Ausgabe - 38 - 2011 - Produktion

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Ausgabe - 38 - 2011 - Produktion

26 · Energie-Effizienz · Produktion · 22. September 2011 · Nr. 38

Zertifizierung

Energie-Management mit Brief und Siegel

Michaela Neuner

Produktion Nr. 38, 2011

Wer ab 2013 Vergünstigungen

bei Energiesteuern in Anspruch

nehmen will, muss ein zertifiziertes

Energie-Management

nachweisen. Das kostet zwar erst

einmal Geld, bringt aber auch

noch andere Vorteile.

Landsberg. Nächstes Jahr endet

die Übergangsfrist der EU: Ab 2013

können Unternehmen Vergünstigungen

wie eine reduzierte EEG-

Umlage – derzeit 0,05 Cent anstelle

von 3,5 Cent pro Kilowattstunde –

nur noch dann beanspruchen,

wenn sie ein zertifiziertes EnMS

vorweisen können. Entweder nach

DIN EN 16001, dem ‚Eco-Management

and Audit Scheme’ (EMAS)

oder der neuen ISO 50001. Bereits

ab 2012 vergrößert sich der Kreis

anspruchsberchtigter Unternehmen.

Der Grenzwert für den Stromverbrauch

sinkt dann von bisher

zehn auf eine Gigawattstunde.

Für die Implementierung

genug Zeit einkalkulieren

Wer bislang keines dieser Systeme

einsetzt, aber dennoch steuerlich

profitieren will, sollte spätestens

jetzt die Weichen für eine Einführung

stellen. „Wenn ein Unternehmen

noch keine Erfahrung mit

Managementsystemen nach DIN

hat, kann man davon ausgehen,

dass die Vorbereitung ungefähr

zwölf Monate dauert“, ist die Erfahrung

von Dekra-Auditorin Renate

Stahl u. a. bei EnMS nach DIN EN

16001. „Länger sollte es jedoch

auch nicht dauern, weil die Mitarbeiter

sonst Probleme haben, sich

damit zu identifizieren“, warnt sie.

Im Vorteil ist, wer bereits mit einem

Umweltmangementsystem nach

DIN EN ISO 14001 arbeitet. Die

DIN EN 16001 baut darauf auf. „Mit

einem guten Berater, schafft man

die Implementierung eines EnMS

nach 16001 dann durchaus in zwölf

Wochen“, so Stahl.

Die Einführung eines Energie-Managementsystems

lohnt aber nicht

nur wegen der Steuervergünstigungen.

Es schafft auch Strukturen,

die den Energieverbrauch transparenter

machen und sensibilisiert

die Mitarbeiter im Umgang mit der

Ressource Energie.

Der Detmolder Elektrotechnikhersteller

Weidmüller ist seit Juni

nach DIN EN 16001 zertifiziert.

Wenn man Gerhard Linke fragt,

warum sich sein Unternehmen

dafür entschieden hat, nennt der

Umwelt- und Energie-Management-Beauftragte

drei Punkte: Die

Energiekosten, die Jahr für Jahr

steigen, den Klimaschutz und die

Glaubwürdigkeit – bei den Kunden

wie bei den eigenen Mitarbeitern:

Engagiert Mitarbeiter,

die mitdenken

und mitmachen,

sind eine wesentliche

Säule eines erfolgreichen

Energie-

Managments – wie

hier im Weidmüller

Energie-Team um

Gerhard Linke

und Geschäftsführer

Ralf Hoppe (2.v.r.).

Bild: Weidmüller

„Wir verkaufen Produkte für den

grünen Markt und müssen zeigen,

dass wir auch in der Herstellung

dieser Produkte versuchen, möglichst

wenig Energie einzusetzen“,

betont er.

Bislang fordere noch kein Kunde

eine Zertifizierung nach DIN EN

16001. „Aber wir merken, es kommt

und in zwei, drei Jahren werden wir

das haben müssen“, ist seine persönliche

Meinung. Die Umwelt-

Management-Norm 14001 wird

bereits von vielen verlangt. Weidmüller

ist seit 1997 nach 14001

zertifiziert und als die Rezertifizierung

anstand, bot es sich an, Umwelt-

und Energiemanagement

gemeinsam zertifizieren zu lassen.

„Das hat sehr gut funktioniert“, er-

innert sich Linke. „Auch diese beiden

Normen parallel laufen zu

lassen, funktioniert sehr gut“, ist

seine Erfahrung. „Sie greifen ineinander

und ergänzen sich.“ Sich

zertifizieren zu lassen, habe zudem

eine „charmante“ Nebenwirkung

– es motiviere zusätzlich: „Wenn

sie sich jedes Jahr durch einen Auditor

überprüfen lassen, sind sie

schlicht gezwungen, ihre Energie-

Verbräuche kontinuierlich herunter

zu fahren und die Energie-Effizienzen

im Unternehmen voran zu

treiben“, so Linke.

Regelmäßige Überprüfungen

motivieren zusätzlich

Seit Juli 2009 gibt die DIN EN 16001

die Anforderungen an Energie-

Management-Systeme (EnMS) vor.

Bis Juni 2011 haben sich laut Umweltbundesamt

rund 30 Unternehmen

nach 16001 in Deutschland

zertifizieren lassen. Die Dekra in

Stuttgart betreut derzeit zehn Kunden,

die bereits zertifiziert sind

oder im Zertifizierungsprozess stehen.

In den nächsten Monten wird

sich diese Zahl mindestens verdoppeln,

erwartet Renate Stahl:

„Wir haben sehr viele Anfragen,

viele Audits sollen noch bis Ende

des Jahres laufen und ab 2012 geht

es dann richtig los.“

www.dekra.com

Energie-Tipp

Sonnige Rendite vom Dach

Produkt der Woche

Christian Strebe

Produktion Nr. 38, 2011

Egal ob Eigennutzung oder

Einspeisung: Eine Photovoltaik-

Anlage auf dem Dach ist nicht nur

gut für‘s Image, sie zahlt sich auch

wirtschaftlich aus.

Sulzemoos (mn). Viele Unternehmen

besitzen große Werkshallen

mit Flach- oder Schrägdächern.

Bereits 10 000 m² nutzbare Dachfläche

reichen aus, um ein Photovoltaikanlage

(PV-Anlage) mit einer

Spitzenleistung von rund 500

Kilowatt zu installieren. Je nach

Standort und Sonneneinstrahlung

produziert diese Anlage rund

500 000 kwh Strom im Jahr, die

derzeit mit jährlich ca. 130 000 Euro

vergütet würden. Da die Förderung

auf 20 Jahre festgeschrieben

ist, können Einnahmen von etwa

2,6 Millionen Euro entstehen.

Die zu erwartenden Erträge

lassen sich gut kalkulieren

„Im Gegenzug belaufen sich die

Investitionskosten für eine Solaranlage

dieser Größe derzeit auf ca.

1,1 Millionen Euro“, erklärt Thomas

Sanders, Leiter Dachanlagen Europa

bei Phoenix Solar, Sulzemoos.

Banken stehen der Finanzierung

von PV-Anlagen aufgeschlossen

gegenüber, da sich Ertrag und zu

erwartende Rendite gut kalkulieren

lassen. „In der Regel hat sich

eine PV-Anlage in zehn bis zwölf

Jahren amortisiert“, so Sanders.

Auch viele mittelständische Unternehmen verfügen über Dachflächen, die

sich für PV-Anlagen nutzen lassen.

Bild: Phoenix Solar

Damit die PV-Anlage installiert

werden kann, muss das Gebäude

bestimmten Anforderungen genügen.

Wichtig ist vor allem die Statik.

So sollte ein Flachdach eine statische

Lastreserve von acht bis zwölf

Kilogramm pro Quadratmeter aufweisen.

Je weniger Aufbauten wie

Lichtkuppeln oder Schornsteine,

desto besser. Befindet sich das Gebäude

in einem Industriegebiet, ist

es ratsam zu klären, ob auf angrenzenden

Flächen hohe Gebäude

geplant sind, die dann Schatten auf

das Dach werfen könnten.

Bei älteren Gebäuden steht in den

nächsten 20 Jahren idealerweise

keine Dachsanierung an. „Es gibt

jedoch auch verschiedene Möglichkeiten,

die Dachsanierung mit

der Errichtung einer PV-Anlage zu

kombinieren, damit hier weitere

Fördermaßnahmen sowie besonders

günstige Baukredite genutzt

werden können“, erklärt Sanders.

Vorab unbedingt Dachzustand

und Statik überprüfen

Erfüllt das Dach die Anforderungen,

steht die Anlage innerhalb

weniger Wochen. In der Regel wird

der laufende Arbeitsbetrieb durch

die Installation nicht gestört. „Von

der Entscheidung über die Planung

und Finanzierung bis hin zur Realisierung

der PV-Anlagen ist ein

Zeitraum von drei bis sechs Monaten

üblich“, so Sanders.

www.phoenixsolar-group.com

Kompakt und leistungsstark

Produktion Nr. 38, 2011

Kürzer, leiser,

effizienter – die

Planetengetriebe

BPNA und

BPNF.

Bild: Baumüller

Nürnberg (mn). Kompakte Planetengetriebe

für den Einsatz bei

beengten Platzverhältnissen: Das

BPNF mit integriertem Flansch sowie

das BPNA mit Winkelgetriebe

von Baumüller sind deutlich kürzer

als die Vorgängerserien. Sie punkten

mit Präzision, Dynamik und einem

spielarmen Betrieb – was zu

reduzierten Laufgeräuschen, geringerem

Energieverbrauch und hohen

Wirkungsgraden führt.

Die BPN-Reihen sind in vier Baugrößen

verfügbar. Elf Übersetzungsabstufungen

beim BPNA bzw. zwölf

beim BPNF ermöglichen eine optimale

Anpassung an die jeweilige

Applikation. Die Schutzart IP 65 erlaubt

Einsätze im rauen industriellen

Umfeld. Beide Getriebereihen

lassen sich mit den DSD- und DSC-

Motoren von Baumüller kombinieren.

Das BPNF mit integriertem Flansch

erfüllt durch seine Verdrehsteifigkeit

und geringem Verdrehspiel in

Verbindung mit Laufruhe die Anforderungen

eines schnellen dynamischen

Antriebs. Insbesondere durch

ein Verdrehspiel von unter einer

Winkelminute ist präzises Positionieren

auch bei hoher Dynamik gewährleistet

und sorgt so für verbesserte

Regeleigenschaften. Daneben

können die Getriebe hohe Radialund

Axialkräften aufnehmen. Die

Einbaulage der BPNF-Planetengetriebe

ist beliebig. Neben dem Standardschmierstoff

sind auch Tieftemperatur-

und Lebensmittelschmierstoff

verfügbar.

Das Winkelgetriebe BPNA ist nicht

nur kleiner, sondern auch deutlich

leichter als die BPSA-Baureihe. Das

geringere Gewicht führt zu einem

reduzierten Energieverbrauch für

mitfahrende Achsen. Eine Hypoid-

Verzahnung optimiert die Getriebefunktion.

Da sich die Zahnflanken

bei dieser Bauart nicht auf der gesamten

Zahnfläche berühren, wird

der Verschleiß minimiert und das

Getriebe läuft leiser. Zugleich lässt

sich eine Übersetzung bis 10:1 ohne

Planetenstufe realisieren. Daraus resultiert

ein gesteigertes Abtriebsmoment.

www.baumueller.de

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