenden für die Erwachsenen. Die Feste konnten dankenswerter Weise mit

Unterstützung des Migrantenbeirates, der Kirchengemeinden sowie der Stadt Potsdam und

weiteren Unterstützer/innen durchgeführt werden.

4.7. Todesfälle:

Wie bereits eingangs erwähnt verstarb im Sommer ein Bewohner des Hauses infolge

einer Alkoholvergiftung. Da einige der Bewohner/innen viele Jahre mit ihm

zusammen gelebt hatten, war die Stimmung im Wohnheim einige Wochen von

diesem tragischen Ereignis geprägt. Mit Unterstützung der Ausländerseelsorgerin

wurde eine Trauerfeier in der Sternkirche zelebriert, bevor der Leichnam rückgeführt

wurde. Ein weiterer Bewohner verstarb infolge einer Krebserkrankung im

Krankenhaus. Seine Familie und die Angehörigen gestalteten eine Trauerfeier im

Familienkreis, der Leichnam wurde ebenfalls zurückgeführt.

5. Der Heimbeirat:

Zur Vorbereitung der Wahl des Heimbeirates wurden Etagenversammlungen

durchgeführt und über die Vorbereitung der Wahl sowie das Wahlverfahren

informiert. Ende August 2009 wurde dann von den Bewohnern/innen des Wohnheims

mit einer Wahlbeteiligung von 44,11 % ein Heimbeirat als Interessenvertretung mit

einer Amtszeit von einem Jahr gewählt. Der Heimbeirat bestand aus drei Personen

und traf sich regelmäßig zu eigenen Arbeitstreffen sowie mit den Mitarbeitern und der

Heimleiterin. Die Arbeitsschwerpunkte waren die Abstimmung der inhaltlichen und

strukturellen Zusammenarbeit, aktuelle Situation im Wohnheim, besondere

Vorkommnisse und Probleme, Überarbeitung der Hausordnung sowie

Informationsvermittlung und Austausch.

6. Die sozialpädagogische Arbeit in der Gemeinschaftsunterkunft:

Die Arbeitsschwerpunkte der sozialpädagogischen Arbeit mit den Bewohner/innen

umfassen psychosoziale Beratungen, Kriseninterventionen, Begleitungen sowie

Unterstützung bei Antragstellungen und Schriftwechseln, Klärung von

Zuständigkeiten, Vermittlung bei Ämter- und Behördenkontakten, Vermittlung an

Fachberatungsstellen, Ärzte etc. und praktische Hilfen.

Hinzu kommen interkulturelles Konfliktmanagement zwischen Bewohner/innen, bei

Bedarf auch im Kontakt mit Ämtern und Behörden sowie im Stadtteil bzw. der

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Nachbarschaft. Außerdem wurden gruppen- und freizeitpädagogische Angebote

durchgeführt sowie über weitere externe Angebote informiert.

Methodisch wurden dabei Einzelfallarbeit, soziale Gruppenarbeit sowie

Gemeinwesenarbeit eingesetzt. Der Arbeitsansatz der Mitarbeiter/innen begründete

sich auf ein ressourcen- und bedürfnisorientiertes, humanistisches, ganzheitliches

Menschenbild, dass die/den Einzelnen dabei unterstützen soll, sich möglichst

eigenverantwortlich für seine/ihre Belange einzusetzen.

Dabei waren die Leitlinien des Deutschen Berufsverbandes für Soziale Arbeit

(DBSH), die ethischen Kodizes des Diakonischen Werkes sowie internationale

Übereinkommen der Vereinten Nationen wie die internationale Erklärung der

Menschrechte handlungsweisend.

Ergänzend zur pädagogischen Arbeit der Mitarbeiter/innen wurden einmal

wöchentlich Beratungsgespräche von der Ausländerseelsorgerin Potsdams im

Wohnheim angeboten, die von den Bewohner/innen gerne in Anspruch genommen

wurden.

6.1. Die Neuaufnahme von Bewohnern/innen:

Neuaufnahmen von Bewohnern/innen erfolgten über Zuweisungen der Zentralen

Ausländerbehörde in Eisenhüttenstadt, der Ausländerbehörde der Landeshauptstadt

Potsdam sowie dem Fachbereich Soziales. In der Regel erhielt das Wohnheim eine

Vorabmitteilung, so dass eine entsprechende Vorbereitung der Zimmer

vorgenommen werden konnte. Die neuen Bewohner/innen bekamen zunächst eine

Anmeldebestätigung sowie Schlüssel und eine Grundausstattung für ihre Zimmer. Es

wurden zeitnah Termine mit der Ausländerbehörde sowie dem Fachbereich Soziales

vereinbart. Die neuaufgenommenen Bewohner/innen wurden von einer Mitarbeiterin

oder Praktikantin, bei Bedarf mit Sprachmittlung, zur Meldebehörde sowie den

genannten Stellen begleitet. Bei minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen wurde das

Jugendamt zwecks Einleitung des Vormundschaftsverfahrens über die Neuaufnahme

informiert.

6.2. Die Aufsicht über die Umsetzung der Hausordnung:

Die Aufsicht über die Umsetzung der Hausordnung wurde sowohl von der

Heimleiterin sowie den Mitarbeiter/innen als auch den Diensthabenden des

Wachschutzes geleistet. In diesem Kontext erfolgten vor allem in der ersten Hälfte

des Berichtszeitraumes einige polizeiliche Einsätze sowie Strafanzeigen, des

Weiteren wurden zwei Hausverbote ausgesprochen. Eine erhebliche Schwierigkeit

bei der Umsetzung der Hausordnung bestand darin, dass das Hausrecht nur

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gegenüber Besucher/innen geltend gemacht werden konnte, somit konnten im Haus

nur von Seiten der Behörden strafrechtlich relevante Regelverstöße sanktioniert

werden.

6.2.1. Die Bürozeiten:

Die Bürozeiten waren Montag bis Freitag von 9.00-12.00 und von 14.00-18.00,

mittwochs von 16.00-18.00 Uhr. In dringenden Fällen fanden

Kriseninterventionsgespräche, Neuaufnahmen etc. auch außerhalb der Bürozeiten

statt.

6.3. Wohnungsvermittlungen:

Im Berichtsjahr sind insgesamt 12 Erwachsene mit 7 Kindern aus dem Wohnheim in

eine eigene Wohnung gezogen, dies waren sechs Einzelpersonen, eine Familie mit

zwei Erwachsenen und zwei Kindern sowie drei alleinerziehende Mütter mit jeweils

einem Kind und eine Mutter mit zwei Kindern. Zu diesem Arbeitsschwerpunkt fanden

mit den Mitarbeiterinnen des Migrationsfachdienstes der Diakonie sowie der

Ausländerseelsorgerin in Potsdam regelmäßig Fallberatungen statt.

7. Das Internetcafe:

Im Kellergeschoss des Hauses stand für die Bewohner/innen ein kostenfreies

Internetcafe mit 15 Computern zur Verfügung. Dies wurde in Eigeninitiative des

Vereines „Refugees Emancipation e.V.“ betrieben, die Räumlichkeiten sowie

Energiekosten werden vom Diakonischen Werk zur kostenfreien Nutzung überlassen.

Neben den Öffnungszeiten zur individuellen Nutzung der Internetzugänge wurden

dort Workshops und Schulungen für die Bewohner/innen durchgeführt.

8. Sprachkurse/ Spracherwerb:

Die Bewohner/innen wurden unterstützt und ermutigt an Sprach- und

Integrationskursen teilzunehmen, insbesondere bei Neuaufnahmen wurden

Informationen gegeben und beim Anmeldeprocedere entsprechende Unterstützung

erteilt. Mit Hilfe des Projektes: „Arbeit und Perspektive“ des Beratungsfachdienstes

wurde auch ein dreiwöchiger Intensivkurs für Anfänger/innen im Wohnheim

durchgeführt, der rege genutzt wurde. Auf Wunsch wurden für einzelne

Bewohner/innen ehrenamtliche Unterstützerinnen zum Kommunikationstraining

akquiriert.

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Des Weiteren wurde das im Familienzentrum der Diakonie angebotene Sprachcafe

von Müttern mit Kindern genutzt, da begleitend eine Kinderbetreuung angeboten

wurde.

9. Die Gruppenangebote:

Neben einzelnen freizeitpädagogischen Angeboten wie beispielsweise einem

Kinobesuch, steht der Gruppenraum im Wohnheim für die selbstständige Nutzung

der Bewohner/innen nach Absprache zur Verfügung. Im Berichtsjahr wurde er neben

Veranstaltungen und Workshops regelmäßig drei bis vier Mal wöchentlich von

Gebets- und Singgruppen genutzt, an denen einige Bewohner/innen gerne und

regelmäßig teilnahmen. Weitere regelmäßige Gruppenangebote waren das

wöchentliche Fußballtraining sowie das Angebot „International Table“ des

Projekthauses Babelsberg.

9.1. Das Fußballtraining:

Im Sommerhalbjahr wurde einmal wöchentlich auf Sportplätzen in der Nähe des

Wohnheims unter Anleitung des Sozialarbeiters des Wohnheims Fußballtraining

angeboten, das gerne in Anspruch genommen wurde. Das Equipment, wie Trikots,

Bälle und Fußballschuhe wurde von Mitteln der Diakonie sowie Spendengeldern

finanziert und regelmäßig beim Training ausgegeben.

Beim Fest der Toleranz „Potsdam bekennt Farbe“ am 20.09.2009 in Potsdam belegte

die Mannschaft beim Fußballturnier den 4. Platz. Im Winterhalbjahr wurde in einer

Halle trainiert, das Training fand ebenfalls einmal wöchentlich statt und wurde von

einem Bewohner sowie einem Mitarbeiter der Streetworker angeleitet. Im

Durchschnitt nahmen vier bis acht Bewohner am Training teil, es wurde gemeinsam

mit Jugendlichen des Fanprojektes Babelsberg trainiert.

9.2. Der International Table:

Auf Initiative des Projekthauses Babelsberg fand einmal wöchentlich ein International

Table im Wohnheim statt, der die Begegnung und das soziale Miteinander der

Bewohner/innen untereinander sowie den Kontakt mit Besucher/innen unterstütze.

Die Aktivitäten reichten von gemeinsamen Koch- und Kreativangeboten bis hin zu

Informationsvermittlung zu verschiedenen Themen.

10. Kooperation und Vernetzung:

Im Berichtsjahr wurden mit zahlreichen Kooperationspartnern zusammen gearbeitet,

hierbei konnte auf die bereits vorhandene gute Infrastruktur des Diakonischen

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Werkes Potsdams zurückgegriffen werden. So entwickelte sich rasch eine enge

Kooperation mit dem Beratungsfachdienst für Migranten/innen, der

Ausländerseelsorgerin, der Migrationsbeauftragten der Stadt Potsdam, dem

Familienzentrum sowie den Streetworkern und dem Fanprojekt der Diakonie. Es

fanden verschiedene Arbeitstreffen und ein regelmäßiger Austausch statt. An

Sitzungen des Migrantenbeirates sowie Fachgesprächen und Arbeitskreisen nahmen

wir auf Einladung teil.

Darüber hinaus gab es vielfältige Unterstützung durch die Sternkirchengemeinde

sowie die Kirchengemeinden in Potsdam, hier erhielten wir beispielsweise zahlreiche

Kleider- und Sachspenden. Im Stadtteil entwickelte sich eine gute Zusammenarbeit

mit dem Haus der Generationen und Kulturen, dem Bürgerhaus sowie dem

Integrationsgarten. Diese konnte durch die Teilprojekte und Maßnahmen zur

Integration von Zuwanderern, Flüchtlingen und Asylbewerbern intensiviert und

ausgebaut werden.

Des Weiteren entwickelte sich mit Fazit e.V. eine gute und rege Zusammenarbeit,

insbesondere der Sprachmittlungsservice wurde von einigen Bewohner/innen gerne

in Anspruch genommen.

Außerdem gab es einen regelmäßigen Austausch und eine gute Kooperation mit der

Polizei, verschiedenen Ämtern und Behörden, insbesondere mit den Fachbereichen

Soziales und Wohnen sowie dem Jugendamt der Landeshauptstadt Potsdam.

Es wurden Informations- und Austauschgespräche mit Vertreter/innen des

Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie, des Landesjugendamtes,

der Migrationsbeauftragten des Landes sowie verschiedenen Student/innen Gruppen

und Schulklassen durchgeführt.

11. Qualitätsentwicklung:

Neben der Strukturqualität, die die Lage und Ausstattung des Wohnheimes bietet,

wurden die Personalstellen mit entsprechend qualifiziertem Personal besetzt. Hierbei

wurde besonderes Augenmerk auf interkulturelle Kompetenzen sowie

Sprachkenntnisse und Erfahrung in der Arbeit mit Migrant/innen bzw. Flüchtlingen

gelegt.

Grundlage für die Arbeit im Wohnheim waren die von der Landesregierung

verabschiedeten Runderlasse: „Mindestbedingungen für den Betrieb von

Gemeinschaftsunterkünften und die soziale Betreuung vom 08.03.2006“ des

Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie sowie „Maßnahmen zum

Schutz von gewaltbetroffenen Bewohnerrinnen und Bewohnern in

Gemeinschaftsunterkünften“ vom 13.04.2004 (MASGF) sowie die unter

15


Punkt 7. (Seite 11) genannten Grundlagen für die pädagogische Arbeit.

Außerdem wurde eine Hausordnung erarbeitet sowie eine Kurzkonzeption erstellt.

Ein Mal wöchentlich wurden Team- und Fallbesprechungen durchgeführt,

Dienstübergaben erfolgten wochentags täglich zwischen den Mitarbeiter/innen sowie

jeweils zu Dienstbeginn und –ende mit den Mitarbeitern des Wachschutzes.

Außerdem fanden einmal monatlich Dienstberatungen mit dem Geschäftsführer

sowie eine der Leiter/innenrunde des Diakonischen Werkes Potsdam e.V. statt. Die

genannten Sitzungen wurden entsprechend protokolliert, für die pädagogische Arbeit

mit den Bewohner/innen Akten angelegt, Postlisten wurden werktags tagesaktuell

erstellt sowie die Belegung statistisch erfasst. Die Mitarbeiter/innen nahmen

regelmäßig an Fortbildungen sowie Supervisionen teil.

Es fanden regelmäßig Treffen mit dem Heimbeirat sowie pro Quartal

Etagenversammlungen mit den Bewohner/innen statt. In diesem Kontext wurde

sowohl zur Beteiligung bei der Gestaltung des Lebens im Wohnheim angeregt sowie

Kritik und Beschwerden zu äußern. Außerdem wurde ein Briefkasten für anonyme

Mitteilungen der Bewohner/innen an die Mitarbeiter/innen angebracht.

12. Ausblick:

Nachdem die Um- und Einzugsphase im Berichtsjahr abgeschlossen wurde, steht

neben vielen anderen Aktivitäten sowie den alltäglichen pädagogischen Aufgaben

und haushandwerklichen Aufgaben, der weitere Ausbau der Funktionsräume (Kinder-

, Sport- und Gebetsraum) im Kellergeschoss sowie die Gestaltung des

Außengeländes an oberster Stelle. In diesem Kontext fanden bereits erste Treffen mit

Mitarbeiterinnen des Integrationsgartens statt, in Kooperation soll ein Gartenprojekt

auf dem Gelände des Wohnheims gemeinsam mit interessierten Bewohner/innen

initiiert werden.

Des Weiteren soll der Spielplatz erweitert und Sportmöglichkeiten geschaffen

werden. In Kooperation mit dem Verein „Opferperspektive e.V.“ wird ein Workshop

zur Selbstbehauptung im Wohnheim stattfinden, Ziel ist das Erlernen von

Deeskalationsstrategien und wirksamen Methoden der Selbstbehauptung.

Die bereits in 2009 entwickelten Kooperationsbeziehungen sollen fortgeführt und bei

Bedarf intensiviert werden, die ebenfalls in 2009 begonnenen Teilprojekte und

Maßnahmen zur Integration von Zuwanderern, Flüchtlingen und Asylbewerbern

sollen weiterhin durchgeführt werden.

Auch der Arbeitsschwerpunkt Wohnungsvermittlung, insbesondere von Familien mit

Kindern sowie Bewohner/innen, die schon sehr lange im Wohnheim leben, wird

weiter fortgesetzt werden.

16


Darüber hinaus sollen verstärkt Qualifizierungsmaßnahmen und/oder

Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bewohner/innen akquiriert werden, um der

Perspektivlosigkeit möglichst wirksam entgegentreten zu können.

Wir wünschen uns in diesem Kontext, auch auf politischer Ebene weiterhin

Unterstützung, um den Flüchtlingen und insbesondere den im Wohnheim lebenden

Kindern eine gleichberechtigte, menschenwürdige und auf den Menschenrechten

basierende Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen!

Potsdam, 15.03.2010

Ch. Wahl/ Heimleiterin

a) Anlage: Statistische Übersicht WH Am Nuthetal/ DW Potsdam 2009

demografische Daten und durchschnittliche Belegung

17


a) Anlage: Statistische Übersicht WH Am Nuthetal/ DW Potsdam 2009/

Herkunftsländer

Afghanistan 2

Algerien 2

Bosnien 6

China 5

Ghana 1

Indien 6

Irak 4

Iran 2

Jemen 1

Jordanien 1

"Jugoslawien" 12

Kamerun 17

Kenia 18

Libanon 6

Liberia 1

Marokko 2

Nigeria 3

Pakistan 2

Russ. Föderat. 9

Sierra Leone 6

Tschad 1

Türkei 12

Uganda 1

Vietnam 40

ungeklärt 11

gesamt 171

18


) Anlage: Fotos Wohnheim Am Nuthetal/ DW Potsdam 2009/ Feste und Feiern

Eröffnungsfest Juli 2009

19


Fußballtraining Sommer 2009

22


Weihnachtsfeier 2009

23


Kinderweihnachtsfeier 2009

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